kluzelvrels 70 Heller. Enschließltch 6 Heller Porta) 13. Jahrgang. Freitag, 12. August 1933 Nr 186. DNSAP ohne Maske Was Petermichels Flucht enthüllt Einer bet Angeklagten im Volkssportprozeß, Herr Dr. P e t e r m i ch e l, ist geflohen. DaS Dritte Reich, dem er vor und während des Prozesses abschwor, hat ihn mächtig gelockt und heute ist er in jener Körperschaft beamtet, die er in Brünn nicht kenne» wollte, in der SA. Die Flucht des Herrn Petermichel wirft einige sehr interessante fragen auf. Sie betreffen sowohl die Verteidigung, als auch die nationalsozialistische Partei. Die Flucht ist aber auch symptomatisch für den Geist, von dem die wackeren Gleichgeschalteten beseelt sind. ES war bisher schon imnier so, daß die Jung-Fascisten von jedem ihrer Anhänger, des. sen Verbindung mit den Hitlersaseisten offenbar wurden, abruckten. Nie vor einer Enthüllung, sondern immer nachher und das Abrücken wurde dann immer vordatiert. Verbindungen der Jungfaseisten mit den Hitlerfascisten? Gott bewahre! Ja, aber der und jener leisten Kurier, und Spitzeldienste? Nun, dann sind sie eben nicht Mitglieder der Unschuld-Partei des.Herrn Jung! So war es bei den SA-Leuten aus Niederein- siedel, so ist eS bei Herrn Dr. Petermichel. Die Flucht deS Petermichel war den Parteistellen schon länger bekannt als dem„6esks Slovo", das die erste Nachricht über sie brachte. Hat man aber gehört, daß der sonst so„gut" unterrichtete „Tag" um der Reinheit seiner Partei und die Sicherung der übrigen Angeklagten willen etwas von klärenden Maßnahmen der Parteileitung geschrieben hätte? Nein! Jetzt, da die Flucht nickt mehr zu verheimlichen ist, erklären die Verteidiger— nicht die Parteileitung—, Petermichel sei aus der Partei ausgeschlossen worden; jetzt, da er geflüchtet ist und für den widerlichen Märlhrerkult nicht mehr in Betracht kommt, den man mit den Brünner Verurteilten— auch mit Petermichel!— getrieben hat, jetzt nennt ihn die Verteidigung unter dem Beifall des„Tag" gewissenlos und dumm. Ja, sie sind alle, alle ehrenwert! Da ist zunächst dieser Dr. Petermichel, der sich vor dem( Brünner Senat nicht schlechter und feiger vertei» digte als die anderen und insbesondere als jener, der alle Schuld auf Krebs und Jung schob und der, mit den anderen verurteilt, gegen Gelöb- n i s auf freien Fuß gesetzt wird. Er versprach, seinen Wohnort ohne die Erlaubnis der Behörden nicht z» verlassen und das Gericht nahm an, daß sein Manneswort Geltung haben werde. War e8 doch gerade Petermichel, der sich vor Gericht auf oen studentischen Korpsgeist und die studentischen Ehrbegriffe am meisten zugute tat. Und Peternrichel, der nicht. nur weiß, tvas ein ManneSeid im allgemeinen bedeutet, sondern auch im Klaren darüber war, daß der Bruch des Eids die Kameraden in schwerste Gefahr bringt, dieser Petermichel, vom„Tag" gefeiert alS ein Märtyrer der guten nationalsozialistischen Sache und noch in dem Gedenkbuch, daS die Partei über den BolkSfportprozeß herausgab, nicht minder gewürdigt als die anderen sechs Angeklagten — et bticht seinen Eid, übt feigen Vertat an seinen Kamerad en,. flüchtet, weil es auch bei der Berufungsverhandlung ernst werden könnte, flüchtet, w e i t i fj nt ein paar Monate Haft drohen. Nu», da er das Weite gesucht hat, rückt die Verteidigung mit der netten Angeberei heraus, daß er schon bei der Erhebung der, Anklage geflüchtet, aber wieder zurückgekehrt und. in dem Prozeß„schon immer" ein Schmerzenskind gewesen sei.— Mit Verlaub, davon war bei dem Brünner Prozeß nichts zu.be- merken, am allerwenigsten aus dem Benehmen des Herrn Dr. Brittani, von dem jetzt berichtet wird, er habe die. Verteidigung niedergelegt. Was Wunder auch! Er hat ja, wie aus der Erklärung.der Berteid-ger hervor- geht, schon vor Monaten, nämlich nach der Haftentlassung der übrigen Angeklagten, von der Flucht des Petermichel gewußt. Nur erfährt die sudetendeutsche Oeffentlichkeit letzt erst von dem Schritt des Advokaten und sie hätte, dünkt uns, auch noch länger warten müssen, wenn die Flucht hätte noch verheimlicht weiden können. Sowohl die Verteidigung als auch die Partei wußten also von der Flucht Petermick-els, sie wissen soflar den genauen Zeitpunkt der Flucht. Erst setzt rücken sie von ihm ab, erst jetzt erfährt die staunende Oeffentlichkeit, was für ein dummer und gewissenloser Kerl er ist, erst jetzt hört man, er sei„schon vor längerer Zeit" aus dek Partei ausgeschlossen worden. Sie sind, die Führer und die Verführten, einander tvert! Erst wissen sie von nicktö, dann schwören sie einander Treue und kaum der Hahn im„6eflö Slovo" daS erste Mal gekräht hat, verraten sie einander: der Petermichel die Partei und diese ihn. * Es hätte geschickter gemacht werde»» müssen! Eine schlechte Verteidigung befähigt noch lange nicht zu politischem Reden und Handeln und ohne daß sie» wollten, haben sie die Beziehungen zwischen der Jung- und der Hitlcr- partei in unwiderlegbarer Weise enthüllt. .Wenn, er(Petermichel) tatsächlich Eingang in eine reichsdeutsche, nationalsozialistische Organisation gefunden haben sollte, wie eS eine tschechische Zeitung behauptet, könnte dies wohl nur aus Grund unrichtiger Borwände geschehen sein. Daher wäre sein Ausschluß a«S der NSDAP, zu erwarten." ES kann sich, da er aus der Jung-Partei schon„vor längerer Zeit ausgeschlossen" wltrde, hier nur um den Ausschluß aus der reichs- deutschen„Bruderbewegung" handln, mit der den Jung zwar nur ideelle Bande verknüpfen, die aber streng darauf zu achten scheint, daß nur richtiggehende Leute aus dem sudetendeutschen Gebiet, nämlich nur Mitglieder der Jung-Partei,„tatsächlich Eingang" in ihre Reihen finden. Petermichel sei, meinen die Ver- leidiger, eigentlich nicht berechtigt gewesen, sich drüben Eingang zu verschaffen, denn er habe eS doch nicht mehr niit dem Jung gehabt. Die unrichtigen Vorwände, die er benutzte, würden aber mm Ausschluß aus der reichsdeütschen Bruder- oewegung führen. Dies lind nichts anderes geht o»i$ der Erklärung der Verteidiger hervor! Merkwürdig, wie gut die.Herren von de» Absichten der Bruderbewegung unterrichtet sind, merflvürdig, mit welcher Sicherheit sie den Ausschluß des Petermichel aus ihr deshalb ertvarten, weil er unter„unrichtigen Vorwärden" Eingang gefunden hat! .Herr Jung wird ja nicht umhin können, diesen dunklen Passus in der Erklärung der Verteidiger durch daS Licht seines Geistes und seiner politischen Geradheit zu erleuchten. * Aber der Fall Petermichel hat noch andere Bedeutltng. Er steht in engstent Zusammenhang mit den österreichischen Ereignissen und mit der unverschämten Hetze, die die nationalsozialistische Presse hierzulande gegen die dentschen Emigranten im allgemeinen und gegen die SPD im besonderen betreibt. Diese kühnen, kompromißlosen Kämpfer, die die reichsdeutschen Emigranten der Feigheit zei-! hen und sich über den Untergang der SPD lustig| machen, sie sind als erbärmliche Feig«, linge enthüllt! Wenn die Kapitulation einer Partei vor den herrschenden Gewalten oder die Flucht ihrer Führer ins Ausland schon den Untergang der Idee bedeutet, die sie verkörpert, dann ist die nationalsozialistische Bewegung in Oesterreich schon krepiert und bei uns.im Krepieren be- griffen. Von den sozialdemokratischen Führern Deutschlands sind Tausende in der.Heimat geblieben, obzwar sie wußten, daß ihnen Konzentrationslager, Mißhandlungen und Erschießung auf der Flucht drohen, obzwar sie wußten, daß sie in keinem R e ch t s st a a t, sondern unter der .Herrschaft politischer Räuberhorden leben, die straflos sengen und morden dürfen. In Oesterreich haben Herr P r o k s ch und die Seinen schon lange vor der Auflösung der Partei die Flucht ergriffen, obzwar ihnen höchstens Ge- kängnis nach ordentlicher Gerichtsverhandlung drohte, bei uns haben sie die Flucht vor ihrem eigenen Programm ergriffen und sich den tschechische» Agrariern gleichgeschaltet, an die sie sich in der elendesten Weise anhündeln. Verzicht ans ihre früheren Grundsätze, Ablengnnng früherer Unternehmungen— Reise des.Krebs zu Hitler, Betrauung mit der Reorganisation der österreichischen Partei durch Hitler!—, Hetze aus sicherem Port gegen hungernde Flüchtlinge, Verdächtigung gegen sozialdemokratische Vertrauensmänner, die sich nicht wehren könneit, Begeiferung Ermordeter»nd Eingekerkerter: dies, macht das Wesen nationalsozialistischer Politik aus. Und dieser Petermichel, der die Flucht ergreift. weil ihm einige Monate StaatSgekängnis drohen, ein GesängniSausenthalt, den alle politischen Gefangenen Deutschlands, afl die Gemarterten, die ohne Gerichtsurteil und ohne Schuld in Haft oder in„Schutzhaft" sind, dankbar eintauschten— dieser Petermichel ist eine äuf'dem politischen Mistbeet deS.Herrn Jung gezüchtete Pflanze. Er. der ein Ehrenwort bricht und seine Kameraden verrät, er handelt zwar nach dem nationalsozialistischen Grundsatz, daß auch Ehreiiwörter„diesen: System gegenüber" keine Geltirng haben— aber et i st Darum nichts weniger als ein,Feigling niid daß er gestern noch der Plärtyrer der Jung- Leute war, während sie ihn heute beschimpfen, e n t l a st e t sie nicht, sondern stellt ihre sittliche und politische Verworfenheit erst recht ins Licht. Die DNSAP ohne Maske— daS ist eine Partei des Wortbruchs, des Verrats, der Feigheit und der hündischen.Kriecherei. Einmal noch sollen die Kerle die Feder oder die Stimme erheben gegen die Tapfereii, die innerhalb und außerhalb Deutschlands die Fahne der deutschen Freiheit hochhalten, einnial noch sollen sie. die Feigsten unter feigen Politikern, jene mit Dreck bewerfen, die sich nicht vor dem Gefängnis eines Rechtsstaates, sondern vor dem sicheren Tod in einem faseistischen Räuberstaat in Sicherheit brachten, einmal noch sollen die Petermichels unsere Toten schmähen— sie werden, sofern sie nicht an ihrer eigenen Niedertracht ersticken, unter den Schlägen deS erbitterten ProletariatS zusannnenbrechen. Der in Karlsbad erscheinende„Neue Vorwärts", das Wochenblatt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, richtet schwere sachliche Angriffe gegen den Reichspräsidenten Hindenburg. Es erinnert daran, daß Hindenburg 1925 bei der llebernahme seines Amtes in die Hand des Reichstagspräsiden- ten und jetzigen Gefangenen im.Konzentrationslager Paul Löbe einen Eid geleistet hat, in dem er u. a. auch gelobte,„Gerechtigkeit gegen jedermann" zu üben. DaS Blatt wirft Hindenburg vor, er habe wisien müssen, daß Hitler daS Amt des Reichskanzlers in der Absicht übernähme, die von ihm seierlich beschworene Verfassung zu brechen und .aus Gewalttaten ausgehe. Bei der Unterredung zwischen Hindenburg und Hitler im August 1932 habe Hitler erklärt, er rechne im Fall.- seiner Machtergreifung mit dreitausend Toten. AlS cin Teilnehmer dieser Besprechung entsetzt antwortete, Mussolini habe es doch»irr bei dein Wird Roosevelt ehigrellen? Nom keine Enismeldnntf aul Kuba Havanna, 10. August. In Havanna ist di« Äg«»och immer beunruhigend. Polizeikraftwagen durchfahren die Straßen und belegten alle Läden, die geschlossen waren, mit Maschinengewehrfeuer, ohne sich darum zu kümmern, daß viele dieser Laden sich im Besitze von Ausländern befinden. Da die Backer streikten, waren die ärmeren Schichten der Bevölkerung fast 48 Stunden ohne Brot. Man fürchtet, daß eS wegen deS Mangels an Nahrungsmitteln zu Plünderungen kommen wird. StaatSftkertcir Ferrara gab bekannt, daß Präsident Machado noch von der Volkspartei und den Liberalen unterstützt werde. In amerikanischen' Kreisen glaubt man, daß die Aufforderung des Präsidenten Roosevelt, der eine Beendigung der politischen Kämpfe auf Cuba verlangte, als indirekter Appell an den Präsidenten Machado anznsehen sei, daS Land zu verlassen, wenn er nicht nystand« sei, da» La uv ohne Ge« walt Maßnahmen zy regieren. Man nimmt an, daß Roosevelt eine baüiig« Aktion zur Wiederherstellung der Ordnung in Euba plant, doch gibt' bisher nichts zu der Vermutung Veranlassung, daß die» durch eine milltärische Aktion geschehen Matteotti bewenden lasse», habe Hitler über! gen lächxlnd geantwortet, das sei ganz saNch. Auch der Sieg des italienischen FasciSmnS habe sehr zahlreiche Menschenleben gekostet. Ta- her galt die Kandidatur Hitler» als erledigt. Bei einem Diplomatenessen, das kurz daraus stattfand, äußerte eine dem Reichspräsidenten nächst stehende Persönlichkeit:„Der Anstreicher wird eS nicht!" Jetzt habe es Hindenburg nicht einmal vermocht, den Mann, in dessen-Hand er den Eid für Verfassung und Gerechtigkeit abgelegt habe, vor den Klauen der Fememörder.Heines zu bewahren. Der„Neue Vorwärts" teilt zur Illustration des Verhaltens von Hindenburg noch mit, Paul Lobe sei der erste gewesen, der im Jänner 1932 im Palais des Reichstagspräsidenten im Kreise von Republikanern die Wieoer.vahk Hindenburgs vorgeschlagen habe! Der Artikel endet mit den Worten:„Abgeschlossen aber ist das Kapitel Hindenburg." Thyssen fordert Auflösung der gesamten SA. Er iflrmict um die wirismoii. Berlin, 10. August. Wie erst jetzt bekannt wird, hat der Großindustrielle Thyssen, dessen Tochter daS zweifelhafte Vergnügen haben wird, in nächster Zukunft die Frau eines Morphinisten und JrrenhäuSlerS zu werden, und der dafür von Göring zum preußischen Staatsrat gemacht worden ist, ln einer ausführlichen Denkschrift vom 25. Juli die sofortige Auslösung der gesamten SA-Formationen gefordert. Herr Thyssen schreibt unter anderem, daß, nachdem dir Revolution beendet sei, die SA überflüssig geworden ist; zum Schutze des Staates und der Nationalsozialistischen Partei seien Reichswehr, Polizei und SS ausreichend. Darüber hinaus aber bedeut« die Existenz der SA,„deren heterogene Zusammensetzung und deren überspitzter Radikalismus bekannt" sei, eine unmittelbar« Gefahr für di« «grgrnwäriige Ordnung". Schließlich sei«S«ine finanzielle Unmöglichkeit, diese Truppe,„deren militärischer Wert gering" ist, aus di« Dauer bei« znbehalten. Er, Thyssen, wolle die„hohen Ber- dienste der braunen Soldaten dnrck>aus nicht verkennen", aber heute stelle di« SA kein Aktivum mehr dar. Seite 2 streit«-, 11. August 1088 An deutscher So-ialdemolrat Lürsermetster von Dux. Venöse Schlei» zum Bürgermeister gewählt. Dux, am 10. August(Eigenbericht). Heute fand in Dux die infdlge der Nichtbestätigung dcS Bürgermeister- H a r t r g nottvendig gewordene Neukonstituirrung der Gemeindevertretung statt. Die Entscheidung der Parteien gestaltete sich außerordentlich schwierig, da 19 deutschen 17 tschechische Gemrinoedcrtreter gcgcnüberstan» den. Angesicht- dieser Tatsache hatte sich unsere Partei trotz größter Bedenken zu dem schweren Opfer bereitgesunden, für den Bürgermeister zu kandidieren, da die Vertreter der deutschen Parteien erklärt hatten, einen deutschen Sozialdemo- katen zu wählen, falls ein solcher kandidiert werd». Die Sitzung wurde um 5 Uhr abends unter Anwesenheit drk Vertreters der Brzirksbchördc, Bezirkshauptmann Späte, durch den Vizebür» germeistcr, den tschechischen Genossen B e I ö a n eröffnet, worauf der Tvutschnationnlc Lehmann als Aeltcster den Vorsitz übernahm. Tie deutschen Nationalsozialisten gaben sodann eine Erklärung ab, in der sic auf die vierzehnjährig« Tätigkeit Hartig» hinwicscn. Nach aincr Erklärung der Kommunisten erklärte der tschechische Sozialdemokrat D v o k a k namenS der tschechischen Parteien, daß sich diese an der Wahl nicht beteiligen werden, woraus die 18 tschechischen Vertreter(mit Ausnahme der vier Kommunisten) den Saal verließen. Da nunmehr die Wahl eines deutschen Bürgermeisters siche«gestellt erschien, erklärte unsere Partei, von der Kandidatur zurückzutrcten. Tie übrigen deutschen Parteien aber erklärten, nach wie vor für einen deutschen Sozialdemokraten zu stimmen. Sodann wurde zur Dahl geschritten. ES erhielt unser Genosse Schlei«, der bisherige Vizebürgermeister, 17 Stimmen, vier Stimmen fielen auf den Kommunisten Nowak, zwei Stimmzettel waren leer. Zum ersten Bürgermeisterstellvertreter wurde mit 15 deutschen Stimmen der tschechische Sozialdemokrat B e l ö a n gewählt, vier Stimmen entfielen auf den Koni- munisten st ö r st e r. Bei der Wahl des zweiten Bürgermeisterstellvertreters entfielen aus den Nationalsozialisten Weiß 15 Stimmen. Unsere Partei hat sich bei der Wahl der Vizcbnrger- meister nicht beteiligt und leere Stimmzettel abgegeben. Der neugewählte Bürgermeister, Genosse Schlei«, gab sodann eine kurze Erklärung ao, in der er auSführtr, daß er trotz der ungeheuren Schwierigkeiten, die ihni bei der Ausübung seiner Funktion entgegenstehen werden, diese annimmt, und bemüht sein wird, sie nach besten Kräften zu erfüllen. Blut ir'est ihm ron der Slbusuze! Die gleichgeschaltcte Presse hat vor einigen Tagen behauptet, seit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten hätten sich itut vier oder fünf p o l i t i fdje Mordtaten ereignet, von denen sogar drei von K v m m u>t i- st e n begangen worden seien. Tcm Kerl, der das auS Berlin geschrieben hat, kann nicht Angst werden vor seiner Schuftigkeit, denn er ist Nationalsozialist und reiht die Morde, die seine politischen Freunde begehn, in die Rubrik„Völkische Erneuerung" rin. Aber die„Tag-"Rcdaktion bat feiner Behauptung wider besseres Wissen Raum und sogar Gelegenheit gegeben, den ermordeten Genossen Stelling zu beschimpfen. Herr Spina, wo Wir verwiesen schon gestern auf das Lob, das die in Saaz erscheinende„Heimat", ein land- bündlerisches Organ, Hillern spendet und auf die Niederträchtigkeit des Kampfes, den cs gegen die Demokratie führt. Durfte man anuehmen, daß die Stellungnahme der„Heimat" eben ein Einzelfall bleiben wurde, der verschuldet ist durch den sattsam bckannteil Chefredakteur Fietz— einen Mann, der für den Bund der Landwirte schon lange eine arge Belastung ist—, so kann diese Annahme nach der neuesten Ausgabe der „Deutschen westböhmischen Stimmen" nicht mehr gelten. Dort wird an leitender Stelle in einer hierzulande bisher nicht gekannten Offenheit zur Aufrichtuilg der faschistischen Diktatur nach hitlrrschcm Muster ausgerufen— unter dem bezeichnenden Titel„Barmherzige Aerztc schassen eiternde Wunden". Es heißt da u. a«: „Unser bäuerliches Landvolk muß endlich einmal, fünfzehn Jahre nach Kriegsende, gründlich »mlcrnen... So kann und darf das nicht writergrhen. Hier Helsen keine Heftpslästerchen ans schwer eiternde Gebresten, hier muß scharf geschnitten, müssen die saulen Eilerherd« ausgebrannt werden... Deshalb müssen die Reicks- leilung des Bundes der Landwirt« und dir tschechischrn und slowakischen Bauernorganisationen ähnliche Zwangsmaßnahme» in organisatorische«« Fragen beschließen und auch unerbittlich durchführen, welch« Mussolini und Hitler»um vollen Erfolg geführt, welche Dollfuß— wenn er tat- sächlich energisch genug ist— zum endgültigen Sieg gegen eine Riesenübermacht führen werden Wir müssen eine Armee von Agrarsoldaten heranziehcn, welche entweder die strengste Disziplin befolgen nnd mit Freude jeden ihnen aufgetragenen Befehl sofort in die Tat umsetzen, oder auf schimpflichste Weise ausgestoßen und der tödlichen Verachtung Preisgegeben werden... Wo ein fester Wille ist, findet sich auch ein Weg. Mussolini wie Hitler sind aus winzigen Verhältnissen nur durch unabänderliche Willenskraft und tätigen Fleiß zur Größe gewachsen. Sie standen allein und haben die Millionen in die Knie gezwungen. Wir verfügen bereits über eine große Armee, Nun läßt sie sich von dem Mörder Z. aus Berlin eine Antwort'fchreiben. Sie ist eigentlich belanglos, aber den Schluß, der die Bertlerthcit des Schreibers und seiner Duxer Freunde zeigt, dürfen wir den sudctendeutschen Arbeitern nicht vorenthalren: Ein Paar krankhaft« Boiisprüngr wriler schreckt bi« Marxiftenpresse:„Schäbige vier bis fünf Fäll« insgesamt sind der Erwähnung>ocrt, di« restlichen fünftausend fallen in den Begrisj „Todesstrafe." Gemeint sind DtordMe. vaihinger, der Philosoph des AlS-ob, der den Menschen ge- zrigt hat, wieviel in ihrem Leben di« Fiktion aus- macht, muß an dem Satz seine wahre Freude haben. Wochen- und monatelang leben nun ge« wiisc Menschen von den angcnoninieucn Aesern der noch angenommeneren Toren, die angeblich auf Kosten der nationalen Revolution im Reich gehen. 5000 Tot«, sürwohr, man ist großzügig. Man hat ja auch seit f« ein mächtiges Maß Phau- tajir gehabt. Schade, daß dir Buchhaltung der Gr«u«llügenfabrik«n nicht publik gemacht wird. Man kann sich sie nicht-anders als so vorstell««. Thälmann di« Ohren abgehackt... 500 Ku Stelling in den Landwehrkanal ge- worien 8.000 Ks leben wir? wo es lediglich einer Reorganisation be darf, um diese gegen alle SlaudeSgtgner zu einer unüberwtndbaren, ja schreckenerregenden Mach t zu gestalte«. Ueber die Einzelheiten kann hier nicht gesprochen werden. ES heißt da arbeiten u n d M a u l halten!... Die RcichSleituiigeu haben nunmchr i n zw ölst er Stund« dar Wort! Si« müssen zur Tat schreiten! Jede Stunde Verzug droht uneinbringbaren Schaden zu bringen." TaS Verlangen der„Drutschen westböh- mischen Stimmen" ist nicht mißzuverstehen: hier- mlande soll, gestützt auf die Baucrnmassen, mit Konzentrationslagern und agrarisch-landbündle- rischcr SA regiert werden! Noch keine nationalsozialistische Zeitung hat «ine solche Forderung aufzustcllen gewagt, weil sie der Beschlagnahme verfallen lväre. Dieser Angriff aus die demokratischen Grundlagen der Tschechoslowakischen Republik, auf die Freiheit seiner Arbeiter« und Bauernmassen blieb der Zeitung einer Partei Vorbehalten, die in die Regierung der Republik einen Minister entsandt hat. Einer deutschen Partei, die sich darüber klar sein muß, wohin bei uns die Diktaturforderungen führen. Es ist Aufgabe des Herrn Spina, sich darüber klar zu werden, wo er eigentlich lebt, in welchem Lande er eigentlich Minister ist. Uns dünkt, in einem noch immer demokratischen Lande. Daraus folgt, daß er entweder in seiner Partei O r d n n n g schaffen und ihre Fascisicrung, die zudem einem offenen Verrat an dem Sudctcndcutschtum gleichkommt, bekämpfen, oder auf die M i n i si e r s ch a j t verzichten muß. ES geht nicht an, daß die deutschen Landbündler ein Doppelspiel treiben: daß nämlich die„Deutsche Landpost" und Herr Spina eine gut demokratische Politik verfechten, während sich die Provinzorgane des Bundes der Landwirte nicht nur ideell gleichgcschaltet haben, sondern auch ganz offen für die Fascisicrung der Tschechoslowakischen Republik arbeiten. Wird Herr Spina Klarheit schaffen? Torgl«r dir Zunge herauSgeschnitten 500 Ka 400 Juden„elend verrecken lassen" 20.000 Kt Jüdische Familie ermordet.... 2.000 Kg Geliefert an„Daily Mirror", Neuyork, „Daily Hcrald", London,„Wiener Allgemeine Zeitung". Betrag erhalten. Hier gibt» keine Polemik mit der Feder mehr, sondern nur em« solche mit der F a u stl „Eine sozialdemokratische Maraarinefabrik für 25 Millionen." Unter diesem Titel, der zweispaltig oufaemacht ist, bringt die„Landpost" einen Artikel, In dem sic sich darüber aufregt, daß die tschechische Äroßeinkaussgesellschast in der Nähe von Kraluv sich eine Margarinefabrik erbaut hat. Diese Margcirinefadrik dient dazu die tschechischen Konsumgenossenschaften mit einen« Massenartikel zu versorgen und ihnen eine gute und billige Ware zu»liefern. Gerade das agrarische Blatt sollte für di« Eigenproduktion der Konsumgenossenschaften Verständnis haben, da ja auch weite Kreise der Bauernschaft in den Genossenschaften einen wirtschaftlichen Fortschritt sehen und weil auch selbst innerhalb der agrarischen Parteien die Notwendigkeit des direkten tvirtschastlichcn Verkehrs zwischen Bauern- und Hätte Ich mehr Glück gehabt, dann lväre ich nicht zun« Räuber und nicht zum Mörder gewor. de» und müßte jetzt nicht die Flucht ins Jenseits anirelen. Vielleicht hätte ich nicht gleich die Flinte ins Korn werfen sollen! Jetzt ist es zu spät! Lo Lu erwartete am nächsten Tage ihren Freund auS Paris. Er hatte sich telegraphisch angekündigt und wollte int„Grand-Hotel" avstei- gen. Sie wollte am nächsten Nachmittag mit ihm ein Rendezvous im„Weißelt.Hahn", wo sie schon öfters mit ihm soupiert hatte, verabreden. Ihn um das Geld zu bitten, schien ihr aussichtslos; denn obwohl er sehr freigebig war, hätte er ihr doch einen so großen Betrag nicht gegeben, Cs Wirb also nnr übrig, den Mann zu betäuben und 'zu berauben. Wir hatten nicht die Absicht, ihn zu töten. Ich war im Besitze eines orientalischen Giftes; es war ein Schlafmittel, das bei einer gewissen Dosis einen leichten, schmerzlosen Tod 'yerbeiführte. Bei geringerer Dosis erzeugte es einen tiefen, traumlosen Schlaf. Ich selbst hatte eS vor Jahren gegen Schlaflosigkeit verwendet, und war einmal 36 Stunden in Schlaf gelegen, bann war ich erwacht, ohne Schaden an»reiner Gesundheit genommen zu haben. Allerdings war »nein ErinneruilgSvermogeii für die Dauer von zwei oder drei Tagen getrübt. So wollte ich die Wirkung auf Renee Gaubier einteilen. Blieb er also vier Tage vernehnmngsunfähig, dann war unser« Flucht zum Teil geglückt; denn aus hoher See erwartete ich keine Verhaftung mehr. Zur Sicherheit aber»rußte auch ei» Mensch enden werden, der den ersten Verdacht aus sich le. Wir hatten nicht viel Zeit, diesen Menschen auszusuchen, es mußte außerdem einer sei», der u>lt eine ganz bestinnnte Zeit zu ihm ging, zu einer Zeit, die wir wußten, den wir unter Kontrolle hatten. Ich weiß cs heute nicht mehr, wie Dein Name plötzlich genannt wurde, aber Lo Lu ließ - Nr. 188 Arbcilerkonsumgcnossenschaften erkannt wird. Die Sozialistcnseindschast der Redaktion der„Land. Post" scheint aber größer zu sein al» ihre wirt, schastliche Einsicht. Wenn nämlich sich das agrarische Blatt über große Fabriken ausrcgt, daun müßt« e» sich folgerichtig auch über oie im Bc. sitz landwirtschaftlicher Größen und Genvssc». schäften befinvltchen Zuckerfabriken, Spirii"». orcnnercien, Biehvcrwcrtungügcselischastrn usw. anfrcgen, was e» aber wohlweislich nicht tut. Es wäre also notwendig, wenn die Redaktion der „Landpost" insbesondere in. wirtschaftlichen Fra. gen eine» größeren Ernst an den Tag legte. Massemhallunoen in Dresden. Die Massenverbaftungen int Dritten Reiche haben wieder eingesetzt. In Dresden sind zun« Beispiel am Freitag, den 4. August 1933, wiederum gegen 200 Personen der SAP., SPD. und des Reichsbanners verhaftet worden. Dar-, unter befinden sich Personen, die wiederholt schon in Schutzhaft waren. Die Gründe der Verhaftung werden nicht bckanntgegeben. In Radebeul bei Dresden wurden eben- falls wieder Haussuchungen vorgenonimen und dabei 17 Personen verhaftet. Diese wurden zuerst in die Turnhalle geschafft und schon während de» Transportes und in der Halle geschlagen und gestochen. Drei der Verhafteten witrdcn später, im Gesicht ganz zerstochen und übel zugerichtet, nach DreSoen gebracht. Bor ettva drei Wochen ist im Dresdner Polizeipräsidium ein Inhaftierter verstorben, der durch die SA. eingeliefcrt worden war. Ter Frau de» Verstorbenen wurde als Todesursache „Herzschlag" angegeben. Gleichzeitig aber wurde der in DreSden-Löbtau wohnhaften Frau vom Präsidium mitgeteilt, daß die Sache von ihr geheim zu halten sei. Die Begräbniskosten und sonstigen Schaden tvürdc das Polizeipräsidium tragen. Bekanntlich mußten am 1. Mai alle N2BO- Angchörigen sich Hakenkrcuzbinde» kaufen. Bei den jetzigen Aufmärschen wurde ihnen wiederum von der SA-Leitung ihr Tragen untersagt. Tics dürften nur SA-Lente. Moralist« des Dritten Reiches Basel, 10. August. DaS Aufsehen erregende Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitler» terror, das sich auf Dokument» und nachgeprüstr Tatsachen stutzt, verössentlicht ein« Mordlift« de» Dritten Reiches, die am 29. Juli 1983 abgeschlossen wurde. Diese Liste, 28 eng bedruckte Seiten, enthält au» der riesigen Anzahl von Morden der SA- Leut«„nur" 280 Fäll«. Bei einige« Fällen sind Einzelheiten in Slichworie« angegeben. Neben dieser schauerlichen Liste nennt das Braunbuch auch«och 48 Mord« an Juden, di« bisher überprüft werden konnten. Da da» Braunbuch überhaupt nur solche Fäll« nennt, die durch Zeugen. auSsaaen und einwandfreie Dokument« in allen Einzelheiten klargestellt sind, kann man. sich vorstellen, daß die Zahl der bestialischen Mordtaten in Deutschland, die hier angegebenen nachgeprüf- trn Fälle vielfach übersteigt. Oesterreich-Anleihe Überzeichnet. Wien, 10. August. Die Zeichnung auf die österreichische Anleihe wurde in London eine Minute nach der Auflegung geschlossen und der betreffende Betrag hoch überzeichnet. nicht mehr von dem Gedanken. Vielleicht war wirklich ein wenig Rache dabei, Rache, weil Du in meinem Leben eine gcwiffe Rolle spieltest, vielleicht aber ließ sie nicht locker, weil sie am Abend mit Dir zusammentreffen konnte und so ihr organisatorisch Wohl überlegter Plan am besten seine Abwicklung sand. ES handelte sich nun bloß darum, die geeignete Form zu finden, um Dich tatsächlich zu dem Besttche im Separee zu veranlassen. Der verliebten Einladung eines anonymen Verehrers würdest Du wohl nickt Folge leisten, das wußten wir nur zu gut, wir kannten beide Deine Ablehnung alles Abenteuer- ischen. Also mußten wir irgend etwas fiilden, was auf Dich großen Einfluß üben konnte. Da erinnerte ich«mch an Deine Anteilnahme an der Sache mit BorriS und Dein Geständnis darüber machte ick mir zunutze. Lo Lu schrieb den Brief, natürlich mit verstellter Schrift, legte die Tabatlere bei, die ein ehemaliges Geschenk von Renee Gaubier an sie war, und übernahm es, Dir den Brief während der Vorstellung, r» der sie Dich zwanglos treffen konnte, nicht üderacben. ES wird Dir heute klar sein, warum sie Dich belauerte und Gewißheit erhalten wollte, ob Du auch wirklich der Einladung Folge zu leisten gesonnen warst. Rerrü Gaubier war für.halb neun Uhr abends in daS Separee bestellt, er wußte nicht, daß Lo Lu an diesem Abend Vorstellung hatte. Ettva um neun Uhr betrat ich daS Separee, fand ihn mit Ellen und Trinken beschäftigt, stellte mich als Schauspieler Müller vor, einen Kollegen von Lo Lu, die Mich beauftragt hatte, ihm mitzuteilen, daß sie etwas später kommen werde und chn zu bitten, sich zu gedulden. Sie habe versucht, zu telephonieren, habe aber kein« Verbindung bekommen. Er war sehr liebenswürdig, besonders, da ich mit ihm fra^östsch^sprach und bot mir Platz an, um Ihm ein« Welle Gesellschaft zu leisten, Kortsttzung folgt.) schließlich, ick will Dir. die vielen nervenzerrüt- lcnden Details ersparen, war mein Vermögen vertan und«in neuerlich venvendeter großer Teil fremden Geldes. Noch immer wiegte ich»«ich in der Hoffnung, doch noch alles gut mache» zu können, obwohl ich jeden Tag vor der Entdeckung zittert«. Nun ist es Dir auch begreiflich, warunr ich damals, als der Detektiv Deinen Freund bei mir suchte, so sehr erschrak. Weil ich dachte, es ginge mim an. Aber cs war nur ein Aufschub. Am nächsten TM schon, oder war es sogar derselbe, tvar mein Verbrechen oder meine Schwäche oder mein Unglück, nenn e», wie Du willst, bekannt und ich hatte höchste Eile, mich in Sicherheit zu bringen. Vielleicht wäre es klüger gewesen, nkeineiil Chef alles zu gesteheil, vielleicht! Aber ich war wie von Sinnen; von toller Angst getrieben, von Scham und Verzweiflung, hatte ich nur den einen Gedanken: Rettung! Wie? Da» wußte Ich nicht. Ich stürzte zu dem einzigen Mensch««, des- sen Verzeihung ich sicher war, zu Lo Lu. Ich schilderte ihr mein« Lag« und sie fand einen Ausweg; einen teufltchen vielleicht, oder für mich einen rettenden. Mir war alles recht, alle Möglichkeiten waren niir lieber, als die eine, dn Gefängnis für meine Unbesonnenheit zu büßen; oenn das muht Du mir glauben, ich war nur ein eitler Schaoächliira, ein betörter Anbeter des goldenen Kalbes, aber kein gemeiner Verbrecher, kein Mensch, der über Leichen ging, um seinen skrupellosen Eaoisnms zu befriedigen. Ich war auch kein Diev; denn bei mir lag Geld, das ich f provisorisch neunen und wieder ersetzen konnte. Ich glaubte Dich zu lieben, vielleicht liebte ich Dich wirklich. Deine süße Dlcidchenanmut goß Balsam in mein Herz, daS vordem von einer großen Leidenschaft zerwühlt und zerrissen worden war. Diese Leidenschaft hieß Lo Lu. Sie ivar lange meine Geliebte, betrog mich und verließ mich schließlich, um die Geliebte eines sehr reichen Mannes zu fein, des französischen Kaufmann» Renee Gaubier. Ich konnte sie iange nicht vergessen und liebte wohl im Innersten weiter; denn als sie eines Tages wieder zu mir kam, and ich ieder völlig unter ihrem Bann. Du kanntest sie nicht. Sie ist ein wilder, großer vitaler Mensch, tierhaft in ihrer Gunst, berauschend in der Tiefe ihrer Hingabe. Mir hat st« Gutes getan, trotz allem, sic versuchie mich zu "retten, sie floh mit inir und da beides mißlang, geht sie mit mir in den Tod. Auch ihr sollst Tu nicht fluchen. Ich dachte nie daran, Dir über meine Vergangenheit, in welcher Hinsicht immer, reinen Wein«inzuschenken. Du hättest mich ja doch nie verstanden, warum sollt ich also die kurzen Stunden unsere» Glückes damit trüben? Ich dachte ehrlich daran, Dich zu heirate», und an Dem» Seite«in neue« Leben zu beginnen, ein ruhiges, bürgerliches, sittenstrenges Leben. Aber mitten in meinen Entschluß brach die erste Katastrophe. Ich hatte mir frenideS Geld angeeiauet, zu dem ich durch meinen Posten unbewachten Zutritt hatte. Ich hatte das Geld zu Spelula- tionen verwendet, hatte dabei ein kleine» Vermögen gewonnen und konnte den angetasteten Betrog wieder ersetzen. 48 i Damals begann mein Wohlstand. Ich C I_ ü n__• konnte mir verschiedeire Dinge leisten, auf die ich DSC aaaie füll oOrrtS bis dahin halt« verzichten müllen, ich lebte au» L!M WÄT SÄ An« Mut nrWiaiifr WMnIWIIWMIMWWWW t Mein Älück ernmligte mich, tth verwickelte mich in inmier gewagtere Spekulationen— und Nr. 186 Freitag, 11. August 1988 Sette 8 —27 Die Wahrheit Uber Köpenick M zu, er wohnt in der Nähe der Grenze! Durch Brandstiftung ins Dritte Deich. Klagenfurt, 10. August. Heute nachts brannte in Limersach bei Klagenfurt ein einem dortigen Bauern gehöriger grober Heuschober nieder. Den Feueralarm benützten die Nationalsozialisten dazu, die ganze Stadt mit Hakenkreuzen>.nd Hiller» Parolen zu bemalen und mit Druckschriften zu überschwemmen. Da» ganze von ihnen verwendete Material war reichsdeutschen Ursprung:-. 11. Josef Spitzer, Berlin-Köpenick, Glienicker- slraße 8V. Kommunist. Am 21. 6. totgeschlagen. ♦ Hier' sind allein die Namen von elf Opfern! Der Herr Gesandte hat Gelegenheit, nochzuweisen, ob sein Chef ein Lügner ist oder wir gewissenlose Verbreiter von Greuelmär- chen sind. Er sage uns, wo sich die in unserem Bericht genannten O Pferder SA befinden. Wenn er nachweist, daß sie noch am Leben sind»nd sie eine andere Behandlung erfuhren als die, über die wir berichteten, dann leisten wir ihm Abbitte, dann geben wir uns geschlagen. Vielleicht ist Herr Dr. Koch nun endlich einmal so freundlich, die Zeit, die er mit dem Einschrekten im Prager Außenankt vertrödelt, einmal zur Widerlegung unserer Angaben zu verwenden. Gelänge ihr» dos, so könnte die Welt Hitlers Angaben ernst nehmen. Gelingt es ihm jedoch nicht, dann ist der Reichskanzler als Lügner entlarvt. Der Herr Gesandte hat das Wort! Wer Wesen und Art des nationalsozialistischen sudetendeutschen Kleinbürgers kennen lernen will, jene Art, die als„gut deutsch" gilt, manchmal sogar alS„kerndeutsch" angcpricsen wird, muß gelegentlich dir kleinen Provinzzeitungen, die dieses Kleinbürgertums geistiges Brot sind, lesen— was freilich kein bewnderes Vergnügen ist. Aber um eine bestimmte Abart der Volksseele erforschen zu können, di« heldische Kleinbürgerseel«, darf man auch peinvolle Arbeit nicht scheuen. Die Welt weiß nicht- von der„St l i Jt» genthaler Zeitung" und sie weiß nicht» vom„Graslitzer VolkSblat l". Aber sie sagen mehr aus über deutschnationale Art, als dicke Bücher es könnten... Die„Klingenthaler Zeitung" vom 4. August und das„GraSiiher VolkSblat!" vom 5. August brachten diese besonders charakteristische Mitteilung: „Der Kommunist Grosser wieder frei. Wie wir erfahre», ist der Kommunist Grosser von den tsehechofloloakische« Behörde» au» der Haft entlassen worden. Der Hetzer treibt in Schwa» derbach weiter fein Unwesen, so daß sür all« Einwohner de» Klingenthaler Bezirkes, die sich nach Schwaderbach begeben, Vorsicht geboten ist. Der Kommunist Grosser wohnt bei seinem Gesinnungsgenossen I. Ullperger, dessen Hau» in der RShe der vrenze-steht." Daß die beiden gesinnung-verschwisterten aufzuzeigen. Man kann sich also gefaßt machen auf die tollsten lleberraschungen, die der Prozeß gegen die„Reichstogsbrandstifter" bringen wird. Nicht dies ist jedoch uns in: Augenblick wichtig, sondern die Behauptung des Mörderhäuptlings, daß seit„Deutschlands Wiedergeburt" noch keine zlvanzig Menschen ums Leben gekommen seien. Der edle Germane widerspricht zwar da seinem Soldschreiber Z, der in sudetendeutschen Blättern von höchstens vier oder fünf Morden sprach, die sich seit dem Hunnenregime ereignet haben sollen, aber er lügt auch da noch. Denn die zwanzig wurden allein in einem Zeitraum von vierzehn Tagen in Braunschweig umgebracht; von zehn Opfern haben wir die N a in e n mitgeteilt. Heute drucken wir einen von unserem reichsdeutschen Gewährsmann stammenden Bericht ab, der die Vorgänge in Köpenick an Ort und Stelle erhob: Herr Gesandter, Ihr Chef IW! Wo sind die Opfer von Köpenick? Rlesen-Luftmanöver Ober Tokio. London, 10. August.„Daily Telegraph" meldet au» Tokio: Gestern habe» in fünf Präfekturen die Luftverteidigung-Manöver in«och nicht dagewesener Ausdehnung und WirNich» keitStreue begonnen. An den Manöver» nehmen teil 15.000 Soldaten mit Artillerie, di« gesamte Luststreitmacht, Polizeitruppen und Zehntausend« von halbmilitärischen Jugend» und Studenten» verbänden. Amtlich wird al» Ziel der Manöver die Stärkung de« KriegSgeiste», der Kaltblütigkeit und Bereitschaft zur Zusammenarbeit in der Bevölkerung bezeichnet, damit im Ernstfälle keine Panik entstehe. Gegen Tokio wurden gestern drei Luftangriffe bei Tage und zwei weitere in der Rocht unternommen. 4. Erich Janihki, Berlin-Köpenick, Mittelheide 8. Kommunist. Nach Darstellung der Nazis von Anion Schmaus getötet. Nach einer ZeitungSmeldung hat er bei dem Feurrübersall aus die SA-Leute im HauSslur gestanden. Nach einer anderen ZeitungSmeldung ist er mit SA-Leuten auf der Straße zurückgeblieben und»ach einer dritten Zeitungsmeldung ist er in einem Auto erschossen worden. Tatsache ist, daß er von den Nazis zur Rache sür die getöteten SA-Lenle getötet wurde.> 5. R. Krahl, Berlin-Adlcr-Hos, Handjcriftr. 88. Sozialdemokrat. Wurde aus dem Teltowkanal als Leiche herauSgezogen. Angeblich soll er Selbstmord begangen haben. Er ist aber am 21. 6. mit verprü- gelt worden und seitdem verschwunden gewesen. Er wurde am 13. 7. in Adlershof begraben. 6. Paul Pohle, Berlin-Köpenick, Gutenbergstr. 10. Sozialdemokrat. War im Köpenicker Krankenhaus beschäftigt. Da er sich weigertc, sein« Arbeit dort niederzulcgen, wurde er von den Nazis weg- geholt und verschleppt. Er wurde im Jagen 42 bei Berlin-Ärünau an einem Baum hängend mit einem Rückcnschuß ausgesunden. Er wurde am 8. 7. im Krematorium GerichtSstraße verbrannt. 7. Karl Pokert, Berlin-FriedrichShagen, Mügcl- see-Damm 177. Komnmnist. Wurde am 21. 6. verhaftet und nach Köpenick gebracht. Am 2. 7. wurde er in einen Sack genäht, mit furchtbaren Verletzungen bei Grünau auS dem Wasser gezogen. Am 11. 7. in FriedrichShogen begraben. 8. Anton Schmaus, Berlin-Köpenick, Alte Dahl- witzcrstr. 2. Sozialdemokrat. Tod oben geschildert. 0. HanS Schmaus, Berlin-Köpenick, Alte Dahl- witzerstr. 2. Sozialdemokrat. Hat angeblich sich selbst erhängt. Tatsache ist, daß er gezwungen wurde, sich selbst zu erhängen, nachdem er furchtbar verprügelt worden war. 10. Paul Spitzer, Berlin-Köpenick, Müggelhei- Blättchen vor einem Kommunisten warnen wie vor einem Räuber— darüber soll mit ihnen nicht gerechtet werden. Das gehört ja mit zum Wesen sudetendeutschcr Volksgcmeinsaf»Politik, jeden, der eine andere, tvenn auch nicht immer eine ganz eigene Meinung hat, zu einem verdächtigen, schlechten Menschen zu stempeln. Ader aufmerksam gemacht sei, und nickt nur wegen der für dentschnationale Art so besonder» sckiarsen Charakteristik, auf die offene, schamlose, scheußliche Denunziation! Denn wenn die beiden freiwillig gleichgeschalteten Blätter sagen: Der Kommunist Grosser wohnt dort uttü dort, bei dem und dem, dessen Haus in der Nähe der Grenze steht, dann ist da» eine deutlia-c Aufforderung an di« Gesinnungsgenossen jenseits der Grenze: Holt euch den Mann, ihr habt cs nicht schwer, da».Hau» steht ja ganz nahe an der Grenze!— Ja, das ist gewiß sehr„kernig" und „markig" und wird von den Schreibern wie von den Äsern auch für besonder» deutsch gehalten. Aber wenn wir nun die Behörden aufmerksam machen, im Bereich de» Wirken» dieser Zeitungen die Grenzen besonders zu betvachen— und tvenn wir sagen, daß schon dies« schamlose, diese dreckige, diese feig« Denunziation, di««inen Menschen seiner Gesinnung wegen an Mörder auSliefer» will, daß dies« Denunziation schon ein kräftiges Zugveifen unserer Behörden erfordert«,— da» ist dann gewiß nicht so gut»«»deutsch, aber zweckmäßig. ES ist unendlich schwer, über irgendein Geschehen im faseistischen Demschland die Wahrheit zu ermitteln, denn alle irgendwie Beteiligten, vor allem auch die Angehörigen von Gemordeten, stehen unter einem so ungeheuerlichen Druck des Terror» und der Ängst, daß sie sich fürchten, irgendetwas auszusagrn. Daher ist cS uns erst jetzt gelungen, die folgenden authentischen Angaben zusammenzustellen über di« grauenhaft blutigen Borgänge, die sich Ende Juni in Berlin-Köpenick zugetragen haben. Am Mittwoch, den 21. Juni, früh hatte vH SA Alarm. Ab neun Uhr morgens wurden ehemalige Mitglieder der SPD und KPD sowie auch viele unpolitisch« Leute, die sich früher ein- mal abfällig über die NSDAP geäußert hatten, oder die bei SA-Mitgliedern unbeliebt waren, au» den Wohnungen geholt, wobei Bücher, Fahnen, Bilder usw. mitgenommen wurden. Im Ganzen wurden ea. 800 Menschen nach vier Lokalen(Sonntag, Kaiserin Augusta, Biktoriastr.; Seidler, Uhlenhorst; Demuth, Elisabethstr.; Heuboden, Schönerlinderstr.) gebracht. Dort wurden sie stundenlang gequält, indem man sie mit Fußtritten und Fausthieben bearbeitet«, mit langen Nohrstöcken, Holzstäben und Gummiknüppeln schlug. Die Zahl der Schläge, die der Einzelne empfing, betrug 20 bi» 140! Zu der Prozedur deü Schlagens wurden Tische benutzt, die mit schwarz-rot-goldenen Fahnentüchern bedeckt waren. Ausschlagen der Zähne, Armbrüche und Gliederverrenkunqen gehörten noch zu den leichten Fällen. Es sind sogar Fälle bekannt, wo Festgenommenen mit brennenden Fackeln da» Gesäß verbrannt wurde. Die bereit» Mißhandelten oder noch nicht Mißhandelten wurden gezwungen, sich stundenlang die Mißhandlungen mitanzusehen. Der Arzt Dr. Heilbronn, der von der SA zur Vorsicht hinzuge- Sfen worden war, wurde selber geschlagen und limm zugerichtet, al» ör die SA-Leute fragte, warum sie die Gefangenen schlügen. Im Köpenicker Krankenhau» logen nach Wochen noch 80 bi» 40 Genossen, dir zum Teil in Wasserbetten liegen muffen, so sind sie zuqe- richtet worden! Mindestens 20 Tote sind zu beklagen. Soweit wir di« genauen Personalien der Toten bisher ermitteln konnten, geben wir sie weiter unten an. Die Vorgänge, die zur Erschießung der drei SA-Leute führten, haben sich erst im An- 'chluß an das Wüten der SA abge- spielt! Nachdem die Horden den ganzen Mittwoch über in Köpenick gehaust hatten, drangen sie in der Nacht vom Mittwoch zum DonnerStaa um halb zwölf in di« Wohnung de» Genossen Schmaus ein. Gcnoffe Anton Schmau» war bereits einmal von den Nazi» fcstgenommcn und auf» Schwerste mißhandelt worden. Wa» sich dann dort abspielte, ist bereits in der anSländi- schon Presse berichtet worden, während c» in Deutskhlano nur in illegalen Zeitungen und von Mund zu Mund verbreitet werden kann. Ueber den Tod de» jungen Schmau» ist«n» noch folgende» bekannt geworden: da Schmau» nur mit einer Badehose bekleidet und seine Flucht daher aussichtslos war, stellte er sich selbst der Polizei. Ein Trupp von 80 SA-Leuten drang in die Wache ein und forderte feine Herausgabe, wobei es beinahe zu einer Schießerei zwischen TA und Polizei kam. Später wurde Schmaus— nach Informationen, die au» Nazikreisen stammen!— a u f direkte Veranlassung d«» Polizeipräsidenten von Le. vetzow der SA ausgeliefert und von dieser um gebracht. Seine Leiche wurde später, wie bekannt, in Säcke genäht aus dem Wasser gelandet. Noch bevor ois Leiche gefunden wurde, deutete einer der Redner bei dem Staatsbegräbnis den Mord an Schmau» an, indem er erklärte, man hätte gern Schmau» vor den Staatsgerichtshof gestellt, um ein Erempel zu statuieren, da» sei aber leider unmöglich, weil er einem Unglücksfall(!) zum Opfer gefallen wär«. Ob die Mutter, die angeblich in eine Irrenanstalt gebracht wurde, noch lebt, ist unbc- kannt. Am Donnerstag, den 29. Juni, versuchte Erpressungen an Geiseln. hie oreuelpropailamia der Hunnen. Die Geheime Staatspolizei hat nicht nur Angehörige von Scheidemann, sondern auch Kasseler Bürger, von denen man annahm, daß sie Freunde Scheidemanns seien, al» Geiseln inhaftiert. Da» geschah, weil man in einem .Artikel von Scheidemonn Greuelhetze und Verleumdung erblickte. Obwohl inzwischen festgestellt ist, daß die beanstandete Stelle im Ori- zinal de» Artikel» den entgegengesetzten Sinn hatte, hat die Geheime Staatspolizei ihre Maßnahmen nicht rückgängig, gemacht. Im Gegenteil, sie zwingt die Geiseln, wie der„Neue Vorwort S" mitteilt, Briefe an Scheidemann zu schreiben, er solle seine poli- tische Tätigkeit cinstellen. So schreibt z. B. ein inhaftierter Rechtsanwalt: „Wie die Polizriverwaltung Kassel mittcikt, haben Tie in ausländischen Zeitungen unrichtige Nachrichten über die Derhälkvisse in Teutschland verbreitet, die geeignet sind, dar Ansehen des Deutschen Reiches und seiner Regierung, als auch die Interessen der deutschen Nation zu gefährden. Obwohl ich niemals zu Ihnen persönliche Beziehungen unterhalten habe und Sie auch persönlich nicht näher kenne, bin Ich deshalb von der Geheimen Staatspolizei in der Annahme, daß ich zu Ihrem Freundes- und Bekanntenkreise gehöre, in Schutzhaft genommen worden. Da Sie in Ihrem Exil die Verhältnisse in Deutschland nicht beurteilen können... und ich auch keine Lust Hobe, unter Ihren Privaten Ambitionen und Schreibereien zu leiden, ersuche ich Sie dringend, in Zukunft sich jeder Stellnngname zu den Verhältnissen Deutschlands zu enthalten." Diese Briefe werden durch die Erpresserstelle weiterbefördert. Anscheinend merkt man nicht, daß man solche Briefe in der zivilisierten Welt ander» beurteilt al» in Deutschland, und als vollgültige Beweise wirklicher Greuelmaß-i nahmen ansieht.' (Beleiht an der Saargrcnzc Saarbrücken, 10. August. Die„Saarbrückener Zeitung" meldet au» Loüheim: In der Nacht zum Mittwoch kam es auf dem Gal« gcnberge zu einem Feuergefecht zwischen Zollbeamte» und Kommunisten. Die Kommunisten waren im Begriff, kommunistisch« Flugblätter nach dem Reiche einzufckmuggeln. Schließlich ging den Kommunisten die Munition au», und e» gelang, sieben von den Kommunisten festzunehmen. Diese sind teilweise aus Gelsenkirchen. Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit wurden in Loshrim zwei bekannte Kommunisten verhaftet. Sämtlich« Verhafteten wurden nach Trier in» Gefängnis gebracht. Di« Feuerwaffen und etwa 80 Pfund Druckschriften wur-- den beschlagnahmt. Heines weigert sich, die nilspolizel anlzulösen! Berlin, 9, August. Der Polizeipräsident von Breslau und SA-Öberführer Heine» hat unmittelbar nach dem Bekanntiverden der Verordnung, daß die Hilfspolizei zum 18. August diese» Jahre» aufgelöst werden soll, in einer Reihe von Telegrammen gegen diese Maßnahme Protest erhoben. Dies« Telegramm« gingen an den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und den preußischen Ministerpräsidenten;.Heine» erklärt darin, die Auflösung der HilfSvolizei sei„politisch untragbar". Außerdem verfüge er nicht über auS- reichende Kraft«, um di« Auflösung und Ent« waffnung der Hilfspolizei zu erzwingen; er„befürchte". daß der Durchführung der Verordnung feiten» der Hilfspolizei und feiten» der gesamten SA Waffengewalt entgegengesetzt würde. Er ersucht schließlich, die Verordnung sofort wieder außer Kraft zu setzen. Verhaltung von Rcichswchr- soidaten. Hannover, 9. August. Im Zusammenhang mit den kürzlich gemeldcten Zwischenfällen zwischen Reichswehr-Angehörige» und bctrilnkrneii SS-Leuten im Kassechau»„GcorgSpalast" ui Hannover sind gestern siebe» Soldaten de» in Hannover stationierten Reiter-Negiment» durch Beamte der Gcheimcii Staatspolizei verhaftet worden. Die Verhafteten werden beschuldigt, ohne zwingenden Grund die SS-Leute mit der blanken Waffe bedroht zu haben. Drei Gelangene „aut der rindit“ erschossen. Karlsruhe, 9. August. Im Konzentrations- : lager in Bad Türrheim(Baden), in welchem ’ unter anderen etwa einhundert rebellische SA- Leute inhaftiert sind, wurden gestern Nacht drei SA-Leute angeblich bei einem Fluchtversuch ertappt und erschossen. Der Vorfall hat im Lager 1 stärkste Erregung hcrvorgcrufcn: dir Verwaltung sah sich veranlaßt, zur Unterstützung der Wache ' ein Detachement von SS-Leuten aus Freiburg ' int Breisgau herbeizuzichcn. Herr Hitler hat sich amerikanischen Zeitungen gegenüber zu in~ Reichstagsbrand geäußert und sich dabei so übernommen, daß selbst gleichgeschaltete Blätter de» Auslands seine Behauptungen über die„Hilfeschreie aus ganz Deutschland" wegen der„bevorstehenden bolschewistischen Berfchwörerumwäl- zung" mit einem Fragezeichen versehen. Frau Reichskanzler plauscht eine ganze Reihe von bisher unbekannten Details über die„kommunistischen Vorbereitungen" auS, die zweifellos der Anklageschrift entnommen sind. Das Seltsame'ist, daß man erst jetzt von den Z ü n d s ch n ü r e n erfährt,„die schon überall brannten," daß hätten das Schloß und alle öffentlichen Gebäude in Schiitt und Asche gelegt werden sollen. Seltsam, daß man in kerner deutschen Stadt etwas davon merkte itnd daß die tüchtigen Propagandamacher des Hunnenetzels sich die prächtige Gelegenheit entgehen ließen, die kommunistische Gefahr auf Grund dieser„Beweise" di« SA. da» Haus der Familie SchmauS in Brand zu stecken. Bei den beiden Staatsbegräbnissen wurden Andersdenkend« auf der Straße verprügelt und zerschlagen. Es herrscht hier ein Terror und eine Anaststlmmung, wie man sie sich nicht leicht vor- stellen kann. Viele langjährige Mitglieder der SA und der NSDAP haben ihren Abscheu und ihre Unzufriedenheit ausgedrückt und haben sich sogar persönlich bei vielen Genossen entschuldigt. I Der Leiter des Kreiskrankenhauses, Dr. Hintze, I nicrstr. 4. Kommunist. Am 21. 0. totgeschlagen, sowie die Aemt« Dr. Lehmann und Dr. Heil-I bronn haben Beschwerde bei Göring erhoben. Die bisher ermittelten Toten. 1. Richard Aßimnm, Berlin-FriedrichShagen, FriedrichSstr. 114. ReichSbannersührer. Wurde am am 21. ü. in FriedrichShagen verprügelt, dann nach Köpenick gebracht und dort totgeschlagen. In einen Sack eingenäht bei Grünau auS dem Wasser gezogen. Sein« Frau wünscht«, daß er aus dem Friedhof be graben werden sollte, da aber die Leich« sehr stark verstümmelt war, wurde auf Anordnung der Polizei am 27. Juli(nachdem sie 28 Tage ausbewahrt war- den war) Im Krematorium GerichtSstraße verbrannt. 2. Paul von Esser, Berlin-Köpenick, Dahlwitzer Platz 9. ReichSbannersührer. Wurde am 21. 6. in Köpenick totgeschlagen und ebenfalls bei Grünau in einen Sack eingenäht auS dem Wasser gezogen. Ter Leiche waren di« Hände abgehackt. Sie wurde am 9. 7- im Krematorium GerichtSstraße verbrannt. 3. Johanne» Stelling, Berlin-Köpenick, Dahl- witzcrstr. 36. Am 21. 6. lotgeschlagen und am 2. 7. bei Grünau in einen Sack genäht mit furchtbaren Verletzungen aus dem Wasser gezogen. Am 9. 7. im Krematorium GerichtSstraße verbrannt. Gelte 4 Freitag, 11. August 1888 Nr. ISS' Weitere Ergebnisse vom Arbcltcrsporttag. „IM dachte an Dich und die Kinder?' Ein Brief der Genossin Fechenbach. Bom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sitz Prag, wird mitgeteilt: „Fechenbach ist nicht auf der Flucht er» schossens sondern planmäßig ermordet worden. Wollte man ihn ungefährdet von Detmold in das Konzentrationslager nach Dachau bringen, dann wäre der Transport mit der Eisenbahn, begleitet vo» GefängniSbeamtcn, der einfachste und sicherste Weg gewesen. Man hat statt dessen trotz der LOO Kilometer weiten Entfernung den Transport im Kraftwagen mit SA.-Begleitniann« schäften gewählt. Wer diese Anordnung traf, trägt die volle Verantwortung für die Ermordung Fechenbachs. Wer das ist, geht aus den» folgenden Brief hervor, den Fechenbach Mitte Juli seiner Frau schrieb: „Heute wurde ich dem Herrn Staats- Minister vorgesührt. Ich wurde an Eisner und an meinen Prozeß erinnert und habe manches auhören mlifsen, was mir nicht angenehm war. Aber ich dachte an Dich und die Kinder und habe geschwiegen. Das Ent- Icheideude, wa« Dich besonders interessiert und weshalb ich Dir heute schreibe, ist dies: der Herr Staatsminifter hat mir rrSssnet, r r habe an Bayern den Antrag gestellt, mich in rin bayrische» Konzentrationslager zu übernehmen. Seine Frau, Mutter von drei kleinen Kindern, versuchte alles, um Fechenbach vor der Auslieferung an Bayern zu bewahren. AuS Sorge, daß jede Veröffentlichung das Schicksal ihres Mannes noch verschlechtern könne, sah sic davorr ab, der Weltöffentlichkeit ihre Befürchtung zu unterbreiten, daß ihrem Mann auf dem Wege oder in Dachau ein furchtbares Schicksal bereitet werden sollte. Nun ist cS trotzdem geschehen. Ein neuer planmäßig vorbereiteter Mord an einem edlen und uneigennützigen Kämpfer kennzeichnet den bluttriefenden Weg des Nationalsozialismus. Ein SA-Mann zum Tode verurteilt Hamburg, 9. August. Ter SA-Mann Franz Zimmer von der Hamburger SA wurde vom Sondcrgcricht zum Tode verurteilt. Zimmer ist Ende Juli beim Verteilen kommunistischer Flugblätter gefaßt worden; zu seiner Verteidigung gab er an, daß Hitler die sozialistische Revolution verraten habe und daß die Verzweiflung hierüber ihn in das Lager der Kommunisten getrieben habe. Stärkste Erregung löste im GcrichtS- saal auS, als Zimmer erklärte, man müsse mindestens der halben SA den Prozeß machen, wenn jeder bestraft werden solle, der gemeinsame Sache mit den Kommunisten macke.— Der Rcichsstätthalter für Hamburg, Kailsmann, hat dem Reichskanzler empfohlen, den Verurteilten zu begnadigen, da dieser zu den ältesten Mitgliedern der nationalsozialistischen Partei gehöre und offensichtlich in einem Ansall politischer Verwirrung gehandelt habe. Tischtennis. In der Volkshall« in Bokau wurde«oftmalig ein Tisch-TenniS-Turnier unter Teil- »ahm« der DTJ. Prag, Atn» Prag und At»S Aussig auSgelragen. Samstag wurde die A tu S-M«i st«r> schäft ouSgetragen, an welcher sich fünf Genossen d«S Prager Atu» sowle drei Genossen dem Langstreckenflug aufgestellt haben, heute in der siebenten Morgenstunde zun: Rückflug nach Marseille gestartet. Sine dunkle gourualistenafföre. Budapest, S. August. Budapester Blätter melden: Der Sekretär der persischen Gesandt- chast in Budapest Seifeddin Sheriff er- taitete heute in seinem und im Namen des per- ischen Gesandten Kali-Khan-Kirzat bei der Polizei eine Anzeige. Danach hat der angebliche Journalist Arthur Ali Afstar, Prager Korrespondent des Brüsseler„Le Soir", vom Sekretär deS Gesandten vier wertvolle Perserteppiche und zwei silberne Zigarettendosen als Kommissionsware zum Verkaufe übernommen. Ali Af- stär nahm die Sachen mit, zeigte sich ober nicht mehr, so daß man nichts von ihnr weiß. Es wird angenommen, daß er über Prag gereist ist. Die Budapester Polizei hat heute abends die Prager Polizcidirektion mittels Radiogrammes von dem Vorfälle unterrichtet. .(Anmerkung der Redaktion: Bon zuständiger: Seite erfahren wir, daß kein Journalist dieses Namens in Prag als Korrespondent des Blattes„Leo Soir" beglaubigt war und daß überhaupt kein Ausländer des Namens Ali Afstar bei der Polizei in Prag angemeldet wurde. Auch hat die Prager Polizeidirektion keine Anzeige gegen Ali Afstar erhalten.) Vantdlener öffnet eiu Safe. Pari», 10. August. Der Bürodiener einer Pariser Bankfiliale befand sich gestern in der Mittagspause allein im Büro, das er zu überwachen hatte. Er holte alts einem Versteck die Schlüssel des Bankvorstandes hervor, sperrte daS Sgfe der Bank auf und nahm den Inhalt, 670.000 Francs in bar, an sich. Mit diesem Betrage.ergriff der Diener die Flucht. Der Polizei kehlt jede Spur. Der Diener hatte seinen Dienst jahrelang in vollkommen einwandfreier Weise versehen. Wieder brennt ein französisches Schiff. . Paris, 10. August. Der französische Fracht- danlpfer„Forbin" aus Dünkirchen, der sich auf der Fahrt von Frankreich nach Jndochina befand, ist'im Indischen Ozean 12'94" n. B. und 60'43" o. 8. m Brand geraten. Ter holländische Dampfer„Sembilar" und der französische Dampfer„Felix Roussel" versuchen, dem brennenden Schiff zu Hilfe zu kommen. Der Dampfer „Forbin" hat eine Wasserverdrängung von 7800 Tonnen. Die Ursache der Entstehung des Bran- des ist unbekannt. Llndbergh getötet? Kopenhagen, 10. August.(Reuters In Kopenhagen war heute das Gerücht verbreitet, daß der bekannte amerikanische Flieger Oberst Lindbergh mit seinem Flugzeug in Grönland abgestürzt sei und dabei den Tod gefunden habe. ES werden alle Versuche unternommen, um diesbezüglich genaue Meldungen zu erlangen. Balbo fliegt morgen weiter. Lissabon, 10. August. DaS Balbo-Geschwa- der wird sich SamStag via Sonet Vincent— Gibraltar— dem Süden der.Balearen— Straße von Bonifacio direkt nach Italien begeben. Großer Brand in Prag. Mittwoch noch acht Uhr Abend bemerkten Passanten, daß aus zwei Geschäften in der Taborskä ul. 106 in Michle die Flammen herausschlagen und ihnen starke Rauchschwaden, die von weitem sichtbar waren, entsteigen. Vom Feuer wurde der einem Herrn Lemon gehörige Notbau erfaßt, in welchem drei Geschäfte unteraebracht sind,«in Lebensmittelgeschäft, ein Schnittwaren- und ein Schuhgeschäft. Trotzdem die Feuerwehr in kurzer Zeit da war, verbrannten in dem Lebensmittel- und Schnittwarengeschäft, während daS Schuhgeschäft ziemlicht verschont blieb. Keiner der drei Geschäftsleute ist versichert. Abgesagter Flugtag. Die Polizeidirektion in Reichenberg hat aus Gründen der öffentlichen Ruhe und Ordnung jedwede Produktion reichsdeutscher Flugzeuge und Piloten auf den für den nächsten Sonntag geplanten Reichenberger Groß- Flugtag Verboden. Es sollten die deutschen Kunst- slugmelstcr Gerhard F i e s e l r r und Liesel Bach sowie andere Kunst- und Segelflieger auftreten. Da kein entsprechender Ersatz gesunden Werden konnte, mußte der Flugtag abgesagt werden. Vieh verbrennt in Massen. In der Nach: zum Donnerstag brach im Biehstall deS Guts- bcsitzers Richard William in Neu- Polzow (Uckermark) durch Brandstiftung ein Brand auS, der ffch mit großer Schnelligkeit aus das ganz« Gebäude ausbreitete, so daß der größte Teil dein dem Stall untergebrachten Viehs, darunter 54 Stück Herdbuchkühe, 25 Hammeln, Schafböcke, 4 Zuchtbullen und Kälber in chen Flamme» umkamen. Der Schaden wird arls 80.000 Kronen geschätzt. Auf dem Wege zur Brandstätte stiirtze oer Loschzug in den Straßengraben/ Sämtliche Feuerwehrleute erlitten mehr oder wenigez,, schwer« Verletzungen. Einige von den Feuerwehrleuten mußten mit. Knvchenbrüchcn und- inneren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Tod in der Lust. Fünf amerikonilchc Marineflieger fanden Mittwoch bei einem Flugzeugunglück den Tod. Heuer nicht mehr in die Stratosphäre. Dir aus Brüssel berichtet wird, hot Coryn den dritte» Aufstieg des Ballons PiccardS in di« Stratosphäre aufS nächste Frühjahr verschieben müsse», da die ArbeitSkabine in der Gondel infolge einer starken Verwerfung der Türöffnung einer gründlichen Ueberholung bedarf, die mehrere Dachen in Anspruch nehmen wird.(!) Zwang zum Genuß von Mist. Ter badische Kultusminister hat seinen Beamten erklärt, der Theaterbesuch sei— int Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten— eine Beamtenpflicht. Durch regelmäßigen Besuch des Theaters soll die Beamtenschaft ihren Wille» beweisen, auch die kulturelle Aufbauarbeit deS neuen Deutschland» zu fördern.- Auch der Oberbürgermeister von Aachen hat eine ähnliche Erklärung herausgege- ben, worin der städtischen Beamtenschaft der regere Besuch der Bühnen empfohlen wird. Der Tod im Derk. Zeitungsmeldungcn zufolge explodierte Mittwoch abends der Kessel einer Dampfmaschine in dem Dorfe Gaja bei Kubin(Serbien). Zwei Arbeiter wurden getötet, 10 schwer verletzt. Unter den Verletzten befinden sich mehrere Kinder, deren Zustand hoffnungslos ist. Britische Kriegsschiffe in Cattaro. In Bocche di Cattaro sind 49 Einheiten der britischen Flotte eingetroffen. Die britischen Schiffe wurden von der Küstenartillerie mit Kanonenschüssen begrüßt und von den in Bocche weilenden jugosiawischen Schiffen willkommengeheißen. Wahrscheinliche» Wetter heut«: Fortdauer deS schönen Wetters, heiß. Vom Rundfunk Empfehlenswertes au» bett Programmen. SamStag: Prag: 14.50 NachmiltagSkonzert. 17.45 DaS Tramplied. 18.30 Deutsche Sendung: Dänische Musik. 10.25. Trampliederstunde. 22.15 VolkS- lümliche Tanzmusik.— Brünn: 10.10 VolkSblar- täpelle. 17.55 Touristische Sendung. 18.25 Deutsch« Sendung: Russische Liederstunde.— Wien: 12.00 MittagSkmyert. 16.05 Chorvorträg«. 19.15 „D!« Za ub e r f l ö te", Oper von Mozart.— Frankfurt: 15.30 Stuicke der Jugend.— HeilSbrrg: 15.30 Bastelstunde für Klnder. 1730 Musiker unserer Zeit.— Breslau: 22.50 Unterhaltungskonzert— Mühlacker: Thorgesang.— Leipzig: 14.45 Kinder- stunde.— Berlin: 20.05 Heiterer WochenauSklang. - München: 18.30 Altdeutsche Lieder zur Laut«. 20.00 LunteS Abendlonzert. VeriGt von Spitzbergen. SorsMnngen in«Setznee und CU, AuS Stockholm wird uns geschrieben: Ter Führer der schwedischen Expedition, die anläßlich des PolarjahreS auf die Fnfel Spitzbergen entsandt wurde, Dr. F. Lindholm aus Stockholm, hat den Pressevertretern Mitteilungen über die befriedigenden Ergebnisse, die die Expedition erzielt hat, gemacht. Die Expedition hat mehrere" hundert photographische Aufnahmen des Nordlichtes gemacht. Dreimal wöchentlich wurden Ballons mit Meßinstrumenten abgelassen, um -Daten über die oberen Lustschichten zu sammeln, darunter 16 Ballons, die auch mit automatischer Radiosignaleinrichtung versehen waren, mit deren Hilfe die registrierten Daten selbsttätig im Lager der Expedition ausgenommen werden konnten. Die Exkursion arbeitete unter sehr ungünstigen Umständen und hatte des öfteren unter Temperaturen von mehr als minus 34 Grad Celsius zu leiden, wobei die Windschnelligkeit oft 60 Meter jn der Sekunde erreichte. Nur 9 mal war während eines AahreS die Temperatur über Null gestiUen, Zum ersten Mal in der Geschichte der arktischen Expeditionen wurde für den Bau von Hütten Wellblech»benützt. Trotz der ungünstigen Arbeitsbedingungen ist der Gesundheitszustand sämtlicher ExpeditionSmitglieder bisher ein vorzüglicher. - wr. 166 Freitag, 11. August 1938 «eite 8 Die Internationale der Kinder. Ostende, 4. August. Nun ist«S Wirklichkeit geworden, wovon sie Kinder der verschiedensten Völker seit Wochen und Monaten träumen. Die Kindrrrepublik LibertS(Freiheit) ist heute eröffn nrt worden. Sie liegt an einer der schönsten Stellen der belgischen Nordseeküste am Groenen- dhckstrand, gar nicht tveit von der belgijch-kranzö« fischen Grenz«. Das Gelände gehört der Ferienorganisation der belgischen Arbeiterschast. Sie eröffnet auf diesem Gelände ein große» Kinderheim und ein Erholungsheim für Arbeiter. Jetzt genießen di« Kinder der Internationalen Kinderrepublik der Rote» Falken die Vorteile dieser aenosscnschafl- lichrn Einrichtung der Arbeiter. Kiicheneinrich- tnng, Aborte, Wasserversorgung sind selbstverständlich nach den modernsten Gesichtspunkten gebaut und den Kinderfreunden zur Verfügung gestellt worden. Das Laaer selbst ist wirklich international. Es gibt dort 270 französisch«, sowohl Pariier. Proletarierkinder. wie, Falken an» dem sonnigen Süden von Bordeaux. 50 wallonische Belgier sind schon jetzt da, und rund 200 werden noch nachkommen. Ebenso werden 800 holländisch« Kinder in der übernächsten Woche in di« Kinderrepublik einziehen. Di« Wiener haben 80 Rot« Falken geschickt,, und di« Schweiz ist mit einer kleineren Zahl Falken au» Zürich vertreten. Di« aktive Falkenbewegung in der Tschechoslowakei ist niit 81 Mitgliedern in der Kinderrepublik und führt unter ihrem Führer Willi Hock« au» Bodenbach ein Dorf, da» außer den Roten Falken der Tschechoslowakei noch 80 sronzösisch« und 11 belgisch« Kinder beherbergt. Da» ist ein wirklich bewegtes Leben! Auf dem heißen, weißen Sand erheben sich die hellen Rundzelt«, gemilcht mit einigen bunten Langzelten— und überall wehen die roten Fahnen mit dem Falkenabzeichen und verkünden, daß di«'« Kinderr«publik sozialistisch und international ist. DaS Land ist höchst romantisch, und aus dem höchsten Hügel de» Lager» flattert hoch oben die große rote^ahne und um sie herum im Kranz« )ie Fahnen der einzelnen Völker, die in diesem Lager durch ihr« jüngsten Mitglieder an dem Wachstum einer wirklich internationalen Gemeinschaft lebendig wirken. Man hört im Laaer di« verschiedensten Sprache», französisch, italienisch und die verschiedensten deutschen Dialekte. Aber ein«inl)«itlicher Geist beherrscht alle, und«in- heitliche Lebensform«» geben der Kinderrepublik den Charakter einer eng verbundenen Gemein- schaft. ES ist viel Ernst in der Aufgabe, die sich die Kinderrepublik gestellt bot. Die Völker Euro- |kiS siud in Not, di« kapitalistische Unordnung zersetzt immer iveiter die bürgerliche Gesellschaft und erschüttert immer mehr die Grundlagen voii Freiheit. Frieden und sozialer Gesinnung. In diesen Zeiten übernimmt es die jüngste Bewegimg der Arbeiterklasse, di« Fatkenbewegung, d«m Wil- len zum Sozialismus ein« anschauliche und lebendige,' praktische Oase in der Wüst« unserer. Zeit zu schassen. Die Jungen und Mäd«t des Proletariats sind so lustig, wie Kinder nur lein können, wenn st« im Freien in herrlichster Sonne bräunen können und ein« gut« Verpflegung und ei» abwechslungsreiches Tageswevk ihnen frische und neue LebenSkräftr gibt. Volkswirtschaft and Sozialpolitik da, Lump!" Genossen I auSgesrtzt f st r ai« veedrrNung unserer Leitung«gitteren Letz» euch überall für unsere Parteipresi« ein. An da» Heim de» Arbeiters gehört die «rbeiierpress». Darum, venosse«».Genossin««« Aerzte-Anetdoten. StU?hrNNP'•'V.-r''... 1-' Dr. Larbaud ist«in Anhänger ganz moderner ErnährungSmechoden. Bor allem ist er gegen di« allzu opulenten Schlenunenntchl«, er propagiert eine rationelle Ernährungsweise und meint, daß ein Drittel von dem, was wir essen, zu unserer Ernäh- rung genügen würde. „Oh! Oh!" erwiderte eine« Tage» ein skeptischer Freund.„Und die beiden anderen Drittel,^vozu süid sie gut?" Lebhaft antwortet Dr. Lachaud:„Die sind dazu daß die Aerzte leben können." Behandlung. Ter Arzt X. kommt erzürnt ins Krankenhaus und wütet: „Dieser Schuft, dieser „Aus wen schimpfen Sie deiin so?" fragt ein Kollege. „Aus einen Frenidrn, der mich vor kurzem in sein Hotel rief. Vierzehn Tag« lang behandelte ich ihn. Und nun ist er gesund geworden und ohne zu bezahlen aus und davon." „Was wollen Sie denn?" meint der Kollege. „Das gleicht sich doch aus. Auf unserei» verschiedenen Friedhöfen liegen viele Ihrer Kranken, die bezahlt haben, ohne gesund geworden zu sein." Der Schauplatz schwerer Unruhen ist die Hauptstadt von Irland, Dublin, auS der wir ein typische» Slrahenbild wiedergcben. auch in besonder» schweren, nicht weiter festge setzten, sondern dem freien Ermessen der Richter überlassenen, politischen Straftaten. Ge gen Mickcle Della Maggiora, der, von Fascisten in seiner Wohnung überfallen, zwei von diesen schwer verletzt hatte und vom Schwurge richt freigesprochen worden war, wurde«in zwei tes Verfahren cingcleitet; das Sondrrgericht ver urteilte ihn im Oktober 1928 zum Tode! Ein jeder, der im Inland antifaseistischc Propaganda betreibt, Flunzettel politischen Jn- I halt» verteilt oder tocitergiot, aufgelöst« politische Parteien und Vereine wieder organisiert, wird nach 8 269 mit dreißig(Pahren Zucht haus bestraft, wovon die ersten fünf m voll kommener Einzelhaft zu verbringen sind. Diese hohe Strafe, die Behandlung in den Strafan stalten, ihre geistigen und körperlichen Folgen Hnb so fürchterlich, daß die für dieselben Delikte von Göring geforderte Todesstrafe fast vorzuziehen ist! Wer den Versuch macht, etwa» in Erfahrung zu bringen, was die Behörde nicht bekannt geben will und„das politische Interesse de» Staa te»" betrifft, wird mit Zuchthaus von zwei bi» fünf Jahren(§ 256) bestraft. Tas Delikt besteht schon beim ersten Versuch Erkundigungen einzu ziehen. Nach einer nächtlichen Schießerei genügt «S zum Beispiel, daß um Aufklärung gefragt werde, um darauf verhaftet und vor da» Son» dcrgericht gestellt zu werden. Nach offiziösen Angaben vom 18. Oktober i 1982, wurden in. sechs Jahren 1986 Angeklagte l vom.Sondergericht/, zu Zuchthausstrafen ivcht un- ; ter drei Jahrerr^ verurteilt"und 8077 freigcspro- ‘ che», jedoch deportiert! Allein auf 257 Berur- ' teilte entfielen insgesamt 6077 Jahr« Zuchthaus, l was eine Durchschnitt st rase von je > 23 Jahren und sechs Monat« Zucht- ' hau» mit einer gesamten Einzel- Haftperiode von 1018 Jahren aus- 1 m acht!— Zahllos sind die Teportationsstrafcn, ' welche ohne jegliches Gerichtsverfahren von Prä sekten(unsere Vorstände der BezirkSvcrwaltung) > auf Grund privater Anzeigen verhängt werden! : Nun einige Beispiele: Dr. G e r m a n i, dem : man die Absicht zur Last legte, der Witwe und > den Kindern Matteotti» zur Flucht in» Ausland zu verhelfen, wurde am 16. Juni 1932 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt! Die Jour nalisten R e n d i und V i n e i g u e r r a, di« einen Appell an den König zur Wiederherstellung der Verfassung unterzeichnet hatten, erhielten je fünfzehn Jahre Zuchthaus! Die minderfäh- rige Giorgina N o s s e t t i, die antifaseistlsche Flugblätter wcitergegeben hatte, wurde mit achtzehn Jahren Zuchthaus bestraft! Der Ar beiter R i p p a au» Neapel, bei dem antifasci- stischc Flugblätter gefunden wurden, erhielt am Japanisches Welt-Dumpinp England in großer Sorg«. Die Ucberschwemmung des englischen Kolonial- und Dominieiimarktes durch ungleich billi-. gere japanische Waren hat dir britische Reich», regicrung zu dem Vorschlag an Japan veranlaßt, aus einer gemeinsamen Konferenz über diese ernste Sache zu beraten. Tagcgrn haben die japanischen„Wirlsckmftsführer"— diese anonyme Bezeichnung ist überall sehr beliebt— Einspruch erhoben und die Annahme der britischen Einladung ist noch recht tveit im Felde. Di«„verdammte Bedürfnistosigkeit" der j japanischen Arbeiter, ihre schamlose Ausbeutung und die brutale Knechtung jeder Gegenwehr des Proletariats erlaubt der japanischen Industrie ein Dumping ohne Gleichen. Auch die tschechoslowakische Textilindustrie ist dadurch schwer betroffen. Neber da» Vordringen japanischer Waren auf dem britischen WeltrcichSmarkt trotz aller noch so hohen Schutzzölle lvird dem„Daily Hrrald" be richtet: Die japanische Unterbietung ist nur mit der deutschen vor dem Weltkrieg zu vergleichen. Tas in erster Linie betrosfenc Indien hat seinen.Handelsvertrag mit Japan gekündigt und nach dem Vorbild der ganzen Welt Schutzzölle gegen japanische Einfuhr ansgrrichtet. Von 1930 bis 1932 ist di« Ausfuhr japanischer Gewebe nach Europa von 46 auf 71 Millionen Aards hinausgcschncllt. In den Kolonien, die Japan mit seinen Dumpingwaren überschwemmt, kauft eS fast nichts ein. Im vergangene» Jahr z. B. hat Japan allein aus der Insel Jameika für 300.000 Pfund verkauft, aber eingekaust nur füe 360 Pfund! Dabei machen die Japaner die englischen Stosse usw. täuschend nach, geben abn das anscheinend— vielleicht, sogar wirklich— gleichwertige Produkt zu einem ungleich niedrigeren Preise ab. In Südafrika verkaufte Japan 1931 sür 2.5 Millionen Pfund, kaufte aber nur für 101.000 Pfund ein. Schon stoßen die Koko- nialrcgierungen Hilfeschrei« vor dieser schwersten „gelben Gefahr" aus, die natürlich nicht nur den Unternehmerprofit, sondern noch mehr die Lohnhöhe und damit die Lebenshaltung und da» Kul- turnivcau der weißen Arbeiterschaft aus da» Ge- fährlichste bedroht. Die Humanitüt des Fascismns. Von Dr. Viktoria Mungioli. Bevor der FasciSmu» in Deutschland zur unumschränkten Gewalt gelangte, haben einige Italienische Emigranten versucht dem deutschen Volk da» wahre Gesicht de» FasciSmu» zu zeigen. Man war empört, manche schüttelten ungläubig den Kopf und dir Oeffentlichkeit war der festen Meinung:„So was ist bei un» nie und nimmer möglich... Wenn auch letzten Endes der FasciS- tnus unausbleiblich Ware, so wird er sich doch bei un» nicht so auswirken. Da» deutsche Volk, ist ja nicht da» italienische!" Im Laufe der Zeit haben ja dir Deutschen am eigenen Leibe di« Methoden de» Fafci»mu» kennen gelernt und sind von dieser einschläfernden Ansicht geheilt. Nun Hitler und feint braunen"Buben über Deutschland die Geißel schwingen, begehen die Deutschen einen anderen großen Fehler. Sie be haupten, so furchtbar Wit m Deutschland die braune Armee, wüten di« Schwarzhemden in Italien noch lange nicht, der italienische Fasel»« mu» sei„humaner und nicht so gründ lich". Diese Verkennung der wahren Sachlage ist sehr gefährlich und ein großes Hindernis!» der internationalen Bekämpfung des FascismuS. Zwischen Hitlers Landsknechten und Mussolinis Banoen gibt«S keine Abstufung, man soll sich ja nicht selbst trügen und gefährlichen Illusionen bingeben. Der Masfenzustrom zur Hitlerpartei ist fa nur daraus zurückzusühren. daß man in Mittel- europa die italienischen Ereignisse nicht genü gend gewürdigt hat. der faseistischen Lügenpro- paganda im Ausland und besonders in der bür gerlichen Presse nicht eine entsprechende sachliche Aufklärung rechtzeitig entgegensetzte und den Meldungen über saseistische Areueltaten nicht daS nötige Vertrauen schenkte, weil sie, in ihrer Bru talität,„unglaubwürdig" schienen. Heute noch finden sich Leute, die allen Nachrichten auS Teutschland ohne weitere» Glauben schenken, die Lacklichkrit ähnlicher auS Italien stammenden Meldungen jedoch anzweifeln. Im Nachfolgenden soll«ine Parallele zwi schen Göring» Strafgeletzentwurs und den Straf methoden gezogen werden, die heute noch in Italien, nach fast elf Jahren fascistischrr Herr schaft, üblich sind. Dimer Vergleich soll helfen den Irrtum au» der Welt zu schaffen, daß der italienische FasciSmus„humaner" al» der deutsche sei. Tie Bestimmungen des am 25. November 1926 errichteten SonvergerichteS wurden in daS neue Strafgesetzbuch vom 1, Juli 1931 ausge nommen. Das Sondergericht besteht au» fünf hohen Offizieren der Schwarzhemden und einem General als Präsidenten, die alle nicht juristisch gebildet sind. Dem Gerichtsvorsihenden. steht da» Recht zu, den Angeklagten wir mn Verteidigern da» Material der Anklage bis zum Tage der Verhandlung nicht bekannt zu geben, das Ver hör der Entlastungszeugen nicht»»Massen(waS auch meistens geschieht), die Verteidiger, zu denen das Gericht kein Vertrauen hat, ein fach abzusrhen und durch andere zu ersetzen. Keine Berufung und keine Revision deS Gerichts verfahren» ist zulässig, nicht einmal im Falle einet eindeutigen juridischen Fehler». Die Absicht eine» Anschlag» gegen den Regierungschef, den König oder di« Mitglieder de» königlichen Hause» wird mit dem Tode bestraft. Nach dem Wort dc» Gesetze», muß die Todc»strafe verhängt werden,„auch wenn kein Anfang der Vollziehung der Ab sicht stattgefunden habe!" E» genügen die erst besten zwei Spitzel oder Provotawure, um den Gedanken eine» Anschläge» gerichtlich zu be weisen. So wnrdc u. a. v. Michele Schirr» am 28. Mai 1931 der Absicht eine« Anschlages auf Mussolini ohne weiterer Beweise bezichtigt, zum Tode verurteilt und innerhalb acht S t u n- den hingerichtet! Außerdem ist die Todesstrafe noch in andr- injajc;siugo«anrr grsunoen mutucn, ciqu-ii nm ren sicbenuudzwanzig Fällen vorgeschrieben, wie>27. Jänner 1932 acht Jahre Zuchthaus. Er Sine Falschmeidvng über die wirtschaftliche Lage m der Leder« tzandschuhindnftrie. In den letzten Tagen brachten einige bür- che Blätter, darilntcr das„Prager Mon- tagSblatt", einen sensationellen Bericht über die ErzgcbirgSstadt A b e r t h a in, den Sih der Lederbaiwschiihindnstrie, aus dem hervorging, daß die Wirtschaftskrise vor den Mauern dieses Städtchen» Halt gemacht habe, so daß hier kein einziger Arbeitsloser zu verzeichnen sei. Zu diesen Meldungen nimmt nun der Verband der Bekleidungsindustrie, Reichenberg, Stellung, um darjutun, daß es sich bei diesen Berichten nm«inen dem SensationSbedürsnI» der bürgerlichen ZcitungSleser entsprungenen Schwindel handelt, der den Arbeitern de» Erzgebirge», die seit Jahren wirtschaftlich schtver leiden, großen Schaden bringen muß. ES tvird in den Berichten vor allem behauptet, Abertham sei dir Stadt ohne Arbeitslose. In Wirklichkeit verzeichnete der Verband der Bekleidungsarbeiter im Jahre 1982 für die Sektion der Handschuharbei- trr im Erzgebirge 2619 Unterstütz,iiigofälle mit 12-1.039 Untrrstützungstagcn, für dir 1.414.155 Kronen gebraucht wurden. Im ersten Halbjahr 1933 tverden 1852 Mitglieder gezählt, die 92.074 UnlerstühnngSIagr aufweifen und 1,100.000 lls an Arbeitslosenunterstützung erhalten. Davon entfallen aus dir.Stadt Abertham allein 706 Unterstützung-sälle mit 28.269 Unterstützung»- tagen. Wenn man weiß, daß Abertham nur 2600 Einwohner zählt, dann genügt diese Feststellung vollkommen, iim den bürgerlichen Be- richl zu widerlegen. Daneben lei noch vermerkt, - daß in Böhmisch Wicsenial und Joachimstal die I Handschuhmacher schon dreimal zur Gänze auS» gesteuert waren, also fast ununterbrochen arbeitslos gewesen sind. In der bürgerlichen Presse wird auch von„respektablen" Löhnen In der Hand- schuhinduslrie gesprochen, deshalb sei mit angeführt, daß z. B. Hanoschuhnäherinnen bei zwölf» und vierzehnstündiger Arbeitszeit 50 bi» 80 Ke in der Woche verdienen, dabet aber eigene Ma- schinen im Werte von mehr als dreitausend lls verwenden müssen, sür die sic auch die Reparaturen au» eigenen Mitteln bezahlen müssen.— Ta» nur ein Ausschnitt über die tatsächliche Lage in der Haiidschuhindustrle. Er beweist mr Genüge, welchem Zweck die Meldungen der bürgerlichen Zeitungen dienen sollen; lediglich dem Abbau der sozialen Rechte der Arbeiter. Schon hat man in der Sozialkommisston dc» Bezirke» Äeudek hingcwiesen, daß e» nach den Zeitungsberichten in der.Handschlchindnsttie keine Ar« beitsioscn gebt. So wird da» Recht dr» arbeitslosen Handschuhmacher» ans Untrrstütznng ungemein gefährdet. Aber wenn sie ihr« Kampflieder singen, oder wenn sie ilntereinander von dein Schicksal der Ar- beiterbeweauno sprechen, dann sind sie merkwürdig reif für ihr Alter, denn di« Roten Falken i wissen; daß sic zur Arbeiterklasse gehören, und daß da» Schicksal dieser Klass« auch> h r Schicksal ist. Wenige Minuten, vom Lager crttsernt ist das Meer mit einem wunderbaren Strand, der durch Ebb««ich Flut seine besonderen Reize, hat. Gar nicht weit— man fährt zirka eine Dreiviertelstunde— liegt Osteno«, der Weltbadeort der reichen Leut«. Groenendyck ist im allgemeinen einsam, aber jetzt tummeln sich alltäglich auf diesem Strand« Hunderte von Roten Falken. Sie schik- k«n ihre Freundschaft-Grüße hinüber zum Leuchtturm von Dover, den man abends blinken sehen kann. Aber häufig denk«« sie auch an die oeut- schen Roten Falken, mit denen viele von ihnen im vorig«,« Jahre in der internationalen Kinder- rcpublik bei Pari» zusammen waren. Sie lesen eifrig di« Zeitungen, den„Peuple" von Brüssel, den-„Populaive" von Pari«, die Wiener„Ar- beiter-Zeitung". das Züricher„Volk-recht",— und wenn sie wiederum neue Greneltateu der Nazi» hören, dann kommen sie zn den deutschen Emigranten lrnü Emigrantenkindern— denn auch von rh>«n gibt«S einig« im Laster— und sprechen mit ihnen Über da», was sie mit Schaitdern gelesen haben. Es ist eine wirklich« Jnternationalität in dieser Kinderrepublik, im Spies« und im Ernst, und wir wollen nicht vergessen, daß viel Sinn im kindlichen Spiel Ist. Kämpfer der Zukunft, dawollen dies« Kinder iverden, das singen sic und dafür bereiten sie sich in ihrei« Kinderrepnbliken vor. K. K. L. wurde so. lange gefoltert, bi» er angab, daß das Material für Tr. Mcngoni auch aus Neapel br- timmt war. Dieser erhielt siebzehn Jahre Zuchthaus! Luigi D c l f i n i verurteilte man am 14. Juni 1932 wegen antifascistlschcr Gesinnung und Propaganda zu dreißig Jahre» Zuchtbau», Augusto Natt i n, der auf der Straßenbahn Mailand-Monza im Gespräch mit anderen eine Kritik an der faseistischen wirtschaftlichen Politik der BoltSverhungcrung gewagt hatte, wurde am 5. Juni 1933 zu einem Jahr Zuchthau» verurteilt! > Auch in Italien hat man Vielfach F a m i• liencin gehörige von Flüchtlinge»» als Geißeln verhaftet, gefangen gehalten, sogar deportiert. Um ein einzige» Beispiel zn, nennen, wurde der Bruder de» aus den Liparischen Inseln geflüchteten Emilio L u s su in Florenz verhaftet und an Stelle dr» Flüchtlings auf fünf Jahre deportiert! In Italien wird in den politischen Voruntersuchungen genau so gefoltert und werden dieselben grausamen, sadisti- scheu Mittel zur Erpressung von„Geständnissen" angcwendet wie im dritten Reich! Ist jetzt einer dieser beiden Systemen„hu- nianer"?— Die„Originalität" der Nazi- besteht ja hauptsächlich in der getreuen Nachahmung de» italienischen Vorbildes und dessen Methoden! i WA i Self»- Freitag, 11.«ugust 1888 Nr. 188 PRÄGER ZEITUNG drei. und Der Film Sport* Spiel• Kömmfflm Geriditssaal Mr den Wo verkeim wir? Kreiswürd« ve r. Ruhestätte sein? Palmen in dem Süden Linde» an dem Rhein? ich wohl in einer Wüste Die ge> ist. 37« l'ol 3.129 Überall erhältlich I gesagt, das einzigartig Graste an diesem fölnt: er zeigt eine geistige Konzeption, mit der jeder sich auscinandcrsctzen kann. Aber auch diejenigen, welche in Ton Quichotte den Weise«: sehen, der erhaben lebt über dem Gekrabbcl der unsinnigen Welt, werde»« die ganz andre Aussassung des Regisseurs verstehen und zu würdigen wissen. Dieser Dor« Quichotte ist ein Filmschlußpunkt unter die Rittcrromantik; und di« diese Zeilen in einen: Blatt geschrieben stehen, das auf materialistischer Lebensauffassung basiert, sei Pabstens Lebensbild des Ritters von der traurige,: Gestalt doppelt froh begrüstt. Pabst wäre aber nicht er selbst, hätte fein Film leinen ganz grasten Schlusspunkt; wie so vielen genialen Menschen ist auch ih,n diesmal ettvas geglückt, was direkt an Hellseherei gemahn«: er zeigt«ns eine Bücherverbrennung, lange bevor der Scheiterhaufen in Berlin zu des deutsch»,« Bolles Schmach gebrannt hatte. Er lästt Don Quichotte sterben, da«hin di« reale Welt, seine Ritterhistorien verbrennt; er lästt ihn sterben, da sein Traum, der ohnehin nur in Büchern leben konnte, von den Flammen verzehrt wurde. Aber: sie ist nicht tot, die Romantik, doziert Papst, ei«« einziges Buch genügt, um die Vergangenheit wieder zum Leben zu erwecken, ein einziges Buch.des Geistes kann a»«ch genügen, um den heutigen Spuk des Dritten Reichs zu bekämpfen. Ein totes Buch schafft wieder Leben und so tönt uns noch die herrliche Stimme Schaljapins im Ohr. wem« er sich von uns mit seine,n«nelancholischen, von Fbert glanzvoll erfundenen Tl«ema verabschiedet; und uns das Lied singt vom Romantiker, der als Tor gelebt hat und als Weiser starb. Denn im Tod werden ihm die ewigen Gesche des Lebens klar. Dieser ganz grossartigen, in« Filin kaun« dagewesenen geistigen Konzeption des Werks(das Drehbuch stammt von Morand) entspricht auch Allgemeiner Angcstekltcn-Berband, Reichenbcrg, Fugrndsettion Prag. Wir beteiligen uns an dem am 16. und 17. September in Reichenbcrg stattsin- drüben-,Jugend!r^fen des A. A. B," Das vorläufige Programm sieh: io!c folg: aus: Samstag abends: Grostc Jugcndjeicr, verbunden mit der Ausstellung„U n s c r c A r b e i l".— Sonntag vormittags: Sportliche Welt kämpfe für Burschen und Mädchen. Fünfkampf: 106 Meter-Laus, Kugelstostcn, Hochsprung, Speerwerfen, Weilsprung. G r u p p c n k a m p s: Fanstball, I mal.100 Mctcr-Slafscllauf.— Sonntag vor- mittags: B c r n f s w e t I k ä m p s c in Stenographie, Maschinenschreiben sowie llcbcrschnngcn aus dem Tschechischen und ins Tschechische.— Sonntag nachmittags: Ausflug ins Jscrgcbirgc: Untcrhaltuug bei Spiel und Tanz.— Teilnchmerbctrag«0 K. Inbegriffen: Abzeichen, Ucbernachtung und Mittagessen. Allen Teilnehmern wird die Wander» k l n f t empfohlen.— Anmeldungen sind bis späte st e n S den 25. A u g u st brieflich an die Leitung der Fugcndscktion Prag einzusenden. ES ist notwendig, dast ein jeder bekannt gibt, ob er an den sportlichen Wettkämpfen und an dem kurzen Sprechchor, den die Prager auffnhrcn, teilnimmt. Fahrtsprsen lind diesmal so niedrig halten, dast cs sicher einem jedem möglich an diesem Tressen teilzunehmen. Weist« Welt. O jeh, der Fremdenverkehr ist schon da; auch im Filn«, warum denn nicht? Man Hilst sich, wie man kann. Aber das alles sollte wem» ger aufdringlich-dilettorrtisch geschehen. Die nieisten Herrn Filnrproüuzenten wollen etwas entdecken; wenn es gerade nicht mit einem weiblichen Star gelingt, dann must die Schweiz, vor allem das Berninamaffiv hevhallen. Und so kommt die beglückte Welt zu diesen: Filn«: man muh eben Geld verdienen,«vie es geht. Heute ists die Schiveiz «norgen das Hakenkreuz. Primitiv tverdai« hier di« vier Jahreszeiten aneinandergereiht, ein ganz begabter Operateur zaudert einige Bilderrcihen dazu, die nicht schlecht wirken, cs schneit nnd dann scheint wieder die Son:«« und wenn nicht alles täuscht, so euvpfiehlt der Filan eben an Hand dieser lebenden Airsichtskarle«: den nicht gar so teueren Besuch gezeigter und besagter Hotels. Auch die überitalleni- schcn See«: erscheine«: in diesen: Filmchen: milde locht das dortig« Lüsterl, dos Wasser der Seen ist anscheineird wirklich herrlich und die Leutchen leben in eitel Sonnenschein. Daß sie cttva auch andere Sorgen als di« Unterhaltung der Freinden haben könnten, wird«richt«veiter als interessant anerkannt. So sehen««ufere Naturfilm« ans; ohne Vcrnuust aneinandcrgereiht« Reklainebilder für Heine«iwas schtvächer besucht« Luxushotels, das ist der Sinn unserer Filmalpen. W. Lg. di« filnrische Verarbeitung. Da ist vor allem eine Photographie, wie wir sic herrlicher und eindringlicher kaum kennen: wie uns die spanische Landschaft cntgegentritt, wie A n d r e j c w die altspanischen Bauten horgezaubcrt hat, wie Pabst die Sonne brennen und die Wolken ziehen lästt. wie er die Gröste der andalusischen Hochebene zu zeigen weist, das ist austergewöhnlich. Die gleiche Sorgfalt zeigt feilt Feilen ai« der überragenden Arbeit Schaljapins: cs gibt keine größere Leistung im Schauspiclfilin; und cs gibt keine Stimme, die im Mikrophon hcrrlick-cr klingt, asp seue in den drei Arien. Dast Pabst diese dre: Arien in die Handlung einzusüge«, verstand, dast er zum erstenmal«nit Erfolg den Film der Oper nahegebracht hat, ist nur ein ncbensächlick>er Erfolg seiner Arbeit. Der Inhalt des Films entspricht den wichtigsten äußeren Episoden des Romans vo>: Cervantes; der Huinor wird von Don Quichotte gcnommei« und ganz in die Figur des dicken Sancho Pansa verlegt. Kaleidoskopartig ziehe«: in diesen: Filn: die Erlebnisse a«: uns vorüber: wie der Ritter sich rüstet, im Wanderzirkus geweiht wird, wie er in die Welt zieht, die Schafe tötet, die Galeerensklaven befreit, das Turnier besteht, die Windmühle bcrennt und dain« in« Schafkäfig als besonderer Narr heimgcschafft wird. In den« Augenblick, da er die Galeerensklaven befreit, wird der Film todernst: hier kämpft kein Narr, hier kämpft e:»r Mensch ums Recht. u«n Freiheit. Und hier ist es nicht er, sonder«« die andern, welche diese Geschenke aus einer andern Welt verachten. Mit Stei««en lohnen sie es ihrem Befreier, mit rohen« Lache«: zeigen sic ihm an, dast d'< Welt mir Gerechtigkeit nichts zu tun hat. Es ist ein Pro- blcmfilm für Sehende; anderer« die Tiefen dieses einzigartiger« Werkes eines großen Intellekts zu zeigen, ist Versuch dieser aufklärcnden Zeilen, Das Urteil bilde sich jeder selbst... Walter L u st i g. Als sic nämlich an« 80. Juni von einer wöchentlichen Fcriensahri heinikchrtc uns in später Nachtstunde ihre Wohnung aufschlost. prallte si« entsetzt zurück. Ihre Wohnung war von srem» den Leuten besetzt, die sie, aus ihrer Racht- rulre ausgcschreckl, höchst mißtrauisch und unliebenS- würdig empfingen. Im Laufe der aufgcregten Wech'eireö« kam zutage, dast der gewissenlose Liebhaber In Abwesenheit seiner Freundin deren Wohnung hinter ihren« Rücken an di« F a in I l i e r i n c s nach Prag versetzten nud Wohnung- inchenden Beamten abgetreten hatte Auch ihre schöne Wohnungseinrichtung hatte er „verkauf t" und alles in allen: 8700 iß als Entgelt entgegengerommen, welch«,, Betrag er daun in kürzester Zeit durch die Gurgel jagte. Die Witwe musste diese Nacht im Hotel schlafen. Am nächsten Tag lies sie zur Polizei und der Freund wurde alsbald verhaftet. Er bekannte sich zhnisch zu dem Betrug. Auch bei der Verhandlung vor dem geruht h'elt er sein Gcstäiwnis aufrecht. Er zu sieben Monaten schiveren und schärften Kerkers verurteilt. In den Kreisvcrbänden finden demnächst Kurse für Alters-- turner soevie solche für Programmgestaltung uiü> Abcndunterhallungcn start. Jin' Winter gelaugt dann noch ein ZeiitralkurS für Skisahren zur Durchführung. Die Neuordnung des KurNvrsenS hat grasten Au klang gefunden, besonders die Bczwkskurse für das SckttoieSturiien. Zur besseren Durchführung der Kurse wurde ein besonderer K u r s f o n d s geschaffen, dein alle freiwilligen Beiträge zufließen, die dem Latus aus Protest gegen die Streichung der Subvention zukomineu. Die Wettspielsahrt der 21 arbeitslosen Wiener Arbeiterhandballcr durch Oesterreich und die Schwei; bedeutet für alle Städte, in den««: si« antreten, ausgezeichnete Handballpropaga»da. DaS erste Spiel trugen die Wiener in Lirrz gegen eine Koinbinalio«: Stamm Waldcgg aus, das sie starken: Regen mit 4:1 verloren. TagS daraus fuhren sie mit den: Fahrrad nach Salzburg und gewaitncn dort Ick: 6. Das erste Spiel, das sie in der Schwerz austrugen, sand in Arbon statt und«vurde 22:6(4:8) getvou- ncn lieberall,«vo die arbeitslosen Genosse«: hin- kamen, fanden sie di« beste Aitfnahme nnd da sie durch die Radlerei auch eilten gehörigen Appetit mitürachten, auch ordentlich gefüllte Teller. Das hatte zur Folge dast die Spieler mit mehr Begeisterung kämpsien, als«in Tennischampion, der einen mehrivöch'gen GratiSaufenthal« an der Riviera er- halte«« hat. Happy end einer Boxschiebung. Bor kurzem fand.in Wien ein Match zwischen den Professional- boreru Laroche, einem frairzösifchcn Neger, und dem Wiener Neubauer statt. Nach dem Kampf erklärt« Laroche, dast er von seinem Manager Montigny den Auftrag erhalten habe, in der fünften Runde zu Boden zu gehen, das heißt also, so zu tun, als ob er von seinem« Gegner knockout geschkage«: worden wäre. Di« bürgerlichen Blätter«varen zuerst über di« An- släiwigkeit des Negers, der den Auftrag feines Ma- EinBolk, ein Dichter, ein Denlmai. (AnS dem Bucher Deutschland heute.) Bon Waller W i l l h c i m. Dos Schiff fährt rheinabwärts vorbei an Weinbergen und Burgen und der heiter blaue Sommerhimnwl strahlt südlich aus das herrliche Wunder dieser begnadeten Landschaft. Wenn der Dampfer an den hübschen, malerisch gelegenen Städten hält, koinmcn frische Mädchcngesichter an Bord und jugendliches Gezwitscher klingt dem Reisenden entgegen, der von Erdenschwcrc und Sorgen des Alltags befreit, ein längst tot geglaubtes Frühlingsgefühl im Herzen sich neu regen fühlt. Wir schreiben August 1932 und wisse«: nicht, daß e8 der letzte Sommer ist, den wir hier verleben lverden. Die Menschen sind liebenswürdig und freundlich-nahe: ein derber Weinbauer der Gegend gibt den Franzosen auf dem Schiffe zuvorkommend den Führer ab. Er spricht ein Gemcngscl von rhcindeutsch und französisch, aber man versteht einander doch und die Franzosen danken beglückt für den guten Willen. Sind das die Deutschen, die man vor Fahren erbittert bekämpfte?... DaS Schiff nähert sich dem Loreleyselsen. Am Bug des Dampfers singen die Mädchen das Heine-Lied von der betörenden Rheinfec„Ich weist nicht, was soll es bedeuten...". Vor hundert Jahren ging der Dichter Heinrich Heine über diesen Stroin nach Paris als Emigrant. Henle singt das deutsche Volk seine Lieder. Und den Blick in die Wirbel des Rheins gerichtet, kommt ein glückhaftes Gefühl über den Rbcin- wandcrcr, während die jungen, bischenden Mädchen die letzten Verse in den blauenden Himmel singen... Nur das deutsche Volk liebte.Heine, seinen Dichter— nicht seine Führer. Das war schon zur Kaiserzcit so. Als die frnlwcrblichene Elisabeth von Oesterreich sich vom Wiener Hofe ans ihren LicblingSsitz nach Korfu znrückzog, errichtete sie ihrem Liebling Heinrich Heine ein Denkmal in dein dunklen Schlosspark und verlebt« hier ihre letzte:: einsamen Fahre in geistiger Gesellschaft mit dem Dichter. Nach ihrem Tode ging der Besitz in die Hände eines deutsche«: Kaisers über, der dieses Fdyll zerstörte. Wozu braucht ein Staat Dichter? Soldaten und Generäle braucht er! Der schöne Dichtrrdenkstein soll in das griechische Meer rollen— da— im letzten Augenblick— meldet sich das„inoffizielle" Deutschland! Cs bittet subinisscst, daS Denkmal erwerben nnd in der freien Hansastadt Hamburg anfstellen zu dürfen. Di- Großmut des Monar- chen gewährt es... Und so staird das Heine-Denkmal in Hamburg, unauffällig und ghettohast-scheu. Um den Dichter zu schützen(es gab imincr nationale .Heisssporne) Hai die deutsche Regierung nach dm Kriege einen Schuhmann zu dem Denkmal gestellt und der alte Spötter Heine sah mitleidig ironisch auf den guten deutschen Polizisten in seiner guten alten Vaterstadt Hamburg herunter, der ihn so brav beschützte... Seit wenigen Tagen steht das Denkmal nicht mehr. Es ist abseits gestellt worden. Heute wie ehedem braucht Deutschland keine Dichter mehr — cs braucht Soldaten. Man wird daS Standbild wahrscheinlich wie andere auf einen Schlachthof oder an eine verschollene Friedhofsmauer stellen und hier wird wohl.Heines Geist ruhelos hcrumirrcn und über Deutschland denken. Während seine Lieder aus dem Volksmund nicht ausgerottet werden können, sein Geist nnd seine Statue inüss-n stäudig emigriere»— ruhelose Seele über' ruheloses Land... Und«ver denkt nicht an das schöne Heinelied, das seinen Grabstein in Paris ziert und auch härteren Naturen Träne«: in die Augen presst: Wo? Wo wird einst des Wandermüden Letzte Unter Unter Werd Eingescharrt von frenider Hand Oder ruh ich an der Küste Eines Meeres in dem Sand? Immerhin! Mich wird umgeben Gottes Himmel dort wie hier Und als Totcnlampen schweben Nachts die Steriw über mir.,. Das Kurswcsen des schweizerischen Arbciter- Turn- und SportbundrS(Salus) must bekanntlich von nui: an ohne Staatssubveivtiou durchgeführt tvcröcil. Aber«S wird geschafft werde::. Herbst dieses Jahres sind Zentralkurs« für das SektimvS- nnd.Kinderturnei« vorgesehen. Senat ist ein „ve r- .. pflcgt. Zioeisellos«vär« in eitler vernünftig organ'sicrlen Gesellschaft ein Grossteil dieser heute verlorene«: Menschen als nützlich« und wertvoll« Glieder der sozial«» Gemeinschaft«inzuordnen. Heut« Pflegen solch« von iiicmaudcu« gestützte und geführte Existenzen ui« letzten Stadium ihres Lebenslaufes zwischen| K rimina l, S ch u b st a t i o n und Irrenhaus hin und herzttgondcln. Di« Anklage gegen Franz Kopp lautet auf das Pcrbrcchen des Betruges. Es ist ei«:« recht groteske Sache. Der Angeklagte hat cinen abenteuerlichen Lebenslauf hinter sich. Berbuinniel- ter Student verschiedener Fakultäten, dann erfolg- loser AuNvärtcr auf«ine Beanlleuexistairz, wurde er schließlich Vertreter für alle möglichen Artikel. ES ging ihm schlecht, bis sich schließlich ein« Baume ist« rstvitive seiner annahm. Diese vereinsamte Frau widmet« nicht nur sich, sondern auch all« ihre Mitt«! dem Angeklagten, der sich aus diese Weise ein bequemes Leben schuf. Er wohnte bei ihr, verköstigt« und kleidete sich auf ihr« Rosten. Di« Frau war um fünfzehn Jahre älter als er. Bei diesen: bequemen Lebenswandel wurde . er immer übcrniütiger. Er bracht« zuguterletzt allerhand weibliche Besuche in die Wohnung, die ihm seine Freundin cingcränmt hatte. Wenn sie dagegen Eimvcndui^cn erhob, verprügelte«r si«. Zwischendurch betrank«r sich nnd erregt« auch sonst allerlei Acrgernis. Zu alledem fchrvieg seine Freundin. Aber nnes Tages mußt« si« dennoch die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen. uagerS nicht erfüllt halt«, äusserst gerührt. In den letzte«: Tagen vollzog sich allerdings ein deutlicher Stimmung Swcchscl. Laroche war von Wien abgc- reist, und in der Sitzung des Bcrusr-boxverbaude«, di« sich mit dem Boxskandal beschäftigte, begann man Plötzlich von einen« Liebesabeulcner des Negerin einem Wiener Borsladlcasü zu erzählen, das mit einem kleinen Diebstahl geendet haben soll. Selbst- versländlich, so war cs Laroche flüchtete vor der Wiener Polizei, der Manager Montignh erklärt die Behauptungen selne«„Schützlings" als ein Komplott zur Loslösung aus seinen: Vertrag, und da dies alles eigentlich ein« inuvie er einmal gewesen sei» soll dieser Don Quichotte dcü Tonfilms ist kein Edelstein unter der Plebs des Alltags; er ist peinlich in seiner aufdringliche«: Phantasterei, er ist>iuan- gcnchn: in seiner Naivität,«nit der er den Alltag uicht verstehen will, er ist unverständlich, gerade' tveil er jo Vieles aus der Vergangenheit herbeisehnt. Er ist eben der Dumme, nicht Lächerliche, der Tor unter den Menschen, die deshalb, weil sie schlecht und unethijch.»och'»»»er»täglicher unk verständlicher sind als unser lieber Ritter: denn die Welt ist nun einmal bunt und so gar»ich: schön, wie es in den Büchern z» leset« steht. Deslwlb ist auch d cser Film, wie es manchen scheinen mag, nicht genügend durchgearbeitet: Don Quichottes Heldcntate» sind einfach dunun, ganz unglaubwürdig, wie eben sein ganzes Leben. Und das erscheint bei oberflächlicher Betrachtung als Mangel; aber Pabst wollte sich«nit feiner Figur weniger formal als geistig auseinandersctzen. Und darin ist eben sein Urteil vernichtend und sein Film deshalb erdrückcud. Das ist, betvusst persönlich