Mvzelpreis 70 Heller. cSinschlirtzltch 6 Hiller Porto) 13. Zadrgano. Sonntag, 13. Äugust 193s Nr iss. Kubanisoks ksvolution sisLrsiok: Machado zurüc&getreten. Wieder Grenzverletzung durch SA-Banditen. Wien, 12. August. Gestern kam es bei Klobenstein an der bayrischen Grenze zu einem neue« Grenzkonflikt. Ein« Grupp« österreichischer Hilfspolizisten, die in der Näh« der Wachstube auSruhten, wurden um 22 Uhr von der bayrischen Grenze aus beschossen. ES fi«. len etwa 80 Schüsse. Die Hilfspolizisten nahmen sofort di« Verfolgung der Angreifer auf, dir aus bayrischen Boden flüchteten, wobei sie aus ihr« Verfolger weitere Schüsse abgaben. Auf öfter» reichischer Seite wurde niemand verletzt. Zur gleiche« Zeit wurde von bayrischer Seit« auch ein Hilfspolizist beschossen, der bei de« Munitionslager zwischen Klobrnstein und Aössea Wache ständ. Als der Hilfspolizist sich zur Wehr setzt«, flüchteten di« Angreifer. ES ist dies bereits der dritte Grenzkonflikt dieser Art bei Klobenstein. Internationaler Lehrerhongreß hnnnenirel. Santander, 12. August.(HavoS.) Heute wurde hier der sechste Internationale Kongreß der Lehrcrverbändc eröffnet. Der österreichische Delegierte auf der Konferenz erklärte, er sei nicht imstande, mit den Deutschen, die Oesterreich verfolgen, zufaminenzilarbeiten. Die Deutschen verließen darauf den Sitzungssaal und der Kongreß beschloß mit 40 gegen.21 Stimmen, die Deutschen zu den Kongrcßverhandlungen nicht zuzulassen. Hierauf wurde einmütig beschlossen, daß der Platz für den deutschen Delegierten im Ausschüsse freibleibe,- solaitge nicht in Deutschland die Gcwcrkschaftsfrogc der Lehrerschaft geregelt sein wird. Schule Goerlug. Wien, 12. August. Wie die„Rcichspost" er» fährt, ist gestern in Wicncr-Ncnstadt ein außerordentlich wichtiger Fund gemacht worden. Gr- legentlich einer Hausdurchsuchung bei einer Farbwarcnhändlerin wurden 18 elektrische Zündappartc entdeckt, wie sic zur Erreichung großer Sprengwirkungen benötigt werden und daher besonders zur Sprengung großer Objekte Verwendung finden. Diese Zündapparate befanden sich in einem Koffer eines Personenautos, das von dem Sohne der Händlerin sehr häufig benützt wird. Mutter und Sohn sncd als eifrige Nationalsozialisten bekannt. Beide wurden verhaftet. Das Dlsllco eines Juden. Berlin, 12. August. Ein jüdischer Geschäftsmann, dessen Unternehmen durch nationalsozialistische Abteilungen unter stillschweigender Tul- düng der am Schauplatz anwesenden Polizei völ lig zerstört worden war, hatte eine Klage gegen den preußischen Staat aus Schadenersatz einge- leitet. Diese Klage Wurde gestern vom Landgericht Berlin kostenpflichtig obgewiesen. DaS Urteil sagt, daß die Schadenersatz-Ansprüche jüdischer Unternehmer unbegründet seien: wenn ein jüdischer Unternehmer in Deutschland ein Geschäft gründe oder betreibe, dann müsic er sich darüber klar sein, daß dies eine außerordentliche Provokation gcgenüver der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes bedeute. Er müsse daher von vornherein mit der Möglichkeit einer Zerstörung seines Geschäftes rechnen; diese Gefahr sei ein Teil des UnternchmerrisikoS, das jeder Jude in Deutschland zu tragen habe. Belgien gegen die Nailpest. Brüssel, 12. August. Di« belgische Regierung hat beschlossen, in Zukynft.zede Kundgebung von Nationalsozialisten Uniform für den ganzen Bereich des Königreichs Belgien zu verbieten. Andererseits werden energische Maßnahme» ergriffen, werden, um. jede Art von nationalsozialistischer Propaganda aus dem Wege- der. Presse oder durch Flugschriften-zu verhindern. Zuwiderhandelnde Ausländer werden unverzüglich auS- gewiesen werden'. In diesem Zusammenhang ist den belgischen Behörden zur Kenntnis gebracht Worden, daß zahlreiche in Belgien etablierte deutsche Handelsfirmen seit einiger Zeit ihr bis hcriges Personal entließen und durch rcichS- deutschc Nationalsozialisten ersetzten. Santa Clara(Kubat, 12. August. Wie die Führer der hier stationierten Truppen tt» klären, ist der kubanische Präsident Machado von seinem Posten zurückgetreten. « Havanna, 12. Anaust.(Reuter.) Zuni Ruck- tritt-es Präsidenten Machado werde» folgende Einzelheiten berichtet: Die Truppen haben dem Präsidcirten, wie gemeldet, ein Ultimatum gesandt, in welchem sein Rücktritt gefordert wird. Der Präsident versprach, dieser Aufforderung innerhalb von 24 bis 46 Stunden zu entsprechen und an seiner Stelle einen provisorischen Präsidenten zu ernennen. DaS Militär hatte den Widerstand gemeinsam mit den Marinestreitkräften und den Fiiegertnippen organisier:. E«n Artilleriereyiment der Festung Cabana gab den Anstoß zum Atlfstaitd und forderte all« übrigen militärischen Formationen mittels Rundfunk auf, sich der Aufstandsbewegung anzuschließen. Von ollen Seiten wurde die Teilnahin« vcrsproci-eic. Eine Artillerieabteilung verließ di« Festung Cabana und brach!« ihre Geschütze gegen das PräsidentenpalaiS in Havanna in 2!«llung. General Herrera als Sprechcr der Aufständischen, sandte dem Präsidenten Machado eine ÄotschafI, Karlsbad, 12. August.(Eigenbericht.) Der christlichsoziale Abgeordnete Greis.in Falkenau, der zugleich Sekretär der christlichsozialen Getverk- schaft ist, wurde heute um halb 2 Uhr nachmittag bei der Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung ,m Speisesaal der Firma Schmi«ger von den« christlichsozialenArbeiter Edmund He i n l c r aus Zwodau angcschosscn und schwer verletzt. Heinler, der schon seit langer Zeit an einer schweren Rcr- venkrankheit litt, war ein ganzes Jahr im Kran- lenstand und verlangte jetzt von der christlichsozia- len Gewerkschaft die LlrbeilSlosenunterstützunch Greif erklärte ihm, daß er nur dann Anspruch ans die Unterstützung habe, Wenn er rin ärztliches Zeugnis über seine Arbeitsunfähigkeit vorlegen Die Verteidiger im Volkssportprozeß haben in der von uns bereits besprochenen Erklärung zum Schluss« gesagt: „Wrnn er(Pelermichel) tatsächlich Eingang in«ine reichSbeutsche notionalsoziolistisch« Organisation gesunden haben sollte, wie es eine tschechische Zeitung behauptet, könnte dies wohl nur aus Grund unrichtiger Vorwände geschehen sein. Daher wäre sein Ausschluß aus der NSDAP, zu erwart«n." Wir haben diesen Teil der Verteidiger Erklärung schon besprochen und darauf hlngctviescn, daß sich die Herren, die da auch im Namen der DNS AP. sprachen, einen sehr weitgehendcn Einfluß auf die NSDA V.^ die Hitlerpartei, zumuten. Dieser Einfluß scheint, wie aus der allgemein gehaltenen Testierung bcrvorgeht. keineswegs nur im Falle Petrrmichel vorhanden zu sein, obzwar ja das EinbekenntniS der organisatorischen Verbindungen zwischen der TN SAP. und der NSDAP, auch in einem einzigen Falle rur völligen Entwertung aller Ableugnungsvrr- suche der Jungsascistrn genügt. Die Herren könnte» doch nicht so ohne weiters behaupten, daß die Hitlerbrwegung Leute nicht ausnimmt oder ausschließt, die sich„unter unrichtigen Vorwänden" an sie heranmachten. Nur die jenseits der Grenze beobachteten und den Jungfasristen bekaniltcn Gepflogenheiten können für die Abgabe der apodiktischen Meinung bestimmend sein, daß der Petermichcl aus der Hitlerbcwcgung ausgeschlossen werden'wird. Do taucht aber die Frage auf: Was ist mit den Vielen SA.-Lcuten, die, aus dem sudeten- in welcher er neuerlich energisch den Rücktritt Rtochados im Interesse der politisck)en Beruhi- gnng in Kuba und auch deshalb forderte, um eine In erveniion der Bereinigten Staaten zu vermeiden. Die Palastgarde machte sofort alle Anstalten zur Verteidigung der PräsidentenpalaiS und stellte im Gebäude an verschiedenen Stellen Maschinengetvehrc aus. Hierauf wurde eine Zu- samntenkunst zwischen Machado und Herrera vereinbart, um Blutvergießen zu vermeiden und aus legalen Wege die Frage der Nachfolgerschaft zu lösen. In dar Stadt herrscht immer noch Unruhe. kln Bombenattentat. Havanna, 12. August.(T'ch. P.-B.) Ein Straßenbahnwagen, in dem sich Polizei und Angestellte der Regierung befanden, wurde durch Explosion einer Bombe völlig zerstört. Vier Personen wurden getötet und 2o schtvar verletzt. Washington erfreut. Washington, 12. August.(Tsch. P.-B.) Ter Rück ritt MachadoS und die Betrauung HcrreraS lmt in offiziellen Wa'hingtoner Kreisen«inen günstigen Eindruck ltervorgerusen. könne. Heinler' erging sich sodann in Beschimpfungen und äußerte sich,- daß er M einer halben Stunde wiedcrkäine und dann sein« Unterstützung erhalten müsse. Tatsächlich kam er wieder und stellte daS neuerliche Verlangen auf Auszahlung der Unterstützung. Als das verweigert wurde., zog er einen Browning aus der Tasche und dab zwei Schüsse ans Greis ab, durch welche dieser am Unterkiefer schwer verlebt wurde.. Greif wurde in daS Falkenauer Krankenhaus überführt. Die Tat Heinler» dürfte auf seine Nervenkrankheit und aus seine große Notlage zurückzuführen sein. Nach der Tat stellte sich Heinler freiwillig der Polizei, die ihn sofort in Haft nahm.. deutschen Gebiet, bezw. auS der DNIAP. stammend, drüben Aemicr und Würden bekleiden? Daß sic nicht Mitglieder der DNSAP. sind, wurde in den»leisten Fällen von der Leitung 8er Jung-Partei mit überraschender Schnelligkeit und Promptheit versichert, obzwar sie doch nur selten darnach gefragt wurde. Wenn sic ober nicht Mitglied waren, dann hätten sie sich drüben„unter unrichtigen Borwänden" eingeschlichen. Ist aber die Meinung der Verteidiget richtig, dir sic ebenfalls ohne jeden Zwang, di, sic völlig freiwillig und übereifrig geäußert haben, die Meinung nämlich, daß das Vorspic- geln„unrichtiger Vorwände" zum Ausschluß aus der Hitlerbewegung führt, dann kann es angesichts der großen Rolle, die die SA.-Banditc» aus dem sudetrndcutschcn Gebiet drüben spielen, solche„unrichtige Vortvände" nicht gegeben haben oder, mit anderen Worten, sie waren Mitglieder der Jung- Partei. Es ist begreiflich, daß ihre Mitgliedschaft bei dieser Bar- tci erlöscht, wenn sic die Grenze überschreiten: aber daß sie sie hatten ist. die Vorbedingung dafür, daß nicht ihr„Ausschluß ans der NSDAP, zu erwarten" ist.'' ES nützt den Herrschaften nun kein Leugnen mehr. Di« Herren Verteidiger, die ihr« Erklärung im Einvernehmen mit der NSDAP, abgaben, habe» die zwischen der Jung- Partei und der Hitlekpartei bestehenden organisatorischen Verbindungen ansgedeckt. Richt absichtlich, sauber« nur aus Ungeschick. DaS- verbessert jedoch, di« üble Situation, in der sich die Jungsaseisttu nun brfiu- deu, nicht du geringsten. AnsHilag auf einen Mstlitaziaien Abgeordneten. Abgeordneter Greil von einem christlichsozialen Arbeiter angeschossen. Ihr seid entlarvt! Zur Flucht Dr. Petermidhiels. Aussig, 12. August. Senator«cn. Franz Beutel ist heute halb I Uhr früh gestorben. Er hatte Freitag früh einen Lchkagaufaü erlitten, der sich Im 1 Laufe des Tages wiederholte. Nachmittags wurde er in di« Heilanstatt.«letsche überführt,.wo er gestorben ist.'Beutel hatte schon einmal, am 13. Juni d. I.in einer Sitzung des Partrivorftandes in Prageinen Schlaganfall erlitten, von dem er sich aber erholt hatte. Nun muß auch unser alter Genosse Franz Beutel, der altbewährte und treue Kämpfer für die Arbeiterbewegung in die große Zahl jener eingereiht weichen, die die große Fahrt in das Nichts augetreteu haben. Ueberbticken wir das Leben dieses Mannes, in dem heiße Liebe für die heilige Sache der Arbeiterbewegung, unbezwingliche Energie und eiserne Willenskraft sich paarten, jo spiegelt sich darin die Geschichte der Partei im Aussige« Bezirke und der nordböhmischcu Arbeiterbewegung in ihren vielfältigen Zweigen. Das Schicksal wollte cs, daß Genosse Fran; Mittel, der an der Wiege der sudctcndculjchen Arbeiterbewegung stand, aus unseren Kampsreihen abberufen wurde gerade zu einer Zeit, da wir uns zu neuen gigantischen Kämpfen um die Existenz der Arbeiterbewegung vorbereiten, von denen wir allerdings hoffen, daß sic gekrönt werden mit dem Siege der Arbeiterklasse. Die große Stunde der Befreiung, für die Genosse Beutel als Fungcr wie als Alter in flammender Begeisterung kämpfte und sein ganzes Leben widmete, durste er nicht mehr schatten. Genosse Franz Beutel ist am 21. Jänner 1867 in Rosendorf bei Tetschen in einem Bauernhaus als Sohn einer Landwirtsfamilie zur Welt gekommen. Schon als Kind vertauschte er das Schicksal eines Bauernkin- des mit dem eines SladlkindcS, dem es indes um keinen Schimmer besser ging. Er kam mit seinen Eltern nach Aussig, wo er die Volks- und Bürgerschule besuchteund schließlich Buchdrucker wurde. Nach Wanderbnrschcn- art warf er nach der AuSlehie das Felleisen auf den Rücken, sagte der Stätte seiner Kindheit Balct und walzte lernend und arbeitend durch Oesterreich, Deutschland und die Schlveiz. Auf dieser Wanderfahrt machte er mit den Ideen der sozialistischen Bewegung Bekanntschaft. In Reichenberg lernte er l88!) den Schiller-Seff kennen. Man kann sich vorstellen, wie die glutvollen Ideen des Erwck- kers der nordböhmischen'Arbeiter in Bcntels begeistcrungsfcihigcm Fcuerkopf Einzug hielten. Er stürzte sich Hals über Kopf in die Ar- H Sonntag, 18. August 1988 Nr. 188 Antwort an Denunzianten. beit. 1800 tauch! er wieder in Nussig auf, stellt sich an die Spitze des van ihm mitgc- gründeten Bildung»- und LesevereincS der Arbeiter»nid als sich die Aussigcr Arbeiter ihr eigenes Blatt schufen, war er stlbstver- standlich einer der ersten Mitarbeiter des„Ge- sellschaftcr", und schließlich de«„Bolksrecht", dessen tausendfältige Sorgen er bis heute als Herausgeber betreute. Wieviel Fachvercinen, voran dem der Buchdrucker, war er nicht auch citt treuer Berater gewesen! Dabei stand er tagsüber beim Sehkasten und später als Faktor in der Bnchdruckerei. Im Jahre 1908 wurde Gen. Beutel Sekretär und später Leiter der Anssigcr Bczirkskrankenkassa. Das bedeutete eine tveitere Berniehrung seiner reichen Arbeit. Auch in der Krankenversicherung hat er sich führend betätigt. Die Nussiger Be» zirkskrankenkajsa gehörte zu den fortschrittlichsten Anstalten iui alten Oesterreich. Neben der Brünner Anstalt>var sie die erste, die die Familicnvcrsichcruitg cinsühric und so dcir Grundstein legte zu einer Entwicklung, die erst viele, viele Jahre später durch die Gesetzgebung geregelt wurde. Die großen Kämpfe int ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts fanden Genossen Beutel an der Spitze der sozialdemokratischen Bewegung des Aussigcr Kreises. Wiederholt wurde er nach dem alten Kurienwahlrecht für Reichstag und Landtag ausgestellt. 1907 führte er im Wahlkampfe die Aussigcr Arbeiter zum Siege. Dann kam eine siir die Arbeiterbewegung unerhört schwere Periode. Der Krieg verlangte Vertrauensmänner und Mitarbeiter an die Fronten und das bedeutete für Beutel neue Arbeitsbürdc. Die Arbeiterbewegung mußte mit einer Handpoll Genossen, die der Krieg verschonte, beisammen» und arbeitsfähig gehalten und die Fülle von sozialer Arbeiten geleistet werden, die gerade die KriegSzeit im Interesse der Bevölkerung erfordert«. Der Umsturz brachte nette Arbeiten. Genosse Beutel war durch zwei Perioden in der .Aussigcr Gemeindevertretung und in vielen ihrer Ausschüsse tätig, wurde 1920 Abgeordneter und 1925 Senator. Daneben gab es eine Fülle Arbeiten in der Partei, in der Gewerkschaft und Genossenschaft. Es gibt wohl keinen Ort im Aussigcr Bezirke, wo Gen. Beutel nicht als Versammlungsredner für die Partei geworben hätte. Biele Jahre war er Kreis» Vertrauensmann der Partei, später, nach der organisatorischen Umgestaltung, Bezirksvertrauensmann und seit der Gründung des Bezirk-Vereines„Ardeiterfürsorge" dessen Obmann. Ein ganzes großes Kapitel für sich ist seine gewerkschaftliche Arbeit, die sich durch viel« Jahrzehnte im Bezirksverband der Arbeitervereine abspielte, dessen Vorsitzender er war. Als sich dann die Gewerkschaften in der KreiSgewerksckwftskommission ihre Spitzenorganisation im Aussigcr Bezirke schufen, war Genosse Beutel durch mehr als ein halbes Jahrzehnt ihr Vorsitzender und bis heute ihr engster Mitarbeiter. Große Anforderungen stellte seine Berufarbeit in der.Kranketiversicherungüartstalt in der Nachkriegszeit an ihn. AuS der ehemaligen kleinen Maurerkrankenkassa war eine beachtenStvcrtc soziale Einrichtung mit weitgesteckten sozialen Zielen geworden. Die Einführung der Jnvaliditäts- und Altersversiche- ruitg lveitetc neuerdings den Aufgabenkreis. Hier half ihm die reiche Erfahrung, die er durch drei Jahrzehnte gesammelt hatte, die Aufgaben zu bewältigen. Denn mit der Arbeit in der Krankenkassa war ja die Arbeit nicht abgeschlossen. Man verlangte ja auch seine Mitarbeit int Rcichsverbande deutscher Krankenversichcrungsanstalten und schließlich im nordwestböhinischen Umerverbande, die viele gemeinsame Fragen, vor allem der Heilfürsorge Kranker, zu besorgen hatten. In dieses Kapitel fallt auch seine führende Tätigkeit tm Arbeiter-Rckottvaleszentenheitnvereine, dem die Genesungsheime in Reindlitz ihre Existenz und ihre wohltätige soziale Funktion danken. So rundet sich das Bild dieses nnnmer- inüden und eifrigen Arbeiters für die Arbeiterschaft und den Sozialismus. Dabei ist Beutel aber immer der einfache, schlichte und gerade Mensch geblieben und je mehr er von den Gegnern gehasst war, desto größer war die Frctmdschaft der Arbeiter. Wenn ihm das reiche Tagwerk eilte freie Stunde ließ, dann saß er wohl im Aussiger BolkshauS, das ja auch seine stete Sorge war, und erzählte im Kreise seiner Parteifreunde von seinen Erlebnissen tind von den großen Kämpfen der Arbeiterklasse mit ihren Feinden. Die Zeit hatte die Schärfett der Jugend- und ManneS- jähre überwunden, der Humor ließ dann manches in rosigerem Lichte erscheinen. Bor zwei Jahren ttngefähr hat Genosse Deutel im Alter von 65 Jahren seinen Dienst in der Bezirks- Krankendersicherttngsanstalt verlassen. Da und dort sind andere Genossen an seine Stelle getreten. Seine Mitarbeiter wünschten ihm dantals einen ruhigen ttnd sonstigen Lebensabend. Es ist ein fromnter Wunsch geblieben. Wer Zeit seines Lebens in den Sielen war, hat es verlernt, die Hände in dcit Schoß zu legen. Die Chance, die ihm das Schicksal durch seine Pensionierung gab und für die er für andere gestritten, hat er nicht genützt. So ist er denn von uns gegangen mitten im Kampfe als Fanal unablässiger Pflichterfüllung und Treue zur Arbeiterklasse. Wenn wir im Augenblicke deS Abschiedes ein Wort des Dankes sagen, so gilt das nicht nur ihm, dem Opferbereiten, sondern auch seiner Frau, di« sich vor die nicht minder große Aufgabe gestellt sah, ihm, den jede Stunde— tags und stächt s— zu Arbeit und Kampf rief, eine Erzieherist seiner Kinder und eiste tüchtige und treuforgende Gefährtin auf dieser bewegten Fahrt durchs Leben zu sein. Sie mag es als kleinen Trost im Leide hinnehmen, daß neben ihr und ihren Kindern viele Tausende Arbeiter und Arbeiterinnen und alle, die mit Gen. Beutel arbeiteten, trauernd an seiner Bahre stehen. * Die Beerdigung des Genossen Beutel findet Dienstag, den 15. August, in Aussig statt. Der Trauerzug versammelt sich um Uhr nachmittag- in der Theodor Körner-Straße und setzt sich um 4 Uhr vom BolkShauS aus in Bewegung. So wäre denn glücklich die Bonibc geplatzt, di« die Herren vom„Tag" dem Fürsorgeminilter mgedacht haben. Mathematisch genau erfolgt« die in Barnum-Aufmachnng angekündiate Explosion, wie wir es, in richtiger Einschätzung der Qualitäten unserer nationalsozialistischen Schaumschläger, vorau-gesehen haben. Wir haben von den Herren int„Tag" für Ihre Behauptungen Beweise verlangt ttnd nun sind sie denn mit drei, sage und schreibe d r e von 300.000 in dir Genter Arbritslosenfürsorg« eingegliederten Fällen ausmarschiert. Dreitausend reichsocntsche Emigranten leben auf tschechoslowakischem Boden und mit Ach und Krach haben dir.Hakenkrenzlrr drei davon aufgebracht, die sie nach der ihnen geläufigen Terminologie der rcichSdeutschcn Konzentrationslager mit Nummern bezeichnen. Um den Tiefstand der hakrnkreuzlerischen Angebereien zu ermessen, ist eS wichtig, sich noch einmal die Vorgeschichte diese- HnsarenstuckchenS zu vergegenwärtigen. In einem Artikel, der die tschechischen Nationalist«« zum„SMrz de» FürsorgemtnisterS" animieren soll, wurde neben anderen direkt aus den Fingern gesogenen Geschichten auch erzählt, daß„die Verfilzung der sudetendeutschen und rcichSdeutschcn Sozialdemokratie so weit gehe, daß di« reich-deutschen Flüchtling« durch Monat« die Unterstützung aus der Arbeitslosenfürsorg« beziehen und daß dieser Schwindel mit den Arbeitslosengeldern unter sozialdemokratisck>rr Patronanz getrieben iverde." Dabei wird noch, um den tschechisch- bürgerliche» Parteien Material gegen den Fürsorgeminister an die Hand zu geben, die Sach« so dargrstellt, al- ob ,^di« tschechoslowakische Arbeitslosenversicherung zum Durchhalten politischer Hetzapostel benutzt werden würde." Die Beweisführung der.Hakenkreuzler, d i e mit den nationalistischen Instinkten der tschechischen Bourgeoisie spekulieren, und— indem sie die deutsche Emigra- twn anss Korn nehmen'— dabei auch noch an dem sclostgelegten Feuer ihr eigenes Parteisüpp« chen kochen, ist von sadistischer Raffiniertheit. Denn man bedenk«; di« Herr«« wisst« sehr gut, daß der Fürsorgeminister unmöglich all« 800.00g Genter Ar- beitölosensätte kennen kann. Sie willen ganz genau, daß weder der Fürsorgeminister noch auch da» Fürfoweministerium di« einzelnen Unterstiipungüsälle erledigen und daß sie ans Unterstützungsbrwilligungen, di« ausschließlich in die Hände der Gewerkschaften gelegt Der Dank an Else DrandstrOm Die nach Kriegsbeendigung in Deutschland von der gesamten deutschen Oeffentlichkeit gefeierte Philantropin Elsa Brand st röm, Tochter eines schwedischen General», ist durch Beschlagnahme ihre» zugunsten von Kriegsgefangenenwaisen au- eigenen Mitteln unterhaltenen Waisenhauses der Tank de» Dritten Reiches abgestattet worden. Daneben hat man den Gatten von Frau Brandström, dem Dozenten U h l i ch, die Lehrberechtigung entzogen. Uhlich war früher Ministerialrat der sächsischen Regierung und gehörte der Sozialdemokratie an. Allein das Hot genügt, um all da» vergessen zu machen, wa» Elsa Brandströnt Hervorragende- für die deutschen KrirgSgesan- gciicn In Rußland getan hat. sind, auch nicht den leisesten Einfluß zu nehmen vermögen. Aber st« kennen ihre Pappenheimer, die tschechi. schen Nationalisten, sie haben ihnen die im Kamps gegen den Fürsorgeministrr erprobten Methoden abgeguckt und glauben dadurch ihr Ziel, den „Stitrz de» deutschen FürsorgemtnisterS" erreichen zu können, für dellen Volkszugehörigkeit sic heute nur noch Gänsefüßchen übrig haben, dem sie aber, als ihnen da» Wasser in den Mund zu lausen begann, trotz allen rassischen Bedenken zu überlaufen sich nicht scheuten. Doch wir wollen ün» mit diesem Kapitel heute nicht aufhalten: E» kommt die Zeit, da auch darüber Einige» zu sagen sein w i rd. Und nun zu den Duxer Nummern. Weder un» noch den Fürsorgeminister ist etwas von diesen Nummern bekannt. Selbstverständlich werden wir ihnen an den zuständigen Stellen nachgehen. Wir könnten uns allerdings die Sache ebenso bequem machen, wi« e» den Herren vom Hakenkreuz im Fall« Petermichcl und zahllosen anderen Fäll«« zu tun beliebte und einfach sogen, daß die fraglichen Unterstützungsempfänger — noch ehe sic existierten— aus der Gewerkschaft, der Partei, der nationalsozialistischen Bewegung, au» dem Dritten Reiche ausgeschlossen wurden, womit sich, wie sie vermeinen,' dw weitere Dis- kufston über die Sache erübrige. Wir könnten ebenso, wie e» die Herren vo>n Hakenkreuz hinsichtlich de» BolkSsportprozesscS getan haben, einfach erklären, daß wir eben daran gewesen seien, da» Duxer Nest ,^iufzulescn" und daß un» nur di« hakenkreuzlersch« Angeberei zuvorgekommen sei. Nach dieser Methode werden wir aber nicht Vorgehen, sondern, fall» tatsächlich irgettdwelche Mißstande unterlaufen sein sollten, dafür sorgen, daß Ordnung geschaffen werde. Den.Hakcnkreuzlern aber sagen wir. daß es nicht nur in Dux„Nummern" gibt, sondern auch anderwärts, nicht nur unter den Emigranten, sondern auch unter bett Nazis und daß"solche Nummern nicht nur aus einer der fürchterlichsten politischen Katastrophen, nicht nur auS der Der- elendung hunderttausender Menschen erwachsen können, sondern auch daß ein auf nationalistischem Boden wucherndes Parasitentum das sich „attf Kosten der tschechoslowakischen Arbeitslosen- Versicherung auSzulebcn keinen Augenblick gescheut hat" und sich nun, ohne zu erröten zu Katoncn und Moralisten auswirft. Wir sind der Meinung, daß man heute nicht mehr sagen muß. 8aplo»Ü Bat... Beleidigung der Trikolore. Aktion pfälzischer Nazi». In der Nacht zum Montag schlichen sich fünf Nazibürschchen au» dem pfälzischen Ort ElveSberg über die nahe französische Grenze, zogen vom Schlot deS dortstehenden Hcizkokswer- keS, das der französischen Saargrubenverwaltung gehört, die Fahne Frankreichs herunter und hißten an ihrer Stelle die Mordsadistensiaggc des HitlerreichrS. Mit ihrem Dicbsgut kehrten sie nach ElveSberg zurück, wo sie von Leuten, die einen Krieg ersehnen, jubelnd begrüßt wurden, um dann die blauweißrot« Fahne der führenden Demokratie Europa» unter Geheul ttnd Gcgröhl öffentlich zu verbrennett. Di« französische Presse verzeichnet diesen Bubenstreich mit großer Empörung. 50 Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grete Hartwig „Angst, daß dieser Abenteurer, der ja sicher rin sehr charmanter Mensch war,«in Gift in dein unerfahrenes Herz geträufelt haben könnte, das noch nicht völlig aufgesogen ist. Siehst du, cs gibt eine Reinheit die ich von einer Frau verlang«. Nicht di« eine» unberührten Körpers, nicht di« eines tadellosen NufcS, nicht die einer bürgerlichen Weltanschauung, sondern di« Reinheit deS Herzens, die jeden Gesühlsrest über Bord wirft «he diei«S.Herz sich neu bindet. Ich will nicht nur von dir geliebt werden, das ist zu tvenig, sondern du sollst durch mich leben. Durch mich durch sollst du leben, jeder lyedankc an ihn tnüßt« aber um mich herum gehett." „Ich versteh« dich nicht..Hast dtt den Bries nicht gelesenv Der Mann hat ntich bewußt in» Unglück gestürzt, mein Geheimnis mißbraucht mich belogen und betrogen, mich seelisch mißhandelt, ich hasse ihn!!" „Auch hassen darfst du ibn nicht, Lillian. Auch das wär« zu viel Gefühl. Nicht verabscheuen darfst du ihn, nicht verachten, nicht der» fluchen. Alles wäre noch Bindung on ihn. Du mußt ibn nur..." „Was muß ich ihn?" „Vergessen. Sonst nichts! Er muß dir so fern« sein, daß du nichts mehr über ihn detckst oder zu ihm fühlst. Di« Vergangenheit nut ihm muß tot sein, eher kann»wer« Gegenwart nicht leben." „Sie ist tot. Wozu quälst du mich? Frag« ich denn nach deiner Vergongenlteit? Sicher hast du schon Frauen geliebt, eh« ich kam! Frage ich nach ihnen?" „Ich weiß nichts inehr von ihnen; würde ich dir auch nur ihre Haarfarbe beschreiben, so würde ich lügen. Versteh mich doch! Nicht, daß er dich küßte, nicht, daß er oder ein anderer dich besah, stört mich, sondern daß irgendwo in dciner See!« Erinnerungen bestehen, die du Hütost, vielleicht schmerzvoll, vielleicht lustvoll, aber jedenfalls hütcst. Ich bin nur„der Nächste" und ich will und muß der Einzig« sein." Lillian schob seinen Arm von ihrer, Schulter. „Da steht Beteuerung gegen Mißtrauen", sagte sie trotzig. „Du meinst, ich sollte nicht fragen, sondern auf deinen ersten großen LicbeSoeweis warten! Wenn du glaubst, kann ich auch noch ivarten, aber cs ist verteufelt schwer. Denn ich begehr« dich als Mann und ntein Stolz verbietet mir, dich zu besitzen, ehe du nicht wirklich mein bist. Ich hoffte, in irgettdeiner deiner Antworten di« er- löseitde Auskunft zu finden." „Mich besitzen! Du gehst mit dir zu Rate, ob und wann du mich besitzen willst?! Glaubst du, daß ich mir solche Demütigungen von dir gefallen lassen inuß?" rief Lilltan mtt fttnkelttden Augen. Sie sprang auf uttd lies zur Tür«. „Eben, weil du weißt, daß ich dich lieb hab«, ivagst du es, mich so zu ochandeln. Beweis«? Lievesbeweise? Ich werde dir beweisen, daß ich kein Spielzeug für dich hin! Ich reise ab." Und dröhnend fiel die Zwischentür« inS Schloß. Horst stürzt« hinter ihr her und faßte sie heftig am Handgelenk. „Du bleibst, bis wir un» ausgesprochen haben", sagt««r kalt. Lillian wollt« sich loSreißen, aber es gelang ihr nicht. Sie blickt« ihn haßerfüllt an, er hielt ihrem Blick stand. „Nun?" fragte er. „Nun?" fragte sie.„Was verlangst du von mir? Mein vergangenes Leben auszulöschen? Lösch d u«S doch au»! Wenn du c» kannst! Was begehrst du in Worten? Strönie«in« Tat über mich auS! Du bist doch ein Mann! Handl«! Wa» quälst du mich. vorurteilSvoller Despot! Bist du so schwach, daß du nicht selbst die Grenze zwischen unS zu bostimnten wagst? Du bist dock; ein Monn! Wo ist fetzt dein Uebergewicht? Ob ich dich liebe oder nicht, wa» geht das dich on? Nimm so viel von mir, al» du ertragen kannst, das ander« laß zurück. Und ist es zu wenig? Dann gib mich auf!" Lillian tvar, als hörte sie«in« andere Frau sprechen, so neu war ihr allcS, was sic tagte. War sie doch dieselbe oder wuchs sie in ein neues Leben hinein, für dar sie ein neues Format brauchte? Horst ließ ihr« Hand los. „Ich frage nicht, ob du mich liebst, Horst", sagte sie vorwurfsvoll.„Ich bin über dieses erste LiebeSaeplänkel hinaus. WaS sollen Worte? Und Beweise? Jeder Tag kann sie bringen. Ein Opfer? Da» Leben wird eS verlangen. Aber, wenn du nicht an mich glaubst.. Horst zog sie langsam an sich. Sein Blick verwirrt« sie, sein Atent nahm ihr die eben noch klar« Logik ihrer Gedanken. Sie fühlt« durch den dünnen, feideiten Stoff, der ihre Körper trennte, sein ivarmes, harte» Fleisch, das Zucken seiner Muskeln, daS Klopsen seine- Blutes. Sie drängte ihr« Brust an leine, Wunsch und Wille, ihm zu gehören, erstickte sie beinahe. Sie juchte niit ihren Lippen seinen Mund, stöhnend und sich selbst vergessend, sie... Er schob si« von sich. „Gut, Lillian!" sogt« er.„Wenn du meinst ... reise ab!" Lillian taumelte. „Ich liebe dich zu sehr", sagte er heiler.„Ich kann dich mit niemandem teilen!" ,Äein!" schrie Lillian.„Nein!" Sie warf sich ihnt in die Arme. „Ich lass« dich nicht, Horst! Nie uttd ntm- •t. t! du io sterbe ich!" Sie küßt« ihn wild. „Honst, du weißt nicht alles. Ich habe gelogen. Nimm mich! Nimm mich! Dann wirst du alle- wissen! Was du meinem Herzen nicht glaubst, das wird dir mein Körper beweisen. Es gab keinen Mann vor dir! Sei du mein erster Geliebter!" Dann drohten ihr die Sinne zu schwinden, sie fühlte sich von zwei starken Armen aufgehoben, getragen, niedergeworfen, ihr heißer Leib sank in kühlte Kissen, wurde von Küssen bedeckt, mit rasettder Leidenschaft überhäuft, ein weher Schmerz riß sie für einen Augenblick aus der Tiefe ihrer Hingabe,-och eh« ihr Schrei verklungen war, schlugen die Wellen heftigster Lust über ihr zulammen. Dann sank süßer, tiefer Schlaf über daS erste süße, tief« Wunder ihres Lebens, ihres Leibe».— Der Morgen fand sie wieder in feinen Armen, im Flüstern sinnloser Zärtlichkeiten, im Rausche von tausend Küssett, im Taumel rau- schettidster Lust. „Ich danke dir, mein« Geliebte,-aß alles so ist, wie es ist. Ich bin so glücklich darüber, Lillian!" „Und deine Vorurteilslosigkeit?" neckte sie zärtlich, „Ja, eS ist sonderbar! Wir Männer von heute mögen politisch und weltanschaulich troch so aufgeklärt, so freidenkend und neuerung-begeistert sein, was die geliebt« Frau betrifft, sind wir eifersüchtig. despottsch und tyrannisch. Ich billige die neuen LebenSansPrüche der Frauen durchaus, ich verachte keine, weil sie ein freie» Leben führt, ich gönn« ihr?kb«nt«uer und Abw«chslungSbedurfnis, ich mache keinen prinzipiellen Unterschied zwischen lxm LiebeSleben eines ManneS und dem einer Frau uttd trotzdem, trotzdem, ich bin so froh, daß ich-eilt« erst« Liebe bin." „Wir Frauen sind klüger. Ich will-eine letzt« Liebe sein!" (Fortsetzung folgt.) üt. 188 Sonntag, 18. Uugnsi W Seit, 8 Das geraubte„Vorwärts“-Haus. Ein fledenkwori Die Einziehung des„VorwärtS"-Gcbäudcs und»vermögens durch den Goeringstaat ist ein EhrcnzeugniS für olle, die einst dort gearbeitet, beraten, gelehrt, studiert haben und deren Innenleben mit diesem Haus verbunden war.. Wenn jetzt das Siegel auf diesen Raub gesetzt wird, so erinnert man sich der Geschichte dieses großen Eisenbetonbaues, den di« verfemte Partei des Proletariats 1913 für bare drei Millionen gelaust hat, um endlich ihre Zentrale im eigenen-Haus« zu haben. Dort war der„Vorwärts" mit seiner Druckerei untergebracht, die GcschästSleitung, der Buchverlog, der Parteivorstand mit seinen zahlreicheren und größeren Unterabteilungen, wie der Arbeiterjugendzentrale, der Leitung des Bil- dungSwesenS, der Parteischule vor dem Krieg, das Preßbüro. Dort war auch das Parteiarchiv mit den Eisenschränken voll der Originalmanuskripte der Engels, Dasiale, Marx, mit den Briesen der Dorkänrpfer, mit den ersten Zeitungen des So- zialiSmuS, der„Rheinischen", dem„Borboten", mit Reliquien des r u s s i s ch e n Freiheitskämpfer. Es ist wenigstens gelungen, die wcrwollsten Bestandteile des Archivs rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Die stolzesten und die traurigsten Erinnerun» gen stürmen aus der Erinnerung an das ,^Bor- wärt8"-HauS herauf. Bon hier aus wurde Paul Singer zu Grabe getragen. Eine Million Berliner Genossen gab ihm das Geleite in stundenlangem Marsch hinaus nach Friedrichsfelde. Richard Fischer sprach tiefbewegt an Singers Sarg, daß kein anderer solche Opfer wie Paul für die Sache gebracht habe: das Herz des „Vorwörts".Dircktors ging über, als er sich erinnerte, daß der Vielvcrlcumdcte sein großes Vermögen dem Kampfblatt der Besitzlosen geopfert hat. Dann kam der Krieg, die Spaltung, der Zusammenbruch, der Bruderkrieg. Nach vorhergegangenen„Besuchen" besetzten am 5. Jänner 1919 bewaffnete Spartakuslcute das kaum beschützte Haus— obwohl sie seit dem 9. November ihre „Rote Fahne" hcrausgebcn konnten. Es tvar der Sonntag, an dem der Ausstand gegen die Absetzung Emil Eichhorns als Polizeipräsident losgebrochen war. Rcgicrungstruppcn beschossen, einige Tage darauf, nach ergebnislosen Verhandlungen, dos Haus mit schweren Minen, die schwere Zerstörungen anrichtetcn. Erst da ergab sich die Besatzung, deren Parlamentäre der Major und spätere Stahlhelmführer v. Stephani hatte erfchicßcn lassen.... Bald darauf fetzte man die zersetzte Leiche des„auf der Flucht erschossenen" Karl Liebknecht in Friedrichsfelde bei— Rosa Luxemburg? entseelter Körper tvar von dem dunkeln Wasser noch nicht herausgcgebcn.... Vom schwarzumkleideten ersten Hof haben wir manchem Führer den letzten Weg begleitet, zuletzt noch den Reichskanzler Hermann Müller. Dann rückte der braune Terror immer näher. Reichsbanner bewachte das-HanS, bis verhaftet, aufgelöst, verboten wurde. Polizei stand hcntm, damit das verbotene Blatt nicht etwa doch erscheine. Man suchte in den BüroS. verbot die Partei, verliaftete, wer noch drin war. Still stehen die Setz- und Druckmaschinen, der Kupfertiefdruck, die Buchbinderei. Verödet liegt das Jugendheim, nicht mehr erklingen die Lieder und Marschmufikprobcn der Rcichsbanner» und SAI-Kopellcn. Die vier Häuser der Partei, die nun geraubt sind, stehen an und nächst dem Bellc-Alsiance- Plah.„Schöner Bund" heißt das. Der Platz ist so genannt, weil bei Bclle-Alliance 1813 Napoleon von den altmonarchischen Verbündeten besiegt wurde. Die deutsche Arbeiterklasse wäre nicht besiegt worden, wenn sie ihre Bcllc-Allianre sich erhalten hättet Ernst Neuer. Goerlngs Sdiladitberidif. Berlin, 12. August. Im Norden der Stadt wurden in der vergangenen Nacht mehrere Wohnungen von früheren Angehörigen der KPD durch SA-Männer einer genauen Durch- suwung unterzogen. ES wurden dabei zahlreiche KPD-Hetzschriften beschlagnahmt. Drei Personen wurden festgenommcn. Als einer der Verhafteten einen Fluchtversuch unternahm und auf mehrmaligem Anruf nicht stehen blieb, wurden auf ihn mehrere Schüsse abgegeben. Der in den Oberschenkel getroffene Flüchtling wurde als Polizcigesangener in das StaatskrankcuhauS »ingeliefert. Im Südwestcn Berlins bemalte in der vergangenen Nacht ein Kommunist eine Mauer mit den Worten:„Nieder mit Hitler! KPD- lebt! Rotsront!" Ein Polizeibcamtrr in Zivil und ein SA Mann ttahmen ihn sowie zwei Helfer fest, die ihm Aiispasserdicnste leisten sollten. «unggedvng der Blauhemden verboten. Dublin. 12. August. T'e Regierung des Freistaates Irland Hai sich gestern abends in einer KabiilettSsitzung. die unter dem Vorsitze De Valeros stattsand, mit dem für kommenden Sonntag geplanten Propaaaudaausmarsch der fascistikchrn „Blauhemden" befaßt und diese Kundgebung vcr- boten. Der größte deutsche Arbeiter Zu August Bebels zwanzigstem Todestage am 13, August, Können bei der Erinnerung an den Monn, der die Partei der deutschen Arbeiter milgeschaffen und sie klug und mutig emporgrführt hat zu imponierender Gröhe, andere als bittere und schmerzliche Gedanken wach werden? Zwanzig Jahre sind es heute, daß August Bebel, der unbestrittene. Führer, der vergötterte Vorkämpfer der deutschen Sozialdemokratie, einer der Größten der weltumspannenden proletarischen Freiheitsbewegung, als Drciundsicbzigjähriger die Augen schloß. Aber in diesem Gedenkjahr«, das auch Jahr der Erinnerung an den Tod Marxens ist, scheint das Werk August Bebels für immer vernichtet, ist die Partei, deren Mitschöpfer und deren herrlichste Führergcstalt er war, zerschlagen und die Arbeiterklasse, die Bebel zur Freiheit führen wollte, liegt wieder in Ketten. Verloren August Bebels LrbenSwerk— verloren all« Stellungen, die unter seiner Führung die Arbeiterklasse erobert hatte— verloren alle Früchte einelangen KämpferlebenS! Wozu in solcher Stunde, außer um sich tiefer hineinzuwühlcn in den Schmerz, den Schatten August Bebels heraufbeschwören? O. nicht um zu klagen, nicht uni zu Bebels Grabhügel die wehmütige Frage zu senden: was nützte Dein Mühen, Dem.Kamps, und was ging in Erfüllung von all Deinen Prophezeiungen?, noch etwa gar um resignierend die roten Fahnen, die wir einst als triumphierende Voten des Endsieges dort anszupflonzcn schwuren, nun an seinem Grabe niedcrzulegen, erinnern wir uns heute des größten Sohnes der deutschen Arbeiterklasse! Sondern um uns, mögen sich die Zeiten noch so sehr gewandelt, die Verhältnisse noch so gründlich geändert haben, aufzurichten an Bebels Kämpsertum, an seinem unbeirrbaren Glauben an den Sieg der Arbeiter, an den» unvergänglichen Beispiele seines Lebens— und um von August Bebel zu lernen! * Ferdinand Lassalles Donncrworte hatten zum ersten Male deutsche Arbeiter aus stumpfer Schickfalsergebenhcit aufgerüttelt. Aber so gewal. tig die Wirkungen der Agitation Lassalles Ivarcn — zu kurze Zeit lvährtc sie, um organisatorische Erfassung großer Massen zu ermöglichen. Und schwächliche Nachfolger in der Führung des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereines und der Lassalle-Kult seiner Mitglieder machten aus ihm eine Sekte. Bebel aber, der junge Drechsler, der als„Demokrat" seinen Weg in die Politik begonnen hatte, führte, nachdem er sich zum konsequenten proletarische» Revolutionär entwickelt hatte, die Arbeiterbildungsvereine, führte damit große Arbeiterscharen zu eigener Arbciterpolitik, auf die Bah» des Klasscnkampfes, schuf aus den deutschen Arbeitervereinen die deutsche Sozialdemokratie. Bebels Lebensweg— das war zugleich der Weg der deutschen Arbeiter aus völliger politischer Gleichgültigkeit zu ersten tastenden Schritten in der Gefolgschaft der kleinbürgerlichen Demokratie und dann über sie hinaus zum Eigenleben als Klasse. Tie von Lassalle ersehnte Vermählung von Wissenschaft und Proletariat— sie vollzog sich in der Person August Bebels, der ein unermüdlich Lernender war, und sie wurde im Proletariat Wirklichkeit unter seiner Führung. Die suchende, die irrende, die oft beschwerliche Umwege gehende Klasse wurde, geführt von Bebel und seinem Freunde Liebknecht, ihrer besonderen gesellschaftlichen Ctellung, ihrer geschichtlichen Aufgabe sich bewußt. Erst unter August Bebels Führung betraten die- deutschen Arbeiter wirtlich die Bühne der Geschichte. August Bebel wurde damit zu einer großen geschichtlichen Persönlich, keil— als erster deutscher Arbeiter, der in die Geschichte einging. August Bebel war Führer der deutsche» Arbeiter auf den: Wege zur Einigung, zsir Schaffung der einen einheitliche» Partei aus den bis dahin einander bekämpfende» Gruppen der Las- salleanrr nud der Eisenacher(die sozialdemokra- tische Partei Bebels und Liebknechts! Bebel war der Führer der Partei in politisch schwierigsten Situationen. Als 1870 in: Reichstag des Norddeutschen Bundes von den Abgeordneten eine Kriegsanleihe von hiiudertzwantig Millionen Talern verlangt w»rde, enthielten sich- in einer Zeit, da nationalistische Raserei die Massen ge hackt hatte— Bebel und Liebknecht der Stimme und Bebel war mutig genug, diese Stellungnahme grundsätzlich als Gegner jedes dynastisches Krieges, als Sozial-Rcpublikaner und Mitglied der Internationalen Arbeiter-Assoziation zu begründen,— und er hatte damals sogar die Mehrheit einer Partei, hotte den Parteivorstand gegen ich! Bebel wußte, wie sehr cs darauf ankommt, in solchen Situationen sich nicht der allgemeinen Stimmung anzupassen, sondern grmchsatzlich zu handeln. Er hatte damals schon erkannt, was Otto Bauer viel später einmal erklärte: daß eS nicht daraus ankomme, im Augenblick, sondern für die Zukunft Recht zu behalten! Und August Bebel führt« die Partei durch die Zeit ihrer schwersten Verfolgungen, durch die tausend Schwierigkeiten und Nöte des Sozialisten- gesetzcS! Ein bürgerlicher Schriftsteller, freilich einer nut freiem Blick und mehr Mut, als sonst bürgerlichen politischen Schriftstellern eigen zu ein pflegt, H. von Gcrlach, sagte in einer kleinen Biographie, dir noch zu Bebels Lebzeiten erschien, über Bebels Größe in jener Zeit: „Mit das Größte für die Partei hat Bebel gerade während der ersten Jahre des Sozialistengesetzes geleistet. Sein Verdienst vor allein ist cS, daß die Parteilrisis nicht zur Katastrophe ausartete. Mochte alles scheinbar zufammenbrechen: Organisation, Presse, Stimmcnziffcrn— er behielt den Glauben. Biele verloren die Hoffnung und wanderten auS. Materielle Not drückte die Zurückgebliebenen nieder. Die Spitzelei dcniora- lisierte die Partei. Aber Bebel behielt den Kopf oben. Nicht einen Augenblick zweifelt« er daran, daß eS sich nur um eine„vorübergehende Erscheinung" handle, daß die Sozialdemokratie nach dem Unwetter um so kühner ihr Haupt erheben werde. Wo er auch hinkam, brachte er den zweifelnden und sorgenden Gemütern den Glauben. Suggestiv teilte sich seine Siegeszuversicht den anderen mit. Der Parteiführer war zum Pro- pheten geworden. Was di« Partei gerade damals am nötigsten brauchte, das gab er ihr, das konnte nur er ihr geben." Die Zeiten sind andere, die Verhältnisse sind andere, ja, und»m Vergleich zur nationalsozialistischen Barbarei war das Sozialistengesetz mild und sanft. Aber nicht darum handelt»S sich, eS nun möglichst genau so zu machen wieAugust Bebel, wie damals die Partei unter seiner Führung. Wohl aber darum: jenen gleichen unbcirr- baren, unbeugsamen Glauben an die Mission der Arbeiterklasse, an die doch unzerstörbare Kraft der Klasse, an den Sieg der Klasse in sich, in den jetzt gequälten, verfolgten und gedemütigten Prole- tariern lebendig zu halten! Darum, den Kopf oben zu behalten! Darum, den Mut nicht zu verlieren! Darum, an August Bebels Beispiel sich aufzurichtcn! Darum, den, Foscismus so wie er der Bismarckschen Gewaltpolitik entgegenzuschleu- dern da» wuchtige„Trotz alledem!" Was einer ist, hat die Gesellschaft aus ihm gcnmcht. * Es ist die Pflicht ein«» jeden Menschen, von den» Augenblick an, wo er die Fähigkeit eines selbständigen Urteils erlangt, sich um die öffentlichen Angelegenheiten zu bekümmern,»veil die ganze soziale Existenz, die ganze soziale Enl- wicklung der einzelnen in höherem Grade von den Einrichtungen und Zuständen abhängl, die der Gesamtheit der Gesellschaft eigen sind, als von seinem eigenen Wissen und eigener Tüchtigkeit, eigenem Können. * Es handelt sich darum, die sozialen Zustände in der Weise zu gestalten, daß jeder Mensch die Möglichkeit zur vollen ungehinderten Entwicklung seines Wesens erhält. * Unser Ziel erringen wird nicht nur durch kleine Konzessionen, durch Kriechen am Boden, indem wir zu den Massen hcrunterstcigen, sondern indem wir die Massen zu uns empor- heben, iirdcm wir sie begeistern für unsere großen Ziele. * Die Menschheit wird in der sozialistischen Gesellschaft, wo sic erst wirklich frei und aus ihre natürliche Basis gestellt ist, ihre ganze Entwicklung nach Naturgesetzen mit Bewußtsein lenken. In allen Epochen kümdeltc die Menschheit in Bezug auf Produktion und Verteilung wir aus Bevölkerung-Vermehrung ohne Kenntnis ihrer Gesetze, also unbewußt; in der neuen Gesellschaft wird sie mit Kenntnis aller Gesetze bewußt und planmäßig handeln. Der Sozialismus ist die mit klarem Bewußtsein und voller Erkeimtuis auf alle Gebiete der nienschlichen Tätigkeit angewandte Wissenschaft. * Fran und Arbeiter haben gemein, Unterdrückte zu sein. * Das weibliche Geschlecht in seiner Masse leidet in doppelter Beziehung: einmal leidet cs unter der sozialen und gesellschaftlichen Abhängigkeit nou der Männerioelt- dies>vird durch förmliche Gleichberechtigung vor den Gesetzen Im September werden cS dreißig Jahr«, daß Auhlist Bebel auf den, Dresdner Parteitage in vielstündiger Rede ein« große, schwere Schlaft gegen den Revisionismus schlug. Ja, der leidenschaftliche Kämpfer schoß, fortgerlffeu von der Erregung des Kampfes, manchmal weit über das Ziel. Ja, Bebels Rede hat der Partei damals nicht nur genützt, fondcrn auch geschadet. Genützt durch die Zurückweisung der revisionistischen Stro« mungen, die ja, wie sich später zeigte, doch nur ein vorübergehender Erfolg war. Geschadet durch das Mißtrauen gegen die Intellektuellen, de.S«r durch diese Rede erweckte, geschadet durch manchen persönlichen, wenn auch durchaus sachlich gemeinten Angriff. Aber aus diesem Parteitage sprach der Sechzigjährige das stolze Bekenntnis: „Ich will der Todfeind di«s«r bürgerliche« Gesellschaft und di«ser Staatsordnung bleib««, nm flr in ihren Existenzbedingungen zu untergrab« und sie, wenn ich kann, zu biseitigen!" Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft!— Ist es während des Krieges, ist eS in den Nach- kriegSjahren jeder Genosse, der in der Partei Bebels stand, geblieben? O, man war es gewiß im theoretischen Bekenntnis, war es im Wollen — aber es gab mancherlei„provisorische Fri«- denSschlüsse", gab schließlich auch manches grundsätzliche Abirren. Man glaubte, mit der Schas- sung der demokratischen Republik, mit d«n demokratischen Institutionen schon der bürgerlichen Gesellschaft den Boden ihres Lebens zerstört zn haben, man war hineingetvachscn in einen vertrauensvollen Glauben an die„Demokratie an- sich", an die„Ueberpartcilichkeit der Demokratie", den Bebel nie geteilt hchtc. Man war nicht mehr so und nicht nichr in j«ncm Sinn«, der auS Bebels Worten sprach, der Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft! Todfeindschaft gegen die bürgerliche Gesellschaft! Das ist Bebels Vermächtnis! Jetzt lernen cs Millionen neu, daß cs nur Todfeindschaft gegen sie geben kann. Jetzt aber wird auch Bebels Känipfergeist wieder lebendig in den Massen! Ter Geist des großen Toten führt sie! August Bebel war der größte deutsche Arbeiter. In keinem war Ivie in ihm verkörpert die Schlichtheit und Einfachheit des deutschen Proletariers,— der Wissensdrang des deutschen Arbeiters, die Paarung von unbeugsamem Kampf- wille» niit»msasseudster Menschenliebe. So lebt seine Gestalt in der Geschichte fort. So steht sie vor unsere» Auge» in einer Zeit, da die bürgerliche Gesellschaft sich durch Praletarierblnt wieder zu restaurieren versucht, in einer Zeit, da mit deni Arbeiter auch wieder die Frau für deren Befreiung Bebel so Gewaltiges geleistet, wieder versklavt ist. Aber: die Klasse, der Bebel entstammte und für die er gekämpft, lebt! Ihre Kraft ist ge- lähnit, nicht zerbrochen. Bebels Saat ist»ich: verloren. Tic geschichtliche Ausgabe der Klasse ist geblieben. In schwerer Zeit, als Bebel diirck'- lebte, ober in seinem Geiste, erfüllt van seinem Willen, seinem Glaube», seinem Trotz haben wir sie zu erfülle». Sic wird erfüllt werden! TaS sei der Arbeiter Gelöbnis an BebrIS zwanzigstem Todestage. und in den Rechte» zwar gemindert, aber nicht beseitigt— und durch die ökonomische Abhängigkeit, in der sich die Frau im allgemeine» und die proletarische Fra» iin besonderen, gleich der proletarischen Männerwelt befindet. '* Auch der genialste Mann wurde von einer Mutter geboren, der er ost das, was er besitzt, verdankt. Mit welchem- Rechte will man also der Frau die Gleichberechtigung mit den: Manne versagen? Spricht man von der Gleichheit aller Menschheit, dann ist cs ein Unding, davon di« Hälfte"des Menschengeschlechtes ausschließen zu wollen. Es gibt keine Befreiung der Menschheit ohne die soziale Unabhängigkeit und Gleichstellung der Geschlechter. Die sozialistische Gesellschaftsordnung bildet sich nicht, um proletarisch zu leben, sondern um die proletarische Lebensweise der großen Mehrzahl der Menschen abzuschaffen. Der bestehende Gegensatz zwischen Kopfarbeit und Handarbeit, ein Gegensatz, den die herrschenden Klassen nach Möglichkeit verschärfen, um sich auch die eifrigsten Mittel zur Herrschaft zu sichern, wird aufgehoben werden müssen. * Der ciidlichc Sieg wird einst um so größer sein, je eifriger und aufopscrmigsvollcr jeder einzelne die vorgezeichnetc Bahn verfolgt. Bedenken, ob der einzelne nngeachtct aller Opfer der Arbeit und Mühe den Beginn einer neuen, schöneren Kulturpcriodc noch erlebe, des Sieges Früchte noch genieße, dürfen keine aufstoßen, noch weniger dürfen sie ihn von dem betretenen' Wege abhaltcn. Wohl können wir weder Dauer noch die Art der Entwickliingsphasen bestimmen, die dieser Kampf nm die höchsten Ziele z» durchlaufen hat, wir können dies ebenso wenig, wie wir über die Dauer niiscres Lebens eine Gewißheit haben. Aber tvic die Lust znm Leben»ns beherrscht, so können wir auch die Hoffnung hegen, diesen Sieg zu erleben. Bebel-Worte. Zum Nadidenken für die Lebenden. rette 4 Sonntag, 18. August nm» Nr. ISS Zur Neuregelung des Genter Systems. Einige Bemerkungen. Wir haben bereits über dir Ivesenilichsten Grund znge der neuen Regelung der Arbeitslosenunterstützungen nach dem Genter System berichtet. Die meritorischen Bestimmungen bleiben so, wie wir sie mitgeteilt haben: der Staatsbeitrag darf nur bis zum Maximum von 12 K täglich und bei jenen Organisationen, die einen Wochenbeitrag von mindesten» b K täglich erheben, bis zu 15 K tSglidf ausbezahlt»verden. Dieses Maximum von 15 K wir- freilich bei den wenigsten Organisationen praktische Bedeutung erlangen, da infolge der Herabsetzung der.Koeffizienten des StaatSbeirrageS nur in ganz wenigen Fällen das Dreifache der OrganisalionS- nnterstütznng den Betrag von 15 K erreicht. Mit der Inkraftsetzung der neuen Verordnung wird gleichzeitig den Organisationen verboten, ihr Unler- stühungSregulativ im Sinne einer Erhöhung der Organisationsuntersttttzungen oder einer Verlängerung der UnterstützungSdauer zu ander», so daß ein ansonsten vielleicht möglicher Ausgleich zwischen den jetzigen Unterstützungen und den nach der neuen Verordnung gültigen verhindert wird. Da die bi», herige Gleichstellung der ledige» Mitglieder mit mindesten» fünfjähriger Mitgliedschaft mit den Verheirateten ausgehoben wird und die Abstufung de» zwei, zweieinhalb und dreifachen TtaotSbeitrogeS eingeführt wird, werden die ledigen Mitglieder von der Kürzung am meislen betrossen Sie wird bei Verheirateten mit mindesten» einem Kind etwa 20 Prozent im Durchschnitt betrogen, bei Verheirateten ohne Kinder etwa 30 Prozent und bei Ledigen etwa <0 Prozent. Ist da» schon schmerzlich genug, so mutz auf eine immense Gefahr hingewiesen werden, dir in der Bestimmung enthalten ist, wonach in einer Familie nur e i n Arbeitsloser da» Höchstausmatz de» Staat», beitrage» erhält, während die übrigen arbeitslosen Familienmitglieder nur die Hälfte dessen bekommen, wa» ihnen sonst zustehen würde. Gegenüber den ursprünglichen Absichten der Bürgerlichen, die in einer Familie überhaupt nur einen Arbeitslosen den Staatsbeitrag zuerkennen wollten, bedeutet die nun- niedrige Bestimmung zweifellos eine Verbesserung, doch glauben wir, datz die jetzige Fassung einfach unhaltbar, well undurchführbar ist. Darauf wird beim Vollzug der Verordnung genügend Rück- sicht genommen werden müssen, weil sich sonst derartige Komplikationen ergeben, daß da» ganze System in eine Anarchie auSarten mutz. ES gibt viele Fäll«, wo in einer Familie meh. rere Familienmitglieder bei mehreren Organisationen organisiert sind. Sagen wir z. B., datz der Vater beim Metallarbeiterverband, die Mutter beim Textil, arbeiterverband, der Sohn beim GlaSarbeiterver- band organisiert ist. Auherdcm haben sie noch einen minderjährigen Sohn, der In keinem Arbeitsverhältnis steht. Nun werden alle drei berufstätigen Familienmitglieder arbeitslos, wo» in der Praxi» sehr häufig geschieht. Nach den Bestimmungen der neuen Verordnung erhält jenes Familienmitglied, das die höchste Unterstützung bezieht, auch den Höch- sten Staatsbeitrag, in diesem Falle also Wohl der Baler, u. zw. das dreifache der OrganisalionSunter- slütznng. Die Mutter erhält nur die Halste desien, wa» ihr sonst zustehen würde, also das eineinhalb- fache und der Sohn ebenfalls die Hälfte, also wohl den einfachen Staatsbeitrag. Nun erhebt sich schon die Frage, wie die drei beteiligten Organisationen das untereinander feslstellen sollen, ob auch noch andere Familienmitglieder arbeitslos sind. Sie können doch nicht in jä>cm einzelnen Fall eine Rundfrage an alle Gewerkschaften erlassen, ob schon ein Familienmitglied arbeitslos ist, um darnach die Vorschreibung des StaatSbeitraye» zu bemessen! Sie werden also iit der Regel dem Mitglied senen StatSbeitrag vorschreiben, der ihm nach seinen Familienverhältnissen gebührt und es wird vielleicht erst nachträglich möglich sein, eine Korrektur vorzunehmen. DaS bedeutet schon eine außerordentliche Mehrbelastung der Organisationen und ihrer Ortsgruppenfunktionäre; erhöhte Berwaltungsarbeit und vermehrte Portospesen. Immerhin kann aber, wenn auch unter Schwierigkeiten, in einem normal verlausenden Falle, wo alle Familienmitglieder dauernd arbeitslos sind, dem Buchstaben des Gesetze» Genüge getan werden. Nun tritt aber der Fall ein, datz der Vater zufällig Arbeit bekommt. In diesem Augenblick tritt die Mutter kn die Rechte de» Vater» ein, da sie, weil auch verheiratet, nunmehr den dreifachen Staatsbeitrag zu beanspruchen hat Man wird also ihre Unterstützungsanweisung umschreiben müssen, doch kann eS sehr wohl geschehen, datz, bevor dies geschehen ist, der Vater schon wieder seine Arbeit verloren hat Am schlimmsten mutz sich aber die Be- stimmung dann answirken. wenn es sich nicht nm «ine Dauerarbeitslosigkeit handelt, sondern, wenn z. B. die Mutter daiierud arbeitslos ist, der Vater aber periodisch van der Arbeit aussetzt. Er ist eine Woche arbeitslos, in diesem Falle bekommt er den dreisacken Staatsbeitrag, die Mutter den doppelten. Die nächste Woche arbeitet er. da bekommt wieder die Mutter den dreifachen Beitrag und der Vater nicht». Diese Bestimmung Ist also In der Regel einfach undurchführbar und die Kosten der Kontrolle müssen in jedem Falle wesentlich höher sein, al» die Erspar- Ais, di« damit erzielt wird; gleichgültig, ob sie nun von den Behörden oder von der Organisation oder gar von beiden durchgeführt wird. Darauf wird man also bei der Durchführungsverordnung Rücksicht nehmen müssen, wenn diese Bestimninng In der Not- Verordnung unabänderlich ist. Da» Klügste wäre e» freilich, sie schon in der Verordnung zu beseitigen, um allen Komplikationen vorzubeugen. Aehnlich ist e» mit der neuen Definition de» letzten Verdienst«», wo nun nicht mehr der Hitlerboykott abgelehnt. Von den Kommunisten. Wir haben schon einige Male auf die eigentümliche und durchaus zweideutige Haltung der Kommunisten in Bezug auf den Hitler-Boykott hingewiesen. Nun versucht der Reichenberger „Vorwärts" den kommunistischen Arbeitern diesen Boykott förmlich auszureden, wobei er die diesbezüglichen Bemühungen der Svjialdemo- kratie geradezu al» Vergehen an der Sache der Arbeiterklasse darstellt. Man würde gar nicht glauben, datz die tschechoslowakischen Kommuni- sten so etwas imstande sind, wenn es nicht wort- tvörtlich im Reichenberger„Vorwärts" stünde. Das genannte Blatt schreibt in seiner Nummer von Samstag, dem 12. August: Boykott in diesem Sinne heißt wirtschaftlich« Absperrung, Verstärkung der„Autarkie" und da« mit gleichzeitig de» Handelskriege», der ja nur eine Vorbereitung de» wirkliche« Kriege» ist. Wenn daher die sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftsführer einen solchen Boykott predigen, so dienen sie nur den Interessen ihrer eigene« imperialistischen Bourgeoisie, so helfen sie ihr bei der Borbereitung des imperialistischen Kriege», so bezwecken sie gleichzeitig die Ablenkung der Massen von jedem wirklichen Kampfe gegen die Hitler« diktatur. Diese schändlichen Worte, die nicht nur eine Liebedienerei für Hitler siitd, sondern elender Verrat an den Interessen der Arbeiterklasse, sollte man in allen Betrieben der Tschechoslowakei plakatieren. Die Arbeiter würden daraus mit Gewißheit erkennen, daßderHaßderKom- >n n n i st e n g e a e n d i e Sozialdemokratie stärker ist, al» der gegen dte Peiniger ihrer reichsdeutschen Genossen. Die Aufrüstung geht weiter Der amerikanische Kriegsminister Dern läßt sich daS neueste schwere Flugzeug-Abwehrgeschütz auf dem Fort ÄcArthur vorführen. individuelle Verdienst de» Arbeitslosen maßgebend sein soll, sondern der Lohntaris oder der ortsübliche Lohn. Diese Bcstinimung wird im allgemeinen für die Industriearbeiterschaft illusorisch bleiben, ba dem Höchstsatz der Unterstützung von 120 K wöchentlich ein Verdienst von 180 K entspricht, der ja normaler- »veise so ziemlich überall erreicht wird. Doch können ich ganz unnützerweise Streitsälle bei manchen Ka- egorien der Hilfsarbeiter ergeben, wo der betref- ende Arbeitslose ztvar«Inen Stundenlohn von vier Kron«« hatte, und irgendwie festgestellt wird, daß der„ortsübliche" Lohn.nur drei Kronen betrage. Eine Ersparnis ist mit dieser Bestimmung praktisch überhaupt nicht zu erreichen und es hat eher den Anschein, als ob es sich um eine bewußte Komplikation Händeln würde, um den Gewerkschaften daS ganze System zu verekeln. Nicht anders ist e» mit der Bestimmung, daß jede UnterflühungSanweifung sofort bei ihrer Ausstellung im Duplikat dem Ministerium für Sozial« Fürsorge einzusenden ist. Bisher war es so, daß die Anweisungen nach beendetem Unterstützungsfalle dem Ministerium überwiesen wurden, das sie dann überprüfte und gegebenenfalls beanstandete, wenn die Unterstützung ohne gesetzliche Bast» auSbezahlt worden war. In diesem Falle wurde der Organisation der Staatsbeitrag nicht refundiert. Den Schaden trug die Organisation und sie wurde damit zur Vor- sicht erzogen. Jetzt soll also jede Unterstützungsanweisung schon von vornherein dem Ministerium übermittelt werden. Man kann damit rechnen, datz täglich min- bestens 8000 solcher Anweisungen ausgestellt werden, eher mehr als weniger. Wer wird das nun dort sor. tieren und kontrollieren? Man sagt, datz dann die Anweisungen in die Bezirke konimen und weitere die vielleicht mit Hilfe der Gemeindebehörden«ine Kontrolle durchführen sollen. Die erste Folge der neuen Maßnahme mutz eine Vermehrung de» Personalslandes de» Ministerium» sein, die zweite«ine Vermehrung de» Personal» in den Bezirksämtern. Bel dem bekannte» Schnellauf des Amtsschimmel» wird e» immer«in paar Woche« dauern, bis di« Anweisungen in die Beirke kommen und weitere Wochen, bi» sie in die Gemeinden„herabgelangen". Inzwischen hat der Arb«ii»lose schon monatelang die Unterstützung bezogen, da man doch nicht warten kann, bis die BezirkLbehörde ihr« Genehmigung erteilt und die ganze bürokratische Matznahme ist damit illusorisch geworden. ES wird sich einzig der Konsum der Papierindustrie beleben, da man die Anweisungen nun statt in dreifacher, in vierfacher Ausfertigung machen mutz und dann dürfte auch die Holzindustrie eine gewiss» Belebung erfahren, weil man einen großen Bedarf an Regalen haben wird, um die hunderttausende von Anweisungen in den Bezirksämtern aufzubewohren. Uebellvollende Bezirksbürokraten werden allerdings die Möglichkeit zu Schikanen der Arbeitslosen haben und das scheint auch der ganze Zweck dieser Maßnahme zu sein: wie man denn überhaupt sagen kann, datz olle die sogenannten Sparmaßnahmen fast zur Gänze von MehrauSlagen ausgezehrt werden, die au» der bürokratischen Handhabung der neuen Verordnung entstehen müssen. Und so kann man sich beim besten Willen de» Eindrucks nicht erwehren, datz e» den Bürgerlichen bei der ganzen Frage weniger darum ging, Ersparnisse für die Staatskasse herauSzuwirt- schaften, al» eben um diese Schikanierungen der Arbeitslosen, denen gezeigt werden soll, datz sie mit der Arbeitslosenunterstützung eine unverdiente Gnade empfangen. Ob do» vom staotSpolitischen Gesichtspunkt aus nützlich und zweckmäßig ist, wollen wir füglich bezweifeln und wir wollen nur hoffen, daß sich so viel Vernunft finden wird, um mindestens die als undurchführbar erkannten Matznahme» zn beseitigen. I. B. IlilllilillllllllilliilllllllilllllliliilllllllillillliillililiiliililiillllllillllliiWilllliiliillllllllWMMW Dcutsdies aus Loudon. Emigrantenbüro verwüstet. Der in Hitker-Deutschlyttd als Jude seiner Existenz als RechtSanwylt beraubte Dr. Rei- t c r aus Berlin arbeitet jetzt in Landon für die Zeitschrift„DaS Neue Tagebuch", die in Paris erfcheint. Als Dr. Reiter dieser Tage sein Ar- bettSzimmer betrat, fand er, daß eS in der Nacht verwüstet und massenhaft mit Hakenkreuzen, antisemitischen Schmierereien und Zeitungsbildern erfüllt, kurz glcichgeschaltet war. Ein Nachbar riet ihm, die Polizei anzu- riiscn und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Bald darauf wurde der Nachbar telephonisch eindringlich gewarnt, derartige Ratschläge zu geben. Danach wird der Einbrecher wohl nicht in größerer Entfernung zu suchen jein. Eronnung der Reidienberger Messe Reichenberg, 12. August. Heute vormittags wurde auf dem Reichenberger Mesiegelände dir 14. Internationale Reichenberger Messe eröffnet. Die Eröffnungsansprache hielt der Präsident du Messe,. Theodor Liebieg. Namens der Sticht Reichenberg sprach Bizebürgermeister Richter in Vertretung deS verhinderten Bürgermeister- Senator Kostka. Die Messe ist in allen zehn Messehäusern voll besetzt. Neu ist vor allem die große Sonderausstellung„Mutter und Kind", zu der das Gesundheitsministerium in Prag und das Hhgienemuseum in Dresden wertvolle» Material beigesteuert hatte. Der Verkehr war gleich am ersten Messetage recht lebhaft. SrNSruns. In der„Bergarbeiter-Ei nhest" vom I. Auguft 1933 fteht unter der Ueberschrift„Mali! stäubt den Glück auf!" eine vorsichtig gehaltene, von Franz Malik unterfertigte Erklärung, daß die Behauptung im„Glück auf!" unwahr ist, nach ivelchar Franz Malik int Mnisterium für öffentliche Arbeite»« erklärt hat, er Woche die neue Prager Vcrcinba-rung, in welcher die Einzelkündigungen mit 1 Prozent sestgelegt wurden, in der EinyeitSkonferenz befürworten. Die Unterfertigten erklären hdemit ausdrücklich, daß der Sekretär des Jnduftrieverbande», Franz Malik, beim Abschluß der neuen Prager Vereinbarung im Ministerium für öffentliche Arbeiten über Befragen, wie er di« Vereinbarung auf der Einheitskonferenz behandeln werde, erklärte„befürwortend". Ebenso erklärte Franz Malik in der Beleg- schaftsversammlting bei den Britanniakohlenwer- ken VI, daß er die neue Prager Vereinbarung mit allen Fasern seine» Herzenverteidigen werde. Wir wiederholen daher die von Franz Maök al» uMvahr bezeichneten Behauptungen neuer- ding» und fordern Franz Malik öffentlich auf, uns wegen dieser Behauptungen zu klagen, damit uns vor Gericht die Möglichkeit gegeben Wird, zu beweisen, daß unsere Behauptungen keine Unwahrheiten sind. Gleichzeitig erklären wir, daß gegen jene kommunistischen Zeitmtgen, die berichten, daß die UnionSdertrauenSmänner betrogen und belogen wurden, von den verantwortlichen Funktionären der Union der Bergarbeiter bereits die Ehren- bcleidigungSktage eingebvocht wurde, um vor Gericht die Unwahrheiten der Kommunisten beweisen zu können. Josef Zinner, Josef Z v o n a k, Franz Schaffarsch, Franz Demel. Sine«»erhörte Maßnahme der Böhmischen Lauaesverwallung. Wie bekannt, wurden durch das Eingreifen de« im Jahre 1932 gewählten Verwaltungsausschusses deS Saazer Krankenhauses schwere Lerfehluitgen de» Krankenhaus- Verwalter» G s ch w i n d festgestellt. Kurz nach der Konstituierung de» neuen Verwaltungsausschusses wurde durch Mitglieder dieser Körperschaft eine durchgreifende Revision durch die Landesbehörde gefordert, weil Anzeichen für verschiedene Mißstände bei der Verwaltung deS Krankenhause» vorhanden waren. Diese Revision führte zur Ausdeckung der Malvcrsationen des Herrn Gschwind, der von der bürgerlichen Mehrheit der Saazer Gemeindevertretung außerordentlich geschützt wurde. Aber die zutage geförderten Unterschlagungen und die nachgewiesene Schlamperei in der Verwaltung des Krankenhanses brachten doch die Entfernung Gschwind» mit sich und damit auch die Möglichkeit einer ordentlichen Geschäftsführung im Krankenhaus« in Saaz. Das alles ist em unzweifelhaftes Verdienst der im Jahre 1932 gewählten VerwaltungSkommis- sion des Krankenhauses und eS hätte der zuständigen Behörde geziemt, dieser Kommission für ihren Pflichteifer den Dank auszusprechen. In Wirklichkeit aber hat man die Mitglieder des neuen BerwaltungSausschus- s c s ihrer Funktion enthoben. Der Erlaß der Landesbebördc, welcher am 4. Juli herauSkam, spricht in der Begründung von „andauernder und grober Vernachlässigung der übernommenen Derst f l i ch t u n g e n". Höher gehtS nimmer! Hoffen wir, daß diese Verfügung, gegen die selbstverständlich eine Beschwerde emgebracht wurde, nur herauskam, weil die zuständigen Organe sich nicht die Mühe nahmen festzustellen, w e r in der Zeit, da die Verfehlungen vorkamcn, die Atlfsicht des Krankenhauses innehatte; der Skandal, der durch diesen Erlaß eintrat, ist auch dann noch immer groß genug. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Montag: Prag: 10.10 Schallplatten. 12.30 Mkttagskonzcri. 17.48 Schallplatte«. 18.80 Deutsche Sendung: Gutmann: Die elektrische Photozelle. 19.10 Weinberger GesangSquartett. 19.88 Max Reger: Serenade. 20.20 Schwedische Volkslieder. 20.45 Schallplatte« — Briinn: 17.55 Vortrag für Pfadfiiddcr. 18.25 Deutsch« Sendnn>g: Pressenachrichten. 19.58 Klavierkonzert.— Mähr.-Ostrau: 11.00 BauernblaS- musik. 19.10 Dudelsack-Trio. 21.00 Orchesterkonzert. — Wien: 12.00 MittagSkonzert. 17.30 Konzertstunde 20.30„Der Mikado", Operette.— Frankfurt: 20.00 Kammerkonzert. 22.45 Nachtmusik.— HeilSbcrg: M l« Musik für Cello und Klavier.— Breslau: 17.50 Stunde der Musik.— Leipzig: 15.00 Frauen- sunt.— verlin: 15.85 Für die Jugend.— München: 15.15 Für die Kleinen. Dienstag: Prag: 8.30 Russische Kirchenchöre. 9.3V Biolin- komposilionen. 18.00 Deutsche Sendung: Loimnerreisc durch die Tschechoslowakei. 19.05 Konzert. 20.15 Lieder und Arien. 20.40 Saxophonvor- träge.— Brünn: 12.15 Mittagskonzert. 17 30 Russi. schc Romanzen 18.00 Deutsche Sendung: . Der 15. August", Hörspiel.- Wien: 8 40 Bruckner: D-Moll Messe 11.00 Sinfoniekonzert. 15.85 Lieder- stunde. 1835 Reiseriudrücke au» Japan. 21.00 Salchurger Festtp'el«— Frankfurt: 20.00 Lands- knechtslieder— Heittberg; 20.00 Klassische Kammer- musik.— Breslau: 18.08 Lieder und Balladen. Nr. 188 Gmuttag, 18. Angnst IW» Ccttc 8 QfüjmunA RrtLalt, einem Wirkungsgrad von Tagesneuigkeiten Ber uns der u»d IahreS wurden bei les big IW Stiirf Zigarren.... 17.Mfi.000 Zigaretten... O7O.77A.Onn «g. ii..'^t (155.105 «777 diesen 103t Stfirf 25,294.000 1/>74,109.000 • daS die Luft eingeführt wurde, wurde zerrissen, Türen und Fenster zerstört. Der Arbeiter, der in unmittelbarer Nähe der Gondel stand, war sofort tot. Der andere wurde a» Stirn und Nase erheblich verletzt. Hilfe war sofort zur Stelle. Die Trümmer wurden in dem Zustande gelassen, in dent man sie ousfand, um eine möglichst einwandfreie Untersuchung der Vorgänge sicher- zustellen. Ingenieur Coshus gab die Erklärung ab, daß der Konstrukteur deS Ballons selbst angeordnet hab«, daß die Gondel dieser Untersuchung unterzogen werden solle. BezirtSkommissarß von Reutte, das Konzert der Deutschmeisterkapelle nicht zu stören, wurde gerne entsprochen, aber verlangt, daß bei einer eventuellen Rundfunkübertragung des Deutschmeisterkonzertes auch das Konzert der SA-Sturmbann» Kapelle übertragen wird, was aber abgelehni wurde, so daß ein« Rundfunkübertragung dann unterblieb. Darauf spielte die AS-Kapelle nach sedem Stück der Deutschmeister deutsche Märsche und gegenseitig zollten sich die Musiker Beifall, ohne daß da» Publikum daran Anteil nahm. Co, dann intonierte die SA-Kapelle das Gorst Wessel- Lied. Kue Tänzerin abgängig. Warschau, 12. August.(PTA.) In der War- schauer Oefferttlichkeit rief da» rätselhafte Urschwinden einer der beliebtesten und talentiertesten polnischen Tänzerinnen, der Lodzer Künstlerin Galamovä, große Unruhe hervor. Die Tänzerin ist seit ÄenS.'ag verschwunden und Personen, die kurz vorher mit ihr gesprochen hatten, geben an, daß di« Tänzerin eine ungewöhnliche Nervo- ität an den Tag legte. Bei der letzten Vorstellung brach die Tänzerin hinter den Kulissen plötzlich in Weinen aus und verließ unmittelbar darauf, während die Vorstellung im Gang war, das Theater. Die Polizei und der Gat« der Tänzerin forschen bi» heut« vergeblich nach der schwundenen. IMS Etlick 1?.OM.OOO 033.M3.000 Divhus In Veutschbrod Deutschbrod, 11. August. In der Gemeinde Öeffä BölS im Böhmisch-Mährisckien Hügellano, brach dieser Tage eine Typhusepidemie auS. I» der Gemeinde traf ein« Sanitätskolonne deS Landesamtes unter Führung von Oberrat Dr Pc:i-ik ein, der albe notwendigen sanitären Maß- nahmen znr Eindämmung der Verbreitung der Ansteckung anordnete. In das Allgemeine Krankenhaus in Deutschbrod wurden im ganzen 39 Personen eingeliefert. Die Ursache der Ansteckung ist in schlechtem Trinkwasser zu suchen. Brüssel, 12. August. DaS Unglück der Stratesphäreugondel, über das bereit- kurz berichtet wurde, ereignete sich im Laboratorium des Professor Piceard in der Universität Brüssel. Die Festigkeit der Gondelwände sollte dadurch geprüft werden, daß verdichtete Lust in daS Innere eingesührt wurde. Als der Luftdruck aus acht Atmosphären erhöht war, sprang die Gondel plötzlich mit furchtbarem Krachen auseinander. Die metallische Kugel wurde in drei große Stücke zersplittert, die noch jetzt aus dem Boden des Laboratoriums liegen. Do» Rohr, durch Wälder brennen. Lyon, 12. August. In den Wäldern süd- östlich von Lyon sind gestern auS unbekannten Gründen riesige Waldbrände ausgebrochen, die infolge eines heftigen Windes mit außerordentlicher Geschwindigkeit um sich griffen. Zur Stunde stehen zwei Quadratkilometer Wald in Flammen. 1000 Mann der Garnison von Lyon sind ansaerückt, um den Brand zu bekämpfen. Der Sachschaden ist ungeheuer. Auch auS der Bretagne und ans der Gegend 'oit Angers werden heftige Waldbrände gemeldet. Bald« gelandet. Rom, 12. August. Infolge der verspäteten Ankunft über dem Lido die Roma beschloß da» Balbo-Beschwader, sofort auf dem Lido nieder»»» gehen. Tas Riedergehen leitete da» Flugzeug dr» General Balbos«in, da» um 18.80 Uhr ans dem Wasser lag. Um 18.48 Uhr befanden sich bereits neun Apparat« auf dem Lido-Strand. Selbstmord in Letschen. Telsche», 12. August. In Meridors bei Eula« beging der beim Dchottertalsperrenbau im Eulau- tat beichästigte 24iährige.Hellmut Walter Selbst- mord. Er warf sich vor einen fahrenden Zug unc wurde so schwer verletzt, daß er seinen Verwundungen kurz darauf erlag. Die Ursache des Selbst. moÄes soll in unglücklicher Liebe zu suchen sein. nämlich: 103.' Stück 103,500.000 5.000,000.000 1t». Ztgarette»t«ib«>kc 270.000 '|)fei|cnt brachte er sich selbst durch einen Schuß lebens gefährliche Verletzungen bei. Seine Frau und ein »weiter Sohn, dir in einem anderen Zimmer schliefen, wurden durch die Schüsse aus dem oiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii)iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiM^^^ Rüüglmg des TabalwarenkoWms. Eine Folge der Verteuerung der Tabalfadrlkate. Kg. . 11.700 . 71-1.095 . 6-000 Sette« Ctomtfag, 18. Sitflitf! 1088 Mr. 188 Volkswirtschaft und Sozialpolitik nationale Das kubanische Heer. Anton Schura hat versichert, der sei weitaus der schäbigste unter allen denen er tapfer das Leben bewahrt ist. Sein Millionen halb eine so große Ausdehnung angenommen, I i nxül sich das kubanisch« Hoer keineswegs als völlig I Fußgänge an-übringen. lähmung-ie sogenannnten„Vorderhörner" des Rückenmarks angreift und dabei eine Reiz- Wirkung erzielt, welche der Lähmung entgegenwirkt. Man hofft auf diese Weise-er unheimlichen Krankheit energisch zu Leibe gellen zu können. Schuhe mit Kotflügel In Amerika müsse» untlich vielerorts die Fußgänger genau io wie Tollwutgift gegen Kinderlähmung. Ein Ungarn Barla-Szabo angegebenes Ver nehmen, wie z. B. die Kotflügel? In der Tat scheint man dies zu beabsichtigen, den» kürzlich erhielt ein deutscher Erfinder Patentanttlschen Der jüngste Ausstand in Kuba hat nur des- Schutz für den Vorschlag, an den Schnhab'ä'i-n Schmutzfänger, also reguläre„Kotflügel" süi Die Brürer Braunkohle im Juli 1933. Tu Draunkohlenforderung in den RevierbcrgaintS- bezirken Brüx, Komotau und Teplih betrug im Juli 1933 816.000 Tonnen gegen 785.000 Tonnen im Arni 1933, aber 889.000 Tonnen im Juli des Vorjahres und 1,367.000 Tonnen im Juli 1929. Die geringe Mehrförderüng von 3t.090 Tonnen gegenüber Juni 1933 mutzte zur Gänze auf Depot gelegt Werden. Der Depotstand, ixi sich ständig erhöht, stieg Wetter um 48.000 Tonnen und beträgt bereits 948.000 Tonne». Bei einem Arbcircrstand von 22.836 Personen Wurden im Juli 369.000 Schichten verfahren. Die 3oijl der entgangenen Schichten betrug 240.000. Handelsvertragsverhandlungen mit Pole». In den nächsten Tagen begibt sich nach Prag eine Delegation der polnischen Regierung mit dem Direktor des Autzenhandelsdepartements im Ministerium für Handel und Industrie, Tr. Sokolowski, an der Spitze,»m nut der tschecho- slotvakischcn Regierung die Verhandlungen zwecks Revision des bisherigen Handelsvertrages auf Grund der im Oktober d. I. neu in Kraft I tretenden polnischen Zolltarife anszunehmcn, I Die diesbezüglichen Verhandlungen beginnen in iPrag am 17. August d. I. sion, die durch den Zerfall der Zucker- und Tabakpreise über Kuba lastet. Revolutionär« Tradition. Wenn man di« Geschichte der kubanischen Insel, und zwar nur die der allerletzten Zeit überblickt, muß man sestftellen, daß Kuba in den I letzten Jahrzehnten überhaupt zu keinem inner-1 politischen und sozialen Frieden gekommen ist. Reger und Kreolen Haden das ganze 19.1 Jahrhundert mit großenteils vergeblichen Auf- tänden gegen die soziale Ordnung in Kuba aus-1 gefüllt. Seit 1812 jagt ein Farbigen-Aufstand den andern. Di« Unzufriedenheit der Kreolen mit der I spanischen Herrschaft wuchs ebenfalls von Jahr zehnt zu Jahrzehnt. Im Jahre 1868 kam es zu dem ersten großen Aufstand der braunen und schwarzen Ralfe, der von den nationalen Führern von Cespedes und Quesada geschürt und durchgeführt wurde. Von den Bereinigten Staa ten unterstützt, behaupteten sich die Aufständischen jahrelang gegen das spanische Heer. Erst dem General Martines Campos gelang cs 1876 den Aufstand im-Blut zu ersticken. Ta» spanisch« Mutterland mußt« jedoch seiner letzte» amerikani schen Kolonie eine Art Selbstverwaltung zuge- stchen. 1880 wurden die Sklaven für frei erklärt,' 1886 das sogenannte Patronatsshstem, der letztem Ncbrrrest der Sklaverei beseitigt. Trotzdem kam cs im Jahre 1895 zu einem neuen großen Auf-! stand, in dessen Verlauf Maxinio Gomes Kuba aufs neue zur unabhängigen Republik erklärte. Der General C a st i l l o warf den Aufstand aufs neue wieder, wurde aber selbst 1897 ermordet. 1898 kam cs dann z« dem für Spanien unglück lich beendigten spa n i-'ch-anieri ka n i sck>e n Krieg. Die spanische Flotte wurde vor Kuba in Grund und Boden geschossen und das Mutterland zum Ver zicht auf seine Kolonie gezwungen. Die Vereinig ten Staaten unterstellten zunächst die Insel Kuba dem Militärgonverneur General Wood. Die im Jahre 1901 von einer konstituierenden Ber- sammlnng angenommene Verfassung wurde voll den Vereinigten Staaten nur unter der Bedin gung genehmigt, daß. Kuba Verträge mit aus wärtigen Mächten nur mit Zustimmung der Union schließen könn« und den Vereinigten Staa ten daS Recht der Intervention ein räume, die augenblicklich sehr aktuell geworden ist. Am 20. Mai 1902 übergab General Wood die Regierung dem ersten Präsidenten Palma und schifft« sich mit seinen Truppen rin. Bereits im August 1906 kam eS zu Unruhen in dem unter amerikanischem Protektorat stehenden Kuba. Die liberale Partei unternahm unter Füh lung deS Generals Gomez einen Ausstand gegen den Präsidenten Palma, das Haupt der konserva tiven Partei. Im letzten Augenblick, schritten die Vereinigten Staaten ein. Präsident Roose velt entsandte den Kriegssekretär Taft mit einer starken Truppenmacht, die auf Kuba landete und an die Stelle des Präsidenten Palma«inen .nordamerikanischen Gouverneur Mago on ein-1 von dem ! letzte._ Er verwaltete das Land zwei Jahre, bis fahren gegen" die.Kinderlähmung sieht die Beim Jänner 1909 General Gomez als nengcwähl-1 Nutzung von Tollwutgift vor. Das Gift wurde ter Präsident und Vertrauensmann der Liberalen l herängezogen, weil es wie die spinale Äinder- ; die Regierung übernahm. Bereits im Mai 1912'"""*-• ! brach jedoch im Osten-Kuba- wieder ein Neger- > ausstand auS.-er nur mit Mühe l«nd Rot nnter- < drückt werden konnte. Im Jähre 1913 wählt« ! der.Kongreß wieder einen konservativen StaatS- präsideirten, den General Menocal, gegen den der zurücktretende General Gomez ein« Revo- w w w n lution an zettelte. Aus diesem Anlaß wurden I bekanntlich vielerorts die Fußgänger genau'in wir wieder einmal nordamerikanische Truppen'N I die Autos ein„Schlußlicht" in Form von Katzen- Kuba gelandet. 1921 wurde der Liberal ZayaS äugen tragen. Warum sollen wir in dieser Rick- Präsident, 1925 sein Parteigenosse General tung nicht allmählich immer weiter gehen und Machado, nm dessen Amt heut« der KampfIvon Kraftwagen noch mehr lernen, bezw. überlobt.-|1"‘- crius aller Welt. Eine Urne von 3709 Jahren. Ju dem holländischen Orte Apeldoorn in Geldcrland hat man bei Ausgrabungen eine Urne zutage gefordert, deren Alter durch die» Muscumöoirektio» von Apeldoorn aus 3700 Jahre geschätzt wird. Es handelt sich um eine sogenannte Glocken- urne mit Strcifenverzicrungen am Rande. Man hofft, bei weiteren Ausgrabungen noch auvere Stucke aus dieser Epoche zu finden. Flohpulver als Dichtertrovhäre. Auf einein kleinen Autorenmeeting in Warschau ereignete sich dieser Tage ein Zwischenfall, der große Heiter keil auSlöste, allerdings auch fürchterliche Wut. Der polnische Schriftsteller Schalonka war dem *| Journalisten Kalmsky wegen schlechter Kritiken " ernstlich böse. Also hatte er sich eine„nette" Rache ausgcdacht und— eigentlich etwas naiv für einen Herrn Autor!— eine Büchse„Floh- vernichtungspulvcr" ans das Meeting mitgc- bracht. Als nun Kalmsky eine kleine Rede gehalten hatte, erhob sich Schalonka von seinem Sitz, hielt die Flohpulvcrbüchsc hoch und rief boshaft ein Polnisches Sprichwort aus, das aus Deutsch ungefähr sagen will:„Wer selbst Flöhe hat, soll sich zuerst kratzen und nicht die anderen kurieren!" Dann ging er stocksteif auf den Kritiker zu und übergab ihm die Büchse. Diese Handlungsweise hat zum sofortigen Ausschluß Schalonkas aus seinem Verein und zu mehreren Beleidigungsklagen geführt. Ueberdies soll Scho- I lonka aus seinen Geisteszustand untersucht werden. Ein schäbiger Geretteter. Schon viele Leute hat Anton Schura, ein tschechischer Fährmann von Königssaal, aus der Moldau gezogen. Auch dieser Tage rettete er einem Schwimmer das Leben. Er sprang auf die Hilferufe des Gefährdeten— eines Sparkassendirektors— sofort ins Wasser und zog ihn glücklich ans Land. Ter Sparkaffendirektor schnaufte und pustete noch ein paar mal, dann lachte er über das ganze Gefickt und schüttelte dem triefenden Retter anerkennend die Hand. Schließlich zog er großmütig die Brieftasche und dedizierte dem Retter— ganze zwei llr! Direktor gewesen, I habe. Mit Fünftagewoche auch in der Schule! Auf Grund von Anregungen, di« aus verschiedenen Kreisen kommen, hat der Landesschnlrat für Böhmen einer Reih« von Schulen gestattcc, im kommenden Schulja hr 1933/34 nur fünf Tage in der Woche zu unterrichten, wobei allerdings die Anzahl der vorgeschriebenen Pflichtstunden eingehakten werden muß. Es sind dies einige Ber« suchsschulen in Prag sowie in Zlin, ferner Schulen in den Bezirken Jungbunzlau, Budweis, Starkenbach und Seinil. Am Ende des Schuljahres 1933/34 werden dann die Schulbehörden die Ergebnisse des Versuches prüfen und von den Gutachten dieser Behörden wird es abhängen, ob der Fuirftageunterricht an den Schulen nur em Versuch bleiben oder dauernde Einrichtung werden wird. Geheime Schnapsbrennerrien in der Mährischen Slowakei. DaS geheime Brennen von Spiritus aus dem den Landwirten von den Zuckerfabriken für Futterzwecke zuaeteilten denaturierten Zucker und die.Herstellung von Schnaps haben in der mährischen Slowakei in einem solchen Ausmaß zugenommen, daß sie die erhöhte Aufmerksamkeit der Behörden erwecken, da durch die geheimen Brennereien der Staat um Riesensummen für entzogene Abgaben kommt. Nach der jüngst erfolgten Ausforschung einer Brennerei in Stare. Böeclav und in der Mühle des Ladislav KriLik in Lipov bei StraLnice, wo etwa sechs .Hektoliter zur Herstellung von Kornschnaps vorbereiteten Kornbreies gesunden würden, und nach der Aufdeckung einer geheimen Brennerei unweit von Bojkovice,>oo etlva 160 Liter Spiritus beschlagnahmt wurden, gelang cs nun der Gefällsabteilung der Finanzdirektion in llherske Hrc.diktö unter der Leitung des Kommissärs Dr. Kovar Donnerstag im Hause des Josef Kolenäik in Damboricc bei Kyjov eine neuc geheime Schnapsbrennerei aufzudcckcn. An verschiedene» Stellen wurden in diesem.Hause sechs Hektoliter Korn- und Znckcrbrei, vorbereitet für di« Schnapsproduktion, ferner ein 30 Liter-Faß mit reinem Spiritus und ein 15 Liter-Gesäß mit Spiritus in Verstecken gefunden. Außerdem wurden in einem Kasten große Schnapsmengen beschlagnahmt. In die-Hast des Krcisgerichtes in llhereske Hradiätö wurden die drei Sohn« Kolenäiks, Joses, Vinzenz und Adalabcrt, eingeliefert, die bereits im Vorjahr einmal bei der verbotenen Schnapsherstellung gefaßt worden waren. Im Vorjahre hatten die Angestellten der Gefällsstrafabteilung-er Finanzdirektion llherske Hradisö in Tambokicc und in den benachbarten Gemeinden Uhrice, Nasrdlovice und Zeradi'ce 15 SchnapSbrenncreicn auSgrhobrn, darunter auch eine bei dem Bruder des berüchtigten Mörders des Gcndarmrricwachtmeistcrs aus Bclehrad, Andreas Gerspitz in Uhkice. Sowjetrussische Lehrbücher. AuS Moskau wird geschrieben: T-er„Verlag für Schulbücher und pädagogische Lehrbücher" ist gegenwärtig nut der Redaktion und-Herausgabe von Standard- Schulbüchern beschäftigt. Es sollen Swndardlehr- büchcr für 45 Lehrfächer in 74 Sprachen lieraus- gegeben werden, darunter Bücher in 15 Sprachen solcher Völker, die bis 1917 kein eigenes Schriftwesen besaßen, ja einiger Völker, die rin solches noch bis zum Jahre 1927 nicht besaßen. Di« Lehrbücher first» für den Unterricht der Heranwachsenden Jugend der gesamten Torvjetunion bestimmt: für die Jugend in den Zelten und Lagern der Nomadenvölker am Behring-Meer bis zu den Kindern der Einwohner der Siedlungen von Karelion(hier wohnen Bauern, di« finnisch sprechen). Der oben erwähnte Verlag steht vor einer ungeheuren Arbeit: es müssen Alphabete neu geschasfen iverden, Lehrbücher in die neugeschaffenen Schriften übersetzt werden, der Truck vereinheitlicht und schließlich Millionen Exemplare von Lehrbüchern gedruckt und fertiggestellt>ow»e bis in die entferntesten Gegenden der Sowjetunion versaiwt werden, Wo sie.zu Beginn des neuen Schuljahres bereits an di« Schüler vcr.eitt werden niüffcn. Das Luftschiff„Gras Zeppelin» ist Samstag um l Uhr 25 Mn. MEZ in Pcrnambuco zum Rückflug nach Europa aufgestiegen. Riesenbrand im Elsaß. In einem riesigen Holzlager- im Gelände des Baugeschäftes Goll in St. Ludwig(Elsaß) brach Tonnerstag nachts ein Brand aus, der rasch aus die angrenzenden Gebäude Übergriff. Tas Wohnhaus eines Arztes, der Dachstock des Maschincnhauses und dir Möbelschreinerei fielen den Flammen zum Opfer. Ter Brandschaden beläuft sich aus zwei Millionen französische Franken, der durch Versicherung gedeckt ist. Ausländsbeteiligung auf der Prager Herbstmesse. Die Beschickung der diesjährigen Prager Herbstmesse, die am 3. September ihren Anfang nimmt, ist auch seitens des Auslandes besser ats in den früheren Jahren. Nicht nur ausländisch« Einzelsirmcn- sondern auch offizielle AnSlandsgruppcn werden an der Messe tcilnehmen. Auf der Messe beteiligt sich Frankreich s a m t K o l o n i c n mit einer großen Exposition, Bulgarien. Rumänien und Spanien. Ferner sind noch Verhandlungen mit Holl a nd im Gange, welches bereits früher auf der Messe mit einer großen Sondergruppe vertreten war. Neben der starken Beteiligung der tschechossowakifchell Exportindustric werden besonders die Auslandsgrup- pen dazu beitragen, der diesjährigen Prager Herbstmesse einen besonders internationalen Einschlag zu geben. Wahrscheinliches Wetter heute: Im Westen deS Staates wechselnd bewölkt. Rach Gewittern etwas kühler. In den mittleren und östlichen Teilen bis auf lokale Gewitter zunächst noch im tzan-en schön, heiß. DaS heißblütige Jnselvolk im amerikanischen „Mittelmeer" isi weder einmal in Bewegung geraten und wirft die Schatten seiner letzten Revolution über die Kontinente und Ozeane hintveg. Wieder einmal steht der Militärdikt-^or von Kuba Präsident Machado im Scheinwerferlicht der Weltpresse. Wieder einmal wird in der kubanischen .Hauptstadt.Havanna Polizei und Militär gegen revoltierende Massen eingesetzt. Wieder einmal ist der Belagerungszustand über.Kuba verhängt. Im Fort Cabana werden die 7.5 Zentimeier- Geschuhe auf die Straßen der Hauptstadt gerichtet »nd im Lager Colombia kämpfen die Offiziersschüler mit den braunen und schwarzen Soldaten gegen den Gencralstab und di« Ofsiziers-Par:ei- gänger MachadoS in der Armee. Der Pvlizeiches von.Havanna aber wechselt nahezu täglich seinen Posten rind wird, je nach dem Bedarf der augenblicklichen militärpolizeilichen Lage, einem General oder dem Präsidenten direkt unterstellt. Präsident Machado. Dieser kubanische Präsident Machado ist zweifellos der berühmtste int-der'-umstrittenste Staai-mann Kubas. Er ist der letzte noch amtierende Präsident alten Stils der süd- und mittelamerikanischen Republiken, das heißt, er regiert mit imumlchränkter Machtfülle, neben der die demokratischen Institutionen des Parlaments nur eine Attrappe fein sollen. So behaupten wenigstens die Gegner Machados. Der Freistaat Kuba, in dessen Wappen unter der Jakobinermütze ein zwischen zwei Vorgebirgen liegender goldener Schlüssel glänzt, wird von amerikanischen Repvr-- trrn gern der„Schlüssel zum amerikanisck>en Mittelmeer" genannt. Rach der Meinung Wa- ihingtons und New chorks ist nämlich Kuba die stärkste Festung der Vereinigten Staaten in Mtt- lelamerika, als deren Treuhänder man den Präsidenten Machado bis vor ganz kurzer Zeit betrachtet hat. Man glaubte nämlich, Machado stünde völlig unter dem Einfluß Washingtons und habe ganz nach den Plänen der Wallstreet sein Land und sein Volk zu regieren. DaS niaq früher so gewesen sein. Seit einigen Jahren steht jedoch auch Machado unter dem gewaltigen Druck einer nationalen und sozialisti- lchen Welle, die die völlig« Loslösung der kubanischen Insel von der politische» und ökonomischen Vormundschaft der Vereinigten Staaten erstrebt. Offiziell liegt die vollziehende und gesetzgebende Gewalt nach dem BerfassunaSentwurf vom 21. Feber 1901, der unter dem Druck der Vereinigten Staaten am 11. Mai 1928 grundlegend verändert wurde, bei dem Landeskongreß, der ans zwei Kammern, dem Senat mit 36 und der Abgeordnetenkammer mit 127 Deputierten besteht. In Wirklichkeit hat sich iedoch d'e politische Macht gerade in den letzten Jahren, in denen ein militärischer Ausnahmezustand den anderen jagt«, immer mehr in die Hände des Präsidenten Machado verschoben, der— nebenbei bemerk^— auch der reichste Mann von Kuba Vrivatvermöaen wird auf über 20 Dollar geschaht. Die gegen Machado eingeleitetc und wirsschastliche Bewegung geht neuerdings von zwei Seiten aus: auS den intellektuellen Kreisen der Oberschicht in Militär und Verwal- tnng, die den Kubanern di« außenpolitisch« Parole I..Latein-Amerika den Lateinamerikanern" besonders mundgerecht gemacht hat, und auS den Massen der braunen und schwarzen Arbeiterschaft, die sich in dem letzten Jahrzehnt der Diktatur MachadoS zu gewerkschaftlichen und politischen Verbänden mit besonders radikaler Tendenz zu- sammengeichlossen hat. Machado hat die Forderung nach Pressefreiheit, Einberufung d«S Parlaments, menschenwürdige Löhn« und Wiederherstellung der verfassungmäßigen Recht« nur m>t der Anziehung seiner Machtfchranbe bei Militär nnü Polizei beantwortet. Unlschnldig ist er natürlich an ticr ungeheuren wirtschaftlichen Depres- Greisen die Bereinigten Staaten in Kuba eint Unsere Kart« gibt einen Ucberblick über die Lage Kubas zu den Vereinigten Staaten, deren bewaffnetes Eingreifen in die innenpolitischen Wirren angedeutet wurde. Als wichtigst« Kriegshäfen der USA. haben wir Newport News und Guantanamo angegeben, die bei einem kriegerischen Vorgehen Amerikas besondere Bedeutung gewinnen würden. Stunt» um Havanna. 9Utllii9ter von der jüngsten rnvanisMen Stebolution. Don Alfonso Concalez. zuverlässiges Instrument Machados erwiesen hot. Im Lager Colombia stellten sich ganze Truppenteile auf die Seite der Aufständischen und auch im Fort Cabana Uraren Gehorsamsverweigerungen gegen die Befehle des OrtSkominaiidanten von.Havanna zu verzeichnen. Es hat sich auch bei dieser Gelegenheit wieder einmal gezeigt, daß eS vor allem in« Milieu Süd. und Mittelanierika» unmöglich ist, daS.Heer immun gegen politische Bewegungen deS eigenen Landes zu hallen. Während der Generalstab und die älteren Öffn ziere der acht Divisionen, treu zum Militär- diktator stehen, haben die jüngeren Offiziere, die Fähnriche und Kadetten sowohl wie die Farbigcn- Offizier« di« Disziplin so zerwühlt» daß die Revolution unvermeidlich war. •ja. Iva Sonntag, IS. August 1988 Beite 7 Sutioles aus der Medizin. Nosrotete hatte Rachitis!— Flicke mit Roßhaar! Bewunlwrnd stehen wir vor dem Bildwerk der herrlichen Königin Nofrotclc. Das odcl- oefornit« Gesicht Lieser Aristokratin altägyptischen Geschlechts ist für unS der Inbegriff antiker ericntalischer Schönheit. Aber was wurden Sw dazu sagen, verehrter Leser, wenn Ihnen die Ge» lehrten— in grausamer Benennung Ihrer Aesthetik— erzählen würde», die Kopfform der schonen Königin sei ganz charakteristisch sür die Krankheit Rachitis? Und dennoch ist eS so— die Wissenschaft hat sich schon erngeheltü damit besaßt. Deutlich— so erklärt der Gelehrte— zeigen sich am Bildwerk die Spuren von Rachitis, an der die Königin offenbar in ihrer Jilgeird ge- kitten habe. Wollen wir hoffen, daß diese Diagnose sich an Hand weiterer Forschungen eine» Tage» doch noch als unrichtig erweist, dann wäre unS ein schöner Traum erhalten... Die chirurgische Fachpresse befaßt sich neuerdings mit der Möglichkeit der Benvendung von Roßhaar sür daS Bernähen von Wunden. Roßhaare seien hervorragend aut zu gebrauchen, natürlich nach vorheriger Keimabtötung, Durch die Berwendung diese- neuen Nahtmaterials würden keinerlei Gewebeschädigungen Hervorgernfen und vor allem seien die Narben sehr tvenig sichtbar. DaS Pferd ist doch unser treuester Freund! Nachdem wir e- aus unterem Berkahr so gut wie völlig auSges««r»*n»al Nch hnomtnk hni(tL%ogat btt Rraat* felttftaffe aaf naMhrflAim Weg«»nd ist auft-r» mm batt«rt«nltt