Nvzelvrels 70 Heller. ^Einschließlich 6 Heller Poiio» Erschein« mtt Ausnahme des Montag täglich früh. Brno tI,3t(M|anfa 18* XtlrotM 30793. 314Ö9. TtaAtrtfiaH. ab 31 Ujt)i 33833* BolWiIaml: 37344 Dienstag, 15. August 1033 13. Jahrgang. Nr 180. könnten.! Hungernden gerichtet zu werden. * i tct, dir Storungen der Feier hatten gen in der Verbreitung zur Folge. Kommunisten und Arbeitslosenfürsorge. ch Und wenige Zeit später begab es sich, daß die Forderung der kommunistischen Gewerkschaften vom Fürsorgcministerinm bewilligt wurde: sic durften den Slaaisbcitrag auszah len, aber ihr Berratsgcschrei, das sic nun gegen die Sozialdemokratic erhoben, steigerte sich noch, In spaltenlaugen Anfsätzeu leg c die kommunistische Partei- und Gewerkjchasts- presse dar, daß die ganze Sozialdemokratie aus elenden Kerlen bestehe, und daß der gefährlichste und abgefeimteste unter ihnen der Für- sorgeminister Dr. Czech sei. Er wolle die kommunistischen Gewerkschaften mit der Bewilligung des Staatsbeitragcs hincinlegen, habe ihnen ein Danaergeschenk gemacht oder, wie sie sich des öfteren cmszudrücken belieb en, ein KucknckSei ins weiche Nestchen gelegt. Und während früher' in langen Resolutionen die Bewilligung des Staatsbeitrages gefordert wurde, hatte man nun das Erreichen dieses Zieles in nicht weniger langen Resolutionen als die alleriibelste Schurkerei der Sozialfafci- stcn hingestellt. Hakens„Erkenntnis" von der elenden Betrügerrolle der Sozialdemokratie hatte sich auch diesmal aus das trefflichste „bewährt". sich das Richtcramt über die Sozialdemokratie anzumaßen, ohne die es überhaupt keine Ar» beitsloscnfnrsorgc gäbe, über die Sozialdemokratie, deren zäher Arbeit die Erwerbslosen alles verdanken, was sie haben— daß cs unzulänglich ist, haben wir nie bestritten—, darum ist es notwendig, die Kommunisten der Verachtung aller denkenden Proletarier preis- zrigeben. Hätten sie, die uns nun des„Verrats" zeihen, irgendwo und irgendwann auch >lnr das geringste für die Arbeitslosen getan, hätten sic einen wenn auch nur winzigen tatsächlichen Erfolg aus eigener Kraft aufzuweisen, so hätten sie wenigsten« ein kleines Anrecht daraus, mitzureden und mitzurichten. Ihre Erfolge sind gleich Null, ihre Frechheit und Demagogie aber sind unermeßlich. Sie sind nicht berufen, zu richten, sondern von den sei eine Beleidigung, welche die Slowaken nicht ertragen. Zum Schluß drohte Hlinka mit der slowakischen Faust. Tatsächlich erzwang sich Hlinka in Neutra das Wort und unter großem Beifall begann er zu sprechen. Er erklärte, daß die slowakische Nation nicht bloß alcichbrrechtigr, sondern eine selbständige Nation sei und verlangte sür dir Slowakei m der Rede, die 20 Minuten dauerte, dir Aulonmuie. Tann erst kam der Landcspräsident zu Worte, dessen Rede jedoch infolge der allgemeinen Erregung nicht mit Aui- inerksa»ikeit angchört wurde. Er erklärte, daß du Slowaken sich ihre historischen Rechte auk dem Boden ihrer Vorfahren nicht nehmen lassen. Hierauf kam Ministerpräsident M a l y- Petr zu Wort, der eine Botjchast des Präsiden- len Masaryk zur Berlcsung brachte, in der u. a. gesagt wird: Erne große Lehre köimeu wir aus der Ke- ichichle Aitra« und de« Gebietes der Republik überhaupt schöpfen: Unsere staatliche und kulturelle E n l w i(t l n n g überhaupt, gleich vom ersten Anbeginn, erfolgt« durch de" Verkehr mi l dem West en und mi' ganz Europa. Die Politik unseres Volke-» nuferer Rapublik, war und muß von Welichow» rer sein. Unsere lange Unfreiheit ließ in uns Spur., des politischen Dileltantisinus und des FUujionis »ins zurück. Wir haben nicht genug gelernt, fri> unsere Worte und Taten die Verantwortung zn übernehmen, wir haben unsere Kräfte nicht len iren gelerus und»richt gemessen; jetzt sind wir freund werden unS der Charakters chivä ch e n der Unfreiheit entledigen. Ge rade unsere Uirfreiheit lehrt unS, daß di« Völk.'» nicht durch Illusionen gedeihen, sondern durck Fdeal«, dir auS solider Kenntnis der. Vergangen heil und(Gegenwart geschöpjt sind. Bemerkenswert ist auch i» der Botschaft Sn Feststellung des Präsidenten, daß niemand, der sich zum Christentum meldet, Haß verkünden dürfe.„Und wenn gerade jetzt außerhalb unserer Grenzen gefordert wird, daß di« Kirchen Kampskirchen werden, darf es in der Republik keinen einzigen Geistkicheii geben,-er das Christentum und seine Mission so auffaßt." Hieraus sprachen der Belgrader Erzbischvi Rodiö, der Bischof von Mostar Miöiö, der Erzbischof von Olmütz Dr. PrrLan, der Uühoroder Bischof Dr. Stojka und der Bischof von Neurra, Dr. Knietko. Die Feier wurde durch das Radio verbreitet, die Storungen der Feier hatten auch Stürmt» * Wir konnten uns die Auseinandersetzung mit den Kommunisten leicht machen, indem «vir, was die Herabsetzung oder gänzliche Beseitigung der Arbeitslosenfürsvrge betrifft, aus das lwrrliche Beispiel des„Vaterlands der Arbeiter" verwiesen. Dort hat man im Oktober 1930 die Arbeitslosenversicherung vollkommen abgeschafft, ohne jedoch die Arbeitslosigkeit beseitigt zu haben. Die Arbeitslosen werden dort nicht mehr in der Statistik geführt; sie sind, sotveit sic in den Städten leben, auf Hungerration- gesetzt,- teils haften sie sich auf dem Lande verborgen, um der Ab- kammandierung in den Ural oder die Bergwerke Sibiriens zu entgehen. Mit der Aufhebung der Arbeitslosenstatistik und der Rekrutierung Arbeitsloser zur Sklavenarbeit in der sibirischen Hölle ist zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit noch lange nichts getan. Die Leute aber, die Rußland loberi um der„Tat- saä)c" willen, daß es dort keine Arbeitslose gibt, die also den unerhörtesten Zwang: die Hungerpeitschc und die Arbeiter-Deportierung als des Preisens wert erachten, haben das moralisch« Recht verwirkt, noch irgeirdjeman- den des Verrats an den Interesse» der Arbeitslosen zu zeihen. nu» zur Erinnerung an diese Kirchencrbauung veranstalte» wurde, sollte einesteils zum Aus- druck bringen, daß die Slowaken schon vor 1100 Fahren ihre st a a t l i ch c 2 c l b st ä n d i g k e i t besessen hatten und sollte insbesondere eine Manifestation der E i n h c i t der Tscheche» und Slowaken werden. Die Feier hatte also nicht nur einen kirchlichen Charakter— der Papst hatte den Teilnehmern seinen apostolischcn Segen gesendet, viele hohe kirchliche Würdenträger waren erschienen— sondern einen gewissen staatlichen und politischen Sinn. Zu den Kundgebungen waren nach dem Bericht des»rh.chvslowakischen Preßbüros etwa 60 b i S 70.000 M e n s ch e n aus allen Teile» der Republik gekommen, 26 Sonderzüge hatten die Teilnehmer an Ort und Stelle gebracht. An dein Umzug selbst, an dem Turner, Bauernreiter, slowakische Bauern in ihren tchmucken Trachten teiluahmen, beteiligten sich et>wa 30.000 Personen. Als erster Redner sollte der Vorsitzende des Festausschusses, der slowakische Landespräsidcnt Orszügh das Wort ergreifen, bevor er dies aber konnte, drängten sich unter der Tribüne tausende von Anhängern Hlinkas zusammen— nach dem Bericht eines tschechische» Blattes sollen cs 7000 gewesen sei»— und verlangten stürmisch, daß man Hlinka das Wort erteile. Hlinka, der Führer der slowakischen Klerikale!) und Antonomisten, hatte schon am Samstag einen Artikel in seinem Organ„Slovak" veröffentlicht, in dem er sich bitter darüber beklagte, daß ma>i die slowakischen Katholiken bei der Feier ausschalten wollte. In dem Artikel richtete er heftige Angriffe gegen die Tschechen und erklärte, daß die Slowaken schon in der Zeit Pr:- binas eine souveräne Nation gewesen sind und daß sic es weiter bleiben werden. Daß tschechu- slowakischc Minister in Nitva tschechisch reden, Wir müssen jedoch nicht in die russische Ferne schweifen, um die kommunistische Demagogie, um die bodenlose Frechheit der kommu- nistlfcheu Hetzer aufzuzcigen. Es genügt, sich ihr Wirken innerhalb der Landcsgrenzen zu vergegenwärtigen. -Heute schreiben sich die kouimunistischcil Redakteure die Finger wund über den„sozialdemokratischen Unlerstütziingsranb" an den Arbeitslosen. Aller vor mehr als zwei Jahren begannen die bolschewistischen Gewerkschaften mit einem viel großzügigeren Unterstützungsraub, ohne daß auch nur eine kommunistische Zeitung sich der Notlage der betrofteneu Arbeitslosen erinnert hätte. Es«varen die b o l s ch e w i st i s ch c n lHeUlerkschaften, die sich auf die Auszahlung des StaatSbeitrageS beschränkten und den Arbeitslosen bcii Gewerk schaftsauteil der Uulerstühuilgen vorenthicl- ten. Als„Manipulativnsgebühr" verrechneten sie ihn; und inimer machte er ein Viertel der Gcsamtnnterstützung aus. Hunderttausende Kronen sind den Arbeitslosen durch diesen schainlosen Betrug der konnnnnistischeu Gc- werkschaster gestohlen lvorden. Und indem sie die Arbeitslosen betrogen, beschwittdeltc» sic auch den Staat, diskreditierten sic in den Augen des die Sozialfürsorge bekämpfenden Bürgertums die Arbeitslosenfiirsorge, liescrtcu sie den'ärgsten Feinden der Arbeitslosenfür- sorgc Waffen gegen.sie. Das durch die kom- munistischcii Betrügereien deu Bürgerlichen gelieferte Maierial hat diesen die Eröffnung des Kampfes gegen die Arbeitsloscnfürsorge überhaupt erst ermöglicht; die Schützenhilfe, die die Kommunisteir dem. Bürgertum durch ihre schamlose Hetze gegen den Fürsorgemini- fter leisteten, hat die Atissichten dieses Kampfes gesteigert und jenen Tcilsicg des Bürgertums evniöglicht, für den die Konununiften Sonntag, den 13. August, fand in Neutra lNitra) in der Slowakei eine große Feier zur Erinnerung an die dort vor 1100 Jahren erfolgte E i n w e i h u n g d e r ersten katholischen Kirche in der Slowakei statt, in deren Verlaus es zu verschiedenen politischen Kundgebungen und Zwischenfällen kam. Ilm den Sinn der Feier zu verstehen, sei gesagt, daß im Jahre 888 der slowakische Fürst P r i b l n a von dem damaligen Salzburger Erzbischof die erste Kirche, die überhaupt in der Slowakei erbaut wurde, in Neutra, einweihen ließ. Die Einführung des Christentums in die Slowakei bedeutete den Anschluß an de» Westen und hat damit den Anstoß zu einer höheren Entwicklung dieser Gegenden gegeben. Die Feier, Sie jetzt den— Sozialdemokraten die Schuldlschweigen. Da sie aber frech genug sind, geben. Die Kerle, die durch Jahre hindurch den Arbciislosen ein Viertel ihrer Unterstützung raubten, spielen sich als die Vorkämpfer der Arbeitslosenfürsorgc auf, die Verbrecher, die sich noch immer mit jedem Klassenfeind ver banden, um sozialdemokratische Positionen zu beseitigen— und die Arbeitslosenfürsorge»st eine solche Position!—, sie sind schamlos genug, auch jetzt noch an der Arbeitsloscnnvt ihr inagercs Parteisüppchen zu koä;en. Sie verdienen, daß sic von den Uulerstiitziings empsängern, deren Nm sie mitverschuldet hoben, mit nassen Fetzen aus den Versamm lungen geprügelt werden. Hätten sie einen Funken Schamgefühl, diese bolsckzewistischcn Soldjchreiber und Soldredner, so täten sie das Vernünftigste, wob sie nach dem Gelinge»» ihres grandiosen Verrates-tun 11......... Politische Kundgebungen in Neutra, fflfnicaaniiänger rufen Zwischenfälle hervor. Die Neuregelung der ArbeitSlosenunter- siützung hat eine ganze Reih« eigenartiger „Arbeiterfreunde" auf den Plan gerufen, die der Reihe nach die„Verderbtheit" und den „Verrat" der Sozialdemokraten an den Arbeitslosen aufzeigen. Darunter sind nicht nur die Nazis und die Christlichsozialen, deren Eintreten für die Arbeitslosen an dieser Stelle noch entsprechend gewürdigt werden wird, sondern vor allem die K o m m u n i st e n. Sie scheinen den ganzen Jammer ihrer Katastrophenpolitik in der Demagogie ihres Kampfes gegen den sozialdemokratischen Fürsorgeiiiini- ster ersäufen zu wollen. Es ist deshalb an der Zeil, die„Verdienste", die sich die Kom-muni- stcn hierzulande um die Arbeitsloscnfürsorge erwarben, naher zu beleuchten— aus daß die proletarische Oeffentlichkeit ermess«, welchen Grad der Gewissenlosigkeit und Niederträchtigkeit der Kamps der Kommunisten gegen die Sozialdemokraten und gegen die wahren Bedürfnisse der hungernden Arbeitslosen erreicht hat. ♦ Als das Geiiker.^Spslcm Gesetz werden sollte, haben die Bolschewiken Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um es zu verhindern. Sie könnten sich nun darauf berufen, daß ihnen die Entwicklung recht gegeben habe,— da sich das Genter System in der gewaltigen Krise der Gegenwart als unzulänglich erwies. Diese Erkenntnis entspräche aber nur der bekannten Erfahrung aller, die auf dem Rücktveg vom Rathaus klüger sind als auf dem Wege zuni ihm; denn nicht seine Unzulänglichkeit bestimmte die Kommunisten zum Kamps« gegen das Genter System, sondern andere Erwägungen. Bor allem„Ueber- legung", der der Kommunist Haken seinerzeit trefflichen Ausdruck verlieh, indem er jagte:„Die Sozialdemokraten können für oder gegen die Vorlage stimmen— immer verraten sie die Ar be i t.e r k l a ss e." Es war die platteste Demagogie, die das Verhalten der Kommunisten zum Genier S>;stein schon in der Phase feiner Entstehung bestimmte. Später freilich haben sich die kommunistischen Gewerkschaften mit Eifer bemüht, der Segnungen des Genter Systems teilhaftig zu werden. Es ist noch in Aller Erinncrnng,»nie sie de»r Genossen E zccki bestürmten, ihnen das Recht zur Auszahlung des Staatsbeitroges zu bewilligen und wie sie ihn und die sozialdemokratische Partei aus das niedrigste schmähien, als ihr Wunsch nicht rasch genug erfüllt wurde. Seite 2 Dienstag, 18. August 1988 9h. 189 Der PeMdiel Dringt es an den„Tag“! Die Nazis silzen im Netz. Da haben sich di«.Herren Nationalsozialisten durch mehr als ztvei Lahre im Schweiße ihres Angesichte- um den Nachweis bemüht, daß st« mit der Hitlerbcwcgung nur„ideelle" Bande verknüpfen und jede andere Behauptung übelste Denunziation sei. Und ein Petermichel,„von dem man nicht weiß, ob seine Dummheit größer oder sein« Gewissenlosigkeit", beweist mit einem Schlag«, beziehungsweise mit einer feige» Flucht, daß all da- Gercoc von dem Fehlen feder orga- nisatorischen Verbindung zwischen sudetendeut» schcn GcsinnungS« und reichsdeutschen Tothunnen leeres Gewäsch war. Nicht nur PetermichelS Flucht und die nnbe- sonne,ie Erklärung der Verteidiger beweisen diese Tatsache, sondern der„Tag" selbst durch sein Ber- halten zu unseren Feststellungen. Er schweigt nämlich, schweigt mit einer AnSdaucr, die wir an ihm nicht gewohnt sind. Am vergangenen Dienstag erschien die Erklärung der Verteidiger, am Freitag nabmen wir ausführlich zu ihr Stellung und verdeutlichten sie und erst in der Sonntag» Ausgabe des„Tag" erschien eine parteiamtlich« Kundmachung, in der mitgeteilt wird, Petermichel sei im Frühjahr 1988 wegen unehrenhafter Handlungen ans der Partei ausgeschlossen worden. Die ganze Erklärung bringt ungefähr zum Ausdruck: Ja, ja, fast hätten wir vergessen zu sagen: die Verteidiger haben mit dem Hinweis auf den Ausschluß natürlich recht, wir danken ihnen, daß sie unS an diesen Ausschluß erinnern. Seltsamerweise fällt nämlich der angeblich« Ausschluß des Petermichel in die Zeit nach seiner Flucht, nämlich, vage genug,„iuS Frühjahr 1938". Wann und wo dürft« Petermichel da die„unehrenhafte Handlung" begangen haben, die Auüschlußgrund gewesen sein soll? Und noch etwas ist merkwürdig! Der Umstand nämlich, daß „Ter Tag" seinerzeit von diesem Ausschluß der Parteivffcntllchkcit nicht daS geringste mitgeteilt hat, obzwar er doch im Interesse d«r eigenen Partei bazn verpflichtet war. Er mußte doch die Parteigenossen vor einem unehrenhaften Subjekt warnen, das mit der ihm vom„Tag" umgehängten Märtyrcrgloriole gut« Geschäfte n«achen, das seinen Märtyrerruf mißbrauchen konnte! „Der Tag" bctveist in derselben Nummer, In der er der Erklärung der Verteidiger b«istimmt, nämlich in der Ausgabe vom Sonntag, den 13. August, daß Ausschlüsse aus der Parte, sogar in Fettdruck mitgeteilt zu werden pflegen: auf Seite 7 macht er Mitteilung vom Ausschluß eines Pg. Tuch, der nicht wegen unehrenhafter Handlungen, sondern nur wegen parteischädigenden Verhalten- aus der Partei entfernt wurde. Nun kann der Hinweis darauf, daß in der nationalsozialistischen Bewegung Unehrenhafte und Verbrecher hochangesehcn sind und um ihrer Taten willen werden, nicht so ohne IveitcreS im Falle Petermichel als Entschuldigung gelten. Denn di« Nazis mußten wissen, daß der Petermichel nicht irgendeiner, sondern«in„Märtyrer" war und die Ehrung von Verbrechern zwar von der„Bruderbrwegung" zum Gesetz erhoben, hierzulande aber im allgemeinen noch nicht üblich ist. Aber vom Ausschluß des Petermichel erfährt man trotzdem er st Monate nachher und erst nachdem, oder, besser gesagt, w«il die Herren Verteidiger von diesem Au-fchluß sprachen. Nicht» ander«» als di« hier besprochene magere Erklärung der DNSAP>var bisher zu lesen— keine Ableugnung, keine„berichtigende" Darstellung. Nur verlegene Ausreden, nur allge- meine Redensarten. Die» ist ein Eingeständnis der Schwäche, ist die Selbstcntlorvung der Heuchler, ist die Entfernung ihrer Tarnkappe. Die Nationalsozialisten köstnten ihre Situation nur dadurch verbessern, daß sie«inige klar« Fragen beontworten. Nämlich: An welchem Tag« wurde Petermichel ausgeschlossen? Wegen welcher Handlungen wurde er ausgeschlossen? von Wilcher Parteistelle wurde er au-geschlossen? Wie wurde der Ausschluß publik gemacht? Wenn er nicht publik gemacht wurde— warum nicht? Warum schweigt man zur Erklärung der Verteidiger? Ist« richtig, daß man von ihnen nicht abrücken kann wegen der finanziellen Berpflich- tungrnauSdemBalkSsportprozeß? nininniiiiiiiinmniiiniiiiiiiiiiminiiiiiimiininnniininnninnminnnniinnnnininninnniinnnininmnniniuiiniiininiiimniiiininniniiiiiniiiimiinnninmiiiuinniiinnmiiiiiniiitniinninmiinin Me sie d!e Arbeiter belüge«! Da»„Rudö Prüvo" bracht« am 11. August einen Leitartikel» in welchem an Hand konkreter Ziff«rn dargelegt wird, wi« durch die Neu- rcgelung des Genter Systems die Arbeiterschaft geschädigt werde. Das Blatt führt«kUe Reibe von Praktischen Beispielen an, di« teilweise richtig sind. ES ist allerdings bemerkenswert, daß die Kommunisten als Grundlage für ihr« B«» rechnungen hauptsächlich organisiert« Arbeiter nehmen, die einen Wochenbeitrag von 8 Kö in ihr« Gewerkschaft bezahlt haben. Es scheint, daß bei den Kommunisten der Sinn für eine gewerkschaftliche Kampfkraft nicht gerade allzu hoch entwickelt ist und daß sie«s am liebsten sähen, wenn jemand Unterstützungen beziehen kann, ohne dafür überhaupt etwa- zu leisten. Das Blatt kann eS sich nicht versagen, zwischen verschieden« richtige Beispiel« einig« ander« hineinzuschmuggrln, die den Eindruck besonderer Härte erwecken sollen, jedoch in keiner Weise den Tatsachen entsprechen, sondern pure Erfindungen der kommunistischen Dresse sind. So wird rin Arve',ter Z«l« n k: Hem«, in der Zeit fieberhafter Aktivität jener, di« die Grundlagen des Trianonrr Friede isS diplomatisch untergraben und den Frieden in den Augen ber urteil-fähigen ausländischen Ocs- jentlichkeit kompromittieren wollten, sind wir Zeugen verschiedener Versuch«, di« speziell auf d>« Slowakei, auf ihr Volk wirken und dessen feste Ruh« und unerschütterliche- Vertrauen zur tsch«> choslowakischen Republik abschwächen, untergraben und erschüttern wollen. Diese Versuche erfolgen sowohl jenseit- der Grenzen al« auch daheim. Dies« Verfuche sind jedoch vergeblich. Das stowa tische Volk und die in slowakischen Schulen dec Republik erzogen« slowakisch« Generation sind für immer für jede hu n garist Ische Idee verloren, möge sie in welcher Form immer auftreten. * Die montägige tschechische Nachmittag-vresse widmet den Vorfällen naturgemäß eingeycnve Betrachtungen. Die nationaldemokratische Presse sucht Hlinka zn entschuldigen, in dem sie davon spricht, daß der streitbare slowakische Geistliche „undisziplinierte Anhänger" habe. Das kommunistische„Rudü Pravo" wieder weiß zu berichten, daß sich nach der Frier in der Wohnung deS Senators Buday Vertreter der Hlinka-Partei mit tschechischen Fascistcn, radikalen Nationaldemokraten und Stribrnyanhängcrn zusammen- gcftlnden und eine Beratung abgehalten haben DaS Abendblatt des„6eskü Slovo" spricht von aufgelegtem Hochverrat und sagt, daß der Verlauf der Feier ein Skandal gewesen sei. Jede Schwäche des Staates in der Slowakei sei schädlich. eS müsse Ordnung und Sicherheit hergestellt werden.„Telegraf" nennt das ganze eine antistaatliche Demonstration Hlinka» und sagt, daß die Ordner in Nitra nicht ans ihrem Platze tvarcn. Die Regierung müsse in der Slowakei ihre Autorität erhalten und es dürfe nicht geduldet werden, daß der Landcspräsidcnt niroerge» lchrien werd«.„VeLernik Pravo Lidu" führt auS. daß Hlinkas Anhänger auf die Demonstration vorbereitet waren. Es sei interessant, daß Hlinka sich auf die Demonstration durch eine Messe in der Nitraer Piaristenkirchr vorbereitet habe. * Die Demokratie muß hart sein! Neutra, 14. August. Nachmittags um 15 Uhr sand di« feierliche Uebergab« der neuen Wirt- lchaftSschul« in Neutra an di« slowakische Oefsent- lichkcit statt. Minister Dr. HodLa hielt eine Rede, in der er erklärte, gestern bei der Manifestation auf dem Flugplatz have Abgeordneten Hlmka der Slowakei ein« Art Deklaration übergeb«»; wir jedoch, sagte der Minister, bringen dein slowakischen Volk kein« Deklaration, tvir bringen ihm vielmehr Taten, und ztvar iMiPisächlich Schulen, di« das sloivakische Volk auf da- Niveau des tschechischen Volkes heben sollen. Sich zu den Ereignissen vom Sonntag wendend, sagte Minister Dr. HodLa, daß Li« Demokratie bisher gegenüber den umstürzlerischen Elementen allzu milde vorgegangen s«i. Aber in dem Llugenblick, wo diese umstürzlerischen Bestrebungen ein gewisses Maß überschreiten, muß auch die Demokratie zur Härte greisen und di« Zügel anziehen. Erne Deinokratie, die nicht imstande wäre, l,art zu sein, würde zur Anarchie führe». 81 Die Sache mit Boms Kriminalroman von Grefe Hartwig „Aber, warum hast du mich irrcaefichrt? Warum hast du mich bis gestern in dem Glauben gelassen, du habest schon vor mir«inen Geliebten gehabt? Das mußte doch die Möglichkeit einer Hingabe an mich entwerten!" ,Lch wollt« von dir nicht für bürgerlich, für unmodern, für berechnend und verlogen gehalten werden. Das hätte dir nicht nur Trugschlüsse auf mein Leben als Weib, sondern auch aus die Fülle meiner Künstlerschaft gestattet. Keuschheit an sich gibt es Lock) nicht. Da muß doch irgetld etwas dahinter lauern. Kleinlichkeit oder ein GeschäftS- interesie. Ich hatte Angst, du könntest mich für eine wohlerzogen« Zierpuppe halten, deren Leben in den Grenzen ihrer Erziehung beschlossen lag uud ich will doch in deine» Augen ein Mensch sein, der den Mut zu einem eigenen Leben bat. Ich wollte auch deine Hemmungen, mich zu Heiner Geliebten zu machen, zerstreuen. Vielleicht hätte«in übertriebenes Verantwortungsgefühl dich daran gehindert, mir dies« Reise nnd die damit verbundene Liebesfreiheit Voranschlägen." „Ich sehe, daß du eigentlich eine sehr schlecht« Meinung von uns Männern hast. Nur eines bedenke: Wenn sich daS Äegenüberstehen zwischen Mann und Frau gewandelt hat, wenn der Mann der Frau heute mehr' GeschlcchtSrecht« einräumt, als vor dem Kriege, so ist daran zum geringeren Teil Aufklärung und ein« nett« geistige Orientierung deS ManneS schuld, sondern zum größeren Teil di« in den letzt«« Jahren immer klarer zutage tretende Unzulänglichkeit deö ManneS. Di« Potenz deS Mannes hat durch Krieg und Nachkriea gelitten, sie leidet weiter durch Sport und Härte d«S Leven», der Mann kann also nichts dagegen haben, wenn di« Frau sein« Schwäche mit der Kraft eine» anderen erseht. Weiter ist daS wirtschaftlich« Uebergewicht de» ManneS gefallen, di« Frau ist in den Produktionsapparat eingetreten, arbeitet, leistet, verdient, schafft sich die eigene gesellschaftliche Stellung. Der Mann muß endlich seelisch au»gl«ichen, wo er materiell versagt. Ferner ist die LiebcSfähig- keit der Menschen durch die Raschlebigkeit deS MaschinenzeitalterS stark gesunken, und zwar bei dem Manne, als dem seit Generationen Aktiven, stärker als bei der passiven Frau. Ich aber, bei dem diese drei Punkt« nicht zutreffen, kann mich nicht seelisch auf einen sogenannten Fortschritt einstellen, der nur dem anderen gelegen kommt. Ich liebe dich voll und ganz, ich nehme jede Lei- Ö auf mich und auch der erste delikate Punkt .t mir kein« Schwierigkeiten. Bin ich also ein Reaktionär, bloß zu Haus«, bloß in meinen vier Wänden, so dehne das bitt« nicht auf mein sonstiges Leben au»! Sei du niein gutes, kleines Mädchen!" „Sei beruhigt! Ich bete dich an, wie«S sich auch vor fünfzig.Jahren geziemt«. Aber ich will nicht verlogen sein, wie e» damals scheinbar da- zu gehörte. Ich bin unberührt auS Zufall, ober ich freue mich, daß e» so ist, Weik du darin mehr Garantie Nleiner Gefühle erblickst, al» in einer Betetierung. Weik du mir nun glaubst, daß mit dir mein neues Leben beginnt." „Ich bin ein Bürger! Ja, ich geb««S zu. Aber, ist es nicht anständiger, daß ich meine Forderungen an dich heute schon klar formulier«, als daß ich dir theoretische Freiheiten vorgaukle, di« ich in der Praxis nicht gestatten werde? Ich begehre dich al» mein Eigentum. Soll ich c» leugnen?" „Und meine Freiheit? Mein« Menschenwürde?" „Die Ehe schreit nach einer SIWorm.(?» gilt, verschnörkelt« G-'.-iu' zu bekämpfen, alte Ehrenstandpunkte zu revidieren, gesellschaftlich« Vorurteil« zu brechen. Aber e» geht nicht an, Treu«, Monogamie, Eifersucht al» unmodern zu verspotten. ES soll nicht«in alte» Dogma durch rin neues ersetzt werden: alte Gefahr bei jeder Revolution! Ich verachte ein« Dirn« keineswegs, aber ich möchte nicht mit ihr leben. Der gesellschaftliche Unterschied zwisck-cn legaler und freier Lieb« muß fallen, der bcschänrerrde Unterschied zwischen Frau und Fräulein, der gemeine zwilchen ehelichem und unehrlichem Kinde, der rechtliche zwischen treuer und treuloser Fran. Aber, wer liebt, will besitzen und allein besitzen. Deine Freiheit kann ich dir nur so weit gewährleisten, so lange sie di« meine nicht gefährdet, dein« Menschenwürde nur, so lange st« meine nicht gefährdet, deine Menschenwürde nur, so lange sie meiirc«richt reduziert. Vielleicht wird In späteren Zeiten unser Gefühlsleben refornu'ert sein, dann werden Neneninaen einen befriedigenden Sinn haben. Wir wissen, daß das Heim zerfällt, aber wir haben keinen Ersatz, unS darin zu verankern. So bauen wir beide uns unler .Heim, da».Heim der alten Zeit, bi» die neue Zeit nn» fvrtschwemmt oder emvorreißt." „Politik und Liebe?" fragte Lillian ungläubig. „Politik überall! Wir fühlen«S kaum! Drum lass« mich bei dir daS vorige Jahrhundert abreogieren. damit ich draußen im Leben kämpfen kann." „Und wenn ich selbst känipferisch. wenn ich revolutionär, wenn ich... ivenir ich politisch tätig wäre?" „Dann würdest auch du in deinem Kampfe vor unserer Tür halt mache». Keiner dürste des anderen Kraft stmltcn. Und die Verantwortung trügen w>r dann gemeinsam. Sei Politikerin, sei Künstlerin oder.HauSmüttcrchen. Nur sei »Miner ganz die Meine. Noch eines: Ich verlange alle» dies nicht von dir. ich letze es als selbstverständlich voraus. Du kollst nicht tun, was ich will, du sollst wollen, was ich will. Dann sind w«nn der Arbeitslose au« irgend welchen Quel- len ein Nebeneinkommen bezieht, das dem Tariflohn«iires Arbeiters derselben Kategorie oder dem ortsüblichen Lohn entspricht. In keinem der beiden vom„Rudö Prävo" genannten Fällen kann also nach der Regierungsverordnung eine weitere Kürzung des Staatsbeitrages erfolgen und die ArveitSlosen sollten r» sich Wohl überlegen, ob sie di« Vertretung ihrer Interessen Menschen anvertraucn wollen, die ohne die geringste Sachkenntnis ein- fach hetzen und das Bürgertum darauf vorbcrei- trn, daß man gegebenenfalls noch weitere Der- fchlechterunacn durchführten könnte. Wir sind gewiß die letzten, die etwas dagegen einzuwendcn haben, daß- Die Regierungsverordnung kritisiert wird, weil sie tatsächlich sehr viele Harten enthält. Es erscheint nn» jedoch, außerordentlich schädlich, wenn man unbekümmert um die Tatsachen zwischen den Arbeitslosen Agitation treiben will, um sein dünnes Parteisuppchen auch noch an der Not der Erwerbslosen zu kochen. Goering verteilt Kommunist Isdie Flugblätter. Ueber drei Wochen sind vergangen, seit Goe- ring seinen blutigen Entwurf„zur Sicherung de» Rechtsfrieden»" einbrachte— und noch immer wurde dieser morphiumgetränkte Sadi- stcntraum nicht zum Gesetz erhoben, obgleich die Sache erst so eilig war, daß Goering im Flug- zeug au» der Sommerfrische herbeieileu und über Nacht eine„Geheimsitzung" einberufen mußte. Goering winkt mlfgercgt mit dem Zaunpfahl und mit dem HenkrrSbeil— aber Hitler will nicht. Also muß Herr Goering ihm zu beweisen suchen, daß der„StaatSfeind" nicht ohne Galgen, Beil nnd Flinte im Schach zu halten ist. Wie macht«nan das? Verfolgte, die von Berlin nach Prag geflüchtet sind, berichten übereinstimmend, daß in Goering» Sadistenreich nach einer neuen, grenzenlos gemeinen Methode gearbeitet wird. Auf der Straße Praktizieren bezahlte Schnste— wahrscheinlich SA-Männer— mißliebigen, mit Vorliebe jüdischen Mitbürgern „kommunistische" Flugblätter in die Tasche— an der nächsten Ecke wartet SA, nm die Beweisstücke staatsfeindlicher Gesinnung zutage zu fördern und die unglücklichen„Ertappten" abzuführen. In die Häuser, in die Briefkästen werden gleichfalls solche Schriften in großen Mengen getragen. Kaum sind die Verteiler weg, dringt schon ein SA-Trupp in die Wohnung,„entdeckt" natürlich die verbotenen Drucksachen unb schleppt wie gewöhnlich wehrlose Unschuldige ins Verderben. Herr Goering aber stinkt seine Heldentaten nach Bayern:„Wieder ein Kommnnistennest au»- gchobeni"— Adolf Hitler, der Volkskanzler, kennt natürlich dir Methoden seines Hauvthen- kerS, kannte sie schon vor dem Reichstagbrand, der nach gleichem Rezept gefertigt wurde. Aber Hitlers Hände sind nicht minder blutig als die deS Brandstifters; daß schuldlose Volksgenossen zu hunderten hingeschlachtet werden, kostet ihn bestimmt keine schlaflose Nacht. Wenn nicht persönliche Gründe ihn davon abhalten, wenn er nicht dem Rivalen Goering einen Streich spielen will, dann wird er das sadistische Gesetz„zum Schuhe des RechtSsriedcn»" wohl unterzeichnen. Unterschreibt also Hitler, so bekommt der Henker noch mehr Arbeit als bisher— unterschreibt er nicht, so erledigt die SA. ihre Opfer auf kaltem Wege. Für daS gequälte Volk ist's kaum ein Unterschied. wir Freultde und Kameraden, ohne diese Worte aus unser Eheprogramm gesetzt zu haben." „Ich will dich nur lieben! Das ist mein stänker Anspruch an das Leben", sagt« Lillian innig. „Wenn wir einander eines TvgeS nicht mehr lieben sollten, dann haben wir noch immer Zeit, moderne Menschen zu sein." „Wir werden einander immer lieben!" sagt« Lillian in ekstatischem Schwur. 26. Der weitere Weg. „Der Arzt meint, daß es erst in den frühen Morgenstunden so weit sein werde", tagte Hilde- gard.„Jetzt ist es mir übrigens etwas leichter." „Kott sei Dank!" sagt« Borris. „Es Ist überhaupt nicht so schlimm", meinte sie mit mattem Lächeln.„Mach dir nicht wlchr Sorgen!" „Wenn ich bei dir sein könnte! Aber so?!" »Ihr« schwere Stunde muß eine Frau allein durchleiden. Das ist nichts für euch Männer." „Ich werde jedenfalls nach Mitternacht anruf««, um zu erfahren, wie tveit es ist." Er streichelte ihre Hände. „Weißt du schon das Neueste? Lillian hat geheiratet. Schon im Mai", fuhr«r fort. „Diesen Rechtsanwalt?" fragt« Hildegard. „Ja. Sie scheinen sich sehr zu lieben. Sie schreibt, sie werde mir demnächst«in Bild von ihm senden. Er ist übrigens sehr reich. Ich bin froh, daß«S ihr gut gehr." „Und geht sie von der Bühn« fort?" „Nein, sie gastiert da und dort. Ihr Mann hat nichts dagegen. Ansonsten dürfte sie so«in« richtige Gesellschaftsdame werden. Si« hatte immer-Hang zu Nichtstun, aber si« wollte immer dafür belohnt lein. Luxus nnd Erfolg, da- ist ,hr Lebenselement." (Fortsetzung>oigl.) Nr. 189 Dienstag, 1B. August 1988 Seit« 3 Verschärf oing des dcutsdi-östcrrcldilsdicn Konfliktes. Eine Tal des Kulturellen rranKreidi denen die oiitmisdicrei der dunnenpresse. Kein Mittel ist den Nazis zu sckilccht im Kampse gegen die hungernden Emigranten.„Der Tag" klatscht Beifall, tvenn die in Deutschland gebliebenen Führer der Linken in Konzentralions- lager gesperrt und ermordet werden und verleumdet jene, die sich in Sicherheit brachten. Er scheut sich nicht, zu diesem Zweck sogar i» eine Einheitsfront nut den tschechischen Fascisten zu gehen, über welche Tatsache noch ausführlicher zu reden sein wird. Im„Tag" voin vergangenen Sonntag gehl e§ gegen die in Frankreich lebenden Emigranten.-Herr Bicrerbel zitiert ein sranzösisches Wochenblättchen, von dessen Existenz man eben durch das Zitat etwas erfährt. Tas Blättchen heißt„Cyrano" und es ist hundert gegen eins zu wetten, daß es von der Hunnenregicrung be. stochen ist. Unter der im„Tag" vierspaltig wieder- gegebenen Ucbcrschrift„Frankreich beherbergt einen fürchterlichen internationalen Abschaum" macht es in der verlogensten Weise Stimmung gegen die armen Teufel, die nichts auS dem Hunnenreich retteten als Vie heile Haut — und den Willen zur Rach«. ES kann nicht fehlen, daß„Der Tag" auf Grund dieser -Hetze auch bei den Tschrchischbürgerlichcn tviederum seine Visitenkarte abgibt und sich erbötig macht, bei der Vernichtung der Emigranten- in treudeutscher Art muzuhelsen. ES gibt aber neben dem Gvssenblatt„Cyrano", das weit davon entfernt ist, ein Künder fron, zöfischer Kultur zu sein» noch ein anderes Frankreich. Es ist sogar daS offizielle, das durch diese amtliche Meldung mit der hunnischen Sudelpresse' aller Zungen polemisiert: Paris, 13. August. An Paris hat sich ein Komitee für vle Berteivigung der Rechte und Interesse« der Anden in Zentral» und Osteuropa gebildet, dem n. a. folgende PerfSnlichkeite« ange» HSren: Unterrichtsminister de Monzie, der Staatssekretär für Volkswirtschaft Raymond Patenotr« sowie die früheren Minister Tlandin und Senator Godart. Zu dieser Abfuhr ist kaum noch etwas zn bemerken. nie Vandalen an der grenze. Verhaftungen in Sebnitz. Nach längerer Ruhepause fand!m benach- oarten Sebnitz eine Razzia der Mordbrenner- gesellschaft des Dritten Reiches statt, deren Ein- zelheiten nun bekannt werden. Früh halb 8 Uhr umstellten gegen 3V Banditen die Häuser nahe de^ Grenze. Nachdem auf ihr Klopfen die HauS- türen geöffnet worden waren, wurden die In- wohner festgchalten, während andere» die"Wohnungen nach Belastungsmaterial durchsuchten. Banoalisch ging man dabei zu Werke. Nicht nur Schränke, Schubladen wurden durchwühlt und der Inhalt in der Stube umhergeworfen, sondern auch die Ofenrohre, ja sogar die Ofenbuch, sen wurden herauvgerissen, so daß die ganze Wohnung mit Ruß belegt war. Kinder wurden au» dem Schlafe gerissen und die Betten durchwühlt. Nachdem die Haussuchung beendet war, wurden die armen Proletarier al» Schutzhäftlinge fortaeführt. Die Gemeinheit der Banditen ergibt folgendes Beispiel: Ein Arbeiter, der sich noch nie politisch betätigt hat, dessen Sohne man einzig die Mitgliedschaft bei einem Ardeiterturnverein nachweisen kann, wurde samt seinem Sohne und der Gattin verhaftet und wrggeführt. Dabei nahm man keine Rücksicht auf die 20jährige Tochter, welche schwer ncrvcnlcidend und nicht imstande ist, auszustehen, ja nicht einmal allein Sen kann. Drsäleichen war hier ein noch nicht ulpflichtigcs Mädchen, welches nun von einer Nachbarsfrau ausgenommen und bewirtet tvird. Ein anderer Arbeiter(Tschechoslowake), der in der Nacht um 9 Uhr vom Urlaub auS Prag zurückkehrte, dessen Wohnung man am Morgen ebenfalls aufgeorochen und alles durchwichlt hatte, wurde sofort nach seiner Rückkehr in Haft genommen. Auch dieser hat sich politisch nicht betätigt, aber er hat eine Tschechin zur Frau. Insgesamt wurden gegen 30 Personen verhaftet, deren Familien nun dem größten Elend überlassen sind. Der Sprang vom nohnstein. von de« 30 aus Sebnitz nach Hohnstein Überführten Schutzhäftlinaen hat Gen. Glaser Selbstmord begangen. Glaser aus Ottendorf bei Sebnitz,«in ruhiger Mensch, welcher bereits zwölf Wochen Schutzhast in Hohnstein hinter sich hat, wurde neuerdings in Schutzhaft genommen. Bei seiner Verhaftung rief er:„Mich meuchelt man nicht mehr!" Seinem Ausruf getreu sprang er bei seiner Einlieferung in di« Burg Hohnstein über die Brüstung mehr als 100 Meter tief in de« Bärenzwinger. Sein Leichnam wurde am Samstag im Krematorium verbrannt. lieber lall oder Notwehr? Wanne-Eickel, 13. August. In Wanne-Eickel wurde ein SA-Mann von Kommunisten überfallen(!) und furchtbar zuarrichtet. Er liegt mit einem Schädelbruch in fast hoffnungslosem Zustande im Krankenhaus darnieder. Zwei der Täter wurden festgenommen und dem Richter zu- geführt. Wien, 14. August.(Eigenbericht.) Die Wiener Arbeiterzeitung schreibt in ihrem DienS- tag-Leitartikel: Durch die von der„Reichspost" veröffentlichten Dokumente über den Arbeit«, plan der Nationalsozialisten zur Gleichschaltung Oesterreichs, hat sich dir Spannung zwischen den beiden Staaten nngemei» vergrößert. Au« diesen Dokumenten geht nicht nur eine schwere Verletzung der österreichischen Gesetze hervor, sondern eS wird ersichtlich, daß hier von Seite eine« Staates gegen einen andern, mit dem er diplomatische Beziehungen unterhält, feindselige Hand, lungen gesetzt werden. Die Welt weiß nun, wa« von den Berliner Versicherungen zu halten ist. Hier gibt e« kein Verhandeln mehr, denn der „Völkische Beobachter" sagt in den letzten Tagen mit aller Deutlichkeit, welche« Ziel von Deutschland« Machthabern angrstrebt wird.„Unser Werk wird erst gekrönt sein, wenn die unter furcht- barem Terror lebenden Brüder au» Oesterreich heimgefunden haben," heißt e« u. a. in dem betreffenden Artikel. Deshalb sei e« an der Zelt, mit allen verfügbaren internationalen Mitteln gegen Deutschland vorzngehen. Die Mehrheit de« österreichischen Volke« und die Mehrheit der zivilisierten Menschbeit werde alle diese Maßnahmen, die zum Schutze Oesterreich««rgrissen werden, gutheißen. Nach der Meinung der„Arbeiterzeitung" fei e« mehr al« fraglich, ob nach Bekanntgabe der Dokument« der deutsche Gesandt« noch in Wien bleiben könne. Wenn ihn Die Presseberichte des-Jnternationalen Gc- werlschastsbundeS bringen den Wortlaut der Entschließung des Internationalen Gewerk- schostSbundeS, mit welchem der Boykott gegen deutsche Waren beschlossen wurde. Die Entschließung lautet: „D«r vom 30. Auli bis 3. August 1983 in Brüssel tagende 6. Ordentliche Internationale Kongreß de« Internationalen Gewerkschaftsbunde» bekundet auf» neu« feinen Willen, die Freiheit und die Demokratie bi« aus« äußerst« zu verteidigen und dem Fascismus sowie de« Dikta- turen in allen ihren Erscheinungen Widerstand zu leisten. Er stimmt, einmütig de« gemeinsamen Pariser Beschluß de» Vorstand«» d« Jnteruatio- ualen Aewerkschaftsbunde« und des Büros der Sozialistischen Ardeiter-Anternatwnale vom Mal 1033 zu, der di« Greuel und de« Terror d«S Hitler-FasciSmus brandmarkt. Di« außergewöhnlichen Gefahren, di, der deutsch«' NNttvnäksozialwmua au»«st.-fordern Mrleckialleaalmrdeiomi änrcki«landen. Kapitalistische» Wasser in den„sozialistischen Dein. Köln, 13. August.(Tsch. P--D.) Reichüwirt- schastSminister Dr. Schmitt sprach heute in Köln auf dem„Kongreß der deutschen Arbeit am Rhein". Er führte u. a. auS: Wir dürfen nicht glauben, daß alle« von selbst kommt und daß wir wirtschaftlich von Sieg zu Sieg schreiten könnten. Wir dürfen nicht glauben, daß wir durchgewaltsame Eingriffe, durch Siegmeld ungen über Beseitigung der örtlichen Arbeitslosigkeit das große Problem der wirklichen Beseitigung der Arbeitslosigkeit er- reichen können. Ohne ArbeitsbeschassirngSprograinm gehe e« nicht. Die Regierung werde auf diesem Gebiete Inn, was überhaupt menschenmöglich ist. Aber diese Arbeitsbeschaffungsprogramme werden immer nur eine Zündung bedeute«. Der Mensch dürfe nur etwa« unternehmen, was Wirtschaft- l i ch vernünftig sei. Plan müsse zunächst die Atmosphäre dcS Vertrauens, eine» starken Staat schaffen. Dann hätten wir dcn ersten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Jeder falsche Optimismus fei der Anfang eines Rückschlages. Ein zweiter außerordentlich wichtiger Punkt sei die Frage unseres ganzen Geld- und Kapital- Marktes. Er sei aber nicht so knapp, wie es vielen erscheine, weil nämlich das ausländische Kapital infolge der TcvisenzwongSlagc nicht hinaus käme. TaS Kapital sei knapp, weil eS sich nicht in irgend etwas hineintraue. Nicht nur nicht in Unternehmungen und in Aufträge, sondern auch sticht einmal auf dem Kapitalmarkt selbst, weil auch hier eine Unruhe ist durch die vielen theoretischen Diskussionen der Folge zwangsweise Herabsetzung deS Zinsfußes" und Gott Weitz, was alle«. Wir müsse« dafür sorgen, daß wir durch d e u freien Markt eine leistungsfähige, und konkurrenzfähige Wirtschaft haben, die aus, kon- kurrenzfähig bleibt im Hinblick auf daS, was daS Ausland kann und leistet. Die RrichSregierung habe durch gesetzliche Maßnahnle» die Mittel geschaffen, um überall dort, wo es sich um Mißstände handle, einzugreiseu. Die Reichsregierung werde nicht zu- rückschreckcn, Schädlinge, die sich in falscher Er- kenntni» ihrer eigenen Interessen an der Gesamt- heit versündigen, auszumerzen und ihnen ihr Treiben unmöglich zu machen. Deutschland nicht abberuse, dann werde Oesterreich seine Abberufung fordern müffrn. Jedenfalls sei die Lage außerordentlich ernst und lasse die weitesten Schlüsse zu. * Oer Annriffsplan der Nazis Segen Oeslerreldi verOHentlidit. Wien, 14. August. Die„Reich-post" ver- osjentlicht heute ein« Extraausgabe, dir unter dem Titel„Die Verschwörung gegen Ocsterraich" Dokument« und Akten über Zusammenhänge zwischen den illegalen Organisationen der Natio- nalsozialisten in Oesterreich und gewissen isiarte!- stellen und offiziellen Stellen in Deutschland enthält. Die„Reichspost" stellt einleitend ausdrücklich fest, daß sie für die Echtheit der Dvkumentr jede Gewähr und die-ainit verbunden« Beranl- wortlichleit übernimmt. LettimssdesrMüSnanme In Oesterreich. Wien. Die„Linzer Tagespost", die eine Me^ düng brachte, daß der Attentatsplan auf Star- Hemberg, bezw. die diesbezügliche Selbstairzcige erdichtet gewesen sei, wuroc beschlagnahmt, da diese Nachricht den Tatsachen nicht entspreche. Da«„Neue Wiener Tagblatt", daS diese Meldung von der„Linzer Tagespost" übernahm, verfiel heule ebenfalls der Konfiskation. außerordentliche Maßnahmen. Deshalb ver- hängt der Kongreß gegen die deut- fchen Waren den allgemeinen Boykott. Er begrüßt daS Vorgehen jener Landeszentralen, die die hiezu notwendigen Maßnahmen schon getroffen haben. Er fordert nun alle ange» schlossen«» Organisationen auf, je nach den vorhandenen Möglichkeiten unverzüglich all« Maßnahmen zu treffen, um den Boykott wirkungsvoll zu gestalten. Der Kongreß appelliert an die organisiert« Arbeiterschaft und an olle Menschen, di« guten Willens find, sich dem Boykott anz«schli«ßen nnd die Opfer des Kampfe» gegen den Fascismus durch freigiebig« Spenden für den Mattiottl- Fond» zu untcrftützen. Drr Kongreß sppzLjerf an all» noch Fmihist «n> Recht strebende» mit-»*'”'"ter. nationalen Arbtiterbeko- ig der Freiheit zu kämpfen fine Kultur gibt." v. SA garanUerl„M wmair Sozialisierung erst in Jahrhunderten. Friedrichroda, 13. August. Jur Rahmen dcS in Friedrichroda abgchaltenen Deutschen Tages fand«in Thüringer Parteitag statt, auf dem Reichsstatthakter Sauckcl eine bedeutsame Rede hielt. Er führte n. o. aus: Weil wir dir Macht haben, erwächst für uns dis zuin kleinsten Führer auch eine riesengroße Berantworluug gegenüber dem Schicksal des gesamten Volkes und gegenüber der Geschichte. Wir brauchen keine Angst haben, daß uns die Macht genommen wird. Dasür bürgt unü die SA und dir SS. Allen Persnchon, allen Einflüsterungen,»ns zu üdercilten Maßnahmen zu verlcilc», müssen Sie, meine Herren, als wahre Führer dir Stirn biete». Weil wir die Macht habe», und weil diese Macht von den Vertrauensmännern der Partei auögeübt wird, haben Sie al» Amtswalter der Partei unter keinen Umständen das Recht, irgendwie selber in dir Verwaltung einzugreisen. Es ist der unerschütterlich« Wille des Führers, daß in keine nationalsozialistische Behörde irgendwelche Eingriffe von irgendeiner Seit« vorgenonimen toerden dürfen und Sian das Gleiche gilt auch von der deutschen irtschast. Sie müssen diese Anordnungen i n Bezug aus di« Freiheit der Wirtschaft unbedingt restlos befolgen. Seien Sie der Uebcrzeugung, daß es nicht darauf ankommt, in welchem Tempo wir den Nationalsozialismus als Weltanschauung durchführen, sondern es kommt darauf an, wie er diirchgeführt wird. Wenn wir n»S anheischig machen, jetzt dcn Charakter der Zeit für das kommende Jahrtausend zu bestimmen, dann müssen Sie sich klar darüber lei», daß Sie unser Programm und unsere Ideen nicht in einem Jahrhundert durchführe» können, sondcrn daß darüber vielleicht 200 oder 300 Jahre vergehen müssen. Gerade Sie als Führer müssen die Kraft besitzen, dort etwas vorwärts zu treiben, was vorwärts getrieben werden muß, gleichzeitig aber auch dort Disziplin zn verlangen, wo Disziplin verlangt werden muß! Als die großen Aufgaben bezeichnete sodann Sauckel, in Deutschland eine Autorität zu errichten, den europäischen Frieden zu bekommen, und das deutsche Volk in seiner Gesamtheit wieder in Arbeit zu bringen. Keine ArbeHsdlensipOhhO Leipzig, 12. August.(Jnpreß.t Um die aus-ü sehencrrcgcndcn Enthüllungen über deutsche| Rüstungen zu„entkräften", die Gco London im I Pariser„Journal" veröffentlicht Hal, betont da» i Blatt der Leipziger Industrie,„Leipziger Neueste I Nachrichten", daß die allgemeine Dienstpflicht I die akü Arbeitsdienstpflicht getarnt wird,»nd| von London als militärische Vorbereitung de-/ nunziert tvird, anch ab 1. Jänner nicht einge-? führt werde» tvird. Bekanntlich ist diese allgemeine Arbeitsdienstpflicht eines der Kernstücke des nationalsozialistischen Regieriingsprogramms.\ Nenerlldier llehergriff der HaRenkrenzIer in der Sthweiz. Genf, 14. August. Ter von Mitgliedern ver den Ischen nationalsozialistischen Sturmabteilungen auf Schweizer Boden bei Basel durch nuberech-- ligles Einschrcilcn gegen einen des KomummS- muS verdächtigten deutschen Staatsangehörigen l-ervvrgernfene Zwischenfall, wurde durch eine beschleunigte Eiilschuldi'gung des deutschen Gesandten in Bern beigelegt.— Gestern ereignet« sich rin neuer Zwischenfall, der die Spannung zwischen Deutschland und der Schweiz wicdcrnm erhöhte. Reichsdeutsche Zollbeamte verhasteten aus einer einsamen kleinen Insel bei Kaiser-Augst mit dein Revolver in der Hand zwei fchwcizcrnchc Arbeiter, weil sie in den Sachen, die di« Arbeiter bei eineni Familienansfliig mitgeiionimen hallen, eine alte Nuniiner des Blattes„Baseler Bor« wärt-" und da» gedruckte Lied„La Bandirra Rosia" vorsanden. Als die übrigen schweizerischen Arbeiter die Verhaftung ihrer beiden Genossen nicht zulassen ivollten, und zwar unter Hinweis daraus, daß die Insel, die Mitten int Rl>ein lieg!, der Schweiz gehört, wurden sic von den denlschen Zollbeamten, die Zivilkleider trugen, mit Schuß- ivaffen in Schach gehalten. Die beiden verhafteten schweizerischen Arbeiter wurden>»> Vezirks- gesängnis in Lörrach nntergebracht. Der Zwisck-eii. fall wird von den schweizerischen Behörden wegen evrnniclleni Einschveilen in Berlin untersilch' Röhm beschaut sich seine Jungen Berlin, 13. August. Als Abschluß des ersten Appells der Schutzstaffeln Gruppe Ost sand heute hier rin Aufmarsch von rund 11.000 SS- Männern der Gruppen Berlin, Brandenburg. Ponimern und Grenzmark vor Stabschef Röhm, dem SS-ReichSsührcr Hiniler und dem Führer der Gruppe Ost Dalüge statt. Neuer PetroleumKrieg gegen Rußland. London, 14. August. Nach einer Meldung de»„Daily Telegravh" bat die Shell-Arnvpe nunmehr endgültig beschlossen, weder mittrloar noch unmittelbar mit russischem Petroleum z» handeln. Da auch die Standais' Oil-Gruppc die mit der Sowjetregieruna gs'-len Verholungen abgebrochen habe,"sei i>er russische Pt I.'okrilin» export in starkem Abnehmen begriffen. Dies sei für die Sowjets ein um so empfindlicherer Schlag, als die OelänSfuhr für Rnßland die einzige Sicherheit darstelle, die es eventnellen ausländischen Darlehensgebern anbietrn könne. vle Kubanische Revolution. Der Kongreß aufgelöst. Havanna, 14. August. Cespedes y Ortiz, der neue Präsident von Kuba, leistete gestern den Eid ans die Verfassung. Er erklärte, daß er eine nationale Regierung aus allen politischen Parteien bilden ivollc. Gleichzeitig gab er die Zusicherung, daß Kuba alle seine finanziellen Verbindlichkeiten gegenüber dein Anslande einhalten werde. Die Liberalen sollen dem nciien Präsiden len ihre Unterstützung zngcsagt haben, hätten cü jedoch öbgc- lrhnt, in das Kabinett einzutrcten. Cespedes y O r t i z hat den Kongreß und den Ober st e n Gerichtshof a n f g e l o st. Der Kriegszustand bleibt vorläufig bestehen. Während der Kundgebungen am Samstag und Sonntag sollen über 60 Personen, darunter 20 Mitglieder der Geheimpolizei, getötet und 200 verwundet worden sein. Die Anhänger des geflüchteten Präsidenten M a ch a d o werden von der Bevölkerung systematisch verfolgt. Unter den 50 zerstörten Wohnungen befinden sich auch di: deS Staatssekretär F e r a r a und des Vorsitzen den des O bersten Gerichtes G u t i e r e z. Wie die Assoriated Preß aus N a s s au aus den Bahama-Jnsrln meldet, ist M a ch a b o mit vier Begleiter»!m Flugzeug dort eingetrossrn. F r r a r a ist in M i a m i gelandet. Der Aufenthaltsort des ehemaligen Kriegsministers Her- re r a ist»nbekanni. Auf das HauS des neuen Präsidenten wurde wenige Stunde» nach der feierlichen AmtSein- führitng CespedrS y Ortiz ein Attentat verübt. Aus einem Kraftwagen beschossen unbekannte Personen, ivir man anninlint, Mitglieder der geheimen Polizei Machados, daS HauS mit Maschinengewehren, ES wurde jedoch niemand verletzt. Amerikanische Kriegsschiffe nach Havanna. New?) o rk, 14. August. Präsident Roosevelt hat den Befehl gegeben, daß sich drei Kriegsschiff« nach Kuba begeben, um bis zur endgültigen Wiederherstellung normaler Verhältnisse das Leben der amerikanischen Staatsangehörigen zu schützen. WMMWWMWMWIMWWIIlMWMiMMMlMMWWWMMMMWllMWWlllWlWMMWWWWWMlMMMWM MMim Mott gegen dentsdie Wen! W^ummiummMlMiM«lllllllNM«lIIIIIIMtWIIWWItIWIt»I>aiMIMIlllIIIIIIlIIIllIlIIIIIllIIllIIMlllllIIlWIIllIltl>llIIltlllIIlIlllIllIllIIllIIllIIlMIll!IlIllIIlIIIllltIIIIIllIIllllIIllIIlllIIIllW Seite 4 Dienstag, 15. August 1888 5k. 18« CT"-------*■— vttlltnmg. In Bezug auf den am 8V. Juni 1833 in dieser Zeitschrift unter dem Titel:„Aus einer Filiale des Dritten Reiches" veröffentlichten Artikel, erklären wir, daß die Behauptungen, welche in diesem Artikel enthalten waren, und sich auf den Bürgerschuldirektor in Fulnek, Herrn Emil Läuterbach, beziehen, auf unrichtigen JjVi- sormationen beruht haben, und widerrufen• deshalb als unbegründet. Die Redaktion. iem Buche, das Bebels Wesen, daS seine Persönlichkeit so schön offenbart, auf eine fast er- greifende Weise, weil— in dieser Selbstbiographie von niemandem so wenig gesprochen wird wie von Bebel! Hier tritt wirklich der Mann bescheiden hinter seinem Werk zurück, hier schätzt ein großer Känrpftr seinen Anteil an deir Kampferfolgen geringer ein, als ihm zukäme. Und schlicht und einfach, wie Bebel Ivar, so ist auch die Sprache dieses Buches, ist einfach-klares, gutes, richtiges Deutsch. Nie wollte Bebel anders wirken als durch Argumente, nie anders als dadurch, daß er zu überzeugen versuchte. Ein Kenner der neueren deutschen Geschichte, an der er selber gestaltend mit leilgenommen, erzählt von ihr— ein Kenner der gesellschaftlichen Schichtungen de» deutscheil Volkes, ein Kenner der deutschen Arbeiterklasse kritisiert die deutsche Klassengesellschaft, spricht vo>m Aufstieg der deutschen Arbeiter. Und wo uird wann immer Streif' lichter auf wissenschaftliche Seiten- und Nebenpfade fallen— es ist ein Fackelträger, der die Bahn ableuchtet,— es spricht immer ein Mann, der denken gelernt hat und eigene Gedanken hat.— Und nun vergleichet mit der Autobiographie dieses Führers ein anderes autobiographisches Werk, von dem in unseren Tagen so viel die Rede ist, mit Hitlers dicken Wälzer„Mein Kampf!" Ein eitler, selbstgefälliger Schwätzer schreit ununterbrochen„Ich! Ich! Ich!"— einer, der nie wirklich deutsch lernen wird, tveil ihm das Wesen der deut- schen Sprache immer fremd bleiben wird, tveil er das Besondere, da» Einzigartige- der Sprache nicht zu begreifen vermag, schreibt in abschenlich-schtvulstiganr Stil, den er wahrscheinlich für gehobene, dichterische Sprache halt,— und ein Nichtswisser schwätzt über alle Dinge. der Welt, über jede Wissenschaft, überheblich, affig-eitel, wie nur einer sein kann, der zu beschrankt ist/ um seine' Br» schränkt heil auch nur ahnen zu können.' Vergleichet doch! Zwei,Biographien— zwei Männer— zwei Führer... Vergleichet doch! Und dann, prüfet, ob nicht, doch der tote Bebel über den lebenden Hitler siegen muß, wenn anders nicht dos deutsche Bolt schon geistig zugrundegegangen ist, es seelisch und Listig nur noch em Scheinloben fuhrt. Reichenberger. Messe.(Zweiter Tag.) Die Frequenz des Messesonntags war eine überaus große und reichte an jene der Konjunkturmessen heran. Zu Verkäufen kam es in Garnen, Spitzen, Vorhängen, Stickartikeln, Schreibmaschinen und verschiedenen Erzeugnissen auf der technischen Messe. Reges Interesse zeigte sich für Pelzwaren, Wascherei- und Werkzeug, maschine«, Pumpen, Wäschemangeln, für Glaswaren, Porzellan, Spielwaren, Lederartikel und kosmetische Erzeugnisse. Der Besuch aus dem Ai, slande läßt mit Rücksicht auf die gegrn- tvärtigeu Verhältnisse, zu wünschen übrig, doch konnten schon am ersten Messetag Einkäufer aus Oesterreich, Ungarn, Deutschland, Bulga- rien, Rumänien und Italien evident gehalten werden. Wahrscheinliches Wetter heute: Im Westen des Staates Zunahme der Bewölkung, später auch Neigung zu Gewittern, mäßig warm. In der Osthalfte des Staates: Im ganzen schön, nachts kühl, untertags relativ warm. Balbo— Luftmarschall. Das Flugaeschwa- der Balbos ist gestern früh in seinem heimatlichen Standort, der Seeflugstation von Orbe- tello, eingetrofsen. Mussolini überreichte Balbo nach dein Durchzug der Balho-Eskadre durch den Triumphbogen Konstantins den goldenen Adler und den Marschallhut. Ferner überreichte Mussolini den Fliegeroffizieren und der übrigen Br satzung goldene und silberne Medaillen. für.besondere fliegerische Leistungen. Gleichzeitig gab er die vom König für sämtliche Offiziere und di.- ganze Mannschaft beschlossenen Beförderungen bekannt. Vom Randhmit Empfehlenswertes aus bett Programmen Mittwoch. Prag, 11: Schallplatten, 14.50: Nachmittaz- konzevt, 18.10: Schallplatten, 18.80: Deutsch. Sendung: Arbeilerfunk: Paul Fürstenau Erziehung zur Demokratie, Bericht vom Arbeit! markte, 21: Konzert des RadioorchosterS.— Brünn. 10.10: Schallplatten, 18.25: Deutsche Sen düng, 20.40: Reportage aus dem Rundfunkatelier — Mähr-Ostrau: 10.10: Bergarbeitermusrk. 12.80: Mittagskonzert, 18.25: Wagner-Zicher-Trio, 19.55: BauemblaSmusik.— Wien, 12: MittagÄonzeri, 16.80: Jugendstunde, 19.10: Tänze aus der Welt.— Frankfurt, 15.30: Stunde der Jugend, 21.15: Kammermusik.— Heilsberg, 16: Elternstunde.— Breslau, 16.40: Lieder von Robert Schuhuuum.— Mühlacker, 15,30: Äinderstuyde.. Leipzig, 20: Chor- Äugenv-Tragöbie Die Arbeitslosigleit in Nord- bödmen. Rückgang im Juli: sechs Prozent. Die Anzahl der Arbeitslosen in Nordböhmen ist im Juli von 144.768 auf 136.055, also nur um 8688, das ist um 5 Prozent, gesunken. Der Rückgang war geringer als in den letzten Monaten. Neber 10.060 Arbeitslose fi»d»och in folgenden fünf Bezirken in Vormerkung: Reichenberg 13.464, Gablonz a. N. 13.284, Teplrtz-schönau 11.816(Rückgang nur um 10), Tetschen 11.103 und Böhm.-Leipa 10.216(um 240 mehr als am Anfang deü Monates); de» BerusSgruppen nach waren cü 25.027 Textil-, 21.625 Hilfs-, 21.468 Glas-, 12.731 Metall-, 10.683 Tag- und 10.037 Bauarbeiter. Im Vergleich mit dem Monat Fcber, wo die Arbeits- lofigkeit ihren Höhepunkt erreichte, kann Ende Juli bei den Textilarbeitern ein Rückgang um S.933 d. i. um 19 Prozent, bei den Hikfsarbei- tern um 7172, also um 27 Prozent, bei den Glasarbeitern um 5426, d. i. 20 Prozent, bei den Metallarbeitern um 5743, also um 31 Prozent, bei den Taglvhnern um 5169, d. i. 32 Prozent und bei deri Bauarbeitern um 12.741, das rst um 56 Prozent, kcftgestellt werden. Dabei kann er bei de» erwähnten drei Hanptindustrien leider nicht einer ernsteren Besser>mg der Lage direkt in deri Industrien selbst zngeschriebcn werden, sondern mehr dem Umstande, daß es doch möglich war, einen Teil dieser Arbeitslosen bei den verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, die ost eben zur Besserung der Lage dieser Arbeiter unternommen wurden, uuterzubringen. Die Lage in den Industriell bleibt lveiter fast«n- verändert und ist daher der Rückgang der Arbeitslosigkeit, den man der direkten Besserung der Lage in diesen Industriezweigen zuschreiben könnte, nnr sehr gering. Für manche andere schwere Arbeiten kommt oft nur ein geringer Teil dieser Arbeiter in Betracht. Die Lage der Holz-, Steinbruch-, Ziegelei-, Zement- und Togarbeiter sowie des größte» Teiles der Hilfsarbeiter ist von der Entwicklung der Bäuarbeiten abhängig, die Herler im geringen Umfang durchgeführt wurden und in einzelnen Gegenden sogar schon lmchlassen. Auch bei der Landwirtschaft konnte» nicht so viel Bewerber unteraebracht werden, lvie sonst, und es wurde auch später mit diesen'Arbeiten begonnen. Die große direkte Nachfrage erschwert dabei auch in dieser Gr»ppe eine vollkommenere Erfassung des'Arbeitümarkteü durch die Ber- mittlungsanstaltcn. Bon den 136.055 angemeldeten Arbeitslosen haben 38.929 die Arbeitslosenunterstützung mit dem StaotSbeitroge erhalten, also 28.6 Prozent aller Angemekdeten. Dieselbe Unterstützung erhielten auch 20.904 zeitweise aus der Arbeit Ausgesetzte/ also zusammen 89.933 Personen, das ist um 2415 mehr als mit Ende Juni. Für diese Personen müssen im Zusammenhänge mit der Aenderung deS Staatsbeitrages zu der Arbeitslosenunterstützung zum 15. September die Auöweiskarten ausgetauscht werden, wozu auch die Gewerkschaften die nötige Vorbereitnng zur baldigen Vorlage neuer„Anmeldungen" tresftn müssen, falls durch die'Arbeitsverinittlungs- austalten die Karten rechtzeitig ausgestellt werden sollen, denn z. B. Tanuwald muh über 7000 Karten anSstellen, Rumburg iiber 4500. Kratzau über 3500, Bodenbach über 3000, weitere zehn Anstalten über 2000,«sw. Kommunistische Verleumder Der Feldzug der Kommunisten gegen die „Union der Textilarbeiter" znsammengebrochen. Als die Lohnveriräge für die nordböhmische Textilindustrie und später der Vertrag für den Bezirk Braunau gekündigt wurden, setzte in der kommunistischen Presse eine heftige'Agitation gegen die Union der Textilarbeiter und ihre Funktionäre ein, die in maßloser Form angegris- fen und beschimpft wurden. So behaupteten die Kommunisten, daß die Führer der Union nicht am Siege, sondern an der Niederlage der Streikenden in Braunau inleresfiert seien. Eo wurde erklärt, daß die Führer der Union die Schutzpatrone der Ansbentung seien, und der Reichenberger„Vorwärts" schrieb, daß die Union der Textilarbeiter eine Interessenvertretung der Unternehmer sei und unsaubere Methoden anwende. Um nun den Kommnnisten Gelegenheit zu geben, ihre Behauptungen zu beweisen, haben die angegrissenen Funktionäre Ehrenbeleidigungö- klagen überreicht. Die Kommnnisten haben nichi erst den Versuch unternommen, die ausgesprochenen Behauptungen zu beweisen. Der„Textilarbeiter" veröffentlicht in seiner Nummer vom 15. August nicht weniger als sieben Erklärungen, in denen alle Anschuldigungen gegen die Genossen Anton Rascher, Peter Schmidt, Hugo Mäher, Ernst Rambauske und Heinrich Erben zurückgenommen tverden. Ter k o ni m u- n i st i s ch e F e l d z u g gegen die Union der Textilarbeiter und deren Vertrauensmänner ist damit vollkomnien zusammen gebrochen. irvdvels auOenpolltlsdic Bedenken. Berlin, 14. August. Reichsminister für Propaganda Dr. Göbbels hot die Verfilmung der Novelle„Amokläufer" von Stefan Zweig„wegen erheblicher innen- und außenpolitischer Bedenkens untersagt. Stefan Zweig steht, wie bekannt, aus der schwarzen Liste und seine Bücher wurden öffentlich verbrannt. Doppeß-elvftrnorv in 'Am SamStag abend fuhr vor dem Hotel „W i l s o n" in Prag eine Gesellschaft in einem Automobil vor, von welcher zwei Personen, der 23 Jahre alte Chemiestudent Hans Friedrich aus Schönlinde und die 22jährige Ursula Thiele aus Neugersdorf!. Sa. ein Zimmer, wie sie sagten nur für wenige Minuten, nahinen, damit sich das Mädchen»ach der Reise umziehen könne. Friedrich wollte inzwischen vor dem Hotel warten. Den Wagen schickte er fort, bestellte de» Chauffeur jedoch für I Uhr nachts;um Hotel. Noch einiger Zeit ersuchte Friedrich den Hotelportier, im Zimmer nachfragen zu lassen, warum seine Begleiterin noch nicht komme. Als auf die Anfrage keine Antwort erfolgte, ließ Friedrich, der sehr aufgeregt war, das Zimmer öffnen. Dort fand man das Mädchen blutend, neben sich ein zerbrochenes Trinkglas, aus dem Boden liegend bewußtlos auf. Mit einiger Mühe gelang es, sie zu Bewußtsein zu bringen. Dann ließ man Friedrich mit Ursula Thiele allein. Kurz oarauf ließe» sich beide auf dem Zimmer ein reiches Nachtmahl mit Champagner servieren. Mach Mitternacht wurde der Nachtportier durch eine» Schuß aus dem Zimmer Friedrichs aufgeschreckt. Auf dein Gange sand er den Stu- Tagesneuigkeiten Unwetter in Oesterreich. Oberösterreich ist SamStag von einem außerordentlich heftigen Gewitter, ähnlich wie!m Juli 1029, heimgesucht worden. Die Ernte ist stellenweise zum großen Teile vernichtet. In: oberen Mühlviertel fielen um 16.30 Hagel- schloßen in Walnußgroße. Am späten Abend lagen die S6)loßen noch in solcher Dichte, daß die ganze Gegend einer Winterlandschaft glich. Ebenso schwer bat sich das verheerende Gewitter in de» angrenzenden Teilen der-Tschechoslowakei ausgewirkt. Ueberdies hat das furchtbare Unwetter eilte Anzahl von Branden iind durch Wolkenbrüche Hochlvasftr hervorgerusen sowie zahlreiche Unterbrechungen der elektrischen Lichl- nnd Fernsprechleitungeu verursacht. . Auch über dem südlichen Teil von Vorarlberg ging ein schweres Gewitter mit Hagelschlag nieder. Am ärgsten wütete das Unwetter in Montafon, wo eine Mure drei Wohnhäuser samt Oekonomiegebäuden in der Gemeinde BandanS mit sich riß und vollständig zerstörte. Hiebei wurden fünf Per- sonen schwer verletzt, vier. Personen werden vermißt und sind wahrschein- licki tot. Das schwere Unwetter richtete auch zahlreiche andere Schäden in Montafon und im Klostertal an. TA'Razzia mit tödlichem Nachspiel. Oppenheim a. Rh., 14. August. Auf der Rückfahrt von einer Polizeirazzia auf dem Kuhlopf nach Mainz fuhr ein mit 30 Personen besetzter Lastkrafttvagen zwischen Nierstein und Naekenheim am Rheinuser einem Wormser Personenauto gegen das linke Vorderrad. Der Lastkraftwagen fuhr gegen die stark befestigten Randsteine, überschlug sich, wurde zertrümmert und blieb zur Hülste über dem Rhein hängend stehen. Ein SA- Man u wurde tot unter den TrüinMcru hervorgezogen. Weitere acht Iu- sasien des Lastwagens lxiben schwere Verletzungen erlitlen. Kampf mit Wilderern. Ein Gendarm und ein Wilddieb erschossen. Neustadt a. d. Haardt, 13.'August. In der Nacht zum Sonntag kam es zwischen zwei Wilderern und einer aus zwei Monn bestehenden G e n d a r m e r i e po t r o u i l l e, die durch zwei Jagdhüter verstärkt war, zu einem schweren Zusammenstoß. Hiebei wurde der eine Gendar- merieoberwachkmeistrr voir einem der Wilderer, einem Landwirt, erschossen, der zweite durch einen Schuß in den linken Ellenbogen schwer verletzt. Inzwischen hatten die beiden Zagdhelftr aus den zweiten Wilddieb angelegt und ihn durch Schüsse in den Kopf und Rücken getötet. Bei dem Getöteten handelt es sich um den 25jährigen Studenten der Medizin Fritz Popp aus Frohmühle-Haßtoch. Radfahrer Sberlährt den PrSfidenten Levrnn. Paris, 13. August. Der französische Staatspräsident Lebrun, der seine Ferien in seinem lothringischen Heimatort Mercy le Haut verbringt, ist heute während seines Morgenspazierganges von einent Radfahrer, der mit voller Geschwindigkeit einherfuhr, hcftjg niedergestoßen worden. Staatspräsident Lebrun wurde am Hinterkopf verletzt, konnte aber seinen Ausflug fort sehen. Radfahrer tödlich vernaglüSt. Karlsbad, 14. August. Sonntag nach 7 Uhr abends fuhr der 21jährige Maurer Wagner aus! Gossengrün in Schlackenwerth in der Nähe des Eisenbahnüberganges mit großer Geschwindig- einem fraget Hotel. denten sterbend liegen. Während der Portier die Rellnngsstalion anrief, fielen weitere vier Schüsse. Der Chanfftur, der inzwischen zmn Hotel zurückgekehrt war, und das Hotelpersonal fanden nn Zimmer das Mädchen bereits tot auf. Die beiden hatten Gift genommen, dessen Reste in den Weingläsern gefunden wurden. Nach der Tat scheint die Thiele'Angst bekommen zu haben, den» die Revolvcrschüsse, die gegen die Zimmerdecke gerichtet waren, sollten wahrscheinlich Hilfe herbeirufen. Der Versuch kam zu spät. Beide hatten, toie zurückgelassene Briefe beweisen, die Tat mit Vorsatz auSaeführt. DaS Mädchen, die Tochter eines vor einem Jahre verstorbenen Inhabers einer Maschinenfabrik in Neugersdorf, führte mit ihrer Mutter einen Prozeß um den Nachlaß ihres Vaters. Ihre Familie widersetzte sich der.Heirat mit Friedrich»nd wollte das Mädchen angeblich in einer Irrenan st alt internieren lassen. Gegen Friedrich wurde von einem Zittauer Advokaten die Beschuldigung erhoben, Ursula Thiele e n t f ü h r l zu haben, ohne Erfolg, da nach tschechoslowakischem Gesetz Ursula Thiele volljährig ist. AuS Verzweiflung über die Ber- folgnngen scheinen die zwei jungen Menschen in oen Tod gegangen zu sein. feit die Staatsstraße hinab. Aus entgegengesetzter Richtung kam in diesem Augenblicke der staatliche Autobus, der einem Pferdefuhrwerke vorfahren wollte, da der Radfahrer nicht mehr auü- zuwrichen vermochte, stieß er mit furchtbarer Wucht mit dem Autobus zusammen. Er erlitt hiebei einen Bruch der Schädelbasis, dem er bald darauf erlag. Berufschkchtrmg der Bev8!kernng. Wachsen der industriellen, Rückgang der landwirtschaftlichen Berufstätigkeit. In Nummer 104 der„Mitteilungen des Statistischen Staatsamteü"(tschechische Ausgabe, die deutsche erscheint demnächst) sind die Angaben über den Beruf der Bevölkerung, die vorher ans Sen Volkszählnngsergednissen nach Bezirken und Landern in Nummer 30—31(Böhmen), 55 (Mähren-Schlesien) und 92(Slowakei und Kar- pothorußland) veröffentlicht worden lvaren, für den ganze» Staat zusammengesaßt. von der Gesamtsumme von 14,792.536 auf dem Gebiete der Republik am 1. Dezember 1939 anwesenden Einwohnern sanden ihren Unterhalt in der Land- und Forst wirtschaft 8,191.614, b L 34 Prozent, in der Industrie 8,148.937(34.9 Prozent), im Handel und Geldwest» 1,994.968(7.4 Prozent) im Verkehrswesen 814.468(5.5 Prozent), im öffentlichen Dienst, beim Militär und in den freien Berufen 999.364(6.2 Prozent), in persönlichen und häuslichen Diensten, ohne Housdienstpersonal, 183.814(1.3 Prozent), in sonstigen Bernsen, ohne Berus oder ohne Berussangabe 1,478.336 Personen, d. i. 10.1 Prozent. Kennzeichnend für das Zeitalter der maschinellen Entwicklung ist die Umstellung der Bevölkerung von landwirtsckwftlicher Arbe't zur industriellen Erzeugung und zu Diensten, die das komplizierte Leben der industrialisierten Länder zum Verkehr und Verkauf von Erzeugnissen für die staatliche Verwaltung und die Beschaffung non kulturellen Bedürfnissen in iminer größerem Maße erfordert. Denselben Charakter hatten auch die Aenderunge» im Beruft der Bevölkerung für Has vergangene Jahrzehnt. Die Zahl der zur Landwirtschaft zugehörigen Personen verringerte sich wiederum um 5.3 Prozent, dagegen habe» alle übrigen Gruppen der Bevölkerung zugenommen. davon die Zugehörigen der Handelsgewerbe um 3V Prozent, des Verkehrswesens um 24 Prozent und der Industrie um 13 Prozent. Roch im Jahre 1921 war das Verhältnis der landwirtschaftlichen Berufsklasse zur industriellen umgekehrt, es gehörten zur Landwirtschaft 39.6 Prozent und zur Industrie 33.4 Prozent der Bevölkerung. Eichung der Masienlotterie (Zweiter Ziehungstag.) 140.000,K: 94.829. 70.000 K: 102.263. 10.000 K: 1*2.626, 44.928, 63.615. 5.000 K: 605, 1312, 19.420, 28.926, 35.845, 50.104, 51.080, 52.802, 73.018, 82.022. 24)00 K: 1.104, 8.384, 10.902, 14.299, 40.897, 51.559, 59.106, 64.390, 66.427, 68.050, 78.059, 88.284, 88.624, 89.767, 94.100, 96.637, 99.379, 101.270. 960 K: 5292, 6822, 7150, 8791, 9814, 10.084, 10.220, lrf.989, 11.695, 12.305, 12.505, 12.923, 18.896, 17.140, 17.550, 18.760, 22.860, 23.455, 23.88«, 24.524, 26.968, 27.430, 28.592, 28.682, 30.526, 33.170, 33.468, 84.355, 36.027, 36.093, 86.248,-89.106, 42.149, 42.500, 47.174, 48.317, 48.848, 51.624, 53.545, 53.759, 54.870, 55:815, 55.527, 57.807, 58.032, 61.974, 62.971, 63.639, 63.278, 63.645, 63.657, 65.483, 68.282, 68.748, 72.054, 72.177, 7.4.797, 76.456, 76.570, 77.408, 78.813, 79.183, 80.537, 88.1.17, 81.898, 87.867, 88.816, 88.935, 88.988, 89.216, 89.756, 80.932, 89.993, 92.020, 93.185, 94.524, 96.355, 97.981, 98.249, 98.454, 98.852, 100.957, 101.263, 101.433, 103.888.(Ohne Gewähr.) Zwei Autobiographien, Ein Genosse schreibt uns: Vielleicht hat in diesen Tagen, die August Bebels Gestalt wieder so lebendig vor unsere Augen stellten, mancher Genosse wieder einmal zu August Bebels Autobiographie gegriffen, ein wenig zu blättern in hie- Nr. 189 Dienstag, 15. Svgust 1988 CMte B kin neuartiger Wasserrettungswagen ver Wiener Feuerwehr. Die Wiener Feucrwchr hat für den Wasserrettungsdienst einen neuartigen Spezialwagcn in Dienst gestellt, der mit einem Boot ausgerüstet ist und säst jede Tcländesteigung zu bewältigen vermag. Biiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiitniinniiiiiiiiiiiniiiintiiiiinuiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiimiinminiiiiminnmiimiiiiiimiiiiiiimniiin «hetraflvdie— einige Jahre«ach derlkstation von Boulogue-sur-Mer wurde Sonntag abends gegen 7 Uhr davon verständigt, daß zwei Passagiere des deutschen UeberseedampferS „Nordeilham", der von Süd-Amerika nach Äremen unterwegs ist, in deni Augenblick über Bord sprangen, als der Dampfer nahe der Dun- gencß-Bank südöstlich von England in die Nordsee einlief. Beide Passagiere hatten sich mit Schwimmgürteln versehen. Im Funkspruch 1 wurde mitgeteilt, daß sie eine große Geldsumme gemeinsames Leid und gemeinsame Entbehrung. Das soll den Kindern hier anerzogen werden. Bei den vielen Arbeiten, di« die Kinder machen, Zeichnungen und Spielsachen, fragt man nicht nack Spitzenleistungen, sondern jedes Kind soll nach bestem Können etwas beistruern. Der Begabte kommt dabei nicht zu kurz, und der Minderbegabte wird zu einer guten Durchschnittsleistung angeregt. Alles ist primitiv in Alt-Ohlisch, sind trotzdem sind die Kinder glücklich, weil der Geist des Lagers über äußer« Mängel hinwcghilft. Der Schlasraum im Saal des Gasthauses, einfache Strohsäcke, daneben domiziliert Doktor Unblutig, der ständig über Wehl und Wehr der Kinder wacht und manchen kleine» Schnitt oder Riß schnell heilig Dann kommt man zur Lagrrleitung. An der Tür eine Liste mit vielen, viele» verlorenen Sachen, und cs sind erst acht Tage verflossen. und die Liste ist fast voll. Tosca aber meint, am Ende wird schon alles wieder zu seinem Besitzer kommen. Unten bei der roten Fahne sitzt der klein« Georg mit einen» Helm ans dein Kops„Lager- Wache". Er paßt auf, daß die Kinder nicht» zerstören. Auch eine Pnmpenivack>e ist vorhanden, »veil das Wasser auf dem Berge knapp ist. Tas Frühstück— Kakao und Gebäck— ist verputzt, die Kinder haben sich gewaschen, und es geht nun zur Wiese,>vo für eine Zirkusvorstellung geübt wird. Die Eltern sind die Kameraden der Kinder. Sic geben Anregungen, aber die Kleinen handeln. Und am Nachmittag ist die große Zirkusvorstellung, wozu man alle Dorfkinder eingeladen hat. In ihren blauen Blusen kommen sie aninar schicrt, aus ihren Kindrrkehlen tönt das rote mit sich führen. Einer von ihnen spreche deutsch, der andere englisch. Die Küste wird nun peinlich überwacht. Lautsprecher al» Grabredner. Der einzig« Ort, der bisher von öem Lärm de» Straßenleben» verschont blieb, war bi» jetzt-er Fried- h o f, der mit Recht der Ort„der ewigen Ruhe" bezeichnet wurde. Jetzt Hal cS auch damit ausgehört ui»d die Schallplatte und mit ihr der Lautsprecher halten jetzt Einzug in dir Londoner Fried- böse. Die Verwaltung der größten Londoner Friedhöfe hat beschlossen, überall starke Lautsprecher aufzustcllcn, die bei dein Begräbnis die Grabrede, den Gesang und die Orchestcrmusik zum offenen Grabe übertragen werden. Für diese», Zweck l»>erdc»l Schallplatte» in Menge»» angeser- tigt, die die ganze Begräbniszeremonie je nach Geschmack wiedcrgeben. So können die nächsten Verwandten und vor allem dir Erb-n de» Verstorbenen ihren Toten für wenig Geld mit gro- ßem Pomp begraben lassen. Inländische Erfatzrrzrngnisi« für bisher ringe- führte Waren aus der Prager Herbstmesse. Auf der kommenden Prager Herbstmesse werden sich zahlreiche Firmen beteiligen, die Im Inland« bisher nicht oder nicht vollkommen erzeugte Waren vorführen werden. Infolge der verlegten Einfuhrwege hat besonders die Vertretung rieurr Erzeugni-zweig« für die tnläirdifchen und ausländischen Interessenten Bedeutung, Um den Geschäftsgang bei Wegfall der bisherigen Lieferanten ausrechterhaiten zu können, müssen ErsatzbezugSqurllen zugänglich gemacht wer- den, wozu di« komniende Prager-Herbstmesse für ver- schiedene Branchen rin wichtiger Behelf zu werden versprich!. Areuctmeldung über Juden. Die„Fränk^'chc Zeitung" berichtet aus Deberndorf, daß der dortig« Geineinderat«iiistimmig beschlossen hat, der gesam- tcn Gemeinde öffentlich bekanntzugvben, daß der Handel nrit Inden unterlagt ist.— Der Bürgermeister von Erlai^en hat folgende Kundgebung er« lassen:„Das städtisch« Rölelheiinbad ist bisher im wesentlich«» von dem Besuch« der Juden verschon» geblieben, so daß sich«In Verbot de» Betretens d-S Badegeländes durch Juden erübrigt. Da aber nunmehr in Nürnberg i»nd anderen Orten den Juden der Zutritt zu Bädern verbolen wurde, ist;n ln- furchtcn, daß aus der Umgebung!n da» Rötel beim bad Juden kominen. Ich ordn« deshalb an, zur Airfrecht«rhaltung der Ruhe und Ordnung, den Jude»-en Zutritt zum Rötelhetnebad mit sofortiger Wirkung zu verbieten." Falkenlicd, und nicht nur gelernt, sondern über- zeugt singen sie da» Trutzlied voir den Arbeiterkindern. Dann koinmt die Vorstellung. Die Ausstattung haben die Kinder selbst gemacht aus Papier und Leimvand. Da sind die Clown», die beiden kleinen Mädels, die zwei alte, schwerhörige Dorfsrauen spielen, die sich doch kennen müsse»» und nach langrni Gespräch feststellen, daß sie Schwestern sind. Ta kommt der Löwe, der Elefant, di« klein« Seiltänzerin. Da sind die Akrobaten, alles macht mit, sogar die kleine, vierjährige Mia zeigt, daß sic eine gute Turnerin zi» werden verspricht..Aber bei aller Fröhlichkeit wird doch nicht vergessen, daß hier der Zirkus nur parodiert wird, und;um Schluß sainniclt sich das ganze Lager und, wo eben noch Ausgelassenheit war, ist jetzt der Ernst getreten: dir Kinder si»»gen das unvergängliche Lied»Bruder, zur Sonne, Zur Freiheit". Wenn nian die Kinder nach dem Essen fragt, hört mau von allen, auch den Verwöhnten, daß c» ihnen ausgezeichnet schmeckt. E» ist auch rührend, wie Tosca ntii allen ihren Helferinnen imnier Ivicdcr besorgt ist um ihre Schutzbefohlenen..Im Saal»st eil» Kino, und jedrn Abend koniint der Kasper, und unter Lachen und Tckcr- zen schlafen die Kinder ein,»tin wieder mit Lachen an» nächsten Morgen zu erwachen. Ans den Wiesen von Alt-Ohlisch»ininieln sie sich, im nahen See baden sie und freiren sich ihrer Ferientage. 11»»d bringe»» nach Hanse Sstbstbewußtsein und Verantwvrtilnasgcsnhl.' Wir Eltern aber glauben, daß diese Kinder mithelsen werden- eine bessere Zukunft für alle anszubaucn. K. G. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Der Inster ver Großhanvelspreise ür den 1. August 1038 verzeichnet ein Sinken um 0.9 Prozent, voi» 98.8 auf 97.4. Ter Index der Nahrung»- und Genußmitttl änk von 90.2 aus 90.0, also um 0.2 Prozent, der Futtermittrlindex von 04.6 auf 58.5, da» ist um 17.2 Prozent, der Index der Jndustrleslosfe und -Erzeugnisse um 0.9 Prozent, von 102.5 aus 101.6. Die größte Preiserhöhung verzeichnen Ka r toset n(52.3 Prozent) infolge der Einführung der neuen Kartoffel»» aus den Markt. Dir Ports« von Wetzen und Roggen sanken in Erwartung sehr guter Ernteergebnisse um 5.2 Prozent. Bon den Fleischsorten verteuerte sich Rindslrisch mn 5.2 Prozent und Schöpsenfleisch um 5.9 Prozent, dagegen verbilligt« sich Schweinesleisch um 11.6 Prozent und Kalbslrisch um 10.8 Prozent. In der Gruppe der Metalle m»d Mineralien verbesserten slck die Preise von Kupfer um )£ Prozent und voi» Zink um 1.9 Prozent, dagegen sanken die Preise von Zinn um 7.1 Prozent und von Blei um 8.7 Prozent. In der Gruppe der Textilien festigten sich unbedeutend dir Preise von Rohbaumwolle um 0.» Prozent und Seide um 2.9 Prozent, dagegen verbilligte sich Baumwollgarn un» 5.8 Prozent, Jute um 4.9 Prozent und Flach». Jahrbuch der Soralpolittk 1932. Das Internationale Arbeitsamt in H«nf hat eben den dritten Jahrgang keine»„Jnlernatw- nalc» Jahrbuchs der Sozialpolitik" herau-gr- gebcn, der iir vier Ausgabe»»(deutsch, französisch, englisch und spanisch) erhältlich ist. Der rund üOü Seiten umsasscnde Band»»nterrichtet über die Beziehungen der Internationalen Arbeitsorganisation zn de»» großen Verbä»»dcn der Arbeitgeber uitd der Arbeitnehmer und zu anderen Organisationen; über die Wirtschaftslage im Jahre 1932; und über die Wandlungen der nationale»» und internationalen Sozialpolitik im gleichen Jahre. Anhangsweise beiaegeben sin- tabellarische Darstellu»»gci» sozialpolitisch wichtiger Gegenstände. Der wichtigste Teil de» neuen Jahrbuch« ist die nach Sachen>»nd Ländern geordnete Ueber- sicht der verschiedenen Zweige de» Arbeit»« schütze» und Arbeitsrechts, wie z. B. der Arbeitszeit, der Unfallverhütung, der Frauen- und Kinderarbeit, der Sozialversicherung, der Löhne und de» Lohnschutze», der ArbeitSvcrinittlung und de» ArbeitslosenschnheS, der LebenSverhält- uifse der Arbeitnehmer, des B«reinig»»ngsr«chtS i»sw. Unter dein Einfluß der Wirtschaftskrise waren dir Fortschritte der sozialen Gesetzgebung und Verwaltung iin allgemeinen geringer al» in Zeiten günstiger WirtschaftSkonjunktur. In manchen Landern, besonders in Mitteleuropa, bestand eii»e deutlich rückschrittliche Tendenz. Herr Ulrich. Ich stehe auf dem Perron der Straßenbahn und»verde plötzlich auf einen Mann aufmerksam, dessen Aeußcre« mich überaus stark an einen entfernte» Bekannten erinnevt, der Ulrich heißt. Ist dieser Man»» der Herr Ulrich oder ist er» nicht. Ich inende mich an den Freniden und frage zögernd:„Sie verzeihen, sind Sie nicht der Herr Ulrich'?" „Obsch Ulrich Heese'?" tönt es zurück. „Ich vermute", entgegnete ich,„in Ihnen ciiltn Bekannten namens Ulrich." „Das gann nick and sinn", erwidert der Mann,„ich Heese Hessclbard". „Dann entschuldigen Sie wohl vielmals", beendige ich das Gespräch, lüfte»»einen Hut und wende mich ab. Der Herr mnstert mich eindringlich, scheint die Sache noch kcincSwgeS für erledigt zu halten, fetzt dann ein paarmal zu»n Sprechen an und gluckst schließlich heraus:„Am Ende genn wir unS aus»» Gechclglub Gongordia?" „Ich bcdaurr, mein Herr", gebe ich zur Antwort.„Es handelt sich, wie gesagt, um einen Irrtum. Ter Herr, de« ich im Ange habe, heißt zweifellos Ulrich." „Nee, nee", grübelt mein Mitpassagier,„rS iS nischd zu»nach»», ich Heese Hessclbard und Sie »vernsj da»voll errn. Frleichd ooch, doß»vir.ins vo»» Meiers Märta ihrer Gmddoose her genn?" „Kanin", erwidere ich mit neuer höflicher Verbeugung und»vende wich dem Anblick der Straße zn. „Aivr, wie goinmdn dann Sie bloß off den Namen Ulrich?" höre ich das halblaute Murmeln des Herrn Hessclbard hinter mir. Nach einer Weile fühle ich mich ans die Schulter geklopft: „Hrrrnse ma,'s»verd so sinn, daß mr zusamm in Görlidz beidn finsiidreißiger Ulai» grdiend bamin. Tie eriiinernsj frleichd noch"» den Gor- boral Schmidt, der,»vissndse, der dani»»»ach Dräsdn srfedsds wurde..." Ich schüttle den Kopf:„Es handelt sich, wie gesagt, uni einen Jrrinm meinerseits, bitte noch einmal rechi sehr nm Entschuldigung, daß ich Sie belästigt habe." „Awr man solides dock»ich fr nieechlich haldtt, daß Hessclbard und Ulrich midnands sr- »vechselt Wern genn", nuschelt' der Herr stn»»end vore sich hin. Ich schlage an meine Stirn:„Aber richtig! Ulrich! Wie komme ich den»» nur auf den Namens Der Bekannte, den ich, meine, der hat ja Krause geheißen!" Herr Hessclbard atmet befreit auf:„Schüfe, da glärdsj ja alles offl" H. B. Seit« 6 Dienstag, 15. August 1988 Nr. 189 PRAGER ZEITUNG Hel- bis Aus der Partei Sport- Spiel• Köroerpnene II 1933. «I|a: CilNT sie davon betroffen ist Aiann wie ClwplinS Di« Arbeiterakademt« liegt 17 Kilometer von finfi in herrlichem Nadelwald und ist auch vorzüglich für länger« Kurs« geeignet, weil die räumlichen Vorbedingungen gegeben sind. Das gleich« gilt für das Bundestunierinnenheim in Pojnlahli. Di« Kursteilnehmer erhalten auf der Eisenbahn sünf^hn Prozent FahrpretSermähigung. Mit einem Tages- betrag von rund SO Ke pro Person lassen sich leicht die Ünlosten decken. Für Arbeitensportfunktionär« und Genossinnen di« die beiden Feste besuchen und Urlaub darüber hinaus haben, wäre nun di« beste Möglichkeit geboten, di« Arbeitersport- und Arbetter- betvegung Finnlands näher kennenzulerneir. Desgleichen hätten auch die Verbände gute Gelegenheit, durch ihr« Techniker und Funktionär« di«„Geheimnisse' der finnischen Sportler an Ort und Stelle praktisch zu studieren. O. T.(Kauniainen.) über Ist Kilometer gewann Abelni«k in 17: 0l und über Ich bin«in be> Warner Brothers ich nicht das grrinstc di« den Haufen gefahren habe..." Der wilde Autler. Der wilde Autler las die Zeitung und schnnpu „Das ist ja ein schönes Drrckblatt! Nicht ma> fünf Personen sind erwähnt, di« ich gestern über Ich bin kein unntoralifcher Mensch... aber von Ihnen tveiß ich, daß Sie die Dinge Immer in anderem Lichte gesehen haben... waS meinen Sie dazu...? Heute ist nur nun«ine Sache passiert, die der Geschichte eine entscheidend« Wendung gibt. Ein Mann hat mich ausgesucht. Ter Mann der Frau, die mir di« Ohrfeige gegeben und die Briefe geschrieben hat. hat mich ausgesucht. Zweimal in der vorigen Woche bekam ich ein Telegramm, in dem die lakonischen Worte standen: „Nur immer so weiter, mein lieber Freund..." Ich konnte mir das nicht erklären, ich ahnte stumpf, daß die Telegramme in Zusammenhang mit den Briefen und ihrer Schreiberin ständen, fand aber keinen VerS darauf. Nun weiß ich, daß es Aufforderungen deS Ehemannes gctvei'en sind. Er war dahinter gekommen, hatte meine Adresse unter den Papieren seiner Frau gefunden und mir die Telegramme geschickt. Natürlich hatte er sich gehütet, seiner Frau etwas von seiner Entdeckung zu«rzählen. Wie gesagt... gestern habe ich seinen Bemch bekommen. Ein netter bescheidener Mensch. Wirklich ein sehr netter Mensch. Er hat mir ohne lange Dorrede folgendes gesagt: „Verehrter Meister Chaplin.. ich sehe«S gern, wenn Sie mit meiner Frau umgehen... ich bin davon begeistert... tvenn Sie wüßten, wie sehr Sie ins Schwarze getroffen haben... meine Frau braucht einen solche» Mann, wie Sie einer sind... Sie werden sie emporzichen, Sie tverden sie zu einem Menscheii machen..." „Und Sie, mein Lieber...?* erlaubte ich mir einzufallen. ,^Fch werde geschieden werden..."'agte der Mann und rieb sich freudig erregt die-Hände. „Einer meiner lang gehegten Wunsche geht in Erfüllung..." „Dann muß ich Ihnen Mitteilen," sagte ich trocken, ,^>aß ich nicht Charlie Chaplins Bruder bin uiid daß sich Ihre Frau in meiner Person geirrt Hai..." ES gab eine große Enttäuschung; der Mann, der wirklich ein guter Kerl ist, war so unglücklich, daß er mit Selbstmordgedanken kokettiert«. ES blieb mir nichts anderes übrig, als ihm zu sagen, daß ich zwar nicht Charlie Chaplins Bruder lei, daß ich ihn aber k«>«ne. Ich empfahl ihm,«einer Frau die Adresse zu unterschieben.,. und dann habe ich ihm ihre-Hausnummer genannt... da ich doch weiß,' daß Sie gern mit hübschen f Frauen umgehen... R. H. Eine offizielle Techniker-Reis« zum Frainer Stauwehr und in die Wiener Sofialbautrn(amt- liche Begleitung) unternimmt mit Luxusautocar am 28. bis 27. August 1933, 6s.-österrcichische Gesellschaft in Prag. FahrauSlagen 160 llr. An» Meldungen(beschränkte Anzahl) Telephon 38110 (Fencl), Jugendbewegung. 8. I. l. Heute, Dienstag, 16. August, 8. Uhr abends„Bunter Abend" im Heim der S. I. II. (GewerkschaftShauS). Neu« Leichtathletik- und Schwimm-Bestleistungen In Lettland. Die Arbeilersportbeeveguug macht in Lettland groß« Fortschritt«. In der Leichtathletik wurden bei einem Meeting in Riga ztvei neue Bestleistungen erz'elt,»nd zwar lief Krisberg lRC.) über 200 Meter in 22.9 Sok. und über 500 Meter Winzlar» in 1:10.6 Min. lieber 60 Meter wurde di« alt« Bestleistung von 7 Sek. von Grünt« erreicht. — Im Schwimmen wurden neun neu« Bestleistungen aufgestellt und im 100 Meter Freistil sogar der bürgerliche Rekord unterboten. Die nruen Bestleistungen sind: 100 Meter Freistil: Walkarej (RC.) 1:03.6; 400 Meter Freistil: Malka res 6:09.5; 50 Meter Freistil: Lebe!(RC.) 91.1 Sek.; 100 Meter Brust: Schtal(S.) 1:84.1; 400 Meter Brust: Schtal 7:26.5; 400 Meter Seit«: Warlchun(RC.) 7:08.2; 4X100 Meter Freistil: R. C. Riga 5:27;. Frauen: 100 Meter Freistil: Purin 1:42.2; 400 Meter Freistil: Ulman(RC.) 8:14.6. Fünfzehn neue Fuhballvereine in Wen. Di« Werbeaktion, di« der Wiener Arbeilerfußballvcrband im Juli durchführt«, eichet« zufriedenstellend. Es gelang ihm, fünfzehn neu« Vereine zu gewinnen. Vom belgischen Arbeitersport. Di« Meisterschaften im Schwimmen wurden fortgesetzt und erzielte u. a. Gilen(Antwerpen) über 100 Vieler Freistil 1:08 Mim und Schneider(Gand) über 100 Meter Brust 1:24 Mn. Bei einem internationalen Meeting schwamm Gclyasky(Roubaix, Frank- rcich) über 100 Bieter Freistil(Unterstufe) 1:27 «ich bei den Frauen Lavranche über 50 Mester Brust in 52.8 Sok. Im Wasserball schlug dir belgisch« Ländermannschaft Roubaix(Frankreich) mit 4:2 (1:2).— Leichtathletik: Die Saison ist im flotten Gang« und jeden Sonntag finden Beran- Filme ii Prager Udrtspleimasera einschließlich Donnerstag, den 17. Ang» Adria:„Don Quichotte."— „Taifun."— Leritnek:„Tas Abenteiler schönen Frau.'— Fsniz:„Auf der Spur. Flora:„Verflucht« Menschen."— Hollywood:„Zwei in einem Auto."— HvSzda:„Bringt sie lebend heim."— JuliS:„Was Frauen träumen."-• Kinema B.-Th.: Journale, Aktual Groteske. 88 bi« 'All.— Koruna:„Rom-Expreß."— Kotva:„Don Quichotte."— Lueerna:„Don Quichotte.' — Metro:„Die Nacht der großen Liebe."— Pasiagr:„Ein Mann mit Herz."— Praha:„Ter Rächer des Texas."— Radio:„Die nackt« Frau" — Skaut:„Der Held von der Festung Tarvaz.'— Svtitozor:„Die Nacht der großen Liebe."— Alma: „LlebeSgüartett."— Avion:„Das Rech! ans Sünde" — Bajkal:„Mamba."— Favorit:„Trader Hör n."— Kapitol:„Madame Satan.'-■ Konvikt: „Die nackt« Frau."— Lido:„Das Fensterchen."- Louvre:„Brennendes Geheimnis."— Maeeska: „Das Abenteuer einer schönen Frau."— Roxy „Brennendes Geheimnis.'— Baldrk:„Das Fenster chen."— Belvedere:„Barcarola."— Beseda:„link: falscher Flagge."— Illusion:„Mein Leopold." Sport:„Paris liebt und jubelt."-- ll Pej- vodu:„Die Bekehrung des Ferdyä Piötora." atato-Gtefi&it&ten. SO Kilomrtrr. Ein berühmter Rennfahrer fährt mit Hunden Kilometer Geschwindigkeit. Plötzlich benwrkt er, daß «in kleiner Wagen sich an ihn„angehängl" Hai und nicht von seiner Spur weicht.„Na, warte." denkt er und geht auf 120. Noch innner ist der Kleine hinter ihm. Wie der Rennfahrer seine Geschwindigkeit aber auf 190 Kilometer steigen will, begibt sich da« Unfaßbare, daß ihn der kleine Wagen, wie wenn dis gar nichts wäre, überholt. Heraus beugt sich en: junger Mann mit rorem Kopf und sagt atemlos: „Ach, entschuldigen Sie vielmals, daß ich Ihnen uachsahre. Ich wollte Sie nur fragen. Mei» Tachometer ist nämlich nicht in Ordnüng, und ich bin An- fänger. Können Sie mir vielleicht sagen, wie ich auf 50 Kilometer Geschwindigkeit hinoufkomme?" Da» Reserverad. Der Fahrlehrer überläßt der jungen Dame d:e Führung.des Wogens. Dir Dame holt aus dem Motor heraus, waS das Zeug hält. Beängstigend steigt das Tempo. Achtzig, neunzig, hundert Kilometer... „Gnädiges Fräulein," mahnt der Fahrlehrer, „wenn wir jetzt ein Rod verlieren?" „Macht doch nichts!" lächelt die Dame.„Wir haben doch»och em Reserverad!" Der neueste Typ. „Haben Sie schon von dem neuesten Auioivp' gehört, der recht- ein grüne», links ein rotes Licht und in der Mitte ein Grammophon hat?" „Nein, wozu ist denn diese Einrichtung?" „DaS will ich Ihnen erklären. Wenn die Maschine 40 Kilometer läuft, entzündet sich das grüne Licht, bei 80 Kitomeier das rote Licht und bei 120 Kilometer beginnt das Grammophon den Trauer- marsch von Chopin zu spielen!" Der Gipfel. Der Schutzmann stoppte den Wage». „Sie sind mit achtzig Kilometer durch den Sri gefahren. Ihre Nummer ist unleserlich. Sic haben kein Schlußlicht, keinen Führerschein, Sic sind betrunken—" „Sie werden lachen, Herr Schutzmann, den Wogen habe ich auch gestohlen!" Gute- Mittel. „Herr Dtüller, fahren Sic doch nicht so wahn sülnig um die Eck«! Da» macht jo einen ganz nervös." „Da brauchen Sie gar keine Angst habe», gnä dige Frau, machen Sie eS doch so wie ich, ich macht immer die Augen zu, tvenn wir an'ne Ecke kommen." dtgfrte»- tkilnliliiiE aud«l»*>«»»!«.— vera»rw»«unc Ohrfeige, di« man von einer Frau erhält, kein so sehr großes Unglück, tvenn eS natürlich auch immer eine unangenehm« Geschichte bleibt. Also ich sitz« in einem ErkursionStrain, der zwischen 9!ew Aork und Philadelphia verkehrt; mir tzeaenüber«in« Fran, ein« Dam« von mittlerer Eleganz, eine Stenotypistin, vielleicht eine Sekretärin, vielleichi eine Prokuristin. Di« Landschaft zwischen Netv Jork und Philadelphia ist nicht gerade schön, müssen Sie wissen .,. eigentlich ausgesprochen häßlich... sehr häßlich... Biel« Fabrik«« mit rauchenden Schloten, Städtchen, Holzhäuser, Schutthaufen. Ich starr« zum Fenster hinaus, ohne zu wissen, wohin ich eigentlich sehe. Auf d«n geteerten Straßen lausen die Weekendautomobile. Manchmal liegt jemand unter seinem Wagen und arbeitet mit einem Schraubenschlüsiel, wahrend die Damen interessiert dabeistehen und das Unglück mit dem Lorgnon betrachten. Was will ich eigentlich in Philadelphia? Ich tveiß eS nicht. Ich rede mir vor, daß es dort in der Regent Street ein Restaurant gibt, wo man einen ausgezeichneten Chicken Chops bekommt. Ich weiß aber, daß ich mir etwas vormache: der Chicken Chops interessiert mich gar nicht. Man fahrt eben fort, weil Weekend rst und dann kostet dre Fahrt, ein Ausnahmepreis hin und . zurück, zwei und einen halben Dollar. Vielleicht fahre ich nur, weil die Sach« zwei «nd einen halben Dollar kostet; ich halte mich für ein ökonomisches Genie, wenn auch Warner Brothers, bei denen ich arbeite, davon nicht überzeugt sind. Langsam wenden sich meine Blicke von den Holzhäusern und den Schutthaufen meinem Gegenüber zu. Warum, denke ich, soll ich meinen Blick nicht von den sehr uninteressanten Schutthaufen einer recht hübschen Dame zutvendeu? Ich weiß nicht, was die Dom« für einen Berus hat. Gut. Ich weiß nicht, ob sie verheiratet ist. Gut. WaS man nicht weiß, kann man durch eine richtige psychologische Einstellung zu erfahren suchen. Man kann dahinter kommen, denke ich. Man muß sich alles genau besehen, die Körper- lichkeit, den Anzug, die Schuhe, die Gesten... ich habe einmal einen psychologischen Abendkurs mitgemacht und weiß, worauf es ankommt. Di« Beobachtungen, di« ich in eingelpmder Weis« anstellte, wurden durch ein« Ohrfeig« gestört, die di« Untersuchte mir. dem Untersueben- den, überraschcuderweis«, sozusagen aus dem Hinterhalt applizierte. Ich war starr, chokiert; ich sehe sie an und suche nach einer Erklärung, während die Mitreisenden in lauteS Gelächter auSbrechen. „Haben Sw mich nun lange, genug belästigt?" brüllt sie,■ „Hm," sage ich,«ich dreht« nur meinen Blick von den Schutthaufen nach Ihnen... ohne indessen..." Das Gelächter der Mitreisenden schwillt zu einem Orkan an; sie beugen sich vor und klopfen sich auf di« Knie, als ob«S in ihrem ganzen Leben nichts Lustigeres gegeben hätte. Ich bin ehrlich empört, im Innersten ver- letzt. Welckie Schuld war mit dieser Ohrfeig« bestraft? Wen hatte ich belästigt? Ich hatte diese Dam« nicht angesehen, wie einer, der etwas von ihr will, was die gut« Sitte verbietet. Oh, ich kenn« m«in Amerika. Ich weiß. WaS hier erlaubt ist und waS nicht erlaubt ist. Wenn man pshchologiick)« Studien machen will, braucht man sich schließlich noch nicht-Handgreiflichkeiten auszuietzen. Auch nicht in Amerika. Ich habe ein schlimmes Ohr..., we,m sie mir auf das Ohr geschlagen hätte! WaS für ein Unglück hätte daraus entstehen können! Nachdem der Spaß der Leute sich gelegt hat. kommen wir in ein ganz vernünstigeS Gespräch. Warum sie>nir die Ohrscig« gegeben hat? Sie habe«in lockeres-Handgelenk: in unserem fortschrittlichen Lande sei das nun mal so. Ohne, daß ich mir bewußt tverde, was ich kag«, oftenbar um irgendeine Ucberlcgenheit über dies« Dame zu gewinnen, sage ich ,in tief gekränktem Ton: „Wenn S'« wüßten, daß Sie Charlie Chap' lins Brnder geschlagen haben, würde es Ihnen vielleicht doch nicht so lächerlich«ein..." „Was?" lagt sic mit weiiausgerilsenen Augen. „Charlie Cliaplins Bruder...?" „Gewiß..."—„Sie sehen ihm aber in keiner Weise ähnlich..." Daran halt« ich gar nicht gedacht, als ich den Satz aussprach. Ich bin groß, blond breitschultrig, es ist wahr, Charlie hat mit mir nicht di« geringste Achnlichkeit. Ich erröte wie ein Schulmädchen, das di« Lehrerin bei einer Lüge ertappt.—„Eins.entfernte Achnlichkeit..." „Aber luu Chaplin denn überhaupt einen Bruder...?" Ich werde in eine neue Verlegenheit gestürzt, auS der ich Mich nur mühsam reit«, ganz guter Buchltalicr aber zum Dichten lwbe Talent. Ich sehe, wie(ehr einen so bedeutenden Bruder geohrscigi zu haben: meine Sicherheit kehrt langsam zurück: iind ch beginn« ihr io ganz Nebenbei zu erzählen daß d) genau wir Charlie tm Film eine große Rolle spiele, wenn sich auch Noch nicht so an die Oeffentlichkert getreten< WOemlrMk Wchrck intensivste Derbeardett triften n tas Selm des llasienbewußlen Arbeiters gehört d. Zevkralorgan. Deutsche« tojlaivcmokr.«ebeltcepartel „Sozialdemokrat"— „Die Geheimnisse der Finnen". Der Tu! führte 1932 einen Franeiigymirastikkurs in P o j u l a h t i in Mittelfinnland, tvo das herrlich gelegen« BniideSturneriinienheim ist, durch, an dem sich zum erstenmal auch ausländisch« Genossinnen beteiligte». Der Kurs wurde von Ver- treterlnnen aus Norwegen, Däiwmark, Lettland und Estland besucht. In diesem Jahre halt« der Tul einen zweiwöchigen Kurs für VercinSfunktionär« und-techniker ausgeschrieben, und hundertzwan- zig Teilnehmer ans dem ganzen Land« fanden sich :n der Arbeiterakademte in Ka uniain« n ein. Di« Verbände von Norwegen, Lettland nttb Estland waren ebenfalls vertreten. Ungeachtet der grwisfen Tprachschwierigkeilen— die Hanptthemen mußtet» immer ins Deutsche und Schwedische überseht werden—(mutten di« ausländischen Teilnehmer auS den Praktischen Hebungen unter der Leitung des BundesturnlehrerS Laherma viel lehrreichen Stoss mit in ihr« Heimat nehmen. Die SchulimgSwoche kann auch in internationaler Hinsicht als erfolgreich angesehen werden. Es ist zu wünschen, daß der Tul anschließend an sein Bundessportfest in Helsinki 1934«in« weitere derartig« Woche fiir Männer und Frauen durchführt. Die ausländischen Bcrbäitd«, eS ist da besonders auch an die Rmchstaaten Estland, Lettlaiw sowie an Polen, di« Tschechoslowakei und an Oesterreich gedacht, werden sicher bei den beiden Festen in Riga und-Helsinki vertreten sem. ES ließe sich deshalb leicht entrichten, daß die ausländischen Techni. k«r und Funktionär«, di« zu den Festen fahren, anschließend die SchulungSwoch« besuchten. Die Unkosten werden dadurch gering, da di« Delegationen der einzelnen Länder FahrpvciSennäß'gung genießen, die den Kursteilnehmern zugute kommt, und daß der Lebensunterhalt in Fitutland durch den nie* drigen Marllurs für AttSläitder sehr billig kommt. Eine Zwischenfrage von ihr bringt mich noch in Verwirrung. „Warum fahren Sie denn hier in einem ganz gewöhnlichen Exkursiontrain für zwei und einen halben Dollar....?" Ich stottere was von Launen und Einfällen „Ach ja," sagt sie begeistert,„Charlie hat auch so bezaubernde Einfälle..., jetzt wird mir klar, daß Sie mit ihm verwandt sind..." Sie sieht mich mit einem Interesse an, auS dem jeder gewöhnliche Mensch entnehmen müßte, sie sei in mich verliebt. Vielleicht ist sie es auch. Ich fühle mich als Herr des Schlachtfeldes. ,,Ha," denke ich ,^>u klein«-starnaill«... hab ich dich jetzt.., man ohrfeigt nicht auS heitrem Himmel einen Mann. der wissenschalt, liche Interessen hat..." Wir tverden immer freundschaftlicher, intimer, wir unterhalten uns wie alte Freunde; ich merke, wie sie vor Neugierde brennt, Näheres über mein privates Leben zu erfahren, ober, wenn das Thema darauf kommt, schwenke ich ob. Sie Platzt fast vor Ungeduld, aber ich tue, alS merkt« ich es nicht. In Philadelphia trennen wir uns; in einer Spiegelscheibe sehe ich immer noch ihr« fünf Finger auf meiner Backe. Ich denke:„Na, du hast deine Lehre... wenigstens«in« Genugtumtg." Vor zwei Wochen hab« ich sie in New 2)ork wieder gesehen; zufällig in der Straßenbahn, di« den Broadway herauf fährt. Sie zuckte zusam» men, stürzte auf mich zu und schrie aus vollem -Hals«:„Ah Charlie Chaplins Brnd«r..." Die Leut« drehte» sich nm, und ich hatte große Not, von chr loSzukominen. ES ist klar, daß sie meine Adresi« ausspioniert hat; denn seit acht Tagen bekomme ich täglich Briese von einer Dame, die mit der Anrede„Großer Meister!" beginnen und die Untevichrift„Ihre verehrte Ohrfeige" tragen. Es kann gar kein Zweifel lein, um wen eS sich handelt. In den Briefen werden mir allerlei Angebote gemacht. Ich möchte sie treffen, ich möchte mit ihr ausgelten und tanze»; ich möchte um Himmels willen nicht verfehlen, mein Autogramm. einen VerS von Longfellow mit meiner Unterschrift, postlagernd da und dorthin zu lenden. WaS sagen Sie dazu? Der letzte Bries, den ch gestern erhielt, war eigentlich nichts mehr und nichts weniger als ein« Liebeserklärung, i Wenn ich«in unmoralischer Mensch wäre... hm.