13. Jahrgang. Mittwoch, 16. August 1033 Nr 190. Einheitsfront mit Kahänek Die Schande der Petermichel-Partei Heute wieder Rundlunlthetze! Wien, 15. Slugust.((Eigenbericht.) Heule wirk' hier besannt, daft morgen ver deutsche Rundfunk eine» ausgesprochenen (» r o ft k a m p s t a g gegen Oesterreich abhalten wird. Drei dentsche Tender, niimlich München, Brest an nnd Stuttgart, werden zu drei verschiedenen Seiten Mitteilungen über Oesterreich senden. Vin Rnndsnnkangriss von dieser Ausdehnung ist bisher noch nicht erfolgt. Der Rnndsunktrieg gegen Oesterreich verschärft sich also, statt abzn- slauen, wie Illusionisten erhofften. Vie üelMdic Reglcrungs- arbeit UUlcrs. Berchtesgaden, 15. August. Die Rcichsprcsse- stelle der NSDAP teilt mit: Ans der Fahrt»ach Reit am Winkl erlitt Dienstag nachmittag einer der den Führer(nämlich Hitler. D. N.) bcglci- lenden Wagen einen Unfall. Hierbei wurde- der Adjutant deS Reichskanzlers Adolf Hitler, Gruppenführer B r ü ck n e r, schwer verwundet durch schweren Schädel- und Armbruch. Die writcrS im Wogen oefindliche Nichte deS Führers und eine weitere Dame erlitten Verletzungen, wäh- rend die Schwester des Führers ohne Verletzung davonkcun. In den letzten Tagen machte ein Aufsatz des Herrn Max Karg die Runde durch die sudetendeutschen Bürgcrorganc. Er handelte von einer sudetendeutschen Einigungskonserenz. Angesicht- der sehr weitgehenden Gleichsclzal- tung aller sudetendeutschen Bürgerschmöckc mit den Konzentrationslager-Sozialisten ist eS nicht vertvunderlich, daß sie die Geistescrzcug- nisse des„Sozialisten" Max Karg williger denn je gegen gutes Honorar abnchmen und ihm Gelegenheit geben, ihr Lob der Hun- ncnknltur mit sanftem Flötcnklang zu begleiten. Es geht ja wieder einmal nm die„Einheit" des Sudetendculschtnms! Ta sic durch die Uebereinslimmung mit Herrn Göring ungeistig schon sehr weitgehend hergestellt ist, mein« man wohl, auch die organisatorischen Grundlagen mit besserer Aussicht auf Erfolg denn jemals früher schaffen zu können. Wir haben schon einmal nachgewiesen, wie sehr die Nazis an dieser trockenen Gleichschaltung interessiert sind. Tie Tarnkappe, die sie bis jetzt trugen, genügt nicht mehr; sic brauchen die anderen sudetendeutschen Parteien, um sich ein Alibi für ihre„Loyalität" zu schaffen und so es eine dieser Parteien wagt, zu fragen, wie es Herr Jung mit Frau Hitler hält, so tönt ihr ein Chorus entrüsteter Stiinmen entgegen: seht, sie torpedieren die sudetcndcntsche Einheit! Eine neue Tarnkappe bra»«chen die sudetendeutschen Nazis nöliger denn je. Denn eben hat sich die Entlarvung der Jung-Partei durch die Flucht Petermichels eindrucksvoll vollzogen; eben wurde nachgewicsen, daß sic niit der„Bruderbewegung" nicht nur die— nebbich!— Idee, sondern auch organisatorische Bande verknüpfen. Die DAWG hat bis heute noch keine Antwort, ober der Einheils Schwindel geht weiter. Ter Soldschrciber des sudetendeutschen FasciSmus verdient an ihm. * In der Tschechoslowakei leben Tausende deutscher Volksgenossen ans dem Reich. Sie flüchteten zu uns vor MißHandlung und Tod. Selbst der hakenkreuzlerischcn Presse gelingt es nicht mehr, die tausendfach belegten Mel- dilngen über die Untaten der Hunnen als Greuelmärchen abzutun. Tas Schtveigcn, mir dem sie z. B. der Ermordung Fccheubachs begegnete, ist beredter als alle Rcinwaschungs- vcrsuche an den untauglichen Subjekten, denen! Deutschland heute ausgcliefert ist. Diese geflüchteten deutschen Volksgenossen sind nicht etwa nur Juden— obzwar natürlich kein Zweifel daran bestehn kann, daß auch nur der Gedanke einer Verfolgung der Inden um ihrer Rasse oder Religion willen jedem Kulturmenschen ein Greuel ist—, sondern in der überwiegenden Mehrheit richtige deutsche Arbeiter: geflüchtete kommunistiskl-e und sozial- demokratische Proleten, Rcichsbannerlcute und Vertrauensmänner der Arbeiterbewegung. Sie haben ans den» Dritten Reich nichts gerettet als das nackte Leben; ihnen droht der sichere Tod, wenn sie nicht irgendwo in der Welt ein Plätzchen finden, wo sie.ungefährdet durch die SA-Banditen, arbeiten oder hungern können, ihnen ist die grausamste Verfolgung, sind die entsetzlichsten Martern gewiß, wenn sie nach Deutschland zuriickgetrieben werden. Diese armen deutschen Volksgenossen haben nicht nur ein Recht darauf, in jedem Lande, das sich Kultur- und Rechtsstaat nennt, ein Asyl zu finden, sondern vor allem natürlich Anspruch darauf, nicht von den eigenen Bolksan gehörigen geächtet und in den sicheren Tod geirieben zu werden. Was aber der Mehrheit aller anderen Nationen selbswerständlich ist: der Anspruch Verfolgter auf Schutz und Hilfe, gleichgültig, welchem Volke.sie angehören, das ist nicht jclbstver stündlich dem deutschen Bürgertum, nicht selbswerständlich den Hakcnkrcnzlern, die eben jetzt wieder so salbungsvolle Reden von deut- scher Volksgemeinschaft sclgvingen. Die Emigranten den Göring-Henkern auszuliesern, daü ist der Wunschtraum der hakenkreuzlerischcn»nd der anderen glcichgcjchalictcn Jour- Ein Worfbrudi und die Folgen In der DicnStagauSgabc des„Tag" ist endlich eine längere Aeußerung zum Falle Peter- michel zu finden. Wer aber glaubt,„Der Tag" habe sich mit unseren klaren Beweisen über die organisatorischen Beziehungen zwischen der NSDAP und der DNSAP beschäftigt, der irrt. Er bespricht lediglich eine treffliche Aeußerung des„PrSvö Lidu" über Hindenburg, dessen Bcr> sassnngscid es mit dem Ehrenwort Petermichels vergleicht. Es kommt dabei zu dem Schluß, daß der eine Eid soviel wert war wie der andere, eine Tatsache, die„Ter Tag" durch keinerlei Verherrlichung des„ehrwürdigen Hauptes" des Reichspräsidenten aus der Welt schaffen kann, ganz abgesehen davon, daß er sich an den damals noch unberechtigten— Verunglimpfungen des Reichspräsidenten beteiligte, als Hitler noch nicht Kanzler war. „Ter Tag" nennt unter den Blättern,„die ans dem Falle Pctcrmichel Kapital gegen die DNSAP schlagen", lediglich tschechische Zeitungen»nd das„Montagsblatt". Mit Verlaub — warum auf einmal eine solche„Schonung" der sozialdemokratischen Presse? Haben die Nazis Mitleid mit uns, der„sterbenden" Sozialdemokratie, daß sic uns die Kraft, ihre Antwort zu ertragen, nicht mehr zumuten? Sdcr sollte sich bcioahrheiten, daß dir An fragen und Feststellungen der sozialdemokratischen Blätter die unangenehmsten, peinlichsten und deshalb links liegen gelassen werden? Es ist„viel Lärm nm die Tat eines verantwortungslosen jungen Mannes," jalvohl! Und wir bekennen uns dazu, am eifrigsten die Trommel zu rühren. Aber„Der Tag", der sonst jeden Floh in den Reihen der Sozialdemokratie husten hört, hört uns diesmal nicht. Und merkt anscheinend nicht, wie er die Lage seiner Partei dadurch iinmcr mehr verschlechtert. Wahrscheinlich muß er noch einen Rat der Barieiobrigkeit einholen, wie man der Vorwürfe am besten Herr werden könnte. Aber cs wird kein Vcrschnaufcn geben! Bon dem Fall Pctcrmichel werden wir reden, bis eine Antwort vorliegt und wenn sie vorlicgcn wird erst recht, da cs sich nur um Ausreden handel» kann. Millcrtvcile werden wir neue, b i l d m ä ß i g e Beweise über die Eiuheillichf.-il der gesamten nationalsozialistischen Bewegung einschließlich der Parte des Herrn Jung liefern, worauf sich die Redaktion des„Tag" schon jetzt vorbereitcn mag. Scheidemanns Angehörige frei! Das Ende c-nes Greuels unter dem Drucke der Wettmeinung Die Geheime Staatspolizei hatte einige Angehörige Schcidemanns und einige seiner früheren Kasseler Freunde als Geiseln in Haft genommen unter der Begründung, daß Scheideman» in einem Artikel in der„New?jork Times" die Reichsregierung beschimpft habe. Scheideman» erklärte, daß sein Artikel entstellt wicdcrgegcben worden sei; dieser Erklärung schloß sich auch die Redaktion der„New?)ork Times" an. Trotzdem blieben die Geiseln— die Tochter Scheidemanns, ihre zwei Kinder und einige Freunde Scheidemanns— noch wochenlang in Haft. Tie Schurkerei dieser Geisclverhaftung hat wie kaum eine zweite Schreckenstat der Hunnen die Weltmeinung gegen die Hakenkreuz-Tyrannen aufgebracht. Unter dem Drucke dieser Weltmcinung wurden nun di« Geiseln entlassen, allerdings mit einer sie und Scheidemann diffamierenden lügenhaften Erklärung: Der amtliche Preußische Pressedienst«eilt mit, baß. nachdem Scheideman« tu einer öftrutlichen Ertlärung den unter seinem Namen in der„New -'ort Times" erschienenen„Hetzartikel" als eine Fälschung hingestellt und dir aus Grund dieses Vorfalles in Schutzhaft genommrnen Verwandten dargetan haben, daß sie sofort nach Erscheinen des Artikels ihr« Beziehungen zu Scheideman» abgebrochen haben, dir geheime Staatspolizei die in Schutzhaft genommenen Verwandten Scheidemanns wieder frri gelaf- f e n hat. Die Begründung, daß Scheidemanns Bcr- wandte sofort nach dem Erscheinen des Artikels die Beziehungen zu Scheideman» abgebrochen hätten, hätte natürlich auch ihre Richtver- Haftung gerechtfertigt. Schon daraus geht der Wert der polizeilichen Erklärung hervor. Aber es befinden sich noch tausende Unschuldiger als Geifeln in„Schutzhaft". ^Wann schlägt ihnen die Stunde der Befreiung? nalisten. To sicht die Volkögemcinschast in der Praxis aus! Es ist H n n» e n g e j i n- ii u it g, der bei uns nur zu enge Rahmen gesteckt sind, als daß sie sich zu voller Göring- Blüte entfalten könnte. * Tudetendcutschc Einheitsfront, deutsche Volksgemeinschaft— diese schöllen Gedanken 1 vcrbcit nicht nur durch das Verhalten der Gleichgcjchaltetcn gegenüber den Emigranten geschändet, sondern vor allem durch die engste Verbindung mit dem„Erbfeind", mit den gehässigsten und ordinärsten Hassern des Dcutschtiims, lvelche Verbindung herznstcllcn sich die Partei des Herrn Jung nicht geschämt hat. Es genügt ihr nicht, deutsche Volksgenossen zu beschimpfen, weil sie aus der Hölle des dritten Reichs ihr Lebe» gerettet halben! Sie hält es für notwendig und zweckmäßig, gegen diese deutschen Volksgenossen sogar ein Bündnis mit den tschechischen F a j c i-- st e n einzugehen. In seiner letzten Samsiag-- Nummer hat„Der Tag", das Hauptorgan der sudetcndcntschen Nationalsozialisten, unter einer vierspaltigen Ueberschrift de» ordinäre» Hetzartikel veröffentlicht, den Herr Tr. K a- h»'n c k, stellvertrcrcndcr Führer der S t r i» brny- Liga, nationalistischer Heißsporn «nd Teutschenfresser, in dem berüchtigten Boulevard-Blatt„Poledni List" gegen die deutschen Flüchtlinge verösscntlicht hat.„Ter Tag" stimmte diesem Hetzartikel zu, versah ihn mit„schmückenden" Bemerkuiigen, har seine brunnenvergistenden Aenßerungcn noch unterstrichen und ergänzt. Dies alles nur zu dem Zweck, deutsche Volksgenossen um das schützende Asyl zu bringen! Und Herr Karg fchreibt mittlcnveilc von der sudetendeutschen Einheitsfront, von der Bildung einer deuischcn Gomeinschaftspartei, die die Ausgabe haben soll, deutsche„Belange" zu schützen und die Bedürfnisse des Sudetendeutschtums den Tschechen abzutrotzen. * Die Hakcnkreuzlcr sind mit dem Borwurf des Nationsverrats schnell bei der Hand, wenn es gilt, Sozialdemokraien zu schmähen. Und je uichcrcchtigtcr dieser Vorwurf ist, nm so eifriger wird er ins Volk geworfen. Als letztes Mittel, wenn kein anderes mehr verfangen will, ist den Hunnen' Verdächtigung und Verleumdung gegeben! Und nun sehe man sich an, wessen die Hakenkreuzlcr fähig sind! Plan nimmt wahr, daß sie die Interessen, ja, das Leben deutscher Volksgenossen bedenkenlos verraten, daß sie sic mit Hilfe der tschechischen F a s c i- st e n dem Henker ans Messer liefern wollen, wenn cs sich um Prolcicn, um Sozialdemokraten oder Kommunisten handelt. Tas Eiu- heitsgeslötc des Herrn Karg— es soll das sudetendentschc Volk von seiner wesentlichsten Aufgabe abhalten: seine Existenz zu schützen, seine Kultur und seine Freiheit im Rahmen einer demokratischen Republik zu bewahren, indem eS sich gegen den Fasciümuü schützt Das E i n h c i t s g e f l ö l e des Herrn Karg — das ist die schöne verlogene Theorie. Tie E i n h e i t s s r o n t mit Herrn Kahünck gegen deutsche Volksgenossen— das ist die Praxis. Zur Kennzeichnung dieser Niedertracht und dieses nationalen Verrats der Hakenkreuzlcr versagt die Sprache. Es ist an den Sudetendeutschen, der Enipörnug über die Schurkereien der Einhci'sfrontler durch die T a t Ausdruck zu geben! Mittwoch, IS. August ISN» 9lt. 199 Abschied von Franz Beutel und Kämpfer, Der Weg zum Grabe wir be- bet di« bleiben. Zentralgewerkschaflskoinmission in Rei» und den Verband der deuischen Kran, vertrat Noch einmal zog gestern nnser- ran, Beutel durch die Straften von Aussig, das ihn so oft an der Spitze der Arbeiterschaft gesehen hat, noch ein» mal umgaben ihn die Lausende, deren freund und Genosse in jahrzehnte» langen K8n«psen er war. Doch wenn auch die Erde seine sterbliche Hülle be« deckt, di« frucht seiner Arbeit ist gegenwärtig. Was er in rastloser Mühe geschaffen hat, wird Fran» Beutel nnvergeftlich machen. der Arbeiter finden lieh, was ihn emporhob über viele! Wußten doch alle, daß hier ein Mann spricht, der stets seelt ist van dem beste» und reinsten Dollen, alles, aber auch alle« hinzugeben bereit ist für große, uns all« verbindend« Sache! Ter Tank der Partei und ihrer Parlament««!- schon Brrlrclnng, den ich hier zu vermitteln hab«, gilt wohl vor allem dem teueren Toten, er gilt aber auch seiner guten, treuen Frau, dt« wie so viele Frauen, deren Männer sür dar Proletariat arbeiten, vieles entbehren muhte und es entbehrt« Im Inter» esse der großen Lame Wir nehmen heute Abschied von dem, was sterb, lich war an Franz Beutel! Wir gehen ernsten, Von heißen Kämpfen erfüllten Zeiten entgegen! Wir sind die W c r k m« i st e r einer neuen und BezirkSkranken- Beutel, der hatte, warme An seine Bahr« im Aussiger Pokkrhaus, die umhäuft war von Kranz- und Blumenspendcn der Angehörigen und Freunde und behütet von der Ehrenwache der Roten Wehr, deutscher und tschechischer Arbeiterturner und jugendlicher, traten am Vormittag zahllose Genossen, um zum letztenmal Franz Beutel in stummem Abschiedsgruß gegcnubcrzustehcn. besseren Zeitl Wir wissen, daß diese Zeit er- kä.mpst und erobert werden muh! Und wir wollen und werden kämpfen, daß all denen, die schon glauben, die Sozialdemokratie sei erledigt, Hören und Sehen vergehen werden! In diesen schweren Kämpfen werden wir oft Deiner gedenken, Franz Beutel! Aber gerade dies« Erinnerung wird uns Ansporn sein, und wenn der Tag des großen Sieges kommt und das siegende Proletariat Heerschau hält über seine großen Bor- kampier, dann wird das deutsche Proletariat dieses Landes in Liebe nnd Treu« gedenken seines — Franz Beutel! Im Name» des Vollzugsausschusses der tschechischen Partei sprach Genosse ftlha: An diesem Augenblick neigt sich di« tschechische sozialdemokratische Arbeiterpartei vor dem toten Kämpfer. TaS Andenken an ihn wird auch in de» Reihen unserer Genossen lebendig bleiben. Seinem Beispiel folgend, werden tvir auch in Zukunft m i t Euch gemeinsam an der Erreichung unseres Endzieles, der Befreiung des Proletariat r von der Herrschaft des Kapitols und dem Sieg der Sozialdemokratie beider Nationen in diesem Staate arbeiten, In diesem Geist« danke ich im Namen unserer Partei dem Ge. nassen Beutel für alles, was er für den Sozialismus und die Arbeiterklasse geleistet hat. Nach kurzen Worten deö Genossen Spiegel erklang der Schluß der Trauermarsche-, die Der- sammelten formierten sich vor dem Dolk-hau- zum Trauerzug, der Fran; Beutel auf seiner letzten Fahrt brgleitcn sollt«. Ein Bläscrchor des s ü r s o r g e" eine notwendige Ergänzung unserer Institutionen und er förderte sie, wo er nur konnte. Unermüdlich in der Arbeit, verzagte er nicht, wenn nach Erfolgen N ü d'ch nicht getrosfen hätte? Wenn du mich nicht In das große, verantwortungsreich« Leben mitgenommen hättest!" „Es ist aber kein Zufall, wem man begegnet." „Gleichviel! Schreib ihr ein paar liebe, gute Worte. Gratulier« ihr! Und sage ihr, daß du ihr Freund bist!" „Sw braucht mich nicht!" „Du bist ein unartiger Junge! Schreib ihr daß wir da sind, wenn sie nns braucht, wenn einmal ihr strahlendes, rauschendes Leben in die Brüche gehen sollte, daß sie hier Freund« hat, die zu ihr stehen." BorriS küßt« seine Frau. Aber ihre Stirne stand voll Schweiß und sic drängle BorriS fort. „Ich glaube, daß du jetzt gehen solltest! Die Wehen sangen jetzt wieder an. Ihr Gesicht trug einen gespannten Ausdruck unterdrückter Schmerzen,„DaS Sprechen... strengt niich an... das Hören... noch mehr .. ,!" Sie stöhnte leise. Angst trat in d«S Mannes Augen. „Was kann ich für dich tun?" flehte er. „Nickst, mein Geliebter!" sagte di« junge Fran muhfam. Er küßte heiß ihr« Hände. »Laß Ulich!" „ES ist sch redlich, Hildchen, daß du so leiden mußt. Kannst du mir verzeihen? Für unS die Lust, kür euch der Schmerz und das Recht auf daS Kind gemeinsam! Schande über unsere natürliche Bcvorrechtung! Noch mehr Schande über die gesellschaftlich«, politische und seelische, die wir uns jahrhundertelang angcmaßt haben! Verzeih uns!... Ja, ich geh«... wenn du es so willst. Muß es denn sein? Darf ich jetzt wirklich nicht bei dir bleiben?" „Geh arbeiten!" „Ja. ich gehe!" sagte Borris mit verzweifeltem Blicke.„Leb wohl!" Er ging langsam zur Türe. „Leo wohl! Und morgen früh ist das Kirrd schon da. Morgen früh... sind wir... schon zu dritt!"'agte Hildegard mühsam lächelnd. Dann lvar sie allein. Schmerz zerwühlte ihren Körper, nahm ihr den Atem, trieb ihr Angströtc in die Wangen, Sie verkrampfte die Hände und schrie. Die Schwester trat ein. sprach beruhigende Worte, reichte ihr Wasser, fragte nach ihren Wünschen, versprach, den Arzl zur nochmaligen Untersuchung zu schicken und machte im Zimmer ein paar Handgriffe. „Kann das wirklich noch viele Stunden so sortgehen?" jammert« Hildegard in gebrochenem Russisch. Borris schien bei seinem Weggang nicht nur ihre ganze Tapferkeit, sondern auch einen Teil ihrer kargen, neuen Sprachkenntnisfe mit sich genommen zu haben. Sie verstand auch nur halb, waS di« Schwester antwortete. „Ist das möglich? Soll man das stundenlang aushalten? Wie spät ist cS denn? Die Hitze Ist unerträglich! Warum konimt die Nacht nicht? Und die Kühle?" „Halb nenn!" sagte die Schwester. „Upd der Arzt sagte doch: in den frühen Morgenstunden! Er muß sich irren!" Hildegard ging im Zimmer aus und ab. Schwer schleppte sie ihren unförmigen Leib, hielt ich an Sessel oder Tischkante fest und schlvankte weiter. So war es doch leichter zu ertragen. Sie atmete tief und ging langsam, schlürfend auf und ab. Warum halle sie ihren Gatten fortgeschickt? Vielleicht mußte sie sterbe» und dann war er nicht da, nm ihre letzten Worte zu hören. Kam er morgen, dann fand er sie tot! „Mein Mann!" stöhnte sie.„Schnrvster! Rufen Sie meinen Mann!" „Aber, liebes Herz!" verstand sie jetzt ganz deutlich, ,dcr kann Ihnen doch nicht helfen! Dai müssen Sie allein durchwachen! Tas ist Frauen, los." Die Schtvester klapperte mit Geschirr und stellte cS auf den Gang hinaus. Hildegard setzte sich auf den Bettrand. Sic schloß die Augen.' Sie hörte die Schwester leis« singen. Jetzt schien der Schmerz wieder nachzulassen. „Gehen Sie wieder auf und ab!" riet die Schtvester.„Oder tvollen Sie cttvaS lesen?" „Nein, danke!" sagt« Hildegard matt. „Denken Sie doch an das Kind! Das ist dann der Lohn sür diese haar bösen Stunden. Denken Sie an dir Freude über das Kind! Wie es jauchzen und strampeln wird und wie Sie eS baden werden und pflegen und wie ihm die.Haare wachse» werden, die ersten zarten Locken, und wi« es mit den.Händchen nach Ihnen fassen wird. Nicht? Und dann tvird es hcranwachscn und klug tverden und seine eigenen Gedanken haben... und dann wird e« kein Kind mehr sei», sondern ein Kamerad. Wenn Si« an all das denken, dann werden Sie die^e Schmer«» willig ertragen lind nicht murren. WaS wünschen Sie sich denn? Eine Tochter?... Aber der Vater will doch sicher einen Sohn! Sehen Sie!?lllcn kann man cs nicht recht machen! Und wie soll eS den» heißen?" (Schluß folgt.) Jh. 1M> Mittwoch, 18. August 1088 eveir« a Laßt es nidit so weit wie in Deutsdiland kommen M gung, um den emigrierten Genössen, der mit«zu Land mit hämischer Fr< Frau und Kind ein kärgliches Leben in der s Schützer des Asylrcchts aus. SoiMcrüerkhte in Irland. Dublin, 15. August,(Reuter.) Dem Vernehm men nach hat das Kabinett in seiner heutigen Sitzung den Beschluß gefaßt, einen besonderen Gerichtshof mit der Aburteilung politischer Vergehen zu betrauen. Der Militärgerichtshof, der auf Grund des heutigen Kabinettsbeschlusses eingesetzt werden soll, wird da§ Recht haben, Todesurteile zu verhängen. Der Beschluß ist von De Balcra gebilligt worden. Dieser will nicht länger dulden, daß das Verbot, Waffen zu tragen, mißachtet wird. Tie Maßnahme richtet sich besonders gegen die Blauhemden O'DuffiS, die für einen großen Teil im Besitz von Pistolen und Gewehren sind. Politischer nord in Griechenland. Früherer albanischer Ministerpräsident «mordet. Saloniki, 15. August.(Agenec Hav.) Gestern nachmittags gegen 2 Uhr wurde auf offener Straße der ehemalige Präsident der albanischen Regierung Hassan Veh- P r i ü t i n a durch Revolverschüsse ermordet. Der Mörder ist ein gewisser Hussein T o l s a Ibrahim, der nach kurzer Flucht fcstgenommcn wurde und angab, daß er angeblich von Hassan Bey zur Ermordung des albanischen Königs Achmed Zugo gcdungcn worden sei. Der Mörder gab tvelters an, Hassan Bey hätte ihm für die Mordtat an König Achmed Zogu 20.000 Lire angeboten. Als albanischer Patriot habe er sich die Sache fedoch überlegt und sich entschlossen, Hassan Bey zu töten. Die Nachricht von der Ermordung des ajsba- nischen Politikers Hassan Bey.Pristina in Saloniki hat in hiesigen politischen Kreisen großes Aufsehen hervorgerufen. Ter Ermordete hatte vor dem Weltkriege unter den im Kossowo-Gc- biete ansässigen Albanern eine führende Rolle gespielt. Während des Weltkrieges schloß sich Hassan Bey den Zentralmächten an, für die er auch albanische Kriegsfreiwillige warb. Nach dem Zusammenbruch der Zentralmächte emigrierte Hassan Bey, da er alsbald mit Achmed Zog» in erbitterte Gegnerschaft geriet. DI« Dokumente der„PekhsposT* ernt. Wien, 5. August.(Eigenbericht.) To« amtlich« deutsche Wolff-Büro erklärt heute, daß die gestern von dem österreichische» Regierungsorgan„Reichspost" veröffentlichten Dokumente über die Verschwörung der Nazis gegen Oesterreich, insbesondere über di« Zusammenarbeit öffrntlichrr reichsdeutscher Stellen, unter denen die Deutsche Gesandtschaft in Wien«ine« hervorragenden Platz»einnimmt, mit österreichischen illegalen Naziorganen falsch find. Diese Ableugnung wurde auch von deutschen Rundfunksendern verbreitet. Demgegenüber stellt die„Reichspost" heute schon fest, daß die Dokumente selbstverständlich echt sind und jeder Ueberprüfung standhal» t r«. Für den Kenner der Verhältnisse ist es ohne Zweifel, daß die„Reichspoft" mit ihrer Behauptung recht hat. Irland gegen den Fascismus. Verbot der Blauhemdenorganisation? Dublin, 15. August.(Reuter.) Das irische Kabinett ist heute zusammengetreten, um über zwei wichtige Fragen Beschluß zu fassen: Erstens handelt cs sich darum, ob die Blouhemdenorgani- satiou des Generals O'Dussy verboten werden soll: zweitens soll über die Einrichtung eines Militärgerichtshofes entschieden werden, von dein u. a. mehrere ehemalige Minister abzuurteilen wären, die ev, obwohl ihnen der Waffenschein entzogen worden ist, abgelehnt haben, ihre Feuerwaffen obzuiiesern. Schwei; fristete, die„AZZ" wieder zu entreißen. Das Ergebnis dieser Arbeit war ein Bries der Schweizer Parteileitung(unterschrieben Haus Bickel) an den deutschen Genossen, der folgenden Wortlaut halte: „Da Du Inhaber der Buchhandlung und gleich- jeltlg Mitglied der Literaturkommission bist, verlangt die Partei, daß die„AIZ" von Dir der Partei znrllckgegeben wird. Gleichzeitig teile ich Dir im Rainen des Zentralkomitees der Partei mit, daß Dich die Partei aus der Schweiz ausgewiele» hat. Die Partei verlangt, daß Du bis Ende August die Schweiz zu verlassen hast." Das ist ein ganz ungchciirrlichcr Vorgang. Richt genug, daß in der Schweiz die Behörden in schärfster Weise gegen deutsche Emigranten Vorgehen und die sich politisch Betätigenden des Landes verweisen, greift jetzt die Zentrale der schweizer Kommunistischen Partei zu denselben Polizeimethode» und lvcist dei^sche kommlinislischc Emigranten, die den führenden KP-Leuten der Schweiz in ihre dunklen Geschäfte hincingelcuchlct haben und ihnen»nbcqnem geworden sind, aus der Schweiz aus. Einer der schweizer Kommunisten, Adolf Vogel in Zürich 111, der sich offen gegen diese schofle Handlungsweise Bickels gewehrt hat, ist auS der schweizer Kommunistischen Partei ausgeschlossen worden. Bei unS aber spielen sich die Kommunisten— die, nebenbei gesagt, Trotzkis Hetzen von Land zu Land mit hämischer Freude begleiten— als Münchner Eindrücke eines Schweizers. Basel, 15. August.(Imprcß.) Tie„Ratio, nalzeitung" veröffentlicht ,Kleine deutsche Eindrücke" aus München, denen wir einige bezeichnende Stellen entnehmen.„Es ist Mittag, die stark belebte Briennerstraße übcrguert, in einem majestätisch braunen Militärmantel gehüllt,! breitspurig, überaus selbstbewußt, offenbar voll des Gefühls„alle schau» mir nach", ein hoher SA-2sfizicr, der noch junge Potsdamer Polizeipräsident Graf Helldorf. Das Rathaus ist zu Ehren der obersten Prätorianer reich beflaggt. Mit scheuer Bewunderung zeigt man sich die nn Rathaushof ausgestellten, sagenhaft schönen, mit prima Lederkosser bepackten Autos, darin die Herren des neuen Reiches ans allen Teilen Deutschlands hrrangefahreu sind. Abends dann ins Varietee. Nageldick volles Lokal. Ter Tisch nebenan ist mit hohen SA- Offizieren besetzt. Ein von den illustrierten Blättern her wohlbekanntes Gesicht, ein noch jugendlicher Kops mit etwas zurückfliehender Stirn, unausgewachsener Rase, breitem, fleischigem Mund, vorgetriebenem fleischigem Kinn, der Kopf auffallend klein für die mächtige Gestalt, dazu lange, weichlich anznschaueiide Hände, der ganze Mann selbst wirkt scminin und brutal zugleich. Die lange weichliche Rechte hat vor Kohren in einem einsamen Wald in Pommer» einem Menschen die Pistole an die Schläfe gepreßt und abgcdrückl. Edmund H eine s, der ehemalige Femeniörder, ist jetzt Polizeipräsident und Diktator BreSkanS." weisen nachdrücklich aus die Hlinka und den Fasristen sehr Zeugnis ablegen für so sagt da-„Na- Das AstjlrccN und die Kommunisten KP-Zentrale der Schweiz weist Kommunistische Emigranten ans der Schweiz aus. Aus der Schweiz wird ein ganz unge- heuerlichrr Vorfall gemeldet, der ein bczeirh- neudes Lich! aus die inneren Zustände in der kommunistischen Organisation wirft. Einer der maßgeblichen Führer der KP der Schweiz ist Hans Bickel in Zürich. Bickel hatte den Literaturvertrieb der KP in der Schtveiz. Dabei auch den Vertrieb der jetzt in Prag ge- driickten„Arbeiter-Jllustricrlen". Als die„AJZ" in Deutschland unterdrückt wurde, kam als Emi grant cm in Deutschland verfolgter kvmniuni- stischcr Geschäftsführer des„Neuen Tentschru Verlages" nach Basel. Dieser deutsche Kommu nist, der zu der allen Garde der KPD gehört und schon int Spartakusbund war, wurde zunächst vom Verlag der„AIZ" mit der Kontrolle des bisherigen Vertriebes der„AJZ" betraut. Dabei stellte sich bei dem bisherigen Pertriebsleiter ein Manko für die„AJZ" von 16.800 Schweizer Franken(gleich 108.780 k<) heraus. Auf Beschluß der Komintern ivurde dieses Manko einfach liquidiert. Die Sache sollte einfach totgctreten werden, weil der dafür Verantwortliche führen der Funktionär in der Schweizer KP ist. Aber der Vertrieb der„AJZ" lvurdc dem Hanü Bickel abgenommen und dem in der Schwei; emigrieren den dentsck-en kommnnistischen Geschäftsführer des„Neuen Deutschen Verlages" übertragen. Der macht die Arbeit prompt und gewissen haft. Er hatte aber nicht mit der Rache des Hans Bickel gerechnet. Bickel setzte alle Hebel in Bcwe- big« Weist und Fcuerkops sand er schon in srüher Jugend den Weg zur täinpfeuden Arbeiterklasse, in deren Reihen er sich mit Begeisterung eingltedeete' uni> in deren Kämpfen er alle Antriebe und die innere Befriedigung für seine Wirksamkeit sand. Di>: Berührung mit den geistigen Führern der Arbeiter- bewegung brachte in ihm alle geistigen Kräfte zur Entfaltung, die ihn, den einfachen Schriftsetzer, sehr' rasch innerhalb der Bewegung ouffteigen liehen und! vorwärt» führten. Damit aber begann für ihn neben seiner reichen Betätigung im engsten Auist- ger Arbeitsbereiche, die Zeil der höheren Verantwortung al« Parlamentarier, aber auch al» Mit glicd der obersten Partcikörperschasteu. Darum ist es nur zu begreiflich, daß cs uns allen so schwer um» Herz wird, ihn aus unseren Reihen scheiden zu sehen, ihn fortab nicht mehr in den weiteren Kämpfen an unserer Seite haben zu können und jene Begeisterungsfähigkeit entbehren zu müssen, die sein ganze« Wesen charakterisierte. Und wenn wir nun auch schon in den vielen zurückliegenden Johr- zchnten, in die die Wirksamkeit Franz Beutel« fiel, dieser Begeisterungsfähigkeit im hohen Matze bedurften, wie erst in den schweren SchicksalSstundcn, die die Arbeiterklasse jetzt durchlebt und in denen es nicht nur daraus ankomnit, daß jeder einzelne von und seine Pflicht der Arbeiterklasse gegenüber er- süllt und sich ihr begeistert und opferfreudig hingibt, sondern, daß jeder von uns seine Begeisterung, seinen Kampf- und Siegeswillen aus die Masse überträgt, sie'mitreißt und st« zur leidenschaftlichen Mil- kämpserin um die Sache des Proletariats, um den Sieg des Sozialismus macht. Ein Wort des Danke« wollen wir noch dem Freunde sagen und auch seiner treuen Gattin, die ihm tapfer zur Seite stand, in Dankbarkeit und Freundschaft gedenken. Einen letzten Gruß wollen wir dem unvergeßlichen Freunde entbieten und zum Abschied die stolzen Johnen senken, an deren Leite er das Aussiger Proletariat in den zurücklie- genden Jahrzehnten zum Kampfe und so oft auch zum Siege geführt hatte. Dann aber wollen wir— ganz in seinem Geiste— die Jahnen wieder hoch erheben und in den Lüften flattern lasten, denn morgen geht der Kamps schon wieder weiter. Er wird, daL ist unser Glaube und unsere Zuversicht, zwar hart und opfervoll, aber siegreich sein, denn allen Gewalten zum Trotz gehört der lämpsenden Arbeiterklasse, gehört dem menschhettsbefreienden Sozialismus die Zukunft. Noch einmal grüßten die roten Fahnen, noch einmal klang das wundervolle Lied„Ein Sohn des Balkes wollt er sein", das auf unseren Franz Beutel so trefflich Paßt. Damit war die Trauerstier aus dem Friedhof beendet. In langer, stummer Reihe zogen noch einmal die Genossen, an deren Spitze er nianche Schlacht geschlagen, an dem offene» Grab vorüber und morsen rote Nellen als letzten Gruß hinab, bis Kränze und Nelken sich zu einem roten Hügel über dem Grabe wölbten. * oedenüleler der sozioiversidierungstnstltute. Vormittags um 11 Uhr versammelten sich die Mitglieder der Vorstände und der lieber- wachungoausschnsse der Bezirkskrankenversiche- rungSanstalt in Aussig und des llnterverbandeS Aordwestbvhmens im Reichsverbande deutscher KronkenverjicherungSanstalten, Vertreter der angeschlossenen KrankenverficherungSanstalten, der Brüxer Rcvierbruderlade und die Beamten und .'lngestelllen der Aussiger Anstalt zu einer würdigen Gedeiikstunde für Direktor Franz Beutel im großen Parterresaal des Aussiger PolkshauseS. Nachdem die Harmoniumeinleitung verklungen, sprach Genosse Theodor Dietl, worauf namenS des Reichsverbandes deutscher Kronkenversiche- rungsonstalten und der Unterverbäitde Abg. Genosse Theodor H a ck e n b e r g des Wirkens Franz Beutels gedachte. Er gab einen lieberblick über die Entwicklung der Arbeiterversicherung im alten Oesterreich und im neuen Staate, mit der der Name Franz Beutel aus immerwährende Zeiten eng verbunden ist. Ter ausbauent» Charakter Franz Beutels sand in der Entwicklung der Artzeiterversicherung im alten Oesterreich, deren Berwaltung nahezu restlos in den Händen der Versicherten lag, reiche Befriedigung. Hier konnte sich sei» starkes Verständnis für die soziale Lage der Arbeiterschaft voll und ganz auswirken. Um so härter wird eü wohl auch Fran; Beutel einpsunden haben, als er bet eingeschränkter Selbstverwaltung der Anstalten als deren leitender Beamter in Zeiten rückläufiger Entwicklung an dem Abbau s o- zialer Lei st u n gen Mitwirken mußte. Gerade aber die wachsenden Schwierigkeiten, mit denen heute die Verwalter der Krankenversicherung zu rechnen faben und überwinden müssen, habe» wohl auch ihren Tribut an dieser sonst eisernen Natur gefordert und trage» wohl auch die Schuld, daß Genosse Beutel nach wenigen Monaten des Ruhestandes vom Tode abbe- rufen wurde. Schließlich sprach noch Genosse Felix S k o u- tajan namens der Beamten und Angestellten der Aussiger- Anstalt, der dein Verstorbenen für sein Verständnis für die soziale Lage der Ange- ' stellten dankte. Mit einem Harmoniumvortrag und einigen Dankesworten des Genossen Dietl wurde die Trauerfeier um 13 Uhr mittags abgeschlossen. «rbOtterOlte»« äSaert ihr Immer. noth? Jede» Arbeiterkind qc- Wit Htt de« 9toien gälte«. Beruhigung aui Kuba. Havanna, 15. August.(Reuter.) Bei den Unruhen kamen 12 Mitglieder der geheimen Polizei des Machado-RegimeS umS Leben. Ferner Wurde die dem ehemaligen Präsidenten aehö- rende Farm vernichtet. Mit Rücksicht aus die verschiedenen Ausschreitungen trifft die Armee im ganzen Lande strenge Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung, so daß sich bereits eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Tätig- leit bemerkbar macht. Im Hinblicke auf diest Besserung der Lage ist einer der noch Kuba entsandten amerikanischen Torpedobootzerstörer wieder in seinen Hofen zurückbeordert worden. Schutz gegen die Hunnenvelt Die lelegraphen-llnion für tschechoslowakische Blätter verboten. Tie Telegraphen Union, Berlin, versorgt eine» großen Teil der deutschen Presse mit' Rnndfnnk Pressemeldungen. E« ist klar, daß es sich jetzt in erster Linie um Aenßernngen der Naziführer und der Neichsregierung, also um Lügen- und Haßnieldnngeii handelt. Das nahmen unsere Behörden zum Anlaß, einigen Blättern die Bertvendnng der Meldungen ans der Tele- graphen Union zu verbieten Es handelt sich um solche Blätter, die den Zuhe.lt der Meldungen im Sinne ihrer Gleichschaltung mit den reick'->deni- sche» Nazis verarbeitet haben. Ta sei die Frage erlanbi: Was ist mit jener reichsdeulschen Mitarbeiterschaft an der sudeteu- deutscheii Gleichschaltiittgspresse. die einen großezi Teil der sndetendeulschen Bevölkerung, nämlich die sozialistische Arbeitersche.st. fortwährend in der ordinärsten Weise besudelt? Boykott, sondern behauptet, daß dieser nur ein Mittel der Sozialdemokratie sei, der heimischen Bourgeoisie zu Helse», während ihr Hitler» Deutschland helfet, indem ihr de» Boykottwillen deS klassenbewußten Proletariats schwächt. Laßt eS nicht so weit kommen wie in Deutschland, wo der Haß gegen die Sozialdemokratie, den ihr einem Teil deS Proletariats eingellöht hobt, viele für die Aufnahme sastiftischer Ideen bereit gemacht hat. Laßt es nicht so weit kommen wie tn Deutschland und kompromittiert nicht die große Idee der Zusammenfassung der proletarischen Kräste und der Einheit der Arbeiterbewegung durch die demagogische und unehrliche Parole der Einheitsfront, die euch nichts anderes ist, al» ein Mittel im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Laßt«S nicht so weit kommen wie in Deutsch, land und sagt dem Proletariat die große Wahrheit, daß im Klassenkriea« nur eine disziplinierte, einheitliche Arbeiterklasse liegen kann, während st« zersplittert zur Beute feoeo Abenteurer» wird, der sich dazu hergibt, die Geschäfte der Bour- aeoiste zu besorgen, die Arbeiterschast aber wirtschaftlich verelendet und politisch versklavt. Die Vorfälle in Neutra. Widerhall in der tschechischen Preste. Auch am Dienstag beschäftigt sich ein Teil der tschechischen Presse mit dem Austreten HlinkaS in Neutra. Bemerkenswert ist, daß das Blatt der N a t i o n a I d e m o k ra t e n, die„Narodni Listy" von Hlinka abrücken. Sie erklären, der Nationalismus bedeute für sie die Stärkung der iiatiouale» Einheit und damit das Auftreten gegen jeden Dualismus. Tas Blatt verurteilt es auch, daß die Ligisten und Foscisten Hlinka uttterstühen. Die Linksblätter Verbindung zwischen hin.„Nichts kann so eine politische Angelegenheit/ rodni Ösvobozeni",„als die Verbindung Hlinkas mit der Gruppe des Abgeordneten Sköi'brny und den Fascisten. Den Abgeordneten Chmelil hat Hlinka dem i» Nitra versammelten Volk als den Redner jener Tschechen vorgestellt, welche die Freunde der Slowaken sind!"(Hlinka falle nämlich Chmelik als die erste Schwalbe bezeichnet, welche den Slowaken die Autonomie aus den historischen Ländern bringe.) Auch das„Pravo Lidu" unterstreicht in einem Leitartikel die Bun- desgeuosseiischaft zwischen Hlinka und den Fast!» sten und fragt, ob man ewig die Treibereien dieser eigenartigen Gesellschaft, deren Auftreten gegen die Regierung immer frecher wird, dulden werde. Meine Besserung im Außenhandel. Nach dem Bericht des Statistischen Staats« am les betrug die Ausfuhr im Monat Juli 107 Millionen K gegen 519 Millionen im Vorjahre, die Einfuhr 582 Millionen gegen 580 Millionen im Vorjahre. Der Einsuhrüberschuß beträgt 85 Millionen. Zu den ersten sieben Mona, t e n des heurigen Fahre» betrug die Ausfuhr 3.1 Milliarden gegen 1.3 Milliarden K in derselben Zeil des Vorjahre», die Einfuhr.1.2 Milliarden gegen 1.5 im Vorjahre. Für die ersten sieben Monate schließt die Handelsbilanz mit einem Passiv» m von 6 t Millionen. Bemerkenswert ist, daß im Außenhandel in den letzten Monaten eine kleine Wend u n g zum Besseren eingetreten ist. Es betrug nämlich der Gesamtumsatz de» Außenhandels im ersten Quartal des heurigen Fahre» im N!»naI»durch- schnitt 0.81, im zweite» V.iiartal 0.91 und im j Juli 1.08 Milliarden. Die Nohslosteinsnhr betrug im Monatsdurchschnitt im ersten Ouartäl 191 Millionen, i»i zweite» Lnartal 211 und im Juli 279 Millionen, die Fertigwarenanssiibr IW, H o rufen„Vorwärts" und Internationale" I» ihrem Leitaufsatz vom 15. August. Ja, laßt«» nicht so weit kommen wie in Deutschland, ihr Herren Komutunisien, wo ihr die Arbeiterbewe- jung gespalten und geschwächt und so dem Foseismus seinen Sieg erst möglich gemacht habt! Laßt e» nicht so Welt kommen wie in Deutschland, wo ihr der HelserShelser der Fosei. ten gewesen seid, nicht nur dadurch, daß ihr den Bruderkrieg innerhalb der Arbeiterschast ver. ewigt, sondern dem brutalen Klassenfeind— denkt an den Volksentscheid in Preußen— ge, Holsen habt, do» Gebäude der sozialistischen Arbeiterbewegung für den FasciSmu» sturmreif zu machen. Laßt es nicht so weit wie in Deutschland kommen und hort endlich aus, di« Spalten euerer Presse mit den unanständigsten Angriffen aus di« Sozialdemokratie zu füllen, statt euer« Leser aus de» Hauptseind der Arbeiterklasse, den Fascismus, aufmerksam zu machen. Laßt es nicht so weit kommen wie in Deutschland und schwächt darum nicht die Arbeiterklasse in dem Augenblick, da sie den Boykott gegen die deutschen Waren eröffnet! Ihr schreibt nicht für den teile 4 Mittwoch, 16. August 1933 Nr. 190 Die Sttefenveiriigereie« des Direktors triebe. Sie manövriere»! Tos gestrige„Ruvö Prüvo" versucht mit uuse- «m Aufsatz vom sonntag zu.polcnnsicren, wo wir aus einige nudurchsnhrvarc Bestimmungen der Rcgierungüverordining über das Genter System hingcwiesen haben und nennt nitscrc Au-führuiigen «in„Manöver", das die Berantworiung der sozial, demokratischen Führer sür die Pcrschlcchtcrung des Genter Systems verschleiern solle. 2Lir können dein „Ruds Pravo" sagen, daß wir nichts zu verschleiern haben und immer die bürgerlichen Parteien, ganz besonders die.Agrarier, die Nationaldemokrale» nnö die Christlichsozialen angellagl haben und auch wc:- terhin anklogcn, aus purem Haß gegen die ArbeitS- losen Maßnahtnen gegen die Ärbcitloscn vurchge- drücke zu haben, die zwar leine ins Gewicht satten- den Ersparnisse im Staatshaushalt bewirken, dafür aber hunderlkansende von Aobeitslosc-'t>n urrncr» antwortlichster Weise provozieren. Hätten die.Kommunisten sich weniger von ihrem Haß gegen die Sozialdemokratie und mehr von BeraulwvrtungSbcmußlsei» für die Arbeite, losen leiten lassen, dann hatten auch sic ivähread der monalelangen Kampagne für die Erhaltung»er Ar- beitSlojenuuierstützungen das Schwergewicht ihrer Angriffe gegen die Bürgerlichen richten müssen. Das haben sie nicht getan und sic haben sich im Gegen, teil als die besten Heiser des Bürger- rumS entpuppt, nachdem sic bereits seit Feber die Oeffenttichkeil ständig mit Proklamationen bombardiert haben, daß jetzt ichon gleich die Berschtechlerun- gen-es Genier Systems in Straft trete» werden. Zuerst am 1. März, dann am In. April, dann am 1. Mai, dann wieder am 1. Juni, am 1. Juli soll:« cs ganz bestimmt schon so weit sein und wenn cs auch da»ich. war, dann mußte es unbedingt der 15. August sein. So habe» sie dir bürgerlichen Par- leien geradezu mit der Nase daraus gestoßen, daß sic zwar„protestieren", aber sonst nichts weiter unternehmen werden, da ihnen ja die Arbcitrlo'.-nuntcr- stützungen und die Fürsorge für die Arbeitslosen ganz gleichgültig sind. Das, was sie von der ganzen Kampagne cnvartclcn, war nur ein parteipott- tischcr Criolg, mit dem sie wieder rinmal der Sozialdemokratie eins aiiszinvischcn hofften. Diese Tat- tik ist gründlich daneben gegangen, weil sich die Arbeitslosen inzwischen aus Grund der Tatsachen überzeugen konnten, daß die Soziatdemokraken zwar weniger Geschrei gemacht, dafür aber desto hartnäckiger in den Regicrungsverhaudlungcu die Jnier. essen Ser Arbeitslosen gewahrt haben, so daß erstens dis Berfchlcchtcrungcn bis zum 15. 2eptc»>d:r bin* auSgejchobc» werden und anderseits die viel weil- reichcnderen BerschlcchtcrungSanträgc der Bürgerlichen erheblich geändert werden konnten. Wir werden die Geschichte der Bcrhaudiungen über die Novelkisicrung des Genter Systems noch beleuchten und uns auch durch das üble Hetzgeschrsi der Kommunisten von einer Kritik nicht abhatten lassen. Wir werden aber auch der Arbeiterschaft mit- teilen, wie sich d:e komninnistfschcn Abgeordneten anläßlich der ParkimentSverhandlungen über dis letzte Noocllisicrung des Genter Systems ausgesprochen haben, die eine wesentliche Verbesserung und eben die Erhöhung des SlaatsbeitrageS auf 18 Kc and auf dis drei- und vielfache der Organifatiansunccr- stühung brockte. Daß sich diese Marodeure des Älasscnkampfes schämen werden, das erwarten wir van ihnen nicht, weil ihnen alles ein politische; Ge< schält ist. Aber die Arbeiterschaft selbst soll sich ein Bild darüber machen können, wer sich da nun heute als Retter des Genter Systcins auffpielk. Vom Rundtank Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag. Prag: 6.00 Gymnastik. 10.10 Schallplatten, 13.40 Schallplatte«, 18.30 Deutsche-Lcndun g: Landwirtschaft, 22.13 Konzert des Kleinen Salon- orchefters.— Brünn: 10.10 Schallplatte», 1*1.50 Konzert, 17.55 wuristijchcr Bortrag, 18.25 Deutsche Sendung:„Ter Schuß in die Rächt", Sketsch.— Wien: 12.00 Mittagstonzerl, 15.55 Opernszcnr», 18.00 Törjcr an indischen Landstraßen, 10.00 Beethoven, 21.40 Salzburger Festspiele.— Frankfurt: 15.20 Stunde der Jugend, 20.00 Licdcrstnndc.— Hcilsbcrg: 20.00 Wagner- und Berdi-Abend.— Mühlacker: 15.30 Stunde der Jugend.— Leipzig: 20.35 Lrchcsterlonzcrt.-- Berlin: 17.50 Roman- tische Lieder.— München: 20.00 Konzen der 100 Zithern. Bekanntlich war Nordoslmährcn seil jeher do- Zentrum ddr Metall-, Textil- und Möbcl- induslric. Es isi daher nicht zu verwundern, daß sich in diesem Teile Mähren« die'Auswirkungen der Wirtschaftskrise besonders kraß bemerkbar machten. Ter Bericht über den Wirtschafts- und Arbcilsmarlt im Monat Juli verzeichne» auch diesmal nicht die geringste Besserung. Sämtliche Industriezweige leiden an Auf- tragsmaugcl, so daß insbesondere die Eisen- und Walzwerke und die Drahlfnbrikcn ihre'Arbeiter aus unbezahlten Urlaub schicken mußten. In den Fabriken zur Erzeugung landwirtschaftlicher Maschinen wird nur stellenweise norinal gearbeitet. Die Waggonfabriken beenden einige Bestellungen der tschechoslowakischen Staatebay- ncn, was aber weiter sein wird, weiß niemand. Die Emailindustrie arbeitete im Juni nur eine Woche und dies nur mit halber Belegschaft; wahrend der übrigen drei Wochen wurde nur ein verschwindend kleiner Teil der Arbeiterschaft bei den Erhaltungsarbeiten beschäftigt. In den Ürmaturfabriken wird nur fünf Tage in der Tie Betrngüaffäre des„Heimalfchollc"- Tirektors Joses Triebe zieht imnier weitere Kreise. Daß sie aufgeslogen ist, darf der zur Zeit amtierende Bürgermeister von Joachimslhal, ein Sozialdemokrat, als sein Verdienst buchen, denn er ließ, sobald er nicrktr, einem Schwindel aus die Spur gekommen zu sein, Triebe sofort verhaften. Triebe, ein bekannter Darlrhcnvvcrniitl- lcr, der für zahlreiche Selbstvcrwaliungslörper schon finanziesic Transaktionen durchgeführt hat, stand auch mit der Gemeinde JoachiniSthal in Geschäftsverbindung. Vor einiger Zeit hatte er sich bereit erklärt, der Stadt zur Tilgung von 'Annuitäten private Darlehen zu beschaffen und zu diesem Zwecke vom Sladtrat JoachiniSthal Wechsel erhalten. Er hatte dann auch das Geld brschafst, ober nicht an die Gemeinde abacsührt. Der Bürgermeister von Joachimüthal stellte ihm nun eine bestimmte Frist, aber Triebe war noch deren'Ablaus nicht in der Lage, den ausgebrach len Darlchensbctrag bei der Gemeinde zu deponieren. Daraufhin wurde er verhaftet. Die Bcr haslung gestattete sich sehr dramatisch. Triebe erlitt einen Nervenzusammenbruch, er begann zu toeinen und bot, man möge doch von einer 'Anzeige absehrn, denn er werde schon noch alles ordnen. Das Lamentieren nützte ihm nichts und es war gut, daß nian den Bogel nicht mehr auSlicß. Inzwischen haben sich nämlich auch andere Gemeinden gemeldet, die durch Triebe um Niesenbeträgc„erleichtert" wurden. Wohl am schwersten ist durch ihn die Stadt W e i p c r t geschädigt worden. Im Jahre 1929 beschloß die Stadtvrrlrctnng Wcipcrt, die laufenden teuren Darlehen abzulösen nnd eine Kou- vcrtiernng in der Höhe von 13.5 Millionen Ke dnrchzuführcn. Angesichts der ungemein mißlichen finanziellen Situation der Gemeinde stimmten alle Fraktionen diesem Vorgänge zu. Die Vermittlung der Darlehcnsbcschaffung wurde von der deutschuationalen„Hcimatschollc" in Komotau durchgeführt. Bis zum Jahre 1931 waren im Verkehr mit diesem Institute keinerlei Anstände zu verzeichnen. Sämtliche aus'der früheren Vcrtrclnngsperivdc stammenden Darlehen wurden saufend abgclöst mit Ansnahmc derer bei der Sparkasse in Beraun nnd Horiec, wo hcntr noch eine Tarlehcnsschnld von zirka drei Millionen Ke besteht. Seit dem Monate März l. I. drängte nun die Stadtgcmeinde bei der„Heimatscholle" in Komotau darauf, daß die Darlchensangelcgen- heiten bei obigen Instituten endlich bereinigt werden, nachdem diese bereits die Klagcandro- hung an die Stadtgcmeinde ankündigten. Bei wiederholten Borsprochen.durch den Bürgermeister und Amtsdirektor der Stadt Weipert, die Herren Frank und Kasper, wurde durch den Obmann der„Heimatschollc", JUDr. Hermann Schürer in Komotau, bedeutet, daß alles in Ordnung sei und daß vor allem Direktor Triebe bei der Böhmischen Union- Bank in Prag ein Wertpavierdepotkonto in der Höye von 5.5 Millionen Kr besitze. Den Depotschein habe er als Obmann in seiner Verwahrung. DeS weiteren versicherte Dr. Schürer den vorsprechenden Herren, daß die beantragte Vinkulierung des Depotkontos durchgeführt sei und er selbst die Binkulicruugsurkunoe gesehen hätte. Ucber diese von dem Obmann der„Hei- matscholle" in Komotau erhaltenen Jnformaiio ncn erstattete der Bürgermeister der Stadt Wei pert in den darauffolgenden Sitzungen der Gemeinde laufend Bericht und niemand setzte in die Nichtigkeit der Angaben des Dr. Schürer Zweifel. Da kam die Verhaftung Triebes in Joa- chimsthal, die in Weipert wie eine Bombe wirkte. Die Stadlgemeinde sah sich nun veranlaßt, durch den Bürgermeister und Amtsdirektor der Stadt Weipert in Prag bei der„Böhmischen Union-Bank" vorstellig zu werden und über die Sicherheit und das Vorhandensein der angeblich Woche gearbeitet und 30 Prozent der Arbeiterschaft wurden, auf Urlaub geschickt. Tic Fabriken zur Erzeugung von Armaturen sür Zentralheizungen sind die einzigen, die voll beschäftigt sind und die sogar eine kleinere Zahl von'Arbeitern ausnehmen mußten. Auch die Fabriken zur Erzeugung von Eisenmöbcln arbeiten normal, da sic einige Bestellungen aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika erhielten. Sie haben sogar die bisherige Arbeitszeit von 40 auf 45 stunden erhöht. Die übrigen Möbelfabriken, die Textilfabriken u. a. befinden sich hingegen in einer verzweifelten Situation. Desgleichen die Ziegeleien und Zementfabriken, die den geringen Bedarf der heurigen Baubewegung noch ans den vorjährigen Vorräten decken konnten. Es ist leider keinerlei Hoffnung vorhanden, daß sich in absehbarer Zeit die wirtschaftlichen Verhältnisse in Nordostmährcn bessern. Uinso bedauerlicher ist dos brutale Vorgehen der bürgerlichen Parteien, die in dieser traurigen Situation der Arbeiterschaft die Ar beikslose'nunterstütziing kürzen wollen. bei der Bank deponierten Wertpapiere Erkundigungen cinzuzicheu. Zum größten Entsetzen der beiden Vorspre- chcnden mutzte durch Vic Leitung der Bank sestarstellt werden, daß Überhaupt kein De» votkouto auf dem Namen de« Direktor« Triebe der„Helmaischalle", Komotau, bestehe und daß der vorgelegte Depotschein nur eine geschickte Fälschung darstelle. 'Auf Grund dieser für die Stadt Weipert äußerst unangenehmen Feststellung beschlossen Bürgermeister Frank und'Amtsdirektor Kasper, die Rückreise über JoachiniSthal zu nehmen, uni sich den dort in Hast befindlichen Direktor Triebe vorführrn zu lassen. Im Beisein des Gesänge- ncnonfsehers und zweier Gendarmen wurde Direktor Triebe den beiden Vertretern der Stadt Weipert vorgesührt. Bei diesem Verhöre erklärte Direktor Triebe, daß der Depotschein tatsächlich von ihm gefälscht worden sei und daß die in Rede stehenden I Wertpapiere von ihm bereit« in den Jahren s T agesneuigkeiten Grauenhaftes Verkehrsunglück in Wien Wien, 15. August. Heute früh ereignete sich bei«» Deut scheu Bolksthcäter in Wien ein grancn- hastcr Vcrkchröuusall. Der Konzertmeister AloiS Nickt nahm in Begleitung seiner Gattin Rosa, einer tschechoslowakischen Opernsängerin, ein Tazzi auf, das der Chauffeur Fritz B a d st ö b c r lenkte. Bor dem Deutschen Vvlksthealcr verlor der Kraftlvagenleiikcr die Herrschaft- über das Auto und dieses raste mit voller Wucht an einen vor dem Theater stehenden Lichtmast. Das Auto wurde vollständig zertrümmert, Badstüber, der einen Bruch der Schädeldcckc erlitt, war sofort tot. Konzertmeister Nickl erlitt sehr schwere Ber- letzuiige» und eine Gehirnerschütterung. Frau Nickl wurde der Brustkorb eingedrückt, anßcrdcm erlitt sie eine Rißwunde an der echten Stirnseite. Die Angehörigen des Chauffeurs geben an, daß Badstüber hcrzleideud ivar und sind der Au- sicht, daß er während der Fahrt von einem Herzschlag getroffen wurde. Mädchen im Maschinengewehrseuer. Kent, 15. August. An der Küste von Kent bei LeySdown hat sich bei Schießübungen englischer Flieger ein schwerer Unfall ereignet. Zwei Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren hatten sich auf das Meer in einem Boot hinauSbcgcbcn, um den abgetriebenen Ball eines Kindes aus dem Wasser zu holen. Llls sic wieder nach dec Küste zurückruderten, wurde das Boot Plötzlich mit Maschinengewehrseuer übcrschütlel, Tic siebzehnjährige Jean Chesterton siel tot in den Kahn zurück. Ihre Schwester hatte die Geistesgegenwart, mit aller Kraft ans Land zu rudern, wo Landsturmsoldaten zu Hilfe hcrbeieiltcn. Das Feuer kam von einer Gruppe von Flugzeugen, die Schießübungen über dem Meer auö- führten und das Boot sür eine der auf dem Wasser verteilten Schießscheiben gehalten hatten. Tas Unglück ist vermutlich aus ungenügende Warnungen zurückzusühren. Ten beiden Mädchen ist Bichls von der Abhallung der Schießübungen bekannt gewesen. Schlacht um elu Mädchen 58 Verletzte. In einen» Torfe bei Bonjaluka(Jugoslawien) hotte sich die Dorsjugend in zwei feindliche Lager gespalten, die sich um die Gunst eines Mädchens bewarben, das durch seine Schönheit bekannt ist. Gestern entspann sich nun zwischen hundert den beiden feindlichen Lagern angchören- den jungen Leuten hinter den» Tors eine wahre Schlacht, wobei drei der Burschen schwer und 50 leicht verletzt wurden. Di« Polizei nahm uiiter den junge» Leuten zahlreiche Vcrhastungeu vor. Die Todcsschnsucht. B a l b o s Geschwaderflug über den Ozean ist von Enthusiasten auf Bestellung als ein Ereignis von fast weltgeschichtlicher Tragweite gefeiert und bejubelt worden. In einer barbarisicrtcn Zeit, in der Geistigkeit und Kultur tief unter pari stehen, in einer Zeil, wo die technische Leistung die kulturelle mit verächtlichem Lächeln k. o. schlägt, wird ein gelungener Geschwaderflug zu einer Offenbarung sür die bescheiden gewordene Menschheit. Hat Balboa Geschwaderflug diese hungernde, zerrissene, von inneren Krämpfen geschüttelte Welt auch nur um einen Zentimeter weiicr gebracht? Im Gegenteil! Die Ozeanattackc des Balbo-Gcschwa- ders war ein militärischer Handstreich, ausgeführt in der höflichen Maske friedlich-sportlichen Ehrgeizes. Eine Mobilmachung für jene Stunde, da Tod und Vernichtung die Rekordaufgabe dieses GejchlvaderS sein werden. Wie sagte Balbo, als ihn der„Duce" auf dem Palatin empfing? .„.... Ich hoffe, daß Sic als Belohnung für das, was wir getan haben, eines Tages unser Leben fordern werden!" Kann man eindeutiger werden? Balbo, der Intimus Mussolinis, hofft auf jene„heroische" 1931 und 1982 verkauft wurden und daß er den Erlös dieser Papiere für sich verwende» habe. »Wahrscheinlich zu seinen dunklen Spekulations, und Börsengeschäften.) Direktor Triebe versuchte seine Handlungsweise damit zu rechtfertigen, daß die Kredit, beschaffung sür die einzelnen öffentlichen Köi- pcrfchaftcn ihn oftmals zu großen Gcldausgaben für die Beeinflilssuikg von in Frage kommende* Funktionären gezlvuugeu habe und er behaupte unter anderem, auch städtischen Funktionären der Gemeind' Weipert grötzerc Geldgeschenke gemacht- haben. Direktor Triebe gab an, daß diese Geldzuwendungen nahezu eine Summe van 50.000 Ke allein für diese Weipcrtcr Vertreter be- -tragen haben. Aus Grund dieser durch Direktor Triebe — vor allem gegen den Bürgermeister und Rentmeister— erhobenen Beschuldigungen erklärten die damit im Zusammenhang siebenden Personen, gegen Direktor Triebe die Bei leumdungS, bczw. Eh rc ubelcidi gungsklagc einznbringcn. Stunde, do Krieg und Völkermord die Diktaturen aus Krise und Rot erlösen irrerden. Hier wird die Menschenschlächterci zur„Vernunft", erwäguug, sie ist der rettende Ausweg, den sich die Tyrannis suchen muß, um den nolwen- digeu Aderlaß herbeiz«führet«. Balbo hofft, dereinst sein Leben hingcbcn zu dürfen. Aber sterben werden auch hier wohl wieder dianderen....! Ein„Silbcrstreis"? Wie au» R obre darf berichtet wird, soll dort im Herbst d. I. ein Teil der Riedel scheu Glasfabriken wieder in Betrieb kommen. Eine jüdböhmischr Firma läßi gegenwärtig eine» der bestehenden vier Lesen für Preßglas zur Erzeugung von Tafelglas nui vier Häfen umarbeiten. Dieses Glas wird Haupt sächlich zu optischen Gläsern, namentlich Brillen gläsern verwendet. Es dürften dabei gegen V' Personen Beschäftigung finden. Schadenseuer. Montag, den 14, August, in der 10. Abendstunde brach am Dachboden der GlaSknglerei des'Alfred Müller in Steinschönau aus noch nicht geklärter Ursache ein Fcuei aus. Der Dachstuhl brannte zur Winze ab. Ei» frecher Einbruch in Staukcwitz. In tn Nacht aus Sonntag drangen bisher uiibeiaiiiu, Täter in das Haus des Landwirtes Rudolf M ii I- ler in Stankowitz bei Saaz ein. wo sie durit- mehrere Räume bis ins Schlafzimmer vordran* gen. Dort entnahmen sie einer aus, einem Sessel liegenden Hose die Kassoschlüssel, ohne daß die in" den danebcnstehende» Betten schlafenden Eheleute Müller etwas merkten. Mit dem Schluss-' ösine ten sie die in nächster Nähe der Betten stehend: Kasse und raubten daraus einen Barbetrag von rund 1300 Kronen, zwei goldene Armbänder, zwei goldene Uhren mit Ketten und ein Paar goldene Ohrringe. Aus dem Rückweg durch die Küche taten sie sich dann an Kolatsche» nnd Schmetten gütlich. Sie entlame» unbemerkt. An- scheinend dieselben Diebe versuchte» auch, im Hause der Frau Richetzky einzubrechen, doch wurden sie dort verscheucht. Die Gendarmerie hat die Nachforschungen nach den routi»>«..,en Gannrr" ausgenommen. Selbstmordversuch in Brllnn. Gestern srü.i unternahm die 33jährige Zdenko Staükovs aus Brünn einen Selbstmordversuch. Tie Staükovs sprang aus dem Fenster des 5. Stockwerkes der Brünner Hotels, in dem sie wohnte, siel aber aus das Glasdach des Lichthofes im 1. Stockwerk aus, wo sic hängen blieb. Durch den Fall wurde der Staiikovü das rechte Bein gebrochen, onßerdein erlitt sie schwere innere Verletzungen und eine schwere Gehirnerschütterung. Sie wurde in dos Landcskrankenhails gebracht. Das Motiv der Tat ist nicht bekannt. Wahrscheinliches Wetter heute. Im Wcsllc'.l des Staates unbeständig, ziemlich bewölkt, stellenweise Schauer, mäßig warm, zeitweise zunehmcn- der Südwest- bis Westwind. In den mittlere» Teilen des Staates allmähliche Verschlechterung des Wetters. Aussichten sür morgen. Unbeständig, nur iilößig warm, Westwind. Rauferei wegen eine« Mädchens. Tic Fra» ziska Z. aus Flöhau hat mit dem Burschen F. S. ans Rudig ein Verhältnis. Am Sonntag aber ließ sie sich nach dem Besuch eines Tanzkränz chens in Oberklec bei Saaz von einem andere Verehrer, dem W: R. ans Oberklec, nach Hause begleiten. Davon bekam der S. Wind und um 3 Uhr früh erschien er plötzlich vor dem Paar und stellte seinen Nebenbuhler zur Rede. Tas Ergebnis der Unterredung war eine Keilerei, bei der die beiden Kämpen einander erhebliche Ver- lehnngcn zusügten. Guter Verlauf der Rrichcnbergcr Messe. Te> vi* Messciag wies ein gutes Messegeschäft und «iil«tt guicn Messebrsuch auf. Ter gestrige Messetag stand im Zeichen einer weiteren, günstigen Gc- schäsisbelebuiig. Tos lebhafte Interesse für die oer- schieden«» Erzeugnisse hält mwcrmindert an, au« dem neue Geschäfte hrrvorgingcn. Exportaufträge konnieii noch. Aegypten, Spanien, Palästina un-'> Süd-Amerika entgcgengenommen werden. Ein Lobkowicz gestorben. In Harrachsdors slari. aiu 18. Augusk Zdenök Vinzenz Lobkowicz. Er -wurde 1858 geboren und mar während des Weltkrieges Adjutat des Kaiser» Karl, Nordostntährcn- ein Wlrtsdiaitsirlcdhof verzweifelte Situation säintlidicr Produktionszweige Jlt. wo Mittwoch, 16. August 1036 Sette 8 Lr. Schmttt.. Zur demonstrativ anlisozialistischcn Kösncr Rede deS deutschen ÄcichSMirl- schaftSniinistcrs. TZl,.Prolet, bist du kuriert? «laubst du noch an d!« schönen Phrasen? So schm'.ihllch bist du anaeschmini, So wird dir setzt der Marsch goblasen! S«..Prolet, du haft gedacht. Die können nicht nur prächtig reden, Sie werden auch— wer hat gelacht?- Dem Veldsack in die Flanken treten! SA.-Prolet, der Dr. Schmitt Hat dich an« Hakenkreuz geschlagen, lkr bringt di« braune Losung mit: Hier hot da« Kapital zu sagen! SA.-Prolet, pack' langsam rin, Du wirst noch oftmals t» verspüren, Wie die im Braunhemd hundsgemein Für deinen Dienst sich revanchieren! Omoe. Die Versagung der Kollektivwirtschaft. Eine vom Rate der VollSkommissärc der Sowjetunion erlassene Bcrondnung sieht die Jnangrissuahme von Stagtsmoßnahmcn im laufenden Jahre vor, um die rascheste Versorgung der Kollcktivwirt- schaftcr mit Kühen zur persönlichen Nutznießung sicherznstellen. Den Kollektivwirtschaftern werden verschiedene Begünstigungen und ein Zahlungsaufschub big zu einem Jahre eingeräumt, zu welchem Zwecke der Staat 85 Millionen Rubel anweist. ES ist der Ankauf von einer Million Kühr zur Versorgung der Kollektivwirtschaftcr, die keine Kühe besitzen, vorgesehen. Erdbeben aus den Azoren. Montag vor Mitternacht wurde aus den Azoren«in starkes Erdbeben verspürt. Lindbergh ruht sich bei den Eisbären aus. Lberst Lindbergh und Fran verbrachten in Ang- masalik(Grönland) einen Ruhetag und träfe» Vorbereitungen zu ihren« Weiterflug««ach Island, um ihre ForschungSflugreisc zu beenden. Ein Pressevertreter ersuchte Lindbergh, ihm etwas über sein« Abenteuer über Grönland in den letzten Wochen zu erzählen, worauf Lindbergh lachend erwidert«:„Wir habe«« keine Abenteuer erlebt und waren nicht einmal in Gefahr." Er fügte hinzu, daß das Flugzeug über de» binnen- ländische» Gletschern In einer Höhr von 3000 Metern bei Frosttcmperatur flog. Ein Nutzloser will den Kanal La Manche durchschwimmen. Der bekannte amerikanische Schwimmer Charles Zibclman, der bei einem Slraßcnunfall beide Füße verloren hatte, unternahm am Montag den Versuch, den Kanal La Manche zu durchschwimmen, Zibclmau hat trotz seines Gebrechens den Ruf eines guten Lang- strcckcnschwinnncrS. Bereits iin Vorjahre unternahm Zibclman den Versuch, den Kanal;u durch, schwimmen, doch gab er der« Versuch nach acht- zehnstündigem Schwimmen auf, als er bereits etwa 18 Meilen zurückgelcgt hatte. Schweres Autounglück bei Düsseldorf. Ein holländischer Personenkraftwagen, der mit drei Personen beseht war, raste Dienstag auf der Straß« nach Millich, kn der Nähe von Schiefbahn bei Düsseldorf, gegen einen Baum. Der Wagen wurde vollkommen zertrümnicrt. Ein junges Mädchen, voraussichtlich von Rhevot stammend, war auf der Stelle tot, während die beiden anderen Insassen, von dene«« der eine rin Holländer ist, mit schweren Verletzungen ins Kran- kenhauS in Schiefbahn gebracht wurden. Ein« Agentur für Scheidungen. In Currna- vaca, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Morelos, Hot sich ein« Agentur aufgetan, die nach Katalogpreisen von 550 Dollar auswärts Scheidungsgründe liefert. Die Agentur verpflichtet sich in ihren Ankündigungen, die Scheidungen voir Anfang bis End« durchzuführen und auch aus Wunsch für die zu den benötigten Ehebrüchen gebrauchten Partner, bzw. Partnerinnen Sorge zu tragen. Passanten verhaften einen— Schutzmann. Einige Toxichauffcur« bemerkten kürzlich in Paris einen Polizeibeauiten, der in rohester Weis« eine klein« Grisette beschimpfte und:.«iß- handelte. Tie Chauffeur« beobachte'«»» zuerst ruhig die Szene. AIS si« sich überzeugt hatten, daß der Beamt« im Unrecht war, packten sie ihir und führten ihn trotz all«in Widerstreben aus seine eigene Wache, wo er auf Grund ihrer Anzeige sestgehalten und zur Bestrafung gemeldet wurde. Di« Juden von Juist. Die„Rote Erde", die sich als amtliches Organ der NSDAP auf den Papierruin«« des kurz- und kleingeschaltcten Dortmunder Generalanzeigers breit macht, läßt sich am 10. August aus Juist inelden:„Ein be- sondercS Borkotnmnis gab hier Anlaß, die Juden, die sich noch auf der Insel befanden, zu entfernen. Eine Schwester aus München, die sich unter den ersten zwanzig Parteigenossen deS DolkskanzlerS befand, hatte eine Burg gebaut, in der sie im Sand die Hoheitszeichen der Partei auSgelegt hatte. Diese sind in der Nacht beschädigt worden. Da es sich^ bei den Tätern um Juden handelt, ließ der Bürgermeister aus der Insel bekanntgeben, daß alle Juden Juist in kürzester Frist zu verlassen hätten." Reichswehr und SS. J>l einem Kaffeehaus in.Hannover'kam cs zu einem schweren Zwischenfall zwischen ReichSwchrsoldatcn und Angehörigen der SS. Betrunkene SS»Leute renipellen die Soldaten an und verlangten, gegrüßt zu werden. Die Reichswehrangehörigen reagierte« nicht daraus. Darauf ließ dir SS das Horst-Wcssel-Lied spielen und verlangte, daß das Publikum aufstehe. Ein Teil stand ans, der andere, darunter die Soldaten, blieb sitzen. Die SS-Lente stürmten auf deil Tisch ein und forderte die Name«« der Soldaten. Einer der Unteroffiziere verbat sich dieses Benehmen und ersuchte die SS-Leute, sich vom Tisch u« entfernen. Als Antwort versuchte ein SS-Mann den Unteroffizier zu fassen, gleichzeitig drangen die SS-Leute geschlossen auf die Soldaten ein. Es entstand ein.Handgemenge und die mehr rückwärts stehenden Soldaten zogen in der Nottvehr die Waffen. Auf diese Wendung waren die SS-Leute nicht vorbereitet und flohen unter lauten Hilferufen ans dem Lokal. Die Weekendsahrt eines Assen. In einem Zwinger hält sich ein englischer Kriegsflieger namens Apton in.Hampshire zwei Affen— einen Papa mit seinem Sohne. Ter junge Äff« beschloß kürzlich einmal die Behausung von Mister Aytou einer näheren Untersuchung zi« unterziehen. Er erwiichle in der Küche eine Flasche Bier und trank sie flugs aus. Halb betäubt vom Alkohol begab er sich dann aus weitere Erkundungsfahrten. Ztvei Tage lang stis«le er allerhand Unfug, lief Motorradfahrern in den Weg, flüchtete vor Verfolgern aus hohe Bäume uno ließ sich nicht mehr blicken. Alister Aytou beschloß, das einer wertvollen Rasse zugehörige Tier nicht aufzugeben, bestieg mit dem alten Assen ein Flugzeug und begab sich auf die Suche. Papa Affe ichri« auch Wieder einmal sicht die Welt aus das„grüne Eiland" an der Seite Englands, das seit Tagen und Wochen vom Fieber und der Unrast deS Bürgerkrieges geschüttelt wird. Wieder einmal postiere» sich die Reporter in der.Hauplstad« Dublin vor die Tclephonzellen der Postämter, um ihren Weltblättrri« in Berlin, Paris, London, Nctv Pork oder Chicago die erste Nachricht vom „ersten Schuß" in dieser innerlich so zrrrisscncn Stadt nach-Hause zu kabeln. Dublin. Dublin ist eigentlich ein dänisches Wort und geht auf die Besitznahme der„grünen Insel" um daü Jahr 850 herum durch die Dänen.zurück. Im irischen Nationalmuseum in' Dubliir ist heute noch eines der über 10 Nieter langen Ein- baumboole zu sehen, auf denen die Dänen zum erstenmal die irijchc Küste ansteuerten und in di« Mündungen der irischen Flüsse hinausruder- trn. Rach der Uebcrlicserung zogen sic^an allen Flußmündungen ihre Boote aus den Sand, legten befestigte Lager und primitive.Hascnanlagen an, vor allen« bei Dublin, das sich dainit zur ökonomischen u««d politischen Zentrale Irlands entwickelte. Um das Hinterland der Küste und der Flüsse haben sich die Tänrir damals sehr wenig gekümmert, da ihnen lohnende Raubzüge in das benachbarte England oder gegen die französische Küste des europäischen Kontinents wichtiger schienen. Hier landete auch vor anderthalb Jahrtausenden St. Patrick in einc«n kleinen, häuteumsponncnen Segelboot, um christliche Kultnr und Gelehrsamkeit vom User de« Rheins und des Bodensees ii» die heimatliche Insel zu tragen. Vielleicht war cs das Unglück des irischen Volkes, daß sich der vom ewigen Rom herübergebrachte Christenglaube besonders tief in seine Köpfe fraß, so daß als Folg« der konsessio- ncllcn Trennung von England und Irland Rebellion nnd Bürgerkrieg hier einzog und mit besonderer Brutalität Menschen und Mauern immer wieder aufs neue niedcrivarf. Dublin ist das Sinnbild dieses zerrissenen Volkes und der kampsdurchtobtcn Insel geworden. Traumhaft u>«d wehmütig liegt cs an seiner Bucht, eine Stadt der Gegensätze und der Kontraste, der Annut und des Reichtums, der Liebe und des .Hasses, umgeben vor« malerischen Hügeln und Inseln, die die Stadt zu einer der schönsten Siedlungen der Well gemacht haben. Zwischen die breiten modernen Straßen sind die Viertel der Altstadt eingebettet, die im Jahre 191(5 und 1922 durch die Granaten und Minen des Bürgerkrieges zerrissen«oorden find. Man hat sie wieder aufgebaut. Gewiß. Mer trotzdem erkennt der Irländer genau die Stellen, ai« denen vor Jahren das Artilleriefeiler eine Trümmerstätte geschaffen hat, deren sich die Krirgszone in Frankreich nicht hätte schämen brauchen. „Dreht euch um!" Dieses Dublin Hal den Schrecken deS Bürgcr- kricgcs heute noch nicht verloren. Stunde nm Stunde, Sonntag um Sonntag marfchiercu mili- tärähnlichc Milizverbände durch dir Stadt und sobald ihr Tritt über das Pflaster stainpft und ihr Marschlied an der Straßenecke ertönt, erschrick« das Volk, je nachdein die Kapelle den eigene«« oder den feindlichen„Militärmarsch" spielt. Man,glaubt sich heute noch von lausend Gefahren umwittert. Jeder Polizist, jeder Straßenpassam, jeder Nachbar, kann der Träger des Unheils sein. Kaum daß eine Polizeipatrouille ein« der besonders politisierten Straßen der Innenstadt betrete«, Hai, knallen die Haustüren;u und verrammeln sich wie von selbst die Fenster, Die Kinder «i«rd die Erwachsenen fliehen von der Straße und der Fremde, der irgendetwas erfahren will, hört immer wieder de!« Sah:„Kommen Sie doch mit in unser Hinterzimmer!" Oder:„Dreht euch um, es steht jemand her!" programmgemäß, a!S mau sich einem Park näher!«, in dem der Affeujüngling sich versteck« hielt. Mau stell e Köder aus und Schlingen, der junge Mann zog es aber vor, die Köder, darunter wieder eine Bierslasche, zu sich zu nehmen, den Schlingen aber aus dem Wege zu gehe««. Durch den Alkoholgenuß schlief er endlich ein und konnte eingefange» werden. Glekchgeschnlteie Flüsterwitze. Einige Bauern sitze«« in der Dorfschänke und unterhalten sich über die politische Lage. Koinmt da eil« Marxist herein. Er«vird um feine Meinung gefragt. Die Antwort lautet. Reden«st Hohnstein, Schweigen ist Gold... * Ei«, Fleischer führt einen Ochsen. Dieser wird störrisch, legt, sich ans die Straße und gelsl partout nicht weiter. Ein Junge kommt gerannt und erklärt, um 5 Mark bringe er den Ochse«, wieder mm Geben. Der Fleischer schnnplt, gibt aber schließlich das Geld. Der Junge geht zum Ochsen und flüstert ihm etwas ins Ohr. Sofort erhebt sich das Bich. Der Fleischer staunt und bietet noch fünf Mark, wen«, ihm der Junge das IGehcinmis verrate. Dieser, tut rS mit den Worten:„Sagt Heil Hitler! Ta steht in Deutschland jeder Ochse auf!" Scharfschützen marschieren! In Zeiten politischer Hochspannung aber liegt eine lähmende Still« und kurz darauf wieder eine betäubende Unrast' über dieser Stadt. Schweigend stehen die Menschen in der O Couell Street, in der Stephens Greei« oder an« College der Universität und warten. Sie«vartc«, unermüdlich von morgen» bi» abends. Irgendetwas «vird ja wohl doch)>assieren. Man weiß nicht recht, ob diese mit den, Rücken an die Häusermauern gelehnte Männer, die ja ziemlich schlacksig, aber doch mit höchster Spannung im Gesicht her» ttmlnngern, eigentlich harmlose Straßrnpassanien oder in Zivil gesteckte„Scharfschützen" sind, die in den Jahre«, 1916 und 1923 als Freischärler ! die Frciheitsbclvegung vorwärtsgeiragen haben. Durch die Mrnschengruppe patrouilliert dir Polizei; irgeirdein Kollege, der in der^Connrl Street photographieren will, wird mit rauhen Worten angehaltrn:„Nehmen Sie den Apparat weg! Stecken Sie ihn in die Tasche und nehmen Sic die Hände wieder heraus!" Man will sich sichern gegen unliebsame Beweisstücke, sowohl die Polizei wie das Publikum: Bier Sorten von militärähnlichen Verbänden ziehen neuerdings durch die grüne Insel: die„irische Republikanische Armee" des Ministerpräsidenten de Valera, die„Blauhemden" O'Dnffvs und CoSgravcS, die ncugrgründetri, „Legionäre" der Regierung, eine Elitetrnppe erprobter Männer, die bereits 1916 und 1922 für die irische Freiheit gekämpft haben und die„offi- ,stelle irische Armee". Am meisten sicht«,,a>, die Brigade Dublins der Irischen Republikanischen Armee. In tadelloser militärischer Haltung marschieren diese Zivilisten in Biererkolonncn durch die Stadt, die Offiziere vor den Ko», pagniekolonneu, die Unteroffiziere an der Seite. Die Kapellen spielen die irischen Freihcitsliedcr und reißen die Passanten imnicr wieder zu stürmischen Beifallskundgebungen mit. Aber auch die„Blauhemden" haben ihr Publikum. Auch ihnen weht in den Straßen der guten Wohnviertel von Dublin stürniilcher Beifall entgegen, vor allem, wenn sich ihr Führer O'Duffy an ihrer Spitze zeigt. D« Balera. Noch ist Eamon de Balera der beliebteste irische Freiheitsheld. Sein abenteuerliches Schickfas, seine Gefangennahme int Jahre 1916 in dem Blockhaus seines Freundes Lynch, seine romantische Befreiung a«,S dein Gefängnis von Lincoln beschäftigen heute noch die Phantasie des kleine«, Mannes und immer„och freut man sich über die beiden Studentin«,en, die, als Dienstmädchen verkleidet, die Soldaten vom Gc- fängnistor weggclockt und damit die Befreiung de Valeros ermöglicht haben. Ganz verbürgt ist die Geschichte ja eigentlich nicht; aber trotzdem trägt sie dazu bei, den Äärtyrerglanz«in« die Stirne des militärischen Diktators von Irland immer wieder auflcuchtc«, zu lassen. De Valera ist eigentlich kein Voll-Ire voi« Geburt, Sein Vater war Svanicr, seine Mutter eine nach Amerika verschlagene Irin. Zwei Jahre nach den« Tod deS Vaters w»rde Eamon z» de» Großeltern>,ach Irland gebracht. Ter künftige Befreier Irlands ergriff zunächst einen höchst unromantlschen Beruf, nänflich bei« eines Ma- thematikprofcssors. In diesem Mittelfchullchrer glühte ganz besonders heiß die Flamme irischer Ron,antik und Freihcitsschwärmcrei. De Valero ist auch äußerlich kein„Professor". Ein sportlicher Mann, schlank, hager und zäh. Ein hervorragender Fußballtvrwart und ein ganz gewiegter Pistolen- und Gewehrschühe. Bei den Kämpfen In« Jahre 1916 leitete er die Aktionen in der Ttattt Dublin mit einem bewunderungswürdigen Instinkt für Dinge deS Militärs und vcr Polizei. Ein Matheinalikprosessor, der durch die Besessenheit seiner Idee cs mit einen« Gangster oder mit einem rilssischen Bonibenwerfer hätte aufnrhme«, können. Zn Zelte«, aber bricht der Mathematiker Wieder be, ihm durch, wenn er eine Parlamentsrede zum dritten Male entivirft oder einem Journalisten das Interview, mit Korrekturen übersät, zum fünften Mal zurückstelleu läßt. MWÄ rMer West. Musik und Verbrecher. Die Musikkritiker der amerikanischen Presse lra eil. zu einem Kongreß in Portland zusammen, wo sie von der Rational- vcreiiligiliig der amerikanischen Musilgesellichafie» begrüßt w>irden. I«, einer Ansprache erklärte der Vorsitzende der Organisation amerikanischer Musikgesellschaftc» bei dieser Gc'egcnheil, daß medizinische und juristische Autoritäten darüber übereinstimm en, daß das Anwachsen der Krim, iialität nicht zuletzt aus den Mangel an guter Musik in den Vereinigten Staaten zurückzu führen sei. Die Musikkritiker könnte«« in ihrer Tätigkeit ein Weseu.licheS zur Verminderung der Krimr- nalrtät beitragen. Was aber ist nun„Mle Musik"? Di« Bäume und der Blitz. Wie durch eine Reihe von Experimenten und Studien sowohl in Europa wie irr deu Bereinigten Staaten seslgestelti worden ist, übt die Eiche unler allen Bäumen die große Anzichungskrafi auf den Blitz ans, ihr am nächsten kommen Fichte, Esche und Pappel. Auch die Beschaffenheit der Rinde spiel« eine Rolle>u der Blitzrinpfänglichkeit: Bäume mit rauher Rinde sollen eher dem Blitz ansge'etzl sein, als solche mit glatter Rinde. Verständlich ist, daß Bäume mit weit ausgebreilee«, Aesleu, die b:s tief zu dem feuchten Boden herab hängen, bewn- derS gute Leiter der Elektrizität sind Her» Musikprosefsor— ist dreizehn Jahre alt! Erst dreizehn Jahre alt is« Eduardo Arque- das, ein»iilsikalijcheS Wunderkind Spaniens. Kürzlich wurde dieser wichtige Junge zum ordentlichen Professor für Klavier und Bivl'.ue am Konservator!»»« Madrid ernannt. Als Sohn eines stellungslosen Arbeiters wurde Arqneöas in Wcrdejo(Provinz Zaragoza) geboren, Durch eine» glücklichen Zufall entdeckte der Marquis von Linares früh die ungewöhnliche Begabung und sorgt« für die Ausvildung des Jungen. Der kleine Professor Hal bereits acht große Kompositionell vollendet. Staubsauger zum Schatzheben. Zur Zeit in das italienische Schiss„Arliglio" damit beschäftigt, di« letzten Schätze der„Egypl" zu heben, die vor elf Jahren mit Gold und Silber im Werte von einer Million Pfund Sterling sank. Di« Baggermaschinen konnten»ich' überall in Tätigkeit gesetzt werden, da die Scholten inzwischen znstimntcngebrochen sind. Also machte man einen interessanten Versuch mit einem regelrechte» riesigen„Staubsauge r, dessen Brauchbarke,t bei dieser Gelegenheit zum erstenmal erprobt wurde. Tie Saugmaschine leistet außerordentlich gut« Dienste und dürst« in Zukunft auch bei ander«», Hebearbeiten zur Verwendung gelangen. Oma, dir Wilddiebin. Tei« seltsamsten Wildschuhen, den man sich vorstellen kann, hat di« Polizei von Fünfki-rchcn erwischt: eine— Großmutter! Seit längerer Zei« stellt« man das Ber- schwinden wertvoller Böck« fest. Als sich Forst- nild Polizeibramtc schließlich systematisch ans di« Laner legten, ertappt«», sie ein« 65jährige Frau, die mit Schießgcivehr nnd Fallen anfs Wildern ging, um aus dem Erlös des F^cischverkaufS sich nnd ihren Mann zu ernähren. Der seltsame Wilddieb ist die Tochter eines F ö r st e r s. Ein schönes Jagdabrntrner. Eaplain Ritchie, der in Kenya als oberster Jagdaufseher stationiert ist, erlebte bei dem Versuch,«in bösartiges Rhinozeros, das die Einwohner geängstigt hatte, ZU beseitigen, einen unangenehmen Jagd- unsall. Als Ritchie nach dem Tier luchte, stand eS Plötzlich in einer Entfernung von acht Fuß vor ihm nnd ging sofor ans ihn los. Ritchie schoß zweimal und sprang zur Seite, kam jcdock) zu Fall, und das wütende Tier stieß ihn mit d«m Kopf ungefähr zehn Fuß weiter. Schließlich traf eS sich, daß Ritchie einen festen-Halt gewann uno da» Rhinozeros j>, vollem Laus über ihn ymweg- stnrinte, glücklicherweise ohne ihn zu treten. Als Ritchie sich erhob, faiid er das Tier ungefähr 200 Nieter vor ihm, und cs war wt. Irish Siew. Blitzlichter vom irischen Bürger krieg. Don William Warren. Seite 8 Nr. IW Mittwoch. 18. Angust 1888 KI PRAQER ZEITUNG. GleWchallung des D. F. L. Ter bestbckanilte Proper F u ß b a l l k l u b „DFC" fährt Sonntag, den 20. ds. zu einem Fußballwettspiel noch Bc r H», u>» sich dem glcichgcschaltctcu r e i ch« d r tt I s ch c n H c x t a 11 u b zu stellen. Ter reinarische DFC-Obmann Bond y, mit dem geschäftssührcuden Obniaittt ftarfl* Karpclcs und dem Teutonen» Tormonn Toussig n»d den übrigen reinrossige» Mitgliedern, hoben es für gut befunden, für 1000 Mark Judaslohn diese« edle spiel zu beschliefzen. Der DFC, eine Gründung von K ohn- K r i st i a n, seit Jahren von deutschen Juden gepfründet, ein Ableger de« bekannten Prager Kasinorates, und der DAWG. zeigt nn» sein echt demokratische« Gesicht, und die deutsche Oeffentlichkeit weiß nun, was sie von dem bürgerlichen Sport zu halten hat. Bei Wotan und dem„großen jüdischen Gott", Hitler, Göring, Göbbels, werden eine Freude haben, tvenn sie mit B o n d h, K a r st- Karpe le« und Taussig, den Bruderkuß tauschen können. Atts der Partei Jugendbewegung. L. I. Gruppe 1.(Voranzeige.) Bei schönem Wetter besuchen wir in der lebten Augustwoche die Ktesanik-BolkSsternwarte. Zu bcobaclz- ten sind: der Saturn, die Benns, der Mond, außerdem werden noch Doppelgeslirne gezeigt. Wer Interesse an dieser Exkursion hat, möge sich sofort bei Gen. Ernst Ullmann, Prag 11., Fügnc- rovo na in. 4, oder in dem nächsten Gruppenabend melden. Spor!- Spiel- KörnerpBeae Sin neuer Sportplatz in Westböhmen. Sonntag feierte der Verein Sirmitz bei Franzensbad die Eröfsnung seines eigenen Sport- und Spielplatzes. An einem herrliche» Badeteich gelegen, bedeutet dieser Platz für die kaum 700 Einwohner zählende Gemeinde eine große Errnitgenschafl. 100 Vereins- angehörige marschierten ans. Rassballspiele und ein Wasserballspiel belebten da« Programm. An den sportlichen Wettkäntpfen nahmen 60 Wettkämpfer teil. Tröber, Franzensbad, konnte sich mit 100 Punkten vor Ott, Eger(186), an die Spitze der 80 Sportler stellen. Von den Jugendsportlern siegte Hendl Schönbach, Asch, vor Berger, Fleißen, von den Jugendsportlerinnen Helgert Grell, Eger und von den Sportlerinnen Kreul, Fleißen.-100 Turner und Turnerinnen, S. I. und zirka 100 Kinder zogen im Festzuge durch den reichlich geschmückten Ort. Bundesmeister holt sich zwei Niederlagen. Tie Fahrt des Bundesmeisters Weiskirchlih in das Egerland brachte ihm zwei Niederlagen. In Grasliß brachte ihm der Kreismeister des VI. KreiseS eine schwere Niederlage mit-1:0 bei, das Spiel wurde von dem Unwetter am Samstag Abend schwer mitgenommen. Am Sonntag spielte Weiskirchlih in Falkenau, mit-1:3 siegte die Mannschaft des Falkenauer Fußballklub Ein schwacher Schiedsrichter beeinträchtigte das Spiel. Der Film Das erste Fttmhakenlreuz in Prag. Jarmila Novotnä als Goebbels-Propaganda. „Die Nacht der großen Liebe" heißt erste gieicharschaltctc Film von Gvza v. Bo varp. Ter Film i-st das ExportParadeslück-es -Herrn Goebbels' seine„Werke" sollen jene Gattung nordischer llnterhaliu'igsfilnie werden, die dazu bestimmt sind, das Geld aus dem Ausland ins Tritte Reich zu erschtviudeln, um dann mit um so mehr Muse und Fronde au die Arbeit, d. h. an„SA.- M a n n Brau d",„Hikleriunge Ourx" gehen z» können. Was hier bei uns mit Hilfe eines patriotischen Ischechische» Verleihers verdient wird das wird schon bald im Tritten Reich zweckenrspre chend umgejetzt und zur Auspeitschung von-Haßin stinkten, zur maßlosen Propaganda wildgetvordene- Rowdys benützt werden. Und dazu hat sich unsere „heimische" Künstlerin Jarmila R o v o I n ü her- gegeben, die als wetl'bekannle Sängerin ganz geivth diesen Schritt nicht mit Brotsorge» entschuldigen kann. Sie hat sich eben„gleichgeschaltet" und als ihr die Helden des Dritten Reichs den dort üblichri- Dank abgestatlet hatten, ist sie als verkaufte unk In Havanna sind seit einigen Jahren die Bombenanschläge und Ncvolvcratteiitatc an der Tagesordnung. Ans offener Straße Wird gelegent- lich ein besonders mißliebiger Offizier oder politischer Beamter einfach niedergeknallt. Darum hat man, nm das Leben des Militärdiktators Machado zu schützen, seitten Palast förmlich in eine Festung umgebant. Drei Torwachen muß man passieren, bis man in das Allerheiligste des knbaiiifchen Präsidenten vorzudringen vermag. Wenn Machado aber seinen Palast verläßt, dann rollt ein kugelsicherer Kraftwagen nach dem Modell der Gangster von Chikago durch die Torwache ttnd eine ganze Auto- und Motorradkolonne folgt dem Präsidenten, um ihn vor Anschlägen seiner politischen Gegner zu schützen. Bei den lieberfällen und Attentaten haben die Revolutionäre ganz im Stil der amerikanischen Autobanditen gearbeitet. Etwa 15 bis 20 führende Regerungsbeamte sind ihnen allein in den letzten drei Jahre» zum Opfer gefallen. Haifische vor Kuba. Im vergangenen Jahr erließ die Regierung Machadvs ein Fischfangverbot an der kubanischen Küste. In der Presie der Bereinigten Staaten wurde nämlich verschiedentlich berichtet, daß im Magen gefangener-Haifische die Ueberreste verschollener politischer Gefangener entdeckt wovdcn sind. Besonders tüchtige Reporter aus USA. haben diese Tatsache geschickt verwertet, um die Schreckensherrschaft" des kuba»isvci bis drei Monate vom November bis Fcbcr dauert, dann schlägt der Kubaner entrüstet d-n Kragen hoch und verkriecht sich in irgendeine Hütte, oder wenn er kein-Heim hat, in irgendeine der Bretterbuden, die in den Städten den Obdachlosen dienen. Im Sommer pflegt der besitzlos Kubaner von ein paar Cents zu leben und sein Elend absolut nicht zu verspüre». Im Wstiln aber wird er mürrisch und itngemütlich und zieht sich knurreiid iu irgendeinett Winkel zurück. Polizei, Auto und Straßenbahn. Es ist kein Wunder, daß das öffentliche Leben in Kuba sich in erster Linie auf der Straße ab- ipielt. Das Klima unterstützt diesen Hang, zwischen.Häusermanern, Restaurants und Hafenkneipen das Schicksal eittes Volkes zu debattieren und ändern zu wollen..Unglaublich viel Autor flitzen deshalb, besonders zur Frentdenzeil, wenn die Touristen ans USA. kommen, durch die Straßen von Havanna. Einen Führerschein gibt es nicht. Jeder kann sich ans Steuer setzen und durch die Straßen rasen. Aber trotzdem passiert recht wenig, da die Kubaner virtuose Chauffeure sind. Meist hängt ein jugendlicher blinder Passagier hinten am Autokoffer. Der Kubaner verliert keilte großen Worte darüber. Int Gegenteil, Wenn der junge Mann hinten absteigen will, klopft er freundlich an die Wagenscheibc und der Passagier bedeutet dem Fahrer, daß er an der Kurve etwas langsamer fahren soll. Auch an den Trittbrettern der Straßenbahn hängen die IunocnS wie Trauben und lassen sich durch kein bö'es Wort herniilerjagen. Die Polizisten drücken ebenfalls beide Angen zu. Sie sind zn ruhigen Zeiten freundlich und vor allein gegen die Europäer von phantastischer Liebenswürdigkeit. Wenn aber dicke Luft in Havanna ist, wie augenblicklich, dann können de knbaniichcn Schutzleute höchst ungemütlich werden. Wenn nur drei bis v'er Menschen ziisamineiistehen, klopft der Schutzmann von-Havanna mit dem Gummiknüppel drei- bis viermal ans« Pflaster, dantit die„An'ainmlung" anseinandergeht. Die Leute wissen recht gut, Bescheid und zerstreuen sich dann. Sehr ungemütlich ist cS allerdings in Havanna, wenn der Ans- nahnieznstand herrscht und das Militär regiert. Tann sind meist die Straßen völlig menschenleer. Alfonso C o n c a l e z. VERLANGET UEBERALL Gesdiiditen aus Kuba. Der Affe mm Mleklnnh Bon Hanns R o e s s i n k. Wenn jemand zur Tee gefahren ist und sich dann in einer Kleinstadt nicdcrläßt, so ist er cs seinem Ansehen schuldig, eine» Asse» zu halten, Tas ist daun tagelang die Sensation des Städtchen«, zumal wenn, wie cs bei Korbers der Fall war, die frisch angetraute junge Frau täglich mit dem exotischen Tier spazieren geht. Was sich sehr nett macht.... Ein Affe ist indessen auch nur rin Affc, und die Erinnerung an die Wälder Sumatras mag ihm übermächtig geworden sein. Eines Tages war er plötzlich verschwunden. In TinkclSbach kennt man noch Teilnahntc an des Nachbarn Freud und Leid. Als bekannt wurde, daß inan Nnsus(so hieß er) seit morgens nm cts Uhr vermißte, rcancte cs Anfragen über Anfragen und zahllose Besuche in der Kobcr- schen Wohnung. Besonders die Ritterstraße, in welcher das Haus lag. lieferte zahlreiche Vermutungen und gute Ratschläge. Die junge Frau Kober weinte, als ihr Mann mittags nach Hause lani. Abend« heulte sie wie ein Schloßhund. „Er wird sich schon wieder cinfindcn," tröstete er, dem das Tier die liebste Erinnerung an seine Heizerzeit bedeutete. Aber Rufus blieb verschwunden. Plötzlich abends spät, um die Zeit des Zubettgehens, hallte durch die stille Gasse ein grausiger Schrei! Fritz Kober rannte ans die Straße. AuS allen-Häuser» stürzten die Leute. „Was ist?" schrie Frau Kober heiser hinter ihrem Mann her. Da kam schon der Bericht. Die Rehbein (vom Schuhmacher Rehbein die Frau) hatte, als sic sich zur Ruhe legen wollte, beim Aufschlagen der Decke einen Affen im Bett gefunden! Die Wirkung war furchtbar. Ein Auffchrci, ein rettender Sprung aus dem Fenster, wein- krämpfcnd und an allen Gliedern schlotternd, sank die Erschrockene auf der Straße in die hilfsbereiten Arme von Nachbarinnen. Fritz Kober und seine Frau orgauisierte» schuldbewußt sofort eine Expedition beherzter Dinkclbachcr, die in die Rchbcinschc Wohnung, die inzwischen von allen Hansgenosscn und guten Geistern verlassen war, riiidrangcii. Bon Rufus fand sich jedoch keine Spur als ein mit osfen- kiindiaciii Behagen zerwühltes Bett... In der Straße vernahm nian bereits Murren. Ist es eine Art, die Leute vom Schlafen ab- zuhallcn— wegen eines Affen? Die Expedition wurde auf sämtliche zweiundzwanzig Häuser der Ritterstraße(alle einstöckig mit Garten) ausgedehnt, jede Bettdecke hochgehoben,— von Rufus kein Spürchen. „Wo ist der Affc?" dröhnte cs dem zitternden Ehepaar Kober ins Ohr.„Wir wollen schlafen." Denn alles stand noch auf der Straße, nic- inand getraute sich ins Bett. Die Polizei erschien und murmelte mit einem Blick aus Fritz Kober etwas von Strafmandat und grobem Unfug. In diesem kritischen Augenblick zeigte Frau Kober, daß im Erfinden von Kriegslisten das weibliche Geschlecht viel befähigter ist als die Männer. Sie halte seit geraumer Zeit einen Jutesack unterm Arm, worin der Flüchtling bei etwaigem Ergreifen cingcsperrl und nach Hause befördert werden sollte. Mit diesem Tack verschwand Frau Kober plötzlich in dem ebenfalls geräumigen Hause des Schneider« Spindclmann; und siche da, sic hatte Glück, denn als sic wieder hcraustrat, hatte sic wa« im Sack. „Ha," sagte sic zu den draußen Harrenden, „mir fällt-ein Stein vom-Herzen. Er saß uiitcrnt Bett! Ich hab' ihn!" Als Frau Spindelmann„unterm Bett" hörte, wurde sie weiß wie Kalk. Wenn sie sich nun schlafen gelegt hätte! Alle Gefühle wurden jedoch übertrumpft von der Tatsache, daß Rufus im Sacke steckte und unschädlich war. Ma» atmete auf. Die Straße leerte sich. Sogar die Polizei besann sich auf ihre edlere Seite und Niiirmeltc etwa« wie„.... noch einmal durchgehen lassen", womit das Strafmandat und nicht etwa der Affe gemeint war. Der Affe hatte aber gar nicht nochmals durchgehen können; denn dazu mußte er zunächst einmal cingefangen werden. Und das war er nicht! Denn als Frau Kober nebst Mann mit ihrem Sack nach Hause kam, konnte sic zwar Schneider Spindeltnanns Katze daraus zum Vorschein holen, nicht aber den nach wie vor vcr- sorenen Rus»«... Wo war das Tier? Um alles in der Welt; Rufus, wo bist dir? Das Ehepaar Kober soll in dieser Nacht sehr schlecht gcschlafen haben. Die Ritterstraße nebst angrenzenden Grnndstük- kcn schlief dagegen nach aller Aufregung den Schlaf der Zuversicht, dieweil man den Affen im Sack wußte. Nur mit Mühe läßt sich daher das Staune» und die Entrüstung beschreiben, als am andern Aiorgcn bekannt wtirdc, Rufus sei hoch in einer der Ulitten gesehen worden, die mit ihrem frischen Grün die Ritterstraße beleben.„Eine Affenschande!" war das allgemeine Urteil. Als die Feuerwehr anrückte, liefen die Kinder vom Schulhof weg. Es gab kein Halten mehr. Gan; Dinkclsbach war ans den Beinen. „Lebendig oder tot!" war die geheime Parole, die die städtische Polizeibehörde ausgcgebcn hatte. Zum Glück für RufuS entschieden sich die braven Feuerwehrleute für das erstere. Tenn— und das ist das Schöne an der Geschichte— wie sehr man ih>t auch verwünscht hatte: als die Möglichkeit eines gut gezielten Schusses ani einem Dicnstrevolver auftauchtc, empörte sich ganz Dinkclsbach wie ein Mann beziehungsweise wie eine Frau! Wir lassen uns unsern Assen nicht erschießen! Ans dent Privataffen des che- maligen Heizers Fritze Kober war, sozusagen als koniinunalcS Gemeingut, der Affe von Dinkelsbach geworden! Frau Kober hat ihren Liebling aus den Hansen der Feuerwehr zurückerhaltrn. Er äugte erschrocken und begriff die Ohrfeige, dir Herr Kober ihm verabfolgte, nur halb. Tic Polizei aber erteilte die„Genehmigung zur Haltung eines exotischen TiercS" nur unter der Bedingung, daß Rufus sich künftig o) int geschlossenen Raum, b) im drahtübcrgittertcn Garten, c) an der Leine befinde. Ob er sich dabei so wohl befand wie m Fran RehbeinS Bett und aus den städtischen Ulmen, entzog sich der dicnstlichen Beurteilung. Uiillüir eitottt