'— Erschein! mit Ausnahme des Montag täglich früh. «domvv u. Derwalluo»! vrag ii.ounuania ta* T«I«vv-> 16703,>1*60. Otafttrttatt tat 31 ihc)■ 33633 ♦ CoMAttfamt> 3734« >MWM Siozelvrels 70 Heller. NAnschließlich ö Heller Porto' 13. Jahrgang. ■HMHBS»»-.»>-ii Freitag, iS. August m3 Nr 192. Verbrechen und Lässigkeit Der Fall Weipert/Wie Kredite an Gemeinden vergeben werden/ Die Mitschuld der landesbureaukratie Oeffentliche Gelder, deren Höhe bis jetzt noch nicht einwandfrei feststeht, die aber nach Millionen Kronen zahlen, sind dnrch die verbrecherischen Manipulationen des Direktors einer Winkelgeldanstalt defraudiert worden. Die Stadt Weipert allein erleidet einen Schaden von viereinhalb Millionen Kronen, ein Betrag, der angesichts des katastrophalen finanziellen Standes der Stadt schwere wirl- schaftliche Folgen für diese haben wird. Aber nicht nur Weipert, sondern auch Joachimstal wurde schwer geschädigt und tneil man weiß, daß die„Heimatscholle" Komotau auch noch mit anderen Gemeinden in Geschäftsverbindung stand, beztv. der famose Direktor Triebe überall seine"Geschäfte zu machen versuchte, darf angenommen werden, daß auch andere Gemeinden zu den Leidtragenden Triebes gc- hören werden. Das bedeutet in der Zeil der schwersten finanziellen Bedrängnis der Kommunen weiteren Verfall der G e- meindewirtschast, vermehrte Nol der in den Gemeinden lebenden Menschen. Deshalb darf die Oeffentlichkcit diese Affäre nicht mit dem Hinweis abtun, daß Weipert und Joachimstal und alle andern noch iit Frage kommenden Gemeinden einem Verbrecher zum Opfer gefallen sind, sondern es mutz untersucht und mit aller. Klarheit festgesteljf werden, warum sich die Gemeinden bei der Beschaffung eines Darlehens eines Vermittlers bedienen mutzten und warum di« Aufsichtsbehörde, die doch sonst bei Geldtransaktionen der Gemeinden nicht genug rigoros vorgehen kann, diesem Riesenschwindel trotz einer Revision nicht zur rechten Zeit Einhalt gebieten konnte. res war als ein Fälscher von Wertpapieren, die er in Geld vertvaudelte, dessen größeren Teil er wohl für sich behielt, dessen kleineren Teil er aber vermutlich nach der Devise „Leben und leben lassen" anderen zukommen ließ, um sic seinen Wünschen geneigt zu machen. Ein großer Teil der Schuld aber an dem Falle Weipert trifft niemanden anderen als die böhmische Landesbehördc und ihre Revisionsabteilung. Im Mai des Jahres 1932 wurde durch die RedifionSabteilung des Landesamtes eine Neberprüfnng der Verwaltung der Stadt Weipert vorgenommen, die vier Wochen dauerte. Damals' schon w u r d e von d e m R e v i s i o n s b e a m- len des L a n d e s a m t e s f e st g e st e l l t, daß die Sparkassen B e r a u n und H o k i c e, von der Konvertierung der Gemeinde- Darlehen nicht v e r st ä n d i g t worden sind. Der Retz i s i o n S b e r i ch t wurde in der Revisionsabteilung des Landes, Ende Juli 1932 f e r< i g g e st c l l t und zur gleichen Zeit dem Landesamte zur Weiterleitung übermittelt. Tas Landesamt ließ diesen Revisionsbericht bis zum 1. August 1933 liegen und erst zu dieser Zeit, also nachdem 14 Monate seit der Revision in Weipert verflossen waren, wurde er vom LandeSamte weiterbefördert, ist aber bis heute der Gemeindevertretung, beziehnngsweife dem Gemeinderat in Weipert, noch nicht vorgelegt worden. So sind wir mit der Obcrauksicht der Selbst- venvaltung bestellt. Biel hä t te verm jede n w c r d e n k ö n n e n, w c n n schon i m Juli 1982 durch das La nde sa m 1 die Verbrechen Triebes aufgedeckt worden wären. Hunderttausende von Kronen wären den Gemeinden erspart geblieben. Vielleicht auch Menschenleben und Zuchthausstrafen. Das sind die Tatsachen Sir beweisen zweierlei: die furchtbare Not der Gemeinden und die SclMerfälligkcit des bürokratischen Apparates. Alle Schuldigen müssen bestraft tverden: Sowohl diejenigen, die einen Ge- lucindekrcdit dazu ausgenützt haben, sich zu bereichern als auch diejenigen, welche von den Umtrieben dieses Triebe gewußt haben, ohne dagegen eingcschritten zu sein. Es mutz unbedingt festgestellt werden, ob der Bericht des Landesbeamten, der die Gemeindewirtschaft von Weipert im Mai 1932 revidiert hat, in der Revisionsabteilung der Landesbehördc genau gelesen wurde. Wenn ja, ob die Revisionsbehörde dem Landespräsidenten davon überhaupt Mitteilung gemacht hat und warum di« Landesbehördc gar nichts gemacht und die Weipertcr Gemeindevertretung nicht verständigt hat. D i e O c f f e n t l i ch k c i t Hai ein R echtaufvöllige Ausklärungdie- ses Falles, der die Not d c r G c- ni e i n d c n, die Methoden der K r e- ditvcrgebung und die Art der A u f s i ch t ü b e r die S e l b st v e r w a l- t u n g grell beleuchtet. Brüning hat den Vatikan vor Hiller gewarnt? Angriffe des„Völkischen Beobachters". Berlin,>7. August.(Conti.) Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht ans einer holländische» Zeitung Enthüllungen über eine Warnung Brünings im Vatikan vor Hitler iväii rcnd der Konkordatsverhandlungcn. Danach schreibt die holländische katholische Zeitung „Endhovenfchc Courant": „De Tijd"(das angesehenste konservativ-katholische Blatt Hollands) besaßt sich in einer Pri- vatkorrcspondcnz mit der Rolle des gewesenen Reichskanzlers Dr. Brüning bei den Verhandlungen über das deutsche Konkordat. Der ehemalige Reichskanzler soll den Vatikan in einem Schreiben gewarnt haben, die notwendige Vorsicht walten zu lassen. Dr. Brüning habe ganz deutlich anseinandergesetzt, daß man sich in Rom nie blenden lassen möge durch große Versprechungen, denn cs wäre nicht das erstemal, daß sie nicht cingchaltcn werden. Dieses Schreiben des gewesenen Reichskanzlers sei nicht auf dem gewöhnlichen Wege nach Rom gegangen, sondern durch einen persönlichen Kurier in die Schwei; gebracht und von dort eingeschrieben»ach Rom weiterbcfördcrt worden. AIS nun im Verlaufe der Verhandlungen mit den« Vatikan Vizekanzler von Pa Pen auf die großen ! Vorteile hinwics, die Hitler der katholischen Kirche angcbotcn hat, habe ein Mitglied der Kurie eine aus Brünings bezügliche Bemerkung fallen lassen. Am Schlüsse dieser Veröffentlichung schreibt der„Völkische Beobachter": Wir erwarten, daß Dr. Brüning ans diese Enthüllungen antwortet. Ein englischer Schritt In Berlin. Wegen der Erschwerung des Reiseverkehrs. London, 17. Angust.(Reuter.) Die britische Negierung hat bei der deutschen Regierung gegen die Maßnahmen, durch welche das Reisen dein- scher Staatsbürger aus Schiffe» ausländischer Gesellschaften erschwert wird, Protest eingelegt. Die britische Rcgicning betont, daß diese Maßnahmen eine Berlchnug der Vertrage bedeuten und sehr ernste Schwierigkeiten Hervorrufen könnten. Der Geschäftsträger der britischen Botschaft in Berlin wird diese Frage der deutschen Negierung vorlrgen. Attentat nut Znnhow. Sofia, 17. August. Gegen den ehemaligen bulgarischen Ministerpräsidenten A l r r, a n d e r Z a n k o w wurde heute morgen von einem Unbekannten ein Bombenanschlag verübt. Zanlow blieb unverletzt. Vie Folgen von Neutra. Bezirkshauptmann dauernd beurlaubt. Durch eine Verfügung des Jnnenminislc- riums wurde der Bezirköhauptmann von Neutra, I. Halachh, in den dauernden Ruhestand versetzt. Halachh wird dir Hauptschuld an den Vorgängen während der Pribina- Feiern zugemessen, daß er die Demonstrationen der Hlinka-Leute durch seine Nachlästigkeit und ungenügende Borkehrnngen erleichtert hat. Im Zusammenhang mit der Beurlaubung deS Bezirkshanptmanns kündigt die tschechische Presse weitere personelle Aenderun« gen in der staatlichen Verwaltung in der Slowakei an. vle Bürgermeister von Harienhad und Tetsdien nicht bestätigt. Das Innenministerium hat die Wahl der Deutschnationalen Hans Turba zum Bürgermeister von Marienbad und Leinweber zum Bürgermeister von Tetichen nicht bestätigt. Turba wird vorgcvorscn, daß vor kurzer Zeit in einer Sitzung des Volksratrs, die er ein berufen hatte, das Hör st- Wessel- Lied gesungen wurde. Aus demselben Grunde wurde bekanntlich der damals der Versammlung beiwohnende Vorstand des Marünbader Bezirks aerichteS, Dr. K l e in c n I, von seinem Amt suspendiert. Schweigen um Petermichel Bie Petermldielpartei eine Filiale der nitierhewcgung! ! Die Not der Geniei»den, die oft nicht das Geld haben, ihre Beanttcn zu bezahlen, Kohle für die Schulen zu beschaffen, damit die Kinder im Winter nicht erfrieren, die Straßen in einem Zustande zu erhalten, daß sich die Einwohner nicht Hals und Bein brechen, zwingt die Funkiionärc dieser Gemeinden, Ausschau nach Geldanslaltcn zu halten, wo sic das dringend benötigte Geld erhalten. Jene größeren öffentlichen Institute, deren Aufgabe cs ist, den Kreditbedarf der Bezirke und Gemeinden zu befriedigen, verfügen nicht über die Mittel, um dem Ansturm der Krcdnwer- ber standzuhalten. Trotz dieser Geldnot aber kann man Geld bekommen— allerdings, wenn man sich eines Vermittlers lwdient. Man nehme doch nur den Inseratenteil bürgerlicher Zeitungen zur Hand. Immer und immer wieder wird man auf die verlockende Anzeige stoßen, daß Darlehen in jeder Höhe besorgt werden. Es kommen Fälle vor, daß Gtc.leinden durch ihre Organe mit Geldinstituten verhandeln, die größten Sicherheiten bieten, aber es gelingt ihnen nicht auf diesem Wege einen entsprechenden Kredit zu bekommen. So bald sie aber die Sache einem Vermittler übertragen, der zehn oder fünfzehn Prozent Provision erhält, wird die schwierige Transaktion mit Leich' igkeit durchgesührt. Tic Wir glaubten, daß die Nationalsozialisten während de« Feiertags, an dem in den Provinzredaktionen nichts zu tun war, eine Aeußernng jum Falle Petermichel srstgelegt hätten oder vielleicht gar gmaue Antworten aus unsere genauen Fragen. Aber auch die Nachseiertagünummer des nationalsozialistischen Hauptorgans ist erschienen, ohne den Fall Petermichel zu erwähnen. Sie enthält zwar einen langen Aussatz des Herrn /, aus Berlin, in dem das Bürgertum wieder einmal zum vereinte« Kamps gegen den„sterbendes Marxismus aufgerufen und di« sozialdemokratische Arbeiterschaft beschimpft wird— aber Petermichel? Is so'n junger, dummer und jrwisienloser Monn, der offene Ileichschaltung der getarnten vorzog. Feiner Junge mit Märthrerschein. Denken«ich dran, ihn salln zu losten. Trotz Fequastel von Brittani und so. Dumme Sache, daß Jung- Briider in der Patsche; wer» sich schon rausliign.— Nicht wahr, Herr Z aus Berlin? Aber sie versuchen nicht einmal, sich herauSzulügen, sondern schwelgen. Schweigen mit einer Ausdauer, die zu wunderbar ist, um nicht verdächtig zu sein. Und mit ihnen schweigen die tapferen Biirgerschmäcke, die unS der Denunziation beschuldigten, als wir aus die organisatorischen Verbindungen zwischen der Jung- Partei und der Hitlerbewegung hinwiesen. Wir wollten es den Jung-Leuten leicht machen, wollten Ihnen das Schreiben langer Artikel ersparen, als wir unsere Fragen formulierten. Sie könne« sich beschränken aus knappste Auskünfte, lnappste Antworten. Es ist nicht ansgefchlossen, daß man die Fragen in der Redaktion des„Tag" verlegt hat und sie trotz bestem Willen nicht findet. Darum wiederholen wir sie, ehe wir in der Sach« Petermichel weitere Entdeckungen bekanntgeben: An welchem Tage wurde Petermichel ausgcschlasten? Wegen welcher Handlungen wurde er ausgeschlossen? Von welcher Partei stelle wurde er ausgeschlossen? Wie wurde der AuSschlus; publik gemacht? Wenn er nicht pnblik gemacht wnrde— warum nicht? Warum schweigt«kau zur tSrklärung der Verteidiger? Zst eS richtig, daß man von ihnen nicht abrückcn kann wegen der finanziellen. Verpflichtungen aus dem Volkssportprozeb? Gemeinde bekommt Geld, wenn auch zu de»! denkbar ungünstigsten Bedingungen. Welchen Weg der Vermittler eingeschlagcn hat, um den Kredit zu erhalten, wissen die Gemeindefunktionäre meist nicht und welchen Menschen eine solche Gemeinde in die Hände fällt, erfährt man dann, wenn es zu spät ist, wie im Falle Triebel, ein Mann, der sich wohl den Anschein eines gewiegten und gefinkelten „Bankdirekwrs" zu geben wußte, alle dunklen Wege, auf denen man Kredite erlangen kann, gut kannte, in Wirklichkeit, aber nichts ande-
Seite 2 Freitag, 18. August 1888 3h. 192 Der Vertrauensmann um di. Tribüne Monatsschrift für Arbelterpolltlk und Arbelterkultnr. Dl«„TrlbOne" Baterrlchtet den aozlallstlschen Var. traaaaamaaa Ober dl««kto«ll«a Problem« de* Internationale* SozfaUamus. der Oekonomle and der Kulturpolitik, lehresbezn*« Kd, vlerjlhrllcb 10 Kd. Elnxelhefte< Kd. Beatolloaiaa darob den Vertraueosmann, die Scbrlfteaalitelluo* Mb.Volltdbarhhudluni oder direkt durch dl«.Verwaltern b Pns 1L. Hakmnka M. Habicht rost den Völkerbund. Der österreichisch-deutsche Konflikt spitzt sich zu. Ein Reden von Dementis der Hltlerlasclsten. Habicht, der österreichische LandeSinspcktor der NSDAP., hielt am 19. August auf dem Münchener Sender eine Rede, in der er es br- grüßtc, daß seine letzte Hctzansvrache von der österreichischen Regierung auf SchallPlatten ausgenommen wurde. Auf diese Weise werde dii Welt erfahren, worum es in Wahrheit gehe, nämlich— man lache nicht!—«m die Selbst-, bcstimmung eines Bolles, das einen Verzweif- lungSkampt um seine Freiheit kämpfe. ES schade nichts, dah die Angelegenheit vor de» Böller- Hund gebracht werde. Darauf antwortet die„ReichSpost", daß diese Einladung den österreichisch-deutsche» Ko», slikt vor den Böllerbund zu bringen, angenom« men werd«. Man habe in Oesterreich bisher ge» zögert, soweit zu aeben, doch bestehe»ach der Einladung der NSDAP, kein Grund mehr, sich zurückznhalten. Sie dementieren— geben aber zu, daß die Sache„noch nicht geklärt" ist. Wie di« deutsche Gesandtschaft in Wien mit. teilt, sind diejenigen Teile in den Beröffeut- lichungen der„Reichspost" vom 14. August l. I., die sich auf die deutsche Gesandtschaft beziehen, von ihr im Einvernehmen mit dem Bundeskanzleramt einer Prüfung überzogen worden. Der Gesandte stellte dabei fest, dah von den in der„Reichspost" abgedruckteu angeblichen drei Briesen, die diesem Blatte Anlah zu Bermu- tungen über die Benützung der Kurierpost der Gesandtschaft gegeben haben, keiner dem Gesandten bekannt geworden sei, und dah sowohl er als auch die Mitglieder der Gescmdtsckwfi darüber erst durch die vorbezeichneten Berösfent- lichungcn Kenntnis erhalten haben. Dazu bemerkt die heutige„Reichs Po st": Jedenfalls sind die drei von uns abgcdruekten Briefe vorhanden und müssen in der Registratur des auhcnpolitischen Amte- zu linden sein, sofern dieses Amt eine Registratur führt. Das Dementi ist also nicht beweiskräftig. Wir begreifen aber die Gründe, die dazu führten, eS dennoch zu verfassen. DaS auhenpolitische Amt der NSDAP, in Berlin teilt ebenfalls mit, dah die Priese nicht aus dem außenpolitischen Amt der NSDAP, stammen. Unvermittelt heißt es dann: „Bis zur Klärung der unseren Parteigenossen Erwin Schneider und HanS von Dietz zuge- schricbcnen Privatbriese sind die beiden Partei» * «18 s.raie für riudit nadi Deutschland Wien, 17. August. Wie die Blätter melden, wird die neueste Verordnung über die Entziehung der Staatsbürgerschaft politischer Delinquenten und über die Konfiskation ihres Vermögen« zunächst bei Angehörigen der österreichischen Legion, die im Lager in Lechseld in Bayern versammelt sind, und bei den übrigen nach Deutschland geflohenen österreichischen Nationalsozialisten ange- wendet werden. Die Kahl dieser Flüchtlinge beträgt nach den polizeilichen Verzeichnissen etwa 7000. ES befinden sich unter ihnen zahlreiche wohlhabende Nationalsozialisten, die ihr Vermögen in Oesterreich zurückgelassen haben. So hat der«he- malig« Landesinspektor der Partei, Proksch, ein Gut bei Linz, der ehemalige oberösterreichische Gauleiter Bolek ein Haus in Linz und der ehemalige SA-Kommandant Reschny ein« Billa in Linz. Andere flüchtig, Personen sind Haus, oder Fabriksbesitzer in Oesterreich. Auch Hitlers Haus in Wien und anderes Eigentum der ausgelösten nationalsozialistischen Partei ist in den Grundbüchern als Eigentum verschiedener flüchtiger Nationalsozialisten eingetragen. Dollfuß ahmt das Geiselsystem nadi. Ein« bedenkliche Maßnahme. Innsbruck, 17. August.(Wolfs.) Wie ge- nieldet, wurden in der Borwoche Leutnant von Lützow und der Zeitungsbcamle OuierSseld anstelle unbekannter Täter wegen Malens von Hakenkreuzen zu sieben Woche» Arrest und 250 Schilling Geldbuße für die H>'imwchrdienstkasse verurteilt. Ta sich die beiden nicht zum Straf- antritt meldeten und ihr Aufenthaltsort auch nicht ansgekundschaftct werden konnte, Wurde nunmehr an ihrer Stelle kurzerhand der Innsbrucker Arzt Dr. Fritz Lantscher, der Vater der bekannten Skiläufer Fritz und Äuzzi Lantscher, verhaftet und zur sofortigen Strasverbühung eingeliefert. vle Urteile im wiener Domheniederprozeft. Wien, 17. August.(ASt.) Nach durchge- führtem Verfahren im Bombenanschlag-Prozeß hat da» Gericht Franz Lapitza zu zwei Iah. ren, Rudolf Fröhlich zu 18 Monaten, Franz -adlec und Johann Knögler zu je 15 Mo- i genossen vom außenpolitischen Amt« der NSDAP, beurlaubt worden." DaS dritte Dementi stammt von der in München tätigen Landeslritung der österrei- chischen NaziS und wird— bezeichnend für die Ehrlichkeit der RcichSregierung— durch daS offiziöse Conti-Büro verbreitet. Dementis linden keinen Glauben. Paris, 17. August.(HavaS.s Im Hinblick ans die gestrige Rundfunkrede Habichts befassen sich die Blätter neuerdings mit dem österreichischdeutschen Verhältnis. Sie weisen vor allem aus die Energie hin, mit welcher die Hitlcrleute die Anklagen der„Rcichspost" zurnckweisen, soweit sie sich auf die Rolle der deutschen Gesandtschaft in Wien beziehen, die diese bei der nationalsozialistischen Propaganda gegen Oesterreich spiele. Sie fügen hinzu, daß die Proteste der Hitler» leute nicht imstande seien, di« von der„ReichS- post" veröffentlichten Dokumente unwirksam zu inachen. Die Art uird Weise, in welcher daS außenpolitische Amt der NSDAP ihre Urheber- schäft an den Dokumenten abzustreiten sucht, könne man eher als eine Bestätigung der von der„ReichSpost" aiisgestcllten Behauptungen ansehen. Keine neue Demardie Italiens. Paris, 17. August. HavaS verbreitet folgende aus Rom datierte Meldung: Entgegen gewissen Informationen dementiert man in gutunterrichtrten italienischen Kreisen, daß die italienische Regierung seit der französisch-englischen Demarche wegen der österreichischen Frage irgendeine Demarche bei der Reichsregierung unternommen habe oder zu unternehmen im Begriff« sei. Di« italienisch« Regierung, die seit der Unterredung zwischen Mussolini und von Papen im Monat Juli in dieser Frag« durch di« Vermittlung ihres diplomatischen Vertreters in Berlin«nau fhörllchBesprechungen gehabt hat, hat bloß seit den von Deutschland gemachten Zusicherungen di« Frag« in derselben Weise weiter verfolgt. Man sei in Rom der Ansicht, daß man auf di« Schwierigkeiten Rücksicht nehmen müsse, denen die Regierung Hitler begegnet, um gewiss« ihrer Weisungen von einem Tag zum andern durchzufetzen. Im übrigen fei man in Rom nach wie vor davon überzeugt, daß Deutschland di« übernommene« Verpflichtungen einhalten werd«. -st DaS HochverratSversahren gegen den ehemaligen Ärmer LandeSführer des Republikanischen Schutzbundes, de» Volksschullehrer Gustav K u P r i a n ist, wie die„Arbeiter-Zeitung" meldet, eingestellt worden. Kuprian war am 17. Viärz verhaftet worden und diese Verhaftung führte l znm Verbot des Republikanischen Schutzbundes. Mit Recht bemerkt die„Arbeiter-Zeitung", daß, wenn die strafgerichtliche Untersuchung- ergeben hat, Kuprian trefst: kein strafbarer Borwurf, so werde damit vo» Gerichts wegen erklärt, daß d e Gründe, die zur Auflösung des Schutzbundes geführt haben, unzutreffend waren.
e rapide Abnahme des Ertrages der Lohnsteuer ist die beste Widerlegung der Behauptung von der Abnahme der Arbeitslosigkeit. Die Abnahme der Arbeitslosigkeit steht auf dem Papier, die Abnahme des ArbeitSein- kommen» und di« weiter« Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage, das ist di« Wirklichkeit." „Degierung der Arbeitgeber/ (JTF.) Am 1. Mai veranstaltete S)r. Goebbels den„Tag der Arbeit", am 2. Mai stahl Dr. Ley das Vermögen der freien Gewerkschas» ten, am 3. Mai stellte das Berliner Arbeitsgericht fest, daß Deutschland das Dritte Reich der Unternehmer sei.„Das Schicksal der Arbeitgeber ist mit dem Bestehen der nationalsozialistischen Regierung eng verbündest. Jede politische Bewegung, die auf Beseitigung der nationalsozialistischen Regierung gerichtet ist, trifft den Arbeit» geber, dem es daher nicht zugemutet werden kann, einen Arbeitnehmer, der solche Ziele verfolgt, im Betrieb zu behalten." Das Berliner Arbeitsgericht, das(unter dein Aktenzeichen 28/81 A. Ä. 191/33) als gerichtsnotorisch seststellt, daß Hitler iwr Vertrauensmann der Unternehmer, nicht der Arbeiter ist, wollte mit dieser Begründung die, Grundlage für fristlose Entlassung aller„Marxisten" aus den Betrieben schaffen. Im Uebereifer hat es der Regierung durch Ausplaudern dcs bisher stets Abgeleugneten einen schlechten Dienst erwiesen. Nazi» stehlen i« Saarbrücken Brief«! Die immer schäbiger werdende„Deutsch« Metallarbeiter-Zeitung", die nun schon seit ihrer Gleichschaltung mit dem dritten Kopf erscheint, der geradezu scheußlich wirkt, bringt in ihrer stummer 82 eine Notiz der Nationalsozialistischen Korre. spondenz, die deutlich erweist, daß die Nozispione !n Saarbrücken Briefe stehlen und unterschlagen. ES wird darin der Wortlaut eines Briefes zitiert, den der Sekretär der Deutschen Liga für Men- schenrecht«, Kurt Großmann, am 16. Juli d. I. an die Redaktion der„Deutschen Freiheit" in Saarbrücken abgeschickt hat. Dem Brief war em Artikel über die Schande von Dachau boigelegt, der di« Schilderung der Erlebnisse eines Hermann Walter enthielt. In zynischer Weise teilt der ötazi« dieb mit, daß er den Brief„rein zufällig aiif der Straße gefunden habe"— er kam mit der Flugpost von Prag nach Saarbrücken— und am Schluß findet sich neuerlich die Bemerkung, daß der Brief„zufällig in falsch«.Hände" geraten sei. Die saarländische Rrgierungskommission wird sich mit dieser Bespitzelung und diesen aufgelegten Diebereien beschäftigen müssen. Es sind wahrlich bemerkenswerte Methoden, mit denen das angebrochene„Dritte Reich" zuarbeiten beliebt! Konnskanon des Vermögens' tfffiCSS* LU Knögler, Franz Senger und Pötzl wurden freigesprochen. In sämtlichen Fallen wurde die Untersuchungshaft eingerechnet. Der Berfall der Sprengmittel wurde ausgesprochen. Konzentrationslager Dachau. Greuelmeldung aus amtlichen Akten.
ZK. 192 Frenag, 18. Augpst 1988 Seit« 8 „Programm“ und„Erfüllung“ DaS Programm ließt scsi, und nie* mals diildc ich, daß an dcn programmati- schon Grundlagen der Grsamlbcwegung gerüttelt wird. Adolf Hiller l Feder: Programm der NZDAP). ES kommt jetzt nicht auf Programme und Ideen an. Adolf Hiller, Juli 1933. „Arbeit, Brot, Freiheit, Sozia- lismus!— war jahrelang das Versamm- lungSgcschrci der 9ialional„so;ialislijchen" Teilt■ scheu„Arbciter"partci.» Fünf Monate sind vergangen, seildein die Hitler-Äoering-Frick-Goebbels, vom'.viouopol- kapital in den Mattel gehoben, in den Besitz der gesamten Politischen Macht in Teulschland gelongt sind. Die werktätige Bevölkerung Deutschlands, alles was kein Nazi-Antlitz tragt, ist einem unglaublichen Blutterror ausgelieferl. Feiger Mord und grenzenlos« Willkür sind an der Tagesordnung. Die Organisationen der Arbeiterschaft sind zerschlage», ihr Vermögen gestohlen. Jetzt sollen die Tarisc beseitigt, die Löhne gesenkt werden. Die Lcbensl)al!ungSkosten sind gestiegen— zugleich auch die Not der Massen. Das Dritte Reich rüstet fieberhaft ans— znm neuen Völkermorden. Die Nazi führen Deutschland in die Barbarei, „Arbeit, Brot, Freiheit, Sozialismus" versprachen di« Nazi-Demagogen den Massen. Und dl« Verwirklichung? IS c in c i n n u t| ne I)t vor Eigen nütz— do? ist die(Befinnuna de« Programmes(S, 23). 8 11. Abschaltung bti arbeit»- unb mühelosen Einkommens. Brechung der 3 I n H n e ih I< scholl— da» Herzstüit dc» Programm»(2. 23). dir.Lbsung der soziolen Frage'(<$. 32). Ter Kamps gegen da- intcrnotionolc Finonikapi- tol Ist zum wichtigsten Programnitpunkt de» Komp!«» drr deutschen Nation um ihre Nnoblninnig- keit und Freiheit geworden M|inlutUig $Ütsl pHiphek— Staatsbeitrag--- uhrnem— Zmammtn,— «.. HWj> ri KlliM*“ woran ihm die Gewerkschaft ll>> 5.40, der Staat h's 21.60 bezahlen sollte. 26 Wochen lang hat Talopa brav unterschrieben, daß er die Kk 27.— erhalten habe. Er Dolrfad pro ministerstvo sociilnl ptie— Beleg für das Ministerium kür soziale Fürsorge Veto« Mslo Clsto asrtedi pPHnemmer ZtHtulnumm»■// Poukaz na podporu v nezamästnanostL Anweisung auf Arbeitslosen-Unterstützung. an flena(pHlmrnt lmtrio iät das Mitglied(Zn- und Vwaimt /. » alilil«tzuptot» plaeeno ff pHjpirtrt te Ortsgruppe in y bezahlte/ Beitritt der l r JskoÄo prrnt den podpftraf le den Erster UotenMuungiU||(<< der Cka md atrok na podporu.r aemBWaumU po dobo Da» Mitglied bat Anspruch aut die ArbelUlosea-UntcrstOtauDg fOr die Dauer voo bereits auSgeführt, daß Wir unS dieser Härten durchaus bewußt sind und sie in keiner Weise verteidigen, da ja die Verschlechterungen der Genter Systems nicht«in Werk des Ministeriums für soziale Fürsorge, sondern der reaktionären bürgerlichen ReaierungSvertreter und vor allem des FinonzministrrS Tropl sind. Damit man aber den Wert der Krokodils tränen ermessen kann, die das„Rudo Prävo" über daS Schicksal der Arbeitslosen vergießt, wollen wir doch einmal die Praxis der komm». nistischen Gewerkschaften beleuchten, wie sie sie noch bis vor kurzem bei der Auszahlung des StaatSbeitrageS geübt haben. Der Fall, den wir im Nachstehenden schildern, ist nur einer von vielen, allerdings wohl einer der schreiendsten, und daß eS sich um keinen Einzelfall handelt, do- beweist der Umstand, daß der kommunistische Verband der Arbeiterschaft der Metallindustrie dafür schon vorgedrucktc Formular« besitzt, so daß man wohl annehmen kann, ei sei daS Geschäft im großen betrieben worden. Dhhn« ist ein kleiner Jndustricort in der Mittelslowakei. Dir dortige Maschinenfabrik er zeugte Bergbaumaschinen. Mit dem Rückgang deS Bergbau- in der Slowakei ist auch die Pro duktion Vieser Firma auf daS Aeußerste einge schränkt worden und die meisten Arbeiter wur den entlassen. Unter ihnen auch daS Mitglied des kommunistischen Verbandes der Arbeiterschaft in der Metallindustrie Michael Talopa. Wie lange er bei ihnen Mitglied war, läßt sich nicht feftstelken, da die Bemerkung, er Hobe 87 Bei. träge bezahlt, keineswegs ohneweitereS auf Treu und Glauben hingenommen werden kann. Jeden falls wurde ihm aber Grund dessen Mitte Juli 1882 die erste und am 17. Oktober 1932 die zweit« UnterstützungSanweisung ausgestellt, die auf ein« OrganisationSunterstützung von Ile 0.99, also auf neunzig Heller täglich, lautete, was man schon Wohl als ganz außerordentliche gewerkschaftliche Leistung bewerten kann, wenn man weiß, daß bei unseren freige- wcrkschaftlichcn Organisationen eine TageSunter- stützung von lü 2.25 bis 5.— und noch darüber hinaus gewährt wurde. Zu diesen 90 Hellern S otvt, ktery byl vtaovin«lenem welcher geschenkt wurde vom Mitglied______ amelyat Skupina Gruppe■ Helyieeoporl ve protpdeh adminislr. londo Svazo dibietva kovoprt(nyslo» ist. republice sa sfdlem* Prazc. zu Gunsten des Administr.-Fonde« des Verbandes der Arbeiter der Metallindustrie in der CSR. in Prag, a Vasiparl munkisok szövetaege a Czehszloväk kost, administrat alapja javara. Kelt er"' podpn iu^xtionAlm. UnUrtchrih de» Funktionier A luakeioaarua«IliriMr Vyhne, der doch wahrlich nicht auf Rosen gebet tet war und schwerlich während der Zeit seiner Beschäftigung mehr als 120 bis 150 Kronen pro Woche verdient hatte, daß er dcn Betrag von „sedmictdvö koruuy", das sind also 702 Kronen, „zu Gunsten des AdmimstralivfondS des Ver bandes der Arbeiter der Metallindustrie in der , 6SR in Prag" schenke. 26 Wochen lang sollte gewerkschaftlicher Unterstützung kam der vierfache'er 27 Kronen Unterstützung bekommen. Man ÄMÄ,...} /// JCMperlMlyrgrd: tUirJfllAA, ktvnnrunlslu 1>2« podpl»«leaä./ ^^w0r«mismv^<- OalsrMhrilt d<> MitilAdu. 4 tag»Ulrtia. der» auch ihre sehr realen finanziellen Hintergründe hat und man wird sie darnach auch zu bewerten verstehen. Ob aber gerade diese Leute, welch« die Abbausorderungrn deS Finanzministers nicht nur vorweggenommrn, sondern auch weitaus übertroffen haben, als Verteidiger des Genter System» und d«S bisherigen StaatSbri- trage» in Betracht kommen können, das sollen sich die Arbeiter selbst beantworten. So viel Staatsbcltrag hat noch niemand abgebaut! Ole Kommunisten lassen sldi von einem armen Arbeitslosen Daß kommunistische„RudS PrLvo" hot am StaatSbeitraa von Ke 3.60, so daß also der gute 11. August, eine Reihe von Arbeitslosenfällen Talapa 27 Kronen wöchentlich erhalten sollte, aut der Metallindustrie angesührt, um anhand‘"*■''*'—' j_. konkreter Ziffern darzutun, wie schmerzlich der SÄau der Arbeitslosenunterstützungen die dort genannten Arbeiter treffen werde. Wir haben Svaz dftlnlctva kovoprümyslu v CSR. se sfdJem v Praze. Verband der Arbeiterschaft der Metallindustrie in der CSR. mit dem Sitze in Prag. 702 Kronen„schenken“ k nehme nun den Bleistift zur Hand und multipliziere die 27 mit 26 und schon wird man auf die geheimnisvolle Ziffer von 702 kommen, also aus eben jene Ziffer, die auch das„Geschenk" des braven Mitgliedes Talapa an seine Organisation ousdrückt. Mit anderen Worten: Talapa hat zwar 28 Wochen laug de» Empfang der OrganisationSunterstützung und d«S Staatsbeitrages bestätigt, er hat aber in Wahrheit keinen einzigen Heller, weder an OrganisationSunterstützung noch an Staatsbeitrag erhalten. Vielmehr wollte man die von ihm unterschriebenen UnIerstützungSanweisungrn dem Ministerium für soziale Fürsorge vorlegen, um sich für 28 Wochen den StaatSbcitrog in der Höhe von K6 21.60 wöchentlich auszahlcn zu lassen. Die kommunistische Gewerkschaft hat also ihrem Mitglied schon dreiviertel Jahre vor der Novellie- rung des Gesetzes über das Genter System und vor dem Abbau des StaatSbeitrageS den Staatsbeitrag sehr radikal gekürzt, nämlich auf den absoluten Nullpunkt. Man bars wie gesagt annehmen, daß diese Praxis auch in anderen Fällen geübt wurde und wahrscheinlich rührt der ganze Ingrimm der Kommunisten gegen die Neuregelung des Genier Systems daher, daß sic nun auch einer schärferen Kontrolle unterliegen und sich nicht mehr Subventionen aus der Staatskasse auszahlcn können. Für das Mitglied Talapa wird indessen die Neu- reaclung einen unbestreitbaren Vorteil bringen: soscrne er verheiratet»nd Familicnerhalter ist, muß er nun zu den 90 Hellern OganisationS- unterstühnng oen dreifachen SlaatSbcilrag, das sind Kp 2.70, zusammen also Kc 3.60 täglich oder d, 21.60 wöchentlich erhalten, ohne davon seine Organisation„beschenken" zu müsse». Ihm wer- dcn diesc Kc 21.60 in bar wahrscheinlich lieber sein alS die bisherigen lis 27.—, deren Empfang er zwar bestätigt, die er aber in Wahrheit nie empfangen hat. Man sieht, daß di« Hetzkampagne drr Kommunisten gegen die Renregelung des Genter Systems nicht nur ihr« parteipolitischen, son. S»u dtlnlcW« kovoprflmyalo* tuikoilomikt rapubUc« m ildka• Prua Verband dar Arbeiterschaft der Mtlalllnduilrie b der UcbecboelowakIschen Republik. VaaipeH tnuökSsok ttftveUSga s Ctekulorik kDiUnuUfbu. 0«oo«- TageaMts T fäiit. Woeheosats Kt b| KC b S" J X.' *0 4 cT*| 9 1 „Sere Spina, wo leben wir?" Die„Deutsche Londpost" gibt nun endlich Antwort auf unsere Feststellung, daß die Provinzblätter des Bundes der Landwirte ganz offen zur Aufrichtung der laseistischen Diktatur auf- rusen und daß eS Aiifgabe des Herrn Minister Spina ist, in seiner Partei entweder Ordnung zu schaffen oder die Konsequenzen zu zieh». Das landbündlcrische Hauptorgan ist der Meinung, der Artikel aus den„Westböhmischen Stimnien" sei von uns mißverstanden worden; wir sähen sedc Aeußcrnng der gegnerische» Presse durch die Brille der Furcht. ES sei doch bekannt, daß sich Minister Spina imnier sehr eindeutig für die Demokratie ausgesprochen habe. Im übrigen sei der einzige Schutz vor dem FaseiSmuS «in« stark« Bauernschaft. Dazu haben wir zu sagen, daß wir die Bekenntnisse des Herrn Ministers Spina zur demokratischen Staatsform nie bcsiritte»; wir haben nur fcstgestellt, daß sie in Widerspruch zu den Aeußerungen der landbündlcrische,,.Provinz presse stehen. Es ist auch unrichtig, daß wir die „Westböhmischcn Stimmen" falsch verstanden; wir haben sa ausführlich zitiert und so unseren Lesern die Möglichkeit gegeben, sich selbst ein Urteil zu bilden. Wie schwach die Verteidigung der„Westböhmischcn Stintnien" durch die„Landpost" ist, geht daraus hervor, daß sie zugibt, die landbündlcrischen Blätter seien halt mauchinal in Aufregung geschrieben, die von der Verzweiflung diktiert werde. Sich zur Demokratie bekenne» heißt ober nicht, ihren Feinde» die Möglichkeit zu ihrer Vernichtung zu geben. Diese Feststellung hat mit Furcht nichts zu tun. Sic bringt aber znm Ausdruck, daß Bauern, deren Gesinnung mit jener der„Westböhmischcn Stimmen" übereinstimmcn, nicht Schützer der Demokratie, sondern Schrittmacher des FasciSmus sind; sic und jene Journalisten und Minister, die sie decken und verteidigen. Um de« Bürgermestec i« Dux. Die Bürgcrmeisterwahl in Dur beschäftigt noch immer die Presse. Auch in der Prager tschechischen Presse hat diese Wahl Widerhall gesunden. Tas„C«ffö Slovo" will wissen, daß vas ganze liniere Erzgebirge sich mit dieser Wahl beschäftigt. Das kann schon sein, aber in zustimmendem Siimc. Der Wahrheit schlägt es vollkommen ins Gesicht, wenn dieses Blatt schreibt, daß die deutschen Sozialdemokraten von neuem den dcutschnationalen Parteien zur Ge winnung des Bürgcrmcistcrpostens helfen wollten. Ebenso unrichtig ist es, daß die Wahl eines drutsche» Sozialdemokraten znm Bürgermeister nicht einmal in den eigenen Reihen völlige Zustimmung fand. Wir stellen hier fest, daß eine glänzend besuchte Parteiversammlung unserer Lokalorgauisatio» in Dux die Wahl des Genossen Karl Schlei« znm Bürgermeister einstimmig gebilligt Hai. Unsere Genossen haben sich nicht im letzten Moment entschlossen, den Bürgermeister zu kandidieren, sie haben diesen Beschluß in der einzigen Sitzung am Mittwoch, de» 9. August, gefaßt, die sich mit der Bürgermeisterwohl be- schäftigtc. Dieser Beschluß wurde den tschechischen Genossen zur Kenntnis gebracht und dcn Vertretern des deutschen OrlSrates, die ebenfalls bei uns wegen der Bürgcrmeisterwahl Vorgesprächen hotten. Wer ohne jebe Voreingenommenheit die Sachlage prüft, der inuß zur Erkenntnis komnicn, daß die Haltung unserer Genossen in Dux vollkommen richtig war und auch den Grundsätzen der Demokratie entspricht. Sie wollen Schlmpffrelhelt! Die Hiebe, die wir vor einigen Tagen an leitender Stelle—„Betrüger als Richter" dcn Kommunisten verabreichten, haben gefesselt. Die Kommunistische Presse schlägt wütend um sich, ohne allerdings auch nur rin« unserer Angaben widerlegen zu können. Ani Ende cineS unisangreichc» Zweispaltcrs schreibt sie, die Sozialdemokraten wollten mit dem Artikel lediglich„das Stichwort zur Ansschaltnng der kommunistische» Gewerkschaften aus dem Genter System" geben. Das also ists: dir Kvmniunisten besudeln die Sozialdemokraten und dcn Fürsorgrininister wochenlang in der ordinärsten Weife. Wenn wir feststellen, daß die schimpsrnden und„richtenden" Bolschewiken elciidc Betrüger an den Arbeitslosen sind, so widerlege» sic nicht etwa unser« Angaben, sondern verdächtigen uns aufs Neu« in der nicderträchtigstrn Wrise. Wir sollen zu den Schimpsereic» der Kommnnistrn schweigen. Dieser Wunsch wird nicht erfüllt werdrn. Wir werden im Gegenteil die bolschewistischen Großbetrüger an drn hungernden Arbeitslosen so entlarven, daß ihnen das Schimpfen vergehen wird. Gin Naziorgan für die politischen Gefangenen f Gebt dir politischrn Gefangenen frei! Diese» Ruf erhebt— in der national- sozialistischen„Reuen Zeit"!— Herr Ab- geordnrter Hassold. Er fragt, wieviel unge- zähltr Personen aus Politischen Gründen sich in oen Gesäiignissen befinden; hinter den Verhafteten schlössen sich die Krrkertore und von diesen Unglücklichen sehe und höre man eigentlich nichts mehr. Tie Bevölkerung sei durch die Ausdehnung der Verhaftungen teils gelähmt, teils schon so abgestumpft, daß sie dies alles mit beschäniendem Gleichmut hinnehme. Die Justizbehörde wird aufgrsordert, die Frage der H a f t c n t l o s s u n- gen recht bald zn beantworten. Ein schöner, menschlicher Zug des Herrn Hallold, ein tapferes Bekennlnia der„2leuen Zeit"! Dachten wir doch schon, es werde sich überhaupt keine nationalsozialistische Zeitung finden, die sich der politischen Gefangenen anninnüt, deren cs ja, wie man weiß, in Deutschland wohlgezählte 56.000 allein in den Konzentrationslagern gibt. Dabei haben diese armen Teufel nicht einmal Aussicht, sich vor einem Gericht verteidigen zu können. Es ist daher einem haken- krcuzlrrischcn Organ und einem dcutschnationalen Abgeordneten doppelt hoch anzurechnen, daß sie das Schicksal der politischen Gefangenen zu intrr cssicrrn beginnt. Nur, leider, hat die-Sache einen Haken: sic meinen natürlich die politischen Gefangenen in der Tschechoslowakei, während sie dir Konzentrationslager in Deutschland bestehen lassen wollen. Denn in reichsdeutsche Berhaltnisse mischen sie sich bekanntlich nur ein, wenn cs die dort Gefangenen und Gemordeten zn beschimpfen gilt.
Seife 4 frrcftafl, 1«. Augnsf 1983 Rr. 192 Tagesneuigkeifen Tementi ilclit nnrti auJ. der die Frau gegen wech- S bau und nicht eine hohe Rentabili- das Leihkapital. ist base in der 13. Verstaatlichung (bisher) bereit? der- ' n(Trusts) .Da» — bi« ;u zu schnell unserer Glaube die WMW schaltlichen da»* M■ überhaupt denkbar ist.' Reichewirtsüiaslsininister 2 ch m i 11 Juli 1933. Binnen vier Jahren must vie Arbcitelnngleit end» giiltig überwunden sein. Ausruf der Hitler-Regierung. Februar 1033. Baler erschießt die Lachter, weit sie baden gehen wollte. In Bierhöf bei Budwcis lebte der Eisen- bahnvcdiensteie Karl Elia». Er halte drei Kinder. DaS älteste lvar seine 19jährige Tochter Anna. Der Beiter zeigte sich um diese Tochter in letzter Zeit sehr besorgt und sah es nicht gern, wenn'sic baden ging. Ain 14. August wollte das Mädchen wieder baden gehen. Der Vater verbot eS ihr. sie aber wars den Kopf zurück und schritt zur Türe hinaus. Da zog der Vater einen Revolver heraus und-f e u e r i e a u f L i e T o ch t e r. Dann jagte er die ganze Familie aus der Wohnung und erschoß sich s e l b st. TaS Mädchen starb auf dem Wege zum Krankenhaus. Den ungeratenen Sohu erwürgt. Bukarest, 16. August. Ein ungewöhnliches Familiendrama ereignete sich in der Gemeinde P e t i c n i bei Jassy. Ter Bauer P e< r i e a n hatte einen ungeratenen Sohn, der ihm viele Sorgen bereitete. Bor einigen Monaten verschwand der Junge aus dem Elternhaus, doch kehrte er dann wieder zurück und versprach, sich zu bessern. Anläßlich einer Hochzeitsfeier raubte er aber zwei Hochzeitsgäste aus und verschwand mit der Beute. Er konnte jedoch in der Nachbargemeinde verhaftet werden. Daraufhin begab, sich der Vater zur Gendarmerie und machte dem Sohn heftige Vorwürfe, für die der Sohn aber nur zynische Antworten übrig hatte. Plötzlich faßte der Bauer seinen Sohn bei der Gurgel, und bevor es noch die Gendarnien verhindern konnten, erwürgte er ihn. Daraufhin ließ er sich ruhig verhaften. Bedürfnisien an- Bvdenrcsorm. > eines Gefestet Ent- Kavuzinerfrater llbersährt ein Kind. Karlsbad, 17. August. Der Kapuziner Krater Johann Schuster fuhr mit einem Personenauto gegen Königsberg, um an einem Leichenbegängnis teilzunehmen. In Kö nigsberg beim Gasthaus«„Weißer Schwan" lie ihm ein Knabe vor das Auto. In dem Bestreben ihm auszuweichen, suhr Schuster aus den Gehsteig, konnte aber nicht verhindern, daß der Knabe an eine Häuserwand gedrückt wurde. Der Knabe erlag den erlittenen Verletzungen. Eine Gerichtskommission stellte, fest, daß Frater Johann Schuster keinen Führerschein hatte. »Ich werke keinen Erundbesist antasten, mag er so grast sein, wie er wist, wenn er wirtfchalt- lich gesund ist. Ach werde auch. leinen, verschuldeten Großgrundbesitz antasten, wenn er sich mit dem Erb- hosgesest bejminbe» wist, sondern unter voller Wahrung der Privatinitiative in der Wirtschast ihn sich selbst überlassen.' Reichbernährungiminister Darre. Juli 1933. L. Gebrüder Lahufe»! .... auch gesestschattliü bin ich nicht belästigt worden.' Ltear W a t l e r m a n u, Generaldirektor der De-Di-Bank. Tementi steht noch aut. Tie Regieruiig hält ein wachsamem Auge über jene getarnten bolsst>ewlstitchr> Elemente die von einer zweiten Revolution sprechen... Hitler hat unsere Revolution im richtigen Moment ausgesange». Reirh-uniniiler Tr. Goebbels Juli 1933. werktätigen Anhängcr einziger Punkt des an- "SDAP 16. Schaffung eine» st 1t. Gewinnbeteiligung an Großbetrieben. 15. Großzügiger Aur- der Altersversorgung. Entscheidende Voraussetzung schassen, daß wie möglich Wirtschast . beiestigt wird, dah Diü>erheil des wirt- .stalkulieren» Höchstmaß hat, da» Amundsens Flugzeug gesunde»? Ein Bericht norwegischer Fischer. Kopenhagen, 17. August.„Tagens Nyhedcr" erfährt aus Oslo: In Tromsö sind heute Gerüchte im Umlauf, daß Fischer, die von der Bä- remnsel eingetrosscn sind, A m u» d s e n s Flugzeug.„La tha m" inS Netz gefangen hätten. Der französische Konsul in Tromsö hat sich mit- den Fischern in Verbindung gesetzt, die nach ihren Heimatorten zurückgekchrt sind. Man wird Nachforschungen über die Richtigkeit der Angaben sofort einleiten. Die Fischer sollen verschiedene Teile des Flugzeuges soweit über Was- ser gehabt habe», daß sie oen ganz bestimmten Eindruck, hatten, Teile eines verunglückten Flug- Glelchzcitig mit drei Frauen verheiratet. Prag. Die Prager Polizei ist einem Mann aus die Spür gekommen, der gleichzeitig m i t drei Frauen verheiratet ist. In dem Prager Vorort Straschnih lvohntc seit einiger Zeit ein Mann mit Frau und drei Kindern, der in der Umgebung unter dem Namen Ingenieur B o b e k bekannt war. Bor mehreren Monaten verschwand er und kehrte nach kurzer Zeit in Begleitung einer jungen Frau zurück. Den Nachbarn fiel eS auf, daß von nun an seine Kinder ihn Onkelchen nannten. Es stellte sich heraus, daß die junge Frau sich alS seine rechtmäßig angetrautc Gattin betrachtete. Eine Nachfrage bei der Wiener Polizeidirektion ergab, daß in Zell am See eine dritte Frau lebt, die bereits im Jahre 1807 die Gattin Bobckü wurde. Eine Ueberprüsung der Papiere BobekS zeigt« ferner, daß es sich um die Dokumente seines seit acht Jahren verschollenen Bruders handelte. Bobek betätigte sich auch als Heiratsschwindler und war. im Begriff sich eine vierte Frau zu nehmen. In Prag halt« er die reiche Witwe«ineS hohen Staatsbeamten kennengelernt, in deren HauS er häufiger Gast war. Dabei geschah es, daß er einige Male zufällig kein Geld bei sich hatte und sich in kurzer Zeit zehntausend Kronen auslieh. Die schöpfte jedoch Verdacht und erstattete Bobek die Strafanzeige, wobei dann sein selvolles Borleben aufgedeckt wurde. .Erst wenn die Wirtschaft gedeiht, werben wir sozial handeln und Evzial- vvlitik treiben können? Lader. Ministerpräsident sieberl Znli 1033. Dementi steht noch au». 21 Stunden nach unserer Machtergreifung sind die Papenschen Notverordnun gen restlos aufgehoben. Millionen Schaufeln und Lvalen setzen fid) sofort in Bewegung, die Arbeite- lostgkett hört in lurzem auf. Gauleiter Dr. Goebbels. . Die Revolution an fiel) ist noch nicht abgefchlosfen. Noch im Laufe diese» Jah re» Vierden Umwälzungen vor stch gehen, gegen die alle» bisherige nur ein Auftakt. gewifsermasten nur eine Ouvertüre war. Reicheminister Dr. Goebbels. 21. 6. 1933. Hitler hol seine schamlos verraten. stein geblichen Wirlschasts-„Programmü" der 912: ist durchgcsührt, nichts davon soll jcmats in Aik- griss genommen werden. Hitler ist mit Volldampf dabei, das wirkliche Programm des Monopolkapitals und FascismilS zu realisieren: Ausrottung des Marxismus, Vernichtung der Arbeiterbewegung, Auslieferung des Proletariats und der werktätigen Mittelschichten an die Großagrarier und Schweriudiistriellr», der des st 16. Rücksichtsloser Kampf gegen diejenigen, die durch ihre Tätigkeit da» Gemeinintereffe schäbigen. Gemeine Verbrecher, Wucherer, Schieber ufw. find mit dem Tode zu bestrafen, ohne Rücklicht aus Konlesfion und Raste. Die Aufgabe der Volt», wirtschast ist die Bedarfsdeckung möglichst töt für - S. 33.'. Steigerung Ausbeutung und Verelendung, Vorbereitung neuen Weltkrieges. Die„zweite Revolution" ist verboten. Gegen Werktätigen— auch in den Reihen der SA werden drakonilche Mordgesctzc erlassen: »Steche, schlage, würge, wer da kann!" Und dennoch— trotz alledem: Der Klassenkampf ist nicht zu verbiete». Die kommende anti- laseistische und antikapitalislische Revolution wird slch nicht„aussangen" lassen! Es gilt- unerinüdlich « ihrer Vorbereitung zu arbeiten. Liebestragödie bei Karlsbad. Seit acht Tagen tvar die zwanzigjährige Berta Michl aus Salmthal abgängig. Alles Suchen nach ihr war vergeblich. Mittwoch batte der Wcrksührcr der Pappcnsabrik Strohbach in Talmthal beim Wehr der Fabrik etwas zu tu». Dabei machte er grausige Entdeckung. Beim Wehr der Fabrik lag im Wasser ganz von Schlamm bedeckt die Leiche der Michl. Die Michl stand in Beziehungen zu einem gewissen Florian Grimm aus Abcrtham, der bei der Firma Erust Klug in Salmthal beschäftigt war. Das Mädchen war bereits im fünften Monat schivangcr und wie eS heißt, wollte Grimm mit dem Mädchen Schluß machen. Grimnr tvar mit dem Mädchen vor acht Tagen noch spazieren gegangen, wobei es wahrscheinlich eine Auseinandersetzung ztvischen den beiden gegeben haben dürste. Man vermutet, daß die Michl, nachdem sic Grimm verlassen hatte, beim Wehr ins Wasser gesprungen und ertrunken ist. Als nun dem Grimm die Nachricht von dem schrecklichen Ende des Mädchens überbracht wurde, stürzte er sich in seinem Arbeitsraum in die Transmission. Grimm wurde buchstäblich zerstückelt, so daß die Körperteile in einem Sack wcggctrqgcn werden mußten. Die Leichen der beiden jungen Leute wurden nach Bärringcn geschafft. st- gesunden Mittelstandes u. feine Erhaltung, sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende. schärfste Berücksichtigung aller kleinen Gewerbetreibenden bei Lieferung an den Staat, die Länder oder Gemeinden. 8 17. Eine unseren nationalen r u-J” gepaßte Schaffung zur unentgeltlichen eignung von Boden für gemeinnützige Zwecke. Ab- schajsung des Bodenzinfes und Verhinderung jcd-r Dodenfpelulation. Entschödlgung-tose Enteignung' der gesamten Vermögen der Bank- und Börsenlürsten. Antrag Frick und PK im Reichs- tag. 8 12. Restlose Einziehung aller llriegsgewlnne. Einziehung aller nicht aut ehrlicherArbeit beruhenden Kriege-. R Stabilisierung, Wertung»'gewinne von. gut. 8 aller, aesetlschastele, Betriebe. Solche Betriebe, die all riesige Trusts nurmehr von einem Beanitenappa- rat betrieben werden, bezeichnen stch damit selbst als.foziaiisiernngsrcif'.. (Feder: S. öl). Zeitungen und Zahnstocher hat der Mtt anzuschaffen! Entscheidung des Arbeitsgerichtes: Abwalzung von Regiekosten aus die Angestellen nicht rechtsgültig. Prag, 17. August. Eine bemerkenswerte Ent. scheidung sollt« das hiesige Arbeitsgericht im Stritt eines wegen Beleidigung des Chefs auf der Stelle entlassenen Oberkellners gegen den gewesenen Dicnstgeber. Ter Oberkellner hatte in seiner Klage anßer der Einhaltung-er gesetzlichen Äündigungssrist auch den Ersatz der von ihm bestrittenen Kosten der Zeitungen und Zahnstocher geltend gemacht. Der Wirt berief sich daraus, daß diese Praxis allgemein üblich sei und"«S dem Oberkellner obliege, diese Auslagen auf sich zu nehmen. Als die Pergleichsbemühungen des Vorsitzenden(OGR. Dittrich) gescheitert waren, wurde in die Verhandlung cingegangcn, die mit einem Erfolg des klagenden Kellners endete. Ter Kläger siegte nicht nur in der Hauptsache, der Einhaltung der Kündigungsfrist, sondern daS Gericht erkannte auch dahin, daß die UcbcrwälzungderRegie. kosten auf die Angestellten gegen die g.utcn Sitten verstoße und ein der. artiger Vertrag also im Sinne des Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches ungültig sei. Der Dicnstgeber wurde demgemäß znm Ersatz dieser Kosten verurteilt. rb. .Ich lohne jeden Sozia- lisierunasversuch ab. weil jede§ Sozialifier»nfleciVe; rimont die Gefahr in sich birgt, da» schöpferische Element, da» ist die Per» iönlichloil aus dem Wirt- fchaftSprozeß auszuschalten.' Staatssekretär Feder. Juli 1933 .... deni natürlichen Führer eines Beiriedes, d. h. dem Unternehmer. die volle Führung wieder in die Hand geben. Entscheiden kann allein der Unternehmer.' Dr. Leh. Führer der »Teuifchen Arbeitsfront', Jlili 1933. Tementi steht noch aus. Explosion aus dem Iglauer Batznhos. Zwei Eisenbahner schwer verletzt. Iglau, 17. August. Am Iglauer Haupt, bohnhos inspizierte heut« nacht» der 32jährige Werkmeister Joses M o n o u 5 e k und der 47jäh» rige Eisenbahnangestellte Auto» K o u k a l eine Lastzuggarnitur, in welche auch ein leerer Bcn- zin-Zisternenwagen der Iglauer Firma Ezcelsior eingereiht war, der zur Füllung in Möhr.»Ostrau bestimmt war. Als stch die beiden mit ihren La. ternen in den Händen dem Zisternenwagen näherten, explodiert« der mit Benzin« dämpfen gefüllte Tank unter lauter Detonation, die weithin in der Umgebung zu hören war. Durch die Wucht der Explosion wurde der 40 Kg. schwere Deckel loSgerisfen und 15 Meter weit weggeschleudert. Die beiden Eisenbahner erlitten durch dir herausschlagenden Flammen am Oberkörper und im Gesicht lebensgefährliche Brandwunden und wurden in besorgniserregendem Zustand inS Krankenhaus überführt. Tie Urfache der Explosion wird untersucht. Glücklich verlaufener Flugunfall. Prag, 17. August.(TNO.) Heute gegen 9 Uhr früh ist das Flugzeug S. 20.66 vom 2. Fliegerregimcnl in der Gemeinde SoböSiee bei Brünn in einem Garten notgelandet. Dos Flugzeug havarierte, seine Besatzung, der Pilot Zugsführer Fischmeistcr, ist jedoch heil d a v o n g e k o m m c n. Ter Pilot erlitt bloß unbedeutende Abschürfungen an den Fin- gern einer Hand. Die bisherige Untersuchung hat ergeben: Der Pilot hatte einen UcbungSflug von Olmütz nach Brünn zu absolvieren. Nach seinen Anga- ben versagte ihm über der Gemeinde Bilo- Vice, die an der genannten Strecke liegt, der Motor. Da er sich über einem Gebiete befand, doü für Notlandunge» sehr ungünstig sei, habe er beschlossen, gegen SoböSice abzubiegen. In dieser Gemeinde sei er zu Hause und kenne das Terrain genau. Darum habe er an einer ihm bekannten Stelle nicdcrgehen wollen. Bei dem Lan- dungSmanövcr habe er die Gemeinde SoböLire überflogen, wobei das Flugzeug den Blitzableiter eines Hauses ge st re.ist habe. Bei der Notlandung ist es dann gegen einen Gartenzauu angefahren und habe havariert. Da die Notlandung und die Havarie in unmittelbarer Nähe des Wohnsitze» de» Piloten erfolgten, wird nun von einer Militärkommission an Ort und Stelle untersucht, ob die Aussagen de» Piloten über die Ursache der Havarie der Wahrheit entsprechen. ch Polnische Flieger oerbravvt. Warschau, 17. August. Wie die Polnische Telegraphenagentur meldet, ist unweit der Gemeinde Syouo(?) bei Flugübungen ein Mik i« t ä r f l u g z c u g infolge einer Motorstörung a b- gestürzt. TaS Flugzeug fiel aus geringer Höhe zu Boden und fing infolge der Explosion des Benzinbehäliers Feuer. Der Pilot verbrannte lebendigen Leibes. Der Beobach- t c r wurde so schwer verletzt, daß er bei Ucbersühruug in das Krankenhaus starb. Revolution?-. I»- u..Aul- ..... sowie Hamster» U. Wucher- Eiue Schaukel fUr künftige Piloten. Diese»„Klern-flugzeug" ist auf der Weltausstellung in Chicago zu sehen. Mit ähnlichen Apparatun.i erlernen die amerikanischen Piloten die Sicherheit in der Handhabung der Flugzeugbedienung. Di« sinnreich kanslruierle Schaukel reagiert aus alle Handhabungen des angehenden Piloten genau so wie ein Flugzeug. Ter Sitz bewegt sich nach oben und unten, neigt sich nach rechts und links, schlingen und dreht sich. Allerdings einen großen Vorteil gröl es gegenüber dem„richtigen" Flugzeug: Ter Pilot fällt nicht, wenn er auch etwas verkehrt gemacht da:. zeuges vor sich zu haben. Ein anderes Flugzeug aber als das Amundsens ist, so viel man allgemein weiß, in der Nähe der Bäreuins-! nicht verunglückt. Wahrscheinlich«» Wetter Freitag, den 18. August: Noch immer unbeständig, im Westen des Staates nur vorübergehende Abnahme der Rcgen- Neigung, im Osten strichweise Schauer, mäßig wann, Westwind. Kleiner Krieg in Marokko. Im Lause des Vordringens der französischen Truppen im Hohen Atlas haben sich über ,1000 Familien im'Abschnitt von Tadla unterworfen. Tie große Offensive am Djebrl Buda Hai begonnen. Eine Bärin aus Menfchenjagd. Wie die Belgrader„Politika" meldet, griff eine Bärin mit zwei Jungen auf der 8ar Planina zniei Hirten an und brachte ihnen schwere Berletzun gen bei. Sie flüchtete dann und überfiel im Wälde einen Bauer, der Bäume fällte. Auch dieser, wurde schwer verletzt. Der Tod aus der„Bremen". B reiner- h a v c n,-17. August. In der Verhandlung gegen den Amerikaner Chartas Manger, der atf Bord des Dampfers„Breme n" aus Fahrlässigkeit seinen-Freund Heye erschossen hott', lautete das Urteil auf eine Gefängnisstrafe von drei Monaten, die bis zum 30. September 1936 aufgehoben wird, unter der Bedingung, daß der Angeklagte eine Buße von 3000 Mark erlegt. Opsrr der KricgSvorbcreitungen. Goldas 17.' August. Ein mit zwei SALeuten besetztes Motorrad fuhr in eine von einem Nachtmorsch kommende SS-Kolonne. Der Führer des Motorrades und ein SS-Mann wurden schwer verletzt ins Kvankenhaus gebracht. Blitz«rschlägt«ine Frau und elf Kühe. H a d c r s l e b e n, 17. August.(Schleswig-Holstein:) In Nagboel bei Lunderskov wurde die beim Meilen von Kuchen beschäftigte Bauerns- fr au Kroll mit sämtlichen 11 Kühen vom Blitz getötet. Die Kühe waren an einem Drahtzaun festgebundcn, an dem der Blitz entlang gelaufen war. Die neueste Nummer de»„Kuckuck" bringt eine ganze Reihe gutgclungener Ausnahmen vom Aussigcr Spiel- und Sporttag in vorbildlicher Montage. Es ist ein eindrucksvoller Bild- und Wortbericht, von dieser herrlichen Kundgebung sozialistischen Wollens und sozialistischer Kraft. Außerdem enthält die Nummer Erinnerungsblätter aus dem Weltkrieg von Joses Hofbauer:„Kamerad, als wir marschiert", die in Verbindung mit den beigegebenen Bildern sehr wirkungsvoll an die Tage des Kriegsbeginns mahnen. Der„Kuckuck" verdient weiteste Verbreitung;. er ist die beste proletarische Bilderzeitung.■ Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Samstag. Prag: 10.10 Schallplatten, 18.80 Deutsche Sendung: 10 Minuten Aktuelles. 19.10 Bom chinesischen Begräbnis, 20.00 Bunter Abend.— Brünn: 1-1.50 Schallplatte», 18.25 Deutsche Sendung: Kinder- und Volkslieder. 19.25 Arien aus italienischen Opern. 20.00 Bunter Abend.— Wien: 16.00 Zithervorträge, 20.20„Die Frau von vierzig Jahren", Spiel von Sil Barg, 22.15 Abend- konzerl.— Frankfurt: 15.30 Stunde der Jugend. — Heilsberg: 15.30 Bastelstunde für Kinder, 20.40 Klassische Kammermusik.— Hamburg: 16.00 Grieg- Konzert.— Berlin: 16.00 BlaSorchesterlonzert.— Langenberg: 17.00 Liederstunde.— München: 1715 Jugendfunk, 20.00„Knickerbocker", ein lustiges Spiel.
Freitag. 18. August isjjs Sette 5 Der Krakatau. S«r SOjährige» Wiederkehr de« Vulkanausbruchs am 2S. August 1888 Sevvarm von einem-leb erschossen. Auf eiuer Razzia bei Böbing. Böbing, 17. August. Schon seit längerer Zeit wurden in Rohatetz bei Göding systematisch Diebstähle begangen. Heute früh wurde de», halb eine Razzia vorgenommen, an der auch Gendarmen auS Göding teilnahmen. Der Wachtmeister öndovsky stellte im Walde vier verdächtige Männer, die etwa 50 Kg. Fleisch trugen. Bei der Feststellung ihrer Identität gab einer der Männer auf den Wachtmeister drei R e- volvcrschüssc ab, von denen zwei Oudovsky in die Brust und einer ihn in den Kopf traf. Der Wachtmeister war sofort tot. Die ihm zu Hilfe eilende Gendarmeriewachc hielt die drei übrigen Männer an,.während e» dem Täter gelang, zu entkommen. Der Tat verdächtig ist ein gewisser Karl H a s i k auS Göding. Eine starke Gendarmeriebereitschaft fahndet nach dem Täter. Gtrrlk» auf Kuba. Havanna. 17. August.(Reuter.) Di« britischen Dampfer„Mouretama" und„Franconia", die 700 bis 800 Reisende an Bord haben, sind nicht in der Lage, den Hafen zu verlassen, da der Streik der Hasenarbeiter bisher andauert und kein Schiff weder in den.Hast« einfahren noch denselben vcr- lascsn kann. In Santiago streiken bisher^Prozent der organisierten Arbeiter: in Camaguey streiken die Eisenbahner und infolge der Streiks find Antilla, Puertotorafa und andere.Hafen im Norden der Insel gesperrt. Jede» Tag eine Hiurichtuug. Görlitz, 17. August. Heut« früh um halb K llhr ift_ im Hof des hiesigen GcrichtSgesängnisses der Mörder Just auS Klein-Partwitz wegen Mordes in vier Fällen enthauptet worocn, Just hatte im Jänner 1932 seine zweit« Ehefrau sowie im September 1932 die Angehörigen seiner dritten Chefrau, nämlich den Arbeiter Christian Broda, dessen Frau und beider Kind errnordet. Amoklauf eine« Geudarmen. Madrid, 17. August. In einem Anfall von Geistesgestörtheit rannte gestern ein Gendarm durch die Strassen und bedrohte die Passanten mit seinem Säbel. Drei Frauen wurden von ihm verletzt. Schliesslich wurde der Wüterich von einem Polizeibeamten n i e d e r g e« schossen. Waggon mit Pferden in vrand. Vase- walk(Pommern), 17. August. B«im Verladen des Zirkus Busch entstand in einem mit neun wertvollen Dressurpferden beladenen Waggon Feuer. Alle Tiere haben erhebliche Brandverletzungen und Ranchverlrhnngcn erlitten. Speisezettel im Zuchthaus Sonnenburg. Im Zuchthaus Sonnenburg, das als Konzentrationslager benutzt wird, werden in der letzten Zeit di« Gefangenen wieder misshandelt und vor allem auf Hungerrationen gesetzt. Bekanntlich wurden sie dafür bestraft, dass die Hindenburg- eiche auf dem Tempelhofer Feld— wahrscheinlich von SA-Leuten— abgesägt wurde. Die Verpflegung am 31. Juli, 1. und 2. August, den drei Tagen ohne Mittagessen, bestand aus folgen- dem: Montag, 31. Juli: Morgenkost: Griess- suppe, Brot: Abendkost: 75 Gramm Suppe, 210 Gramm Brot. Dienstag, 1. August: Morgenkost: Reissuppe und 310 Gramm Brot; Abendkost: 75 Gramm Suppe, KOO Gramm Pellkar- löffeln, 1 Salzhering. Mittwoch, 2. August: Morgenkost: Griesssuppe und 310 Gramm Brot; Am 26. August jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem der berüchtigte niederländischindische Vulkan Krakatau ausgebrochcn ist und nahezu 50.000 Menschen verschlungen hat. Der Krakatau lag aus einer Insel in der Sundastrahe zwischen Sumatra und Java, auf der sich bis zum Jahr 1883 zwei Vulkane befanden, Schon im Mai 1680 und im Feber 1684 schleuderten die beiden Vulkane ungeheure Lavamassen auf die Insel und vernichteten dort nahezu sämtliche Lebewesen. Im Mai 1883 begann der Vulkan sich durch Erdstösse und Teilausbrüche bemerkbar zu machen. In der Nacht vom 26. zum 27. August 1883 kam es dann zu jenem Vulkanausbruch, der in der modernen Geschichte seinesgleichen mcht kennt. Die beiden Vulkane brachen ungefähr um Mitternacht aus, und zwar mit einer solchen Heftigkeit, dass di« halb« Insel abgesprengt und ins Meer geworfen wurde. Eine gewaltig« nahezu 40 Meter hohe Flutwelle entstand und dehnte sich bis über Java und Sumatra hinweg bis nach Japan, Australien und sogar bis Südamerika aus. Etwa 50.000 Menschen wurden bei diesem gewaltigen Vulkanausbruch vernichtet. Im Gefolge der vulkanischen Explosion wurden grosse Massen vulkanischen Staubes rmporgeschlrudert, di« noch viele Mo- natr lang den ganzen Erdball umkreisten und die Sonn« verdunkelten. Der Aschenabsall der Er- ruption war ungefähr 1000 Quadratkilometer gross. Eine 70 Meter hohe Aschcnschicht legte sich über den Rest der alten Insel. Durch die gewaltige Explosion waren beiderseits von dem ver- schwunbcncn Teil der alten Insel zwei neue Inseln emporgcstosscn worden, die jedoch nach einigen Monaten wieder unter die Meeresoberfläche untertauchten. Die Detonation des Krakatau war auf den Philippinen, in Mittelaustralien uich in Madagaskar deutlich zu hören. Die Erschütterung war aus der ganzen Erde zu verspüren, ebenso eine Schwankuiig des Luftdruckes, die durch die Wirbelstürme über den Sundainseln auSgelöst wurde. Die ehemalige Krakatauinsel wurde von 30 auf 10 Quadratkilometer verringert. Auf dem ehemaligen Aschenboden bildete sich eine neue Abendkost: 75 Gramm gesüßt« Graupensuppe, 240 Gramm Brot. vesellschastSreiseu der„Naturfreunde". Dom 2. und 3. September führt der Turistenverein„Die Naturfreunde", Sitz Aussig,«inen Autobus zum Besuche der M a e o ch a und der Stadt Brünn. Besichtigt werden di« Älouper-, Ostrowcr-, Katharinen», Punkwa- und Masarykhöhle. Der neu« Wasserweg(660 Meter lang) ist erst am 1. Juli eröffnet worden und wird mit Motorbooten befahren. In Brünn Stadtführung, Besuch der Spirlbergkasematten und d«r Kapuzinergruft. Die Reisekosten betragen für die Hin- und Rückfahrt einschliesslich Einlaßkarten, Nächtigung, Frühstück, MittagStisch und Nachtmahl, Unsallversicherung und Trinkgelder pro Teilnehmer X 215.— bezw. 230.—. Diese Reise kann auch mit der Bahn ausgeführt werden und betragen dann die Reisekosten X 230.— bezw. 245.—. Ohne Fahrten nur kl 88.— bezw. 05.—. Eine Wanderfahrt nach Prag zum Besuche der Messe unternehmen die„tztatnrsreunde" am 10. September. Tie Reisekosten betragen einschliesslich der Fahrten, Eintritt in die Messe, MittagStisch und Nachtmahl, Stadlsührung, Unfallversicherung und Trinkgelder pro Teilnehmer kl 58,—. Nur 40 i bequeme Polstersttz« vorhanden, daher sofortige Mel- Begetation. Durch Wind« und Vögel wurde di« Aschenoberfläche neu belebt. Di« Fruchtbarkeit der Tropen trug dazu bei, die vulkanische Insel wieder mit einem äußerst ergiebigen Ackerboden zu bedecken. Seit dem Jahr 1928 rührt sich dieser in die MeercSticfe versunkene Vulkan aufs neue und beunruhigt die Bevölkerung durch heftige Erd- und Wasserstöße. In einem Abstand von einigen Monaten steigen auS der Sundastrasse in der Gegend des ehemaligen KrakatauvulkanS gewaltige Waffcrmassen auS dem Meer empor und schleudern Lava und Steine bis an die Küste von Sumatra und Java. Die letzte grössere Errup- tion war am 14. August 1930 zu verzeichnen, wo eine Wassersäule von nahezu 2000 Meter Höhe und mit einem Durchmesser von etwa einem Kilometer emporgeschleudert wurde. Niederländifch-Jndien gehört zu den vulkanreichsten Ländern der Erve. Auf den Sunda- inscln kann man etwa 100 tätige Vulkane zählen, die durch chr« unberechenbaren Ausbruche die Bevölkerung in Atem halten. Hungersnot Singt die Bauern.und Pflanzer jener vukani- en Gebiete immer wieder auf di« alte Scholle zurück. So sind beim Ausbruch des Kleot-Vul- kanS auf Java im Jahr 1919 nahezu 6000 Menschen umS Leben gekommen. Die holländische Regierung hat neuerdings zur Beobachtung der Krakatau und des Klrot einen eigenen Erdbebenbeobachtungsdienst eingerichtet, der 30 Beobachtungsposten auf dem ganzen Jnselgcbiet unterhält. 200 Assistenten und Hilfskräfte unterstützen den Leiter der Erdbebenwarte. Selbst in die Krater hat man Beobachtung-Posten, die mit Gasmasken und Hunden begleitet sind, vorgeschoben, um rechtzeitig die Bildung von giftigen Gasen festzustrllrn. Durch Temperaturmessungen. Gc< steinSprnfungcn uno Bohrungen hofft man den Ausbruch eines der Vulkane rechtzeitig melden und großes Unheil von der Bevölkerung abwen- ! den zu können. Die letzte Erdbcbenmeldung aus Niederländisch- Indien berichtete von einem drohenden Auübmch eines Vulkans bei der Stadt Palcmbang., düng notwendig. Auskünfte, Anmeldungen sowie Prospekte durch die Geschäftsstelle dcS T.-D.„Die Naturfreunde", Sitz Aussig, Marktplatz 11. Warnung vor der Auswanderung nach Lettland und in di« baltischen Staaten. In den Sommermonaten nimmt die Zahl derjenigen zu, di« Arbeit suchend, ohne Ziel di« Welt bereisen. Einige davon versuchen, in der'Meinung, dass sie in Russland leicht rin« Beschäftigung finden, auS Lettland nach Sowjet-Russland zu gelangen, ohne dass sie für Sowjet-Russland einen Arbeitsvertrag und«inen gültigen Pass mit vussischem Einreisevisum besitzen. Wegen Nichteinhaltung der Paßvokschrislrn setzen sie sich in Russland zahlreichen Unantz«hmlichke:l«n aus und kehren dann mittellos nach Lettland zurück, wo sie die tschechoslowakische Gesandtschaft um Unterstützung und Ermöglichung der Beförderung in di« Heimat ersuchen. Da die Betreffenden weder in Lettland noch in den übrigen baltischen Staaten Arbeit finden können und dann an verschiedenen Stellen Unterstützungen verlang«», kann das Reise» in diese Staaten nicht enrpfohlen werde». Besonders ist von allen Versuchen Abstand zu nehmen, von dort ohne ordentliche Reise- und sonstige Ausweise, namentlich ohne vorher vereinbarten Arbeitsvertrag nach Sowjet-Russland zu gelangen. Aus aller Wett. Der Walsischorden. Im Jahre 1931 sind— wie die Statistiken zeigen— nicht weniger als 40.000 Walfische getötet worden. Wie wir jetzt erfahren, hat sich die australische Regierung entschlossen, die Antarrktis zrr schützen und eine strenge Aufsicht über den Walfifchfana auSzu- uben, damit da» Massenmorden endlich(wenn es nur nicht bereits zu spät ist!) ein Ende habe. ES ist bezeichnend, daß sich nnn in Australien ein Bund gebildet hat, der den Titel„Walsischorden führt und eine Menge der tollsten Walmchjäger umfaßt. Da nun die Zeit der Mordrekoroe auf diosenr Gebiete vorbei ist, wollen die Jäger wenigstens in Gedanken bei ihrem mörderischen Metier sein und in geselligen Zusammenkünften unter ganz verschrobenem RituS das üblich« Jä- gerlatem von Stapel lassen. An die jährliche Haupttaaung schliesst sich eine Walfischprozession an, bei der riesige Papp-Wale mitgemsichrt werden sollen."Watfischhrudcr3 kann man nur werden, wenn man eine ganz bestimmte horrende Zahl von Tieren erlegt hat. DaS nennt man Revanche. Der belgische Geiger Eugen I sa y c wurde einstmals von einem millionenreichen Schnhsabrikanten in Nizza zum Essen«ingeladen. Nachdem das Diner vorüber-war, brachte ein Diener des Gastgebers«ine Geige Herrin und übergab sie keinem Herrn. Dieser trat nnn mit dem Instrument aus den Künstler zu und fordert« ihn ziemlich energisch auf, etwas zu spielen, als erwarte er'eine geziemende Gegenleistung für das dargebotene Festmahl. Ohne ein Wort zu erwidern, ergriff Psave die Geige und spielte einige kleine Sachen, dann empfahl er sich unter einem Vorwande. Einige Monate später gab Bsape in Paris eine Gefell- fchast, zu der er auch den Schuhsabrikaiiten eingeladen hatte. AIS man sich von der Tafel in den Rauchsalon begeben hatte, trat ein Diener herein, der auf einem Tabsett ein Paar alte zerrissene Stiesel trug. Mat)« ergriff die Stiefel nnd überreicht« sie mit einer stummen Verbengnng dem Schnhsabrikanten. Als dieser verdutzt fragte, was er denn mit diesem zerfetzten Schnhwerk anfangen sollte, erwiderte Mähe:„In Nizza musste ich oas mir von Ihnen dargebotene Diner niit meiner Kunst bezahlen. Heute Warrn Sie mein Gast, und ich möchte mich gleichfalls für die Ihnen servierten Gänge bezahlen lassen. Sie haben daher wohl die Güt«, mir ineinc zerrissenen Stiefel frisch besohlen zu lassen, denn das ist ja Ihr Geschäft." Flüssige. Tapeten. Ein Industrieller aus Mailand hat, dicht vor den Toren der Stadt, sich ein Landhaus errichtet, da« da« Letzte an Komfort bietet. Als besondere SehenSwnroigkcit sind die „flüssigen Tapeten" zu betrachten, dir jede« Zimmer kleiden..Es handelt sich um eine farbige Glasschicht, hinter der ununterbrochen, wie wir es bei Bluinenaeschäften»sw. gewohnt sind, Wasser hcruntcrrieselt, das im Sommer die nötige Kühlung schasst. Eine ZentralheiznngSanIage erlaubt während der kühleren Monate durch Erwärmung des Wassers ebenfalls die Benutzung der flüssigen Tapeten... Ein Flugzeug mit Gummislügeln. Tas amerikanische Flugzenggcschäst wird in nächster Zeit durch eine Neukonstruktion belebt werden, die Henry Ford auf den Markt bringen wird: Das Flugzeug mit Gummislügeln. Die Ersin- düng scheint eine große Zukunst zu haben, da LaboratoriumSversuchc eine starke Bruchfestigkeit der Gnniniitragflächcil ergeben haben und insbesondere die Gcsahren der starken Schwingungen säst auSgcschaltct sind. schliefen die Arnum ein. Sie sind nicht di« einzigen, die hi«r so nächtigen. Tausende schlafen unter freien« Himmel, an Straßenecken, an Wiesenhängen. Werl sie kein Heim, kein Hau», kein Geld haben. An den Ufern d«s Douro, in dem di« großen Uebcrscedampfer einlaufen, um ihre Ladung zu peien nochmals hundert Bettelkinder aus. Wiel gab den Kindern zu essen und zu trinken. Dann der Rattenfänger vm, Hameln ziehst du damz'-r- durch die Straßeii. gefolgt von Hunderten von bettelnden, pennyheischenden, zerlunipten Kindern. Portugal. Weißblitzend in der südlichen Sonne, bunt, malerisch baut sich di« Stadt an Wcinhängen aus; Palmen ragen auf den Terrassen; Zitronen schimmern gelb durch das satte Grün der wunderbaren Gärten. Ein Paradies, meint der Fremdling aus der herben, sparsanien Landschaft d«S Nordens, ein Parodie»! Aber dieses paradiesische Antlitz der alten portugiesischen Städte täuscht. Am Fuß« der Palmenhänge PortoS zieht sich die Rua das Taypas do Bellomont« entlang, di« typische Straße der Altstadt. Schmal«, steile Seitengassen zweigen von ihr ab, in denen sich di« Bewohner vom Fenster ans über d:e Gasse hinweg die Hände reichen können. Zwei Frauen sehen aus den gegenüberliegenden Fenstern«ind keifen; während sie sich wütend aus dem Fenster beugen, berühren sich saft die fuchteliiden Fäuste. Europäisch« Kaufläden gibt eS hier nicht: In einem großen viereckigen Loch in der Mauer, ohne Ture, Schaufenster, Rahmen, liegt di« Ware, halb im Haus, halb aus der Straße. Von der Straße aus kann man in die Wohnungen leben: ein einziger Raum mit ein paar primitiven Möbelstücken. Ein« halbangezogene Frau sitzt auf dem Boden, und ruft, da sie den Fremden steht: »Penny, Senhor!" Und der Ruf bekommt ein tausendfaches Echo. AyS hundert Löchern krauchen Kinder, in Hemden, zerschlissenen Hosen und undefinierbaren Fetzen, umringen den Reisenden und schreien dieweil sie ihm di« schmutzigen-Hände«ntnegen- strecken, unaufhörlich:„Penny, Penny, Penny' ... Penny, Penny,- Penny!" Nichts kann sie vertreiben. Nichts kann sie zum Schweigen bringen. Am wenigsten die Erfirllung ihres Wunsches, «in Penny. Ein trommelfellzerrüttendes Gebrüll erhebt sich, wenn du eine-Handvoll Centavos unter sie wirsst und di« umliegenden Türlöcher Wir gehen zu dreien über den Praca do Peixe, den Fischmarkt. Da bleiben all« Frauen stehen, mit ihren Fischkörben auf dem Kopse. Sie betteln nicht, schreien nicht:„Penny!"; sie sehen uns mit offenem Muiid« an. Etldlich ruft die vorderste mit schreckcnsver- zerrtem Gesicht: „O, seht, seht: da... da... in der Mitte da geht ja der Teufel!" Der in unserer Mitte ging, war ein deiitscher Doktor, gross, stämmig nnd mit einem rotblonden Bollbart. So— mit einem roten Bart und mit Riesenwuchs— stellen sich diese schwarzhaarigen Kindergemüter den Teufel vor. Währen- mair ihn im blondeii Norden sich schwarz vorstellt. Ein« der Frauen deutete a«tf unseren rechte» Flügelmann, deffen wohlgenährtes Aeußere augen- lcheinlich ihr Wohlgefallen erregt«: „Sehr, welch ein hübsches und wohlhabendes Gesicht!" Es ist für dies« verhärmten Frauen schon «in Genuss, ein wohlhabendes, d. h. ein gul- genährtes Gesicht zu sehen. * Als wir abends vom Campo dos MarthreS da Patria kamen, stiessen wir auf ein seltsames, erschütterndes Idyll. Im Schatten eine» Hauses standen Pflasterstein« ansgestapeft. Als wir Menschenstimmen an» den« Stapel vernahmen, traten wir näher und sahen«in« Frau, di« hier sich und zwei Kindern ein Nachtlager inmitten der Pflasterstein« zurecht macht«. Sie dreht« die Strin« so, dass die glatt« Seite nach oben iah, breitete ein paar dünne, zerschlissen« Lumpen darüber, legt« die Kinder darauf und dann sich selbst; dann holte sie au» ihrem Bünd«l eine Flasche Landwern und«in Stück MaiSbrot und löschen und neu« Ladung zn nehmen, liegen weit in den Fluss hinaus große, schwerfällig«, schtvarz« Kähne, Leichter, die den Lastenverkehr zwischen User«ind Dampfern besorgen. DaS ist ungeheuer zeitraubend, schwierig und teuer. Zwischen Ufer rind Dampsern sind nur wenige Meter Zwischenraum; ein Paar Kräne würden daS Beladen und Entladen schnell, gefahrlos«ind billig besorgen. Aber die Portugiesen stellen keine Kräne ans. Weil an der Verladung mit Leichtern viel« Leute verdienen, iveil ein Teil der Bevölkerung auf diesen Berdienst angewiesen ist. Der alt« Kamps des.Handarbeiters gegen die Maschine. * Taschendiebe gibt eS überall. Also auch in Portugal(obwohl in« übrigen Eigentumsvergehen trotz der Armut der breiten Mass« hier verhältnismäßig selten sind, wie di« Statistik nachweist). Im Gedränge beim Stierkamps im Campo Pequeno kam einem Reisegefährten di« Brieftasche abhanden. Er meldete den Verlust der Polizei, und meinte:„Wenn ich nur wenigstens mein« Papier«, di« in der Tasche waren, wieder bekommen könnte, dann ließe sich der Verlust des siteldes immer noch verschmerzen!" Der Polizeibeamte lächelte: „Sorgen Sie sich nicht; Sie bekonuilen die Papiere bestimmt wieder; wollen Sie bitte morgen vormittag nachmals anfragen?" Am nächsten Morgen bekam der Bestohlene in,der Tat seine Brieftasche zwar ohne Geld, aber mit sämtlichen Papieren wieder zurück. Tie Taschendieb« haben hier eine hübsche Methode, ihren Opfern das für die Taschendiebe selbst Wertlose, für den Bestohlenen aber oft«nisserordent- lich Wertvolle an der Beute zuverlässig zurück »uerstatteu: sie»vcrfen die Brieftasche umgehend >n den nächsten Briefkasten, von wo der Briefträger, der diese Methode bereits kennt, sie stehenden Fusses zur Polizei bringt. * Ein« Sinnde Eisenbahnfahrt von Lissabon entfernt, liegt Cintra, der sommerliche Sammelpunkt des vornehmen Lissabon. Hier haben sich di« portugiesischen König«— ehe noch im Jahre 1910 die tödlichen Schüsse auf König Carlos und seinen Sohn de» Thron ins Wanken und schliesslich ins Stürzen brachte— eine paradiesische Sommcrresidenz geschaffen. Kühn nnd plumtastisch reckt sich aus sanften«, weinbedecktem Hügelaelände Plötzlich di« Sierra empor: ragende, steile Felsen, wuchtige erratische Blöcke. Ans dem südlichsten Gipfel starrt das alte Maiirenkastell ins weite, frnchtbarere Land und über den Atlantik. Wie Schützengräben ziehen sich die Zinnen, von dcne«r aus vor vielen hundert Jahren die Mauren daS eroberte Laiid beherrschten, von Fels zu Fels. Und auf dem zweiten Gipfel gegenüber ist der Palast der Portugiesischen König« aufgebaut: iknrill, geschmacklos, so wie Neureiche bauen, pompös, Verschivenderisch, kostbar. Jahrelang haben di« braven Untertanen Steine und Bauniaterial auf den unzulänglichen Berggipfel geschleppt. Ringsum sproßt und gipfelt sich eine.zauberische Vegetation: Enka- IVPtuS, Oel, Mandel-, Lorbeerwälder und da» Wunder des Gartens von Monserrat»: Palmen aus allen Erdteilen, die Blumenracht aller Zone>'. alle Farben und Ueppigkeiten der Tropen. Ei» Zanbergarten, der einst Richard Wagners Phan taste befruchtete. Seit di« Portugiesischen König« aus diesem Paradies vertrieben sind, Hot sich das Bild etwa! gewandelt: über die Serpeittine» schaukeln nicht mehr die königlichen Kutschen, sondern jagen dii | Auto». H. E.
Sette 8 0tetto& 18. Angvst 1888 Stoppelfeld. Ucitt Stoppeln flehl bet Mnd, dorfwärts schwankt der Garbenwageu, wein», wein«, armes Kind, nach der Ernt« kommt Entsagen! Weg und Felder liegen kahl, Kummertranen schmecken bitter, und zu jedem kommt einmal nach der Blütezeit der Schnitter. Wohl dem, der der Ernte Füll« sür den Herbst nach Hause trug, für die Einsamkeit und Still« Glück und Brot genug. Hellmuth HarmS. 8m Schweizer Grenzgebiet. Zu anderer Sturmzeit. Das Baseler Grenzgebiet, in dem jetzt die Hitlrrschc Mordtruppc auf Schweizer Boden „amtShandelt", hatte ich zu durchwanden: Gelegenheit, als ich nicht lange nach dem Krieg von Deutschland eine Berufsreisc in die Schweiz machen mußte. Damals war der direkte Bahnverkehr noch nicht wicdcrhcrgestcllt. Die Züge vom Norden, am Rhein entlang, an Freiburg vorbei, wo man noch die Dächer flickte, die durch französische Fliegerbomben zerstört tvorden waren, weiter durch den Idsteiner Klotz, dessen furchtbare Geschütze bereits entfernt waren und vorbei an den Elsaßstädten, die da drüben wieder ii«_ Frankreich lagen, fuhren nur bis Leopoldshöhe. Bon dort konnte man mit der Elektrischen nach Basel. Allein gerade damals, anfangs August 1919, ging sie nicht, denn zum Protest gegen die Erschießung zweier Demonstranten durch Militär, stand Basel unter Generalstreik. Ein einziges Wägelchen nahm den Reisenden gegen gute Bezahlung das Gepäck ab. Nun begann.die Wanderung, bald durch schattigen Wald, zur Grenzbaracke in Ottcrsbach. Schweizer Soldaten prüften argwöhnisch Paß und Visum und fragten scharf nach dem Reisezweck. Neben mir stand der mir giltbekannte Kaufmann, in dessen Wohnung einige Monate zuvor Karl Liebknecht und Rosa L u x e m- bürg auf Denunziation hin verhaftet worden »varen, um dann„auf der Flucht" ermordet zit werden. Aber auch dieser schwergctrossene Mann bestand die Prüfung. Weiter gings über die Rhci»brücke, Feuerwerk stieg gegen den Abeudhimmcl, denn es war Schweizer Nationalfeiertag. In Basel Patrouillen, das Militär war„auf Picketi" gestellt, es sah fast ganz so aus wie im damaligen Deutschland. An einem Bankportal zu Basel sah man Einschußlöchcr. Damals durfte der Ausländer nur über dieselbe Grenze ausrrisen, über die er eingercist war. Meine Absicht toar, nach Erledigung meines Auftrags in meine alte österreichische Heimat zu fahren.„Jo do müsset Sic oin Gsuch ens eidgenössische Fremdendepartemaa machen, schicket Sie's expreß!", riet mir die Polizei. Nach 5, nach 8, nach 10 Tagen war noch keine Antwort da.„Die in Bern habet Sie nämlich oin Selbschterledigungsfach, do leget sie so cbbas hinoi und do bleibts liege".— Immerhin durfte der Fremde eine gewisse Menge Lebensmittel nntnehmcn in das hungernde Deutschland oder Oesterreich; freilich nicht eine Büchse Milch darüber. Doch das versöhnte mich, der ich meiner Familie etwas mitbringcn konnte, mit dem Selbschterledigungsfach. An das Militärische war man fa nur zu gewöhnt... Genosse« l Genossinnen! Sn { efter Betrtebsversammtung, ebtr WewerkschaftSverlammluna. Jeöer GenossenschaftSversammlung, jeber Wählerversammlung, fetter Frauenversammlung, jeder volitischen Versammlung, jeder Versammlung oder Sitzung einer proletarischen Organisation falle Adr für bie WMmlklMk Mchlksk intensivste Werbearbeit leisten PRAGER ZEITUNG. Wer wird für den DM in Berlin antreten? Die jüdische« Spieler de» DFL bleibe»„freiwillig" zu Hause. Daß die Mitgliedschaft fast ausschließlich aus 100 Prozent Semiten und Ariern besteht, deren Großeltern leider die Rassenprobe nicht bestehen werden, braucht Herr vou Tscham. mcr-Osten nicht zu erfahren, was aber mit den drei indischen Spielern, die sogar noch jüdische Namen haben? Aber auch da gibt e» einen Ausweg, auch weun er nicht gerade von treuer Kameradschaft zeugt:„Sie wollen eben selbst nicht mitfahren." Die Freude vieler Anhänger und Mitglieder über den sonntägigen 8: 0 Sieg des DFL wird doch von der Nachricht getrübt worden sein, daß ihr Klub nächsten Sonntag in Berlin gegen Hertha spielt. Uns sozialistischen Sportlern könnte es einerlei sein, ob die„Amateure" des DFC die gutbezahlten Professionals der Slavia besiegt haben oder ob der nach neudeutschen Begriffen gutjüdische DFC zur Zeit des schärfsten Boykotts nach dem Hunnenlande fäbrt— denn bürgerlicher Sport heißt Rekorde und Verdienen — wenn eS nicht notwendig wäre, einmal den vielen Anhängern des DFC.aus proletarischen Kreisen zu betveisen, aus wessen Seite heute dieser Klub nrit einer stolzen Tradition steht. Fragt man den Vorstand, diese Versammlung von Bank- und Bersicherungsdirektoren, Fabrikanten, bürgerlichen Journalisten und anderen Führen« des kapitolskräftigen deutschen Prag», warum gerade jetzt nach Berlin gefahren wird, hört man als verlegene Antwort:„W i r brauche«« G c l d". Da fragt sich nun der kleine, im bürgerliche«« Sportbctriebe unerfahrene Mann, wieso der Bedarf an deutschen Mark so groß sein kann, wenn doch die nicht gerade niedrige«« Mitgliedsbeiträge und Wettspieleiunahmcn ganz gut die Ausgaben dieses Amatenrklubs—>vic Platzmiete, Sportrequisiten usw. decken könnten. Ja glaubst du denn, die Spieler spielen zu ihrem Vergnügen oder zur Ehre des Klubs? Spielergagen darf eS natürlich nicht geben,. da schafft man nun eine andere Art der Bezahlung, und den strengen Regeln des Amateurfußballs ist Genüge getan. Und da das nicht gerade billig ist, muß man eben Einnahmen suchen, wo inan sic findet, und wenn es auch Deutschland ist. Aber eitle«! Haken hat die Sache. Die arische Einheit ist gerettet. Schade, sie hätten dann nach ihrer Rückkehr dem Vorstande »nd den Mitgliedern ihrer Klubs erzählen können, Ivie jüdische Sportler, jüdische Mitglieder und Vorstände von deutschen Klubs aller Sportarten entfernt wurde«« und viele von ihnen sicher in Konzentrationslager«« dankbar ihrer Prager dcutslhen Glaubensgenossen gedenken. Fast würde n«an wünsche», daß die Nazis noch rechtzeitig Lunte riechen und sich sür die Einreise dieses getarnten jüdislhen Klubs bedanken würden. Doch mich hierin wird einmal Wandel geschaffen werden. Die Idee des sozialistischen Sports wird auch einmal diesem mit Sport nichts mehr gemeinsam habenden Gc- schäflsnntrrnehmeii das Grab graben, wenn nicht schon vorher der Dalles seiner Mäcene und der anstürmende Nationalismus ihn vernichtet. Doch trösten können sich alle Kasinoten, sie werden nicht allein beim Grabe stehen. Die Nazis werde» dankbar sein und nicht vergessen, daß Prager deutsche Juden den Wcltboykott Deutschlands paar hundert Mark wegen durchbrochen haben. .Hakeiikrcuzgeschmücktc SA-Männer werden den Lcichcnchoral singen: ,,.... wenn's Judenblut vom Messer spritzt..." AusftngSchge. Die Staatsb^budirektion in Pi,en wird in folgende Kurorte Bäderzüge mit voller Verpflegung und Kur abfertigcn: Für die Tage vom 2. bis 17. September nach S l i a 6 zum Preise von X 770.— und nach 8 t u b n i a n s k e T e p l i c e zum Preise von K 679.—, und sür die Tage vom 3. bis 17. September nach Karlsbad zum Preise von X 950.—. Eine Verlängerung des Kuraufenthaltes um eine weitere Woche ist in S l i a 6 gegen Nachzahlung von K 310.—, in 8tubnianske Teplice von X 270.— und in Karlsbad von K 450.— möglich. Anmeldungen sür alle Züge an der Kasse Nr. 13 des Masaryk- bahnhoscS bis 28. August d. I. Anzahlung K 100.—. Prospekte dortselbst.— Für die Tage vom 9. bis 24. September wird ein SonderauSslugszug mit Verpflegung nach Jugoslawien zur Weinlese auf der Insel Rab zum Preise von K 950.— abgefertigt. Bei Teilnahme von 300 Personen wird eine Person uiusgelost, die eine Freikarte erhält. Anmeldungen biS 26. August bei der Kasse Nr. 13 und in sämtlichen Büros der Gesellschaft„Waggons LitS". Anzahlung X 100.—. Geriditssaal Grenzstelnrücker. Prag, 17. August. Fälle von der Art des vorliegenden, der vor dem Senat Toman verhandelt wurde, zählen heutzutage zu Seltenheiten. Ein Bauer aus einem Dorf des BrdywaldeS war angeklagt, den Grenzstein, der seinen Besitz von dem des Nachbars schied, heimlich um einig« Meter vorrückt und also seinen Acker bctrü- gcrischerweise um etliche Quadratmeter vergrößert zu haben. Die Anzeige war natürlich von dem geschädigten Nachbar ausgegangen, der mit dem Angeklagten jahrelang um einen schmalen Streifen des kümmerlichen Ackers prozessiert hatte, bis schließlich der erbittert« Stritt der Nachbarn mit einem Vergleich schloß. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, den aufgrund dieses Vcr- gleiches als Grenzmal gesetzten Grenzstein zu seinen Gunsten verschoben zu haben. In alten Zeiten, wo das Grundeigentum die einzige Quell« der Lebenshaltung war, wurden derartige Delikte als schwere Verbrechen angesehen. Im BolkSaberglaube» haben sich zahlreiche Märchen von Grenz st einrückern erhalten, die nach ihrem Tod« kein« Ruhe finden können und zu mitternächtlicher Stunde ächzend und stöhnend als verwünschte Geister einen glühenden Grenzstein aus' der Schulter schleppend, die Gegend ihrer Untat unsicher machen. Seither ist di« Welt bekanntlich„f o r t g c s ch r i t t e n": die primitive Wirtschaft unserer Borsahrcn ist zur komplizierten kapitalistischen WirtschaflS- o r d n u n g geworden. Di« Nachfahren dieser altertümlichen Soziawerbrecher, vom offiziell unbe- schollen«««„W i r l s ch a f t S k o p i t ä n" bis zur gerichtlich gebranntmarkten KautionSHyäne herab, mit einem Wort, alle diese„schöpferischen" Schädlinge der sozialen Gemeinschaft spuken nach ihrem mehr oder weniger seligen Ableben nicht niehr, sondern erfreuen sich einer ungestörten Grabesruhe. Ob der heute angcklagte Alois K u l i ch wegen deS ihm zur Last gelegten altmodischen Deliktes nach seinem Tode wird spuken müssen, mag dahingestellt bleiben. Das irdische Gericht erkannte jedensalls die vom Nachbar zusammeiigctragencn und mit giftigem Eifer verfochtenen Indizien nicht als ausreichend an und sprach den Angeklagten frei, rb. Der Film Da» Lerchenlied. Die erste Katastrophe des TschecheufilmS. Wenn Juden sich mit Christen lgeschäftlich) paaren, dann gibts manchmal ein Lerchenlied im Film; wozu man ja auch die beste Sängerin der Tschechen, die schöne Jarmila Novotnü engagieren kann, deren künstlerisches Gewissen bei einenl Honorar von 90.000 K zu schlagen aufhört. Dabei gibtS natürlich nichts zu lachen: eS ist doch klar, daß solches Tun ganz im Interesse der heimischen Kultur gelegen ist und wcrS nicht glaubt, gehe trotz der Warnung jenen Film besichtigen, der für die urchristliche Firma Elcktafilm als Propaganda christlicher Keuschheit frei nach allen Fibeln von Jnnemann gedreht wurde. KlndergeWchte. Von W. Weressajew. Frühmorgens stürzt Gleb zu mir ins Zimmer. „Onkel Witja, steh' aus! Ich war schon spazieren, und du schläfst immerzu." Und«r versuchte, mich aus dem Bett zu zerren. Ich fragte: „Ist Sonne draußen'?" „Nein, nur Himmel." Er schäumt über vor Lebenslust. Er sauft im Zimmer herum, sprühend>vie ein glühendes Kohlenstückchen. Bald bleibt er vor dem einen, bald vor dem anderen Gegenstand stehen. „Das is... das iS... das is... Bürste! Und das is... Kissen! Und das is... Deck«! Und das is... Das is.., Was is das?" Er hat sich schon früher bei mir erkundigt und prüft sich jetzt selbst. „Ein Bleistift." „Bleistift... Und das is?" „Ein Schemel," Man spürt, waS für eine ungeheure geistige Arbeit in diesem kleinen Gehirn vor sich geht, wie angespannt daS Gedächtnis die ganze Zeit ist/ er lernt ununterbrochen— eifrig, spielend, mit der genialen Leichtigkeit deS Kindes. Und den ganzen Tag lang kann man die angestrengte Arbeit, alle LebenSerscheinnngen zu begreifen und in sich auszunehmen, beobachten. Das Gehirn eines Erwachsenen würde nie eine so angestrengte Arbeit und eine solche Menge von Eindrücken aushalten können. Ich liehe mit ihm im Gärtchen des Landhauses spazieren. Im spärliche«« jungen GraS, unter einer Birke, sehe :ch einen rosigen Pilz. „Sieh mal, das ist ein Pilz." »Pitz.. X Zuerst hinterläßt daS neue Wort nur einen slüchligei« Eindruck. Doch dann werden seine Augen aufmerksam, und er wiederholt noch einmal: »Pitz." ' Es«st, als vertiefe er sich in das neube» wältigte Wort. Und noch einmal wiederholt er, jetzt schon siegreich, befriedigt: „Pitz!" Er geht in« Garten heru«n, kauert vor jeden« Giftpilz nieder, betrachtet ihn aufmerksam und sagt vor sich hin: „Pitz-". Ich sitze neben ihn« auf der Bank am Ende des Gartens. Plötzlich hebt er langsam den Kops und betrachtet angespannt die Aeste der Pappel. Er starrt hinauf, ohne den Blick zu wenden. Was hat er denn? Dort oben ist doch nichts Besonderes los. Dann begreife ich: sür mich nichts Besonderes, aber für ihn. Denn plötzlich haben sich die unbeweglichen Blätter von ganz allein bewegt. sie erzittern, raunen und rauschen. — Und abends steht über dem Horizont die riesige, runde, glühendrote Sonne. Gleb kann die erstaunten Augen nicht von ihr wenden.— Er wird ins Bettchcn gebracht, waruin zugedeckt. Und. plötzlich ertönt cs laut und deutlich:„Pitz." Darm schweigt er eine Weile, überlegt und wiederholt noch einmal voller Befriedigung:„Pitz!" sozialdemokrat.«vemeindesunkttonSr< UiUlUl sein Blatt,„Die Freie SeuieiM".! Saden in Ihrer Gemeinde MW schon alle FunMonSre ihr lommunalpolttisches Blatt| In vielen Gemeinden wurde schon de- schlossen, allen GemetndekunktionSren, ohne Unterschied der Partei, ein kommunalpolitisches QM« nach freier Wahl des betreffenden Funktionärs, aut Gemeindekosten zuzustellen. Ein derartiger Beschluß ist zweifellos sehr wichtig, well es eine Ausgabe der kommunalen Verwaltung ist, für die Schulung der tätigen Gemeindefunk, tionäre zu sorgen und ihnen wenigst-n« einen kleinen Teil der zu ihrer ftäiidw'i Information nötigen Behelfe zur Ber- sugung zu stellen. Denossenl Wenn tn eurer Gemeinde ein derartiger Beschluß noch nicht besteht, so itelli ■ einen diesbezüglichen Antrag! Spaß beiseite: auch Tschechoslowaken deuischrr Zunge müsse«« dagegen energisch protestieren, daß ihre Mitbürger tschechischer Zunge im Film andauernd als eine lästige Grupp« bedauerlicher Torslrottel dargestelkt werden. Nein, dies« Darstellung, sorg fällig ausgcbrütcl in national phrasierenden Film- direktioncn, wo aber auch der Zionistcnstern zu finden ist, hat nichts gemein mit jenem tschechischen Volk,' dessen gesunder, gradcr, aufrechter Haltung wir den letzten Wall Mitteleuropas gegen den FascismuS, gegen die Barbarei, gegen den offiziellen Mord verdanken. Tas tschechische Volk hat gar nichts mit der Verlogenheit gemeinsam, die uns von der Filmleiiiwand als Tschcchcntum vom intcr- nationalen Finanzkapital geboten wird. Dagegen müßte daS Handelsministerium einfchreiicn, hier müßte der Referent, wenn er wahrhaft etwas für das tschechische Volk mit Verboten auftvarten und die Unterstützung versagen. Film als'Theater ist nur danü erträglich, wenn gut gespielt wird: Film als Kasperltheater in Lebensgröße ist aber entsetzlich. Und vor allem überflüssig. ES gibt wichtigere Anwendungsgebiete überflüssigen Geldes als die Spekulation aus die Dummheit des Publikums, die in solchem' Ausmaß wirklich nicht existiert. Alles in allem eine Blamage; auch für die Novotnä, die sich nicht zu allem hergebcn dürfte: in ihr steckt ja ein Teil der Zukunft deS heimischen Films. Walter L u st i g. Vereinsnadiriditen Ortsgruppe Prag. Sonntag, 20. August, Treffpunkt 7 Uhr am Smichower Bahn- Ljhof, Wanderung ins Berauntal.— xjwsZ Führer Winternitz. Unser Blatt der„Sozialdemokrai“ ist in Prag in folgenden Berschleitzstellen zn haben: Babnbofsbuehbandlnnr, Wllionbahnhot Masaryk. bahnhof, Donisbahnhof. Bartlik, Trafik, Prag IL, Tyänov X Burok Hugo, Trafik. Prag U ätaromtaUki nä- mfsti 32. Hodrova, Trafik, Smlchov, nähr. lerli IX Jclinkova, Trafik, Nnsle II.. Mostnd domy..Re- formy". Kotyza Jan, Trafik, Smichov, Zborovskd tk. IX Krausova A„ Trafik, Karlin, Krdlovskä 14. Krejfiik A., knihkupeetvi, Prag-Lieben, Krdlov- skä 1511. Kronpa Jlndf„ Trafik, Prag tU Ragfnovo ndbf, stdnek 114. Löwenaobn Karl, Trafik, Prar II., Nekaxanka& Marei Josef, knihkupeetvi, Prac-BubcnS, ul. Ur. Brdfa 24. Monik, Trafik, Prar I, Parlament. Mrlikova. Trafik, Prag I., Josefakd tr..»tdnek 127. Mräz. Jan, Smiebov, Radllckä tf. 43. Orbis A.-G., ZeltnnrsverschlelD, Praha XII., Fo* ehova tt. 62. „Prags**, ZeitunrsverschlelB. Prar II HavliCItovo mim. 23. Sedldk Väclav. Trafik, Dejviee, fivecova. Skrabkova Anna, Trafik, Delvlce, Hennerovy dfednickd domy 280. Strouhal Artnr, Trafik, Prag III., Mosteckd 10. Tausslr E., Zcltunrsverschteifi. Prar II., Vdelav- ■U näm. 45. Onrermann Rudolf, Prar II„ Panski bei Palast- hotel. Üstfodni dein, knihkupeetvi. Svßcen#. Prag II, Hybernski 7. Zomann, Trafik, Prag I., Perlten. Fensj, ZeitnnrsverschlelB, Prar II, SmeCky MO. Und bei StraOenverklnfern: Wenzclsplati— Müstek— Masarykbahnhof— Wllsonbahnhof- Wo verkeim wir? I Catt„Coatliieiitar, Pfau, firaheril eemtiitit: Gteeftte» Z»Irr,r: egilhklm Niezask.—««kaulw-nnchn NiSsktsar: Dl. e«u etmt, Bra»— Dmckr^«»1«' A.-e. tül Zeiiang. an» Bachdruck, Vraa.— Für»e» Druck»rraRtwarUtch! Ott» Halil, Bus.— 9i| Btttuimlmatitnttantatat wurde»»»»tt Poft. s. Ttiegrapdeodiretliou alt Ctlak Nr 13.800/VII.1930»ewillior.— Otiaalbcltnaunaea: Bri Zuftrlluuo in» haur Mts bet Buim durch dir Poti modottich re II.—.»terlettürtlib U*8.—» MWWl« i'Wüti« u UL-.—£W«*u is«*« M XarH IlgtM taM Mim RN«iOa«-tzi<-d.- NäcktzeLm, m««aKcknn«fstz» esc M MoIwm*k NMgmilkW