St.ioMoa 0. DttMOllUBt: ßrao n. JtflAjonlo 18 ♦ Xflrpo.: 16705. 51169. 3tatrffioft, 55858 ♦ voüKveckaml: 575M 13. Jahrgang. Dienstag, 22. August 1933 Nr 193. Die Internationale tagt Paris, 20. August. 3c 3itz in Wuppertal hat. Bei' einer überraschend vor genommenen Durchsuchung konnten zwölf Leute in dem Augenblick festgcnoinnicn werd'»,, als sic Organisationspläne ausarbciteten. Tas gesamte Netz der Zentrale für den"Wuppertaler nnd Nie- w..... derocrgischen Gau konnte aufgedeckt werden. Ne- samkeit nnd Gleichartigkeit der Geben Hetzmaterial wurde vor allem eine große s d a n I e n bestehe. Rom, 20. August. Die Agenzia Stefoni meldet: Im Lauf« einer Unterhaltung, die zwischen dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß und dem Ministerpräsidenten Mussolini stattsand, wurde die politisch« Loge unter allgemeinen Gesichtspunkten und unter den besonderen Bedingungen, die für Oesterreich vorliegen, aufmerksam geprüft. Die Regierung bestätigte den italienischen Standpunkt in alldem, was di« Zukunft und das Leben Oesterreichs, die Gesamtheit der Tonauraumsragr und di« weiteren Probleme anlangt» deren Lösung an das Funktionieren des Viermächtepaktes gebunden ist. Bnn- 'deokanzler Dollfutz setzte die Lage Oesterreichs ! unter dem Gesichtspunkt sowohl seiner inneren !wi« seiner äußeren Politik auseinander, und indem er von dem Grundsatz miöging, daß die Grundlage dieser Politik dir Unabhängigbeit Oesterreichs sei» müsie, brachte er seine Absicht zum Ausdruck, eine Politik de» Friedens und der Zusammenarbeit mit allen Nachbormächten verfolgen zp wollen. In besonderer Weise müsse diese Zusammenarbeit mit I t a- lien und mit Ungarn und, sobald wie möglich, auch mit Deutschland ins Werk gesetzt werden. Ti« beiden Staatsmänner stellten am Schluß s ihrer Unterredung fest, datz zwischen ihnen hin- . sichtlich der geprüsten Probleme eine G e m e i p« Genau so wurde in Dentstfiland begonnen I Sv verkündet cs die kominunistischc Presse in einem beinahe zwei Seiten langen Aufruf der„Rlvcn Gewerkschaften", der sich mit der Neu regeln ug des Genter Systems beschäftigt. Dabei ahnen die armen Leute gar nicht, wie recht sic haben. Denn der schreckliche Leidens, weg des deutschen Proletariates hat tasächlich eben zu jener Zeit begonnen, al» es der deut scheu Bourgeoisie gelang, wegen einer halb prozcmigcn Differenz bei den Beiträgen znr Arbeitslosenversicherung die verhaßte Sozial demokratie ans der Regier»rrg hinauSzudräu gen. Damals begann in Deutschland die Aera der Brüningschen Notverordnnngen, die ohne die Vertreter der Arbeiterklasse erlasse» wur den und naturgemäß viel härter ansfielen als wenn die bürgerliche Regierung mit den Ar beitervertretern hätte verhandeln müssen. Brüning diktierte vollständig eigenmächtig und entschied über die Schicksale hnnderttänjender Arbeitsloser, ohne auch nur die geringsten Hemmnisse zu kennen und wenn sich auch die .KPD in Protesten sonder Zahl erging, ebenso wie es heute die KPD sch tut, lvcnn sie auch hundertmal zum Massenstreik anfrief, so nahm eben doch das Verhängnis seinen Lauf. Die furchtbaren Bcrlürznngcn der Bezugsdauer der Unterstützungen, die Ausschaltung immer neuer Eriverbsloser aus der Arbeitslosen. Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung bewirkten eine weitgehende Verelendung der Arbeitslosen, die keineswegs revolutionierend wirkte, wie es die Kommnnisten so gerne sich und der Welt einrcdcn würden, sondern erzeugte im stiegen- teil eine dumpfe Berzweislungsstimmuug, die im Percin mit den aufgcpeitschten nnd wildgewordenen Spießbürgern, welche sich an der lang ersehnten Macht sahen, den Ausstieg der Hitlerbanden erleichterte und möglich machte. Eben jene Stimmung, welche die Kommunisten heute so gerne unter der Arbeiterschaft der Tschechoslowakei verbreiten möchten, die Stimmung, daß nian ja ohnehin nichts mehr zu verlieren habe nnd daß es gleichgültig sei, wer nun da oben in der Regierung und an der Macht sitze: sie war es, die die Menschen ab stumpfte und sie die ungeheure Gefahr verkennen ließ, die aus der Machtergreifung der hemmungslosen Fascistenbaudcn für die gesamte Arbeiterklasse ertvnchS. Wir haben indessen diese Erfahrung bereits hinter«ns und gedenken kcinestvcgs über Befehl der kommunistische» Parteizcntrale sehenden Auges in die Katastrophe zu schlic- tern. Tagtäglich wissen die kommunistischen Blättchen von einer Ausbreitung des tschechoslowakischen Fascismus zu berichten. Tag für Tag nialen sie das Gespenst der sajcistischen Diktatur auch bei uns an die Wand. Aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, daraus die einzig mögliche Konsequenz zu ziehen und d i e Kräfte der Arbeiterklasse zusammen zu jassen zum gc m einsamen Kampf gegen den g c m c i n s a m e n Feind. Da plärren sie nun jeden Tag ihre abgeleierten Phrasen, beschimpfen die Sozialdemokratie und die freie» Gcuvrkschafteil, als ob sie»icht ganz genau wüßten, wie die macht politischen Verhältnisse im Staate gelagert sind, als ob sie nichl wüßten, daß die sozial- demokratischen Minister in der Minderheit sind und nur unter Ausbietung aller Kräfte gegen die bürgerliche und halbbürgcrlich: Mehrheit wirken und anftretcn können. Sie wissen nicht, daß die agrarischen Regierung? Mitglieder strikte gefordert haben, daß in Zu kunft jede Auszahlung des Slagtsbeitrage-' durch die Gctvcrkschaftcn aufhören soll u»'' daß dieser Beitrag durch die Bezirksämter an-' gezahlt lverdeu sollte. Sic wisse« nicht, was r für die Arbeitslosen bedeutet hätte, tvenn si die Unterstützung hätten ratenweise bei irge» einem Bezirksbürokraten holen müssen, dr ihnen schließlich auch gesagt hätte, daß er heule s kein Geld hat und daß sie später kommen sol- Seite S Nr. IW Dienstag, 82. August 1288 Ml m Mr km die Arbeitslosen desehüdlgt? Die Kommunlsttsdieii Gesdiaitcnradier. schivereS Opfer die Neuregelung der Arbeit-» entscheiden und so den Weg für die bürgerliche lojenunterstutzungen bedeutet, haben tvir eS und halb- oder ganzfaseistlsche Diktatur ebnen mit Jngrinnn im Herzen auf uns genommen, kann. Diese Linie werden wir nie verlassen, um das Schlimniste zu verhüten, um vor allem wenn auch die Bourgeoisie und ihre kommuni. zu verhindern, daß man ahne uns über uns stischen Helfershelfer dabei zerspringen! und halb- oder ganzfascistlsche Diktatur ebnen kann. Diese Linie werden wir nie verlassen, stischen Helfershelfer dabei zerspringen! In der Gewerkschaft-Presse finden wir a'- eine ausführliche Darstellung des Kampfe- um die Novellierung der Genter System-, der wir folgende Stell« entnehmen: ES darf nicht die Rolle verschwiegen werden, die jene Parteien spielen, die sich als Retter und Perteidigcr der Arbeitslosen und des Genter Systems ouSgcben, In der Tat ober den Boden für die Verschlechterungen, vorbereiteten und. dem Bürgertum Schützenhilfe leisteten, daS sind die Kommunisten und. Hakenkreuzter. Zunächst einiges über die Haltung der Kommunisten. Sie haben, seitdem daS Genter System besteht, die Arbeiter zum Kampf dagegen aufgerufen und cs al- Verrat an der Arbeiterklasse hingestrllt. So haben sie ihre Anhänger zu Hemden diese- Gesetze» gemacht, das bei allen leinen Mängeln in den letzten Jahren doch Hundertausenden Menschen über die schwerste Zeit hinweageholfen hat. Aber noch mehr: Kommunisten und Hakenkreuz- lcr haben daS Genter System, da- sie bekämpften, mißbräuchlich ausgenützt und so den bürgerlichen Parteien den vorwand für ihr« Forderung nach strengerer Kontrolle und nach oer Einführung der Bedürftigkeitsprüfung gegeben. ES ist bekannt, daß die Kommunisten ihren arbeitslosen Mitgliedern von der Arbeitslosenunterstützung nicht nur den Pcwerkschaft-bcltrag unter allen möglichen Titeln al- Manipulationsgebühr usw. a b z o g e n, sondern chnen überdies einen Teil de- Staat-beitrage- nahmen. Während die freien Gewerkschaften ihren Arbeit«, losen den gesamten Gewerkschaft-- und Staats- beitrag auszahlten und so ihren Verpflichtungen gegenüber ihren arbeitslosen Mitgliedern nach, kamen, haben sich Kommunisten und Hakenkreuz- lerauf Ko st en ihrer Arbeitslose» saniert und daS Genter System zu einem Geschäft benützt. Auf diese Manipulationen stürzte» sich die bürgerlichen Parteien mit großer Freude, aber sie erklärten niemals, daß das Gesetz nur von gewissen Organisationen mißbraucht werde, sondern sprachen von Mißbräuchen der„Gewerkschaften" schlechthin. Aus diese Weise haben Kommunisten und Hakenkreuzirr den Angriffen der bürgerlichen Parteien auf daS Gen- ter System Vorschub geleistet und ihnen den Vorwand dazu geliefert. Ebenso bekannt ist, daß einzelne gegnerische Verbände den Einkauf der M i t g l i c dschast im großen betriebe», weil sie damit ein gute- Geschäft machten. Je mehr Mitglieder sie auf diese Weise warben, desto größer wurden ihre Einnahmen. Ei» Teil der Verantwortung dafür, daß den Arbeitslosen di« Unterstützung abgebaut wurde, füllt auf solch» Organisationen, deren Presse«- hcutc wogt, von Unterstüpnngsranb und verrat zu sprechen. len. Sie dürfen auch nicht vergessen, daß es nicht alle Gewerkschaften so gemacht haben wie sie, die ihre Mitglieder oft wochenlang auf die Unterstützung warten ließen, sondern daß besonders die freien Gewerkschaften selbst in zenen Fällen, tvo sie keine rechtzeitige Deckung hoi>"-^Postscheckamt erhielten,- doch durchaus zesiMechi die Unterstützungen zur Auszahlung brachten und sich die Gelder eben auf Kosten der Organisation beschafften. Die Kommuni- sten wissen anscheinend nicht, daß der Finanz- minister einen einheitlichen Slaatübetrag von vier Kronen täglich gefordert hat, der bei einem verheirateten Arbeitslosen niit zwei Kindern das Maximum von acht Kronen täglich erreichen sollte. Sie wissen nicht, daß man den strikten BedürftigkeitSnachweis gefordert hat und daß jeder Arbeitslose, der auch nur einen kleinen Besitz hat, aus der Unterstützung, bzw. aus dem Staatsbcitrag auögeschalict werden sollte. Sie wissen nicht, daß man die Zuerkennung des Staatübeiträges an ein« unbc- dingte Arbeitspflicht binden wollte und daß es nur in monatclangen zähen Verhandlungen gelang, diese unerhörten Forderungen der bürgerlichen Reaktion abzuwehren und wenigstens die Grundlage»» des Gcrrter Systems mit der Autonomie der Gewerkschaften und einem doch inlmerhin noch einigermaßen annehmbaren Staatsbeitrag zu erhalten. Das alles und noch viel mehr ist dem Scharfsinn der kmnmumstijchen Demagogen entgangen. Entgangen aus dem höchst einfachen Grunde, we»l sie sich noch nie um die Arbeitslosenunterstützung als solche gekünimeri haben, weil sie ihre Grundlage»» gar nicht verstehen und in böswilligster Weise der neuen Verordnung eine Auslegung geben, wie gerade die Bürgcrlick)en sie haben möchten, wobei sie auf den erbittertet» Widerstand der Sozialdemokraten und der freien Getverkschastcn stoßen. Wieder und immer wieder erweisen sich die Kommunisten als die Zutreibcr der Bourgeoisie, die ihr« Dienste tvahrlich nicht besser verrichte»» könnten, wenn sie twsür bezahlt würden. Daß sie sich dazu aus reinem Parteihaß gegen die Sozialdemokratie hergeben, daß sie bewußt die Arbeitslosen schädigen und den Bürgerlichen immer n«»»e Argumente gegen die Arbeitslosen liefern, das macht ihre Rolle nur noch schäbiger und verächtlicher. Sie behatipten in ihrem großmäuligen Aufruf, die„reformistischen Führer hätten durch di« Einführung des Genter Systems den Arbeitslosen keiire Unterstützung gebracht, sondern diese abgebaut und genonimen"— und im gleichen Atemzuge fordern sie i»nmer aufs neue di« Arbeitslosen und die Arbeitenden auf, für dieses„Nichts" in den Kampf zu treten! Halten sie die Arbeiter wirklich für so dumm und glauben sie ungestraft ihre Demagogie iinmer weiter treiben zu können? Sie, die Kommunisten, haben immer für die Verbesserung der Arbeikslosenunterstützurrge»» gekämpft'? Wenn Maulaufreißen kämpfen heißt, dann allerdings haben die Kommun»« sten immer„gekämpft". Aber sie mögen uns dock) nur einen einzigen Fall nennen, wo sie d«»» Arbeitern etwas Positives gebracht haben? Sie sind seit ihrem Bestehen noch gege>» jedes sozialpolitische Gesetz, das über Dränge»» der Sozialdemokratie verhandelt werden mußte, Sturm gelaufen. Sie sind in der Ecke gestandet» und haben vom sicheren Port aus alle jene beschimpft und heruntergefetzt, denen der Kampf um den Aufstieg der Arbeiterklasse und um die Sicherung der auSaebcuteten Proletarier nicht nur eine billige parteipolitische Phrase, sondern bitter enrste Arbeit war. Glauben sie dan»it die Tatsache vergesse»« zu inachen, daß die dreiviertel Million Stimmen, daß die 80 Mandate, die sie erhalten haben, völlig nutzlos vertan sind und höchstenfalls der Bourgeoisie zugezählt werden können, da sie für den zermürbenden Tageskainpf um die Sicherung der Existenz der proletarischen Fanrilien überhaupt nicht in Betracht kommen? Glauben sic damit die Tatsache vergesse»» zu niachen, daß nur dank dem Bestehe»« der kom- munistische»» Parkei sich die reaktionären Agrarier auf ihr Primat als„stärkste" Partei berufen u»»d rücksichtslos ihre Forderungen durchsetzen können? Die deutsche und die tsche- choslowakische Sozialdemokratie habe«» im Abgeordnetenhaus zusainmcn 60 Mandate, also ein Fünftel aller Sitze. Um wieviel stärker wären ihre Positionen, wenn sie auch die 30 komi»un»stischen Mandate besetzt hätten und dainit nahezu ein Drittel des Abgeordnetenhauses repräsentieren würden! Dann wären sie di« führend« Partei des Landes, dann hielten sie di« wichtigsten Ministerien beseht und gestutzt auf die einheitlich« Kraft der proletarischen Klasse verniöchten sie auch unendlich n»«hr als heute auf die außerparlamentarische Kraft der Arbeitcrschaft zu pochen,)r»eil eine öffentliche Kundaebung eine wirkliche Macht- äußcrung und nicht ein Gaudium für die Bürgerliche»« wäre, wie cs heute dank der unver- antwortlichci» und verblendeten Taktik der Kommunisten gewöhnlich der Fall ist. Ja, genau so wurde in Deutschland begonnen. Und daS, was die deutsche Bourgeoisie erreicht hatte, das wollte auch die vereinte Bourgeoisie»n der Tschechoslowakei erreichen. Sie gedachten die Sozialdemokratie mit ihren provokatorischen Forderungen so weit zu treiben, daß sie aus agitatorischen Gründen die Regierung verlassen hätte. Sie haben sich verrechnet, weil sie die Zähigkeit und das Berant- wortlichkeitSgefühl der sozialdemokratischen Vertreter unterschätzt haben. Wäre es allerdings»»ach dem Willen der Kommunisten gegangen, so wäre heute die Sozialdeinokratie außerhalb der Regierung. Gla»»bt ein Arbeitsloser, glaubt ein Arbeiter, daß man damit die Neuregelung des Genter Systems aufgehn l»en hätte? Oder ist nicht vielmehr jeder einschließlich der Kommunisten überzeugt, daß dann die Verschlechterungen unendlich brutaler durchgeführt worden wären, daß man sich weit mehr als heute auf Kosten der Arbeltslvscn geholt hätte? Das wollten und das mußten die So- zialdemokraten verhindern, sollten sie das Vertrauen der eineinviertel Millionen Wähler und Wählerin»»«» nicht enttäuschen, die ihnen ihre Stimmen gaben, damit sie die Interessen des Proletariates wahren und nicht, damit sie wie ungezogene Buben in der Ecke stehen und kläffen. Weil wir wußten, wie e« in Deutsch- !and begann, deshalb haben wir weder der Bourgeoisie noch den Kommunisten der» Gefallen getan. Und obwohl wir wußten, welch „MarMsche Hetze." Di« gleichgeschaktet« Journaille oller vorgeblichen Richtungen brachten dieser Tag««ine in der Redaktion der„Sudetendeutschen" ausgebrütet« Notiz unter der Ueberschvif»„Marxistische Hetze". Darin wird der„Tiefstand der roten Denkweise" nachgewiefen, der sich darin äußere, daß wir Ht»r< denburg einen Eidbrecher nannten. Da d«n halb und ganz gleichgeschalteten Journalisten jede Denkweise fehlt, könnt««in Hinweis daraus nichi auübleibcn, was«t>va geschähe, wenn reichsdeutsche Bleit!«» in gleicher Weise über Ma\ o> rYk schrieben.........— Nun haben wir die Uebttschrist„Eidbrecher Hindenburg" über einen Tatsachenbericht gesetzt, in dem wir mitkeilten, daß Hindenburg demselben Mairn« den Eid auf di« Verfassung In di« Hand geschworen hat, nämlich Loebe, den di« SA-Bo nditcn jetzt bei Sumpf- arbei:en in der Lüneburger Heid« beschäftigen und daß Hindenburg diesen Eid gebrochen und fern Manne-wort auch Frau Loeb« gegenüber nicht gehalten hat. Bon dein Inhalt oer Notiz hab«»« di« bürgerlichen Schundolätt«r ihren Lesern nicht» erzählt; cr aber rechtfertigt die Ueberschvift m jeder Weise. E» sei denn, daß der Journaill« d«r Nachweis gelingt, Hindenburg hab« den Verfassungseid gehalten. Da» nun das„Schimpfen" auf die deutsch« ReichSrcgiernng betrifft, so sei doch gesagt, daß dieselbe»» Schurken, di« jetzt in den deutschen Mini- stcricn und Anusstuben sitzen, in de»» letzten vierzehn Jahren in einer nicht zu überbietenden Weil« auf di« deutsche RcichSrcgierung geschimpft haben — und zwar unter dem Beifall der jetzt gkeichgeschaltet«n Ausland», presse! Jede» mögliche Schimpfwort habe»» di« Hitler und Goebbels schon vorwcggenommen, all sie noch vor den Ministertüren standen. Der U»rterschi«d besteht nur darin, daß di« damol» Beschimpften Ehrenmänner waren und daß Wir den jetzt in Deutschland Herrschenden die Titel geben, die sie sich durch ihr« Taten verdienen. Ist e» schon ein« Beleidigung Maia. ry k», ihn in einen» Atem mit den jetzigen Alochl. 'Habern Deutschlands zu nennen,- so ist noch zu sagen, daß di« führet,» Männer gewisser anderer- Länder ganz einfach deshalb nicht„beschimpft" werden kötwcn, weil diese Länder zum Un erschicd vom heutigen Deutschland, nicht von Verbrechern «giert werden. Di« Einheitsfront mit KahHnrk, di«„Der Tag" vor einiger Zeit gegen die Sozialdemokrat'« hergcstellt hatte, wurde verlängert, und zwar nach der»»ationaldemokratischen Seit«, Die„N ä- rod»> Politika" vom 10. August übernahm einen großen Teil des im„Tag" erschienenen Leicheirfchänderartikels„Sterbende Männer einer sterbenden Partei". Der ganze Artikel des„Tag" hat den Beifall der„Närodnj Politika" gefunden. Sage mir, werdich nachdruckt und ich sage dir, wer du bist! S Der Goldfasan oder Die letzte Nacht des Mandarine Wang-Li-Kung Eine Legende von Fritz Rosenleid Copyright 1933 dy Bücherglldc Outenberg, Zürich. Sein Stand ist eine einzige riesenhafte Dolde, rot und violett und gelb und weiß. Al- Zeichen seines Berufes trägt Feng immer eine Blume, deren Stengel kurz acschmtten ist, zwischen den Zähnen. Man würde»hm rnehr Jahre geben, als cr zählt. Sein Kops sitz» tief zwischen den Schultern, sein Rumpf ist kurz, unter seiner hohen Stirn blitzen zwei große, glänzende dunkle Augen. Die Kinder verspotten ihn, sie nennen ihn einen Zwerg und einen Krüppel und wäh» ne»» ihn im Bund mit den Mächte» der Hölle; daher, sagen sie, haben seine Blumen die sattesten Farben... Feng aber läßt die Stimmen der Kinder vor seinem Ohr nicdersinkei» wie verwelktes Laub im Herbst. Frübcr einmal weinte er, wenn die Kinder ihm,Irüppel!" nachricfen. Da sagte einmal eine alte Fran, die viel von» Lebe»» wnßte und ihm beinahe eine Mutter war lheute liegt sie längst unter den Totenhügeln am Rande der Stadt): „Sri nicht traurig, Feng, Dein Kovs ist dem Herzen näher als der Kopf der andre»» Menschen; auch dies ist eine Gabe, sur die du danken nn»ßt." Von dieser Stunde an weinte Feng nicht mehr, wen»» die Kinder ihn verhöhnten, diese Stund« gab ihm bei» fernen Blick, in dein viel Verzicht ist, aber auch viel Güte, diese Stunde hat die Falten in seine Stirn gegraben und dir Schalten unter sei»»« Augen gemalt. Feng trägt ein alte- Kleid, das zerrissen und -»flickt ist und kaum weniger Farben aufweist ! säle der großen Hotel-, in denen die Damen mit den leuchtende»» Kleidern und den hellen Haaren, s die Herren in den ernsten, schwarzen Gewändern und blitzenden Uniformen an der Tafel sitzen und die Kellner mit großen Tassen und danipfenden Schüsseln hin und herjagen. Dort kauft ihm vielleicht einei der Herren»n der bunten Uniform oder in dem dunklen Frack eine Blume ab, weil die Frau, die an seinem Tisch sitzt, gerade gelacht hat. Oft verbietet ihm der große Mann mir den goldene»» Tressen, der an der Pforte steht, den Eintritt. Dann schleppt Feng seine Blumen weiter, sie werden immer schwerer, obgleich sic immer weniger werden; es ist, als legte jede Stunde ein Gewicht ans seine bunte, duftende Lost. Wenn die kleine Schüssel endlich leer geworden, eilt er zu seinen Körben zurück, schichtet sie aufeinander, sie bilden eine Säule, die ihn fast überragt. Die Kinder laufen hinter ihm her und betteln um Blumen; hat er die letzte verschenkt, verhöhnen sie ihn, retßen ihm die Körb« aus der Hand und zupfen an seinein Kleid. Dann läuft er, so schnell er kann, ein Dämon der Angst jagt hinter ihm her, der seine Schritte beflügelt, die Wort«„Zwerg" und„Krüppel" jagen hinter ihm her, er will ihnen entfliehen, aber sie weichen erst von seinen Fersen, wem» er zu Hause erschöpft kn seinem Winkel zusammensinkt. Weitab von den glänzenden Straßen, über die de- TagS die Automobile gleiten, schläft Fing in einem engen Verschlag aus einem Lager au- alten Säcken. Er ist müde und sein Schlaf ohne Träume. Eine Schale Reis ist seine Abendmahlzeit. A»n Morgen läuft er wieder auf de»» Markt, breitet die Blumen aus, die ein Bauer ihm bringt, sieht den Schatten der Pagode wachsen und schwinden im Wechsel der'Stunden." Sem« Augen sind noch voll Schlaf-, und'weil er nacht-»icht träume» kann, träumt er de» gaa- als die Blüten in seinen Körben. Die Blume im! Mund, gestern eine gelbe, heute ei»»e»vciße, mor- gen eine rote, starrt er vor sich hin. Biele Menschen gehen an ihm vorüber, eilige und müssige, frenldc und solche, die das Kleid seiner Heimat^ tragen. Arme, die ihre Blicke begehrlich an seine Blumen heften und sie liebkosen mit zarten Augen, in denen Sehnsucht brennt und ein ungeträumter, heimlicher Traum; Fremde, die mit kleinen, schwarzen Kästchen kommen und Feng photographieren und weitereilen, denn die Welt ist groß, sie haben viel Geld für ihre Reise be- zahlt und wollen viel sehen. Feng beachtet das narre, gläserne Auge der Kamera nicht, aber auS den Bucken der Armen springt ein Funke Sehnsucht über auf ihn und alle diese Funken sammeln sich in seinem Herzen. Oft vergehen Stunden, in denen er nicht eine einzige Blume verkauft. Er begießt sie aus feinem Kännchen, er spricht wohl auch mit ihnen, nicht mit Worten, aber mit den langen Fingern seiner schinale»» Kinderhand. Wenn der Schatten der Pagode den Platz in ein dunkles, kühieS Kleid einhüllt, da- immer breiter wird und anwächst zur seidigen Nacht, dann betrachtet Feng nochmalfeine Blumen und weint beinahe, denn sie beginnen zu welken, Vielleicht weint cr aber auch, weil er hungrig ist. Es gibt ungezählte Blumen auf der Erde und ungezählte hungrige Jungen, wohl auch ungezählte klingende Münzen, aber nur wenige rollen hierher, zu dem kleinen Blumenstand im Schotten der Edelsteinpagode von Tai- Tschai. Dann sucht Feng die schönsten Blunien aus seinen Körben zusammen und legt sie in eine kleine Schale. Er geht turrch viele dunkle Gassen uilter langen, flatternden weißen Fahne», auf denen bunte Worte- ausgezeichnet st»a, u»»d unter lckaukelndcn Laterne»» aus gelbem Papier, die im Abendwind leise knistern. Er geht in die Speije- ze» Tag, die Blume im Mu»»d, die Augen auf ein fernes Ufer gerichtet. Von große» Schiffen träumt er und von fremden Meeren, von einem Feld, voll Blüten, auf denen Schmetterlinge sitzen, von Wipfeln, die der Wind hin und herwiegt. Von einer Stadt, deren Häuser wie Türme si»»d und nacht» leuchtrn in roten und grüner» Farben. In dieser Stadt lebt Wen-Ti, Feng- Freund. Die Eltern Wen- Tis waren Kulis im Hafen, sie hatten nicht Reis für alle ihre Kinder; so sandten sie Wen-Ti in die große Stadt, wo»nan ihm eine glitzernde Uniform uiizog und ihn an die Türe eines Fahrstuhls stellte in einem großen Hotel.. An den Abenden, die er frei hatte, schrieb er Feng lange Briefe, große farbige Worte, mit ungelenker Hand auf einen Fetzen Papier gemalt. Er erzählte von den Menschen, die aus den fernen Landern in das Hotcl kamen, von. tausend unbekannten Dingen, die die Fremden mitvrachten und die Wen-Ti sehen, nranchmal sogar berühren durfte, die aber niemals ihm öder feinen Elter,» oder Feng ge. hören würden. Bon diesen Dingen träumte Feng an den langen Tagen im Schatten der Pagode zu Tai- Schai. Mr wenn Hang-Lien vorüberkäm, mit Kwang, dem Mädchen, und Tsung-Pen, seinem Enkel, hob sich der Traum von den-Augen Feng», flog fort wie ein guter, sanfter Bogel und seine Blicke leuchteten. Die Blume im Haar des Mädchens Kwang war ein Geschenk aus den Körben Fengs. Er wählte die.schönste Blüte au- und »locht sie mit eignen Händen in KwangS dunkles, duftendes Haar, Zumeist war es ein großer, gelber Stern inmitten schmaler, weißer Blütenblätter; manchmal aber auch eine' Chrysantheme. !ft. iM Dienstag, 22. August 1988 Seite 3 ge. De- den zum im wo, der 8o» wir Eröffnungsansprache ans dem xvin. Zionisten-Kongreß in Prag xu Beginn seiner Rede bei der Eröffnung de- Kongreßes nm 21. August begrüßte der Bor sitzende NahUm Sokolov die Tschechoslowakei, die dem z:onistisck)an Kongreß Gastsreundskl-aft gewahrt habe, worauf er sich in englischer Sprache an den Vertreter der britische» Gesandtschaft wendete und darauf. hinwics, daß sämtliche Pläne und Wünsche der Zionisten in hohem Maße von der Erfahrung und dem guten Willen der Mandatsmacht, also Großbritannien» als Mandatsmacht Palästinas, abhängen. Weiter sprach der Redner seinen Dank an Frankreich, Polen und die Niederlande für ihre Beihilfe zur Verwirklichung der zionistischen Ideale aus. Sodann wandte sich der Redner in deutscher Sprache an die Kongreßteilnehmer und widmete stine ersten Worte den letzten Judenverfolgungen. Dir stehen vor den Trümmern der Iudeneman- ;ipation in einem der größten Staaten der Welt. Am Bewußtsein des Ernstes des AugenblitkS richtet die gegenwärtige zionistische Tribüne an die gesamte zivilisierte Welt folgende fragen: Wie stellt ihr euch die Sicherung der Weiterexistenz der jüdischen Volkes vor, wenn an die Wurreln seines Seins di« Axt gelegt wurde? Soll diese Nation immer und ewig durch die Welt irren? Soll unser Volk immer und ewig von Land zu Land geschleudert werden als ein lebendiges Perpetuum mobile, seines hiftorisck-en Landes beraubt? Ist das nicht ein Zustand, der den fundamentalsten Begriffen der menschjichcn Zivilisation Hohn spricht? In diesem Zusammenbang gedenkt der Redner des tragischen Todes deS jungen zionistischen Führers Tr. Arlosoroff, der dar zwei Monaten ermordet wurde. Tas Beratungsmaterial dieses Kongreste» ist groß. Die Beratungen werden nicht nur politische und wirtscl-asiliche, sondern auch kulturelle Fra- aen umfasten. Auch die bedeutsame Frage der hebräischen Schule und die Förderung der hebräischen nationalen Literatur werden zur Beratung stehen.. Hillers Spionenlurcht. „Lichtbildgerät" von Flugbesörderung ausgeschlossen. Berlin, 21. August. Ter Rcichsluftsahrt» Minister hat eine Verordnung über die Verwendung von Lichtbildgcräten im Lustfahrivcrkchr erlassen. Ta nach sind Lnslvcrkchrsuntcrnchmungen und Flugzeugführer angelviefen, darauf zu achten, daß Fluggäste ohne eine besondere Erlaubnis des Reichsluftfahrtministers während des Fluges über Deutschland kein Lichtbildgerät mitführen oder verwenden dürfen. Lich:bildgcrät ist jene» Fluggästen abzunehmen und so sicherzustellen, daß eine Verweisung während des Fluges über Deutschland ausgeschlossen ist. Eine sonderbare Verhaftung. Siegen(Westfalen), 21. August. Uni«, dem Verdachte, v o r v i e r I a h r e n in Wiesbaden einen SA-Mann aus offener Straße erstochen zu hoben, wurde in Wilnsdorf der Kommunist Wals verhaftet. Erfolgreiche Betricbsousschußwahlen in der Prcßburgcr Kobelsabrik. Am 15. August fanden in der Preßburger Kobelsabrik, wo bisher die Kommunisten fast die Dreiviertelmehrheit hatten, die Betriebsausschußwahlen statt. Die Wahlen brachten der freien Gewerkschaft des Mciallarbci- lervcrbandes einen großen Erfolg, der um so höher ejnzuschätzen ist, als die Kommunisten kein Mittel unversucht ließen, um den Großteil der Arbeiterschaft wieder auf ihre Seite zu bringen. Die Belegsä-aft hat indessen die kommunistische Demagogie durchschaut und ihnen besonders nach den letzten Erfahrungen bei der Entlassung eines Teiles der Arbeiterschaft die richtige Antwort erteilt. Bon den 272 abgegebenen Stimmen er- hielt der Metallarbcitcrverband 123 Stimnien und 3 Mandate, die Kommunisten 149.Stimmen und 4 Mandate. Im Vorjahre erzielte der Mc- tallarbeitervcrband bei 864 abgegebenen Stimmen 102 Stimmen und 2 Mandate, die Kommunisten 262 Stinnnen und 6 Mandate. Während also trotz der geringeren Bclegschaftszahl der Metallarbeiterverband seine Siinnnenzahl um 20 Prozent steigern konnte, haben die Kommunisten von ihrem früheren Besitz- stand nahezu 50 Prozent verloren und obwohl die Zahl der zu besetzenden Mandate um eines zurückgmg, hat der Mctallarbeiterver- band noch ein Mandat dazu gewonnen, so da die Kommunisten insgesamt zwei Mandate verlieren. Wohl gibt es immer noch eine Mehrheit von Arbeitern und Arbeiterinnen, die trotz aller Mißerfolge der kommunistischen Gewerkschaft dieser nachlousen aber ihre Zahl wird von Jahr zu Jahr geringer und wir sind überzeugt, oaß auch in diesem Betr>eb, wo die Kommunisten den Jn- differentismus geradezu hochgezüchtet haben, die Vernunft über dir billige Demagogie siegen wird. Vie Münihener Hafipropaoanda wird fortgesetzt. Wien, 20. August. Gestern, einige Stunden nach dem Start des Bundeskanzler Dr. D o l l- fu ß nach Italien, setzte der M ü n ch c n e r S e n- d c r mit einigen ihm angcschlossenen rcichsdcut- schen Stationen die A n g r i f f ü p ro pa g a nd a gegen Oesterreich fort. Der Redner, dessen Name» nicht genannt wllrde, befaßte sich mit der Wirt» fchastslage und setzte falsche Meldungen zwecks Beunruhigung der österreichischen Sparer und Versicherten in die Welt. Gleichzeitig kündigte er sür dir nächsten Tage weitere Borträge gegen Oesterreich an. Wie die„Reichspost" schreibt, beweist diese planmäßige Fortsetzung der deutschen Funk- propaganda gegen Oesterreich, daß Deutschland im Sinne der letzten Ausführungen Dr. H a- bi ch t s cntschloffen ist, den Konflikt mit Oesterreich auf des MefferS Schneide zu treiben, damit die Erledigung desselben auf internationalem Boden unausweichlich sei. Minister Draddt über die Aufgaben der Armee''' Pardubitz, 20. August. In Nakavrkn fand heute die feierliche Enthüllung eines Denkmals für de» Präsidenten der Republik Masaryk statt. Die Festrede hielt Minister Bradnö,wobei er im wesentlichen auSführtc: Glücklich sind die Völker, die Männer besitzen, die daS Volk zu den höchsten Zielen geführt haben. Unser Volk war so reich, daß es solche Männer gestinden hat. Unser Volk war so reich, daß es solche Männer gesunden hat. Die Reihe derselben beginnt mit K o in c ns k re, Jungmann und Havliöek und kutmmter: in Masaryk. Masaryk ist ein Verteidiger der Wahrheit und Gerechtigkeit. Er kämpft gegen di« Vorurteil«, denn Finsternis und Knechtschaft sind das Verderben selbst ciincs großen Volkes. M a s a r Y k, der Deicker und Erzieher, fordert stets Gerechtigkeit und Bildung. An die Vertreter der Armee getvendet, führte der Minister weiter aus: Um mit unserem ganzen Leben und Tun P a z i s i st e n sein zu können, muß man eine gesunde und gute Armee haben, die stets derSchutzder Freiheit und ein Wächter der Demokratie sein muß. Seien wir unS besten eingedenk, daß Lieser Mann unser oberster Kommandant ist. Es gibt heute in der Welt keine Ruhe. Verfolgen wir deshalb di« Taten des Präsidenten mit verdoppelter Aufmerktamket-. Selbst vom Pazifismus beseelt, wünscht der Präsident den Hort des Staates. Ihr seid der Hort friedlicher Arbeit der Bevölkerung. 4 zialismus und seine Zusammenarbeit auf dem Boden nationaler Gleichberechtigung möglich ist. Deswegen ist die tschechoslowakische Sozialdemokratie glücklich, daß es unter den umgekehrten historischen Verhältnissen wieder die Lettische So- zialdcmolratic ist, welche auf dem Boden des tschechoslowakischen Staates mit ihr zusammen- arbeitet und so fruchtbar den konstruktiven tschechoslowakischen sozialistischen Block ergänzt. Wir lassen uns durch kein unsachliches Berratsgeschrei verwirren. Der Zukunft gehört die gesunde und ehrliche Verständigung aller Nationen und nicht der nationale Imperialismus, der Haß und das Schwert zwischen die Nationen.stellt. Tie Sozialdemokratie wird in der Verteidigung der De-» nwkratie ausharreIt, auch der nationalen, denn wir teilen die Demokratie nicht und sehen in ihr ein Prinzip und ein integrales Programm. ihn... Aber das muß man im Wortlaut nicßen: Antwort an das Donnnslanlennaft. Tie sozialdemokratische Presse hat ihre nnnziantenpraxis wieder ausgenommen, um Staatsanwälten nach den Gerichtsserien für die Herbstsalsnn neues Material gegen die Hakenkreuz- ler zu liefern. Gleichzeitig richtet sie bereits; zweiten Male einige Fragen an uns, ganz Tone eines strengen Iuyuijitors, wann, warum und von wem Pctermichel aus DNSAP ausgeschlossen wurden ist. Daß die zialdcmokraten Hilfspolizisten sind, das wissen ja bereits, daß sic ober anscheinend ncuestenS auch sloatsanwaltschastlichen Ehrgeiz entwickeln, ist erst eine Errungenschaft der letzten Zeit. Im übrigen können unS die roten Nachtwächter fragen, so viel sie wollen. Wir werden antworten, wenn cS uns beliebt. Und diesmal b c l ic b t c S n u S nicht, weil der Ausschluß PetermichelS aus der Partei satzungsgemäß vorgenommcn wurde und wir nicht dazu hier find, um die dum w■ dreiste Neugier irgendeines Denunzianten zu befriedigen. Es ist eine derartige Frechheit, uns in einem solchen überheblichen Tone Fragen zu stellen, daß wir dem Mann mit seinen 7 Fragen nur den guten Rat geben können, die Antwort im«Götz von B r r I i ch i n g e n" nachzulesev Was sollen wir wohl denunziert haben? Daß Petermichel geflohen ist? DaS wurde aber nicht durch uns bekannt, sondern durch tschechische Vlötter.— Daß sich die DNSAP, bzw. ihre Rechtsanwälte Einfluß auf die NSDAP zumuten? Tas wurde nicht dttrch uns bekannt, son Lern durch die Rechtsanwälte selbst. Und unsere Fragen haben doch nur bezweckt, daß sich die NSDAP oon dent tatsächlich den Staatsanwalt intcrchsierenden Berdacht reinige, daß sie in Verbindung mit der NSDAP steht. Aber die roten Nachtwächter können fragen, wie sic wollen— sic erfahren nicht, was allein der TNSAP frommen könnte. Sei« drum! Wir nehmen die„Antwort" des„Tag" als daS, was sie ist: als die Bestätigung aller unserer Feststellungen, deren Ergänzung wir uns noch Vorbehalten. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Mittwoch: Prag: 11.00 Schallplatte». 13.40 Schallplatte». (8.30 Deutsche Sendung: Arbeiters»»!: Erich Heller: Ausverbranntcn Büchern, Bericht vont Arbeitsmarkt. 10.45 Sammelt nicht giftige Schwamme. 20.00 Klavierkonzert. 21.25 Stunde des lustigen Trios.— Brünn: 10.10 Konzert Salonorchcster. 17.45 Schallplatten. 18.25 Deutsche Sendung: Kaufmannsdeutsch.— Kaschau: 14.50 Orchestcrkon- zert. 20.00 Opernaricn.— Wien: 16.00 Kammcr- ntusik. 19.00 Im Wald und auf der Heide. 20.30 Städte zwischen Strom und Bergen.— Frankfurt: 15,30 Stunde der Jugend.— Hcilsberg: 20.30 Romantische Kammermusik.— Breslau: 2l.10 Bruckner-Sinfonie.— Leipzig: 19.00 Sinsoniekonzcrt. 20.40 Sieb und Tanz im Rokoko.— Berlin: 22.00 Walzerstunde,— München: 16.00 Für die Kinder. Was die Hakenkreuzler vor den ungrischen Ochsen voraus haben, ist der Umstand, daß sie ein Zitat aus Goethe kennen. Dieser einzige Punkt, an dem sie mit der deutschen Kultur Berührung haben, kommt ihnen bei Polemiken zustatten: Wenn wir etwa dreimal nach den Geheimnissen um Petermichel fragten, klingt uns als Antwort die bekannte Einladung entgegen, deren genaue Formulierung jedoch auch dem„Tag" noch nicht geläufig ist. Es heißt, wcnns schon drauf att- kommt: unS Aber eS kommt vorläufig nicht darauf an, andern auf Petermichel. Besagter Herr ist also nach Deutschland entflohen und die Verteidi ger, die chn darob dumm und gewissenlos nann ten, haben ihrer Hoffnung Ausdruck gegeben, daß er auS der NSDAP entfernt werde; er habe ich nämlich unter unrichtigen Vorspiegelungen in ir, die Bruderbewegung, cingeschlachen. Aus die- cr Acußerung, nach der die Verteidiger ja niemand gefragt hat, ergab sich der Schluß, daß die DNSAP mit der NSDAP in organisatorischer Verbindung steht; wie anders könnte man sich- erklären, daß die im Auftrage der TNSAP redenden und schreibenden'Advo katen sich einen solchen Einfluß bei der Bruderbewegung der Jungpartei zumuten? Was tut„Der Tag" nach den» Bckanntwcr- den dieser Schlußfolgerungen? Er schweigt zu nächst— schweigt nut der bürgerlichen Presse um die Wette. Und nun, nach ungefähr drei Wochen, hat er nicht mehr zu sagen, als daß wir unsere „Denunziantenpraxis" wieder ausgenommen hätten, um neues Material gegen die.Haken kreuzler an die Staatsanwälte zu liefern, daß er uns aber nicht antworten werde und wir iNHinniimniiiniHimiiniitiiiiiiniiiiiiiiiiiiiinitnniiiiiiiiiiiiiiittiiiiiniiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiintiiiiiifiimiiiniiiiiiiiuiiiiiiiiitiiii»iiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiHiiimiifiniimtfinniiif(nnmnii(niiii(iHHHi»iHHitiHUiin Hitlerjugend in Minden von einem Oman heimoesndit Zwei Tote, sechs Schwerverletzte, 2100 Leichtverletzte. München, 20. August. Bei dem großen Tressen der Hitlerjugend sind nach Angabe des verantwortlichen Arztes von den Sanitatsmann- «haften der SA, dem Rettungsdienst und den Sanitätskolonnen insgesamt etwa 2500 Fälle von Erkrankungen oder Berletzungrn behandelt worden. Die Zahl der Unfälle wurde größtenteils durch einen orkanartigen Sturm, der zwischen 12 und 18 Uhr über München hinwegging, verursacht. Bon der Gewalt dieses Sturmes kann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß das Dach eines 70 Meter langen Gebäudes der Fahrtableilung der Reichswehr völlig abgedeckt wurde. Diesem Orkan vermochten auch die großen Zelte auf Oberwirkenfeld nicht standzuhalten und wurden zerstört. Große Balken wurden herumgewirbelt. Ein kleines Zelt wurde mit sämtlichen Insassen etwa 40 Meter weit über den Platzgetrie- be n. Ein Baum in einer angrenzenden Straße wurde entwurzelt, durchbrach de» Zau» und verletzte einen SA-Mann s ch w e r. Außer mehreren Verletzten hat der Orkan beim Zusammenstürzen der Zelte auch rin Todesopfer gefordert. Der größte Teil der Verletzte» wurde in das Schwabinger Krankenhaus gebracht, wo einer von ihnen einem Schädelbruch erlag. Im Krankenhaus befinden sich noch sechs Schwerverletzte. Die Jungen hatten vor dem plötzlich einsetzende» Regen in den Zelte» Schuh gesucht und wurden, als der Orkan diese auseinander riß, durch die herabstürzende» Balken verletzt. Götz von Berlichingen. Petcrmichel und„Der Tag”. „Wer kein ungrischer Ochs ist, komm' mir nicht zu nah! Er soll von dieser meiner rechten eisernen Hand eine solche Ohrfeige kriege», die ihm Kopfweh, Zahnweh und alles Weh der Erden aus dem Grund kurieren soll. Konrmt, kommt! Es wäre mir angenehm, die Tapfersten unter Euch kennen zu lernen." Götz von Berlichingen. Radball-Bundesmeiftersltzaften. Im Saale der„Turnhalle" in Teplih-Schöna» werden am 10. September die Bu n de 5mdi st er» schäften i in Zw c i e r- und Dreier- Radball ausgelragen werden. Die Wettkämpfe werden ei»geleit et durch rin Radballspiel zweier Schüler- mannjchastcn ans dem ersten Kreise, den Abschluß wird ein inleruationales Radballspiel bilden, zu welchem der neue Bnndesmeister und der Bundesmeister des österreichischen Arbeiter Rad- und Straft- iahrcrbundrs»»treten werden. Die Wettkämpfe beginnen vorntillag« halb 10 llhr; cs sind 12 Spiele notwendig, um die beiden neuen Bundesmcister zu ermitteln.— Anläßlich dieser Veranstaltung der Rad baller wird ein 50- Kilometer-- S: r,i- z« n r e n n e n K o t» o t a u— Tcpliy aurchge- führt werden, das international»»«geschrieben ilt. Es werden neben unseren deutschen Arbeite:-Reich» ahrcrn Tschechen und wahrscheinlich auch Cfftcrrei- chcr starte». Der Start erfolgt am 10. September um 7 llhr früh bei der alten Maut in K.nnotau. Ziel ist die Turnhalle, Königshöhe in Tepl>tz-Lcho- nau. Allerort» rüsten die Arbeiter-Rasfahrer bereits für ihren Großkampftag am 10. September 1933! vomvensttenlsl«ul indisches Danhhaus. Frankfurt a. M., 21. August. Auf das weltbekannte Privatbankhaus Lazard Speyer-Ellison in Frankfurt am Main, das in der Taunusanlage unweit des französischen Konsulats über ausgedehnte Büroräume verfügt, ist in der vergangenen Nacht ein Bombenattentat versucht worden. Durch die Aufinerksamkeit des Wacht- personals wurde der Anschlag vereitelt. Bon den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die Anwohner wollen während der letzten Zeit des öfteren SA- 'Lenke gesehen haben, die sich in der Nähe des Hauses hrrumtrirbrn. ReichshanneriUhrer verhaltet Gelsenkirchen, 21. August. Ter ehemalig: Gauführer des Reichsbanners Johann Hau wurde in einer Wirtschaft in Wuppertal scstgc- nommen. Hau, der sich bisher verborgen hielt, kam in Schutzhaft. Getarnte Nazi-Vereine von der Wiener Polizei ausgedeckt. Wien, 21.'August. In der'Nacht von Sams- tag auf Sonntag wurde im Prater eine gehe i nt e u a t i o n a l s o z i a l t st i l ch e B e r- s a m m l u n g ausgehoben. In dem Gafthaule „Payer" ltakle sich eine große Anzahl von Mitgliedern eines neugegründeten Vereins, ,,S on» nenfreunde", eingesunüen. Tie Polizei erfuhr, daß der neugegründcle Verein in Wirklich« leit nichts anderes als eine Vereinigung der Nationalsozialisten sei. Kriminalbeamte drangen in die Versammlung ein und nahmen zirka 100 Personen fest. Die Festgenommeiien wurden nach Feststellung ihrer Identität zum Teil der Polizei überstellt und die Amtshandlung eingelciict. Gegen mehrere Wiener Sportvereine wird, wie der„Morgen" erfährt, eine Untersuchung wegen u a t i o n a l I o; i a> t st t i ch e r Umtriebe geführt. Insbesondere soll es sich bei der Untersuchung um einen Wiener Schwimmverein handeln, der auch zahlreiche Sektionen M den Proviuzstädten unterhält SA-Standarte Braunschweig aufgelöst. Braunschweig, 21. August. Durch Verfügung des Reichsstatthalters für Braunschweig und 'Anhalt, Loeper, ist die SA-Standarte Braunschweig aufgelöst wordeu. Diese Maßnahme, die in Braunschweig stärkstes Aufsehen erregt hat, wird damit begründet, daß in der letzten Zeit mehrfach Disziplinwidrigkeiten vorgekommcn sind und in einer Weis« an der Führung Kritik geübt wurde, die sich mit dem Wesen der SA nicht verträgt. Entscheidend scheint hierbei ein einstimmig gefaßter Beschluß der Braunschweiger SA vom Ist. August gewesen zu sein, in welche in die „Sozialisierung aller Großbetriebe" gefordert worden ist. Gandhi darf hungern. Poona, 21. August.(Reuter.) Ter indische Minister des Innern erklärte in der gesetzgebenden Körperschaft, daß nicht daran gedacht werde. Ga nd h i g e w a l t s a m zu ernähren. Privatärzte könnten Gandhi behandeln, falls er es selbst wünschen sollte. Gandhi, der heute den sechsten Tag hungert, ist sehr geschwächt. Zum Parteitag der tschechischen Sozialdemo kratie, der, wie wir bereits gemeldet haben. Ende Oktober in Prag stattfindet, schreibt Genosse K o u d e l k a tm„Prövo Lidu" einen Leitartikel, in dem er daraus hinweist, daß Heuer 40 Jahre seit dem Budweiser Parteitag der tschechischen Sozialdemokratie verstossen sind, auf dem eine selbständige tschechische sozialdvmokratischc Partei entstanden ist. Trotzdem dieses Bestreben nach Selbständigkeit in der tschechischen Sozialdemokratie schon damals vorhanden war, an dem auch später im alten Oesterreich immer sestgehaltcn wurde, Hal die' tschechische Sozialdemokratie mit der Sozialdemokratie der anderen Nationen Oesterreichs zusammngewirkt.„Unsere Partei hat," so wird wörtlich gesagt,„mit der östcrrei. chischen Sozialdemokratie auch nach der Berselb ständigung zusammengearbeitet. Sie hat damit den Beweis erbracht, daß der international« So- iiHi)iiiiHMi»Mniiiiimmnni»)iini))iiii)iii)iiiiinn)ni)niHiiiinmiinnnHiiiuiiiiiiiiiiiiniiiimiiniiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiii»iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiitiiHiiiiiitiiiiinitiiiiiiytiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimHiiiiiiiiiiiiiii Sette 4 Dienstag, 22. August 1SSS At. IMS Auf den Spuren eines üodisfaplcrs. Die Tätigkeit des Betrügers Triebe In Westböhmen. Der Neid muß cs diesem Triebe lassen; er hat es verstanden in dieser wirtschaftlich und politisch so hochgchendcn Zeit die Aufmerksamkeit der Menschen in vollem Maße auf sich;u lenken. In ganz Wcstböhmcn spricht man nur von ihm und seinen Taten. Bor«venigei« Tagen noch der Ehrenmann, mit dem am gleichen Tisch zu sitzen sich jeder Spießer hoch anrechncie, ist er heute der größte Betrüger und Fälscher, mit dem niemand etwas zu tun gehabt haben will. Noch vor ganz kurzer Zeit, als man in Wripert und Joachims- ihal gegen seine Manipulationen mißtrauisch zu werden begann, kamen die Abgesandten der„H c i m a t s ch o l l c" K v m o t a u, deren leitender Beamte Triebe war, und beschworen die Vertreter der Gr m ein de n, nur ja keinen Zweifel in die Ehrlich keitundGewissrnbaftigk eit Triebes zu setzen, der Mann sei hochanstän. big und cs sei ganz ausgeschlossen, daß er eine Gemeinde auch nur um einen Heller bringen werde. Za selbst der Bürgermeister der Stadt Komotau, Herr Dr. Storch, fuhr eigens nach Ioa- chimSthak, um alle Minen springen zu lasten, damit wenigstens die Verhaftung des„Ehrenmannes" unterbleibe. Nach der Verhaftung Triebes aber, als seine Brgrügrreicn offenbar waren, beeilten sich dir gleichen Herren der„Hei- matscholle" in einer langen Erklärung n a ch z u- weisen, daß Triebe niemals Direktor und zeichnungSbcrcchtigt bei der -Heimatschollc gewesen sei, daß alle Geschäfte, die er durchführtc, mit der„Heimatschollc" nicht das geringste zu tun haben. Deswegen schon schien es lohnenswert an 2rt und Stelle zu untersuchen, tvelchcr Art die Verbindungen zwischen Triebe und den einzelnen Gemeinden waren. Triebe ein in Geschäft und Gesellschaft äußerst gewandter Mann, galt niemals als der bescheidene und bedürfnislose Mensch, als dem man ihn in den ersten Tagen nach seiner Entlarvung hinzustcllcn versuchte. In Komata«« war bekannt, daß er Unsummen für oic Ausgestaltung seines Wohnhauses verwendete. Ein kostbarer Wintergarten wnrdc eingerichtet, Tapeten, Stukkaturen und Beleuchtungsanlage, die er im Hause hat, gab es nur sonst in den Palästen der ganz Reichen und seine Autos galten immer als die elegantesten und teuersten. Seine Lebensweise war alles nur nicht bescheiden. Die Gelage, die Triebe in Komotau und in den westböhmische» Städte» für seine Freunde gab, waren jedermann bekannt. Man sprach aber ebensowenig von diesen Saufereien. wie man von jenen spricht, die von Gentlr- mcn ähnlicher Gattung veranstaltet werden, solange man über sie nichts genaueres weiß. Die letzte große Schlemmerei Triebes spielte sich in einer Prager Citybar, im Kreise seiner Freunde und wohl auch Helfer ab. Triebe war mit cinenl Wort der Typ des modernen Genießers, der, solange er zahlte, nach seinen Geldquellen nicht gefragt wurde. In Komotau hat man wohl da und dort Zweifel über ihn und feine Tätigkeit gehört, doch ging die Stimme des Mahners unter dem Protest der Anhänger Triebes unter. Triebe war ein sehr tüchtiger Hochstapler. Er suchte sich das Feld für seine Verbrechen vorsichtig aus. Tic großen Städte mit einem ausgezeichneten kommerziellen Apparat bediente er kulant, die kleinen beschwindelte er. So hat er vor mehr als sechs Jahren der Stadt Aussig unter dem Bürgermeister Tr. Schöppe ein Darlehen vermittelt, ohne daß sich auch nur der geringste Anstand bei diesem Geschäft ergeben hätte. Triebe verschaffte der Stadt Aussig das Geld, bekam seine Provision und die Verbindung zwischen ihm beziehungsweise der„Heimatschollc" Komotau, für die er alle diese Geschäfte durchführt«, war und blieb gelöst. Auch dir Sticht Kornotau wandte sich 1827 und 1931 au die„Heimatschollc" und ließ sich 7,500.000 K Darlehen besorgen. Hier wird ausdrücklich festgestellt, daß die Gemeinde nur mit der„H e i m a t s ch o l l e" in Korrespondenz stand und Triebe von den Organen der Gemeiudc lediglich als Angestellter dieses Unternehmens angesehen wurde. An Provision wurden zwei Prozent gefordert, doch nahmen die Sozialdemokraten in der Stadtvertretung gegen diese nnvcrschämte Forderung Stellung»nd stimmten, weil sie es mit den Jntcresscen der Gemeinde nicht in Einklang zu bringen vermochten eine derartige Provision zu bezahlen, gegen die Ausnahme des Darlehens. Daraufhin setzte die„Heimatschollc"— oder Herr Triebe, niemand vcrnlag das scstzustcllen— die Prvvisionsforde- rung auf eineinhalb Prozent herab. Auch hier bekam die Stadt das Geld richtig ausbezahlt und Triebe gab sich mit der Provision,— die allerdings 112.500 K betrug,— zufrieden. Ob von diesem Betrag die„Heimatschollc" auch nur einen Heller gesehen hat, darum kümmerte sich niemand, jedenfalls hat Triebe über all diese Einnahmen nach eigenem Gutdünken verfügt. I» der gleichen Weise vermittelte Triebe unter dem Decknamen„Heimatschollc" in früheren Jahren dem Bezirk Komotau Darlehen, an denen er schwer verdiente. Doch wickelte sich auch hier das Geschäft glatt ab. Fest steht, daß Triebe durch die Darlehensvermittlung Millionen verdient hat. Das aber schien ihm nicht zu genügen. Er brauchte für sich und seine bis jetzt unbekannten Freunde, die ihm bei der Durchführung der finanziellen Transaktionen behilflich waren, viel Geld. Er wurde zum Verbrecher! Im November 1929, kurze Zeit nachdem Herr.Htzrr Frank Bürgermeister gelvordcn war, trat die Stadt Weipert mit der„Heimatschollc" in Verbindung, weil die Aufnahme eines Darlehens in der Höhe von 13,500.000 K notwendig geworden war. Alle Parteien stimmten geschlostcn für das Darlehen. ES sollte zur Konvertierung der alten Schulden und zum Teil zur Durchführung wichtiger Gr- mcindcarbciten Verwendung finden. Tic Regie, — das BcrschönerungSwort für Provision— be- trug 1.75 Prozent, Triebe, der auch dieses Geschäft in die Hand nahm,— nach Ansicht der Gcnicindefunktionäre als Beauftragter der„Hci- matscholle", denn nur diese war um die Vermittlung des Darlehens angesucht und betraut worden,— konnte also eine Provision von 236.250 K cinstreichcn. Er gab sich damit nicht zufrieden, löste dir Verbindlichkeiten bei den Geldinstituten in Beraun und Hokicc nicht ab, wodurch er ungefähr fünf Millionen Kronen in seinen Besitz brachte und zweifellos auch für sich verwendet hat. Schließlich erfuhren die beiden Sparkassen von der Finonzaktion der Stadt Weipcrt und forderten eine schnelle Regelung der Fälligkeiten, so daß Triebe gezwungen wurde, als man ihn in Joachimsthcu als Verbrecher festnehmen ließ, zu erklären, daß das von ihm gegenüber der Stadt Weipert bei der Unionbank sichergestellte Depot in der Höhe von fünf Millionen Kronen gefälscht sei. In Weipcrt sucht man nun nach dem Schuldigen! Demi cs einen gab, dann in erster Linie den infolge der Aufregung verstorbenen Bürgermeister Frank. Er führte die Verhandlungen mit Triebe, er berichtete über daS Ergebnis derselben, er war cs, der oie„Heimatscholle" für die Durchführung der Transaktion in Vorschlag brachte. Aber er hot zweifellos in guten« Glauben gehan- dclt. Triebe war der Gemeinde Weipert als seriöser, gewandter Geschäftsmann ancmpfohlen worden. Es war kein geringerer als Dr. Storch, der Bürgermeister von Komotau, der Triebe in Weipcrt empfahl. Wer könnte also heute einem Gc- meindcfunktionär die Schuld au den« Verbreche«« bcimcslcn? Die Beschuldigung Triebes, er hätte dem Bürgermeister i«nd dem Rentamtsbeamten, 50.000 X 911 persönlichen Zwecken übergeben, wird nur von ganz wenigen Menschen geglaubt. Frank besaß zwar nicht, wie die bürgerliche Presse schrieb, ein gut gehendes Unternehmen, sondern hatte seit einem Jahr den kleinen Betrieb, weil er keine Aufträge hatte, stillgelegt, aber der Mann hatte ausreichend zu leben, so daß er nicht a««f Schmiergelder angewiesen war. Noch«veniger wird die Beschi«ldigung gegenüber den« Reiitnici- ster geglaubt, der seit dreißig Jahre«« im Dienste der Gemeinde steht und noch nie Anlaß zu einer Klage gab. Auch er ist infolge der Aufregung schtver erkrankt und mußte vom Dienste beurlaubt «verden. Keinesfalls ist er suspendiert worden, Ivie in den Zeitunge»« zu lesen war. Wenn doch noch von einer Schuld gesprochen «vird, dann kann sie nur darin bestehen, daß man nach den ersten Anzeichen der Verfehlungen nicht fester zugriff, und Triebe einige Monate früher i«rs Gefängnis brachte. Das Geld wäre natürlich auch dan«als nicht zu retten gewesen, es ist scheinbar»nmittelbar nach Aufnahme des Kredites für die Stadt Weipert in Kanäle geflossen, die schon offen waren, noch bevor Weipcrt das Geld bekam. Heute freilich ist jeder Richter, auch die Bürgerlichen, die den Man«« empfohlen und in den Gemeinden eiilgesührt haben. Neben ihnen die Kommunisten. Sie, die vor einige«« Tagen dem Bürgermeister Frank ganz osten- tativ gratulierten, als er einem vo«« ihnen die Mitteilung machte, daß er vom Jnnen- rninisterium als Bürgermeister bestätigt worden sei, sie blieben demonstrativ der Beerdigung des Bürgermeisters fern, mit nach außen hin„große Empörung" zir mimen. Gewiß bedeutet der Betrug für die Stadt eine wirtschaftliche Katastrophe. Der Schuldenstand der Gemeinde Weipert betragt derzeit 23 Millionen Kronen, daz»« kommen nun die 5 Millionen, die Triebe gestohlen hat. 28 Millione«« Schulden also, denen ein geringes Vermöge«« gcge««überstcht. Die Steuergrm«dlagc der Gemeinde ist vo«« 318.853 1(8 in« Jahre 1931 ans 140.000 Ke im Jahre 1933 zurückgcgangcn. Mehr als 1000 Arbeitslose leben in der Stadt, die nun sagen: für uns ist keil« Geld da, für Triebe hatte mm« 5 Millionei« übrig! Mai« hosst einen Teil der veruntreuten Summe zurück zu bekornme«« und wird vor allein die„Heimatscholle", mit der das Geschäft abgeschlossen wurde, für den Schaden haftbar machen. Was aber hier zi« erreiche» sein wird, kani« nach allem zu schließen, die Gemeinde nicht ans der Notlage, in der sie sich jetzt befindet, herausbringen. Dazu kommt noch, daß viele Einleger der städtischen Sparkasse in Weipert die Zusammenhänge zwischen Gemeinde und Sparkasse nicht richtig kennen und nu>« aus Angst vor weiteren Verluste«« ihre E i««- l a g e n z u r ü ck z i e h e n. Die Bevölkermig von Weipert ist ungeheuer aufgeregt, gewissenlose Gerüchte steigern diese Aufregung bis zur Panik. In Joachimsthal ist cs merkwürdig ruhig. Tort hat nian den Burschen gleich richtig angc- faßt, als sich herausstelltc, daß er die Gemeinde betrog. Dazu koinmt noch, daß es bei den« raschen Zugriff gelang, Wechsel in der Höhe- von 250.000 K8, die Triebe noch nicht an den Main« gebracht hatte, aus seinem Tresor in Komotan hcranSzuholen, so daß der B c r l u st jetzt noch 500.000 K8 beträgt. Wäre der christlichsoziale Bürgermeister, der Pfarrer 2 t u m p s, der die Verhandlungen mit Triebe führte und für die Ucbcrgabc von Gemeindcpapicrci« an Triebe vcr- anNvortlich ist, noch im Amte gewesen, der Gauner könnte heute noch die Welt betrügen. Die Gemeindevertretung hatte wohl beschlossen, ein Darlehen anfzunehmcn, über die Durchführung aber wurde von Stumpf entschieden. Auch in JoachimSthal wurden die Verhandlungen zwischen der Gemeinde und der „Heimatscholle" geführt. In Triebe sah man nur den Angestellten der „Heimatschollc". Der Befürworter des Triebe in JoachimSthal Ivar der Bürgermeister von Komotau, Dr. Storch, der die Verhaftung Triebes verhindern wollte. Bürgermeister Stumpf wurde bereits im Feber d. I. von einem Gemeindeangestellten aus Triebe, der damals eine Fran um Geld betrogen hatte, aufmerksam gemacht und zur Vorsicht gemahnt, die Antwort auf diesen wohlgemeinte«« Rat bestand in der Acußcrung: ein Gemcindcangeslellter habe sich um andere Dinge zu lünimeri«! Triebe war Persona grata und schon als er seiner Verbrechen überführt war, wollte ihn« der ch r i st l i ch s o z i a l c T agesneuigkeiten Der Tod aus den Schienen. SamStag, der« 19. d. M., um 11 Uhr nachts, wurde aus der Strecke Bodenbach—Böhm.-Leipa kurz vor Birkigt die schrecklich verstümmelte Leiche eines Mannes gefunden. De««« Toten waren alle Glieder gebrochen, der Kops war zerschmettert, so daß das Hirn auf den« Bahnkörper lag. In den« Tote«« wurde alsbald der 21jährige Drogist I. T. auS Randnitz, der in einer Drogerie in Tetschc«« als Volontär bcschäffigt war, sichcrgestcllt. T. war der einzige Sohn seiner Eltern und soll«vege«« unglücklicher Liebe in den Tod gegangen sein. Ein schreckliches U««glück ereignete sich an« Samstag, den 19. August, bei der Bahnüber- scyung ii« P s chür a zwischen Tichlowitz und Kleinpriesen, Ein gewisser Pranke aus Gartih bei Aussig kam, feilten Bruder auf dem Soziussitz, mit seinem Motorrade aus der Richtung Kleinpriesen gegen Tichlowitz gefahren. Unglücklicherweise übersah er, daß die Bahnschranken hcrabgclaffci« waren und fuhr mit voller Wucht an dieselben, so daß er in weitem Bogen über den Bahn- schranken flog. Im selben Augenblicke brauste der ««ach 4 Uhr in Tctschen fällige Prager Schnellzug vorüber, gegen den Pranke geschleudert«vurde. Die Wirftlng«vor entsetzlich: Der Kopf war vollständig zerschmettert und auch sonst wirS Pranke grauenvolle Berlehunge«« auf. Er war««atürlich sofort tot. Sein auf dem Soziussitz mitfahrender Bruder war an dem Bahnschranken hängen geblieben. Doch hatte auch er mehrfache Verletzungen erlitten. Furchtbarer Selbstmord. Iglau, 20. August. Die 40jährige Rosa Kolb stattete heute mit ihrem Man«« ihren« Cousin eine«« Besuch ab. Sie entfernte sich jedoch bald und beging in« StiegenhauS Selbstmord, indem sie sich eine Ekrasitpatrone in den Mund legte und sie«nit einem Zündhölzchen in Brand setzte. Durch die Explosion«vurde ihr der Kops zerrissen. In« Gebäude selbst wurden alle Fcnsterscyeibcn zertrümmert. Als ihr Mann sah, was vorgefallen«var, raunte er fort u««d«vird bisher vermißt. Die Kolb war stark nervös und drohte früher bereits ihrem Manne mit Mord und Selbstmord. Tod durch Blitzschlag. Pretzburg, 21. August. Der Maschinen- führer Stephan Sokolovsk- aus Rasir- torf schaltete gestern auf de«n Rangicrbahnhofe in Preßburg die elektrische Leitung ein, als ein Blitz in die Leitung schlug, der den Ma- schineuführer tötete. Die Bemühungen des her- beigerufe««en Arztes, Ihn ins Leben zurückzuru- sen, bliebe«« ergebnislos. Sturm über Star» Boleslav, 20. August. Nov- Bester bei Stars Boleslav und ein Teil von Slätiny wurden heute nachmittags gegen 5 Uhr von einen« heftigen Sturm heimgesucht, der große Sachschäde«« anrichtete. Zahlreiche Dächer wurden vom Sturm abgetragen und 60 Meter bis 100 Meter weit g e s ck) I e u de r t. Auch das Gebäude des Wasserwerks in Kärckn^ hat durch den Sturm gelitten, Indem Fenstertafeln zertrümmert und das Dach beschädigt wurde. Wie stark der Sturin«var, dafür zeugt der Umstand, daß auch einige Betonsäuleu gebrochen«vurde». Ebenso wurden Zäune von den« Sturm«ungelegt. Sehr beträchtlich sind die Schäden, die an Bürgermeister zur Regelung der Sachc eine Frist bis Ende August einräumen und nur dem energischen Protest des sozialdemo. kratischen Bizcbürgermcistcrs ist die Verhaft tung Triebe» zu verdanken, sollst hätte er genügend Zeit bekommen, um sich aus dem Staube zu machen. Der Verlust von einer halben Million Kc fällt bei dem derzeitigen Stande der Finanzwiil. schäft der Gemeinde Joachimsthal stark ins Gewicht. Die Gemeinde hat allein an Zinsen und Annuitäten VA Million K8 Rückstand, sic i(t kaum mehr in der Lage, die Gehälter und Löhne auszube,zahlen, der Voranschlag für 1933 ist noch nicht fcrtiggcstellt,««iemaild in der Gemeinde weiß eigentlich, wie man in der nächste«« Zeil «veiter tvirtschaften soll, dazu noch an die 400 Arbeitslose. Am gemütlichsten benahm sich der verantwortliche Mann der Finanzaktion, der Bürgermeister Stunipf. Als die Verfehlungen Triebes und der Schaden an der Gemeinde Joa- chimsthal nachgclvicsen wurde, packle der Herr Stunipf seinen Koffer, d e>n i s s i o n i e r t c als Bürger n« ei st er und fuhr n a ch Franzcnsbad zuw Kur. Ihn interessierte die Gemeinde nicht mehr,«nag jetzt ein Sozialdemokrat den Karren wieder ins Geleise bringen! So hat ein vom Bürgertum protegierter und geförderter, seinem ganzen Wesen nach aber verbrecherisch veranlagter Mensch Gemeinden und ihre Einwohner nicht nur geschädigt, sondern auch ihre Weiterentwicklung gehemmt, eine Reihe von Funktionären uni ihr Ansehen und vielleicht ailch ihre Zukunft gebracht. Mag er eine Warnung vor allen Triebes sein, die noch«inser Bode«« trägt. den Bäumen, insbesondere Obslbäume», a»ge- richtet wurden. Ii« dem im betroffenen Gebiet gelegenen Walde hat der Sturm z a h l r e«ch e B ä u m c entwurzelt. Für eine gewisse Zeit war auch die Tclcphonvcrbindung mit K-irän- unterbrochen. Abschluß eines Dramas. Rcichenberg» 21. August. Der Direktor«i Landwirtschaftlichen Bezirkssparkasse in Böhnnjch- Aicha, Wenzel Havelka, tvelchcr, wie gemeldet, in der Nacht auf den 12. August seinen Sohn Zdenko durch einen Nevolverschuß getötet und sich feldst schwer verwundet hatte, ist nunmehr««ach sechstägiger Bewußtlosigkeit feinen Verletzungen erlegen. Streik der Flutzschiffer in Nordfrankreich. Lille, 21. August. Ter Streik der Flußschlffcr in Nordsrankrcich hat au Ausdehnung gewonnen. Besonders betroffen sind die Bezirke Douai, Cant- brai und Valeneiennes, wo die Flußschiffohrt in den großen Kanälen völlig ruht. Nicht lachen! Es«vird gemeldet:„Vom 21. bis 26. d.'M. findet in Baden-Baden eine Tagung der Internationalen Slrasrcchts- und Gefängniskomniissivn statt, die aus amtlick>en Delegierte«« der meisten Länder der Welt besteht. Tie diesjährige Tagung der Kommission wird Fragen aus dem Gebiete des Atislieferungsrech- tes, des Strafvollzuges und der internationalen Kriminalstatistik behandel««; insbesondere aber «vird sic der wissenschaftlichen Vorbereitung des nächsten Kongresses dienen, zn den« die Rcichs- regicruilg für das Jahr 1933 nach Berlin eingeladen hat. Deutschland hat, als Tagungsland des nächsten Kongresses, zur Zeit den Vorsitz in der Konnnission inne. Vorsitzender ist der erste deutsche Delegierte, Reichsgcrichtspräsidcirt tot Sumte, der auch in-den letzte«« Jähren die Verhandlungen geleitet Hal."— Kürzer gesagt: Der Bock«vird znm Gärtner gemacht. Das Wetter für heute:„Unbeständig. Neigung zu Sck-auern, mäßig Ivarn«." Der am Matterhorn tödlich verunglückte Bergsteiger ist als der bayrische Alpinist Gustl Krönet aus Trannstein festgestellt worden. Seine hervorragenden alpinen Leistungen’wticii die Sektion Bahcrnland des AlpeuvercinS, der er angehörte, veranlaßt, ih>« zur Allas-Expc- dition abzuordnen. Entdeckung einer Inselgruppe. Ans MoSlan wird berichtet: Die Polarexpodition von Professor Wiese hat südwestlich der im Vorjahr auf 75 Grad 55 Minuten nördlick)er Breite und auf 81 Grad 50 Minute«« östlicher Lauge cm< deckten,„Iswestija" bcnaii.nlL)« Inselgruppe eine neue Inselgruppe entdeckt. Ehrengeschenk für den 25.000 Besucher der Jesch- ken-Seilschioebebahn. Die Jejchken- Seilschwebebahn, erfreut sich einer stetig zunehmenden Dcliebihei«, so daß sie feit dem Tage der Eröffnung lchon«läut« Besucher zu verzeichne«« hat. Die Firma Kablo, welche die Drahtseil« für diese Bah» tiefer:«, wivmct für den 25.000 Besucher eilt Ehrengeschenk. Der Gewinner erhält eine Anweisung auf eine kein- plelle Touristen- oder DkifahreraiiSrüstung im Werte von K« 1000, wobei cS ihm anheimgcstcllt■ wird, sich den Betrag bar auszahlen zu lassen. Der Name dc- Gewinners wird veröffentlicht. Tod durch Unvorsichtigkeit. Die 3tjährigc Ehrfrau deS Fabrikanten Fritz Berg in S o l i n g c n- OhligS, eine Tochter des Afrikareisende«« von Wiß- «naun, kontrollierte am SainStag eine geladene 2 a g d w a f f e. Plötzlich löste sich ein Schuß und tötete die Unglückliche. Frau Berg war bekannt als eifrige Jägerin. Nr. 195 Dienstag, LS. August 1988 Seite 5 15 Volkswirtschaft und Sozialpolitik die ärztliche Wissenschaft bisdc» gegen den Heu- handelt et sich als« den ftkodawerken ausschließ- so notwendigen Erhaltung der schr»upfeu erfmlden hat. Die Statijtit enthalt j lich darum, jur des ahgelehiUes LohtiaLhcüt^»»icht gerade förderlich)vc»Ml. Milttörflieger'KataNrovhe bei Brünn Pilot und Beobachter verbrannt. Prag, 21. August.(OPV.) Am 21. August d. I. um 9 Uhr 15 Minuten srUH havariert« tvöhrend eines Fluges in Zusammenarbeit mit der ArtiNeri« aus den Feldern bei Deutsch. Branttz, südwestlich von Brünn, da» Flugzeug A—11—139 der Jlugstassel 5 vom Flugdetachement de» 2. Fliegerrrglment». Da» Flugzeug sing während der Havarie, infolge Explosion des Benzintanks, Feuer. Die Besatzung, bestehend aus dem Pilot-Gefreiten K o S t n l und dem Beobachter Korporal-Aspirant Polak, beide von der 5. Staffel de« 2. Regiments, verbrannten. Di« Militärkommission, die an die Unglücksstelle entsandt wurde, konnte au» den Trümmern de» Flugzeuges die unmittelbare Ursache der Havarie nicht seststellen. Nach dem Jlugverlause, kurz vor dem Unglück, kann, nach Aussagen von Augenzeugen, angenommen werden, daß die Ursache der Havarie ein plötzliches Unwohlsein de« Piloten gelvesen sein dürste. Tie schnellst« Lokomotive Europas. ie befördert den Expreß Euston-Crewe in zwei Kunden W Minuten über die 158 Meilen lange Streck«. krvlofion in einer Scheune- Alvensleben(Kreis NeuhaldenSlebcn), 21. August. Auü»och nicht bekannter Ursache explodierte heute früh beim Dreschen in der Scheune eines hiesigen Landwirte« der Dampfkessel der Lokomobile. Der Heizer wurde sofort getötet, eine Frau wurde unter den Trümmern der Lokomobile begraben und konnte bisher noch nicht geborgen werden. Drei Arbeiter wurden schwer, einige leichter verletzt. AuSgewichen. Sonntag reisten aus London 28 südisckw Teilnehmer der Kaklabi-We't- spiel« nach Prag ab. Ihre Reife dauerte einen Tag langer al» sonst, weil sie dem deutschen Gebiet auswichen. BootSunglück. Auf dem Plauer See bei Brandenburg geriet ein Ruderboot, in dem. sich ein Kriegsinvalider aus Brandenburg, seine Frau und sein Bruder sowie vier Kinder befanden, in Schlick und kipple um. Sämtliche Insassen wurden von zu Hilfe geeilten Booten in bewußtlosem Zustande au» dem Schlick geborgen. Die Frau und ein Knabe konnten nicht wieder ins Leben zurückgerufen weiden. Die Ursache des Unfalls ist in der U c b e r- ladnng des Bootes zu suchen, das im Höchstfall« vier Personen faßt. Drei SS-Leute unter dem Verdacht des Kameradenmordes verhaftet. Wir meldeten kürzlich, daß in den Alster-Anlagen die fieidjen dreier erschossener SA-Leute gesunden worden sind. Der Verdacht richtete sich zunächst gegen Angehörige der kommunistischen Organisation, In- zwischen hat der Fall eine geradezu sensationelle Wendung erfahren: al» Mörder wurden von den Kameraden der Toten drei SS-Leute bezeichnet. Die Polizei weigerte sich zunächst, die Ermittlungen in. dieser Richtung auSzudehnen; unter dein Druck der öffentlichen Meinung fand jedoch dann schließlich«ine Haussuchung statt und förderte derart schwerwiegendes Material zutage, daß die Polizei nicht umhin konnte, die Verhaltung vorzunehmen.— Aus Anlaß der erregten Stimmung in der Hamburger SA hat der Rcichsstatt- Halter Kaufmann bis auf weiteres der SA den Besuch der SS-Lokal« untersagt. - Erlebnisse fn der Höll« d«» Hitlrrreiches. Die»Wiener Sonn- und Montagszeituug" will dem Völkerbund eine Denkschrift überreichen, in der Re Schandtaten des HitlerregimeS dargestelli werden Wen. Schüsse ln der Nacht. Berlin, 20. August,(Conti.) Zu einem tragischen Zwischenfall, bei dem der 28jährige SA- Mann, der Arbeiter Valentin Wc» chowiak tödlich und der 81 Jahre alle SA-Mann, der Hausdiener Klingbeil schwer verletzt wurde, kam es, wie die Polizei mitteilt, in der Nacht zum Sonntag in der Kurzen Straße in der Nähe de» Alexanderplatze». Dort befand sich der K r i m i n a l a s s i st e n t e n a n w ä r t e r R i ch. tcr nach seine» Angaben auf einem Dienstgauge, bei dem er in einem Lokal in der Alcxanderstraße erfahren baden will, daß eine dort verkehrende weibliche Person au» der Lcbewelt der Beihilfe zur.Hehlerei und zum Einbruch verdächtig sei. Al» der Kriminalafsistentenanwärtcr deren Personalien feststellen wollte, flüchtete die Frau in die Kurze Straße. Um sic zum Stchenbleiben zu veranlassen, will der Beamte Schreckschüsse abgegeben haben. Inzwischen halte sich in der Kurzen Straße eine M e n s ch e n m e n g e an- gesammelt. Diese Gelegenheit benutzte die Frau, sich erneut loSzureißen. Der Beamte glaubte nun, daß er aus der Menschen menge heraus bedroht werde und gab Schüsse ab, durch die der in Zivil befindliche SA-Mann Machowiak tödlich und der ebenfalls in Zivil befindliche SA- Mann Klingbeil durch einen Schuß in den Kiefer schwer verletzt wurde. In der Nacht begannen sofort eingehende Ermittlungen, die noch nicht abgeschlossen sind. Der Kriminalassistentenanwärter wurde vorläufig festgenommen. Richter dürste in dem Glauben gewesen sein, daß die beiden durch seine Schüsse getroffenen SA-Mcin- ner beabsichtigten, di« Frau zu befreien. Es ist damit zu rechnen, daß der Festgcnommene bereits Montag dem BernehmungSrichter vorgesührt wird. Dir Saturn-Katastroph«. Wie bekannt geworden ist, haben englische und amerikanische Astronomen festgcstellt, daß sich in der letzten Zeit ein auch mit schwachen Fernrohren sichtbarer größerer weißer Fleck in der Acquatorzone des Saturns gezeigt hat. Wie fetzt bekannt wird, zeigte der Saturn dieselbe Erscheinung bereits einmal im Jahre 1889. Die Behauptungen der Wissenschafter, denen zufolge man es hier bekanntlich mit einem großen Vulkanausbruch zu tun hat, erfahren gerade durch diese Feststellung eine gewisse Bestätigung. Der große Zcitinter- vall zwischen beiden Erscheinungen soll die Theorie über den vulkanischen Ursprung der Flecken stützen. Di« Standuhr al» DiebSvrrsteck. Ein seltsames Nachspiel, das komisch anmutet, hatte ein Iuwclenaub, der aus Mannheim gemeldet wird. Die Polizei konnte einen Berliner Einbrecher fcstnchmen,»nährend sei»» Komplize so schlau war, sich hinter einer große»» Standuhr zu verstecken. Als Polizei, Inhaber und Kumpan draußen waren, raffte der Gauner seelenruhig nicht nnr die schon cingepockten Juwelen, deren Wert auf 15.000 Mark veranschlagt wird, zusammen, sondern stahl noch weiter« Wertgegenstände— für ungefähr 25.000 Mark— dazu. Der Mann muß ein wirklicher S p e z i o l i st gewesen sein, denn er riß von den Ketten Anhänger geringeren Wertes einfach ab, um sich»licht unnötig mit Ballast zu beladen. ES gibt 149„sicher«" Heuschuupsenmittel. Eine schwedische Zeitung hat dieser Tage eine „Statistik" derjenigen Mittel veröffentlicht, die Selbstmord des kubanischen Volizelchess und schrecklich« Masienszenen. Havanna, 81. August.(Reuters Der Polizeichef des gestürzten Mochodo-Regimcs, Aincia, verübte bei s e i»»e r F e st n a h m e Selbstinord. Er zog de»l Tod der Einkerkerung vor. Auch ein Mann seiner Leibwache erschoß sich, der noch kurz vorher einen Studenten niedergeschosscn hatte, welcher siH in der Gruppe von Personen befunden Hot, die die Verhaftung vorzunchmci» gepochten. Der amerikanische Botschafter in Hg- vanna übermittelte der Presse eine Erklärung, in de», er vor weiteren Rachetaten aus Kuba warnt. »I» Al» die Volksmenge in Erfahrung brachte, baß der ehemalig« Pouzeiches den Freitod einer Verhaftung vorgezogen und Selbstmord verübt hatte, kam e» zu stürmischen Straßenszenen. Die Volksmenge schleppte di« Leiche de» Selbstmörder» au» der Leichenkam- mer und hing sie auf einen Pfahl, unter welchem ein Feuer entzündet wurde. Der Leich, nam fiel in die Flammen und verbrannte unter de» Flüchen einer tausendköpfigen Meng« zu Asche. 149„sichere" Mittel und Methoden, und die von ärztlicher Seite empfohlenen Verödung der Rasenfchlcsinhäutc ist noch nicht das Merkwürdigste in der Tabelle. Praktisch haben sich von 149 Hcuschnupfcnmittel aber nur die weniasten bewährt, und es scheint doch so, daß daö Beste ür alle tzcuschnupsendell Helgoland bleibt. Kleine Frauen Umschau. Mit 84 Jahren Großmutter. Eine u n g a rische Zeitung veranstaltete kürzlich einen Wettbewerb sur die jüngsten Groß, mütter. Siegerin wurde ein« 38jährige Frau aus Kleinpest(Ungarn). Dieser Rekord wurde jedoch einen Tag später von einer 34jährigen Zigeunerin gebrochen, sie der berühmten Zigeunerprimas- Familie Radies angehört. Ihre 17jahr»g« Tochter, di« bereit« zwei Jahr« lang mit rineni 21 Jahre alten Bolksmustkantcn verheiratet ist, schenkte einem Töchterchen das Leben. Auch d-r Großvater ist nur 37 Jahr« alt. Die Radies-Familie erachtet«S als Tradition, daß di« Männer zwischen 18 und 20 Jahr« heiraten und Mädchen zwischen und 17 Jahren hrimsühren. Hexen in Südafrika. Ein im Stvazi-Land in Südafrika ansässiger Missionär bemerkte unlängst, daß der Kraal eines Häuptlings unweic-Hatikul« in Flammen stand. Als er mit einigen Begleitern hilfeleistend herbei- eikt«, fand er unter den rauchenden Trümmern die verkohlten Ueberreste des Häitptling», seiner drei Frauen und seiner drei Kinder. An dem Zustand der Leichen»var sofort sestzustellen, daß sämtlich« I Bewohner des Kraal» von Mörderhand gefallen »varen und daß di« Täter den Kraal angcsteckt hatten, um di« Spuren ihres Verbrechens zu verwischen. Di« unverzüglich hcrbeigerusene berittene lHolizei nahm«in« Anzahl von Mitgliedern dieses Stamme- fest und ermittelte auch bald, daß Aberglaube die Ursache dieses Mordes gelvesen ist. Selbstmord am Hochzeitstag. Irr der kleinen englischen Stadt Reinham sollte die Trauung de» 25jährigen Kaufmanns Jome- Ro»von um seiner drei Jahr« jüngeren Braut stattfinden. Ti« HochzeitSzerenionie nrar bis in alle Ein^lheiten vorbereitet. Die Eltern und Benvandten warteten bereits in der Kirche, aber das Brautpaar erschien nicht, Nichts Gutes ahtiend, eilte»« die Elter»» noch-Hause und«ahmen mit der alarmierte»» Polizei gemeinsam die Suche nach der» Vermißte»» aus, die jedoch ergebnislos verlief. Fn der» nahegelegenen Wold fand man da- junge Brautpaar erhängt aus. Es hatte seinem Lebe» freiwillig ein Ende bereite». Die Motive dieser schreckliche»» To» sind völlig uner° sindlich. Die Metallarbeiter sind abwebrbereit. In der letzten Zeit mehren sich die Anzeichen, daß die Unternehmer zu einem allgemeinere»» Angriff auf die Loh»»- und Arbeitsbedingungen der Metallarbeiter übergehen»vollen. Bor einigen Wochen versuchten die äkodawerke unter Hinweis auf angebliche Bcrlustprciie bei Aus- landsliefcrungeu(wir hoben über den Konkur- rcnzskandal bei der Vergebung der persischen Zuk kerfabrikcn berichtet) einen allgemeine»» Abbau der Akkordpreise>»m 2V Prozent durchzuschcn. Als diese Forderung auf Widerstand stieß, ermäßigten sic ihre Abüaittvüufche auf 10 Prozent, doch wnrdc auch dies als unakzcptabel erklärt, so daß sich die Verhandlungen zerschlugen. Punmehr scheinen die ßkodawerke eine Repressalie ergreifen zu wolle»», indem sie vergangene Woche de»»» Bc- triebSansschuß des Pilsner Werkes initteiltcn, sic rnüßten 1700 bis 2000 Arbeiter entlassen und trotz sofortigen Protestes ankündigtrn, daß sic bereits In den nächste»» Tage»» eine Liste der zu Entlassenden vorlegen»vürden und zwar von tausend Mann. Daß die ursprüngliche Ankündigung nur als eine provozierende Geste j»i bewerten ist, geht schon daran- brrvor, daß der gegen- wärnge BelegschaftSstaud des Pilsner Werkes rund 8700 Mann beträgt, wovon etwa 1400 periodisch auSgesetzt sind, so daß maximal diese AnSgcsetzien für die E»»tlassung in Betracht kämen»iird keineswegs z»vei tau send, von denen nian gesprochen hat. Anderseits ist di« Sache so, daß ein derart großer Betrieb immer eine gewisse Reserve voi» Arbeitern haben muß,»venu zufällig in einer Abteilung größere Auftrage einlauf««, die erledigt werden inüsseu. Anscheinend Rache zu nehmen und ihn nun aus dem Uinwcge über tue Drohung mit MaksenciNlassungen dennoch durchzuschen. Es erhebt sich die Frage, ob die Regierung das Ermächtigungsgesetz nicht »virklich auch einmal zum Schutze der Arbeiter arNvendcn»vill, da doch zweifellos das Vorgehen der Skodawerkc eine weitgehende Störung und Beunruhigung des össentl»chcn sowie des Wirtschaftslebens darstellt. Die Metallarbeiter»vcrdcn sich jedenfalls eine solche Provokation nicht gefallen lassen und cs ist nicht ausgeschlossen, daß, es zu ernsteren Koinplikationen kommt. Ebenso wolle»» die Kkodawerkc in ihren» Konzrrnbctricb„Avic" einen Akkordabbau er- ztvingcn, wobei sie sich darauf berufen, daß man nun zur Serienerzeugung üoergehe, wobei die Akkoropreis«„automatisch" herabgesetzt»vürden. Die Arbeiterschaft ist da etwas anderer Meinung und tvird ihre»» Standpunkt mit änßcrster Konsequenz wahren und verteidigen. Dieselben Beschwerden komnien von der Waffen- und Motorradfobrik Joneöek in Prag- Pankratz,>vo man in der letzten Zeit ununterbrochen au den Akkordsätzen hcrununanipuliert, naturgemäß nicht iin Sinne einer Erhöhung, ändern ebenfalls einer tveitgehcnden Verschlechterung. Nicht anders ist es in den Konzerubrtriebcn der Böhmisch-Mährischen Maschinenfabrik,>vo ich sogar Fälle ereignen, daß alte, qualifizierte Arbeiter bcc der 14tagigen Abrechnung mit einer Nachzahlung von 20 Kronen nach Hause gehen, nachdem sic bei einer Arbeitszeit von 64 Stunden(in 14 Tagen) die erste Woche einen Vorschuß von 140 liv erhielten, so daß sie also für 64 Stunden Arbeit insgesamt 166 Ifc beziehen sollen. Anscheinend»vill auch die Poldihüttr in Kladno nicht Zurückbleiben und so hat sie mit Wirksamkeit vom 21. August in der Jngoj-Abtei- lnug einet« Akkordabbau von 30 Prozent dekretiert, gegen den sich die Arbcitcrschast ebenfalls zur Wehre setzt. Ganz unverständlich ist«8, daß sich auch die staatlichen Werke an diesem Wettrennen um den Lohnabbau beteiligen, obwohl das Gesetz über den Gehaltsabbau der StaatSruigcstclltcn ausdrücklich sagt, daß sich seine Bestiinmurigcu nicht auf die Arbcitcrschast der staatlichen Bciricbc bezieht, deren ArbcitSvcrhältnissc durch Kollektivverträge geregelt sind. Man umgeht nun dies: Bestimmung damit, daß man die betreffenden Verträge aufkündiat und angeblich über Auftrag der parlamentarischen Sparkommission ganz bedeutende Lohnreduktioncn erzwingen»vill. Bor kurzem wurde ein neuer Kollek.'ivvcrtraa für die staatliche» Kohlengruben abgeschlossen, der recht erhebliche Lohnkürzungen in sich schließt und nunmehr tvird über die staatliche« Eisenwerke in Podbrezovü, Tisovcc und Hroncc(Slowakei) verhandelt, wobei»nan nicht weniger als 80 Prozent von den Löhne» abbaucn wollte. Nach lang wieriacn tagelangen Vcrhandluugei» ist es gelungen, diese Absichjen abzuwchren und ocr neu ab- zuschließende Vertrag wird einen durchschnitt- licheu Abbau von acht Prozent bringen, der aber immer noch äußerst schmerzlich ist, nachdem die Arbeiterschaft der octrofferken Betriebe auch noch stark verkürzt arbeitet. Jedenfalls kann man nicht sagen, daß dieses Vorgehen der Verwaltung der staatlichen Unternehnlliiigcu vom volkswirl- schastlichen Standpunkt besonders vernünstig wäre, da rS einetzteiss eine erhebliche Schwächung der Kaufkraft der Bevölkerung betvirkt, anderseits geradezu als Ailsporu für die Privat- iudilstrie genommen»»erden muß, ebenso brutal vorzugehcu. Wie»vir eben erfahren, lmben auch die Knpserwerke Böhmen in Pöminrrle den Kollck- tivvertrag zum 18. Oktober gekündigt und wollen ebenfalls einen Abbau der Verdienste herbeiführen. Wenn auch die Metallar beiter unter der gcgenluärtigen Wirtschaftskrise schtver leiden, so soll man doch nicht unnütz ihre Geduld mißbrauchen, weil das schließlich zu ganz unangenehmen Konsequenzen führen könnte, üie jedensalls der so uottvendigen Erhaltung der Ruhe!>n Staate oller Wett. I i Der Klub der Schlcchtverhciratcten. Die. Gründung von Vereinen ist in Frankreich augenblicklich sehr in Mode. Sie können jedoch, nicht ein privates und verschwiegenes Dasein fristen wie in Großbritannien, sondern jeder nene Verein muß angemeldet werden wie in Oesterreich und wird im„Journal Official", dem amtlichen Regierungsblatt, veröffentlicht. In der letzten Nummer dieses Organs finden sich Eintragungen von einigen merkwürdig?» Klubgründungen. So hat sich»n einem Cafö von St. Sauveur-de-Montague in der Provence ein Verband„Amicale-Celibat" gebildet, ein FreundschaftSbund von Junggesellen, dessen Mitglieder zwischen 25 und 85 Jahren alt sein müssen. Dce Beiträge sollen für „Essen und Trinken" vcrwendrt»vcrden. Jedes Mitglied, das heiratet, tvird nicht nur ausgeschlossen, sonder»» muß vorher noch ein Festessen veranstalten. Die, die auf diese Weise aus dem Kreise des Junggescllenklubs verbannt sind, haben aber nur» die Möglichkeit, einer anderen provenzalischrn Bereinigung bei- zutrcten, deren Gründung ebenfalls offiziell verkündet wird. Dies ist die„Amicale des Mal MariöS", der FreundschoftSbund der Schl echt- verheirateten. Dieser Klub will allen denen, die in der Ehe nicht das erhoffte Glück gefunden haben, die Möglichkeit der Tröstung gewähren, denn nach dem lateinischen Sprich- tvort ist eS ja bekanntlich ein großes Gnt, im Unglück Genossen zn haben. Eine Kanone schießt nach 15 Jahren. Bei der Hebung deS russischen Kreuzers„S l a tv a", der während de» estnischen Unabhängigkeitskrieges an der baltischen Küste gesunken war, Hal mau eine merkwürdige Beobachtung gemacht. Als man den Mechanismus einer der Kanonen des Schiffes prüfte, gab diese Plötzlich einen scharfen Schuß ab. Obwohl das Schiff fünfzehn Jahre auf dem Meeresgrund gelegen yatte, waren Kanone und Munition augenscheinlich noch in gutem Zustand geblieben, und der lange Aufenthalt im Wasser hatte nicht geschadet. Eine Kolonie für Mrnschenzucht? Ter englische Eugeniker Wickstecd Armstrong trat mit einem Plan an die englische Ocffentlichkeit. Auf der Ebene zwischen Terra do Mar und dem Poronafluß soll eine eugenische Kolonie gegründet werden, in die nur ausgesuchte Exemplare gewisser Rassen ausgenommen werde». In der Gegend, die gemäßigtes Ktima hat, wohne» gegenwärtig einige deutsche und italienische Kolonisten, die zusainnren mit englischen Einwanderern die Kolonie bilden sollen. Im einzelnen solle»» strenge körperliche Anforderungen an die Lctvcrber gestellt werden. So tvird»cdeS Mitglied der Kolonie über gesunde Augen, Ohren, Her; und Lunge verfügen nlüssen und soll einen wohlproportionierten Körper sowie angenehme GcsichtSjüge haben. Anfangs sollen in die Kolonie nur Landwirte ausgenommen werden, später wird n»an Handwerker brauchen. Belte 6 Sfenftoß, S2. Suguft 1989 -k. ins Der ewige Trommler. Von Charly Witt. Schon als Embryo soll Pirpcl Pawiack, wlc man sich erzählt, aus das Zwrrchfcll seiner Mutter so ungestüm getrommelt baden, daß sich die arme Frau nicht anders zu Helsen wußte, als ihn im siebenten Monat unausgereist zur Welt zu bringen. Ob das wirklich so war, weiß ich nicht. Wenn man aber Piepels Lebensweg aus nächster Nähe versolgt hat, ist man geneigt, die Möglichkeit dieses boshaften Geredes mit Begeisterung zuzustimmen. Denn etnmal ist er I)ettte als bereits Eechsutiddreißlger an Körper und Geist noch immer nicht völlig entwickelt, was übrigens auch sein Tpitznainc Piepel ansdrücken soll, und zum andern ist es direkt augensällig, wie gerade die Trommeln bis aus den heutigen Tag ausschlaggebende Faktoren seines Lebensweges geblieben sind. Eigentlich erzähle ich diese Geschichte nicht gerne. Tenn als ich sie einmal im Kreise von Bekannten zum Besten gab, war da auch einer,, der sie später benutzte, um zu versuchen, damit' die Unwrssenschastiichleit des Marxismus zu beweisen, der ja bekanntlich seststellt. daß ,^>as gesellschaf:- liche Seit» das Bewußtsein bestimmt." „Alsdattn", so höhnte die'er Marxlölor damals triumphierend:„leit wann sind Tromtneln gejellsä)astiiche Seinszustände? Und wenn Nicht, wie kommst Tu als Marxist dazu, Karl Marx mi'i Senter Behauptung zu revidieren, ausgerechnet die Tromtneln seien ausschlaggebende Faktoren auf Piepels Bewußtsein gewesen, he?" Wie man sieht, stehen diejenigen, die Mcnx unter keinen Umständen Recht geben wollen, immer auf den Sprung, um Verwirrung anzu- stis en. Und tatsächlich war ich, ehrlich gestanden, so verblüfft durch de» Einwand, daß mir leider erst viel später einsiel, was daraus zu erwidern gewesen wäre. Nämlich, daß in Piepels gesellschaftlichem Sein eben nur darum die Trommeln so bestim- mend sein Bewußtsein beeindrucken konnten, weil er erstens, als Kind eines versoffenen, kaiserlichen Militärmusikers erblich amusilch-inusikalisch belastet war, und zweitens, warum sollen denn ausgerechnet Trommeln nicht für das Bewußtsein eines Menschen Bedetttung haben köntten? Gehören die Trommeln, von denen ich erzählen will, etwa nich: zum heutigen gesellschaftlichen Sein? Oöcr will man vielleicht behaupten, Piepel Patv- lack wäre hier aus Erden bereits von den Geistertrommeln sphärischer Pojauuentöne nach rechts und links, vorwärts utcd rückwärts gewirbelt worden? Mit den Trommeln als Schicksal, das dent Piepel von ötinkle»„mctaphysftchcn Urkräften" auserlegi wurde, ist es also nichts. Vielmehr hat er die Trommel Nr. I, übrigens eine ganz ordinäre, blecherne Kinderpauke, zu Weihnachten erhalten, angeblich weil er so>chö» brav gewesen sei und nicht mehr mit dem Finger in die Nase gebohrt habe. Bis tief in den Jänner hinein, lärmte der kleine Piepel damit aus unserm Hof herum. Dann »ahnt sie ihm der Schuster Fettdrtchs, der unten im Keller hauste, weg und zertrampelte sie vor seinen nnd seiner Mutter Augen zu einem elenden .Häufchen Blech. Vier Wochen später sand deswegen eine Äerichtsverlzandlung statt. Und da ich selbst als Zeuge bekunden mußte, daß der Angeklagte den Piepel auch verhauen habe, bekam der Schuster eine etnpfindlick)e Geldstrafe ausgebrumntt. Außer, dein wurde er„int Namen des Kaisers zur Wiedergutmachung des anaerichteten Schadens angehaltett". Am anderen Morgen schlug Piepel auf Trommel Nr. 2 vor des Schusters Fenster solange den Wirbel, bis jener anfmg bitterlich zu weinen und sich voller Verzweiflung die Ohren mit Pech verstopfte. * Armer D.F.C.r Ganz ehrlich ist ja unser Mitleid mit dem Prager Nobelklud nicht, trotz der Niederlage iu Berlin. Aber nahe daran sind wir, wenn wir sehen, daß sein einziger Verteidiger die„B o- h e ni i a" ist. Und wie sie ihn verteidigt! Ganz so, als ob sie nicht wüßte, worum es geht. Wenn man die„Bohemia" liest, könnte man fast meinen, daß der D.F.E. seinen jüdischen Spielern einen Gefallen getan hat, indem er sie nicht z w a n g, nach Berlin zu fahren. Kein Gedanke daran, daß es sportliche Solidarität erfordert hätte, für die jüdischen Kollegen, denen der D.F.E. ja schließlich auch etwas zu verdanke» hat, Sicherheit und Gleichberechtigung zu fordern und durchzusetz.'tt Nach der„Bohemia' handelt es sich doch um Sport und nicht tun Politik. Warum also diese politischen Konzessionen an das Hakettkreuzreginte? Zu allem Ueberfluß benützt die„Bohemia" noch die J-dee der Kulturverbundenheit mit dem deutschen Volk, um die Blamage des deutschindischen Klubs zu bemänteln. Der Frage, ob das Hitlerregime die deutsche Kultur oder überhaupt eine Kultur repräsentiert, wird die„Bo- hemia" ohne Verständnis gegenüberstehen. Vielleicht findet sie aber eine Antwort aus die Frage, warum die Verbundenheit mit dem gleichgejchal- teten deutschen Sport die Verbundenheit der D.F.E.-Mannschaft so schnell aufgelöst hat. Verbinden den D.F.E. mit seinen Spielern und Mitgliedern also keine kulturellen Bande? Wer den Gedanken der„Bohemia" weitersnhrt, muß die Frage verneinen. ES steht ihm frei, anzunehmen, daß beim D.F.E. an die Stelle der Knlturver- bundenheit etwa der Kassier getreten ist. Der Königsgedanke der„Bohemia" kommt aber erst zum Schsttß, wie es sich fiir eine rich- tige Ueberraschung schickt: „Es wäre denn doch zu grotesk, wenn heute oder morgen oder in einigen Wochen etwa ein tschechischer Klub die Einladung einer deutschen Vereinigung annehmeu würde, während der D.F.E. in dem ihm vom„Sozialdemokrat", noch dazu unter wahrhaftig wenig schmeichelhaften Glossen angewiesenen Boykottschmollwinkel sitzen bliebe!" Es wäre wirklich schrecklich, wenn die andern das Geschäft machen! Auf die„Bohemia" übertragen würde das heißen: Kein Wort gegen die H'illerei, natürlich nur wegen der Kulturverbun deuheit mit dem Deutschtum, aber— es tväre denn doch zu grotesk, wenn der Herr Kahünek den deutschen Fafeis-mus lobte und die„Bohemia' faße int Schmollwinkel! Geriditssaal Das geheiligte Abzeichen. Obrigkeitliche und gewöhnliche Grobheit. Prag, 21. August. Touristen und anderen harm- kosen Ausflügler» geschieht es häufig genug, daß in Wald oder Flur plötzich ein stämimger Mann mit Änotenstock und barschem Gejichlsausdruck ihnen den Weg verstellt und ihnen eine mit de» saftigsten Kraftworten gewürzte Ansprache hält, deren kurzer Sinn ist, daß der von ihnen eingeschlagene Weg ein verbotener Weg sei und daß städtische »RAGER ZEITUNG vor deS Vereinsna chridtfen Kunst und Wissen B Aus der Partei Gertrud Kraus tanzt. Als erste künstlerische Veranstaltung des zur Zeit tagenden Zionistenkongresses konnte in Prag eine Wiener Tänzerin erstmalig austreten, deren außerordentliche Qualitäten das Niveau des Abends, der im übrigen mit Turn- Vorführungen ausgefüllt war, in seltene Höhe hoben. An ihren Tänzen verblüsst vor allem die Nebtrsülle an Ausdruckskraft: diese junge Fra» beherrscht ihren Körper wirklich bis zu den letzten Möglichkeiten des Ausdrucks. Ob sie uns in vollkommenster Durchftih- rnng Blzets hinreißenden Tango, ob sie uns Manuel de Fallas oft und oft getanzten Feuertanz oder eine erschütternde Pantomime von Beer„Wodka" bringt, immer werden wir von ihrem rhythmischen, musikalischen Verständnis, ihrer Intelligenz, der restlosen Beherrschung seelischer und körperlicher Ansdrncksmittel hingerissen werken. Wenn Tanz sichtbare Sprache der Seele ist, so wird in diesen Darbietungen diese Forderung restlos er- füllt. Was aber am meisten begeistert, ist die unerreichte Musikalität, die aus jeden« Detail ihrer Tänze spricht, die jeder für sich ein vollendetes, durchdachtes Spiel sind. Ter Tanz im Dienste des Gedankens, der Empfindung, der Tanz als Bindemittel der Menschen, ja der Volker, erscheint uns hier in reinster und klarster Darstellung, das ist ein seltener Genuß, der uns wohl auch'n Nahmen wird geboten werden können.- reiner hatte Abg. Dr. Goldstein nubejtr folg- sich von vornherein jedes Widerspruches! Melallabzeichen ist der sichtbare Ans- „obrigkeitlichen gegenübersteht, einem Mann, der inrnsreiem • AIS Fest- treuen Er- Weuiger hat die Turnaka>em:e gefallen; die Versuche einer Gruppe südslaw'ich.-r Makkabäer mit klotzige» Gliedern und stützenden Muskeln zarte Gruppentänze nach Grieg vorzuriihre.i, wurden nur dadurch vor deut Lacherfolg g.'rette:, daß die blau- weiße Nationalsahne in letztem Moment wznjagcr gehißt wurde. Daß mau ferner Gertrud Kraus zumutete, aus einer Bühne zu tanzen, deren Hinter- gründ von Turngeräten geziert war, gehör: auch zu den Anuehiuiichketten der mange.'ha'teü Organisation des Kongresses, die unangenehm ausfä'.lt. W. La Bagage auch ihre Auge» besser ausmachen solle, statt an den Verbotstafeln vorbeizulausen. Heiß blutige Leute werden leicht geneigt sei», diese lan desüblichen Höflichkeiten in gleicher Münze zurück- ziizahle». Bevor sie sich jedoch zu einem solchen Be ginnen hinreiße» lassen, sollten sie den R o ck des Grobians sorgsam mustern. Wenn nun atu Rock au s s ch l a g oder sonstwo aus der linken Brustseite eine M e t a k l f ch e i b e schimmert— dann begebe man Tenn diesem druck dessen, daß mau einer P e r s o n' der hohen Bezirksbehörde einen T I e n st e I d als Fe ldhü t er oder Waldheger abgelegt hat, mit einem Wort, einer beeideten Amtsperson, deren Unverletzlichkeit das Strafgesetz in rührender Weife schützt. Eine solche Amtsperson hat in ihrem Dien sl e i d n. a. auch beschworen, vor Gericht stets die Wahrheit a u s z» f a g e n. Tank dieser Schwurklausel genießt denn auch ein solches obrig keitliches Organ vor Gericht einen Glauben, der iinr durch ganz schwere Beweismittel zu erfchüitern ist. Die Autorität der Obrigkeit muß eben dem„Untertan" gegenüber auch noch in ihrem ge ringsten Vertreter sorgsam geschützt werden. Einer „A m I S p e r s o n" gegenüber wird jedes scharfe Wort zur„A m I S e h r e n b e l e i d i g u n g", jede Halbwegs nach„Bedrohung" anSfehende Geste zum«Verbrechen der öffentlichen Gewalttätig keit". Ein solcher Fall wurde heute vor dem ersten Strafsenat eröffnet, aber allerdings kur; nach Be ginn wieder vertagt, weil sich wichtige Zeugen nicht eingestellt hatten. C*” f war von einem solchen beeideten Hüter wegen Kommet alle! unerlaubten Lagerns aus einer Wald-, wiese gestellt morde». Der Hüter erstattete dann die Anzeige, er sei für seine dienstliche Handlung verprügelt worden, die Zeugen geben dagegen ein h a a r st r ä» b e n d e s 2 ch i m p s r e g i st e r zu Protokoll, das diese Amtsperson als Einleitung der Amtshandlung von Stapel. gelassen hatte. Schließlich habe der Hüter den Stock gegen sie erhoben und da hätten sie sich freilich zur Wehr gesetzt. Das geheiligte Abzeichen, kraft dessen der gewöhnliche Mensch zur Amtsperson wird, hätten sie nicht gesehen, sondern den Angreifer einfach für einen Lümmel gehalten— allenfalls für einen Betrunkenen. Ter Hüter b e st r i 11 unter Be> rusung auf seinen A m I s e i b diese Behauptungen, auf denen wieder die zwei wegen„öffentlicher Ge- Fugendsektion Prag, walttätigkeit" angeklagten Wanderer— übrigens am 16. und 17. 2*** absolut einwandfreie Leute— mit allem Nachdruck denken beharrte». Da wie gesagt, nicht alle Zeugen erschie ne» waren, mußte die Sache vertagt werden, rb. Augcnvbewegung. 2. I. I. Heute um 8 Uhr abends Vortrag Genossen K r e j fi i über„Ausgaben der Sozialistischen Eine kleine Tourislengesellschast S»«e»d" im Heim der S. I. II iGcwcrkschasiShaus). Allgem. Angestellten-Verband, Jugendsektion Prag. Mittwoch, den 28. August, abends halb 8 Uhr, im„Verein deutscher Arbeiter" Ausschuß- s i tz» n g. Um 8 Uhr im sxlbcu Lokal Monats- Versammlung. Tagesordnung:„Fugendtressen Reichen berg und Bunter Abend der Ortsgruppe". I Allgemeiner Angestellten-Verband, Reichenberg, "_> Wir beteiligen unS an dem . September in Reichenberg stattfin- „Fugendtreffen des A. A. A." TaS vorläufige PrograNtm sieht wie- folgt aus: Samstag abends: Große Fugendfeier, verbunden mit der Ausstellung„Unsere A r b e i t".— Sonntag vormittags. Sportliche Wettkämpfe sür Burschen und Mädchen. Fünfkampf: IM Meter-Laus, Kugelstoßen, Hochsprung, Speenversen, Wettsprung. Gr u ppen ka m p f: Faustball,-1 mal 100 Meter-Stasfellauf.— Sonntag vormittag: B e r u s s w e 11 k ä m p s e in Stenographie, 'Maschinenschreiben sowie Uebersetzungen aus dem Tschechischen und ins Tschechische.— Sonntag nachmittags: Ausflug ins'Jsrrgcbirgc: Unterhaltung bei Spiel und Tanz.— Teilnehmerbetrag 10 K. Anbegriffen: Abzeichen, Uebernachtung und Mittagessen. Allen Teilnehmern wird die Wander- k l u f t empfohlen.— Anmeldungen sind bis s p ä- Auch mit der Trommel Nr. 3 ging es sehr natürlich und real zu, obwohl sie im getvissen Grade mit der Metaphysik znsammcnhing. Und zwar war Piepels Mutter, die als allrinstehcn-c Waschfrau ihr Geld verdienen mußte, mit-em Gemeindepsarrer übereingekommen, daß ihr Sohn einen Konfirmanten-Anzng aus blauem Kammgarn umsonst erhielte, wenn er dafür als Trommler dem Spielmannszug des Evangelischen Jünalingsverein beitreten würde, Ta.'sachlich Ivitrde Piepel, irotz-om wir Schulkameraden ihir arg verhöhnten, Trommler bei den „Evangelischen", und wenn nicht drei Aahre später-er Weltkrieg gekommen wäre, schlüge er bestimmt noch heule als Mann ntit Bart un- Glatze, die blaulackierte Trommel der frommen Jünglinge. Auch von Tronnnel Nr. 4 kann man mit dem besten Willen nicht behaupten, sie sei ihm vom Unersorschlichen als Schicksal auserlegt worden. Wenn ich diese Trommel auch nicht gerade pcr- söttlich zu Gesicht bekommen habe, so schrieb mir doch Freund Alex einmal ausführlich davon. Und zwar war es in einem Briefe von der Ostfront. Darin stand, daß unser gemeinsamer Schulkamerad, Infanterist Piepel, zum ersten Male im Leben(und dann nie wieder) Persönliche Entschlußkraft gezeigt habe, indem er sich einen Druckposten eroberte. Er sei nämlich Trommler im Tiabschor geworden und nun— hat der Bengel Schwein!— einige... zig Kilometer vom Graben weg. Da ich gerade als kaiserlicher Matrose ein Himmelsahrtskommandv inne hatte, beneidete ich Piepel Pawlack sehr. ch Vollkommen unmöglich wird eS den metaphysisch orientierten Marxlölcrn aber erst bei Trommel Nr. 5 sein, zu behaupten, dunkle Urkräfte l)ätten hier ein Schicksal geformt. Denn diese Trommel habe ich selbst Piepel sozusagen in die -Sand gedrückt. (Schluß folgt.) testens den 2 5. August brieflich an die Leitung der Augendsektion Prag einzusenden. Es ist notwendig, daß ein jeder bekannt gibt, ob er an den sportlichen Wettkämpfen und an dem kurzen Sprech, chor, den die Prager aufführen, Icllnlnnnl. Anmeldungen sofort abgeben! Gäste willkommen! Der Film Mit Fox um die Welt. Jeder Besucher kennt die Misere der Wochenschauen; nur selten wird in den jetzt auch noch tönenden Aktualitäten aus aller Welt die These vertreten, daß es würdige Menschen außerhalb der Smoking, oder Rationalliedwelt geben kann. Sowohl die„Paramount" als auch„Fox" nnd natürlich besonders die gleichgeschalteten„Ufa"- Wochenschauen überbieten einander im Wetteifer um die Festhaltung herrlicher Auto-, Motorrad- oder Pferderennen und wenn es ganz hoch geht, darf man bewundern, wie die diversen Böller ihren mehr oder weniger apostolischen Herrschern begeistert zujubeln oder die Heimkehrer ans der Schlacht(besonders in Japan) mit Blumen überschütten. Nur selten gibt« einen Einblick in die wirkliche Welt des Alltags, der Sorgen oder der Not, aber auch da muß schon eine entsetzliche Katastrophe herhalten, um den Operateur zu wahrheitsgemäßer Arbeit zu bewegen.— Dieselbe Gesellschaft Foxsilm, deren Wochenschauen direkt aus dem edlen Stahlbad abzuleiten sind, gibt alljährlich Reportagen aus aller Welt heraus, dir unter dem Namen„Fox' fliegende Teppiche" allergrößte Erfolge haben; denn sie sind außerhalb Rußlands fast die einzigen regelmäßigen sozialen Reportagen nnd reproduzieren mit verblüffender Deutlichkeil und Wahrheit die soziale Lage der Geknechteten dieser Erde. Ob sie den Broadway, ob die Habesch, den Aang-tse-kiang oder Rom zeigen, immer gibt es einige erschütternde Streiflichter in den Alltag de« sozialen Grauens der Unterdrückten; erschüttert uns die Not der römischen Bettler am großartigen Kalos- sein», so empört uns noch mehr die Versklavung der chinesischen Kulis. Nur selten werden wir in dieser Serie, die immer tadellos photographierte Bilder zeigt, jene Verlogenheit entdecken, die uns die nor male Filmreportage so verhaßt macht: in letzter Zeit war es nur„Ein Tag bei der Fremdenlegion", der uns zum Protest herausgefordert hat. Bei der ver bluffende» Qualität dieser Kurzfilme, ihren Lehr wert und ihrer ausliegenden unverfälschten, aulklärenden Funktion muß es doppelt wundern, wie systematisch nnsere Kinos ihre Programme von diesen einzigartigen Kurzfilmen sreizuhalten verstehen. Ein »och so törichter nnd geschmackloser Film mit Szöke Szakall findet immer mehr Abnehmer als die überzeugendste Reportage über das Leben in Shanghai: und diesem Unverstand entspricht auch die Praxis des Handelsministeriums, das natürlich die verdummenden Produkte der deutschen Reaktion ohne Schwierigkeiten hereinläßt und die Aufllärung von den Kinos tunlichst fernhält. Hier wäre viel nachzuholen... W. Lg. Mm« in Prager UffitsDlelMusero bis einschließlich Donnerstag, den 2s. August 1932. Adria:„Nantenlose Helden."— Alfa:„TaS Lerchenlied."— Fönix:„Auf der 2 p u r."— Flora:„Studenten-Hotel."— Gaumont:„Madame wünscht keine Kinder"— Hollywood:„Ptadame tvünscht keine Kinder."— Hvözda:„Namenlose Helden."— Juliü: Weitere neue ausgezeichnete Lustspiele mit Szöke Szakall.— Teutsch.-- Koruna: „Die unsichtbare Frotit."— Kotva:„Don Quichotte."— Lueerna:„Don Qu icho11e."— Metro:„Tie Nacht der großen Liebe."— Pasiage: „Weitere neue ausgezeichnete Lustspiele mit Szöke Szakall.— Deutsch.— Praha:„Voruntersuchung." — Radio:„Tie weiße Welt."— Skaul:„Nietn a n d s l a n d."— Svötozor:„Die Nacht der großen Liebe"— Alma:„Das Lied der Arbeit."— Bafkal:„Die nackte Frau."— Favorit:„T Phantom der Rennbahn."— Kapitol:„Weekend int Paradies."— Lido:„Anton Äpelrc— der Scharfschütze."— Louvre:„Brennendes Geheimnis"— Baldek:„Studenten Hotel."— Belvedere:„T-aS Abenteuer einer schönen Frau."— Beseda:„Ter weiße Dämon."— Illusion:„Wenn die Liebe Mode macht."— Sport, Smichow:„Melodie der Liebe" — U Bejvodü:„Der Millionendieb." Unsere Waffen: Dentsdiiand am Hakenkreuz. Dokumente des Hunnenfaschismus 64 Selten Text, 4 Bildseiten Kö 2.- Selbstmord einer Demokratie von Otto Frieder 48 Selten Kö 2.- Für die Einheit der Arbeiterklasse Eine Auseinandersetzung mit den Spaltern und Verderbern des Proletariats— ein Aufruf zur Einheit und zum Kampf 40 Selten Kö l.b Organisationen und Kolporteure habe., bedeutenden Rabatt.— Bestellungen slm an die Zentralstelle für das BUdungswesei Prag U., Nekdzanka 18, zu richten. Hr,,,«,«b,r t•• b- S 111< b< 11, a t: u 1« tz,« r- BcunttaMttliAn gekottnr Dr. Em» Strotz, dr»,- Druck!.««!»'?.«•. tit ganm». unb BuchdruU, dr»,.— Für»ro tut»rumlwllNUch vn» öolit itu,•> ifiu R'i.,n,tinarlriittant»ni< suttt oon bat fiok. a. Itle,ca,brnbi{inlM alt Erlatz Nr W.B00/Vn