Renaudel auf der Internationalen Konferenz Der ein * der Arbeiterklasse durch dal deutsche l des des Presse in der Arbeit sehen, und den Vcr- rein masjen es ist eine Auffassung entstanden, die meint Worte der Klärung. Aus der Diskussion, soferne sie am Moittag. den 21. August, abgchalten wurde und an der sich Friedrich Adler, Vanderveldc, Pietro Neun! und Grimm beteiligten, tragen wir einige interessante Stellen nach:,.... Adler:„Weimar kommt nicht wieder". Tie Aussprache, die mit größter Offenheit geführt werden soll, muß ausgehen von den Ereignissen in Deutschland, die eine neue Lage sür hie Internationale geschaffen haben. Nun lehrt di« Desorientierung Ereignis: was wir Vie„neutrale“ Presse und die Abwehr des rasctsinus. Die behördliche und justizielle Bekämpfung des Fascisuittä bleibt eine halbe Maß- nähme, solange der demolratische Staat nicht auch Mittel und Wege findet, der Propa- gic r u n g des fa s c i st i fchc n U n gc i- tes durch die Presse Grenzen zu setzen. Was Schul« und Rundfunk betrifft, so lassen die bisherigen Schrille der Negierung ja auch viel zu wünschen übrig, insbesondere bleibt das Einschreiten gegen die fascistische Rundfunkofsensive in der Tschechoslowakei Stückwerk, so lange man nicht an die notwendige Errichtung eines deutschen Senders schreitet, aber hier sind innnerhin ernst-, hafte Bemühungen erkennbar gewesen. Anders steht es der Press« gegenüber. Solange sich die Bekämpfung der fascistischcn Presse auf die dem Buchstaben nach greifbare Verletzung des Gesches, auf die ausdrücklich erfolgte Aufforderung zum geivaltsamen Sturz der Verfassung oder der Verletzung der Staatsintegrität beschränkt, ist g a r n i ch t s g e t a n. Das war aber die bisherige Praxis bei uns. Die Fascistcn beider nationalen Couleurs, gescheiter als die sie verfolgende Bürokratie, inerkten sehr bald, welck>c herrlich große Maschen Zensur und Vlesctz lassen» Sie propagieren den fascistischcn Mordgcist, sie verherrlichen die Taten des deutschen und des iialie- nischcn Fasersnms, aber sie hüten sich wohlweislich, deni Buchstaben nach die tschechoslo- wokisch« Berfassung auzugreifcii. Sic preisen die Hitlcrregierung, aber• für die Tschechoslowakei bleiben sie die wärmsten Verteidiger der„Demokratie".und ihre Kritik der Regie« rungomaßnahnien erfolgt vom Standort eines radikalen Liberalismus aus. Man konnte diese neutrale letzten Zeit wiederholt an der Nicht mtr um der Konfiskation boten anszuiveick)«n, auch aus pft)ck)vlogisck)ctt Gründen Hal sie ihre Taktik geändert. Alles, was in.^itlerdenischland geschieht, zu loben und zu verteidigen, hat sie längst anfgegcben, weil auch deni dümmeren Leser Bedenken aufsteigen mußten..Henk« geht diese Sorte Presse, zu der fast alle deutsch- böhmischon Provinzblätter gehören, weit geschickter vor. Zwischen die Lobhudeleien wird vorsichtig dann und wann«ine Kritik einge- schoben— eine wohlwollende Kritik, versteht sich, die niemals das Blaß von Gehässigkeit erreicht, mit dem man der Sozialdemokratie begegnet. Der Leser erhält auf diese Weife, besonders wenn er in der echt liberalen Denkart erzogen ist, die eine„sachliche" Kritik immer als wünschenswert ansieht(„Kritik muß sein, aber sachlich! Keine Parteipolitik! Keine Hetze!" sagt sich Herr Schulze), den Eindruck, ein objektives und hartci- los e s Blatt vor sich zu haben, das ihn einwandfrei informiert. Wenn man ihm Dienstag eine Kritik der Hitlerei vorletzt, jo glaubt er um jo leichter, was ihm von Mitt- tvoch bis Sonntag an Märchen über die Ar- beitsbcjchasfung und die kulturellen Errungenschaften des Dritten Reiches serviert wird. Oft genügt ja schon die Auf m a ch u n g, um einer Meldung eine bestimmte Tendenz zu geben. Die dummdreiste Anfrage des Reichs« nwalts an Romain Rolland wurde von der Bürgerprcsje mit aufgeregten Letter» Wiedergegeben, als ob es sich ihier nicht um einen albern frechen Schwindel, sondern um einen ernsthaften Versuch, sei cs l die Wahrheit zu finden oder daü eigene gute Gewissen zu erweisen, handeln würde. Auch sonst benützt die bürgerliche Provinzprrjje die s^orm, die sic ihren Nachrichten gibt, zur Verklärung des Hnnncnsascismus und cupsichlt schon rein drucktechnisch den Namen Hitlers und die Taten der Braunhunncn der positiven Beachtung der Leser. Der„Tcplitz-Schönaucr Anzeiger", der ein Musterbeispiel der ncutralcu Press« ist, die 00 Prozent Lügen durch zehn Prozent halbe Paris, 22. August.(Eigenbericht.) zweite Tag der Internationalen Konferenz begann mit einer Rede R e n a u d e l s, der im Namen der Rechten der französischen Partei sprach. Er erklärte, daß er und teilte Freunde kein« Spaltung wollen. Ti««ütscheidcubc Tatsache sei, daß die Entwicklung nicht in allen Ländern"gleichen Schrill hall.'In den demokratisch.un«ntwick«ltrn Ländern könnten, sich di« iözialistischcn Parte:«"« der Propaganda allein:"widmen- In."den.Andern der entwickel!«« Demokratie müßten die"sozialistischen Parteien in. bat politisckte Leben«ingreifen. Tie könnten sich Berührungen und Beziehungen mit anderen sozialen Kräften und Gruppen nicht entziehen. Nicht erstarrt« Formeln, sondern klare Antworten ans konkrete Fragen und den Willen zum Handeln brauchten wir," damit nicht ohne uns und gegen uns Tinge geichähen, di« unser Wille heute meistern könne. Im übrigen bekannten sich Renaudel und sein« Freunde zu den Prinzipien der Demokratt« und der Internationale■ tDie Hoffnung unserer Feinde auf ein« Spaltung der sranzösitcktk» Sozialdemokratie und eine Fascisierung ihres rechten Flügels sind also zu Wasser geworden. T. Red.) England verachtet Hitler. Ter Sprecher der englischen Arbeiterpartei, der frühere lintcrstaatsserrekär im Außenanrt Alton, führte u. a. ans: Ti« Konierenz lagt unter zwei schwarzen Schal- ren, der deutschen Katastrophe und-er Drohung einer neuen Krieger. Tie Verachtung, di« di« Hitlerregie« rung in ganz England sind«!, ist unvorstellbar groß. In dieser Frage gibt cs in England nur «ine Meinung Ti« Gewerkschaften, Genosst-nlchasten und die politische Arbeiterbewegung haben.ihre Ablehnung gegen di« Hitlerbarbarei bekundet durch den Boykott deutscher Waren und wir wissen, daß dieser Boykott heut« schon fühlbar ist." Wir bewahren die tiefste» Sympathien kür die Mass« des deutschen Volkes, ab«r wcn'n di« deutschn R«. qierung sp.richi, sind wir nickt'bereit, zu hören Wir mein«»,»nv« iknropo-". Das heut« notwendig ist, ist die kräftigste, entschiedenste Gegenwehr Internationalismus gegen alle Forme« Rationalismus. brauchen, ist ein Programm der Internationale. WaS die Arbeiter in allen Ländern beunruhigt, ist nicht die Frage, was wir tun werden, wenn wir die Macht haben, sondern die Frage, w c l ch« W r g e zur Mack i wir zu gehen haben. Nicht um einen einzigen Weg handelt cs iich, sondern di« Wege zur Macht gilt cs zu zeigen. Tic Arbeiterschaft hat auS den Ereignissen in Deutschland vielfach geschlos- scn, daß der Weg der Demokratie ungangbar sei. Ja,'"’’..’ weil der Faseismus in Tciitschland gesiegt habe, inüsse der FascismuS überall.'kommen. Di« Aus» sassung, daß dcr FasciSmuS' eine unausweichliche Phase dcr Entwicklung sei,"ist eine fatalistische Irrlehre. Das, was in Deutschland geschehen ist, ist keineswegs das Schema der' Entwicklung in allen kaptlalistisckcn Ländern. Die.Behauptung,, daß der 'Weg der Demokratie ungangbar fei,, halten wir sür j Völkerbundes die Hitlerei entfaltet. All« Versuche, den Völkcrbundkommissar zum Einschreiten zu bewegen, sind vergeblich geblieben. Mit einer Rede P a n k e n S, Amerika, der das neue Wirtschaftscxpcrimcnt in den Vereinig- ten Staaten und feine Wirkung auf Sic amerikanische Arbeiterbewegung schildert, schließt dcr heutige Tag. Nazinugzeug Ober tsdicdioslowahisdiein lieblet Wie wir erst jetzt erfahren, überflog am 12. 2l«gnft, um halb 4 Nhr nachmittags ein deutscher Eindecker vie(tzenleiuve Weihwasser im Bezirk Iauernig«nd warf in grotzen Mengen nationalsozialistische- Propagandamaterial ab.(M wurde zum Bezug eine- reichöde«»1schen Naziblatte- und zum Besuch de- Fluglage- einer SA-Standarte aufgefordert. Ein solches Flugblatt erliegt in der Äedaktton des„Sozialdemokrat". in Europa behandelt, dann wäre manches anders geworden. Damals ist diktiert worden und später kamen die Diktatoren. Wen» man also vom Versagen der deutschen Sozialdemokratie spricht, dann muß auch festgestellt werde», das Versagen der Internationale, das Versagen Europa- gegenüber der Verantwortung, dir ans Millionen Toten dcS Weltkrieges für die Regierenden aller Länder entständen. Trotzallcdem wird Deutschland das Land sein, in dem di« soziale Rrvolution beginnen wird. Wels schloß sein« Rede mit einem ergreifende» Appell: Wir sind außerhalb Tcntschlauds, aber nicht- kann unS von den Genossen jenseits der Grenz« trennen. Wir wissen: di« Herzen nnse. rer gepeinigten Genossen schlagen mit unseren zusammen, sie schlagen mit allen in der International«. Es vergeht kein« Stund« d«S Tages und d«r Nacht, in der nicht alt«, grauhaange Kämpfer und Tausend« unserer todesmutigen Junge» fick zusammrnsind«« im Kamps um den Sozialismus, in d«r Vorbereitung der kommenden Abrechnung. Helft ihnen, sie hoffen auf Such! Riedziolkowski- Polen, tritt für Bündnis dcr Arbeiter und Bauern ein und macht auf die großen Gefahren aufmerksam, die in Danzig drohen» wo sich ynter- den Augen dcS Unsere Stärk« ist, daß wir zugleich Bürger eines Landes und Soldatin der International« sind. Di« Internationale, zweimal geschlagen, ist zweimal wiedercrstauden, und wenn sie morgen vor einer neuen Katastrophe stünd«, so würde cS in der Stunde der Gefahr in jedem Lande Genossen geben, dir vorangehen mit dem Rus: ES leb« die Internationale! In den Ländern, in denen die Demokratie wieder erobert werden muß, tarnt es nicht einfach die Wiederkehr zu den Zuständen vor dem Faseismus sein: an dem Tag, an dem die Demokratie dort siegen tvird, wird cs di« r c v. ol u t i o n a r e und s o z i a- l i sti sch.e Demokratie sein. T«r Kampf gegen den Faseismus muß iu jedem Lande mit allen Mitteln geführt werden. Dazu gehört der international« Boykott gegen Hitlerdeutschland: Es gilt(mit erhobener Stimme), di« tollen Hunde Europas außerhalb des für Menschen geltenden Rechtes zu stellen. Renni:„Wer«ine Revolution tzalb macht, gräbt sein eigene- Grab". In der Nachmittagsjitzung sprach zuerst N c n n i < Italien): Die Ereignisse in Deutschland sind dcr Endpunkt der revisionistischen und rcsormistischeu Entwicklung der Nachkriegszeit. Wer ei n e R e v o l n- tion halb macht, gräbt sein eigenes Grab. Die wichtigsten Fragen sind heute die Wiederherstellung der Einheit der Arbeiterklasse und die Wiederherstellung dcr Verbindung mit den Mittelschichten. Sollen wir erleben,-wenn heute oder in zehn Jahren Hiller gestürzt wird durch die proletarische Rcvolulion, daß dann sozialistiicke und kommunistische Arbeiter«inander-in die Haare sahren? Ist«s möglich, daß inan da« in Moskau nicht begreift? Ist es möglich, daß man in Moskau, wo man Freundschaftsverträgc schließt, mit dem Polen PilsudsklS und dem Italien Mussolinis, keine j Freuudschostsverträgc mit dem sozialistischen Proletariat schließe» will? Seite 2 Mittwoch, 28. S«Wst IMS Str. 12« Wahrheiten glaubhaft zu machen versteht, ein Blatt, das täglich aufgeregte Meldungen über den Rückgang der Arbeitslosigkeit im Hunnenreich bringt, nimmt z. B. die Nich:bestätigung der nationalen Bürgermeister zum Anlaß einer Kritik, die sich auf all die Argumente stützt, die dasselbe Blatt für Deutschland nicht gelten lassen will. Die derzeitigen Maßnahmen der Regierung erfüllen angeolich„jeden wahren Demokraten mit Besorgnis"— also wohl die-Herren, die von Hitlers Demokratie begeistert sind! Die AbwchvmetHoden der „heutigen sich demokratisch nennenden Regierungsparteien"(man beachte die verlogene Formulierung! Tie sich„demokratisch nennenden" Parteien repräsentieren den Willen von mindestens 60 Prozent der Bevölkerung!) rechnen nicht mit der Mentalität der Bevölkerung. Das werde besonders an der Absetzung der nationalen Bürgermeister deutlich, die sämtlich„ihre Aemter sehr gut verwalteten". Als ob nicht Tausende„marxistische" Bürgermeister in Deutschland ihre Aemter ebenfalls sehr gut verwaltet hätten! Was tut man, unter dem Beifall der Bürger- presse, denen an! Man schickt sie in Konzentrationslager oder erfindet Korruptionsaffären, um die eigenen Schweinereien besser motivieren zu können. Es liege gerade, meint der„Teplitz-Schönauer Anzeiger", im Sinne einer wahren Demokratie, daß sie„auch die L e i st u n g e n des Gegners anerkennt". Und darauf folgt nun ein Satz, der richtig sein könitte, wenn er anders gemeint wäre: Tas Beispiel Deutschlands hat gezeigt, wohin es führen muß, wenn die Demokratie dahin mißverstanden wird, daß eine Partei gute Leistungen einer anderen Partei nicht anerkennt und durch diese S e l b st s u ch t— bis hierher hätte man meinen können, cs sei richtig und eine Kritik der Parteidiktatur der Nazi— dir Demokratie diskreditiert. Die Demokraten in Deutschland haben also durch Selbstsucht(indem sie den Nazis kein Haar krümmten und sie ihre Privatarmeen organisieren ließen!) die Deniokratie diskreditiert! Das Blatt fragt weiter: Haben unsere Sozialdemokraten aus der Entwicklung in Deutschland nichts gelernt...? O doch! Und weil wir etwas gelernt haben, fällt es uns nicht im Traum ein, die Lehren der Bürgerpresse zu beherzigen, mag sie sich noch so wohlwollend stellen. Der scheinheilige Rat, wir sollten doch jetzt„durch wahrhaft demokratische Taten(wie sie sie gern sähen!) der Demokratie neue Arrhänger gewinnen" verfängt nicht, gerade weil er nach den deutschen Ereignissen kommt. Die haben nämlich bewiesen, daß Mörder dtlrch gutes Beispiel und Ueberredung keineswegs zu Lämmern, Brandstifter, Stellenjägcr, Raubgesindel durch gute Behattdlung nicht zu damokratischen Staatsbürgern werden. Wenn es beim„Anzeiger" den„A n s ch e i n" Hot, „als ob die Sozialdemokraten unbelehrbar waren" so trügt ihn dieser Schein. Wir sind belehrbar, Nur haben blutiges Lehrgeld dafür bezahlen müssen, daß wir 1918 bis 1920 der demokratischen Heuchelei der liberalen Bourgeoisie und ihrer Press« Glauben schenkten. Es soll nicht wieder Vorkommen! Und wenn die Herren in den liberalen Redaktionen, denen vor Begeisterung für das Hunnenrcgim« das Blut im Maule zu- sammenläuft, es wissen wollen— wir sagen ihnen gern, daß wir die heutigen Maßnahmen der Demokratie zunt Schuhe gegen die fascistische Propaganda für ungenügend halten, daß wir es für wiinschenSlvcrt hielten, wenn die Herren, die ausnahmskveise wie in dem zitierten Artikel das„Rezept des Vie Kommunisten Kneifen. Den Kommunisten liegt der schandbare Fall deS Arbeitslosen Talapa aus Byhn« arg im Magen. Kein Wunder, denn es war ein reichlich schwerer Brocken, den man nicht leicht verdauen kann, besonders da auch»loch das schlechte Ge« wissen die Verdauung stört. Dieses böse Gewissen beschwert die ertappten Sünder auch noch nut Albträumen und sie sehen schon, wie man den kommunistischen Gewerkschaften das Recht zur Auszahlung deS Staatsbeitrages aberkennen wird. Dagegen gibt eS ein ganz einfaches Mittel: schwindelt nicht weiter und laßt Euch nicht von Euren Mitgliedern Riesenbeträge „schenken", dann wird man Euch wohl auch weiterhin daS Recht belassen, den Staatsbeitrag auszuzahlen. Wer freilich mit fremden, ihm anvertrauten Gel- dern so umgeht, daß er a«S der Notlage derer, denen er diese Gelder auszahlen soll, für sich Profite herauSschlägt, der kann nicht erwarten, daß man diesem Treiben tatenlos zuschauen wird. Wenn den Herrschaften heute weinerlich zumute ist, weil wir uns ihr« Gemeinheiten nicht ruhig gefallen lassen und einmal tüchtig zurückgeschlagen haben, so sollen sie doch nicht uns mit der Verantwortung dafür beladen! Wer im GlaShaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, das ist eine alte Erfahrungstatsache, di« auch für die Kommunisten ihr« Gültigkeit hat. Neber den Fall Talapa brauchen wir un» wohl nicht weiter zu unterhalten, nachdem wir gesagt haben, daß darüber der Wahrheitsbeweis geführt werden wird. Daß sich die -Herren kommunistischen Redakteur« auf einmal darauf besinnen, daß die sozialistisch« Presse anständig und ehrenhaft schreiben soll, daS ist schon ein größer Erfolg. Vielleicht wird man die guten Leut« doch noch allmählich erziehen kötmen, wenn man ihnen ein paarmal ordentlich auf den Schwanz tritt und Gleiches mit Gleichem vergilt. Erster Berhandlungstag des zionisteulougreffes. Präsidialderichte— Gegen di« braun« Uniform. Die erst« Arbeitssitzung des Zioni- stenkongrefseS wurde dtlrch grundlegende Referate ansaefullt, die später in der Generaldebatte ausgiebig erörtert tvcrdcn sollen. Das politische Referat der zionistischen Exekutive hielt Professor Dr. S. BrodetSky-London, der die Entwicklung der zionistischen Politik, ihr« Ergebnisse und auch ihre Enttäuschungen seit der letzten Kongreßtagung behandelte. Der Redner bewirte dabei, daß die wirtschaftliche Lag« Palästinas eine erhöht« Ein- wanderung bedinge, das jüdische Natiolralhein«, heutigen Deutschlands" verwerfen,«8 aber für den Mll, daß die Faseisten obenauf komm««, in allen Punkten akzeptieren, wenn diese Herren von der Demokratie unter Kuratel gestellt würden. Jä wir können uns vorstellen, daß deutsche undPierländische Erfahrungen unS zu einer Forderung treiben, die der Bürgerprefse sicher furchtbarcr^.erscheint al« der Ruf nach Zensor uitd Konzetitrationslager, zur Forderung deS staatlichen Inserate n m o n o p o 16, daS schon Lassalle— leider vergeblich— als Waffe gegen liberale Hunnen empfohlen hat! Daß eS nicht auf einmal geht, daS beweist freilich wieder der gestrige Zweispalter im„Rnds Prüvo", tvo am Schluß gesagt wird, cs sei eilte Schande, wenn aut bezahlte Führer der Sozialdemokratie uud der Gewerkschaften ihre Zustimmung zur Verschlechterung der Arbcitslofenfiir- sorge geben. Wir haben unseren Standpunkt schon zur Genüge dargetan und brauchen daS dort Gesagte nicht zn wiederholen. S» kann's halt nicht jeder so leicht habe», daß er Gehälter und Parlamentsdiäten bezieht, ohne dafür auch nur das Geringste zu leisten, waS dem Proletariat dienlich ist. Wenn sich auch manche mit dem Maulaufreißen begnügen können, so mässen doch wieder andere da sein, die eben arbeiten. Daß die bisherige Rollenverteilung de» Kommunisten gepaßt hat, daran zweifeln wir nicht im geringsten. Die „Sozialfaseisten" haben sich um eine Verbesserung des Genter Systems eingesetzt, die Kommunisten haben sie dafür beschimpft und bann haben die Roten Gelnerkschaftcn einen gutgehenden Loden damit ausgemacht. Die„Soztalfaseisten" haben sich bemüht, die Angriffe der Reaktion abzuwehren, die Kontmunisten sind daneben gestanden und haben wie die ungezogenen Buben di« Zunge hinansgestreckt und mrn möchten sie auch noch, daß sie für diese Heldentaten belobt werden. DaS wird nicht gehen. Und der ahnungsvolle Engel im„Ricktä PrLvo" hat ganz recht, wenn er„befürchtet", daß di« Kampagne, die oer„Sozialdemokrat" gegenwärtig führt, nicht zufällig fei. Ganz und gar nicht zufällig, Hochverehrte! Jede Verleumdung, jede Gemeinheit, jede Demagogie wird in barer Münz« heimgezahlt werden, weil wir es fürwahr nicht notwendig hoben, anderen Herrschaften di« Kastanien aus dem Feuer zu holen und ihnen ihr« Unverantwortlichkcit noch leichter zu machen als sie eS schon selbst tun. so betonte der Redner, sei kein Luxus, denn di« ganze Zukunft deS jüdischen Volkes wä« mit Palästina verbunden. Weiter« prinzipiell« Referat« bracht« der Nachmittag, so das Referat FaobsteinS über die wirtschaftliche Situation Palästinas. Stürmischer Beifall regte sich in der etwas schläfrig gewordenen Versammlung, als«in Beschluß deS Aktionsausschusses bekannt gegeben wurde, das Tragen der braunen Faseisten* Uniform im BerhandlunaSsaal zu verbieten. Die Linke sprang auf und gab ihrer Zustimmung zu diesem Beschluß lei« venschaftlichen Ausdruck. Die jüdischen Faseisten verließen daraufhin, mit ihrem Führer JabotinSky an der Spitz«, den BerhandlnngSsaal. Deutsches Flugzeug in Pilsen. Pils«», 22. August. Heut« um halb echt Uhr landet« auf dem Pilsner Flugplatz Bory ein reichsdeutsche» mit einem Piloten uno einem Bc. obachter besetzte» Zivilsportslugzeug. Die beiden Insasse» gaben an, daß sie von Stuttgart zu einem Flugmee-ting nach Dresden flogen. Unter- Wegs hatten sie vir Orientierung verloren und mußten in Pilsen notlanden. Bet dem Flugzeug wurde sofort eine polizeiliche Untersuchung vor. genommen und nichts Belastendes gefunden. Des Flugzeug wird bis niorgen zur Erledigung der Zoll- und Paßsormalitätrn in Pilsen zuruckbe- halten. nmaendnrg wurde an seinen Eid erinnert! Aus Paris wird gemeldet, daß sich in der Kanzlei Hindenburgs die Mahnungen und Bitt, schreiben häufen, in denen unter Berufung aus den Eid, den er geschworen und darauf, daß die Bittsteller ihn gewählt haben, di« Befreiung der in den Konzentrationslagern Schmachtenden, insbesondere aber die Befreiung Loeb es, in dessen Hände Hindenburg den VersassungSeid ge. schworen hat und die Befreiung EbertS, eines Sohnes deS ersten Präsidenten der Republik, per» langt wird. Die Befreiung Eberts soll bereits abgelehnt Word«« fein. Die Preise steigen. Di« Wahrheit über daS hitlersche Wirtschaftswunder. Berlin, 22. August. Im Pressedienst des Einzelhandels wird ein Aufruf gegen die Preistreiberei veröffentlicht, in dem es u. o. heißt: Mben der für jeden Konjunkturverlauf normalen Preisbetvegung hat sich in der letzten Zeit in einzelnen Kreisen der oeutschen Industrie eine Er- scheinung herauSgobildet, di« ernsthafte Gefahren für di« Gesamtentwicklung heraufbeschwören kann. In einzelnen Gruppen der Halbsabrikate-Jndn- itrie und auch der Fertigwaren-Jndustri« bab-n die Preis« einzelner Waren Steigerungen um 20, 30. 40 und mehr Prozent erfahren. Diese Vtre« steigert!ngen haben nnt der Erhöhung de^ Roh- ftoffpreise nichts mehr gemein. Ehr Ernte ans zivilisierten rändern. Ausländer brauche» nicht röhmisch zu grüßen. Berlin, 22. August. Di« NSK. veröffentlicht folgende Bekanntmachung des Stellvertreter» des Führer- der N^AP. Rudolf H e ß: Es ist in allen Lättdern Brauch, daß beim Singen der Nationalhymne, Grüßen von Fahnen und ähnlichen Anlässen Ausländer ihr Gastland dadurch ehren, daß sie sich mit den Angehörigen deS betreffenden Landes von ihren Platzen er- heben, bezw. den Hut abnehmen. Dies ist selbstverständliche Pflicht internationaler Höflichkeit, deren Erfüllung in gleicher Weis« von jedem int Ausland weilenoen Deutschen erwartet wird, wie von jedem Ausländer, der sich in Deutschland aufhalt. Nicht erwartet Werden kann jedoch von einem Ausländer, eine in seinem-Heimatland nicht geübte, ihm also fremde Form der Ehrenbezeigung, wie z. B. der Deutsche Gruß, durch Erheben des rechten Armes, ebensowenig wie beispielsweise von einem Protestanten verlangt tver- oen kann, daß er sich beim Betreten einer katholischen Kirche bekreuzigt. Warum anl einmal so wehleidig? 4 Der Goldfasan oder Die letzte Nadit des Mandarins Wang-Li-Kung Eine Legende von Fritz Rosenfeld Copyright 1033 by Büchergilde Outenberg. Zürich. Die Kinder, die vor Hang-Lien herlaufen und den Bären am Fell ziehen, mit Strohhalmen kitzeln und kreischend zuruckfpringen, wenn er ihnen seinen Kops mit den winzigen, stechenden Augen zuwendet, schrecken Feng aus seinem Traum auf. Hang-Lien nickt ihm zu, Kwang läuft zu ihm, bleibt vor ihm stehen, ein dank- bares Leuchten in den Angen. Da hält auch Hang-Lien ein und denkt«inen Augenblick nach. „Folge ntir", sagt er,„wir zeigen heute unsre Kunst den hohen Gästen im Haus des erhabenen Mandarins Wang-Li-Kung. Ich brauche * einen Gehilfen." Feng kennt das Haus Wang-Li-Kungs: es liegt in einem Garten, der ein einziges Beet blühender Blumen ist. Kleine Brücken führten über winzige, silberne Bäche und auf den Wiesen spielen die seltsamsten Tiere. Aber Feng blickt atrf seine Körbe: „Ich habe heute noch nichts verkauft, Hang- Lien. Ich will in die Säle der großen Hotels gehen, vielleicht bringe ich ein paar Kupfermünzen nach Hause..." „Komm mit uns", antwortet Hang-Lien. „Wir verdienen heute viel Geld, es fällt auch für dich ein Goldstück ab und eine Schüssel warmes Essen." „Ein echtes, glanzendes Goldstück?" fragt Feng»nd überzahlt mit den. Augen die Blumen tn seinen Körben.„Sie werden welken", sagt er. „Morgen gibt eS neue", entgegnet der Gaukler.„Morgen ist das Fest der töten See len. Da schmücken die Menschen die Tore ihrer Häuser mit Blumen uttb legen Blumen auf den Platz, an dem die Toten einst gesessen haben. Du wirst mehr Blumen verkaufen an diesem einen Tag, als sonst in einer Woche." Da nahm Feng seine Körbe und schichtete sie auseinander. Die schönste Blume aber flocht er in Kwangs Haar. Zwischen den Zähnen trug er, als er ging, eine Blüte, dnnkel glühend wie der Abendhtmmel, der nach der bittren Mühsal heißer Sommertage sich über Tai-Tschai senkte und die Stadt in die blutrote Farbe des Friedens und des Glücks hüllte. m. DaS Haus des Mandarins der'zweiten RangSklasse Wang- Li- Knng, der vor vielen Jahre» im Rate des Kaisers eine wichtige Stimme geführt, der zahllose Schicksale in seiner Hand gehalten und auch heute noch als der mächtigste Richter in der Provinz Tsche-Kiang galt, stand am Rande einer Straße, die hügelan verlief und hinter der dämmernden Kuppe eines dichtbewalteten Berges im Unendlichen verschwand. Ein großes hölzernes Tor schloß den Garten, in dem das Haus lag, von der Straße ab. Als Hany-Lien mit Feng, Kwang und Tsung-Den, mit dem Baren yno einem Wägelchen, auf dem die Truhe mit den Schwertern, Stäben, Tellern und Geräten festgeschnallt war, an daS Tor trat, Dunkel hüllte bereits den Garten ein, öffneten ihm zwei schlanke, in inganlie- gende schwarze Gewänder gekleidete Diener. Tsung-Den mußte die Kette des Bären mit beiden Händen fassen, denn das Tier wollte schnuppernd zu den Baumen laufen und zerrte wild an seiner Fessel. In der Tiefe des Gartens blinkten buntbemalte grüne, gelbe und rote Laternen unter einem leichten, holzgeschnitzten, drachenverzierten Dach. Bon den Rändern des Daches tropfte der Regen, von den Bäumen wehte ab und zu ein feuchter Schauer, das GraS an den Rändern des WegeS war mit Perlen übersät. Die Laternen hingen wie kleine bunte Monde in der Luft und waren von einem Kreis heller, gelblichroter Nebel eingehüllt. Diese Farbe, diesen seltsamen Mantel batte der Mond, wenn große Ereignisse drohten, oer AuSbruch eines langen Krieges, daS Bersten deS Erdbodens unter den feurigen Stößen der.Höllenmächte, die Ueberschwemmung weiter Ebenen durch einen angeschwollenen Strom oder die rächende Wiederkehr eines friedlosen Toten. Bon einem Diener gefolgt, der einen breiten Schirm aus geflochtenem Bambus trug, kam Wang-Li-Kung oem Gaukler entgegen. Der Mandarin sah, wenn er ging, klein aus, kurz und dick, den bauchigen Leib von einem runden Kopf gekrönt. Er trug ein fettes, zufriedenes Lächeln, aber hinter diesem Lächeln sah Hang- Lien die Angst; die Laternen deS Gartens könnten wie die Lichter vor den andren Häusern in dieser Nacht nicht bunten Zeichen der Freude, sondern Wegweiser für die Verstorbenen sein, die aus dem Meere für kurze Zeit in ihre Wohnstätten heimkehrten. „Du bist pünktlich, Hang-Lien", sagte der Mandarin.„Meine Gäste sitzen noch an der Tafel. Geht in daS Haus, man wird euch Speise geben." Er sah auf die Kinder. Tsyng-Pen und Kwang kannte er.„Wer ist dieser?" fragte Wang-Li-Kung und deutete auf Feng. „Mein Gehilfe", entgegnete Hang-Lien.„Er schlägt den Gong, bewacht den Baren, wenn wir unsre Künste zeigen..." Wang-Li-Kungs Blicke prüften daS Antlitz Fengs. Erst schien eS, als fesselte ihn bis Blume, die Feng im Mund trug, dann aber saugte er sich in Fengs Augen ein. Diese Augen hatte Wang-Li-Kung schon einmal gesehen. Sie blickten stumm und dunkel, aber in ihrer tiefsten Tiefe brannte ein seltsames Licht. Wang-Li-Kung starrte in die Augen Feng», dann sagte er, um etwas zu sagen, denn er konnte nicht aussprechen, WaS ihn bewegte: „Wirk die Blume fort!" „HabtS Erbarmen, erhabener Mandarin", bat Hang-Lien.„Sie ist daS Zeichen seines Berufes. Im Schatten der Edelsteinpadoge hält Feng seine Blumen feil. Er lebt mit den Blumen. Er liebt die Blumen." Der Mandarin schwieg. Er fuhr mit der Hand durch Fengs Haar, er streichelte seine Wange. Die Blume-berührte er nicht. Dann sagte er: „Wenn ihr gegessen habt, dürft ihr mit den Vögeln spielen, oort drüben, im Gehege. Faßt sie nicht hart an! Sie sind zahm, aber zart. Und gebt auf den Bären acht! Und geht ins HauS, ich habe meinen Dienern die Weisung erteilt, euch zu speisen." Wang-Li-Kung wandte sich ob, der Gaukler verneigte sich hinter ihm, band den Bären an einen Baum, eilte mit den Kindern ins Hans, fand in der Küche einen kleinen Tisch gedeckt, mit vielen bunten Schüsseln, Reis und gehacktem Fleisch und leuchtenden Früchten, die von den großen Schiffen weither über die Meere getragen wurden. Als-Hang-Lien mit den Kindern vor den: Gehege stand, in dem Wang-Li-Kung Pfauen und Kraniche, braungrüne Enten mtb weiße Tauben hielt, schtvieg er bestürzt. Mitten zwischen den perlgrauen, weißen, meerblauen und in den Farben des Sonnenaufgangs leuchtenden Vögeln schritt ein Goldfasan einher, das Handt stolz erhoben, den Körper mit flüssigeni Gold übergossen, daS im Schein der Laterne geheimnisvoll flirrte. folgt.) Jlr. 198 Mittwoch, 23. August 1WJ» Sette 3 Thyssen- Das„Dritte Reich** eine Kolonie der Ruhr-Industriellen. Hitler das Vollzugsorgan der Kohlen- und Stahlmagnaten. Eine außerordentlich nusschlußrcichc»nd interessante Darstellung der Hintergründe der Hitler-Bewegung bringen die„Lidovä Noviny" in ihrem gestrigen Leitartikel. In dem Aussatz, dessen konkrete Angaben sür sich allein sprechen, heißt cs: Die Organisierung des Ausstieges Hillers durch Thyssen ist eine der dunkelsten und schmutzigsten Machenschaften in der deutschen Geschichte. Die sogenannte natianaisozialistische Revolution hat damit nichts zu tun, denn diese Revolution brach erst ans, als Hitler schon alle Macht im Staate hatte und ihm nichts mehr-zu tun übrig blieb, als die bewaffneten Sturmtrnppeu gegen wehrlose Bürger zu hetzen. Vorher hatte ihm die Thyssen-Gruppe ans ganz„legale" Meise den ganzen Staatsapparat in die Hände gespielt. Thyssen war Mitglied, Hauptsinanzier und wirklicher Inspirator der Hitlerpgrtei vom Jahre 1927 an, als er und Vogler in Rom von Mussolini kurz vor der Zeit empfangen wurden, da in Deutschland das Plötzliche Anwachsen deä Nationalsozialismus begann. Thyssen wurde der vertraute Freund des„Führers". rmanrlerung des Wahlfonds. Hitler unternahm niemals einen Schritt, ohne sich mit Thyssen und seinen Freunden zu bcrolen. Thyssen finanzierte systematisch alle Mahlsands der nalionalsozialistischcn Partei. Er war e«, der durch Mehrheitsbeschluß gegen dir schärsste Opposition O. Wolss'ü und Klöckners in zwei Politischen Zentren des dentschcn Ruhrkapitals, im Essener Bcrgverein und in der Rord- wcslgruppe der Eisen- und Stahl-Industrie durchsetzte, daß jeder Kohlen« und Stahlkonzcrn als besondere Psljchtsteuer einen bestimmten Betrag in die Wnhlkasse der Nntioualsozialisten abzu- siihren hätte. Deshalb wurde der Preis der Kohle in Deutschland erhöh«. Allein für die Präsidentenwahl im Jahre 1932 verschaffte Thyssen den Hitlcrlcuten in einigen Tagen über drei Miiliourit Mark. Ohne Thyssens Hilfe wären die phantastischen Leistungen der Hitleragitation in den Jahren 1930 bis 1933 nicht möglich gewesen. Ohne Thyssens Gelder hälte Hitler niemals einen dcr- ariigen Erfolg erreicht und seine Partei wäre augenscheinlich in den Papcn-Wahlcy zn Ende des Jahres 1932 zerbrochen worden, als er zwei Millionen Stimmen verlor und die Strasser- Gruppe sich abspallelc. Im Jahre 1933 schickte sich Schleicher schon an, die Hillerbewegung zu zertreten und sie seiner eigene» Führung unterzuordnen. Aber so wie Thyssen früher Hitler durch seine finanzielle Hilfe gehoben hatte, so rettete er ihn jetzt durch seine politische Maschinerie. Hilgenberg und Popen als Thyssens Puppen. Nm das zu erreichen, benützte Thyssen zwei seiner politischen Freunde und Agenten. Äugen berg(einen ans dem Berwallunqsrat der Thyssen-Stahl-Gruppe) und von Pa Pen. Mitte Jänner sand eine geheim« Zu. sammenknnst Hitler« mit Popen in Kökn a. R. im Hanse des Barons Schröder statt, eines Gesellschafter» de» Bankhauses I. H. Stein der in vertraulichen Beziehungen zu Flick und Thyssen steht. Obwohl durch Verletzung der Verschwiegen- heil einige Tage später die Nachricht von dieser Zusammenkunft in den Zeitungen stand, gelang die Bcrschtvvruug g«gu Schleicher. Die vereinigte Gruppe Tbyssen« H i t l c r- P a p c u- H tt g c n b e r g, unterstützt durch die ganze Macht der deutschen Reaktion, verstand es, den Sohn des Präsidenten von Hindenburg, M a j o r Oskar Hindenburg, der bis dahin zu seinem Rcgimentssrcund Schleicher gestanden war, aus ihre Seite zu stehen. So wnrde der plötzliche Sturz Schleicher» und die sensationelle Ernennung Hitlers erreicht. Thyssen gewann und Hitler bereitete di« Bühne für eine Bartholomäusnacht vor. Was folgte, ist ein ununterbro« «Lener Triumph der kapitalistischen I n t c r e s s c n d e r T hY s s c n- Gr u p pe. Die nationalsozialistische Regierung in Deutschland führt heute die Thyssen-Politik in allen Dingen durch, als ob das ganze Volk nur ein Vcslaudtcil des Stahl-Trusts lväre. Jeder Schritt der neuen Regierung deckt sich genau mit den Private» In« «ercssen dieser Cliguc. Die Tage von Sünnes hehren zuriidt... Thyssen hat sechs Hauptziele: 1. den Stahl- Trust sür seine Gruppe zu gewinnen: 2. die gro, ßcn Kohlen- und Stahl-Syndikate, die Basis des ganzen kapitalistischen MonopolsystcmS in Deutsch, land zu reiten; 3. die katholisch-jüdische Konkur- renzgruppc auszuschalten und das ganze Jndu- striesystem sür den extrem-reaktionären Flügel der Schwerindustrie zn erhallen:-1. die Arbeiterschaft zu zermalmen und die Gewerkschastsorganisa- tionen zu vernichten, um die deutsche Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten durch weitere Lohnherabsetzungen usw. zu stäcken; 8. die Chancen der Inflation zu erhöhen, um die Schulden der Schwerindustrie z>» entwerten(eine Wiederholung der von Stinncs im Jahre 1923 erfundenen durchtriebenen Transaktion) und schließlich 6. eine ausgesprochen imperialistische Tendenz in der Außenpolitik einzuleiten, nm die mächtige Expansionssucht des Ruhrkapilaltz zu befriedigen. Alke diese Teile des Thyssen'Programms wurden durchgeführt oder werden durchgrführt werden. Betrug an den Steuerzahlern. Das wichtigste Problem Thyssens, die Uebergabe des Stahl-Trust« an seine Gruppe, wird mit einem Trick durchgeführt, der als durchdachter Betrug an den Steuerzahlern bezeichnet werden kann. Ter Staat besaß früher die Hälfte des Kapitals in der Holding-Gesellschaft Gelsenkirchener-Bergwerk- A-G.; er hatte Aktien im Werte von 128 Millionen Mark. Diese Gesellschaft wird jetzt mit einigen andern in der Mehrheit wertlosen vereinigt, die zur Thysssn-Gruppe gehören. In der neuen Verbindung mit einem Kapitol von annähernd sisiü Millionen Mark wird der Staat weniger al» 2t) Prozent der Aktien behalten. So ist T h Y s s e n wieder der Kohle n- und Stahlkönig und Diktator der ganzen Industrie geworden. Gleichzeitig erklärt die Regierung— die angeblich sozialisnfche Regierung der Beschützer des kleinen Manne«— daß die großen Monopol- syndikate, wie die der Kohle und de« Eisens, unangetastet bleiben müssen(dir kleinen Kartelle in den Verbrauchsindustrcen werden unlcrsuchl, um ihre wcilcrc Existenzberechtigung festzustellcn). So ist die Thyssen-Gruppe wieder einmal in der Lage, aus Wesen zwei grundlegenden Rohstoffen außerordentliche Gewinne einzustecken und seine Steuer vom ganzen Volke cinzuhebcn. vie Nenner des Thusscn- Krelses. Und damit sie auf dem Wege zu diesem Ziele keiner Konkurrenz begegnet, wurde die neue „R a s se n po l i t i k" und die Gleichschaltung des Hitlerregimes in Aktion gesetzt. Die Massenverfolgung und der Boykott der Juden und Katholiken im heutigen Deutschland ist zunc großen Teil nichts anderes, als eine große Enteignung des jüdischen und katholischen Kapitals durch die fascistischr Oligarchie des Thyffen- kreiscs. Jin ganzen Land werden die Jude n und Katholiken ans ihren Stellen in den Verwaltungsräten der großen und kleinen Gesell, schäften verjagt und an ihre Stelle treten alte Reaktionäre aus der Schwerindustrie oder neue nationalsoziolistischc Agenten. Der Oberdirektor der katholisch-jüdischen Dentschrn Bank Der schwedische Genosse Georg Branling, der neben andere.» bekannten Juristen dem Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes angchört, hat an den deutschen Oberreichsanwall ei» Schreiben gerichtet, das als Antwort aus dessen in der Presse veröffentlichte Aufforderung,-das Beiveismaterial der Ausschusses dem Reichsgericht zur Bcrsü- guilg zu stellen, gilt. Dem interessanten Dokument, das wir zu veröffentlichen in der Lage sind, entnehmen wir die folgenden wesentlichen Abschnitte: „Ich möchte zuerst Stellung nehmen zu sol- geudeur Passus Ihres Briefes": „Da weder mir noch dem Unlersnchungsrich- ler des Reichsgerichts trotz der in der Oesfentlich- keit ergangenen Aufforderung zur Mitteilung aller der Austlärung der Sache dienenden klm- stände und trotz Aussetzung einer hohen Belohnung für die Mitwirkung bei der E.miltlung der Täler andere als die in den Akte» verwerteten Angaben zugegange» sind, die Anklagebehörde und das Gericht aber das allergrößte Interesse daran haben, alle Umstände kennen zu lernen und bei der Bildung des Urteils zn verwerten, die für die Aufklärung des Sachverhalts dienlich fein können, wäre ich Ihnen, sehr geehrter Herr Rechts,intvalt. zu Dank verpflichtet, wenn Sic mir Kenntnis von dem angeblich im Besitz der Kommission besind- >ichc» Bcwcismaterials geben würden." oeweismatertai unzurcldiend. Aus dieser Mitteilung, wie ans Ihrem Bries überhaupt, glaube ich schließen zu können, daß Sie selbst, Herr Obcrrcichoanwalt, der Meinung sind, daß das in ihren Händen befind l i cb c B e w e i s m a t e r l a l nicht ausreichend ist. Ach erkläre mir dadurch Ihren außergewöhnlichen Schritt, daß eine Anklagebehörde nach Abschluß der Bor- untersuch»»« und sogar noch nach Fertigstellung der Anklageschrift bei nicht direkt am Prozeß beteiligten Personen Wege» weiteren Bewciümatc- rials anfragt. Ich erkläre mir auch damit die Oskar Wassermann, der gefährliche und mächligslr Konkurrent der Thyssen- Gruppe im Kampfe nm den Stahl-Trust ging ans„gesundheitlichen Gründen" in den Ruhestand. Klöck- n e r, der katholische Outsider des Stahl-Trusts „verzichtete ans sein Mandat im Reichstag". Gegen O. Wolfs wurde- die Beschuldigung der Korruption erhoben, um seine„freiwillige" Kapi. lulation zu erreichen und ihn als kleinen Gesellschafter anznglicdcrn; das wnrde auch erreicht. Per ungekrönte König. Thyssen wurde znm Führer des neu vereinigten Verbandes der Westdeutschen Industrie, welchen die Hitlerleute geschossen haben, ernannt. Sein Freund, der Versichernnga- direUor Dr. Schmidt ist ReichSwirtschafts- Minister- Goerina beruft Thyssen als Hauptvertreter des Privatkapitals in den neuen preußischen Staatsrat. Tas ist aber nicht alles. Ende Juli setzte die Regierung Thyssen als„h ö ch ft e ft a a t• liche Autorität" für ganz Westdeutsch- land, das Zentrum der deutsche» Industrie ein. Tie ihm anvrrtraute Machtvollkommenheit, ist wahrhaftig diktatorisch. Alle Autoritäten Hitlers in diesen Provinzen sind ihm untergeordnet und müsse» sich„in allen Fragen der Wirtschaftspolitik an ihn wenden und seine Entscheidung als endgültig arischen."(Ans dem Essener Schreiben deS Führers an Thyssen). Thyssen hat sein Lebensziel erreichst er ist jetzt politischer König an der Ruhr; die Sliirinabteiluugen sind nur die Prätorianer Garde sür seinen Trust. Thyssen Hal S l i ii- „ rs überboten. Und zur erhabenen Losung dieser Tragikomödie löst die Regierung gleichzeitig mit seiner Ernennung den„K a in p f b u n d des deutschen Millelstandc s", die große Vereinigung der deutschen mittleren Bourgeoisie auf, die Hitler so hoch cmPorgetragen und davon phantasiert hatte» daß sic in, neuen Staate regieren würde. Die neue nationalsozialistische monopolistische Oligarchie ist schon gebildet. TaS Kapital ist das alte Kapital, aber die neu« Hol- ding-Aesellschast heißt Hitler-Thyssen. Tic GcwcrkschastSorganisationen wurden vernichtet. Thyssen kann in den neuen„Korpa- rationen" die Löhne diktieren und dadurch die Preise der Exportwaren gegenüber der englischen und amerikanischen Konkurrenz noch mehr hcrabsetzen. Man rüstet. Thyssen liefert d r n S l a h l dazu. Thyssen braucht die Donaumärkte, wo ihm dir Alpine-Monlan-Gesellschasl gehört. Aber die Grenzen des ursprünglichen Zieles des neuen Systems in Deutschland wurden noch nicht erreicht. Thyssen braucht den Krieg und cs sicht so aus, daß ihm ihn Hitler noch verschossen wird. ungewöhnliche Tatsache, daß Sie Ihr Schreiben an mich durch WolssS Telegraphenbüro verbreiten ließen. Ich oarf erwarten, daß Sic auch ine ine Antwort der deutschen Oeffentlichkcit auf den, gleichen Wege b c k a n ii t g c b c n. Selbstverständlich muß man das größte Gewicht darauf legen, daß alles Material, das zur Erinitliung der Wahrheit diencil könnte, dem Reichsgericht vorgclcgt wird. Aber ich halte es auch für selbstverständlich, daß das Material, das zur Verteidigung der Angeklagten dient, nunmehr, nachdem die Anklageichrist abgeschlossen und dem Gericht übergeben ist, nicht durch die Anklagebehörde, sonder» durch die Verteidiger dem Gericht vorgelegt wird. Ich konstatiere überdies, daß die vom Gericht bc st eilten Verteidiger sich nicht an mich gewandt haben. Nur gegen Garantien! Auch Sie, Herr Obcrrcichsanwalt werden zugebcu, daß Garantien für eine vollständige und objeklivc Verwendung des Materials dnrch die Verteidigung gegeben sein müssen. Das beste und überzeugendste Bewcisnialcrial kann ohne Pintzen sein, wenn cs nicht im Interesse der Angeklagten verwendet wird. Ich persönlich habe nicht das alleinige VcrfügungSrecht über das Beweismatcrial des Nntcrsuchuugsausschus- scs. Ich zweifle aber nicht daran, daß der U n- t c r s n ch u ng S a n s s ch u ß in Uebcrcinstim- mung mit den von mir bereits dargelegtcn Anschauungen da« gesamte Material den Verteidigern sofort znr V c r f ü g u n g si e l l e n wird, falls genügende Voraussetzungen für eine freie und unabhängige Verteidigung der Angeklagten gegeben sind. Als solche Voraussetzungen sehe ich in diesem Falle an: 1. Freie Wahl der Verteidiger durch die Angeklagten. 2. Zulassung der von den Angeklagten bestellten ausländischen Dcrtcldigee. WWWWWWWWWWWSWWWWWWWWWWWMWWWWWMMSWWSWWMMWWWWWWWWWWWWWIWM Antwort an den SUBaBMSMMBISMSSSnMNMRMMMMBBSSMSn Drannng und Rolland stellen Bedingungen. So sieht er aus! Der OberreichSanlvalt Dr. Werner, der durch die Aeußerung Romain Rollands und Bran> ings in eine peinliche Lage gebracht lvurdc. iiiiiiiiiiiiHiiiiiiiihiiHioiiiiniiiiiniHiiiiiiHiHiiiiHiiHiiHniinininiiHiiiiiiniiHiniiiiniiHioiHiiiiiiiii 3. Unbeschränkte Einsicht der Akten durch die Verteidiger und Ueberscndnng der Anklageschrift an dir von den Angeklagten bestellten ausländischen Verteidiger. 4. Volles Recht der Angeklagten zur Aussprache mit ihren Verteidigern.ohne Anwesenheit Dritter. ü. Ocssenllichleit der Verhandlungen des Gerichts während der ganze» Tauer des Prozesses. t>. Menschenwürdig« Behandlung der Angeklagten, so daß sie körperlich und geistig im Stande sind, ihre Verteidigung vor Gericht zu führen. 7. Freies Geleit und Sicherheit des Lebens für die von der Verteidigung oder vom Unter« fnchnngsansschuß benannten Zeugen, sowie Gelegenheit zur ungehinderten Aussage. 3. Sicherheit des Lebens siir dir Verteidiger und Sicherheit der ungehinderten Möglichkeit zur Vertcidignng durch sie. li. Ladung der von der Verteidigung benannten oder noch zu benennenden Zeugen. 10. Genehmigung der uneingeschränkten Aussagen für die Jengen, soweit sic sich im Tienste de« Deutschen Reiches oder eines Deutschen Staates befinden oder befanden. Drohungen! Wie notwendig cs ist, diesc Garantien zu fordern, acht beispielsweise ans einem Artikel hervor, den der parteiamtliche uationalsoziali- stilchc„Dortmunder General. Anzeiger", das Blatt der Regierungspartei, am 12. August, im Zusammenhang mit Ihrem Schreiben an Ro- mant Rolland und mich, veröffentlichte. In diesem Artikel heißt ca n. a.: „Jedes gesunde Volk wird dasselbe Notwehr- recht für sich in Anspruch nehmen, das die ocnijche Nation längst durch die Tat siir sich in Anspruch genommen hat, nänrlich die rote Pest mit Slumps und Stiel auszurollcn. Der Staat, der seine Hand dazu biete» würde, auch nur den Versuch zu unternehmen, sich schützend vor Mordbrenner zu stellen, müßte sich in den Augen der Weil selbst richten.. Wenn sich heute marxistische.Urcalurc» mit ihren Komplizen solidarisch erlläre», jo tönnle das nur zu einer Konsegncnz führen, und zwar gleich wo: sic gleichmäßig zu behandeln." Ich habe midi sür verpflichtet gehalten, Ihren Brief dem IIulersuchungsrichier zu übergeben. Ihrem eigenen Beispiel Herr Oberreichsanwall folgend, übergebe ich diese meine Antwort der Presse. Gez. Georg V r a n t i n g." Romain Rolland, der große französische Dichter, antwortete dem Leipziger Obcrreichsantvall in ähnlich?» Weise wie Branling und stellt fest, daß sieb eine i n l r r n a t i o n a l e kl n l e r s u ch n n g s l o in- m i s s i o n gebildet Hal, der svlgendc Juristen angehvren: sür Großbritannien: D. N. P r i r I; Vereinigt!! Staaten: Artur Garfield HayS, Clarence Darrow; Belgien: Bermeylen; Dänemark: Dr. Bald H n i d; Spauieii: Prof. Luis Jemencz de ÄS na(Madrid); Frankreich: Gaston Bcrgery, Moro Äiasseri, Francesco Ritt i; Holland: Doktor Bakker- Rort; Schweden: Dr. Branting; Schweiz: Dr. Johannes H über. Die Tvkiiincnte, die sich in den Händen dieser Kommission befinden und aus denen hervorgehe, daß sowohl T o r g l c r und dir drei B n l- garcn Di in i troff, Pvpoff und Tan.'ff unschuldig scixn, tvürden dem Reichsgerichl zur Verfügung gestellt und die Zeugen würden gc- iiäniii, sobald die grundsätzliche Garant!.? geleistet worden sei für eine freie und unabhängige Vertcidignng. Geplanter SA-Einlall In Oesterrcldi. Wien, 22. August. Ter römische Berichterstatter des„Magyarorszag" bringt die ans amtlicher Quelle stammende sensationelle Meldung, daß vor vierzehn Tagen ei» Einmarsch der bayrischen SA i«i Oesterreich geplant gewesen sei. Bon dem Plan habe weder Berlin noch Rom gewußt, doch sei er verraten worden. Dollfuß habe eine geheime Mobilisierung äuge- ordnet und sich sofort zu Mussolini nach Rimini begeben, dessen Einfluß cs gelungen sei, den Ausbruch des bewaffneten Konfliktes pi verhindern. Ter Berichterstatter meldet, daß sich Mussolini von Berlin Hintergang«» fühle. Seit« 4 Mittwoch, 88. August 1838 Nr. in« Ctipttttf unft Pet&re^en. Massentod chinesischer VWere im Eisenbahnzug. Die lleberlebendeu erschießen die Visenbahnangeftellien! London, 22. August.„Daily Expreß" meldet au» Schanghai, ei» Eisenbahnzug, der 588 chinesische Offiziere von Kiangsi nach Kiuktang und Nantschang beförderte, sej gestern in der Nähe einer Brücke über den Ziau-Fluß entgleist. Zwei Waggons mit 280 Stabsoffizieren seien in den Flußgestürzt. Die in den übrigen Waggon» befindliche» Ossiziere hätten vergeblich versucht, ihre Offizierskameladen» die in den im Wasser liegenden Waggons eingeschlossen waren, zu retten. Im ganzen sind 68 Offiziersanwärter ums Leben gekommen, 280 Aspiranten wurden verwundet/ Die verunglückten Ossiziere befand«» sich auf dem Wege nach Rorrtschong, um aktiven Militärdienst im Feldzug gegen die chinesischen„roten" Abteilungen zu versehe». Tas Unglück sei auf die Unachtsamkeit eines das Geleise ansbessernden Eisenbahnangrstellten zurückzusühren, doch sei auch nicht Sabotage der „Roten" ausgeschlossen. Die übrigen Offizier«, die im Zuge reisten und da» furchtbare Unglück überlebten, bemächtigten sich sofort der Eisenbahnangeftetkttn, die die Gelrisreparatnr in der Nähe de» Unsollsortes durchsührlen und erschossen sie. Unterschlagungen in We'pert. Defrondirrung städtischer Gelder.— Selbstmord des Schuldigen. Der Karlsbader„BolkSwille" meldet: In den frühen Morgenstunden des heutigen Tage» wurde der Lagerist des städtischen E/ektrizitäts- Werkes der Stadlgemcinde Meistert, Malter B-, im Grenzbache nächst dem Schaltwerke in sterbendem Zustande aufgefunden. Die ärztliche Untersuchung, durch Tr. Frank vorgenommen, stellt« fest, daß sich B. zwei Schüsse in der Herzgegend bcigebracht hatte. Die Masse wurde unweit des B. entdeckt. B. erlag kurz nach seinem Auffinden seinen Verletzungen. Die betrügerischen Manipulationen wurde» durch eine Revision ausgedcckt, die durchgesührl wurde, während B. aus Urlaub war. B. arbeitete mit doppelten Rechn» n g s- und Ou i t- tungsblocks und verstand es anscheinend, seine Vorgesetzten glänzend zu täuschen. Sein Lebenswandel, der weit über seine regulären Einkünfte ging, gab des öfteren Veranlassung, die Stadtgemcindc aus B. aufmerksam zu machen. B. wurde diesbezüglich auch einige Male verwarnt, lieber diese Verweise existiert im Bürgermeisteramt« Meistert auch rin Protokoll über seine Rechtfertigung. B. gibt darin zu, große Auslage!! bei Zechereien in Gasthäusern gemacht zu haben und erklärt, daß er sich das Geld durch P a schere i c n beschösse. B. wurde ans die Strafbarkeit seiner Handlungsweise aufmerksam gemacht, doch kümmerte sich B. um olle Verwarnungen und Verweise nicht, sondern setzte sein bisheriges Treiben ruhig fort. Nun scheint die Summe seiner Unterschlagungen eine solche Höhe erreicht zu haben, daß er sich durch Selbstmord der Verantwortung vor den Gerichten zu entziehen entschloß. Tie Höhe des Schadens ist noch nicht fcstge- slcllt, doch ist Grund zur Befürchtung vorhanden, daß die Summe viele Tausende von Kronen erreicht. tzin Beitrag zum Fall Triebe- Ein Leser unseres Blattes schreibt unS: ES wird für die Ocssentlichkcit gewiß von Interesse sein, zu ersahren, wie„tüchtig" Triebe schon zur Zeit des„großen Stahl ba- cs" war. Damals war der jetzt als Tefrandant entlarvte Leiter der„Heimatscholle" Ossiziers-Stellvcrtretcr beim Hausrcgimcnt 92 und ich hatte Gelegenheit, nach dem Umsturz in einem hiesigen Gasthaus Zeuge zu sein, wie Triebe sich vor einigen Zechkumpanen mit seinen kriegerischen c s- dentale n" brüstete. Im Kriege waren bekanntlich die Lebensmittel sehr knapp— aller- ding» nicht für die„oberen Zehntausend"— und es gab Menschen, die„ein Herz im Leibe" hatten und besorgt waren, daß das deutsche Volk nicht ganz verhungert. Ein solcher„Wohltäter" war auch Triebe. Ta erzählte der Manu, er habe seinerzeit au feige ne Faust im tschechischen Gebiet Getreide, hauptsächlich Weizen, um einen Spottpreis eingckausr— lies: requiriert— und den Weizen dann waggonweise an einen Kontotaucr Großhändler um 8 bi pro Kilo weiterverkaust. Es hat Bauern gegeben, die sich weigerten, das ihnen jo abgcprcßtc Getreide zur Bahn zu schassen. Triebe hoi ihnen dann einfach, wie er selber prahlte, den Revolver an die Brust gesetzt und„schon ist es gegangen." Man ntäg daraus ersehen, daß sich der Mann schon als„Baterlandsverteidiger" aufs Geschäfte- machen ausgezeichnet verstand. Turch die Aufrollung der Affäre Triebe erfährt man auch, daß die„Hcimaischollc" sehr gute Beziehungen zu tschechische» Gcldonste.lien besaß. Tie Teutschnaiioualcn haben demnach mit dem „Erbfeind" sehr einträchtig zusammcngearbeltet und schön dabei verdient. Ta taucht wohl die Frage auf, warum sich diese» Unternehmen immer noch deutsche„Heimatscholle" nennt. Zur Vorgeschichte des Auftreten» Hlinlas in Akeutra erzählen„Robolnicke Noviny", das Organ der slowakischen Sozialdemokraten, daß vor der Pridina Feier in'Neutra Hods-a mit den Slowakisch-Klerikalen verhandelt hat. Hodra ver sprach dabei den Klerikalen die Rückkehr in die Rcgicrungskoalilion und den Hinauswurs der Sozialdemokraten aus der'Regierung. Taß mit Hodra irgend ein Abkommen getroffen rvurde, hat auch der Vertrauensmann Hod-as Ursini in Hodra» Organ„Tlovenskv denlk" angedeutcl, als er schrieb, daß nun, nachdem dir Hlinkaleuic eirrrn so großen politischen Fehler gemacht haben, die Agrarier ihre Ausnahme in die Regienmgs- koalition nicht durchsetzen konnten. Die„Dobot- nick», Roviny" brnierkeu, daß cs nun an Hodda sei, in diese Angelegenheit Licht bringen.— Uebriaens hat der Ruhm Hlinkas die Fafcisteu in Böhmen nicht ichlasen lassen. Sie hallen die Absicht, das Auftreten der Slowakisch Klerikalen itl Neutra dieser Tage in Hroitov zu kopiere», wo eine Feier zu Ehren des verstorbenen tschechischen Schriftstellers Alois Iirasek stattgesunden hat. Aul dem Friedhof sollte angeblich Gajda reden, aber die Veranstalter halten davon erfahren: auf dem Friedhof war viel Gendarmerie »usammengezogen. so daß den Foscisten das Herz tn die Hosen siel. Brehm und Kilberth noch Pilsen ringrliesrrl. Die Komatauer Nozitührer Brehm und Kil- b'erth, die sich in der Untersuchungshaft des Brüxcr KreiSgerichis besonden, sind setzt zwecks Durch- fiihrüng weiterer Erhebungen dem Pilsener Kreisgericht überstellt worden. Aus dem gleichen Grunde wutden die Hakenkreuzler Joses Fischer und Altdn? Schuldes aus Komotau von Brüx aus an dar Egerer Kreisgericht überwiesen. T agesneuigkeiten Rasendes Element. New 7) o r f, 22. August. Die Küsten de» Staate» New?) rrsey und Long Island sind gestern überraschend von einer ungewöhnlich schweren Sturmflut und schweren Wok» kenbrüchen hcimgesucht worden. Sieben Personen sind ertrunken, doch befürchtet man, daß die Zahl der Lvser bedeutend größer sein dürste. Besonder» schwer wüteten Sturm und Seegang unter der Flotte der vollkommen überraschten BergnügungSfahrzeuge. Etwa 250 Menschen mußten au» Seenot gerettet werden. Außerdem liegen noch zahlreiche Meldungen über Vermißte vor. Müüerssohn und Hegerstochter. Ein LicbeSdrama in Luhatschowitz. Bad Luhatschowitz, 22. August..Heute nachtS verübte in Bad Luhatschowitz der 25jährige Robert S l o u p s k y, Sohn eines reichen Müllers aus Laflost bei Könitz, gemeinsam mit seiner Geliebten, der 22jährigen Anna Pokorno, Tochter eines Hegers aus Butovcc bei Bohusia- vicc, Selbstmord durch Erschießen, Der junge Mann und das ausfallend schön« Mädchen hatten eine'Autoreisc durch die Slowake: unternommen und trafen gestern in Bad Luhatschowitz ein, wo sie in einer Billa nächtigten. Sloupsky verfolgte das Mädchen mit ständiger Eifersucht; es kam deshalb häufig zu'Auseinandersetzungen, die schließlich heute nachts ihren Höhepunkt dadurch sanden, daß Sloupsky seine Geliebte und sich mit wohlgczieltcii Revokvcrschüsscn entleibte. Beide waren auf der Stelle tot. Aus dem Tische fand man einen Brief Sloupskn», dem 3000 K bcigelegt waren und in welchem Skoustsh ersucht, daß von einer Leichenöffnung Abstand ge- nommcn werden möge und daß beide in einem gemeinsamen G.ra bei» Luhatschowitz bel- gesetzt werden. 8» Goethe-Städten drei Hinrichtungen an einem Tage... Weimar, 22. August. Im Hof« de» Gerichtsgebäudes wurden Dienstag früh die beiden Mörder Hahn und L e f f t e r hingerichtet. Hahn und Leffler hatten im vorigen Jahre eine Frau Weihenborn au» Jena unter der Vorspiegelung eine Autofahrt z» machen, in Jena in die Rahe eine» toten Arme» der Saale«lockt, dort ermordet und dir Leich« in da» Wasser versinkt. Frankfurt, 22. August. Im Hose de» Strasgefängnifsr» in Preungesheim erfolgte heute früh sechs Uhr die Hinrichtung de» Mörders L. Knirsch, der am 1. September 1032 den Geldbr>efträg«r Hofmann ermor- d e t und beraubt hatte. Die» ist die erst« Hinrichtung in Frankfurt am Main seit dem 23. Mär; 1914, dem Tage an dem der Gistmörder Karl Hops enthauptet wurde. Handwerksbursch tötet einen Gemeindebeamte«. Saarbrücken, 22. August. Eine schwere Bluttat wurde gestern abend in Ormesheim verübt. Ter 50 Jahre alte Gemeindebeamte Fran; Niederländer geriet mit einen! H a n d w e r k s b u r s ch r n, den er in den Ge- meiudeuuterknnftsraun« führte, auf der Straße in einen Wortwechsel. Ter Bursche griff zum Messer und tötete den Beamten durch einen Stich ins Herz. Dem Mörder gelang cs, in die benachbarten Wälder zu flüchte». Bisher konnte er nicht ergriffen werden. Wieder krvloflou in einer Scheune. Bukarest, 22. Slugust.(OR.) In dem Dorf« Sotucu in der Nähe von Ramnicuk Sarat ereignet« sich durch die Explosion eines Kessels beim Dreschen von Getreide eil« schweres Unglücks bei dem drei Personen getötet und fünf schwer verletzt wurden. rybhnsevidemle in Aachen. Aachen, 22. August. In Hückelhoven sowie in kleineren Nachbarorten ist- eine Typhusevi- dsmie ausgrbroch«n. Bisher sind etwa 50 bis 60 Personen erkrankt. Alke Beronstoltungcn sind aus vorläufig vier Wochen«mtersagt worden. Desgleichei« ist der Berkaus von Genußmitteln auf der Straße verboten. Ein dreijähriges Kind ist bereits gestorben. Denn nur dir Ermordung der Marxist«» ist erlaubt. Gegen dci« 21jährigen Berliner Kriminal- assistentenanwärter Richter, der am Sonntag bei der Verhaftung einer der-Hehlerei und des Einbruchs verdächtigen weiblichen Person aus der Lebewelk, in der Nähe des Alexanderplatzes den SA.-Mann Wachowiak tödlich und den SA,- Man» Klingbeil durch eine» Schuß in den Kiefer schwer verletzte, ist vom BernrhinungSrichter !n« Polizeipräsidium Haftbefehl wegen Verdachte» des Totschlages und versuchten Totschlages erlassen worden. „Miesmacher wollte zum Führer und landet« im Konzentrationslager." Unter dieser lieber- schrift berichtet der„Dortmunder Generalanzeiger":„Ahlen. Der Einwohner Alfred Tauch hotte sich mit seinem Fahrrad nach Berlin begeben, um hier persönlich beim Führer Adolf Hitler Beschwerde zu führen. Ter Miesmacher wurde obgewiesen. In Goslar befaßte sich die Polizei eingehend mit dem«iikfamen Radfahrer, den sie ' ins Konzentrationslager steckte." So bisscrl« I» Reichstagsbrand/' Das Wolff« büro meldet: In einem Schuppen der P i o n i e r- kasernc in Minden brach Dienstag morgens Feuer aus, das mit rasender Geschwindigkeit um sich griff. Im*Jh« stand der ganze 200 Meter lange Schuppen, in dem der Fuhrpark und jon- stiges Material des Pionierbataillons untergebracht waren, in Hellen Flammen. Trotz der anstrengenden Löschmaßnahmcn und BcrgungS- vcrsuchc der Feuerwehr, der Mindener Garnison sowie der gesamten SA und SS, war es nur möglich, einige Wagen ans dein rasenden Flom- «neumeer zu retten. In etwa zwei Stunden war das ganze große Gebäude niedcrgebrannt. Vermutlich ist das Feuer durch Brandstiftung entstanden.,„Man nimmt an/'— na selbstverständlich!— ,Haß c» sich um ein kommunistisches Attentat handelt." Ter Sachschaden beträgt etwa eine Million Reichsmark. Motorrad-Katastroph« in der Russiger Gegend. Samstag wurde an der Ueberführung der Eisenbahnstrccke bei Pschüra von dem Prager Schnellzug das Motozhkl des Anton Franke erfaßt und der Besitzer des Fahrzeuges getöte«. Sein Mitfahrer kam mit leichten Verletzungen davon. Toppeltod im Auto. Gestern morgen» gegen lralb 5 Uhr ereignete sich bei der Ortschaft Lud- wigsnwlde bei Königsberg ein tragischer Derkehrsunsall. Dort fuhr der Kaufmann Alfred Steinau au» Königsberg mit einer noch unbekannten Tom« mit seinem Pcrsoiienkrastivageii gegen einen Daum. Bei dem äußerst heftigen An- prall erlitten die beiden Insasse» Schädelbrüche und weitere schwere Verletzungen und«raren aus der Stelle tot. Gasmasken tverden dem„Feind" angeboten. Die deutsche Firma Dreger. die die SA mit Gasmasken versorgt hat, bewarb sich um die Lieferung von Gasmasken für die Tschechoslowakei. Tas Angebot wurde abgelehnt. Großfürstin Maria von Rußland besucht Konzentrationslager. Eine Großfürstin Maria von Rußland besuchte mit dem Rcichsstattholter Rochmer das Kouzentrationslager Wiescler bei Bremen und erklärte, sie habe aus den ersten Blick seststellen können, daß Tis.ftplin, Ordnung und neuer Lebensmut in Deutschland ein- gezogen seien. Peranügen ungestört. Wir der„Amtliche Preußische Pressedienst" milteilt, l>at der preußische Minister-eS Innern auf'Anregung-cS Reichsministers für BolkSaufklärung und Propaganda für das ganze Land Preußen durch Poli- zciverbot bestimmt, daß do» Singen und Spielen deü Deutschland- und deS Horst-Wessel-LicdcS in Vergnügung»- und Gaststätten aller Art verboten ist. Aus ULHorod wird uns geschrieben: In der Haft deS Bezirksgerichtes in Belte Berezne gestand die 21jährige Anna O k o h r»- bova aus der Gemeinde Turi Polany im Bezirk Peredin ein, daß sie am 9. ds. bei Arbeiten auf den oberhalb des Gebirgsdorsea Tuki Polany gelegenen Feldern die 50jährige Katharine Spinova mit Steinen und einer-Hacke erschla- gen habe. Die Ermordete hatte in der Gemeinde und in der Umgebung den Rus einer„voroLka", einer Zauberin. Als Grund ihrer Tat gibt di« A. Ba» Lunatscharskij, der ehemalige Volkskommissar für Unterricht wurde zum Sowjctbevollrnächigtcn«n Spanien ernannt. Der allgemeine WittcrungScharakter bleibt unbeständig, einerseits unter dem Einsluß von Ausläufern einer Truckstörung über der 'Nordsee, andererseits durch Einwirkung einer neuen Depression, die sich im Gebiete der Alpen ausgebildet hat. Diese Storung Hot in der östlichen -Halste de» Staates eine wesentliche Wetterverschlechterung gebracht.— Wahrscheinliches Wei- ter heut«: Fortdauern der unbeständigen Witterung, stellenweise noch Regenschauer. Temperatur im ganzen wenig verändert, über- wiegend westlicher Wind. Jüdische Zeitung verboten. Zur Ausrechtcr- Haltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung hat das Geheime Staalspolizeiamt dir in Berlin erscheinende periodische Druckschrift„E. B."(Zen- tralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) verboten. Dir Staatsprüsungen für da» Lehramt der Musik und des Gesänge» au LchrcrbilbungS- a n ft a l t c n und für do» Lehramt des Gesanges an Mittelschulen finden ain Anfang November 1933 in Prag statt. Anmeldungen sind bis zum 18. September an die Deutsche StaaIsprü«ungskonr- Mission Prag II., Dladislavova 23, zu richten. Gesellschaftsreisen de» T. B.„Die Natursrrundr". Äom 2. und 3. September führt der Touristcnver- «in„Tie Skat urfreunde" einen Autobus zum Besuche der Macocha und der Stadt Brünn. Besichtigt tverden die. Swu-per-, Ostrower-, Kalhuri- iren-, PuntNva-, und Majarykhöhl«. Ter neue W.-.!- serweg(688 Meier lang) ist erst am i. Juli rröji- ne« worden und- wird mit Motorbooten bejahren. In Brü.tii Stodtführung, Besuch der Spielbergke?.'- müttcn und Ser Kapuzincrgrust. Die Reisekosten de tragen für die- Hin- und Rückfahrt cinschließtt.ch Einlaßkarten, Nächtigang, Frühstück, Mittagstisch, Nachtmahl,. Unfallversicherung und Trinkgelder pro Teilnehmer Xe 218, bcziehungt-wersc Kc 230. Tiefe Reise kann, auch mit der Bahn äusgoführt werd:i «lud betragen dann die Reisekosten lls 230, dczv- hungSIveis« Kc 245. Ohne Fahrten nur ES 85, be ziehilngSrvc'sc K> 95.— Weiters führe» die Aalnr- sreiindc am 10. September eine Wanderfahrt nach Prag zum Besuche der Messe. Die Rrijelosteu betragen einschließlich der Fahrten, Eintritt in die Messe. Miitagstisch und Nachtmahl, Stadtjühruna, Unfallversicherung und Trinkgelder pro Teilnehmer Ke öS. Bei Benützung Ser Bahn erhöhen sich die Fahrkosten um& 21.—. Auskünfte, Anmeldungen und Prospekte nur durch die Geschäftsstelle d-e T. B„Die Naturfreunde", Aussig a. E., Markt platz 11. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag: Prag: 12.30: Mittogskonzert, 17.25: Musik für Kinder, 18.80: Deutsche Sendung: Rein Bürber, 21.10: Tinsouickonzert, 22.15: Konzert des Sawnorchesters.— Brünn: 11.50: Schallplatte», 17.55: Reisevartrag, 18.25: Teuische Sendung: Prof. Epstein: Soziologie der Gcg»vort.— Wien: 12: Mittagskonzert, 16.35: Jugendstunde, 19: Salzburger Festspiele, 19.16: Di« ägyptische Helena, Oper von Richard Strauß, 22.30: Abendkonzert.— Frankfurt: 15.30: Stunde der Jugend, 21: Vkozari.— Heilsberg: 15.80: Jugendstunde.— Mühlacker: 20.20: Zar und Zimmermann.— Leipzig: 15: BeschäjtigungSftunde für di« Jugend.— Berlin: 20.15: Franz Schubert.— Langenberg: 18: Feierabendkonzert. Okohribova an, daß die Spinova sie derart ver» -iub«rt hätte, daß sie dreimal, ihr n c u- erbautes'Anwejen verkaufen mußte, da sich infolge der Verzauberung im Hause Bohrkäfer angesctzt hätten. Weiter gaben auch die Kühe der Okohribova keine Milch mehr her und die Wirtschaft verwahrloste. Der Vater der Mörderin. Peter Okohriba sowie deren Mutter Julia wurden wegen Mithilfe zum Morde ebenfalls verhaftet. ouHHiiiiiuiuiiiHiiinimuiiuiiiinuniniuuiiiiiiiimiiuiiuiiHniiiHiiiiiuiiiiiiiiuuiiiiiiiuiiiiimiimiiiiniiiiuiiiiiiniiinniiHiiimiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHin Bluttaer Aberalaube in KarvatkwrufUand. Eine Bäuerin ermordet eine„Zaubert«". verfluchte Bohrkäfer und Verhexte Kühe- Re. 1« SW kühnes Akrobatenstück. Trapczllbungen unter dem Luftschiff. Ucber dem Hiiuscrmeer von LoS Angeles voll, führte ein amerikanischer Akrobat kürzlich rin toll, kühnes Kunststück. Er hing sich mit dein HalS an einem 7 Meter langen Seil auf, das von einem Luftschiff geschleppt wurde. Nachdem er eine Minute lang von jeder Atmung abgeschnitteil war, zag er sich selbst an dem Seil wieder hinauf in die Kabine. Ei« drittes Todesopfer. Dos schtvere Unglück am Sonntag im Zeltlager der H i t l e r-< I»- gendin Ode rw i e s« n feld hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Die 36 Jahre alte Kassie- rerin Martha Nußhardt, die bei dem Unwetter in ein Zelt geflohen und beim Zusommen- jtürzen des Zeltes sckMir verwundet worden war, ist gestorben. Acht Tot«. In der Nähe der Stadt Lunrber- ton(Nord-Karoftna) stieß ein Lastautomobil an einem Bahnübergang mit einem Zuge zusarn- men, wobei acht Personen den Tod sanden. Schifferstreik in Paris. Die Schiffsarbeiter auf der Seine in ihrem Unterlauf zwischen Paris uno Rouen sind aus Lohngründen in den Streik getreten. Die Arbeiter versperrten mit Barken die ganze Seine, io daß auch der Verkehr mit LebenSnntteln volllommen lahmgelegt war. Im Laufe des Diorstagvormittag beseitigten drei staatliche Remorqueur« die Barrikaden auf der Seine und machten damit den Verkehr wieder frei. Etwa 30 streikende Arbeiter wurden fest- genommen. Kaiser Karls Bruder in Wie««. Wie die Wie- ner Abendblätter gestern meldeten, weilt seit einigen Tage»« der Bruder des verstorbenen Kaisers Karl, der,ehemalige Erzherzog Max unter dem Namen Graf W. in Dien. Max erhielt di« Ausenthaltsbewilligung in Wien deshalb, weil er Mittwoch, 38. August 1888 Seite 5 Die Kunst des DiluoialmeMen. Neue Funde Prof. Absolons in Wisternitz- Freitag und Samstag wurden in Dister- nih weitere Funde aus der Steinzeit gemacht, Pros. Dr. K. A b s o l o n verössentlicht hiezu in den„Lidovs Noviny" einen Artikel, dem wir folgendes entnehmen: In der ganzen Welt wird aucrkannt. daß Mähren in der Lehre vom Ursprung des Menschen und der ersten ntenschlichen Kulturen in den vordersten Reihen steht. Die neuesten Funde in Wisternitz bringen eine neue Bestätigung dieser Tatsache. Die im Jahre 1931 unterbrochenen Arbeite«« sind bekanntlich wieder ausgenommen worden. Es kommt hauptsächlich darauf an, aus verschiedenen Anzeichen jene Stellen abzusck^tzen, an denen die nieisterr Funde zu crtvarten sind, besonders in dem Umkreise, wo die Lagerstätten der Manlnliitjäger der Diluvialzeit seit der Zeit von mehr al» 30.000 Jahren v. Ehr., unter einer hohen Staubschicht, verborgen waren. Ich möchte, meint Prof. Absolon,„Röntgenaugen" haben, um manchmal durch diese einige Meter hohe Schicht durchblicken zu können. Die gibt es jedoch nicht, und so müsse«« wir durch methodische Arbeit Vorgehen, mit dein Ziele, möglichst viel anfzudccken und möglichst vollkmnmen zu rekonstruieren, wie der Diluvialmensch gelebt hat, seine Paläontologie zu schaffen. Heuer haben wir die Zone westlich von den Stätten, in denen wir 1931 gearbeitet hatten, in Angriff gcnomnien. Bald gelang es un». eine Kulturschicht aufzudecken, die einen be- sonderen dachartigen Charakter hat— der First dieses Daches befindet sich««ahe unter der Oberfläche, die Flügel reichen tief hinab. Und je tiefer diese Flügel gehen, desto hiknslger sind die Funde, auf die wir stoßen. So begann sich vor etwa einer Woche rin meterlanger Mammutknochen zu zeigen, der bald einwandfrei herauSgehobe» wurde. In einer Schicht« von 30 Metern folgte« zahlreich« Gegenstände und kleinere Knochen. Mein Assistent E. Daüa, der die Arbeiten überaus gewissenhaft leitet, hat alle Hände doll zu tun, und er weiß, wa» jeder Moment bringen kann: diluviale Plastiken, wie ihrer in den Jahren 1924 bis 1930 eine ganze Reihe gefunden Wurde, unter anderen die berühmte Venu» von Wisternitz. nach dem ,^Oestcrreichvsch«n Abendblatt" hier r«ur geschäftliche Ziel« verfolge. Er ist nämlich Vertreter der großen englischen Versicherungsanstalt Llohd u. Co. und reist in GeschäftSangelegsrcheiten dieser Versicherungsanstalt. Mit dem Tod« bezahlter Rekord. Die bekannt« Rekordschwimmerm Ruth Sitzig aus Herne, die man Sonntag nach 80 Stunden mehr tot als lebciwig aus dem Essener Stausee, wo sie einen Weltrekord von 100 Stunden aufstelle» wollte, gezogen hatte, ist Dienstag nachmittag, ohne da« Bewußtsein«vieder erlangt zu haben, verschiede««. Plötzlich erschien d«r Torso«i«»» Tierleibe», vom Feuer angegriffen, auf de, eine» Seit« völlig geschwärzt— der Torso eines Bisons, den wir völlig zu rekonftruirren hosten. Bald darau der Kopf«ine» diluvialen Pferdes— equeü ferru», eine» kleinen, dichtbehaarten Pferdes, das längst ausgestorben«vor und in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Steppen Jnnerasiens durch einen Rnsirn tviederentdeckt wurde, nach dem es de« Namen Przewalfki lüft erhalten hat. Wir haben mit dem Kollegen Diöek die Bergung besorgt und unter meiner und des Kollegen Stehlik Führung wurde von unserem Präparator Josef Mrazek ein vollständiges Gerippe diese» Pferdes rekonstruiert, das in der Anthropoüaus- stellung ausgestellt ist. Der Kopf deS diluvialen Pferdes unterscheidet sich völlig von dem aller anderen Pferde. Die Wißbegier steigert sich, die Teilnehmer der Ausgrabungen wiflen olle, daß für besonders bedeutsaine Funde sie eine, den heutigen Zeiten allerdings angepaßt« Prämie erwartet. Da» Mam- iilnt ist da, das mährische Landesmuseum erhält ein neues Ausstellunaexemplar. Di« Statuette zeigt die charakteristische Haltung des RiesentieveS mit den ungefügen Tatzen, wie wir«S in der Anthro- poSai«Sstellu«lg haben ausstellen körrnen. Ein ganzes klein«« Museum an Werkzeugen ans Kristall, au» Kieseln, Quarz, Karneol, rotem»nd grünem Jaspis ist da, sogenannte Nnivcrfolinstrnmente, die zwei bi» drei ver» schiedenen Funktionen dienen. An eine«« End« eine Spachtel, am anderen«in stumpfer Stichel, unten ein an beiden Enden bearbeiteter Griffel au» Jaspi«— ein wahres„Fressen" für Kenner. Weißpatinierte Spachtel in Lhra- sorm. Feilen und zahlreiche andere Inventarstücke. So gehen die NachsorschungSarbeitcn von Tag zu Tag weiter, lind immer neue Funde an» de» Anfängen der Bildhauerei, Malerei und Musik. So sanden wir vor zv>ei Tagen eine eigentümliche P f e i f e, au» einem Löwenzahn geschnitten, auf der da» Signal in D, und anderen Tönen gepfiffen werden kann. Technologie de» Alltage» in Form von Hämmern, Boh. rern, Feilen und so weiter. Das bedeuten daae- gen die Kulturen der alten Aegypter, Assyrer, Chaldäer und all der anderen? Eine grau um fünf Krügel Bier. Au» dem Siebenbürger Städtchen Gheorghrni wird über einen sonderbaren Fall von Frauenhandel berichtet. Danach Hot ein gewißer Szabo Menyhert noch Im Jahre 1028 seine Frau, zu der feine Liebe an- scheinend schon erkaltet war, mit ihrem Einverständnis und in Anwesenheit zweier Zeugen an seinen Freund Bolasz um fünf Krügel Bier verkauft. Nach dein im grundbncherlichen Besitz der Frau auch eine kleine Bauparzelle eingetragen war, wurde diese Par- je&e von Balasz ebenfalls„so unter der-Hand" um 5600 Lei gekauft. Dieser Verkauf wurde durch einen von beiden Teilen und zwei Zeugen unterfertigten Konkrakt-bestätigt/ Die Oeffentlichkest erfuhr davon erst vor einigen Tagen, al» die„kontraktlich verkaufte" Frau aus verschiedenen Gründe» mit ihrem Serzeitlgen„Besitzer" unzufrieden war, den Kaufvertrag rückgängig zu machen wünschte und ihn zu diesem Zwecke dem Bürgerimister de» Städtchen» unter« breitete. Dem gerichtlichen Nachspiel dieser„Transaktion" wird mit Interesse entgegengesehen. Aufreizender Luxus, aufreizender PrcsseberkM Salzburger Festspiele al» Parade de» Reichtums. Die„N« u e F r e i e P r e s s e", die Schamlosigkeit der Unverschämten überbietend, entblüdet sich nicht, über da»„Parkett der Prominenten b«i der„F a u st"-Prcmiere nr Salzburg Folgendes zu berichten: Ein« Auffahrt wie vor der„Faust"-Prenm#», hat Salzburg noch kaum gesehen. Der Antopark erstreckt« sich vom Reinhardipwtz bi» zum Enve des Gninmarkte». Diesmal waren die Herren ausnahmsweise beinahe eleganter al» di« Frauen. Biele Tanten hatten, dem S p o r t p e l z zuliebe, einfache Kleider angezogen. Und wie auch bei den' großen Opernanffühvungen der Fostfpieliooche», zum Beispiel bei„Tristan und Isolde" am Tag vorher, sah»ran in den teuersten R«i» hen elegante Leute, die draußen ihr P rach kau t o Parken ließen, im Reisedreß, naben fabelhaft gekleideten abend- iichen Erscheinungen; in den rückwärti» gen Reiben aber noch viele Besucher in Smatiug und zartester, Heller Festrobe. Für Marlene D i c t r i ch bildete sich ein Spalier der Neugirri- geu. Jeder«vollle sie genau sehen, ihr schwarzes Hosenkleid betrachten, da» sie mit einem schwarzen Schal, mit schwa rze mB re: schwanzmantel, reichem Silbersuche- kollier und Brillante»schmuck über schwarzen Handschuhen trug. Auch Fritzi Majjary war ganz«n Lchtvarz gekommen: in silberjuchsbesetztem Brrilschwanz- Mantel zum schwarzen Alxndkleid. Gusst Holl- Jannings sah in einei» Nerzmantei übrr rosa Toilette reizend aus. Man sah sehr viele Hermelinman tel, Jäckchen und Casis jo- wie blumige helle Abrndroben; eine Frau, die einen lichten Brokotlurban trug, w.r», dem unsicheren Wetter und der Alpennach«, di« auch nach einem sonnigen Tag kühl wird in der selsizen Reitschule, mit He r m e li n in a n i e l und langem Hermekincape ausgerüstet. Friedl Harr- ltn trug ein Bluntenlleid; Frau Bruno Walter in Grau n«w Lotte Schön in Braun waren von bezaubernder Vori«eh-inhelt. Wir wollen erst gar nicht davon reden, in welchen« aufreizende«« Gegensatz zur Rot von Millionen Arbeitslosen diese„fabelhaft Gekleidete«!" mit ihre«« Breltschwanzmänleln, Holen- kleidern, Brillante» und Prachtauto» strprn. D a f ü r habe«« ja weder die Besitzer dieser Herrlichkeiten noch da» Wiener Bourgeois-Blatt Verständnis, Gefühl und Takt! Aber da« soll- tcn sic doch wenigstens ahnen, daß dir Kult u r- mission der Salzburger Festspiele, und di- G o e t h e s c i e r durch solche Zurschaustellung eines fabelhaften Luxus und durch die rü!>- «nende Hervorhebung seichtester Acußcrlichkclen entwürdigt werden! Komödie um ein Theater. Reicheuberger Rathaus-Methoden. Reichenberg, das gerne di« ,, Metropole Deutschbohmens" genannt wird, hat ein Stad t- t h e a t e r, da« Heuer auf seinen fünfzigjährigen Bestand zurückblicken kant«. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise haben auch die Stadtsinanzen nicht verschont; gehört doch gerade da» Reichenberger Gebiet zu den von Betriebseinschränkungen, Stillegungen und infolgedessen von der Arbeitslosigkeit und vom Rückgang der Gemeindeeinnahmen am härtesten betroffenen Gemeinwesen der Tschechoslowakei. Sparmaßnahmen sinh daher unvermeidlich und ver- stänolich; daß daS Stadttheater, soweit die Aufwendungen, au» Stadtmitteln dafür in Betracht kommen, davon nicht unberührt bleiben kann, ist ebenfalls begreiflich. Was macht aber das Reichenbcrger Rathaus, da» übrigens auch in anderen Dingen durch sonderliche Streiche berühmt werde«« zu wollen scheint? Im Jahre 1931 war der Theaterbetrieb für die Spielzeiten 1932-33 und 1938-84 zu grundsätzlich Unveränderten Bedi««gungen— nur die Spielzeit wurde«nn einen Monat verkürzt und das.verbürgte Einkommen des Direktors dementsprechend herabgesetzt— weiter an Direktor kommet übertragen worden. In« Theater, aussichtSrat von einiget« Vertretern gestellte Anträge auf andersartige Vergabe«vurde» von der Mehrheit abaelebnt. Demgemäß wickelte sich die Spielzeit 1982-33 ab, der von der städtischen Spielzeit ousgeschaltete Monat April«vurde al» Arbeirsgemeinschast der Bühnenangestellte«« betrieben, in« Feber 1933 schloß der Direktor, wie es üblich und vertraglich festgelegt ist, mit den« Personal die Anstellungsvertrage für die Spiel- zeit 1983-34 ab, ersetzte im weiteren Verlaufe dieAbgänge in« bisherigen Personal durch Neu- ausnähmen, bereitete also die Fünsjigjahr-Jubi- läumSsvielzxit in« Rahmen seines mit der Stadtgemeinde abgeschlossenen Vertrages vor. Da plötzlich wußte am 2. Juni 1933 da« Avetckblatt der„Reichenberger Zeitung" zu mel- den, der S t a d t r a t habe im Zuge von notwendig gewordenen Spannaßnahiu«,« den Vertrag "mit Direktor Sommer als aufgelöst »rklärt, weil nicht mehr unbeschränkt für den Be- triebsabgang des Theater aufgekommen werden könne... Als einige Mitglieder de» Theateraufsichtsrates, wie oben erwähnt, vor Abschluß dieses Vertrages seine diesem Gedanken entspre- cheride Aenderung beantragt hatten, war dieser Antrag von der Mehrheit abgelehnt worden; jetzt, da der Vertrag fraglos so gilt, wie ihn damals die Mehrheit beschloß, erklärt man ihn ganz einfach einseitig als aufgelöst! Dies macht aber der Stadtrat allein, der Theateraufsick t» r a t wird darüber gar nicht befragt, er wirb einfach nicht einberusen— und feine Mtgli^er fragen sich, wozu sie eigentlich diesem „Aufsichtsrat" angehören und wozu er überhaupt da ist, wenn der Stadtrat über ihre Köpfe hinweg macht, was er will. Der Direktor stemmte sich begreiflicherweise gegen die einseitige Aufhebung des mit ihm abgeschlossenen Vertrages, zumal er ja auf dessen Grundlage bereits Monate vorher die Mitglieder für die Spielzeit 1983-34 fest verpflichtet hatte; diese wiederum lehnten ebenso begreiflicherweise nachträgliche Verschlechterungen ihrer rechtsgültig«nit dem Direktor Sommer abgeschlossenen Verträge ab und betrachten sich als im Sinne dieser Verträge ab 1. September 1933 für die Splelzeit 1933-34 des Reichenbcrger Stadtthea- ter» fest verpslichtet. Bcrhandlltimen zwischen dem Rathaus und den« Direktor Sommer scheinen nock zu keinem Endergebnis geführt zu hoben, obwohl nur noch eine Woche bis zum Begin«« der Spielzeit fehlt. Gerüchtweise verlautet, das Rathau« habe an Direktor Sommer die ultimative Forderung gestellt, die ihn« von der Stadt voraeschriebenen Bedingungen— Höchstzn- schnß für die ganze Spielzeit 250.000 K«— an« zunehmrn, andernfalls werde die Stadt selbst die Spielkonzession erwerben und für eine anderweitige Vergabe de»' Theaters sorgen. Das eine Woche vor Spielzeitbeginn! Das Rathaus hat durch sein Vorgehen eine höchst sonderbare Lage geschaffen: Den Vertrag der Stadt mit den» Direktor erklärt es al» ungültig, scheint also auch Herrn So«nmer«richt mehr als Theaterdirektor zu betrachten; dieser hat aber 60 bis 80 Personen vertraglich für bi« ganze Spielzeit ausgenommen, die mit 1. Sep- tember d. I. ihren Dienst antreten. Er hat auch bereits die Stammsttzmiete ab.1, September ausgeschrieben, die Pläne für'diese JubliämnSsplel- zeit veröffentlicht, ist wohl auch schon mitten in der gewiß nicht einfachen und leichten Vorbereitungsarbeit— und eigentlich ist das Schicksal des Theaters und seines Direktors»roch ganz ungewiß! Gewiß ist nur das Eine, bah Hunderte Existenzen an dem Theaterbetrieb hangen und daß die ganze Ungellärtheit sicherlich nicht dazu beitragen kann, bas gerade heiter so dringend nötige Interesse des Publikums art dem Theaterbetrieb zu fördern! Gefördert wird dagegen die Ungellärtheit und Ungewißheit d-urcb vielerlei Herumgerede, das auf dem Wege über den Kafseehansklatsch auch in die Zeitung gelangt. So schreibt wieder der schon aus früheren Schmusen bekannte Fritz Seemann im„Prager Tagblatt" von« 20. dS., Verschiedenes über bas Reicheitberger Theater, Iva8 er gewiß«licht verantworten kötmte. So behauptet er, daß das Defizit in manchen Jahren eine Million str betrug; den Nachweis dafür, daß der Betriebsabgang einer Spielzeit wirklich eine Million auSaemacht habe, müßte er wohl schuldig bleiben. Zwar ist der Betriebsabgang groß genug, aber diese Höhe hat er«richt erreicht— wenigstens nach den Rech- nurrgslcgungcn im ThcateraufsichtSrat. Vielleicht hat aber.Herr Seemann bessere Quellen als diese städtisch« VcrwaltnngSkörperschast...? Nach den weiteren AnSführungen Seemanns habe bie Stadt den Direktor Sommer ersitcht, einen Monat später»nit seine»! Vorstellungen zu beginnen und zwei Monate der sonst neunmonatigen Spielzeit alö Arbeitsgemeinschaft zu spiele»! oder früher zu schließen. Dazu ist mir zu bemerken, daß ei eine neunmonatige Spielzeit in Reichenberg schon seit 1930 nicht«nehr gibt und daß weiter die städtische Spielzeit schon 1932-33 um einen weiteren Monat aus sieben Monate(September-März) verkürzt und der 8. Monat(April) von einer Arbeitsgemeinschaft deS Bühnenpersonals gespielt würbe. Einen Monat später beginnen und zwei Mvnate alS Arbeitsgemeinschaft spielen lasten— vorausgesetzt, daß sich eine solche überhaupt sände— wurde also aus eine städtische Spielzeit von 4 öder 8 Monaten hinauslanfen. Dazu kommt, daß alle Anstellungsverträge des Direktors Som- mer in Ueberesnstintmüttg und auf Grundlage seine- eigenen Vertrage- mit der Stadtgenieinde ah 1. September laufen, das Personal also- ab diesem Tage anaestellt ist und bcschastiat werden muß, bczw. Entlohnunasanspruch hat. Herr See- mann verinerkt zwar, die Stadl versuche, wieder selbst in dei« Besitz einer Thealerkonzession zu gelangen und daß, wenn sie diese erhalt, alle Verträge, die Direktor Sommer mit den Sängern und Schauspielern für das nächste Jahr abgeschlossen hat, ungültig seien, da er nur al» besohlter Angestellter der Stadt fungiere— doch wäre darüber da» ArbeitSgerichi, wenn rs bei Nichterfüllung der AnstelliikigSvorträge vom Personal angerufen würde, voraussichtlich anderer Meinung. Noch eine Bemerkung: Bor 2 bis 8 Jahren«vurde in Reichenberg mit großem Schwung eine„Deutsche Theaterge- in e« n d e" ins Leben gerufen, um das Theater zü stützen und zu fördern. Zu Beginn der vorigen Spielzeit hat sie eine eifrige Befucherwer- bung unternommen. Seither ist nichts mehr von ihr zu vernehmen. Gerade in dieser kritische«« Lage hätte die Theatergeiueiiide, wenn sie ihre Ausgaben ernstlich erfüllen will, Verschiedenes zur Sicherung dieser Jubilänmsspielzeit schon in die Wege leite«« müsse««. Nichts derartiges ist aber wahrzunehmen. Obmann der Thcatergemeinde ist Bürgermeister Senator K o st k a. Hat er kein« Zeit, sie zur Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Obliegenheiten zu bringen, durch die doch auch die Sorgen der Stadt erleichtert werden könnten? Oder ist es vielleicht so wie mit dem— Theateraufsichtsrat und wird im Rathaus nicht gewünscht, daß Körperschaften, die nach normalen Begriffen rnit diesen Fragen zu beschäftigen wären, sich um daS Schicksal dcS Theaters mit zu bekünunern trachten? Im Interesse der gerade in der heutigen Zeit bringend notwendigen Pflege der Bühnenkunst, im Interesse aber auch der vielen mit den« Theaterbetrieb zusammenhängenden Men- schenexistenzen ist dringend zu Wunsche«, daß nicht» unterbleibt, wo» die D««rchfiihrung der IubiläumSsvielzeit zu sick«er«t vermag. Daß dabei über die sinanziellen Möglichkeiten der Stadt nicht hinausgeaangen werden kann, ist selbstverständlich, ebenso daß dnrch die Aufwendungen für den Theaterbetrieb die sonstigen Aufgaben der Stadtverwaltung— besonder« jene sozialer Art — nicht vernachlässigt werden dürfen. Daß aber die jetzigen RathauSmethoden aus diesen« Gebiete richtig sind, ist zu bezweifeln. Karl L ö w i t» Seite 8 Mittwoch, SS. August 1888 Slr. M PBAGE» MlIIHWi. Geriditssaal Bedauernswerte Angestellte! Arbeiitkraft auf ffltcbit Prag, 22. August.®aö große Elend derer, die »«aus angewiesen sind, von ihrer Arbeitskraft zu leben, hat dahin gesührt, daß eine wahre Hochkonjunktur sür gewissenlose Ausbeuter der verschiedensten Art angebrochen ist. Ta ist da« Heer der KantionSschwindler und betrügerischen E t r I l e n v e r m i t t l c r, die doch— z»>n Teil wenigstens— durch den Betrug-- oder B r r- »ntreuung-paragraph unsere- veralteten Strafgesetzes strafrechtlich zu packen find, wenn auch in ganz unzulänglicher Weise. In zahlreichen anderen Fällen versagt aber dieses aus eine längst vergangene Zeit zugcschnittrnc Strafrecht vollkommen. Solche Fälle, in denen es sich eben„n u t* um „eine zivil rechtliche" Angelegenheit handelt, beschäftigen dann die Arbeitsgerichte. Ter sein Recht suchend« Arbeitnehmer Pflegt solche Stritte zu gewinnen. Biel zufriedener als er ist aber oft der„u n t c r I c g e n e" Tienstgcbcr, denn da rr keinen Heller besitzt, fechten ihn keinerlei Exekutionen irgendwie an. Es gibt eben noch kein durchgreifende« soziale« Wirtschaft« st rasrecht. So klagten vor dem Arbeitsgericht drei Angestellte der ehemaligen Firma Jng. I. R r i- ßenzahn, die sich mit bankgcschästlichen und ähnlich Unternehmungen zu bcsassen pflegte. Alle drei Angestellte mutzten Kaution stelle» sklugerweise deponierten sie v i n k u l i e r t e S p a r b üch e r), u. zw. je 10.000 und dann hatten sie die Ehre, durch etliche Monate ohne Entlohnung für dir Firma zu arbeiten. Es war kein Geld da. Wie sich später herausstellt«, war die ganze Firma ohne Barkapital gegründet worden und so ziemlich alles, was zur Einrichtung und Führung des Geschäftes notwendig war, aus Kredit genommen. Auch die Arbeitskraft des Personals! Die Angestellten lebten in dieser Zeit von „Vorschüssen", die sie sich selbst a u s z a h l> t c n, nämlich durch AbhebungenauSdenvrn» k u l i e r t e n Buchern, die sie als Kaution gestellt hatten, wogegen die Geschästsleitung großmäulig keinen Einspruch erhob. Vielleicht macht diese Methode der„S e l b st b e z a h l u n g" der Angestellten Schule. Als das Unternehmen zu wackeln begann und in andere Hände übergehen sollte, erhielten die Angestellten trotz vereinbarter dreimonatiger Kündigungsfrist kurzfristige Entlassungs. brief«. Sic klagten die Sache beim Arbeitsgericht rin. Es kam zu einem Vergleich, durch welchen der ehemalige Tienstgcbcr sich zur r a l« nw e i se n Bezahlung der Gchaltsforderungen verpslichtctc, „btt sonstiger Zwangsvollstreckung". Sb den Angestellten damit zu ihrem Geld verhalfen wird, wird sich erst zeigen. Tenn wo nicht« ist... rb. Ein Belrunlener spielt Tlatio"sches. Nachtszrnr auf dem Bahnhof Dranik. Prag, 22. August. Im Mai d. I. kam c« aus dem Vorortcbahnhos B r a n i k zu einem schweren nächtlichen Krawall. Ter Handlungsgehilfe Jaroslav Benes, der mit dem Mitternachtszug gegen Z üv i st- K ö n i g s s a a l fahren wollte, war in jo betrunkenem Zustand, daß er durch sein Umher- st o l P e r n auf dem Bahnsteig den Betrieb störte. Als er zur Ruhe gewiesen wurde, ergriff er in feiner alkoholischen Justamrnl-Ttimmung die Signal- l a t e r n e, die an der Türe der BcrkehrSkanzlei hing und torkelte damit zwischen die Geleise, wobei er nach allen Seiten 8 i ch t f i g» a l r gab. Ta der Zug- nahe war, hätte das Treiben des Bcsosscncn üble Folgen haben können. Man holte ihn also mit Gewalt in die Kanzlei und eröffnete ihm, daß er im Sinne des Paragraphen soundso der Betriebsordnung von der Beförderung auSgcschlos- s e n sei. Tiefen Bescheid wollte der Alkoholisierte jedoch absolut nicht zur Kenntnis nehmen. Er wollte mit aller Gewalt einsteigen und al« man ihn zurückhielt. teilt« er F u tz t r i t t e aus, biß und kratzte und wurde schließlich mit vieler Mühe aus die Wachstube gebracht, nachdem er auch noch den P o l i z i st e n einige Hiebe verseht hatte und einige E i n r i ch> tung-gegenständ« demoliert hatte. Die Folge war eine Anklage wegen öffentlicher Gewalttätigkeit und boshafter Sachbeschädigung und damit eine Anwartschaft aus mindesten« drei Monate schweren Kerker-. Ta aber alle Zeugen dem heute sehr kleinlauten Angeklagten bestätigten, er sei vollkommen betrunken gewesen, kam rr mit einer Woche Arrest wegen Ucbcrtretung der Trunkenheit davon. Ter Gerichtshof des OGR. NedvLed bewilligte dem sonst wohlvcrhaltencn Jüngling den bedingten Strafaufschub. rb. Kunst und Wissen Der Soielplau des Prager Deutschen Theaters 1833/34. Oper: Mozart: Tie Zauberflöte, Cofi fan tulte, LeS Petit- Niens(Ballett). Wagner: Tannhäuser, Par- .sisal, Tristan und Isolde. Smetana: Die verkaufte Braut. Hal 6 vy: Die Jüdin. Rossini: Der Barbier von Sevilla, Die Italienerin in Algier. B e r d i: Macbeth. Puccini: Madame Butterfly, To-ca. Z e m l i n s k y» K l a b u n d: Ter Kreidekreis. Kkenek: Das Lede» Karis V. Strawinsky: OedipuS Rex. . Schauspiel: Schiller: Wilhelm Tell, Wallenstein(Zur Gedenkfeier 1934). Goethe: Faust I. und LI. Teil. Shakespeare: Ein Sommernachtstraum, Wie es Euch gefällt. N« stroY: LumpacivagabunduS (zum hundertjährigen Jubiläum des Werkes). Frey tag: Die Journalisten. Bahr: Das Konzert(zum 70. Geburtstag des Dichters). Ibsen: John Gabriel Borkmann. Wedekind: Die Kaiserin von Neufundland(Pantomime). Hauptmann: Die goldene Harfe. Kaiser: Nebeneinander. Sheriff: Die andere Seile. Werner- Brod: GloriuS, Der Wundcrkomödiant. Rundt- M e y e r: Disracki(mit Ernst Deutsch). Muss»- lini- F or zan o: Dir hundert Tage. Billin- ger: Lob des Landes. Priestley: Wenn... Lauf«: Pension Schöller. Rößler: Die fünf Frankfurter(mit Gisela Werbeziel). Bus- Fekete: Die Trafik ihrer Exzellenz. Zoff: Rosen und Vergißmeinnicht. S ä v o i r: Tie kleine Katharina. LonSdale: Neuer comc Back. Bira beau: Ma Soeur de Luxe. Außerdem sollen die neuen Werke von Shaw, Zuckmaycr und Bruckner im Spiclplan de« Deutschen Theater« erscheinen. Operette: Abraham: Ball im Savoy. Benatzky: DaS bezaubernde Fräulein. Gilbert: Die Dame mit dem Regenschirm. Brand-Götz: Die Zaubcrrrisc (Uraufführung. Brand ist erfolgreicher Komponist der Oper„Maschinist HopkinS"). Hervä: Mamsell Mtouchr. Strauß: Die Fledermaus(Inszenierung Max Reinhardt). Offenbach: Pariser Leben. Ferner befindet sich eine„Prager Revue" in Vorbereitung. Beginn der Spielzeit: 2. September(mit Wilhelm Dell"). Abonnemenirbcstellungen für die neue Spielzeit werden täglich von l> bi« l Uhr an der Kajsa de« Neuen Deutschen Theater« entgegengenommen. Bon der deutsche» Akademie für Musik und darstellend« Kunst, Prag N., Bladislovova 28. Die Aufnahmsprüfungen sür da« Schuljahr 1933/34 finden Montag, den 11. September' tatt. Die Anmeldung ist schriftlich bis b. September unter Beifügung des Hcimatschcincs und de« letzten Schulzeugnisses(Mindesterfordernis: Absolvierte Bürgerschule oder Untermittelschule) und Angabe de« gewählten Hauptfaches au die Direktion zu richten. Dem Gesuch sind k> Kd, in Briefmarken bei- zuschließcn.— Die Deutsche Akademie sür Musik und darstellende Kunst In Prag hat ein« Spezial- chule sür Bühnenbildkunst eröffnet, in der k m i l P i r ch a n über Theaterdekorotionen, Kostüme, Gesamtausstattung der Bühne usw. vortragen wird. Für die Schüler sind nicht nur theoretische Vorträge mit Lichtbildern, sondern auch praktische Urbungen in den Werkstätten, Ateliers und auf der Bühne des Neuen Deutschen Theaters in Prag vorgesehen. Vereinsnadiriditen Allgem. Angestellten-Berband, Jngendsektion Prag. Mittwoch, den 23. August, abends halb 8 Uhr, im„Verein deutscher Arbeiter" Ausschuß- s i tz» n g. Um 8 Uhr im selben Lokal Monats- Versammlung. Tagesordnung:„Jugendtreffen Reiche»berg und Bunter Abend der Ortsgruppe". Der Film Namenlose Helden. „Soziale" Reportage au« Amerika. Würde bei uns eine Gesellschaft(sie müßt« allerdings erst zu diesem Zivecke gegründet werden) das Wagnis beginnen, die Wahrheit zu schreiben, wie Filme entstehen, dann würde lotsicher die Zensur dieses Unterfangen als gefährlich ablehnen und verbieten/ Amerika ist in den letzten Monaten fortschrittlicher geworden: dir unendlich« Pleite der verlogenen Gesellschaftsfilm« und Smokingoden hat dazu gesührt, daß nunmehr auch der Alltag zu sehen ist. Und hier werden in wirklich erschütternder Realistik jene Filnisklavcn gezeigt, welche unter dem Namen „S t u n t m a n" di« waghalsigen Knnftstnckchen vollbringen müssen, di« man in den sensationellen Gangsterfilmen bewundert. Unter Einsetzung ihrer Gesundheit, ihres Lebens versuchen sie Akrobatik, die ihren Arbeitgebern Geld bringen soll; für 100 Dollar« springen sie durch Flamme», stürzen in Banksäle, lassen sich von Wasserfällen hcrunterschleudern, schaukeln in schwindelnder Höhe und riskieren dabei eigentlich nichts: denn wenn sie ihre» muslelstarkcn Körper nicht als Filmsutter vrrkausen, bleibt das Fressen au«. Ost und ost habe» wir in den letzten Filmen Amerikas bewundert, wie klar di« Arbeitslosigkeit als Würgengel dargestellt wird: auch hier sehen wir den starken S k i p p y von Laden zu Laden vergebens um Arbeit und Brot bitten, bis er wieder um' seiner Frau willen den Berus des Stuntman ergreift, um dir Familie erhalten zu können. Dieser nwderne Gladiaiovcnhandel, wohl das Verächtlichste von Hollywood, wird!m Film ohne Umschwcise und Beschönigung gezeigt. Es sind nicht edle Motive, welchen wir diesen Film verdanken: man versucht eben jetzt das Geldverdienen durch Wahrheiten, aber das kann uns nicht hindern, den dokumentarischen Wert dieser Filme gebührend zu schätzen und zu unterstreichen. Hollywood hat auch in diesem Film nicht vergessen, wa« es seinem Ruf schuldet: eine naiv« 8i«bcSg«schichie bringt den persönlickten Konflikt von B«rus und Lieb«, der de» Amerikanern wichtiger ist, als die sozial« Situation der bedauernswerten Helden des akrobatischen Fiimrasen«, die als Heiden dastehen. Regisseur Ralph'Ince gibt dem wa« wilden und bunten Inhalt de« Films«inen richtigen, klaren Nahmen: er zeigt einfach, wie man sensationelle Filmmvmenie konstruiert, er verheimlicht nicht« vom Skandal des Hollywooder Menschenhandels. Mit großem Können zeigt er den Film hinter den Scheinwerfern, di« ungeheuren Ateliers, die verbrecherisch« Sensalionssucht der Filmkalkulanten. Seine Mitwirkenden sind alle ausgezeichnet: vor allem William Boyd und William Gargan, di« mit llugezwun- genhcit dir Stuntmen spielen. s W. Lg. Schotte». Mr. Goldsmith. Drei Engländer, Freunde, haben beschlossen zur nächsten Zusammenkunft müsse jeder etwa» von Gold mitbringen. Der Londoner zieht einen Goldsüllscderhol, ter aus der Tasche. Der Mann au« Devonshire hat Zigaretten mit Goldmundstück mitgebracht Der Schotte' einen GeschMSfreunb:„Gestatten Sic, daß ich vorstelle— Mr. Goldsmith!" Der Orden. Mac Pherscn war ein tapferer Soldat, guter Kamerad und— Schotte. Nach einem heißen Tage, an dessen Erfolg Mac Phersen hervor, ragenden Anteil hatte, sollte er zum Viktoria, kreuz vorgcschlagcn werden. Der Colonel gönnte es ihm gern, kannte aber seinen Schotten. Darutn bestellte er ihn abend« noch auf da« Rcgimcntsbiiro:„Mac Dherson, Sie haben Au«, gezeichnetes geleistet und sollen belohnt werden. Sic können hundert Schilling haben oder dar Viktoriakrcuz. WaS ist Ihnen lieber?" „Colonel, lvaS ist der tatsächliche, ich meine der Materialwert dieses Ordens?" „Nicht allzu viel," antwortete der Offizier. „Ettva drei Schilling das Stück." „Dann, Hauptmann, hätte ich gern den Biktoriaorden und die übrigen 97 Schilling in bar..." Filme In Praaer Limtspieihausero bis einschließlich Donnerstag, den 24. August 1933. Adria:„Namenlose Helden."— Alfa:„Da« Lcrchenlicd."— Fänix:„Auf der Spur."— Flora:„Studenten-Hotel."— Gaumont:„Madame wünscht kein« Kinder."— Hollywood:„Ptadanic wünscht keine Kinder."— Hvözda:„Namenlose Helden."— JuliS: Weitere neu« ausgezeichnet« Luft- piek« mit Szöke Szakall.— Deutsch.— Koruna: „Die unsichtbare Front."— Kotva:„Don Quichotte."— Lacerna:„Don Quichotte."— Metro:„Die Nacht der großen Liebe."— Passage: „Weitere neue ausgezeichnete Lustspiele mit Sjöfe Szakall.— Deutsch.— Praha:„Voruntersuchung." — Radio:„Die weiße Welt."— Staut:„Nir- m a n d S l a n d."— Svötozor:„Die Nach! der gro- zen Liebe"— Alma:„DaS Lied der Arbeit."— Bajkal:„Die nackt« Frau."— Favorit:„D. Phantom der Rennbahn."— Kapitol:„Weekend im Paradies."— Lido:„Anton Speiet r- der Schars- schütze."— Louvre:„Brennendes Geheimnis."— Unser Blatt der„Sozialdeniolirar ist in Prag in folgenden Derfchleitzstellen zn hoben: Bahnbohboehbudlonr, Wlltonbabnhof. Mutnl- bahnbot, Denlsbabnhof. BartAk, Trafik, Prag IL, Tyinoy 1 Barok Hugo, Trafik. Prag L Staromdsltke Di- mSstl 32. Hodrova, Trafik, Stnichov, näbr. lull IX Jellnkova, Trafik. AntlS N„ Motin« dorn;.Be- formy“. Kotyza Jan, Trafik, Smlchov, Zborovtkd tt. IX Krantova A., Trafik, Karlin, Krälovtki 14. Krejbik A., knihknpectvi, Prag-Lieben. Krilov- ekd 1511. Kroupa JlndE, Trafik, Prag II» Raiinoro näbf„ stänek 114. Lthrensohn Karl, Trafik, Prag II., Nekazanka i. MarcS Josef, knlhkupectvl. Prag-Buben«, ul. Dr. Bräfa 24. Monik, Trafik, Prag I„ Parlament MrdSkova, Trafik, Prag I., Joiehki(L»tänek t»k> Mriiz Jan, Smfehov, Radllckd 11, 43. Orbis A.-G., ZcltungtvcrscbletB. Praha XII.. Po ehova ti. 62. „Präge“. ZeltungsvertchlelB. Prag II.. Havlltkovo nim. 23. Sedlik Vieler. Trafik, Dojvlce, Svecova. Skrabkova Anna, Trafik. Dojvlce. Henncrovy dfednfokö domy 280. Strouhal Artur, Trafik, Prag Ul., Moateck« 40. Tausslg E., ZeltungsvorschlelB Prag TL, Vielt*- ■ki nam. 45. Ungcrmann Rudolf, Prag II., Panski bei Palast- holel. Üstfodni dSln. knlhkupectvl. SvSccny. Prag II« Hybcrnskü?. Zcmann. Trafik, Prag tt„ PorStyn. Fernst ZeltnngsversehlelB, Prag II., Smefiky 840. Und bei StraOenverkKutern: Wcnxeltplatt— MOstek— Masarykbahnbof- Wllsonbnhnhof. Der ewige Trommler. Bon Charly Wilk. (Schluß.) Damals— wir schrieben da« Jahr 1927— stellte gerade der Arbeiler-Tchützen-Bund einen Trommler- und Pfeifer Chor auf. Wir konnten also Trommler gut gebrauchen, und da in solch kleinen Nestern ivic es nn'er Hcimalstä-^tchen'ft, Trommler nicht eben aus Bäume» wachsen, ging ich zu Piepel. nm ihn sür UNS zu gewinnen. Bcreiiwillig sagte er auch zu.„Gewiß, trommeln will ich wohl für euch! Aber mit der Politik, da müßt ihr mich in Ruhe lassen. Tas sicht meine Mutter nicht gerne." Wir dagegen iahen PicpctS Mutter nicht gerne. Denn sic war inzwiicheii ein richtiggehender Beien mit-Haaren aui den Zähnen geworden Aber Piepel, obwohl wie bereilS erwähnt, ein an Geist nud Körper erheblich stecken gebliebener, alter Knabe, war immerhin doch ein guter Trommler. Wir mach en allo anie Miene znin unpolitischen Spiel und reihten Piepel in nnlcrm roten SpiclmannSzug ein, wobei wis uns ab.-r heimlich Vornahmen, ihn von Ijitttcit hernni politisch in die Mache zu nehmen. Aber das war gar nicht io einfach, wie wir unS das gedacht hatten. Tenn wenn auch Piepel in seiner Eigenschaft al« Lpiclmann ungezählte Versammlungen und Demonstrationen mitmach.e, daher auch ungeHhltc Referate mit anhörte, blieb er in geradezu eiserner Indifferenz stecken. Mochten auch ringsherum die Wogen der politischen Erregung»och so hoch gehen und inochlcu die brennendsten Fragen deS TogcSkampfes die Gemüter der Kameraden noch so tief auswühlen, Piepel Pawlack blieb WaS er war: ein guter Trommler, alles was reck)! ist, aber darüber hinaus nich: ein Fihelchen mehr. D-ann fand der Nazidoktor Frick, damals Ministerpräsident von Thüringen, endlich den langersehnten Anlaß, unseren roten Schützenbund zu verbieten. In allen Orten Thüringens zog man den Kameraden die Uniformen au«, und wer mir einem Koppel ,ioß vom Bund geschnappt wurde, flog unbarmherzig für'Monate in daS Gefängnis. Selbstverständlich suchte man auch in nnserm Städtchen wie die Maulwürfe nach den angeblich versteckt gehäl'enen Kanonen, M. G.'s und Sprengbomben des Bundes. Sic fanden aber nur hie und da c ic gedruckten Gebrauchsanweisungen dazu, und freuten sich, wenigstens etwas vorweisen zu können. Uno ausgerechnet in diesen wildbcwcgieu Tagen, fegte die alte Pawiackschc wie eine Furie mit Piepels rollackiertcr Trommel durch die Straßen, um sie mit keifenden Bcglcitworlen unserm Tambonrmajor, der direkt neben Schuhmann Ärollmcicr wohnte, vor di« Füße zu tverfen. Natürlich wurde das UnglückSinstruinent noch an demselben Tage beschlagnahmt. Von welkem mußt« ich zuschen, wie der dicke Grollnicier mit der leichten Beule abzog und sic in das Bürgcr- »icisteranit abliefer.c, Woinit Piepels Gastspiel in der Arbeiter Bewegung allseitig als beendet betrachtet wurde.'. * lieber Trommel Nr. 6 zu erzählen, fällt mir schwer. Tenn einmal ist sie schwarz-weiß-rot lackiert und zum oi'.'rn wirbelt Piepel jetzt darauf Märsche, deren Melodien von der Arbeiter- Dcnegung gestohlen und mit Texten unterlegt sind, durch die allen aufrechten F»»..unpfern angcdroht wird, sie würden zu Brei geschlagen. Wenn P-.Pel mit dieser Trommel durch die engen Straßen unseres Städtchens marschiert, schließt die Arbeilerbevölkerung hastig die Fenster. Und wer als Passant nicht mehr rechtzeitig um die Ecke biegen konnte, kneift, wenn sic an ihm vorüber lärmt, di« Augen halb zu. Die Fäuste in der Tasche ballen, darf er dabei nicht. Denn er muß ja eine Hand zum röniischen Gruß erheben und die andere lang hängen lassen, wenn er nicht Leben oder Gciiiiidlieil riskieren will. Trotzdem bringt cS aber keiner fertig, den braunen Spielman» Piepel Patvlack als Feind zu betrachten. Weiß man dock), daß er auch zu dirser Trommel genau so unschuldig gekvinnien ist, tvie die Jungfrau zuiil Kind. Naiiirlsch steckte wieder di« alte Pawlacksche, der alte Drachen dahinter, die den unnützen Fresser endlich loS sein wollte und ihn kurzerhand beim Tombourmajor de» braunen Spiclmannszuges verschacherte! Richtig bekam er auch, wie versprochen, dafür eine bezahlte Arbeit. Und so darf er nun anstelle des invaliden Anton, der alS„Marxistcnschwcin" entlassen wurde, den Laufjungen für daS Bürgermeisteramt spielen. Bliebe also nur noch übrig zu erwähnen, daß sich Piepel Pawlack in seiner neuen Wurde ganz und gor nicht wohlfühlt. Tenn jedcSmal, wenn er Arbeitern amtlich« Nachrichten überbringen muß, versäumt er nie, zu betonen,„er habe nach wie vor mit der Politik nicht soviel zu tun. Er sei eben nur Trommler, und nicht ein Fitzclchcu mehr!" Da fast alle in unserm Städtchen leinen Lebensweg kennen, glaubt man ihm sogar aus« Wort:„Ha, ja, Piepel, wir wissen, du hast deiner Mutter ja schon alS Embryo aus da« Zwergsell getrommelt." „Richtig," antwortei darauf Piepel schwer- mutig:„Und wenn ihr nicht aufpaßt, werd' ich noch mit den Würmern in den Kaldaunen am Sargdeckel trommeln." WaS übrigens auch keinen wundern würde. Denn alle Arbeiter in unserm Städtchen wissen nun, wohin cs führt, wenn man nicht denken, sondern mir trommeln Utid nichts andere« als trommeln gelernt hat. arasaatMt:«bohrt«» Kl»- QUbela»l*bt«t-»axütan: St.»«6 ettaab.«w».— DtuS: JUrtf t.-® tiU Zi'luis- an»»uchdruck, pra«— Für»»»»ryd—rmuw»»Uch 0u» poltt iua LiZ fttiiuAQlinattcHUonfarnt würbe von otv Doh» n. Lolearapdrndtrerttn« nlt Erlaß Nr 13300/V TT rt®0 bctotUiat.— Bstuasbedinaungen: Bet Zustellung ins Haus ober bet Bezug durch di» Poft monatlich Ki 16.-, vierkeljahulch U tziiihWV**. fum<«ut M««Na laa< Uni»Ubiöt HhOM, M MÜaa WMatchtttz,—»»» nttuPriOno«rt»lG> a« bst StajraOua« M N4MM0I®»