Erscheint mit Ausnahme des Montag tügUch früh. 7t Batllon u. Dtrtooltuaa. Braa n,7ttM>anto tA* XtltpOu 10793. st«», TtaibtrtDon. iab 31 Ujt)> 33030 ♦ BoltlQtdamt: 373M Mvzelhress 70 Heller. «"Einschließlich S Heller Portal 13. Lahrgana. Freitag, 25. August 1933 Jtr 193. I® r$3 er- Prozeß «SM» LÄ. Sepäemtoer. Vsrhanduns in Leipzig, Beweisaufnahme in Berlin. Berlin, 24. August. Ta« Wolff'Niiro meldet ouö Leipzig: Der Präsident Pro vierten Strafsenates hat den Dermin zur Hauptverlzandlung in der Reichs- tagSbrauvsache ans Donnerstag, den 21. September 1933, vormittags 9 Uhr, an« beraumt. Die.<>auptversiandlnng findet in Leipzig statt, die Beweisaufnahme jedoch mit Rücksicht aus die notweudige« Augenscheinnahme» und daranf, das; die meisten Zeugen in Berlin wohnen, im RcichStagSgebSnde. ES ist anzunehmen, daß der für dos Reichsgericht ungünstige Ausgang des Briefwechsels zwischen Branting-Rolland und den, OberreichS- anwalt zu dieser überraschenden Ansehung dcü BerhandiungöterniinS wesentlich beigetragen hat. Der OberreichSanwalt muhte befürchten, daß eine Fortsetzung de« Briefwechsel« und daß Erfüllen der vom Internationalen Ioristcnausschuß gestellten Bedingungen zur wirklichen Aufklärung des Reichstagsbrandes führen könnte, an der weder der Reick,vregleriing, noch auch dem Reichsgericht auch nur das geringste gelegen ist. Wie wir erfalire», wird auch der Grgenprozesz am 21. September in Loudon ■agaanMiMMaKaaMMiaa>HOMBMaNMB«MBaaBapMMnaa stattfinden. Die Zeugenlavungcn wurden bereit« vcraulastt. Do« Eonti.Büro teilt mit, daß daS Reichs, geeicht den RechtSonwo.lt Tr. Sack, einen be- lannten Rechts-Fanatiker, der aber kaum«in RechtSfinder sein dürste,"als Wahlverteidiger TorglerS zugelasten habe. Bemerkenswert ist, daß Paris, 24. Aug.(Eigcnbclicht.) Die Gene raldebatte auf der internationalen Konferenz ging heute weiter. Inzwischen haben die Kommissionen ihre Arbeiten begonnen. Otto Bauer wurde mit dem Entwurf der Resolution beauftragt. Man nimmt an, daß die Konferenz Freitag abends zu Ende gehen wird. AuS der Debatte des gestrigen TageS ist die Rede BuchingerS(Ungar») nachzutrogen: Die Bilanz von zehn Jahren FascisniuS in Ungarn ist eine Zerklüftung des Bürgertums und ein vollständiger Bankrott. Heute begann die Debatte mit einer Rede PivertS(Frankreichs, der leidenschaftlich gegen den Gedanken polemisierte, die Arbeiterklasse könnte unter welchem Vorwand immer an einem Krieg teilnehmen. Er verlangte die sofortige Vorbereitung einer internationalen Zentrale der Gegenmobillsiernng und die Vorbereitung des Kampfes gegen den Krieg. Als nächster Redner begrüßte die Konferenz der Vertreter der spanischen sozialistischen Partei Cordera: Heute erklären Mussolini und H i t l c r, der Sozialismus sei tot. aber in Wahrheit werden Mussolini und Hitler längst tot sein und der Sozialismus wird leben und zu neuen Siegen schreiten. Andersen(Dänemark) erstattet den Bericht der Kommission für politische Fl ü ch t l i n g c. In deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern schmachten- 50.000- Besangen« mit rund 180.000 Familienangehörige». 200.000 Drntsch« sind ins Ausland geflüchtet, unter ihnen sind 50.000 politische Flüchtlinge. Die Zahl ihrer Familienangehörigen beträgt rund 100.000. Dnrch die Gleichschaltung sind rund 500.000 Menschen um ihre Arbeit gebracht worden, zu denen, 900.000 Familienangehörige zu zählen sind. Da di« Flüchtlinge nirgends Arbeit finden können, sind sie voll- üändig aus die sozialistische Hilfsbereitschaft angewiesen. Di« Kommission fordert die Kons«- das Eonti-Biiro in der gleichen Meldung, die »ach der Meldung des Wolffbüros über den Ver- handlungstrrmin auSgegebrn wurde, die Festsetzung eine» genauen Verhandlungstermins in Abrede stellt. Zur Stützung ihrer Anklage hat die Reichsanwaltschaft insgesamt 110 Zeugen und S a ch- verständige geladen. Doch besteht die Möglichkeit, daß sich diese Zahl noch erheblich erhöht. Tenn einmal kann auch das Gericht von amts- wegcu Zeugen lade«, soweit ihm das für das Ergebnis der Beweisaufnahme wesentlich erscheint, und nicht zuletzt haben die Angeklagten selbst das Recht der weiteren Zeugenbenennllng. Wie bereits bekannt, wird di« Vernehmung der Angrklagten zur Person und zur Sache'zunächst in Leipzig stattsinden. Dann wird der Senat nach Berlin übersiedeln, um hier an i Ort und Stell« einen«igenrn Eindruck über dir räumlichen Zusammenhänge zu gewinnen. Weiter lasten sich dadurch die Kosten der Prozeßsührung' erheblich herabsetzen, da die meisten Zeuge» in' Berlin wohnen. Als Sitzungssaal für den Senat Wird im Reichstag ein besonderer Raum hergd- richtet werden. renz aus, einen Aufruf zu internationalen Sammlungen zu erlassen. Andersen, der fortfahrend noch im Jia- men seinerDelegation in der Generaldebatte spricht, sagt dann: Es wäre schlimni, wenn die Arbeiter setz' den Eindruck gewinnen sollten, daß alles, wae bis jetzt geleistet wurde, falsch und unnütz war. Wir haben in Dänemark seit vier Jahren eine Paris, 24. August. Der römische Bcrichter- stattcr des„M a t i n" berichtet über Gerüchte bezüglich einer bevorstehenden Reise Dr. B e. n c 8' nach R o m uzw. als einer Folge der Unterredungen von R i c c i o n e. Ter Berichterstatter erinnert daran, daß es sich bereits zu Ansang des Sommers um eine Reise des tschechoslowakischen Ministers für Auswärtige Angelegenheiten nach Rom gehandelt hatte, daß jedoch damals dieser Vorschlag bis zu dem Zeitpunkte vertagt tverdcn mußte, in welchem eine praktische Basis für die Verhandlungen gesunden werden wird. Man spricht auch von einer wahrscheinlichen Romreisc des ruiuäniichcn Anßcn- iii i n i ste r s Ti t ul c Scu bei Gelegenheit'der baldigen Erneuerung des italienisch-rumänischen Haiidelsvertrages. Tiefer Besuch TitulcseuS würde wahrscheinlich der Reise Bäste8' voran s g c h c n...., Kleine Entente— vorläufig abwartend. Ter Belgrader Korrespondent dcS>,Echo de Paris" legt den Standpunkt der Kleinen Entente zum österreichisch-deutschen Konflikt und hinsichtlich des Einschreitens der Großmächte folgendermaßen dar: l. Die französische und die englische Regierung haben Prag, Belgrad und Bukarest von ihrem Schritte in Berlin verständigt, jedoch an Koalitionsregierung, wir haben Konzessionen machen müstcn, aber die Arbeiter und Kleinbauern haben verstanden, welche Vorteile es für sic bedeutet, daß gerade in diesen Jahren der Krise eine Koalitionsregierung unter sozialistischer Führung besteht. Dnrch die Regie- rungspolitik ist unsere Machtstellung befistigt worden. Wir müssen uns ganz klar sagen, daß das Ziel unserer Kämpfe keine neue Diktatur, auch keine sogenannte Erziehungsdiktatur zur Demokratie sein kann. In der Rachmiltagssitznug sprachen u. a. R a d a k e a n u(Rumänien), I a b l» m(Palästina), S a r a g a t(Italien) und G r u m b a ch (Frankreich). Am Schluß der Sitzung wurde die Konse- i renz durch Rote Falken aus der Tschechoslowakei, Oe st erreich und der Schwei z, ' dir aus dem internationalen Roten Falten-Lager in Ostende Heimkehr«», begrüßt. Konto Mir die Abrechnung. ,.*Aut der riadir* erschossen. München, 23. August.(Wolfs.) Ter schon seit längerer Zeit im Konzentrationslager Dachau nntergevrachte kommunistische Hanptsnnklionär Franz Stenzrr aus Pasing versuchte gestern abends, wie dir Polizei mitteilt, aus dem Lager zu entfliehen. Ter Bersuch wurde aber von einem Posten rechtzeitig entdeckt. Ta der Flüchtend« trotz wiederholter Anrufe nicht stehen blieb, gab der Posten mehrer« Schüsse ab. Ein Schuß lötete Stenzrr aus der Stelle. Stenzrr zählte bereits srit dem Jahr« I92l> zu den führenden kommunistischen Funktionären Südbayerns. Bis zu seiner im Juni erfolgten Festnahme war er als illegaler Instruktor sür die KPD in SUddeutschland tätig. Ehemaliger jugoslawischer Minister ermordet. Agram, 24. August. Heute Nachmittag wurde der ehemalige Landwirtschaftsmin i st r r Mirko N e u d o r s e r aus seinem Landgut Ladislav bei Zlatan, unweit Waraüdin in Kroatien ermordet. Das Attentat wurde von zwei jungen Männern verübt, denen es gelang zu entkommen. Im Lause deü Nachmittages entsandt« die Agramer Polizei eine starke Polizeiabteilung zur Ausforschung der Täter. Der Ermordete war seinerzeit ein enger Parteigenosse deü Stephan Nadir, welcher ihn auch zum Minister ernennen ließ. lieber das Motiv der Tat liegen noch keine Rachrich- t e n vor. Es scheint, daß es sich nm einen Racheakt handelt. die Kleine Entente keine Einladung ergehen lassen, sich ihnen anzuschließen. 2. TaS Einschreiten erfolgte im Geiste des Bierniächtepaklcs. Tic Kleine Entente und ebenso Polen sind»»ter Berufung aus de» Biermächte- pakt der Ansicht, daß die Zusammenarbeit der vier Großmächte sich lediglich„aus Fragen, dir sie direkt betreffen" beziehen könne. 3. Für den Fall eines Einschreitens der Kleinen Entente würde diese ihren Schritt aus de» Grundsatz der Respektierung der Verträge, insbesondere des Artikels 80 des Vertrages von Versailles und der internationalen Verpflichtungen, stützen. Ter Vorfall würde demnach logischerweise vor den Vvlkerbundrat gebracht werden. 4. Die Kleine Entente ist der Ansicht, daß eine Aktion- auch eine diplomatische— mit entsprechender Energie geführt werden miiste, wenn sie lvirtsam sein soll. In den Auge» der mitlrleuropäischen Beobachter genüge eö nicht allein gegen die Rnndsnnkvropaganda, das Ueber- sliegen österreichische» Gebietes durch Hitlerslug- zeuge n. ä. zu protestieren: Die Kleine Entente dürste voraussichtlich aus ihrem derzeitigen reservierten Standpunkt verharren, solange nicht die sranzösisch-englische Zusammenarbeit praktische Ergebnisse zeitige. Die Kleine Entente wird solange einen abwartenden Standpunkt rinnchmen, als sie nicht fühlen wird, daß ihre großen Verbündeten ent. schlossen sind, mit alle» ihnen z» Gebote stehenden Mitteln gegen den österreichisch-deuksche» Anschluß Stellmrg zu nehme». Agrar-Itäpitalisra versagt Der plötzliche Rückgang der Getreidepreise auf der Prager Börse hat unter den Agrariern geradezu eine Panik Hervorgernfen. In kurzer. Zeit sind die Weizenpreise von ungefähr 160 bis.1(55 K aus 124 bis 138 K, die Kvriipreise von 85 bis'.10 auf 78 K, der Preis der Oberste von 100 auf 03 K und der des.Hafers von 75 auf 71 K gesunken. Besonders rapid tvar der Rückgang beim Weizen, der Montag, den 14. August um 8 K, Dienstag, den 22. Angnst »mit weitere 6 K gesunken ist und bei Korn, das am 22. August um 5 K im Preise nachgelassen hat. Die agrarischen Blätter, die ob dieses Preisrückganges ganz entsetzt sind, fuhren diese Vorgänge auf die Einfuhr von ausländischem Weizen zurück. Tatsächlich sind in den Monaten Mai, Juni und Juli etlva 10.000 Waggons ausländischen Weizens in die Republik gekommen Man würde aber irren, wenn man glaubt den Rückgang der Preise aus die Einfuhr ausländischen Weizens zurückführen zu können. In Wirklichkeit ist die Weizencinfuhr Heuer geringer als voriges Jahr. Während bis Ende Juli 103132 51.180 Waggons eingesührt wurden, betrug die Einfuhr in derselben Zeit des Jahres 1932-33 28.910 Waggons, also um 22.000 Waggons weniger als ein Jahr zuvor. Dazu kommt noch, daß die Agrarier sich über die Einfuhr des ausländischen Weizens nicht so ohne weiters beklagen können, denn die Einfuhr unterliegt der Bewilligung dnrch das Gelreidcsyndikat, in welchem die Agrarier die entscheidende Rolle spielen. Sie sind cs also, welche den größten Einfluß auf die Einfuhr des Getreides nehmen. Aber sie sind auch sonst schuld an der lleberproduktion des Weizens. Sind es doch vor allem die Agrarier, welche immer wieder darauf hingewicscn haben, daß wir in Weizen nicht sclbstgenügsam sind und daß daher die Bauern den Anbau von Weizen fördern sollen. Das ist nun tatsächlich geschehen. Während die mit Weizen bebaute Fläche >930 795.080 Hektar betragen hat, betrag« sie Heuer 908.334 Hektar, also um 113.254 Hektar mehr, llebrigens hat erst vor kurzem der agrarisclp: Abgeordnete Zadina sich dafür eingesetzt, daß dem Gctreidcniehl Kartoffelmehl beigemengt wird, was zur Folge hätte, daß wir weniger Getreide verbrauchen rind daher der Preis neuerlich sinken würde. Es sind d i e Interessengegensätze unter den 'Agrariern, die Mitschuld an den Porgän- gen auf dem Getreidemarkte sind. Nicht nur haben die Kartoffelbanern ein Interesse daran, daß weniger Getreidemchl und mehr Kartoffelmehl verbrauch: wird, sondern die agrarischen G e ii o s s e n s ch a f t e n tragen zur Anarchie ans den ltzeireidebörscu bei, weil sic n i ch t d i e I n t e r e s s e n der Bauern schützen sondern Geld verdienen wolle n. Die agrarischen Gen offen scha ft en erhalten, wie wir schon gestern dargelegt haben, große Kredite seitens mehrerer Finanzinstitute, die den Zlveck haben sollen, die Kctreidevor- räie der Bauern zu bevorschussen, das Getreide ciuzulagcrn nud zu verhindern, daß mit einem Schlage die ganze Ernte auf den Markt geworfen wird und die Preise znrückgchcn. Diesen ihren Aufgaben kommcu die agrarischen Genossenschaften nicht nach, sie stellen das Profits,iteresse einiger weniger über das Interesse der Gesamtheit. Die Anarchie auf dem Gc l r c i d c m a r k t kann nur beseitigt werden m i t der A n a r ch i c i n d c r I a n d w i r t s ch a f i l i ch c n Produktion selbst. Was wir brauchen, ist eine planmäßige Organisation der Produktion im In- land, ergänzt durch ein staatliches Getreide einfnhrmonopol. Die Entwicklung selbst wird die kleinen und mittleren Landwirte auf den 'Weg organisierter Plan- und Gcnicinwirtschaft bringe»:. nundcrttaiisciidc Opfer der Diktatnr. Beruh! aal der Pariser Konferenz, Romrelse Benes’s im Herbst? Kleine Entente und der Osleiretdilsai-deutsdie Konflikt. Seite S Freitag, 28. August 1888 Nr. 198 Technik den modernen Fahrzeugen Schwierigkeiten bereiten will! Wir haben uns in der letzten Zeit wiederholt davon überzeugen können, daß die Prager deutsche Arbeitersendung nicht nur als tvertvml- stcr Teil der deutschen Sendung, sondern als einer der besten Stücke des tschechoslowakischen Rundfunk übeichaupt weit über die deutschsozialistische Hörerschaft hinaus Anerkennung und erhöhte Aufmerksamkeit fand. Sollte diese erfreuliche Tatsache gewissen bornierten Rück- wartsern ein Dorn im Auge sein? Sollen wir es wieder mit der endlich für abgetan geholtem» Radiosekkatur zu Km bekommen? Wenn ja— nun wir werden unS kräftig wehren und tvir rechnen dabei niit der Unterstützung durch alle jene, die als berufene und überzeugte Verteidiger der Demokratie deren e r- höhten Schutz, auch durch den Rurrdsunk, gerade in dieser Zeit der fascistischen Brandungen für unerläßlich halten! nmm reduziert werden sollten, sind gegenüber dein bisherigen Ausmaße ztvar gekürzt, doch gelang cs. daS Schlimmste abzuweyren. Genosse Macoun besprach dann die Maßnahmen, die nun non den Verbärgen durchgefühlt werden müssen, damit im Interesse der Mitglieder in der Auszahlung des Staatszuschlages zur gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung keine Stockung entsteht. In der an da8 instruktive Referat anschließenden Debatte wurden nicht nur die sach- lichcn Fragen besprochen, die durch die Regierungsverordnung vom 29. Juli auSgelöst wurden, sondern auch hervorgchooen, daß vor allem die freien Gewerkschaften durch die Art der Ar- bcitSloscnsürsorge bisher schon die schwersten Opfer gebracht haben. Die freien Gewerkschaften, die als einzige die Grundsätze das Genter System cingehalten haben, haben ihren ganzen Organisationsapparat auf die Durchführung des Gen- -er Systems eingestellt nnd damit eine große öffeirtliche Aufgabe erfüllt, die sonst Sache der Staatsverwaltung wäre. Es wurde aber auch mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, daß dadurch die Gewerkschaften aus daS schwerste fiiranzirll belastet wurden und eS daher ein dringendes Gebot ist, daß daS Finanzministerium immer rechtzeitig die Mittel flüssig macht, die die Gewerkschaften zur Durchführung ihrer öffentlich-rechtlichen Pflichten brauchen. ES wurde auch ausgesprochen, daß durch di« Neuregelung nicht mir die Arbeitslosen selbst materiell schlechter versorgt, sondern auch di« Gewerkschaft«» administrativ stärker belastet werden. DaS alles zusammengcnommen erfüllt die verantwortlichen Gewerkschaftsfunktionäre mit schwerer Sorge für die nächst« Zukunft, doch glauben sie, sich im Interesse, der Mitglieder auf die gegebenen, neuen Tatsachen einstellen zu müssen. ES wurde anerkannt, daß die Verhandlungspartner ihre schwer« Ausgabe gewissenhaft und unter Hintansetzung aller kleinlichen Bedenken erfüllt haben. Ihnen sowie den beiden sozialdemokratischen Parteien, die unS in diesem schweren Kampf treu zur Seite gestanden sind, vor allem dem Minister für.soziale Fürsorge Genossen Dr. Ludwig Cz e ch, gebührt Dank und Anerkennung. Die Konferenz der Verbandsvertreter hat gezeigt, daß unser« Gewerkschaften auch nach der Acnderung de» Gesetzes über den Staatsbeitrag gewillt sind uild bemüht bleiben, di« Interessen ihrer Mitglied^ und darüber hinaus der gesamten arbeitenden Menschen in diesem Staat« so wie bisher auch in Zukunft wahrzunehmen. Wem dient das Prager Radio Journal? Verbot zweier Vorträge In der deutschen iröcltersendund. Das Prager Radio«Journal hat Dienstag Wei für di« deutsche Arbeitersen-ung bestimmt« Vorträge unserer Programmleitung zurückstellen lassen, u. zw. den für v o r g e st e r n anberaumtcn Vortrag des Gciwffeu Erich.Heller ,,A«S ver brannten Büchern" und ein für den kom menden Mittwoch bestimmtes Esscy dcS Genossen Dr. Friedrich über„Sozial iS nt u S u n d Humanität". Zur Begründung dieser Maß- nahmcn schreibt das Radio-Journal Folgendes: „ES würde den Grundsätzen des tschcchosl. Rundfunks, die von der Konferenz der Internatio nalen Rundfunkunion in Genf und von unseren Außcnämlern genehmigt wurden, widersprechen, wenn der Rundfunk einer Kritik oder nur einer Erwähnung von Verfügungen Raum gäbe, dir mit dem Einverständnis der Regierung irgend eines fremden Staates zustande kam." Dazu ist zunächst rein sachlich zu bemerken, daß das Einverständnis der Hftlrrrcgicrung mit den Bücherverbrennungen«in still- schweisendes war und daß das Radiojour nal in diesem Falle fälschlich und vergeblich sich auf„Grundsätze" beruft, zumal daS Kernstück des Hcllcrschen Vortrages in Zitaten auS dem Briefwechsel zwischen Karl Marx und Arnold Rüge bestand— Schriftstücken, deren Tatsache und Inhalt den Hnnnen im Reiche ge wiß unangenehm«nd verhaßt sein müssen, vor deren.Kenntnis aber die Welt zn bewahren sicherflch nicht Pflicht»nd Aufgabe deS tschecho slowakischen Rundfunk sein kann. Noch ärger schneidet sachlich das Radiojournal bei dem z w c i te n B o r t r ag ab, der an k e i ne r e i n- z i g e n Stelle sich mit Verfügungen der derzeitigen Reichsrcgicrung beschäftigt, sondern sich rein theoretisch und p h i l o s o- p h i s ch mit Fragen des Sozialismus, der Demokratie und des Humanismus beschäftigt. So daß also der Schluß gezogen werden muß, daß daS Radio- Journal sich weniger aus Grund internationaler Vereinbarungen, sondern vielmehr aus international- kapitali- stischen Tendenzen heraus zu Zcnsurmaß- nahmen entschloß, an denen wohl Herr Hitler «ich die gesamte Reaktion ihre Freude haben können, die aber den kulturell-demokratischen und fortschrittlichen Aufgaben eines Senders in der freien Tschechoslowakischen Republik zuwiderlau- fcn und insbesondere jetzt ein völliges Ver kennen der Aufklärung- Pflichten des Rundfunk in der Tschechoslo wakei verraten. Die Programmleitung unserer deutschen Arbeitersendung hat, was anerkannt werden muß, nach den Kämpfen mit der Radiozensur in früheren Jahren, in der letzten Zeit keinen An laß gehabt, sich über»ndcniokratische Praktiken von dieser Seite zu beschweren; sie hat auch allerdings immer sehr wohl die Grenzen einzu halten verstanden, die im„neutralen" Radio als einer doch vorwiegend bürgerlich bestimmten Institution der vollen Freiheit dcS Wortes gezogen sind. Sollen diese Grenzen nun noch enger gezogen werden?- Will der Prager Rund funk just in dem Zeitpunkt, da er wahrhaftig Wcltaufgaben für die Demokratie zu fördern berufen ist, zumindest indirekt zum Sllavcn dcS rrichsdcutfchen FasciS- m u S werden und dem A n t i d c m o k r a t i S- mus im eigenen Lande dienen helfen, in dem er das demokratische Wort verpönt und alles Fascistische mit Glacehandschuhen anfaßt? In diesem Falle niüßte sich daS Radio-Journal aus entschiedenen Kampf, nicht nur von koziatisnfchcr Seite, gefaßt machen— auch aus dein linken Bürge rlager der Tschechen mehren sich die Stimmen, die Vai Radio-Journal auf seine Pflichten aufinerksam«rachen! Erwähnt sei noch, daß das Radio-Journal seine Entscheidung im letzten Augenblick kundtat, so daß sie der Programmlcitung erst D i c n S t a g am Tage dcS Vorträge» HcllcrS, zur .Kenntnis kam, woraus sich unüberwindliche Schwierigkeiten bei der Erstellung eines»Erfatz- vortragS ergaben, obzwar das Mamiftript drei Wochen lang dein« Radio-Journal lag! Es scheint also, daß der Radio• Bürokratie«- muS, der die geistigen Barrieren so ausgezeichnet zu bedienen weiß, auch noch mit der HMIWMMMMMMAMMIMMWniMMWMMMMMMMWVkMMWMI Eine sdincre Aufgabe gewissenhaft erfüllt. Unsere Gewerkschaften zur Neuregelung dcS TtaatvzuschlageS zur Arbeitslosenunterstützung. Am Freftag, den 18. August l. I. tagte in Reichenberg«in« Konferenz der VerbandSvertre- ter des Deutschen Gcwerkschaftsbundcs(Reichen berg), die sich mit der Acnderung des Staatszu schlages zur Arbeitslosenunterstützung und dar über hinaus mit den praktischen Arbeiten beschäf tigte, die nun durchgcführt weichen müssen, um den Mitgliedern unserer Verbände ab 18. Sep tember den Staatszuschlag zur gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung zu sichern. Genosse Macoun besprach eingehend die Verordnung vom 29. Juli l. I., durch die die bisherigen Bestimmungen über den Staatsbcitrag zur Arbeitslosenunterstützung abgeändcrt werden. Er zeigte dabei ans, welche Partien des bisher geltenden Gesetzes neu geregelt oder ergänzt wurden. Aus seinen Ausführungen ging aber auch hervor, daß sowohl bei weitem nicht alle Wünsche der Gewerkschaften berücksichtigt wur den, aber im Gegensatz hinzu auch di« Reaktio näre ihre Forderungen nicht durchsetzen konnten. Während in anderen Ländern di« Fürsorge sür die Arbeitslosen unter dem Druck der wirtschaft lichen Verhältnisse bereits mehreremale ver schlechtert worden ist, konnten die freien Ge werkschaften in der Tschechoslowakei mit den bei den sozialdemokratischen Parteien zu Beginn die ser Krisenperilwe daS Gesetz über den Staats beitrag zur Arbeitslosenunterstützung nicht nur verbessern, sondern auch bisher jede Verschlech terung hintanhalten. Es darf nicht vergessen wer den, daß auch bei uns die Lage der StqatS- finanzen sich mehr und mehr verschlechtert« und daß die Parteien der Besitzklasse ihre Angriffe gegen die Arbeitslosenunterstützung immer hef tiger gestalteten. Bevor nun irgendwelche kon krete Anträge in dieser Hinsicht Vorlagen, waren cS die Kommunisten und die Hakenkreuzler, dir der Reaktion durch unsinnige Berichte das Mate rial lieferten, tvelcheS schließlich die Grundlage ftir die Acnderung dcS Gesetzes wurde. In monatelangem aufreibenden, ununterbrochenen Wirken ist cS endlich doch gelungen, die Aende- rung fo zu gestalten, daß die Grundzüge der Arbeitslosenunterstützung erhalten blieben. Die materiellen Leistungen, die nach dem Willen der bürgerlichen Parteien, auf ein Mini- S Der Goldfasan oder Die letzte Nadit des Mandarins Wang-Li-Kung Eine Legende von Fritz Rosenleid Cooyrliht 1933 by BOcherrllde Outenberf. Zürich. Unter dem Dach, von den Lampions fahl beschienen, saßen die Gäste Wang-Li-Kungs. Sir trugen prunkvoll« Gewänder, auf rote und grüne Seid« waren Drachen und Blumen gestickt, auf ihren Hüten prangten bunte Knöpfe. Die Mächtigsten der Stadt hatte Wang-Li-Kung geladen, die Richter, die Befehlshaber der Polizei, die Kauflcut«, die obersten Priester des Tempels. Hang-Lien führte den Bären vor, die dicken Männer lachten, als er tanzte. Hang-Lien ließ die Teller aus den Stäben kreisen, die dicken Männer lächelten hämisch, sie hatten dieses Kunststück schon oftmals gesehen, cs langweilte sie. Sic riesen dem Mandarin Scherzworte zu, immer schneller kreisten die Teller, immer lauter wurden die Rufe. Wang-Li-Knng winkle, die Teller sielen ins GraS. .Hang-Lien holte das Schwert hervor. Die Gäste des Mandarin befühlten die Schneide, es war ein scharseS Schwert, die Henker hatten kein schärferes. Stille liegt über dem Garten, als der Gaukler daS Schwert langsam in seinen Schlund gleiten läßt. Tann flawmen die Stäbe auf, aus Hang-Liens Mund schieße» die blauen und gelben Zungen, die Gäste blinzeln, daS Feuer blendet ne. Schatten tanzen ans den Gesichtern; zufrie- venen, blanken, lachenden Gesichtern, über die «inen Herzschlag lang, als die Flamme ihnen tzntgegenzuckt, ein Schrecken läuft. Heute brennen viel« Fackeln in Tai-Tschai, denken die Gäste, vom Ufer des Meeres bis zu den Pforten der Häuser. Tung-Pi, der reichste Händler der Stadt, stößt den Mandarin in die Seite; er lacht und weist mit der Hand oufKwang, die neben-Hang- Lien steht und die Flasche mit der weißen Flüssigkeit hält. „Die Kleine ist hübsch", sagt Tung-Pi.„Ein paar Jahre noch..." Tung-Pi liebt schmale, ganz junge Mädchen. „Willst du sie haben?" fragt Wang-Li-Kung. Gauklcrkindcr kosten ein Kupserstück.„Ich kaufe sie dir." Tung-Pi lacht. Alles würde Wang-Li-Kung an diesem Abend opfern, um lachende Gesichter zu sehen. Um nicht allein zu sein mit den Schatten nnd an die Fackeln denken zu müssen, und den Goldsafan mit dem roten Mal... Aber rS werden noch drei Tage sein wie dieser, denkt Wang-Li-Kung, und noch dr«i Nächte lang wird die Angst nicht weichen... Da hat Hang-Lien wieder daS Schwert ergriffe» und wirbelt es im Kreis über seinem .Kopf. Eine tanzende Scheibe blanken Stahls, leuchtet es vor den Gesichtern der Gäste. Hang-Lien springt zu Wang-Li-Kung, das Schwert wirbelt vor Wang-L«-Kung, es streift beinahe seine Mütze, zieht einen Kreis um seinen Kopf und ist wie die fahl« Scheib« des Mondes vor seinen starren, erschrockenen Blicken. Immer wieder springt Hang-Lien, das Schwert in der Hand, vor den Mandarin, immer wieder weicht er unterwürfig zurück und verneigt sich und sammelt di« Goldstücke auf, di« Wang-Li-Knng mit toter Hand, als wüßte er nicht, was geschieht, auf den Boden wirft. Drei, sieben, zehn, zwölf Goldstücke schleudert Wang-Li-Kung, die Augen auf das Schwert gerichtet, vor Hang-Lien ins Gras. Aber nach dem zehnten hält Hang-Lien«in und sagt, den Blick in Wang-Li-KungS Augen gebohrt: „Zehn Goldstücke war der Preis, Wang-Li- Kung; Geschenke nehm« ich von dir nicht an." Die Gäste fahren auf. So spricht ein Bettler der Landstraße, ein heimatloser Gauller zu Wang-Li-Kung, Mandarin der zweiten RangS- klafle, ehemals Berater am Hof deS Kaisers zu Peking? Wang-Li-Kung wird bleich. Er muß schnell diesen Augenblick auSlöschen, er muß den Gaukler zerschmettern oder beschämen. Aber alles Blut ist aus Wang-Li-Kungs Kopf gewichen. Nun erkennt er den Gaukler. Nun versteht«r Hang-LienS Blicke und das wirbelnde Schwert vor seinen Augen. Da weiß er, daß daS Gesicht Hang-LienS ihn nicht mehr verlassen wird in diesen drei Tagen und in diesen drei Nächten, und über diese Tage und Nächte hinaus in den kommenden Jahren. Die Nägel beißen in das Fleisch seiner Hände, eS ist still, Tung-Pi gafft ihn an, in diesem neugierige« Blick ist ein Vorwurf: Tritt dem Kerl doch aus den Nacken, er hat dich beleidigt, zeige ihm, wer du bist. .Da rqsft Wang-Li-Kung sich auf, er sammelt all« seine Kräfte Und sagt mit ruhiger Stimme, als hätte er nie die Worte Hang-Liens gehört: „Ich biete dir nochmals zehn Goldstücke, wenn du lachst, so wie du gelacht hast, alS der Henker das Schwert erhob über dem Haupt Tschuna-KingS, deines Sohnes." Schweigen fällt über den Gärten. Die Gäste blicken starr auf Hang-Lien. Der Gaukler ballt die Faust, sein Blick sucht daS Schwert, das er sinken ließ, das nun mit der Spitze den Boden berührt. Wang-Li-Kung zittert am ganzen Leib, ein paar.Herzschläge noch, dann wird es sich entscheiden, ob er den Schatten der Angst zu bannen vermocht oder ihm überliefert ist bis an daS Ende seiner Tage. Auch Wang-Li-Kungs fette ßroßsdiwimllcr stoßen vor. Praktischer Erfolg war den Einheitsfront, manövern der Kommunisten bisher nicht beschie-- den. Noch immer mußten sie sich damit begnü-' gen, den einen oder den anderen ehemaligen lSozialdemokraten, der aus der Partei auSgc« Massen wurde, als„oppositionelles" Zugpferd' aufzuzäumen und den Massen eine Unzufriedenheft der sozialdemokratischen Arbeiter mit ihrer, Führung vorzutäuschen, die nur in der Phan- tasie, nur in den Wunschträumen d«r kommunistischen Zeitungsschreiber besteht. So hat die kommunistische Presse in den letzte» Wochen wiederholt von einer oppositionellen Bewegung im Karlsbader Gebiet zu b.-- richteu gewußt nnd diese Berichte nm so größer' aufgczäumt, je gewisser sie>var, daß den Bel- schewiken in Asch die Felle davon schw-mmeu würden. Nun hat sich auch im Teplitzer Bezirk eine„oppositionelle Bewegung" gebildet. Diese besteht nämlich aus den aus der Parte: ausgeschlossenen Fischer, Turn, nnd Stadler, Tischau, und hat eü zur Veranstaltung einer„Oppositionskonferenz" gebracht, zu der sich Herr R c i mann hockistpersönlich bemühte. Dem Vernehmen nach soll er nicht mir seine Nase geputzt, sondern auch eine Rede gc- halten haben. Selbstverständlich hütet sich die kommunistische Presse, auch nur die Orte zu nennen, aus denen„oppositionelle" Sozialdemokraten zu de- ser Konferenz kamen. Ganz einfach deshalb, w-'l außer den beiden aus unserer Partei HinanS-e- worfcncn keine Sozialdemokraten an der Konferenz teilnahmen. Man kann sie nicht als Zugpferde gebrauchen»nd alle anderen Arbeiter b- danken sich recht schön dafür, ausgerechnet von einem Reimann auf den rechten Weg geführt zn wckden. Aufforderung gegen Aufforderung „Der Tag" dnickt den Brief des fälschlich lot gemeldeten sozialdemokratischen Reichstags- abgeordncten F a u st ab, von dem sich jetzt her- ausstrllte, daß er sich in einem Konzentrationslager befindet. Diesen Brief nimmt „Der Tag§ nicht etwa zum Anlaß, gegen die Schande der Konzentrationslager Stellung zu nehmen, in benen Tausende Menschen verschwinden, ohne daß selbst die nächsten Äiwcrwandten eine Ahnung von ihrem Aufenthalt haben und sie darum rn mehr als cincni Falle füt_ tot hielten.„Der Tag" höhnt vielmehr, wir mögen den Brief Faustens nachdrucken. Dazu bemerken wir: Wir haben die Meldung über den Tod des Genossen nicht veröffentlicht, haben also auch nichts zu berichtigen. Jede unserer Meldungen ist gewissenhaft geprüft und enthält mir Tatsachen. Wenn sich aber„Der Tag" mit der Reinwaschung der deutschen Regierung etwas erfolgreicher beschäftigen möchte, so sage er uns, wo sich Stelling und F«chenbach und di« von uns namentlich angeführten Opfer von Köpenick befinden! Er widerleg« außerdem unsere Berichte über die Konzentrationslager, äußere sich zu dem Fall Loebe und zu den von uns gemeldeten Erschießungen„auf der Flucht"— dann wird seine Stimine bei der Wahrheitsfindung gehört werden. Vorläufig kann man seine Aeußcrungen zu den deutschen Ereignissen nur als Versuche werten, die Oeffentlichkeit über die wahren Zustande im Reich zu täuschen. Finger formen«in« Faust, sein HalS schwillt an, die Augen stehen groß in seinem Gesicht,«r brüllt den Gaufler an: „Lache, Hang-Lien, für jedes Lochen zehn Goldstücke, du wirst reich, aber lache, so lache doch, soll ich dich auf den Knien bitten, sichst du denn nicht, daß ich ersticke, wenn du nicht lachst..." Wang-Li-Kung ist krank, denken die Gäste. Man mutz den Arzt rufen. Ein Dämon ist in ihn gefahren. Hang-Lien blickt auf den Mandarin. Sein Auge wandert von dem dünnen Bärtchen über di« Brust zu dem bunten Fleck mit dem Goldfasan; und da denkt Hang-Lien nur mehr an den Goldfasan und an die große Sehnsucht seines Lebens. Hinter der großen Sehnsucht seines Lebens taucht wie ein verzerrtes Gesicht der große Schmerz seines Lebens auf, die Stunde, da man seinen Sohn Tschung-King erschlug. Da ist«S, als sähe Hang-Lien ein rotes Mal auf dem goldenen Vogel, der das Kl«id des Mandarins schmückt, und dieses Mal ist«in geronnener Tropfen Blut. Der Gaufler verzerrt dos Gesicht zu einer Freße, seine Mundwinkel weichen zurück, eS ist, al« brächen di« Zähne auS seinem Munde hervor wie wilde Tiere aus einem geborstenen Käfig, ein Lachen hockt zwischen seinen Zähnen, ein geronnenes Stück Herzblut, aber er kann dieses Lachen nicht lachen, das Gehege seiner Zähne hält eS gefangen, er wendet den Kopf zum Himmel, doch der Himmel ist mit Wolken bedeckt, kein Stern ist zu erblicken, an den er sich klammern könnte. Fieber schüttelt seinen auSgedörrte» Körper, daS Schwert hängt fchlaff in der Hand, einen Augenblick noch, dann wird Häng-Lien umsinken. (Fortsetzung folgt.) !h. 198 Freitag. 28. August 193S Seite S Revidie- Eniwick« Temo- »Neuen icn als Reaktion nach den Perioden der starten Steigerung gen auf. Tie Jnvnstrieerzeugung Demokratie oder sonstwie nennen— die Rückeroberung der staatsbürgerlichen Freiheit von ehedem kann dem sozialistischen Proletariat Deutschlands als Kampfparole nicht mehr genügen. An diesen Tatsachen läßt sich nicht rütteln. Anders liegt cs für sene Länder, die sich der Politischen Mcnschenirechte noch erfreuen Hier hat der Kampf für. Demokratie noch feinen historischen Sinn, so«' lange die Cl>ance besteht und der Glaube gerechtfertigt ist. mit parlanicutarischeii Mitteln oder einer parlamentarisch kontrollierten autoritären StaatSfnhrnng die Krisennot zu lindern, neue Kriegsgefahren zu bannen und das Bürgertnin anf den Weg zum StaatSkapitalismns. der Vor- stufc sozialistischer Wirtschaft, zn drängen. Und da» denkfähige Bürgertum in diesen Ländern sollte— von den Geboten der Menschlichkeit ganz abgesehen— aus dem heutigen Dilemma des deutschen Bürgers lernen, der heut« zwischen zwei Feuern steht: der bestialischen braunen Barbarei und der wachsenden blutigen Rache« und BcrgeltnngSwut unterdrückter Massen, die 1916 die unblutigste, menschlichste Umwälzung vollzogen und denen der FasciSmuS feglichen Glauben an Menschlichkeit und Menschenrechte Denunziationen und Boykott gegen sndetendcntsdic Arbeiter. Die Zustande in den Grenzgebieten. Berlin: Der aus dem Ulmer Reichswehr- ofsiziersprozcß bekannte Leutnant HannS Ludin ist zum Oberleutnant befördert worden. Die tschechoslowakische Ocffentlichkeit— soweit sie zur Leserschaft des„Lag" gehört, wird ihm gewiß dankbar sein dafür, daß er ihr so gewissenhaft über die Karriere des Herrn Ludin Kunde gibt, s Warum aber so einseitig, lieber„Tag"? Denke i doch auch an deine Helden und berichte über die ,"":„ouS dem BolkSsPortprozek be- j kannte" Herr Petermichel in der NSDAP ge« wäre. In Palästina herrsche im Gegenteil ein Mangel an Arbeitern. Der Redner gab sodann eine Schilderung der Judennot in Deutschland und legte vor ollem die verzweifelte Lage der jüdischen Intelligenz dar, die zn vielen Tausenden vor dem nackten Hungern stände. Auch die Situation der Massen kleiner Kauf- keilte, die die Judenpolitik der Hitlerregierung der völligen Berclendung Preisgeben würde, sei hoffnungslos. Der Redner schätzte die Zahl der heute in Deutschland„überzählig" gewordenen Juden auf etwa 200.000.— Diesen 200.000 müßten die Tore Palästinas iveit geöffnet werden. Die Nachmiltagssitzung des Kongresses siel aus, da die Redigicrung der Deutschland- re s o l u t i o n, die die Generaldebatte über Deutschland einleitcn soll, noch nicht beendet war. Diese Resolution wurde erst'in der N'b ch t> s j tz u n g vorgelegt und trägt die Unterschrift der Miftfbföe Besserung. Bendit des ßanhrates.- Rückgang der Arbeitslosigkeit starker als im Vorjahr.— Besserung des AuDenhandels. Der Bankrat der Tschechoslowakischen ykationalbank hielt an« 21. ds. seine ordentliche Monatssitzung ab. Dem vorgebrachte«« Geschäfts- I berichte für bett verflossenen Zeitabschnitt entnehmen wir folgendes: Die Wirlschastsbrrichte weisen in zahlreichen Gebieten nach und nach günstigere Züge ans, obwohl dieser Tendenz noch die von den Länder«« mit aitfgegcbener Goldparität ausgehende Unsick«erheit nnd die andauernden Bestrebungen nach WirtschaftSantarkic jener Staaten, deren ZahlttngSbilanzen durch die andauernde. Crschiittcrung der internationale«« Kredite und ditreh anderweitige Aeuszcrungen der Weltdepression ans den« Gleichgewicht gebracht wurden, zu Tclpiden gereichen. Die in« Auslande beobachtete Wirtschaftsbesferttng entspringt hauptsächlich aus der i tt I fi« b i(ri) c n Absatz- belebt« n fl. Die verschärften Dcschranktntge«« im UeberweisungSdicnst der öffentliche«« Anleihen seitens einiger Schuldnerstaaten zeigen mit erneutem Nachdrtick auf die Wichtigkeit des Problems der internationalen Verschuldung. . Die Flüssigkeit der Weltgeldniärkte ist«her noch gestiegen; einige nette heimische Emissionen. die in der letzten Zeit aufgelegt wurden, wurde«« ohne Schwierigkeiten placiert. Die Effektenbörsen weisen in der Sointnersaison kein einheitliches Bild auf, find jedoch sehr widerstandsfähig^ Die Weltroh st off«nävkte wei- vorhergehende«« 2 ch w an k u n- Der Komotauer Biirgermelsler und der Fall Triebe. Warum hat Dr. storch ihr einen Gauner Interveniert? A rb c i l S n« a ng e l erfolgt; dieser Entlassungsgrund kommt bei der gute«« Beschäftig»»«« der Neugersdorfer F>tbriken überhaupt nicht m Frage. Es muß sestgestellt werden, daß Spitzel- und Denunziantentum auch in den heimischen Betrieben zu-banse sind. Die Beamtenschaft ist zum großen Teil hakcnkreuzlerisch verseucht und sorgt, jo weit sie Einfluß Hot, dafür, daß Sozialdemokraten keine Beschäsligung erhalten, Meldun- ge>« liege«« darüber aus allen sudetendeutschen Ge» i bieten vor. Die Führer der bürgerlichen Parteien aber flöten von sudeteudcutscher Einheitsfront. Alle klatschen dem Aushungeruugs. und BernichlungS- seldzug gegen die reick-Äeutsche Arbeiterklasse Bet» fall und versuchen, in dein engen Rahntett, der ihrem Wirken bei uns gesteckt ist, ähnliche Metho- den airzuwendcn. Sie«vcrden sich täuschen, wenn sie glaub«««, die sudeteitdeutsche Arbeiterschaft dadurch auf di« Knie zwingen zu können. Eine vhrseige liir de» Reichenberger„vorwärts". Roch dazu vo« Feeuudeshaud. J,n„Vorwärts" nimmt Herr Reimann die Pariser Konferenz zum Anlaß, zum tausendsten «Wale daS öde Geschwätz über bei«„Bankrott" Ser zweiten Internationale zu wiederholen. So glaubt er wohl an« besten die Leser über den TodeSschlas der Komintern Hinwegtrösten zu können. Nun koinmt aber der wohlwollendste Betrachter schon langsain dar auf, daß die einzige revolutionäre Tätigkeit der RcimannS darin besteht, die Sozialdemokratie der Verhinderung der Revolution zu bezichtigen, die sie sich selbst nicht zu machen trauen. DaS „Prager Taablatt", welches vor nicht ollzi« lan ger Zeit ii« seine«« Spalte«« liebevoll de>« Sa ton- bolschewismuS pflegte u««d dann von den Salan- bolschewickerl«« gerne gegen die Sozioldeinokra- 'en zitiert wurde, läßt slch aus Parts schreiben: „Wagt dl« Zweit« Internationale, wenn auch hinter verschlossenen Türen, wenigstens noch«ine. die der Auseinandersetzung, so herrscht um die Dritte,*■ die kommunistische«rabe«stilke. Diej^ tn• statulenmiitzig alle zwei Jahre abzuhalteuden,' Weltkongresse hoben seit 1N28 nicht mehr'tätige« suuden, und ähnlich sieht e» bezüglich der borge« schriebenen Parteitage der nationalen Sektionen der Komintern au-. Das revolutionäre Wortgetös« ist zwar bei der Dritte» Internationale gewaltiger al« bei der Zweiten, aber dl« rauhe Wirk lichkeit verzeichnet auch hier seit Fahren nicht» als Niederlagen. Wo in der letzten Zeit aus den« Erdball revolutionäre Situationen vorhanden waren, die kommunisiiiche International« hat sie verdorben,«»»,—•.~r——- China und Deutschland, oder sie war zu schwach M a s se n s«c d ln n g deutscher I«« d c«« und unbedeutend/ um in Erscheinung zu treten, in Palästina sprach. Dr. Ruppin betonte, daß Pa- 1.1, 7,77 ,7.'7, 7 J**1«'' u kann nicht' mehr als Vertreterin des reinen Mar«! der Geißel der Arbeitslosigkeit verschon' geblieben »la—««s mtire SRfifnfltun fiorrirfin im(Mr/irifiriF rin fic werde keinen Schaden erleiden, denn Triebe sei ein Ehrenmann, der bescheiden nnd zurückgezogen in sei« ner Billa lebe." Die„Di. Joachimsthalcr Zeitung" schrieb am 18. August: „Der Bürgermeister von Komotau, Herr Dr. Storch, sprach in dieser Angelegenheit bei der Gemeinde vor und betonte ausdrücklich, daß aus Grund seiner Erhebungen die Gemeinde nicht zu Schaden kommen «v«r d." So könnten«vir««och eine Reihe bürgerlicher Zeitungen zitieren, nm darzutun, daß Herr Dr. Storch mit feiner Erklärung reichlich spat koniint nnd daß es»«ehr als gewogt erscheint, zu behaupten, seine Tätigkeit in Joachimsthal sei gegen Herrn Josef Triebe gerichtet gewesen. Mag sein, daß Her«: Dr. Storch erst in Joachiitisthal eintraf, als Triebe bereits verhaftet war, daher aber k a in, um Triebe zu helfen, um ih>» von der Haft zu befreien, daS steht f c st. Wc««>« er zn spät kam und seine Jntcrvcntio«, zu Gunstei« Triebes keine«« Erfolg «nehr hotte, so ist das auf die Unzugänglichkeit des DizebürgcrmeisterS in Joachimsthal zurückzuführen, der auch gegenüber dem Komotauer Bürgermeister seine«« Standpunkt zur Sache Triebe aufrecht hielt. Das wird auch durch große Gesten nicht widerlegt. sicher Rückfluß der Mittel ii« dei« Verkehr zu registriere». Äon« EInlageninarkle treffe»« Rachrichte»« über eine gebesserte Situation ein, worin die Auswirkungen der eingetretenen Be- rnhigung zum Ausdruck zu komnieu beginnen Auf dem Kapitalsmorlic wird bisher keine besondere Erleichterung verspürt. Die Nachfrage nach Hypothekar- und Baukrc« d I t e«« i st bedeutend. In« Znsamn««nha»g mit den« beobachteten Umschwung aus den« Ein« lagenniarktc festigte sich auch der Aulagrinarkt der Prager Börse. Die Notiernngen der Jndu« strieaktiei«««»reu in einigen Gruppe«« fester. DaS Börsengeschäft ist im Rahme«« der Soininersaison bisher verhältnismäßig gering. Die Entwicklung der Großhandelspreis« deckt sich int ganze«« mit den ausländischen Tendenzen. Die Getreideernte ist in den Früherntegegenden bereits hereingcbracht und auch in höheren Lage»« bedeutend fortgeschritten. Tic Ernteergebnisse, sofern dieselben von einige«« AuSdrüschen bereits^bekannt sind, gebe«« bei allen Getreidearien hinsichtlich der Menge und Qualität Anlaß zur Befriedigung. Die Arbeitslosigkeit sinkt bisher in aröfte» rem llmsang« als In der BergleichSzeit des Vorjahres, trotzdem die Daubetvegung Heuer niedriger ist als im abgelaufenen Jahre. Don bett verschiedenen Jndustricbraiickxn werden fortschreitend« Anzeichen einer mäßigen Beste» rung gemeldet. Besondere Aufmerksamkeit verdient ein« gewiss« Besserung in den Ergeb, nisten des Juli-Außenhandels, dessen Umfang sowohl in der Einfuhr als auch in der Aus» fuhr gestiegen ist, teiltoeise entgegen de» saison mäßigen Voraussetzungen. I«« der Einsuhr«väre besonder» der Zuwachs des. Rohstosfimporte« und in der Ausfuhr eine Besserung bei den Fertigerzeugnissen zu ertväh- neu. Die Bilanz Weift im Juli ein Pastivum von 8-1.8 Mill. K auf. Die Inka ssoschwie- ri gleite»« dauern ln, Exportgeschäft an. In« Jnlande ist eine gewisse Erleichterung zu beob' achten, die d««rch beginnende Rcalisiening der Ernte bedingt«st. Die Jnsolvenzkurv« sinkt mäßig. Der Kur» der Kk war Wahrend der ganzen Zeit beständig. »» D« der Resolution heißt es u. a.: Der 18. Zionistenkongrcß gibt seiner Ent rüstung über die Entrechtung ocr deutsche«» Jude«« leidenschaftlich Ausdruck. Den deutsche«« Inden ist ein ungeheuerliches Unrecht geschehe««. Boi« Selbstbcwilßtscs» nnd Stolz durchdrungen, erhebt der Zionistenkongrcß feierlich P r o I e st gegen die se- Unrecht. Er hält eS für sein« Pflicht, zu er klären, daß die Zionisten der ganze»« Welt nicht ruhen werden, bevor nicht di« Rechte der deut schen Inden wieder heraestrllt sein werden. Er hält e» auch für sein« Pflicht, die ganz« zivilisierte Welt und vor allem de«« Völkerbund auszurnsen, alle Maßnahmen zu ergreifen, damit die Rechte der deutschen Inden wieder hergestellt werden. Polizei muß hohe schollen Bei der Abstimmung erhielt die R e s o- luiion der Linke«« und des Zentrunis eine iibertvältigendc Mehrheit,«vährcnd der An. nuiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiuiiiuiiiiiiiuiniiiiiiiiiiiiiiiiiniinuiiiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiii« g S a n z e i ch e n ans. wenn a««ch die Depression im ganzen anhielt. Auf dem Geldmärkte konnte nach de«»« Seme- steruliimo eine Erleichterung beobachtet werden, insbcsondcrc ist nach Beendigung der Zeichaungs- srist für die A r b c i t S a««l e i h t«in allmäh- •iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHniiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniuniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiininiinniiiiiiiiiiiinnninninniinnniimiiiD xiSmuS gelten. Ihre RevolutionSsekigkeit wird gedämpft und gehandikapt durch dir burraukra« tische« Erz«sfr eine« politisch erstarrte« Apparates und dl« Interessen der russischen Staatspolitik. Die Führer des russischen Kommunismus opfern in ihren Freund« schaftSverträgen rücksichtslos die Propagandafrel» Helt ihrer ausländischen Genossen. Dieses gelungene Konterfei vo»« Freundeshand werden sich die Herren von«„Vorwärts" nicht hüzter de«« Spiegel stecke««, Oder sind sie von ihrem„revolutlo»«ären Wortgelöse" so berauscht, daß sie aarnichi merken, wie lächerlich die impo- t-nte scheinrcvoluiionäre Tintenkleckserei allge- utach aus jeden nicht hundertprozentig Vernagel- trag der Rechten, der u. a. die Organisierung von Wchr«Ab:eilung« Neugersdorf eine große Anzahl sudetcudcuischer Fra»«cn ent- lassen, von denen einige schon dreißig Jahr« dort beschäftigt waren. Es wurde ihuei« bei der Küie- digung bedeutet, daß eine Wiedereinstellung nicht mehr ln Frage komme. So sind denn nun all« drüben beichästigt«'gewesenen, soweit sic sozialdemokratisch oder frvitzenrerkschastlich organisiert «varen, um ihren Arbeitsplatz gebracht. Mittwoch früh haben SA Leute. Arbeiter au» der Tschechoslowakei, die drüben beschäftigt waren, aufgeyalten und genau durcky'ucht. Bei keinem Hot «««an etwas gefunden. Die SA hatte Liste«« über di« Arbeiter angelegt und die Durchsuchungen auf Grund dieser Listen vorgenominen. Ta eine ganze Reihe rcichsdcutscher.Haken kreuzler aus tschecho- slowakischem Gebiete beschäftigt si«id, ist der Zu- äinmeulping der Eittlassuiigen mit den Spitzelliste«« ohne«veitcres gegeben. Keinesfalls kann die Ausrede gelten, die lÄitlassungen seien infolge auch andere urilitärischc Ärcnzgarnisonen zu besichtigen. Prager Erzbischof für den Nuntius. Wir haben vor einig««« Tagen darüber berichtet, daß sich anläßlich der Vorfälle in Neutra der agra- .rische„Venkov" in scharfer Weise gegen dei« Vatikan gewandt hat. Gegen den Artikel protestiert««»«« der Prager Erzbischof Dr. Kaspar «ind nimmt dabei den angegriffenen Nuntius Cirlacci'«'n Schutz. Vom Prager Crzbischoft der dem Nuntius seine Erneinrung verdank«, Hot man nichts anderes erwartet. Was dem„Tag" wichtig ist. In seiner Folge 165 registriert„Der Tag" solgciides erschütternde Ereignis: Die in Komotau erscheinende Zeitung„Deutsches Bolksblatt" veröffentlichte Mittwoch, de»« 2g. August, eine von Dr. Storch unterfertigte Erktäruug, in der es u. a. heißt: „In der Zeitung ,Bolkürecht' in Aussig und vielleicht auch in anderen sozialdemokratische«« Zeitungen sind in der Angelegenheit Triebe in Bezug auf meine Person Ausführungen enthalten, die vom Anfang bis zum Ende erfunden sind und sich als gewissenlose Bsrlcumdungcn darsicllen." Ohne auf die Details dieser Erklärung heute schon cndgiltig antworten zu»vollen, erlaube«« «vir i«i«s n««r vir Frage, die Herr Dr. Storch vor allen« klarstelle«« möge,«varum erst die sozialdemokratische Presse die Misiioi« des Komotauer Bürgerineisters zur Sprache dringen mußte, be. vor diese Erklärung von« Stapel gelassen«vnrde. Ist ihn« unbekannt geblieben, daß«ine Reihe deutschbürgerlicher Zeitungrn diese„vom Anfang bis zum Ende erfundene«« Ausführungen, die feine Person betreffen", scho«« in der Vorwoche «nachten? So schrieb doch die„Rcichcnberger Zei- tung" Freitag, den 18. August, in einem Artikel über den Fall Triebe u. a.: „Er galt daher als außerordentlich reicher Mann und verfügte dementsprechend über einen beträchtlichen Freundeskreis. Daraus mag sich auch die Tatsache erklären, daß eine prominente Persönlichkeit der Stadt Komotau in Joachimüihal er- schien und die Gemeinde versicherte, Seite 4 Freitag, 25. August 1933 Sir. 198' bin T agesneuigkeiten wesenden SA-Leute etwas verständnislos ansahen, j Unruhe; mehrere Betriebe haben gestreikt. findet nunmehr auf dem Marktplatz statt, durch noch eine viel größere Zuhörerschaft der ncudeutschen Schande erfahren wird. Ortet, Wahl, gesäumt tge» gewissen Räubern Abzug der Einwohner Kodak-Filme mit Hakenkreuz Peinliche» Ende einer Hakenkreuz-Reklame. Die Fabrik der K o d a k- F i l m t in B e r- l i n versah in der letzten Zeit jede Filmrolle mit einem kleinen Kreis, in dem sich ein Hakenkreuz befindet. BorsichtShalber sind die Hakenkreuze nicht aus der Packung angebracht, sondern aus dem Filmstreifen selbst, damit sie erst beim Entwickeln sichtbar werden. Die übereifrige Firma hat sedoch schlecht spekuliert. Die Prager Polizei, die auf den Unfug aufmerksam gemacht wurde, hat den erreichbaren Vorrat an solchen Filmrollen beschlagnahmt, so daß die Berliner.^akcnkrcuzlcr jetzt das Vergnügen haben werden, nachzurechneit, ob sie die Hitlerreklame nicht mehr kosten wird, als sie beabsichtigt hatten, schlug er mit voller Kraft dem nächststehenden SA-Mann die Zähne ein. Er starb gefaßt wie die übrigen. Die Wirkung der Nachricht über die Hinrichtung war ungeheuer. Trotz des riesigen SA- und Polizeiaufgebots fand in Altona spontan eine Demonstration statt, die an der Stelle der Kämpfe des BlutsonntagS einen großen Kranz mit roter Schleife für die ermordeten Revolutionäre niederlegte. Erst nach einer Stunde wagte die Polizei, den Kraiiz zu entfernen. Die Mutter des Jüngsten der Hingerichteten, des 19jährigen Tesch, saß ahnungslos zu Hause am Radio, als sie plötzlich durch den Lautsprecher die Ermordung ihres Sohnes erfuhr. In wilder Verzweiflung stürzte sie'auf die Straße und schrie die Nachricht den proletarischen Anwohnern zu. Ein großer Trupp von etwa fünfzig Frauen bildete sich unter ihrer Führung und durchzog, daangrenzende Straßenviertel, wobei sämtliche die Straße passierenden SA-Leure angegriffen, geschlagen und ihnen tue Achselstücke herunter gerissen wurden. Die SA-Leute wagten nicht, den verzweifelten Frauen entgegen zu treten. In. Altona und Hamburg• herrschte tagelang Adolf Loos gestorben. Ein Bahnbrecher moderner Bauweise. In einer Nervenheilanstalt seiner Wahlheimat Wie« starb gestern, dreiundsechzigjährig, der berühmte Architekt Adolf Loos. Ein reiches, kämpferisches und in seinen Ideen siegreiches Leben hat damit seinen'Abschluß gesunden. Name und Verdienst seines Träger- aber bleiben verewigt in der Beschichte der modernen Baukunst, in den steinernen Werken und in den Schriften des einstmals heiß Umstrittenen. Adolf Loos— ein 2 u d e l e n de u 1 s che r — wurde als Sohn eines bedeutenden Bildhauers in Brünn geboren, studierte erst in Reichenberg und Brünn, vollende:« seine Ausbildung in Dresden, wandte sich dann nach Amerika und kam schließlich, als Sechsunddreißigjähriger, im Jahre 1896, nach Wien, von wo aus er mit seinen bahnbrechenden Gedanken über einen modernen, sachlichen, zweckmäßigen Baustil, den er in seinen Schriften und Reden propagierte und alsbald auch in die Tat umzusetzen verstand, weit über die Grenzen Wien- und des alten Oesterreichs hinaus Aufmerksamkeit erregte. Der Kampf, der vor allem ein.Kamps gegen ihn war, entbrannte lichterloh, zu Anfang des Jahrhundert», als er an der Ecke des Michaclrr- platze» und des Kohlmarkts in Wien jenes nachmals berühmt gewordene Zaus erstellte, das mit seiner scheinbaren Nüchternheit, seinen einfachen, glatten Steinen förmlich als lebendiger Protest gegen jene Stilübcrladcnhcil wirkte, die gerade um jene Zeit Exzesse in der Architektur schuf. Adolf Loos sagte dem Schnörkel- und Ornamen- ten-Unwesen, der ganzen Geistlosigkeit der damals selbstverständlichen und beliebten, protzigen und unzweckmäßigen Straßendekoration durch jene Hausbankunst, die mit der„Sezession" ihre Triumphe feierte, einen unerbittlichen Kamps an. Loos stand anfänglich ganz allein in diesem Kampfe und erst allmählich brachte er immer größere und mächtigere Schareii von Mitkämpfern auf seine Seite. Heute wirken, so wie jenes Loos'sche Haus auf dem Wiener KohlmarkI, so olle die zahllosen anderen Bauten, die er in Wien und in anderen Städten(so auch in Prag, zumal aber auch in Pari») errichtet hat, nicht nur selbstverständlich in ihrer Einfachheit und Zweck hastigkcit, sondern sind zum Beispiel und zur Richtschnur für die ganze Baukultur geworden, innerhalb deren Adolf Loos gründlich Schule ge- niacht hat. Sein Lebeiiswerk, mit dem er gedanklich, in Wort und Schrift, weit über die eigentliche Architektur hinous zu neuen Lichtungen der Aesthctik. der Sozialhygiene, des natürlichen Fortschritts aus den verschiedensten seiner Kunst angrenzenden Gebieten vorstieß, darf schon als revolutionär bezeichnet werden, wie den» Loos selber auch pcrfönlich durchaus antibürgerlichen Charakter aufwies. In den letzten Jahren seines Lebens wurde Adolf Loos, der große Künstler, der siegreiche Praktiker und immer noch hart bekämpfte Mensch, von schwerer Krankheit gemartert, der er derrn nun auch erlag. Bor wenigen Jahren noch wurde er in Wien zum Mittelpunkt einer häßlichen Sittlichkeitsaffäre. Rach ihrer Beilegung»vurde es still um die Person, nun also ist's grabesstill geworden. Aber dieser Mann lebt weiter, im Stein, und in einer geistigen Wirkung, die dauernder ist al» Erz. zu dem Unglück del de« militärischen Uebuugen auf der Donau wird amtlich mitgeteilt: Das Unglück geschah bei scharfen Sprengübungen der Minenkompagnie des Brückenbaubataillons, die im Rahmen der Schlußübungen im Donauarme Basa abgcholten wurden. Oberleutnant Ing. Jaroslav Winkler befand sich mit vier Genlesoldaten auf einem Boote, in welchem eine Wasser- m> n e vorbereitet war, die gelegt werden sollte. Nach dein Abstößen ersalgte einige Nieter vom User entfernt aus bisher unbekailnter Ursache eine Explosion, wobei der Hinterteil des Bootes abgerissen wurde. Oberleulnant Winkler und Gefreiter R o z s i v a l wurden getötet und inü Wasser geschleudert. Dem Soldaten R«> chelt, der in der Mitte des Schiffes stand, wurden beide Beine zerschlagen. Zugsführer Skri- vanek und der Soldat I u n g, die sich vorne bcsandkn, erlitten einen Nervenchock. Ten Verletzten wurde sofort ärztliche Hilfe zuteil. Die Ursachen der vorzeitigen Explosion der Mine werden aus Befehl des Ministeriums für nationale Verteidigung von einer speziellen Fachkoin- mission untersucht. Ueber. das Ergebnis der Untersuchung wird die Oeffentlichkeit unterrichtet werden. Bavdite» Übersatten eine chinesische Stadt. 53 Kaufleute al» Geiseln fortgeschleppl. London, 24. August. Wie Reuter au» Char- meldet, ist die kleine chinesische Stadt Echo in der Nähe von Halin von 300 mit modernen Waffen, darunter auch Maschinengeweh. reu ausgerüsteten Banditen überfallen und besetzt worden. 53 chinesische Kaufleute des der sich als Handelsplatz einer habeicheit erfreut, sind von den gen genommen uird bei ihrem schleppt worden. Nach Aussagen handelt eü sich um desertierte Soldaten einer der chinesischen Armeen. Herbstwetter. Eine ziemlich tiefe Depression, welche Mittwoch über Deutschland hinweg ostwärts vorrückte, hat bei uns iin Westen des Staates nach ganz kurzer Besserung eine erneute Wetterverschlechterung gebracht. In den Sudetenländern herrschte dabei auch gestern noch sehr windiges und veränderliches Welter; die Berge in Nordböhmen melden heftigen Weststurm. Die Regenmengen überschreiten stellenweise wieder 20 Millimeter. Aus Westeuropa dringt nun gegen das Binnenland höherer Druck mit etwas besserem Wetter vor. Die Großwetterlage bleibt jedoch nock) immer unstabil.— Wahrscheinliches Weller heute Freitag: Vom Westen her fortschreitende Besserung, nacht» kühl, tagsüber nur etwas wärmer, abflauender Westwind. Fm Osten des Staates noch immer veränderlich und stellenweise Schauer. Der den Schaden hat... Aus Anordnung der Staatspolizeistelle Dortmund wurde im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg bei allen Kommunisten, die über Radiogeräte versügen, die sich zur Ausnahme russischer Sendungen eignen, die Radioanlagen beschlagnahmt. Diese Maßnahme war notwendig geworden, weil die kommunistische Propaganda des Moskauer Senders von den Anhängern der KPD dazu benützt wurde. Stuben- Versammlungen abzuhalten. Ten von der Beschlag-. »ahme Betroffenen wird Gelegenheit gegeben, unter behördlicher Kontrolle das Radiogerät gegen kleinere Apparate einzutauschen, die lediglich zur Wiedergabe des Longenberger Senders geeignet sittd. Diese Abschwächung der getroffenen Maß- nahme hat ihren Grund darin, daß nicht bead- sichtigt ist, de» Anhängern der KPD die Teilnahme an den deutschen Sendungen unmög- lich zu machen. Streikende Binnenschiffer in Frankreich baden im Laufe des Mittwoch-Abends auf der Oise, hundert Meter unterhalb der Schleuse von Pon- toise mit großer Beharrlichkeit eine Absperrung durch Ansammlung ihrer Kähne vorgenommen. Um 22 Uhr waren bei Eragny zwölf Sperrketten gebildet worden. Durch Speise-Ei« vergiftet. Etwa hundert Personen, die in dem spanischen Städtchen MiSIäta an einem Bankett teiigenommen hatten, sind nach dem Genuß von Gefrorenem ilnter ernsten BergiftungSerscheinurigen erkrankt. Banditentod. Ter berüchtigte Bandit M i- cha j lo w, genannt„Srbin", der bereits drei- zehnmal zum Tode verurteil t ivorden war, wurde Mittwoch während eines Fluchtversuches aus dem bulgarischen l^efängnis Wraoa durch die ihn verfolgenden Gendarmen und Sol- baten erschossen. Gandhi sreigelofsen. Gandhi ist sofort nach seiner Freilassung ärztlich untersucht worden. Tie Aerzte stellten fest, daß Gandhis Gesundheitszustand keinen Anlaß zu besonderer Beunruhigung gibt. Die erste Nahrung, die er zu sich nahm, bestand auS citwr Tasse Orangensasl. Rach den Büchern die Hemden. I» Pester- wirt bei Dresden wurden vorige Woche den Einwohnern^ soweit sie etwa„rrichsbannerverdäch- tige".Hemden trugen, dieselben weggenommen, auch wenn e§ sich um das einzige Hemd handelte. Die.Hemden wurden dann von der SA, die noch von anderwärts Hemden mitgebracht hatte, auf dem Arbeitersportplatz vcrbraniit. Die„Jüdische Köterrasse". In der„Monais- schrift für akademisches Leben" der Universität Erlangen veröffentlicht der bekannte IuliuS Streicher einen Aufruf, der charakteristisch ist für Der Kcuschheitsgürtel. Belgrad. Die gesellschaftliche Sensation Groß-Beckerek bildet ein Sk^"^—' süchtigen Gatten anstrengt. Die Ehe verlief anfangs ganz harmonisch, bis eines Tages ein Freund des Ehemannes im Hause auftauchte, der die Eifersucht des Gatten erweckte. Mit argwöhnischen Augen wurden der Freund und die Gattin beobachtet, und als der Gatte den Freund cincü Tages nach der Rückkehr von einer Ge- schästsreise in seinen! Hause antraf, erreichte die Eifersucht ihren Höhepunkt. Ter Gatte ließ aus einem Drahtgeflecht einen.^kruschheits- gürte l" verfertigen und zwang die unglückliche Frau, ihn zu trogen. Immer, wenn er fortging, legte er seiner Frau eigenhändig den Gürtel an, den er mit einem Schlüssel versperrte. Erst nach seiner Rückkehr wurde die Frau von dem Drahtgeflecht, das ihr außer moralischen, auch bedeutende physische Qualen verursachte, befreit. Schließlich entschloß sich die Gattin, diesem Zustand ein Ende zü bereiten und strengt jetzt gegen den Gatten die Ehescheidung an. Pari-, 24. August.(Jnpreß.) Wir erhalten soeben die. ersten authentischen Berichte über die Hinrichtung der vier Altonaer Arbeiter. Tie Hinrichtung fand in Gegenwart von 75 zum Zusehen komniandierten politische» Gefangenen statt. Der Hauptangcklagte, Luetgens, der schon während des Prozesses eine heldenhastc Haltung gezeigt und dem Staatsanwalt auf seinen Antrag aus Todesstrafe erwidert hatte, er könne ihm nur danken für diese höchste Ebre, die einem Revolutionär tcilhast werden könne und er habe nur die eine Bitte, falls er zu Zuchthaus verurteilt werden sollte, auch noch die Strafe des einzigen Mitangeklagten, der seine Kameraden belastet hattet auf sich zu nehmen, um nicht mit diesem Lumpen in eine»! Zuchthaus sitzen zu müssen, bewahrte diese Haltung bis zum letzten Augenblick. Ungezwungen legte er leinen Kopf auf den Block und starb mit deni Ruf:„Ich sterbo für die proletarische Revolution. Rot Front!" Der Angeklagte Wolf wurde unmittelbar vor der Hinrichtung gefragt, ob er noch einen Wunsch habe. Er erklärte, sich noch einmal richtig auS- recken zu wollen. Als ihn die Henker und die an- die neue deutsche Kultur. ES heißt in diesem Aufruf beispielsweise:„Keine Rossen Vermischung, keine Schändung hat schlimmere Folgen als die zwischen den Angehörigen der niedrigen, widernatürlichen und ntinderwertigen jüdischen Köter- rosse und der deutschen Frau. Auch wenn keine Befruchtung erfolgt, leidet die Nicht-Jüdin einen in dieser Meli nicht tvieder gutzuinachcnden seelischen und leiblichen Schaden. Tas Blut ist verseucht, die Ehre ist dahin." Neu-Ruvpiner Volksvergnügungen.„Times" und„Daily Telegraph" berichten aus dem kleinen brandenburgischen Städtchen Neu-Ruppin, daß dort ein junge» Mädchen durch die Straßen geführt wurde, dem ein Plakat um-en Hal» gehängt war:„Ich schamlose» Geschöpf habe es gewogt, sitzen zu bleiben, als da» Horst-Wessel-Lie- gesungen wurde." Tie Orlszeitungen in Neu-Ruppin. so melden die Londoner Blätter, kündigen Ort und Zeit diese» Schauspiel» an. Der Name des Mädchen- wird ebenfalls milgeteilt, so daß ein Zweifel an der Wahrheit der Meldung'unmöglich ist. Wie eifrig die Nazi« schießen, hat sich am Sonntag, den 6. August 1933 horausgestelli. wo die Grenze stark besetzt war. Ein Nazi, der in Böhmen gewesen und zurückgekehri war, befand sich dicht am Grenzstein auf sächsischem Gebiet bei Hcrruskretschen. Plötzlich hörte er sich ange- rufen. Um aber nicht als Auslandsganger sttt' gestellt zu werden, floh er, woraus drei scharfe Schüsse auf ihn abgegeben wurden. Er warf sich hin und wurde dann von einem SS-Mann gestellt. Nur seine Ausrede, er habe geglaubt, öaii -er Anruf von eineni tschechischen Beamten ge« kommen sei, rettete ihn vor der Festnahme. Orkan auch über Oesterreich. Ueber ganz Oesterreich tobte in der'Nacht zum Mittwoch ein orkänartiger Sturm, der abwechselnd starke Regenschauer brachte und etwa acht volle Stunden mit unverminderter Wucht anhielt, wobei er eine Geschwindigkeit von 60 bis, 85 Kilometern in der Stunde erreichte. Der durch deu katastrophalen Sturni in Wien angerichte'' Sachschaden ist beträchtlich. Tie Feuerwehren mußte» bis in die Morgenstunden mit allen verfügbaren Geräten zu zahlreichen Schadensfällen auSrückeu. Das unbeliebte Dritte Reich. Da» Stoii- stischc Amt hat eine Uebersicht über dbti Frem- denverkehr in den einzelnen deutschen Städten im Manat Juni veröffentlicht, au» dem hervor- geht, daß die Zahl der Besucher im Vergleiche mit dem Vorjahre fast durchwegs namhaft zu- rückgegangen ist. In einem der bedeutendste» deutschen.Kurorte, in Pyrmont ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang der Besucherzahl um mehr al»-5 Prozent zu verzeichnen. Ta» Bad Nardernev weist einen Rückgang um 6Tä Prozent, Polzin(Pommerns von 39.5 Prozent, und Bad Kndova um 24.7 Prozent auf. Auch eine Reihe weiterer Städte wie Wiesbaden, Oeynhausen(Westfalen) und Neuenahr(Rheiuprovinz) haben einen Rück, gang de» Fremdenverkehr» aufzuweisen. Was die Großstädte betrifft, hat;. B. Berlin im Juni d. I. im Vergleiche mit dem Vorjahre einen Rückgang der Zahl der ausländischen Be- 1 suchcr um etwa 30 Prozent aufzuweisen. Irrenhäusler machen Devölherungspolltlh. Oder: Frick gegen die Röhms und Hitlers. Berlin, 23. August. Die Presse veröffentlich! grundsätzliche Ausführungen de» Reichsinnen- Ministers Dr. Frick über die Vevöllerungspolitik der nationalsozialistischen Regierung, die n. a. die Pflicht zur Familiengründung vorsiehr. Dr. Frick führte aus: Tie Eiusteltung dem keimenden Leben gegenüber ist von der Weltanichauung nicht nur der deutschen Frau und Mutter, sondern auch de» Mannes ablzängig. Durch Gesetze und wirtschasl- liche Maßnahmen allein läßt sich der Wille zum Kinde in einem Volk und vor allen Dingen i» der Frau nicht erivecken, cs muß vielmehr die Seel« der Frau zum Kinde zurücksindcn. Tas ist nur möglich durch Erneuerung des TenkeuS der Frau uiid durch Lösung der Frauensrage. Wir müssen die Frau von ihrer wirtschaftlichen Not befreien und ihren« Kinde aii»reii Schutz gewähren, aber im gleichen Maße den Mann zur Pflicht der Fa m i l i engrü ndu ng erziel)««. Hier bielet sich der naiionaliozialistischen Frauenjchäft ein weile» Feld der Betätigung. die sie unter Führung von Müttern und in enger Anlehnung an die kinderreichen Mütter in Angriff nehmen muß. Eine übertriebene allzu lange wissenschaftliche Ausbilduiig ist der rechtzeitigen Familiengründung cbenlo hinderlich wie die Nebertreibung de» Sporte». Strammstehen gehört zum Arziberof. Berlin, 23. August. In der Berliner Philharmonie fand heilte die von dem»otionalsozioli- sischen Deutschen Aerzle- Bund, gemeinsam mit dem Bund Deutscher Aerzte, einberufene Versammlung statt, die zu dem Thema„Der Arzt im Dritten Reiche" Stellung nahm. Ministerialrat Dr. Conti führte in einer Rede ans, e» wäre zu begrüßen, wenn die medizinisch« Studentenschaft vor ihren Examina in ebensolche Lager■ zilfammengefaßt wurde wie die Referendare, da gerade der Arzt, wie kaum ein anderer, mit ollen Ständen des Voltes zusammenkomme und daher die Stäiidc mit. ihren Eigenarten genau kennen müsse." Antifaleistische Kampfversammlung mit Genossen Stto Glöckel in Graotttz. So ost Genosse Otto Glöckel in Deutschböhmen weilt, vergißt er nicht, in den Bezirksstädten seines ehemaligen erzgebirgischen Wahlgebietes Versammlungen abznhalten. Am Sonntag fand in Graslitz eine große Massenkundgebung gegen den FasciSmus statt, in welcher Genosse Otto Glöckel da» Referat erstattete. Trotz Gegenagitation der Hakenkrcuzler war nicht nur der Saal des Hotel Schwan, sondern auch der anschlic- ßcnde Gang und dir Garderobe mit Zuhörern vollgestopft. Genosse Glöckel rechnete in seiner volkstümlichen Art mit dem braunen Volksbe- lrug ab und berichtete anch über die Kampfsituation in Deutsch-Oesterreich. Eine einmütig angenommene Kundgebung enthält die leidenschaftliche Kampfansage der GraSlitzer Arbeiterschaft gegen den Fascismus und ein T r e u gelob ni ö zur Sozialdemokratie. Eine für den 26. August in Neudek anberaumte Versammlung erhält dadurch ihr Gepräge, daß die Gleichgeschalteten aus Angst vor der Wahrheit der Arbeiterschaft den Saal der Turnhalle abgetrieben haben. Die Versammlung findet nunmehr auf den« Marktplatz statt, wovon Alle Magen iiber China. Hunderttlmseude durch lleberschwemmuug obdachlos.— Lausende ertrunken. London, 24. August.„Time«" berichtet au» Peking, daß dex v e l b e F l u tz in der Provinz Honan über 500 Dörfer überschwemmt habe. Dadurch seien 300.000 Menschen obdachlos geworden und di« ganze Ernte sei vollauf vernichtet. In Liulin in der Provinz Schansi sollen 2000 Mensche« ertrunken sein. In der Stadt Saoteh, wo das Hochlvasser in den Straßen zehn Meter hoch steht, seien Hunderte von Häusern«ingestürzt. MMMMMMMIWWMMMMMMMWWMWlMllMMWWWWiIli>IiWIMlIilWlWMIIlI!WMl>»WUWll!lIlIWWlllWllIWlWllW Wie die Hamburger Arbeiter starbe«. Bericht von der Hinrichtung der hier Kommunisten. t von t Scheidungsprozeß, den eine junge Schönheit gegen ihren eifer- St. ISS Freitag, 28. August 1SS8 Stile» T-utschcr Geist im Ausland. Der seit 20 Jahren bestehende holländische literarische Verjag Q u c r i d o, Amsterdam, hat seinem Unter- nehmen ein« deutsche literarische Abteilung angegliedert, in der diesem Herbst die neuen Werke von Alfred D ö b l i n, Lion F c u ch t w a n.» ger, Werner Hege mann, Emil Ludwig, Heinrich Man N, Joseph Roth, Arnold iZwcig u. a. erscheinen. Ferner wird ab September im gleichen Verlage eine literarische Monatszeitschrift„Die Sa m m I n ng" unter dem Patronat von Andrö Gide Aldons Huxley und Heinrich Mann von Klaus Mann herauS- aegeben werden. Die erste Numnicr bringt größere Arbeiten von Heinrich. Mann. Wassermann, Döblin, Kesten, Kerr u. a. Dee nächsten Nummern enthalten aeßer Beiträgen der Ver- lagSautoren u. a. Arbeiten von Thonias Mann, Stefan Zweig, Rcnö Schickele, Romain Rolland, Jean Girandoux. Unser„Unpolitismer** korrespondiert mit der„Sudelendontsdien". (Anmerkung der Redaktion: Da UnuS nicht unserem Redaktionsstab angehört, sondern nur gelegentlicher Mitarbeiter ist, können wir ihm di« Korrespondenz mit einer Zeitung, die im politischen Gegensatz zu uns steht, nicht verwehren.) Mein lieber Sud«tendcutscherl! Ich las da vor längerer Zeit einen Roman — der Name des Versagers ist mir entfallen— betitelt:„Fra u von Hanke"; spielt da oben in Ost- oder Westpreußen, an der Polnischen Grenz«. Ein psychologisch meisterhaft geschilderter Frauentyp:«ine schöne, reiche, vornehm«, liebenswürdige, geistig hochstehende Danre, glückliche Gattin, Mutter zweier Kinder— und doch, und doch——? Der in jedem Weib« schlummernd« Urinstinkt: der Drang nach dem kräf- tigsten Männchen der.Herde! Tritt dieses in Erscheinung, dann verfällt doS Weibchen im Weib dem Tier und tvird ihm hörig. Frau von Hanke erfährt, daß ihr Inspektor so«in Urtier in ihrem großen Kuhstall als Schtveizer angestellt hot; die Neugier treibt sie, sich das Tier einmal anzuschauen; da steht«S, mit der übermächtigen nackten, zottigen Brust, mit den haarigen nackten Deinen, mit blutunterlaufenen Augen, die daS Weib verschlingen. Ehr- und Schamgefühl, Gattenpflicht und Mutterliebe fallen von ihrem Körper ab wie lose Lappen und das Urweib grinst dem Urmann zu:„Nimm mich!"— Und da eines Abends dieses Tier ein armes Dingelchen von Mädchen, das ihn hindern will, sich aus» Weibchen zu stürzen, mit seinen mächtigen Pranken erwürgt, wirst sich.das Urweibchen dem Urmann, dem Mörder, an die zottige Brust: Stärke und Grausamkeit befriedigen den Urinstinkt des erwachten WcibcS! So ein Urtier verbraucht eine ganze Wcib- chenherde; nicht nur di« erwacht« Germania, auch Sie, liebes Kind, und Ihre sudcten- dkutschen Zeilungsschwestern, sie alle sind dem Urtier Hitler hörig geworden; aber Sie scheinen seiner Kraft allein nicht zu vertrauen, Sie rufen den Schutzmann, daß«r Sie vor einer Störung Ihrer Schäferstündchen schütze! So schreiben Sie z. B. in Ihrer vorige» Sonntagsnummer: Die Hetz« des„Sozialdemokrat" und seiner Kopfblätter gegen alles Deutschbewußt« und gegen Deutschland sowie gegen all« jene Zeitungen, die eben tiicht ins sozialdemokratisch« Horn blasen, nimmt immer maßloser« Formen an. Jede Nummer des Blattes ist«in Schmu b- kiibel, der über Deutschland ausgegossen wird. Tie unqualifizierbarrn Schimpfnamen, di« man täglich Mitgliedern der reichsdeutschen Regierung gibt, zeigen einen Tiefstand der roten Denkweise, wie er noch nie dagewesen ist. In jeder Richtung bemerkenswert ist es aber, daß sich das Blatt in einer seiner letzten Nummer erlauben darf, in großen Lettern, über zwei Spalten di« Uebrr- schrist„Eidbrecher Hindenburg" zu gebrauchen. Man stelle sich vor, daß reichÄ>culsche Blätter so eiwaS umgekehrt tun würden. Der maßlosen, alles vergiftenden Hetze der tschechoslowakischen internationalen Blätter müßte denn doch endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Liebste aller Kolleginnen! Obgleich ich es, als bekannt^Unpolitischer" nicht tun dürste, aber diesmal(nur daS eine Mal! Ans Ehre!) muß ich mich, Sie mögen mir nockt so böse werden, mit dem Ihnen so verhaßten Menschen, dem„Sozialdemokrat", politisch gleichschalten. Sie alü Dani« dürfen sich schminken, Pudern und den L'ppN'stift benützen, und eine kleine Lüge steht Ihnen immer reizend zu Gesicht; aber tvas Ihnen als Dame erlaubt ist, ist mir als Mann vc-wehrt, und so müsien St« schön gestatten, die Wahrheit u n- geschminkt zu sagen! Aber nicht schmollen, Kind! Also Sie behaupten, der„Sozialdemokrat" gieße in jeder seiner Nummern Schmutzküböl über Deutschland aus? Aber, aber! Ich will Ihnen, wi« jeder Dame, bereitwilligste Mangel an Logik zubilligen, aber so unlogisch dürfen Sie Nicht folgern, auch wenn Ihre Leidenschaft für das Untier noch so gewaltig ist, daß Sie konsequent das arme Deutschland mit dem Mördergesindel verwechseln, das e« mit feinem Sadistmts zu Tode quält! Und wi«. können Sie nur— ich habe den Bilderreichtum Ihres Stils immer bewundert— das klare Bild von den Schmutzkübeln nur so falsch deuten? DaS ist eben der verflixt« Modernismus(Impressionismus,' Expressionismus, Kubismus?) in der FttklWl M« M MM SMk. Die Stadl Salis'-mg vernichtet- Todesopfer- Ueberiätiige Schifte. New ff o r k, 24. August. Ein verheerender Orkan, der gestern an der amerikanischen' Ostküste wütete, hat nach den letzten Meldungen zehn Todesopfer gefordert. Lin« Anzahl S ch i f f er sind ü b e r f 8 l l I g. Z w e i O f s i z i e r e des auf der Höhe de» Cap Charles in Virginia havarierten Ozeandampfer»„Madison" werden vermißt. wohnern in Maryland, von dem Sturm so gut wie vernichtet Washington, 24. August. Ein gewaltiger Orkan, der bei Virginia Beach in das Festland einbrach, fegte über das ganze Küstengebiet von Virginia und Nord-Carolina hinweg und bewegte sich sogar nach Washington sort, wo er in der Umgebung des Weißen Hauses Bäume entwurzelte und die Straßen überschwemmte. Der Sachschaden wird auf mehrere Millionen Dollar veranschlagt und beträgt allein am Badestrand von Virginia Beach eine Million Dollar. ck New?)ork, 24. August. Der Orkan wütete gestern in den späten Abendstunden über New Aork, wo er eine längere Unterbrechung der Hafen- und Luftdienste verursachte. Ein Fischerboot mit 40 Mann Besatzung an Bord geriet in Seenot und bat durch Funkspruch um Unterstützung. Ein Funkspruch besagt, daß Salisbury,«in« Stadt von etwa 10.000 Ein- Bor dem Anschlagbrett der sozialistischen Studctkten in der Berliner Friedrich-Wilhelm- Universität standen in der großen VormittagS- Pause um 11 Uhr— wie stets um diese Zeit— sozialdemokratische, kommunistische und nationalsozialistische Stiwentcn in reger Diskussion,— d. h. die nationalsozialistischen Studenten waren in diesen Diskussionen recht Passiv, nur mühsam konnten sie den Argumenten ihrer politischen Gegner gegenüber irgentNvelche Gegenargumente geltend machen. Mit einemmal zog sich ein junger nationalsozialistischer Student das Jacket au», entblößte einen Arm und rief in die erregt debattierende Menge hinein:„Hört endlich mit eurem Geschwafel auf, ein Nationalsozialist diskutiert nicht, hier sind Narben von Reichsbanner- und Rotfrontleuten; in einer anständigen Keilerei, da zeigt sich, wer Weltanschauung hat." Ueber soviel Weisheit erstaunt, fragte ich einen der führenden nationalsozialistischen Studenten, der, nebenbei bemerkt, heute der Otio- Sträßer-Gruppe angehort, er hatte wohl etwa» zu viel diskutiert, nach deni Namen des Raufboldes. Er nannte ihn mir: Horst Wesiel. Horst Wesiel hat die Hörsäle der Alma Mater nur vom Hören-Sagen kennen gelernt, sein Tätigkeitsgebiet war die Straße. Auf der Straße tobte er sich mit seinen SA-Leuten auS — er war der Führer von Sturm 5—. In wechselndem Schlachteuglück, hauptsächlich mit Notfrontlern aus der Gegend des Bülowplatzes, hatte sich Horst Wesiel seine Narben geholt. Sturm 8 war dadurch ausgezeichnet, daß in ihm eine Reihe großenteils wegen Unterschlagung oder Disziplinarbrnches ausgeschlossene frühere Kommunisten waren. Horst Wessel hatte sie alle um sich zu sammeln gewußt. Bon ihnen lernte er die kommunistischen Lieder und Parolen, die er einfach zusammcnstellte, umfärbte und dann „sein Lied" nannte:„Die Straße frei den roten Bataillonen"— aus den roten wurden eben braune gemacht. Von seinen Helfershelfern versprach er sich interne Nachrichten über die Kommunistische Partei; sie waren seine tapfersten Helfershelfer, wenn es auf Arbeiterlokale losging, wenn Feuerüberfall auf Proleten kommandiert wurde. Mordsturm 8 war berüchtigt. Auf der Straße aber fand Horst Wessel auch seine Freundin, eine gewöhnliche Prostituierte „rund um den Alexanderplatz". Sie hatte zwar noch andere Freunde— das gehörte zu ihrem Beruf—, aber Horst Wesiel war ihr liebster, ein Student aus bürgerlicher Familie, der stramme Führer des Sturms 5 der St. Von ihr erfuhr Horst Wessel die Zusammenkünfte dcS Roten- Frontkämpfer-Bnndes und manche IntcrnaS, die sie der meist kommunistisch eingestellten Kundschaft im Bett entlocken ließ, zu der auch ein heutigen Malerei: tvas dem«inen als„Eine Tchnrelandschaft im Riesengebirge", erscheint dem anderen als„Sonnenuntergang in der Sahara"! Sie irren also wirklich: der„Sozialdemokrat" gießt nicht seine Schmutzkübel über Deutschland aus— er schöpft bsoß den Unrat aus der Senkgrube, zu der Ihre schutzbedürftigen„Staatsmänner" Deutschland gemacht haben, um der Welt zu zeigen, welche Fauche sich in dsn sechs Monaten b!» zum Ueber- lausen in ihr angcsammelt hat! Während aber di« Umstehenden sich die Nasen zuholten, ziehen Sie den Duft mit Wonne ein, und Ihr verrückter Augenausschlag sagt:„Wie daS riecht! Rosen, Tulpen und»rarzisien!" Kind chen, Kindchen! Sie scheinen mir ein bißl pervers geworden zu sein, seitdem wir uns nicht gesehen haben? Ich will Sie ja wirklich nicht überzeugen, daß die Schmutzkübel stinken, zum Himmel stinken, denn über Geschmack. läßt sich nicht diskutieren— aber Sir■ schreiben da weiter von „u nqualisizierbaren. Schimpf Worten, mit denen der„Sozialdemokrat" die deut« worden sei. Da alle Verbindungen mit Salisbury unterbrochen sind, war eine Bestätigung diese« Katastrophenmeldung nicht zu erlangen. Weiter« Asarmmeldungen kommen aus Ozean-City in Maryland, da» ebenfalls' schwer mitgenommen sein soll. Erdbeben zerstört eine Stadt in Nicaragua. Mexiko-City, 24. August. Privatnachrichten, die bei einem in der Hauptstadt Mexikos lebenden ehemaligen nicaraguanischen Minister eingegangen sind, besagen, daß die Hauptstadt von Nicara- ?ua, Managua, von einem schweren Erdbeben eimgesucht worden ist. Die nahe bei Managua gelegene Stadt Leon soll zum Teil zerstört worden sein. arbeitsloser, aus dem RJB. nach etwa dreimonatiger Zugehörigkeit auSgeschlosicncr Prolet gehörte, der in der Mulak- und Grenadierstraße auf den schönen Spitznamen Ali hörte. Ali fühlte sich vernachlässigt und sann auf Rache an Horst Wesiel, den er schließlich in der Wohnung der Dime überraschte. Hier kam es— wie der Polizeibericht hieß— zu einem heftigen Wortwechsel zwischen den drei Personen, in desien Verlauf Ali das Mädchen niederschlug und auf Horst Wesiel mehrere Schüsie abfeuerte. Horst Wesiel mußte ins KrankeichauS transportiert werden, wo er einige Wochen später seinen Wunden erlag. Ein deklassierter Prolet hatte feinen vornehmen Nebenbuhler auS der Welt geschafft. Damit wäre die Geschichte von Horst Wesiel zu Ende, wenn, ja wenn nicht der heutige Propagandaminister Deutschlands, Herr Josef GobbekS, schon damals Propaganda geschoben hätte. Göbels ging zu Horst Wesiel ins Krankenhaus, schwur im„Angriff"„Treue um Treue" und verstand«S, das Leichenbegängnis für Horst Wesiel zu einer großen Parteidemonstration der NSDAP für„ihren gefallenen Märtyrer" aus- zunützen. Einer Demonstratio», die allerdings einen herben Beigeschmack hatte. KPD-Leute, aufgebracht darüber, daß der nationalsozialistische Zug an ihrem ParteihauS vorbeiziehen sollte, hatten sämtliche Häuserwändc der zum Kirchhof führenden Straßen, selbst die Kirchhofmauern, mit der Inschrift versehen:„Der Zuhälter Horst Wesiel tritt seinen letzen Gang an." So wenig geschmackvoll daS war, der Rekord an Geschmacklosigkeit muß denen zugesproche» werden, die diesen Horst Wessel zum Märtyrer, zum Helden des Dritten Reichs,„sein" Lied zur Nationalhymne Deutschlands gemacht haben. Auf dem Bülow-Platz steht das kommunistische Parteihaus, Karl-Li'ebknecht-Haus, nach dem Vorkämpfer lzes Spartakusbundes genannt. Es heißt heute Horst Wessel-Haus. Der Name eines Raufboldes und Zuhälters an Stelle des Namens des heimtückisch von Subjekten wie Horst Wesiel ermordeten Heronen der Weltarbeiterschaft, des Sozialismus. Horst-Wessel-Film, Horst-Weffel-Straße, Horst-Wcsiel-Zigarettr; Zuhälter und Raufbolde Deutschlands, ihr genießt eine bedeutsame Gegenwart. Wie lange noch, und die Partei, die daS Denkmals Ludwig Franks zerstörte, die den Leichnam Kurt Eisners aus dem Grabe riß, die Mord und Barbarei auf ihre Fahne geschrieben, wie lange noch, und diese Nationalsozialistische Partei wird den Mördern von Potcmpa, den „lieben Kameraden" des Reichskanzlers, Feste feiern, Filme und Statuten weihen? Germaniens. schen Staatsmänner belegt"— und da muß ich Ihnen gestehen, daß ich di« ganz« R« d a k- tionshibliothek, den Rabelais, den Abraham d Santa Clara durchgestöbcrt habe, um einig« Schimpfwort«;n sinken, die Ihr«„Staatsmänner" in ihren Reden und Zeitungen vierzehn Jahr« lang'nicht gebraucht haben— aber ich habe keine gesunden!! Ihr« armen„Staatsmänner" haben alles, tvas nur an Gemeinheit und Unflat vorzufiiiden ist, vorweggenommen, so daß für uns nichts übrig geblieben ist! Wenn Ihre ProtrktionSkinder Worte gebrauchen, wie: Strolche, Marristen- schwöin, Iudensau und Stinkjude, rote Schweinehund«, Novemberverbrccher— wie sollen wir da für Ihr«„Staatsmänner" Bezeichnungen finden, die sich mit ihren Schandtaten decken? Wir werden also Ihren größenwahnsinnigen Hitler: L i.e b l i n g,• den Bluthund Göring: Bubi, de» Giftbolzen Göbbels: Ma u sc schw ä nzche n. und den Päderasten Röhm: S ü ß e r nennen'? Ist'« Ihnen so recht? Na schön, da wolle» wir unS wieder vertragen, Herzchen? Ihr Unus. Die erste Kampfschrift der deutschen Sozialdemokratie seit Hitlers Machtergreifung: M/ muß jeder lesen, der sich mit dem Schicksal der deutschen Arbeiterklasseverbunden filhlt. Sie zeigt offen die Lage in Deutschland u. klar die Aufgaben der Sozialdemokratie. Preis nur 1 KS Die Broschüre ist durch die Volksbuchhandlungen, Zeitungskolporteure und Scbriftenvertriebssteilen oder direkt vom Verlage ,.Grnphin" in Karlsbad (t*2O Kc in Briefmarken beifügen) zu beziehen. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Fette Dividenden trotz Krise. Die allgemeine Krise, die der Arbeiterschaft so viel Elend bringt, wird auch von den Unternehmern auSgcnützt, um in der Oeffentlichkeit zu Nagen. Dadurch soll der Anschein erweckt werden, als gehe es auch den Unternehmer» schlecht, während doch in Wirklichkeit nur die Unter» nehmergewinne etwas geringer geworden sind. Nichtsdestoweniger gibt cS aber heut« noch immer Aktionäre, die bedeutend mehr verdienen als einen durchschnittlichen bürgerlichen Gewinn, Das kann man, wie der„Internationale Metallarbeiter" schreibt, am besten aus den Divi- dendenzisscrn der Akticngesell- schäften erkennen..Wohl lassen einige dieser Gesellschaften Heuer die Auszahlung einer Dividende ausfallen, doch zahlt die überwiegende Mehrheit noch immer 4 bis 6 Prozent an die Aktionäre auS. Aber auch höhere Gewinne sind nicht selten. So erhalten an Dividende die Aktionäre der nach stehenden Unternehmungen: Ollrschauer Papierfabrik.. l)„ Dur Bodenbacher Eisenbahn. Ist„ Böhmische Handelsgesellschaft. Ist„ Aussigcr Chemische Fabrik,. Ist„ Solo- Zündhölzchenfabrik.. 14„ Milch-Aktirngcscllschast... 18„ Patronenhülsenfabrik Scllier. 20„ Massersdorser Brauerei... 20.5„ Spiritusfabrik Brosche... 25„ Orion- Schokoladenfabrik.. 25„ Budweiser Brauerei.... 25„ KönigShofcr Zcmentfabrik.. 25„ Tas sind gewiß in Krisrnzeiten sehr annehmbare Gewinne, Sic wirken direkt aufreizend. Da man den Arbeitslosen den StaatSbritrag gekürzt hat, wäre es wohl nur recht und billig, wenn auch deil Ka pi t alistc u r»'n Teil ihrer Riesen Profite vom Staat« abverlangt würde, denn der Staat braucht doch angeblich heute sehr viel Geld. Den Kapitalisten würde es sicher nicht schwer fallen, etwas von ihren Dividenden zugunsten der Allgemeinheit zu opfern. Dies wäre keineswegs ein Eingriff in die geheiligten kapitalistischen Rechte, denn heute schon niüsscn die Aktionäre der tschechoslowakischen Nationalbank einen Teil ihrre Gewinne dem Siaate zur Verfügung stellen. Die Aktionäre der Nationalbank erhallen aus dem Reingewinn sechs Prozent Dividende, während von dem Reste der Gewinnes immer der zehnt.' Teil d.'tt Reserven zugewiesrn werden.miß. Ist der Gewinn größer, dann bekommen die Aktionäre von dem restlichen Gewinne nur die Hälfte und die andere Hälsie gehört dem Staat. Ans diese Weise können die Aktionäre neben den 6 Prozent Tividcnde hoch- sten« noch zlvei Prozent, zusammen also 8 Pro- zcnt, Tividcnde erhalten. Ist der Gewinn aber noch größer, dann bekommen' von dem übrigen Betrage die Aktionäre nitc e'u Viertel und drei Viertel erhält der Staat. Das ist gewiß eine Gcwinnvcrtcilnng, bei der der Staat wenigstens die höheren Gewinne entsprechend kürzt. Wäre es da nicht angebracht, daß auch bei allen anderen Aktiengesellschaften, die mehr als 6 Prozent Dividende verteilen, der gleiche Schlüssel bei der Verteilung der Gewinne in Anwendung käme? Hier gibt cs jedenfalls für den Staat noch etwas zu holen, ohne daß er die mittellosen Staatsbürger neuerlich belasten muß. . Wäre nicht aus diesen Dividen, den auch'«4'w'crs für die Arbeitslosenunterstützung heraus zuholen'? Der Zuhälter Horst Messet. (Ein verkommener und vneeygefnaener Stndent. Gelte 6 Areva-, 28. August 1938 PRAGER lEITUMO. Erwachendes Deutsch and. Ein deutscher Genosse schreibt der„Arbeiterzeitung"^' Außer Schlesien und dem Osten bin ich durch ganz Deutschland durch und habe mit ziemlichem Erfolg illegal weitergearbeitet. Die Einzelheiten sind natürlich unmöglich brieflich mitzuteilen. Zn vier Wochen gehe ich wieder zurück trotz Todesstrafe. Gegenüber aller tatsächlich vorlommcndcn menschlichen Feigheit, kann ich mit Stolz berichten von dem unbekannten Arbeiter und kleinen Funktionär, der in einem lautlose» Heroismus weitcrkämpft und organisiert, Abzüge macht, verbreitet, ausrichtct und sammelt. ES ent st eh» etwas ganz Neues mit einem neuen Funktionärtyp. Einzelheiten, die das beleuchten, kann ich leider schriftlich nicht erzählen, ober sie sind so groß, so tapfer, von einem so neuen revolutionär sozialistischen Wollen getragen, daß wir siegen müsten, vorausgesetzt, daß eine neue Klassenorganisation und revolutionäre Partei geschmiedet wird. Eines ist einheitlich in alle» Gebieten»ich ich bin mit Hunderten von proletarischen Helden in allen Städten zusammengekommen und in Tuycndcn von Sitzungen und Versammlungen: niemand anerkennt mehr die alte Führung der SP oder der KP und aller bisherigen Organisationen, sondern nur die, dir sich jetzt im neuen Kamps bewähren. Alle wollen und streben nach der neuen, einheitlichen, nicht mehr gespaltenen revolutionären Partei. Ein besondere« Merkmal ist «ine tapfere Jugend. Ucbcrall erstaunlich viel jung« Mädel« dabei. Tann kommt noch ein Symptom in allen Diskussionen zur Geltung: eine Schwächung des blinden Glaubens an Rußland, ein zerstörter Rußlandmythos— wegen der Verträge Hitlers mit Rußland. Das im Umriß. Bom Geld. Guter Rat. Ladenkloß versucht cs auf einer neuen Tour. „Lieber Freund," sagt er zu Falkenbauch,„ich habe meine Brieftasche zu Hause liegen lassen, können Sie mir wohl schnell 80 Mark pumpen?" „Geht leider nicht. Aber ich habe ein Mittel für Sie, schnell zu Geld zu kommen!" „Und das wäre?" „Hier haben Sie 2ä Pscnnigc— sahrcn Sie nach Hause, die Brieftasche holen!" Eingegongen. Der Chef fragt den Buchhalter:„WaS ist eigentlich mit den restlichen 2000 Mark von Müller & Co geworden?" „Bereit« eingcgangen." „Die ganze Summe?" „Nein, Müller& Co." Pfiffig. Ein.Herr ließ in einem Gartenrestaurant au« seiner Brieftasche eine Banknote fallen, ohne eS zu merken. Ein kleiner Bub, der eS gesehen hatte, hob sic auf und entfernte sich damit, lieferte aber nach einer Weile seinen Fund dem Herrn ab. „Du bist ein ehrlicher Junge," lobte dieser, „aber es war doch eine Banknote und du bringst mir jetzt lauter Silbergeld?" „Ja," erhielt er zur Antwort,„ich hab' sie auch rasch gewechselt, damit Sie mir eine Belohnung geben können." Geschäfte. «Wie geht dein Geschäft^" „Enorm zu tun." „Kunden befriedigen?" „Nein. Gläubiger beruhigen." Sühueohfer des D.F.8.7 Wie„A-Zet" schreibt, soll die jüdische Mehrheit de» D. I. C.-AuSschuss«S erzwungen haben, baß der ganze Reinertrag de» D. F. C.-Spiele« gegen Hertha-Berlin, ungefähr 8000 Kronen, den in Prag lebenden Flüchtlingen aus Deutschland, und zwar zu gleichen Teilen den jüdischen und demokratl- schen, übergeben wurde. Geriditssaal UrkundenWchung dem guten Bier zuliebe. Prag, 2-i. August. Jede, auch scheinbar noch so harmlose eigenmächtige Veränderung„ö f f c n t- lichcr Urkunden"— und zu diesen gehören alle amtlichen Ausfertigungen— ist eine gefährliche Sache und kann zu bösen Folgen führen, auch tvenn der Täter keine sträflichen Absichten verfolgte. Dies mußte auch der Lastautobesitzer Joses Strpänck erfahren, der am 6. März mit einer Ladung Kartoffeln Prag passierte. Da der Transport nicht für die-Stadt bestimmt war, sondern diese nur durchfahren sollte, um jenseits der Stadtgrenzc im Tors Libuä abgeliescrt zu werden, mußte der Frächter zwar an der Mautgrcnze die Verzehrungssteuer ini Betrage von 60 Kg bezahlen, erhielt aber zugleich einen sogenannten Depotschein, der ihn ermächtigte, beim Verlassen des Stadtgebietes an der entgegengesetzten Mautgrenze den erlegten Betrag zurückzusordern. Allerdings war diese Rückzahlung bcsristet, denn der Tepotschein mußte, wie auch aus seinem Text ersichtlich war, spätestens bis 6 Uhr abends vorgelegt werden, widrigenfalls er keine Gültigkeit mehr hätte. Dem Frächter, der in einem Gasthaus Station gemacht hatte, schmeckte nun das S m i ch o w e r Bier so ausgezeichnet, daß er sich nicht entschließen konnte, die Sitzung auszuhcben, als die sechste Stunde hcranrückte. Da er anderseits auch aus seine 60 UL nicht verzichten wollte, nahm er kurz entschlossen den Depotschein und änderte die Trxtstelle „... bis spätcstezis 18 Uhr" derart um, daß er aus der 18 eine 2-1 machte. So glaubte er nun bis 2 t Uhr Zeit zu haben und ergab sich dem Genuß des süffigen Tropfens. Kurz vor Mitternacht erschien er dann bei der Moutstellc vor Libuü und wollte sein Geld kassieren. Natürlich erkannten di« Beamten aus den ersten Blick, daß das Dokument verfälscht worden wat und erstatteten di« Anzeige. SI s p ä n e k hatte sich vor dem Senat Formün ek wegen Verbrechens des Betruges, begangen durch Urkundenfälschung zu verantworten. Ter arme Sünder beteuerte, cs habe ihm jede betrügerische Absicht fcrngelcgcn und eS handle sich . um einen unüberlegten leichtsinnigen Streich. Daran zweifelte freilich niemand, aber die Tatsache blieb doch bestehen, daß er eigenniächtig eine Urkunde abgeändert hatte und das genügt. Er wurde demgemäß schuldig erkannt und zu zwei Monaten Kerker verurteilt. rb. Die Herbftsesfion des Prager Schwurgerichtes, die am 18. Septembec beginnt, zählt zu den umfangreichsten der letzten Jahre. Ta die für Juni angc- sttzlc SchwurgerichtSperivde infolge der nicht recht zeitig beendeten Bau- und Einrichtungsarbeiten im Schwurgerichisfaal a u s f a l l« n mußte, wurden die für Juni bestimmten Fälle der Seplembersesiion zugewiesen. ES dürsten über 80 Schwur» gerichtSsälle zur Verhandlung kommen, so daß die Session weit über einen Monat dauern dürfte. Mit ihrer Eröffnung wird auch der neue Schwur- g er i ch I§ s a a l des Pankratzcr KrciSgerichtes ein» geweiht. Er ist doppelt so groß, als der Saal des alten Justizpalais am KarlSplatz und modern und zweckmäßig eingerichtet. Unter den zur Verhandlung bestimmten Fällen befindet sich eine Reihe aufsehenerregender Sachen. rb. Kunst und Wissen „Geschiedene Frau" als Varietövorstellung. Tat tschechische Theater Hai heute eine gesteigert« Kultur» bebeuiüng, wie überhaupt jeder Kunstbetrieb Mitteleuropa», der nicht unten» braunen Himmel blüht. Und weil sich die junge tschechische Generation bemüht, Deutschlands Verbannt« zu Wort kommen zu lassen, muß man über dies« Premiere befremdet sein. T-as Weinberger Sladtcheater, di« Statt«, wo noch vor kurzem Bruckner ausgefiihrt wunde, bringt nach saft 25 Jahre» die gut« alt« Fall-Operette als großen Reinhardtzirk-ns. Es ist anscheinend rin Schicksal de« Ausland«, daß von Reinhardt nur die schlechten Momente übernommen werden. In saft vier Stunden wird die Lperekte mit ungezählten Einlagen, Zirkuskunststückchen, Tanzmätzchen und Hairdlungsdnmnchriten einem Publikum vorgeführt, dessen Spießennentalität dadurch befriedigt und zu Kassa leist»»gen angehallen werden soll. Was in dieser Bearbeitung von Bor zu sehen und hören war, ist mäßigste geistig« Schmiere, so sehr auch der technische Apparat, die Ausstattung von Wenig zu bewmidern wären. In dieser Schau beginnt der Mensch erst beim Schampus; und die beiden „Armen", ein Professor und seine Freundin, sind natürlich schlecht und lächerlich: sie muß sogar aus den Strich. Frau Raidl- Oestvig versucht die Sache zu retten: sie dürfte in besieren Stücken di« Attraktion des Theaters werdcn. An den Männern mußte auffallen, daß nicht ein einziger singen kann: dafür gibts aber recht viel musikalische Einlagen. —wl— Da» Reue Deutsche Theater wird Samstag, den 2. September mit Schillers„W i l h c l m Teil", neu inszeniert von Max Liebt, erössnct. Mitte September folgt„D i S r a e l i" von Arthur Rundt und Luise Marie Mayer mit Ernst Deutsch in der Titelrolle. Sodann wird Freytags„Journa- l ist en"(Regie: Harprccht) in den Spielplan anfgenommen.— Tic erste Neuheit der Kleinen Bühne ist Bus-FeketeS-Lustfpicl„Die Trafik Ihrer Exzellenz"(Regie Götz.)— Julius Grllner inszeniert sodann Laufs klassischen Schwank„Pension S ch ö l l c r" und Ibsen- Drama„John Gabriel Borkmann. Aus der Partei Jugendbewegung. S. I. I. Bodcnbachsahrer, Achtung! Alle Genossen, dir sich zur Teilnahme an dem Bodenbacher Jugendtreffen gemeldet haben, müsicn SamStag, den 26. August 1088, um 8 Uhr nachmittags ans dem Ha v l i Le k p l a tz(vor der Produktenbörse gestellt sein. 9h. 108 Vereinsnadtriditen Allgemeiner Ang«stelltevverband Prag, Au», s ch u ß s i h u n g am Freitag, den Sä. August, um halb 8 Uhr abends im Handwerkerverein. Mit. gliederversammlung am Freitag, den t. September im Handwerker»«»!» um halb 8 Uhi abends. Allgemeiner Angestelltenverbaud, Jugeudsektis, Prag. Sonntag, den 27. August, Wanderung. Zusammentreffen um H8 Uhr vor dem Smichowcr Bahnhof. Fahrtspesen cea. 8 K. E» sollen alle kommen, die mit noch Reichenberg sahren, da wir aus der Wanderung etwas proben müsien. Musikinstrumente und Badeanzug mitbringen. Arni- Ml' Kflroemllege Wenn-iden wegfährt- muß ein Arbeiterfußballer her. H i d e n, der Tormann des österreichischen ProscsiionallramS, hat Wien verlassen. Der WAC. mußt« sich daher um einen anderen Tormann um- schaucn. Er verpflichtete den Tormann eine» Pro- sessionalvercines und den Arbeiterfußballer Schari. Bor einigen Tagen wurden beide Goalkeeper geprüft, und da zeigte sich, daß Schari der weit bessere ist. Man wird also in Hinkunst um einen Arbeiterfußballer mehr bei den österreichischen Professional-Fußballklubs sehen. Bo» Paris bis nach Belgien. Dir französischen Arbeiterradsahrrr werdcn am 8. September die Fernfahrt Pari»— Lille über 235 Kilometer durchführen. An dem Rennen wird sich auch der Wiener Karl H a m c d l beteiligen. Tie belgischen Arbeiterradsahrrr wollen nun das französische Rennen, dos von Paris nach Lille führt, einen Tag später von Lille nach Seraing fortsetzen. Die großzügigen Belgier haben für die Durchführung de» zweiten Rennens bereits einen Betrag von sechstausend Franken zur Verfügung gestellt. An dem Rennen werden auch RoggemanS, der Sieger der eben beendeten Rundfahrt um Belgien, und einige andere der besten belgischen Fahrer teilnehmen. Bei der Rundfahrt, die 53 Fahrer beendeten, wurden an den einzelnen Tagen Durchschnittsgcschwindigkeiten von 30 bis 35 Stundenkilometer erzielt. Gegen den Tcheinamateurismu». Ter Präsident des bürgerlichen Internationalen Olympischen Ko- nnteeS Bailett-Latour hat an alle Sportverbände einen Vorschlag, der neun Punkte umfaßt, zur Bekämpfung de» Scheina mateu ris- m u S unterbreitet. Danach sollen Reise- und sonstige Spesen eines Bewerbes möglichst in natura ersetzt werdcn. An Aüslandsbewerbcn dürfe» sich Anwärter nur durch 21 Tage hindurch beteiligen, ausgenommen sind Olympiaden. W verkehren wir? CallS„Continental“, Prag, ürahenl Der XraumteHer. Vor dem Eingang zum Bankhaus Grünstcrn, Filiale KomornstraA, lehnte ein Polizist. Drinnen stand Kriminalkommissar Ringer am offenen Tresor. Er arbeitete mit leichten, geschick- ten Bewegungen. Nebenbei hörte er sich die Er- kläruttgen des nervösen Filialleiters an. Der rannte auf und ab. Dabei gab er seine Meinung brockenweise von sich. „Unerhört!— einfach aufgesperri— nichts ausgcbrochen. Gerade gestern— zehntausend Mark in kleinen gängigen Scheinen. Einfach——!" Ohne seinen Satz zu beendcic, blieb er plötzlich stehen. Er versuchte mit der Unterlippe sein kleines schwarzes Schnnrrbärrchen zu erreichen. Kommissar Ringer hakte unterdessen mit einer Stakinadel am Schloß berumgedrückt.'Nun sah er einen Moment aus.„Es ist einfach ansgesperrl worden. Sie vermuten also—■" Der nervöse Filialleiter gab es aus nach seinem Schnnrrbänchen;n schnappen.„Ich vermute, daß einer unserer kürzlich entlassenen Angestellten—" „Gut" unterbrach ihn Rittgcr.„Wir werden auch diese Spur versolgeu. Nähere Angaben und Material erhalten wir dazu von ihnen." Ringer warf noch einen kurzen Blick aus den Mann mit dem Bärtchen. Dann begann er mit einer Lupe die Uutgcbuug des Zahlenkodes ab- zusuchcn. * Draußen flackic Lichtreklame, Schlagzeug klirrte drinnen, in verhaltenem Rhythmus. Aus dem silbernen Saxophon tanzte eine weiche wic- ' gende Melodie hinein in halbdunkle Nischen. Brauner Te« in dünnen Gläsern stand vor den beiden Blonden. Ihre kleine.Hand schlich über seine braunen Finger. „Du— hör mal— warum treffen wir uns erst wieder in acht Tagen und— wohin gehst du heule Nacht um zwölf Uhr—?" Er hatte erst immer wieder sehr interessiert deri eingravierten Namen„Kaffee Horn" auf seinem Lössel gelesen. Mit. einem leisen Läcl)eln sah er aus. „Eva bleibt Eva!" Dir wird cs gehen wie der schönen Elsa von Brabant. Gleich wird der Schwan—" Eine schwere Männerhand legte sich auf den Tisch. Sic sahen auf.„Folgen sic uns," sagte eine tiefe Stimme. „Wir sind—" Eine silberne Marke blitzte. „Kommen sie alle beide" sagte der Beamt«. Eva sah ihrem Freund mit einem angstvollen Blick in die Augen. Aber der blickte lächelnd in die ihren. „Snchen sic wirklich Heinz Dawen," fragte er den Mann mit der silbernen Marke. Ter nickte nur. * Die blonde Eva Jost schüttelte den Kops. „Was ich ihnen erzählt habe, das ist alles, Herr Kommissar.-Heinz und ich waren Jugendfreunde. Dann kam er hierher in die Stadt zum Bankhaus Grünstern. Wir glaubten uns zu liebe»— deshalb war es ein schwerer Schlag als er entlassen wurde. Ich glaubte noch wir könnten ankämpscn. Er aber war ganz hoffnungslos. Hoffnllngslos bis— Eines Tages kam er zu mir mit sonderbar glänzenden Augen. Es wäre alles wieder gut, meinte er. Nur, wir könnten >tns jetzt nur einmal in der Woche treffen. Wir hätten uns ja lieb, wir mußten eben warten, warten. Und— ich dürft« nicht fragen." Der Kommissar spielte mit dem Bleistift. „Und sie sagen, sie hätte» nie mehr gefragt?" „Doch!" Eva lächelte. „Und— was sagte er?" Ter Kommissar beugte sich vor. „Er konnte mir nicht mehr antworten. Leider — Ein Herr mit einer silbernen Marke, er hat uns gestört." * Heinz Tatven sah den Kommissar bedauernd an.„Tja, was soll ich da für sic tun? Sic können doch nicht alle Menschen in diesem Land, soweit sic zufällig kein Alibi haben, für diesen Einbruch verantwortlich machen. Sic haben kein Geld bei ntir gesunden, sic haben keine Fingerabdrücke. Nichts, gar nichts haben sic.— Uebri- gens Ist Ihnen der Filialleiter von Grün stern auch so unsympathisch?" Die letzte recht unbescheidene Frage überhört« der Kommissar geflissentlich. Er versuchte dagegen mit seinem Bleistift ein Loch in seine Hand zu bohren.„Trawen sic haben an jenem Abend vier Mark fünfzehn ausgcgcbcn." Dratven nickte wohlwollend.„Genau vier Mark und fünfzehn Pfennig." „Sic sind arbeitslos und stempeln." „Wieviel bekommen sic Unterstützung?" „-Haben sie Arbeit für mich?" „Wieviel bekomntcn Sie Unterstützttng?" „Genau sechs Mark und fünfzehn." ,,Mit den übrigen zwei Mark wollten Sie vielleicht auch noch eine Woche leben!" Der Kvm- niissar war aus Lautstärke zlvri eingestellt.„Essen, schlafen wollen Di« damit, wo ist Ihre Wohnung!" Drawe» sprach jetzt noch leiser. ,Ich wohne nicht— weiß nicht—" „Sie wohnen nicht, wissen nicht. Natürlich, Sic dürfen nicht wisse». Uno wo wird gegessen?" „Nur, wettn ich mit Eva zusammen—" „Alle Woche einmal! Sind Sie— Erzählen Sie mir keine flauen Wellen! Sie wollen—" Dawen hatte seine rechte-Hand flach aus dem Tisch liegen. Nun ballte er sic langsant zur Faust." -Herr Hommissar! Mir genügt cs jetzt. Wir brechen die Unterhaltung ab!" Der-Kommissar redete noch fünf Minutcn allein. Dann ließ er Dawen abführen. * Doktor-Helm war ein Gcrichtsarzt, der sich für„Falle" auch wirklich interessierte. Er saß da und schüttelte Zweifelnd den Kops.„Ich weiß nicht— Irgendetwas stimmt hier nicht. Dieser Dawen hat ein« sonderbare-Herztätigkeit. Einmal schlägt es rasch, einmal langsam. Nicht, daß Ta- wen den-Herzmuskel in der Gewalt hätte— keine Rede davon. Aber der Mann scheint irgendwelche geheimnisvolle Gewohnheiten gehabt zu haben. Uebrigens, die Tabletten,- die bei ihm gefunden wurden, sind sie schon untersucht?—" Der Kommissar holte einen Zettel aus dem Akt,HeinzDawen". Dann räusperte er sich sehr unbefriedigt.„Khnrni, mciti lieber Doktor. Das chem'.sche Laboratorium schreibt hier, es wären lediglich Zuckerbonbons gewesen. Einzig benrce- kenswrrt wäre dabei ihr sonderbarer Geschmack. S-'ndcrba«r Geschmack?" (Schluß folgt.) • i«<(f«bet: Ctegftte* r««»-<*