Slvzelprels 70 Heller. ^Einschließlich 5 Heller Porto) 13. Jahrgang. Mittwoch, 30. August 1933 Nr 202. Vie Verbindung zwlsdien Reims- und Sudeten Nazis! Lin tschechoslowakischer SA-Mann,«in Drr- bindunasmann^d^drei^Verdii^tige^ver^^ M 8 h r.- O st r a», 29. August. Tie hiesige Polizeidirektion hat heut« in die Hast deü Kreis. gcrichte» Mähr.- Ostrau den tschechoslowa- tischen Staatsangehörigen Franz Wagner aus Skteson eingeliesert, der im Juni l. I. nach Deutschland flüchtete und dort in der SA. in Gnadenfeld bei Ratibor diente. In den letzten Tagen wurde von der Polizeidirektion in die Gerichtshaft in Troppau Wil- h e l m S ch m i d t aus Petrloviee eingeliesert, bei dein begründeter Verdacht besteht, daß er zwischen der SA. in Deutschland und dem hie. sigen Sekretariat der deutschen nationalsozialistischen Partei Pezie, Hungen vermittelte. Gegen Schmidt wurde das Strafverfahren wegen Verbrechen» nach 8 25 und wegen Vergehens nach S 17 des Gesetzes zum Schutze der Republik ringeleitet. Bei der Polizeidireltion M ä h r.. O st r a u befinden sich weitere drei Nationalsozialisten aus Hultschin in Hast, gegen die begründeter Verdacht von Ans chlägengegendieRepublik besteht;«S wurde bei ihnen belastendes Ma t e» r i a t gefunden. Auch sie werden in Gerichtshaft eingeliesert werden. W hprenMspsela»al üem Egerer Bahnte»!! Lin Verschieber durch EMosion einer„West- phalit"-Kapscl schwer verwundet. Eger, 29. August. Heute um 16 Uhr 39 sand der reichsdeutsche Verschieber Fiitterer aus deui Lgerer Bahnhof ein Holzkist chen, in dem sich elf Kapseln befanden. In der Nähe der Fundstelle lagen in Papier eingewickelt w r i- terefünf.Kapseln. Tie Zündkapseln waren anö Kupfer, hatten einen Durchmesser von 8 Millimetern und eine Lange von 5 Zentimetern und tvaren mit Korkvcrschluß versehen. DaS Kistchen hatte die Aufschrift„WestPhali t" eingebrannt. Fütterer übergab seinen Fund dem Vorstand des reichsdentschrn Bahnhofes in Eger. Um 17 Uhr fand der Verschieber Oswald S ch o t t in der Egerer Station unweit der Müll, grub« eine K a p f e l der gleichen Art, wie sie Fütterer vorher gefunden hatte. Tie Kapsel explodierte aber in der Hand Schotts und verletzte ihn schwer. Schott wurde in bewußt« losem Zustande in das Egerer Krankenhaus ge- bracht. Bei den amtlichen Nachforschungen fand man in der Müllgrube nocheinigeweitex« Kapseln. Es handelt sich allem Anschein« nach nm Sckimnggelant an« Deutschland. Ti« amtliche Untersuchung wurde ringele i t e t. Großes ffillläroutgcbot Mr Tirol Innsbruck, 29. August. Di« Tiroler Garnisonen dc8 BundeShceres wurden in den letzten Tagen bedeutend verstärkt, so namentlich in Innsbruck und Kufstein. Außerdem erhielten einige O-rte neue Garnisonen, so namentlich R c u t t e und" S ch a r n i tz, woh'N ein Inson- teri oreg i-m c n t aus Wien. bzw. ans dem Burgenland dirigiert wurde. Auch die Hcimwehr- Assistcnzabtcflungen wurden in den Tiroler Grrnzorten verstärkt. Weitere Verstärkungen sollen folgen. rin hoher Wiener Polizei lunhlionär entlarvt Wien, 29; August. In der letzten Zeit wurde» einige h ö h c r e Eisenbahn- u n d P o st- beamte, die di« Tätigkeit der verbotenen nationalsozialistischen Partei unterstütz en, entlassen. Jetzt wurde auch gegen einen hohen Polizeifunktionär, den Regierungsrat Rudolf Denk, Kommandanten des Sicherheitsdienstes im neunten Wiener Bezirk, das Disziplinarverfahren eröffnet. T«nk hatte initme Beziehungen zu nationalsozialistischen Funktionären unterhalten. An die Arbeiter der Kundgebung der Sozialistischen Internationale. Di« Konferenz der Sozialistischen Ar'! beit«r-Juternational« in Paris hat folgend« Kundgebung beschlossen; Der Zusammenbruch des Kapitalismus. Die Weltkrise des Kapitalismus, ein« Krise von unerhörter Ausdehnung und Schwere, zeigt, daß der Kapitalismus die produktiven Kräfte, die er selbst entwickelt hat, nicht mehr zu nutzen, die Reichtümer, die die Arbeiter unter seinem Kommaiwo schaffen, nicht mehr zu verwerte» vermag. Zum Hindernis de« nackten Lebens der Bolksmassrn«worden, stellt der Kavttali-muü selbst sein« ueberwindung, den Ausbau einer sozialistisch«« Gesellschaft, auf di« Tagesordnung der Weltgeschichte. Schon jetzt hat die Weltkrise die Struktur der kapitalistischen Wirtschaft wesentlich vcr- ändert. Die liberal-individualistische Entwicklungsphase des Kapitalismus ist zu Ende. Unter dem Druck der Krise cutzinckclt sich in beschleunigtem Tempo rin kon- 'trolliertkr, organisierter, monopolistischer Kapita- ll'SmuS. Anderseits ist ebenfalls durch die Weltwirtschaftskrise die Demokratie in den Ländern, in denen sie nicht schon vor dem Krieg stärke Wurzeln geschlagen hotte, schwer erschüttert worden. In Deutschland haben Großkapital und Großgrundbesitz die Verzweiflung der verelendeten Masten des Kleinbürgertums und der Bauernschaft benutzt, um dir Arbciterflaste niederzuwerfen und daS ganze deutsche Volk einem terroristischen DeftwtiSmus zu unterwerfen. Die neuen Formen einer staatlich kontrollierten und organisierten Wirtschast können zu UebergangSformen vom Kapitalismus zum Sozialismus werden, wenn der Staat von den Arbeitern und Bauern beherrscht wird und die Macht des Staates über die Wirtschaft ihr Gegengelvicht findet in freien Organisationen der arbeitenden Klaste. Mer dieselben f In den Ländern, in denen der Fascismus gesiegt hat, kann die fascistische Diktatur nur durch die revolutionäre Erhebung der Bolksmassrn gestürzt werden. Die revolutionäre Macht, aus der Revolution gegen den Foscismus hcrvorgcgangcn, wird nicht nur den Fascismus entwaffnen, sondern auch in kräftigen Schläge» seine wichtigsten Grundlagen, das Privateigentum des Großkapitals und des Großgrundbesitzes, vernichten, die Basis der neuen Gesellschaftsordnung erobern und auf dieser Grundlage eine sozialistische Demokratie ausbau en. In den Läitdern, in denen dir Demokratie fortbc steht, muß die Arbeiterklaste die Freiheitsrcchtc des einzelnen und des BolkcS. die Herrschaft dcS allgemeinen Wahlrechtes und die Freiheit der Gciverkschasten mit Einsatz ihrer ganzen Kraft verteidigen. Aber sie muß sich dabei bewußt sein, daß die Demokratie die Massen nur dann scstzuhaltcn und vor der verlogene» Demagogie des Fascismus zu bewahren vermag, wenn sic den Volksmasten durch kräftiges Handeln ihre Fähigkeit beweist, sie gegen den Kapitalismus zu schützen/ die Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen, die sozialistische Umwälzung dervGesellschast einzuleitcn. Die Demokratie kann wirksam nur verteidigt werden!m Kamps« um die Erweiterung der politischen zur sozialen Demokratie. In den Ländern, in denen der FasciSmus die Demokratie unmittelbar bc- droht, muß di« Arbeiterklaste zum Kamps mit allen Mitteln entschlossen sein, sie darf kein Opfer scheuen, um-Angriffe des FascismuS abzuwehren. Die Einheitsfront. Auch die kommuni st ischen Arbeiter können angesichts der blutigen Mißhandlung und völligen Entrechtung der deutschen Arbeiterklaste Formen der staatlich kontrollierten Wirtschaft führen zur furchtbarsten StaatSsklavcrei, wenn der Staat, der die Wirtschast beherrscht, ein vom Volke nicht kontrollierter Despotismus ist, der alle individuelle Freiheit und alle Freiheit der Organisation vernichtet. Die Wirtschaftskrise hat ferner die Gegensätze zwischen den Staaten und die reaktionäre Tendenz der wirtschaftlichen Absperrung der einzelnen Staaten gegeneinander und damit dir Zersetzung der Weltwirtschaft wesentlich verstärkt. Der FaskismuS strebt danach, di« gesamt«« nationalen Kraft« unter dem Kommando einer tyrannischen Gewalt zur KricgSriistnng gegen andre Rationen zusammenzuballen. So wächst di« Gefahr drS Unterganges der modernen Zivilisation in einem neuen Weltkrieg. Die sozialistische Bewegung der Arbeiter klaste allein vermag die Menschheit zur organisierten Beherrschung und vollen Ausnutzung der durch die Entwicklung der modernen Technik aus bas höchste entfalteten Produktivkräfte, zur Begründung des dauernden Friedens auf der Grundlage der Freiheit und des gleichen Rechte« der Völker zur Rettung der individuellen Geistes freiheil zu fuhren, der Grundlage aller modernen Zivilisation, für die seit Jahrhunderten die Besten der Menschheit gekämpft haben und auf den Scheiterhaufen, der Reformation und den Dastillen dcS Absolutismus, aus den Barrikaden der bürgerlichen Revolution- gestorben sind. Das durch die Weltkrise des Kapitalismus aus daS höchste gesteigerte Massenelend und die durch die Weltwirtsck-aftskrise hervorgeruscncn Erschütterungen dürfen die Arbeiterklaste nicht entmutigen. Sie muß erkennen, daß sic die Folgen der Entwicklung des Kapitalismus sind, die die Menschheit notwendigerweise zunl Sieg des Sozialismus führen wirv, wenn nicht die menschliche Kultur untergeben soll. Von dieser Ueberzrugung erfüllt, muß die Arbeiterklaste ihren Kanips gegen den zersal- lenden Kapitalismus, gegen den Fascismus und gegen den Krieg verfcharse«. durch die fascistische Diktatur nicht mehr verkennen, daß cS für die Arbeiterklasse eines jeden Lande« lebensnotwendig ist, die demokratischen Einrichtungen als Bürgschaft ihrer Bcwcgungs- und Kam- seSsreiheit zu verteidigen. Anderseits haben die deutschen Ereignisse die sozialdemokratischen Arbeiter in ihrer lleberzengnng bestärkt, daß dort, wo die Bourgeoisie den Boden oer Demokratie verlassen, sich dem Fascismus in die Arme geworfen und der Arbeiterklasse die demokratischen Kampfmittel entrissen hat, kein andrer Weg zur Befreiung führt als der des revolutionären K a m p f c s. Angesichts der Erfahrungen in der Geschichte ist die Fortdauer der Spaltung der Arbeiterklasse nicht zu rechtsertigen. Di« SAI. lehnt dah«r olle EinheitSsrontmanöver ab, di« nicht der internationalen Einigung sondern nur dem Kamps« innerhalb der Arbeiterklaste diene«, sie erneuert jedoch di« Erklärung ihres festen Willen», alle», wa» in ihrer Macht ist, zu tun, um di« zersplitterten.Kräfte der Ar« beitermasscn znsammenzusühren. Gruß den deutschen Genossen! Die SAI. erhebt vor der ganzen zivilisierten Welt ihren leidenschaftlichen Protest gegen die Hitler-Barbarei. Sie sendet den mißhandelten Opfern de« deutschen Fascismus, den Brüdern in den Gefängnissen und in de» Konzentrationslagern, den ihrer Ernährer bc- ranbten Frauen und Kindern in Deutschland, sie sendet vor allem jenen heldenmütigen deutschen Genossen ihren brüderlichen Gruß, di«, von Mißhandlungen und Folterungen bedroht, die sozialistische Idee in Deutschland lebendig erhalten. In brüderlicher Solidarität mit dem deutsch«« Boll« ruft di« SAI. di« Arbeiter und die Völker der ganzen Welt zum Kamps aus gegen den Fascismus, den Todfeind der Arbeiterklaste, der Freiheit und dcS Friedens. Gegen Hitler! Gegen den Krieg! Die.Konferenz beschließt: Kundgebungen. 1. Alle sozialistischen Parteien haben in der Woche des 9. November, des Gedenktages der deutschen Revolution, Kundgebungen gegen den Fascismus zu organisieren. Solidaritätsaktionen. 2. Alle sozialistischen Parteien werden ihre Solidarität mit den Opfern des Fascismus, mit den Frauen und Kindern der eingekerkerten Genossen, mit den aus ihrer.Heimat Vertriebenen bekunden, indem sic die F a m m l n n g c n für die Opfer des deutschen Fasci»- m»», dir durch den Matteotti-Fonds organisiert werden, mit aller Kraft fördern. Boykott gegen Hitler-Drntfchland! 3. Die SAI. unterstützt alle Bemühungen der moralischen Aechtung und des materiellen Boykotts der deutschen Machthaber. Bor den Dölkerbundl 4. Die SAI. fordert, daß alle freien Völker gegen die Bedrohungen des Friedens durch den deutschen und italienischen Fascismus zusammenwirkcn. Die SAI. fordert, daß dir demokratischen Regierungen alle den europäischen Frieden gefährdenden Fragen auf die Tagcsordnuilg des Völkerbundes sehen, die der Sieg Hitlers in Deutschland anfwirft, insbesondere die Auf- r ü st« n g Deutschlands, das Vorgehen gegen Oesterreich und das Volk von Danzig, dessen versassungSmäßige FreihcitSrcchtc international garantiert sind. Die Konferenz nimmt die gemeinsame Resolution des IGB. Und der SAI. hinsichtlich dcS Kampfes gegen den Krieg an. Sie anerkennt für Deutschland wie für alle Länder den Anspruch aus Gleichheit der Rechte und Pflichten, aber sie Widersetzt sich jeder Wiederaus« r ü st u n g des kriegerischen Apparats, der das deutsche Volk niederhält. 5. Die SAI. nist zum Kampf gegen die durch den Sieg des Fascismus vervielfachte Kriegsgefahr. Die Arbeiter der demokratischen Länder dürfen sich zum Kriege auch nicht unter dem Vorwand verlocken lassen, daß der Krieg im Interesse der Befreiung der Völker vom Fascismus geführt werde; die Völker haben cs erfahren, daß ein Krieg, als Freiheitskrieg gegen despotische Gewalten gerühmt, mit imperialistischen Friedcnsdiktatcn endete, die in den besiegten Nationen den Nationalisnius gestärkt>uid dadurch die Wicderausrichtung noch schlimmerer despotischer Gewalten hcvbcigeführt haben. Falls der Krieg dennoch ausbrechen sollte... Falls trotz des unter der Führung de» IGB. und der SAI. erfolgenden Widerstandes der Arbeiterklaste der Krieg dennoch aus- brechen sollte, haben di« Arbeiter der in den Krieg verwickelten Länder, selbst der angegriffenen Länder, dennoch die doppelte Pflicht: einerseits die völlige Unabhängigkeit und Aktionssreiheit ihrer Organisationen zu wahren; anderseits ihre Beziehungen zu den Internationalen ausrechtzuerhalteu, nm sür die raschest mögliche Einstellung der Feindseligkeiten zu wirken. Die Konferenz ist überzeugt, daß die Bedrohung dep Zivilisation der Menschheit durch den Aufstieg des nationalistischeli Fascismus Vereinheitlichung der internationalen Aktion, innigere Solidarität, engeren Zusammenschluß der Aktion der Arbeiter aller Länder erfordert. Indem sic alle Zugeständnisse an den Nationalismus, jedes Paktieren mit ihm zurückweist. fordert sic iin Namen der dreißig Millionen Arbeitslosen in der Welt, im Namen der ver» clendeten Massen drr Arbeiter und Angestellte», im Namen der ungezählten paupcrisicrten Klein- Die Arbeiterklasse und die Demokratie Sette S Mittwoch, 80. August 1988 Nr. 202 bürger und Bauern, im Namen der um ihr Recht auf Arbeit betrogenen Jugend, im Namen der aus ihren Wunden blutenden, ihrer Frei« heil beraubten, an ihrer Menschenwürde geschändeten Opfer de- Fasti-muS dir Völker der Welt zum Kampfe auf gegen die Barbarei des Fas c i 8 in u s und de- Kriege- und gegen ihre letzte Wurzel, die Barbarei der kapitalistischen GescllschaftS- o r d n u n g. Zur Begründung der Resolution hielt Genosse Otto Bauer eine Rede, die wir im Auszug bereitgebracht haben. Einige bemerkenswerte stellen aus dieser Rede wrrden wir noch nachtragen. * liegen das antlsemitisthe Ein. Tic Internationale Lozialistischc Konferenz hat noch folgende Resolution angenommen: Tie Konferenz hält e- für ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf den engen Zusammenhang zu lenken, der zwischen der anwachsenden fascistischen Bewegung und dem Antisemitismus besteht. Wie da- Beispiel Deutschland- zeigt, kann für die verarmenden Mittelschichten und die Intellektuellen gewisser Länder in der Zeit schwerer Krise dir Aussicht, durch Aufhebung der nationalen Gleichberrch. tigung und gewaltsame Unterdrückung die Konkurrenz koSzuwerderr, um ihre materielle Lage zu verbessern, zu einer großen Versuchung werden. Der durch gewissenlos« Demagogie geschürt« Rassenhaß kann so zu einem gefährlichen Der- bündelen der Reaktion und der Konterrevolution wrrden, indem er breite Massen de- Klein, bürgert ii ms erfaßt und sogar Teil« der Arbeiterschaft ansteckt. Der internationale Sozialismus, der Immer gegen jede nationale und Rassennnterdrücknng war, der immer alle reaktionären Theorien und Illusionen bekämpft hat, als ob eine dauernde Besserung de< ve^rmcnden Mittelstandes durch Rassenkampf erreicht wrrden könnte, muß in der gegenwärtigen Situation der drohenden fascisti- schen Gefahr und der Zuspitzung der nationalen und Klassengegensätze seine besondere Aufmerksamkeit den schärfsten Kampf gegen di« da» Bewußtsein der Massen vergiftende antisemitische Demagogie widmen. Der Reichsbankprisident: „Internationale Verbindungen“ vorläufig Ml mmll!" Berlin, 29. August. Berliner Blät:er veröffentlichen eine Unterredung des Rcichsbankpraii- denten Dr. Schacht mit dem„Allgemern Han- delsblad" in Amsterdam, in der Schacht die Frage, ob er nicht der Auffassung sei, daß der Antisemitismus des Dritten Reiches der Finanz. Politik Schwierigkeiten bereite, antwortete: ,$ n- ter na t i ona l e Verbindungen werden vorläufig von uns nicht gesucht. In früheren Jahren haben wir auf diesem Gebiet viel zu viel unternommen. Deutschland rechnet in keiner Hinsicht auf internationale Finanzhilfe der früheren Art. Die ehedem geüb'e GeichästS- praxis Deutschlands für den enormen Zinssatz von 8 Prozent Geld zu leihen, während in allen übrigen Ländern nur ein Zinssatz von 4 Prozent üblich war, beweist, daß diese internationale F»nanz-„Hilfe" nicht auf einer gesunden Bastberuhte." liitiisffie Bourgeoisie W Stürmische KonUreDdebattc. Prag, 29. August. Auch die DicnStogver« Handlungen des ZionistenkongresseS standen»in Zeichen der teilweise sehr erregten Generaldebatte. Der westgalizische Redner Joachim Steiger(allgemeine Zionisten) verlangte eine Reorganisation der Bewegung und ihre Anpassung an die Wirklichkeit. Der Radikale Waldmann(Oesterreich) polemisierte gegen den deutschen Pogromantise- milismuS und meinte, daß es vielleicht sehr gut sei, wenn der Kongreß eine ähnliche Entwicklung auch in Oesterreich als Möglichkeit ins Auge fassen würde. Der Arbeiterparteiler Gotthelf, wandte sich mit Schärfe gegen die revistotiistisch-f a s- cistischcn Terrors rganisatio neu und stellte fest, daß die jüdische Bourgeoisie, die sich nicht mehr stark genug fühle, ihre Positionen zu halten, Jugendorganisationen geschaffen habe, die sic nun unter pseudonationaler Flagge gegen die Arbeiter kämpfen lasse. Jede- Kind we»ß, so ries der Redner an», daß der Revisionismus ein Zweig vom Baume des internationalen ff a f e i o nt u a ist. Nach Bogratfchoff(Asigemeiner Zionist), der sich mit den Rechenschaft-bcrichten der Aitglo-Palästina-Bank und der KolonisationS- bank beschäftigte, sprach der Führer der amerikanisch-jüdischen Bourgeoisie, Rabbiner Stephen W i se, der sich in geradezu skandalöser Weise gegen die Arbeiterparteien wandte und vom Vorsitzenden Motzkin mehrfach wegen unparlamcn- tarischcr Bemerkungen zur Ornung geru- f e n werden mußte. Nach Wises Ansicht hat der politische Sozialismus in Palästina kerne Zukunft. Palästina, so rief Wise unter slürurischem Protest der Ar- Ilroler Hilfspolizist nach Dauern verschleppt Innsbruck, 29. August. Der Hilfspolizist Franz Haas wurde auf einem Dienstgang in Brandenberg von reichsdeutschen TA.-Leutcn in «inenHinterhaltgelockt und U b e r d i e bayerische Grenze verschleppt. Ernüchterte Nazi werden nach Dacban geschleppt Innsbruck, 29. August. Der bekannte Ti« roker Skichampion Johann Gugganig, rin Nationalsozialist, war vor kurzem aus Oesterreich nach Bayern geflüchtet und in Lechfeld in die österreichisch« Legion eingetreten. Da«r in den letzten Togen nach Oesterreich zurückkehren wollt«, wurde eie in das Konzentrationslager in Dachau gebracht. Diese» Schicksal hat bereits mehrere andere Flüchtlinge aus Lechfeld erreicht. vas Urteil im Kremser AttentatS'Prozeft Wien, 29. August.(AN.) In dem Prozesse wegen de» Kremser Handgranatenanschlag«« auf Hilfspolizisten, tvobei SO Personen zumeist schwer verletzt wurden, von denen«in« inzwischen gestorben ist, wurde heute da» Urteil gefallt. D«r 22jährige.Handelsangestell'«,.Herbert Mosel, der«ine Handgranate geworfen hat, wurde zu zwölf Arheilerzionisteo. beiterparteiler au», muß ohne Sozialismus groß und mächtig werden. Der Sozialist R c m e S trat dem eifernden reaktionären Rabbiner entgegen und wandte sich gegen die fystc- matische Arbeiterhetze der Rechten. Ohne die Arbeiterbewegung sei- eine jüdische Renaissance unmöglich. Bert Locker beanttvortete darauf eine Anfrage der demokratischen Revisionisten, die von der Exekutive Auskunft über etwaige Verhandlungen mit Hitlcrdeutschland gefordert hatten. Locker teilte mit, daß bisher weder die Exekutive, noch die übrige Organisation Verhandlungen mit Deutschland geführt habe. Ter letzte Diskussionsreducr, der Revisionist Dr. Hoff»ta n n, bewirkte, daß sich der Saal fluchtartig leerte. Als der jüdische Nazi die Arbeiterpartei der Zusammenarbeit mit Hitler beschuldigte, wollte die Heiterkeit kein Ende nehmen. In der auf 9 Uhr angcsetzten Nachtsitzung soll endlich die Revisionisten Resolution erörtert werden. In den Fraktionen ist cS inzwischen zu Spaltungserscheinungen gekommen. Die schon immer sehr heterogene Gruppe der A l lg e m e i n e n Z i o n i st e n Ist auseinander- gefallen. Em Teil tendiert noch links, der andere Teil kokettiert mit fascistifch-nationaliftifchen Gc- dankengänge». Die Nachtsitzung begann mit weiteren fraktionellen Referaten, wobei es häufig zu Lärmszenen kam, so als K e r l m a n n (Allgemeine Zionisten) die revisionistische Zcr- sehungsarbeit geißelte. Der Fascist Stricker« Wien verlangte den hundertprozentigen Judenstaat und rief zum„zionistischen Patriotismus" auf.— Tie Revisionisten-Resvlution war in zwölfter Nachtstunde noch immer nicht eingebracht. ■■■■■■■■■■■■■■Ml Jahren schweren Kerker», sein Bruder, Infanterist.Heinrich Mosel, der di«.Handgranate gestohlen hott«, zu sechs I a h r e»e schweren Kerkers verurteilt. Ein dritter Täler namens Weichselbaum ist geflohen. Wien bekommt keinen Ertragsanteil an den Bundessteuern Wien, 29. August. Die„Rachauskorrespon- denz" meldet: Die Länder und Gemeinden erhalten allmonatlich vom Bunde eine entsprechende Quote ihrer Anteile an den gemeinsamen Bundessteuern, die auf Grund des Bundesvoran- schlageS festgesetzt sind. Die Gemeind« Wien bat nun am SamStag vom Finanzministerium die Nachricht erhalten, daß ihr kern Ertragsanteil mehr auSbezahlt wird. Da» Finanzministerium teilte hiezu mit, daß der Betrag für die Erreichung der 86 Millionen Schilling zuruckbehaltcn wird, deren Zahlung der Bund bekanntlich rücktvirkend ab 1. Jänner 1933 der Gemeitlde Wien auferlegt hat. oesterrelcns neue wchrlormatlon Wien, 29. August. Wie die Blätter melden, wird die Aufstellung der neuen Wehrformation, die, wie der HeereSminister Daugo»n in seiner gestrigen Rede mitteilte, in der allernächsten Zeit erfolgen wird, eine ArtMiliz mit Ueber- !gang zur allgemeinen Wehrpflicht !s«in. Die Aushebung der notwendigen Rekrutenkontingent« erfolgt durch allgemeine Assentierung der jungen Männer, die da» 2t. Le- bknSjahr erreicht haben. Die Dienstzeit ist im allgemeinen für eine Dauer von sech» Monaten vorgesehen. Diele genügt auch vollständig für die Ausbildung bei der Infanterie, der Rad. lahrer- und Jägerlruppc sowie teilweise auch bei der Artillerie. ES ist aber auch vorgesehen, daß die Ausbildungszeit bci denienigen, Vie sich mit besonderer Vorliebe dem Militär zuwenden rdcr für Spezialwaffen besondere Eignung haben, aus zwölf Monate ausgedehnt wird. Das Kontingent der Wehrfähigen ist für Oesterreich auf Grund des FriedenSvrrtrageS mit 80.000 Mann fest, gesetzt worden. Ta der derzeitige Stand de» Bundesheer«» rund 20.000 Mann beträat, werden turnuSweife von dieser neuen Wchrsor- mation rund 10.000 Mann unter die Waffen gerufen werden. * Mnteien Gesandter in Rom? Wien, 29. August. Wie die halbossiziöse „Politische Korrespondenz" erfahrt, soll der Landeshauptmann von Steiermark Dr. Anion RI n t e I e n de» wichtigen Posten eines österreichischen Gesandten in R o m übernehmen. * Dr. Riehl auS der österreichischen Nazi. Partei ausgeschlossen. Einer der Begründer der nationalsozialistischen Partei Oesterreich», der au» Reichenberg stammende Dr. Riehl, der schon öfters in den österreichische» Nationalrat kandidiert hatte, bi» vor kurzem Mitglied des Wiener Genwinderate» war und als künftiger hakenkreu;- lerischer Justizminister Oesterreichs galt, ist ans der nationalsozialistischen Partei auSgechlossen worden. Riehl will nuninehr eine österrcich. «reu« nationalsozialistische Partei gründen. Oer Menschenraub bei Sdiatlhausen. Empörung in der Schweiz. Genf, 29. August. Die rasch« Untersuchung deS Zwischenfalles der Verschleppung des tschc- chossowakischen Staatsangehörigen Hermann Weber aus der Schweiz nach Deutschland erbrachte heute weitere Einzelheiten. ES handelt« sich tatsächlich um«Ine unerlaubte Ueberschret- tung der Schweizer Grenze durch Mitglieder der reich-deutschen HilfSpolizei. Ter Zwischenfall ist um so«rnster, als die Deutschen die Grenze mit Waffen in der Hand überschritten und bewußt Schweizer Boden betraten, ohne den Protest de- Schweizer Zollbeamten zu beachten. Hermann Weber ist Deserteur, welcher sich in der letzten Zeit durch Schmuggel au- Deutschland in die Schweiz ernährte. Der Zwischenfall ist diesmal vollkommen klar und als Beweis dc- Gewaltakte» auf Schweizer Boden dient außer der Zeugenschaft des Schwerer Zollbeamten auch ein Gewehr der rcichsdcutschen HilfSpolizei, welche» einer der drei deutschen Polizisten bei der gewaltsamen Verschleppung Weber» am Orte der Verhaftung verloren hat. Die Schweizer Blätter widmen heute lange Artikel und Leitartikel dem Zwischenfalle. Sdilageter zieht nldil mehr Berlin, 28. August.(Jnpreß.) Die„Nachtaus- gabe" beklagt sich darüber, daß die zu Ehren d«S neue» Nationalyeiligen, Schlageker, in Berlin veranstaltete Ausstellung bei dem großen Publikum so gut wie ga: kein Interesse findet. Der Besuch sei beschäme»:- gering, mit Ausnahme von SÄ-Männern fänden nur wenige den Weg in die Ausstellung. 8 Der Goldfasan oder Die letzte Nacht de» Mandarins Wang-Li-Kunß Eine Legende von Fritz Rosenfeld Copyright 19JJ by BOchergiJde Üuienhcrg. Zürich. Jetzt war er leer, aber das war gut so, denn nun faßte er, wie ein uferloses Gesäß alle Träume FengS. Und Feng packte in den Koffer: Kleider, Tiere, Bücher, Turme, Schiffe, die Blumen aus dem Garten Wang-Li-KungS und Kwangs lackschwarzes Haar, ja ganze Städte und ein großes Stück de» Himmels und des Meeres. In deni Augenblick aber, tu dem Feng in seinen» Wachen Traun» ein Haus mit goldener Kuppel und siebzehn ziselierten Türmen, die höher Warrn als die Edelsteinvagode, in deren Schatten er stand, in den Koffer backen wollte, faßte ihn die Hand eines Polizisten an der Schulter. „Wo steckt Hang-Lien", fragte der Polizist. „Ich weiß«8 nicht," antwortete Feng. „Du lügst! Tu warst gestern mit ihm im Garten des erhabenen Mandarin» der zweiten RangSklasse Wang Li-Kung, als der Goldfasan gestohlen wurde. Du hast ihm wchl das Tier fortschaffcn geholfen?" „Hang-Üicn har den Goldfasan gestohlen?" fragte Feng.„Davon weiß ich nichts." „Verstelle dich nicht. Du weißt mehr als du eingesichen willst." „Ich weiß gar nichts. Wir trennten UNS in der Nacht, wie immer; Hang-Lien ging mit Kwang und Tsung-Den nach Hause und auch ich»legte mich schlafen." „Wenn du nicht gestehen willst, müssen wir d»ch mitnehmen." Der.Polizist pfiff«inen Kollege« herbei. Di- Kinder johlten, als Feng abgeführt wurde, sie stürzten sich aus seine Blumenkörbe und plünderten sie. „Meine Blumen!" schrie Feng. Di« Polizisten aber nahnren den Koffer, packte»» Feng am Arm und schleppten ihn zu Wang-Li-Kung. „Wo ist Hang-Lien?" ,^ch w«iß«» nicht." „Ueberleae dir, wa» dl» sprichst. Mein Arm reicht weit. Mein Auge sicht di» an di« Grenzen der Erde. Ich werde dich mit dem Schwert durchbohren, wen» du lügst." „Ich kann nicht sagen, waS ich nicht weiß. Laßt mich zu meinen Blumen." Da reichte der Polizist dem Mandarin den Koffer, den man bei Feng gefunden. Wang-Li- Kung betrachtet« den Koffer, öffnet« ihn. „Wer gab dir dieses Ding?" „Wen-Ti, mein Freund, sandle mir den Kofstr." ,^kennt ihr einen Knaben namens Wen-Ti?" fragt« der Mandarin. Di« Polizistei» schüttelten di« Köpf«. „Hier habe ich einen Brief", sagt« Feng. Wang-Li-Kung entfaltet« oaS Schreibe.» Wen- Tis und las rS. Er schwieg und sah Feng an. Diese Augen... seltsam. Er hat den Kops tief zwischen die Schultern gezogcn. Ein Zwerg. Doch der Kops ist dem-Herzen nahe... Ich lasse ihn lausen, denkt der Mandarin. Wenn Hang-Lien ihn liebt, wird er ihn hol«» und sich so verraten. Zu den Polizisten: „Laßt ihn frei. U»»d sucht-Hang-Lien!" Feng greift nach seinem Koffer. Da richtet Wang-Li-Kung das Schwert Hang-LienS, das er immer noch in der Hand trägt, auf den?osstr und durchsticht ihn. So werde ich-Hang-Lien strafen, denkt er. Und er schreit: „Wenn Hang-Lien abends nicht zur Stelle ist, lasse ich euch olle köpfen.. Feng blickt auf den Koffer, sein« Augen sind starr. Er hat all« mein« Träum« mit dem Schwert vernichtet. Das Schiff, da» ich in den Koffer packte, ist nun leck, die-Hauser stürzen«in, di« Tier« haben große Wunden, di« Blumen welken. Nun kann ich den Koffer nicht mehr gebrauchen, denkt Feng. Aber aus jedem Schmerz brächst wieder«in« Sehnsucht: und so träumt Feng, di« Schisst fahren durch die Wunde des Koffer», wie durch ein offenes Tor, die Türme wachsen aus dem Koffer, die Blurnen heben ihr« Bluten über den Rand der klaffenden Kofferwunde, die Tier« stecken ihren Kopf durch den Spalt, um Luft zu schöpfen. Wie dumm ich bin, deirkt Feng. Di« Tier« wären in dem Kosstr ja erstickt. Während Fengs Träume aus der Wunde d«S Koffers wachsen wie brennende Bäume auS aufgewühltem, blutigem Boden, denkt er an Hang- Lien und Kwang. Wem soll er heut« feine schönst« Blume geben? Da legt er die schonst« Blume, ei»»« Ebrysantheme, in den zerschlissenen Kosser. Auch diese Blum« ist ein Stück seines Traumes, ein versprengter Funk« sein«r gewaltigen Sehnsucht. Kwang, der dies« Blun»« gilt, stapft seit Stunden n»it-Hang-Lien an der Seite de» Wägelchens über die Landstraße. Sie kommen an oaS User eines Stro»n«s und verladen de»» Wage»» aus eine Dschunke, die»Nit einen» kleinen, gelbbraunen, geflickte» Segel schnell flußabwärts treibt. Kwang und Tsung-Aen haben de»» Großvater ostmals gefragt, wo denn ihr Bär geblieben sei. -Hang-Lien aber hatte ihnen keine Antwort gegeben. Als di« Dschunke vor günstigem Wind immer schneller über den Stromspiegel gleitet, öffnet-Hang-Lien die Truhe, di« sonst di« Stäbe und Teller barg; nun aber leuchtet das Gefieder eines Bogels auS ihr hervor. Hang-Lien reicht dem Bogel Futter, der Fasan frißt dem Gaukstr aus der Hand. Die Kinder sehen einander mit fragenden Augen an, aber ist schweigen. Hang-Lien senkt wieder den Decket auf di« Truhe und läßt nur«i»»en schmalen Spalt offen, durch den er auf den Goldfasan starrt. Kwang und Tsung-Bcn legen sich auf die Planst» de» Schiff«», blinzeln in die matte, dunstverhängt« Sonn« und schlafen ein. V. Di« Sonn« stand im Mittag, als Wang-Li- Kung fein« Sänfte bestieg und bei seinen Freunden di« Runde»nächst. Er bat sie, heut« abend w.chrr sein« Gäste zu fein. Aber di« Freunde kamen nicht. Den einen fesselten Frau und Kind an fein Hau», der ander« hatte wichtige Ges hafte, der Dritte tvar krank und mußte z»» Bett bleiben. Wang-Li-Ktmg wußte, daß sie logen. Sie fürchteten sich vor ihm und vor den Schatten, di« er fürchtest. Sie ließen ihn allein. Da kehrte Wang-Li-Kung, Mandarin der zweiten RangSklasse, einstmals Berater am Host' zu Peking, ein Mächtiger iin Reich, und»tut em zitterndes, klägliches Nichts vor den wiederkehrende»» Schatten dieser Nacht, in sein Hau» zurück und warf sich auf sein Lager. Tkber di« Angst fstl über ihn her und peinigst ihn, die Angst hat hundert scharst Peitschen und tausend geschliffen« Dolche, di« Angst ist ein Henker, dem nien»a»d entrinnt. AIS die Fackeln wieder brannten und den, Weg vom Meer zu den-Häusern Tai-Tfchai» wie eine gespenstige Alle« säumten, erhob sich Wang- Li-Kung, rief die Diener, fragte nach Hang-Lien, erfuhr, daß die Polizei ein« Spur gefunden hab« und dem Gaukler aus den Fersen sei. Doch auch diese Nachricht vermocht« die Schatten»richt zu verscheuchen. Der Mandarin legst das Kleid eines DieneS an, verbot seinen Trabanstn, ihn zu folgen, und ging auf die Straß«. Wann kam endlich di« Stund«, da di« Toten auf ihren Keinen Kähnen, von winzigen Lichstrn begleitet, wieder heimkehrten in das große, durrlle Schweigen? (Fortsetzung solgr.) SV. 303 » Der fall Triebe 4 1 v i r den Kul- ininationspunkt bereits überschritten hätten und uns im AuSklang de« technischen Zeitalter« befänden". Eine„Siiperioritat der Sachkenntnis" spricht aus solcher Erläuterung, daß man in Bersuchuug gerät, Hitlers Worten zu glauben, die besagen, daß„man in Deutschland nach 15 Jahren wieder fröhlich lacht." Und Völler Frohsinn erklärte der Herr Staatssekretär des lveiteren wörtlich:„Die Brechung der Zinsknechtschaft bedeute nicht die Aufhebung des Zinses überhaupt... Zn der Ge- samtwirtschaft seien drei große Gebiete scharf voneinander abzugrenzen... Zn der Wirtschaft gäbe eö bestimmt Bezirke, in die der Staat eingreifen muffe, die Nationalsozialisten lehnten aber jede« Sozialisiernngüexperiment im Bereich der produzierenden Wirtschaft ab". So loird also von Herrn Hitler und den Seine» der Dank vom Braunen Hau« erstattet sür die Bereitstellung der Mittel seitens der„produzierenden Wirt- schaft", die der Bewegung zunl Sieg verhalfen Hassenvertialtungcn von Kommunisten in Polen Warschau, 29. August. Die Organe der politische» Polizei setzten die gestern begonnene» Maffenverhaftungen unter den Kommunisten sor:. U. a. wurden auch zahlreiche Berl;aftungen von Konliilnnisten in Ostgalizien durchgeführt, darunter besonders in Stanislaus. Die Zahl der int Bezirke Stanislaus verhafteten Kommunisten übersteigt hundert. Insgesamt wurden in Warschau, Lemberg und zahlreichen Orten Ostgaliziens m e h r a l s 200 Ko m in u n i st e n v e r h a f t e I. Nach den heutigen Blättern stellen die erfolgten Massenverhaflungen unter den Kommunisten mit der von der polnischen kommunistischen Parte« für den.Herbstanfang geplanten Umsturzaktion und der Vorbereitung von A r b e i t s l o j e n u n r u h e n in Zusammenhang. Akit/wach, SV. August W X Was Triebe in Dilin trieb t Äuö Silin wird uns geschrieben: Die Bevölkerung von Dilin verfolgt mit einem gewissen Interesse die Skandalafsären de» Herrn„Direktor" Triebe von der Heimatscholle, denn er ist ja auch in Bilin kein unbekannter. Im Jahre 1928 suchte die Stadtgemeinde Bilin in einer Reihe von Geldinstituten ein Konver- tierungSdarlehen auszunehmen und ist dabei überall aus Schwierigkeiten gestoßen, bis eine» chönen Tages der Herr„Direktor" Triebe Von der Heimatschalle in Komotau oustauchte und der Gemeinde Bilin ein Darlehen von 4.5 Millionen X,'. bei der Olmützer Sparkasse verschaff:«. Daß dieser Herr alles daransetzie, um dieses Darlehen zu ermöglichen, geht daraus her- vor, daß er sogar den oaiüaligen Obmann der BezirkSverwaltuugükommission, den verstorbenen Genossen Kühnel, in seiner Kanzlei aussuchte und ihm für den sozialdemokratischen Wahlsondü 15.000 Ke auf den Tisch legte, wenn er seine Parteigenoffen in der Bezirk-Verwaltung dazu bewegen könnte, für das Darlehen zu stimmen. Genosse Kühnel hat ihm n a t ü t• sich die Tür gewiesen, ebenso der Laird- bündler Krau S, dem er ebenfalls einen Betrag zur Verfügung stellte, wenn dessen Parteigenoffen in der Bezirk-Verwaltung für denselben Zweck zu haben wären. Nach den Gerüchlen, die damals und heule wieder Stadtgespräch sind, habe» sich doch einige Herren gefunden, die die hohe Provision im Betrage Von 90.000 Kscholle"-Ofsert gesprochen hat. Wahrscheinlich ist die Erklärung schon im Druck, daß Herr Braun nicht als Kommunalpolitiker, sondern al« Privatmann bei der„Heimatscholle" mitgegun- gen ist. Wenn der Fall anders läge, daß z. B. die arische oder nichtarische Großmutter eines Sozialdemokraten in der Leitung der„Heimat- scholle" gesessen wäre, dann gäbe cs freilich in« völkischen Blätterwald mir eine Stimme, daß entweder der Marxismus oder der Jud oder beide zu ungeteilten Händen an dem Triebeskan- dol Schuld trügen. Die Vorgesetzten Triebes werden nun zu ihrer Verantwortung stehen wüflenl Und die Deutsche Nationolpartei wird hoffentlich den arischen Heldenmut aufbringen, für ihren Komotauer Vorkämpfer und Bizebürgermeister Braun einzustehen. Uni bei der Rassenfrage zu bleiben, könnte man sagen: „Mut hat auch der Mameluck.. — warum sollte er gerade bei den rassisch viel höher stellenden deutscharische» Männern fehle»? Var Triebe Direktor oder M Del der„llelmladlM"? Der Obmann der„Heimatscholle" Dr. Schürer, hat, wohl nicht ohne Mitwissen des Vorstandsmitgliedes Bizebürgermeister Braun, in der Presse behauptet, Triebe wäre garnicht Direktor gewesen. Es scheint aber die Linke nicht zu wissen, waö die Rechte tut. Der Herr Bürgermeister Storch scheint Triebe wieder für einen Direktor gehalten zu haben, denn daS„Montagsblatt" ist in der Lage, folgenden Briefauszug zu zitieren: „Kanzlei Dr. Ernst Storch— Dr> Otto Kühn. Komotau, 17. Juni 1933 Herrn Josef Triebe, Direktor(!) der Heimatscholle, Komotau. cm OciMümüttvilMr Partclshandal? Die Oettentlicbkelt möge urteilen! Ter KorruptionSsumps, der durch die Verhaftung Triebes ausgestochen wurde, stinkt zum Himmel. To etwa« ist in den Annalen der deutschböhmischen Kommunalpolitik noch nicht dagewesen. Alle Versuche der blotzgestellten Kreise, sich von Triebe zg distanzieren, sind bisher mißlungen. Die engen Beziehungen zwischen der Tätigkeit der famosen„Heimat- scholl«" und der deutschnationalen Kommunalpolitik sind nicht mehr weg- zuleuanen. Vielmehr kann man nach den jüngsten Berössenikichungen von einer regelrechten Personalunion sprechen. ES ist doS Verdienst d«S„Prager Montagsblatt", durch seine fleißigen Erhebungen die Rückzug»,nanöver der Mitschuldigen durchkreuzt zu haben. Wir zitieren die neuen und sehr interessanten Fakten: »er deulsdinailonale Vlzebüroermelsier von Komotau. Herr Braun, ist Vorstandsmitglied der„BeMsdiolle“. lchaftlicher Warner ausgetreten sein. DaS müssen die JoachimStaler Gemeindefunktionäre näyrr wissen. Der Advokat Dr. Storch, beziehungsweise die Kanzlei Storch— Kühn scheinen nebenbei den JoachimStaler Darlehenssachen nicht unent wegt völkische, sondern auch geschäftliche Inter essen verfolgt zu haben. Dos„MontagSolatt" weist darauf hin und hat dafür wohl auch die Gewähr zu übernehmen, daß die Kanzlei Dr. Storch— als Triebe im Jahre 1926 der Stadt JoachimStal ein Dar. lehen bei der Oberplaner Sparkasse vermittelte — für die Ausstellung der Schuldurkuude 15.000 Kronen verlangte. Im Bevgleichswege wurden dann allerdings nur 5000 Kü bezahlt. Immerhin eine ganz einträg liche Geschäftsverbntduttg, die nicht uninteres santer wird durch die Feststellung. Triebe wäre nach dein Umsturz im Zusamnuuchang mit dem Umlauf falsch gestempelten Geldes verhaftet, aus dem M'litärgesänguis Theresien stadt jwoch als unzurechnungsfähig sreigelassen worden, weil er sich über Nacht aus die nackte Haut an Brust,und Bauch Knöpfe an genäht hatte. Menschen mit solcher Vergangen heit kann man natürlich mit gutem Gewissen deutschen Gemeinden alü Treuhänder empfehlen. Was madien eigentlldi die deutsthnaflonalen Abgeordneten? Muno tfer Zinsknedilsdialt au Wen. Das Ende einer nattonaisozlaltstisdicn Phrase. In der zweiten.Hauptversammlung des 09. Deutschen Genossen schaftStages er griff u. a. auch Gottfried Feder das Wort zu „einer großangelegten Red^', deren Inhalt in der Zeitung„Berliner Dörsen-Bcrichtc", Ar. 199 vom 26. August 1933, unter dem die Nazibewe- gung kennzeichnenden Titel„Keine Sozialisierung der produktiven Wirtschaft" tviedergcgeben wird und der noch folgenden Untertitel führt:„B r e• chuna der Zlnsknechtschaft ist nicht völlige Z i n s a u f h e b u n g"—„K eine Übereilung bei der Berstaa tl ich»»g deS Bankwesens" u. a. mehr. Ausschluß gibt darüber tvohl am besten der.Herr„Staats sekretär" Gottfried Feder selbst. Gleich zu Beginn seiner Rede erklärt er mit wohltuender Offen heit:„W esenSkern der gesamten Arbeit deS Nationalsozialismus sei von Beginn an der Kampf gegen den Marxismus gewesen. Das Dhstem der Zersetzung und der Unwahrhaftigkeit sei be seitigt worden... Nur wenn ein Wille herrsche, ivenn die Majorität der Zahl über wunden werde und an ihre Stelle die Luperioritöt der Sachkenntnis gesetzt werde, Hobe man das Recht, von wirklicher StaatSfiihrung zu sprechen." Im Vollgefühl seiner alles und alle 11.. überragenden Sachkenntnis gibt er dann eines haben, Mißhandlungen nnd norde I in nitteldentsdiland Halle, 2«. August. Nahezu alle Gegner de» Hitler-Regims, die in Mitteldeutschland in? der letzten Zeit immer zahlreicher verhaftet 1 werden, sind brutalsten Mißhandlungen aus«\ gesetzt. Die Verhafteten werde» im Gefangene«« auto nach Dornburg in Anhalt transportiert' und im dortigen Konzentrationslager mit Reitpeitschen, Gummiknüppeln, Ge»' wehrkoldon und Bajonette« mißhandelt. Dasselbe geschieht im Polizeipräsidium Ma g d e b u r g und im Konzentrationslager Oranienburg. In Oranienburg wurde kürzlich ein Arbeiterfunktion ar au» Coswig totgeprügelt. Massonverhaflono von NSnO'Fonkiionören in WestdentsAland In der Zeit von Samstag abend bis Sonntag rüh wurden im Ruhrgebiet und im Rheinland cund 150 führende Funktionäre der national-. ozialistischen BetriebSzelleil-Orgaiiisation durch Beamte der Geheimen Staatspolizei schlagartig verhaftet. Betroffen von dieser Massenaktion sind vor allem die hauptsächlichen Vertrauensleute der großen Werke, insbesondere der betriebe der Schwerindustrie. Die Berhastilng erfolgte ans Grund der Anwesenheitsliste einer kürzlich stattgehabten Obleute-Koiiserenz des westdeutschen Wirtschaftsgebietes; bei dieser Konferenz war mit Einstimmigkeit ein Beschluß angenommen worden, der die Sozialisierung des gesamten deutschen Bergbaus fordert.— Es wird uns hierzu noch gemeldet(ohne daß wir bisher die Möglichkeit gehabt hätten, auch diesen Teil des Berichte» nachzuprüfen), daß die Aktion erfolgt ist auf Betreiben des rheinischen Großindustriellen Thhssen, der sich an Herrn Hitler persönlich gewandt hatte mit dem Ersuchen, seiner mehrfach abgegebenen Zusage gemäß, die die Wirtschaft schädigenden Entschließungen parteiamtlicher Stellen mit Gewalt zu unterdrücken. Torglers Verteidiger wendet sich an Drantlng Der sich gegenwärtig in Paris aufhaltende bekannte schwedische Rechtsanwalt Dr. Branting, der Mitglied des„Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes" ist, erhielt einen Bries von dem Rechtsanwalt Tr, S a ck, dem Verteidiger des romiiiuiiistischen ReichS- tagsabgeordneten Torgler, in ivclchein es heißt: „Ich erlaube mir, Ihnen ergebenst mit- zuteilen, daß ich die Verteidigung des srühereu NeichSlagSabgeordnelen Torgier in dem Reichs- Iagsbra>idslislungSProzeß übernynwzetz hgbe. Mir ist mitgeteilt worden, daß Sie' zu dem > Ausschuß gehören, der es sich zur Ausgabe ge» : macht hat, die Ursache des Reichstagsbrandes i oufjuktären. Ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn l Sie mir das Material, das znm Nachweis der i Nichtschutd des Herrn Torgler dienen köuiite, zur 1 Verfügung stellen würden. ! Sehr ergebenst i gez. Sack, >- Rechtsanwalt. Seift S Mittwoch, 80. August IVSS Nr. 202 b j zwölfter Nachtstunde noch '| gebracht. Der Reick,sbankpräsid«nt: ust. Auch die DienStaaver« Z i o n i ste»ko ng r e sseS der teilweise sehr erregten bürger und Bauern, im Namen der um ihr Recht auf Arbeit betrogenen Jugend, im Namen der auS ihren Wunden blutenden, ihrer Frei- heit beraubten, an ihrer Menschenwürde geschändeten Opfer deS FaseiSmuS die Völker der Welt »um Kampf« auf gegen die Barbarei des Masris,»»S und de- Kriege- und gegen ihre letzte Wurzel, die Barbarei der kapitalistischen GesellschaftS» o rd n u ng. * Zur Begründung der Resolution hielt Genosse Otto Bauer eine Rede, die wir im Auszug bereits gebracht haben. Einige bemerkenswerte Stellen aus dieser Rede werden wir noch nachtragen, «st Genen das antlsemltlsdie Gift. Die Internationale Sozialistische Konferenz hat noch folgende Resolution angenommen: Die Konferenz hält es für ihre Pflicht, die Austnerksamkeit der Arbeiter auf den engen Zusammenhang zu lenken, der zwischen der anwachsenden fascistischcn Bewegung und dem Antisemitismus besteht. Wie da- Beisviel Deutschland- zeigt, kann für die verarmenden Mittelschichten und die Intellektuellen gewisser Länder in der Zeit schivercr Krise die Aussicht, durch Aufhebung der nationalen Gletchbercch. tigung und gewaltsame Unterdrückung die Konkurrenz loszuwerden, um ihre materiell« Lage zu verbessern, zu einer großen Versuchung werden. Der durch gewissenlose Demagogie geschürt« Rassenhaß kann so zu einem gefährlichen Der» kündeten der Reaktion und dir Konterrevolution werden, indem er breite Massen deS Klein. bürgertumS erfaßt und sogar Teil« der Arbeiterschaft ansteckt. Der internationale Soziali-muS, der Immer gegen jede natiouale und Rasseuuuterdrückung war, der immer alle reaktionären Theorien und Illusionen bekämpft hat, als ob eine dauernde Vesferung de- ve^rmrnden Mittelstände- durch Rassenkampf erreicht werden könnte, muß in der gegenwärtigen Situation der drohenden fascisti- schen Gefahr und der Zuspitzung der natiouale» nnd Klassengegensätze seine besondere Anfmerk- samkrit den schärfsten Kampf gegen die das Bewußtsein der Masse» vergiftende antisemitische Demagogie widmen. beiterparteiler au-, muß ohne Sozialismus groß und mächtig werden. Der Sozialist Rcmc 8 trat dem eifernden reaktionären Rabbiner entgegen und wandte sich gegen di« systematische Arbeiterhetze der Rechten. Ohne die Arbeiterbewegung sei- eine jüdische Renaissance unmöglich. Berk Locker beantwortete daraus eine Anfrage der demokratischen Revisionisten, die von der Exekutive Auskunft über etwaige Verhandlungen mit Hitlcrdeutschland gefordert hatten. Locker teilte mit, daß bisher weder die Exekutive, noch die übrige Organisation Verhandlungen mit Deutschland geführt habe. Der letzte Diskussionsredner, der Revisionist Dr. H o f f m a n n, bewirkte, daß sich der Saal fluchtartig leerte. Als der jüdische Nazi die Arbeiterpartei der Zusammenarbeit mit Hitler beschuldigte, wollte die Heiterkeit kein Ende nehmen. In der auf 9 Uhr angesctzten Nachtsitzirng soll endlich die Rcvisionisten-Äesolution erörtert werden. In den Fraktionen ist es inzwischen zu Spalt ungSerscheinnngen gekommen. Die schon immer sehr heterogene Gruppe der Ä l lg e m e i n e n Z i o n i st e n ist auSeinander- gefallen. Ein Teil tendiert nach links, der andere Teil kokettiert mit sascistisch-nationalistischcn Ge- dankengängeu. Die Nachtsihung begann mit weiteren raktionellcn Referaten, wobei es häufig zu L ä r m s z« n e n kam, so als Kerlman« (Allgemeine Zionisten) die revisionistische Zcr- chungSarbcit geißelte. Der Falcist Stricker- Wien verlangte den hundertprozentigen Judenwat und rief zum„zionistischen Patriotismus" auf.— Die Rcvisionisten-Rcsolntion war in > immer nicht cin- Internationale Verbindungen" vorläufig nldit gesudir Berlin, 29. August. Berliner Blätter veröffentlichen eine Unterredung deS Reichsbankpräsi- denten Dr. Schacht mit dem„Allgemeen Han- delSblod" in Amsterdam, in der Schacht die Frag«, ob er nicht der Ausfassung sei, daß der Antisemitismus deS Dritten Reiches der Finanzpolitik Schwierigkeiten bereite, antwortete: ,^J»- ternationale Verbindungen werden vorläufig von uns nicht gesucht. In früheren Jahren haben wir auf diesem Gebiet viel zu viel unternommen. Deutschland rechnet in keiner Hinsicht auf internationale Finanzhilfe der früheren Art. Die ehedem geüb e GeichästS- praxis Deutschlands für den enormen Zinssatz von 8 Prozent Geld zu leihen, während in allen übrigen Ländern nur ein Zinssatz von 4 Prozent üblich war, beweist, daß diese internationale Fi»anz-„Hilse" nicht auf einer gesunden BasiS beruhte." Jahren schweren Kerkers, sein Bruder, Infanterist.Heinrich Mosel, der di«-Handgranate gestohlen hatte, zu i cchs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Ein dritter Täter namens Weichselbaunt Ist geflohen. Wien bekommt keinen Enrags- anteii an den BnndesMeuern Wien, LS. August. Dir„RachauSkorrespon» denz" meldet: Die Länder und Gemeinden erhalten allmonatlich vom Bunde eine entsprechende Quote ihrer Anteile an den gemeinsamen Bun- deSsteuern, di« auf Grund oeS Bundesvoranschlages seswesetzt sind. Die Getneind« Wien bat nun am SamStag vom Finanzministerium sie Nachricht erhalten, daß ihr kein Ertragsanteil mehr ausbezahlt wird. DaS Finanzministerium teilte hiezu mit, daß der Betrag für die Er- reichung der 36 Millionen Schilling zuruckbehaltcn wird, deren Zahlung der Bund bekanntlich rücktvirkend ab 1. Jänner 1933 der Genieinde Wien auferlegt hat. Oesterreichs neue Wehriormatlon Wie«, 29. August. Wie die Blätter nielden, wird die Aufstellung der neuen Wehrformation, die, wie der HeereSminister D a u g o i n in seiner gestrigen Rede mitteilte, in der allernächsten Zeit erfolgen wird, eine ArtMiliz mit U«ber» gang zur allgemeinen Wehrpflicht sein. Die Aushebung der notwendigen Rekruten kontingent« erfolgt durch allgemeine Assen. 1 i e r u n g der jungen Männer, di« daS 21. Lebensjahr erreicht haben. Die Dienstzeit ist im allgemeinen für eine Dauer von sechs Monat«» vorgesehen. Dicke genügt auch vollständig , für die Ausbildung bei der Infanterie, der Rad- I iahrer- und Jägertruppe sowie teilweise auch bei . der Artillerie. ES ist aber auch vorgesehen, daß > di« Ausbildungszeit bei denjenigen, di« sich mit > besonderer Vorliebe dem Militär zuwenden oder für Spezialwaffen besondere Eignung haben, aus zwölf Monate ausgedehnt wird. DaS Kontingent - der Wehrfähige» ist für Oesterreich ans Grund ; des FriedenSvcrtrageS mit 80.900 Mann fest- - gesetzt worden. Da der derzeitige Stand des , Bundesheeres rund 20.000 Mann beträgt, werden turnuSweise von dieser neuen Wchrfor- masion rund 10.000 Mann unter die Waffen gerufen werden. * nmielen Gesandter in Rom? Wie», 29. August. Wie die halboffiziös« „Politische Korrespondenz" erfahrt, soll der Landeshauptmann von Steiermark Tr. Anion R i n t e l e n den wichtigen Posten eiires österreichischen Gesandten in R o m übernehmen. * Dr. Riehl auS der österreichischen Nazi- Partei ausgeschlossen. Eiiter^der Begründer der uat>'onalsoziallstischcn Partei Oesterreichs, der aus Reichenberg slamineude Dr. Riehl, der schon öfters in den österreichischen Nationalrat kandidiert hatte, biS vor kurzem Mitglied des Wiener GemelnderaleS war und als künftiger hakenkrcuz- lerischer Iustizmlnister Oesterreichs galt, ist ans der nationalsozialistischen Partei auSgc'chlofscn worden. Riehl will nunmehr eine österreich- 'reue nationalsozialistische Partei gründen. Dei* nensdienraab bei Sdiollhausen. Empörung in der Schweiz. Genf, 29. August. Di« rasch« Untersuchung deS Zwischenfalles der Verschleppung des tschc- chostowakischen Staatsangehörigen Hermann Weber auS der Schweiz nach Deutschland erbrachte heute weitere Einzelheiten. ES handelte sich tatsächlich um«Ine unerlaubte Ueberschrei- tuna der Schweizer Grenze durch Mitglieder der reich-deutschen Hilfspolizei. Der Zwischen- all ist um so ernster, als die Deutschen die Grenze mit Waffen In der Hand überschritten und bewußt Schweizer Boden betraten, ohne den Protest des Schweizer Zollbeamten zu beachten. Hermann Weber ist Deserteur, welcher sich in der lebten Zeit durch Schnruggel an- Deutschland in die Schweiz ernährte. Der Zwischenfall ist diesmal vollkommen klar und als Beweis der Gewaltaktes auf Schweizer Boden dient außer der Zcugenfchaft des Schweizer Zollbeamten auch ein Gewehr der reichsdcutfchen Hilfspolizei, welches einer der drei deutschen Polizisten bei der gewaltsamen Verschleppung Webers am Orte der Verhaftung verloren hot. Die Schweizer Blätter widmen heute fange Artikel und Leitartikel dem Zwischenfalle. Sdiladtter zieht nicht mehr Berlin, 28. August.(Jnpreß.) Die„"Nachtausgabe" beklagt sich darüber, daß die zu Ehren des neuen Nal»onalyeiliaen, Schlagerer, in Berlin veranstaltete Ausstellung bei dem großen Publikum so gut wie gar kein Interesse findet. Der Besuch sei beschäme»:- gering, mit Ausnahme von SÄ-Männern fänden nur wenige den Weg in die Ausstellung. Tiroler Hilfspolizist noch Dauern verschleppt Innsbruck, 29. August. Der Hilfspolizist Franz Haas wurde auf einem Dienstgang in Brandenberg von reich-deutschen SA.-Leutrn in einenHinterhaltgrlockt und ü b«r d i« bayerisch« Grenz« verschleppt. Ernüchterte Nazi werden nach Dachau geschleppt Inn» bruck, 29. August. Der brkannt« Ti. tritt Skichampion Johann Gugganig,«in Nationalsozialist, war vor kurzem aus O«sterr«tch nach Bayern geflüchtet und in Lechfeld in die österreichisch« Legion eingetrete». Da er in den letzten Tagen nach Oesterreich zurückkehren wollt«, wurde er in da» Konzen- tration»lager in Dachau gebracht. Diese» Schicksal hat bereits mehrere ander« Flüchtling« aus Lechfeld erreicht. Das Urteil im Kremser AttentatS'ProzeD Wien, 29. August.(AN.) In dem Prozesse wegen de» Kremser HandaranatenanschlageS auf Hilfspolizisten, wobei 80 Personen zumeist schwer verseht wurden, von den«»»«in« inzwischen gestorben ist, wurde heute da» Urteil gefallt. Der 22jäh- rige Handelsangestell!«,.Herbert Mosel, der«ine Handgranate geworfen hat, wurde zu zwölf > liiMe Bourgeoisie gegen Arbeiterzionisten. Starmisdie KondreOdebattc. Prag, 29. Augu üan-litttgc» des, standen tut Zeichen.. Generaldebatte. Der westgalizische Redner Joachim Stei ger(allgemeine Zionisten) verlangte eine Reor ganisation der Bewegung und ihre Anpassung an bi« Wirklichkeit. Dcr Radikale Waldmann(Oesterreich) polemisierte gegen den deutschen Pogromantisc- mitiSmiiS und meinte, daß cs vielleicht sehr gut sei, wenn der Kongreß eine ähnliche Entwicklung auch in Oesterreich als Möglichkeit ins Auge fassen würde. Ter Arbeiterparteiler G o t t h e l f, wandle sich mit Schärfe gegen die revisioUistisch-f a s- cistischci, Terrororganisationen und stellte fest, daß die jüdische Bourgeoisie, die sich nicht mehr stark genug fühle, shre Positionen zu halten, Jugendorganisationen geschaffen habe, die sie nun unter pseudonationalcr Flagge gegen die Arbeiter kämpfen lasse. Jede» Kind weiß, so ries der Redner auS, daß der Revisionis mus ein Zweig vom Baume des internationa len F a s e i s m u« ist. Nach B o g r a t s ch o f f(Allgemeiner Zio nist), der sich mit den Rechenschaftsberichten dcr Anglo-Palästina-Bank und der Kolonisations bank beschäftigte, sprach dcr Führer der amerika nisch-jüdischen Bourgeoisie, Rabbiner Stephen W i s e, der sich in geradezu skandalöser Weise gegen die Arbeiterparteien wandte und vom Vor sitzenden Motzkin mehrfach wegen unparlamen- tarischcr Bemerkungen zur Ornung geru fen.werden mußte. Nach Wises Ansicht hat dcr politische Sozia lismus in Palästina keine Zukunft. Palästina, so rief Wisc unter stürmischem Protest dcr Ar« 8 Der Goldfasan oder Die letzte Nacht des Mandarine Wang-Li-Kung Eine Legende von Frifz Rosenfeld Copyright njj by ÜOchtrgllde Oülenbcrg. Zürich. Jetzt war er leer, aber das war gut so, denn nun faßte er, wie ein uferloses Gesäß alle Trän ine FengS. Und Feng packte in den Koffer: Kleider, Tiere, Bücher, Turme, Schiffe, die Blumen aus den» Garten Wang-Li-KnngS und Kwangs lackschtvarzes Haar, ja ganze Städte und ein großes Stück des Himmels und des Meeres. In dem Augenblick aber, in dein Feng in seinen» wachen Traum ein Haus mit goldener Kuppel und siebzehn ziselierten Türmen, die höher waren als die Edelsteinpogod«, in deren Schatten er stand, in den Koffer packe» wollte, faßte ihn di« Hand eine- Polizisten an der Schulter. „Wo steckt Hang-Lien", fragte der Polizist. „Ich weiß«8 nicht," anNvorteie Feng. „Du lügst! Tu warst gestern mit»hin in» Garten des erhabene»» Mandarin- der zweiten RanaSklassc Wang Li-Kung, als dcr Goldfasan gestohlen wurde. Du hast ihm wthl daS Tier fortschaffcn geholfen?" ,^Hang-Lien hat den Goldfasan gestohlen?" fragte Feng.„Davon weiß ich nichts." „Verstelle dich nicht. Du weißt mehr als du eingestehen willst." „Ich weiß gar nichts. Wir trennten uns in der Nacht, wie immer; Hang-Lien ging mit Kwang und Tfung-Aen nach Haufe und auch ich^ legte mich schlafen." „Wenn du nicht gestehen willst, müssen wir dich mitnehmen." Der Polizist pfiff einen Kollegen herbei. Die Kinder johlten, als Feng abgeführt wurde, sie stürzte»» sich aus seine Blumenkörbe und plünderten st«. „Meine Blumen.'" schrie Feng. Di« Polizist«»» aber nahmen d«n Koffer, Sackten Feng am Arm und schleppten ihn zu Kmg-Li-Kung. «Wo ist Hang-Lien?" ,Hch weiß«S nicht." „Ueberlege dir, waS du sprichst. Mein Arm reicht weit. Mein Auge sicht di» an di« Grenzen der Erde. Ich werde dich mit dem Schwert durchbohren, wen»» du lügst." „Ich kann nicht sagen, WaS ich nicht Weiß. Laßt mich zu meinen Blumen." Da reichte der Polizist dem Mandarin den Koffer, den man bei Feng gefunden. Wang-Li- Kung betrachtet« den Koffer, öffnet« ihn. „Wer gab dir dieses Ding?" „Wen-Ti, mein Freund, sandle mir den Koffer." ,^kennt ihr eine»» Knaben nametls Wen-Ti?" fragt« der Mandarin. Die Polizist«»» schüttelten di« Köpf«. „Hier habe ich eine»» Brief", sagt« Feng. Wang-Li-Kung entfaltete das Schreibe.»Wen» TiS und las eS. Er schwieg und sah Feng an. Diese Auge»»... seltsam. Er hat de»» Kops tief zwischen die Schuliern gezogcn. Ein Ztverg. Doch der Kopf ist dem Herzen nah«... Ich lasse ihn lausen, denkt der Mandarin. Wenn Hang-Lien ihn liebt, wird er ihn hol«» und sich so verraten. Zu den Polizisten: „Laßt ihn frei. Und sucht-Hang-Lien!" Feng greift nach seinem Koffer. Da richtet Wang-Li-Kung daS Schwert.Hang-Liens, das er >mm«r noch in der Hand trägt, auf der»?osf«r und durchsticht ihn. So werde ich-Hang-Lien strafen, denkt er. Ui»d«r schreit: „Wenn-Hang-Lien abends nicht zur Stell« ist, lasse ich euch alle köpfen.. Feng blickt aus den Koffer, sein« Augen sind starr. Er hat alle rneisitz Träum« mit dem Schwert vernichtet. DaS Schiff, da» ich in den Koster packt«, ist nun l«ck, dt«-Häuser stürzen ein, di« Tier« haben große Wunden, di« Blumen welken. Nun kau» ich den Koffer nicht mehr gebrauchen, denkt Feng. Aber aus jedem Schmerz wächst wieder«in« Sehnsucht: und so träumt Feng, di« Schiffe fahren durch di« Wunde d«S Koffer-, wi« durch ein offene- Tor, die Türm« wachsen aus dem Koffer, di« Bluuien heben ihre Bluten über den Rand der klafferrden Koffertvunde, die Tier« stecken rhren Kopf durch den Spalt, um Luft zu schöpfen. Wie dumm ich bin, denkt Feng. Die Tier« wären in dem Koffer ja erstickt. Währeitd Fengs Träum« aus der Wunde des Koffers wachsen wie brennende Bäume auS aufgewühltem, blutigem Boden, denkt er an-Hang- Lien und Kwang. Wem soll er beut« fein« schönste Blume gebe»? Da legt er die schönste Blum«, eine Tbrysanthcme, in den zerschlissenen Koffer. Auch diese Blum« ist«in Stück feines Traumes, ein verspr«»»gt«r Funk« seiner gewaltigen Sehnsucht. Ktvang, der diese Blun»« gilt, stapft seit Stunden mit-Hang-Lien ai» der Seit« deü Wägelchens über die Landstraße. Si« kommen an da- User ei»»es Stromes und verladen de»» Wage»» aus ein« Dschunke, di« ntit einem kleinen, gelbbraunen, geflickte»» Segel schnell flußabwärts tr«ibt. Ktvang und Tsung-A«n haben de>» Großvater oftmals gefragt, wo den»» ihr Bär geblieben sei. -Hang-Lien aber hatte ihnen k«in« Antwort gegeben. Ais die Dschunke vor günstigem Wind immer schneller über de», Stroinspiegel gleitet, öffnet-Hang-Lien di« Truhe, di« sonst di« Stäbe und Teller barg; nun aber leuchtet das Gefieder eines Vogels aus ihr hervor. Hang-Lien reicht dem Vogel Futter, der Fasan frißt dem Gaukler aus der Hand. Die Kinder sehen einander mit fragenden Augen an, abix sie schweigen. Hang-Lien senkt wieder de»» Deckel auf die Truhe und läßt nur ei»»en schmalen Spalt osten, durch den er auf den Goldfasan starrt. Kwong und Tsung-Nen legen sich auf di« Planken de» Schiff«», blinzeln in die n»att«, dunstverhängt« Sonne und schlafen«in. V. Die Sonne stand im Mittags als Wang-Li- K»»ng seine Sänfte bestieg und be» seinen Freu» den die Runde machte. Er bat st«, heut« abend N-.-der seine Gäste zu sein. Ab«r di« Frrunde kamen nicht. Den«inen fesselten Frau und Kind an sein HauS, der andere hatte wichtM Geschäfte, der Dritte war krank und niußte zu Bett bleiben. Wang-Li-K»»»»g wußte, daß sie logen. Sie fürchteten sich vor ihm und vor den Schatten, di« er fürchtete. Sie ließen ihn allein. Da kehrt« Wang-Li-Kung, Mandarin der ztveiteu RangSklassc, einstmals Berater am Hof«' zu Peking, ein Mächtiger nn Reich, und Mr«m zitterndes, klägliches Nichts vor den wiederkehrende»» Schotten dieser Nacht, in sein Haus zurück und warf sich auf sein Lager. Aber di« Angst fiel über ihn her und peinigte ihn, die Angst hat hundert scharfe Peitschen und tausend geschliffene Dolche, di« Angst ist ein Henk«r, dem ni«n»and entrinnt. Als di« Fackeln wieder brannten und dr» Weg von» Meer zu den.Häusern Tai-TschaiS wie■ eine gespenstig« All« säumten, erhob sich Wang- Li-Kung, rief die Diener, fragte nach Hang-Lien^ erfuhr, daß di« Polizei«in« Spur gefunden hab« und dem Gaukler auf den Fersen fe». Doch auch diese Nachricht vermochte die Schatten»richt zu verscheuchen. Der Mandarin legt« das Kleid eines DieneS an, verbot seinen Trabanten, ihn zu folgen, und ging auf die Straß«. Wann kam endlich die Stunde, da di« Toten auf ihren kleinen Kähnen, von winzigen Lichtern begleitet, wieder heimlehrten in das große, dunkle Schweigen? (Forljetzung folgt.) Rr.§02 Mittwoch, Sy. August 1988 Stile 5 vor KV Jahren starb der Dichter Turgenjew. Iwan Turgenjew nach einem Gemälde von Ilja Rjepin. Turgenjew, dessen TodeStag sich am 3. Septem der zum 50. Male jährt, war der erste russische Dichter, der Wellruhm erlangte. Seine Bedeutung liegt weniger In seinen sechs größeren!>io»ia»cn, von denen„Bätet und Söhne" am bekanntesten wurde, als in seinen Novellen, die einen außerordentlichen Reichtum an Problemen und eine Fülle verschiedenartigster, mit tiefem psychologischen Scharsblick erfaßten Gestalten sowie lyrisch« LandschaslSschildcrun- gen von seltenem Reiz enthalten. Politisch lehnte er sich wie säst die gesamte Intelligenz der damaligen Zeit gegen die zaristische Tyrannei und vor allem gegen Leibeigenschaft aus. Er wurde darum aus lein Gut verbannt und lebte danach In den letzten drei Jahrzehnten seine« Lebens fast durchweg« im Ausland. I Fast keine aus'Sudllchen Aussteller auf ver Leipziger Weste. I Leipzig, 29. August. Auf der eben eröffneten i Leipziger.Herbstmesse findet man nur noch l& Prozent Aussteller auS dem Ausland«, gegen llO.fi Prozent auf der diesjährigen FruhjahrS- I messe. Schnellzugs-Katastrophen. Paris, 29. August. Heute nachmittag ent. gleist« der Schnelling Pari S—R ofyan bei Mlgns-le-Dicomte. Der Zugsführer wurde getötet, 25 Net sende wurden verletzt. New Port, 29. August. In der Ätäh« von tTucumari(Neu-Mexiko) ist in der vergangenen Nacht der Schnellzug LoS-Angel«S—Cht• eago von einer Ellenbahnbrücke in«inen ÄebirgSfluß hinabgestürzt. Die Krücke war durch starke Restenfälle schwer beschädigt worden. Die Lokomotive und sechs Wagen liegen im Bett deS Flusses. Bisher sind sechs Tote und etwa 40 Verletzte auS den Trümmern geborgen worden. Ein, Lokomotive entgleist. Die Staatsbahn, bircklion in Königgrätz meldet aus StarkoL: Sestern um 5.02 Uhr entgleiste in Kilometer 21.345 zwischen den Stanonen Schwarz« K o st«l c c—S tarkoö aus der Streck« Josefov- Haromök—Trautenan die Lokomotive des Zuges Nr. 1002 mit einer Wagengarnitur. Personen wurden nicht verletzt. Der Verkehr wurde bis 8.30 Uhr, zu welcher Feit die Strecke freigemacht wurde, durch Nmstetgen ausrechterhalten. Die Ursache des Unfalles untersucht eine Kommission der Direktion in Königgrätz. * Schnellzug fährt i« ein« Schafherde Aus ber Strecke Leinerselde— Gotha fuhr Montag eben»»«in Eilzug zwischen den Bahnhöfen Seebach und Großengottern auf«inen Ueberweg in ein« Herde voa 300 Schafen. Der Schäfer wurde tödlich verletzt. Bon den Schafen wurden etwa 78 bi« 80 getötet. Selbstmord im Hotel. Testern nachmittags verübt« in einem Hotel in 8 r ü n n die 20jährige Arbeiterin Leopoldine Thocholkova aus Dien Selbstmord durch Erhängen. Die Ursache ta Tat ist nicht bekannt. „Bollkommeu pazisiziert." HavaS meldet out Rabat: Die letzten rebellischen Eingeborenen im Kreis« Dschebel Bad haben sich ta französischen Verwaltung bedingungslos unterworfen. Hiedurch ist der Ostteil des Troßen Atlas, in welchem früher di« rebellischen Stämme häufig blutige Kämpfe hervorriesen, vollkommen pazisiziert. Zwei Radfahrerinnen tödlich verunglückt. Tin mit drei Personen besetzter Kraftwagen überfuhr am Montag bei Egglsing(Dauern) zwei Radfahrerinnen im Alter von 18 und 28 Jahren. Die beiden Mädchen waren aus der stelle tot. Nack AsugenauSsaaen soll die Schuld die beiden Mädchen treffen, die von der Fahrbahn abgcwichen sind. Wieder eine Kanoldurchschwimmnug._ Die 22jährige englische Schwimmerin Lowrh überschwamm den AermeÜanal vom Kap GriS Nez nach Souch Foreland, östlich von Dover, in 15% Stunden. ES ist dies seit dem Jahre 1930 wiederum die erste Durchschwimmung deS Kanals.— Drei Bewerber um den Goldpokal von Dover, der von der- Stadt demjenigen gewidmet werden soll, der den Kanal La Manche in kürzester Zeit durchschwimmt, haben gestern früh mit dem Wettbewerb begonnen. ES handelt sich um Mercedes G l«i tz e und E. H. T e m m e, die bereit« einmal den Kanal durchschwommen haben, und als dritten Betoerber den«insüß igtn amerikanischen Schwimmer Zihel- man. Daß Hochwasser des Indus infolge deS Durchbruches deS Shigar-DannneS wir« mit großer Sorge verfolgt. DaS Wasser d«S Indus begann gestern zu steigen und hatte bis zum Abend 900 Kilometer von dem Damm entfernt bereits elf Meter über dem Normalstand erreicht. Abschied von der Kinderrepublik. Von Kurt Falk. Unser« Roten Falken flogen schneller al« der nachstehende Bericht auS Parts. Ti« kamen heute in der Heimat an. Auch die schönste Kinderrepublik muß einmal ein Ende nehmen. Die Ferien geben zu Ende und di« Proletarierkinder haben niwt unbeschränkte Mittel zur Verfügung. Schon sind wir aus der bSR. auf der Heimreise. Jetzt aber sind wir noch in P a r IS zu Gast« In der sozialistischen Vorortgemeinde de Rä St. Als die Nachricht von der Ermordung unseres Falkenführer» Felix Fechenbach uns erreichte, fand sich die Kindcrvepublik auf ihrem Festhügel zufanimen, und eine kurze, kehr erhebende Feier verband alle zu sehr nachhaltigem Mitsühlen. Der junge Falke astS Paris, das klein« italienisch« Falkenmadel, der kräftige holländische Rote Falke, sie alle merkten, daß die Märthyrer de» Sozialismus in Deutschland auch für st« gestorben sind, und der Schwur: L i o« r t 6— Freiheit, mit dem die Feier schloß, klang aus Kameradsdiaitslest Betaic großen Revolutionäre sind vor ihren Augen' au» der Vergangenheit lebendig geworden. Den Eiffelturm haben sie natürlich auch gesehen, sogar in Abendbeleuchtnng, und auch di« M o na L i s a im Louvre hat ihnen zugelächclt. Sie werden noch lange zu erzählen haben. Sogar auf dem Kongreß! der Sozialistischen International« waren sie und ind zusammen mit den Delegierten mit einem Dampfer die Seine hinuntergefahren, um in Sureiucs, in einer anderen sozialistischen Vorstadt, begrüßt und bewirtet zu werden. Eine Woche früher tvaren sie mit der gesanr- teil Kinderrepublik in Apern und nahmen an einer gewaltigen Frieden»- und antifaseistischen Demonstration teil. Don den Gräbern der viel«« Hunderttausend«, die dort begraben liegen, zogen sie, das junge frisch« Leben an der Spitze eines Zuges von vielen Tausenden, und erlebten international wohl di« gewaltigste Manifestation für den Frieden, di« st« bis dahin gesehen hatten. Ileberlzaupt, das ist das größte Erlebnis diese» Lager», eS war wirklich international, und e» gelang, eine Gefühlswelt und Willensimpnlfe echter sozialistischer Jnternationalitar zu wecken. Wir fingen mit dem Kameradschaftsfest an, und das Fest war wirklich nur der Ausdruck echter Kameradschaft, die in allen bewußt lebte. begeisterten Gruß Freundschaft und Freiheit schloß. Aber di« Kinderrepublik hat nicht nur gefeiert. Bei der Sprachmannigfaltigkeit sind schon die Vorbereitungen dieser Feier ernste A r b e i t. Neigungsgruppen übten Sprech chöre und Gesänge, BewegungSchor und Gym- n a st i k. Wandzeitungen wurden illustriert und»rit mehrsprachige»! Text heransgegcben. Eine ozeanographisch« Gruppe brachte cs sogar zu einer Ausstellung von allerhand Tier- und Pflanzen- tvelt de» Meeres. Auch für Gesetz und Ordnung war gesorgt. Die Pa rla m e n t s wa h l e u wurde» durch eifrig« Agitation vorbereitet. Kein nationaler Ehrgeiz, sondern Fragen persönlichen und sach- lickst'n Vertrauens wurden für die Wahl entlchei- dend. Die Deutschsprachigen hatten sich größeren Einfluß gesichert, als ihnen sonst zahlenmäßig zugekommen wär«, und auch von unseren Kindern auS der öSR. saßen zwei im Präsidium deS Par- lamentS. ES war also schon eine richtiggellende uud gute Kinderrepublik. llud als wir Abschied voneinander nahmen, da wußlen wir alle, die Kinder wie die-Helfer: Di« Sozialistische Internationale lebt. Sie lebt al» eine Wirklichkeit in den Herzen und Hirnen unserer Roten Falken. Heute noch«oi« internationale Kinderrepublik als Urlaub von der bürgerlichen Welt, morgen die gr.'ße sozialistische Republik der internationalen Arbeiter klasse! guftlzyeschltzten. Der Eid. El» junger Mann, der vor Gericht als Zeuge vernommen werden sollte, wurde vom Vorsitzenden ge- fragt, ob er sich über die Bedeutung des Eide» im klaren sei. „Nein", sagt« er. Der Richter war etwa» ratlos und meinte, der Eid und seine Bedeutung sei sicherlich auch im Schul- unterricht des jungen Mannes behandelt worden, er müsse sich doch daran noch erinnern können. Ti« Antwort war auSiveichend Ter Richter schüttel!« den Kopf und versucht««S nun mit einem sehr verklausulierten Satz, den er dem aufhorchenden Zeugen ins Gesicht hieb. Vorsichtshalber fragt« cr aber noch einmal, ob er verstanden worden sei. „Nein," hieß«S prompt. Jetzt riß dem Richter di« Geduld und er rief: „Also di« Dache ist ganz einfach tie: Wenn da», was Die mir jetzt sagen, nicht wahr ist, dann werde» Sie eingesperrt. Erheben Di« die recht« Hand und schwören Siel"' Endlich klappt« die Sack»«. Götz von Berlichingen. Ein tschechischer Anwalt, der einen bäuerlichen Klienten wegen einer Zahlung gemahnt hatte, erhielt von diesem aus offener Karte folgende Antwort: „Sehr geehrter.Herr Doktor! Götz von Bei- lichingcn, dritter Akt, Szene auf Jnxthaulen, Götz... Ihr ergebener N. N." Borm Gericht— sah man sich wieder. Ter Dauer halte seinen Goethe dabei, schlug die fragliche Stelle aus und las vor:" „Wir werden uns verteidigen, so gut wir können." DaS Gericht lächelt«, der Nmlianwatt lacht«, da» Publikum brüllt«. Aber der klägerische Advokat führte aus, daß allein di« Zitierung de»„Götz von Ver- lichingen", insbesondere auf offener Karie, derart eindeutig beleidigend« Wirkung hab«, daß«in« Ver- urteilung auf jeden Fall am Platze sei. Und da» Gericht schloß sich, wenngleich lächelnd, den Ausführungen des Klägers an und verurteilte das schlaue Bäuerlein zu einer kleinen Straf«. Verfälscht« Butter. * Marie B. tritt in den Verhandtungssaal. Die ist eine Butterstandlerin auf dem Kremser Wochenmarkt. Richter:„Die haben Butter verfälscht, hab'» 2' pantscht?" Angeklagte:„Bei uns dahoam wird net pantscht, bei uns wird nur onständi buttert," Richter:„Sie sind ledig, haben Sie schon«in Kind?" Angeklagl«:„Ja". Richter:„Jetzt iverden Sie auch noch eine Strafe dazu kriegen." Angeklagte(entrüstet):„To müss'n S' fcho den Franzt slrosa von der Gendarmerie, inän der iS da Doada... Gerichtsvollzieher. Alexander DumaS wurde einmal gebeten, zur Beerdigung eines lm Elend gestorbenen Gerichtsvollziehers 25 Franken beizusteuern. Duma» entnahm seinem Dchreibpult 800 Franken nut den Worten: „Hier nehmen Di« und lasten Sie dafür ein Tutzeitd beerdigen." Arbetterottorn zöaert ihr immer «och? Bede» Arbeiterttnd ne- härt zu den Sloten Falten. Seite 8 Mittwoch, 30. August 1988 Ar. SOS tionär eingestellt sind, fo must mit bei« SJtr« b o t gerechnet werden. Gegen dieses unerhört« Vorgehen der Regierung eines demokratischen Staates must entschieden protestiert werden. Geriditssoal Sand in ote Äugen eines Mo orsahrers. Ei» gesährlicher Bubenstreich. Prag, 29. August. Am 16. Mai b. I. suhr in vorgerückter Abendstunde Johann M a ch a r aus seinem Motorrad durch die Schwärzt» st«letzer D t r a h e in 2 l r a j ch n i tz.^)ni Lichte der Lampe erblickte er einen ihm entgegenkommenden Mann, der keine Miene machte, dem Motorrad auSzuwcichcn, sondern im Gegenteil eine ziemlich hcrauSsordcrnde Haltung annahm. Ter Motorsahrrr wich also selbst aus. Als er an dem Mann vorbeifuhr, machte dieser eine schnelle Handbewcgung gegen ihn und im gleichen Augenblick suhlte Machar einen scharfen brennenden Schmerz tit den 2lu$cn. trS mar ihm eine Handvoll Sand ins Gesicht geworfen worden. Ter Motorsahrrr war im Augenblick vollkommen geblendet, doch gelang es ihm, das Motorrad noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Wäre es etwas schneller gefahren, wäre das Fahrzeug mit voller Fahrt in den Straßengraben gesaust und rin schlimmes Ende wäre wohl unausweichlich gewesen. In dem Attentäter wurde der 25jährige Monteur Anton M a f t i festgestellt. Bor dein Senat K a p l a n halt« er sich heute drS Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit unter Gefährdung von Menschenleben zu verantworten. Ter Angeklagte stellt« die Schuld glatt in Abrede und verflieg sich zu der Ausflucht, daß Machar wohl selbst mit dem Fuß in einen Landhausen gestoßen und sich derart den Tand selbst ins Gesicht geschleudert habe. Tiefe Verteidigung war allerdings absolut unhaltbar und es stand außer Ziveifel, daß hier rin unbegründetes und dabei lebensgefährliches Bubenstück vorliegt. In di« Waagschale fällt noch, daß aus dem 2 o z i u s s i h die Freundin des MotorfahrerS saß, so daß zwei Menschenleben aufs kchwrrste gefährdet waren, Nach durchgejnhrter Verhandlung erkannte der Gerichtshof auf eine exemplarische Strafe. Ter Angeklagte wurde zu acht Monaten schweren Kerkers verurteilt. Mit Rücksicht auf feine Unbescholtenheit und feine Familie wurde die Straf« bedingt ausgesprochen, doch setzte der Gerichtshof dem Angeklagten die außergewöhnlich lange Bewähr ungsfri st von fünf Fahren, in welcher Zeit er sich nicht das mindeste zuschulden kommen lassen oder sonst Acrgernis geben darf, wenn tr die Strafe nicht abstyen will. rb. MaMralsbeamter und Pflastermeister. Eine Anklage»ach dem Korruptionsgesetz. Prag, 26. August. Bor dem Senat Ncdvhd erschien heute der Magistralsunterbeomte Johann t auSmachen sollen. Tafür habe Cingroä die Verpflichtung übernommen, in seiner amtlichen Eigen- ' chast als Aufseher über die von Dvorük durchzusüh- rcndcn Arbeiten ein Auge zuzudrückeu. Einzelheiten sind vorläufig nicht bekannt geworden, "ebenso wenig das Motiv der Anzeige. Ter Angeklagte stellt die Anschuldigungen vollkommen in Abrede. Ta sich die Ladung mehrerer wichtiger Zeugen als notwendig erwies, wurde ans Antrag des Staatsanwaltes dir Verhandlung vertagt, ohne daß die Angelegenheit vorläufig naher geklärt worden wäre, rb. Spor!• Spiel- KOrperpnege Hände weg vom Arbeitersport- und Schutzbund Lettlands! Ter Ouftizminister Lettlands, A. Qsols, hat am 15. August als Gcneralstaatsaiiwalt deut Staatsanwalt beim Krelsgerichl in Riga befohlen, die Schließung des Arbeitersport- und S ch u tzb u n des zu beantragen. Dieser Minister ist Mitglied einer reaktionäre» Rechtspartei, die nahe Beziehungen mit den lettischen und d«u t- scheu F a s c i st e n hat. Die bürgerliche Regierung hat sich als schwach und schwankend rnv'rfen, nm das freche Treiben der fasristischen Ministers einzustellen. Da auch die Gerichte in Lettland reakÄnternationale Techniker-Tagung in Brüssel. Die einheitlickw sozlälistischo Körpererziehung in den Verbänden der SASA. hat in den letzten Jahren große Fortschritt« gemacht. Tic internationalen Lehrgang« haben sehr viel zur einheitlichen Ausfassung bcigelrage». Boni 8. bis 10. September d. I. sind in Brüssel die technischen Leiter von Belgien, Frankreich und Holland beisanimen, um auch >n diesen Ländern zu einer einheitlichen Arbeit zu kommen. Aus dieser Tagung werden bereits di« Vorschläge für di« internationalen MassrnübuNgen 193-1 geprüft. Oesterreich gegen Polen 1:2(2:1). Das österreichische ArbeitersuHballteam trug aus der Rückreise aus Warschau am Sonntag!n Sosnoviee ein zweites Spiel gegen Polen aus, das leinen Werbezweck voll erfüllt«. 5000 Zuschauer bereiteten den Oesterreichern einen herzlichen Empfang. Wiener Arbeitrrsußball. Sonntag begann die Hrrbstmeisterschafttsaifon, die jedoch nur in der ersten Klasse in Erscheinung trat, während die Ligaklubs noch Frenrrdschaftsspiele auslrugen. Erste Klass«: Gruppe Nord: Hochstädt gegen Nußdorf 0:0, Rennweg gegen Läudstraßcr Sportfreunde 8:2(2:2). Tianabäd gegen Ändustricangestellt« 8:0(3:0), Donanfeld gegen Simmering 8:2(2:2); Südgruppe: Hauptwerkstätte gegen BirtuS 8:8(3:0), Neutral gegen Phönizia 5:2(8:2), Waf-Vakuum gegen Gernrania-Ankerbrotfabrik 5:2(2:2), Union 14 gegen Ostbahn-Humantta» 4:2(2:1).— Die EingroK unter Anklage nach dem Korruption S g e s e tz. Tic Anklage legt ihm zur Last, in den Fahren 1928 bis 1930 mit dem Pflastermeister Josef Dvofük in einer vom Gesetz verpönten Verbindung gestanden zu sein. Cingroä war beim Bau- r e s e r a t angestellt und hatte die Aufsicht über die Vergebung und Turchsuhrung von Dauarbciten. Nun hat der Pflastermeister Dvofük gegen Ein- gro» die Anzeige erstattet, in der er anführtr, daß er diesem in der erwähnten Zeit verschiedene Geldzuwendungen gemacht habe, die insgesamt 3000 KL Aus einer Stadt entsteht ein alter römischer Kaiserpalast. Der alte Diokletian-Palast in Spalato, wie er vor 1800 Jahren aussah und wie er nach seiner Rekonstruktion wieder aussehen soll. Tas aus 265 Häusern bestehende dalmatinische Städtchen Spalato baut sich ganz und gar auf den Ruinen des Palastes des römischen Kaisers Diokletian aus. Jugoslawische Archäologen sind jetzt mit dem Plan an die Regierung hcrangctrctcn, die Reste des Palastes Stück nm Stück abzutragen und ihn als bedeutungsvollstes Tcnkmal der Antike in der Nähe wieder anscrslchcn zu lassen. Die bisherigen 3000 Bewohner der Palaslsladt,'die heute in zahllose enge und winkelige Gäßchen, den ehemaligen Gängen und Fluren des Schlosses, zerfällt, sollen dann in ncuzucrrichtendcn Quartieren unlrrgcbracht werden. Freundschaftsspiel«: Schn« gegen Ostbahn Simmering 2:1(2:1),(MDJctf gegen Rudolfthüael kombiniert 10:0(2:0), Zentro-lverein gegen Groß- bard 1:1(1:0), Nord-Wien gegen Helsoot 5:2l (4: 0), Korvin(Budapest) geg. Gerngroß 3:0<1:0), WAE-Stab gegen Wiener Fußballklub 5:0(8:0)' Entscheidungsspiele mn die Meisterschaft vm Oesterreich im Handball und gauftball. Sonmag wurden in Wien di« Endkämpse um die österreichi- schen Meisterschaften im-Handball un- im Faustball sowie di« Meistenschaftsentscheidung des 17. Kreise» im Raffball durchgefühvt. 2m F a u st b a l l behielt überra-schendcttvei-se Attnang-Puchheim mit 52: 40(24:14) über Berndorf die Oberhand. In der Entscheidung um den Handballmeister siel der Titel an die S t o d l a u« r, die den ober- österreichischen Meister Linz.Stamm sicher un) verdien« mit 8:4(4:1) schlugen. Am Rassdali holt« sich Mistelbach mH einem 15:2Sieg über den bisherigen Meister Ahgersdorf den Titel. Neue leichtathletisch« ASkö-Bestleistungen. L«: dem Leichathletikkampf zwischen St. Pölten, Meidling und Zenlralvcrein,-er Sonntag in Wen stattfand und mit einem knappen Siege St. Pöltens endete, stellten im Hochipringen für Frauen tzro- niadka(Zciitralverein) mit 146 Meter und Koth- bauer(St. Pölten) im Speenversen der Männer mit 56.10 Meter neu« Askö-Bestkeistungen auf.— Punktezahl des Wettkampfes: St. Pölten 15?.?, Meidling' 159.1, Zentral««rein 154.9. Kunst und Wissen „Hanigun", 80 jüdische Sänger aus Teutschland, veranstalten heute, Mittwoch, im großen Festsaal der Beth Haam, Dlouha tfida 41, ein Konzert mit synagogalen Gesängen und jüdischen Volksliedern. DaS Ensemble setzt sich aus ehemaligen Solisten deutscher Opernbühnen zusammen und konzertierte bereits erfolgreich in allen größeren Städten und Bädern der Tschechoslowakei. Beginn 20 Uhr, Kärtcnverkauf Abcndkassa. Literatur Joseph Diner-Düne»: Karl Marx, L'Homwe «a son Genie, Paris Librairir Populaire Tu Porti Socialiste 1933.— Ter bekannte Vorkämpfer der ungarischen Sozialdemokratie Joseph Tiner-Töiicr. der sich um die Verbreitung der Marx'schen Lehre im Ungarn der Vorkriegszeit geschichtliche Verdienste erworben hat, lebt seit Jahren im Exil in Paris, wo er als Redakteur des„Populaire" tätig ist. Nichts schöneres konnte er der französischen Arbeiterschaft schenken, als eilte wunderbar geschrieben«, von französischer Geistigkeit durchdrungene Darstellung des Leben» und der Lehr« von Marx. Das mehr alt 250 eng bedruckte Seiten zählende Werk gliedert sich in zwei Teile. Ter erste behandelt Marxens Lebenslauf, hineingestellt in die Geschichte seiner Zeit, der zweite die Philosophie und Oekonomic Marxens. Insbesondere in den zweiten Teil ist dem französischen Volke ei»« Darstellung der Marx'schen Lehre geschenkt, das der französischen Sozialdemokratie sicherlich sehr willkommen sein wird. Möge es ihr vieke neue Bekenner zusühren, das wäre der schönste Dank, den der Emigrant Tiner-Tönes unserer französischen Bruderpartri für die Gastfreundschaft, die sie ihm gewährt, abstatten könnte. E. St. Argentinische Novelle. Don-Hans Ä e st. Don Constancio reitet am späten Abend nach -pause. Der Wind gehl über die Pampas, der -Himmel ist bewölkt. Stumm und in dumpser Trauer steht das Vieh dicht gedrängt aus den Weiden. Der Winter kommt, die Welt ist kalt. Fröstelnd zieht Don Constancio den Poncho dichter um sich. Stößt die Sporen dem Gaul in die Weichen.„Lauf dii Seh necke,»ach zwei legnas, nach-Hanse!" Er beugt sich etwas nach vorne, um dem sausenden Luftzug besser zu entgehen. Das seidene Tuch hält er vor den Mnnd. Die silbernen Sporenrädex klingeln im Takt, ein Nachklang an die Tabcrna in der stacion, wo er heute abends getrunken hat, mährend Tango klagt«. To» Constancio fühlt nach feiner Brusttasche. Tas Schächtelchen ist noch da. Er srenl sich schon über die erstaunte» Auge» von Donna Emilia, wenn sie den schönen grünen Stein sehen würde.„2, der hat wohl viel Geld gekostet.- Nun 50 Pesos— eine Kleinigkeit", wird er leichthin sagen, und dann wird er sie an sich reißen. Tie Pritsche fällt aus den Pserderücken. Sie sausen dahin nur schneller nach-Haus«. „Jo gosto dc t> o alnia da mia Vida." Die Melodie klingt immer wieder an, und immer sieht er ihre dunklen Auge», deren Glan; seine» Weg erstelle», w c sein ganzes Leben. Ja, er liebt keine Frau, er kann es istr aber nicht immer zeigen, will es auch nicht. Man darf die Weiber nicht verwöhnen, wenn man-Herr im -Hause bleiben will. So ist er denn meistens kurz und herrisch.„He. ist der puckero fertig." rusi er, wenn er mittags vom Biehzählrn nach Hauic geritten kommt und sie schon in der Tür stcstt, ihn zu erwarte». Da»» wirik er die Zügel de» Pro» zu und geht erst noch in lein escrivtorio, ohne sich um sie zu kümmern. Er läßt sich rnsen. bis er endlich widerwillia kommt.„Kannst du mir keine Ruhe lassen— ach. was weißt du von meiner Arbeit." Aber er sieht dabei ihr leises Lächeln, und er Weiß, daß sie beide dasselbe dcnlcn, an nachher. So lange er sich erinucril kann, bat sie dieses Lächeln. Schon früher, wenn er als navo abends im Garten vor ihrem Fenster die Guitarre erklingen ließ und hinter dem Gitter ihr blasses Gesicht sich ihm zuneigte. Und auch an jenem Morgen am Brunnen, als er um sie warb — nie wird er das Bild vergessen. Sie hielt den Krug neben sich auf den Brunnenrand gestellt und spielte mit ihren langen schwarzen Zöpfen— plötzlich hob sie ihm ihr lächelndes Antlitz entgegen.„St, senor... si." Und einen Augenblick fühlte er ihre kleine kühle Hand auf seiner. Dann lvar sie fort. Er aber war stnudenlang im Galopp über die Pampas gerast und statte seinen Revolver auf die(reisenden Mövcn abgeschessen. Ti, senor, si senor!" Tas Pferd geht langsam: cs ist stell geworden. Ta ist schon dos-Haus des Kolonisten und der kleine Eukalypthusstain. Er hört die-Hunde bellen. Em Käuzchen rnst. Ton Constancio bekreuzigt sich rasch:„Madonna..." Und der Galopp beginnt wieder. £>. er liebt seine Frau immer noch wie am ersten Tage, und doch sind sie bald ein Jahr verheiratet. Es schmerzt ihn zwar, daß sie kein« K'nder haben; denn er wünscht sich einen Sohn von ihr. Er weiß, das; er sic dadurch fester gewinnen wird. Tenn inimer siihlt er istr leises Lächeln, am stärksten, wenn er sie im Arnic Will. Und selbst im letzten Augenblick, wo andere Weiber den Blick verlieren, sieht sic seltsam ruhig und klar zu ihm ans. Schlagen konnte er sie dann, aber cs würde ja dock) nichts nützen: Niemand kann Liebe zwingen, aber er ist ihrer sicher, und er kann warten. Ja, er wird sein ganzes Glück schon noch erreichen. Er. Don Constancio. Er l>at cs weit im Leben gebracht. Dom einfachen Peon hat er sich zum estanciero raufgearbeitet, er kann lesen und schreiben, und wenn er in die estacio» koinnit, grüßt ihn der delcgado de Policia zuerst. Er hat auch Geld, aber das weiß niemand außer ihm selbst. Nur sie hat einmal gesagt, als er zur Spar- samkcit mahnte:„O, Don Constancio, Iva» sollest wir mit Geld tun, leben müssen wir," Solche merkwürdigen Reden führte sie oft— das hat sie bei den grauen Sckssvestern gelernt. Ja, eigentlich ist sie eine Dame, viel zu vornehm für ihn, obwohl sie auf der Pampas geboren ist, und gerade so die Arbeit macht, wie olle die anderen Fratzen aus dem Camp. Aber es ist doch ein Unterschied. Und wenn Don Constancio auch regelmäßig die Weiber in der collc Mai Pu besucht, wie es fein Recht und Mannespflicht ist— er denkt dabei immer nur an Donna Emilia. Und wünscht, sie in seinen Armen zu halten. Und dach fragt sie ihn nie, wenn er abend» heiistkommt, obwohl sic genau weiß, wo er gewesen ist. Nur einmal nachts, al» sie dann zusammen waren, lwt sie ihn in die Brust gebissen— das Mal ist heute»och wie ein kleiner-Halbnioud zu schen und schmerzt leise, wenn er daran rührt. Der Mond ist hcrausgckommen. Don Con- slancio sicht seine estancia im matten Dämmern. Ter Windmotor klappert, in der-Hürde drängen sich die Lämmer— morgen kommt der corrcdor aus der Stadt. Er springt vom Pferde, löst den Sattel, bindet cs an den Ring. Und borcht nach dem-Hause hin. Alles still, sic scheinen schon zu schlafen. Er geht durch den kleinen Gang, kommt an die Tür, klopft. Keine Antwort. Nur ein Hnnd winselt. Er l)Llt das Ohr an die Tür. Drinnen raschelt etwas, er glaubt leises Flüstern zu hören. Es ist jemand in der Kammer bei seiner Frau. Er lauscht in einer Erstarrung, daß er sein eigene»-Herz schlagen stört— aber seine Hand langt nach dem Messer. Er fühlt, daß d'e beiden darin seine Nähe ahnen; daß sie jetzt lauschen in furchtbarer Angst. Und er sicht ihr blakst» Gesicht, wie sic ihn zu sich herunter zieht, bemüht, seinen schnellen Atem zu ersticken. „Ein nervöses Lacken schüttelt ihn bei diesem Gedanken. Und feile klopft sein Knöchel an den sie vergeblich den dunkle» Dunkeln an Fensterladen.„He. Donna Emilia, mach aus, ich bin's Constancio." Er wiegt das Messer wurfbereit in der Hand. Und hört, wie an der-H.ntcr- feite leise ein Riegel zurückaeschoben wird. Jetzt vorsichtige Schritt auf dem Kies, dann ein schwor zer Schatten.-Hart und sicher siegt da» M.sscr. Don Constancio kniet neben dem Gesallcnen, dreht ihn auf den Rücken. Er kennt den Toten, ein junger Peon von einer nahen estancia. Jung und erstaunt sieht er aus, während ein fe n«s Blutgerinsel aus der linken Mundecke läuft. Der allo war cS, denkt Ton Constancio und wischt sorgfältig sein Messer im scnchten Grasc ab. Dann geht er langsam zum-Hause zurück, und wundert sich selber, wie ruhig sein Herz tchlägt. Er findet sie schlafend aus dem Bett: liegend. Aber unter den geschlossenen Augen- kidern lauert die Angst. Don Constancio tritt sticht an ihr Bett, sieht sie lange an, bis sie aussäbrt und schreit.„Still, keinen Lärm, zieh dich an und komm, ftdj habe eben einen Dieb getötet. Er hatte schon die Türen erbrochen— ich kam zur rechten Zeit— dich zu schützen." Sie hört mit starrem Lächeln ihm zu.„Wir müssen ihn noch stemc nachts begraben, ich will keine Sck;crereien. Ter Delegado ist zwar mein Freund— aber cs ist besser so. Wo sind die Spaten?" S ie hantieren in der Küche, die Frau taumelt plötzlich. Er hält iic fest. Zwingt sie, ihn anznsehen.„Ich weiß, du bist mein Weib, ich kann in allem auk dich rechnen." Und streichelt ihr-Haar, während von ihm wegstrebt. Und dann gehen sie hinaus in Garten. Sie liegen nachher beide im ihren Betten. Don Constancio ahnt ihren Blick, der starr und tränenlos ins Nichts sicht. Er weiß sie wird nie mehr lächeln. Aber er langt nach chrer schlaffen-Hand und streift ihr den Ring über. Er ist wie eine Fessel. Jo goste dc ti. tnnt er halblaut. Dann sinkt er zurück: um zu schlafen. Er ist sehr müde und ganz ruhig. ttaakatkir. t<■ k.— Ck<|itk«lt<«v. StlkC** t a fc a a a.— veraattourMchrr Ärtatttav. Dl*mU Btm). Br»,— Druck: Jtota* N.-G fkt Rettaag. eab Buchdruck, vru-— gtr ta Druck»rruaiw-rlUch: Otta chaUt. iu,— i£u Btl'uatimatfratttitttnt->urü- tn d«r So** a. lilegtatbfnj,r«hl»a«tt Stink Rt 13.800/VIJ11930 öCDtfligL—©— aafrmu MM iaal tad Itflld d-irchu«, M iltnaa RlalAaÜaMM»tUauchlu».— Rücklialuu, w«aaastalp«,«afaUt tn M SMukaaa fr