13. Jahrgang. Donnerstag, 31. August 1933 Rr 203. Mit Totschlägern und Chloroform: Ueberfall in Innsbruck Steidle-Attentäter von Nazis aus dem Gefängnis entführt Innsbruck, 80. August.(AN.) Heute nacht um dreiviertel 1 Uhr wurde der im Landesgerichte Innsbruck in Haft befindliche ehemalige Gauleiter der aufgelösten nationalsozialt. stischen Partei Tirols, Franz Hofer, von drei zum Teil in Heimwehrunisorm steckenden Männern gewaltsam aus seiner Zelle befreit. Franz Hofer und die drei Männer fuhren in dem bereitstrhrnden Auto in raschem Tempo gegen den Brenner, wo das A u t o in Gries am Brenner auf der Strecke leer aufgefunde» wurde. vleLulsener niedergeschlagen Bon amtlicher Seite werden folgende Einzel» Herten bekannt gegeben: Kurz vor 1 Uhr nachts fuhr ein Auto beim CingangStor des Gefangenenhauses vor, dem zwei Männer in Heimwehrunisorm und«in Zivilist, der die Hände so hielt, als ob er gesesselt wäre, entstiegen und in das Gebäude eingelassen wurden. Dem Kontrollor Zeilberger wurde auf seine Frage, was los sei, geantwortet: „Eine gefährliche Einlieferung." In der Ausnahmekanzlei wurde er von den drei Männern überfallen und chloroformiert. Inzwischen kam der diensthabende Ko», trollor B e r g l«S, der die Schritte im Gang gehört hatte, hinzu. Er wurde gleichfalls betäubt, desgleichen der Ausseherstellvertreter Ludwig. Nachdem sich die Täter anS einem Schlüsselkästen «inen Bund Schlüssel geholt hatten, holten str Gauleiter Hofer aus seiner Zelle, in. die sie die Beamten einzuschließen hUsnchten. Ten Schlüsiel zur AusgangStür holten sie anS der Wohnung des Aufseherstellvertretcrs Ludwig und entkamen so. Der ganze Ueberfall und die Befreiung spielten sich in ungemein kurzer Zeit und ohne Lärm ab. Flucht über die Italienische Grenze. TaS Auto fuhr dann in rasender Fahrt in der Richtung zum Brenner. ES wurde sofort der gesamte Sicherheitsapparat zur Dingfestmachung ausgenommen. Der Oberinspektor der Innsbrucker städtischen Polizei H i ck l schlug mit dem Polizeianto sofort die Richtung gegen den Brenner ein, wo er knapp fünf Minuten nach dem flüchtigen Auto eintras. klner der Flüchtlinge angestossen? Ein Gendarmerieposten am Brenner ver. suchte, daS Auto durch Rufe anzuhalten, doch fuhr dieses mit unverminderter Schnelligkeit lveiter. Gendarmen sandten dem Auto mehrer« s ch a r s e Schüsse nach. Gegen 5 Uhr morgens wurde das Auto ohne Insassen etwa eine halbe Stunde vor der italienischen Grenze am Brenner auf. gesunden. Man stellte am Wagen an verschie. denen Stellen Schußspnren scsi und auch im Erhöhtuig des ösierteldilsdien Heeresslandes offiziell milgeielll. Paris, 30. August. Die österreichische Regierung gab, wie verlautet, der französischen Regierung ein« Erklärung über die beabsichtigte zeitweise ErhöhungdesStandesderöster« reichischen Armee von 20.000 auf 80.000 Mann ab. Die österreichische Regierung habe hiebei ausdrücklich erklärt, daß sie alle entsprechenden Bestimmungen des Friedensvertrages von St. Germain und insbesondere die Bestimmungen über das RiistungSmaterial respektieren wird. Ausdrücklich wurde auch erklärt, daß di« beabsichtigte Vermehrung des Heeresstaudes nur zeitweilig ist und daß eS sich nicht nm di« Einführung eines obligaten Militärdienstes, sondern um daS Miliz» Wem handelt. Wagen fand man Blutflecke. Auch aus der Strecke wurde«»Blutspuren gefunden. Man nimmt daher an, daß einer der Insassen des Kraftwagens durch di« Schüsie der Gendarmen verletzt worden ist. Im Auto sand man die Personaldokument« des Gmileiters Hofer sowie einig« Kleidungsstücke, außerdem eine Aktentasche mit einem zwischenstaatlichen Führerschein und«ine« Trypique für Deutschland, Italien und di« Schweiz. Ter Führerschein lautet auf de« Namen S ch i ch. Im Wagen wurden ferner«in« Stielhandgranat«,«in« Eierhandgranate, 24 Stück Revolvermunition ge« sunden. Verhaltungen In ganz Tirol Die Grenze gegen Italien wurde hermetisch abgeschlossen. Man glaubt, die Flüchtenden, wenn sie sich nicht schon aus italienischem Boden befinden, noch sasien zu können. Nicht nur in Innsbruck, sondern auch in ganz Tirol wurden zahlreiche Führer der NSDAP— bisher 70— lvegrn dieses Porsalleü v« r h a s t e t. * Flitgliedcr-Vcrzcidinls der Nazi-Jugend von der Salzburger Polizei gelungen Salzburg, 30. August. sLiaenborich 1.) Gestern winde hier bei oem HamdclSangcstelltcn Fr. Schönbach, der tschechoslowakischer Staatsbürger ist,«ine Hausdurchsuchung voraenommen, wobei den Polizriorganen ein vollständige» Verzeichnis der Mitglieder der Hitler-Jugend und des Hille r- In n g v o l k s des Gaues West, der Oberösterreich, Salzburg und Tirol umfaßt, in die Hande fiel. Dei Polizei kennt nunmehr all« Mitglieder der beiden Orgmiisationen in den genannten drei Bundesländern und hat auch Einblick in den Arrfbau der Nazi-Organisation. Kennzeichnend ist, daß von dem Ergebnis der Hausdurchsuchung zahlreich« Schulbehörden benachrichtigt werden mußten. ver zweffi der Sudeten deutschen Einheitsfront Deutsch-tschechische Antimarxistenfront. Von Dr. E, Franzel. „Wir sind also einem innerpolilischen Umschwung in der Republik näher, als manche glaube»... und unsere nationale Politik steht vor dem Problem, ob eine autoritäre Staats- sorm sich unbedingt gegen das Sudelendeutsch' lu»i aurwirkcn muß, oder ob cs möglich i st, die nationale Politik des Sudetendeutschtums in diese Entwicklung rin- z u s ch a l t c n... Es tritt daher auch von diesem Gesichtspunkt aus dir Frage der a n t i m a r n i st i s ch c n, s u d c t e n- deutschen Einheitsfront gebieterisch an sich heran und fordert ihre Lösung. Leitartikel des Teplih-Schönauer Anzeigers vonl 27. August. Im Iulihcst der„Tribüne" schrieb ich: „Daß der tschechische F a s c i§ m u s bei de« Nationaldciiiokratc» beginnt und über die Agrarier, einen Teil der Nationalsozialistc»t» die Liga»»d die noch immer nnbedeutrndc Obre faüisticka bi« zu Rosche, Horpynka und Jung reicht, k o m m t der Arbeiterklasse... er st langsani zum Bewußt- s c i n." In langsam und keineswegs in dem Tempo, in dem sich aus der Gegenseite die Erkenntnis durchsetzt, daß keine Zeit zu verlieren und nicht rasch genug Grundsätze, Illusionen, Vorurteile und traditionelle Ansichten prciszugeben sind, will man zu der rapid heranrciscnden Entscheidung nicht zu spät koinmcn! Wir haben an dieser' Stelle unmittelbar nach dem Komotanrr Parteitag der Nazi, dann neuerlich nach der Rede Rosches im Abgcordiictcnhaus und nach den Loyalitätslundgcbungcn, die Jung nach dem Wicdercrscheinen des„Tag" in diesem abgeben ließ, auf die eigentliche fascistischc Gefahr in der Tschechoslowakei, nämlich ans die Möglich leit eines deutsch-tschechischen oder doch cincs von der fudctendeutschen Bourgeoisie flankierten nnd gedeckten tschechischen FasciS- m u S mit Nachdruck hingewiesen. Ich habe in dem schon zitierten Leitartikel der„T r i b ü n e" ausführlich den Risikogedanken des tschechischen FasciSiiiilS, der sich aus der Kompliziertheit des Nationalitätenstaates ergibt, nnd die fudctcii- dentschcn Tendenzen, den tschechischen Fascismus von seinem Risiko zu entlasten, dargcstcllt. Die demnächst erscheinende Broschüre der Partei, die der antisascistischcn Kampagne der Hcrbstmonate als Waffe dienen soll, geht von der These anS, daß der tschechische Fafcisulus ohne die Fasci- sierung des Sndelcndeutschtums und ohne die so geschaffene Rückendeckung für Kranial, Stribrny nnd Hvdüc nicht denkbar ist. Trotzdem begegnet man in weitesten Kreisen nicht nur der weniger geschulten Arbeiterschaft, sondern auch der soziale stischen B c r t ra u c n s mä n n e r noch immer dem B o r u r t c i l, eine Koalition zwischen der sudetcndentschen und der tschechischen Bour geoisic fascistischcr Richtung sei nicht möglich. Noch immer glaubt man, trotz der deutschen Er fahrungen, die Nazi oder sonst eine nationale Partei seien ihrem Programm irgendwie ver pflichtet und müßten sich, weil sic seit vier Iah ren die nationale Selbstverwaltung und Gleichberechtigung im Mankc führen, auch im Ernstfall für sie cinsehcn. Als ob eine Bewegung, die in , Deutschland ihr Programm in seinen 25 Punkte» verrate» und jedes Wort ihrer Führer schamlos Lügen gestraft hat, sich scheuen würde, die Kleinigkeit eines Programmspunktcs zu opfern! Aber auch aus einem anderen Grunde erkennt die Masse nicht die drohende Gefahr. Sie denkt noch in den Überkommenen Formen, sie sieht den Staat mit den Augen des Liberalismus als Rechtsstaat, die Parteien noch als die den Wah lern und dem Staat verantwortliche Instanz zur Produktion und Weiterleitung politischen Massenwillens, nicht als de» Selbstzweck, den sic int totalen Staat darstcllcn, sic kann sich das Wcscii der llmwandlung des Staates und der Umwertung aller politischen Begriffe nicht vorstcllc», obschon wir mitten in diesem Prozeß stehen. Daher begegnet man vielfach ungläubigen Miene», Wenn nian als die unvermeidliche» Konsequenzen eines weiteren nngchcmuiten Fortschreitens des Fascismus im sndctendeutschcn Lager die Koalition des tschechischen mit dem sudetendeutschen Fascismus erklärt. kür die Abrostung aller Wiker Resolution der Gemeinsamen AbrOstnngsKommlsslon der S. A. I. und des l. G. ß. Am 24. August hat di« gemeinsame,»er Generalstreik da« letzt« Mittel der Arbeiter- Abrüstungskommissio» der sozialistischen s klasse gegen»en Krieg Arbeiter-International« und des 3ntcr-. bleibt, wenn alle Mitcl politischer und parlamen- nationalen GewerkschastSbundes die nach-! torischer Einflußnahme versucht wurden nnd sich stehende Entschließung gefaßt:! unwirksam erwiesen haben. Im Rahmen der gegen- Der I. G. B- und die Konferenz der Z. A. I.«artigen internationalen Verträge ist der Augenstellen fest, daß die Abrüslungskonsereuz des Vüllcr-s blick für diese äußerste Kraftanstrengung der.lrbci- bundes zu positiven Abriistungsmaßnahmen gelangt!lerllasfe bestimmt nur die 2ch ,ed Sgc r i ch t s- ist. Andererseits haben die ständige Durchbrechung barkeit, sei cs, daß der Vorsitzende des Volker- des BölkerbundpaktcS und der Verträge durch Japan, bnndrates die schiedSgerichtIick>c Entscheidung auf die Ausbreitung des Fascismus in Europa infolgr! Grund des Artikels I I der Satzung herbcifuhrl, fei ------■- i-»» daß«ine Regierung sie in Anwendung des osscnkundige Wille zur geheimen W!ederausrüsluug,s den der deutsche Fascismus nicht vcrhelt, zur Wir-“**** kung, daß die Menschheit zugleich von einer Verstär kung der Rüstungen, zu der die großen Länder ent schlossen scheinen oder sich resigniert haben, und von den Möglichkeiten eines Krieges bedroht ist. der alle! ersaßen wird. Tiefe Feststellungen zwingen di« Völker und die Regierungen, und besonders die Arbeiterklasse, dem Ernst der Situation ins Auge zu sehen, die ihren! Ursprung besonders in den Wiederaufrüstung--> bcstrebungen einer Regierung hat, die alle demokra tischen Recht« und Freiheiten vernichtet, zur Gewalt nach außen hin entschloßen ist, wir sie cs zur Gewalt im Innern des Landes ist, und die«ine Mystik des Revanche- und Eroberungskrieges fördert. Die Abrüstungskonferenz des Völkerbundes muß unverzüglich ihre Arbeiten mit der festen Absicht ansnehmen, zu einer wirksamen Reduktion der Rü stungen zu gelangen, die allein imstande ist, die Kriegsgefahr einzudämmen. Di« 2. A. I. und der I. G. B. betonen von! neuem ihren gemeinsamen Standpunkt zugunsten der Gleichheit der Rechte imd Pflichten aller Ra-s tionen, die keineswegs in der Wiederaufrüstung «rgend eines Landes ihren Ausdruck findet. Unter den Maßnahmen, di« die 2. A. I. und »er I. G. B. als wesentlich betrachten und die in folge der geheimen Rüstungen, der Unterdrückung der politischen und getverkschastlichen Organisations freiheit, der Preße- und Meinungsfreiheit noch dringlicher geworden, sind, nimmt fiir sie den ersten Platz«in die vollkomm«»« Abschaffung der privaten Waffen fabrikation und die Errichtung einer Kontrolle, di« ständig und an Ort und Stell« in allen Lander« fungieren soll. Der I. G. B. und die S. A. I. fordern drin gend alle Angehörigen der ihnen angrschlosscnen Arbeiterorganisationen auf, di« Errichtung und die Tätigkeit dieser Kontrolle tatkräftig zu unterstützen. In voller Uebereinstimmung mit dem Vrüßcler Gewerkschaftskongreß 1933 erklären die 2. A. I. und der I. G. B., daß der'Machtergreifung Hillers in Deutschland und der, i Paktes fordert, oder wenn beides nicht der Fall ist, I. G. B. nnd 2. A. I. selbst die schiedsgerichtliche Entscheidung angesichts des Ernstes der internatioua- > len Ereignisse fiir»numgänglich notwendig halten. Jedes Land, da» sich weigert, diesen Weg zu be- l schreiten, muß von der internationalen Arbeiterbewegung als Angreiscr angesehen werden. i Von diesem Augenblick an ist es die Pflicht der organisierten Arbeiter, den Generalstreik in diesem Lande auszulösen. Di« Pflicht der Organisationen der anderen Länder ist es, diese Bewegung zu unterstützen und den Boykott des AngrciferlandcS zu organlfiercn. Dir beiden Internationalen lenken die Aufmerksamkeit der Welt auf die Gefahren, die die ständige und tolerierte Tterletzung der allgemeinen Pakte und Verträge zur Folge Hal. Auf diese Weise wird die Autorität der internationalen Instanzen herabgefetzt und mit jedem Tage wird mehr und mehr eine Wiederkehr zur internationalen Anarchie möglich, die bereit- den Krieg von llll l hervorgerufen I und in jüngster Zeil infolge der Nichtbeachtung der neuen internationalen Verträge einen Eroberungskrieg im äußersten Osten zur Folge gehabt hat. Di« Regierungen mögen sich bewußt sein, daß der Sozialismus und die Arbeiterorganisationen ihnen die ! Verantwortung auferlegen werden, wenn sie sich ! nicht zu einer entschiedenen und kraftvolleren intcr- I nationalen Politik entschließe». Im Augenblicke, da die Umtriebe der sascistischen Regierungen zu jeder Unruhe und zn jedem Miß- ■.rauen Anlaß geben, obliegt den demokratischen Re- I gierungcn die unbedingte Pflicht, diese Verletzungen > Internationaler Kotwcntioncn nicht zu dulden und an keinerlei Intrigen in der Frage der Abrüstung leil- ' zunehmen. Di« AbrüstungSkonscrcn; kann weder verschwinden, noch sich selbst aufgcbcn, nm die Bahn zur Wie- 1 deraufrüslung, zu einem neuerlichen Rüstungswett- ' lauf im bewaffneten Frieden und zur Wcllkalastrophe ' freizugebcn. Ein Vertrag über weitgehende Abrüstung, die ‘-r genauen Kontrolle unterliegen soll, ist eine '/.chcrhcitSgarantie für alle. Er muß endlich abge- schlossr» werde«. Sette 2 DomierStog. 31. August 1933 Nr. 208 ®et im Motto zitierte Leitartikel des„Tep- litz-Schönauer Anzeigers", also eines gleichgeschalteten Provinzblattes, dessen führende Rolle der der Fascisierung des sudelendeutschen Bürgertums nicht zu verkennen ist, gibt uns einen — im Grunde sehr dankenswerten— Blick in die Werkstatt der fascistischen Reaktion frei. So offenherzig hat noch niemand die Karten aufgedeckt, wie der Autor dieses Artikels und ich möchte annehmen, daß er es nicht aus Mangel an politischem Geschick, sondern in vollem Bewußtsein tut, aus der richtigen Erkenntnis heraus, daß in gewissen historischen Situationen die brutale Wahrheit opportuner ist, als das faktisch geschickte Verbergen des Zieles. Den Artikel des„T.-Sch. Anzeigers" hat einer geschrieben, der den Sinn des Lassalleschen„Aussprcchen dessen, was ist" begriffen hat. Zum erstenmal wird hier nicht von der Sudetendeutschen Einheitsfront schlechthin, sondern von der Antimarxisti-I scheu Einheitsfront gesprochen und als ihre Aufgabe wird ohne alle Umschweife die Ein-s schaltung des nationalen Sudetendeutschtums ins die neue Negierungsfront erklärt. Der Artikel ist; zum Unterschied von dem üblichen Geschimpfe des hunnisch gleichgeschalteten Blattes leidenschaftslos geschrieben. Er geht von der ohnes Zweifel richtigen Ansicht aus, daß die Aera desi liberalen Staates auch bei uns vorüber ist und daß wir uns aufdem Wege zum autori t ä r c n(besser zum„totale n") Staat befinden: „Es läßt sich noch nicht voraussehen, wie sich diese Entwicklung;um autoritären Staat vollziehen wird, aber daß sie im Gange ist, damit muß man heute bereits rechnen." Der damit verbundenen Kraftprobe werde die agrarisch-sozialistische Koalition nicht gewachsen sein. Richtiger wäre viellecht die Vermutung, die Agrarier seien nicht gesonnen, die Sozialisten in das Regime eines totalen Staates cinzubeziehen und seine Machtmittel mit ihnen zu teilen, aber der Effekt ist für das sudetendeutsche Bürgertum natürlich der gleiche. Der Leitartikler des„Anzeiger" hält es nun für keineswegs ausgemacht, daß die neue Staotsform „sich unbedingt gegen das Sudetendeutschtum auswirken muß", obschon die Tendenz zugleich antideutsch und anti- marxistisch sei. Hier muß man sich natürlich im klaren darüber sein, daß sich die Interessen des„Sudetendeutschtums", wir schon die Bürgerblockära bewiesen hat, nicht mit denen der sudetendeutschen Bourgeoisie decken. Nur von diesen ist in dem Artikel die Rede. Gegen sie also werde sich der Fascismus nur dann auswirken, wenn sie ungeschickt manövriere. „Welcher Weg eingeschlagen wird, hängt in weitem Maße von den Sudetendeutschen selbst ab. Die sudetcndcutschc Politik muß sich bewußt sein, . daß solche Entscheidungen an sie herantreten können. Wenn sie hierfür gerüstet fein will, muß das Sudetendcutschtum in einer politischen Formierung dastchen, die es einerseits den Tschechen ermöglicht, mit ihm zu verhandeln, und andererseits den Deutschen eine würdige Vertretung sichert." An der wird's nicht fehlen! „Das Denken der Parteien muß a b- g e l ö st werden von dem Denken der Rationen." Folgt der schon zitierte Passus über die ,,a n t i- marxistische sudetendeutsche Einheitsfront". Da» Ganz« ist da» klarst« politisch« Programm, da» sich dir sudrtrndrutschr Bourgeoisie geben kann. Die Entwicklungstendenz zu verstärkter und parteiisch gebilndencr Staatsautorität al- notwendige Folge der sich verschärfenden Wirt- schaftrdeprcsslon ist erkannt, nicht minder die Notwendigkeit, alles über Bord zu werfen, was die deutsche Bourgeoisie dieses Staates an Erbgut der Vergangenheit beschwert, auf 1918 wird ausdrücklich verwiesen. Man will nicht wie 1918/19 im Schmollwinkel stehen oder sich in eine hoffnungslose nationale Kampfstellung drängen lassen, man will dabei sein, wenn der Marxismus geschlachtet und das Fell verteilt wird. Alle„Belange" müssen dem einen Weichen: Rettung des Kapitalismus! Daß auf der tschechischen Gegenseite die Neigung oji einem internationalen Bourgeois- Fascismus vorhanden ist, läßt sich besonders nach der Abmilderung der staatlichen Kampagne gegen den Nazifascismus behaupten. Das Koket tieren zwischen tschechischnationaler und nazioti-s scher Presse beweisest, daß man den sudctcndcut- fchen Fascismus in Reserve hält. Nur wenn di« Arbeiterklasse die foscistische Gefahr klar erkennt, sich durch kein Vorurteil und kein gegnerisches Ablenkungsmanöver beirren läßt, sic dort zu sehen, wo sie wirklich aufsteigt und wo der Feind zum Schlage ausholt,nur wenn diesözialdemokra- tischen Parteien in den nächsten Monaten umsichtig, energisch und mit raschem Entschluß, vor allem auch mit der Kraft und dem Willen zu radikalen Offensibstößen gegen den Fascismus operieren, wird die Gefahr, die spätestens im Frühjahr 1934, vielleicht aber tatsächlich schon im Herbst dieses Jahres akut sein kann, gebannt werden! Massono üar Bestimmungen N§ 82 dar G.-0. Durch die Regierungsverordnung vom 29. Juli 1933, Slg. 163, wird auf Grund der außerordentlichen Berordnunosgewalt nach dem Ermächtigungsgesetz Slg. 95/1933 dem 8 82 der G.-O. eine neue Faflung gegeben. Dieser Paragraph der G.-O. paßte in seiner Fassung schon längst nicht mehr in die neue Zeit und unsere Gewerkschaften haben wiederholt ernstlich versucht, dessen Wortlaut zu modernisieren. Bor allem waren es die Absätze h) und i), die den Unternehmern eine billige Handhabe boten, Arbeiter fristlos zu ent lasten, die sich in irgendeiner Art unbeliebt gemacht hatten. Diese beiden Absätze gaben dem Unternehmer die Möglichkeit, während der Dauer des Arbei tsverhältnistes einen Hilfsarbeiter ohne Kündigung zu entlasten, wenn er h) mit einer abschreckenden Krankheit behaftet, oder durch eigenes Verschulden arbeitsunfähig war. oder wenn die unverschuldet« Arbeitsunfähigkeit über vier Wochen dauerte; i) durch länger als 14 Tage gefänglich einge- haltrn wurde. Durch di« bereits angeführt« Regierungsverordnung, die am 10. August d. I. kundgemacht wurde, werden diese beiden Absatz« endlich gestri- Zlonisten-Kongreb. Auseinaudersetzunge« der Stake« mit der Siechte«. Auch die Mittwoch-Verhandlungen deS Zio- nistenkongresses standen im Zeichen der Generaldebatte, dir in den Abendstunden zu Ende geführt wurde. Redner aller Fraktionen kamen zu Wort; dir Orthodoxie war am Mittwoch besonders aktiv und ließ mehrere Redner aufmarschieren. Die Orthodoxen, konservative Reaktionäre vom alten Schlag, beklagten sich über die Lockerung der traditionellen Bindungen in Palästina. An diesem Zusammenhang richteten sie heftige Angriffe gegen di« Arbeiterpartei, der sie Terrorgelüste und Klassenkampfgcsinnung zum Vorwurf machten. Registriert zu werden verdient, daß sich der tschechoslowakische jüdische Abgeordnete Dr. Emil Margit li«S als Gegner der palästinensischen Arbeiterschaft bekannte, wenn er auch, nicht ganz logisch, versicherte, daß er deshalb kein Feind der Arbeiter geworden sei. Einigermaßen unerfindlich ist, weshalb Herr MargulicS für Palästina gleichsam b c- sondere politische Formen verlangt. Meint er vielleicht, daß den Wischen Arbeitern der Sozialismus Nebensache, der Zionismus jedoch chen. Bon nun an wird«» also ausgeschlossen sein, aus den in den beiden Absätzen angeführten Gründen Arbeiter fristlos zu entlasten. Damit ist ein Zustand beseitigt, der wahrlich«ine Kulturschande war. Wenn also jetzt. Arbeiter, die mit einer abschreckenden Krankheit behaftet sind oder durch eigenes Verschulden arbeitsunfähig wurden, oder wenn ihre unverschuldet« Arbeitsunfähigkeit,über vier Wochen dauert, oder wenn sie durch länger als 14 Tag« gefänglich eingehalten wurden, gekündigt werden, dann können bei solchen Einzelentlassungen im Sinne der Bestimmungen des 8 3 des Betriebsausschüstegesehes die BetriebS- ausschüss«, wenn sie eine solche Kündigung als eine ungerechtfertigt« Härte empfinden, die Schiedskommission zur Entscheidung aufrufen. Ergänzt wurde durch di« gleich« Regierungsverordnung auch der Absatz b) deS 8 82, der nun in der neuen Fassung lautet: b)„zu der mit ihm vereinbarten Arbeit unfähig befunden wird, au ß«e r Krankheit und Unfall". Di« Ergänzung, di« durch die Unterstreichung hervorgehoben ist, ergab sich zwangsläufig durch die Streichung der Absotzc h) und i). Hauptsache sein soll? Hier ll«gt eine Konfusion vor, über die man nur bedenklich den Kopf schütteln kann. Der Arbeiterparteiler Neustadt(Polen) verlangte in einer eindrucksvollen Rede nachdrückliche Berücksichtigung der Forderungen der jüdischen Masten durch die Exekutive. Dem Abschluß der Generaldebatte folgten die Erwiderungen der Exekutivmitglieder. Der Sozialist Verl Locker wandte sich in scharfen Worten gegen die Revisionisten und verlangte vom Kongreß dir Annahme von Be- schlüsten, die et der Exekutiv« in Zukunft ermög- lichcn sollen, disziplinlose, die Organisation unterwühlende Elemente rücksichtslos zu entfernen. Prof. Boretzki polemisierte gegen den amerikanischen Delegierten Stephan Dis« und den Re- visionisten Schachtmann, wobei er davor warnte, die Araberfrage in l-eichtfertigrr Weise zu behandeln. Jeder Versuch, dir Annäherung vou Juden und Araber» hrrbrizusühren, müsse auf» wärmst« begrüßt werden. Präsident Sokolow, der den Reigen der Redner abschloß, erteilte mehr oder weniger sanfte Rügen nach allen Seiten und rief die Delegierten zur zionistischen Einigkeit auf. Kr polemisierte auch gegen die Sozialisten, wobei «v u. a. ausführtc, daß er während der Reden der Arbciterdelcgierten manchmal das Gefühl gehabt habe, auf dem Pariser Sozialistenkongreß zu sein. Am Donnerstag mittag wird eichlich die Revisionisten-Entschließung bekanntgegeben werden. Sie soll, wie bereits durchsickert, sehr feierlich gehalten sein, inhaltlich aber stark kompromißlerischen Charakter tragen. Die„demokratischen" Revisiouisten haben sich endgültig von Zabotinsky losgelöst und eine neue Partei, die„Juden- staatSpartei" gegründet, die— demokratisch, antimarxistisch und stramm militaristisch eingestellt sein soll. Ein bißchen viel auf einmal! rte Natiouatvemolraten als Bewunderer des HiUerfafrtrmnr. Die„Nürodni lisch", das Zentralorgan der sogenannten national-„drmokratischen" Partei, haben sich«ine ganz besondere Demokratie zugelegt. Für den internen chauvinistischen Gebrauch möchten sie am liebsten aus jedem deutschen Staatsbürger der Republik einen Haken- kreuzler machen, der hinter Schloß und Riegel gehört. WaS dagegen an fascistischen Heldentaten von jenseits der Grenze kommt, das findet dir uneingeschränkte Billigung dieses Blattes, das sich auch einmal an ferne anständige und liberale Vergangenheit erinnern sEe. In wahrer Verzückung wird über den Nürnberger Parteitag der Nazi berichtet, daß der Bau der Tribünen auf 2.5 Millionen Mark komme, das Riesenfeuerzeug gar auf 10 Millionen Mark und nachdem 600.000 SA- und SS-Männer anrücken fallen, so werde der Lohncntgang ebenfalls gegen 10 Millionen Mark betragen, den die Industrie bezahlen müsse. Ein wenig wird ja die Industrie bedauert, aber man spurt eS stoischen den Zeilen, daß die Herren sick nicht besonders wehren würden, für eine so gediegen« Schutztruppe des Kapitals auch bei uns ctwa- zu stiften. Dor wenigen Tagen druckte das Blatt der auSrongiertcn Hofrätc wieder wörtlich«inen Schtvindeldericht des Wolff-Bureaus über die Ergebnisse der Arbeitsbeschaffung in Deutschland ab, wonach die Zahl der Arbeitslosen innerhalb eines halben Jahres um zwei Millionen zurückgegangen sei. Di« gesamte anständige Weliwrrsse ist davon überzeugt, daß eS sich hier um Schwindelmanöver handelt, man weiß, daß die Hit- lerianer Leute, die nicht unterstützungsberechtigt sind, aus der Arbeit werfen und die Stellen mit bisherigen Unterstützungsempfängern besetzen, man weiß, daß die Hakenkreuzler die Arbeitslosen zwangsweise in die Provinz schaffen und sie gegen einen„Taglohn" von 30 Pfennig den Bauern anhängen, die sich dann um die Verpflegung kümmern müssen, man tvciß, daß zahllos« Arbeitslose unter den nichtigsten Vorwänden aus der Wohlfahrts- und Krisenunterstützung gestrichen werden, um so di« Zahl der offiziell anerkannten Arbeitslosen zu senken: daS alles weiß man, aber es hindert nicht ein seriös sein wollende- Blatt, di« Tatsachen auf den Kopf zu stellen, um daraus auch für die eigenen fasci- ftischen und nationalistischen Gelüste Kapital zu schlagen. Wenn die„Nürodni lisch" die„Fruchtlosigkeit" der internationalen sozialistischen Bestrebungen belächeln und auch noch den traurwrn Mm aufbringen, die deutschen Emigranten zu verhöhnen, so kann man ihnen nur darauf sagen, daß eS eben die Vernünftigen in einer Welt von Narren schwer haben. Und wer die Zustände im Tollhaus lobt, der wird sich wohl im Klaren darüber sein, daß er nicht der Vernunft dient. 9 Der Goldfasan oder Die letzte Nacht des Mandarins Wang-Li-Kung Eine Legende von Frilx Rosenfefd Conyright 1933 by Bfcherrtlde Gutenberg. Zürich. Von einem.Haus lief Wang-Li-Kung zum anderen. Der Wind fuhr durch sem Haar, spielt« mit seinem Bart. Frost schüttelte ihn, Fieber fraß in seinem Blut. Di« Fackeln lohten; um die einen stand eine Säule von Rauch, um die ander« spannt« sich ein Bogen frnchten gebrochenen Lichts, geheimnisvoller Schleier um eine uckcnde Flamme. In jeder dieser Flammen war erloschenes Leben, das wieder aufbrannt« für drei Tage und drei Nächte. Die Toten gingen wieder durch die Häuser, sie saßen wieder am Tisch, die Freunde und Berwandien ahnten ihr« Gegenwart. Sie lebten unsichtbar neben den Menschen, die noch in ihren Körpern gefangen waren, und ffillten alle Straßen, alle Städte. Durch schmale, mit bunten Wimpeln und weißen Fahnen verhängte Gasten, an vielen Schenken vorbei, kam Wang-Li-Kung zum Blumenmarkt im Schatten der Edelsteinpagodr. Feng hockte hinter seinen Körben, eine Blume zwischen den Zähnen. Neben ihm lag der durchbohrte Koffer wie ein toter Vogel, den der Pfeil eines Jäger- aus den Lüsten herabgeholt hat. Wang-Li-Kung blieb vor dem Knaben stehen. Diese Augen, dachte er, diese Augen... Und nun tvußte er: diese Augen hatte ein Mädchen gehabt, das er«inmal geliebt... nein, darr in seinen Armen gehalten und mit Gewalt bezwungen, um einen Feind ins.Herz zu trefstn. Er sann nach: Es waren die Augen Man-; dielleicht hatte er bei allem Haß, der damals seine Seele erfüllte, diese Augen doch geliebt... Darum bracht« Hang-Lien den Knaben als Gehilfen in seinen Garten! WaNg-Ll-Kuna will in die Tascke greifen und Feng ein Geldstück reichen— da dringt ein schrilles Lachen an sein Ohr und hundert Stimmen lärmender Kinder. Ein dicker Bär tappt über die Straße, eine Kette hängt an seinem .Hals, aber niemand wagt eS, die Kett« zu ergreifen und daS Tier zu lenken. Die Kinder ziehen den Bären an den Ohren, am Schwanz, bewerfen ihn mit kleinen Steinen, lausen davon, wenn er brummt, kr«ifchen, wenn er den Schädel wendet, und strampeln vor Freude, wenn er sie stumpf und verständnislos anblickt. Da werden die Augen Wang-Li-KungS riesengroß und die Angst sitzt ihm wieder im Nacken. Alle Kinder haben«inen Herzschlag lang daS Gesicht Fengs, sie tragen eine Blume zwi- schcn den Zähnen, m ihren Händen halten sie zerschlissene Koffer, in denen sie viel Sehnsucht tragen, aber diese Sehnsucht ist wie eine welke Blume, sie lebt nicht mehr auf. Wang-Li-Kung weiß nun, und er hält den Atem an in diefem Augenblick, daß unendlich viel ungelebtcS Leben wie ein zerstäubter Duft über dieser Erde ist, zwischen den Blumen schwebt, auf dem Gras liegt, wit Tau am Morgen. Er weiß auch, daß mehr Sehnsucht in dieser Welt ist, als ein Mensch zu fassen vermag. Da siedet das Blut in ihm, der Bär wird riesengroß vor seinen Blicks», Wang-Li-Kung wendet sich uni, lauft nach Hause, der Bär ist immer hinter ihm, seine Augen glühen, seine Tatzen sind erhoben, eS ist, als setze daS dunkle Tier zu einem Sprung an, der Wang-Li-Kung zermalmen wird. Bären sind nicht wie Tiger, sagt sich Wang-Li-Kung, als er an einer Ecke Atem K; Bären springen nicht. Aber da kocht wie- 6 Blut in den Adern, daS Herz fliegt, die Schläfen tzochen, seine Besinnung zerrinnt, der Bär ist wieder da und jagt ihn vor sich. Tanns ist eS, als liefe vor Wang-Ä-Kung der Goldfasan, vor dem Goldfasan aber liefe Hang-Lien, vor Hang-Lien liefe Feng, und der Goldfasan liefe dem Gaukler nach und dem Knaben, und hörte nicht die schmeichelnden, bittenden Rufe dcS Mandarins. Dann verwandelt sich der Fasan in Jüan, der Bär in Tschung-King, und dann ist daS Lachen da, daS unermeßliche, erdaufwüh- lende, sternzerschmetternde Lachen, das Hang- Lien lachte, als der Kopf seines Sohnes Tschung- King auf den Boden rollte. Nun sicht Wang-Li-Kung nur noch Man vor sich, das Mädchen mit den dunklen Augen Fengs; er denkt nur an die Stunde, da man dieses Mädchen abschnitt von seinem Tor, an dem es sich erhängt batte, e'n Opfer, das sich an seinem Mörder rächte. Wang-Li-Kung kann SiestS Tor nicht berühren, als er wieder vor seinem HanS steht, die Diener öffnen es vor ihm, di« Diener schließen eS hinter ihm. Wang-LiKung jagt über den Rasen, als verfolge ihn der Bär, er stößt seine Knechte beiseite, brüllt eine Magd an, gibt keine Antwort, als der Hausboimeistcr ihn fragt, waS er zu Abend speisen woll.'. Der Haushofmeister macht große Augen, ob er W«in bringen und die Lichter entzünden solle? Nein, schreit der Manonr-n, es brennen genug Lichter heute Nacht in Tai-Tschai, man solle ihn in Frieden listen mit den dummen Fragen. Wang-Li-Kung tvirjt sich auf sein Lager, bohrt den Kopf in die Polster. Draußen lodern die Fackeln, er will lle nicht sehen, draußen rollen die Gongs, er will sic nicht hören. Er preßt die Kisten an die Ohren und die geballt« Faust an die Augen, sein Kopf ist eine einzige, große Wunde, nton müßt« den Arzt holen, er ist krank, aber wo ist der Arzt, der ihm Heilung bringen könnte? Seine Schläfen glühen, daS Herz hämmert, das Blut rollt lauter als draußen die GongS; nichts sehen, nichts hören, nichts denken, sich abschließen von der Welt und nur der Sehnsucht nach Frieden leben. So liegt Wang-Li-Kung in dieser Nacht, die voll dunkler Träume ist. Er verstopft die Ohren und verhüllt die Augen, aber er kann den Blick nicht töten, der zurückwandert durch die Zeiten, er kann die Erinnerung nicht abwürden, die wie«ine riesenhafte, gespenstige Gestalt aufsteigt, über ihn hinauSwächst und mit ihm spielt wie ein Kind mit einer Puppe. Damals war Tschung-King ein Knecht Wang-Li-KungS gewesen. Der Mandarin hatte ihn in die großen Wälder gesandt, um Jagd auf den Goldfasan zu machen. Tschung-King kehrte nach drei Wochen heim; der Fasan, den er brachte, trug auf der Stirn ein rote- Mal. Da warf ma» Tschung-King in den Kerker; der Fasan aber sollt« Wang-Li-Kung und seine Freunde zu dem verborgenen Schatz führen. Doch der Fasan leitete sie in die Irre, sie gingen drei Tage im Kreis und standen schließlich wieder vor Tai-Tschai. Da ließ der Mandarin seinen Knecht holen und befahl ihm, den Fasan sreizulassen und chm in die Wälder zu folgen, bis er den Schatz gefunden; vielleicht enthüllte 'ms Tier dem Jager sein Geheimnis. Tschung-King blickte den Mandarin au- großen, klaren Augen fest an und sagte: ,,Der Schatz, um den der Goldfasan weiß, ist nicht das Gold. Wang-Li-Kung; der Schatz i die ewige Sehnsucht." Wang- Li- Kung lachte und alle seine Freundc lachten mit chm. Sie nannten Tschung- King einen Narren und warfen ihn wieder m den Kerker. Der Goldfasan aber kam zu den anderen Vögeln in da- Gehege und wurde von Wang-Li Kung als der kostbarste Schatz seine- Gartens gehütet. (Forlsetzuiig folgt.) ft. 203 Donnerstag, 31. August 1933 Seile 3 Die Taktik im Kampfe gegen den fascismus! Aus der Rede Otto Bauers auf der Internationalen Konferenz in Paris. Kill der Partelvorftaud der, kommunistischen Parte! den Kampf gegen den Fascismus? Wir lesen im,( CJlütf auf!": Ter kommunistische Vertrauensmann Hermann Werner aus Haberüpirk ist unseres NissenS nach Mitglied des Parteivorstandes der kommunistischen Partei in der C3:R. Wenn man von der Annahme auSgcht, daß die Mitglieder des ParleivorstandcS wohl in erster Linie über die Politik ihrer Partei informiert sind und diese Politik in ihren Handlungen zum Ausdrucke dringe», so wirft sich einem unwillkürlich die Frage auf, wie muß in der kommunistischen Partei der Kampf gegen den FasciSmnS aeinelitt stin und geführt locrdc». Hermann Werner äußerte sich einem unserer Genossen gegenüber bei der Diskussion über die reichsdculschen Verhältnisse dahingehend, daß cs ohne Diktatur nicht obgehc»nd er, wenn er von der kommunistischen Partei abginge, lieber zu den Hakenkreuzlern als zu den Sozialdemokraten gehen würde. Dies ist «in Ausspruch eines Mitgliedes des kommnni- stischci« ParteivorstandcS, Verurteilte Hakenlreuzler. Am 29. August wurden vom Reichcnbergcr Kieisgerickt die Nationalsozialisten Oslo r schaur>ch, Alois Schlesinger auS Johannesberg und Joses Posselt aus Gablonz zu je drei Monaten st r c n g e n A r r e st verurteilt. Die drei tvurden wegen Vergehens gegen den 8 17 des Schulgesetzes angellagt. Sqourich und Schlesinger hatten im Mar dieses Kahres mehrere Rc.sen nach Zittau und Görlitz unternommen und dabei Verbind»««, gen mit der S. A. angcknüpft. Bei einer Reise wurden sie in Ullersdorf durchsucht, wobei bei Schlesinger unter dem Schweißlcdcr seines Hutes versteckt, ein Brief eines gewissen Moder an Bosselt in Gablonz gefunden wurde. Blöder ist tiche- chojlowakischcr Staatsangehöriger und Mitglied der S. A. In dein Brief waren Anweisungen über die Ausbildung und Aufnahiiie von Ausländern in der S. A. enthalten. Bei Schaurich wurde ein Zettel mit der Adresse des Moder gesunden, die von Posselt geschrieben war. Die Au- ocklagten leugneten natürlich jede Schuld tliid suchten ihre Reisen nach Deutschland und ihre Perbindung mit der S. A. als Gcschästsverbin- dungcn hiilzustellcu. Den Brief wollten sie von einem Unbekannten erhalten haben. Das Gericht nahm aber die Anklage wegen staatügcfährlichcr Umtriebe als erwiesen an und verurteilte sie zu der angeführten strafe. Grund und Boden für Arbeitslose? Die Prager Gemeinde trägt sich mit der Absicht,'Arbeitslosen Grund und Boden zu überlassen, damit diese sich ein« Wohnung errichten und sich durch die Bearbeitung des Bodens ernähren. Dts Ministerium für soziale Fürsorge hat, wie dar„Pravo Lidu" meldet, zu diesen» Projekt bereit- seine Zustimmung ausgesprochen. Gegenwärtig wird die Sache vom Ministerium für öffentliche Arbeiten studiert. Die Entscheidung liegt ab«r beim Finanzministerium, das fiir diese Zwecke billiges Geld bewilligen soll. Aufmerksam- leit muß auch das Pilsner Projekt erregen, wo man Kolonien junger Arbeitsloser gründen will, die nach kollektivistischen Grundlätzen organisiert sind. Die Benzin-Spiritus-Mischung wird teuerer. Eine Verordnung über die Preiserhöhung des Anlriebstosfes, wahrscheinlich um 10 Heller pro Liter, ist mit größter Wahrscheinlichkeit in kür- zester Zeit zu erwarten. Die Preiserhöhung ist eine Folge der Verteuerung des Spiritus um 50 Heller auf 6 Kronen für 1 Liter. Die von Hitler-Deutschland und vom fascisti- sehen Italien inszenierte pazifistische Komödie, die ihren Höhepunkt im Bierinächtepalt»nd in der Während Deutschland emsig rüstet und seine Jugend militärisch drillt, läßt Italien keine Ge- legcnhcit unbenutzt vorübergchcn, um die in den Schwarthemden Heranwachsende Generation gegen di« Nachbarländer zu Hetze». In den Hauptstädten Italiens z. B. fuhr vor kurzer Zeit das oben- abgcbildete, mit bewaffneten Schwarzhemden besetzte Lastauto. An beiden Seiten desselben hing «in Plakat. Links oben an einem Baume hängt «in Jugoslawe, darunter ist ein dickes Schwein Zur Begründung der Resolution, die aus der Jntcrnalionalcn Sozialistischen Konferenz in Paris beschlossen wurde, hielt Otto Bauer eine Rede, die wir im Auszug bereit« verössciitlicht haben. Wir tragen noch einig« interessante Stellen aus dieser Rede wörtlich nach: Die Flethoden des Kampfes. Es ist ganz selbstverständlich, daß die Methode» des Kampfes der Arbeiterklasse in den Ländern, wo sie vorn FasciSinus unterjocht ist, ganz andere sein müssen, als in den Ländern der Demokratie. Wir haben diese Verschiedenheit der Methoden zu zeige» gehabt. Wir haben zuerst in unserer Resolution von den Ländern gesprochen, in denen der Fascismus gesiegt hat. In diesen Ländern kann es keinen anderen Kampf geben als den revolutionären, es führt kein anderer Weg zur Befreiung als die revolutionäre B o l k s e r h e b u n g, die nicht nur den FasciSinus politisch aufhebt, ihn nicht nur militärisch entwaffnet, sondern niil seinen Wurzeln beseitigt, indem sic das kapitalistische Privateigentum an den konzentrierten Produktionsmitteln aushcbt, indem sic die Grundlage einer sozialistischen Gesellschaft mit kräftigen Schlägen durch Kollcktivisicrung des großen Eigentums in Staat und Land schasst, nm dann erst auf dieser Grundlage, auf der Grundlage einer sozialistischen Ordnung der Wirtschaft eine sozialistische Dcniokratie zu errichten. Es haben sich Genossen gefunden, die gemeint haben, cs habe keinen Sinn, heute über Ereignisse zu sprechen, von denen man leider heute noch nicht sagen kann, wann sie kommen. Wenn wir das dennoch getan habe», so wieder aus dem Grunde, weil wir dabei an jene deut- scheu Arbeiter gedacht haben, für die heute die Verbreitung jedes Flugblattes die Gefahr von fünfzehn Jahren Zuchthaus, Konzentrationslager, Mißhandlung und Folterung bedeutet. Muß sich nicht der deutsche Arbeiter heute daran erinnern, wie großherzig und gnädig die deutsche Arbei- tcrklassc in der Stunde ihre» Sieges mit denselben Gegnern umgegangen ist, von denen sie heute so furchtbar mißhandelt wird? (Lebhafte Zustimmung.) Müsse» sie sich nicht heute sagen, daß, ob immer es möglich gewesen wäre, 1918 oder 1919 die Wurzeln der Konterrevolution zu beseitigen — darüber zu streiten hätte heute keinen Sinn —, ein zweites Mal, wenn sic zur Macht kommen werden, die Revolution unvermeidlich weit über d a s h i n a u s g e h c n muß, was sic 1918 erreichen konnten.(Stürmischer Beifall.) Die Verteidigung der Demokratie. Wir mußten anderseits von der Lage in den demokratischen Ländern sprechen, und es war selbstverständlich, daß wir da an die Spitze setzen mußten den Ausdruck unserer Entschlossenheit, die Demokratie dort, wo sie besteht, zu verteidigen und zu erhalten. Liber wir mußten uns auch mit dem Problem beschäftigen, wie die Demokratie zu verteidigen ist. Ta war es ganz selbstverständlich, daß in der Debatte die Beratungen des letzten Parteitages unserer f r a n z ö- zehnjährigen Garantie des europäische» Friedens gehabt hat, wird durch das nachstehende Bild am Besten illustriert: mit den Buchstaben SHS. auf dem Bauche. Di« rechte Seite des Plakates zeigt eine Zeichnung der dalmatinischen Küste und auf dieser breitspurig ausgepflanzt ein Schwarzhenid nut siegreich crholvnem Gewehr. Diese Kriegspropagandafahrt wurde auch als Flugblatt in jenen Gebieten Jugoslawiens verteilt, die teilweise von Italienern bewohnt sind. So sieht also die Friedensliebe Mussolinis aus! fischen Genossen nachwirkten. Dort wurde in scharfer Form der Gedanke ausgcdrückt, daß die Demokratie sich in dieser Zeit nur behaupten kann, wenn sic viel Kraft und viel Tatkraft zeigt. Und das ist wahr, Genossen, diese verelendeten Massen— und ich rede da gar nicht nur von den Arbeitern, sondern von Kleinbürgern, von Bauern, von Intellektuellen— diese verelendeten Massen sind heute sehr unzufrieden, heute scheint cS ihnen, als ob ein Parlament nicht Tatkraft genug, nicht Fähigkeiten genug hätte, das Problem dieser zerrütteten Welt zu meistern, und es ist gar kein Zweifel, daß dieser Eindruck sic zu jenen Kapitulationen vor der Sklaverei des FührcrlumS drängt, zum Gedanken, das Volk könne sich nicht selber regieren, cs brauche einen Herrn, der cs von der Rot befreit. Alls dem Parteitag unserer französischen Genossen ist die große Frage erörtert worden, ob die Teilnahme an der Regierung, die Unterstützung von Regierungen zulässig ist; uild diese Frage steht ja im. Zusammenhang mit diesem Problem. Gerade dieses Gleichgewicht der Kräfte in Koalitionsregierungen erzeugte ja nicht selten jene Situation, die breiten, verelendeten Massen den Eindruck gab, die Demokratie sei nicht imstande, sich dahin oder dorthiil zu entschließen, sie kann kein Problem meistern, nur ein Herr kann uns ans der Rot herausführen. Deswegen haben wir in der Resolution gesagt: täuscht euch nicht, die Demokratie zu verteidigen ist notwendig, aber behaupten kann sich die Demokratie nur, wenn sie das Vertrauen der arbeitenden Masten, der Arbeiter, der Kleinbürger, der Bauern, sich bewahrt, daß sie handeln kann. Und da« bedeutet: gefährlich für die Verteidigung der Demokratie ist alles, was die Sozialdemokratie, den SozialiSmilS selbst, des Vertrauens breiter Masten beraubt, indem er selbst den Masten als bloßer Teilhaber einer konservative», diese elende Gesellschaft konservierenden Macht erscheint. Schöpferisch und gegen den Fascismus wirklich wirksam ist, was die Demokratie zu einer sozial umwälzenden, gegen die Plutokratie. schützenden und sic aus ihrer Herrschaft verdrängenden Macht erhebt. Und tvenn wir von den Methoden in sascisti- schcn und demokratischen Ländern gesprochen haben, so mußten wir drittens sprechen von den Methoden in denjenigen Ländern, in denen die Demokratie noch nicht begraben ist, aber inernster, unmittelbarster Gefahr ist, wie etwa in meinem Lande. Darüber hatten wir nach der deutschen Erfahrung nur eines zu sagen: diese deutsche Erfahrung hat vor allem gezeigt, daß die furchtbarsten und schwersten Opfer, die eine Arbeiterklasse im Kampfe gegen den Fas- ciSmuS bringe» muß, imnier noch leichter sind als die Opfer, die ein widerstandsloses Nieder- geworfenwerden der Arbeiterklaste auserlegt. (Stürmische Zustimmung.) Die Ueberwindung der Spaltung. Zu den Methoden gehört noch eines: Wir haben selbst die Arbeiterklasse gelehrt, daß eine der Hauptursachen ihrer Niederlage vor allem in Deutschland die Spaltung der Arbeiterklasse gewesen ist, und deswegen lebt heule nach der deutschen Niederlage mehr denn je in der Arbeiterklasse die S e h n s u ch t n a ch Beendigung des Bruderkrieges innerhalb der Arbeiterklasse. Der Streit zwischen der Kommunistischen Internationale und uns hat seit 1918 die ganze Geschichte der internationalen Arbeiter- bewcgung bestimmt. Aber ich glaube, daß unendlich viel, was in diesem Streit gesagt worden ist, heute erledigt ist durch die Lehre» der Geschichte selbst. Die Kommunistische Internationale mag noch so laut und so entschieden gegen die bourgeoise Demokratie deklamieren, die Arbeiter, auch die kommunistischen Arbeiter, die den Fascismus erlebt oder doch die unmittelbare Gefahr des Fascismus vor sich gesehen haben, wissen heute, daß cB dafür steht, die Demokratie zu verteidigen. Und umgekehrt wird eine noch so entschiedene Feststellung, daß wir den Weg der Demokratie, den Weg der legalen Mittel zur Errichtung des Sozialismus wünschen, heule doch Wohl dort, wo der Fascismus komnit, dort, wo die Bourgeoisie uns dieses Mittel entreißt, uns zwingen, auch andere Wege zu gehen, nicht nur zur Wiedereroberung der bürgerlichen Demokratie, sondern auch andere Wege zum Sozialismus selbst. Deswegen ist es meine tiefste Ucbcrzeu- gung, daß, wenn die Spaltung der Arbeiterklasse nie zu rechtfertigen war, sie heute weniger denn je gerechtfertigt werden kann. Da« fühlen heute Millionen Arbeiter. Und tvenn ich gesagt habe, daß cS unsere wichtigste Aufgabe sein muh, heule diese enttäuschten, diese hoffnungslosen, diesen resignierten Masten zu ermutigen, so wiederhole ich, was insbesondere Leon Blum gesagt hat: daß nichts die Arbeiterschaft so mit neuen« Mut erfüllen würde als ein entscheidender Schritt auf dem Wege zur Einigung des Proletariats.(Lebhafter Beifall.) Ans der Arbeiter Turn- und Sportbewegung. Der diesjährige Herbst- und Winter- Schulnngsplau. In den koinnicnden Herbst- und Wintermonaten wird der Heranwachsende Funklionörstab des Atus durch ein« systc>na lische Schulungsarbeit gehe». Eingcleilel wurde diese Arbeit durch eine Schule jugendlicher Funktionäre, die gemeinsam vom Atus und den« Internationalen Metallarbeiter- Verband in der Jugendherberge in Neu-Ohlisch in Jnteruatssorm durch acht Tage stattfand. Diese Art der Schule, in der Harle körperliche Schule mit Borträgen und Diskussionen abwechsclten, kann als sehr gelungener Versuch einer neuen Form der Schulungsarbeit gewertet«verdcn. Das Durchschnittsalter der 27 Teilnehmer betrug 20 Jahre. Ende Oktober sindct'in Aussig eine Zentralschule für Kinder- turnwaric statt, die anschließend in allen Bezirken wiederholt werden muß. Jin Jänner«verdcn die Funktionärinnen des Atu« zu einer einheitliche«« Ansblldnng in einer mehrtägigen Schule iu Aussig zujammcnbcrnfcn. Auch diese Schule«vird in allen Bezirken Wiederholt werden. Zu Beginn des Frühjahres werde«« Borlurncrprüsungen abgc- halten u««d die F u ß b a l l f u n k t i o n ä r c geschult. Blumentag 1933 am 24. September. Der diesjährige Alnmentag des Atus sindct an« 24. September stall. Alle dabei hereingcbrachlen Mittel werden zum Ausbau der Kinder- und Ju> gendabtcilungc» verwendet«verdcn. 20.000 Arbeiter- linder«verdcn gcgcmvärtig vom Atus betreut. Arbeitslosigkeit und Not sind auch auf die Alus- Kindcrableilungcn nicht ohne Einwirkung geblieben. Wenn die in« Atus bisher so erfolgreiche Betreuung der Arbeiterkinder im Interesse der gesamten Arbci lerbewcgung fortgesetzt«verdcn soll, dann«uüssen die Mittel, die die Eltern ost nicht mehr ausbringcn können, durch die Aligemeinhcit sichergesielll«verden. Es ist zu erwarten, daß der Blumentag am 24. September eine«« wesentlichen Teil der notwendigen Mittel zmn Ausbau der Äinderableilnngen bringen «vird. Fußball-Bnndcomcistcrschast. Die Wiederholung des Endspiele» um die Bundes-Meisterschaft ist für den 47. September in Z u ck in a u t c l angesetzt. Es stehen siä« Graslitz und Krochwitz gegenüber. Weber irelgelassen Die Schweiz verlangt Bestrafung der Schuldigen. Bern, 30. August. Die deutsche Regierung hat nach der Demarche des Schivcizer Gesandte.» in Berlin in'Angelegenheit der Bcrschlcppiing des tschechoslowakischen Staalsangehöriqeu Hermann Weber nach Deutschland schnell reagiert und bereits heut« fast allen Forderungen der Berner Regierung entsprochen, lieber Anordnung der Berliner Regierung ivurde Hermann Weber durch Polizeiorganc nach der Schweiz gebracht und den schweizerischen Behörden übergeben. Durch die Rückschaffung Webers nach der Schweiz ist d«e Affäre noch nicht liquidiert, da die Berner Negierung auch die B c st r a s u n g d c r Schuldigen gefordert ha'. Man erivaricl, daß die deutschen Behörden auch in dieser Hinsicht der Schweiz Genugtuung geben«verden, da es sich um einen außerordentlich ernsten Vorfall handel'. Nazi WIrlsthaii in Oesicrrcidi Strafanzeige und Ausschluß. Wien, 39. August. usgcschlos- s e n«vurdcn, und zwar der Organisator der Wiener geheimen Nazi-Zentrale Steiner und seil« Freund D i t s. Beide gehören zur Riehl- Gruppe. Steiner«vnrdc, wie erinnerlich, durch die Veröffentlichungen der„RcichSpvst" über die Verbindungen der österreichischen Nazis nrit amtliche«« deutschen Stellen bekannt. Untersuchung der Reichvtagsbrandstiftung in» Ausland.„Times" teilt mit, daß der„Internationale Untersuchungsausschuß unabhängiger Juristen", der die Verteidigung der in« Reichstagsbrandprozeß Angeschuldigten übernehmen und die wirklichen Brnndstister feststellen«vill, an« 2. Septcniber in Paris zuscnnmeinreten soll und seine Sitzungen spater nach London»«rlegcn »ub. Faselst Ische Kriegshetze So sieht Mussolinis Friedensliebe aus! DM Seite 4 9onner*ta& 81. August 1938 Nr. 208 SrklSrvng. 2n bezug auf den in dieser Zeitschrift am 30. jyuni 1933 unter dem Titel„Aus einer Filiale des dritten Reiches" veröffentlichten Artikel, erklären ivir, daß wir die gegen Herrn Alg. Schubert erhobenen Beschuldigungen, er hätte auch andere strafbare und unehrenhafte Handlungen begangen, als jene politischen Delikte, wegen welcher derzeit gegen ihn ein Strafverfahren anhängig ist, zurücknchmen, da sic auf unrichtigen Informationen beruhten. Bezüglich des weiteren Inhaltes des Artikels, soweit er sich mit der Person des Herrn Aba. Schubert besaht hat, erklären wir, daß wir nicht die Absicht batten, ihn an seiner Ehre zu verletzen, weshalb wir dies« Acuhcrungcn als unbegründet widerrufen. Die Redaktion. T agesneuigkeiten Aus der Streike ermordet? Lokomotivführer und Heizer. Darmstadt, 30. August. Aus d-r Bahnstrecke Raurrheim-Äclstcrbach an der Blockstelle Mönchs- Hof wurde in der vergangenen Rächt der 43jah- rige Lokomotivheizer Michael B r c ck n c r aus Mainz in schwer verletztem Zustande aufgefunden. Auf dem Transport nach Frankfurt am Main ist er gestorben. Brcckncr fuhr als Heizer mit dem Lokomotivführer Hißnaucr aus Mainz auf der Lokomotive des fahrplanmäßigen Per- fonenzugcs. Be> der Einfahrt des Perfoncnzuaes tu Ranitheim rief Hißnaucr dem Bahnmeister zu. daß sein Heizer Brcckncr auf unerklärliche Weise von der Lokomotive verschwunden sei. Da das Verhältnis zwiichett dem e.otcn und seinem Lokomotivführer kein gutes gcivcscn sein soll, wurde der Verdacht geäußert, daß der Lokomotivführer an dem Tote des Heizers nicht unschuldig sei. Hißnaucr wurde deshalb in Haft ge- nommen. zwei Autokataftrophen in Brünn. Brünn, 30. August. Heute früh um 6 Uhr stieß in der Krapfengassc vor dem Zollamt das Personenauto ,W 3773", das in Richtung Zeile fuhr, mit der elektrischen Straßenbahn, die in der Nichnmg zum Freiheitsplatz fuhr, zusammen. Das Auto lenkte der Direktor einer Bar Karl Elsner, der bei dem Zusammenstoß schwere Verletzitu- g e n erlitt. Er wurde dem Krottkenhaus zuge- führt, erlangte aber bis jetzt das Bewußtsein noch nicht. Gestern wurde der 20 Fahre alte B. K r a- l o ch v i l aus R e ö o v nach Brünn übersührt, der bei einem Automobilzusammenstoß schwer verletzt wurde. Kratochvil fuhr aus einem Fahrrad und stieß mit dem Automobil des Apothekers Simon aus Rousinov zusammen. Kratochvil ist kurz nach der Einlieferung ins Brünner Kran- kerchaus gestorben. ZV cm Schnee in den Karvathen- Bukarest, 30. August. In den Karpathen hat es heute Nacht geschneit. Aus den Bergen kom- nrettdc Bergsteiger berichten, daß der Schnee 30 Zentimeter hock) liegt. Tie Witterung in Mitteleuropa stehl noch immer unter dem Einfluß eines Druckhochs, dellen Kern nach Polen abgerückt tst. Infolgedessen herrscht hier nahezu überall schönes Wetter. Rach Frankreich, wo gestern stellenweise plus 36 Grad Celsius erreicht wurden, dringt nun sehr langsam kühlere Luft vout Ozean herein und veranlaßt eine Verschlechterung des Wetters. Für unsere Gebiete bleiben jedoch die Weiteraussichten noch im ganzen günstig. Wahrscheinliches Wetter h c tt t e: int ganzen schön, mäßig warm, jedoch bedeutende Tempera turschwankungen zwischen Tag und Rächt, Ostbis Südostwind. Gefchastsmethoden im Drillen Reich. Wenn du nicht zahlst, dann schick ich dir die SA ins Haus! Eine Lctvziger Autosirma— die volle Adresse ist uns natürlich bekannt— glaubt bei einer Kunde eine Forderung in der Höhe hon 35 Mark zu haben. Tic Kunde bestreitet die Richtigkeit dieser Forderung. Daraus bekommt sic von der Firma einen Brief folgenden Wortlautes: „Wir stellen es Ihnen anheim, den Betrag von zirka s! Red.) RM. 35.— einschließlich der Forderung Dessau innerhalb drei Tagen zu johlen, andersalls wir diesen vollen Betrag zuzüglich Zinsen und Mahngebühren der SA stiften werden. Diese werden sich daS Geld dann schon bei Ihnen holen, Was Ihnen also sympathischer ist, können Sie innerhalb dieser drei Tage wählen." Ans welche Weise sich die SA daS Geld„holen" wird, das. kann man sich ungefähr vorstcllcn. Weniger vorstellbar ist cs schon, daß nicht mehr d a S Gericht a n g c r u f c n und angc- droht wird, sondern d i c S A, von der man weiß, daß sie losgcht, wenn cS fick; um Geld handelt. Daß dabei auch die Zinsen cingetricben werden, ist selbstverständlich. Die Firma hätte sich die Sache natürlich noch bequemer machen können, wenn sie etwa geschrieben hätte, daß sic die SA damit betrauen wird, der säumigen Kunde in freund- sicher Weise zunächst das Nasenbein einzuschlagen. Die Technik erobert das Heilige Land. Berlegung von Oelleitungen in der Syrischen Wüste. Um die reichen Delfclder in Mesopotamien- ausbeuten zu können, werden jetzt nach amerikanischem Borbild Rohrleitungen von den Ocllürmen bis zur Mündung des Euphrat und bis nach Haifa(Palästina) gelegt. Dadurch kann das Petroleum ohne Umladung direkt auf die Tankschiffe gepumpt werben. [HUKiiHthniiiiiiillUIHluuiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiliiiiiilUiiiiiiiHiliiiiiiiiiiiiiltHnillllllti'lttlililllllltlliniillltllllMlllllllllilllHilipni'llllllttlUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlllllHIÜIIIIIIIlIinillllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIII „Wunder" des Arbeitsiosenschwunds im Dritten Reich. Ein Beispiel aus dem Grenzgebiet. Samstag, den 26. August, wurden in dem Elektrizitätswerke H i r s ch f c l d e bei Zittau 22 Arbeiter fristlos entlassen. Sic erhielten den bekannten Wisch, daß sie im „staatsintcresse" aufs Pflaster gesetzt würden. Die postcnhungrigcn Braunhemden interessierten sich sofort für die frcigewordenen Stellen. Als sic die Arbeitsplätze beschnupperten, erklärten sie offen, daß sic nur für kurze Zeit Arbeit brauchen. Ta die 22 Entlassenen im Hitlerreichc keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung haben, die eingestellten Nazis aber im Unterstützungsgenuß standen, sind damit wiederum 22 Arbeitslose weniger. Noch dem gleichen Beispiel überall verfahre», bringt das Wunder der Beseitigung der Arbeitslosen zustande. Freilich säen die Nazis mit dieser Methode eine Drachensaal, die eines Tages schrecklich aufgehcn wird. Wir sind nettgierig, ob unsere gleichge- schaltctc Bürgcrpressc auch dieses Beispiel von dem siegreichen Hunnenkamps gegen die Arbeitslosigkeit zu zitieren wagt. Gott ist geduldig. Berlin, 30. August. In die neue General- s y n o d c sind berufen worden: Rcichsimten- ministcr Dr. Frick, Ministerpräsident Göring, Kultusminister R u st, Professor Dr. Heckel-Bonn und Supcrintcitdant Schmula-Bcuthen. Tas größte Blendwerk der Welt. Während in der Hauptstadt des Dritten Reiches die Erziehungsheime gesperrt werden, den unheilbaren Siechen der gleichen Stadt die ärztliche Behandlung versagt bleibt— um sic so aus der Well zu schaffen—, die Unter stützung der Arbeitslosen gekürzt oder ganz eingestellt tvird, währettd zehntauscnde Gefangene in Konzentrationslagern als Zugtiere verwendet werden, bereitet man in N ü r n- berg das größte Feuerwerk vor, das die Welt je gesehen hat. 10 pyrotechnische Facharbeiter mit 300 Helfern sind an der Arbeit, um die Vorarbeiten für dieses Theater durch- zuführen. Riesige Gerüste ans Holz und Beton müssen erstellt werden, um daü Feuerwerk in Szene'zu setzen. Stolz verkündet die bürgerliche Presse, daß am 2. Septeinüer an die 70.000 Explosivkörper die Nacht erleuchten werden, 1500 Pfund schwere Bomben zinn Abschuß.gebracht und-1000 Pfund Rotfeuer verbrannt werden. Wir zweifeln nicht daran; es wird ein Ricsenfeuerwerk entstehen, aber wir wissen ebensogut, daß es in einigen Vier- rclsttindcn zu Ende sein wird und mit ihm der Jubel und die Begeisterung aller jener, die sich an dein Hitlersptik ergötzen werden. Bleiben aber wird die Not des dcutschen Volkes, bleiben die Qual der Gepeinigten in den Gefängnissen und Konzentrationslagern Deutschlands, bleiben die Knechtschaft, in der das deutsche Volk lebt. Mag das Feucriverk die blinden Fanatiker des Dritten Reiches in Extasc versetzen,— neben ihnen werden Mil- lionen zähneknirschend derer gedenken, die den Hunger der Massen durch eiu Feuerwerk, das Millionen kostet, vergessen zil inachen ver- snchen. Für sie wird das Feuerwerk ein Signal zum verschärften Kampf gegen die Cäsarenpolitik der Hitler, Göring und Goebbels sein! Die Gefahren des Barfußgehens. In D e u t k,ch- G i e ß h ü b e l lief der 13jährige Sahn des Landwirtes I. Olcixner über eilt Stoppelstkd und trat barfuß auf eine Schlange, die ihn in den Fußknöchel biß. Er wurde in daS Jglaucr Krankenhaus gebracht. Für die Herbsttagung des Zentralrisenbahn- ratcs hat auf Anregung des Bundes der Vertreter und Reisenden(Fachgruppe des Allgemeinen Angestcllten-Verbandes Rcichenberg) Abgeordneter Genosse Ernst G r ü n z n c r eine Reihe non Anträgen ringcrcicht, welche sich auf die Verbesserung verschiedener Zugüvcrbindungen u. dgl. beziehen. Ermäßigte Eisenbohn-HolbjahreSkarten. Dec B u ndder Vertreter und Reisenden in Tcplitz-Schönau(Fachgruppe des Allgemeinen Angcstektten-Verbandes Reichcnberg) macht auf die Beschaffung von ermäßigten Eisrnbahnhälb- tahreSkarten mit Giltigkeit ab l. Oktober 1933 bis einschließlich 31. Mär; 1931 für organisierte Vertreter und Reisende schon jetzt aufmerksam. Tic Beschaffung kann nur durch die Organisation erfolgen. Auskunft erteilt bcrcitwilligst die genannte Fachgruppe in Tepliy-Schönau, Eichwal- derstraßc 39(Telefon 158). Weltmeister Atjechin kommt in die Tschecho» slowakei. Bereits aus der Schacholympiade in Folkestone verhandelte Weltmeister Dr. Aljechin über eine Exkursion nach der Tschechoslowakei. Laut einem Schreiben des Weltmeisters an Meister Flohr kehrt er bereits in der allernächsten Zeil aus den Bereinigten Staaten zurück.' In fettt Sebrciben erwähnt Aljechin auch feine letzte Rekord-Blindfitunltanproduktiön in Chicago. Aebirlichc Produktionen, sagt Aljechin, bereiten ihm keine besonderen Schwierigkeiten und er wäre bereit, auch in der Tschechoslowakei eine ähnliche Produktion zu veranstalten. Ms den Termin- seines Eintreffens in dor Tschechoslowakei gibt Aljechin die zweite Halste des Monats September an. Billige Reise nach Prag. Mit dem 30. August trat die 33prozcnlige Fahrpreise! Mäßigung zum Besuche der komntenden Prager Herbstmesse in Kraft. Tic Ermäßigung, welche ans Grund der Messekcgitimation znftehi, gilt für die Fahrt nach Prag bis zum 10. September, für die Rückfahrt von» 3. bis I I. September. Für die Unterkunft der Mcsscgästc sorgt die Woimungskanzlci am Wilsonbahnhos, Wartcsaal 1. Klasse. Schildbürger. Zu dein G r c n z; w i s ch c n- fall bei Ra in sc'n an der den lsch-schwcizcri- schen Grenze wird vom Wolfs-Büro mitgeteilt, daß der Festgenommenc bereits Dienstag den schweizerischen Lokalbehördcn zur Nebernahmc zur Verfügung gestellt worden ist. Ta der schweizerische Beamte noch keine Dienst- a n w c i s u n g c n hatte, Weber zu übernehmen, konnte die Ucbcrnahmc noch nicht erfolgen... Lahuscn-Prozeß. Der Lahuscn-Prozeß nahm gestern vormittag seinen Fortgang. Der Antrag, die Angeklagten aus der S ch n tz h a f• zur Unter- j suchung zu bringen, wurde abgclchnt. Nach Ein- s tritt in die Verhandlung des Lahusen-Prozcsscs i schilderte der Angeklagte Karl L a h u I e«I seinen Lebensgang. Er wurde in Delmenhorst s geboren, kam als Zwölfjähriger aus.das human,, stisck)e Gymnasium Bremen, das er 1907 mit dem Abilurium verließ. Er trat dann als Lehrling:n die Norddeutsche Wollkämmerei ein, arbeitete'N sämtlichen Abteilungen der Nordwollc, nur nicht Paris,. 30. August. Ten Informationen des„Petit Parisien" zufolge ist das gesamte Grenzgebiet an den Ostgrenzen Frankreich« vom Elsaß bis»ach Luxemburg und das Saargebiet mit einem ununterbrochenen, zusammenhängenden Verteidigungsgür- tel versehen, der an verschiedenen Stellen mit kleinen Nederlands« st ungen kombiniert wurde. Die unterirdischen Kasematten und Tunnel» sind stark betoniert. Stellenweise gehen die unterirdischen Arbeiten bis in eine Tiefe von 100 Meter». Große unterirdische Bahnhöfe und ein Netz von Eisenbahngeleisen verbinden rasch die einzelnen m tttt Buchhaltung, mit deren Grundzügen er bekannt gemacht wurde. Nach einjährigem Aus. enthalt in Argentinien wurde er Abteilungsleiter der„Rohwolle". Jin Jahre 1912 wurde er Stell- Vertreter seine» Vaters, schließlich einziger Prokurist der Nordwolle. Staatsgefährliche Kreuzworträtsel. Ter Po- lizeipräsidcnt von Frankfurt a. M. fordert die Polizeiämter auf, den Rätsel, und Kreuzworträtsel-Zeitungen besondere Aufmerksamkeit zu widmen, da unter dem Deckmantel von Kreuz. Wort-Zeitungen und Kreuzworträtseln häufig staatsgefährltche und illegale Literatur verbreitet würde. Brandstiftung. In K n tz s i c e bei Iglau gingen in der Nacht zum Montag fünf lond- wirtschafüiche Wohngebäude und Häusleransied- lungen in Flammen auf. Die Frau eines Land- Wirte«, Anastasia Skorpikova, wurde durch einen herabsollenden Balken verletzt. In den Flammen kam eine größere Anzahl von Kleinvieh um. Der Brand wurde gelegt. Kessel-Explosion. In der bekannten Erdöl- rasfinerie„Naphtha" in Drohobycz explodierte Plötzlich ein großer Kessel. Ein Benzin- beyälter von fünfzig Waggons Benzin geriet sofort in B r a n d. Einige andere Behälter, die-00 Waggons Benzin enthalten, sind gefährdet. Sämtliche Feuerwehren des Erdölreviers Drohobycz sind am Löschwerk beteiligt. Geschäft mit USA 1933. Wie die„Neue Freie Presse" meldet, sind bisher rund 15.000 Bierfässer von österreichischen Bindereien nach Anterika geliefert worden. Augenblicklich ist eine Stockung eingctreten, doch hofft man, sie in kurzer Zeit im Verhandlungswege beizulcgcn. Die Toteniufel gefährdet. Die kleine Ins«! P o n t i k o s i it t, die zu Korfu gehört und von B ö ck l i n bekanntlich in seinem meisterhaften' Gemälde„Die Totcninscl" fcstgehalten worden ist, ist durch den Ansturm der Brandung dem Untergang preisgcgebcn. Die griechische Regierung hat sich, noch dem jahrelang auf diese Gefahr hingewiesen wurde, nun entschlossen, eine Ingcnieurkommission nach Pontikosini zu entsenden, um di« nöligen Hilssmaß- nahmen zur Erhaltung der Insel rinznlcitcn. 2500 Baumwollbollen verbrannt. Bei einem Großfeuer, dem ein Schuppen der Banmwollfirma Bischoff& Co. in Bremen zum Opfer' fiel/, sind etwa 2500 Daumwollballen verbrannt, b;w. durch Wasser vernichtet worden. Es wird vermutet, daß der Brand durch 2 e l b st e n I z ü n d u n g der gepreßten Baumwollballen entstanden ist. Vom Rundhink Der Rndiomarkt in der Tschechoslowakei. Prag. 30. August. Der Direktor der Radio« techna Ing. Steinbach sprach gestern abend vor den Prager Pressevertretern über die Aussickilen und die gegenwärtige Lage des tschechoslowakischen Radiomarktcs. Der Redner informierte in erster Linie die erschienenen Journalisten über die Entfaltung und Entwicklung des tscheckw- slowakischen Rundfunkcs, über den Verlauf des vorjährigen Marktes und über die technischen Fortschritte in der Erzeugung von Radioapparaten. Insbesondere im Vorjahre war das Anwachsen der Rundfunkabonnon- t e n ein sehr starkes, denn es meldeten sich im ganzen 86.841 neue Radioabonnentcn an. Dieses Anwachsen Hot mich im heurigen Jahre ongehalten, so daß sich in der'Kapazität des Radiomarktes keinerlei Veränderungen ergaben.- In Anbetracht der Wirtschaftskrise er« folgte jedoch eine Umschichtung zugunsten der produktionsbilligeren Volksempfänger. Die Apparate werden auf dem heurigen Herbstmarkte wiederum in billigeren Preislagen gebracht werden, wobei zu bemerken wäre, daß sie. technisch bedeutend vervollkommnet sein werden. Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag: , Prag: 6.00 Gymuastik. 12.30 Konzert. 17.43 2challp1r«tt'fencnT° widerspenstigen Zeiger z> Wir wollen nicht privates Geld auf Gas-|^ C.S 3 C’^ C 5 en^J„^' C J. C® Votairtschatt und Sozialpolitik Ein Persontnzug Stutgar t—F r e u d e n- stadt stieß bei der Einfahrt in den Bahnhof Bonn- botf bei Herrenberg mit einer Rangierabteilung zu- lammen. Dabei wurden drei Personen an, Kops erheblich, 25 leichter verletzt. Ein Artikel erscheint nach 26 Jahren. Dai Berner Tagblatt vrrössentlicht spaßeshalber«inen langen Bericht über eine Versammlung, di« am 30. Januar 1909 in Zürich(gegen den Gotthard-Vertrag) abgehallen wurde. Der Aussatz ist erst setzt zur Redaktion gelangt, und zwar durch die Schuld des— Brief- lastenS.— Arbeiter, die mit dem Umbau des Drr- lagigebäudes beschäftigt find, rissen in diesen Tagen den RedaklionSbrieskasten von der Wand. Da fiel ein arg vergilbter Brief zu Boden, der zwischen Rückwand und Tür« ein viertel Jahrhundert auf den Redakteur gewartet hatte. Ter Autor kann sich allerdings nicht mehr über den Abdruck sreuen, denn er ist schon 15 Jahre tot. Oeseralstreik in der Hauptstadt von Ekuador. Quito(Ecuador), 30. August. Die Arbeiter haben den Generalstreik erklärt, weil eS Präsident M e r a abgelehnt hat, zurückzutreten, wie daS der Kongreß zweimal bereits von ihm verlangt hatte. Präsident M e r a beschuldigt den stongreß, die Exekutivgewalt zerstören zu wollen. Foloaten, die in der Stadt umherstrcisen, haben gestern abend Gruppen von Manifestanten zerstreut, die Straßenbahnen und Geschäfte mit Steinen bombardierten. Zahlreiche Geschäfte haben ihre Rolläden herabgelassen. Im übrigen Lande herrscht absolute Ruhe und Ordnung. criluS aller Wett. Ein Römerbergwerk wieder in Betrieb. In der englischen Grafschaft Carmarthen befindet sich ein ungefähr 2000 Jahr« altes Goldbergwerk, da» von den Römers angelegt worden war. Im Laufe dieses Rionats soll das Bergwerk, das Jahrhundert« lang„ersoffen" war, nun ausgepumpt und wieder in Betrieb genommen werden. Di« neu« Besitzerin,«ine Londoner Gesellschaft, hat eine Konzession auf 03 Jahre von der Kron« erhalten. Bulgarische Romanze. Auf einer bulgarischen Landstraße hat man in diesen Tagen«men bekannten Vagabunden namens?)asch tot aufgesunden. Die Acrztc stellten fest, daß er, anscheinend von Rivalen, erschlagen worden war. Dieser Uasch galt bei den bulgarischen Grenzbauern als ein guter Geist, dessen Erscheinen eine vortreffliche Ernte zur Folge habe. Nasch hatte eine schön« Tenorstlmnre und warb damit um die Gunst mancher Bauernmagd, obwohl er kein allzu ritativen Gutachten, bestimmt für di«.Hauptkommission der Abrüstungskonferenz, ein End« gemacht, indem«S di« Brandlvass« ans Licht gezogen Hal. Diesen Sachverhalt hat man bei unS nicht zur Kenntnis g« n o m m e n. Hofft man dadurch vielleicht dem Feind« zu suggerieren, daß er Brandbomben nicht verwend«? Hat man vergessen, daß di« Deutschen im Jahre 1918 nahe daran waren, einen großen Luftangriff mit den damals noch geheimen Elektronbomben aus Lo.r- don zu unternehmen? Die oeiahr ist riesengroß i Rein, es handelt sich vielmehr darum, d i e Gefahr kleiner ericheinen zu lassen als sie wirklich ist. Demgegenüber sei hier sestgestellt, daß verschieden« Sachverständige ützer- einstiinlnend auSsagen: ein Ftugzeuggeschwvder kann in einer Großstadt Tausende von unlölch- baren Bränden erzeugen, di« Abwehr zur Luft ist völlig unzureichend, di« Feuerwehren sind dem Feuersturin nicht entfernt gewachsen und wo früher eine Stadt war, erhebt sich eine Feuer- läule zum Himmel... 0er wirkliche Schulz. Wenn man schon die Bevölkerung zur Mitarbeit an den Kriegsvorbereitungen Herangehen will, so beginne man nicht damit, die Groß« der Gefahr verkleinerw zu wollen. Wir haben ein Recht daraus, di« Wahrheit zu erfahren. Und haben ein Recht zu fragen: Warum geschieht nicht» Wirksam cs, um dieser ganzen unerhörten Kriegsgefahr vorzubeugen? Deutschland rüstet auf; warum fällt man chm nicht in di« Arme? wind nicht genug der Verletzungen dcS Versailler Vertrags geschehen, geschehen sie nicht täglich? Müssen wir Milliarden, austvendungen machen, unr einen Luftschutz zu organisieren und eines Tages allen Maßregeln und allen Beschönigungen zum Trotz allesamt den Lufiangtissen eines blindwütigen Feindes zum Opfer zu fallen? hübscher Bursche und dazu völlig blind war. So kam es, daß er als„Don Juan-Vagabund" sich manchen Feind auf der Landstraße machte. Aasch ist von den Bauern mitten in einem Kornfeld begraben worden. Sozusagen als„Glücksbringer!" Line Taube bremst das Rad der Zeit. Bor der Marienkirche in Stuttgart stand rn diesen Tagen einnial eine dichte Menschenmenge und sah belustigt und aufmerksam zum Turme empor. Dort oben bemühte sich eine Taube— wir es schien mit Erfolg— den großen Zeiger der Turmuhr um einige Minuten auszuhalten. Allem Anscheine nach probierte sie das Hebelgesetz der Physik ans, denn immer, wenn sie zur äpiye des Zeigers lief, senkte sich dieser erheblich und schnellte rasch wieder zurück, wenn der seltsame gefiederte Uhrmacher zum Zentrum der Uhr lief. Schließlich versuchte sie mit dem Kopse, den wrückzudrehen, bis sich Vergewaltigung der Zeit nicht mehr gefallen ließ, und ihr einen ordentlichen Boxer versetzte! Protestierend flatterte die Taube davon...„ruckeoiguh... ruckediguh... ruckediguh... sie hatte— mit Verlaub zu sagen — die Nase voll! Ein chinesischer Napoleon. Ein echt chi n c- fisch er Napoleon ist der Held eines Napo- leondramaS, das zur Zeit in Schanghai aufge- sührt wird. Dieser chinesische Napoleon hat mit dem historischen sehr wenig genieinsam. Ter Bonaparte von Schanghai trägt eine amerikanische Generalsunisorm, hat«ine kurz« Pfeife im Mund, spuckt Kaugummi und hängt dauernd am Telefon. Er unterhält sich zeitweise mit seinem Sohne, der hier auf den chinesischen Brettern schon im Jahr« 1805— also bevor er überhaupt geboren wurde— achtzehn Jahre alt ist. Auch 1934 Bayreuther Festspiele. In Bav- reuth werden, einem Münchener Bericht zufolge, auch im Jahre 1934 Festspiele stattfinden. Bor dem Kriege wurde dagegen nur alle zwei Jahre gespielt. Die Bayreuther Tradition verlangt bekanntlich für jedes Festspielfahr eine Neuinfte- nierung eines Wagner-Werkes. Für 1934 hat man den„Parsifal" vorgesehen, der in diesem Jahr« noch in der szenischen Fassung des Jahres 1882 gegeben wurde. zweierlei Recht im Dritten Reiche. Was sagen die Hakenkreuzbauern dazu? Vor einigen Wochen wurde eine allgemeine Amnestie für nationalistische Steuerhinterzieher im Dritten Reich« verlautbart. Nach derselben haben all« Nationalisten gegen«ine Spend« an da» ssinanpmi für den nationalen Ausbau vollkommene Amnestie für hinterzogen« Steuern. Aber niu di« Groß«» läßt man lausen. Steuerrück- stände der Kleinen werden in furchtbarer Weise ungezogen, was folgender Dorsall. beweist. Der Kleinlandwirt Albin Roitsch in Irattlan bei Ostritz hatte Slenerrückstände. Da«r nicht zählen konnte, wurde er gepfändet. Inzwischen tvarcn neu« Steuer» fällig. Ta Roitsch wieder nicht zahlen konnte, wurde ihm ein Eil-Kommando auf den.Hals geschickt. Im Berlanf« einer erregten Auüeinander- 3ung wurde Roitsch von der SA furchtbar ßbandelt und zum Schluß halb beneidet, blutüberströmt und besinnungslos im offenen Auto durch den Ort sowie di« Dörfer Reutnitz und vrunau und die Stadt Ostritz gefahren. Er soll nach Hainewalde transportiert worden sein. Das war vor fünf Woche.», wildem ist Roitsch verschwunden. Trotz wiederholter Bemühungen konnten seine Angehörigen bis heute nicht in Erfahrung bringen, wohin man Roitsch gebracht hat oder was aus ihm geworden ist. rövlüien mit Mufik. Frohe Botschaft für unser« BabieS. Kinder werden bekanntlich in allen möglichen und auch unmöglichen Situationen photographiert, auf der Waage, m der Badewanne und auch bei einer im Hinblick auf ihre gesundheitliche Entwicklung außerordentliche wichtigen Beschäftigung:„Auf dem Thrönchen", was dann im Bilde meistens Entzückensausbrüche auf Seiten des Beschauers auszulösen Pflegt. Leider Hal es ober hiermit bei vielen Kindern insofern eine recht unangenehme Bewandtnis, als diese den hieran geknüpften Erwartungen der Mutter manchmal überhaupt nicht gerecht werden, manchmal nur unvollständig, woran sich dann die bewußte Katastrophe anfchließt. Es dürfte daher interessieren, daß vor längerer Zeit ein„Töpfchen" durch Patent geschützt wurde, mit dem der Erfinder auf dre bekannte Tatsache spekuliert, daß die Kinder vor allem au Musik reagieren. Dieses„Töpfchen" ist nämlic i musikalisch, d. h. es ist derart eingerichtet, daß nach erledigtem„Geschäft" in seinem Innern eine Schale heruntergedrückt wird und eine kleine Spieluhr in Gang setzt. Das Kind merkt sich diesen Vorgang sehr schnell, und instinktiv wird es siih nach kurzer Zeit bemühen, schön brav seine „Pflicht" zu tun, weil dies mit Musik belohnt wird. menschen in revolutionärer Kühnheit entrissen haben? Unsere Polizeipräsidenten leiden kein« Not, unsere Gauleiter sind Billenbesitzer geworden, mein verehrter Kollege, unser kleiner, behender Reichsgreuelminister Tr. Goebbels, ist ein bescheidener Millionär und auch mir geh! es nicht schlecht: sehen Sie nicht an diefen untrüglichen Kennzeichen der sprunghaften sozialen Aufwärtsentwicklung mit aller Deutlichkeit, daß wir erfüllen, was wir unseren Familien versprochen haben? Und so wie bisher, wollen wir weiterkämpfen, Furchtlos und treu, allzeit auf die Vermehrung unserer Güter bedacht, stets bereit, das Letzte herzngeben für unsere Interessen, ergeben dem Nationalsozialismus und seinen ausführenden Organen von der Schwerindustrie! So steht es im Innern. Und wie steht es nach außen? Ist nicht der Schivache am mächtigsten allein? Sind wir nicht herrlicher isoliert, als wir es in unseren kühnsten Träumen jemals zu hoffen gewagt haben? Steht nicht die ganze Welt geschloffen gegen uns, wie einst im Mai..? Unsere Ausfuhr sinkt schnell wie ein Wasserfall, daS Nationalvermögen schwindet dahin wie Schnee in der Sonn« und wohin wir blicken, ist Unterbilanz. Darum sage ich zu Euch: unsere Talen sprechen für uns! Was wir zerstören konnten, haben wir gründlich zerstört! Deutschland ist erwacht und der Außenhandel schläft ein! In diesem Sinne vorwärts! Drauf, dran und durch! Auf eine» Schelmen anderthalbe! Und so kann ich diese markante Rede gar nicht schöner schließen als mit dem selbstverständlichen Ruf: Unser geliebter Osaf, unser alles überragender genialer Führer Adolf Hitler; der Mann der Tod und Teufel, der Vernunft und dem ganzen Erdball trotzt, er leb« hoch, hoch, hoch! Ich ziehe vor mir selbst ehrerbietig den Hut und erkläre die Lustbarkeit für gc- schlossenl" Holland wird über die Prager Mustermesse tschechoslowakisch« Waren einkausen. Dem Prager Messeamt wurde telephonisch aus Amsterdam berichtet, daß zur Prager Herbstmesse Vertreter eines großen holländischen kaufmännischen Verbandes kommen werden, welche beabsichtigen, die Messe wirtschaftlich durch Aussinden geeigneter Einkaufsquellen für Miigli^)Ssirmen des Verbandes äuSzuwerten. Der Messe wyrde «in Verzeichnis der gesuchten Waren gesandt, für welche in Holland Interesse besteht. Die holländischen Einkäufer werden während der Messewoche im Rachsragedienst amtieren, welcher sie mit den Ausstellern und anderen tschechoslowa- kischen Erzeugern in Verbindung setzen wird. Aus Holland wird im allgemeinc» starkes Interesse syr die Messe gemeldet. Die diesmal in größeren Mengen gesandten Leg'i'malionen sind bereits durch die holländischen Messevertreter voll abverkauft worden. DaS Sekretariat des Herrn Reichskanzlers Hitler hat unS liebenswürdigerweise das Manuskript der großen Rede d«S„Führer»" zur Verfügung gestellt, die Atols Hitler auf dem Naziparieitag in Nürnberg zu halten gedenkt. Wir haben un» das alleinig« Vorobdrucksrecht gesichert. Alle Rechte, auch das der Vorführung im Kabarett, Vorbehalten! „Artdeutsche Männer und rassebewußt« Jungfrauen! Euer grandioser Aufmarsch zeigt mir, daß das deutsche Volk geschlossen hinter mir und meinen Konzentrationslagern ft.'ht! Großes haben wir in den sieben Monaten unserer Regierungstätigkeit erreicht, weit Größeres haben wir aufgegeben. Eine neu« Epoche neuer Versprechungen ist angebrochen. Wir haben Euch, mein« treuen Kanrpfgesährten, alles gegeben, was wir zu geben haben, nämlich nichts. Unser Programm, mit dem wir uns herrlichen Zeiten ent- gegengeführt haben, bleibt unveränderlich, seine Durchführung wäre seiner Erfüllung nur hinderlich. Ein neues Deutfchlund steht vor der Welt und verlangt sein Recht, ein Deutschland, das eS als sein« vornehmste Pflicht ansieht, de» eigenen Volksgenossen alle Rechte zu verweigern. Blüht nicht überall neues Leben aus den demokratischen Ruinen? Die Preise steigen, die Löhne sinken, kurzum, der Gedanke der Volksgemeinschaft zu herabgesetzten Spesen marschiert! Und wo sind die Arbeitslosen hingekommen, meine Lieben? Sind nicht die Stempelstellen enwölkert, gähnt nicht unendliche Leere auf den Wohlfahrtsämtern? Jeder zweite Arbeitslose, jeder zweit« Wohlfahrtsempfänger sitzt im Konzentrationslager! So kurbeln wir an, so geben wir Arbeit, Brot und Grabesfrieden fiir alle! Arbeit adelt, deutsche Männer und Frauen, der Lohn ist dabei gänzlich Nebensache!.Haben wir es nicht geschafft?! Fitzen nicht unsere Parteigenossen in den Sesseln, die sie den marxistischen Unter- „Militärischer Bürger schütz.“ Gibt es einen Gasschutz? Di« Ischechoslolvakische Militärverwaltung hat i den Zeitungen milgewilt, daß di« Abwehr feind- i licher Luftangriffe auf das Hinterland, die in i einem künftigen Kriege zu erwarten wären, schon! jetzt organisiert werden soll. Di« sogenannt« j passive. Abwehr durch Einrichtung von gas. und i bombensiclzeren Unterständen, Anschaffung von i Gasmasken und Anleitung zu ihrem rich:igen< Gebrauch soll der Zivilbevölkerung unter der j Leitung des Innenministeriums zufallen, wäh-! rend die aktive Abwehr durch Horchgerät«, Jagd-! ilugzeuge, Flugzeugabwehrkanonen usw. ein« mili tärisch« Angelegenheit»st. So soll denn der „Massengasschutz", sür dessen Durchführung be reits in Frankreich, Italien,"Deutschland, Ruß laich und Polen umfangreiche Vorbereitungen getroffen und Probeübungen sowie groß« Manö ver abgehalten wurden, auch bei uns verwirklicht werden. passive und aktive Abwehr. Daß di« Gefahr groß ist, kann nicht geleugnet werden. Sie wachst täglich in dem Maß«, al» Deutschland mit fieberhafter Eil« zum Luftkrieg rüstet. Welche Aussicht für di« deutschen Macht- Haber, den Nachbar taa:«n mit der Luftwaffe, die mit verhältnismäßig geringen Mitteln und.» kurzer Zeit auSgebaul werden kann, schwer« Wunden zu zu fügen und sie etwa auf diese»! Wege zur Revision der Verträge zu zwingen! Ld«r um mindesten der eigenen Bevölkerung statt Besserung der wirtschaftlichen Lage die Illusion eines künftigen kriegerischen Triumphes zu ver schaffen! Bielleicht irren die Riachthaber Deutsch land» mit dieser Hoffnung, daß sic im Feindes land, sobald einmal di« Kanonen loSgehen und die Kainpfflugzeug« schwirren, schiversten Schaden an Leben und Gesundheit des Volke» anrichten kön nen, da» wird kern Irrtum sein. Städte wi- Prag und Brünn sind aufS schtverst« gefährdet. Tie Frag« ist nur, welchen Weg zur Abwebr der Gefahr man wählen soll. Keiler and Unterstände. Der Standpunkt, den di« Militärbehörde in dieser Frag««iunimntt, ist bedenklich und e» kann leicht nachgewiesen werden, daß«r auch durch di« Tatsachen überholt ist. Soviel au» den Zeitungsberichten zu ersehen fft, wird nur an Vorkehrungen gegen die Sprengbomben— und di« Giftgasangrin« gedacht. Kein« von beiden Angriffsarten brmge größere Gefahren mit sich, wenn di« Verteidigung rechtzeitig und gründlich organisiert sei! Dies« Standpunkt steht im Wider spruch zu der Feststellung, di« nicht nur von den Sachverständigen de» Roten Kreuze» wieder holt gemacht wuvbe: daß ein wirksamer Schutz gegen Luftanariff« nicht mög- lich ist. Seit im Jahre 1930, nach Beendigung der Lnftmanöver über Lyon, di« Manöverleitung unter Vorsitz des Generals Scrrigny konstatiert«, daß nur durch Evakuierung, also indem die Be völkerung die Stadt verläßt, ihr das nackte Leben gerettet weiden kann, hat sich daran nichts geän dert. Der Motivenbericht der Militärbehörde spricht von den Eifenbetonbauten, die einiger- maßen bombenfest feien— wieviel« gibt es ihrer in unseren Städten? Und gor di« Hoffnung, daß in den mittleren Stockwerken der Wolkenkratzer ein gassicherer Aufenthalt(ei_— ist das wichtig sür uns? Wichtiger, daß tatsächlich di« gewöhn- iichen Kellerräume al» Zufluchtsstätten nur tod bringend wären, daß aber die Erbauung gas. und bombensicherer unterirdischer Unterstände, nach den Ergebnissen des französischen Obersten P o u- deroux auf der Internationalen Tagung de» Roten Kreuze- zu Rom zwar sehr kostspielig, aber keineswegs ausreichend, unter Umstanden ein« direkt« Gefahr wäre. Und wenn«irr Teil der Bevölkerung, der in Eisenbetonbauten unter schlüpft oder im glücklichen Besitz von selbstgekauf ten Gasmasken ist, zusieht, wi« sein« Wohnstätten gesprengt und unter Gift gesetzt werden, das wochenlang vorhalten kann— soll daS di« Ent schädigung dafür sein, wenn di« minder Glücklichen unter Trümmern begraben oder von den Gasen erstickt werden? Vie Eicklronbombe. Die Meldung der Tagesblätter läßt aber nock) einen Punkt vermissen, dessen Erörterung gerade an dieser Stell« unerläßlich wäre. Warum erfährt man nichts über di« dritte Art von Boniben, di« bei Luftangriffen in Aktion treten soll: über die Brandbomben? Seit di« mit Thermit ge füllte„Elektronbombe" bekannt wurde, die, nur «in Kilogramm schwer, Brände von 3000 Grad Temperatur erzeugt und Holz, Borhänge usw.:n weitem Umkreis in Brand steckt, durch Wasser nicht gelöscht wird, sondern nur um so starker aufsprüht--- seither weiß man, daß der Lust- gefahr noch viel schwerer zu begegnen ist. Hören wir darüber einen der ersten Luftsachverständigen, den Brandoberinspektor Rumps. Er sagt im Berliner„Militär-Wochenblatt"(18. November 1932):„Cs Ivar bisher unverständlich und be ängstigend zu sehen, mit welcher.Hartnäckigkeit mau bei der Behandlung d«S Lustkrieges gegen da» Hinterland der Brandwaffe auSwich. DaS dürft« auf Unkenntnis der Dtaterie zurückzuführen sein, möglicherweise auch, um da» ohnehin schon recht schwierig« Problem d«S Bevölkerungsschutzes gegen Brisanz und GaS durch Hineinnahm« der , Brandbomben nicht noch mehr zu komplizieren... Diesem auf die Dauer unverantwortlichen Zustand i des geflissentlichen Totschweigens eines > Kampfmittels erster Ordnung, hat ■ Nunmehr da»„Sonderkomitee für chemische und bakteriologische Waffen" iu Gens mit einem auto- inaSken, Steuergelder für Schutzbauten verwenden und unS dadurch in eine falsche Sicherheit vor den Kriegsfolgen wiegen lassen. Wir wollen nicht, daß Feuerwehren, Turnvereine, Pfadfinder, Rotes Kreuz und gar die Schulen, wie es die Militärverwaltung will, in den Dienst der Kriegsvorbereitung gestellt werden. Sehr bezeichnend ist, daß eine Art von Organisationen nicht genannt wird, der große Bedeutung zukommt:.die Gewerkschaften jener Arbei ter, welche die städtischen Wasser- und Elektrizitätswerke und die Verkehrseinrichtungen m Gang halten sollen auch während eines Luftangriffes, der sie und damit die Versorgung der Einwohner aufs schwerste gefährdet fürch tet man, di« Arbeiterorganisationen könnten ihre Mitwirkung nicht so freiwillig zur Verfügung stellen wie jene anderen Vereine? So überzeuge man sie von der Unausweichlichkeit dieser Kriegsgefahr, beweise man ihnen, daß der Luftschutz notwendig ist nicht im Interesse einer Industrie, die Gasmasken in Mafsen verkaufen will, einer ztveiten Industrie, die Kampfflug, zeuge liefern will u. s. f., sondern notwendig im wirklichen Lebensinteresse de» werktätigen Volkes. E. B. i'.iiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiniiiiiiiiniiiiniiiiiniuniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiup Hitler in Nürnberg. Sensationeller Vorbericht vom Nürnberger Parteitag. Seite 8 Donnerstag. 81. August 1938 Nr. M PRAGER lEITUVG t Kunst und Wissen Geriditssaal Vereinsnadiriditen End. Der Film die Verleiher, ihre schmachvollen Beziehungen zu den Feinde» unseres Staats, unsrer Kultur abznbrechen! Opfert problematische Unterhaltung: boykottiert die braune Film pest! I ““i h»| i»||ciu i iu/vii vuiiiuny vricuifli ivuiuvii|iiw, Staatsanwaltschaft erblickte in bic*| jff Momente, wo man den Völkerbund alö ein I Aus der Partei die stu- Allgem. Angestellten.verband, Nugendsektion, Prag: Sportler. Achtung! SamSlag, den 2. Sev- tember, um 3 Uhr auf der.Hetzinsel Training für dos Jugendtreffen Reichenberg. Sämtliche Sportler haben pünktlich gestellt zu sein. Geübt wird Faustball, Fünfkampf und I mal 100 Meter Stoffel. Allgem. Angestellten'Verband, Jugendsektion, Prag. Donnerstag um 8. Uhr abends im Verein Deutscher Arbeiter, Prag II., SmeÄy 27, Probe kür das Jugendtreffen Reichenberg. Es werden mir dl« Kollegen und Kolleginnen mngenaimnen, die in der Jugendbewegung aktiv Mitarbeiten. Di« Deutsche Volk-singgemeinde nimmt mit 1. September wieder ihre regelmäßige Tätigkeit aus. Singstunde jeden Freitag pünktlich 8 Ubr abends im Hause der Typografia in der SmeLkagasje. Die Zahl der ausübenden Mitglieder muß im heurigen Jahre verdoppelt werden. Wer Freude am Sin» gen hat, melde sich sofort bei Schriftführer Ham- merschmied in der Gee an oder komme direkt zur Singstunde. Bei reichem und preiswertem Angebot günstiger Einkauf auf der Kilogramm eine Steighöhe der Drachen bis zu 8 Kilometern zu erreichen. Im Fernen Osten, inChina und Japan ist der Drache ein allgemeines Dolksstelusti- gung-mittel für die Großen und die Kleinen. Aus irgendlvelchen Anlässen wird am Dach deS Hauses so und so ost ein Drache hochgezogen, zum Beispiel am Tag des Knabenfcsts ein Drache in der Gestalt eines Karpfens. Uebcr jedem Haus, in dem ein Stammhalter erwartet wird, weht ein derartiges Drachenungetüm. Im übrigen soll ja sogar der Drache von dem chinesischen General Han- S i erfunden worden sein, und zwar bereits im dritten Jahr- hundert vor Christi Geburt. Der General wollte mit Hilfe seines Drachen die Entfernung in die belagerte Stadt messen, um einen unterirdischen Gang dorthin vorzutreiben. Es ist nicht bekannt, ob Han-Si dadurch zu seinem Ziel gekommen ist. Im Jahre 1282 sind dann nach einem chinr. fischen KeschichtSwerk die Mongolenhorden, die Peking belagert hatten, dnrch einen Luftdrachen. der Feuer im Rachen führte, derart in Schrecken verseht worden, daß es gelang, sie zu ichlagen und aus China hinauszuwerfen. Auch in der Mongolenschlacht bei Wahlstadt in der Gegend von Liegnih im Jahre 1241 sollen von den Mongolen feuerspeiende Dracl^en als Schreckmittel benutzt worden sein. Der Drache hat also eine zahrtansendalte Geschichte. Unsere Jungens werden sich nicht viel darum kümmern. Bei ihnen gilt nur der etwas, rcgung, daß er gewaltsam in das Zimmer der ge- wesencn Braut eindrang(die Auseinandersetzung hatte zwischen Tür und Angel stattgefunden) und in heftigster Weise in sie drang, ihren Entschluß zu ändern. Als sie dies ablehnte, sprach er die eingangs angeführte Drohung aus und fügte noch andere böse Redensarten hinzu. Das Mädchen blieb aber fest und so warf er sich schließlich in sinnloser Wut auf sie und verprügelte sie derart, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Vor dem Senat Kaplan wurde der Fall gerichtlich ausgetragen. Der AuSgang gestaltete sich glimpstich. Der Angeklagte zeigte sich reumütig und beschämt über leine Unbeherrschtheit und die Zeugin Marie B. schilderte ihn als herzensguten Menschen, dem eine Gewalttat nicht ernstlich zuzutrauen sei. Sie habe auch keinerlei Furcht vor seiner Drohung empfunden. So konnte der Gerichtshof den Angeklagten in der Hauptsache sreisprechen. Dagegen war der Tatbestand der leichten Körperverletzung so offenkundig, daß In dieser Richtung Verurteilung erfolgen mußte. Das Urteil lautete auf vierzehn Tage A r r e st, b e d i ng auf drei Jahre. rb. 8. rung(E—1) sind Gutscheine gültig. öfsnungsvorstellung r-n» den 2. September,(B- am Dienstag, den ö. scheine aller Serien, auch die der Spielzeit 19:12/83, gegen Vorlage des Gutscheines und der Abonnementskarte 1933/31 gültig. Jugenvbewegung. Roke Fallen Prag. Sonntag um 7 Uhr ftatiqn bet 8er, Baumgarten, Treffpunkt zur. gemeinsamen Wanderung aller Falken. Die Verständigung übernimmt jeder Falke als erste Pstichtaufgabe. Mittwoch gemeinsame Zusammenkunft im Liga-Heim um 4 Uhr nachmittags. Pflichtveranstal- tung.— Helfergemeinschaft der Roten Falken kommt Dienstag um 6 Uhr im Ligaheim zusammen. geborenes Kind" bezeichnet. Zur Erledigung von Streitsragen-zwischen Danzig und Polen hat man in Danzig ein Kommisiariat des Völkerbundes errichtet. Der hohe Kommissar dieses Sekretariates ist-Herr R e st i n g aus Dänemark. An diesen-Herrn hatten sich in einer Streitfrage die Arbeitersportler des Freistaates Danzig gewandt. Die Danziger Arbeitersportler gehörten bis zum Antritt der Hitlerregierung in Deutschland dem deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbund an. Rach-I dem diese in der ganzen Welt bekannte Organisation mit 1,3 Millionen Mitglieder von der Hitlerregierung zerschlagen und das Vermögen im Werte vonöO Millionen Mark gestöhlen wurde, trat der Arbeitersportverband Danzig aus dem deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbund aus und schloffen sich dem polnischen Arbeiter-Dporiverband an. Er bildet mit einigen Vereinen von Pommerellen einen Bezirk des polnischen Verbandes. Der Anschluß an den polnischen Verband war das Signal für die inzwischen gewählte Naziregierung in Danzig, den Arbeitersportlern Schwierigkeiten zu machen. Nach deutschem Muster wurden die Spiele durch SA-Stürme gestört und die Spieler Von den Plätzen gejagt. Auch die D a n- zigerPolizei beteiligte sich an diesen Schikanen, »Meine Frau mußt Du werden- und wenn ich dich erschlagen wüßte!" Prag, 30. August. Diese sonderbare und nicht ganz logische Redewendung hoi den 28jährigen Maurer Albert 2ivn§ auf die Anklagebank gebracht, denn die k sen Worten eine g e sä h r l i ch e Drohung. Leider hat es der sympathisch auSsehende Angeklagte, der als ruhiger und brav er Mensch geschildert wird, nicht bei Worten bewenden lassen, sondern ist beim Abschied von seiner Freundin Marie B. auch zu Tätlichkeiten übergegangen, die eine mehrtägige SpitalSbehandlung des Mädchens notwendig machten. Zu der in Frage stehenden Auseinandersetzung kam eS auf ziemlich merkwürdige Weise. Da- Mädchen, mit welchem Avn? längere Zeit ein ernstes Verhältnis unterhalten hatte und das er zu heiraten beabsichtigte, hatte ihm einen A b> schiedsbrief geschickt. Ter im Prozeßakt erliegende Brief Ist ein sonderbares Dokument. Ersten- ist er so konsus stilisiert, daß man auS seinem Inhalt nicht leicht klug wird. Zweitens aber waren einige wichtige Stellen durch die Tränen, die die Briefschreiberin bei Abfassung des Briefes vergossen hatte, total verwischt und unleserlich geworden Ter Angeklagte wußte also nicht recht, wie er eigentlich daran sei und suchte die Angeklagte in ihrer Wohnung auf. Hier erfuhr er nun, daß seine Freundin tatsächlich fest entschlossen sei, dem Verhältnis ein Ende zu machen. Tarübcr geriet der Angeklagte in solche A»f- Wer kann oinnr ganz billig Hotten, Tisch, Stühle und Schrank verkaufen. Offerten an die Administration de« Sozialdemokrat, Prag I!., NekAzanka 18 An unsere Postöezleheri Der heutigen Nummer liegt«tu Erlagschein zur Bezahluug der vezuglgebühr bei. Wir mach«, besonders daraus aufmerksam, daß die Einzahlung unter demselben Name» geleistet werden muß. unter welche« der versand der Zeitungen erfolgt. Die LezugSgebiihr ist am Kops de» Blattes erfichilich und ist stet» im vorhinein zu entrichten. Der Abonnementbeitrag muß spätestens bi« zu« 15. eine« jeden Monate« in uns««» Besitze seh». Wir ersuche» Sie, die« zu berück, sichtigen, damit keine Unterbrechung in der Zu, ltellnng de» Blattes eintritt. Die Verwaltung. 3. bis 10. September. 33O/o Fahrprslsermuiligung am den csi. Bahnen. Legitimation beim Messeamt und den Messevertretern Die Blume von Hawai. Dieser vorhitlerijche Operettenfilm frei nach Abraham wurde von Richard Oswald in Szene gesetzt; mit gewohnier Routine und inhaltlicher Hilflosigkeit. lieber die Armut dieser Einfälle müßte man eigentlich weinen: da lebt eine Prinzessin... aus Hawai stveil doch die europäischen Fürstentümer filmisch schon erschöpft sind) und wartet aus ihre Karriere in Paris. Diese für sie zu finden ist dem Librettisten gar nicht schwer, beim es gibt ja noch reiche Amerikaner. Also mach! die ganze Gesellschaft eilten Ausflug nach Hawai und den Rest besorgt eben Petrowitsch; wie denn auch nicht. Es tritt noch Tenor F i d e s s e r mit Tropenhelm auf und Ferdinand Hart als Neger aus Hawai: so ganz gebildet muß man ja im Film nicht sein, das ist keine Voraussetzung der Rentabilität. Selbstverständlich sind die Unisormierten viel bester als die Zivilen. Martha Eggerth ist nicht hilfloser als sotrst und ganz medlich. Sonst wären Juncker mann und Berede s zu ertragen. M. La. „Menschen hinter Gittern." „Der Onkel aus Amerika."— Lido: "— Louvre:„Das Lied der Nacht, Filme Id Präger umtsplolhaasero bis einschließlich Donnerstag, den 31. August. Adria:„Namenlose Helden."— Beräuek:„Die Dame vom Maxim."— Fönix:„Aufder Spur." — Flora:„Tie Dame vom Maxim."— Gaumont: „Madame wünscht keine Kinder."— Hollywood: „Madame wünscht keine Kinder."— Hvszda:„Namenlose Helden"— Julis:„Die Blume von-Hawai." — Koruna:„Stan Laurel und Oliver-Hardy."— Kotva:„Das TeufelSmädel."- Lueerna:„Das Teufelsmädel."— Passage:„Die Blume von Hatvai." — Praha:„König der Prärie."„Liebe mit Bewährungsfrist."— Radio:„Gloria."— Skaut:„Niemand s la n b"— Alma:„Es war einmal ein Walzer."— Avion: ,„Krach in der Oper."- Bajkal: Ausgezeichnete Lustspiele mit Szöke Szakall. Favorit: pitol: nackte Frau/ Roxh:„Die Sklavenkönigin."— Baldek:„Eine Nacht im Grand-Hotel."— Belvedere:„Die insichtbare Front."— Beseda:„Wie sag ich's meinem Mann?" — Earlton:„Die Dame vom Maxim."— Illusion: „Der Liedersänger"— Sport:„Lumpen-Kavaliere." Neue« Deutsche« Theater. In der Sonntag, den September stattfindenden„Tannhäuser"-Auffüh Für die Er- ,Wilhelm Dell" am SamStag, -2), und die erste Wiederholung September,(A—1) sind Gut- BoykoMert de« neudeutscheu Film! Die Zweite Internationale hat dem Deutschland der braunen Horden wirtschaftlichen und kulturellen Krieg angesagt. Unterstützen wir die Abwehr der.Kulturwelt gegen die braune Pest auch-dadurch, daß wir deren Eindringen in das Kulturleben der Böller mit allen Kräften verhindern. Deutschlands Filmindustrie dreht jetzt zweierlei Filme: fiirs Ausland bestimmt sind„Operetten} voll Laune und Musik", Lustspiele„voll seltenem Humor", Filme,„d!e in schöner Landschaft, inmitten schöner Menschen" spielen. Sensationsichlager und verlogene Tragödien, die das Ausland darüber täuschen sollen, was tatsächlich in Filmdeut-schland vorgeht. Jede Krone aber, die Ihr durch die schmachvolle Vermittlung heimischer Verleiher als Kinoeintrittsgeld den braunen Hunnen zukommen läßt, j wird Produktion von„Hitler junge Q u e„H o rft Wesse l',„S A.- Mann Brand" u. dgl. verwendet. Durch die Vermittlung-es ehrlosen internattonalen Filmkapitals will die deutsche Filmlüge und Filmschmach weiter existieren: mit Hilfe der dem Ausland abgeschwindelten Gelder soll die Produktion deS-Haffes, der Lüge, der Schmähung der arbeitenden Menschen lveiter gefördert werden. Es geht dem nendeutschen Film niemals darum, Kultur zu fördern oder Unterhaltung zil vermitteln: hinter jedem der kommenden UnterhaltungS- oder Sensationssilme- grinst die Fratze der verlogenen Filncherrn, des Arbeitermörders R a e t h e r, der seine" Freude daran hat, daß gutgläubige Menschen im Ausland seine Horden in ihrem schmachvollen Tun durch Geld weiter unterstützen. Wir werden in, unsrer Filmrudrik jeden Film des neuen Deutsch la ich demaskieren. Mt Hilfe von Terror und Hunger haben die Filmhnnnen Berlins zahllose erwerb- und machtlose Filmkiinstler in ihre Dienste gezwungen, um ihren getarnten Produkten den gefälligen äußeren Anstrich zu geben. Den deut.! schen Film zu boykottieren, fft Ehrenpflicht jedes Werktätigen; unterstützt nichts aus dem Laiche, wo Eure Genoffen vogelfrei sind wie wilde Tiere. Käurpft für die Kultur der| Menschheit, Indem Ihr das Gift aus dem Dritten Reich unmöglich macht. Zwingt durch Fernbleiben I«,»— n»«»««»«"iTTits ailkttai Mtebiie.— vemmw-elltche» Nedaktesr: De. E«u 0ttast. Ar»».— Druck: Jlato*».-• fit Zeiluo»- und Suchdruck. Vraa.— HSr dr» Druck»eraniwarclich. Vn» vdllt, iJ, n,u'u»awc»rt,»,.-°nkai,i Mtbr m Mt v«». s. reltar-UhrndNttNas am Mak»I U.sou/vnnaso MwUNac-»«»»«MdinaasitS! M Lmiellun, IN« bau,»Mr bei»r,ua durch H« Doli munailich Kt IS-ariNjährNch U ■ui- n>» ff MftM last ta<| tuns» MU4M. M UM,«wtwltmt«■wräftlak.- NäcktzcLua, saa»«mlt,i»,« ,rt,I»t SS, Mt Ncs,«u»un, AtuuuuuUa. Drachen steige« Wieder stehen die Drachen in der Luft, em untrügliches Zeichen, daß es Herbst zu werden be ginnt. Die Kinder lasten sich die leerstehenden Felder nicht entgehen, durch Wette» Anlauf ihren Drachen hoch zu zielten und ailch in der Groß stadt nützt die Jugend jeden unbebauten Platz aus, um das Trachenspiel zu betreiben. Der Drachen ist eigentlich kein Spielzeug, wie es zunächst scheint, er ist ein wichtiges In strument der Meteorologie. Zur Er mittlung der atmosphärischen Verhältnisse benö tigt sowohl der Flugwetterdienst wie der atmo sphärische Forsckwr den Kasteudrachen, um Windverhältnisse in großen Lnfthölien zu dieren. So gibt es aus dem Bodensee eigenes sogenanntes„D r a ch e n b o o t" mit dem schönen Namen„Gna", das n-chts anderes zn tun hat. als stundenlang seine Wetterdrachen tn möglichst große Höhen emporzuzielten. Auch in der Zentrale des dentschen Flug wetterdienstes, in dem Observatorium Lindenberg bei Berlin benötigt man ein ganzes Arsenal von Drachen. ES gibt dort ein eiaenes Windenhaus, das aus einer Drehscheibe aufmontiert und dazu bestimmt ist, durch elektrisch angetriebene Seilwinden die Drachen ans- und herunterzuholen. Diese Wetterdrachen hangen an dünnem Klaviersäitendraht, nm durchs einen möglichst niederen»Zug" von 50—1001 der den Drachen am höchsten steigen läßt. Sport* Spiel• Körpemflege Der Arbeitersport in Danzig unv der Völkerbund Tie Frage, ob der Völkerbund sich auch mit dem Arbeitersport zu beschäftigen hat, ist berechtigt. Im allgemeinen hat diese hohe Behörde staat-politische Angelegenheiten zu erledigen. Wir wissen aber aus der Geschichte, daß die Erledigung der staatspolitischen Angelegenheiten nicht immer zur Zufriedenheit der öffentlichen Meinung erledigt worden sind. ES gibt »lot' Sin bißchen mehr Verständnis für die Rot der Arbeitslosen könnte man am Wolschaner Friedhof in Prag haben. Es gibt nämlich einige Arbeitslose, die sich dadurch eine» notdürftigen Lebensunterhalt sichern, indem sie auf dem Wol- schauer Friedhöfe die Gräber begießen, wofür sie von den Angehörigen der Verstorbenen ein kleine- Entgelt erhalten. Gestern um halb-1 Uhr kam es nun zu folgendem Zwischenfall: Die Frau eines solchen Arbeitslosen brachte ihm irgend etwas zu I essen und wurde von einem Wachorgan derarti ongeschnauzt, daß sie, die nervenkrank ist, umfiel und in eine Klinik überführt werden mußte. Ein Beamter der Friedhofskanzlei verflieg sich sogar! zu der geschmacklosen Bemerkung, daß man auf vem Friedhof keine Hitlerianer dulde,— weil nämlich der Arbeitslose ein Deutscher ist. ES wäre eine verdienstvolle Aufgabe der sozialen Kommission der Stadt Prag, in der eine Reihe von Frauen und Männern sitzen, an derem tiefen sozialen Empfinden nicht zu zweifeln ist, den Herrschaften in der Friedhofsverwaltung ein wenig soziales Gefühl beizubringen. Sport-Sonderzüge. Die Staatsbahndirektton in Prag fertigt zwei Sport-Sonderschncllzüge nach Rositz bei Brünn zum Masaryk-Rina-R