Mvzelprek 70 Heller. cLtnschliessltch 6 Heller Portal Spschelnt mit Ausnahme ves Montag täglich früh. se.som»» a. vrrwalwiLl Vn>» u, ottiManla 18* XtltpO.i 76705. stMg. 9ta 83558 O voftlOteckami> J1M1 13. Jahrgang. Freitag, 1. September 1933 Nr 204. !® »i McnKrcuzfioiW. in Wal Emigrant Prol. Theodor Lessing in seiner Wohnung erschossen Das LandeSamt in Prag teilt mit: Am 30. August I. I., um 21 Uhr 30 Mi«., wurde in seiner Wohnung in der Billa«Edelweift- in Marienbav der ehemalige Professor der Techuichen.Hochschule in Hannover Theodor Lessing, der sich nach dem Umsturz in Deutschland nach der Tschechoslowakei wandte und seit Mai laufenden Jahres in Marieubad wohnte, tödlich angeschossen. Die Revolverschtisse wurden von einer unterhalb des beleuchteten Fensters des Arbeitszimmers Lessings augelehnten Leiter aus abgegeben; Pro» fessor Lessing, dem der Kopf durchschossen wurde, starb um 1 Uhr uachtS. Im Zimmer wurden zwei ausgeschossene Revolverpatrone n- hitlfen aufgcfuudcu. Es besteht der begründet« Verdacht, daft als Tiiter eine vorbestrafte Person aus der Gemeinde Schantz im Bezirk Marieubad in Betracht kommt, nach welcher bereits energisch« Nachforschungen eiugeleitet» wurden. In die Saft wurden z w e i P e r s o n e n eiugcliefcrt, die vor einiger Zeit ein verdächtiges Interesse für die Person Lessings an den Tag legten. Die SicherheitSbehördeu ergreifen umfangreiche Massnahmen zum Zwecke der Auf- kläruug der Tat und der Ergreifung des Täters auch im Interesse der Auf- rechterhaltung der öffentlichen Sicherheit. Auf Grund der Ergebnisse der Untersuchung wird an die Verhaftung aller verdächtigen Personen geschritten werden. Di« Tat geschah um halb 10 Uhr abends. Pros. Lessings Frau und die Bewohner der am Rande der Stadt vereinsamt liegenden Villa„Edelweih", in der Lessing wohnte, wurden durch zwei Schüsse ausgeschreckt. Als Frau Lessing in das Arbeitszimmer ihre» Manne« kam, fand sie ihn mit zerschmetterten stopf bewusstlos auf.' Die sofort herbrl-k- rusen« Rettungsstation musste sich daraus beschränken den Schwerverletzten in das Krankenhaus zu überführen, wo er gegen 1 Uhr nachts starb. Das Bewusstsein hatte er nicht wieder erlangt. Eine Nevolverkngrl hatte ihn in den Kops getroffen, so dass das Gehirn heraustrat. Die Polizei nahm in kürzester Zeit die Suche nach dem Mörder auf. Ein Polizeihund, der eingesetzt wurde, verfolgte eine Spur in der Richtung der Ortschaft Schanz, verlor sie jedoch in einem Wald. Die Polizeiorgane verfolgten jedoch bereits«ine bestimmte Spur. Kaltblütig vorbereiteter Mord Die Erhebungen am Ort der Tot hatten ergeben, dass der Mörder seinen Plan langer« Zeit vorbereitet haben muh. Di« Fenster des Arbeitszimmers Prof. Lessings führen auf cinen gleich neben der Billa beginnenden Hang. Tort Hot der Täter eine Leiter ausgestellt, die, wie die Polizei seststellte, bereis vor zwei Tagen der Feuerwehr in Schanz«nt- toendet worden war. Bon der Leiter ans schoss er zweimal durch das Fenster. Di« Projektil», von welchen daS«ine traf, wurden im Zimmer gefunden. Die Leiter war mit Tiichfrhen umwunden, damit sie geräuschlos aus den Boden gelegt werden könne. Die Stricke, mit welchen die Tücher angebunden waren, dienten als Anhaltspunkt für den Polizeihund. Ein llaltenhreuzicr! In Schanz konnte die Polizei eruieren, dass die Stricke Eigentum eines gewissen Max Eckert sind, eines bekannten Wilderers und HakenkreuzlerS, der auch wegen Raub bereits vorbestraft ist. Eckert hat Schanz am Mittwoch um 3 Uhr nachmittags verlassen und wurde seither, nicht gesehen. Sein« Angehörigen können seine Abwesenheit nicht erklären. Verbindung mit reldisdeutsdien . Nazis Max Eckert ist 1902 in Deutschland geboren und nach dem Dors« Schanz zuständig. Er ist als einer der b«st e n Schützen in der ganzen Gegend bekannt. Durch di« Aussage «ineS Zeugen wurde inzwischen festgestrllt, dass er vor etwa drei Tagen in Gesellschaft eines Reichsdeutschen gesehen wurde, mit welch«« er sich über Professor Theodor Lessing, über Prag und über Deutschland unterhielt. DaS verstärkt nur den Verdacht, dass der al» ständiger Besuche» der national» sozialistischen Versammlungen be- kannte Eckert den Mord im Einvernehmen mit reichSdentschen Nationalsozialisten begangen hat, wahrscheinlich auch in der Absicht, die aus Lessing von den reichSdentschen Nazi ausgesetzte Kopfprämie von 10.000 Mark zu verdienen. Mehrere Wer? Di« Grenze gegen Deutschland, di« nur 21 Kilometer vom Tatort entfernt ist, wurde sofort besetzt und streng bewacht. Doch muh man damit rechnen, dass der Verbrecher Zeit genug hatte, die Grenz« vor der Absperrung zu passieren. All« Anzeichen deuten darauf hin, dass der Mord von keinem einzelnen verübt wurde. Richt nur daS schon angeführte Gespräch mit dem Reichsdeutschen und die Tat. fach«, dass zwei Schüsse au» Revolvern verschiedenen Kalibers abgefeurrt wurden, sondern auch der Umstand, daft die schwere Leiter bis an» dem Dors« Schanz nach Marienbad getragen werden muhte. ..Eine Angelegenheit internationaler Ordnung 0. Stellungnahme des„Prävo Lidu". Prag, 1. Septeniber. Tas heutige„Pr»vo Lidu" schreibt zur Marienbader Bluttat u. a.: „Wir hatten bei uns schon früher einige poli- tische Morde, durch die sich ausländische Fak- toren individuell gerächt haben. Es war die Ermordung TaSkalovs und des albanischcu Gesandten Erna Beg, ober das war das Echo cnt- Das Haas, in dem Professor Lessing ermordet wurde Haus„Edelweiss" in Marieubad mit dem von Lessing gegründeten Töchtecheim. fcrnter Balkanverhältnissc. Die Ermordung des Professors Lessing jedoch betrifft unser Land besonders schwer, weil-sic der bisher brutalste Ausdruck plvnniäßigcU: gewalttätigen auswärtigen Eingreifens.'in unsere staatlichen Berhält- mssc über unsere Staatsgrenzen hinweg ist. Und da» ist eine Jache, welche sich nicht durch eine begrenzte kriminelle Prozedur erledigen lässt. DaS ist eine Angelegenheit allgemeiner inte r n a t i o n a l e r O r d• it lt ng und muss deswegen dazu führen, dass die berufene internationale Auwrität das Hakenkreuz dazu zwinge, das elementare internationale Recht zu respektieren und alle seine planmässigen Exzesse einzustcllcn, die ans Kosten der staatlichen Torveränität vieler Länder, insbesondere der Nachbarländer des Deutschen Reiches verübt werden." Das Blatt tritt schliesslich für rin Einschreiten der einzelnen Staaten beim Völkerbund ein. Ein Opier der deutschen nodisdiulhetze. Bon einem früheren Mitglied des Hauptvorstandes der„Sozialistischen Studentenschaft Deutschlands und Oesterreichs" wird uns zu dem tragischen Ende Pros. Lessings geschrieben: Eine Entrüstung, die sich kaum in Worten bringen lässt, muss jeden erfassen, der weiß, dass die ruchlose Tat an Prof. Lessing nur der Schluss einer Kette von masslosen Verfolgung e u. u n d Gemeinheiten ist, denen dieser tief gütige und stets für ein besseres Deutschland kämpfende Gelehrte ausgesetzt war. Die Kugel eines Wilddiebes hat ibn gefällt! Aber welksten Grund hatte ein Wilddieb aus Eger, den Denker und Hochschullehrer aus Hannover zu fällen? Tie Spuren der Tat sind klar und ei- schreckend. Sic führen zurück zu jenen verhetzten jungen Menschen, die schon vor Jahren Lessings Vorlesungen durch Boykott und Tcrrormassnah- men zu stören suchten und die die ofsiziclle Billigung- der völkischen„deutschen Stuoentenschaft" dabei fanden.' Der Fall Lessing war schon seit vielen Jahren Sinnbild der Tragödie eines Gc le h r tc n v o n selbständigem Denken und Unerschrockenheit des Urteils in den trübsten Provinzen deutschen Untertanengeistes, in den deutschen Hochschulen. Der Beschluss seines Lebens lässt fast zweifeln an seinem Wort von der Weltgeschichte als Sinngebung des Sinnlosen. Aber vielleicht liegt doch in dieser Tragödie gleichfalls ein geschichtlicher Sinn beschlossen: die Mordbuben! lassen daS Gewissen der Welt gegenüber der neuen Barbarei in Deutschland nicht zur Ruhe kommen. Mögen nach ihm auch ander« noch fallen, die Stimme des Protestes wird nicht verstummen und die Fahne der Empörung nicht eingerollt werden! Nun hat die M ö r d e r h a n d des Dritten R e i flj c'ä a u ch über die Grenzen der T s ch c ch o s! o tv a k i j d) c» Republik h in ü be rgegri f f e n. Denn das ist klar: Mag auch der Unmensch, der den Revolver gegen einen so reichen und feinen Geist, wie es Theodor Lessing war, gerichtet hat, ein Inländer gewesen sein, der Antrieb zu dieser scheusslichen, erbärmlichen und nichtswürdigen Tat ist von draussen gekommen, die blutige Frnch: entstammt der Saat, welche die Männer des Dritten Reiches, dieses Reiches der Mörder und Sadisten, gesät haben. Seit dem Ende des Weltkrieges, dieses grossen Massensterbens von Millionen, wurde von jenen, welche es nicht verwinden konnten, dass sie im neuen demokratischen Deutschland nichts inehr zu sagen hal.cn, planmässige. Mordpropaganda getrieben. Mit.Karl Liebknecht und Rosa Lnxsmvnrg, Mathias Erzberger und Walter Rathenan hat die Reihe derer begonnen, deren letzter vorläufig Theodor Lessing ist. Das neue Deutschland, das seit dem Jänner l 933 an der Herr schatt ist und an dem gross nur die Versprechungen sind, die cs nicht hält, und die Verbrechen, die cs begeht, hat in aller Offenheit und mit aller Denttichkeit gezeigt, dass es sich mit Mordbuben solidarisch fühlt, indem eS vor kurzer Zeit erst die Rathenaumörder durch eine Gedenktafel geehrt hat. Sic haben jahrelang in ihren Blättern im Schuh einer Demokratie, die zuviel an den kulturellen Fortschritt und an menschliche Anständigkeit geglaubt hat, zu Mordtaten unverhüllt anfgefordert, sic haben innerhalb und ausserhalb der Konzentrationslager edle, geistig hochstehende, von Humanität und Sozialismus erfüllte Menschen wie Tiere, nein ärger als wie man es Tieren gegenüber täte, gemartert, moralisch und phv- sisck) zertreten, gemordet, erschlagen. Die sich zum Hakenkreuz, diesem Symbol der(Hewatt, brutaler Roheit und entmenschter Grausamkeit bekennen, halicn mit Zivilisation und Kultur, mit Menschlichkeit und Moral nichts mehr zu tun; Abscheu und Ekel erfüllt jeden Kulturmenschen ob dieses Abhubs und Ab- schäum» dessen, was Menschenantlitz trägt. Die Grenzen des Deutschen Reiches sind heute der Abgrund, der die Knltnrwcll von der Well der finstersten Barbarei trennt. Aber dieser Abgrund hält die Pest van den N'a ch b a r l ä n d e r n nicht'fern. Kaum ist der Zwischenfall in der Schweiz vorüber, wo deutsche Hakcnlreuz- ler mitten ans schvrcizcrischem Gebiet sich ihr Opfer holen wollten, eben erst hat die Welt Kunde vernommen von dem lieber fall auf das Innsbrucker Gefängnis, kommt die ruchlose Tat von Marienbad, die voll und ganz ans das Konto des Hakenkreuzes zu setzen ist. Denn die Nationalsozialisten sind es, die zum Mord am politijckfen Gegner tausendfach aufgefordert haben und die erst jüngst deni Gemordeten von Marienbad gedroht haben. Tie ganze Schmack) und Schande fällt auf ihr Haupt und grenzenloser Ekel erfasst jeden Kulturmenschen, jeden, dem Geistiges noch etwas gilt, jeden, der noch ein fühlend Herz s im Leibe hat, ob dieser kalten, grausamen j Gesellen, denen der politische Mord eine gewöhnliche Tagcsbcschäftignng geworden ist. Aber nut dem Abscheu allein ist es nicht getan. Angesichts der ruchlosen Tat muss gc- handcl: werdeni R u n i st es g c n u g! Es ist selbstverständlich, dass nicht ein einzelner Minister ressortmässig zur Tat von Maricu- bad Stellung nimmt, die Regierung der T s ch e ch o s l o tv a k i s ch c n R c p u b l i I muss sich mit allem Ernst mit dew Gelte S Freitag, 1. September 1888 Nr. 204 Fall Lessing beschäftigen. Denn davon hängt viel ab. Wollen wir eS dulden, daß die maßlose Hetze der Hakenkreuzler gegen jeden Andersgesinnten, gegen jeden, der vor ihnen nicht auf dem Bauche liegt, gegen jeben, dem Freiheit und Menschlichkeit noch Werte sind, zu unS herübergreift und Mörder gedungen werden gegen jene, die bei uns eine Zuflucht gefunden haben. Ist eS nicht des einen OpferS genug oder will man warten, bis den Mordbuben noch andere verbrecherische Taten gelingen? Es ist die politische und menschliche Pflicht der Regierung, die Demokratie und die Menschlichkeit, daS Leben aller derjenigen, deren Ideale im sozialen und kulturellen Fortschritt liegen, zu schützen vor Banditen und Mördern, vor dem Gesindel, das da auf die menschliche Kultur losgelassen wurde. Die Tschechoslowakei-muß nun zeigen, daß sie sich in die Reihen der Kultur ft aaten st eilt und daß sie Zustände, die noch ärger sind als sie je durch mazedonische Mordorganisationen herbeigeführt wurden, nicht dulden ,wird. Die wahrhaft demokratischen Elemente dieses Staates, vor allem die Arbeiter aller Nationen, werden auf der Wacht stehen— die Staatsgewalt darf nicht die Meinung erwecken, daß man sich gegen Mordgesindel selbst helfen müsse. Die Vorkehrungen der demokratischen Staaten aber dürfen nrcht nur die Isolierung des Landes gegen die Mordpest des Dritten Reiches zum Ziele haben. Die braunen Horden haben ihre Helfer auch im Innern des Landes. Nicht nur einmal wurde nachgewiesen, daß zwischen den Hakenkreuzlern im Reiche und ihren Gesinnungsgenossen innerhalb unserer Grenzen Berbirwungen bestehen. Cs müssen angesichts der grauenhaften Tat vom Mittwoch alle Fäden, die herüber und hinüber laufen, aufgvar Jabotinsky selbst, der den keineswegs spontanen Krawall sorgfältig dirigierte. Am Spätabend begann eine Nachtsttzung des Kongresses. Vle Kommun sten als Arbeitgeber Versäumnisurteil gegen Abg. Zäpotoek> vor dem Prager Arbeitsgericht. Prag, 81. August. Wir haben vorig« Woche über die Klag« de« ehemaligen Administra- tionSange st eilten de« Zentralsekrc- tariateü der Kommunistischen Par- t e i Wenzel Spatz berichtet, der nach zehn- jähriger Dienstzeit plötzlich ohne Einhaltung der Kündigungsfrist entlassen wurde, und zwar derart, daß er bei seiner Rückkehr vom Urlaub den KündigungS- brief vorfand. Spatz klagte beim Arbeitsgericht einerseits die Kommunistische Partei und anderseits den Abg. ZLpotoekF, der ihn persönlich vor zehn Jahren in die Dienste des Sekretariates ausgenommen hatte(Spatz war bis dahin Arbeiter der Whsotschaner Gummifabrik gewesen). Die Klage lautete auf Einhaltung der Kündigungs- s r i st und Bezahlung deS auf diese Zeit entfallenden Gehaltes im Betrage von 1500 Kronen. Außerdem läuft noch eine Auseinandersetzung über nicht bezahlte Verficherungs- b e i t r ä ge! Die Klag« gegen die Partei nmßte, wie seinerzeit berichtet, auS dem formalen Grunde abgewiesen werden, weil em« politische Partei keine juristische Person ist und daher auch nicht geklagt werden kann. Nun stand noch die zweite Klage gegen den Abg. Zäpotock^ zur Verhandlung. Der ge- klagte Herr ZLPotöck^ hatte sich jedoch zu dieser Verhandlung nicht er st eingebunden und so erging gegen ihn«in Versanmnisur- teil, durch welches er sachfallig erkannt und zur Bezahlung der eingeklagten Summe'verurteilt wurde. Betriebsratswahl in den Brünner Waffenwerken. In den Brünner Waffenwerken fanden gestern Betriebsratswahlen statt. Die Sozialdemokraten erhielten 671 Stimmen und 5 Mandate, die Nationalsozialisten 1058 Stimmen und 8 Mandate, die Christlichsozialen 9t Stimmen und kein Mandat. Die Wahlzahl war 130. Im Vorjahre wurden 12 Mandate vergeben, Heuer 13. Die Mandate haben di« Nationalsozialisten gewonnen. Die Sozialdemokraten behaupteten ihre Position. Die Kommuni st en haben nicht kandidiert. Politische Hausdurchsuchungen in der Slowakei. Ber einem der Führer der flowakischen Nationalpartei, Dr. Ludevit Bazovsky, Ildvo- katen in Luven«, wurde ein« Hausdurchsuchung veranstaltet, die, wie tschechische Blätter melden, belastende» Material'gegen den Genannten zu Tage förderte. Es sollte em slowakischer Nationalrat mit dem Sitz in Banskü Bistriea gegründet lverden, und zwar sollte diese Gründimg am 30. Oktober swttfinden, am Jahrestag« jener denkwürdigen Versammlung der Slowaken in TurS. St. Martin, in welcher die Slowaken den Anschluß an die Prager.Revolution vollzogen haben. Bei Bazovsky wurden nun daraus bezügliche Drucksorten gefunden, bei deren Ver- oreitung ihm ein Prof. Johann Nemäth und ein Geschäftsmann MorhaL geholfen haben. In Turv. St. Martin wurde auch beim Sekretär der slowakischen Nationalpartei Florian Staöe und in den Kanzleilokalitaten dieser Partei selbst hauSgesucht. Staäes Wohnung und die Kanzlei der Parte: wurden versiegelt. Später wurde auch in der Wohnung des amtierenden Vizepräsidenten der slowakischen Nationalpartei Dr. MiloS V a n L o eine Hausdurchsuchung veranstaltet. 10 Der Goldfasan oder Die letzte Nacht des Mandarine Wang-Li-Kung Ein• Legend« von Fritz Rosenfeld Copyright 19J3 by Bflchergllde Gutenberg, ZQrlch. Als der Mandarin eines nachts ein großes Gelage gab und seine Freunde ihm schmeichelten als dem reichsten und mächtigsten Mann der Provinz Tsche-Kiang, ließ er den Goldfasan holen und hob ihn auf den Tisch. »Ich bin viel reicher, als ihr denkt," sagte >r,„venu ich halte den Schlüssel zu einem großen Schatz in meinen Händen." Und Wana-Li- Kung lachte, als er sortfuhr:„Ein Knecht sagte mir, der größte Schatz sei die Sehnsucht. Der Knecht war em Narr, ich warf ihn in den Kerker." In dieser Nacht fedoch geschah e», daß Tschung-King aus dem Kerker oeS Mandarins entsprang, unter dem Schutz der Dunkelheit auS der Stadt floh und den Goldfasan, den der Mandarin wieder in daS Gehege hatte bringen lassen, raubte. Wang-Li-Kung hetzte feine Knechte auf Tschung-King, aber stall den Entflohene» wieder- zubringen, blieben die Knechte bei ihm in den Wäldern und gründeten mit ihm einen Bund, den sie den„Bund der Brüder" nannten nnd der daS Schwert de» Aufruhr» erhob gegen Un- recht nnd Unterdrückung. Wie ein reißender Strom im Frühling schwoll der„Bund der Brüder" an. Aus den Städten stießen di« Kulis zu Tsching-Kung, di« Lastträger aus den Häfen, di« geprügelten Soldaten auS dem Heere des Kaisers, oie armen Bauern au» den Dörfern entliefen in die Wäl- tzer. Die Sklaven kamen von den Gütern der Mandarine und Generale, die entsprungenen Gefangenen aus den Verließen der Städte. Sie brachten Waffen mit nnd Gefäße und ReiS; auch Frauen schlossen sich ihnen an. So wuchs der Bund der Bruder; sein Zeichen war der Goldfasan, nicht als Sinnbild der Macht, sondern als Sinnbild der Sehnsucht. Der Kaiser in Peking sandte einen Brief an Wang-Li-Kung und besah! ihm, ein Heer gegen die Rebellen zu rüsten. Aber daS Heer wurde geschlagen, nur wenige Soldaten kehrten zurück, viele blieben bei Tschung-King und kämpften an seiner Seite. Wo in diesen Tagen ein Mandarin da» Recht beugte, ein Herr seinen Knecht prügelt«, ein General seine Soldaten aus Raubzüge aus- sandte, dort leuchtete der Goldfasan aus und das Schwert der Bruder flammte über das Haupt der Schuldigen. In der Provinz Schen-Si wurde ein Sklavenhändler erschlagen, der heimlich Bauernkinder in die Hafenstädte verkaufte, in Kwei-Tschau siel ein General, der die Dörfer plünderte, in Hu-Nan flog nachts ein flammender Pfeil in daS Haus eines Mandarins, der einen Bettler hatte köpfen lassen. Um Tschung-Kina aber bildeten sich Legenden. Das Volk erzählte in den Schenken, der goldene Fasan habe dem Rebellen eine geheimnisvolle Gabe verliehen: des nacht» konnte der Schatten Tschung-King» sich von seinem Körper trennen, über da» Land ziehen mit großen Schwingen wie ein Bogel und Taten vollfuhren, die Menschenhand niemals vollbringen könnte, So versuchte das Bolt zu erklären, daß der Bund der Brüder überall war, wo Unrecht geschah, und daß kein Heer he» Kaisers, kein Spion der Mandarine auch nur einen einzigen Krieger aus der Armee Tschung-KingS sangen oder töten konnte. Die Frauen erzählten sich von Tschung- King, daß er feilt Herz an ein Mädchen verloren, daS in einer großen Hafenstadt in einem der gewaltigen Hotels wohnte. Er besuchte in jeder Nacht dieses Mädchen, er saß neben dem Mädchen am Tisch, er hockte auf dem Bettrand, wenn eS schlief, er sprach zu ihm und war immer um daS Mädchen, aber eS hörte ihn nicht und wußte nichts von ihm. Oft verlangte eS ihn, mit seiner Schattenhand über die Stirne des Mädchens zu streichen, mit seinem Schattenmund die Lippen des Mädchens zu küssen; aber daS Mädchen fühlte weder seine Hand noch seinen Kuß, eS schlief und dachte an einen Offizier, der ihm Blumen gekauft und zugelacht hatte und der eleganteste Tänzer war m der ganzen Stadt... Eines TageS, so berichteten die alten Frauen, habe man dem Mädchen von der Liebe Tschung-KingS erzählt. Da habe eS sich erst gefürchtet, dann aber habe eS gelacht, und als eS im Bette lag, richtete eS sich auf und rief: „Tschung-King, wenn du hier bist, gib mir ein Zeichen. Einen Schatten kann ich nicht lieben,»ch will Arme fühlen, die mich umfangen, ich will Augen sehen, die mich bewundern, ich will Worte hören, die meine Schönheit preisen." Da soll Tschung-King fortgeschlichen sein; daS Lachen des Mädchens soll ihn begleitet haben bi» weit über die Grenzen der Stadt. Und eS wird erzählt, aber dies ist sicher nur eine Sage und von den«Uten Frauen erfunden an den Winterabenden am Feuer, daß man am Morgen auf den Teppichen im Zimmer des Mädchens die Spur von Tränen gefunden habe. Tschung-King jedoch nahm eines der Mädchen, die zu den Kriegern in die Wälder zogen, zur Frau; das Mädchen gebar ihm einen Knaben, oen er Tsung-Ien, und eine Tochter, die er Kwana nannte. Der Goldfasan lebte in der Hütte Tschung-KingS, lief hinter ihm her wie ein dienender Gott und schlief deS nachts neben seinem Lager. Wang-Li-Kung wälzte sich im Halbschlaf. Er sah deutlich die Bauern vor sich, die Nachricht brachten von Tschung-King und seinem Heer. Wer ihm Tschung-KingS Verstecke verriet, wurde reich belohnt. Aber ehe die Soldaten des Mandarin- die Schlupfwinkel Tschung-KingS aufgespürt, hatte dieser sein Versteck gewechselt; an der alten Lagerstätte fand man nur einen Fetzen Seide, aus den ein Goldfasan gestickt war. Wang-Li-Kung nannte den Sohn deS Gauklers einen Räuber, daS Volk nannte ihn seinen Rächer, heimlich aber erzählten sich die KuliS und Bauern, die Reisverkäufer und Mattenflechter in den Dörfern und Städten, daß Tschung-King die Sehnsucht selber sei und der Bund der Brüder anwachsen werde, bis er alle Betrogenen und Geprügelten, all« Hungernden und Sehnsüchtigen der Welt umfaßt. Dann werde Tschung-King mit dem Goldfasan aus den Wäldern hervorbrechen und ein neues Reich aufrichten auf der Erde. Der Kaiser zürnte dem Mandarin, weil er den Kampf gegen den Rebell«» zu zaghaft führe, und sandte einen General mit einem neuen Heer gegen Tschung-King. Doch auch dieses Heer lief zu Tschung-King über; der Kopf de» Generals lag eines Morgens vor dem HanS Wang- Li-KungS im Sand. Wang-Li-Kung beriet sich mit seinen Freunden.„Wenn du ihn nicht treffen kannst," sagten die Freunde,„dann trifft die, die er liebt. Seine Kinder, seinen Vater, seine Frau, seine Schwester. Noch ist er unbesiegt. Die erst« Niederlage zerbricht den Heldenschein, der ihn umgibt. Er gebietet über die Schatten, zeige ihm, daß du über die Körper gebietest, die un Bereiche deS Arms wandeln." Wang- Li- Kung hörte die Worte der Schmeichler und überdachte sie. Dann sandte er seine Knechte nach Hüan, ließ die Schwester Tschung-Kings fesseln und in sein HüuS bringen. (Fortsetzung jolgr.) St 2M Freitag, 1. September 1988 Seite 8 Die österreichische Miliz Paris stimmt zu. Pari-, 81. August.„Petit Paristen" bestätigt, daß die Zustimmung der Alliierten zur Erhöhung der Militärstre»tkräftc in Oesterreich auf 8st.000 Mann, die durch die FriedenSvcr- träge bewilligt sind, eine nahezu voll st an« di ge ist. ES handelt sich um eine ausnahmsweise und temporäre Bewilligung der Erhöhung des Hccresbestandes für die Zeit eine» Jahres. Diese Streitkräfte sind für die Verstärkung des PolizeidienstcS bestimmt. Der„Malin" schreibt, es handle sich hiebei demnach nicht, w-c es die deutsche Presse behauptet hatte, um die Einführung der Militärdienstpflicht in Oesterreich. Die ehemaligen EntentemäckNe und die mit ihnen befreundeten Staaten sind fest eniscklossen. keinerlei Präzedenzfall zu dulden, der ein offenes Tor für die Revision der Militär- bestimmungen der Fricdrnsverträgc bilden würde. Ausbürgerung österreichischer Nazis Wien, 31. August. lTsch. P. B.> In St. Pölten hat die Polizei ein Verzeichnis von 28 Nationalsozialisten angefcrtiat, die nach Baftern geflohen sind und in der österreichischen Legion diene». Diese 28 Personen werden der österreichischen Staatsbürgerschaft für verlustig erklärt werden. Auch in anderen Städten werden seitens der Polizei gegen Angehörige der österreichischen Legion ähnliche Maßnahmen getroffen. Rlntelens Ernennung Wie«, 30. August. Die„Arbeiterzeitung" kommentiert die Ernennung Dr. R i n t e l e n S zum Gesandten in Rom auf folgende Weise: Die Ernennung hat zweifellos hochpolitische Bedeutung. R i n t c l e n hat mit Italien schon alte Beziehungen nicht nur aus der Zeit, da er den italienischen Kapitalisten Zutritt zu den steirischen Wasserkräften und anderen österreichischen Unteriiehmungei« verschaffte, sondern auch als Bundesgenosse der Hrimwehr, deren Verbindungen mit Italien bekannt sind. Seine Betrauung bedeutet die Bekräftigung der Politik, die Oesterreich Ztolien an nähern und auf dem Wege über da» sasci stischc Italien eine Aussöhnung zwischen Lester- reich und Deutschland herbeiführen will. „Prlventlvakilon" gegen den Krieg Der„Neue Vorwärts", Karlsbad, ver- Watlicht«inen au« Pari« stammenden Artikel, ! bet di« Stimmung In den Weltmächten gegen über dem neuen kriegerischen Deutschland wie- dttgibt. Richt Präventivkrieg, sondern Prä- dentivaktion gegen den Krieg und gegen die deutschen Rüstungen sei da« Ziel, da« die Außenpolitik Frankreichs verfolge. Deutschland solle gezwungen werden, die bestehenden Vertragt zu respektieren. Dabei hab« es die Deltmrinung geschlossen für sich. Frankreich aber wolle nicht allein bleiben, und auch nicht vorangrhen. ES blicke deshalb gespannt auf England. Di« englische Regicrung sei fetzt Im Begriff, ihr« Passivität aufzugeben und die diplomatisch« Offensive zu ergreifen. Die weitere Entwicklung wird in dem Artikel folgendermaßen geschildert; Man erwartet also, baß England im .Herbst bereit sein wird, gemeinsam mit anderen Mächten von Deutschland die Einstellung des ProvagandakriegS gegen Oesterreich und die Diederobrüstung auf den vertragsmäßigen Stand zu perlangen. Das bedeutet dann Verzicht auf di« rapid« Militarisierung Deutschlands, die««n> tioe reale Funktion der NSDAP und die Auslosung oller Wehrverbände der SA, der SS und M Stahlhelms. Man weiß natürlich, daß die Annahme solcher Forderungen durch freundschaftliche Ermahnungen nicht zu erreichen ist. Nur wenn die Hitlerrogierung fürchten wird, das Reich könnte zu Bruch gehen und sie selbst könnte unter den Trümmern begraben wer- den, erst dann wird sie sich zur Annahme so schwerer Bedingungen bequemen, deren innenpolitischen Folgen nicht abzufehen sind. Die Hitlerrogierung wird vor die Entscheidung gestellt sein, ob sie der diplomatischen Niederlage, der sie nicht auSwcichen kann, auch nach die militärische hinzufügen will. An cinen Sieg Deutschlands glaubt kein Mensch. Mo« ist vielmehr fest davon überzeugt, daß Frankreichs lleberlegcnheii durch seinen Rüstung«- Vorsprung und seine Bündnisse bi« auf weiteres vollkommen gesichert ist. Kommt es zum Krieg, so wird e« danach ein deutsche« Reich nicht mehr geben. Ta« ungefähr sind die Meinungen, die man m Frankreich letzt allenthalben aussprcchen hört. Der Herbst droht mit Stürmen. Ob sie sich bald wieder in ein sanfte- Säuseln verwandeln oder ob sie sich zu einem Orkan steigern werden, der vernichtend über Europa Hinwegfegen wird, vermag keiner vorau-zusagen. Maa sieht hier in Hitler den Mann, der di« ganze Welt gegen Deutschland geeinigt hat, und man fühlt sich stark gegen ihn. Und auch die «ktremsten Nationalisten blicken hoffungSvoll in bi« Zukunft. Ihr Ziel ist Deutschland- Untergang und ihre Hoffnung heißt Hitler. Auch Doering bekommt ein ent Essen, 31. August.(Conti.) Wie die„Ratio, nalzeitung" erfährt, hot der bayrische Ministerrot beschlossen, dem preußischen Ministerpräsi. deuten Göring al« Ehrengabe 10.000 Quadrat» «eter Staatsgelände zur Errichtung eines hause« ans dem Obersolzberg zur Verfügung zu stellen mit dem Wunsche, ihn recht bald in der« bayrischen Bergen begrüßen zu können. Ministerpräsident Göring hat die Ehrengabe angenommen. Nendeutsdier imperalismns Elsaß, Oesterreich, Luxemburg, Teile von Belgien und Holland solle« erobert werden. Bingen, 31. August.(Jnpreß): Auf der großen Saarkundgebung entwickelte der Staatsrat Simon«in allseitiges Eroberungsprogramm: „Dir begnügen uns nicht mit der Saar. Darüber hinaus reicht die deutsch« Zone bis nach Metz und herunter nach Mühlhausen. Di« Saar, Äsaß-Lothringen. Oesterreich, Luxemburg, Teile von Belgien und di« Niederlande sind einmal deutsch gewesen und deutsche Eigenart ist«och heut« dort zu Haufe. Deutschland will nicht«ur ein 60-Millionenvolk sein, sondern«in Boll von' 90 Million«« werden. Nicht eher wird der Nationalsozialismus ruhe«, al« bi« da« Ziel ein«« GroßdentsthlandS von 90 Million«« erreicht ist." Die Rede SimonS ist zwar zensuriert worden, wurde aber stenographiert. Obwohl jeder Redakteur fein Manuskript zur Kontrolle vorlegen mußte, haben zu viele SimonS ausschweifende EroverungSs«hnsüchte vernommen, alS daß dieser Pafsu« seiner Rede verschwiegen werden könnt«. SA-Llebhaber letten einen Jaden um. In Mannheim wohnt ein Jude Kaufmann. Er ist seit vielen Jahren mit einer„Christin" aus Duisburg verheiratet. Im Zeichen der Aufnordung Deutschlands fing die Frau an„unglücklich" zu werden. Sie wollte ihren Monn loS'«in. Da sie sich inzwischen«inen strammen SA.»Mann aus Duisburg, ihrer Heimat, als Liebhaber«r- koren hatte, kam sie auf die immerhin neu« Idee, im Zuge der allgemeinen JudenauStilgung auch ihren lshegcspons beseitigen zu lassen. Ter Li«v- liaöer verschrieb sich noch«in paar Duisburger SA.-Leute, di« vor etwa.zehn Tagen den Ehemann in der Wohnung kaltblütig niederschossen. Wie sehr sie von der Legalität ihrer Mordtat überzeugt waren, beweist der Umstand, daß sie durchaus kein« Eile hatten, den Tatort zu verlassen. Sie blieben in Mannheim nnd wurden dann von der Polizei verhaftet, zusammen init der mordlustigen Eva. Der Mannheimer Untersuchungsrichter leitete ein« Untersuchung gegen die fünf SA.-Leute und die Ehefrau wegen Morde-«in. Da kam vom Dui-burger Staatsanwalt plötzlich«in Schreiben, in dem kategorisch die Freilassung der Mörder verlangt wurde. Ange- sügt war di« Drohung, daß— falls der Unter luchungSrichter in Mannheim dem Duisburger Befehl nicht Nachkomme—„in Mannheim einmal noch dem Rechten gesehen werden niüsse". Di« könne sich ein Richter erlauben, SA.-Lcnte einzusperren, denen nichts andere- vorgeworfen »verde. als einen Juden„umgelegt" zu haben. Der Mannheimer Untersuchungsrichter aber blieb standhaft und verweigerte die Freilassung. Vor erst! Bis vielleicht doch eine übergeordnete Stelle in Mannheim Ordnung schassen, den Richter in Schutzhast nehmen und die Mörder freilassen wird. nitlcrhciTsdiolt— fraucnclcnd Bericht am der rrauenwellKonterenz Gleich nach der Pariser Konferenz der SRI ist dort die International« Sozialistische Frauenkonferenz Msiumn««getreten. Eine rcich«- deutscho Genossin, deren Name sekbstver- stündlich nicht genarmt worden ist, berichtet«: In HmerdeutschliLnd werden jetzt systema.- tisch Hunderttausend« erwerbstätiger Frauen aus ihren Stellungen in öffvm- lichen und privaten Anstalten und Betrieben jeder Ard verdrängt, um ihre Stellen mit männlichen Hitlerianern zu besetzen. Durch diese Betätigung der Nazi Parole:„Die Frau gehört ins Hau-!", sowie durch die E i n st c l l u n g der Arbeitslosenunterstützung an stellenlose Hausgehilfinnen vermehrt die Hitberei ganz ungeheuer die Prostitution in den Großstädten, während die Arbeiterinnen aus dem Lande gezwungen sind, sich als Sklavinnen zu erbärmlichen Löhnen dem Großgrundbesitz anzubicten. Die Konferenz folgte tieferschüttert diesen Darlegungen, sprach sich auf cngliischem Antrag für energischesten Weltdoykott zur Befreiung Deutschlands und der Menschheit von der Hitler- schinach und dem regierenden Sadismus aus und beschloß, de» Bericht der reichsdeutschen Genossin in allen vom Fascismus irgendwie bedrohten Völkern zu ihrer Warnung zu verbreiten. Ebert Jan und Darmat Hellmann in Oranienburg Nene Sthlkanen im Sonnenbnrger Konzentrationslager Berlin, 29. August.(Insa.) Im Konzentrationslager Sonnenburg, wo die meisten der führenden marxistischen Funktionäre untergebracht sind, sind neuerdings auf direkte Anweisung de« preußischen Innenminister« Göring unerhörte Verschlechterungen für di« Schutzhaftgefangenen eingeführt worden. Während bis dahin wenigstens alle 14 Tage die Gefangenen Pakete empfangen konnten und Briefe geschrieben werden durften, lvährcnd die Angehörigen alle vier Wochen Besuchserlaubnis erhielten, ist jetzt die Besuchserlaubnis überhaupt gesperrt, Pakete dürfen nicht mehr geschickt werden und selbst die Ucberscndung kleiner Geldbeträge, für die sich die Gefangenen bisher— wenn auch nur in/klcincrem Umfang— in der Kantine Rauchwaren nnd dergleichen kaufen konnten, ist fetzt untersagt. AlS Grund für diese Ouölrrei gegenüber den Insassen werden die„dauernden kommunistischen Wühlereien" angegeben. In Mlhrheit handelt cs sich um die Durchführung des barbarischen Prinzips, das einer der mit der Verwaltung beauftragten SA-Leute kurz nach der Eröffnung des Lagers dahingehend formulierte:„Wir werden dafür sorgen, daß von den kommunistischen Führern keiner mehr lebendig hcrauskommt." „Nun wühlt, was ihr könnt, rote Wühler r DieS Grenelbild, das wehrlose Gefangene verspottet— Hellmann ist 70 Jahre alt und krank!— erschien vor wenigen Tagen im „Völkischen Beobachter". Ebert und Hellmann werden bei Sumpfarbeiten in der Lüneburger .Heide beschäftigt. Haussuchung bei den Danziger Deutschnationalen Berlin, 81. August. Tas Wolfs-Büro meldet aus Danzig: Wie die Polini mitteilt, sind in letzter Zeit wiederholt konkrete Mitteilungen an das Polizeipräsidium gelangt, aus denen unzwci- selhast hervorgcht, daß die Deutschnatio- n a l c V o l k S p a r t e i in D a n z i g, beziehungsweise deren Vertreter und Anhänger eine immer starker tvcrdcnde Propagandatätigkeit entfalten, um den Erfolg gesetzlicher nnd behördlicher Anordnungen zu vereiteln und zu schmälern, in der Absicht, die Interessen des Staates Danzig zu schädigen. Diese positiven Mitteilungen wurden noch durch die Oppositwnsftcllung, die der Abgeordnete Tr. Z i« h m inr ÄolkStage anläßlich der Beratung über die Aufhebung der Immunität des sozialdemokratischen Abgeordneten Brill ein nahm und gegen di« au- verfassungsrechtliche» Gründen nichts unternommen Werden kann, noch besonders unterstrichen. Aus diesem Grunde hat sich der stellvertretende Polizeipräsident von Dorfen unter strengster Wahrung der verfassungsmäßig festge- legten Richtlinien genötigt gesehen, eine Durchsuchung des Parteibüros der deutschnationalen Dolksportei sowie der Wohnungen einzelner Parteigänger zum Zwecke der Beschaffung von Bewrismaterial anzuordnen. Die politische Polizei ist augenblicklich mit der weiteren Klärung der Angelegenheit bcskl»ästigt. Vie Rache am Geist „Wenn man in Deutschland die'Sache der Vernunft führt, argwöhnen all«, man sympathisiere mit dem feindlichen Ausland." Diese Worte hat Theodor Lessing niedergeschrieben lange vor seinen« Aufsatz über Hindenburg, dessen Wirkungen auf so verhängnisvoll« An die Wahrheit seines Ausspruches bestätigten. Sie sind zu finden im Anhang seines Buches „Europa und Asien", dessen erste Auflage 1918 erschien, das aber damals im kriegsfieberndel« Deutschland wenig beachtet wurde. Viel später bekam es darin den Titel„Urrtergarrg der Erd« am Geist". ES ist nicht dieses Buch, das Lessing den Haß der Hakcnkreuzlcr beschert hat, den«« cs ist zu wetten, daß keiner cs gelesen hat, noch die „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen. Diese Bücher zeigen Theodor Lessing als sehr eigenwilligen Denker, als einen sehr kritischen Denker, der sich nie und nirgends mit der lieber- nehme fertiger„Wahrheiten" begnügte, der also rin wirklicher Philosoph war. In seinem ersten großen Buche stellte er dem curopäisch-amerikani- schen Geist den asiatischen gegenüber. Anders und brsser: der europäischen zweckmäßig«»« Ratio(Vernunft) und deren Ergebnissen, die er zukunftfor- schend vorauözusagen versuchte, zeigte er den to ander- gearteten und anders anfzufassenden Geist Asiens, der Ratio di« asiatische„Schau". Er sag« in diesem Buche: „Was wir in Europa u>rd Amerika Kultur- entwicklung nennen, das ist nicht die besondere Zartheit nnd Tief«, Schönheit und Innigkeit unserer.Herzen; nicht Verfeinerung, Steigerung und Erhöhung des Lebens, di« uns von anderen Geschöpfe»« der Erde stolz abtrennt und edel unterscheidet. Nein! Es handelt sich um eine Summe objektiver Güt«r und Werte, Fertigkeiten, Kennt- Nisse, Formeln und Fähigkeiten, die schließlich auch von nichtruropäischen Menschen glatt erlernt und übernommen werden können." Dieser Kultur stellte er gegenüber ,^>eS Morgenlandes vergessene Seele, besser, tiefer, redlicher, als sic heut« Europa und Aemerika bekannt ist". Dabei übersah Lessing nicht, stellt« cs fest, daß alle asiatischen Völker Schritt um Schritt hin«ingcdr仫gt werde»« in das europäisch-amerikanische Lebens- und Wirtschafts- Ideals daß also die Seele Asiens erkrankt an« citropäischen Geist. So aber sah Lessing das Endergebnis dieser Geistesentwicklung(zusammeu- gcsaßt in solcher Knappheit in sciilcr letzten Schrift „Deutschland und seine J«»d«n"): „Nach Ausrottung von Wisent, Bär, Luchs, Wolf, Biber, Marder u»«d Nerz, von Löw« nnd Elefant, von Alligator und Krokodil, von Adler und Eule, von tausend Bogelarten und tausend Pflanzcuarten, nach Ausrottung der Urwälder, Verpestung der Flüsse durch den alles iibermäch tigenden, dcnuiiloscn Menschen-Machtwahn kommt zum Beschluß sogenannter Entwicklungs- und FartschriltSgcschichtc die wechselseitige Selbstvernichtung: Volk gegen Volk! Mil ollen Waffen der i Technik, welche längst Technik de» Mordens gewor den ist. Mit GiftgaLchemie nnd Massenmordmechanik." Dies« Zukunftsschau, vor der jeder Mensch erschaudern muß, wenn er nicht so feige ist, die Augen zu schließen, aber auch Lessings Augusti- nische— nnd mit orientalischer Geistigkeit über- einstinttnende— Liebe zu allen« Lcbc>«dcn machte ihn zum Pazifisten. Nnd wer Jude ist, Pazifist dazu, ein selbständiger Denker,, ist de»» Barbaren des Dritte»« Reiches verdächtig, auch wenn sie nicht mehr wissen, als daß er«in jüdischer und pazifistischer Denker ist. Dann- ist er scho»« eine„Judcnsau", die ,,gekillt" lverden>n»»ß. Lessing»var auch Sozialist. Er lvar kein marxistischer Sozialist. Gerade seine Auffassung von der Geschichte als Nmlngnng der Tatsachen zu Legende»«, als nachträglich«„Sinngebung-cs Sinnlosen" treittltc ihn von den Marxisten. Freilich gäbe cs auch mit seiner Anffass»»ng Berührungspunkte, aber cS ist hier nicht der Raum, noch ist LessingS Ermordung der Anlaß, sich mit seiner Geschichtsphilosophie auscinanderzusetzeu. Genug, er war Sozialist. Und er war, so wie sei»« Sozia- sismuS eigener Art war, in vielem eh, eigenartiger Denker, viele»« Wissensgebiete«« zugewandt, eine ungcmci»« widerspruchsvoll« Natur, gerade deshalb aber eil« uirgeineii« interessanter Mensch. Lessing mußte noch-em Hitler-Siege flüchten. Seine Wohnung»vnrde demoliert, sein« Bibliothek wurde voi« hakenkreuzlcrischen, also grundsätzlich nichtlcse»«-««« Studenten mit Jauche übergossen. Auch die Zinsen-eS kleinen Vermögens Lessings wurden„beschlagnahmt", also von Amts wegen gestohlen. Tas genügte»«ationalsoziatistischcm-Haß iiicht. Der Jude»nutzte auch verbrannt, der geflüchtete und geächtete Denker auch ermordet werden. De,« Hakenkrcuzlcri« genügt«S nicht, den deutschen Geist ouS Deutschland zu vertreiben. Sie wollen auch den Tod der Träger deutschen Geistes. Als wollte»» sie-er erschaudernden Welt beweisen, daß längst Wirklichkeit geworden,»vas Lessing noch als Gefahr für sein deutsches Vaterland sah, die Allaemeingültigkeit des Grundsatzes: „Wir sind Barbaren, aber Gott sei Tank: Deutsch!" Bewahrheitet sich, daß ein Wilddieb und Gewohnheitsverbrecher, also ein Mensch, in dem sich am denkbar krassesten der Gegensatz zu Theodor Lessing, dem Geistigen, offenbarte, dann tvärr das geradezu symbolisch für den Natioikalsozialismus. Für l-eute, für die dunkelste Zeit des deutschen Volkes, gilt, daß der Berufsverbrecher es vertritt, daß er von de>l Beherrschern-cs dcutsel-en Volkes auserscheu wird dazu, Jagd auf die Geistigen zu machen, auf das edelste Wild... Gilt nicht, was Lessing nach dein Tode Kurt EiSners schrieb, auch für diesen Mord, für den Mord an ihm: Geschichte sagt, daß ihn die.Kugel traf Bon irrgelenkter Jugend Hand. Die tat cS nicht! Di«„Guten" und„Gerechten" taten dies. Dk« Schriftgekehrte,« schlachten sÄche Opfer, Der.Händlerwach« Angst, der Soldner Macht. Berft^ckl im Kleid der„Weish«i t" Jüt bejt Staat! Tritt 4 Freitag. 1. September 1938 -k. 204 Eine llnglöüsferie in den Alpen. Katastrophen an lech« Stellen. SorialWche Fv»e«d-J»tekiiatio«ale. Fortschritte in Skandinavien und Westeuropa. J-Nl Anschluß an die Fnlernaiionale Konfe- renz der Sozialisttscheii^Irbeiicr-Fniernalionalc tagte am 26. und 27. August in Paris das Exekutivkomitee der Sozialistische» Fugcnd-Jltter- nationale. Es waren venreien die Verbände in Belgien, Bulgarien, Dänemark, DentjchlanV, Estland, Frankreich, Georgien, Holland, Italien, Lettland, Oesterreich, Rußland, Oa-weden, der Schweiz, Spanien, Ungarn und den Vereinigen Staaten von Rordanicrila. Den Bericht des Sekretariats erstattete ter Genosse OI l c n h a u c r. Er beschäftigte sich zunächst mit den durch die Entwicklung in Deutschland ontstau denen besonderen Aufgaben der Sozialistischen Fugenft-Fn- ternationale. Der Sieg der Hitlerdiktatur machte eine provisorische Verlegung des Sekretariat- der Internationale nach A in st r r da in notwendig. In einer Reifte von Ländern bat die sozialistische Jugendbewegung seit dem Prager.Kongreß weitere Fortschritte gemacht. Die skandinavischen Verbände und die Verbände in Westeuropa befinden sich in einem starken Ausstieg. Die schwedische Organisation zählt zur Zeit über 80.000 Mitglieder und ist damit die stärkste Organisation der Internationale. Aber auch in Belgien, Frankreich und Spanien sind große Fortschritte zu verzeichnen. Reue Verbindungen wurden ausgenommen mit Griechenland. Die Arbeit in den BaHa»ländern konn.Ic stark gcför- dert werden durch die Errichtung' eines besonderen Balkairsekretarials. Mit-Hilfe der spanischen Genossen wird die Herausgabe einer spanischen Ausgabe der„Internationalen Sozialistischen Iugendkorrespondenz" vorbereitet. In Deutschland ist die Organisation durch dasEftr- greisen der Hitlerdiktatur zerstört worden, ober es wird den deutschen Fascislen nicht gelingen, den sozialistischen Geist in der arbeitenden Jugend Deutschlands zu vernichten. Das Exekutivkomitee beschäftigte sich dann ringcheitd mit den Aufgaben, die sich für die sozialistischen Jugcndvrrbände aus der veränderten internationalen Situation ergeben. Das einleitende Referat hielt Genosse jtanitz- Wien. Die mehrstündige Aussprache endete mit der An- nahnte seiner Entschließung, die sich auf die Beratungen der Internationalen Konferenz der Sozialistischen Arbeiter-Internationale bezieht und zum Ausdruck bringt, daß sich die Sozialistische Fugend-Ficniationalc auf den Boden der Beschlüsse dieser Konferenz stellt. Die Entschließung fordert die sozialistische Fugend auf, an der Durchführung der Beschlüsse der Konferenz aktiv mitzuarbcitcn. Sic entbietet der Fugend in den soscistischen Ländern, vor allem der deutschen arbeitenden Jugend, ihre herzlichsten Grüße, und sie fordert die sozialistische Fugend aller Länder auf, ihre Solidarität mit den Opfern der Hitlerdiktatur durch Sammlungen zuni Ausdruck zu bringen. Der Fntcrnoiionalc Fugondtag am 8. Oktober wird ebenso wie die BeranstaUuitgen in. der Woche des 9. November, die die Soziali- stische Arbeiter-Internationale beschlossen hat, in erster Linie ausgebaut werden zu KampfkunD- gebungcn gegen den FascismuS und die Kriegsgefahr. Das Exekutivkomitee beschloß ferner einen Protest gegen die von der astländischcn Regierung verfügte Auflösung des dortigen soziatkstischen Fugcndvcrbandcs und einen Protest gegen die Absicht der iettländischcn Regierung, den Arbci- tevfport- und Schutzbund in Lettland zu verbieten. Weiter wurde beschlossen, für die südamcri- konischen Länder ein Sekretariat ähnlich dem Balkanftkrctariat einzurichten und^er spanischen Organisation die Leitung dieses Sckretrials int Einvernehmen mit der Fntcrnalionale zu übertragen. Das Sekretariat der Sozialistischen Fugend- Internationale tvuvde nach Prag verlegt. Die Leitung des Sekretariats obliegt tveiterhm dem auf dem Prager Kongreß zum internationalen Sekretär getvähltcn Ollc« haucr. Das dritte Internationale Sozialistische Jugendtreffen wird Anfang August 1934 in L ü t t i ch stattsinden. Es soll aus Aichaß des zwanzigsten Jahrestages des Ausbruches des Weltkriegs zu einer großen internatio- naleit Kundgebung gegen Krieg und Fascisnmü ausgabaut werden. Neu ausgenommen wurden die sozialistische Jugendorganisation Griechenlands und die So- zialistische Fugend Ungarns. Die Beratungen des Exekutivkomitees nahmen Zwei voll« Arbeitstage in Anspruch. Sie waren ein ettiidringlichcr Beweis für das außerordentlich starke geistige Ringe» in der sozialistischen Fugend um die Lösung der Probleme, die durch die gegenwärtige internationale Situation der Arbeiterklasse und ihrer Fugend gestellt sind. Sie haben aber gleichzeitig durch die große Einmütigkeit bei der Eukscheidnng allen praktischen Aufgaben der Sozalistischcn Fiigend-Fnternatio- nalc ergeben, daß alle Verbände der Sozialistischen Fugcnd-Fnteruationale gewillt sind, die internationale Zusammenarbeit zu vertiefen und »uszubanen. Tod eines Achtzehnjährigen bei der Arbeit. Bei' Abgrabnug des Erdreiches beim Baue des Kanals für die Hydro-mirale am Fluße 11z bet Ui bot ob wurde der l 8jährige Elias Holik von sich lockernden Erdmassen verschüttet. Obwohl er sofort von Arbeitern ausgegraben wurde, erlitt er so schwere Verletzungen, daß er ihnen nach drei Stunden im Uiho roder. Krankenhaus erlag.- Berlin, 31. August. Das Wolfs-Büro meldet aus Salzburg: Ein Wiener Alpinist stürzte vom Winkler.^urm in der R o s c n g a r t c n g r u p p c ab. Ein reichsdeutscher Bergsteiger aus Freiburg im Breisgau stürzte vermutlich aus Erschöpfung von einer Terrasse aus die Schutthalde des O m'b r c I t a- Passes und war sofort tot. Ein italienischer Geistlicher geriet beim E d e l w c i ß p f l ü ck e n bei Martino di Ca- strozza in den Dolomiten in Gefahr und stürzte tödlich ab. Bei Pfunders im Pustertal rutschten einige lagernde reichsdeutschc Wanderer ob. Einer überschlug sich und brach das Genick. In der Brenta-Gruppe ereilte einen Reichsdeutschen der Bergsteigertod. Innsbruck, 31. August.(Tsch. P.-B.) Bei den auf einer Bergtour im Solsteingebiel als vermißt gemeldeten Franziskanern handelt cS sich nm die Theologen Kadlec(P. Theobald! und Kostelnik(P. Fohanne«) auS der Tschcchoslo- T agesneuigkeiten Der Frevel am Leben. Bon Theodor Lessing. „Es lostet aus allen Menschen viele Schuld. Sie wird verziehen werden. Es gibt Hüde« und drüben viele Sünde. Sie wird vergessen werden. Aber Eine« trogt seine Sühn« in sich selber: Der Frevel am Leben! An der Schönheit, Reinheit, Vollendung de« Lebendigen! Der alte Mythos berichtet, daß al« der Heiland an« Kreuz geheftet wurde, rin Schrei de« Entsetzt!«« au« dem Schoß der Erde selber hervordrang. Di« Bäume und Blumen weinten und au« den Feldern quoll Blut. Wo« bedeutet das? Es bedeutet, daß, wer' am schöuen Leben srevelt, di« Erde selber gegen sich ausrust. Und wenn Menschen den Frevel nicht strafe«, die Natur selber schlüge zurück. Sie zermalmte die Frevler." (Aus„Deutschland und seine Juden". April 1938.) Gin Zwanzigjähriger zum Lode vernrteut. Werden sau der Aller), 31. August. Dos Schwurgericht verurteilte den 20 Jahre alten Fricdr.ich Wilhelm Stöver weg«» Morde« m Tateinheit mit Notzucht zpm Tode und fünf Fahren Juchthaus. Stöver, dessen Vater zur Zeit eine mehrjährige Zuchthausstrafe wegen Bültschande verbüßt, batte am 8. April ajif der Landstraße bei Okel seine 18jährigc Basd er-! mordet, nachdem er sich an ihr vergain« gen hotte. Gin Inlellettnellen-Zenttnm in Nizza, Pari«, 31. August.(HavaS.) Die sranzö- nichc Regierung betraute dieser Tage den Dichter Paul Valery, Mitglied der Akademie, mit der Organisierung eines Jntellektücllen-Zentrums für dos Mittelmecrgebiet mit dem Sitze'.in. Nizza. Einem Vertreter des„Jntransigcant" gegenüber deutete Valery die Grundsätze an, von denen er sich bei seiner Arbeit leiten lasten Willi. Reben Vorträgen hervorragender Wissenschaftler und Literaten sollen nach Nizza Kongresse namhafter Künstler einberusev werden, so daß dort wirklich ein mittelländisches.Kulturzentrum erstellen würde. In seiner programmatischen Erklärung hob der Dichter insbesondere den Gedanken hervor, daß die mittelländische Kultur der Boden gewesen fty, aus dem später die europäische Kultur hervorging. Menterei in einer Besserungsanstalt. Berlin, 31. August. Das Wolff-Büro meldet aus Brombcrg: In einer mit 80 Zöglingen be- legien BesterungSanstalt in Könitz kam cs gc- stcrn zu schweren Tumulten, die schließlich den Charakter einer Meuterei annahmen. Die Zöglinge warfen sich plötzlich während dcüEssenS auf die Wächter, überwältig, «en sic und verbarrikadierten den Eßiool. In den Räume» der Anstalt entspann sich dann ein erbitterter Kamps mit der Polizei, wobei ein« große Anzahl von Meuternden verlebt wurde. Auch einige Polizisten und Grenzbeamte wurden nicht unerheblich verwundet. Tic Anstifter dieser Revolte, etwa 20 Zöglinge, wurden verhaftet, gefesselt und in das Gcrichtsgesängnis eingeliefert. Bo» einem Aluqreun getötet. London, 31. August. Bei einem Schauflicgcn an der Küste von Barmouth(Merionethshire) kam gestern die bekannte englische Fliegerin Tvcack mit ihrem Apparat zu tief herunter. Eine Trag- fläche ihre« Apparates zerschmetterte den Kopf eines 20jährigen Studenten, der sofort tot war. Ein Brüder des Getöteten erlitt einen 'Armbruch. Dann stürzte der Apparat ins Wasser, Die Fliegerin wurde mit Kopfverletzungen geborgen. Tschechoslowakische« Preßbüro versagt! Theo- dor Lessina wurde um halb 10 Uhr abends ermordet— das Tschechostowakische Preßbüro erfuhr doS erst am nächsten Morgen und wakei. Sic studierte» an der Innsbrucker Universität und standcn vor ihren Schlußprüfungen siir dos Doktorat der Theologie. Bern, 31. August.(SDA.) In Zermatt ivcrden zur Zeit vier Touristen vermißt, die eine Besteigung des Matterhorns vorgenommen hatten. Im Laufe des gestrigen Mittwoch vermißte man vorerst zwei Schweizer aus Baden, tvelchc schon am Dienstag hätten zurück- kebren sollen. Eine andere Touristengrupp« entdeckte dann B l u t s p u r e n an der Felswand, so daß der Absturz wahrscheinlich cr- scheint. Weiter sind zwei Touristen verschwunden, dir aus Stuttgart stammen. Diese beiden Stuttgarter Touristen batten mit einigen Freunden nach ihrer Rückkehr vom Givkel des Matterhorns eine Zusaminenkunft in der Matterhorn- Hütte verabredet, sind jedoch zur verabredeten Zeit dort nicht eingetroffen. Es sind bereits Rettungskolonncn zur Suche nach den Vermißten ausgeschickt worden. infolgedessen blieb die gesamte Presse in der 0,'DR.— mit Ausnahme eines einzigen Blattes, das seine Informationen von privater Seite erhielt— ununterrichtet. Dieser Zustand ist unhaltbar! Dreieinhalb stunden vergingen zwischen der Tat und dem ungefähren Redaktionsschluß so. ziemlich aller Tagblättcr; in dreieinhalb Stunden hatte der Sonderkorrespondent, den das Pressebüro in Marienbod hat, nichts von der Sache erfahren?! Das Pressebüro läßt sich für seine Berichte von den Zeitungen schweres Geld zahlen— damit übernimmt es aber auch schlvere Verpflichtungen! Wenn irgendeine Bolkanpriuzessin ein Kind kriegt oder tvenn ein afghanischer Königssohn heiratet, da ist das Pressebüro auf dem Damm. Aber gerade darauf verachten fast sämtliche Blätter sehr gerne. Dagegen muß unbedingt für rasche Berichterstattung gesorgt sein, wenn im eigenen Laude ein so schreckliches Ereignis von unabsohbarcr Bedeutung wie der politische Mord in Dkavienbad passiert. Hoffentlich sicht man das im Pressebüro,cin und schafft'Abhilfe!' Mord und Selbstmord bei Friedeck. Mittwoch abends wurde im Neubau seines Hauses in Dobra bei-Friedeck der Drogist Gabriel Pcgrimck aus Friedcck mit einer tödlichen Schußivundc ausgc- funden. Er wurde inü Krankenhaus geschafft, starb aber, während des- Transportes.-Bei dem Erschossenen wurde ein Brief gefunden, in welchem er schildert, daß. er Ivcgcn unerfreulicher finanzieller Verhältnisse, in Verzweiflung getrieben.worden sei und daß er auch seine Frau und sisiue Dhwiegermutter getötet habe. Dip Gendar- merie begab sich sofort in die Wohnung Pegk:- meks noch Friedeck, wo in' einer- Blutlache zwei Leichen, die Leiche der Frau des Drogisten, Alexandria, und seiner Schwiegermutter Marie Lpekova gefunden wurden. Allem Anschein nach erschlug sie Pegkimek mit einer-Hacke bereits vor drei Togen,- wÄsrcnd sie schliefen. Die Angelegenheit wird von der Ortsgendormeric. einer Ge- richtSkommition und einem Gcndarmeriefahn- dungSPosten auS Mähr.-Ostrau untersucht. ■ 16 Monate Gefängnis für einen deutsche« Geistlichen! In Dortmund wurde der Priester August Stöckerzu 16 Monaten Gefängnis verurteilt^ weil er in seinen Predigten die H)i tke r-R egi eru ng a«gegriffen hatte. - Wahrscheinliche« Wetter heute: Im Westen drS Staates verstärkte Bewölkung, jedoch ohne erheblichere Niederschläge, mäßig warm, schwacher bis mäßiger Nordwcstwind. Im Kar- päthengehiet keine wesentliche Acnderung. Brandstiftung au« Rache. In der Nacht auf gestern steckte ein bisher unbekannter Täter fünf groß« Getreideschober, die zwei Großgrundbesitzern in der Gemeinde KctergrS im ÜLHorodcr Kreise gehören, in Brand. Der Schade beträgt einige hunderttausend Kro- Prag, 31. August. Die Zahl der fachmännisch ausgeführten A u t o d i c b st ä h I e hat sich in letzter Zeit bei uns beträchtlich vermehrt. Fn den letzten Togen erst konnte die Prager Polizei eine gut organisierte Bande ausheben, die nicht nur die Entführung unbeaufsichtigter Wagen organisierte, sondern auch deren Maskierung durch anderen Anstrich und durch falsche Nummern besorgte und schließlich auch ihren Verkauf übernahm. Dieses nach amerikanischem Vorbild betriebene unsaubere Geschäft soll recht gewinnbringend gewesen sein. . Der 21 jährige Handlungsgehilfe Johann B i t ü k, der heute vor dem Strafsenat T r o st des in e h r f a ch e n schweren Diebstahlö angeklagt war, gehört allerdings nicht zu diesen öräinistertrn Spezialisten. Er hat am 20, Juli d. I. in Gemeinschaft mit einem gewissen Karl Ze.tfort, der nicht ausgesorscht werden konnte, auf dem Pokiö einen Tatra wagen im Werte von 68.000 Ke, dessen Lenker sich für eine Weile.entfernt hatte, entführt. In dem Auto, das der Benzinfirma Gebrüder Sigmund gehört«, war außer einigen Kleinigkeiten auch ein R ad i oa vp a ro t i m W e r t v o n 8000 Ks. '■. Die Autodiebe verließen in dem gestohlenen Wagen schleunigst die.Hauptstadt und versuchten zunächst den Radioapparat in den benachbarten Mtttwti« für die Monate Snli und August. (Di« erst« Zahl bedeutet Parteifond«, die ein- ipcklamnierw Wahlfonds.) Y«N. Bodenbach 1000 K?(1000 fa);.RatU. bad 4560 Ka(1140 Ke);' PiIs« n-Budweij 880 ll-(230 Ke); Prag 414 Ke(100 Kg); Pr«tz. bürg 100 Kr(28 fä); Sternberg 1G00 K< (400 Ke); Tepliy-Laaz 2000 K«(800 Kg); Trautcnau 1600 Ke(400 Ke); Troppaü 2860 Ke(590 Ke). August. Bode»back, 4000 K°(1000 Ke); Karlsbad 5200 Ke(1800 Kc); K e s ma rk 40 fe ,10 Ke); Land«kron 520 Ke(130 Ka); PIlsen- Budwe i s 960 Ke(240 Ke); P re ßb u rg 100 Ke (28 K°); Sternberg 2700 K°(6-10 Ke); Teplitz: Saaz 3200 Ke(800 Ke); Traut« nau 1200 fe (300 Ke); Troppaü 2000 Ke(600 Kc). nen, ist aber nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Man vermutet, daß die Tot aus Rache begangen wurde. TodrSfturz au« dem V-Zng. Aus dem V-Zug Köln—Berlin ist Mittwoch zwischen Güterloh und Oede der in Köln-Merheim wohnende Koufinann Hans v. M y l k e gestürzt und tödlich verunglückt. Selbstmord eine« Zwanzigjährigen. Fn der Nacht auf Donnerstag verließ der 20johrigc Jo s c s P o l a ö e k, der Beamter der städn- schen Behörden in M ä h r.- B u d w i h ist, aus bisher unbekannten Gründen die Wohnung feiner Eltern, begab sich auf eine Wiese und wickelte um feinen Körper einen Draht, dessen Ende er über die elektrische Hochspannungsleitung warf. Ter Starkstrom fügte Polaoek tödliche Brandwunden zu. Im Tbebioer Spital wurden bei ihm Brandverletzungen dritten Örn- des festgestcllt, denen er alsbald erlag. Die Anmeldungen und Au«wei«kartrn der Arbeitslosen. Km Zusammenhang« mit der Durchführung der Regierungsverordnungen Nr. 161 und 162, S. d. G. u V. vom 29. Juli 1988, wurde ur- sprünglich vorausgesetzt, daß der Umtausch der Aut wciSkarlen aller im Sinne des Gesetzes Nr. 267/1921 im Wortlaute des Gesetzes Nr. 7 411930, 2. d. G u. B., unterstützten Personen vorgenommen wird. Dies hätte eine außerordentliche Mehrarbeit bei de» Ge- wettschaften sowie in den BezirkSarbeitsvermii!- lungsanstalte» verursacht,-setzt hat das Mlnistr- rium für soziale Fürsorge in dem Punkt 7 ta Erlasses vom 25. August 1938, Zahl 36.000/111—1733, entschieden, daß ,d i c Gewerkschaft vom Unterstützten die Ergänzung der ollen Anmeldung mit de» neuen Punkten an fordern wird,, die gemäß der Regierung)- Verordnung- Nr. 162/1933, 2. d. G. u. B-, für eie Zukunft als Ergänzung der Drucksort«„M-Iduna um di« Arbeitslosenunterstützung'' unter Nr 8--1I cingcreiht werden. Di« persönlichen und Familien^ Verhältnisse müssen vom Gemeindeamt« des Wolin sitzet des Arbeitslosen beglaubigt' sein. u' Grund der Ergänzung der alten Anmeldung wird die Gewerkschaft für den Rest des Unterstützungszeitabschnittes den Staatszuschuß b c r e ch n e n, welcher angesangen mit- dem 16. September in der mit der Regierungsverord- nung Nr. 161/1983, S. d. G. u. B, festgesetzten Höhe ausgezahll wird. Daraus folgt, daß die Mi tglieder Ur Gewerkschaften für. den Rest des Unter st ützungszeiiab- sch.nittes Ihr« bisherigen Ausweiskorten, mit denen sie sich bisher gemeldet haben. behalten werden." Es wird daher wider.die Ausfüllung, neuer„Meldungen um die Arbeitslosen- Unterstützung"'bei den Gewerkschaften, noch der Umtausch der Ausweiskarten in den Bezirlsanstalien für allgemeine nneittgeltliche Arbeite- und Dienstvermittlung notwendig sein. Diese Anstalten können auf Grund der klaren Entscheidung des Mini- steriumS für soziale Fürsorge die Answeiskarien nicht austaufchen. Aehnlichen Gesuchen der Gewerk- schäften könnte nur dann entsprochen werden, wenn sich, diese vom Ministerium für soziale Fürsorge vorher die Einwilligung zu einem solchen Borgehen de- sorgen wurden.— Sonst besorgen die Gewerkschaften nur die bereits erwähnte Ergänzung der„Meldung". Landstädten an den Mann zu bringen. S.e hatten aber kein Glück mit ihrem Angebot und konnten keinen Käufer finden. Um sich die Zeit auf den Kreuz- und Querfahrten zu vertreiben, schalteten sie den Apparat»in und lauschten der Prager Sendung. Zwischen zwei Borträgen hörten sie nun auch die von der Polizei veranlaßte Rnndfunkmeldungübcrden von ihnen felbst begangenen Dieb- st a h l samt der dringlikycn Aufforderung an alle Hörer, auf den gestohlenen Tatrawagcn, Nummer soundso, der im übrigen genau beschrieben wurde, achtzugeben. Da wußten die Burschen, daß sic keine Chance mehr hatten, den gestohlenen Wagen und Apparat zu Geld zu machen. Sic wagten nicht eininal, Benzin einzüfüllcn, sondern ließen dos Auto auf einer Land st raße bei Z w i t- t a u einfach stehen und trennten sich. B i t£ f versuchte, den Radioapparat dadurch zu retten, daß er ihn per Post nach Prag schickte, um ihn dort zu beheben. Die Ämdung wurde jedoch von der Polizei beschlagnahmt und er selbst bald darauf verhaftet. Sein Komplize ist vorläufig unauffindbar. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu achtzehn Monaten s ch w e r'e n und verschärften Kerkers. IIIllIIlIlIllllllIIlIlIlIlIIIIllllIlIllIIIlIllIIllllIllIlIlIllIlIIllIlIIlIIllllIIlIIlIlIlIllIllllIllllllIlll!llllII>llIllllIIIllIlIIIlllIlIlIIIIIlIIIIlIIlIIlIIlI>l>llIIllIlIIllllIlIIlIIIllllIlIIIllIllllIlllIlIlIlllIllllIlIllIIlllIlIllllIIIIIlIWIlIIlIIIW 8« Zeichen des technWen Fortschrittes. Seftohlener Radioapparat warnt Antodlebe vor der Verfolgung. Freitag, 1. September 1988 4tUe 5 Rt 204 Ein FiuGiverfuG. „Wenn die Behörden miey erinifeyen »Kontrollstörche." Königsberg, 80. August. In Ostpreußen wirb jur Zeit ei» merkwürdige« Experiment vor- dneliet. Wer die Kurische Nehrung besucht, findet in Aossineu ein Gehege mit Üt) Störchen. Weiter« 160 Störche wurden mit dem Schnellzuge Königsberg— Lettin—Essen versandt. Alle diese in Ostpreußen im Sommer 1038 jung au- den Nestern genommenen Störche sollen am 18. September in Rossittrn und in Essen an der Ruhr(Rheinland) freigelassen werdeii. Tie Störche tragen Erkennnng-ringe der Vogelwarte Nossillen und werden vor der Freilassung außerdem durch einen bunten Fleck grkenn- >«ichn«t, so daß sie im Fluge richtig al- Kontrollstörche erkannt werden könncn und nicht abgeschossen zu werden brauchen. Wer den eigenartigen Versuch zu fördern bereit ist, wird gebeten, in den Tagen uach dem 18. September aus die Störche zu achten und die Beobachtung an die Vogelwarte Rostitten lKurische Nehrung, Ostpreußen, Deutschland) an die Vogelwarte des jeweiligen Beobachtungslandes oder an das nächste, staatliche Naturkundemuseum zu melden. Dabei muß vermerkt werden: 1. Die Farbe det jeweils erkannte» Flecks auf der Unterseite der Störche, 2. die Zahl(wenigstens ungefähr), 3. die Flugrichtung, 4. der Zeitpunkt, Die in Rostitten, also in ihrem Heimatlande, steizulassenden Störche sollen uns zeigen, ob sie denselben Weg einschlagen wir die gleichaltrigen Vögel ihrer Art, die wenige Wochen zuvor nach dem Süden «bgezogen sind und dabei vielleicht von der Erfahrung alter Vögel Gebrauch machen konnten. Nach de« versuchen der Vogelwarte Ist anzunehmen, daß die Jungstörche auch ohne Altvögel sich znrechtsinden und den richtigen Weg«inzuschlagen wissen. Der Flugverkehr Prag-Pari» wird ab 1. September b'S zum 7. Oktober nach folgendem Fahrplan ahgewickelt: Abflug von Prag um 10 Uhr 40, Ankunft in Nürnberg 12 Uhr, Ankunft in Straßburg 12 Uhr 28, Ankunft in Paris 15 Uhr 30. In umgekehrter Richtung: Abflug von Paris um 8 Uhr 30, Ankunft in Prag um 13 Uhr 20 mit weiterer Fortsetzung det Fluges nach Wien: Ankunft in Wien um 15 Uhr 8, nach Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia. Dieser Verkehr auf der Streck« Paris—Prag—Bukarest wird a l l» täglich außer an Sonntagen abgewickelt. Auf der Strecke Prag— Warschau wird der Verkehr dreimal in der Woche abgewickelt, und zwar in der Richtung Prag— Warschau jeden. Dienstag, Donnerstag und Samitag(Abflug von Prag um 13 Uhr 30, Ankunft in Warschau 18 Uhr 50) und in Richtung Werschau—Prag jeden Montag, Mittwoch und Freitag(Abflug von Warschau um 7 Uhr 5, Ankunft Prag 10 Uhr 25). Alle hier angeführten Strecken werden wiederum durch die Internationale Fluggesellschaft Cidna abgewickelt. Infolge der Durchführung der Fusion aller französischen Lustfahrtgesellschasten ändert die Eidna ab 1. September ihren Titel in Air France. Dl« Mörder des Juweliers Futterwril vcr- urteilt. Der Wiener Buchbindergchilfe Johann Thayer, der gemeinsam mit dem in der Zwischen- jtit nach Deutschland geflüchtete» Josef KrLil auf den Iutvelier Futterweil im XII- Wiener Bezirke em Attentat verübt hatte, wobei bekanntlich zwei Personen getötet und einige verletzt wurden, wurde von den Wiener Gc- schworen«» der Mitschuld an dem Sprengstoffattentate schuldig erkannt und entsprechend diesem Verdikte vom Gerichtshof zu 4 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Di« Primadonna will kein« Blumen... Da- Wolff-Büro gibt folgende Notiz heraus, die über Anordnung des Stellvertreters des Führers bis Sonntag einschließlich von sämtlichen Z«i- wngen in jeder Ausgabe zu wiederholen ist: ,^i«ine Blumen rn den Wegen des Führers werfen! Dem Führer sind auf seinen Fahrten durch Deutschland und insbesondere durch Nürnberg wiederum in großen Mengen Blumen in den Wagen geworfen worden. Der Führer bittet darum, diese Blumen, di« für seine SA. bestimmt sind, sofort keiner SA. zu geben, da er von diesen Upmengen von Blumen auch keinen Bruchteil in sein Zimmer stellen kann. Im Zusammenhang damit wird darauf hingewiesen, daß daS Wersen von Blumen in den Wagen deS Führers seit längerer Zeit st r e n g st e n S verboten ist, weil bei schneller Fahrt durch geworfene Blumensträuße leicht Personen verletzt werden können." Der Geist der nationalen Erhebung. Die Kieler Nazizeimna schildert nut zynischem Behagen, wie vierzig Sozialisten inS Konzentrationslager eingeliefert wurden. In diesem Bericht heißt cS: Heute mögens traten mit dem fahrplanmäßigen Zug. der Kiel 8.45 Uhr nach Hamburg Der-* läßt, vierzig ehemals führend« marxistisch« Größen wie auch«ine Anzahl andrer Gernegroß«, di« eS nicht überwinden konnten, daß nun eine neue Zeit in Deutschland angebrochen ist. ein« große Reis« au. VS handelt sich m diesem Fall« allrr- ding- nicht mn ein« Feri enreife, sondern um «i« Reis« in« Konzentrationslager. Hier wird ihnen einige Monate Gelegenheit gegeben werden, einmal darüber nachzudenken, ob es nicht vorteilhafter gewesen wär«, statt Aktionen gegrn den deutschen Staat und daS deutsch« Volk zu Plänen und zu inszenieren, sich einzugliederu in di« groß« deutsch« Volksgemeinschaft. Obevohk di« Stunde des Abtransports Ser Schutzhäfttinge geheimgehaiden war, halten sich doch zahlreiche Angehörige im Bahnhof eingesun- den, deren verhSvmren Gesichtern man das ganze Leid der letzt«» Monat« awjah, und di«, als di« I. Ich erklär« feierlich, daß folgeicke Erzählung sich bis in die kleinste Einzelheit so in Wirklichkeit abgespielt bat, wie ich sie vier Vortrag«. Ich tveiß, daß mir daS gleich« Schicksal blüht wie mei- uem Freund A. S„ von dessen Sterben ich hier erzählen will, wenn eS feinen Mördenl gelingt, mich al« den Verfasser dieser Zeilen zu entdecken. Ich weiß auch, daß vor einem kommenden Gericht hundert Arbeiter aufstehen und mit ihrem rroletarischen Eid di« Wahrhaftigkeit dieses bekräftigen tverden. Ich weiß, daß viele dieser Arbeiter bis dahin den gleichen Weg gegangen ein werden, den der junge Genoss« A. S. gehen muhte. Aber ich kann nicht schweigen. Ich mutz erzählen, wie mein Freund A. S. starb, damit«S ja nicht vergessen wird. Es ist«in Stück des lÄolgathawegeS der deutschen Arbeiterklasse, der noch nicht zu End« ist, und den Millionen junger deutscher Arbeiter gehen, biü sie ihn durch ihren Kampf beenden werden. In unserer Stadt wohnen die Arbeiter groß- tvirteil- in dem mittelalterlichen, schmutzigen Viertel, daS man di« Altstadt nennt. Abends tehen sie in kleinen Gruppcir an den Eingängen der e»rgen feuchten Gassen. Di« jüngeren Arbeiter scherzen Wohl mit den vorübergehenden Mäd- chen und sitzen in Reiben auf den breiten Treppenstufen der alten Barockburgerhänfer. Mein Freund saß immer bei uns. Er war einer der zurückhaltendsten Menschen unserer Gass«. Deshalb hänselten wir ihn ost. Aber im Ernst vermaß er über riesige Kräfte. So saßen wir eines ilbtnd» zu fünft am Eingang zur T.-Gasse, als ich von der L.-Gasie her zwei betrunkene, von Dirnen eskortiert« Männer näherten. „Aut einander gehen," schrien i« mit schwankender Stimme:„SA.-Streife." Sie waren als solche nicht zu erkennen; sie hatten weder Uniform noch irgendwelche Abzeichen an, wäbvend die SA.-Str«Hen fast immer in Uniform und sichtbar bewaffnet auktveten. Vielleicht hätte man die verrohte»:, gemeinen Gesichter der beiden Betrunkenen als Legitimation neh- >nen können, aber wir waren zunächst nur empört über das Auftreten dieser Halunken und verlangten Ausweis«. Sie wurden jedoch grob, ichrien und zogen Pistolen, mit denen sie uns bedrohten. Di« Dirnen kannten uns als organisierte Arbeiter und flüsterten ihren Begleitern zu, daß wir Kommunisten seien. DaS erhöhte den Mut der Betrunkenen beträchtlich, da sie sich linksstehenden Arbeitern gegenüber immer im Recht zu sein staubten,. S»e. schossen, mehrer« Aial«,. ohne jemand zu treffen. Und. entsernicn sich da»»-unvermutet in Richtung. deS Lass R. Wir flößen di« Angelegenheit nicht" auf sich beruhen, forwern folgten den beiden und alarmierten i« einem verfluchten, törichten Gerecht ig- kcitSgefühl salbst daS Ueberfalllkom- m a n d o. Daraufhin erschienen nach etwa zehn Minuten zehn SA.-Leute mit einem Schutzpolizeibeamten auf einem Polizeiwagen. Wir wurden auf dem Wagen verstaut, zusammen mit den zwei Betrunkenen, und daraufhin entfernte sich der Beamte. Wir wurden nicht zur Polizei, sondern zur SA.-Kaserne am Z.»Platz gebracht. Es be- chlich unS ein unheimliches Gefühl, als w:r unter allerlei Vorsichtsmaßregeln auSgeladen wurde»; aber im Bewußtsein unserer Unschuld folgten wir ohne Zögern. Wir wurden in ein vergittertes Zimnier gebracht, während di« zwei Halunken, denen wir das alles zu verdanken hatten, sich nun tatsächlich als Mitglieder eiirer nationalen Formation anSwe:lcn konnten und mit in den AufenthaltSranm ihrer Gesinnungsfreunde gingen. WaS sie dort erzählten. ist ni« bekannt geworden. Seit wir wußten, daß eS sich bei den beiden Betrunkenen um Fafcisten handelte rvaren wir in dem dunklen vergitterten Zimnrcr von Furcht ergrifsen. Wir bereuten, unseren» Gefühl gefolgt zu sein. AIS di« Tür aufging und«in« Anzahl mit Ketten. Knüppeln und Stuhlbeinen kewasf- »»eter Falcisten hereinkam, ersatzie»»»»S ein läh- inendeS Entsetzen.„Wer von e»»ch hat geschos- le»>?" schrie der Führer. Schutzhästltugr den Zug bestiegen, in Tränen ausbrachen. Ls muß»: deshalb piuderbae.«»»»ulen, daß die Häftling« selbst ein wenig ernstes Wesen zur Schau trugen und anscheinend absolut kein Verständnis für die Stimmung ihrer nun im Ungewissen bleibenden Angehörigen zeigten. ES wäre Ironie, den jetzt in daS Konzentra- ttonSlager Lichtenstein in Sachsen Uebevstihrien gute Erholung zu wünschen, wohl aber wüirschen wir, daß sie dort erkennen mögen, daß es Höher« gibt als daS eigene Ich, und daß sie nach dieser hart«» Schul« nach Kiel zurückkommen mit dem Vorsatz, sich nunmehr dem Wiederaufbau Deutschlands nicht mehr zu widersetzen und an ihrer Stell« nichts»veiter als auch nur ihre Pflicht in dir großen Genreinschaft zu tun." Ter Schweinehund, der diesen Bericht geschrieben bat, strahlt vor Schadenfreude; nur eines hat ihn„sonderbar ongeniutet"— daß die Verhafteten sich wie Männer hielten, nicht Nagten und weinten und„anscheinend keilt Verständnis für die Stimmung" eines Nazijournalisten zeigten, der sich a»t dem völligen Zusammenbruch der Geschlagenelt und Gefangenen begeilen wollte. Dar Strümpfestricke». Der Aerger und die Enttäuschung über da- Hltlerregime mmmt aller- orts zu. ZmS Dresden und Umgegend wird ge- M ••• „Niemand, niemand von uns," versuchten wir z»l beteuern, aber ehe wir nur richtig zu»»» i Ri-beu gekommen waren, fielen di« Bestien rvir j »vahnsinnig über unS her. Gleich zu Anfang 1 brach der Arbeiter N. mit einem schweren Schä-> delbruch zusammen, sein Blut übergoß den Boden' und spiegelte die Knöpfe der Uniformen n>:üer.' Anscheinend war der junge Genosse A. S. durch; die Lügen der Betrunkenen besonders belastet, denn auf ihn schlugen di« Mörder bestialischer als auf unS«in. A. fiel auf den Bode»» und versuchte»nit sei- neu zerschlagenen Arn»«»» über di« Bohlen zu kriechen. Er stöhnte leis«, er war halb»vahnsinnig vor Entsetzen. Einer feiner Mörder trat'hm die Zähne«in und ritz mit seinen beschlagenen Stir! sein di« halbe Wange ein.'Itf!« schlugen aus den. im Blut seines Kanteraden liegenden, leise Win-j selnden Meirichen ein, der immer wieder versuchte i zu cntkorunlen und doch nicht konnte. Wir ivaren j von einem fürchterlichen Entsetzen gepackt. Keiner von uns. glaubt«, mit dem Lebe» davon zu kommen. Mit einem Mal« richtete sich A. auf, Blut strömte über seinen ganzen Körsier, seine Wangen hingen in Fetzen herunter und lpr-"'g,»-aen daS geschlossen« ulid vergitterte Fenster. Er mußte wahnsinnig vor Schnierz geworden sein. Er sprang mit. übermenschlicher Kraft gegen das geschlossene und vergittert e F« n st« r. In diesem Augenblick krachte ein Schlitz. A. S. fiel zurück, schtver in da» nasse Blut. Er dreht« sich noch herum, wie um sein Gesicht z»» schützen. „Er verstellt sich nur," schrie_ jemand ,drauf!" Und wieder schlugen di« Mörder aus den Unglücklichen lo-, der sich nicht nwhr rührte nnd regte. Sein Körper wurde buchstäblich zerfleischt. Wir mußten bis elf Uhr des nächsten TageS bleiben und alle» Blut onfwaschen. n. Sehr schnell sickert« daS Geschehen« durch. Mit Windeseile lief di« Nachricht durch die Stadt, durch all« Arbeiterviertel. Die Behörden konnten vertuschen und verbieten, die Zeitungen konnten Notizen bringen wie: „-Heute nacht wurde«in berüchtigter Kom- nlunrst angeschossen, als er sich seiner Vekhas- tung durch ein« SA.-Streif« wider'«tzte und tätlich gegen sie vorging. Er liegt schwerverletzt im B.-Hospitäl." Di« Wahrheit seht« sich durch. Sogar Einzelheiten der- ärztlichen Untersuchung, d>« das Blut in den-AderN erstarren lietzen, kamen unter die Leut«, ES.würde dementiert' und verhaftet. Aber nie wurde fest Hitlers Machtübernahme eine solche Unruhe gespürt, als in jenen Tagen. ES erschienen-Handzettel»üit anklagendem Text, ergebnislos verliefen die Haussuchungen. IN. In der Gasie, in d«r A. S. mit seiner Mutter gewohnt hatte, Ivar kein Many, keine Frau. kei>» Kind z>» Haus« an dem Tag, an den»»nein Freund begraben wurde. Totenstill lag da» Viertel der Armut, aus dem die Menichen stumm, abgerissen, vorbei a» patrouill'erenden Volizei- wagen, zürn Friedhof gingen. Es mögen Tausende gewesen sein, die an jenem Tag heimlich d>« Fäuste geballt haben.«S waren Hunderte, die »«inten. Wir schämten uns nicht innerer Trauen. Wir weinten, wie wir seit unserer K'nd- hcft nicht melir geweint hatten., Wieviele Flüche »vnvden an dem zerrissenen Kör)i«r unseres Freun- des seinen Mördern gesprockien. Die Mutter des Ermordeten schrie auf dem Keirnwig unaufhörl ch:„Die Naz's habe»: meinen Bub tolge'chlag-u." Sie Packt: jede»» ihr begea «enden Meirsch«»» und schrie ihm ins Gesicht: „Die NaziS baben meinen Bub lotgeschlagen." Schließlich naym man sie fest und bracht« sie in d:e Frrenanstalt. Die Behörden bvivahrten bis heute Stillschweigen. Wenn sie mich ettvischen dafür, daß ich dos Schweigen gebrocl)«>i habe, so bitte ich das i Schicksal, gnädig zu sein und es schnell zu machen. G o l o. »neidet, daß in Frarlengruppen der Nazis (Frauenschaften) jetzt zwangsweise Strümpsestrik- ken eingeführt worden ist. Wer an den wöchentlichen Abenden zu diesem Dienste fehlt, hat Zwangsmaßnahmen zu gewärtigen. Sparkassenbuch mit Reinfall. Wie ans Asch, berichtet wird, erhielt ein dortiges Hotel wcih-i rend der Nacht den Besuch eines»»»»gebetene»»! Gastes, der sämtliche Kassen einer näheren Unter- j silchung unterzog. Der Besitzer hat aber die^Gewohnheit, die Kasten nach Geschäftsschluß zu. leeren, so daß alles Suche»» unisonst war. Schließ-! (ich erwischt« der Spitzbube doch noch einen Wertgegenstand— das Sparkassenbuch des< Wirts! Am nächsten Tage vermißte der Wirt i ein Keines Heftchen, ii» daS er die konsumier, t e,n Mengen von Bier einzutragen Pflegte. Der Gauner hatte einen schweren Reinfall erlitten. Dänemark, das Rundsuukland. Tänemark steht an der Spitze der Rundfunkländer; seine Teilnehmerdichte ist die höchst«. Auf 100 Einwohner kominicn 14.5 Hörer. Insgesamt weist das Land vuaid 500.000 Rundfunkteilnehmer auf. Der Ruiidkunkdichte nach folgen dann die Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, Schweden. Polen, Oesterreich, Deutschland, die Niederlande^ Zum erstenmal seit drei Jahren wurde der Kanal wieder bezwungen. Die 22jährige Engländerin Sunny Lowry durchschwamm den Kanal von Cap Grisnez an der sran;ösisck)«n Küste nach Dover in 15 Stunden und 45 Minuten. Diese- ist die erste Kanaldurchschwimmung seil 1983. Unterirdische Wege. Unterirdisch führen Gänge Oft von einem HauS in- andre. Und man kommt nicht ins Gedränge, Spielt man heimlich: Taler, wand re! Eine kühne Räubermeute Findet immer sich zusammen. Plötzlich tönt Alaringeläute: Seht, der Reichstag steht in Flamwen! Nur zu dumm, nur zu dumm Habt ihr'S angefangen Aus den Wegen schies und krumm Seid ihr schlecht gegangen- Und was einst so dunkel war, Ach, sehr bald Wards sonnenklar. Was man so im Keinen machte, Kann man auch im großen treiben. Rußland teilt man aus ganz sachte. Heimlich muß die Dache bleiben. In der Politik auch führen Unterirdisch viele Gänge. Polen, Erbfeind? Nicht genieren! Erst, mal Rußland ins Gedränge! Nur zu dumm, nur zu dumm Habt ihr'S ängesangen. Auf den Wegen schief und krumm Seid Ihr schlecht gegangen. Und wa- einst so dunkel war, Ach, sehr bald Wards sonnenklar. Aus geheimen Gängen wühlt man Gegen Frankreich, gegen alle. Und am Ende— was erzielt man? Man sitzt in der eignen Falle! Nicht so schnell wie Reichstagsdächer Steht die große Welt in Flaminen. Ueber'in Haupt der list'gen Schächer Bricht daS eigne HauS zusammen! Nur zu dumm, nur zu dumm -Habt ihr'S angesanpen. Auf den Wegen schief und krumm Seid ihr schlecht gegangen. Und waS einst so dunkel war, Ach, sehr bald»vardS sonnenklar. Volkswirtschaft und Sozialpolitik KartrMandal. Kaum ist das Kupferkartell aegiüu- dar worden, so hört ma»r auch schon reäft er. stauirlsch« Geschichten. Das Kupferkartell konnte nur gegründet werden,»veil das neuerbmlte staatliche Werk in Povarka-Bystriea zu in Beitritt veranlaßt werde»» toniue. Dagegen wäre natürlich wenig emzuwenden, wenngleich der Bau des sdaaÄichen Werkes in der Slmvakvi höchst über-' flüstig(’)ftt. Weniger erbaulich ist dagegen, mit welchen Geschäftsuiechodr»» nun das Kupse-rkar- tcll arver-iet. So soll»nit dem neuen Werke in der Slowakei eine Vereinbarung getrosten worden sein, wonach lau» Mitteilung des„Montagsblattes" d>rs Werk irr Povarka-Bystrica jährlich 2.2 Millionen Kronen Baren t s ch ä d i g u n g vom Kupferkartetl bekommt,»veil dem neuen Werke keine entsprechende Quote zugeteilt werden konnte. Um diesen Betrag wird also in den Kupftrlverke»» des Kartells die Ware verteuert tverden müsten, damit de Entschädigung an das neue Werk aurge- zahlt wenden kam». So sck), we»m der Staat als Aiifstchesorgon über die Kartelle mitteilen würde, ob er diese Besstm- mung des Kupferbartells genehmigt hat oder i«cht. tt ^reltaft 1. September 1933 Nr. 204 IWMiER ZEITUNG IQH. s [K Kunst und Wissen u Vereinsnadiriditen Der Film Order darf ihnen, die dem Schicksal so schön zu diesem Erfolg gratulieren, dars sie ihre Kon,cr1reise bald wieder nach Hoffentlich klappen dann auch die ' der polnischen Negierung erhallen die Teilnehmer eine SOprozentige Fahrpreisermäßigung. Ter erste technische Z« n I r a l k u r S des polnischen Ber- bandes soll ini Männer 1934 unter der Leitung deS Genossen K Bühren in der bis dahin sertig-- gestcllten B c r b a n d s s ch u l e in W a r s ch a stattslnden. Da» Berbandsscst d«S Schweizer Arbeiter-Turn- nnd Sportbunde». Die große» Sportplatzanlagen in Luzern, auf denen das Fest statts'nden soll, gehen ihrer Fertigstellung entgegen. Noch selten ist in der Schweiz ein Turn- und Sportfest auf solch idealen Plätzen dnrchgesührt worden, wie die» für da» Ar- lviter-Tnrn- und Sportfest in Luzern der Fall sein wird. Gegenwärtig wird die Frage geprüft, an Stelle der üblichen Abendnnierhaltungen eine groß« Freilichtaufführung zu veranstalten. Alle Landes- verbände der SA-DA. wurden eingeladen und einige haben ihre Teilnahme schon I» Aussicht gestellt. Tas Verbandsfest des JaduS in Lnzern soll mehr als die bisherigen einen Internationa- l c n Charakter tragen Fortschritte im polnischen Arbeitersport. Trotz der politisäten und wirtschaftlichen Verhältnisse geht cs mit dem Arbeitersport in Polen Vortvärts. In letzter Zeil wurden sehr viele Vereine gewonnen. Znr Schuluttg seiner Funktionär« veranstaltet der ponische Verband in jedem Jahre mehrere Lager, knrlc. Dies« tverden im Gebirge und an dcr 2« abgehalten, die Teilnehmer übernachten in Zelten und nlüssen die Verpslegung selbst bezahlen. Von i Büdnenanwärlcr in Prag und Brünn abhakte», s Sämtliche Bühncnanwärter tverden anfgefvrdert, sich i d:s spätestens lO. September beim Bühnenbund in der Tschechoslowakischen Republik, Brünn, Zanakek- vlatz 2a. zu den Prüsungcn anz»melden. Später einlangende Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Ten angemeldrten Bühnenanwärtern werde» die notwendigen Unterlagen und der genaue Termin der Prüsungen schriftlich bekanntgegeben. Den gegenseitigen Vereinbarungen zufolge können nur cne Bühncnanwärter ein Engagement an einem deutschen Theater in der Tschechoslowakischen Republik erhalten, die sich mit dem AbgangSzeng- n i s eine« össcntlichcn Konservatorin ms, einer vssentlichcn dramatischen Schule oder mit einem PrüsungSzcugni« einer PrüfungSslclle ihres Heimat- Ter MitglledSbetrag beträgt 3.50 Ke per Tretet dem Arbeiter-Turn- und Tporlvcr- Mitglieder bei! Eltern, schickt Euere Äin- zu uns! cr nach zu dläncr der t deutschen Sa sei die ^klub ge- i Stellver- habe so- Also das Bunt« Filmabend. Im K!iw Avion schieht mancherlei; auch Bendow tritt mit Trude Berliner in einem Sketch auf, der unter dein Titel„Der große Unbekannte" noch nichts davon verrät, was sich dahinter an Narre- teien verbirgt. In,„Knalleffekt i„ der Oper" hören wir den Sänger Roswaeng«, der sich für Geld auch zu einer geschmacklosen, langweiligen Angelegenheit hergibt, in der er mit Schwierigkeiten das Peirscktenknallcn des Postillons von Lon- junieau erlernen soll. In dem kurzen Lustspiel „Eine wie Du" soll eine Handlung Vorkommen: leider kann nian nicht verstehen, warum die Frau Elie Elster eifersüchtig wurde; sie benützt als R«- vanch« einen Arbeitslosen, um Ihren Gatten zu reizen. Wohl der anekelndst« Film, der seit langem zu sehen war. W. Lg. Ortsgruppe Prag. Souirtag, den 3. September, Treffpunkt Tmichotver Bahn- fcnrTsgPt*) Hof um 7 Uhr, Retonrkarte nach llev- '©SsEjsS' niet. Gesäße für Brombeeren mitncü- ^22^ men. Führer: Plotz. Dreißig jüdsche Sänger, größtenteils von Opern- bühnen im Reich Vertrieben«, gaben Mittwoch im Prager ,-Beth Haam" einen Abend synagogaler Gesang« und jüdischer Volkslieder— also auch ein Zeichen d'eser Zeit, in der di« Politik zum Albdruck auch für die Kunst geworden ist Doppelt«rsreu- lich darum, einem Konzert beiwohnen zu können, zu dem sich dreißig, zumeist sehr stimmbegabte, vor allen, aber gesaugstechmsch außerordentliche Solosänger als ausgezeichnet disziplinierter Chor znsam- menfanden, der(unter der Leitung Ch. W i n a- wer») nicht nur exquisite Klangtvirkungen erzielt, sondern auch rief innerlichen und dramatischbeweg- ten Ausdruck durch das Lied beherrscht. Unter den Sängern, die aus dem Chor solistisch hervortraten, gibt«s«in paar wivklickie Belcantisten tvor allein: Herr L- Magido). Bon den in Prag bekannten verdient vor allem Herr Dresdner, der einmalige Tenor des Dcutick>«n Theaters, Erwähnung.(Uebri- gen» war auch einer der ansgeführ-ien Komponisten, Neumann, eimnal geschätztes Mitglied der Prager deutschen Oper.) Die Tempelgesängc moderner Faktur, di« geboien wurden, halten durchaus interessanten, musikalisch schwierigen Charakter, weichen aber in abträglicher Weise von jenem lapidaren, melodikschweren Stil ab, der den Gesängen etwa eine» Sulzer oder Lewandowsky die erbauende Wirkung gibt. Ter Dirigent lund Komponist) Winaiver nc gl übrigens auch bei der Durchführung der Volkslieder znm Konlirnktiven; nichtsdestoweniger verdient sowohl leine Satzkunst als auch .insbesondere sein rhythmisches und dynamisches Differenzierung-Vermögen alle Anerkennnng. Chor und Führer fanden nach jeder Nnminer starken Beifall. Man Trotz bieten, wünschen, daß Prag führe. außerkünstlerschen Einzelheiten der Veranstaltung' I. g. Die Mozartgrmrinde veranstaltet in dieser Saison einig« Konzerte, deren Reingewinn di« äußerst notwendige Restaurierung Mozart- Prager Wohnstatt«, der Bcrtramka, ermögl'chen soll. Zu diesem Zwecke wurden hervorragende Künstler gewonnen. Das erste Konzert wird am 12. Oktober in der ,,Lu- rcrna" slattfinden. Ter geniale Schüler ToscamniS Antonino Botto wird znm erstenmal die Tichechi sche Philharmonie dirigieren. Prüsungen sür Bühnenanwärter. Ter Verband deutscher Bühnenleiter in der Tschechoslowakei und der Bühnenbund in der Tschechoslowakischen Republik geben bekannt, daß, die zwischen beiden Verbänden vereinbarten Prüfnngsstellen in der zweiten Hälfte de» Monates September die zweiten Prüfungen sür Arbelter-Tnrn- und Sportverein Prag Beginn des Hallenturnens. Ab Rloutag, den I. September, wird der Turnbetrieb in der Schul- tnrnhalle des deutschen Gymnasiums, ätöpanska 20, wieder ausgenommen. D'e Turn st u n d c n sind wie st'lgi festgesetzt worden: Montag: 7—9 Uhr abends: Turn« rinne n(Geräte und Gymnastik). DienStag: 7—l> Uhr abends: Turner. Donnerstag: 7—9 Uhr abends: Turnerinnen lGymnaitik mit Musikbegleitung^ Freitag: 7—9 Uhr abends: Turner. Tas K.i n d e r t u r n e n sindet jeden S a ni S I a g von 3—5 Uhr nachmittags statt. Wir erwarten wieder eine recht rege Teilnahme!— Ne u a n m c ld u n ge n können an den genannten Tagen in der Turnhalle vorgenonimen werden WtzftMIIii~ Monat. ein al ber nur Ausschußsitzung, Mittwoch, den 6.-September, um 7 Uhr abends bei„U kupcu", Stöpanjka. landcS ausweisen können. Diese Vereinbarung gilt sowohl sür tschechoslotvakische, Ivie auch für ausländische Staatsbürger. Spielplan de« Neuen Deutschen Theaters. Samstag, 7’.; Uhr(iS2):„Wilhelm JeII".— Sonntag, 7 Uhr((£ I):„T an» häusc r".— Montag. 8 Uhr(A A), vol-kstnmliche Vorstellung:„Die schöne Galathse'.„Zweimal Offenbach".— TienSlag, 75-5 Uhr(511):„W ilhel m Teil".— Mimvoch 7 Uhr(SSI):„T a n n häu- ser".— Donnerstag, 7!4 Uhr(C2):„Wilhelm Teil"— Freitag, V/l Uhr(D 1):„Hoffmanns E r z ä h l n n ge n".— SaniSlag, 714 Uhr(5(51): „Ball im Savoy'.— Sonntag, 7% Uhr(2(2): „B a l l im S a v o y". Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, Samstag, Sonntag, Dionsmg, Mittwoch. Donnerstag und Freitag(Immer 8 Uhr):„Höchste Eisenbahn". — Samstag. 8 Uhr:„I st Göraldi ne ein Engel?"— Sonntag, 7% Uhr, zinn ersten Male: „Die Traslk Ihrer Exzcllen z". rnrziana 8tSNnl linier aer nnLeNeueren Nttre. Ein Bild, das viele englische Dörfer seht bieten: Bon weither sind Frauen herbeigeeilt und stehen in langen Ketten an, nm Wasser für Mensch und Bich ans dem tiefen Brunnen zu holen, der als einziger in der ganzen Gegend noch kostbares Lias; enthält, denn die seit Wochen anhaltende Hitze Hai fast überall ans dem Inselland eine entsetzliche Wassernot heraufbeschworen. Sport• Spiel• WWW 10 Zähre Arbeiter-Turn. und Gportschnie I« Wrener-Neustndt. Der 17. Kreis des Arbeiter-Tnrn- und Sport bundeS besitzt in Wiener-Neustadt eine Turn, und Sportschule, in der regelmäßig Lehrgänge für alle Sparten dnrchgesührt werden. Ties« KreiSschule bestehl bereits zehn Jahre und ist«in Verdienst des Genossen P ü ch l e r, Krcisvcr- treter des 17. Kreises. Kreisschulleiter ist der Ge nosse Gröger, der mit viel Sachkennlnds die Schule leitet. Seit Bestehen der Wiener-Nenstädter Sportschule wurden 5V Lehrgänge für verschie dene Arten der Lelbesübungen dnrchgesührt. 1671 Turner und Turnerinnen wurden in 592 Tagen zu Vorturnern ausgebildet. Das sind eitrige Zahlen aus dem Bericht der Wiener-Neuslädter Sportschnle zn ihrer Zehnjahrfeier. Die Schule wurde in der ehemaligen Fliegerkasern« in Wiener Neustadl vor zehn Jahren gegründet. Eine große Turnhalle, Helle, lustige Räum«, vier Schlofsäle, ein Bad, ärzt liche UniersuchungSzimmer, Sport- und Spielplätze stehen den Schülern zur Verfügung. Praktische und theoretische Schulung In der Grundgymnastik, Ein- sührung in das Gebiet der Jugendpflege und der Iugeirdbewegung und in die Idee des Arbeiter sports sind die Hauptgegenstände. Ter erste Lehr gang an der Sportschule dauerte drei Monate. Tnrch die Not der Zeit gc-zwungen, wurde die Tauer eines Kurses aus vierzehn Tage beschränkt. Als Lehrer wirken Funktionäre der Arbeitersporwerbän-de so- wie Aerzle und Wissenschafter. Di« Krcisschulc wurde im Jahre 1926 vom Askö übernommen. der in ver- von die -■.z.«j.^-raq ailfbringen. Diese letzte -’-'J" aber den wohlhabenden Her« "-•«». und man schob diese ganze witö zu und alles ist wieder gur. itwibnt soll blr'ben, daß die Wanderer:«r Dcuischdcmokraten, Herr L n st i g und -~ w teniperamcntvelllter Weise ein« f«drohte Feste deS Prager deutschen e-rrunt; retten kamen und vor dem semiti» Forum unter der ehrlichsten Versicherung, :e keine Antisemiten seien, mit den abgewirt- "-::«n Schlagworten einer noch abgewirtschoste- a Politik, wie deutsche Treue ulw. in der regung ihr Tüppcl-en kochen wollten. Herr :g warnte übrigens vor einem Boykott gegen t'chland... Ob ihre Art, Gegenredner zu unterbrechen und Aufregung für bedrohte deutsche Belange zu mimen, ihnen neue Freunde znge- kühn haben, wollen wir den Herren selbst zur Beurteilung überlasten. Wer aber so denkt, w'« jener Redner, der sagte, jeder Verkehr, ob geschäftlicher oder sportlicher Art, sei eine Frage der Gesittung, wird wisten, was für ihn ein Klub bedeutet, bei dem kües« Frage erst, an letzter Stelle steht. k>« K4 r. S Ikelm«'-!>»«-- Stbalttut Dl E«u e 11• 10, vrag.- Druck:.Selo* Hh Aeitimg* und Buchdruck, Vraa.— Mt ken Druck VrunIworMch: Olt» öotiL rrleär-iche.'direfitO, Cttak Rt 13,800/VH llBO»«riiitat.— Briagsdediaguagra Sei Auflrllung tnl Huu«»der k« Bezug durch kt, Poft mouuNIch gt i,^^userleULdrUch 1U w--! - Sasernu MOu UM klSlgk derechu«. M«ituu taalMUuMM»«tHaacht-tz.-«ückfteltuug üUaaitiigu« nfolgt Ml b«4 ttnjenkung h| BtiT"lj r irt‘n. 1* W