p r a h a Hybernaka Erscheint mit Ausnahme des Montag tüg!lch früh. 9t.(amonn. Vtrtoallua» Broo n, JUMianla>#♦ xtitM. i 3670& 37409, otomtrtOott tat, 31 Un) i 33»»a* v»1Ich««a»i>»7,1« ca tij !chk> lrl w Win 'fei jM Mvzelvre!» 7V Heller. a hgcsvcrrr und verhindert auch die Angehörigen, sie mit Lebensmitteln zu versorgen. Im Laufe deS Abends kam es wiederholt zu. Unruhen und zu Auseinandersetzungen der verzweifelten Angehörigen mit der aufgcbotenen jkiihflnitfrif Christlicher Fasdsmus. Bon einer Plattform, die sich längst als zu schmal erwiesen hat, führt D o l l s u ß, der kleine Diktator von Oesterreich, den niemals sehr aussichtsreichen Kanrpf gegen links und recht», gegen Marxismus und Nationalsozialismus. Er führt eine Regierung, die eine Mindcrheitsrcgierung ist rind die überdies aus gegen einander konjpierenden und intrigierenden Elementen besteht, so daß seine Dikiatorherrlichkeit in letzter Zeit arg in Bedrängnis geraten ist. Er hat nun das drin- geitde Bedürfnis empfunden, darzutnn, daß seine Stellung uncrschüttert sei, aber wie anders sollte er dies beweisen, als durch eine austrumpferische Rede. Einige Tage vorl-er schon verkündeten alle Reklame-Fanfaren, diese Rede tvcrde geradezu epochemachend sein und die geschlossene Willensmcinung der Re- gierung dokumentieren. Ein großes Auditorium wurde herbeigelockt, um den Offcn- barnngcn, di« eine Programmerklärting des „neuen Oesterreichs" sein sollten, zu lauschen, was infolge des eben in Wien abgchaltenen .Katholikentages nicht schwer war. Mer waS nach den ponrpösen Ankündigungen hörbar wnrde, das rechtfertigte di« eifrig geschürten Ertvartungen nicht im geringsten. Entkleidet man die Rede ihrer Phrasen und deS widerlichen Selbstlobes, so bleibt nicht« Äncig, als di« Verkündung der Absicht, sich an der engen Basis, die dem kleinen Kanzler geblieben ist, auch»veiterhin mit allen Kräften anklammcrn zu wollen. Dollfuß begann mit einer Lüge— cs war nicht die einzige in seinen Auslassungen. Nachdem er sich nach Hitlerart mit Hornfignalcn hatte begrüßen lassen, erzählte er, das Parlament habe sich selbst ausgeschaltet, obwohl doch jedermann weiß, daß sich die Regierung des Parlamentes entledigte, weil die chnstlichsoziale Partei in Oesterreich abgewirtschaftet hat und im Falle von Neuwahlen eine vernichtende Schlappe erleiden würde. Bon Hitler hat Dollfuß auch daS großschnauzige Gerede über den„zurückgedrängten" Marxismus übernommen, obwohl er selber nicht« mehr als Neuwahlen fürchtet, die offenkundig machen würden, um wie viel mehr als der Marxismus selbst in dieser dem Demagogcntum jo gün- stigen Zeit trotz aller Doll-Mätzchen die eigene Partei„zuriickgedrängt" ist. Herr Dollfuß, der gegen Hitler-Deutschland Krieg führt, aber von dort olle Allüren bezieht, wußte auch viel an Märchen trüber zu erzählen, welch herrlichen Zeiten er Oesterreich bereit« entgegengefiihri habe und wel- chem paradiesischen Zustand er es noch zu zu- führen gedenke. Unter seinem Regime sei die Arbeitslosigkeit bedeutend gesunken, oer Staatshaushalt sei in Ordnung gebracht, das Handelspasfivum sei verringert und im Innern sei„Frieden, Ruhe, Ordnung und Sicherheit" aufrechtevhalten worden. Der Wissende kann für diese Aufschneidereien nur ein Lächeln übrig haben. Er wird auch lächeln über das, was der Kanzler zum Kapitel„Neuaufbau unserer Heimat" sagte. Nach eigenen Urteil sind alle Diktatoren und ihre Nachäffer die großartigsten Baunicister. Immerzu reißen sie Welten ein, bauen im Handumdrc- hen neue Gcsellschasts- und Wirtschastsord- nungen auf, zerstören alle zwischen den Klassen bestehenden Schranken und Borurteile und machen alle Menschen, reich und arm, Ausbeuter und Ausgebeutete, zu einander innig liebenden Brüdern. Seit der Regierung Dollfuß haben sich die politischen und sozialen Gegensätze in Oesterreich aufs äußerste verschärft, nach den Beteuerungen ihres Kauz- strs aber arbeite sie an der Lebendigmachung des Zusammengehörigkeitsgefühls. Und die Baukünste des Dollfuß? Sie sind von der gleichen Art wie jene seiner größeren Vorbilder, der Hitler und Mussolini, sie reduzieren sich auf daS Bestreben, die Arbeiterschaft etttt» Mittwoch, 18. Septemder 1988 Rr. m Politisch und wirtschaftlich wehrlos und- rechtlos z>l mack-en, auf daß sie ein willfährige» Ausbeutungsobjekt für die Unternebinerklaffc bilde, wodurch eben der„klassenmäßigen Zerreißung" ein Ende bereitet werden soll. In der Rede des Herrn Dollfuß wimmelt eS von Phrasen wie Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit, geschichtliche Mission, deutsche Treue, Geist deS christlichen Gedankens,— sogar zum Schwören ist er bereit, nämlich darauf, daß er es ehrlich meine. Solche Eid« wird man dutzendweise auch von allen übrigen Diktatoren erhalten können. Sie und all« Beteuerungen seiner geschichtlichen Sendung dienen doch nur zur Verbrämung dessen, was er in Wahrheit tut und was er noch zur Sicherung und Befestigung seiner Selbstherrlichkeit zu unternehmen gedenkt. Boriider di« Zeit der BolkS- verführung und der Parteienherrschafl— das heißt ebenso wie bei Hitler nicht Ende der Parteienherrschast überhaupt, sondern nnr der der anderen; des Dollfuß eigene, die christlichsoziale Partei, soll beileibe nicht verschwinden, vielmehr soll ihr die Rolle der alleinigen Machtträgerin in diesem„rühm- reichen neuen Oesterreich" eingeräumt werden, in dem alle zu gehorchen und lediglich die eine Partei zu befehlen haben soll. Zu diesem Zweck« soll di« österreichische Verfassung auf ständischer Grundlage umgebaut werden, daS heißt, Dollfuß und mit ihm die christlichsozial« Partei beabsichtigen, ein Wahlrecht einzuführen, von dem sie hoffen, daß eS die anderen Parteien an die Wand drückt, ihre Partei dagegen zur dauernden Herrschaft beruft.„BcrufSstandisch"— das Wort strömt ober auch sonst übelriechendste Düste auS und erinnert an die fascistischen gewerkschaftlich«» Organisationen Mussolinis, von denen man weiß, daß ihr alleiniger Zweck die Versklavung der in ihnen zwangsweise organisierten Arbeiter und Angestellten ist. Der Verdacht, daß Dollfuß eine solche Nachahmung deS italienischen fascistischen Korporationssystems im Schilde führt, liegt um so näher, als der Führer der Hahnenschwänzler,„Fürst" Starhem- berg, der vor wenigen Tagen bei Mussolini war, um sich von diesem beraten zu lassen und mit dem Gelöbnis helntkehrte, in Oesterreich daS System de» italienischen FasciSmuS zu verwirklichen, bei der Rede des Dollfuß anwesend war und von diesem ausdrücklich als einer., der„Erneuerer Oesterreichs" gefeiert wurde. So ist denn aus der Rede d«S Kanzlers unschwer herauSzuhören, daß die„Erneuerung" Oesterreichs m der Wiederherstellung einer di« Arbeiterschaft entrechtenden nachmarzlichen Verfassung und in der Konservierung der abgetakelten christlichsozialen Partei, die mit fascistischen Methoden ihr Leben zu verlängern sucht, bestehen soll. Der Herr Dollfuß schloß seinen Speech mit den Worten:„Gott will e SDer Versuch dieser Gleichschaltung GotteS mit dem Dollfuß-FasciSmuS erscheint dem österreichischen Bundeskanzler als einem waschechten Christlichsozialen nicht als eine Gotteslästerung. Auch hier' folgt Dollfuß nur den Spuren Hitlers, der sich in den Gebeten, welche die deutschen Schulkinder zur Zeit täglich vor Beginn des Schulunterrichtes hersagen nrüs- stn, als„von Gott in der Not gesandt? feiern Art Zwischengott ausgeben dürfen, len Nachtreter Dollfuß hinweg ihren ehernen Erleuchtung direkt aus den himm- und unerbittlichen Verlauf nchisten wird! lischen Gefilden bezieht! Inwieweit freilich eine solche Identifizierung Gotte» mit den verschiedenen Spielarten deS FasciSmuS der Kirche dienlich ist, das wird die Zukunft lehren, die über Hitler und seinen christlichsozia- läßt. Wenn in Deutschland da» System deü NazkfasciSmuS, also Raub, Mord und Totschlag, als ein„Wunder GotteS" und sein Häuptling als Gottesgesandter hingestellt werden können, warum soll sich Dollfuß nicht als eine r'£ der seine Erleuchtung direkt Iflerolasclstlsehcs Mitteleuropa? Der Generalsekretär der tsdiedilsdien Volkspartei als Lobprclser Dollfuß Der Wiener Katholikentag entpuppt sich alS eine ausgewachsene politische Manifestation der hohen Kinhengewaltigeu für daS halbsasripisch« Dollsußregime. Für die fascistifche Schwenkung deS Vatikans war nach dem Konkordatsabschluß mit Hitler auch die Rundfunkrede JnnitzcrS bezeichnend, der angesichts der furchtbaren Arbeitslosennot die Verteidigung des Privateigentums— also der kapitalistischen Alleinherrschaft über die Produktionsmittel— in den Vordeiwrund stellte. Nun wird gemeldet, daß auch der Generalsekretär der tschechischen Volttpartei, der Abgeordnete und Pater StaLck ein begeistertes Loblied für Dollfuß gesungen hat. StoSek betonte in einer Ansprache, daß Dollfuß der erste Ministerpräsident Europa» sei, der verkündet habe, er wolle den Staat, dessen Regierung ihm übertragen ist, n o ch ch r i st- licken Grundsätzen leiten. Staiiek gratulierte allen österreichischen Bürgern zu Dollfuß' Initiative, Mut und Weitblick. Der Mut, die Initiative und der Weitbllck de» Dollfuß haben sich bisher entscheidend durch antisoziale Handlungen aeoffenbart. Verschlechterung der Arbeitülosenfürsorge, Aufhebung de» Nachtbackverbotes, Kampf gegen die mustergültige Sozialpolitik der Gemeinde Wien sind Leistungen, die gewiß auch den Segen eines klerikalen tschechischen Politiker» verdienen. Bei alledem muß man wissen, daß die tschechische Volkspartei unseren deutschen Christlichsozialen bisher in allen politischen Fragen di« kalte Schulter gezeigt hat. Da» Lob StaSrkS gilt daher in erster Linie dem Reaktionär Dollfuß, dem StändrstaatSpolitiker, dem Marxistentöter, dem Weekendgast Mussolini». Staöek machte freilich unter Anspielung auf die Selbsthilfe der mitteleuropäischen Völker in der Türkengefahr eine Bemerkung gegen die Ein- mischungSpolttik der Großmächte, indem er sagte: Auch heute haben die mitteleuropäischen Staaten ihre eigenen Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse. Aber auch heute kann man ihnen nicht raten, ihr Heil in fremder Hilfe zu suchen. 81« sollen vielmehr ohne sich auf die Großmächte zu verlassen, sichzugemeinsamcrArbeitzusammen- schließen, ohne daß sie dabei ihre Freiheit und staatlich« Unabhängigkeit aufgeben müssen. Die Zramekleute sind natürlich viel zu kluge Politiker, um etwa zu übersehen, daß der gepriesene Herr Dollfuß do» Problem Mitteleuropa al» Vasall Italiens und al» Beauftragter Mussolinis lösen will. Man kann sich nach dem Verlauf dcL Wiener Katholikentage» nicht länger der Tatsache verschließen, daß die Reste de» politischen Katholizismus mit fliegenden Fahnen herbeieiken, um der mitteleuropäischen Konzeption Mussolini» zum Siege zu verhelfen. D«r verlauf der spanische« Revolution scheint di« Filiale« de» Vatikan» zu dem Ent. schluffe gebracht zu haben, lieber unter den Trümmern de» FasciSmuS begrab«« zu werden, anstatt bei der Wiederherstellung zivilisierter Verhältnisse mitzuhelsen. Man wird ja sehen, ob diese Spekulation den etwa noch vorhandenen religiösen Interessen de» Katholizismus dienlich ist. Wir sind dem Herrn StaSek jedenfalls für die Eröffnung dankbar, daß da» Regime Dollfuß die Anwendung der„christlichen Grundsätze" in der Politik verkörpert und daß diese» famose Heimwehrchristentum mit Hilfe der Kirche aus ganz Mitteleuropa ausgedehnt werden soll. Ein Razispitzel verhaftet. Da»„Trautenauer Echo" meldet: Seit einigen Wochen stand in den Diensten der nationalsozialistischen Nachrichtenabteilung für den Kreis Landeshut ein sehr«jährlicher Bursche. Alfred Biller au» Lrebau— so lautet fein Nam« und sein Aufenthaltsort— arbeitete nicht nur mit den niederträchtigsten und gemeinsten Mitteln für di«se Abteilung. Er war auch«in ständige» Werkzeug der reichsdeutschen Kriminalpolizei für Niederschlesien. Seil«« Tätigkeit beschränkte er aber nicht nur auf daS Gebiet von Liebau und Landeshut, er breitete diese vielmehr auch jenseit» der Grenze^ speziell aber in der Gegend von Schatzlar, König»- han und Trautenau aus. Seine Erfolg«, die er erzielte, waren Menschenraub in de» Wortes gemeinster Bedeutung. Er war e», der di« beiden Brüder Mobitzer au» Lampersdorf über dir Grenze lockte und sie dann in Liebau der Kriminalpolizei auslirfert«. Auch die in der letzten Zeit erfolgten Verhaftungen tschechoslowakischer Staatsbürger in Liebau oder jenseits der Grenz« gehen aus sein Konto zurück. Am Mittwoch der vergangenen Woche versuchte er wieder eine Exkursion in die Tschechoslowakei. Auf tschechoslowakischem Gebiete angekommen, wurde er in der Nähe der Quellenbaude verhaftet und unverzüglich dem Kreis, gericht« in JiSin überstellt.— Wenn e» auch möglich wer, den siir unsere Grenzbevölkcrung gefährlichsten Spitzel und Konfidenten festzuneh- men, so ist c» aber dennoch angebracht, speziell di« arbeitend« Bevölkerung Ostböhmen» vor jedem Reichsdeutschen zu warnen, oer sich an unsere Arbeiter heranschleicht, sie auszuforschen oder über die Grenze zu locken versucht. Genosse Hampl über die politische Lage. Wir haben bereits darüber berichtet, daß der Vorsitzende der tschechischen Sozialdemokratie, Gcnoss« Hampl, aus der Gaukonsercnz der tsü>c. chischon Sozialdemokratie in Prag ein« Rede ge> - halten hat und wir bringen im Nachstehenden noch drei bemerkenswerte Stellen au» dieser Rede: Autoritäre Demokratie. Wer gegen den FasciSmuS und-Hitlerismus kämpfen will, muß d« bewcaeriden Kräfte dieser Richtungen kennen und muß mit allen Kräften die Bedingungen beseitigen, au» denen eine gc- walttätige Reaktion entsteht. Was notwendig ist zur Verteidigung gegen die Diktatur und gegen die Parolen vom totalen Staate ist ein« autoritäre Demokratie und ein« Elastizität in der Aktion. Bauern und Arbeiter. Di« Politik, tvelcbc durch di« Gleichung Bauern-Arbeiter gegeben ist, hat ihre Berechtigung. Unser bäuerliche» Elemcnt hatte immcr sein« demokratischen Bestrebungen und die Arbeiterschaft auch. Unsere Beziehungen zur Land- Wirtschaft sind positive. Da» Interesse des Arbeiter und Bauern ist durch di« gemeinsame Forderung verbunden, daß die Arbeit rentabel sein nmß. Die Teilnahme an der Regierung. Ich glaube,«S gibt niemanden, der nach gründlicher Analyse der Lage im In« und Ausland für den Uebergang in di« Opposition ein- treten würde. Ich glaube, eü ist klar, daß in diesem Augenblick schon nicht mehr nur um dc>l Sozialismus gekämpft tvird, sondern, daß der Kampf schon um die Demokratie geht. ES ist un» klar, daß unsere Politik nicht nur mit den übrigen sozialistischen Richtungen m der Republik, sondern auch mit allen demokratischen Elementen der Äevölkerung in diesem Staate kooperieren muß. Dr. Bene» für eine starke Regierung In einer Versammlung der tschechoslowakischen nationalsozialistischen Partei in Täbor hielt Montag abend» Außenminister Dr. B c- neö einen Vortrag über di« politischen und wirtschaftlichen Hauptfragen von heute. Der Minister betonte vor allem die Notwendig!«» der Ordnung und der loyalen Zusammen- arbeit der Koalitionsparteien. Eingehend befaßte er sich mit der Frage der Krise der Dcnio- kratie und wieS die Notwendigkeit de» demokratischen System» bei uns nach. Unsere Demokratie müsse allerdings disziplinrert und sich ihrer Verantwortung bewußt sein. Die gegenwärtige ernste Zeit bringe di« Forderung nach einer starken Regierung mit sich, die cs versteht, sämtliche Fakwren zu einer freudigen und ehrlichen Zusammenarbeit für Staat lind Volk zu vereinigen. SungstmM'Revlfion am 6. November vor dem Obersten Gericht. Brünn, 12. September. Die Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde in der Iung- sturm-Angelegcnheit vor dem Obersten Gericht ist auf den 6. November d. I. festgesetzt worden. Die Generalprokuvatur tvird Dr. Lovek vertreten, Referent ist der Rat des Obersten Gerichtes Kobeloubek. Den Bositz des Senates wird Dr. Prochözka innehaben. 8 Tunesien Im Fieber Von Walter Kolars In zwei ganz kleinen Gassen, Rue Mor- kad und Souk des arme», waren in jeder Nacht 18 bis 25„Lager" auf Stein gebettet. Wer besonders glücklich daran ist, der kann für einen Kaffee zu 28 Centiine» von früh bi» abend» da» Kaffeehau» bevölkern und da auch da» Geschäft in den Cafss schlecht geht, läßt man die Kundschaften auch über Nacht, lvenii sie dafür noch einmal den gleichen Betrag zahlen. WaS geschieht nun mit den Frauen und Kindern dieser Männer, die so tief im Elende stecken? Di« Frauen sind in Massenquartieren, den sogenannten„Marabu»", Brutstätten der Tuberkulose, untergebracht und die Kinder laufen ver- wahrlost umher und betteln, wo sie nur können. Manchmal verdingen sie sich al» Stiefelputzer, dann ziehen sie von einem Cafs zum andern und strecken ihre Zeigefinger mit einem Ruf de» Entsetzen» nach Schichen au» die ihre Bearbeitung notig hätten. Ein Schulbesuch kommt für diese Kinder gar nicht erst in Frag« und auch ihr sanitärer Zustand läßt alle» zu wünschen übrig. Di« Halft« der Kinder stirbt vor Erlangung de» Ahnten Lebensjahre». Da» Proletariat der Hauptstadt erhalt außerdem noch Zuzug durch di« Beduinen, di« durch die Koloni- iaiion dem Boden entwurzelt« Landbevölkerung, di« bettelnd und mit Wahrsagerei hausierend um- berzieht. Unter ihnen sieht man zum großen Teil Frauen und Kinder. Die Frau«»« unterscheiden sich durch bunt« Kleidung und Tätowie- rungen von den verschleierten und weißgekleideten Tunesierinnen. Oft sind sie gezwungen, sich der P r o st i t u t i o n in di« Arm« zu werfen. Doch suchen wir jene auf, welch« noch arbei- bu, gehen wir mit unsrem arabischen Uekxrjetzer in di«„Souk", in di« Straßen de» GeschäftSvier- t«l». Di« Ernt« ist gerade hereinaebracht, sie ist o schlecht, daß sie diesen Namen kaum verdient. Di« Goldschmiede wissen davon ein Lied zu ingeir. Zu chnen kamen dl« Bauern und setzten da» Geld, dem sie nicht trauten, in Schmuck um. Diesmal sitzen sie mitten in ihrer Saison müßig do, niemano rührt sich, der ihnen etwa» abkausen will, denn di« Bauern sind Heuer froh, wenn sie mit ihrer zahlreichen Familie genügend zu essen haben. VerkaufÄaden und Werkstatt fallen regelmäßig zusammen. Der GoschäftSmhaber hat einen bis Höchsten» fünf Arbeiter, da» Verhältnis zwischen diesen und ihrem„Unternehmer" ist immer noch rein patriarchalisch. Der Arbeiter batte stet» in intellektueller Hinsicht ein« gehoben« Stillung eingenommen und er ist auch heut« bei seinen Landsleuten noch immer sehr geachtet, denn di« meisten de» Lesen» und Schreiben» Kundigen sind unter der alten, lange vor dem Eindringen de» europäischen Kapitalismus entstandenen Arbeiterschicht zu suchen. Dies« haben auch heute, da sie nieoergckrückt vom Elende sind, ihren kleinbürgerlichen Charakter nicht ganz eingebüßt, doch ein langsam erwachendes proletarisches_ Klassenbewußtsein beginnt sich ihrer stolzen Würde und ihrem Glauben an das Schicksal an di« Seit« zu stellen. Der erst« Arbeiter, den wir aufsuchen, ist «,n W«b«r, er ist mtt einer Arbeit beschäftigt, an der er schon«in« Woche zu tun hat und di« er «rst nach einer Woche beenden wird, dann endlich erhalt«r 80 Franken und dies« waren bei neun, hi» elfstündiger Arbeitszeit schwer verdient, doch auch der Unt«rnehm«r wird nachher all« Hände voll zu tun haben, um die Decke lv» zu werden. Wir sehen an diesem Beispiel, daß di« Arbeitszeit nicht fest geregelt ist. Seit 4. Juli diese» Jahre» wurde für Tunesien der Achtstundentag«ingeführt, sein« tatsächliche Verwirklichung wird wohl noch recht lang« dauern und wir fanden auch nirgendwo einen Arbeiter, der ihn ein« znhalten m der Loge wäre. Auch im Viertel der Färber sanden wir, daß di« Krss« schlimm« Wunden geschlagen hat. Di« Färberei ist ein sterben- de» GowrÄe, di« Werkstätten der Handwerker sind zum Teil verlassen und verfallen^ zum Teil andern Zwecken zugeführt worden. Äon Hand- Werkern ve» FärbervicrtclS arbeiten kaum fünf oder sich» und ihr Lohn übersteigt nie 18 Franken pro Tag. Alle Arbeiter klagten unS, daß sie gezwungen seien, für ihre lausenden Ausgaben Schulden über Schulden anzrchäufen. Doch wa» wir bei den S ch a u a f ch i» hörten, bei den Arbeitern, welche die arabische Kopfbedeckung, di«„Scheschia" herstellen, läßt die Färber noch al» beneidenswert erscheinen. Die Färbereien gehen schlecht, weil niemand mehr das Bedürfnis hat, ihre Dienst« in Anspruch zu neh- nien, aber di« Scheschia wird noch immer von allen Arabern getragen» nur behält inan sich jetzt di« alte zerlöcherte und findet nicht die Mittel, «in« neue anzuschaffen, obzwar der Preis für 100 Gramm„Scheschia" von 80 auf 1.4 Franken gesunken ist. Unverkennbar zeigen sich gegenwärtig auch di« fabrikmäßig heraestcllteu Fez« und di« stark zunehmende weibliche Heimarbeit. Äon 880 Arbeitern de» Schanaschwiertels arbeiten gegenwärtig nur 80 und auch dies« nur sehr unregelmäßig. Wenn sie aber arbeiten, dann wieder Pools bi» vierzehn Stunden im Tag bei einem Lohninoximum von zehn Franken, wobei sie aber noch di« Chordonvuanz« kauien müssen deren getrocknete, stachlige Blüte zur Glättung des Scheschiaftoffe» verwendet wird. Daß wir weit davon entfernt sind, zu übertreiben, zeigt eine Enquete des„Tunis socialiste" vom Mai diese» Iichres, in welcher inan von Nettolöhnen der Schauaschi» im Betrage von 2.80 bi» 8 Franken sprach. Al» wir«inen Arbeiter fragt««, wie er «» fertig bringe, mit so kärglichen Mitteln da» Dasein zu bestreiten, sagte auch er unS, daß ihm daS mir durch viel« Schuld«« gelinge. Noch jetzt trage er di« Schuld an einem Mantel ab, den er un Winter für 160 Franken kaufte und für den er jede Woche«inen kleinen Betrag dem Händler gebe. Ta» Sattlergcwerbe in Tun!» scheint ebenso auüzusterben wie di« Färberei. Di« Arbeiter zeigen un» schön«, wertvolle Arbeiten, meisterhaft ausgeführte Verzierungen sehen wir auf den breiten Reitergürtoln, Gold- und Silberstickereien auf dem feilgebotenen Sattelzeug, auf da» einst kein Beduine verzichten wollt«, das heute aber nur noch al» verstaubter Ladenhüter an vergangner Zeiten Glanz erinnert und bald gänzlich von den Motten aufgefressen sein wird. Der Arbeiter, mtt dem wir in der Sattlerwerkstatt sprachen, ist feit 14 Jahren Spezial- arbeite«, trotzdem verdient er bei zwölsstündi- ger Arbeitszeit nur sieben Franken täglich, mir denen er sich seine Frau und drei Kinder ernähren muß. Immerhin hat er wenigsten» das Glück, kein Geld für di« WohnungSmiete ausgeben zu müssen, da er in einem„HabuS" wohnt, da» ist eine Wohnung oder«in ganzes Haus, das von einem Vorfahren als unveräußerliches Gut für die koininenoen Generationen feiner Familie gestiftet wurde Die» al» Beweis für den kleinbürgerlichen Ursprung der tunesischen Arbeiter- schäft. Auch bei den Sattlern klagte man über dj« wachsende Konkurrenz der Frauen, die für zwei Franken Pro Tag die Arbeit der Männer auSfuyre». Auch di« kleinen Kinder sahen wir stei» bei der Arbeit mithelfen. Zum Schulbesuch kommt e» gewöhnlich auch dann nicht, wenn der gute Wille der Eltern vorhanden ist. Da» zeigte oaS folgende Detail: Als ich mich bei unserm Sattlergehilfen darüber erkundigte, ob sein« Kinder in di« Schule gingen, zeigt« er mir den Brief einer Schuldirektton, die ihm auf fein Aufnahmegesuch für sein am 6. März 1928 geborenes Kind mittelte, die Ausnahnr« könne nicht erfolgen, da da» Kind zu alt sei. (Fortsetzung folgt.) nt. 214 Mittwoch, 13. September 1083 Seite 8 Erregte Protestversammlung in Paris uni iiinvi uyvui uiiiui upiuiiuyuuiiiiiu}|vi mehrtägiger Prozeß vor dem Prager Kreisgericht— Einblicke In den Itundsdiaiterdlenst des„Dritten Reiches“.— Bespitzelung sudetendeutscher Vereinigungen und Personen! Pari«, 12. September. Gestern abend veranstaltete die französische Sektion der Inter- nationalen Liga gegen den Antisemitismus in einem Saale in der Wagram-Straße ei» großes Meeting, auf welchem zahlreiche französische und auch ausländische Redner über den Reichstagsbrand und den bevorstehenden Leipziger Prozeß sprachen. Unter den französischen Rednern befanden sich die bekannten Advokaten- Deputiertcn Morot- Giafferi und Torres, welchen der Leipziger GcrichtshoS das An- suchen, die Angeklagten zu verteidigen, verweigert hatte. ES'sprachen weiters einige Deputierte und die Schwester eines der angcklagten Bulgaren, Fräulein Dimitrow. Während des ganzen Verlaufes der Veranstaltung war in dein überfüllte» Saale und insbesondere unter der vor dem Saale ange- sammelten vieltausendköpfigen Menschenmenge eine große Nervosität zu beobachten. Nichtsdestoweniger wurden aber alle Kundgebungen in voller Ruhe angchört. Sämtliche Redner verurteilten scharf das heutige Regime in Deutschland. Die Manifestanten, die nicht mehr im Saale Platz finden konnten, machten einigemale den Die Stimme der Welt verhallt auch in Hunnendeutschland nicht nngehört. Die Machthaber fürchten sie. Und vor ihr wollen sie rechtfertigen, was sie verbrachen: die Errichtung von Konzentrationslagcrn und SÄ.-Höllcn, die Erschießungen„aus der Flucht", das Stehlen des Arbeitcrvcrmögens, die Einstellung der Arbeiterorganisationen, das Unterdrücken der freien Meinung und was der schönen Dinge mehr sind. Sinnlos erscheinen der Welt die Acußcrungen des Hasses und der Gemeinheit, die Sic Rcgic- riingskunst der Hunnen auSmachcn, sinnlos sind sie. Und so wird denn jetzt eine Sinngebung versucht. Die folgende Meldung berichtet darüber: „Berlin, 12. September. Der Gcsamwerband Teutschcr antikonlnmnistischer Vereinigungen hat nunmehr das gesamt« Material über den tomnmni- ftijchcn Pietsch plan vom Feber 1933 mit allen Unterlage» zu einem Buch znsammengestellt. Tas Contibüro schreibt dazu:„Dieses Buch, das ausschließlich aus amtliche Quellen zurückgeht, bringt außerordentlich aufsehenerregendes, der Oes- feiitlichkeit bisher noch nicht bekanntes Material über die kommunistischen Zersetzungs- vcrsuche in Reichswehr und Polizei, über di« Rote Mobilmachung und den Roten Massensekbstschuy; es knlhält seiner Anweisungen für Dprengstossdiev- ftähle, Terrorgruppen, Beraubungon, Giftmorde, Ttraßenkätnipse nsw. Aach den Ermittlungen verfügte die KPD. Ende 1932 über etwa 1,090.000 Menschen, die zu allem bereit waren(!) und die restlos dafür eingesetzt werden sollten, noch vor Ablauf des Winters 1932/38 die Macht in Deutschland für den Kommunismus zu erobern. Zur Erreichung dieses Zieles wurde als einziger Weg das Mittel des bewaffneten Ausstandes beschlossen. Geradezu toll sind die schwarzen LI st e», die man im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin sand. In diesen Listen wurden mit genauen Adressen und Pcifoneitbeschreibunge» zahlreiche Leute angeführt, die der KPD. irr ihren Reihen oder in der JlSDAP. als verdächtig erschienen, die zu Beginn des kom- muuijlijchen Ausstandes als erst« in ihren Wohnungen überfallen und erschossen werden sollten. Aus dem Kapitol über den Landesverrat dec KPD. geht mit erschreckender Deutlichkeit hervor, mit welch ungeheurer Frechheit und Energie in Deutschland für di« Sowjetindustri« Spionage getrieben worden ist. Schmer belastet wird der frühere zweite Botschaftssekretär der Berliner Sowjctbotschaft Dr. Goldcnstei». Zur Verschiebung von befreiten politischen Gefangenen und sonstigen Elementen ins Ausland waren regelrechte Auwlinien zu bestimmten Grenzstrllen eingerichtet. Auf diesem Wege wurde auch seinerzeit der Mörder von Horst Wessel, Ali Hohler, nach der tschechoslowakischen Grenze gebracht. Das wichtigste Kapitel des Buches ist das über den bewaffneten Aus stand. Hier wird schlagartig gezeigt, wie weit bereits die Vorbereitungen der Kommunisten sirr einen bewaffneten Ausstand gediehen waren. ES waren regelrecht« Kurse für«inen bewaffneten Ausstand veranstaltet(!); ein« regelrecht« Gefechtsordnung war ausgegeben worden. Es heißt da u. a.: man könn« neben Messern, Schlagringen, petro- leumgc tränkteu Lappen usw. noch etwa Beile, Ziegelstein«, kochendes Wasser t»m Begießen der in den Straßen der Arbeiterviertel„wütenden Polizeibesti«»" und einsache Handgranaten aus Dynamit erwähnen, um nur das Allerprim i t i v ft e von den unendlichen, überall vorkommenden Möglichkeiten zur Bewasknung des Proletariats zu unterstreichen. Geradezu phantastisch sind die Waffen men gen, die von der Berliner Polizei in den Kommunistenvierteln beschlagnahmt wurden. U. a. wurden weit über 100 Maschinengewehre ermittelt. Anfang Feber 1933 trat die Geheime Kopflei- Ang des^bewaffneten Aufstandes zu den letzten Versuch, auf der Straße Gruppen zu bilden, um zur deutschen Botschaft zu ziehen. Die Polizei schritt jedoch ein und trieo die Gruppen auseinander. Die Manifestanten flüchteten so- dann in die benachbarten Cafös, wohin ihnen die Beamten folgten. ES kam an einigen Stellen zu Zusammenstößen mit der Polizei, wobei mehrere Personen verwundet, andere verhaftet wurden. Die Umgebung der Pariser deutschen Botschaft wurde durch mehrere Polizeikordone bewacht. Nazi-Demonstrationen an der Grenze Paris, 12. September.„Echo de Paris" berichtet aus Straßburg, daß in der deutschen Grenzstadt Kehl gegenüber Straßburg die Hitlcrlcute eine Kundgebung veranstalteten. Hiebei bildeten sie eine Hitler-Angriffskompagnie, deren Fahne den Namen„Straßburg" trägt. Das Blatt fordert, daß der französische Botschafter in Berlin gegen diese Provokation intervenieren soll«. Vorbereitungen für den großen Schlag zusammen. Danach sollte der Aufstand in der entmilitarisierten Zone des Rheinlandcs beginnen. Das Signa! sollt« die Ermordung Hitlers bei seiner beabsichtigten Rheinlandreise werden. Ferner wurde beschlossen, sämtliche Groß-Sondestationeu zu besetzens von denen ans der Aufruf zum bewaffneten Aufstand an das Proletariat ergehen sollte; im Anschluß daran sollten lebenswichtige Betriebe gesprengt oder still- gelegt und Sabotageakte verübt werden. Tie ge- hciine Leitung der bolschewistische» Revolution sollte sich in Krefell» und in Türen besinden. Die militärisch« Leitung lag in der-Hand des russische» Juden Wollenberg. Am 28. Feber erging die Weisung füc höchste Alarmstufe. Ferner wurde der Beginn der ersten Aktion auf de» ö. März, nachts 12 Uhr verschoben." Tas Eontibüro schließt: „Der vorzeitige Ausbruch des Reichstags- brandeS, das rechtzeitige Erkennen der kommunisti. scheu Absichten, insbesondere durch die preußische Regierung, machte in letzter Minute entscheidende Gegenmaßnahmen möglich. Noch»rouatelang hatte die Polizei damit zu tun, di« konimunistischen Brandherde anszutrcleu und die letzten Möglichkeiten eines bolschewistischen Aufstandes auszufchalren." * Der Schwindel ist so pluntp, daß sich eigentlich jedes Wort darüber erübrigt. Die von Goc- rina angegebene Mitgliederzahl der KPD. glaubt nicht einmal er selbst und alle übrigen— mit Ausnahme der über die seltsamen„Waffen"— ähneln so verblüffend dein Inhalt der B o£- Heimer Dokument e, daß der Verdacht nahelicgt, die Greuelmärchcn über die Kommunisten seien dort abgcschriebcn. Wenn Herrn Gocring das U il ul ö g l i ch e gelingen sollte, mit so schlechter Dichtung seine blutige Kommunistcnhatz zu rechtfertigen: was kann er zur Entschuldigung seines Vorgehens gc- gcir die So z i a lde in o kra t i e anführen'? Was zur Entschuldigung des Terrors gegen die Au d e»'? Schon das Stellen dieser Fragen enthüllt daS„Gegcnbraunbnch" der ReichStagS- brandstifter als einen plumpen Schwindel, der die Hunnentaten nicht zu rechtfertigen vcrinag, aber die Verantwortlichen aufs Neue belastet. An der komnnmistischen Presse liest inan des öfter» davon, daß die Sozialdemokratie die Einheitsfront, welche ihr von den Kommunisten vorgcschlagen wird, nicht will und in den Versammlungen der Kommnnisten wolle» die kommunistischen Redner die Arbeiter glaube» mache», daß sie nichts anderes im Sinne haben, als gemeinsam mit der Sozialdemokratie gegen den größten Feind der Arbeiterklasse, dentFasciSmus zu kämpfen. Wie cS aber um die in i r k l i ch e Gesinnung der Kommunisten beschaffet ist, zeigt ein Aufsatz des„Führers" der KPL, des Herrn Abgeordneten Klemens Gottwald im„Vorwärts" lind in der„International«" von Dienstag, den 12. September 1933. Dort predigt Herr Gottwald vom„unversöhnlichen Kamps gegen den SozialsaseiSmuS" ein blödsinniges Schlagivort, auf dessen schwere» Schaden für die internationale Arbeiterbewegung schon Trotzki hingciviefcn hat, der etwas mehr Grütze im Kopf hat als Goll- wald, Krribich und Reimanu. Gottwald spricht von der Sozialdemokratie als von dem„linken Flügel der bürgerlichen, saseistischen Front." Es ist wirklich schwer für den kommunistischen Arbeiter sich da auszukennen: aus der einen Seite wird ihm von seinen Führern erzählt, daß die Prag, 12. September. Bor dem hiesigen KreiSgertcht begann heute unter Borsitz des OGR. M r ü z c k die Berhandlung gegen den 21jährigen Wilhelm Rohnert, geboren in B ö h m i tz(Mecklenburg), zuständig nach Kropp in Schleswig-Holstein. Der Angeklagte ist Hörer des geographischen Seminars der Universität Göttingen und die Anklage legt ihm einerseits Teilnahme an staatsfeindlichen Umtrieben und anderseits militärische Spionage zur Last. Der für vier Tage anberaumt« Prozeß verdient schon aus dem Grund Beachtung, weil er zeigt, wie systematisch der Kundschasterdicnst der reichsdeutschen Nazi im sudctendcutsche» Gebiet arbeitet, wobei er offenkundig der politischen E i n st c l• lung und Tätigkeit der sudeten- deutschen Bevölkerung die-größte Aufmerksamkeit schenkt, ihre politischen Faktoren— Personen wie Bereinigungen— überwacht litto bespitzelt und durch Verbindungsleute und Vertrauensmänner auf dem lausenden erhalten wird. Die Anklage führt aus, daß Rohnert am 10. März d. I. bei Markhausen(bei GraSlitz) die Grenze überschritt und dann mit Fahrrad über M i e S und Pilsen biü ins K r u m m a u e r Gebiet fuhr und schließlich bei Eisenstein, wo er sich verdächtig gemacht hatte, verhaftet wurde. Dian fand bei ihm außerordentlich reichhaltiges Schriftenmaterial vor u. a. auch mehrere Notizbücher mit teilweise chiffrierten Aufzeichnungen. Bei seiner Festnahme versuchte er eines der Notizbücher ins Feuer der Wachstube zu werfen, was ihm auch gelang. Das Heft wurde aber noch bevor cs Feuer sing, geborgen. Ein anderes suchte er unter der Pritsch« zu verstecken. Aus den Aufzeichnungen ging hervor, daß er in genau aufgetragener Mission in die Republik gekommen war. Es ergab sich, daß Rohnert Mitglied der„Hitlerjugend" war und im Auftrage seiner Hintermänner allerlei Material über den tschechoslowakischen Staat und insbesondere über die s u d e t ende u t s ch c n Randgebiete zu sammel n hatte. Er hat die Winke und Weisungen seiner Auftraggeber sorgfältig notiert. So war ihm ausgetragen, sich nur an bestimmte, bezeichnete Personen, die verläßlich und sicher seien zu wenden und eine Reihe weiterer Sicher- hcitsratschlägc sind säuberlich verzeichnet. Auf seiner Reise Hot er eine lange Reih« von Personen aller 91 r t ausgesucht und sich über diese Unterredungen Aufzeichnungen gemacht. Dieser ungeschickte Sendbote des Dritten Reiches hat sogar die Namen und Wohnort der Betreffenden vermerkt und so eine ziemlich lückenlose Auszeichnung seiner Reise geschaffen, wohl nicht zur Freude seiner Informatoren. Das„Material", das der Hitlcrjnnge beschaffe» sollte, dreht sich nach der Anklageschrift hauptsächlich um den„Kampf der Deutschen und Tschechen", um die seit 1918 gegen Deutsche verhandelten Hochverratsprozesse, über allerlei Probleme des tschechoslowakischen Staates, über Organisation und Tätigkeit der Schntzvcrrine u. dgl. Außerdem sollen verschiedene Aufzeichnunge» militärischer Natur vorlicgcn, so über die Garnisonen des Grenzgebietes und deren Stärke, über tschechische Kom m a ndos, über die Stärke der rcichsdcutschen Wehrmacht im entsprechenden Ärcnzabschnitt— lauter Tinge über deren Beurteilung die geladenen militärischen Sachverständigen ihr Urteil abgeben werden. proletarische Einheitsfront notwendig ist, auf der andern Seite wird aber die Sozialdemokratie als fascistisch bezeichnet. Die kommunistischen Arbeiter müßten also eine Einheitsfront mit dem, was die Kom- mnniste» sagen,„linken Flügel der bürgerlichen, saseistischen Front" bilden, was doch ein Verrat am Klassenkamps wäre. Entweder also ist die proletarisch« Einheitsfront im Munde der Kommunisten ein Schlvindcl oder ist es den Kommunisten mit der proletarischen Einheitsfront ernst, dann wieder kann es nicht wahr sein, daß die sozialdemokratischen Arbeiter den linken Flügel der fascistischcn Front bilden, also selbst Fascisten sind. Die Kommunisten sind unbelehrbar. Sie haben ihre wahnsinnige Politik in Dentschland bis zu ihvein eigenen Zusammenbruch betriebe» und treibe» sie hier in der Tschechoslowakei weiter. Ihre Politik ist in eingelern- ten Formeln erstarrt, die den Tatsachen nicht entsprechen, sic sind unsähig geworden, aus den Weltercignissen noch etwas zu lernen, sie schalte» sich in der Beeinflussung der geschichtlichen Entwicklung imnicr mehr aus und gleichen dem Hund, der hinter dem Reiter cinhcrläuft und ihn durch sein Gekläff begleitet. Au- all diesem in Verbindung damit, daß der Angeklagte einer ausländischen Organisation angchört und sich zu deren Zielen bekennt, die gegen die Existenz und Integrität der 6SR gerichtet sind, ferner daraus, daß er mit verschiedenen Personen in Verbindung stand, die wegen Anschlägen gegen den Staat verurteilt wurden(Abg. Baeran, Svitzbart, Sepp Schwarz) oder notorische Feinde des Staates sind, folgert die Anklage, daß Rohnert sich der erwähnten Verbrechen nach dem Schuhgesetz schuldig gemacht hat. Aber weit interessanter, als diese prozessuale Frage, über die das Verfahren zu entscheiden haben wird, dessen Ergebnis nicht vorzugreifen ist, ist der Einblick in die Maschinerie d c s nazistischen A u S s p ä h u n g s d i e n st c s, der über die Ärcnzpfähle hinweg die eigenen s u d e t c n d e u t s ch c n Volksgenossen unablässig bespitzelt.* Was Rohnert ausplaudert. Der Angeklagte, der einen fast jungenhaften und alles andere als raffinierten Eindruck macht, hat im bisherigen Zuge des Verfahrens allerhand Interessantes auSgeplaudert. Er erklärt, nicht schuldig im Sinne der Anklage zu sein,, gibt ober zu, daß sein« Aufgabe illegal war. Er bestreitet die Zugehörigkeit zur Hitlerjugend und bekennt sich alS Mitglied der„Evangelischen Pfadfinderschaf t". Außerdem war er in Erlangen, wo er zunächst studierte, Mitglied der„G! l d e Erlangen" und trat, nachdem er später die Universität Göttingen bezogen hatte, der dort neu gegründeten„Gilde Götti»« g e n" bei. Die„Gilden" und das„Grrnzlandministerium". Als Zweck dieser Gilden, die ein gewisser Frank Werner in Erlangen führte, gibt Roh- nert die Entsendung von Studenten ins deutsche Grenzgebiet der Nach» b a r st a a t c n(vor allem in die Sudetenländer) an, wo sic Material der vorstehend beschriebenen Art sammeln sollten. Das„Material", von dem noch zu sprechen ist, sammelte der Führer Frank Werner in den sogenannten „Böhm-Aktrn". Tie Scndlingc der„Gilden" l)altcn nach Rückkehr genau Bericht zu erstatten und diese Berichte wurden dann den„Böhm,-Akten" einver- leibt. Bezeichnend für die systematische Organisierung dieses Nachrichtendienstes ist die Aeußc- rung RohncrtS, daß„sein R a y o n" bei P i l scn ende. lieber die Aktion selbst äußerle sich Rohnert dahin, daß es sich hauptsächlich nm„s y st c Malis ch e Erforschung" der Gesinnung, politischen E i n st r l l u n g und Tätigkeit der Bevölkerung gehandelt habe u. zw. durch Vermittlung vertrauenswürdiger Gc- fi n n» ngsge n o sse n. Taö Material soll dann dem zu errichtenden„Grenzland- Ministerium" übermittelt werden. Die Tä-' ligkeit dieses„Grenzlandministeriums" wäre vor allem offenbar Geldbeschaffung für eine hakcnkreuzlcrische sudctcndcutschc Aktion, da die Sudctendcutschen nach einer Notiz NohnertS „für nationale Zwecke kein Geld haben". Was diese„systematische Erforschung" bedeutet, wird klar, wenn man sich vor Augen hält, daß die Aufzeichnungen NohnertS, die ja nur einen winzigen Bruchteil des gesamten Aiatcrials darstcllcn, genaue Angaben enthalten über die Parteizugehörigkeit von B ü r- g e r m c i st c r n, Funktionären und anderen lokal bedeutsamen Persönlichkeiten des bereisten Gebietes enthält. Rohnert hat erzählt, daß selbst Rapporte über Tätigkeit und Gesinnung großer Organisationen beigcbracht werden, so zum Beispiel über den Bund der Deutschen, den Kulturverband, den Bund der Landwirte usw. Man kann annehmen, daß die Spitzel den sozialistischen Organisationen ihre doppelte Aufmerksamkeit schenken. Aus den Aufzeichnungen Rohnerts geht hervor, daß er mit Leuten der verschiedensten Stände Rücksprache hatte. Lehrer, Pfarrer, Kaufleute, Bauern und Arbeiter sind angeführt und nicht viele bekommen von dem Hakenkrenzjüng- liug ein nationales Lob. Einzelne Lehrer werden belobt, wobei zu erwähnen ist, daß ein solcher Iugcnderziehcr die ihm anvcrtrauten Kinder deut Hitlerjungcn zu Hebungen zur Verfügung st e l l t e! Die Bauern und Arbeiter erscheinen dem Rohnert im allgetneincn als„national lau". Andere bekommen wieder das Prädikat„freundlich aber passiv" usw. Die heutige Verhandlung, die bis in die Nachmlttagstnndcn währte, brachte das Berhör einiger Zeugen, ,die die Anklage im allgenieinen bestätigten. Der Prozeß wird morgen fortgesetzt. »er Leiter des Woiii-DUros verschwunden Berlin, 12. September.(Inpre ß.) Der Generaldirektor des offiziellen Wolsf-Nachri chte n- büros in Berlin, Rawitzki, ist seit etwa einem Dtonat spurlos verschwunden. Er verließ plötzlich sein Büro und wurde seither nicht mehr gesehen. Trotz aller Bcinühmtgen ist es bisher unmöglich gctvesen, seinen Aufenthalt zu erfahren. Mord, Gefängnis oder Konzentrationslager'? „Reinwaschung“ Goerings? Eine glelchgeschaltete Veröffentlichung gegen das Braunbuch So kämmen die Kommunisten gegen den Fascismus! Vor allem grellen sie die Sozialdemokratie an Seite 4 Mittwoch, 18. September 1088 Nr. 214 Kabinett Lerroux ohne Sozialisten Madrid, 12. September. Da- Kabinett Lerroux ist endgültig wie folgt gebildet worden: Ministerpräsidium: Lerroux, Inneres: Martinez B a r r i o s, Finanzen: Lara, Justiz: A s e n s i, Auswärtiges: Sanchez A l b o r n o S, Marine: I r a n z o, Krieg: R o ch a. Tie neue Regierung der republikanischen Konzentration wird sich auf neun Parteien und Gruppen stützen, die 290 Abgeordnete zählen. Die Opposition, deren stärkste Partei mit 110 Mandaten die Sozialisten sind, zählt insgesamt 130 Abgeordnete. Der Bestand der Regierung wird aber von dem Ergebnis des Kongresses der Partei der radikalen Sozialisten abhängen, die nach dein ursprünglich ablehnenden Standpunkt schliesslich in die Regierung eingetreten sind. Der Kongreß soll sich über das weitere Borgehen der Partei aussprechen. Eine dementierte Spionage- Sensation Berlin, 12. September. Eine große Blamage hat sich heute der amtliche Nachrichtendienst durch eine Meldung über„Spionageaffäre" zugezogen, in welche die polnische Gesandtschaft verwickelt sein sollte. In Stettin sei vor einiger Zeit ein polnischer Spion festgenommen worden, der regelmäßig durch die Post Gelder erhielt, die der Portier der polnischen Gesandtschaft in Berlin anfgegeben habe. An Stelle des erkrankten Portiers habe in der Vorwoche ein gewisser Langer, der in der polnische Gesandtschaft tvohnt- neuerlich derartige Gelder ausgeben wollen; er wurde dabei verhaftet, aber später nach Legitimierung wieder entlassen. Ter Portier sei nun im Krankenhaus nach einem geheimnisvollen Bestich seines angeblichen Schwagers plötzlich gestorbett. Vorher habe er aber auf seinem Sterbelager außerordentlich wichtige Aussagen gemacht, die für di« weitere Attsklärung dieses Spionagefalles von größter Bedeutung seien. Diese Meldung witrde uin halb 11 Uhr nachts vom Contibüro zur ganze zurückgezogen und den deutschen Blättern im Rundfunk ausdrücklich verboten, sie zu bringen. Trotzdent tvar sie schon in Berliner Diplomatenkreisen bekannt geworden, wo sie schon tvegen ihrer ungewöhnlichen Form große Erregung auslöste. Die polnische Gesaitdtschaft teilt mit, daß der Portier tatsächlich vor einigen Tagen an Magenkrebs gestorben ist; die letzten zwei Tage lag er aber i m Delikt um, so daß er wohl kaum irgendwelche Enthüllungen hätte machen können. Wmiiltiili an die 300 Offiziere Havanna, 12. September. Während des ganzen gestrigen Tages war der neue Präsident San Martin bestrebt, mit den aufstäiidischon Arbeitern sowie auch mit den dreihundert„strei- kenden" Offizieren der kubanischen Armee in - Fühlung zu treten und ein Eiuvenuchnum herbei- zusühren. Schließlich sandte der Präsident des im .Hotel„National" verbarrikadierten Offizieren ein Ultimatum, in dem sie aufgesordert werden, sich binnen N Stunden zu ergeben oder sich mit der neuen Regierung zu einigen. Tas Hotel„National" ist seil den Unruhen das Zentrum aller Europäer und Amerikaner geworden; auch der amerikanische Botschafter wohnt dort. Die im Hotel befindlichen Offiziere bereiten sich a,er Wahrscheinlichkeit auf eine lange Belagerung vor. Trotzdem das Hotel von Trnppett scharf bewacht wird, haben die Offiziere insgeheim doch große Mengen von Waffen eingeschmnggelt. Die Lage der Insassen hat sich jedoch dadurch verschlechtert, daß seit gestern das ganze Hotelpersonal in den Streik getreten ist und das Hotel verlassen hat. Aul dem Flug nadi Moskau Zwischenlandung in Prag. Prag, 12. S eptember. Auf dem Äbeler Flugplatz landeten heute um 16 Uhr 30 zwei Flugzeuge der nach Moskau fliegenden französischen Eskadrc. Unter den Insassen der Flugzeuge befinden sich der Sektionschef des französische» Luft- fahrtministeriums Cha mir und der Generaldirektor aus dem gleichen Ministeriunt Caquo 1. Die französischen Gäste werden in Prag übernachten und am Mittwoch vormittag den Flug nach Moskau über Lemberg und Charkow fortsetzen. Der Luftsahrlininister Pierre C o t startete heute nachmittag von Paris nach Slraßbttrg, von wo er morgon nach Lemberg startet. In Prag ist eine Zwischenlandung nur bei schlechtem Wetter in Aussicht genommen. Vor dem RUdflrilt Neuraths? Berlin, 12. September.(Jnpreß.) In hiesigen eingeweihten politischen Kreisen wird lebhaft die Absicht Hitlers erörtert, jene Mit- glieder seiner Regierung, die noch immer nicht Mitglieder der Nazipartei find, zur Demifsion zu veranlassen. Die hauptsächlichste Triebkraft ist Alfred Rosenberg, der seit langem auf den Posten de- Außenministers spekuliert. Außer Neurath soll der Finanzminister von Schwerin-Krosigk zurücktrete«. EntfetzlßGe Flugzeugkatastropye. Todesopfer. Belgrad, 12. September. lAvala.) Heute früh um 6 Uhr 8v stieß das Flugzeug, das den regelmäßige» BerkehrSdienst zwischen Linz, Laibach uttd Suschak versieht, in dichtem Nebel gegen einen bewaldeten Abhang in der Nähe des Flugplätze«. Der Pilot, der Mechaniker und sechs Reisende wurden getötet. Sämtliche Reisende waren jugoslawische Staatsbürger, mit Ausnahme des Reichsdeutschen Georg König. Das Flugzeug gehörte der jugoslawischen Gesellschaft„Aeroput". Belgrad, 12. September. Die Nachricht von dem schiveren Flugzeugunglück in Laibach hat allgemeine Trauer erweckt, zumal es sich um den ersten Absturz eines heimischen Verkehrsflugzeuges handelt. Ter mit den übrigen sieben Opfern: vermWickte Pilot R i k i t i lt, ein Russe, aalt als einer der erfahrensten und zuverlässigsten Flugzeugführer, welchem tvährend seines sechsjährigen Pilotierens nicht der geringste Unfall Hinrichtung von Mutter und Sohn in Deutschland... Torgau, 12. September. Amtlich wird bekanntgegeben: Im Hose des Torgauer Strafge- sängnisses Wurden heute früh der zwanzigjährige landwirtschaftliche Arbeiter Walter Ließ und seine 46 Jahre alte Mutter Christine Ließ durch Enihau pten hingerichtet. Beide hatten im vorigen Jahre den Baler im Bett überfallen und ermordet. Der damals vierzehnjährige zweite Sohn des Ermordeten war Augenzeuge der Tat und mußte auf Geheiß der Mörder helfen, den Toten am Scheunentor auszuhängen, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Eine unvorsichtige Bemerkung des Mörder« führte zur Entdeckung de« Mordes. Acht tote Bergarbetter. New Jork, 12. September. In einem Kohlenbergwerke in Pittsburg kamen bei einer plötzlichen Explosion acht Bergleute ums Leben. Zahlreiche andere Bergleute erlitten Verletzungen. Der Prager Fraaeumard. Die Untersuchung stockt.— Anonyme Briese. Seit drei Tagen bemüht sich die Prager Polizei vergeblich, neue Zeugen ausfindig zu i nachen, die an geben könnten, was die ermordete Branskri in der Mordnacht getan hat,:wch- dem sie die Nachtlokale„Zum politischen Leichnam" und„Smelhaus" verlassen hatte. Da auch das Sachverständigengutachten, wonach der Mord um 1 Uhr nachts verübt wurde, durch neue Fest- stellungen erschüttert wurde und niemand weiß, mit wem die Brausk» nach 1 Uhr nachts zusammenkam, ist die Situation heute nicht klarer als vor einer Woche. Seit zwei Tage:: wird die Polizei durch Briefe in Anspruch genommen, in welchen Unbekannte sich des Mordes bezichtigen. Obwohl man auch hier, wie in allen größeren Mord- assären beobachtet werden konnte, mit fast absoluter Sicherheit behaupten kann, daß diese Briefe Mystifikationen oder dumme Wltze von Leuten sind, die sich der Gemeinheit ihres Han- deins gar nicht bewußt siiü», muß die Polizei doch jeder einzelnen dieser Zuschriften nachgehen. Ebenso mehren sich die Zeugenaussagen, die sich schließlich als Versuche entpuppen, Mißliebige in Unannehmlichkeiten zu bringen. zugestoßen war. Das Unglück ist durch den Anprall des im Nebel fliegenden Flugzeuges an eine Mauer verursacht worden. Das Blatt„P rav da" behauptet, daß das Flugunglück durch Geschwindigkeitsverlust hervorgerufen wurde. Tas Unglück ereignete sich nach zwei Minuten Flug ganz in der Nähe des Flugplatzes. land erscheinende„Aerzliche Korrespondenz" (Heft 16-16, 25. August 1933) zu diesem Thema mitteilt: Körpersorm und Wesensart. Schon längst wurde enrpirisch ein Znfamnten- hang zwischen Fakbstoffverteilung und Wesensart geahnt, denn bei den Haustieren werden ' flnnj ausgesprochen die bellen pigmentschwachen Rassen wegen ihrer Lenksamkeit und Lahmheit bevorzugt, für die man nur durch den Mangel an Lipochromen eine gewisse Erklärung findet. Je lenksamer, stnneS- schwacher und geistig stumpfer die Haustiere werden, um so brauchbarer sind sie für den Menschen. Namentlich bei den Schafen ist der Unterschied zwischen dem Zu- statw der. Wildheit und der HauStierver- dummu ng auf den Gipfel getrieben, und es ist bezeichnend, daß gerade bei den Schafen die pigmemschwächsten Rassen am nwisten gesucht werden. Bei den Rindern tverden ebenfalls die hellen Schläge bevorzugt, während zum Beispiel die spanischen Kampfstiere in der Regel ein dunkles Rotschwarz, affo ein Höchstmaß an Pigment ausioeise». Auch bei anderen Lebe w c s e n ist der Zusammenhalt zwischen Gehiripchwäche, Benwetwbarkelt und Pigmentmangel ganz offensichtlich.(Friedenthal, Berlin: KoSnws, 1938, 6.) Also nicht nur bei den Schafen sind die Pigmentschlvachen Rassen am meisten gesucht, weil sie lenksamer und geistig stumpfer sind als die dunklen Tiere, auch bei andern Lebe- lvesen ist der Zusanunenhang zwischen Ge- hiryschwächc, Verwendbarkeit und Pigmentmangel ganz offensichtlich. Die rotschwarzen spanischen Kampfstiere hingegen sperrt man am besten in Konzentrationslager, sie könnten sonst, zum Unterschied von den nordischen Edelschasen, eine zweite Revolution heraufbeschwören. Sine Hundertjährige. Am 14. September begeht in Aussig Frau Therese Weigel, die in der Stadt unter den: Namen„M utter Mahner" bekannt ist, ihren hundertsten Ge- burt-täg. Seit 1845 lebt sie in Aussig. Sie hat eine 70jährige Tochter, sine Enkelin, fünf Urenkel und einen Ururenkel. Seit Jugend auf war sie gewohnt, schwer zu arbeite». Geglückter Absprung au« 8206 Meter Höhe. Fliegerleutnant Staniland, einer der' bc- kamttesten englischen Flieger, verlor bei einen, Fluge iiber Middlesex in 3200 Meter Höhe die Gewalt über seine Maschine. Er sprang ab und landete unverletzt mit Hilfe seines ausgezeichneten Fallschirmes. Tod im Wirbelsturm. Die Gegend von Cor- bis r e wurde von einem Wirbelsturm heimgesucht, der sich in einer verheerenden Windhose äußerle. Der Fluß Nielle schwoll so stark an, daß ein Brückenbogen einstürzte. Fünf Personen wurden In die' Fluten gerissen und nur eine konnte gerettet werden. Die Ortschaft OrnaisonS steht nahezu vollständig unter Wasser. Brände. AuS Jgla» wird uns geschrieben: In der Arbeiterkolonie Maly Beranov bei Iglau brannte in der Nacht zum Montag ein von neun Familien bewohntes Zinshaus nieder. Während der entstandenen Verwirrung konnten die Bewohner des.Hauses nicht schnell genug die Fluch! ergreifen. Zwei Frauen mußten aus dem Hause getragen werden. Ein Knabe sprang aus einem im ersten Stock gelegenen Zimmer auf die Straße. Tie Zimmerdecken und Fußböden sind durchgebrochen. Das alte Haus kann nicht mehr zu Wohnzwecken benützt werden. Fünfundzwanzig Bewohner des Hauses sind obdachlos. Ter Brand entstand durch einen schadhaften Ofen.— Aus Kutten- berg wird uns geschrieben: Montag, den lt. 2ep- lember, fing um 10 Uhr ein Autobus der tschfl. Eisenbahnen, wahrscheinlich infolge Kurzschlusses, Feuer. Das Feuer vernichtete die innere Einrich lung des Autobuffea sowie das Inkassierle Geld als auch das Geld des Chauffeurs, der es im Auto aufgehoben hatte. Verletzt wurde niemand. Tas Feuer wurde bald gelöscht. Verhaftung eine« Nazi-Kurier«. DcrHaken- kreuzler Otto W e i n e r t aus Komotau, Becl- hovenstraße, der sich fälschlich„Doktor" nennt, wurde in Brandau verhaftet. W. war in der letzten Zeit häufig im Dritten Reich, wo er auch als Reoner aufgetreten sein soll. Eine Hausdurchsuchung bei ihm brachte viel belastendes Material zutage. Im Zusammenhang damit wurde auch die Frau Weinerts verhaftet und dem Komotaucr Bezirksgericht überstellt. Ter Nazi-„Doktor" hat außerdem verschiedene Betrügereien auf dem Kerbholz. Ramsay Macdonalds sozialistische Bücher, die der jetzige britische Premierminister freilich in seiner besseren Zeit geschrieben hat, sind— gleich allen Werken über Sozialismus— den politischen Häftlingen in den Gefängnissen Indiens verboten. So wurde auf eine Anfrage im italischen Parlament erklärt. Vom Rundfunk Donnerstag: Prag: 11.00 Schallplatte». 14.20 Konzert. 17.25 Musik für Kinder. 18.30 Deutsche Sendung: Landwirtschaftsfunk. 19.25 Einführung zur Lper. 22.15 Konzert des kleinen Salonorcheslers.— Brünn: 12.35 Mittagskonzert. 17.45 Schallplotten. 18.25 Deutsche Sendung.— Wien: 15.30 Kinderstunde. 16.35 Werden, Wirkung und Zukunft der Tonfilm«. 22.15 Tanzmusik.— Frankfurt: 20.25 Orchesterkonzen.— Heilsberg: 17.50 Liederstunde. 21.40 Romantische Kammermusik.— Leipzig: 20.25 Abendkonzert IMIMIIIIMIIIIIIIIIIMIIIIMIIIIIIIIIIMIM Arbeiler-Radballmeiskerschaslen der Tschechoslowakei Komotau und Altrohlau Bupdesmelster. IWtIIIItMIIIIIItItIIIItMtlIWN!IIIWlI!!II>tIIIlMIIttIIIItII!Wt>ttI1IIltlItt>IIttttWtIIlItItIIl1tIlltIittIIlttIlItttt!IIttIItIIIIIttItIttIIIIt!IIIItlt!IItl>tItt!!lIII!IIIIt!!MIt!ItI!t!IttII>ItIItIttItIt>ItIIIIItItItItItIt!IlI»tIItIIII T agestteuigkeifen Polnische Rekordslieger abgestürzt. Moskau, 12. September. Ein polnisches Flugzeug, das Montag um 11 Uhr in Warschau zu einem Flug nach Sibirien startete, um den Distanzrekord zu brechen, ist heute früh etwa 00 Kilometer westlich von Kazan abgestürzt. Der Pilot des Flugzeuges L e w o n i e 1v s k i wurde schwer verletzt, der mitfliegende Direktor der polnischen Zivilluftfahrt F i l i p o w: e z rettete sich durch Fallschirmabsprung. Schlafgrippe. St. Loui«, 12. September.(Reuter.) Am gestrigen Tage erreichte die Zahl der Opfer der sogenannten Schlafgrippe(encephalitis lelhargiea) 120 Personen. Ziehung der Klasienlotterie «0.000 K«-: 43.714. 20.000 Ke: 19.810, 85.710, 47.021. 10.000 Kö: 126, 69.551, 75.388, 100.638. 5.000 K6: 23.996, 30.651, 33.057, 46.190, 85.375, 00.018, 06.158. 2.000 K6: 4.212, 4.576, 9.388, 12.330, 14.285, 14.688, 15.074, 15.579, 16.636, 18.478, 19.427, 27.737, 28.883, 34.155, 37.118, 43.890, 44.121, 48.969, 50.922, 55.508 54.641, 55.61-2, 60.141, 60.483, 68.219, 73.509 79.382, 84.971, 88.276, 80.832, 93.093, 95.562, 98.918, 102.305, 102.993. Die nordischen Edelschafe. Bekanntlich ist der blauäugige, blondhaarige, weißhäutige nordische Edelmensch die unübertreffliche Rekordleistung des Weltenschöpfers. Die Angehörigen dunkler Rassen hingegen sind gar keine Menschen, sondern schäbige Untermenschen; je weniger Farbstoff, desto hochwertiger, das ist ein Grundprinzip der in Dcuffchland geltenden Rassenlehre. Und nun lese man lang und mit Genuß, was die in Deutsch- Sonntag, den 10. September, ermittelte in Teplitz der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bund seine BundeSmeister in Zweier- und Dreier- Radball. Am Vormittag traten die Kreismeister in Dreier-Radball zum Titelkampse an Aus den zehn Spielen holte sich die gute Mannschaft, von Altrohlau die höchste Punktzahl und wurde verdient Bundes- meister. Nachmittag starteten nach einem Schüler- Radballspiel, das von dem Nachwuchs der Konto- lauer und Kostener bestritten wurde, die Mannschaften in Zweier- Radball. Sehr interessante Kämpfe gab eS in v.e'ec Disziplin und war der AuSgang der Spiele fast bis zum Schluß vod Bella ndlung auch auf di« notwendige Zeit auSzudehnen. Wir haben den statistischen Zahlen Aufmerksamkeit gewidmet, weil sie mehr aufzeigen, als «in Problem der Sozialversicherung. Niemand kann ernstlich di« Absicht haben, au» unseren Arbeiter» in dcr Blüte ihrer Jahr« ein„Volk von Rentnern" zu machen, wie der famose Herr Dr. Ley den sozialpolitischen Errungenschaften unserer deutschen Genosten geflissentlich vorwirft. Wir müssen für jene Unschuldigen sorgen, die dcr mörderische Konkurrenzkampf der kapitalistischen Wirtschaft unbarmherzig zurücksetzt; aber wir wissen, daß für sie am besten«sorgt sein wird bei einer Neuordnung der Gesellschaft, die ihnen die Erl-altung der Arbeitskraft bis ins hob« Alter, dazu«ine angemesten« Beschäftigung mit einem auSrcichenden Einkommen zu sichern hat. mb. Der geprellte Zählkellner. Ei« gleichgefchaltetes Trauerspiel 1« S Szene«. W« wir bcveitS gestern mitteilte», ist der Kellner Scholz vom Leipziger Sou- dengericht zu fünf Monat«» Gefängnis verurteilt worden, weil er be- hauptet hatte, Hitler habe in einem Wiener Lokal, in dem er, Scholz, den heutigen Reichskanzler ständig bedient habe, keine Zech« geprellt. Scholzwar bereit, den Wahrheitsbeweis an. zutreten! I. Restaurant in Wien II. Der einsam« Gast, der Kellner,... „Zahlen der-Herr?" „Aber nein, lieber Freund! Schreiben Sic an! Schreiben Sie ruhig an! Es niuß Ihnen eine Ehre sein, für mich anschreiben zu dürfen!" „Ich lveiß nicht, tverier Herr—. Ich bin kein KrösnS. Schließlich müsten Sic auch be- pihlc». was Sie verzehrt haben!" „Und das neunen Sie Volksgemeinschaft, Sie zahlkellnerischer Untermensch? Wegen einer so lumpigen Zeche einen so zukunftStröchligen Gast- auch nur ein« Minute aufzuhalten? Ich ^hl«, gut. Aber nur mit einein Wechsel auf mein« Zukunft. WaS macht cS denn?" „Sie hatten: Einen Rostbraten, ein Schnitzel, ein« Portion gebratene Ente, Beuschel mit Knödeln, Hitlerschmarren, äh, wollt« sagen, Kaiser- schmarrcn, Sachertorte mit Schlagobers, Melange, fünf Virginias,.." „Eine wahrhaft spartanische Zeck»e! Nur ein Genie kann cS über sich bringen, so einfach zu speisen—" Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Internationale des Kapitals. Di« internationalen Verbindungen der In- dustrie, d«S.Handel» und de» Verkehr» haben nach dein Kriege überraschender Weise stark zugenoni- men. Die Unternehmer waren di« ersten, die sich wieder zu gemeinsamer Tätigkeit über die Lande», grenzen hinan» zusammensanden. Die Zahl der internationalen Kartelle hat sich gegenüber der Vorkriegszeit vervielfacht. Die Zahl der Unternehmungen, die in anderen Ländern Filialen errichteten oder eigene Niederlassungen gründeten, nahm ebenfalls außergewöhnlich zu. Gewiß hatien wir schon in der Vor» kriegSzeit international bedeutsame Unternchmun. gen, wir erinnern an Siemen», die AEG.. General Electric, den Rockcfellertrust, um nur einige zu nennen. Aber eine solch internationale Verflochtenheit, wie sie sich in den letzten 15 Jahren entwickelt hat, war bisher nicht be» kann!. Die Entfaltung der Tcchnik, de» Handel» nnd deS Verkehr» drängte die Unternehmungen über die LandeSgrenzen hinan». In einer Zeit, wo Radiowellen"die menschlich« Stimm« in Sekunden um den Erdball tragen, Flugzeug« in wenigen Stunden mehrer« Länder überfliegen, ganz Europa mit einem einheitlichen Stromnetz versorgt werden könnt«,-muß da» internationale Zusammen». leben der Völker rin, andere» Gesicht bekommen. Au» diesen und anderen Gründen wuchsen Jndu- ltrieunternehmnngcn zu einer Einheit trotz der dazwischen liegenden Ärenzpsähl« zusammen. In die sich entfaltend« Weltwirtschaft platzt« derNationoliSmu» hinein. Kein Zweifel, daß dieser heute in den meisten Ländern Trumph ist. Maiichmal drängt er sich in dcr widerlichsten Weise hervor. Den europäischen Völkern wird plötzlich di« Lehre einzuhämmern versucht, daß im engen Raume der eigenen Lan- deSgrenzen das Heil jedes einzelnen liege. Man weiß warum: die Völker tvcrden von der Weltwirtschaftskrise scharf in di« Zang« genommen. WaS liegt näher als alle» bisher geschehene, darunter auch di« sich angebahnt« internationale Arbeitsteilung dafür verantwortlich zu machen. Aber man konnte gespannt sein, wie die mächtigen internationalen Trusts diesen Nationalitä- tcnrummel überstehen würden. Bisher haben sie von ihrer Macht noch nicht» cingcbüßt. Vielleicht „Macht sicbenunddreißig Kronen, werter Herr..." „Eirce Kleinigkeit für mich. Aber bezahlen kann ich nicht." „Sie können nicht bezahlen?" „Nein, Volksgenosse. Legen Sie für mich au». Sie erfüllen damit eine historisch« Mission. Ich werde es Ihnen tausendfach belohnen. Ein Mann, kein Wort. Wenn Sie sich weigern, werde ich Sie dereinst zerschmettern. Hugh!" „Haben Sie ein Pfand?" „Ein Pfand? Nein! Aber ich werde Ihnen ein Autogramm geben." „Ein Autogramm?" „Von eigner-Hand, jawohl! Da staunen Sie, nicht wahr? So viel Großzügigkeit hätten Sie gar nicht evtvartet! Aber genug der Worte. Ich erbitte den Geschäftsführer!" Der Kellner, mit einem wütenden Blick: „Den. sollen Sic schneller haben, al» Ihnen lieb ist, Sie Zechpreller'"(Ab.) II. Ter Kellner kommt mit dem Geschäftsführer zurück nnd findet den Platz leer. Der Gast ist verschwunden. Der Kellner, in großer Erregung:„So ein Schtveinebund! Jetzt ist er durchgegangen! Siebenund-reihig Kronen ist er mir schuldig. Eben war er doch noch hier—. Du lieber Himmel, jetzt werde ich armer Kerl die Riesenzcche bezahlen müsten-——— Der Geschäftsführer:„Aber da liegt dock) ein Zettel. Wo» ist denn das?" Liest laut vor: „Bestätigung. In 22 Jahren, Ende August 1933, wird dieser Schuldzettel über 37 Kronen von mir in Freiberg in Sachsen mit den nottvendigen DankeSbeknndungen eingelöst werden. Gegeben, Wien im August 1911. • Adolf Hitler." haben st« sich hier und da«inschalten müsten, hier und dort«in« Konzession gemacht, aber im große» und ganzen sind sie unbehelligt geblieben. Ja man kann sogar sagen, daß den industriellen Großmächten der Welt niemals eine größer« Bedeutung al» heut« zukam. Betrach'kn wir al» Beispiel dafür die nachstehend kurz skizzierten Machtkomplex« auf dem Gebiete der Chemie und der verwandten Zweige. Di« Welt hot sich verändert, Staaten sind verschwunden und neue entstanden, geblieben sind aber Gebilde wie der Rockefellertrust, dir Standard Oil Company, und die Royal Shell Company, die mit ihren Tochtergesellschaften noch immer, von Rußlandabgesehen, die Mincralölindu- str i« der ganzen Welt beherrschen. Di« chemische Großindustrie in allen Staaten ist in einzelne» Trusts zusammengefaßt. Man denke nur an die JG.-Farbenindustrie-A.-G. in Deutschland, die Imperial Chemical Industrie» Ltd. in Großbritannien, Kuhlmann in Frankreich usw„ um «inen Begriff von der Bedeutung dieser Industrie zu bekomnien. All« dies« Großtrust» der Chemie sind untereinander durch mannigfach« Abkommen und Interessengemeinschaften verbunden. Auch di« Chemisch« in Aussig ist an internationalen Abmachungen beteiligt. Die beiden oben genannt«» Petroleumtrust» sind mit der IG» Farbeninüustrie und d«m englischen Chemietrust eng verbunden durch Patentvcrträge und die gemeinsam zur Ausnutzung von Erfindungen auf dem Gebiet« der Kohlenverflüssigung errichteten Toch erunternehmungen. So bilden dies« vier Großtrusts mit ihren riesigem Kapitalstock einen Machtkomplex ersten Range». Wer wollte sich an ihnen vergreifen! Auf dem Gebiete der SI r e i ch- holzinduftrie beherrscht der Schwedentrust trotz de» Kreugrrkrach» die Zündholjindustri« der Welt nach wie vor. Der mächtige Unilever Trust, der die europäisch« Margarineindustrie beherrsch', ist im Begriffe, sich mit der mächtigen amerikanischen Proctor u. Gamble-Gruppe zu verbinden. Auf dem Gebiete der K u n st s« i d e sind tonangebend die Courtauld» Ltd. und di« Allgemeine Kunstseide-Union, die die deutsche, holländische und belgische Kunstscideindustrie umfaß,. Beide gemeinsam beherrschen die italienische Snia Viseosr. E» ließen sich noch mehr Beispiele anführcn, um zu beweisen, daß die Internationale der Unternehmer keineswegs tot ist. Im Gegenteil lebt sie in einigen Zweigen in der dln- henften Gesundheit. Di« nationalen Regierungen haben der International« de» Großkapital» noch nicht» anhaben können, haben sich im Gegenteil mit ihr zn verständigen versucht. E» ist nur bedauerlich, daß dir Internationale der Arbeiter eine nicht geringe Schwächung durch die bekannten Vorkonimniste erfuhr. Die intcrna'ionale Gewerkschaftsbewegung hat einen empfindlichen Verlust durch da» Ausscheiden der deutschen Gewerkschaften erlitten. Sie waren die eifrigsten Förderer de» internationalen Zusammenschlusses. Nun siird die übrigen Länder allein. Tie Stoßkraft der internationolen Arbeiterbewegung wurde gelähmt. Da» ist d>c bedauerlichste AnSwirkung des Raube» der deni- sck>cn Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten. Di« Arbeitersck-aft vermag den internationalen Machilomplex des Kapital» leider nichts Ebenbürtige» an die Seite zu stellen. Tock) soll'«» wir den Mut nicht sinken lasten. Ter Nationalismus hat die International« der Unternehnrer nicht zu zerschlagen vermockn. Er wird cs auch aus die Dauer nicht verhindern könne», daß die Arvei er aller Länder sich zu grmeinsanicm Tun und zur Ausübung internationaler Solidarität wiederum znfammcn finden. III. Sondergericht in Freiberg in Sachsen. DaS Gericht, der Wiener Zählkellner Scholz. „Angeklagter, nehmen Sie die-Hände an di« Hosennaht! Sie haben die grenzenlos« marxistische Schamlosigkeit besessen, unseren abgöttisch verehrten, allgemein anerkannten Führer, den Tatsachen gemäß, einer, Ivie ich schon feststellen konnte, längst verjährten Zechprellerei zu beschuldigen. Ich lehn« e» ab, auf diese ungeheuerlich« Lnge einzugehen und erklär« Ihnen, daß di« Staatsräson und meine mir selbst unerklärlich« Abneigung gegen das Idyll der Konzentrationslager mich dazu zwingt, Sie zu verurteilen.-Haben Sie außer diesem Ihrem Geständnis noch etwa» von Belanglosigkeit mitzuteilen—?" „Hoher Gerichtshof, ich will den Wahrheitsbeweis antretcn! Ich habe das Beweisstück in der Hand! Hier(er schwingt einen Zettel in der Luft) hat er mir selbst seine Schul- bestätigt!" „Wahrheitsbeweise werden nicht angenommen, Gefangen« nicht gemacht! Unsere Justiz l-at ihre besonderen Methoden— auch ich bin nur ein Mensch und muß an meine Familie denken! Gestehen Sie, was ich von Ihnen verlange, oder ich übergebe Ihre irdischen Reste der SA." ,,J nonincen. Danken Sie Gott für Ihre gute Eingebung! Da Sie zu bereuen scheinen, sehe ich auS raumtcchnischen Gründen— die Zuchthäuser sind allzu überfüllt— von einer Zuchthausstrafe ab. Fünf Monate Gefängnis, verschärft durch tägliche zweistündige Lektüre von Hitlers „Krampf". Abtreten—!" Der Kellner, schreiend:„DaS ist sein Daul!" Monnoe. ■iininiiniiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiilUHiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiinniniitiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiniiiuiniiiiiiiiimiiiiiiiiniiiiiiitiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiniiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiHiiin Die„alten" Arbeiter. Arbeiter Wer 88 Jahre unterliegen schon der Konkurrenz von jüngeren. Bette 6 Mittwoch, 18. September 1988 «r. 314 PBAGEB IHTIIMO. Prager PerkehrSzisfern. Tie elektrischen Straßenbahnen der Hauptstadt Prag beförderten Sonntag, den 10. September, int ganzen 639.550 Personen, Sonntag, den 3. September(Mustermesse), wurden 100.800 Personen befördert, so daß der Ver- kehrSzuwachS am letzten Sonntag 129.750 Personen betrug. Die Einnahmen vom 10. September betrugen 628.898 X und am Sonntag den 3. September, 493.250 X, so daß der Zuwachs vom letzten Sonntag 138:615 X beträgt. Tie städtischen Autobusse beförderten am letzten Sonntag 61.303 Personen und am vorletzten Sonntag 37.126 Personen, so daß der Zuwachs 24.175 Personen beträgt. Am 10. wurden hier 82.781 X und am 3. September 37.516 X eingenommen, so daß sich der Zuwachs auf 45.265 X beläuft. Tazu bemerken wir, daß die normale Einnahme der xleklrischen Straßenbahnen an einent Wochentag 180.000 X beträgt. Bei den Autobussen beträgt sie 35.000 X. Sonntag, den 10. September, wurden 1141 Straßenbahnwagen abgefertigt. Kunst und Wissen Max Alsberg gestorben, freiwillig in den Tod gegangen. Berlin, 12. September. Wie das Contibüro erfährt, ist der bekannte Berliner St rosrecht sver< leidiger Prof. Dr. Max Alsberg in Santaden in der Schweiz gestorben. Nach einer Meldung der schweizerischen Tepeschenagentur hat der Der« storbene, der jüdischer Abstammung tvar. in einer Privatklinik in Catnaden im Engadin Selbstmord verübt. * Professor Alsberg ist mehr noch als durch seine großen Prozesse(Erzberger, StinneS, Caro—Pelschek und andere) und durch seine juristischen Schriften, durch seine zwei Schauspiele„V o r u n t ersuch u n g" und„Konflik t" auch außerhalb deS Deutschen Reiches bekannt geworden. War AlSberg schon durch die„Voruntersuchung" in die vorderen Reihen der zeitgenössischen deutschen Bühnenschrift- steller getreten, so gewann er In dieser Hinsicht noch größere Bedeutung durch sein Justiz-Schauspiel „Konflikt", da» im Frühjahr 1938 in Bremen urauf- gesührt und übrigens ein paar Tage später am Deutschen Theater in Prag unter Anwesenheit des Autors noch vor der Berliner Premiere mit der dortigen Besetzung, unter der Regie Karlheinz Martins und mit Bassermann und der Turienx in den Hauptrollen ausgesührt wurde. Wir schrieben damals über die Tendenz dieses Stücke«: „ES gibt ewige, ungeschriebene Gesetze, die stärker sind und moralischer sein können als dageschriebene Gesetz; ja eS gibt Schicksale, die sich um höherer Werte willen erhalten können selbst gegen ewige Gebote. Also verstrickte Menschen vor dem Zugriff deS Gesetzes zu retten, also auch Schuldhafte zu verteidigen, kann nicht nur- Recht, sondern auch Pflicht de- AnwaltderufeS sein. Dessen sittliche Aufgaben, dessen Kampf gegen die Nöte deS EinzellebenS im Ringen mit Justitia zn schildern, begreiflich und als hochwertige ethische Leistung verständlich zu machen, ist Haupttendenz dieses Schauspiels, das wohl eine wirklich sittlich hochstehende Advokatie als die Apotheose ihres Berufes ansehen kann, daS aber ebenso, wenn auch nirgend- ausgesprochen, al- Anklage gegen den nach sittlichen Werten wenig fragenden Durchschnitt der Anwaltschaft angesehen werden kann." Ak lchmrze Dame. Bon Hedwig Erck. „Sie ist Klavierlehrerin", behauptet Frau Lohmann. „Nein— sie hat Vermögen, davon lebt sie", widerspricht Frau Brösicke. „Vermögen? Und dann im vierten Stock, hier bei uns? Daß ich nicht lache!" wirft die alte Schultze» ein; und Hannck^n Kulke steuert bei:„Neulich hab' ich gehört, sie soll Vorsteherin in so einem Massagesalon sein." Aber da schüttelt die Lehntann wieder energisch den Kops:„Bei der Figur uitd dem Alter! Und auch noch Vorsteherin?" Die Frauen lachen. „Ich hab' ja nun gehört, sie wäre Feldwebel bei der Heilsarmee", nmimt die alte Schulyen wieder das Wort, doch Frau Lehmann schließt den allgemeinen Tratsch ab, indem sie die oft gemachte Feststellung wiederholt:„Auf jedett Fall ist sie 'ne richtige alte Jungfer!" „Hallo, Anna!" ruft da plötzlich eine tiefe Männerstimme ins Trepvenbans hinunter, wo dieser improvisierte Kaffeeklatsch ohne Kaffee stattfindet,„krieg' ich nun bald mein Essen oder nicht?" Max AlSbergü Vorzüge als Bühnenautor waren anständige, überzeugende Gesinnung, ein warmes Herz, souveräne Sachkenntnis und eine ganz außerordentliche Theatergeschicklichkeit. Im Dritten Reich werden die Stücke Alsbergs wohl kaum mehr auf die Bretter kommen. Um so mehr wäre e- jetzt die Verpflichtung des Prager Deutsche» Theater-, dem wir schon nach der leider nur einmaligen Ausführung in der Starbesetzung die Einverleibung vor allem des„Konflikt" in den Spielplan mit eigenen Kräfte» empfahlen, da« Werk lebendig zu erholten, nachdem der Antor tot ist. Rote Falken(Matteotti- und Levellerkameradschaft) kommen SamStag pünktlich nm 4 Uhr nachmittags im B. D. A. zusammen. Pflichthelm. Verständigt einander. Ein„erster Werbe-Abend" des Deutschen Theater« in Prag brachte Montag zu ganz billigen Preisen, aber leider auch mit künstlerisch sehr billigen Mitteln ein Ragout au« Opern-Arien und Operet- teu-Schlager», beispielsweise einen Beethoven eingeklemmt zwischen Pueeinl und Wagner! Wir glauben aber zu wisien, daß die derzeitige Direktion selber eine solche nur au- Stilfehlern bestehende Veranstaltung nicht fiir geschmackvoll hält und nur durch die Rot des Theater« sich zu solcher Untugend verleitet sah, weshalb wir nur hassen wallen, daß bei einem etwaigen zweiten Werbe-Abend doch nach anderen Methoden gesucht würde. E« ist übrigens auch sehr fraglich, ob beispielsweise eine halbe Stunde„Fliegender Holländer" als kouzertmäßige Produktion nicht eher ermüdend als den Opernbesuch fördernd gewirkt haben dürste. Im übrigen dürste aber der Zweck de- Abends doch zu einem großen Teile erreicht worden sein, denn insbesondere die „Vorstellung" Fräulein Irene EisingerS löste allerhöchste Erwartungen für die Wirkung dieser großen Künstlerin innerhalb deS normalen Opern- betriebS au«; an diesem Abend lernte man in ihr ein« Sängerin vollendetsten Geschmacks, außerordentlicher Kultur und stupender Technik kennen, entzückend durch den Zauber einer ungemein sympathischen Persönlichkeit, die denn auch ihre Hörer im Sturm eroberte und mit Beifall überschüttet wurde Vielversprechend scheint auch der junge Sänger Edward Bender z» sein, ein Belcanto- Basio edelsten Timbres und im Besitz eines ganz> ungewöhnlich wirkenden Schwelltons; ob die Stimme! Entwicklungsmöglichkeit in das tiefe Baßregister und zu stärkerem Ausdruck finden wird, wird sich bäldlich zeigen. Weniger überzeugend wirkten noch die Damen Konetzni, Wolter und Pauly und Herr Scheid! mit, dellen Fach und Art den Mißbrauch al« Ariensänger nicht gut verträgt: DaS leichtere-Genre wurde von Fräulein d'Amara und Herrn'Dörner vertreten. l. g. Einmalige» Gastspiel der Wiener-Reiuhardtbühne (Thater in der Josefstadt) mit HanS Moser in der-Hauptrolle:„Ende gut, alles schlecht", Montag, den 18. dS. Vorverkauf für Abonnenten heute und morgen. Allgemeiner Vorverkauf ab Freitag.(Abonn. aufgehoben.) Spielplan de» Reuen deutschen Theater». Mittwoch 7% Uhr(B2):„Ball im Savoy"; Donnerstag 8 Uhr(E1):„S a l o m e": Freitag 7 Uhr (D2):„Tannhäuser"; SamStag 7% Uhr(C2) Erstaufführung:„DiSraell"; Sonntag 7% Uhr (TI):„Ball im Savoh". Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8 Uhr: «Die Trafik Ihrer Exzellenz"; DonnerS- rag8Uhr:„Die Trafik Ihrer Exzellenz"; SamStag 8 Uhr:„Höchste Eisenbahn"; Sonntag 8 Uhr:„Die Trafik Ihrer Exzellenz". war. Di« tollste» Gerüchte liefen über sie um. Sie hörte niähtS davon, oder— was wahrscheinlicher ist— sie wollte nichts davon hören. Anfangs hatte diese oder jene Nachbarin ver- sucht, mit rhr ins Gespräch zu kommen— vergebens. Sie hatte kurz, beinahe unhöflich geantwortet und die Neugierige stellen lassen. WaS gerade nicht zu ihrer Beliebtheit beitrug. Auch ionst erfuhr man nichts von ihr. Post bekam sie keine. Ob sie überhaupt etwas arbeitete, wußte niemand; geschtveige denn» was. Mal verließ sie das-HanS frühmorgens um sechs, mal mittags; mal kam sie nachmittags heim, mal nachts. Ja, nicht einmal ob sie verheiratet war, wußte man. Ihre Papiere hatte keiner gesehen einen Ring trug sie nicht. Und die Legenden um die„schwarze Dame" wurden ntehr und mehr... * Der„schwarzen Dame" mußte es in letzter Zeit sehr schlecht gehen. Der Gerichtsvollzieher tvar bei ihr gewesen; aber auS dem tvar nichts herauSzuholen. Ihre früher so vornehm aussehende, wenn auch stets schon etwas schäbig glänzende, ichwarzc Kleidung wieS immer mehr Flickstellen auf. AlS sie kürzlich die Treppe hochstieg, schtvaitkle sie. ,^Die schwarze Dante- ist betrunken!" ging'S da wie ein Lauffeuer durch daS-Haus. Nur die alte Schultze» meinte:„Es sah so aus, als ob sie vor Hunger nicht mehr weiter konnte." Aber sie dräng mit dieser Ansicht nicht durch. *- soort- spiel• Körpenfflene Wiener Arbeitersußball. Am Sonntag so irden wiederum Meislenschaslüipiele statt. Die Liga absolvierte ihre eiste Runde und brachte einige ii'ßcr- rascheirde Ergebnisse. Liga: Gaswerk gegen Feuerwehr 2:1(1:1), Zemralvevein gegen Floridsdorf 1:0(0:0), Nord-W en gegen Red Star 5:2(2:1), Rudolsshügel gegen Neu Keltenhof 5:3(3:1), Phönix Schwechat gegen-Helfort 3:1(8:0), E-Werk gegen Ostbahn Simmering 3:0(1:0).— Erste Klasse: Gruppe Nord: Columbia 21 gegen Hoch- stadt 3:2(2:0), Auto gegen WAC.-Stab 2:1 >2:1), Nußdovf gegen DIanabad 1:0(0:0), Donau- seld gegen Hndnstrieangestellle 6:1(8:1), Simmering gegen Ren»weg 2:2(2: 1), Leopoldau Freiheit 21 gegen Landstraßer Sportisreunde 1:0(0:0); Gruppe Süd: WAF.-Bakn-um gegen Union 14 4:0 (1:0), Fa-v. AC. gegen Neutral 4:4(2:1), Phönizin gegen Oskbahn-HnmanitaS 8:2(0:2), Germania-Aidkerbrotfabrik gegen Viktoria 10 1:0(1:0), HaupNver-kstätte gegen Aspern 2:1(1:0), Straßenbahn gegen Birtu« 2:1(0:0). Der österreichische Handballmeister geschlagen! Was seit langem keiner Wiener Handballmannschaft geglückt Ist, hat der obersteirische Dieister zuwege gebracht. Die T» r n e r m a n n s ch a f t von L c o- den schlug am Sonntag den Meister Stadlau nach spannendem Kamps mit 11:10(4:4). Leoben stellte eine flinke Mannschaft, die in der Verteidigung»ind im Tormann ihre Hauptstützen hatte. Nach der Panse sand sich Stadlau, stellte auf 6:4, später aus 9: 5, doch die Steirer gaben sich nicht geschlagen, verschärften da« Tempo und errangen in kurzer Zeit nicht nur den Ausgleich, sondern auch den Sieg. Den Lejchtathletikwettkoanps Atu» Preßburg— Wiener Graphische vugend, der am Sonntag in Preßburg ausgetragen wurde, gewannen die Wiener mit 58.5:38.5 Punkten. Internationale» Leichtathletikmeeting in St. Pölten. SamStag und Sonntag starteten Leichtathleten des MTE. Budapest in St. Pölten. Die ungarischen Genossen holten sich die Lanßbewerbe über 400, 800 und 3000 Meter, ferner die Olympische Stafette sowie die 4X200 Meter, diese in 1:40.2. Bei den Frauen gewann Teag(Budapest) die 100 Meter in 13.4 Sek. und stellte im Weitisprung mit 5.06.Metern eine neue ungarische Bestleistung auf. Den Kamps der Sportler gewann MTE. Budapest mit 45:-14, den der Sportlerinnen mit 38:23 Punkten. Ein Sportfest der Kinder sand in Wien statt daS ei>« Massenbeteiligung auswie«. E« wurden Handball- und Fußballspiele sowie leichtathletische Wettkämpfe durchgesührt. Ten-Höhepuickt deS Festes bildete ein Aufmavsch der sochzig Kindermannschaften.— Einige Ergebnisse: Die-tmal 100 Meter(Buben) gewann Leopoldstadt in 1 Min. vor Wiemr-Neustadt in 1:01- Min.- Die 6X60- Pieter Stafette Mädchen) gewann Leopoldstadt in 56 Sok. Handlball(Buden): Ortmann(N'ederöster- reich) gegen Wiener Elf 3:1. Fußball: Wien gegen Niederösterreich 6:0(8:0). Die BereinSmehrkämpse der Wiener Arbeiterturner, welche-n-m ersten Mal zur Durchführung gelangten, wiesen eine ausgeze'chnete Beteiligung aus. ES beteiligten sich 31 Mannschaften mit 1886 Leichtathleten. Bei den Männern schnitt die erste Mannschaft von Meidling mit 1598.80 Punkten am besten ab; bei den Frauen ebenfalls Meidling mit 1190.30 und bei der Jugend Rudolfs- Heim mit 1221.20 Punkten. In der VereinSwer- bung hat Meidling insgesamt 3973.72 Punkte errungen vor RudolsSheim mit 8651.48 und Kagran mit 8557.13 Pinckten. Der Fünfstädtekamps der Arbriterradsahrer in Wien, der aus der Radrennbahn des Stadions durch- geführt wurde, nahm einen schönen Perlons. DaS Gestern wurde die„schwarze Dame" beerdigt. Durch einen Zufall wurde der Schleier gelüftet: Frair eincS Ingenieurs. Der Mann starb früh uttd hinterließ ihr nur Schulden und einen Sohn, der in einer kleinen Universitätsstadt studiert. Ta arbeitete seine Mutter von früh bispät nur noch für ihn. Gab Klavierstunden. Unterrichtete die Kinder ehemaliger Bekannter. Bis ihre Kleidung für die seinen Häuser zu dürftig wurde, und man sie fortschickte. In den beide» letzten-Jahren reinigte sie Büroräume: von frühmorgens bis tief in di« Nächt« hinein. lind der Junge studiert« itnd... hungerte ebenfalls. Bor vier Tagen fand man sie morgens auf dem Trottoir liegen: die„ichlvarze Dame" war tot. „Allgemeine Entkräftung" stand in dem ärztlichen Protokoll. „Verhungert", sagten die Arbeiter, die sie fanden. * Das ist die alltägliche, uninteressante Geschichte der„schtvarzen Dame"— ein Mittelstandsschicksal von heute. Außer in ihrer Todesstunde hat sie niemals protestiert, diese Frau, und selbst in ihrer Todesstunde, als sie hungernd und frierend zusammenbrach, auch da nur ganz zufällig und fast unnterk- lich: ihr Kopf lag angel« hnt an die Kirckrenmauer, und über ihm hing ein Propaaandaplakat mit hem.„Goldenen Wort" des Kirchenvaters Augu- stin:„Gebt mir bessere Mütter und ich gebe Euch ein« hellere Welt!" Avsanrtrasullat de-Z Städtekampfes ist: 1. Mohr (Wien) 35 Pmckte, 2. Zimmerman(Kapfenberg) 29, 3. GomSjäger(Kindberg) 24. 4. Tornar(St. Wien), 19, Ftola kPreßburg) 12, Kösler(Wiener-Neiistedt)s 11 in» 5. Rakitnck(Bruck a. d. Mur) 10 Punkte.—! Bei dem StundenmannschaftSfahren kam«S zu cine-.it tragischen Unfall. Der Fahrer Neunteufel stürzte J unglücklich, daß er«ine Gehirnerschül-terung davoim trug und ins Spitak übersühvt werden mußte. BOrgarflctMr Sport. Den tschechoslowakischen Marathonlauf, d-r Sonntag bei Preß bürg zur Durchführung gc. langte, gewann Demi in 2:44:40 vor Sule in 2:50:48.4 und Los la In 2:53:15(alle drei Sparta Prag). Vereinsnadiriditen Arbcller-Tarn- und Sportverein Profi Au-schußsitzung, Mittwoch, den 13. September, 7 Uhr abend-, int Restaurant„U kupeu", 8tk panskä. Um pünktliche- und bestimmte- Erschein:.! aller Funktionäre wird ersucht, da>vich:ige Lager- ordnung. Der Film Barud- die Wüsteorache. Hätte dieser französische Film nichts alt die Szenerie der Wüste, die flatternden Burnusse, die leuchtenden Turbane, die sagenden Araberrosse und die maurischen Burgtore— er wäre ein ungetrübter Genuß für den, der sich gern für zwei Stunden in die traumhafte Wirklichkeit ferner Erdenzonen versenkt. Aber dieser Film hat einen ehrgeizigen Regisieur, den durch die„apokalyptischen Reiter" berühmt gewordenen Rex Ingram, der an erregenden Masienszenen und Schlachtenbildern, an der Darstellung de« Unheimlichen, Grausamen und Phantastischen sein Talent zu beweisen bemüht ist. Und so griff er zu einer ebenso unwahrscheinlichen wie belanglosen Geschichte: von der Tochter det ScheichS, die sich in einen französischen Offizier verbotenerweise, aber mit Erfolg berliebt, und um derentwillen«in blutig-romantischer Kampf mit Gift und Sturmleitern, mit Flinten und Maschinengewehren entbrennt, den die Hauptpersonen nach dem Gesetz de« glücklichen Zufalls und mit Hilfe der französischen Truppen lebendig und siegreich überstehen. Eine Geschichte, die so wirkt, al- balle sie ein plumper Propagandist der französischen Kolonialpolitik aus dem Nachlaß de- nnvergeßlicheil Karl May entwendet. Dach die Schönheit der natürlichen Szenerie, die Könnerschaft de- Regisseur- und d>e wohltuende Zurückhaltung der Schauspieler bewahren diese- sonderbare Filmprodukt vor dem Absturz in- Lächerliche. G. G. Literatur „Marx oder Hitler?" Unter diesem Titel ist im ,,UstFedni delnickö knihkupectvi a nnkladadelstvl* (Zentral-Arbeiterbuchhandlung und Verlagsanstalt, Anton Svseeny) in Prag in tschechischer Sprache eine Broschüre von Paul Diner-Dene« und Dr. Ernst Keil erschienen, die sich die Aufgabe stellt, In gedrängter Form die soziologischen Voraussetzungen, den Werdegang und die Struktur der Hit> lerherrschaft über Deutschland vom marxistischen Standpunkte au« zu analysieren. Nach kurz znsam- mensassender Schilderung des äußerlichen Aufstieges und endlichen„Sieges" einer mehrfach bankrottierten und scheinbar schon am eigenen Schmutz erstickten „Volksbewegung" wird dieser anscheinend unbegreifliche Erfolg durch eine Untersuchung der sozialen Zustände Deutschlands in der Krisenzeit verständlich gemacht. Mittlere nnd Kleinlandwirte— verelendet durch die von den junkerlichen„StandeSgenossen" er» zwungene Zoll- und Preispolitik; ein proletarisier- ter Mittelstand, der sich verzweifelt gegen die Erkenntnis seiner proletarischen Situation wehrt; daganze Heer der„Nichtpolitischen" und„Neutralen" — alle die Unlergehenden, Unwissenden und schlecht Belehrten(gar nicht zu reden von der Sieben-Millionenarmee der Arbeitslosen) fallen auf die hohlen Phrasen eines hohlen Kopfes nnd seiner bestialische» Gehilfen herein. Wo der logisch Denkende die Mißstände deS kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems sehen muß, ließen sich diese Armen, die weder wissen, noch zu denken imstande sind, auf die Irrwege eines stupiden Antisemitismus ablocken und verfielen der Phrase vom allbeglückenden Nationalismus auf„r.a s s i s ch e r" Grundlage. Bon Großkapitalisten finanziert, ist die Macht der national„sozialiftischen" Gaukler scheinbar zu einem Koloß gewachsen. Die übrigen Parteien sind beseitigt; das„Dritte Reich" hat begonnen. Aber gleichzeitig beginnt and) die schwere Krise dieses Kolosses ans tönernen Füßen. Zu viele widerstrebende Kräfte sind hier auf engem Raum zusam- mengepreßt. Innen- und außenpolitische Situation drängen zur Explosion. Mit einem Appell an die europäische Kulturmenschheit zur Unterstützung de« kampfbereiten, klaffenbewußten deutschen Proletariat« schließt die absolut klar und sachlich gehaltene Arbeit, die sicherlich zur Klärung der vielfach unklaren Auffassungen über die„nationale Revolution" in Deutschland beitragen wird. ,Dr. Pg. „Die schwarze Dame ist wieder vorbcigekom- ntcn, entschuldigt« sich Frau Lehntann oben. „Ach so— die schwarze Dame", brummt ih' Mann gleichgültig und beginnt zu essen. * Seit fünf Jahren wohnte die„schwgrze Dame" nun schon oben in der Kochstube nn vierten Stock und keiner.im Haute wußte, wer sie «albiagug Ke j6.~. ganuafctig U WS.—,— Jnstraie wer»«» lau tauf dllligft berechne«. Lei onere» Ulchcholumgen Preunachlatz. ——....„_—— Für den Druck deranuoorilich:- Clio HoUi, ullellung in« Hau« ober bei Bezug durch die P«il monatlich 8t 18.—, vierleliäbrNch Ui iS.—, Mckliellung»o» Manulkrtple» erfolg« nur del ltivfenduug Ml Aeuutmaitai, H«ra»«grbir: Siegln«» land— Udelredakienr: Liihelm NIed» er.— veromworUicher Bedalleur: Dr. Smit B«« a u b, Prag.— Druck:«Sela* Olk Zeliung- und Buchdruck, Prag. Viag.— Die Ze««ngemarlcuironlaiur wurde»on der poft-». relegrabdendirenio»«ml Srlab Nr. 13.800ZVII1930 bewillig«.— Bezug«dedingunge» Bei gußellunH in« Hau« oder bel Bezug^ durch di« tzsll