Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.* 3t ßaiiion n. DtrWaltuna: Brog H,7Tfhijanto ta ♦ xtlrpQ.: 10795, 11400.OtaAirtOad.«u> 21 U^c)< 55S5S*DoHKOttami 157544 13. Jahrgang. Freitag, 15. September 1933 Nr 216. Mvzelprels 70 Heller. ,Einschließlich 6 Heller Dorlnl Vergeblidier Protest DeulsdiMs Serien den Londoner Reidistags-Prozen London, 14. September. Ans eine Anfrage der deutschen Regierung in London hinsichtlich deS morgen beginnenden„Prozesses" über den Brand der deutschen Reichstage» vor dem Internationalen Untersuchungsausschuß antwortete die britische Regierung mit einer Erklärung, daß die Arbeiten deS Internationalen Ausschusses keinerlei ossiziellrn Charakter haben. Rach einer Wolsfmrlliung verwies der deutsch« Geschäftsträger in Loudon die englische Regierung auf die Verantwortung, die sie übernehnr«, wenn sie solche Beranstaltun. gen zulasse. Vom Auswärtigen Amt« wurde der deutsche Geschäftsträger dahin unterrichtet, daß eS der englischen Regierung an einer gesetzlichen Handhab« fehle» um derartig« r«in private Veranstaltungen zu verhindrrn. Die Welt soll sldi selbst ein Urteil bilden... Der Abgeordnete der Arbeiterpartei Sir Stassord C r i p p a, der ehemalige Attorney General in der Labouristenregierung, gab eine Erklärung über die Untersuchung av, dir von dem Internationalen Sonderausschuß über den Brand des deutschen Reichstags«ingeleltet wurde. Sir Crippe betonte, daß der Internationale Sonderausschuß kein Gerichtshof sei und daß außerhalb Deutschland» in dieser Ange, legenheit in keinem Sinne ein Prozeß geführt werden könne. Doch meint der International« Ausschuß, daß es mit Rücksicht ans die Wichtigkeit, die Von der ganzen Welt dem Leipziger Prozeß beiaenirssrn wird, nnd im Hinblick auf die Umstände, unter denen der Prozeß verhandelt werden soll, notwendig ist, daß sämtliche Zeugenaussagen gesammelt werden, di« außerhalb der Grenzen Deutschlands zur Verfügung stehen. Der internationale Ausschuß hofft, daß di« Ergebnisse seiner Untersuchungen dazu beitragen werden, daß die Rationen der ganzen Welt sich in dieser Angelegenheit ihr eigene« Urteil werden bilden können. Der International« AnSsckmß hat diese Ausgabe ans sich genommen, da dse Schwierigkeiten bekannt wurden, unter denen di« Angeklagten in Deutschland zu leiden haben. 15 Zeugen werden einvernommen Bei der morgigen Eröffnung wird di« einleitende Ansprache durch Sir Stassord Cripps und sodann di« Wahl de» Präsidenten der«am- Mission erfolgen. E« werden 15 Zeugen einvernommen werden. Die Namen einiger Zeugen werden, da ihr« Verwandten in Deutschland leben, der Oessentlichkeit nicht bekanntgegeben werden. Die Arbeiten der internationalen Untrr- suchungSkommission werden spätesten« bi« zum 20. September, also«inen lag vor Beginn deS Leipziger Prozesse» gegen die Angeklagten, ihren Abschluß sind«». Tie internationale Kommission wird dem Leipziger Gerichtshöfe«in« deutsche Uebersetznng ihrer Beschlüsse sowie auch der Zrugenauüsagen übersenden. Die internationale UMcrsuchungskommis sion, welche den Brand des deutschen Reichs- tagsgcbäudcS in.Erörterung ziehen wird, besteht aus hervorragenden internationalen Juristen. Es sind dies Dr. B r a n t i n g, der Sohn des ehemaligen schwedischen Ministerpräsidenten, Tr. Wald H u i d vom dänischen Sbcrstrii Gerichtshöfe, der französische sozialistische Deputierte Gaston B e r g e r Y, der amerikanische'Advokat Eduard H a y s, der bekannte englische Advokat Pritt und die britische Advokatin B o k k e r t Hort. Tie weiter in Aussicht genommenen Mil glieder Ni tti, Moro-Gioserri und Huber haben ihr Fernbleiben entschuldigt. In Leipzig sollen 120 Lengen auf marschieren» Leipzig, 14. September. Amtlich wird be- kauu gegeben: Nunmehr liegt der amtliche Ter- miuzeltcl in dein Prozeß gellen die Reichstags- braiidstifter vor. Die 2>er Handlung ist auf Donnerstag, denäl. September, 8 Uhr i m-Haupts!hungssoal des Reichsgerichts vor dem Vierten Strafsenat festgesetzt. Die Namen der fünf Angeklagten im Reichstagsbrandprozeß lauten:' Marinu« van der Lübbe, Maurer; Ernst T o r g l e r; Georgi D i m i I r o f f, Schriftsteller, ge- koren in Radomir in Bulgarien; Pop off, Student, geboren in Usan bei Sofia; Basil Tancff, Schuhmacher, geboren in «Hevgeli(Mazedonien). Die'Anklage lautet auf Hochverrat und andere Verbrechen. Im Laufe der Beweisaufnahme dürften ini Berliner Abschnitt des Prozesses etwa 120 Zeugen vernommen werden, nachdem in der Borunternichung über 500 Zeugen gehört worden sind. Ungarischer Außenminister in Paris Politische Konferenzen mit Paul-Doncour Budapest, l4. September. Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten Konya ist heute früh in Begleitung de» LegationSratr« Mariassy nach Pari« abgcreist, um o«m französischen Minister drS Auswärtig«» P a u l- Boneour einen Besnch abzustatten. * Uebcr den Zweck der Reise wird von gutinformierter Stelle milgeteilt: Die Reise hat in allererster Reihe den Charakter eines Höflichkeitsbesuches. Nachdem der ungarische Ministerpräsident und der ungarische Außenminister, in der letzten Zeit in den verschiedene» Hauptstädten Europas Besuche abgcstattet haben, erscheint cs ganz natürlich, daß der ungarische Minister für Auswärtige Angelegenheiten nunmehr auch Paris, einem der allerwichtigstcu Zentren der europäischen Politik, einen Besuch abstatlet, um sich bei den leitenden Faktoren der französischen Außenpolitik persönlich zu orientiere n. Tie beiden Außenminister werden voraussichtlich die allgemeine europäische Lage und insbesondere jene Fragen durchbera- ten, welche die beiden Länder näher interessieren. Pariser Presse: Pension ausgeschlossen! Paris, 14. September. Di« bevorstehende» Verhandlungen des ungarischen Außenministers werden in der französischen Presse einmütig nu vr dem Gesichtswinkel der Anfchaiumgr-n beurteilt, die Albert I-uIien in der heutigen Ausgabe des „Petit Parisien" kategorisch festgelcgt hat: daß nämlich die Besprechungen bloß Wirtschaft- l i ch e Fragen betreffen können, unter Ausschluß aller rein politischen, vor allem revisionistischen Forderungen. In Zreisen, die der Regierung uahcstehen, wird betont, daß di« wirtschaftlichen Klagen Ungarns nut der gleichen An- tcilnahine und dem gleichen Interesse eutgrgenge- nommen werden, wie sie die französische Regierung den kleinen Staaten noch nie entzogen hat. Es tvird aber darauf aufmerksam gemacht, daß noch keine französische Regierung nach dem Kriege die ungarisch«« Revisionsfordenlngen und di« monarchistischen Bestrebungen unterstützt hat. Wem dient die.Bohemia*! Porträt eines schlecht getarnten fascistischen Industriellen* Blattes. Porträts seiner Führer./ Scheindemokratische Juden Im Dienste des Fascismusl Die Prager„Bohemia", die durch ein Jahrhundert dem Fortschritt lltid dem demo- lratischen Gedanken nach bestellt Wissen und Gewissen diente und die noch zu Lebzeiten Professor Kafkas trotz ihrer selbstverständlich bürgerlich-kapitalistischen Grundeiustelluug und trotz verschiedentlicher, ausgesprochen arbeiterfeindlicher oder soitst reaktionärer Extratouren dock) immer die Interessen und Anschauungen des demokratisch und liberal gesinnten Teiles der deutschen Bourgeoisie zu vertreten bemüht war, hat in den letzten Monaten eine von der Entwicklung in Tentsch- land bestimmte, politische, g e i st i g e und Nt o r a l i s ch« W a n d l u ttg durchge- machl, die in der Publizistik außerhalb des Deutschen Reiches kaum ihresgleichen haben dürfte und mit der man nur jenen Abklatsch in Parallele setzen könnte, den die minder bedeutende sudctendeutsche Bürgerpresse in der Provinz kraft ähnlicher Gleichschaltung darstellt. Wir brauchen an dieser Stelle den Hit- lerdienst der„Bohemia" nicht durch Beispiele zu belegen, da wir insbesondere seit den Tagen des Reichstagsbrandes bis zur jüngsten „Bohemia"-Erfindung über das Braunbuch in zahllosen Fällen an ihren Artikeln, Notizen, Meldungen und nicht zuletzt an ihrem Verschweigen nachgewiesen haben, wie sehr dieses Blatt das deutsche Hunnentum zu beschönigen und Vas Hakenkrcuzlertum im eigenen Lande zu schützen irnd zu unterstiihcu jederzeit sich bereit zeigte. In der gesamten Deffcntlichkeit, bei Freund>«nd Feind, draußen bei ihren„Verwandten" und hier bei den Jungs, im deutschen jozialdcmokratisck)en wie im gesamten tschechischen freiheitlichen Lager, gibt es heute nur eine Stimme, nur c i n Urteil über die„Bohemia": es ist das der Verachtung, crfließeud aus der Erkenntnis, daß dort sndetendeutsche Fascisten mit schlecht sitzenden Tarnkappen ihre Wcrkstätie aufgejchlagen haben. Weil aber allem Anscheine nach diese ffir» kenninis noch nicht hinreicht, nm gut- und leichtgläubigen Lesern der„Bohemia" die Augen zu öffnen und weil nur völlige Klarheit im Kampfe gegen eine solche unabsehbar gefährliche Erscheinung, wie sie die„Bohemia" für tluscr öffentliches demokratisches Leben darstellt, die Gewissen und Gcnu'itcr aufzurütteln vermag, soll heute hier Näheres über die Ginter m ä n n c r und Macher der „Bohemia" mitgcteilt und sohin eindeutig aufgezeigt werden, wem die„Bohemia" eigentlich dient und weshalb sie sich immer offenkundiger dem Fascismus in die Arme wirft Die„Bohemia" ist t r c u e st c, willenlose und in diesem Sinne zu allem verwendbare Dienerin des Industrie- und Finanzkapitals. Hier der Beweis an Hand der Lifte ihrer Macher: Dein Berwaltun'gsrat der Rota/ A.-G., die die,„Bohemia" herausgibt, gehören(laut„Kompaß") an: Ms Präsident: Dr. Ewald Stein, Sekretär des„Industrieller Klub", als einflußreichstes Mitglied: Dr. August Hackel, Obmann des Kreises Aussig des Deutschen H a» p t v c r b a n d e s der Industrie(in dessen Zentrale er gleichfalls führender Funktionär ist), Vorsitzender des Verbandes der Chemischen Industrie in Aussig, Bertvaltuitgsrat der Georg Schicht-A.-G. und Inhaber von noch etlichen andere» VerwaltungsraUuandaten. Ferner unter anderen: Dr. B. 11.1.611 ch, Direktor der Deutschen Agrar- nnd Industriebank, der große Geldinann Dr. Wien- C l a u d i, Abg. Dr. Gustav Peters als Exponent der großkapitalistischen Rosche-Gruppe und Abg. Dr. Franz Bacher als Vertreter der „demokratischen" Gruppe innerhalb der Deutschen Arbcits und Wirtschaftsgemeinschaft. In diesem Zusammenhang sei auch auf eine nicht ninvesentliche Vers ch w ä g e- r u n g hingewiesen. Präsident Tr. Ewald Stein ist der Schwiegersohn des Herrn Egon Bondy, Präsidenten der Böhmischen U n i o n b a u k, die dir Hauvtkre- ditbank der„Bohemia" ist.(Herr Bondy ist übrigens auch Schwiegervater des verstorbenen Prof. Kafka.) Herr Bondy weiß aber in seiner Eigenschaft als einer der hervorragendsten Kupfer-Industriellen in der Republik sehr wohl Bescheid nm gewisse Anträge auf L i e s e r u n g für die tschechoslowakische Armee, die es ihrerseits richtig zu schätzen wissen wird, daß Bankinstitut und Schwägerschaft des Herrn Bondy so sehr mit der Erhaltung und Förderung des hitler- treuen Blattes in der Prager Liliengajje befaßt sind! Die„Bohemia" ist also ciu nacktes I n d u st r i c l l c n b l a t t; ist es, seitdem Dr. PeterS itnd indirekt Dr. R o j ch c dort eine hervorragende Rolle spielen, mehr denn je, womit wicdcrllin jedem, der es noch nicht geglaubt hat, der Z u s a m in e n h a ii g z w i s ch e u I n d u st r i e und F a s c i s- m u s klar geworden sein dürste. Die sudetendeutschen Kapitalisten schauen voll Begeisterung und Sehnsucht über die Grenze zu Hitler, der mit allen wirtschastlichen und srciheil- lichen Errungeitschafteu der Arbeiter auf- räumt— Dr. R o s ch e hat ja seiner Sehnsucht schon begeistert Ausdruck verliehen— und die„Bohemia" ist dazu bestimmt und Verhalten, für«inen ähnlichen saseistisch«>t Kurs bei uns zu sorgen! Das ist das Entscheidende und dafür nimmt sic sogar auch die Juden- v e r s o l g u n g c n und den R a s s c n h a ß im Reiche niit in Kauf, ninckt nicht mit einem Worte dagegen auf, obztvar— nnd damit wird aller Rest einer charakter- und gesinnungslosen lVeschäslspolitik für Ausbeuter Interessen offenbar— obztvar die M e h r- zahl der Leute, die die„Bohemia" führen oder machen, i>« dem von ihnen verherrlichten Dritten Reich verjagt oder gefoltert, ihrer Acmler entsetzt, ihrer Menschenwürde beraubt und bestenfalls als Bürger ztveiter Klasse geduldet lvürden. Denn nicht nur sind der Präsident Stein, der Advokat Wien- C l a u d i und das BertvaliungsratSmiiglicd Dr. B a- cher Juden, auch der Vcrtvallungadirektor Dr. Pohl hält keiner Rasjenprüfuug Stand — von Herrn Bondy gar nicht zu reden. Noch toller aber erscheint die Gleichschaltung dieses Blattes, tvcnn man seine Neda l- teure nach den Gesichtspunkten der Abstammung Revue passieren läßt: Bon neunzehn RedaktionSmitgliedern der „Bohemia" sind elf Inden und acht Arier! Wir versagen uns die Nennung der Namen jener, die ihr Broterwerb zwingt, einem Blatte weiterzudienen, dessen Haltuirg, nicht nilr aus Rasscgriinden, jeden Tag für sie eine neue Demütigung bedeutet; wir können sie um so mehr übergehen, als sic für die Haltung des Blattes nicht verantwortlich sind und sie auch nicht mitbestimmen. Wohl aber sind zu neniten: Der jüdische C h c f r cd a k t c u t Stellvertreter Gustav Kauder, ein aus Beite 2 ftteitaft, 15. September tfiM Nr. 218 MMMMMMMMMMtMMMMMV Unser neuer Roman Wir beginnen morgen mit dem Abdruck des tcchnisch-phanttistrslh«n Romans „UMK unci 6er Komet" Der Inhalt: Et ist ein TiftgaSmeieor, da- aus die Erde cinzustürzen droht. Sinnloser Taumel erfaßt die Menschheit. Dor dem Tod zerbricht Macht und festgefügte Ordnung. Aus gleich- oestompfer Masse wächst jeder für sich zu seinem Schicksal. Jeder ist Richter und Henker, ein allein um Recht, Leben und Liebe kämpfender Mensch. Var Katarr Kurt Doberer, der Dersasser unseres Romans, hat sich vom Schraubstock allein den Weg zum Studium erkämpft. Als Ingenieur eingezwängt in das lederne Getriebe der Berufsbeamten, stehl er im Weg nach oben keinen Ausweg. Er verläßt den Kon» torsellel und geht in die Welt, noch Asten und Afrika. Zurückgekebrt, stebt er in den Reihen der jungen sozialistischen Schriftsteller. Das Dritte Reich treibt ihn in die Emigration. 80888088888888888888888^ Deutschland Geflüchteter, der jetzt dafür sorgt, daß die Hakenkreuzler in Deutschböhmen die „Bohemia" nicht abbestellen und daß Herr Hitler weiter alle Ursache hat, sic über die Grenze zu lasten; der getaufte Jude Dr. Franz Bacher, Abgeordneter, Derwaliungsratsmitglicd der Rota-A.-G., Prototyp des getarnten Demokraten, der eine große Rolle in der Redaktion spielt, aber gemeinsame Sache macht mit dem alten deutschen Burschenschafter und Chefredakteur W e s s e l S k i, mit genanntem Herrn Kauder und mit genanntem Abg. Doktor PeterS, dem Bundesgenossen Rosches. Ferner der Jude Herr Dr. Friedrich Weil, Leiter der„Wirtschaft" und uns unter anderem vom Arbeitsgericht her als edler Mann bekannt. Schließlich der nationale Jude Dr. Georg Mannheimer, dem es wenig auS- macht zu gleicher Zeit für die„Wahrheit" und für Mische Gleichberechtigung zu kämpfen und dabei die„Bohemia" um innerpolitische und parlamentarische Berichte zu bereichern, die sich natürlich auf der allgemeinen Linie des gleichgeschalteten Blattes bewegen müssen. Damit sei unsere Aufzählung von Fac- ten und Namen abgeschlossen. Sie dürften genügen, um das Porträt der„Bohemia" vor jedem Auge treu erstehen zu lasten. Wir nehmen an, daß die„Bohemia", die eben erst wieder(zum wievielten Male?) erklärte, daß sie sich mit uns nicht auSeinandersetze, sich auch mit diesen Dingen nicht gerne befassen wird. Denn wir glauben nicht, daß die Erklärungen, die sie dazu abgeben könnte, dazu geeignet wären, ihren Leserschwund aufznhal- ten. Sie versucht das, weil sie schon einmal durch ihre Hintermänner dazu gezwungen ist, lieber mit neuerlich recht klarer Heransarbei- tnng ihres hitlerfrenndlichen, faseistischen Kurses, die sie instandsetzte, während des vierwöchigen Verbotes des„Tatz" ein paar von dessen Lesern anfzufangen und die ihr die er-j Der Fabrikarbeiter* 1 internationale zum(Brno! Die In ernationale der Fabrikarbeiter tritt am 15. September zu ihrem fünften ordentlichen I Kongreß in Prag zusammen. Die Arbeiterschaft dieses Landes entbietet ibr einen warmen Will- kommengruß. Ernst sind die Zeiten und ernst sind die Vera tungSPuntte des Kongresses. Der Jitter- nationalen Bereinigung der Fabrikarbeilerver- bäiide gehörten 1982 Organisationen aus 15 Staaten an. Die Mitgliederzahl der angeschlvsie- neu Organisationen betrug 595.000. Heuer hat die Fab rika'rbe i ter i n ter na t i ona le einen schweren Verlust erlifen: die größte Organisation der Fabrikarbeiter Europas, der reichsdeutsche Fabrikarboi» terverband bat aufgehört Mitglied der Internationale zu sein. Dadurch verlor sie 282.000 oder 40 Prozent der Mitglieder. Dementsprechend wer. den auch die Einnahmen geringer. Der reichS- deustche Verband war lange Jahre hindurch Träger der Jnwrnativnale, der langjährige Vorsitzende desselben war erst Sekretär, dann Präsident der Internationale. Dieser Verlust der Internationale der Fabrikarbeiter ist um so schmerzlicher, weil dieser eine Unternehmermacht gegenüberfteht, die in internationalen Trusts, Konzernen und Jnteresten- gemeim'chaften verfilzt ist. Bon der Tschechoslowakei gehören der Internationale an: der Fabrik» orboiterverband, Sitz Aussig, der Verband der chemischen Arbeiterschaft, Sitz Prag, und der Der. band der Tonarbeiter. Diese drei Verbände hatten 1982 zusammen 26.000 Mitglieder. Der Kongreß in Prag will in den nächsten Togen u. a. folgende Punkte erledigen: GeschästS- und Kostenbericht, Frage der Arbeitszeit, unter besonderer Berücksichtigung der 40-Stundenwoche, brw. der 36stündigen Arbeitswoche, in Wechselschichten, einen Vortrag von Friedrich Stampfer über da» Thema„Zwischen FascismuS und Kommunismus", die Lage der Arbeiter in der Stveichholzindustrie, Wahlen«sw. Die Wichtigkeit der Tagesordnung ist hieraus zu ersehen. Die tschechoslowakische Arbeiterschaft begrüßt den internationalen Zusammenschluß der Arbeiter Ihre GewerkschastSorganisationen sind in allen internationalen Körperschaften tätiges Mitglied. Sie verfolgt deshalb die Beratungen der Fabrik- orbeiterinternationale mit großer Anteilnahme und entbietet den Vertretern der verschiedenen Länder einen herzlichen Willkommengruß. Mögen die Beratungen der nächsten Tage und die Beschlüsse de».Kongresse» sich zum Segen der Arbet- ter aller Länder auswirken. lieber die Verhandlungen werden wir laufend berichten. Tarnung mit tzilfe der NSDAP! Hitlers Stellvertreter unterstützt den Jung. Die„Narodni Lisch", auf die sich„Der Tag" in seinem Kampf gegen die Sozialdemokratie häufig genug berief, meldete« vor kurzem daß die Ausländsabteilung der NSDAP unmittelbar dem Stellvertreter de» Herrn Hitler, seinem geliebten Rudolf Heß, unterstellt worden sei. Die „Narodni Lisch" schließen daraus, daß die Natio- nalsoz:alisten außerhalb DetttschlandS, also auch die sudetendeutschen, Instruktionen und Befehle aus Hitlerdeutschloud empfangen. klärte Freundschaft deS für anständige deutsche Blätter unzugänglich gewordenen Hitlcrdeutsch- land gesichert Hai. Ihre skrupellose Erfindung über die angebliche Zurückziehung des Braun- kmche» war ihr vorläufig letzter Streich. Alle ihre Versuche, inttettpolitisch demokratische Gesinnung zu heucheln, mißlingen. Wir haben iibeLdio Verbindungen der Jungpartei mit den Hitlchfaseisten eine ganze Reihe von Aoweiseu veröffe»ftkichs,-die'p.iel^inleuchten- der sind als die Behauptungen der„Narodni List«". Dir. Nazis haben jedoch dazu geschwiegen: insbesondere in der Sache Petermichel, die noch lange nicht abocschloffen ist, blieben sie mit einer bemerkenswerten Hartnäckigkeit stumm. Den tschechischen Faseistenblattern gegenüber siitd sie aber gesprächig. Wistan sie doch, tva» sie gelegentlich Verbündeten schuldig sind. Und darum haben sie den fast Allerhöchsten des Dritten Reichs nwbilisiert, der inst einer Erklärung in die Bresche gesprungen ist: er untersage allen Stellen der NSDAP, Verbindungen mit dem Auslande zu unterhalten, das bleibe eine Sache der Reichsparteileitung. Uns beweist diese Erklärung nur, daß die Jungpartei drüben nicht so einflußlos ist, wie sie imnter darzustellen beliebt. Sie kann jede gewünschte Erklärung der NSDAP haben; die Lieferung erfolgt immer z e i t g e r e ch t! Aber die Erklärungen de» Herrn Heß sind etwa soviel wert, wie. die Friedensbeteuerungen deS.Herrn Hitler: nämlich nichts. „Der Tag" mag sie immerhin in den fettesten Lettern bringen: daß er und feine Partei gleichgeschaltet sind, beweist er trotzdem auf den anderen Seiten derselben Ausgabe und in jeder Nummer, die Karg werden läßt. Ole Nanonaldemohratcn als Heller Goerlngs. Während fast alle Blätter— mit Ausnahme vielleicht der„Bohemia"— den Schwindel GoeringS mit dent Gegen-Braunbuch ohne weiters als solchen erkennen und dementsprechend beurteilen, nehmen die ehemals„liberalen"„Närodni listy" eine Sonderstellung ein: sie drucke« in großer Aufmachung aus der ersten Sorte den ganzen Lügenbericht deS hakeiikrvuzlerischen Conti- BurcauS über die angeblichen kommunistischen Pntschpläne ab, oh««e auch nur mit einem Wort selbst Stellung dazu zu nehmen. ES wird wohl kaum einen einzigen anständigen Menschen ln der ganzen Welt geben, der auf diese Entlastungsversuche deS Brandstifters Goering hereinfallen und sie ihm glauben würde: die tschechoslowakischen Nationaldemokraten wisten aber auch in ihrem größten Chauvinismus doch immer noch den Klaffenhaß über den Nationalhaß zu stellen und so verbünden sie sich lieber mit dem Verbrecher und nationalistischen Hetzavostel Goemng, um nur ja irgendwelches„Material" gegen die„Marxisten" zu bekommen. Das Blatt macht auch sonst aus seiner antl- demokratischen und antirepublikamschen Einstellung kein Geheimnis und druckt in ähnlich großer Aufmachung die.Hetzreden deS Dollfuß und Star- Hemberg anläßlich deS Wiener Katholikentages ab, wobei eS von ihnen arrscheinend höchst begeistert ist, da sie ja doch auch gegen die Marxisten gerichtet sind. Wenn die Redaktion der„Narodni listy" nicht selbst begreift, daß sie damit gegen die Grundlagen der republikanischen und demokratischen Staatsverfassung ankämpft, dann könnte man ihr das vielleicht auf eine andere Art begreiflich macken, weil eS ganz einfach nicht angeht, daß eine Partei unter dem Deckmantel des „Patriotismus" zum Agenten ausländischer Hetz- txa 7 Tunesien lm Fieber Von Walter Kolars Wenn die Schule noch etwa- zu tun übrigläßt, so wird das von„Union e", der faseisti- ichen Zeitung Tunesiens, nachgeholt, die mit den GÄdern des Generalkonsulats unterstützt, tagtäglich das faule Lob Mussolinis in dithyrambischen Tonen in die Welt hinausposaunt. Die italienischen Antifascisten TunestenS haben der„Union«" kein gleichwertige» Presseorgan an die Seite zu stellen; ein kleine» Wochenolättchen„La voce n u 0 v a" fristet gerade sein« Existenz. Don allen Gebieten de» noch„unerlösten Italien»", zu dem außer Tunis noch Savoy, Nizza, Korsika und Tessin gehört, scheint Tunis den Hoffnungen des Duce am nächsten zu liegen. Allerdings sind auch hier die italienischen Aussichten gering, wenn wir einen wichtigen Faktor in di« Rechnung einbeziehen, die Araber. Ließe das bisherige Verhalten deS FasciSmu» di« Möglichkeit offen, daß er den Arabern ein größere» Ausmaß von Rechten, ein« größere Freiheit ihrer kulturellen Entwicklung einräumen würde, Mussolini hätte Sympathien gewinnen können. Aber da» konnte ja gar nicht der Fqll sein, denn die koloniale Unterdrückung in ihrer allerschärfsten Form gehört ebenso zu den wesent- bichen Merkmalen des italienischen FasciSmuS, wie sein« BerfolgungSmaßnahmen gegenüber der organisierten Arbeiterklasse. Fascistilche Kolonial- Politik ist sogar mehr noch als bloße Unterdrük- kung, sie ist di« Physisch« Vernichtung des Ko- lonialvolkes selbst und keine Zurückdrängung in die Wüst«— wie da» der Fäll TripolitanienS deutlich zeigt«. Wem», wie in Marokko, eine Politik der Ge-1 walt von framöstscher Seite in Anwendung gebracht wird, so schämt man sich dessen in der Metropole und schweigt darüber. Die Kolonial- politik gehört in Frankreich zu den Dingen, die jenseits des allgemeinen Interesse» liegen, ivaS gleichbedeutend damit ist, daß die kolonial«. Sol- Sateska und di« mit ihr Verbündete Bürokratie lchalten und walten kann, weil man sie nicht kontrolliert. Eine imperialistische Massen stimnrung aber, wie sie zum Beispiel auch in England existiert, fehlt den Franzosen und gerade die faktische Einverleibung Tunesien» in oa» französische Kolonialreich stieg auf den Widerstand der Parlamentsmehrheit, wurde aber von der halbdiktatorischen Regierung JuleSFerry dennoch durchgeführt. Ander» di« Kolonialpolitik Mussolinis; sie rst ein Bestandteil der herrlichen Zeiten, denen der Duce sein Bolk entgegenführt, die Eroberung TripolitanienS ist ein großes Schauspiel, ein Ablenkungsmanöver und«in Beweis für den Wiederaufstieg Italiens. Erstaunlich aber«st«S, daß man nach dem barbarischen Bernichtungs. kanrpse, der» man gegen die Tripolitaner bereitvollzogen hat. noch di« Kühnheit besitzt, um aus die Sympathie der übrigen Araber zu svekulie- ren, die man unter andern« auch durch die Herausgabe einer italienisch-arabischen Zeitung „Aveui re a rab o" zu ködern trachtet. Wa» die Tunesier selbst betrifft, so hoben sie dem faseistischen Liebeswerben bereit» ihre Antwort erteilt und große Sympathiekundgebungen kür da« unterdrückte Tripoli« veranstaltet. Wenn die Tunesier die Wahl zwischen Frqnkreich und Italien al» Protektoratsmacht hätten, sie würden trotz der schweren gegenwärtigen Unterdrückung Frankreich vorziehen, denn„Frankreich ist etwa» Frau il« seiner Politik". ES wäre ein Fehler zu glauben, daß Tunesien nur hinsichtlich des französisch-italienischen Gegensätze» eine Rolle in der internationalen Politik spielen könnte. Vielleicht scheint die französische Borherrschast in Tunis von anderer Seite weniger sichtbar, aber doch nicht ganz ungefährlich bedroht: von Großbritannien. Bedroht freilich nicht durch dröhnende Ministerreden und durch Säbelrasseln, sondern durch die kluge englische Politik«m arabischen Orient. Großbritannien hat in drei Punkten des Orients seine Interessen fest verankert, in Aegypten, Irak, Palästina. Palästina ist zwar genau eine solche Leidensstation auf dem Kreuzweg des arabischen Volkes geworden wie die Lander Nord- asrikaS, doch im Irak und in Aegypten hat England ein« glücklichere Hand gehabt, beide. Staaten haben die„Selbständigkeit" erlangt. Aegypten schon seit 1922 und Irak im November 1932, da sein Eintritt in den Völkerbund erfolgte. Im letzteren Falle wurde das durch den Friedensvertrag festgelegte Mandatsverhältnis in ein Bündnis umgewandelt. Die Araber in diesen beiden Ländern werden von ihren Brüdern in den übrigen Teilen des Orientes beneidet und vor allem Aegypten hat durch seine freien Ent- wicklungSmöglichkeiteu zumindestens in kultureller Hinsicht sich zu einer führenden Stellung in der arabischen Welt emporgeschwungen.?leayp- tische Revuen und Zeitungen, ägyptisch« Schallplatte» und Tonfilme überschwemmen den Orient. In allen' andern arabischen Landet» stagniert da» politische Leben seit Jahrzehnten, Jahrhunderten. Aegypten scheint der AuSgangs- 5unkt der arabischen Renaissance zu sein. Kein Sünder, daß«S auch viele Tunesier gibt, die von den„besseren kolonisatorischen Methoden Eng- lands" sprechen und sicher gibt«S auch solche, die England nicht ungern als Protektoratsmacht Methoden wird. Wozu bei uns noch die Verbrei- tun« der erlogenen Conti-Nachrich'en gedulde: wird, ist kanin einzusehen, da ja unser tschecho- fsowattscheS Preßburean doch wohl in Berlin sein« eigene Vertretung hat. Es dürfte sich freilich bei der Durchgabe seiner Nachrichten auch nicht auf daS bloß« Wiederkäuen der mehr oder minder blutrünstige» Reden der SA.Histen beschränken, sondern selbst erkennen, waS dem Staate, von dem«S bezahlt wird, und feiner Verfassung frommt. Die gemeinsame Präsidial-Sihung beider Häuser der Nationalversammlung, die Donnerstag nn Senat sta-tisand, wurde mit einer Bcgrü- S deS kürzlich von einer Amerikaveife zurück- ,rten Senatspräsidenten Dr. Soukup durch den Vorsitzenden de» Abgeordnetenhauses Dr. Stanök eingeleitet. Di« Sitzung setzte dann daS Vorgehen bei der Erledigung der Notverordnungen der Regierung in den beiden Häusern fest und beschloß, diese Verordnungen den Parla- mentSauSschusstn zur weiteren Verhandlung zu- zuiveisen. Die Sitzung befaßte sich dann mit der Herabsetzung des Budgets der National- vrefammlung für 193» und verhandelte auch über die in Vorbereitung befindliche Vorlage betr. die ErrichtungeineSgemeinsamenAuS. schuffeS dewer Häuser. U. a. kam auch noch ein Vorfall au» der Slowakei zur Sprache, wo ein Urigblatt mit Beleidigungen der Nationalversammlung verbreitet worden ist. Es wurde beschlossen, in solchen konkreten Fallen di« Urheber der Beleidigungen gerichtlich verfolgen. In der gestrigen ersten Sitzung des politischen Ministerkomitees erstattete Ministerpräsident Malypetr ein ausführliches Referor über seine in den beiden letzten Wochen geführten Verhanblungen. Die von verschiedenen Seiten angeregte Kabinettsumbildung wird gegenwärtig nicht durchgeführt werden, um nicht die Arbeite« am Budget und an sonstigen dringenden wirtschaftlichen Vorlagen zu verzögern. Für morgen sind bereits die politischen Minister zur ersten normalen Sitzung nach den Ferien einberufen worden. nie Rothschilds bringen Opfer und schenken dem österreichischen Staat unrentable Landgüter. Wien, 14. September. Der frühere Präsident der Kreditanstalt Louis Rothschild hat sich auf Grund eingehender Beratungen des Bundes- ministers Dr. Bure sch gemeinsam mit seinem Bruder Dr. AlfonS Rothschild zu einer fveiwilli- gen BeitvagSleistung zur Deckung der entstandenen Verluste der Kreditanstalt bereit erklärt und seinen Gutsbesitz Höllenstein an der AbbS mit Buchmais, Rotmoos und Hochkaar im Ausmaße von 9050 Hektar, sämtlichem lebenden und toten Inventar dem österreichischen Bundesschatze inS Eigentum übertragen. Desgleichen hat sein Bruder Dr. AlfonS Rothschild feinen Besitz Gnt Ga- nring mit Oekonomie Oberhof in einem Ausmaße von 4450 Hektar dem BundeSschatze übertragen. * Das„Opfer" der beiden Rothschilds ist allem Anschein nach nicht sehr groß. Die' Güter waren fast ausschließlich für Jagdzwecke bestimmt, dürften also namentlich heute nicht mir nicht rentabel gewesen sein, solcher» noch große Zuschüsse erfordert habe. Die Regierung will den Waldbesitz den Bundesforsten zuteilen, auf dem landwirtschaftlichen Boden aber«ine Siedlungsaktion einleiten. sehen würden. Ob di« britischen Methoden besser sind, darüber läßt sich streiten, jedenfalls sind sie geschickter und der neuen Zeit besser angepaßt. Imperialismus, das heißt ja heute nicht mehr, ein Land tatsächlich in Besitz zu nehmen und seine Bevölkerung restlos politisch zu versklaven, der JmperialisMtlS unserer Tage ist mit Kapital S e x p 0 r t identisch geworden und di« Politische Beherrschung«ineS Landes spielt keine Rolle, wenn nur die Wirtschaft der Zugkraft der ausländischen Kapitalistengruppe unterliegt. Sollen sich di« Bewohner von Aegypten und Irak nur in ihren Parlamenten als„souveräne Völker" herumschlage««, di« Hauptsache bleibt es doch schließlich, wer die großen Baumwollplantagen und die Oelquellen besitzt. Frankreich bedient sich noch der alten und ehrlicheren Form deS Imperialismus. Wer die andere imperialistische Spielart dennoch vorzieht, gibt sich gefährliche« Illusionen hin und eS gibt viel«, di« datun... au» EpieuräiSmu», wie sie selbst gestehen. Sie tvollen lieber die unvollständige Freiheit schon heute genießen, als die vollständige wirtschaftliche und Politische Unabhängigkeit ihre» Lande» erst in ferner Zukunft sehen. Trotz der großen Unterschiede zwischen den einzelnen Imperialismen handelt eS sich doch immer nur um ein« andere Methode des gleichen Systems. Ein bloßer Wechsel der-Herrennatum könnt« keinen Jdealzustand herbeiführen. DeS- balb sind die Chancen der Befreiung Tunesiens im Rahmen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Weltordnung gering. Erst mit dem Untergang« des französischen, wie jedes andern Imperialismus wird die freie demokratische und sozialistische Föderation der verschiedenen Stamm« deS arabischen Volkes entstehen können. — Ende.— Nr. SIS Freitag, IS. September 1833 Sette 3 Brandstifter Gocring Paris, 13. September. Seit Tagen kündeten die französischen Links- zeitinigon a>r, die zw«i beste» französischen Advokaten de Moro-Giaffer»« und Henry Torrös würden am 11.September im Wagram- Saat«, dem größten BersammlllngSraum von Pari«, jene Verteidigungsrede zugunsten der an- «klagten ReichStagSbmndstifter hatten, die in geifmg zu halten beiden Anwälte»» durch daS Reichsgericht verwehrt wurde. Wenige Tagg» vor der Versammlung begriff auch di« französisch« Kemralanjeiger-Pvessc, daß die angekündigte Versammlung ein politischer Akt von höchster internationaler Bedeutung sein würde, und nur die nationalistischen Zeitungen de« Parsumfabrikan- ten Coch hielten die Veranstaltung sirr ein« überflüssige Einmischung in Deutschlands innere Angelegenheiten. DaS international« Zusammenspiel der Fascisten aller Länder war damit wieder einmal gewahrt. Rum» 20.000 Menschen kamen am Abend des 11. September zu dem Pariser Gegenprozeß, mehr als die Hälfte von ihnen mußte sich nach Uebcr- Mung des SaalcS damit begnügen, auf der Straße von der Politei verjagt zu werden. Ganz Frankreich schaltete sein Radio auf daS Mikrophon deS Wagram-SaaleS ein. „Man hatte die Pariser Bevölkerung einbe- rufcn, die verschiedenste Art von Parisern war erschienen: DaS ging vom liberalen Kleinbürger bis zur intellektuellen Aristokratie, von vage gewerkschaftlich organisierten Arbeitern bis zu pr»n- ripiellrn Revolutionären", schreibt der„Petit Parisien"vo er verhaftet tmrrde. Di« Anmeldescheine d»r Besucher aller Abgeordnete»» von den Tagen, die dem 27. Feber vorauSgingen, wurden Nneoergefundei», nur nicht die Scheine vom 27. Feber selbst. Die ReichStagSdiener haben ausnahmslos auf die Frage, ob sie Torgler mit van der Lubbe irgendwo im Reichstag gesehen hätten, mit„Nein!" geantwortet. Gegen Torgler, der zur Zeit des Reichstagsbrandes mit dem Abgeordneten Koen«,» in einem Berliner Restaurant faß, wird die Todesstrafe beantragt werden! Plötzlich unterbricht de Moro-Giafferie seine Rede. Der feierlichste Moment des Abends ist ge« kommen. Er wendet sich direkt zum Mikrophon: ,Jhr Anwälte in Deutschland, die ihr dasselbe BerufSkleid tragt wie wir, di« ihr lvissen müßt, was die Pflicht eines Verteidiger- in allen Ländern sein muß, werdet ihr eure Aufgabe erfüllen, die Wahrheit zu sogen? Die Advokaten der großen fraiizösischcn Revolution haben ihre Pflicht getan. Vergleichen Sie»richt unsere Revolution mit der Ihren, das wäre Gotteslästerung. Mut und Freiheit ist das Zeichen unseres Kleides. Sie wäre»» Feiglinge, erbärmliche Feiglinge, wenn Sic nicht mutig für die Angeklagten cintrcten würden!" Diese»» mit lautloser Stille spannendsten ZuhörenS arrfgenommencn Worten folgte ein Beifallssturm für vci» französischen Anwalt, vo»r dessen Stärke sich feiner auch nur annähernd eine»» Begriff machen, kann, der den» Abend nicht selbst beiwohnte. Dann koinint de Moro-Giasferi zu dem zweiten Teil seiner Ausführungen,^» Goerings Schuld. Ban der L»»bbe gehörte zum homo- sexuellen Kreis von GoeringS Bekannten Bell, den die Nazis später erschossen. Der auf einem Auge blinde«no schwache van der Lubbe soll von außen in das RcichStaasgebäudc hineingcklettert sein, während dieses bestimmt stets gut bewacht wurde. Der einzige Zugang, beit die Brandstifter genommen haben können, ist also der»»nterirdische Gang vom Hause deS Reichstagspräsidenten Gocring zum gegenubcrlicgendeu Reichstag. Ban der Lubbe soll erklärt haben, er habe den Zündstoff in seiner Tasche mitgebracht, während der Feu«r- wehrbericht erwähnt, zwei Wage»» von Zündstoff wäre,» nach dein Brande noch abtransportirrt worden. An» 28. 26. und 27. Feber veranstalteten merkwürdigerweise Hitler, Goebbels u»»d Gocring keine Wahlversammlung, wohl aber waren für den 28. Feber und die folgende,» Tage wieder eine Reihe von Wahlversammlungen vorgesehen. Gocring, der schon früher von einem Plan der Inbrandsetzung des Reichstages erfahren haben tzüll, entließ die Schutzwache deS Gebäudes, statt sie zu verstärken. Die Tatsache, daß der Reichs- tag gleichzeitig an mehreren Stelle» brannte, beweist zur Genüge di« Unmöglichkeit, daß van der Lubbe der Schuldige sei.„Gocring, der Zündstoffleger, der PlairauSarbeiter, der Brandstifter, das bist Du selber!", schreit de Moro-Giaffevi zum Schluß seiner Rede ins Mikrophon, auf daß es drüben in Deutschland gehört werde und TorrdS kann noch dieser ausgezeichneten BerteidigungS- Bcrlin, IS. September. Im Sportpalast sprach gestern abend auf der Mitgliederver- sammlung des Gaues Groß-Berlin der NSDAP. Prosxlgandaminister Dr. Goebbels. Ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen aggressiven Art blieb Goebbels diesmal fast ausschließlich in der Defensive. Seine sonstige Großschnauzigkeit halt« ihn diesmal im Stich gelasien. Er versuchte eine Art Rechenschaftsbericht über di« sieben Monate seit der Machtergreifung des NationalsozialiSinus zu geben, wobei er gleich einleitend erklärte, daß man mit dem Erreichten nicht zufrieden sein dürfe. Sie wollten nur ein Volk frei und glücklich machen. „Ob wir dabei", erklärt« Goebbels„schon im Augenblick zu einem materiell glücklichen Zustand kommen, ist nicht so erheblich. De»m später« Generationen werden unser Werk nicht darnach beurteilen, ob wir genug Brot hatte«, sondern darnach, ob wir historisch« Werte vollbracht haben." Goebbels malte dann wieder das Schreckgespenst eine« bolschewistischen Umsturzes im Feber dieses Jahres aus, und»nachte sich über die Behauptung des Braunbuchcs lächerlich, daß in seinem Kopf der Plan zum Reichstagsbrand »er Boykott gegen Hltler- Deutschiand. Boykott-Aufruf au die Frauen! Eino in Paris abgehallene Sitzung deS Internationalen Frouen-KomiteeS der Soziali- tifchen Arbeiter-Internationale(SAJ) besprach u. a. auch die Frage des Boykotts gegen Hitler- Deutschland. wobei sich insbesondere die britisch« Delegiert« Adanison für«in energisches Vorgehen oinsetzte und auf die große moralische Wirkung, aus di« daS ganze Leben durckchringende Propaganda hinwies, die von der Verweigerung deut- scher Daren und deutscher Leistungen durch alle .Hausfrauen ausgeht. Di« Sitzi»ng nahm einstimmig nachstehende Resolution an: „DaS Internationale Frauen-Komitee der SAJ drückt seine« Abscheu au« vor den Brutalitäten des Hitler-Regimes. Es begrüßt den Beschluß der Konferenz der SAJ vom 25. August, mit alle» Kräften den moralischen und materielle« Boykott des HitleriSmus zu unterstützen. Cs betont insbesondere den hervorragenden Anteil» den di« Frauen als Konsumenten und Hausfrauen daran nehmen könne», indem sie jeden Boykott deutscher Waren und deutscher Leistungen, der irgendwie beschlossen wird, tatkräftigst fördern. Das Komitee ersucht ferner das Sekretariat der SAJ, sich mit der International«« genossenschaftlichen Frauenliga in Verbindung zu setzen, Der Rathaus-Sturm abgeblasen? Wien, 11. September.(Tsch. P.-B.) Verschiedene Enuntiationen iin Verlaufe des Katholikentages und der Türkcubesreiungsfeier, besonders die höchst militante Rede Starhembergs vor drm Denkmal seines Anhcrrn haben zu den verschiedensten Gerüchten Anlaß gegeben. Tas heutige christlichsozialc„Ncuigkcitswclt- bkatt" nimmt zu ihnen Stellung und schreibt: Gewiß werden schon in der nächsten Zeit prinzipielle und persönliche Fragen, die gegenwärtig in der inneren österreichischer» Politik einer Klärung zudrängen, tatsächlich zu einer Entscheidung kommen. Heute kann jedoch schon gesagt werden, daß die Linie der Entwicklung durchaus ruhig und evolutionär verlaufen tvird und daß sich alle stürinifcheren Wünsche und Temperamente in diesem Sinne werden bescheiden müssen. SA verhallet österreichischen Grenzheamlen Der Salzburger Polizcirevierinspcktor Josef Eidl, der in den Expoeßzügei» auf der Strecke Salzburg—München die Paßkontrolle vorninnnt, wurde noch mit ein«»» anderen österreichischen Bcainten auf seiner Dienstfahrt nach München auf dem dortigen Bahnhof von SA.-L«uten verhaftet. Di« österreichischen Behörde»» intervenierten zwecks seiner Freilassung und drohe»» mit Repressalien. Wie ans Seefelden gemeldet wird, wurde h» Mittenwald an der Tiroler-baye- rischen Greirzc der Inhaber des Hotels„Post" in Seestlden, Fritz Weither, wegen seiner Zugehörigkeit zu den Hcimwchren von bayerischen SA.-Leuten verhaftet. rede nur r»och einige Worte der Bestätigung hin- zusetzcn. Die Welt hat zu Gericht gesessen. Die wirkliche»» Brandstifter sitzen auf der Anklagebank der öffentlichen Meinung des gesamten Universums. Di« schon«lfmal vertagte Leipziger Justizkomödie muß dc» Ausgangspunkt zur Änederringung deS NationalsozialiSinus bilden. Kurt Lenz. entstanden sei; er glaube nicht, daß das Ausland diese Dinge«rnst nehme. Gegen den Dorwurf, daß die national- sozialistische Bewegung»mr Fest« feier»» könne, verteidigt« er sich danrit, daß jedes Fest seinen Sinn(?) habe und nach jedem Fest eine Aktion kon»nc, die erst durch das Fest möglich geworden fei. So sei Nürnberg die Voraus- setzung für die Wiirter-Bettelaktion— offiziell „Winteryilfüwcrk"— gewesen, di« gestern angc- kündigt wurde. Sie hätten schon se i t I a h r e»» einen großangelogten Plan, den sie Stück um Stück veNvirklichen. ROM NOM ein neuer Propaganda-feidzug? Daß noch keineswegs dl« ganze Ration gleichgeschaltet ist, geht aus der weiteren Ankündigung Goebbels hervor, daß mit 1. Oktober 1933«in großer nationalsozialistischer Propagandafeldzug«lnaeleitet werden soll. Binnen zwei Monaten sollen 150.000 öffentliche Versammlungen abgehalten werden; der„Führer" werde sich wie immer an die Spitz« dieser Aktion stellen. um sich ihre Mitarbeit auf diesem Gebiet zu sichern." Goering auch noch Polizeigeneral! Berlin, 14. September. Die krankhafte Eitelkeit des Mi insterpräsidentcn Göring ist durch die kürzliche Verleihung der Würde eine« Generals der Reichswehr(Hitler ist noch immer der simple Gefreite geblieben!) anscheinend noch immer nicht völlig befriedigt worden."Zur völligen Abregung dieses eine»» seiner vielen Kon», ple^ce hat sich Göring nun auch noch selber, die Würde und Uniform eines Generals ber preußischen LandeSpolizci verliehen, und zwar, wir cs in einer amtlichen Auslassung heißt,„der ihm vorgebrachten Bitte der Mannschaften und des Offizierskorps folgend". Um das Theater nicht gar zu auffällig zu niachcn, wurde» auch noch zwei seiner engsten Mitarbeiter, darunter ein Herr voi» Z c p p e- litt, zu Polizeigencralen befördert. ttoehhels soll es In Oeni herausreißen! Berlin, 11. September. Tas Kabinett ha» den Reichsaußenminister Neurath mit der Führung der deutschen Delegation für di« bevorstehend« Vollversammlung deS Völkerbund«» in Genf beauftragt. Neben dem Minister wird u. o. auch der Reichsminister für VolkSaufklä- rung und Propaganda Dr. Goebbels alü Delegierter auftreten. Schleppendes Tempo der nooseveltsdien Ankurbelung Washington, 14. September.(Reuter.) Unter den ersten Erscheinungei» einer sichtlichen Verlangsamung der Wirku»»gcn der Kampagne der Rooseveltschcn Aktion für die natio- nalc Wiedcrcrncuerung befindet sich die Temis- sion des ainerikanischcn Handelsministers L a- m o n t als Präsident deS amerikanischen Eisen- und Stahlinstitutes. Lamont erklärte, daß für die Befriedigung dcr augenblickliche»» praktischen Bedürfnisse ocr Eisen- und Stahlindustrie Personen notwendig sind, welche mit den technische» Einzelheiten vollkommen vertraut sind. Reklame-Umzüge sollen nachhellen New flott, 14. September. Bei einer begeisterte» Kundgebung für Präsident Roosevelt und de»» Ausschuß für nationale Erneuerung (NRA) marschierte eine Bicrtclntillion New Parker Bürger unter dci» Klänge»» vo»» 200 Kapelle»» die HauvtgcschöftSstraßc New Porks, die 5. Avenue, entlang. Auf beiden Seiten der Straße standen dichte Me»»sche»»n»assel», die mit begeisterten Zurufen jede neue Gruppe des vor- beiziehcndci» Zuges begrüßten. Auf einem Balkon zeigten sich Präsident Roosevelt, General Hugh Iobnson, dcr Bürgcrincistcr von New Port O'B r i e n und andere hohe Persönlichkeiten. Auf eilten» andcrci» Balkone stand John D. Rockfetter jun. Der Zug selbst bestand aus 77 Gruppe»», die verschiedene Zweige des Handels und der Industrie darstelle»». Goebbels vertröstet auf den St. Nimmerleins-Tag »Ob wir genug Brot haben, ist nicht so erheblich.. Otto Wels— 60 Jahre Genosse Otto Wels, dcr langjährig« Vorsitzende dcr Sozialdemokratischon Partei Deutschlands, begeht heute in Prag seinen sechzigste»» Geburtstag. Wir würden uns foe»»on, ihn an dicsein Tag in unserer Mitte zu sehen, wüßten wir»ticht, was es für ihn bedeutet, fern vor» seiner Vaterstadt Berlin, fern von feinem Vaterland Deutschland gerade diesen Tag verlebe»» zu müssen. Und doch darf Otto Wels»»icht nut mit gutem Gewiss«»», sondern and) mit Stolz auf sein«»» bisherigen Leben'swcg znrückblicken. Sicher hat er dazu tausendinal mehr Recht alü jene, die ihn für daterlandslos und vogelfrei erklärt haben. Was vor einem Bierteljahrh»»ndert den» jungen Tapezierer Otto Wels so rasch das Vertrauen ocr Partei crlvarb, das war die Erkenntnis, daß sich in ihm die besten Eigenschafte»» der deutschen Arbeiterbewegung»vidcrspicgelten: Urwüchsige Kraft, klarer Verstand und eine auf die höchsten Ideale der Menschheit gerichtete a r»» n d anständige Gesinnung, jahrzehntelang hat er als Spitzenmann der Organisation und wirk- samster Berater dcr Partei bei alle»» Politische»» Entscheidungen eine nngchenre Arbeit geleistet. Abgesehen von den wenige»» Monaten der Rcvo- lutlonSzeit, in denen er Kommandant der Stadt Berlin war, hat er niemals ein öffentliches Aint belleidet und jede»» Posten außerhalb der Arbcitrr- bewcgnng abgelehnt. Die Partei, das lvar der Mutterboden, auf dem er stand, auf den» er sich heimisch fühlte, bcn er mit keinem Schritt verlassen»vollte. Andere hat er zu Ministern gemacht, nicht sich selber. Nebcrslüssig zu sagen, daß er— in» Gegensatz zu den Gepflogenheiten des Dritten Reiches— seine starke persönliche Machtstellung niemals dazu benützt hat, sich zu bereichern, wovon sich auch ferne Gegner, namdcm sic sei»»« in Deutschland verbliebenen Habseligkeiten konfiszierten, überzeugt haben werden. Als Schleicher stürzte, weilte Wels z>» dringend notwendiger Erholung i»» der Südschwei;. In Erkenntnis dcr Gefahr, die dcr Partei drohte, ohne Rülksicht aus die eigene Person, eilte er nach Berlin zurück, nm zu retten, was zu retten war. Dcr sich ausbreitendrn defaitistischcii Gesinnung in den Reihen der Arbcitcrbrtvegung trat cr mit dein Aufgebot seiner ganzen Kraft entgegen. Die DA machte Jagd aus ihn, wiederholt wurde sei»» kleines Wohnhaus in FriedrichShagen überfallen —»»ergebens! Wels hatte längst das Leben dcr „inncrn Emigration" angcnvnn»»«»» nnd hauste unangcmeldct bald hier, bald dort. Nach dem Verbot ber Gewerkschaften lvurde beschlossen, daß Wels nebst einigen anderen Gc- iiosscn sich sofort dem Zugriff der Feinde zu entziehen und den Kampf gegen ihi» zu orgaitisicrei» hätten. Wels blieb trotzdem noch einige Tage in Deutschland, un» notwendige Vorkehrungen z»t treffen, cr erreichte erst nach abcnteuerliche» Umwege»» die Tschechoslowakei uiid Prag. So weilt er jetzt unter»ms, nicht als Flächt- ling, sondern als Kämpfer für die heilige Sache der Freiheit und des Sozialismus, dcr»vir alle gemeinsam dienen. Nur kleine Seelen glauben, nach einer Niederlage sei alles ans. Wels hat richtig erkannt, daß diese Niederlage nur das Vorspiel »»euer gcwattigcr Kämpfe ist, an dcrc»» Ende dcr Sieg des Sozialismus steht. W i r lv ü i» s ch e ,» d c»n G c»» o s s e»» Wels, daß c r noch viele Geburtstage verleben möge ininit- ten der»viedcranfcrstandencn siegreich c n A r b c i t« r b e»v e g»»n g, i»» einen» freien Dentschland! Ole OHIzlerle dürfen nach Hause Havanna, 14, Seplentber.(Reuter.) Kriegs- minister Aguada ordnete die Abberufung der Mi- liiiärabtorlttngei» an, di« daS.Hotel„Rational" umzingelt hatte», da die neue Regierung keinen Konflikt»nit dem cl)emaligen' Präsidenten dc EespedeS treue»» Anhänger»» Hervorrufen will. Die Offiziere können nun in ihr« Heimat zurückkehren. Gandhi unterwirf! sich Poona, 14. September.(Reuter.) Nach einer Beratung mit Pandit Dschawaharlal Nehru verpflichtete sich Mahatma Gandhi, sich bis zun» 3. August 1934 keiner Gefahr dcr Einkerkerung durch die aggressive Ka»npag»»e des bürgerliche»» Ungehorsams auszusetzcn. Gandhi erklärt«, sein Entschluß, der aggressiven antibritischcn Kampagne bis zun» August nächsten Ial»r«s zi» entsagen, enthalte in sich keineswegs die Ver- pflichllnlg, den Indern hinsichtlich des individuellen bürgerlichen Ungehorsams nicht„Ratschlag«" zu erteilen. Seite 4 Freitag, 15. September 1882 SKr. 218 Der größte Schwimmbagger der Welt Ein Baggerriese mit 25 Meter Arbcitstiefc, der für den Hafen von Boulogne bestimmt ist, verläßt die Docks von Dünkirchen. uuiimiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiimiiitiiiHniiiiiiinniiiHiiiiiinNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiinniiiuiiiiiiiiiRD Und nun die Bauern... Tas Hilfsmittel für die Landwirtschaft: die Gefängniszelle! Die naivste» und daher iinrntivegtestc» Nachläufer der H i I l e r c• in den Tagen der Propaganda waren die Bauern. Ihnen versprach» die braunen Demagogen in skrupel- loser Verlogenheit den Himmel auf Erden, reichlichen Verdienst, Riesenzölle und den Untergang jeglicher Konkurrenz. Kein Wunder, daß die unkomplizierte» Naturen den spektakelnden Sadisten in hellen Scharen zuliefen. 9dm, da die blutigen Schwober an der Macht find, erkennen auch die mißbrauchten Bauern, für welche Betrüger sie die braunen Kastanien aus dem Feuer holen mußten! Eine immer stärker werdende Unruhe geht durch das deutsche Landvolk; die Beschwichtigungsbulletins der residierenden Bonzen nützen nicht» mehr und immer häufiger muß die zu jeder Schandtat bereite Landsknechtschast von der SA zu ,-Säuberungüaktionen" und„Strafexpeditionen" ausrücken. Die Illusionen der Bauern enden dann, sehr trivial und hoffnungslos, im Inferno der(8e- fängnifse und Kon^ntrationslager. Es ist kein Z u f a l l, daß allein im Breslauer Bezirk in den letzten 24 Stunden in drei verschiedenen Orten 4 Gutsbesitzer und RittergutSverwalter wegen„staats. feindlichen Verhaltens" und wegen „B e r ä ch t l i ch m a ch u n g" des Sadistenchefs Hitler in Schutzhaft genommen worden sind. Aber soviel Gefängniszellen gibt es gar nicht, um die regierend:» Verbrecher vor der Stimme der Wahrheit bewahren zu können! 8« kurbeln sie die Wirtsdian’an! h. b. Ter Deutsche BaugewerkschastSbund, die Gewerkschaft der Bauarbeiter Deutschlands, beschäftigte in seiner Zentralverwaltung zur Zeit des„krassesten Liberalismus", als noch die„fetten marxistischen Bonzen" das Heft in der Hand hatten, achtzig Angestellte. In dieser Zahl ist auch der jüngste Kontorbote mit eingerechnet. Unter der Herrschaft der braunen Volksbeglücker hat sich die Zahl der Angestellten auf 16 0(e i n h ander t s e ch z i g) erhöht. Ter jetzige Hauptbevoll- mächtigte erhält ein Gehalt von siebenhun- de r t Reichsmark pro Ri o n a t, dazu eine Aufwandsentschädigung»ach freiem E r in e s s e n. Früher genügte zur Erledigung des Außen diensteS e i n Automobil, jetzt wurden außerdem fünf neue Wagen an geschafft. Schon an diesen Zahlen ist deutlich sestzu- stellen, daß die siegreiche Turchsührung des Hit- lerschen Arbeitsbeschaffungsprogrammes rüstig voranschreitet. Wie herrlich wird eS in Deutsch, land erst auSschauen, wenn Hitlers VierjahreS» plan restlos durchgesührt sein wird. nie inllahan in Deutschland am dem Marsch Ein deutsches Bankhaus gibt die Möglichkeit zu. Alle deutschen Stellen, die offiziellen und die halbamtlichen, versichern unausgesetzt, an eine Inflation sei nicht zu denken. Auch Herr Schacht hat das, nrehr oder weniger»»«wunden, geäußert. Ta ist es interessant, den Börsenbericht eines Berliner Bankhauses zu lesen, den dieses unlängst an seine Kunden verschickte. Erst werde«« verschiedene Aktien empfohlen, besonders natürlich die der Schwerindustrie. Tenn„der größte Teil der Aufträge"(nämlich auö dem ArbeitSbeschaffungS- programm)„endet doch bei der Montanindustrie". Daran hatte man nie gezweifelt. Schließlich weiß Hiller, was er seinen Geldgebern, den eigentlichen Wegbereitern deS FasciSmus. auch heute, noch schuldig ist. Dan«« aber fährt der Börsenbericht«nunter fort, zu plaudern: „ES Ist natürlich eine Frage, die noch nicht geklärt ist, ob es überhaupt möglich fein wird, auf die Dauer den Goldstandard der Mark zu wahren... ES würde sich aber niemals «rm eine Inflation in dem üblen Zinne der Jahre 1022/23 handeln"— wer hätte denn das auch gedacht?!— „sondern nur um ein Anpassen an die übrige«« Währungen, der Wert der Mark im Inland würde bestimmt der gleiche bleiben,"— oei„steigenden" Löhnen versteht sich— „wir wären dann nur«vieder in der Lage, erfolgreich im Export mit England und Amerika sowie anderen Ländern konkurrieren zn können". Und jetzt kommt das Schönste! „Wem« Reichsbankpräsidenl Zchach« erklärt hat, daß vorläufig eine Aenderung der Währung nicht in Frage lamme"— bann? was dann? „dann liegen sicher so gewichtige Grunde vor, daß«vir ruhig die>veitere Entscheidung der maßgebenden Stellen in unserer Fi««a n ziv i r t sch a ft abwarten könne n." Es gibt in Deutschland eine ganze Anzahl von Leuten, denen eine Inflation wie gerufe«« käme: Großagrarier, einige Bankiers und noch ein Paar. Diese warten ir« Ruhe ab, bis die«naßgebenden Stellen der Finanzwirtschaft ihnen ihr Jnflalionsgeschenk in den Schoß lege««. Sie wissen genau: sie brauchen.nicht mehr lange zu warten. Tagesneuigkeiten Mord im Armenhaus. Et» 81 jähriger erstochen. Iw Bczirks-Armeichanv in München- grätz entstand zwischen dem 81 Fahre alten Joses Koilek aus Jivina und dem schwach- sinnigen Eimr ein Streit. Al» der 86 Jahr« alle Wenzel KouSek au» Mal» Bäk» in diesen eingriss, warf sich Koilek aus ihn und verletzte ihn mit einem Messer. Kouöek entriß Ihm diese» und brachte ihm einen Stich in den Hal» bei, der die Schlagader traf. Ko- 8«k verblutet« trotz raschen ärztlichen Einschreiten» in wenigen Minuten. KouSek wurde sofort verhaftet und in die Untersuchungshaft eingeliefert. vom Sohn beraubt und ermordet! Berlin, 14. September. Ein in der Nacht zum 13. September l. I. an dem Markt- Händler Splinter in Wilmersdorf verübter Raubmord ist restlos aufgeklärt worden. Der Mörder ist der eigene wegen Einbruches mehrfach vorbestrafte Äjährige wohnungslose Sohn deS Grünzeughändlers. Er ist vollauf geständig, seinem Vater heimlich aufgelauert zu haben, in der Absicht, ihn zu berauben. Hinrichtung auf Hinrichtung! Kiel, 14. September. Die Justizpressestelle teilt mit: An dem Arbeiter Friedrich P o h m a n n ist heute vormittags sechs Uhr im Hose deS Gerichtsgesängnisseü in Kiel die Todesstrafe durch Enthaupten vollzogen worden. Pohmann war wegen des an dem landwirtschaftlichen Gehilfen Außen am 29. Jun« 1932 verübte«« Mordes zum Tode verurteilt worden. Unser« Toten. Genosse Franz Rippl, der langjährige Gemeindevorsteher von A i ch und Kontrollor des Konsumvereines„Bor- Ivärts", ist gestorben. Einem schweren Lungenleiden, zu dein er sich den Keim wie alle Porzellanarbeiter in seinem früheren Berufe holte, gesellte sich in letzter Zeit ein Herzleiden zu, dem er nun erlegen ist. Bedeutende Verbilligung der Warenbesörde- rung durch di« Post. Am 1. Stober 1933 wird die Postverwaltung im Jnlandsverkehr eine neue Art von Paketsendungen einführen, u. ztv. die„Ware n- P o st", unter sehr vorteilhaften Bedingungen. Namentlich für die Geschäftskreise, die Warensendungen bis zu 10 Kg. zu expedieren pflegen, hat diese Einrichtung große Vorteile. Die „Ware>«-Post"-'2endungen werden ohne Postbegleitadresse aufgegeben, zu einen« sehr billigen Tarif befördert und kostenlos zugestellt. Ein lokaler Beförderungszuschlag wird weder bei der Aufgabe, noch bei der Ablieferung eingehoben. Weitere Einzelheiten«"«der diese neue Postpaketart«ver- de«r von den Postämter» über Verlangen mitgeteilt,>vo auch das Verzeichnis jener Orte aufliegt, in tvelche Warenpostsendungen ausgegeben werden können. Es handelt sich un« mehr als 200 Orte mit lebhafterem Geschäftsverkehr. Di« achtjährige Schwester geschändet und an« gesteckt. Gestern wurde«n Pardubitz der 22jährige Fran; Blaha, der seine achtjährige Schwester vergewaltigt und angesteckt hatte, bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus verhaftet. Aufhebung der Garnison in Aussig. Infolge der Konzentrierung des Grenzbataillons in der nenadapnerten Kaserne in« Schloß von T e t- s ch e n, wird die Garnison in Aussig mit den« 1. Oktober aufgehoben. Kinderschutz und Jugendfürsorge. Samstag, dei« 16. September findet in Dux eine Tagu««g der Zweigvereine des Nordwestgaues I der Deut- schon Landeskomniission für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Bühnten statt. Verurteilter Spion. Der ehentalige deutsche Offizier Müller wurde i,t Metz wegen Spionage im befestigten französischen Grenzgürtel zu GesängniS in der Dauer vo«t zwei Jahre«« und Geldstrafe in der Höhe von 1000 Franken verurteilt. Mord an einer 88jährigen? Am Donnerstag fand die Gendarmerie bei Bohdalov, ungefähr zweihundert Meter von der Straße entfernt, die Leiche der 85 Jahre alte«« M. Ä o l z m a n n aus Znechnek bei Wallachisch-Meseritsch auf. Ta an der Fundstelle Spuren eines Kampfes entdeckt wutden, hat die Gendarmerie Nachforschungen aufgenontnlen, ob es sich vielleicht um einen Mord handelt. Ein Donaudampfer gesunken. Gestern früh stieß der r u n« ä n i s ch e P e r s o n e nd a m p- f e r„Cetatea Alba" in der Nähe von Braila auf der Donau mit einem tschechoslowakischen Dampfer zusammen und sank innerhalb zehn Minuten. Passagiere uiid Besatzung des gesuitkenei« Tainpsers wurde«« gerettet. Di« Zahl der Todesopfer der Schlafkrankheitsepidemie in M i s s o u r i ist jetzt hier a u f 135 gestiegen. Die Epidemie hat bereit« auf Kansas übergegrikfen, wo 26 Todesfälle zu verzeichnen sind. Ein Filmzug durch Sowjetrußland.„Taß" meldet: T«e Kollektivwirtschaften und Sowjetgüter der südlichen Gebiete der Sowjetunion werden von einen« Filmzug bereist, der zu Erziehungsund Propagandazwecken Szenen aus dem Leben der Kollektivwirtschaften und dem"Alltag ihrer Mitglieder aufnimmt. Der Zug besteht aus drei Wage.», von denen im ersten Lichtspiel- dheater, Filmfabrik, Zeitungsredak, t i o n und Druckerei, Motoren, Druckpressen und Scheinwerfer uniergebracht sind, im ztveiten der S t a b, der den gesamten Betrieb leitet, und im-ritten die Küche und der Speiseraum, der leicht"in einen kleinen Vortrags s aal umge- wandelt werde«« kann. Bei der Filmaufnahme^ «verdeu vorbildliche Arbeitsmethoden, mustergültige Biehwartung, sanitäre Fiirsorgemaßnahmen ist de«« Kollektivwirtschaften u. ä. festgehalten. Die Kollrktivwirtschaftler verrichte«« vor dem Film- apparat ungezwungen ihre Alltagsarbeit, wobei die Regisseure zu Erziehungszwecken auch Szenen Wählen, die die unrichtige Lebens- und Arbeits- Iveise der.siollektivwirtschaftler vor Augei« führen, um die Bevölkerung in anschaulicher Mxisc zu ei««e.r besseren Lebensweise anznleite«« und ihr die Derant«vortlichkeit ihrer Arbeit begreiflich zu machen. Danebo«« verbreitet der Filmzug auch Plakate mit der Abbildilng von Saboteuren, die der richtigen Organisation der Arbeit und des Lebens auf den Sowjetgütern und in den Kollek- tivwirlschaste«« entgegenarbeiten. Der Brautvater als Amokläufer. Auf der Insel Taliaboe wurden, wie aus A m b o i n a (Molukken) berichtet»vird, mehrer« Menschen das Opfer eines Ainokläufers. Bei einen« Hochzeits- ftste ergriff der vo««r Tropenkoller befallene Brautvater plötzlich ein Messer und tötete vier Frauei« aus dem Kreise der entsetzte«« Gäste. Drei>veiteren Frauen und einem Manne brasste er schtvere Verletzungen bei. Der Täter konnte in« Getümmel entkoinnten. Prinz Aittvi wird befördert. Wie die SA- Gruppe Berlin-Brandenburg«nitteilt, ist der Brigadeführer August Prinz Wilhelm voi« Preuße«« züm dritten Führer ZBB(zur be- souderen Beriveudung) der obersten SA-Führung befördert«vorden. Prinz Allwi hat al» besondere Auszeichnung noch dazu folgendes Telegramm Hitlers erhalte««„Zu Ihrer von mir bestätigten Beförderung zum dritte«« Führer sende ich Ihnen beste Wünsche. Gezeichnet Adolf Hitler."— Wird sich da Papa Wilhelin in Doorn über die Ersolge seines Sprößlings freuen! Auf Pilgerfahrt verhaftet w««rde in der ßreußischen Stadt Trier der Saarbergmann Kleuber, der mit vielen anderen zu«n ,Heiligen Rock" gepilgert«var. Vermutlich hat ihn ein anderer Teilnehmer derselbe»« Pilgerfahrt verhaften lassen. Dieser Denunziant ist Nazi und war kürzlich Wege«« Sabotage von der französischen Staatsverwaltung der Saargruben e«ti> lassen worden. Der Verhaftete ist Vater von sechs Kindern. Seine Familie hat feine Nachricht von ihm. Die Saarregier««ng bemüht sich un« die Freilassung Kleubers und untersucht diese Verhaftung. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Prograinmen. - Freitag: Prag: 10.10 Schallplatte». 12.85 Konzert. 18.30 Deutsche Sendung: Studentenwettspiele in Turin. 20.10 Orchesterkonzert.— Brünn: 13.25 Deutsche Sendung. 19.25 Huinor und Groierke. — Wien: 12.00 MittagSkonzert. 19.00 Eine Rach« In Venedig.— Hellsberg: 20.10 Abendkonzert.— Breslau: 20.00 Konzert.— Leipzig: 18.80 Kammer- musik. 18.20 Waldhornmustk.— Langenberg: 22.30 Der Porzellanpavillon.— München: 18.00 Alle Volksweisen. Weitere Abnahme der Ruudsunkhörerzohl in Deutschland. Die Abnahme der Funkhörer in Deutschland betrug im Monate August 12.416 (0.3 Prozent). Die Gesamtzahl der Rundfunk- teilnehiner betrug am 1. September 4,470.862. Geschlechtlicher Mißbrauch bau Kindern und- Aberglaube. Die Menschen habe«« au» vergangenen Ent- wicklungszeitalteru un« so mehr die Sucht alle» nachzuahmen— vor allem Dumme» und Viehisches, je vertierter ihre Moral,' ihre Ethik ist. Vielleicht könnte n«a» heute an Stelle des mißtönenden Wortes„vertiert"—„heroisch" setzen. Denn: je dumm-roher einer ist, um so mehr als .Held schätzt ihn ein Zeitalter, in welchem zu leben selbst für ein unverdorbenes Tier nicht«o ohne weiteres eine Ehre ist. Der Geschlechtsmißbrauch von Kindern beiderlei Geschlechtes ruht vielfach im bewußten oder unbewußten Schwächegefühl des Mißbran- chenden. Außerdem ist aber allen, die viel mit dem llnterweltlichen dessen zu tu»« haben, dos man Seele des Mensche«« nennt, bekannt, daß „unausrottbar" in der allgemeinen mündlichen lleberlieferung gerade auf dein Gebiete des Gr- schlechtlichen besonders verderbliche Mittel der Gesundung, Vorbeugung oder Gesunderhaltung, Kräftesteigerung verbreitet werden,die phantastischfürchterliche Folgen haben können. Schuld daran ist vor allem die Jahrhuitderte lange Unsitte, das Geschlechtliche nicht allein mit dein Brandmal der Schande z«r versehe««, sonder«« auch: nicht ehrlich über es und seine Krankhaftigkeiten zu sprechen. Nicht eimnal die Belehrung de« Jungnienschen über sein Geschlechtliche»»vird in Wirklichkei: gut, richtig, wirksam durchgesührt. Die Grundlage der meisten Fälle von ge- schlechtlichem Mißbrauch von Kindern ist ein«o- genannter Bolksaberalaube. Dabei darf man bei „Volk" aber keinerlei Grenze dem Stande nach ziehen... Der Aberglaube, nabez«« eine An Blutmärchen, ist: wenn ein mit Tripper oder luetischer Krankheit Behafteter möglichst raich, sofort, nachdem er sich krank weiß,— eine reine Jungfrau geschlechtSbenützt, werde er gesund. Tie sicherste Rein-Jungsrau ist für den, schon durch die Krankheit Gehirnvernebelten, das weibliche Kind. Und so erfolgt die grauenhafte Katastrophe, die oft genug im Mord— fälschlich in diesem Falle Lustmord genannt— endet.’ ES ist der Gedankengang eine» Gehirnkranke»«, der diese„Sitte" als Heilmittel ausdachte, auch deshalb,»veil jede geschlechtliche Erkrankung eben schon auS medizinischen Gründen absolute Enthaltsamkeit fordert. ES ist Vernünftigen unfaßbar, wie ein denkender Memch solch irrsinnigem Aberglauben verfallen kann! K. B. Türkische Steuermahnung. Steuerzahlen ist jo nirgeirdS in der Welt ein großes Bergnüaen. Ab.'r Steiler«« schuldig bleiben«var bisher gewissermaßen ei«« Vergnügen. Die modernisierte Türkei will jedoch auch mit dieser letzten Freude des Staais- nntertanen energisch aufräumen. Die türkiiche Regierung wird in der nächsten Zeit einen Gesetzentwurf verabschieden, der vorsieht, daß vor dem .Hause säumiger Zahler sechs Trommler täglich eine Stunde lang trommeln sollen, so lange, bis der-Schuldner gezahlt hat. C5 auch die unschuldigen iliachbarn des Säumigen «vegen der ansgestandenen Ohrenqualen Schiden- ersahanspräche haben, ist in de«n Gesetzentwurf nicht enthalten. Di« nördlichste Eisenbahn der Wett. Tieser Tage begab sich unter der Leitung des Ingenieurs Je re m ko auf den« Dampfer„Gleb Bokij" eine große Expedition des BerkehrSkontmissariats der Sowjetunion ans Archangelsk nach I u g o r ski i Schar int Polarkreis. Die Expedition ist beans- tragt worden, die Vorarbeiten für den Bau der nö rdli chst e n E i se nba h n der Welt Warkuta —Jngorskij Schar aufzunehmen. Mit dem Bau der Ersenbahn soll im Jahre 1934 begonnen werden. Die Gesamtlänge der neue«« Eisenbahnlinie «vird 320 Kilometer betragen. Die neue„Polarmagistrale"»vird eine große Rolle bei der Beförderung von Kohle aus dem Warkuta-Revier nach dem-Hafen Jugarskij Schar fpielei«. Achtzehn Monat« in tiefem Schlaf. Ein junges Mädchen aus Chikago, mit Namen Mina Patricia Magurie, liegt seit achtzehn Monaten schlafend in einem Krankenhaus der Stadt, ohne daß eS den behandelnden Acrztcn bisher gelungen Ware, sie zum Erwachen zu bringen. Es ist ein in der Medizin einzig dastehender Fall, daß. es bisher trotz An- «vendung aller bekannte»« Gegenmittel nicht gelungen ist, den Schlaf wenigstens vorübergehend zu bannen. Die Aerzte sind vor kurzem sogar zi« der sehr geivagten Methode schrillen, der Schlafenden TytzhitsbazAen oinzuimpfen, in der Hoff- nung,. daß diese Bazillen die SchlaskrankheiH- bakterien vernichten würden, Aber auch dieser Eingriss'st ohne Erfolg geblieben. Ar. 2t« Freitag, IS. September 1933 Seite 5 Volkswirtschaft und Sozialpolitik Geridtfssaal Sinern Karisdaver Arzt die Praxis entzogen. Karlsbad, II. September. Ein aussehenerregen. d«S Urteil hat das Egerer Preisgericht inner dein Vorsitz des Obergerichtsrates Hoyer in einer Verhandlung, die nach Karlsbad verlegt wurde, gegen den Karlsbader Frauenarzt Dr. K gefällt. Vor säst zwei Jahren begab sich Fran Äcrtha V. in die Behandlung des Frauenarztes, der lrankhajie Veränderungen der Gebärmutterschleimhäute und Blutungen ver Gebärmutter seststellte. Er schlug der Frau eine Auskratzung vor, mit der sie sich auch einverstanden rrllärtr. Vach der Behandlung begab sich die Fran in ihre Wohnung, wohin daun di« Aerzte Tr. Kasla und Dr. Vrix gerusen werden muhten. Tr. Kasla stellte eine akute Bauchsellentjüttduug sest und auch Tr. Brix, dem zunächst nicht gesagt worden war, daß au der Frau eine Auskratzung vorgenommen worden war, und der darum dir Ursache der schweren Erkrankung nicht gleich ermitteln konnte, empfahl die Uebrrsührung in rin Sanatorium, die dann gegen den Willen der Kranken auch tatsächlich vorgenom- men wurde. Ein« sofort vorgcnommeue Operation konnte der Frau daS Leben nicht mehr erhalten: sie starb am 28. Oktober 1931 an den Folgen der Brr» lehmigen, die ihr bei der Auskratzung an der Gebär- mnticr und ant Darm zugesügt worden waren. Dozent Tr. D o b e r a u e r, der die Operation leitete, erstattete die Anzeige und di« Staatsanwalt- schast erhob gegen Dr. K. die Anklage. Ans Wrnnb der Zeugenaussagen der behandelnden Aerzte und deS Aerzterale» wurde Dr. K. schuldig gesprochen, bei der Behandlung der Frau solche Fehler begangen zu haben, daß der Tatbestand deS 8 3KÜ des Straf gesetzeS gegeben sei. Infolgedessen wurde Dr. K. die Ausübung der ärztliche» Praxis für so lange entzogen, bis er durch eine neuerliche Prüfung dargelan haben wird, daß die bestehenden Mängel(Unwissen heit und Ungeschicklichkeit) beseitigt sind. Der Gatte der Verstorbenen wurde mit seinen Schadenersatzansprüchen auf den ZivilrechtSveg verwiesen. Erdbeben bei brzerum- Istambul, 1-1. September. In-Nissan Keleh und den beitachbarten Gemeinden in der Gegend M Erzrrum wurden heul« früh starke Erdstöße »erspürt. Die Zahl der Opfer ist noch ttnbckattnl. Die Behörden organisieren die erst« Hilfe. En-Harod ist eine der ältesten' und ditrch- organisiertesten sozialistischen Siedlungen im Lande: der Boden rst Nationaleigentum, alle arbeiten nach besten Kräften im GemeinschastSinter» esse, es gibt keinen Privatbesitz. Di« zahlreichen sungen Juden aus Deutschland, die in den letzten Monaten hierhergekommen sind, pflücken jetzt die ästigen Grapefruit und di« süßen Weintrauben, di« indisch-russische.Idealisten vor Jahren unter bitterer Mühe angepflanzt haben und auf Boden, der unter Malariagesahr entsumpft werden mußte. Die Deutschen legen sich also sozusagen in das gemachte Bett. Daß sie mtS ihm bisweilen durch ein paar nächtliche Schüsse aufgeschreckt werden, mit denen die Wächter arabische Hühnerdiebe verscheuchen, betveist nicht- gegen di« Sicherheit, in der sic leben. Auch die Fähigkeit, im Zelt zu schlafen, bezeugt noch nicht den geringsten Heroismus. Im Gegenteil: wer Unterhaltung liebt, kommt reichlich auf seine Kosten. Zwei Katzen, die sich beispielsweise in meinem Zelt niedergelaflen haben, wo sie demnächst wohl auch niedcrzukommen gedenken, warten mit nächtlichen musikalischen Veranstaltungen auf. Mit eurem Skorpion war allerdings nur friedlich auszukommen, indem man ihn in offener Zeltschlacht totschlug. Da daS Zelt«in bißchen zu kurz geraten ist, wache ich nachts öfters auf. Der erste Wachcin- druck schafft die Illusion einer Ozeanreise, denn d-r Mittelpfeiler„weht und dreht rm Winde sich" wie die Feder auf dem nrittelalterlichen Volkslied- Barett. Der Palast knarrt und stöhnt wie ein alter Viermaster, an dem selbst Gorch Fock seine Freude gehabt hätte. Aber der Prachtbau hält— die Zeltmathematik rst geheimnisvoll. Und schließlich winkt in weitester Ferne Land: der Umzug ins SteinharrS, das diel« der altetnq.fess-men Cn-tzaroder heute schon bewohnen. Vorher wird man noch Barack-nmsosse oder kommt auf die weniger beliebt« Alisah, einen Schlafsaal oberhalb des Pferdestalls. Nachts um zwei werden di« Pferde unruhig und die Mensche» über ihnen mit ihnen. Vesonoers Sulamith benimmt sich geradezu unerhört, man hört sic dauernd. Man pariert diese„Schicksalsschläge" mit der besten jüdischen Waffe: nn't Humor. * Am schönsten wohnen, i» einem dreistöckigen Bau, die Kinder: auf dreihundert Erwachsene kommen ihrer zweihundert. Sie werden mit viel Milch, Eiern, Liebe und pädagogischem Verständnis großgezogen. Der Arbeitsunterricht, den sie, zum Teil von einem Lehrer wickersdornscher Prägung, empfangen, liefert daS unmittelbare Leben, nicht die mittelbar« Theorie. So haben sie ent- lchieden weniger Komplexe und mehr Grazie als ihre städtischen Geschwister. Sie reiten wie die Kosaken. Wenn man sich mit ihnen unterhält, Der gewogene LebensmMeUnder für den Durchschnitt der ganzen Republik zeigte in der mittleren Woche deS A u g u st gegenüber Juli ebenfalls ein Sinken, u. ziv. von 105.il aus 101.5, d. i. nm 3.8 Prozent. In den Hauptzügen zeigten dir Nahrungsmittel- preis« im GesamtstaatSdnrchschnitt ein niel größere» Sinken als in Prag. Der größte Preisrückgang ergab sich bei Kartoffeln(20 Prozent) und bei Gemüse(bei Kopskraut 25.0 Prozent, bei Möhren 26.5 Prozent und bei Zwiebeln 18.2 Prozent). In den einzelnen Ländern ist der gewogene Nahrungsmittelinder im Vergleich zum Vormonate(in der Klammer) der folgende: Ist Böhmen 162.2(105.0), in Mähren-Schlesien 97.9(102.4), in der Slowakei 105.4(111.6) und in Karpathorußland 116.4(119.5). Was die großcit Städte betrifft, in denrtt die Preise den ganzen Monat hindurch verfolgt werden, verzeichnen: Prag 95.9(97.1), Brünn 90.2(98.7), Bratislava 108.5(112.9), Pilse» 94.4(95.9), Neichenberg 98.5(99.0)»nd Mähr.- Ostrau 93.5(98.2). Der Auszug aus Berlin. Dom Kurfttrftendamm naG En Karov.— WM„neuer »eutssher" unter alten ValUsttnenferu.- Leven offne MM( M Partei und greifet Ae Berücheeungsangeftelitkn■ wrtzre» sich! SU Hauptversammlung der Ortsgruppe Prag, eine wirksame Protestversammlung.— Erfolg« gewerkschaftlichen Kampfe». Die Ortsgruppe Prag des Verbandes- der Versicherungsange st eilten hielt gestern im Odborovy Dum ihre dreizehnte Hauptversammlung ab, die sich unter dein Einfluß der letzten Ereignisse zu einer höchst eindrucksvollen Protestaktion der Angestelltenschaft gegen die verschiedenen V e r» st äße der Direktionen gestaltete. Die Ortsgruppe Reiche»berg hatte eine starke Delegation entsendet, auch andere Organisationen hatten Vertreter geschickt. Der vom Obniann Genossen KokSal erstattete aaSsührliche BorstandSbericht konnte ein erfreuliche» Lil» erfolgreicher gewerkschaftlicher Arbeit eatwerfen. Im verflossenen Jahr« gelang eS in mehreren schwerwiegenden Angelegenheiten im gamps um die Rechte der Angestelltenschaft hundertprozentige Erfolg« zu erzielen, wovon zu erwähnen find: Durchsetzung der restlosen Ueber- nehme der. Angestellten de»„Elementar- Vhönix" Abwehr der Verlängerung der 8 r b e 11S z r i t bei der„2 e k u r i t a s", Abwehr der Pläne ausBerlängerungdrS Provisoriums bei der„Assikurazione Generali", Verbesserung der Verhältnisse der Angestellten bei der„B i k t o r i a" usw. Besonderes Interesse erweckte die Darstellung der seit Frühjahr in der Luft liegenden Lssenslv« der Direktionen auf den Kollektivvertrog. Sm 31. März kündigte der„2 v o z L s l. p o j i S- lösen"(Verband der inländischen Vcrsiche- iLngtanstalten) den Kollektivvcrtrag zum 80. Juni. Die sofort eingesetzte scharfe Gegenaktion bewirkte einen Rückzug de»„2vaz", der schließlich er- llirle, den alten Zustand bi» End« des Jahres in Kraft zu lasten. Tie einheitliche Aktion deS „8vaz" löste sich in«in« Reihe von Einzrlkämp- sen auf, weil drei große Anstalten nnannehmbare Bedingungen auf eigene Faust aufrechlerhielten. ES sind dies die„Riunion«", die„Union" und der„M e r k u r". Besonders die erstgenannt« Anstalt formulierte äußerst schroffe Bedingungen, die aber kategorisch ob gelehnt wurden; schließlich wurde auch bei diesen Anstalten von weiteren Schritten bis Ende 1933 Abstand genommen. Während der„Svaz" der inländischen Anstalten «i vorgezogen hott«, den Angriff abzublasen, emp«. sanden plötzlich di« acht ausländische« Anstalten (Anglo-Elementar, Basler, Donau, Prager Phönix, Phönix-Leben, Anker, Erste Einbruch und Viktoria) da» Bedürfnis, in der Angcstclltensrage die Initiative zu ergreifen. Es wurde bekannt, daß di« Vertreter dieser Gesellschaften am 8. September in Wien zu einer Konferenz zusammengetreten waren, wobei die radikaleren Elemente unter den Tirektionsvcr- lretern die Einstellung der„einmaligen Sushils«" verlangten, die durch den noch gültigen Kollektivvertrag au» dem Jahre 1930 für dieses Jahr vereinbart und in der Folg« auch in den Jahren 1931 und 1932 auSgezahlt worden war. Schließlich einigte mau sich, sicheren Nachrichten zufolge, auf dal Kompromiß, im laufenden Jahr« di« Aushilfe„ohne Präjudiz" auszuzahlen, aber gleich» ,eilig den Kollektivvertrog zu kündigen. Die Gewerkschaft der Bersicherungsangestellten fltiff diese Nachricht sofort auf und beschloß unverzüglich den schärfsten Kamps gegen di« Pläne der AuSlandsanstalten. DaS Gewerkschaftsorgan ließ«in« Extraausgabe erscheinen, die öflentliche Meinung wurde mobilisiert. So kam es, daß die gestrige Hauptversammlung zu einer Protestkundgebung wurde, zu der sich die AngestelltenAaft in solchen Massen eingestellt hatte, daß der Saal und die Galerien buchstäblich bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Unter wiederholtem, stürmischem Beifall erklärte Genosie KokSal, daß die Angestellten zum Kamp bis aufs äußerste entschlossen seien. Indessen sind schon die bisherigen Maßnahmen nicht ohne Erfolg geblieben. I» letzter Minute Häven zwei maßgebende Herren des Exekutivkomitees der au-ländischeu Anstalten, die Generaldirektoren Dr. Berliner und Ullman n telegraphisch die Erklärung abgegeben, daß zwar bei den Direktionen gewisse Wünsche beständen» aber nicht daran gedacht werd«, den Kollektivdertrag im gegenwärtigen Zeitpnnktr zu kündigen, was der Versammlung zur Kenntnis gebracht werden möge. Die Versammlung nahm den Bericht des Genosst» KokSal mit einmütigem Beifall entgegen und erteilte dem abtretenden Vorstand nach Genehmigung der übrigen Berichte mit Dank für leine Msihewaltuna die Entlastung. Hierau s folgten die Wahlen. Der Vorstand steht, wiederum unter der Führung des Genossen KokSal als Odrmmu. tzx. Die Goethchandschrift konnte ich über alle Grenon retten. Ich wollte sie mir in meiner treuen palästinensischen Behausung aufhängen. Aber jene Behausung jst kein Haus, sondern nur ein Zelt geworden, und Goethe paßt an seine wackelnde, windgeschüttelte Wand wie di« Faust attfS Auge. Wer in so gewaltiger Natur lebt, entbehrt keinen Schmuck. Wer sich von unS„Chaluzim" morgens um halb fünf ein letzteSntal„auf die andre Seite" wälzt, nach fünf Minuten aber schon di« untere Zeltwand hochrollt, steht, fall- er di« Augen sufkriogt, der treuen Heimat En-Harod gegenüber im letzten Morgenschatten den elefanten- örmigen Berg Gilboa, aus dem, wie wir lernten, Saul aefallen ist, unten das frucht strotzende Emek- Tal, ehemals«in beliebter Kriegsschauplatz, während hinter der zerklüfteten Transjordanwand die Sonn« aufsteigt. Arn lauge» Lauf des Tages teigprt sich das große Erlebnis dieser Landsck)oft u einer Shmpbonte intensivster Formen und Far- itett, der bisher nichts weiter fehlt als rin Van Gogh, der sie nachkontponiert. Einzelheiten der Umgebung lernt man am Schabbath kennen. Wagen fahren kreuz und quer, von Siedlung zu Siedlung, jeder Hai überall Bekannt«, man besucht sich untereinander, auf den schivankende» Gefährten ist viel Singen und Fröhlichkeit; solche Bilder sah man früher nur in Nussetrfilmen. Und Goethe bleibt im Koffer. * muß matt über ihre Vorst«llungS>v«lt, di« Vorstellung einer neuen Welt, stattnen. Ein Jüngere» fragt eines TaaeS:„.Hast Du in der Stadt in einer Kwuzah oder in einem Moschaw(sozialisti- sche Lebensform unter Beibehaltung der familiären Einzelbewirtschaftung) gewohnt?" Und kann sich> Nicht vorstellen, daß eS noch ein Trittes, Viertes; tmd Fünftes gibt. Daß matt, wie Aja aus Frank- i fiuf am Main, di« Rechte studiert haben kann und. nun doch nichts Rechtes damit anzufangen weiß. I Daß man, wie Hans, mein Zeltnachbar, höchst kapttalistischer Unternehmer in Berlin und Besitzer einer Krawattensabrik gewesen sein kann. Taß man Lohnarbeiter oder meinettvegen auch Redakteur gewesen sein kann. Und daß keiner von uns auch nur einen einzigen Dunam Land besessen, oder gar jemals in seinem Leben gebaut hat... O Jetzt ist der Rotstift der Redakteurs begra- ben(aber wieviel Jntellektnellenträum« sind schon in der steinigen Erde Palästinas begraben—.). Jetzt streut der Herr Redaktettr nicht mehr Pointen auf Manuskript«, sondern künstlichen Mist ans den mühsam durchfeuchteten Boden,. Jetzt schwingt er nicht mehr den Federhalter, sondern di« schwere Tnriah und den vequemeren Maader. Jetzt merzt er keine Druckfehler ntehr auS, sondern Unkraut;„Jablid" heißt da» gefährlichste, und es ist ebenso unausrottbar wie der ewige Druckfehler. Jetzt zerhackt er nicht mehr mit dem Geschick, über daS all« Mitarbeiter tveinen, Reportagen und Feuilletons, sondern von Käsern angefressene Bäume. Jetzt verspritzt«r nicht mehr Polemiken gegen Hinz und Kunz, sondern Schwefel gegen pflanzen, fressende Insekte». Jetzt watet er nicht mehr, wie vordem aus der Redaktion, durch Berg« von Zeitungen, sondern durch den dicksten Modder der im Jahr« bis z» sechsmal bewässerten Grapefruit-Plantagen. Jetzt räumt er nicht niehr, was stets ver gebettS war, feinen Schreibtisch a>ik, sondern, mit mehr Erfolg, die verschlammte Wasserleitung ober- halb der Weingartens— eine Arbeit, di« ihn allerdings nicht nur viel Schweiß kostet, sondern auch di« abseits gelegten und sür di« Mittagspause reservierten„Sächsischen Miniaturen".Hans Ret- mann-, nach denen ein vorbeistreifender Araber, der anscheinend gern' klassische- Deutsch lernen möchte, greifbares Verlangen empfand... * Die gemeinsame Arbeit schafft in starkem Maß« den Konnex zwischen„Neuen" und „Alten", zumeist Juden au- Rußland, di« von früheren Einwanderung-welken in- Land gespült wurden und sich inzwischen vollkommen assimi- liert und hebräisiert Haven. Der Umschichtungsprozeß ist ihnen um so eher gelungen, als sie ja nie so sehr im russischen BolkSkörper aufgegangen waren wie etwa die deutschen Juden— zivilisatorisch wenigsten-— im deutschen. WaS sie und ihre Väter m Rußland gelernt hatten, kam ihnen bei ihrer Ansiedlung in Palästina zustatten: die Fähigkeit zu leiden, zu entbehr«», sich auszuopfern. In ihrer Offenheit,.Heiterkeit, Hilfsbe- reitschaft und tiefsten Unbestechlichkeit repräsentieren sie einen herrlichett Menschentyp. Die in der Mittagspause mit ihnen geführte Unter- Haltung ist sür uns Deutsche immer wieder ein wirkliches Vergnügen— bis wir ihnen mitten im Satz wegschlafen. Haochel", d«m zentral gelegenen, sehr geschmackvoll, lustig und hell gebauten Speisesaal. Es ist laut wie in einer Bahnhofshalle, aber vergnügt laut. Und Landlärm stört tricht. Nach dem Abendessen wird Hebräisch gelernt. Oder in irgendeiner Ecke da- Neuste auS der Zei. tung vorgelesen. Oder man schreibt nach Hause: die Brieft kommen in einen Sammelbriefkasten, die Kwuzah frankiert sie, ihr Einzelmitglied,hat ja kein Geld, also kann man schreiben, soviel man Lust hat, aber die Lust ist gar nicht so groß. Oder man musiziert; Schallplatten spenden Bach und Beethoven, öfter» veranstalten auch gute Solisten „richtige" Konzert«. Oder man diskutiert. Ein» der.Hanptthemen der Gespräche liefert die Frage: Werden sich die jungen Deutschen hier einleben'? Wird ihnen, die, seien wir ehrlich, oft ja auch nur Zwangszionisbm oder LebenSflüchtlinoe sind, der große Umbruch gelingen: der so plötzlickte Wechsel ihres Milieus, di« Preisgabe ihrer indi» vidttellen Lebensführung, der Verzicht auf alle Bequemlichkeit, der Prozeß der Einschmelzung in ein« große Gemeinschaft der Arbeit? Ist tvirklich, wie eS die alten jüdisch-russischen Arbeiter sagen, alle- nur eiiw Willcnüsrage?— * DaS Dach am Kurfürstendamm steht leer. Nur mein Kater streicht durch» Gebälk. Er war aus den Namen Schleicher getauft worden, weil er mir in einen« Wald der Berliner Umgebung gerade an jenem Tag zugelaufen war, der den General zunt Reichskanzler werden ließ. Schleicher wird sich wundern. Die Wohnung, als auSgebauteS Dach ein Juwel an idyllischer Architektur, lag höher als die meisten anderen am Kursürstendainm; der Blick aus dem Fenster war em Blick auf die allermodernste Großstadt: Taut hatte hier seine Juna» gesellenfcstung hingesetzt Pölzig das ozeanische Ufa-Schisf am Lehniner Platz; innen sah daS Auge in di« in Dokttmrnten gesammelte beste deutsche Vergangenheit, sah an den Wänden Taufende von Buchern, unter ihnen viele seltene Klassiker-ErstquSgaben, den ersten Kleist neben dem ersten Hetne, sah alt« Kupferstiche und chließlich, unter Glas und Rahmen, ein vollendet chönes Goethe-Autogramm... Di« Straßenbahnen, die unten vorbeifuhren, liehen mitten in den Grünewald hinein, die Ferien lagen vor der Stadt. Dahinter prunkt« die Schal« des WannseeS. Es>var einmal... Und c» war nicht einmal ein Märchen. * * Wie wir un» untereinander verständigen? In einem Gemisch von Jiddisch und Deutsch. Die neuen Eingewanderten können noch nicht oder doch nur sehr unvollkommen Hebräisch, die Alteingesessenen sehen es ihnen nach, zumal sie beobachten, daß die Grünen sich doch bemühen He- bräisch zu lernen; nur sehen sic leider nicht, wie ihnen bei dem an jedem zweiten Abend von einer jungen Ex-Polin erteilte» Unterricht die Augen zufallen und wundern sich mir, wen» man nnr langsam Fortschritte macht. „Zuerst lernen wir alles"— um die kreund- liche Lehrerin zu zitieren,„was sich ringelt um unS herum"! Tisch, Stuhl, Fenster. Aber lai'a» sam weitet sich der Worlkreis und umschließt allmählich unsere aamz« Welt: Ten Hof mit feinen Ställen und Werkstätten. Ti« Getreidefelder, Plantagen, den Weingarten. Die wenigen Dinge des täglichen Bedarfs, die e» am DonnerStag- Abcnd in einem kleinen düsteren„Laden" ohne Geld zu kaufen gibt: Zigaretten, Streichhölzer, Rasierklingen, Kernseife, Briefpapier, Postkarten, Schnürsenkel. Tann dir verschiedenen Gerichte, die itnS, außer dem Frühstücksbrot und Despertce, am Mittag der grüne Provionttvagen aufs Feld bringt: ReiS- und Chazilimgemüse, Nudeln und Chazilim, Spinat und Chazilim, Obstsuppe und Chqzilim. Chazilim, Chazilim!! Die treuen Deutschen verfolgen die Chazilim mit jenem inbrünstigen Haß, ver schon wieder' in lächelnde Resignation umschlägt. Es siltd Lieder gegen diese» Uebcr- maß von Chazilim gedichtet worden, geholfen hat eS nichts. Di« blau« Riesenartischocke blüht unb gedeiht. Sie wird sogar daS seltene Kunststück bärtig kriegen, die Kinder Israel zu überleben. * Chazilim mittag, Chazilim abends. Das ziveitemal essen wir sie gemeinsam im„Chador Stift 6 Freitag, 18. September 1983 Nr. 21Ö Die ftdjMe illustrierte WocAenscftri/i Craftebit jeden fonntot ÜfteraM«rftdMHdi Wo verkehrep wir? I Mt„ConUneHtaT, Pni, firahenl PRAGER ZEITUNG. Ler„Botzemia'-Ioürnaiismus und das Braunbuch Versuch einer Verteidigung durch beisoiellose Leugnung des Empfanges einer Berichtigung. Die„Bohcmia", nunmehr unter dem Truck »er Oeffcnllichkcit vor die unlösbare Aufgabe gestellt, ihre journalistisch beispiellose Erfindung über das Braunbuch zu erklären, zu verteidigen und gleichzeitig abzuschwächen, hat gestern in einem gewundenen Anfsatz sich i n n e u c Widersprüche verstrickt. Zu dem bisher journalistisch Unvorstellbaren das die„Bohcmia" sich in diesem Zusammenhang leistet, gehört vor allem ihre Behauptung, daß sic, gerade sie die Berichtigung durch den Verlag nicht bekommen habe, während nur sic diese Berichtigung erhielt; denn andere Blätter brachten die in der„Bohcmia" erzeugte Lüge nicht, konnten daher, so wir wir, nur eine gegen die„Bohemia" gerichtete Feststellung vom Verlag erhalten. Mit diesem beispiellosen Verhalten der „Bohemia" beschäftigt sich nun der Universum» Verlag in einer neuerlichen Zuschrift an uns, der wir Folgendes entnehmen: Die„Bohcmia" vtrösfentlichte am 14. d. Di. einen Artikel„MünzrnbergS Braunbuch und wir". Ulrich zu Beginn heißt rS, daß eine Berichtigung der Vohemiameldungrn über Einstein und das Braunbuch gerade der„Bohemia" nicht jugestrllt wurde. Eine Berichtigung ging nur der„Bohemia" zu, und zwar durch einen Rechtsanwalt. Die„Bohemia" läßt den entscheidenden 2 a h unserer Mitteilung, daß Einstein nach wie vor auch zum Braunbuch stehe, einfach weg! Selbstverständlich ist auch die Behauptung der„Bohemia", Einstein-Erklärung gegenüber dem niederländischen Pressebüro lwelchem denn, fragen wir die sonst so beredte« Herren nun schon zum zweitrn- mal) bleibe voll ausrecht, In völligem Widerspruch zu den Tatsachen. Albert Einstelnhat diese Erklärung kategorisch dementiert. Englische Zeitungen, die dieses Dementi brachten, sind auf dem Wege nach Prag. Mit dem Schwelgen des Ertappten geht die „Bohemia" über unsere Feststellung hinweg, daß Index der Lebenshaltungskosten in Prag. Ter vom Siatistifchcn Slaalsami für die mittlere Woche des August d. F. aus Grundlage der Vorkriegspreise lVll- 1914— 100) erhobene Fndrh der Lebenshaltungskosten in Prag weist gegenüber dem gleichen Zeitpunkt drS Vormonates ein mäßiges Sinken aus, u. zw. bei der fünfgliedrigen Arbeiterfamilie um ein Prozent, bei der viergliedrigen Beamtenfamilie um 0.9 Prozent. Der Grund für diesen Rückgang liegt in der Vcrbillignng der Gruppe Nahrungsmittel und der Gruppe Beheizung(.stöhle), in den übrigen Grnppcn ist es zu keinen Preisverschiebungen gekommen. Von den Lebensmitteln hatten den größten Einfluß aus daS Sinken des Fndei: die Verbilligung von Kartoffeln(um 0.3 Prozent) von Gemüse(Zwiebel um 10.7 Prozent, Möhren um 30 Prozent, und.strant um 6.3 Prozent, ferner von Kalbfleisch(um 5.3 Prozent) und Schweinefleisch(um 3.8 Prozent) sowie die Verbilligung von Weizengries(um 3.1 Prozent). Der Rückgang wurde zum Teil durch die Verteuerung von Butter(um 12.1 Prozent) und'Schweinefett(um 3.7 Prozent) wettgcmacht.* Ter Gesamtinder der Lebenshaltungskosten im August(in der Klammer: Juli) beträgt: Bei der fünfgliedrigen A r b c i t c r f a m i Tic in einer Wohnung mit gesetzlichem Mieterschutz 94.3(95.2), bei der gleichen Familie in einer Wohnung ohne Mieterschutz 107.1(108.1): gewogener Durchschnitt 100.7(101.7). Bei der viergliedrigen B c a in t e n f a m i- lie in einer Wohnung mit Mieterschutz 89.8 (90.0), in einer Wohnung ohne Mieterschutz 104.1(104.9); gewogener Durchschnitt 96.9(97.8). Eine Napoleon-Ausstellung in Prag wird im Rahmen des Napoleon-Kongresses, der Heuer im Oktober hier stattfindet, eröffnet werden. Ans der Ausstellung gelangen zahlreich)« Gegenstände zum Verkauf, wodurch in» und ausländischen Sammlern günstige Gelegenheit geboten wird, für ihre Sammlungen Gegenstände von Mnscalwert zu erwerben. Es Hatwelt sich n. a. um legenstände ans Napoleons Privatbesitz, von ihm eigenhändig unterschriebene Befehle, Münzen und Me- daillen usw. Die Ausstellung umfaßt sechzehn große Kojen und gibt eine Ucbcrsicht über die gesamte napoleonische Epoche und ihren Niederschlag in der Geschichte der Tschechoslowakei. Aus der Partei Sozialdemokratische Frauenorganisation Prag. Montag, den 18. September B c r s a m m l u n g mit Vortrag der Genossin Abgeordn. Fanny BlatnY-Karlsbad, über das Thema:„Was bringtder Fascismusden Frauen'?" 8 Uhr abends,„Monopol"/ der Derkag natürlich nicht daran denkt» das Braunbuch zurllckzuziehen und in veränderter Ausgabe herauszubringen. Ta» sei nicht wichtig, mtint die „Bohemia". Daß sie diese Tataren-, nein GoebbelS- nachricht, von der Zurückziehung und Aendrrung fettgedruckt als Spitzenmeldung brachte, ist vergessen. Ebenso vergesseu Ist unsere Anfrage, welche schweizerische Quelle denn dir Nachricht lieferte. Aus die Frage, warum denn rin« Neuausgabe gedruckt werde, geben wir berritwilligst Antwort: weil die erste und zweite Auflage schon vergriffen ist, muß eine dritte— selbstverständlich unveränderte— Auflage der deutschen Ausgabe gedruckt werden. Unsere Aussorderung, den Namen de» jungen Prager Journalisten zu nennen, der angeblich die Oberfohrende n k s ch r i f t verfaßte, kommt die„Bohemia" nicht nach. Angeblich deshalb, weil sie„nie denunziert". Wir stellen fest: dadurch, daß di« „Bohemia" schrieb, der junge Prager Journalist sei bei einem Miinzenbergrr Montagsblatt angestellt gewesen, ist der Man« aufs genaueste allen denen kenntlich gemacht. Es gab nur drei Redakteure des betreffenden Mon» tagSblattr», nur einer von diesen ist jung, und nur dieser ist in Prag. Dir„Bohemia" wird also mit dieser faulen Ausrede nicht um die Frage her» umkommr«: wo sind die Betveise für die saubere Behauptung, ein Prager Journalist habe di« Obersohrendenkschrist geschrieben?! Für Ausdrücke wie„Fälschungen" u. ä. wird der„Bohemia" Gelegenheit geboten werden, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Es gibt kein Gleichnis in den Annalen der sndetcndcutschen Presse für diese Art, in der die „Bohcmia" vergeblich den Rückzug von ihrer publizistischen Untat anzutretcn versucht. Kunst and Wissen Die Wiener Rtinhardtbllhur, das Theater in der Josefstadt mit dem berühmten Komiker HanS Moser absolviert Mo»tag ein einmaliges Gastspiel mit dem Lustspiel von Siegfried Geyer-„Ende schlecht, alle» gut", das Mehrere Monats in Wien an suilo gegeben wurde. Das Lustspiel erscheint in der Wiener Originakbefetzung. Regie: Direktor Dr. Prcmingcr Gewöhnliche Preise!(Abonn. aufgehoben.) Ter allgemein« Vorverkauf hat bereits begonnen. Anfang halb S Uhr. Joseph Riawez singt als erste neu« Parti« den „Tamino" in der„Zauberflöte". „Dlamsclle Ritouchr" mit Irene Eisinger, Premiere der neuiuszemerten klassischen Operette Dienstag, den II). ds. Regie: Mordo. Dekoration: Pipergcr jun. Dirigent: Rieger. Der Film öouueustrayteu. Immer dramatischer wird die Wirklichkeit— und immer gegenstandsloser, problemferner und tatsachenschcuer werden die Filme. Schon daß in diesen„Sonnenstrahlen" da» Gegcnwarlsschickjol der Arbeitslosigkeit vor die sonst nur auf Operettenkostüme und Lebewcllfrruden gerichteten Ausnahmeapparate gebracht wird, macht sic zu einem Lichtstrahl ins Schlummerdunkel der Filmproduktion. Kein Bericht der Wirklichkeit ist es— aber ein Gedicht der Wirklichkeit,«in Film, der die Härte unserer Krisenzcit in Jugend, Liebe und Hoffnung spiegelt, mit einer Kunst, die mildert, ohne zu verfälschen. Ein schönes Werk, eine schenswcrrc Leistung. Der Regisseur Paul F c j o S, der einst in Hollywood den liebenswürdigen Film„Zwei junge Herzen" dreht«, hat hier au» dem Schicksal zweier lebensmüder junger Arbeitsloser in Wien, denen die Liebe neuen Mut gibt, ein schmcrzlich-heitcrcS Spiel geschaffen, daS sich zwischen Wirklichkeit und Abenteuer anmutig und ernsthaft bewegt.. Seit seinen Anfängen ist dieser FejoS einer der seltenen Filmgestalter, die Inniges und Rührendes bringen können, ohne kitschig zu werden. Die beiden Hauptdarsteller, der Deutsche Gustav Fröhlich und die durch Rcnä Clair berühmt gewordene Französin Annabells können in diesem schlichten Spiel mit allem wirken, waS jung und frisch und echt an ihnen ist ES sind meisterhafte Szenen In diesem Film: Die pomphafte Hochzeit der Reichen, di« das arbeitslose Paar von weitem mitcrlebt, als ob es Ihre eigene wäre— der Besuch im Reisebüro, das mit seinen Bildern den jungen Leuten die Hochzeitsreise ersetzt— am eindrucksvollsten aber ist die Schlußszene: eine Verherrlichung der Solidarität in der Arbrltcrstadt Wien, eine Szene, die zwischen den herrlichen Bauten der sozialistischen Gemeinde spielt, die heute in Gefahr ist, von dem allerchristlichsten Dollfuß erwürgt zu werden. G. G. Der beste Langstreckenschwimmer der Welt. Der Amerikaner Marvin Nelson gewann das lö-Mcilcn-Schwinnncn durch den See von Toronto, das alljährlich auSgetragcn wird und für das ein Preis von 5000 Dollar ausgesetzt ist. Sefterrelch führend lm internationalen Schwimmsport. Tie Wctlkampfreise, die die Schwimmer des Wiener A r b e i t c r s ch w i m m v c r e i n e s als Vertreter Oesterreichs mit den besten Schwimmern von Frankreich, Belgien und Holland zusammensührte, erbrachte neuerlich de» Beweis, daß Oesterreich derzeit im Arbcitcrschwimmsport an führender Stelle stehl. Tic Begegnungen, über deren Ergebnisse bereits berichtet wurde, werden für die engere Verbindung zwischen den Verbände» dieser Länder sehr große Bedeutung haben. In Frankreich bestehen einige Schwimmvercine, die aber im Vergleich zu Belgien und Holland als schwächer zu bezeichnen find. Sportlich sehr beachtenswert« Gegner fanden wir in Anttverpcn und Amsterdam, wo der Arbeitcrschwimmsport in sehr guten Händen ist. D« Meester, der Führer der belgischen Sportler, sprach sich über ein« engere Zusammenarbeit mit Oesterreich sehr hoffnungsvoll aus. In Holland besteht eine sehr starke Arbciter- schwimmbcwcgung, der Amsterdamer Verein hat tausend Mitglieder. DaS Amsterdamer Fest zeigt« besonders anSgezcichnetcs Können bei den Scbwim- mcrinncn, die den' österreichischen Schwimmerinnen überlegen sind. Wenig entwickelt ist das Kunstspringen, fast unbekannt daS Turmspringen. Hier fehlt cS an geeigneten Uebungslchrcrn. Eine Ausnahme bildet« Antwerpen, wo wir eine hervorragende Springerin sahen. Der Start der Wiener gestaltet« sich überall zu einer Sympathiekundgebung für Wien und Oesterreich. Tie groß« Beliebtheit, deren sich Oesterreich und besonders Wiener im Ausland«rsreuen, bekamen, wir deutlich zu spüren. In Belgien waren die Schwimmfeste gleichzeitig auch Parteiveronslaltungen, bei allen Festen kam die Einheit der Arbciterinternationale zum Ausdruck. Mit Jnteressc und Anerkennung verfolgten di« führenden Persönlichkeiten den Kampf der österreichischen Arbeiterschaft, und di« Masse der Arbeiterschaft wandte ihre Symathicn in erhöhtem Maße den österreichischen Arbeitern zu. Durch die großen Zuschauerzahlcn erhielt der Start der Wiener, der zu Reden politischer Führer Gelegenheit gab, besondere Bedeutung. Die bürgerliche Presse nahm wiederholt mit Worten der Anerkennung von dem Auftreten der Ocsterrcichcr Kenntnis. Die guten Auswirkungen dieser gelungenen Propagändarcise werden noch lange anhalten. Die Wiener Arbeiterschwimmer haben als Sportler und Sozialisten gute Arbeit für die Internationale geleistet. Anton Schneider(Wien). * Die Reis« wird- im nächsten Jahr wiederholt werden, nur wird in sie auch noch England einbezogen werden. Eine neue leichtathletische AtuS-Bestle'stung er erzielte am Sonntag beim Leichtathletikwetttamps Graphische Jugend Wien—Atus Preßburg, den dir Wiener bekannrlich mit 53.5: 38.5 Punkten gewannen, di« Ains-Schwedenstaffel mit 2:81:3 Min.— Die einzelnen Ergebnisse dieses Wettkampfe» waren: 100 Meter: 1. Karancha(Wen) 11.9, 2. Münch(W.) 12, 3. Schneeweiß(Atus) 12.2 Sek. 400 Meter: 1. Hüliber(W.) 56.5, 2. Benko(Atus) 58.3 Sek. 1500 Meter: 1. Löschnig(W.) 4:33.4, 2. Ecker(W.) 4:36. 3. Pretz(AtuS) 4:45.4 Min. Kugelstoßen: 1. Birke(W.) 10.60, 2. Schncotveiß(Atus) 9.93 Dieter. Diskuswerfen: 1. Schncotveiß 30.34, 2. Schwan ;cr(Atus) 26.05, 8. Löschnig 25.34 Dieter. Dpeer- wevfen: 1. Konrad(W.) 89.61, 2. Schneeweiß 39.02 Meter. Hochsprnng: 1. Witz(W.) 1.51, 2. und 3. Karancha und Platenik(Atu») 1.50 Meter. Weit» spvung: 1. Hütbcr 5.92, 2. Witz 5.24, 3. Schneeweiß 5.16 Meter. 4X100 Dieter: 1. Wien 47, 2. AtnS 49.1 Sük. SchwedenstaffÄ: 1. Wien 2:12.3, 2. Atus 2:21.3 Min.(neue Bestleistung). Der Stafettenlauf„Quer durch Zürich" war «ine wivktingSvolle Propaganda für den schlwcizeri- schen Aribeitevsport. Der Lauf ging über 2800 Meter, wobei 100 Meter Wasscvstrcck« durchschwommen wer» den mußten. Es siegt« die Mannschaft von Bern- Nord In ö: 43.1 Min. vor Avbeiter-Schwimmklulb Zürich in 9:48 Min., Wiedikon I in 9:59 Min. und Schaffhausen in 10:04.1 Min. Ein internationales leichtathletisches Abendmet- ting fand am Montag in Wien unter der Teilnahm« der Sportler des MTE. Buda Post statt Es wurden folgende Ergebnisse erzielt: 100 Meter: Jenkner und Bauer(drei Meter Vorgabe) 11.5, Ze- hetner 11.6, NyergeS(Budapest) 11.8 Sek.; 400 M«. ter: Egry(Budapest) 53.4, Spiolvogel 53.5 Sck: 1000 Meter: Aradi(Budapest) 2:45, Weigel 2: t6 Nemeth(Budapest) 2:49 Min.; Weilsprung: Soli (Budapest) 6.81, Schmidt und Zehetner 4.54 Meter; Diskus: Eousal 38.05, Salaquarda 36.03, Schmid! 34.04, Nemeth 32.75 Meter; Olympische Staffel: Rndolfrhcim-Meidling 8:50, MTE. 3:55.6 Mi» Sportlerinnen: 100 Meter: Reumann 13.2 Sek.: Kugel: Tichy 9.79 Meter; Writfprnny: Renman» 4.91 Meter. Vereinsnadiriditen Ä Ortsgruppe Prag. Sonntag, den \ 17. September: Wanderung in dal Kocüba-Tal. Zusammentreffen Smicha- VafejgggP wer Bahnhof, um 8A Uhr. Legitima- tionen Mitnahmen. Führer Platz. Singgemeinde. Wir bereiten eine Herbstdcran- staltung vor und bitten nm regelmäßigen Probenbesuch. Wir brauchen dringend ausübende Mitglieder und ersuchen alle sangesfreudigen Genossen, bei- zukretcn und am Freitag zur Probe zu kommen. Der Maihlofe. „Die Häuser Schluchten, die man Straßen nennt, glüh'» aus de» Fenstern Licht und Wärme, Heim genannt... Sch bin den Tag von Abfallkorb zu Abfallkorb gerannt... Ob eitler der„Polypen' meine Wech-el Wohnung kennt? So mancher von so fnßlackierten Affen bewundert meine« linken großen Zeh'.. Ein Wciblein f.rug: Tun Ihnen nicht die Füße weh?... Nm Blick der andern standen Paragraphen.. Wenn ich mich bücke—(„Tschicken" sind ganz sein in - alter Zeitung!) schau' ich hinten'raus: das Hemd fehlt— und di« Hose macht sich nichts daraus... NnS Wirtshaus geh' ich zu der Bahnhofswasser- leitung... Die letzte Laus entfloh.(Sie war bezahlt mit einer grobbarmherglgcn Afyl-Amveisung!) Sie muß zum Zahnarzt, weil sie mich gemitlag- mahlt... Mein Leib-Floh starb entkräkiet... Mer schreibt ihm den Nachruf in der Zeitung?! Und,— Mutter Grün ward herbstlich leberkrank— mein Allah:'» ist'ne vielgebrauchte Frau!... Poetisch, aber kalt-naß fällt der Tau.., AuS dem Kanal-Salon stinkt, über.iülli. der kulturelle Tank. 'S ist alles überfüllt... Vor allem sind's die Magen der Uebcrfreß'nen, die von M'llionen aus träger Gier die Lebensporiionen mitfraßen und nun schwer an ihrem Fett« tragen... Und unter so viel Fenstern, di« im Licht der Abercktlanipen ruh'n— keines für m'ch! Auch nicht ein Plätzchen vor dem Regen, Schnee,— auch>n der Kellerecke nicht! (Man könnt« Kohlen fressen! Nichts für mild»nd dich!) So viele Belten, die mich n'einals ivärinen werden— So viele Weiber, die vor meinem Blick die Schullern sehr bedauernd heben... So viel«, di« dein e'qnen Mitempfinden eben nicht eine K spendieren.. Es wird kalt auf Erden!... Uns gröhlen immer neue Führer an und preisen neue Wege, die bestimmt erlö'cn... Nch pfeif' auf sie im Guien und im Bösen und gehe an den ranzigen Speck nicht'ran... (Ich weiß den Weg... Wir wissen unsre Straßen.-- Tic Pfeile zeigen deutlich, aber, e-nzcln geht sich's weder schnell noch gut... 2a, wenn Millionen stanrpslen durch die Menschhel is-Gassen, dann schienen allen unsrer neuen Heime Lichter, aber, rot w'e Blut...* K. B- e i s u« o« b e t: eietfttet Saab.— Kbiftcbalteat: ffillbtlm A i c k■< t.—«eramworilicher Redakteur: Dr. CmK S«r, uh, Pia,.— Druck:..Raia' lür Zeltuna. und Buchdruck, Prag.— Für de, Druck deranNvorilich: Ona Set», (rog,— Die Zeiiungbmarlenlrantatur wurde vou der Patz» u. relegravhendirelilou mtl lkrloß Nr. 18.800ZVII/1930 bewillig:.— Be«u,«drd>ngungen: Bel Zustellung In» Hau« oder bet Bezug durch dl« Pol! manattlch Kt IS.—, bterteltädnick W ö.—, gaidiagr^ Kö lsti.-, gauZahrtg tU 1«.’,—,— Zn,«rar«»erden laut latif billigst berechne:. Sei Stiere» llintchaliungen preisnachlug,— Rückstellung US» wauufkripteu erfolgt Hut bet llwleuduug der Itttsurwarkeu,