Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. 9t taiuea■. DtrWoUaaai vra, o, orei>i»u»ia»»» rel«»d.,«10». i»«s.«oenevov.«a»«l ujt) i*mm ♦ PoniQrtamt i mm« fit 1. J)® 1»ioJra' alr '"‘“«aie Nvzelpreis 78 Heller. ttktnfchlitßllch 6 Heller Porto) w 1Z. Jahrgang. Samstag. 16. September 1933 Nr 217. Dollfuß’ Diktaturgelüste bringen Oesterreich um alle Sympathien Absage an den Fascismus seitens des österreichischen Landbundes Läon Blum befaßt sich im Leitartikel des sozialistischen„P o p u l a i r e" mit der österrei- chischen Frage. Er befürchtet, daß die neue Poti- tik Tollfuß zu Wirren und Unrnhrn nicht bloß in Oesterreich allein, sondern auch in Mitteleuropa führen werde: „Mussolini nähert da« fasristert« Oester« reich Ungarn, sei cs unter der Habsburger« krön« oder ohne sie, und wird sie später dem. hitleristrrten Deutschland nähern. Cs wird auf dies« Weise neuerding« der Vorkrieg«, d r e i b n n d erstehen, dessen Herr Mussolini und dessen Schiddrichter Berlin sein wird." Laon Blum macht einigen französischcu radikalen Plättern den Vorwurf, daß sic sich diese« Standes der Dinge nicht bewußt sind und die neue Politik Dollfuß günstig aufgcnoimnen haben. ab, daß man diese« Land, da« der Welt in sei« ner tausendjährigen Geschichte so groß« und tragende Ideen gegeben hat, ganz einfach an den Fascismn« anschließt, gleichgültig, ob e« nun der südlich« FaseiSmntz oder seinen Ableger im Norden ist. Vir wollen unser Hau« nach eigenem Ermessen bauen und werden nn» mit aller Entschiedenheit jenen Bestrebungen widersetzen, die an Stelle einer e v o l u» t i o n ä r e n Entwicklung die r e v o l u t i o. n 8 r e Tat im Befolg« hat. antwortlichkeit gewisser Elemente in Boyern, einschließlich der sogenannten österreichi- schen Legion wissen, die durch eine häufige Radiopropagauda unterstützt tverüen, können wir nicht leugnen, daß rin« solch« Entwicklung unglücklicher Weise möglich wäre. Ich kann aber sagen, daß wir alle Vorbereitungen gr- trossen haben, um gewappnet zu sein. Auf die Frage, ob Oesterreich auf Hilfe speziell von italienischer Seite rech, net, erklärte der Bundeskanzler, daraufhin könne er lediglich) antworten, daß Italien al« Nachbar- staat Oesterreich« ein starke« Interesse an der territorialen Unversehrtheit Oesterreichs habe, und die Voraussagen wage», daß sich Deutschland in einem solch)en Faste vollkommen allein befinden würde. Ungarn gegen jede Wtrtsdiaitsunlon Nur Ittr zweiseitige Abkommen von Staat zu Staat Pari«, 15. September. Au« der ungarischen Umgebung de« Ministers Konya wird darauf verwiesen, daß der Minister auf seiner Reise von keinem Fachmann begleitet ist und daß seine Pariser Unterredungen einen begrenzten Cha- raker haben werden. Es wird sich dabei ausschließlich um wirtschaftliche Frage n handeln, die hauptsächlich Ungarn betreffen. In dieser Hinsicht denke Ungarn nicht an«in breitere« System, al« an zweiseitige« Abkommen von Staat zu Staat. E« sei natürlich, daß die Unterredungen auch di« Handelsbeziehungen Frankreichs mit Ungarn und namentlich die Einfuhr ungarischen Weizen« nach Frankreich betreffen werden. Minister Kanya wird morgen SamSiag vormittag ein« Unterredung mit Paul Boncour haben und am Nachmittag vom Ministerpräsidenten Daladier empfangen werden. Dlpiamalisdier SM PranMhs wegen der Kehler Kokenkreuzlahne Paris, 15. September. Trotz strengster Zurückhaltung an den amtlichen Stellen wirb bestätigt, baß der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, gestern bet dem deutschen Außenminister Freiherrn von Neurath Vorstellungen der französische« Negierung darüber erhoben hat, daß einer SA-Abteilüng in Kehl eine Fahne übergeben wurde, die die Aufschrift„Straßburg" führt. Betannllch wurde in.stehl, da« nur. durch den Rhein von Straßbnrg getrennt ist, eine SA- Abtcilnng gesclxifsen, welche als ihren Sitz Straßburg bezeichnete. Der französische Botschafter protestierte ferner dagegen, daß während der sonntägigen Schulfeier in Berlin eine Delegation von Saarbürgern als Gefangene inmitten von bewaffneten fran- jösischcn Soldaten in Uniform dargcstellt wurde. Die deutsche Regierung sost, wie der Berliner Berichterstatter des Journal" nieldet, dem französischen Botschafter die Versicherung gegeben haben, daß derartige Szenen, wie die letztgenannten, sich nicht mehr wiederholen werden. Bezüglich der Sturmabteilung mit dem Namen„Straß» bürg" ist nicht bekannt, welche Erklärung die deutsche Regierung dem französischen Botschafter gegeben habe. Ministerpräsident Daladier und Außenminister Paul Voneour sind gegenwärtig mit dem Studium de« Berichtes des Botschafters Franco,- Poncet sowie der neuen Instruktionen beschäftigt, die Poncet werden erteilt werden. In einem heut« Abend auSgegebenen amtlichen Bericht des Außenministeriums heißt rS, baß der französische Botschaster in Berlin Fran, cois Poncet, bei der deutschen Regierung da. gegen protestiert hat, daß ein Bataillon der natio. »alsozialistischen SA-Grupp« in Kehl den Namen „Straßburg'' trägt. Der Meinungsaustausch hatte ein befriedigendes Ergebnis, so daß zu hoffen ist, daß der Vorfall als erledigt wird angesehen werden können. Noch immer„Korruption" Köln a. Rh., 15 September. Der früher« Intendant des Westdeutschen Rundfunk« Ernst Hardt und der frühere kaufmännische Direktor des WestfunkS Kort« sind auf Grund einer richterlichen Haftbefehls wegen angeblicher„Mißwirtschaft" beim Westdentschen Rundfunk heute verhaftet worden. Ein weiteres Opler des Nail* regimes Berlin, 15. September. Im Sanatorium Daldsrieden-Zehlendorf erschoß sich, dem„Acht- uhrabendblatt" zufolge, gestern nachmittags der krüheve Divektör der Berliner Funkstunde Friedrich Georg Knöpke.' Er war gemeinsam mit anderen Leitern des Rundfunks vor etwa sechs Wochen verhaftet worden Er und feine Kollegen wurden beschuldigt, mit den Geldern des Berliner Rundfunks zum Schaden- der Allgemeinheit gc- wirtjchaftet zu haben. Pari«, 15. September. HavoS bestätigt au« Genf die Gerüchte, daß sich Oesterreich um die Vertretung im VölkerbnndSrate als nichtständiges Mitglied für die nächsten drei Jahre bewerben wolle. In dem Bericht heißt es: Vom politischen Gesichtspunkt aus bemerken die Gegner der Kandidatur Oesterreichs, daß die Wahl Oesterreichs für di« nächsten drei Jahre als nichtständige« Ratsmitglied unter den gegenwärtigen Umstanden«in große« Risiko bedeuten würde. Außerdem zögern zahlreich« Staaten, die bisher ein demokratisches Regim haben, aus Grund der letzten Kundgebung de« Bundeskanzler« Dollfuß, in der er ein neue« diktatorische« Regim in Oesterreich ankündigte, ihr« Stimm« für Oesterreich zu geben. Wie», 15. September. Der heute erschei- »ende„StandeSbündler" bringt einen Leitartikel von Vizekanzler Fanz Winkler anläßlich der am nächsten Sonntag in Graz stattsindendcn Kundgebung der Natwnalständischen Front. Vizekanzler Winkler fordert in diesem Artikel, daß Oesterreich nach eigenen Gedanken neue und bessere Grundlagen seiner staatlichen Organisation finden müsse, und erklärte schließlich: Wir wollen ein neue« Oesterreich, da« au« sich selbst herau«wächst und wir lehnrn eS Einlall über die bayrisdie Grenze? DolliuO sdilleot diese Nöglldihelt nicht ans! Wien, 15. September. Der Chefredakteur der „New Aork Times" Frcderik B i r ch a l l wurde während seines gestrigen Aufenthalte« in Wien vom Bundeskanzler Dr. Dollfuß empfangen. Chefredakteur Bircholl stellte an den Buudeskanz. ler die Frage, ob er an die Möglichkeit eines Einsalles über die bayrische Grenze glaube. Dollfuß antwortet«: Ich hoffe und ich bin davon überzeugt, daß das offizielle Deutschland eine Aktion die- ser Art nicht unternehmen würde. Aber nach dem, wa« wir über die Tollheit und llnver- Elnc Milliarde Dollar für Kredite zur Unterstützung des Roosevelt-Plane«. Dashingwn. 15. September.(Reuter.) Wie der Vorsitzende der Korporation für die ftnan- ziellc Rekonstruktion, Jesie Jones, mitteilte, wird die Korporation an die. Banken Geld auf die Dauer bis zu sechs Monaten zu einem Jahres- Zinssatz von 3 Prozent verleihen. Die Banken gewähren dann weitere Anleihen an Industrie-, Handels- und landwirtschaftliche Unternehmungen, um auf diese Weise dos Programm der wirtschaftlichen Wiederbelebung zu unterstützen. Die Korporation ist nicht berechtigt, Anleihen direkt zu gewähren. Für diese angefiihrten Zwecke hat die Korporation für die finanzielle Rekonstruktion zirka eine halbe(nach späteren Meldungen sogar eine) Milliarde Dollar zur Verfügung. Die Philippinen solle» über ihr« Unabhängigkeit selbst entscheiden. Manila(Philippinen), 15. September.(Reuter.) Die Repräsentantenkammer der Philippinen- Inseln hat mit 48 gegen 10 Stimmen den Gesetzentwurf angenommen, durch den fcstgelrgt wird, daß am 30. Oktober ein Plebiszit durchgeführt werden soll, durch welches die Bevölkerung der Inseln selbst di« Entscheidung treffen möge, ob die Philippinen den Antrag auf Erlangung der Unabhängigkeit im Lauf« von zehn Jahren annehmeu sollen, der ihnen durch den Kongreß der Vereinigten Staaten gemacht worden ist, Der Gefetzentwurs wurde dem Senat übersandt. Torglers eioilo-Verteidiger Zuhörer heim Londoner Prozeß London, 15. September. Der deutsche nationalsozialistische Advokat Dr. Sack, welcher von seiner Regierung damit betraut wurde, den kommunistischen Abgeordneten Torgler bei dem Leipziger Pro/-ß ex offo zu verteidigen, ist gestern abend hier eingetroffen und wird heute privat an der Sitzung der internationalen Untersuchungskommission teilnehmen. Mrd ein Gaskrieg vorbereitet? Esten, 15. September. Innerhalb zweier Monat« sind 6600 Neueinstellung in der chemischen Industrie erfolgt. Popen nadi Budapest unterwegs Durchreise durch Prag. Prag, 15. September. Der deutsche Vizekanzler Franz von Papen hat heute auf der Reise nach Budapest unr 20.06 Uhr Prag postiert. Dierre Col in PlosKan gelandet Moskau, 15. September(Taß.) Der sranzö- sische Luftfahrtminister Pierre Cot ist mit seinen Begleitern um 16.30 Uhr auf dem Moskauer Flugfeld gelandet, wo er vom VolkSkom- mistär für Auswärtiges Litwinow, dem Kommandanten des Moskauer GarnifonskveiseS Kork, von Vertretern der Militär-»nd Zivilluft- schisfahrt, vom franzöfischen Borfchafter n. a. begrüßt wurde. Einheitsfront!- Wozu! Es ist lange her, feildem die bürgerlichen Parteien auf eine Betonung ihrer Parteigrundsätze Wert gelegt haben. Heute ist der GleichschaltuugSprozeß bei ihueit soweit vorgeschritten, daß die einen von den anderen kaum mehr zu unterscheiden sind. Fascistisck)« Neigungen und Gedankengänge sind bei allen von ihnen mehr oder minder Trumpf. Seit- den» sie au« den Vorgängen in Deutschland die Hoffnung auf die Nicdcrlverfung oder doch Einflußlosmachnng der sozialistischen Arbeiterklasse geschöpft haben nnd insbesondere seitdem ihnen die Erkenntnis geworden, daß der „deutsche Sozialismus" Hitlers etwas ist, was sich mit den Gcidsack- und Audbeuterintcr« essen der Kapitalistenklajje ausgezeichnet verträgt, haben sie fast alles verbrannt, was sie einmal verehrt haben nnd inbrünstig sehnen sie ein System der Gewalt und Unterdrückung herl»ei, das die Bcsihklasse zur alleinigen Trägerin der staatlichen Macht erhebt. Neber den Weg zu diesem Ziele zerbrechen sich die Führer etlicher der deutschbürgerlichen Parteien seit einiger Zeit die Köpfe und sie glauben ihn in einer Niederreißung der sie trennenden Wände gesunden zu haben. Je nach dem Maße, als die einzelnen Parteien über Anhängerschaft verfügen, sind sie für radikalere oder gemäßigtere Hinwegräumung dcü„Parleienschuttcü", für eilten innigeren oder loseren Perschmelzungsprozeß. Neben den deutschen Nationalsozialisten, die aus der Bedrängnis heraus/in die einige ihrer Abgeordneten geraten sind, begreiflichcr- lvcis« ihre Sache gerne zu einer Sache des gesamten bürgerlichen Sudetcndentschtums machen möchten, betätigen sich am eifervollsten die deutschen Nationalpartciler als Befürworter der Einigung und des Zusammen- schlusse« der dciitschbürgcrlicl-en Parteien und zuletzt am Mittwoch dieser Woche hat eine Sitzung ihres Parteivorstaudes und ihres parlamentarisckien Klubs„festgestelll", daß grade die Deutsche Naiionalparlri diesen Gedanken stet«„bis zur Selbstcntäußerung" vertreten habe. Diese Selbstentäußcrung kennt in der Tat keine Grenzen mehr. Die Deutsche Nationalpartei erklärt sich mit Freuden bereit, sich zum Zwecke der Bildung einer„völkischen Front des Siidctendculschtums" a u f z» l ö- sen und sie erwartet, daß die anderen Parteien das gleiche tun werden. Diese„Selbstcntäußerung", die wie ein Opfer aussiehi, dargcbracht auf dem Altäre des Deutschtums, ist in Wirklichkeit nur ein übler Trick. Die Deutsckie Nationalpartei braucht sich nicht erst aufzulösen, sie ist eü längst und stellt lediglich eine Armee von ein paar Offizieren ohne Soldaten dar. Es ist ihr durch die glorreiche Politik ihrer Schollichs und Kallinas gelungen, ihre Anhängerschaft fast restlos in die Reihen de« Nationalsozia- lismus hineinzulotsen und nun kommt eü ni«r darauf au, für die paar übrig gebliebenen Partcioffizicrc Unterschlupf und wenn möglich einige Mandate zu finden. Der deutschnational« Heroismus ist also fast ebenso groß, wie jener unserer Nazisührer, die ehedem ihre Partei nicht genug scharf von allen anderen abzusondern vermochten, doch jetzt von deutscher Einigkeit schwärmen, weil sie diese anläßlich des gegen die schwebenden Gerichtsverfahren« gut brauchen könmen. Allerdings haben es die Nazis mit der Auflösung ihrer Partei zugunsten der völkischen Einheitsfront nicht so eilig wie der Herr deutschnationale Abgeordnete Dr. Scholli ch, der für„Zerschlagung aller P a r- t e i e n u n d N e u a u f b a u e i n e r B v l ks- front auf,den Trümmern der vielen P a r t e j a p p a r a t e" sich ausgesprochen hat, eine Zumutung, die ebenso von Herrn Jung wie von den deutschen Christlichsozialen scharfe Ablehnung erfahren hat. Die- Christ- lichsozialeu mochten an der völkischen Einheits- cutt s SamStag, 18. September 1988 Nr. 217 front mitnaschen und bei dieser Gelegenheit ihre tiefe Sehnsucht nach einem Mmister- porteseuille stillen, aber ihre Par'ciorganisa- tion zu opfern, fällt ihnen nicht ein. Darum will Jung, der schon daran ist, das Rezept für die Sudetendeutsche Volksfront auSzu- arbeiten, keinerlei„getvalttätige Eingriffe" vorgenommcn wissen und er versichert, die kleineren Parteien brauchten nicht zu befürchten, „von den größeren einfach aufgefressen zu werden". Jedenfalls ist die Diskussion über die organisatorische Gleichschaltung der bürgerlichen Parteien bei unS in vollem Gonge, nachdem die ideelle schon früher vollzogen wurde. Der wahre Zweck, der nach längst bekanntem Muster mit dem Mantel der Verteidigung der„nationalen Interessen" zuzudecken versucht wird, ist kein anderer, als die Bildung einer a n t i m a r x i st i s ch e n Einheitsfront, von der ihre Anreger und Befürworter annehmen, daß ihr Bestand gewissen tschechisch-bürgerlichen Parteien Verlockung genug sein wird, die bestehend« Regierungskoalition zu zerschlagen und mit dem deutschen Antimarxistenblock eine neue Verbindung einzugchcn. Daß solche Bestrebungen vorhanden sind, hat schon die Rede des Dr. Rosche vor einigen Monaten bewiesen, der sich, die oppositionellen deutschen Parteien und darunter seine Schoßkinder, die Nazis, dem tschechischen Bürgertum für eine sozialistenreine Bürgerblockregierung freundlichst offerierte. Neuestens rät die ehedem demokratisch gewesene„Rcichenberger Zeitung" den„intelligenten tschechischen Kreisen", sie möchten sich doch sagen, daß eS angezeigt wäre, die„BrestöndigungSpolitiker" zu unterstützen und das Blatt meint, wenn erst Christlichsoziale, Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, Gewerbepartei und„später auch der Bund der Landwirte in einer Gemeinschaft mit der Nationalpartei und den Nationalsozialisten" sein werden, sich dann leicht«ine BerständigungSformel finden ließe, „welche die langsam gefährlich zu werden drohende Spannung der Innenpolitik löst". DaS tschechische Bürgertum braucht darnach nur zu wollen, die Sudetendeutsche Volksfront wird jederzeit bereit sein, ihnen bei der Lösung der„gefährlichen inneren Spannungen" zu helfen, sich um den Preis des HinauSleh- nenS der sozialistischen Parteien aus der Regierung, staatretterisch zu betätigen. Die Tendenzen, deren Geburtshelfer die der Gleichschaltung zustrebenden deutschbürgerlichen Parteien sein möchten, können nicht überraschen, es verblüfft auch nicht, daß die rechten Flügel gewisser tschechischer Parteien ihnen offenkundig Vorschub leisten. Beiderseits hat der Haß gegen die Arbeiterklasse als selbständiger und selbstbewußter Faktor im politischen Leben alle Regungen von Gesinnung, Gewissen und Gerechtigkeitsgefühl ebenso erstickt, wie jede Spur demokratischen Empfindens. Die Wirtschaftskrise hat den Kapitalismus in seinen Grundfesten erschüttert, nun soll ihn der FascismuS retten. In irgend einer Form. Da weder das italienische noch das deutsche Vorbild ohnctveiters nachzuahmen ist, suchen die Deutschbürgerlichen nach einer anderen Form, als deren Vorbereitung sie eben die sogenannte Sudetendeutsch- Volksfront ansehen. Die heuchlerischen Phrasen, mit denen sie ihre organisatorischen Ausschluß der Oeffentlichkeit Prag, 15. September. Nach der' gestrigen DerhandlungSSpause wurde heute die am Mttt- woch vertagte Verhandlung gegen Wilhelm Roh- nert wieder Mfgenömmen. Es wurde die Erörterung der Beweisstücke fortgesetzt, di« sich in gleicher Weise vollzog wi« am letzten Verhandlungstäg. Der Angeklagte bemühte sich darzntun, daß der Zweck seiner Reise keineswegs staatsfeindliche Ziele verfolge, sondern rein„geographischen nnd historischen Stu- o i e n" gewidmet gewesen sei. Die Verteidigung beantragte die Hörung von S a ch v e r st a n- big en auS den einschlägigen Fächern über di«.Harmlosigkeit des Hitstrjungen. Ferner wurde vom Verteidiger beantragt, im Wege des tschechoslowakischen Konsulats Informationen darüber einzuholen, daß di« Organisationen, denen Rohnert angchörtc, absolut unpolitischen und Hann- losen Charakters seien. ES ist srrllich eil« gerade, zu humoristisch anmntende Forderung, sich bei den Behörden des Dritten Reiches nach der politischen Verfänglichkeit einer, sei eS original haben- krenzstrischen oder zumindest mit Wonne gleich- gesclwlteten Organisation im„Dritten Reich" erkundigen zu wollen. Der Gerichtshof lehnte all« dies« Antrag« ab, worauf die militärischen Sachverständigen daS Wort erhielten. Bei Erstattung dieses Gutachtens wurde Prag, 16. Scpteniber. Der„Slowük", das Organ des Herrn Hlinka, der sich vor kurzem bei den Pribina-Festrn in Nitra Wieder neu«„Lorbeeren" geholt hat, veröffentlicht« in seiner gestrigen Ausgabe auf der ersten Seit« ein Schreiben des Apostolischen Nuntius Ciriacci an Hlinka, daS in der tschechischen Presse allgemein als unzulässige Einmischung in innerstaatliche Verhältnisse angesehen und dementsprechend verurteilt wird. Tas Schreiben deS Herrn Nuntius, der sich schon einigemal, zuletzt bei der Absägung des beliebten Prger Erzbischofs Dr. KordaS, in der Oeffentlichkeit unliebsam exponiert hat, hat folgenden Wortlaut: Während mau i« Prag den Hl. Vater entweder unmittelbar oder ober in der Person seine» Vertreter» in einer derartigen Weife beleidigt, daß nicht einnuck die Vorschriften der internationalen Höflichkeit, di« für alle zivilisierten Völker gelten, beachtet werden, habt Ihr Slowaken gegenüber einer solchen Autorität dl« notwendige Achtung bewiesen. Ich beeil« mich Dir und de« Dein«« de« Dank dafür au»zusprech«n, daß Ihr d«m apostolisch«» Nuntius, der au» Gehorsam gegn den Hl. Vater gezwungen ist, in Prag zu leb«», in seinem bitter«« Leid au» der Slowakei ei« wenig Trost g«spr«d«t habet. Dies« Euer« Liebe werd« ich niemals vergessen. Da» edle slowakisch« Volk wird m«i»«m Herzen stet» nahebleiben. Ich Gleichschaltun^Sbestrebungen zum Zwecke der Etablierung eines gegen die Arbeiterschaft gerichteten reaktionären Regimes zu verhüllen sich bemüben, sind ju durchsichtig, als daß durch sitz jemand getauscht werden könnte. UrtöiLJjegte vormittags die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, so daß über diesen Punkt nickt berichtet werden kann Dann folgten die Plädoyers. Staatsanwalt Dr. Zitek begründete die Anklage unter Berufung auf das Gutachten des militärischen Sachverständigen und deS sonstigen BeweiSmastrialS und erklärte, daß di« Tätigkeit des Angeklagten ztveistllos als Spionage anzusehen sei. Der Verteidiger Dr. Lerch bemühte sich, di« Tätigkeit RohnertS als durchaus harmlos und reinem Studienintcrcfle entsprungen darzustellen Hier wäre ein pikantes Detail festzuhalten: Der Verteidiger ist Konzipient de» Anwalts Dr. Otto Stein, der heute die„Ehre" hat, die deutsch« Gesandtschaft zu vertreten, obwohl er vor nicht allzulanger Zeit als kommunistischer Parteigänger angesehen wurde. Nach den Plädoyers zog sich der Gerichtshof zur Beratung zurück, um schließlich zu verkünden, daß dos Urteil morgen um halb 11 Uhr verkündet werden wird. Nebenbei sei noch be- merft, daß ein Kassiber de» Angeklagten an sein« Freunde im Dritten Reich aufgefangen wurde, in welchein er beweglich Klage über sein Schicksal fiihrt. freue mich sehr, daß ich den Hl. Vater bei Euch Slowaken repräsentieren kann. Au» ganzem Herzen sag« ich Dir und sprech« ich Dir m«ine größt« Achtung au»." Die Vorgeschichte ist kurz die: Nach den Pribina-Feiern, die Hlnika zu einer beispiellosen Gegendemonstration gegen die Regierung mißbrauchte. ha'te man im tschechischen KoaliftonS- lager allgemein erwartet, daß die Kirch« eingreifen und Herrn Hlinka wögen diese» offenkundigen Mißbrauche» einer kirchlichen Feier zu politischen Zwecken entsprechend rügen werde. Al» aber nicht» dergleichen'geschah, machte sich die Unmut darüber namentlich im„Benkov" in einigen Artikeln gegen den Nuntiu» Lust. Darüber war der Herr Nuntiu» arg verstimmt. Hlinka sandte ihm mm von einer Tagung der slowakischen Volks. Partei, die Montag in Preßburg stottfand, eine devote Bogrüßunasadress«, in der der Entrüstung über diese angeblich unqualifimbaren Pressean- griffe Ausdruck gegeben und der Nuntru» der vollsten Sympathien und d«r unerschütterlichen Ergebenheit deS katholischen slowakischen Volkes in« der Hlinka-Partei versichert wurde. Daraufhin hat nun Ciriacci den oben abge- druckten Brief loSgelasscn und in einem Postskriptum noch ausdrücklich dessen Veröffentlichung fveigegeben. Die darin enthaltenen Ausfälle gegen Prag, also gegen das ungläubige tschechische Volk, ivenn nicht gegen die Regirrung selbst, die Bemerkung, daß er förmlich mir g e z w u n g e n in der Prager Atmosphäre auSharr«, und die bewußte Ansspie« lnug des ,/edlen slowakischen Volkes" gegen datschechisch« hat in der ischechischen Press«, soweit sie in ihren Mittagsblättern schon dazu Stellung nehmen konnte, mit Recht scharst Entrüstung a«S. gelöst. Einzelne Blätter bezweifeln in ihren kur. zen Kommentaren noch die Richtigkeit des Briefe», der zuerst nur durch den Abdruck in den gestrigen L„id. Nov," bekannt geworden war. Die ,Iid. Nov." selbst bezeichnen ihn als absolut unzulässig« Kundgebung der groben Geringschätzung gegen Prag und vielleicht auch gegen die Negierung. Eine solche Einmischung in innerpolitische Fragen fei u n- zulässig und taktlos. DaS Blatt hofft, daß die Regierung solidarisch die notwendigen Maßnahmen treffen werde. Der nationalsozialistische„Telegraf" schreibt, wenn der Text richtig sei(waS inzwischen außer Zweifel steht), daun sti sicher eine außerordentlich ernste Sache geschehen, mit der sich di« Regierung werde befassen müssen. Auch daS Abendblatt der„Nür. Lisch" verlangt, daß sich die Regierung mit dem Fall beschäftigt und daraus die notwendigen Konsequenzen zieht. Das Tschechoslowakische Preßbüro im Dienste Goerings Da» Tschechoflowakische Pressebüro hat amt- lichen Charakter. Man sollte annehmen, daß e» fein« Aufgabe gerade in der gegenwärtigen Zeit darin erblickt, der Demokratie zu dienen. Statt dessen dient es dem FastiSmu». Am Mittwoch hat e» die GoebbelS-Rede über da» Eintopfgericht und den Schmu», der ihr Hitler angehängt hatte, wörtlich gebracht; am Donnerstag berichtete«S über eine Goebbels-Rede auf sechs©eiten und am Freitag schilderte eS die Eröffnung de» Preußischen EtaatSrat» in den schönsten GleichschaltungSfarben und brachte die Rede deS Bluthunde» Goering wörtlich. Nicht wenige, al» zwölf Oktovseiten hat«S mit den Meldungen über den Goeringsckwindel beschrieben. Diese» Verhalten deS Tschechoslowakischen Pressebüros ist ein Skandal ersten Ranges. Die Nazipropaganda im Rundfunk wurde von der Regierung mit Recht unterbunden, die Haßredcn der Hunnenführer dürfen bei un» nicht öftcntlich übertragen werden. Hingegen verbreitet sie da» Tschechoflowakische Pressebüro in der gewissenhaftesten Weis«, dadurch die Abwehrmaßnahmen gegen den FastiSmu» verhöhnend. Hat das Presse, büro das Bedürfnis, sich den Beifall der Goering. nnd Hitler zu verdienen? Ist ihm dieser Beifall wichtiger-al- der der Nichtfascisten? Dagegen muß die Berichterstattultg de» Pressebüros über... di«.Londoyer^ Tagung der Kommission., zur. Untersuchung.de» Reick^tagS- braiidcs wieder,wegen ihrer lakonischen Kürze als geradezu skandalös bezeichnet weiden. Ain selben Tag, da Herrn Goering» Geschwestl auf zwölf Seiten verzapft wurde, hat da» Pressebüro über die Eröffnung der Tagung der Londoner UnterfuchungSkommission nicht eine e i.n z i g e Zeile gebracht! Da hört sich wirklich schon jede Gemütlichkeit auf! Möbrl'ch' chlesifcher LandesauMuß Brünn, 15. September. Der mährisch-schlesische LandeSauSschuß genehmigt« in seiner heutigen Sitzung die JahreSrechnungen mehrerer Bezirke und Gemeinden,, sowie mehrerer Anleihen. Einigen wasserwirtschaftlichen Genossenschaften wurde ein Vorschuß auf den LandeSbci- trag bewilligt. Der LandeSauSschuß erledigte außerdem eine Reihe laufender Angelegenheiten. vor Spionageprozeß Rohnert Herr Ciriacci provoziert... nissige Ausiaiie gegen Prag In einem Brlel an nitnKa und der Komet Ein abenteuerliches, modernes Matchen von Kurt Doberer In jenem Jahrhundert ging die Achst der Welt durch den australischen Konftnent. DaS stand in allen offiziellen Geschichtsbüchern. Wer ein Mißtrauen gegen offiziell« Geschichtsbücher hegt«, der konnte hingchen und sich dies« Achse anstyeu. Sie war auS Stahl, Beton und GlaS und ragt« achthundert Meter au» dem Bauch der Erd«. Di« Achst war hohl wi« viel« Dinge in jenem Jahrhundert. In ihren zehn oberen Stockwerken saßen Männer mit kahlen Schädeln und großen Brillen. Sie saßen hinter breiten Schreibtischen auS Eichenholz. Stahlmöbel hatten sich in diesen Zimmern nicht einsühren lassen. Warum, daS wußte man nicht genau. Aber vielleicht hätten di« klugen Männer hinter Stahlmöbeln nicht so klug auSgesehen.— Da» mußte auch richtig lein, denn di« kleinen Angestellten in den einhundertnennzig unteren Stockwerken sahen nicht so intelligent«u». Wenn am Abend um zwanzig Uhr ihre Hände von den Büromalchinen sanken, dann waren ihre Mienen abgespannt und einfältig. Diel« jungen Männer waren meist niager und hatten gleich« Anzüge. Auch die jungen Frauen hatten sich schlank gegessen. Aber sie waren bunter gekleidet. Gute Farben waren in jener Zeit billig. Genau so billig wi« Schmink« und Lippenrot. Diese Stenotypistinnen und ihre Männer, sie redeten gern« vom Film und vom Boxen. Ihr« Wocheneudideal« waren ein Kleinauto und «in guter Platz im Stadion. Von Börsenkursen wußten sie weniger und an Politik dachten st« einmal im Jahr«. Einmal— und das war beim großen Wahl- stst, wenn stch di« Regierung ergänzt«. Da sagte man den kleinen Angestellten, daß all« Macht de» Staate» in ihrer Hand läge. Man la» ihnen dabei markant« Stellen auS der Verfassung der Union vor. Sonst aber haften sie Stahlmöbel und saßen mit frühgealterten Gesichtern hinter den Buromaschinen in den einhundertneunzig unteren Stockwerken des Verwaltungspalastes. Di«„Achse", dieser Steinblock mit den zweihundert Fensterringen, war aus Zweckmäßigkeit und Beton gebaut. Es gab kein« Spitze, keinen architektonischen Abschluß. Wer dst zweihundert Stockwerk« mit dem Aufzug hinaufgerast war, der stand auf einer Zementplattform. Zwischen niedrigen PreßglaSkajüten liefen breit«, glatt« Be- tonstreifen zu einem Stirn zusammen. Es ivar der Flughafen„Zentral" der Regierung. Starterlaubnis hatten hier nur RegieruugS- flugzcug« und dann noch die Flugmaschinen jener, di« zur„Schicht" gehörten. Die Schicht besaß die ftaatserhaltcnden und lebenswichtigen Betrieb«. ES waren die-Herren des schaffenden-Kapitals. DaS raffende Kapital war in jenem Jahrhun- dcrt bereits ohne Ausnahme in den Staatsbesitz überführt. Von diesem Flughafen auf der Plattform der Achs« hatte man w«st Sicht. Fern im Nordosten standen als fein« Strich« die Schlotbat- terien der Heizlverst am Horizont. Graugelber Nebel lag über jener Gegend. Bon da draußen bi» hierher zur Achst waren viele Kilometer. Endlose Reihen grauer Betonquadern lagen dazwischen. Dazu noch ein paar Parkgürtel. Man mußt« schon sehr n«rvös lein, wenn man hier noch den Gestaick aus Ruß und Oel und Säuren von da draußen zu riechen glaubte. ES gab solch« degenerierte Abergläubische in der Herrenschicht. Sie behaupteten, daß man hier oben in stillen Nächten Murren und Flüche auS den nordwestlichen Betonvierteln hören könne. Dieser Nordwesstn war ein Keiner Flecken auf der Weißen Weste der RegierungShauptftadt. Ein»«»gewählter Präsident hatte einmal diese» Viertel niederreißen und dst schmutzigen Männe: in den dunkelblauen Anzügen überhaupt auSrot- ten wollen. Er hatte sich dann von den Ingenieuren belehren lassen, daß man dies« unangenehmen Kerle trotz der fortgeschrittenen Technik imnter noch benötig«. Der Präsident hatte sich damit begnügt, zwischen dem Nordtveften und der Achs« noch einen Parkgürtel zu bauen. All« ma'chint» len Anlagen in der Stadt mußten in di« Erde gtzlegt werden. Ruß, Rauch und Lärm, daS waren Dinge, die eS nur in der Handarbciterrestrvation draußen im Nordwest geben durfte. Immerhin hatte man aber au» dem zwan- zigsten Jahrhundert, dein Jahrhundert der Arbeitslosigkeit, gelernt, wieviel« durch wielvenig« ernährt werden konnten. ES wurde umo'rgam- fiert und di« Technik der Laufenden Bänder auS- gebaut. Es war der Triumph d«S neuen Jahrhunderts, daß das gewaltige Heer der Beamten im Nordivesstu und Südosten der Stadt durch di« Handvoll Kuli im Nordosstn ernährt werden konnte. Eine kleine Schicht üppiger Nichtstuer im Südlvesten— eine kleine Schicht ausgepreßter Handarbeiter im Nordosten— als qualliger Puffer dazwischen ein aufgeschwollener, schwerfälliger Apparat von Beamten— so war Babel dst .Hauptstadt an der Achs« zugleich da» Sinnbild für den mächtigsten Staatenbund der Erde. * Das leicht«, gelblackstrst Flugzeug, das da surrend im Aether hing, war am Flugplatz Zentral von der Achse gestartet. Seit vielen Stunden lag sein Kurs genau nördlich. Kulturland hatte es schon wenige Stunde» nach Babel hinter sich gelassen. Demi, da» war da» Merkwürdig« dstseS Jahrhunderts— wenn eS auch seine Produktivität vertikal in da» Wahnsinnig« gesteigert hatte— horizontal ausgedehnt hatte eS seinen Machtbereich nicht mehr. Jeder Staat hatte Mandatsgebiete, die er wirtschaftlich nicht.auSbeustn durfte; jeder, Staat wachte eifersüchtig über den andern. Vielleicht war eS auch der Instinkt des Jahrhunderts, stch letzte Rohstoffquellen, letzte Reserven für jeden Fall zu bewahren. An solche Dinge dachte der Pilot deS gelben Aeroplans nicht. Weim er auch sein Flugzeug fetzt über den MeereSarm in«ine» dieser Mandatsgebiete steuert«. Drüben lag ein Strand, einsam und menschenleer. Wogenreihen schlugen an ein« Küste, an der zu landen den HandelS- dampfern verboten war. In den Palmwäldern und Mangrovesümp- fen lebten wieocr Stämme, die in heiligem Eifer einander die Köpf« abschnitten. Da in diesem Landstrich dst Mineralien nicht mehr auSgÄeu- tet werden durften, kümmert« sich niemand um diel« neuen Wilden. Was sie trieben, fiel unter das Selbstbestimmungsrecht der Völker und war deshalb erlaubt. Weit hinter diesen PalnUväldern lag«in ödeS unfruchtbare» Gebirge. In Schluchten und an Abgründ«» gab es glühendes Gestein, Skorpione, Skolopender und Schlangen. Auf den Gipfeln der höchsten dieser Berge aber war ewiger Frühling. Wenn auch die Sonne au» dieiem Gestein kein« Blumen zaubern konnte, so war da» Klima mild und ertragbar. Dort im GebirgSmafsiv, wo es, sich zissammendrängeud, den Himmel ein» zustoben suchst, lag der New Ararat. Er war der höchst« dstser Berge, er trug zugleich den Staat Ararat, den kleinsten Staat im Bund der Union. Dort am New Ararat saß Sir Dougla» „der Wolf". An ihn dachst der Pilot in unserer kleinen gelben Flugmakchine. (Fortsetzung folgt.) Nr. 317 Sam-tag, 16. September 1988 Seite 8 SCHICHT SEIFE MAK KB HIRSCH In sauberer Wäsche frisch zur Arbeit! Wieviel bester können Sie arbei ten, solange Sie gesund sind! Und Ihre Gesundheit erhalten Sie sich am besten durch Reinlichkeit. Möglichst oftdleWdschewechseln — aas Ist gesund und das macht (rischlHöutiges Waschen braucht durchaus nicht viel zu kosten. Mit der sparsamen Hirschseife geht es mühelos und schnell— und die Wüsche bleibt geschont I Tagung der Fabrlh- arbeltcrlnternallonalc Sdiarle Stellungnahme gegen den rascismns Im Prager Gewerkschaft-Hau- wurde gestern der Kongreß der Internationalen Bereinigung der Fabrikarbeiter-Verbände eröffnet. 14 bei Internationale angehörige GewerkschaftSorgani- sationen au- acht Ländern hatten o? Delegierte entsandt. Außerdem war die Stadt Prag vertreten, ferner Gäste der Spitzenorganisationen der tschechischen Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Parteien. Die Sängergruppe oeS Ein- heit-verbandeü der Privatangestellten begrüßte den Kongreh durch zlvei stimmungsvoll vorge- tragene Lieder. Der Sekretär der Fabrikarbeiter- Internationale de Ionge eröffnete den Kongreß mit einer Ansprache, in der er einleitend der inzwischen verstorbenen Führer der angeschlossenen Organisationen gedachte. Au- der Rede heben wir hervor: Zum ersten Mal, seit dem e- eine Internationale der Fabrikarbeiter gibt, fehlen di« Vertreter de- deutschen Verbandes. Die reich-» deutschen Gewerkschaften wurden einer Horde von Menschen au-geliefert, die den Frieden der Welt bedrohen. Die Angestellten des deutschen FabrikarbeiterverbandeS wurden ihren Stellungen enthoben, und teilweise eingesperrt. Tie stehen auf der L i st e der Geächteten und sind nicht in der Lage, irgendeine Beschäftigung zu bekommen. Die Lag« der Internationalen Bereinigung der Fabrikarbeiterverbände ist durch daS Ausscheiden des deutschen Verbandes eine andere geworden. Trotz- alledem wird aber die Vereinigung auch i« der Zukunft lebendig lein. Di«^Internationale der Fabrikarbeiter steht einer Unternehmergruppe gegenüber, wie sic in der ganzen Welt nur einmal besteht. Wie di« Unternehmungen der Mineralölindustrie, der Kunstseide, der Streichhölzer, der Margarine und der Papierindustrie international zusammenge- schlossen sind, gibt eS kein Beispiel. Dementspre- chcnd muh auch die Arbeit der Gewerkschaft-- internationale eingestellt sein. Die dringendste Frage ist, die international anaeglichene Der- iurzung der Arbeitszeit. Redner schloß sein Referat mit dem Ausruf: Hoch die Internationale Arbeiterbewegung, hoch der Sozialismus! Bor der Tribüne war ein Tisch aufgestellt, aus dem die Tischfahne des deutschen Verbandes staick» und der mit einem Strauß roter Rosen geschmückt war. Eine Aufschrift lautete folgen- | MeM'WM 19341 dermaßen: ,,Deutsche Delegierte konnten auf dem Kongreß nicht erscheinen, weil sie sonst von den Hitlerbanden eingekcrkert worden wären." Folgende Resolution wurde nach dem Lortrag des Sekretär- ohne Aussprache einstimmig angenommen: „Der V. Kongreß der Internationalen Bereinigung der Fabrikarbeiterverbände, besten Teilnehmer von der beispiellosen Bestialität der nationalsozialistischen Banden in Deutschland Kennt- nir genommen haben, bringt seine Beschämung darüber zum Ausdruck, daß die Menschheit im 2V. Jahrhundert in di« entsetzlichste Barbarei hat zurückfallen können. Der Kongreß spricht den verfolgten deutschen Arbeitern seine Sympathie und Solidarität aus und stellt fest, daß sich all« zivilisierten Böller in spontaner Weise gegen diese unglaublichen Gewalttaten gewandt haben. Der Kongreß schließt sich dem allgemeinen Boykott an, den der Internationale GewerlschastSbund gegen die deutschen Waren verhängt hat." Im Namen des Internationalen GewerkschaftSbunoeS begrüßte Rudolf Tatzerle, Sekretär d«S Odborovs sdruieni de» Kongreß. Prag ist stolz darauf, diesen Kongreß in seinen Mauern zu begrüßen. Als Vertreter oe« Internationalen Arbeitsamtes sprach Adolf S t a a l. Er WieS auf di« Tätigkeit des I. A. A. namentlich bezüglich der Verkürzung der Arbeitszeit hin. Die Einführung der 40-Stundenwoche in möglichst vielen Ländern würde vom Amt mit aller Energie weiter verfolgt. Albert H o ä e k überbrachte die Grühe der drei der Fabrikarbeiter-Internationale angehörigen tschechosiowakischen Verbände. Gen. Anton Hampl sprach als Vertreter der tschechischen sozialdemokratischen Partei. Eine rückhaltlose Unternichung der tatsächlichen Bcr- bältnisfe in der Politik und der Wirtschaft ist heute dringend notwendig. Nur auf diese Weise sind wir in der Lage, die Gegenkräfte erkennen zu können.. In einer Zeit, wo die nationalistische Reaktion sich rücksichtslos austobt, ist verstärkte Aktivität der organisierten Arbeiterschaft dringend am Platze. Im Namen der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechosiowakischen Republik sprach der Abgeordnete Ernst Grünzner. Die Arbeiterschaft dieses Landes ist nicht nur bestrebt, di« Interessen der Arbeiterklasse zu verteidigen, sondern kämpft auch für die Aufrechterhaltung der Freiheit und der Demokratie. Die deutschen Arbeiter der Republik führen gegenwärtig einen erbitterten Kamps gegen das Hitler-Deutschland an den Grenzen.- Wir sind entschlossen, diesen Kampf mit allen Mitteln zu führen. Wilhelm Weigel, Reichende rg, sprach für die in der gemeinsamen LandcS-Gewerkschafts- Zentrale vereinigten beiden Spitzenorganisationen r^iborovö sdruLeni öeskoslovcnsks und Deutscher Gcwerkschaftsbund. Er entbot den Delegierten ein herzliches Willkommen. Tie freien Getverkfchas- ten werden in treuer Solidarität mit den beiden sozialdemokratischen Parteien dafür wirken, daß in unserem Lande der Ausstieg für daS Proletariat gesichert wird. In der Nachmittagsitzung ergänzte der internationale Sekretär de Iona« den gedruckt vor- liegendcu Geschäftsbericht. Er schildert die verschiedenartigen Kämpfe, die in den einzelnen Ländern ausgefochten wurden und teilweise d i c internationale Hilfe erheischten. Der Zusammenschluß über die Landesgrenzen hinaus hat den Gewerkschaften bei vorkommenden Kon- likten einen starken Rückhalt gegeben. Das Sekretariat war namentlich bemüht, die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit zu klären und die 40- Stundenwoche international vorwärts zu treiben. Es wurde der Ber- Gestern hat Berlin ein von Goering inszeniertes Schauspiel gesehen, das allen Mummen- chanz, den die Hunnensichrer bisher zur Betörung des Volkes anwondten, in den Schatten stellt. Der Morphinist hat nämlich in„feierlicher" Weise den Parlamentarismus zu Grabe getragen, indem er den von ihm gebildeten Staatsrat mit Hörner- und Trompctcnklang eröffnete und eine vzusagen programmatische Rede hielt, in der er alles aufholte, was man ihn in Nürnberg ver- ,soeben ersfliienen| äumen ließ. War Goering in den letzten Wochen !m Schatten, so ist er durch diesen zu seiner eigenen Ehrung und Würdigung inszenierten Staatsakt wieder ins Licht getreten. Und zwar mit dem Anspruch darauf, ein Ueber-Bismarck zu sein, ein Anspruch, den bekanntlich einen Tag vor- her Goebbels Hillern zuredete. Der ganze Akt der Staatsratseröffnung zeigt den krankhaften Ehrgeiz Goerings, zeigt dem deutschen Volk, daß ein Irrer auf dem Stuhle des preußischen Ministerpräsidenten sitzt. ‘ Wir lesen in dem durch das Tschechoslowakische Prestebüro auSgegebencn ausführlichen Bericht, daß Goering mit einem regelrechten Gefolge im Festsaal erschien. Sodann hielt er ein« Rede, in der er behauptete, Staatsakte hätten unter dem„System" ohne Beteiligung de- Bolles stattgefundcn, während jetzt überall FestcSsreud« herrsche. ES gelte, einen Tag deS Sieges zu feiern, d«s Siege- über daS „furchtbare System des Parlamentarismus und Pazifismus". Nun gebe e- keine Auslese unter der Feigheit und Dummheit mehr, sondern Männer der Tat bestimmten die Geschicke deS Bolles. Der Staat«, rat verkörpere urgermanische und nationalsozialistisches Denken und Fühlen und sei vorbildlich für die anderen deutschen Länder. Es sei auch einem Bis- marck nicht völlig gelungen, den Parlamentarismus zu beseitigen, so habe daS Unheil des Versailler Vertrages entstehen können. Dunkler als die Flammen des Reichstagsbrandes ist besten Erwähnung durch Goering, den Brandstifter: Da» Chao» stand bevor und, wie«in Fanal, leuchtete mitte« in dir Rot diese» Zusammenbruche» der Braud de» Deutschen Reichstage» hinein, aber r» war zu spät. Die Bataillone der deutschen Freiheit waren zum siegreichen letzten Sturm angetreten und risirn dann da» alt« morsch« System nieder, sie legten e» in Trümmer. In letzter Stunde habe die Vorsehung dem deutschen Volke einen Mann gegeben und ihm die Macht, Deutschland vom Abgrundzurück- zureißen. Da Goering den Namen dieses Mannes nicht nennt, liegt der Schluß nahe, daß er s i ch meint; nnd da er von.»dem Manne" im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand spricht, darf man wohl diese Stelle der Goeringredc als gegen Hitler gerichtet betrachten. Das ist um so eher anzunehmen, als er, wiederum im Zusammenhang mit der Stelle über den Reichstagsbrand, sagt, die Geschichte werde einmal feststcllen, daß „von diesem Tage ab" der Wiederaufstieg Deutschlands beginne. such unternommen, mit den internationalen Trusts, die für Margarine, Kunstseide, Streichhölzer usw. bestehen, gemeinsam« Verhandlungen zu führen. Zu einem Abkommen ist man noch nicht gelangt. Di« Erhebungen über di« einzelnen Industrien sollen fortgeführt werden. Die Tätigkeit des Sekretariats für die verflossenen Jahre hat sich äußerst erfolgreich auSgewirkt und der Sekretär hofft, daß dies auch in der Zukunft der Fall stin wird. Der Geschäfts- und Kassabericht wurde vont Kongreß e i n st i m m i g ohne Aussprache genehmigt. In der allgemeinen Aussprache, die nunmehr folgte, gingen die einzeliten Redner auf die Verhältnisse in ihrem Lande ein. * Dem Genossen Otto Wels, Vorsitzenden der SPD Deutschlands, wurde zu seinem 60. Geburtstag unter Beifall des Kongresse- ein Älückwuirschschreiben übersandt. Und dann lobt er sich selbst und die Rolle Preußens unter seiner Führung: Wa» wäre au- dem Preußen de» alten Syslems, aut dem Preußen dieser Schmach und Rot geworden? Nun aber wurden alle Kräfte angespannt in Preußen und wir, die wir an seine Spitze gestellt wurden, besannen uns auf seine alte Tradition und verknüpften sie mit dem neuen Geist der siegreichen Revolution. Die Behauptung Goering-, daß das deutsche Volk in seiner Gesamtheit und insbesondere der deutsche Arbeiter mit den Schurken fülsit, die jetzt Deutschland beherrschen und daß der Arbeiter erneut„den Strom seines Blutes rauschen" höre, ist die geringste Luge Goerings, wenn auch die Bestellungen an die dümmste der Phrasen, die dieser Morphinist bisher von sich gab. Damit der Witz nicht fehle und der Hohn, behauptet der Brandstifter, daß der Tag beweise, wie sehr da- Volk in Preußen mitzusprechen habe und daß di« Behauptung, die Führer wollten das Volk knechten, ein« Lüge sei. Die Existenz und die Zusammensetzung de- StaatSratc- bewiesen daS. Er sei sein, Goerings, eigenstes Werk. Er habe im Drange der Geschäfte erkannt, daß er doch den Zusammenhang mit dem Volke verlieren könne und so habe er dieses Gremium von Männern geschaffen, die selbst Führer seien—(oder, in die Sprache des All- lag» übersetzt, sattgefrestene Nazibonzen). Die Aufgabe der StaatSräte sei es, gegen den allen Parlamentarismus zu eifern und den Führergedankcn zu predigen. Der Staatsrat werde allerdings nach der Methode de» alten Parlamentarismus arbeiten, da er nicht abstimmen dürfe. Er solle nur beraten, „aber mein« Herren: die Verantwortung trag« ich allein und bin dazu be- rufen worden von dem Führer!" Soda»» wurde bekanntgegeben, daß dem „neuen Preußen" ein neues Wappen verliehen wurde: der Adler hat wieder Blitz und Schwert und auf den Bauch ein Hakenkreuz bekommen. Die StaatSräte— Wilhelm Furtwäng- lcr ist unter den Prostituierten!— sprachen dann eine Schwurformel, worauf sich der ganze Spuk durch das Brandenburger Tor in die größere Oeffcntlickkcit begab. Bemerkenswert ist, daß Goering vor dem ganzen Staatsakt Hitlcrn noch einmal Treue gelobte. Man fragt: warum lat er daS? Was sind Treuschwüre wert, wenn sic immer wiederholt und, wie im vorliegenden Fall, plakatiert werden müssen? Der StaatSrat des Herrn Goering ist eine persönliche Garde dieses Irren. Jeder der StaatS- rätc bekommt im Monat 1000 Mark und prostituiert sich dafür. Kein Wunder, daß Hitler daS Bedürfnis nach einem neuen Treuschwur verspürte: Goering ist jetzt General der Infanterie, Polizeigencral, Befehlshaber der Preußischen Polizei, preußischer Ministerpräsident, Innenminister und Rcichsluftfahrtministcr. Nnd außerdem Reichstagsbrandstifter. Das neue Preußen des Herrn Goering kann sich sehen lassen! Es ist zum Speien. Herrn Hillers aileruniertänigster ftäftlHn? Der Ehefredakteur-Etellvertreter btt „Bohemia" Gustaf Kauder. Ein Emigrant in Prag, früher Journalist in Berlin, schreibt unS: Wir au» dem Reich des Terrors, der Lüge, des Morde» und de» Verrats Vertriebenen denken Stunde für Stund« an da» Fürchterlich«, da- in Deutschland geschieht, an die Qualen verer, die um ihrer Gesinnung-treue und Wahrheitsliebe willen gefoltert werden, an da» Elend der entrechteten Massen, an die Schande, di« durch die erzwungene Gleichschaltungsheuchelei über unser Boll gekommen ist. Mögen un» Unterschiede der politischen Richtungen früher getrennt haben— jetzt hat un» das gemeinsame Schicksal nahe zueinander geführt. Wir haben di« Heimat verloren, weil wir uns dem Schaudregime de» Hakenkreuze» nicht untenverfen konnten und wollten. Und wir sind un» einig im Kampf gegen die Schänder unsere» Volkes und wollen in den vom FasciSmuS nicht vergewaltigten Ländern die Wahrheit verkünden, die heute in Deutschland mit Folter, Kerker und Tod unterdrückt wird. Man kann die Empörung nicht beschreiben, dir unS ergreift, wenn wir Gehetzten nick» Verjagte» im Ausland Leute au» Deutschland am Werke sehen, die das Elend unseres durch die Hitlerbanditen geschundenen und aeschätweten Volkes dadurch vermehren, daß sie da» Wüten des braunen Terrors unterstützen. Di« vom„Sozialdemokrat" angeprallgerten Manöver der„B o h e m i a" gegen da- Braun» luich stellen uns vor die Frage, welche Erklärung wir für diesen Fall von.Hakeilkreuzbegünstigung durch Fälscherkünste finden sollen. Wissen diese greuelfreundlichen Bohemiens vielleicht nicht, waS sie tun? Kennen sie, die fern vom grausigen Geschehen in einem friedlichen, demokratisch regierten Laude sitzen, vielleicht di« Scheußlichkeiten nicht, die sic entschuldigen und begönnern? Aber wir können eS nicht glauben, denn sie haben keinen tveiten Weg zu einem Manu«, der vor de» Schrecken-es drillen Roiche» noch Prag geflohen ist. Sic haben es nicht weit zu ihm: denn dieser Flüchtling sitzt in der Redaktion der„Bohemia". Es klingt mibegreiflich, es ist unbegwi flach, aber cs ist wahr: ain Mann,-er bi- vor kurzem Chefredakteur der jetzt zil Grunde gegangenen Berliner Abendzeitung„T e m p o" war, ei» Mann, der bis zum AuSbruch-es Hitler- Terrors Angehöriger des demokratischen Ullstein- Verlages war, den mzwilchen alle anstön-igen Journalisten lind ehrlich«: Te- mokracn verlassen Haden, ein Mann, der Hitler- Deutschland den Rücket» kehrt«, doch offenbar nicht, weil ihm der Aufenthalt darin besonder» ehrenvoll und angenehm erschien— dieser Vcann ist heute, noch heute Redakteur der„Bohemia'', die gegen di« Wahrl>eit über die braunen Greuel ihre nicht sehr sauber präparierten Pfeil« schießt. Wir dctt Ischen Emigranten können zu diesem Fall Gustaf Kauder nur sagen, daß er nicht sernesgiei- chcn Hot. Die meisten von uuS haben die Seu- sationsjyurnalistik, die in einem Teil der Berli- Zentralstelle für das Bildungswesen »er Presse getrieben wurde, nie bciollders hoch geschätzt. Aber daß einer, der die Hitlerschmoch aus der Nähe gesehen Hal und sich ihr durch di« Sliiswaitderuiig in ein Land entzog, aus dem er stammt und in dem er dal)er mehr Wirkung», und E;istenzmöglichkeitc>i hat, als die meisten seiner Schicksalsgenossen— daß dieser Eine• seine Fähigkeit und Arbeit einem Blatt zur Verfügung stellen würde, das den deutschen Emigranten und dem deutschen Volk« in der schwersten Stund« in den Rücken fällt, das wäre uns immer unvorstellbar er. schienen. Wir vermuten, daß der an der glcichgejchal- teten„Bohemia" tauge Emigrant selbst Bedenken gegen die Plachcn schäften des Blattes hat, an dem er wirkt. Er ziehe, wenn es so ist, die Konscquanz — mir Wort oder Tat. Liter soll di« Groteske dar „Bohemia" so weit getrieben werden, daß sie Herrn Hitlers alleruntertänigsten Juden mit Herrn Hitler» a llern ntertänigstem Flüchtling vereint? Herr Minister Spina, war sagen Sie dazu? „Daß ein aus demokratischen Prinzipien ausgeballtes allgemeines und gleiches Wahlrecht für die Dauer unmöglich ist, weil jeder Bandit, gestützt auf scharen von Banditenmoral erfüllter Banditen imstande ist, den vorzüglichsten Bolksmann schlagen. Darum fort mit dem gleichen und allgemeinen Wahlrecht!" Daß dieses Zitat einem gleichgcschaltoten Blatt entnommen ist, ist ohne weiteres klar, es ist dieS aber weder der„Tag", noch die„Sudetendeutsche Tageszeitung", noch di«„Bohemia", sondern die— Saazer„Heimat", ein Blatt des Bundes der Landwirte, also des Herrn Ministers Spina, Was an Stelle des allgemeinen Äahl- rechts treten soll, wird nicht gesagt, vielleicht beantwortet dies die„Heimat" oder der Bund der Landwirte oder der.Herr Minister Spina, Lia Irrer spielt Bismarck Staatsrat mit Pr&sentiermarseh— Ein hunnisches Fastnachtsttkck et«« i GamStag, 18.€ty(em6et 1038 Nr.-17 Tagesneuigketten als einen schattenhaften Umriß des Führers ver deutsche Di-rigent FrihDusch und fein Bruder, der deutsche Geiger Adolf Busch, der Wiener Geiger Fr i h Kreisler und der ägyptische Geiger Jehuda Menuhim. ler. Arten und Lieder, Annie Reiter. Eine kleine ErzShlung von Alfred Polgar. Grete Berndt. Ans der Reviie„Höckste^ Eisenbahn". Edith tz-Amara. Deutliche Pressemeldungen. ^Lidovs Listy" haben es entdeckt. Wieder einmal Ritualmord. Das tschechisch-Nerikale Hauptorgan— wo denn außer bei den Hakenkreuzlern könnte denn der Blödsinn wieder austaucheu— hat eine neue Theorie in der Untersuchung des Mordes an der Ottilie Branlka ausgestellt. Nichts mehr unb nichts weniger als ein Äitualmord soll an dem Mädchen aus der Slowakei verübt worden sein und das Blatt, in dem der Herr Erzdischof und andere geistliche Würdenträger ihre Botschaften an die Gläubigen verössentlichen, versucht mit unzähligen„vielleicht... möglicherweise... es könnte sein... und eS ist n-cht ausgeschlossen..." den Eindruck hervorzurufen, daß die Tat von einem Teilnehmer am Zionistenkongreß begangen wurde. Die Nachricht entspringt anscheinend einer abnormalen Phantasie, wenn nicht einer abnormalen Veranlagung des Schreibers, denn der Mord und die spätere Zerstückelung der Leiche, AU« der Autor sie sich vorstellt, werden mit einer Künstler melden Deutschland. Masicnablehnung Furtwanglerscher Einladungen. Dieser Tage ist ein Absagebrief des weltberühmten Geigers Dronistav Hubermann auf die herzliche Einladung des sozusagen„Obersten Musiksührers" im Dritten Reich, den Herrn Opern-Generaldirektor und preußischen„Staatsrat" Furtwängler veröffentlicht worden. Hubermann lehnt ab, in Deutschland wieder aufzutreten, solange feine ostjüdischen Stammesbrüder und soviele internat'onal hochangesehene Persönlichkeiten aller Berufe verfolgt und ihrer Existenz beraubt werden. Damit steht Hubermann jedoch nicht allein. Herr Furtivängler erhält immerzu neue Ablehnungen, wie auch von„arischen" Künstlern, die alle nicht unter einer Regierung von Verbrechern und Irren und nicht im Herrschbereich des neubarbarischen Sadismus spielen wollen. Unter diesen Mehnern sind die berühmtesten: der spanische Cellist Pablo CasalS, der französische Pianist Alfred Cortot, der österre'chische Pianist Artur Schnabel, der russische Pianist Wladimir Horowitz, der Flugrekord eines Prager deutschen Studenten. Laun, 15 September. Der Student der Deutschen Technik in Prag Primavesi bon 1 der Flkegergriippe der deutschen Nlvdcinikcr im Prag(Verband deutscher Flieger) startete heute, nm 9 Uhr auf dem motorlosen Flugzeug ,Lög-s Ung" auf dem Berge Rana bei Laun bei starkem böigen Winde und überbot seinen eigenen bis- herigen Rekord im Segelflug, der 2 Stunden 35 Minuten betrug. Um 12 Uhr mittags segelte er noch immer in der Luft. Mitteln konnte. Alles übrige, jeden Elnzelzug, die ruhende Spannung und verhaltene Güte dieses Gesichts, den Ausdruck der Stirn, diese, seltene Bereinigung von Maß und Fanatismus, die leidenschaftliche Geradheit und Unbeirrbarkeit des Wollens, die sich In Kinn und Mund ausprägen,— alles das schöpfte der Künstler aus dem Mythos, den die dankbare Verehrung eines großen, zu sich selbst erwachten Volkes um diesen Mann(und aus ihm) gebildet hat..." feierte gestern ihren 100. Geburtstag. Ihre Ver-1 Am besten an dieser mythischen Büste gefällt wandtschaft fuhr sie in einem geschmückten Auto-„„h die„verhaltene Güte": man sollte Reproduk- mobil in bte Dekanal- Kirche zur Frühmesse, s tionen dieses..Kunstwerks" in sämtlichen Kon- Professor Einstein in England Der Gelehrt« vor der Blockhütte seine» Gastgeber», de» Commander» Locker Lampson(NnkS). Prof. Albert Einstein hat sich von Belgien nach England begeben, wo er auf dem Land- aut de» englischen Commanders Locker Laurpson lebt. Da zu befürchten ist, daß auf Einstein AttentatSversuche unternommen werden könnten, ist da» Hau» dauernd von bewaffneten Dachen umgeben, unb der Gastgeber selbst trägt, wie unser Bild zeigt, dauernd ein Jagdgewehr bei sich. Mörder untereinander Di« tödliche« Schüsse von Bacharach. In einer Gastwirtschaft in Bacharach am Rhein hat sich ein nchsierioser Vorfall ereignet. Der Führer de» Arbeitsamtes der Deutschen Arbeitsfront", Reinhold Muchow, tvar mit dem Sturmbannführer Mebling zum „fröhlichen Umtrunk" eingelehrt. Wie die Razi- prefkebüro» mitteilen, schlug MehlingS Koppel, an oem sich die Revolvertasche befand, auf den Tisch,«ine Kugel löste sich und traf Muchow tödlich. Mehling verübte, als er Muchow zusammenbrechen sah, Selbstmord. So die ungeschickte amtliche Erfindung, die selbst die dümmsten Gleichgeschalteten nicht glauben werden. Sowohl Mehling wie Muchow waren allgemein al» Raufbolde bekannt. Eine private Meldung, noch der Mehling mit seinem Kumpanen Muchow in völlig alkoholisierten Zustand in Streit geraten ist und ihn nie« dergeschossen hat, um nachher selbst Hand an sich tu legen, erscheint hundertmal wahrscheinlicher al» die Münchhauseniade der braunen Lügenagenturen. Der blutige Vorfall hat im gesamten Rheingebiet ungeheure» Aufsehen erregt. Die Berliner Arbeiter„betrauern" in Muchow einen der heimtückischsten und skrupellosesten Agenten de» Unternehmertum» im Bonzenstab der vom Kapital auSgehalteuen„Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation". Gin Gattenmord in Saleiel? Sa» Aussig wird gemeldet: Während de» Transporte» in» Krankenha«» verschied am Freitag der vergangenen Woche die 49 Jab« alt« Gattin de» Postoberkassierer» L R. Margaretha Heigel au» Salesei. Da der Tod unter verdächtigen Umstände« eingetreten war, leitet« die Nussiger Gendarmerie sofort di« Nachforschungen ein. Im Zu- sanrmenhang mit de« Ableben Fra« Heigel», die last Obduktionsbefund durch«ine» Schlag gege« de« Kopf ermordet ward«« war, wurde der Gatt« der Verblichenen in Haft g«- nommtn. Durch die Untersuchungen der G«n- darmerie sowie durch da» Verhör einer ganzen Reche von Zeugen sind nunmehr Einzelheiten bekannt geworden, die de« de» Mord«» verdächtige« Satte« der Ermordeten schwer belaste«. Sine auffehenerregende Operation. Dem Leiter des Brünner Arbeiter- Unfallkrankenhauses Pros. Dr. Vladimir N o v a k gelang dieser Tage eine Operation, di« geeignet ist, das größt« Aufsehen hervorzurufen. Bor ungefähr zwanzig Tagen wurde in Königsfeld bei Brünn der Kutscher Heinrich Hanak von ei,rem unbekannten Automobilisten niedergestoßen. Hanak erlitt einen Schäbelbruch und ern« Verletzung des Gehirn». Sein« Ver- ketzrmgen würben al» tödlich bezeichnet. Er brach Blut und Gehirnteilchen, die ihn durch Nase und Mund in den Magen gedrungen waren. Hanak wurde in» Brünner Arbeiter-Unfallspital ge- bracht, wo Pros. Dr. Novak eine aussichtslos erscheinende Operation vornahm. Er brachte das beschädigt« Gehirn wieder an seine Stelle und richtete die zertrümmerte Schädeldecke, ohne daß der Schwerverletzt« gestorben wäre. Er starb auch später nicht, sondern begann unter der au»- gezmhneten Pfleg«, die ihm zuteil wurde, wieder zu gesunden. Heute ist fein Zustand bereit» derart, daß«r daran denken kann, wieder in abseh. barer Zett an seine Arbeit zu gehen. Er erinnert sich kaum an seinen Unfall, hat aber sonst die Denkfähigkeit eines vollkommen normalen Menschen behalten. Di« Kunst des Chirurgen hat in diesem Fall unmöglich scheinendes zuwege gebrockt und einen Menschen dem sicheren Tode entrissen. Die kleinen Gehirnteilchen.HanakS, die er erbrochen hat, werden als besondere Kuriosität im Museum des Arbeiter-UnfallsPttvlS aufbewahren. wieder in allen Reisebüros, in ihren Filialen, bei den Zweigstellen der Legiobank und bei allen Verkaufsstellen der Mustermesse oder direkt beim Frem- deuverkehrSverband in Prag I., Obeeni dum, erhältlich. Vom Rundfunk Sonntag: Prag 6.30: Gymnastik, 8.45: Violinkonzert, 0.30: Literarische Stunde, 13.50: Sozialinformatio- itcn, 18: Deutsche Sendung: Vorschau auf das Mufikprogramm der tschechoslowakischen Sender, 110.05: Konzert.— Brünn 8.45: Klavierkonzert, 17.80: Chorkonzert, 18: Deutsche Sendung: Der lachend« Schubert.— Men 12.40: Orchester« konzert, 15.50: Gitarre-Kammermusik, 18.40: Entwicklung de» mnsckal. Impressionismus, 20.20: Im Flug um die Wett.— Frankfurt 20: Großes Opernkonzert.— Heilsberg 18.50: Dorklassische Kammer- I musik.— Mühlacker 18: Dhorgesang.— Leipzig 118.25: Da» Dresdner Streichquartett spielt, 20: Der Freischütz, Oper von Weber.— Verlin 20: Da» ver- I wünschen« Schloß, Operette.— 18 Uhr Deutsche ~ Dr. Ernst Rychnowsky, Prag: |„Vorschau auf das Musilprogramm der tschechoflo- Lil 1fi1Ä IM*«»* fa< M Werk gelang nicht auf den nsten Anhieb. Mehreres der Nachmittag mit ueuengagierttnUtgliedern"des die letzte gültige Form gefunden war. Da» Er-1 Renato Mords. Am Klavier: Kapellineiste^HanS ....v mamCIv sei e... v p. l /n cw c... ml..._* l m&«■- a. Mazzottl den Führer niemals selber ge sehen hat. Als Vorlage" und Modell biente ihm eine obendrein ziemlich schlechte ynd perspektivi-...... stisch verfehlte Photographie, die Ihm kaum mehr Aus der Operette„Ball im Savoy".— Am^ Schluß: ' ein regelrechter Kampf gegen englisches 'Bier im Gange. In Dublin haben am Mittwoch abend acht verschiedene Ueberfälleous Schank statten stattgefunden. Ein« Gruppe bewaffneter Männer hielt elnen von Dublin nach Dundalk fahrenden Güterzug aus, entfernte ein Faß mit englischem und versehentlich auch ein Faß mit irischem Bier und zerschlug diese Fässer. Da» Wetter. Di« Druckstörung, welche nunmehr nach Osteuropa zurückwcicht, hat un Gebiete der Republik ausgedehnte Regenfälle veranlaßt. Gleichzeitig ist nach Mitteleuropa von Nordwesten kühlere Luft vorgedrungcn. Auf der Schneekopp« ist die Temperatur auf Null gesunken. Ueber das abgekühlte Gebiet breitet .., sich nunmehr höherer Luftdruck au»,■ nttter bes au» 81(en to tM f eit Einfluß sich da» Wetter bei un» vom Westen ^ben fortschreitend bessern dürfte.— nmiminminmtimmiiininiininnninninnnininnnininunnnnniiinnnmniininniiiininuiiuiD derartigen Freude au den Einzelheiten der sadistischen Tat beschrieben, wie sie nicht einmal Boulevardblätter ärgster Sorte gezeigt haben. Die geistlichen Herren in den ,Adovy Lisch" sollten diesen Mitarbeiter einmal zu einem Spezialisten schicken. Das Leintuch sranzöfischen Ursprungs? Kladno, 15. September. Auf Grund der in den heutigen Tageszeitungen enthaltenen Me^ düngen über die Ausmaße(1.70 X 8 Meter) de» Leintuches, da» bei der Leich« der ermorveten Branfka gefunden wurde, meldet« sich bei dem Gendarmeriemafor Bit in Kladno der Werkführer der Poldihütte in Kladno, Josef Jun, und gab,, führer Uhl au» Lischwitz erschoß und umIWahrscheinli^rS Wetter heut«: Bom Wesien her seinen Wochenlohn beraubte, wurde au» dem fortschreitende Besserung, kühl, besonder» nachts KveiSgerichtSgefänaniS in Brüx nach Prag in die tiefe Temperaturen, abstauender Wind, deutsche psychiatrische Klinik gebracht, wo sein„Drei Tage in Prag". Die unter diesem Schlag- Geisteszustand geprüft werden wird.I{ n£ et vergangenen Wintersaison begonnene Gubsch gibt an, unzurechnungsfähig unsIAktion führt auch in der heurigen Saison, beginnend daher für seine Tat nicht verantwortlich zu sein. ant 20. September, Block» ein, die zum Ankäufe DaS Kreisgericht in Brüx wird sich noch in derIFahrkarten mit einer 88prozenti» Heurissen.Herbsttagung mtt diesem Verbrechen be.Ig,„ Ermäßigung für Fahrten in beiden Rich- schäftigen. I tungen der Staatsbahnen bei einer Reise von über Eine Gesellschaftsreise nach Wie« plant die 150 Kilometern berechtigen. Ausgegeben werden diese Aussiger Geschäftsstelle der„Naturfreunde" für die Blocks in zwei Kategorien und enthalten Anweisun- Tage vom 7. bi» 12. Oktober d. I. Der erste und I nc n für zwei Nachtlager mit Frühstück und drei Ander letzte Tag sind Reisetage, zwei Tage sind der I weifnngen zum Mittagessen oder zum Nachtmahl in Besichtigung von Wien und Umgebung, rin dritter I«stkiassigen Unternehmungen. In Verbindung mit einem Ausflug auf die Rax gewidmet, während ein I dieser Aktion werden auch Ermäßigungen zum vierter Tag den Teilnehmern zur freien Ver« I Theaterbesuche gewährt. Die ermäßigte Fahrkarte sügung stehen soll. Abfahrt ab Aussig. Rcisekosteu I h,z Heuer eine zehntägige Gültigkeit. Nachträgliche einschließlich Fahrt, Verpflegung, Nächtigung, Trink« I Anweisungen für Uebernachtung und Verpflegung gelder, Führung usw. bei Benützung de» Autocars I iSnnen im Fremdenverkehrsverband(Cizinerky fvaz) 530 RS für Mitglieder, 540 für Organisierte und g«lauft werden. Block» zu 145 R und 100 K sind 550 RS für Nichtorganisierte; bei Benützung bei"--■-- 1 Bahn 550 RS nur für Mitglieder. Letzter Melde« I tag 20. September, Anzahlung 200 RS. Nähere I Auskünfte und Anmeldungen: Geschäftsstelle deS Touristenvereins„Die Naturfreunde", Aussig a. E., Marktplatz 11. Mytho» um«in Duhendgesicht. Unter den „Eilnachrichten", die uns der Westdeutsche Rund unk unbeirrbar täglich zusendet, fanden wir die« 'n Tage auch dieses: „Im Arbeitszimmer Dr. GlaSmeler», de» Westdeutschen Funklntendanlen, steht seit einigen Tagen eine prachtvolle Bronzebüste Adolf Hitlers. Nun sind freilich in der letzten Zeit ein« ganze Menge Bilder und Plastiken de» Führer» geschaffen worden, aber dies« neue Bronzebüste nimmt durch die Kraft ihre» Aus druck» und die Echtheit der Empfindung einen ganz besonderen Rang«in, und so lohnt es sich schon, ein wenig darüber zu sagen. Schon die Art, wie die Büste entstanden ist, ist merwür- dig; sie kennzeichnet daS Verhältnis zwi schen Volk und Führer in überraschender, Weise. Die Anregung Zu seinem Werk empfing IT e nd u n g. Dr. Ernst Rychnowsky, Prag: der Künstler, der Münsteraner Bildhauer Maz-**•-"“..'; ■ zotti, schon im Feber von Dr. GlaSmeier. DaS I wakischen Sender".— 18.16 Uhr: Ein untechatten- Werk gelang nicht auf den ersten Anhieb. Mehrere der Nachmittag mit neuengagierten Mitgliedern deS Dorentwürfe^gingen den- Weg allen Gipses, ehe| Deutschen^ Theaters,^ Prag. Leitung: Oberregisseur stqunliche und Verblüffende daran ist aber, daßIG. Schick. Arien, Edwack Bend«x. 5krma Hanb- Professor Einstein In EnUlond Nr. 217 Samstag, 16. 19sa Seit« ö Umwälzung Im Brleffverkehr der Geschäftswelt TENDENZEN DER AMERIKANISCHEN POLITIK UND TENDEN2EN DER AMERIKANISCHEN POLITIK UND k'KtjlTEHD ERKLAERTE DER RtICHSPRESSttHEF EINLEITEND ERHAERTt DER RElCHSPMBSttMrr gleich bcflt uns F. F. Blatt dl« aefuntk« Nachrichten quell«», im deutlich lesbaren Druckbuchstaben ftejormt, au» de» Smpsanqsapparat hervor. Unten d«r SiemenS'tzellichrelber druckt den drahtlostn Drlel Immer zweimal, damit«r aut leben gall sicher lesbar bleibt. Mit dem neuen Siemenl-Yelllchreiber dauert «in Brief von Berlin nach Buenos Aires oder nach stapan kaum 10 Minuten. Zeder Buchstabe wird von der Maschine in etwa 00 Punkt« zerlest, und dies« rennen als elektrische Sirom- ttBfte mit der Radwwell« Ober den Ozean. Am lernen llmpsanntort sieht ein Radioapparat, der di««mpsangenen Tiöhe an ein« Art Buchdrucker abqibt mit einer komplizierten Nockenwelle, di« jeden Buchstaben aui einzelnen Punkten wieder richtlaaehend druckt. * Geschäftsführer:„Die haben mich rusen lassen. Das wünschen Str?" Gast:„Ich möchte ein Tischtuch mit fleckenloser Vergangenheit." * In«inem Restaurant, das selten von Fremden besucht wird, verirrt sich, ein reicher Spanier. Ter Wirt läßt sich die Gelegenheit nicht entgehen und präsentiert durch den Ober eine gepfefferte Rechnung. Der Ober kommet» die Küche zurück und wird grsragt:„Hat der kung zu der Rechnung Herr Chef, er sucht «ine heraus!" r n »"iriiä'ii i“ I * „Einen Augenblick, mein Herr, damit ich Ihnen keinen Wein aus den Ueberzieher ziehe!" „Da können Sie ganz beruhigt sein, Herr Wirt, der Mantel ist vollkommen wasser dicht." * An einem heißen Tag kommt der Herr Schwitzin- ger ins Wirtshaus auf ein GlaS Bier. Er scheint aber nicht befripdigt zu sein, denn schon nach dem ersten Zug winkt er dem Pikkolo:„Hörst, Schani, frag de» Wirt, ob er äußer dem Bier noch andere warme Getränke hat!" * „Sie. Kellner, in dem Gefrorenen ist ein« Flieg« drin!" „Lasten Sie sie nur ruhig frieren, damit s i e fichs merkt. Gestern war das verdammt« Vieh in der Suppe!" Herr Sber, zahlen! Der Kronenwirt bemüht sich um jeden einzelnen stiner Kunden.—„Nun, Herr Doktor", sagt er zu einem Gast,„wie haben Sie das Schnitzel gesunden?"—„Ganz einfach, ich mußte nur die Erdäpfel wegschieben und da lag es darunter." Spanier irgendeine Bemer- gemacht?"—„Noch nicht, erst im Wörterbuch Gesang über der Grenze. Wir erhalten nachstehend« Umdichtung d«s Horst-Weffel-LiedrS: SA marschiert, di« Hirne festverschlosten, «in Brett vorm Kopf und Maul statt Her;— hurra. Ein Hektoliter Soziblut ist schon geflossen und Deutschland lebt: DaS Dritte Reich ist da. (Der ursprüngliche Reim lautet: ,L«S bochc» siamusent komme$«.") Wozu den Geist? Wir brauchen bloß Pistolen und einen Führer und Musik, trara, und ein paar Juden, um sie mutig zu per. sohlen * Einem hungrigen Gast wird das lang« Warten schon zu dumm. Er ruft den Pikkolo:„Habe ich bei Ihnen nicht eine geröstet« Leber bestellt?"—„Jawohl!"—„Also dann habe Ich mich doch nicht ge- irrt! Ich hätte Sie beinah« nicht wiedererkannt, so stich Sie seither gewachsen!" und 10 Maß Bier: DaS Dritte Reich ist da. Es lebt sich fein, zahlt alle- doch Herr Thyssen, Denn wenn es Krieg gibt, Treudeutsch wird setzt, wer unS Geld gab, be... Dreimal Siegheil: DaS Dritte Reich ist-da. Wort«„Marlborough" und Glasgow noch gut zu erkennen. Wa- mag nun an Bord yoracsallen ein? Di« Mannschaft hatte rollenmäßig 33 Köpf« gezählt— war Ivar mit den übrigen 17 Mann geworden? Bon ihnen wurd« niemals ein« Spur gefunden. Nimmt man an, daß ein« verheerende Krankheit an Bord au-gebrochen war, und daß die gefunden«» Gerippe die Ilcber- reste derjenigen Seeleute gewesen, welch« von der Krankheit verschont und daher nicht über Bord geworfen waren, so könnt« man weiter schließen, daß dies« Rcstmannschaft alsdann da» Schiff bis zu seinem StrandungSort gesegelt habe. Ab«r woran sind dies« armen Menschen danach plötzlich umgckominen? Und zwar all« fast gleichseitig? Ein U«b«rfall d«S Schiffes durch Eingeboren« nach der Strandung war« denkbar gewesen... aber nirgends fand sich«ine Spur von Kampf ... auch im Falle einer Meuterei, bei der di« Hälft« der Mannschaft hätte gefallen sein können, wären solche Spuren doch wohl festzustellen gewesen. All- diese Fragen werden ewiger Geheimnis bleiben. Oder: wie ist eS mit dem Schiff»James Ehestes ergangen? Diese- große Segelschiff wurde von dem Segler„Marathon" auf hoher See mit gesetzten Segeln betroffen, es trieb aber steuerlos als Spiel von Wind und Wogen um- bcr, so daß di«„Marathon" ein Boot hinüberschickt«, um Hilf« anzubieten. An Bord der „Chester" fand man alles in vollster Ordnung vor, nur daß die Segel ungetrimmt umherschlu- gen... aber von der Besatzung fand man keine Spur. Ten Leuten von der„Marathon" wurde der Aufenlhalt auf der„Chester" so unheimlich, daß sie-Hal« über Kopf auf ihr Schiff zurück- ruderten, dessen Kapitän nun selber zn dem lln- glücksschiff hinüberfuhr. Er entdeckte, daß in der Kajüte deS Kapitäns die sämtlichen Schiffspapiere fehlten, während Kompaß und Reserve- Kompaß zur Stelle und in Ordnung waren. Nur alle Kleidungsstücke waren in wüstem Durcheinander umhergestreut. Die Baumwolladung war , unbeschädigt, aber das Auffallendste war, daß di« sämtlichen Rettungsboot« vorhanden und. wohl- i gezurrt an ihren Plätzen hingen oder ständen, i Auch hier kein einziges auf Meuterei oder ähn- , licheS deutendes Zeichen. Di« ,LameS Chester" i wurde nach England«ingebracht und«in« sahre- ■ lange Untersuchung hat stattgefunden; das Rätsel i über daS Schick al ihrer Mannschaft und Offiziere , ist bis heute ungelöst geblieben. Sie sind verschollen. Aehnlich ist es mit der„M a r i« C«l« st«" ergangen, em kleiner Segelschoner, der, im Dezember 1892 ein paar Hundert Seemeilen westlich von Gibraltar auf hoher See treibend und von der Mannschaft verlassen, aufgefunden wurde. In der Kajüte stand noch der Tisch zum Essen gedeckt, auf einer Nähmaschine ebendort lag em an- gefangenes Frauenkleid. Aus den Schiffspapieren war zu ersehen, daß einig« Passagiere an Borgewesen waren, unter ihnen ein bekannter Bör- senmakler an« Brooklvn, und daß auch Frau und Kind des Kapitäns sich unter ihnen befanden. Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß daS Schiff in größter-Hast verlassen worden war, ohne daß aber irgendetwas auf einen Kampf oder eine Gewalttat hindeutete.— Die letzte Aufzeichnung im Logbuch war am 2. September geschrieben, so daß also die„Marie Celeste" bereits vor drei Monaten von ihrer Besatzung Verlässen worden war. Seitdem war sie führerlos und ohne eigentlichen Schaden zu nehmen, umhergetrieben. Kein Aiensch der Besatzung ist je wieder gesehen worden. DaS Rätsel ist ungelöst geblieben. In unser aller Erinnerung ist noch das spurlose Verschwinden deS herrlichen dänischen Schulschiffes„Kop« nhage n", das ein« stählerne Fünfmastbark, mit Hilfsmotor, di« am 14. Dezember 1928 Buenos-Aires mit der Bestimmung Australien verließ. Di« Besatzung bestand u. a. aus 45 dänischen Seekadetien. Sie ist nur noch einmal 900 Seemeilen westlich von der einsamen Bulkan-Jnsel Tristan da Cuha im Süd-Atlantik von einem nortvegischen Walfänger angepreit worden, und feitden» verschollen. Nun ist Ende 1980 ein junger Geistlicher von Tristan da Cunha heimgekehrt und hat zu Protokoll gegeben, daß er mit vielen anderen Insulanern im Jänner 1929 ein« Fünfntastbark, deren Fock-Mait über Bord gegangen war, und deren Heck auffallend tief zu Wasser gelten hätte, mit vollen Segeln vor Wind und auflandigem Sturm hat auf den Südklippen der Insel stranden sehen. Aus.keinerlei Warnungssignal« hatte das Schiff trotz lichten Tages geantwortet; dadurch konnte.ge- schlossen werden, daß kein Mann der Besatzung mehr an Bord gewesen sein kann, als das Schiff in Sicht lief. Wieder das gleiche Rätsel! Was war passiert? Warum ging di« Mannschaft in offener See von Bord, um dann doch bis a»»f den. letzten Mann umzukommen? Das Schiff ist übrigen- bald nach der Strandung von den schweren Ozeanbrechern in Atom« zerschlagen worden— kein« Planke konnten di« Insulaner bergen. Immerhin ist es kein Zweifel, daß es sich um di«„Kopenhagen" gehandelt haben muß: denn die wenigen Fünf-Mast-Segelfchlffe sind im Aussterben, und die letzten ihre» Zeichens weltbekannt.— Auch das Schicksal dieses schönen Schiffes wird ein Geheimnis der See bleiben. Und ml» zum Schicksal fen«» verschollenen Schisses,»velches Sage und Dichtung Jahrhundert« hindurch beschäftigt hat: de»„Fliegenden Holländer»". Der.Kapitän diese» Geisterschiff«» soll mit einen» fürchterlichen Fluche geschworen haben, daß er sein Schiff um das Kap der guten Hoffnung zwingen werde, auch werm der lebendige Golt solches ihm nicht zugestehen woll«... und müsse er segeln bi» an den jüngsten Tag! Und seitdem kreuzt er ruhelos um die bim- melhohen Sern de» Kap»— wehe dem Schiff, da» ihn in Sicht bekommt; denn ihm geichieht bestimmt ein Unglück, so will e» dir alt« Sag«— läuft ihm aber der Fliegende Holländer in Ruf- iveil«, so klingt» au» dem Sprachrohr de» als Skelett auf der Kommandobrücke stehenden Kapitäns zu ihm herüber dos unendlich traurig« Wort:„Grüßet die-Heimat"... Nach den verschiedenen Beispielen, von verschollenen und wieder gesichteten Schiffen,— und sie lassen sich beliebig vermehren, will«S mir scheine»», daß ein solche- Totenschiff seinerzeit lange. vielleicht Jahre lang, in den Gewässern des Kap der guten Hofsnungexistiert hat. Die Gründe, weshalb die gesamt« Mannschaft umkam, während d-S Schift selber zunächst schwimmfähig blieb, sind zahlreicher Art, und e» ist belanglos, ob di« Armen einer Krankheit, einer Meuterei, einem Natur- ereigni» erlegen sind. In den mittelalterliche»» Zeiten, al» tatsächlich«in wegen seiner Gottlosigkeit und Roheit berüchtigter holländischer Kapitan mit seinem Schiff verschollen ging- war e» mit der Verproviantierung für solche oft jahrelangen Reisen nur schlecht bestellt, ebenso mit medizinischer und hygienischer Hilfe. Baten dann die Er- krankten ihren„Schiffspatron", wie er damals hieß, nin Anlaufen eines nächste»».HafenS, so mag ei»» besonder» energischer oder roher Kerl wohl ein heiliges Donnerwetter auf seine Teilte herabgeschworen haben, man stlchte ihn zu zivingen ... die Meuterei, und mit ihr Mord und Totschlag waren da. Abergläubisch sind viele Seeleute heut« noch. In der naiven Denkweise des Mittelalter»,»velche eine einfach« und Plausible Erklärung einer derartigen Begegnung auf hoher See nicht io le'cht zuließ wie heute in den Tagen der Funke»»»>>.d Fernsprecher, ist eS naturgemäß schwerer, ja.»unmöglich gewesen, den Leuten klar zu machen, daß sie Wohl teilweise richtig beobachtet, aber die Zusammenhänge mißverstanden hätten, und daß es Geister so wenig gäbe wie Geisterschiffe. Also:«in iolch treibende» Totenschift gerade in den sturmreiche»» Gegenden um daS Kap mag c» durchaus gegeben haben;«S ist dann eben im Laufe einiger Zeit schließlich doch auSeinander- gebrockie»» und damit der ganze Spuk in» Meer getaucht. Eine Viertelstunde beim Rasselektor. i. „Anter» Morgen, Herr Doktor—. Müller ist mein Name. Alois Müller. Ich habe mir erlaubt, Ihnen einen Roman mitzubringen, betitelt„DaS Lrcht". „Ziehen Sie sich'au», Herr!" „Wie bitte?" „Bor allem die Brust frei—. Wir müssen Ihrer Knochenstruktur auf hie Schlicke kommen! Die Schädelform ist reichlich desperat! Der Kops konimt ü» die Korrekturanstalt—! Massage L la Arier!"'' „Aber ich will Ihnen ja nur einen Roman bringen, Doktor, und keine Knochrnstruktur!" „Roman? Ja gewiß doch, Roman! deshalb io, Sie Trottel. Sie haben eine»» morbiden, vor- oerasiatischcn Blick, mein Bester! Wissen Sie eigentlich genau, mit wem Ihre Großmutter geschlechtlichen Umgang gepflogen hat?" „Aber erlauben Sie mal—!" Ich erlaube gar nichts! Ihre Schädelform disqualifiziert Ihren Roman! Zeigen Sic mal Ihre Fingernägel. Natürlich, tvplsch mandelförmig-orientalischer Schnitt! Llteraturwart! Quarantäne für Müller. Semikokkenverdacht. Rassediagnose für schwieri- gere Fälle. Abtreten!" H. „Sif heißen Zwetschgenstein, Herr! Ja, und van»» wage»» Sie es,»nir eine Novelle anzubicten? Wissen Sie eigentlich, wo» aus etn solches Verbrechen steht? Drei Jahre ZwangSlektüre sämtlicher, Werke von H. H. öwer», verschärft durch wöchentlich zweimaligen» Pflichtbesuch eine» Ufa-Kino» mit garantiert erwachtem Programm! Ich bin ein harter Mann, Freund, und kann die Zwetschgenstein« nicht auSstehn! Aber Ihr Selbstmord lockt mir doch «ine Träne der Rührung ins gestählte Blau- äuge!" „Aber, Herr Doktor, welche Berkennung eine» vielversprechenden Talents. Es gibt Zwctschgensteine, die in der Ackerkrume wachsen! Stammbau L la Arier, bester Herr. Blutsprüfung an der Raffeakademie mit Auszeichnung bestanden. Onkel Kasimir, Hilfsregisseur bei den erste» drei Kreuzzügen. Tante Lina Marketenderin im 30jährig.n Krieg. Beim Matur zweimal durchgefallen. Feind aller Konkurrenz, ausschließlich Leser der eigenen Produkt»»»»!" „Zwetschgenstein, erwache! An mei»»e Brust, hochbegabter Mann! Ihre Novellen sind wichtig, kein Mensch wird sie lesen! Ein so ungefährlicher Schriftsteller verdient, gedruckt zu werden. Hinein in die Setzmaschine. Zwetschgenstein, hier ist Ihr Vertrag—!" Muck». * „Herr Ober, ich habe schon einmal einen reu Kalbsbraten gegessen!" „Das glaube ich jchon, Herr, aber bei sicher nicht!" HMMWWWWVWMMMMWWmVHMMMmMMIMWAMMMWI Gespenster-«» GMe. DQB«Seyetmnrs de»„Attegenden Hovü«der«d". Bon Tito» Türk. Immer noch verschwindet Jahr für Jahr t trotz aller Fortschritte von Schiffbau u»»d Technik eine ganze Reihe von Schiffen svurlo»; mit ihnen gehen ungeahnte Werte an Besitz und ai» Nie»»-. scheu verloren. Seit allmählich di« Luftfahrt bc-' ginnt, sich am Verkehr über See zu beteilige»», ist auch bei ihr da» Jammerwort„Verschollen" nicht mehr unbekannt. Sehr selten kommt es je- dock) vor, daß man ein unbemanntes, scheinbar noch durchaus seefähige» Schiff auf hoher See trerbend antrifft, al» stummen Zeug«»» eine» nie■ geklärten, nie zu klärenden Drama»,«ine» Ge-< heimnisse» der See. So wurde vorletzt vier Jahren in den-Hafen von Seattle, Nordamerika,«in geheimnis volle» japanische» Schiff geborgen, da» wechr- scheinlich an»er japanischen Küste bereit» Ha- vari« erlitten hatte und danach über den ganzen Stillen Ozean nach Osten vertrieben war. Es hatte zerfetzte Segel und zum TeiL gebrochene Stangen. Man fand bei näherer Untersuchung di« hall« zergangenen Leichen zweier Japaner und di« Skelette von weiteren acht Menschen.. Das untersllchende Seeamt hat angenommen, daß an Bord Proviantinangel und allmählich Hungers not geherrscht und die Mannschaft zum Kannibalismus getrieben hat. Ein Ma trose nach dem anderen hat sich allmählich opfern müssen, di« beiden Ueberlebenden sind endlich den Hungertod gestorben, nachdem di« gesamt« Mann schaft durch die erlittenen Entbehrungen bereits so geschwächt war, daß an eine Bedieming der Takelage de» segelnden Schiffe» nicht»nehr ge dacht»verden konnte. Nat»»rlich ist dies nur die Annahme de» amerikanischen Seeamte» gewesen ... das Drama mag sich ganz ander» abgespielt haben, nieinand wird je di« ganz« Wahrheit er fahren können. Ein« ander« unheimliche Sregeschicht«. Im Jahre 1890 ging da» englische Vollschiff„M a r l- borough" von Neuseeland nrit einer Ladung Woll« und Gefrierfleisch nach England unter Segel. Besatzung 33 Mann. Die Heimreise sollt« um Kap Horn gehen, in der Mitte de» Ozean hat daS Schiff noch einen anderen Dealer ang«. iprocheu, danach ging es verschollen. Man nahm nach einiger Zett der Uebersälligkeit an, e» sei vielleicht auf dem Schiffsfriedhof der Seefahrer, der Patagonischen Küste, im Sturm« geblieben und die englische Regiernna sandte einen Kreuzer auS einem füdamerikanischen Hafen a»»S, um ' nach ihm längs der Küste zu forick)«n Aber nir- ' genüs war eine Spur von der^Marlborough" zu ' finden! Erst drei Jahr« spater entdeckte em ' Segelschiff, zufällig nach dem Abgangshafen der >„Marlborough" in Neuseeland bestimmt, und an 1 der Küste von Patagonien entlaiig segeln-, in einer öden abgelegenen Bai, die ionst niemals Schiff« a»»zulaus«n pflegen, einen Dreimaster mit gesetzten, aber wild hin und herschlagendeu Segeln. Da das fr«»»»d« Schiff auf keinerlei Signal reagierte, auch keine Mannschaft auf ihm 'icktbar wurde, lief da» aus der Ausreise befind liche Schiff in seine Nähe und sandte ein Boot hinüber zu dem geheimnisvollen Bollschiff. Der Offizier oe» Bootes sah, längsseit gekommen, ein unheimliche» Bild. Schon äußerlich sah da» sre»nde Schiff höchst sonderbar aus. Di« Plasten, Stengen und Raaen schienen grün gestrichen; da» Schiff trieb nicht, so»»dern saß auf einer Untiefe auf und war über und über mit einem dünnen Moosanfah bewachse»», lieber dem Steuerrad« hing, an ihm angebunden, ein Totengerippe. Bor- iichtig schritt der Bootsoffizier über die verfaul te»» Decksplanken und entdeckte im Zwischendeck drei weiter« Skelette. In dem große»»' Decksalon, der augenscheinlich der gemeinsame Speiseraum gewesen war..entdeckt« er noch sechs Tote, auf der Kommandobrücke ebenfalls derer sechs. Eine gespenstige Still« herrschte auf dieselN Schiff, di« durch den fürchterlichen Verwesungsgeruch noch schauerlicher wirkte. In der Kapitänskajüte sand man einen verrosteten Säbel u»»d Reste von Büchern. Am Spiegel des Heck» waren di« Seit« 8 Samstag, 18. September 1888 Jlt. 217 PHASER ZEITUNG Aus der Partei Geriditssaal Sep- Vereinsnadiriditen eine Kunst und Wissen Sport* Solei' Körpemnefle Radio billiger! I zu[einen Eltern und Lehrern." O österreichischer, die bereits mühelos iroch vier Kilo, meter davongingen, konnten natürlich noch keine gleichwertigen Gegner finden, den tschech». slowakischen Fahrern hat ihr Start aber sehr genützt. In einigen Jahren wird da« Kcäskvrr- hältni« zweifellos schon anders sei«. Da« Rennen ging säst durchweg ans astphaltierten Straßen vor sich, die wellig Verliesen. Sehr schlecht war da« Psla- jter in den Städten. Bei Brüx muhten die Teilnehmer kilomeierlang durch den Nebel fahren, dec von den Kohlenbergwerken ausstieg, was da« Fahren selbstverständlich nicht erleichterte. -SNYx Ortsgruppe Prag. 17. September: i ^1 f«.«.Q" aJ Oitf am Montag Beginn der ISngften SchwargerichtsieMon seit Bestand de« Prager KreiSgerichte«. Prag, 16. September. Montag, den 18. tember beginnt die längste Schwurgerichtsperiode, die da« Prager Kreis» früher Landesgericht je erlebt hat. Eingeleitet wird sie mit einem Falsch- münzerprozeh, bei welchem KreiSgerichrspra- siseilt Linhart den Vorsitz führen wird. Die Session dauert bi« zum Lü. Oktober. U. a. steht auch der Mordprozeß Ct£et zur Verhandlung, seinerzeit großes Aussehen erregte, richtet wegen eiirem zwei Reihe Hundertsahrseier der Prager Rikvlanderreal» schule. Diesd Feier findet al« großer Kollegeuiag aller ehemaligen Schüler der Nikolairderrealfchule vom 3. bi« 5. November statt. Der vorbereitende Ausschuß, der seit Mai d. I. tätig ist, arbeitet u. a. auch an einer Festschrift von bibliophilem Wert, deren Ansstattung kein Geringerer al« Prof. Hugo Steiner-Prag, Leipzig, leitet. Alle ehemaligen Nikelanderrealschüler, die noch keine Verständigung erhalten haben, werden dringend ersucht, ihre Adresse Herrn Juwelier Oswald Riemer, Prag l>, Pki- koph 83, bekanutzugeben. Elternabend Prag VN, Montag, 18. d. M., LÜ Uhr, Messepalai«. Neuwahl de« Elternausschusses, Vortrag Oberlehrer Scholz:„Des Kinde« Verhall- ni« “. Sonntag, den Wanderung in da« ^•1 Koeriba-Tal. Zusammentreffen Smicha- wer Bahnhof, um 8K Uhr. Legitima-- linnen Mitnahmen. Führer Platz. A. A.-V.-Jugend Prag. Reichenberg- Fahrer, Achtung!.Henle um halb 8 Uhr Treffpunkt bei der Produktenbörse am Havlikekplatz. Punkt 8 Uhr ist Abfahrt. Gewartet wird keinesfalls auf Nachzügler. Wir empfehlen nochmal« Wanderkleidung! Rückkehr am Sonntag abend« gegen 11 Uhr. Buchhandelrkuttnr im Dritten Reich. DaS Börsenblatt für den deutschen Buchhandel bringt in seiner letzten Augustnummer einen Artikel:„Mut zur Selbstkritik", in dem es heißt: „Kultusminister Rust sagte: Die Vnchhänd- ler haben sich dem Terror der undentschen Berlage zu wenig entgegenstemmt. Diese« Wort trifft in der Tat den Kern des Problems, da- uns so schwer zu schaffen macht. Irgendwer muß doch die Hunderttansende und Millionen von Bände der Werke der Herren Fkucbtwanger, Wassermann, Heinrich Mann, Klaus Mann, Tucholsky ufw. (Tie zwölf Schlimmsten wurden vor einiger Zeit ja vom deutschen Buchhandel in aller Oefsentlich. keit in Acht und Bann getan) in« Publikum vermittelt haben... Aller Anfang des Bessermachens beginnt daher allein damit, daß wir selbst uns dazu einsichtsvoll bekennen und daß wir zugeben, wenn e« uns auch noch so schwer fallen mag: ja, durch unsere Hände ging der ganze Dreck: und wenn wir nn« nachträglich die Hände auch gewaschen haben, a n g e f a ß t haben wir den Treck doch einmal." Im Anzeigenteil der gleichen Nummer befindet sich ein Inserat der hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg, in dem zum Preise von 8u Psg.„Bekenntnisse zum neuen Deutschland" angeboten werden, in denen die Herren Rudolf Binding. Kolbenhener, Wilhelm von Scholz und der französische Reaktionär Fabre-Luce gegen Romain Rolland einen„Gegenstoß" führen... Zoziaidemokratische Franenorganisation Prag. Montag, den 18. September Versammlung mit Vortrag der Genossin Abgeordn. Fanny Bla lny-KarlSbad, über das Thema:„Was b r i n g l der F a s c i ü m u S d e n Frauen'?" 8 Uhr abends,„Monopol". Jugendbewegung. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. SIS. uns Arbeitrstasseln. Montag, den 18. September, Bortrag des Genossen Ernst Paul über„M o d e r n t Propaganda". Pflichiveranslaltung für alle ArbeitS- und Ordnergruppen. Die Gruppenführer müssen sämtliche Mitglieder verständigen! starteten Marienselde-Zossen elektrische j.—— Siemens Wer zahlt|ür deut chen TonlM - Du! Sieh hin, ei» Film— Nur immer ro«! Zwar stehst du nicht de« Kurbelmov«, der diese Sache dreht— Sei froh! Dir wär nicht halb so wohl dabei, dir wär e« nicht ganz einerlei, Dn singst znm Schluß zu denken an— Wer macht da Dividende? Die Lugen zu, die Lugen auf— Scheinwerfer ank Und ihr Statisten Schminke dranf, heran an dl« Knlisien! Wo« man nicht sieht ist nicht geschehe». Hereinspaziert! Hier sind zn sehe«, zart parfümierte Lügen. Bezahl dein Geld. Ma« zeigt dir dann, wie man da- Leben leben kann. Wie spart man schnell zehntausend Mark. Wie wird man schön und klug und start. Hi« stehst du er— hier lernst du er— Nur immer ran und rau! Zwar flehst du nicht den Kurbelmann. der diese Sache dreht— Sei froh! Dir wär nicht halb so wohl dabei. Dir wär eS nicht ganz einerlei. Wer nimmt da Seid— wer steckt eS ei»— und wer legt wen damit hinein? Wer macht da Dividende!- Kurt Doderer. der Die ÄnAaze sich gegen eine junge Fran, die ihre Tante eines Sparkassenbuches über 10.000 lü mit Hammer erschlagen hat. Außer diesem, süc Tage berechneten Prozeß steht noch anderer schwerer Fälle bevor. Verlanget überall Salome. Es ist begreiflich, daß Fr. Rose Pauly gerade als Salome so große Erfolge errungen hat. Diese Partie ist ein Stück ihrer selbst: fanatischeste Leidenschaft. Aber Fr. Pauly geht in der realistisch packenden Gestaltung der Salome noch weiter. Sic steigert den Fanatismus zum grausamen Trotz, die Leidenschaft zur wilden Gier. Richts bleibt dieser Salome au meirschlichen Lastern, das sie uni unglücklich und bemitleidenswert erscheinen lasten könnte. Die Salome Fr. Pauly« ist eine Furie der Leidenschaft und Perversität, deren-Hinrichtung durch den eigenen Vater als Erlösung empfunden wird. Die Großartigkeit der schauspielerischen Leistung der Pauly als Salome beruht auch auf der rassiniertesten Detailcharakterisierung der Rolle, di« eine geradezu vollkommene Uebereinstim» mung de« mnstkdramatischen Ausdruckes mit den darstellerischen Gesten anstrebt, was namentlich in den stumme» Szenen und in der großen Tanzszene eindringlich offenbar wird. Auch gesanglich erschöpft die Künstlerin die Rolle restlos, stimmlich zu immer neuer und größerer Ausdruckrgewalt auS- holend, ohne die Schönheit des Tones zu verletzen. Begreiflich, daß Fr. Pauly als Salome stürmisch gefeiert wurde.— Den-Hauptmann Narraboth sang znm erstenmale Herr H a t t e m c r; sehr brav in Ton und Haltung. Dagegen erwiesen sich einige kleinere Rollen als nicht sehr gut besetzt. Prof. Georg S z 611 dirigierte das Werk; zwar nicht innerlich leidenschaftlich erglühend, aber so stürmisch in den Zeitmaßen, daß er die AufführungSdauer erheblich kürzte. S. I. Bon der Mozartgemeinbe. Wilhelm M c n g e l- berg, der weltberühmt« Dirigent des Concertgebonw in Amsterdam, wirb In Prag zum erstenmale in einem der AbonnrmentSkonzerte der Mozartgemeinbe anflretcn. Für das erste Abonnementskonzert, welches am 12. Oktober in der Lucerua stattfiuden soll, ivnrdc Antonino Botto gewonnen. Vormerkungen empfängt schon heute Iran M. Hopsau, Telephon 337-97. Montag— Spielplanänderung. Wegen Erkrankungen im Personal des Wiener Ensemble« mußte da« Gastspiel des Theater« in der Josefstadt verschoben werden. Es findet statt besten eine einmalig« Aorstcllnng(außer Abonnement) der Holländer- Revue„Höchste Eisenbahn" statt. B c g I n n 8M U h r. „Mamselle Ritonche." DienStag, 10. d., Erstausführung der neninszenierten klassischen Operette mit Irene E i s i n g e r In der Titelrolle. Erste Wiederholung am Freitag, den 22. d.— Die Abonnenten der Serien A—2, B—1, C—1 und D—1 werden besonder« darauf aufmerksam gemacht, daß sie d e m n ä ch st„M a m s e l l e N i t o u ch e" al« Abonnement-Vorstellung im Neuen Deutschen Theater zngetcilt erhalten. „D 34." Unter diesem Namen eröffnet heute abend« ein neue« tschechisches Theater lder Name ist eine Abänderung von„Tivadlo 1034") seine Tätigkeit. Die neue Bühne, deren Tendenz modern und linksgerichtet sein wird, spielt jeden Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag nachmittag- und abend« im Mozarteum. Die Eintrittspreise sind sehr niedrig gehalten, kaum teurer al« im Kino; die billigsten Plätze kosten nur 4 X. Da« von dem bekannten Schauspieler Emil F. B u r> a u geleitete Theater hat Stücke vou Kästner, Maja- k o v s k i s, Kirschau, Iasicüsklj u. a. ans seinem Spielplan; die Saison wird mit Kästner- Revue„Leben in unserer Zeit..." heute abend« nm 8J4 Uhr eröffnet. Wochcnspirlplan de» Neuen Deutschen Theater«. Samstag halb 8: Di-raell, Ersta-usführung mit Deutsch al« Gast.— Sonntag halb 8: Ball im Savoy, D 1.— Montag viertel 0: Höchste Eisenbahn, AA.— Dienstag halb 8: DIsraeli, A 1.— Mittwoch 8: Salome, B 1.— Tonner-tag halb 8: Ball im Savoy, C 2.— Freitag halb 8: Disraeli, D 1.— Samstag 7: Tannhäuser, A 1. Wochenspielpla» der Kleinen Bühne. Samstag 8: Höchste Eisenbahn..— Sonntag 8: Die Trafik ihrer Erzellenz.— Montag: geschlossen.— Dienstag halb 8: Mamselle NI- t o u ch e, neu inszeniert.— Mittwoch 8: Höchste Eisenbahn.— Domier-tag 8: Trafik ihrer Exzellenz.— Freitag 8: Mamselle Ni- tonche:— Samstag 8: Höchste Eisenbahn. Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag IL, Prikopy, Palais Koruna. Air Lehrer und Schüler. Unter diesem Titel schreibt die Wiener„Arb.- Ztg." u. a.: Die österreichischen Arbeiterravsahrer hatten Heuer bisher dreimal Gelegenheit, im Ausland zu starten. Sie stellten bereit« beim Budapester Judl» läumSrrnnen ihr Können unter Beweis, aber auch der vierzehnte Platz, den Hamed, vor kurzem in Frankreich bei Pari«—Lille errang, ist al« ein voller Erfolg zu werten. Der französische und belgische Arbeiterradrennsport steht weit über dem österreichischen. Draußen gibt es Hundcr:« von hochklassigen Rennsahrern, wodurch es, wie bei Pari«-— Lille, zu erbitterten Kämpfen vom ersten bi« zum letzien Kilometer kommt. Bummeln kennt man nur selten, da«-Hinterradsahrrn ist verpön!. Wenn im nächsten Jahre österreichische Fahrer in Frankreich und Belgien starten werden, werden ihnen die Erfahrungen Hamed!« sicher sehr zustatten kommen. Zwei klare Siege errangen die österreichischen Arbeiterrodsahrer in der Tschechallowakei. Oesterreich siegte in Teplitz Zweierradball 7:4. Die Oesterreicher spielten gegen den Bundermeifler Komoion. Die deutschböhmischen Radbal- l er haben in den letzten drei Jahren andauernd große Fortschritte gemacht. Die Gäste siegten dtcSma>l nur dank ihrer größeren Routine und dem besseren Zusammenspiel. Die Wiener Hösner und Sirocky nahmen am 80-Kilometer-Rennen Komatan —Teplitz teil. Im deutschen Arbeiter-Rad- und Kraftfohrerbund der Tschechoslowakei wurde erst Heuer da« Rennfahren ausgenommen. Die beiden VOLKS ZUNDER SOLO Zwei-Röhren-Vollnetz-Empl ängei (Wechselstrom) für S e 1 b s t b a u nur HC 460* komplett mit Philips• Röhren Verlanget Gratisprospekt Nr. 10 ERKA-RAOIO R. KRIEGLER koni. Radlofachieuhlft PRAG II., Nekazankä 8 Achtung! Vertreter u. Mitarbeiter 2102 überall gesucht! tzera»»a«d,r eietftieb Z«(b.— Sbtfitlattdt: tBilfcelm Steinet.— eetantwotllldkt Rebalteuc®t. 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Aber sie blieben ein interessanter Versuch, der nur geeignet war, in den technischen Geschichtsbüchern verzeichnet zu werden. Allen anderen Verkehrsmitteln technisch und organisatorisch turmhoch überlegen, konnte es sich. die Eisenbahn leisten, solche Neuerungen wohlwollend abzutun. Inzwischen hat sich aber im Lause der Jahrzehnte doch manche« geändert. Neue Verkehrsmittel tauchten aus uno wurden im heißen Kon- kurrenzkamps schnell technisch einwandfrei. Automobil und Flugzeug wurden gefährliche Konkurrenten der Eisenbahn. Gestützt auf«ine. gigantische Organisation des Verkehr«, blieb mau bei der Schiene sehr lange auf den Lorbeeren der Vergangenheit liegen. Allmählich jedoch fraß die technische Schwerfälligkeit bei den Privatbahnen zuviel Grundkapital und bei den Staatsbahnen zuviel Steucrgcldrr. Der Zeitpunkt war da, an dem der Triebwagen und sein Urbcrkollege der Schnclltrieb- wagcn, zu Ehren kommen sollten. Die liebe Lokomotive mit dem langen Wagenzug hinter sich, sic ist in allergrößter Gefahr jürm groben Hausknecht degradiert zu werden Alle„besseren" Arbeiten soll der Triebwagen bekommen. Wenig Fahrgäste und rasch aufem- andersolgcndc Zugaggregate, das ist die neue Forderung. Ueberall in der Welt ist man dabei Neukonstruktionen auszuprobicren und in Dienst zu stellen. Deutschland hatte seine Sensation mit Krukenberg« Propcllerwagen. In der Pra« Xi« steckte man allerdings einen Pflock zurück und stellte den Maybach-Gcbus mit 202 Plätzen und 160 Kilometer Stundengeschwindigkeit in Dienst. Auch Frankreich hat neben vielen Der- suchen mit Schienenautos— der gummibereiften Micheline usw.— vor ollem einen Schienenzeppelin hergestellt, der die Fahrzeit vom-Hafen Cherbourg noch Paris um zwei Stunden aus drei Stunden 10 Minuten herabdrückt. Kein« besonderen neuen Ideen bringt I t a< l i e n. Doch haben auch die italienische» Auto- sabriken, unter anderen Fiat, Triebwagen entworfen. Bescheiden und konservativ in bezug aus Geschwindigkeit ist England. Tie Armstrong» Withworth Merke haben einen Diesel-Triebwagen mit„nur" 96 Stundenkilometer gebaut. Dagegen Amerika! Ter amerikanische »Super Train" ist ein Aluminiumgeschoß auf Rädern. Tief und breit über den Schienen liegend, soll cs eine Geschwindigkeit von 180 Kilometer in der Stunde entwickeln. Man will di« Fahrzeit Chicago bis Los Angeles um fünfzig Prozent herabdrücken. Doß jedoch auch die Triebwagen nicht bis in den Himmel fahren, dafür wird mit manchem Einwand gesorgt werden. Es ist interessant, daß «S di« Militärs sind, die ihr Beto am ersten anmeldcn. Der erhöhte Einsatz von Triebwagen bringt natürlich eine starke Verringerung des Wagenparks. Nun behauptet der Große Generalstab in Frankreich, er könne bei Einführung der Schienenautos nicht mehr mobilisieren. Es wäre aber anscheinend noch gefährlicher, wenn ein Gcne- ralstab im Heitqlter der motorisierten Armeen den allgemeinen Fortschritt aufhalten würde, nur um oie alten, etwas angestaubten Eisen- bahnmobilisierungspläne verwenden zu können. MMeüims«m vr» Vublwos. Aerzt« warnen! Bedeutende Augenärzte sind ans Grund langjähriger Beobachtungen zur Erkenntnis gekommen, daß die moderne Beleuchtung den Augen nicht zuträglich ist. Da« Licht der Metallfaden- und Halbwattlampen, mit seiner großen Intensität und dem starken Gehalt an kurzwelligen, ultravioletten Strahlen, ermüdet nicht nur die Netzhaut,' es führt bei wiederholter, übermäßiger Einwirkung auch zu bleibenden Schädigungen de« Auges. Da die Augen des modernen Menschen ohnedies schon stärker beansprucht werden, als jene der Eltern und Ahnen, so verlangen die Gelehrten Aenderüng der Beleuchtungstechnik oder zumindest eine größere Schonung der Augen. Die Zeit df« Schlafes genügt nicht mehr. So sieht man heute bei allen jenen, di« die Warnung der Aerzt« beachten, die Verwendung von Stearinkerzenbeleuchtung. Für Stunden, di« nicht mehr der Arbeit und noch nicht dem Schlaf gewidmet sind, in denen man plaudernd im tränt«' Kreise der Familie sitzt, die man spielend mit Freunden verbringt, aber auch für solche feierlicher Stimmung, ersetzt man die grelle, schmerzende Helle der Glühlampe durch das lebendige, Weiche Licht der Stearinkerze. Dieses mild« Licht, frei von schädigenden Strahlen, verleiht dem Beisammensein einen eigenen Zauber und— ohne seinen saml- lären oder gesellschaftlichen Pflichten Abbruch tun zu müsicn, schenkt man den Augen die von den Aerzten im Interesse unserer Gesundheit geforderte Ruhe und Erholung. 100.