Erschein« mit Ausnahme des Montag täglich früh. 9t.tafttoa n.'Strtoantmo: Drag n. ntMioitfa t s ♦ Xdrpft.- löioa. 31 tag. noawttaH. 1 ab 3111,«, jmm O DeM 37544 Kvzelprels 70 Heller. ^Ewschließlich 6 Hiller Porto) 13. Jahrgang. Donnerstag. 21. September 1933 Nr. 221. Offener Putsdiaufrnf der fleimwehr Wilhelm Nießner 60 Jahre Der Krach im Rcgierungslager unvermeidlich— Dollfuß sagt den Ministerrat ah Wien, 20. September.(Siatnbciidj(.) Di« Loge der österreichischen Regierung ist so unhaltbar geworden, das; der für heute abend» angesetzte Ministerrat im letzten Augenblick abgesagt werden mutzte, da dir Regierung befürchtete, dah e« bei diesem Ministerrat zum ossrnen Bruch und somit zum Zerfall der Regierung komme» werd«. Den. ganzen Bormittag bis in die Abendstunden hinein bat der christlichsoziale Parteirat getagt. Es kam oabei, wie man hort, zu stürmischen Szenen, da ein großer Flügel der Christ- lichsozialen offenbar nicht mehr gesonnen ist, dir sascistischen Machenschaften der Regierung zu »nterstützen. Bezeichnend ist die Tatsache, daß an diesem Partrirat Bundeskanzler Dollfuß nicht trilaenommrn hat. Er wagt«S offenbar nicht einmal mrhr, sich vor seiner eigenen Partei zu verantworten. Die Situation ist so zugespitzt, daß in insormierten Kreisen schwerwiegende Entscheidungen vielleicht schon für die nächsten Stunden erwartet werden. t Die Heimwehr hat heute abends einen Aufruf«klaffen, in dem sie alle Brücken zu ihrem Regierungspartner, dem nationalständischcn Landbund, abbricht. ES hettzt in diesem Aufruf ausdrücklich: Die Erregung über die vollkommen unbegreiflichen und aus da» entschiedenste abzulehnenden Aeutzrrungen des Vizekanzlers ist der Heimwehrführung vollkommen unverständlich. Sie rüst ihre Mitglieder aus, sich der Bedeutung der kommenden Tage bewußt zn sein, und fordert sie aus, ihre St otzkrast bereit zu halten. Richt eine demokratische Mißgeburt darf und wird Oesterreichs staatliche Gestal- tnng sein, sondern Oesterreichs Zukunft ist der Staat nach saseisti- schen Erundsätzen. Mit diesem offenen Putschaufruf hat die Peimwehr natürlich jede Verhandlungsbasis mit ihren Regirrungspartnrrn, vor allem mit den Landbündlern, zerstört. Dollfuß Weitz in dieser Situation ossenbar nicht mehr auS noch ein und hat auS diesem Grunde den Ministerrat abgesagt. Dix heutige„A r b e i t e r- Z« i t n n g", welche dir Red« dr» Bundesrates Schärf über die drohende Razigefahr und die kritische Situation an der österreichischen Grenze veröffentlichte, wurde beschlagnahmt. Dollfun übernimml alle Exekutivgewalt Ohne Helmwehr und Landbund! Um Mitternacht wird von der Wiener amtlichen Nachrichtenstelle folgende Meldung auSgegeben: Wien, 20. September. sAR.) Bundeskanzler Dr. Doll sn ft hat infolge der Vorgänge der kehlen Tage beschlossen, eine Umbildung seines Kabinetts vorzunehmen. Der Bundeskanzler hat im Lause des heutigen Tages eine Reihe diesbezüglicher Besprechungen abgehaltcn, ist zu einem längeren Vortrag beim Bundespräsidenten Miklas erschienen. Man kann sagen, daft die aus die Umbildung deS Kabinetts bezüglichen Pläne weit vorgeschritten sind und in den nächsten Stunden zum Abschluß gelangen werden. Bundeskanzler Dr. Dollsuft wird fein Kabinett als Kabinett der Persönlichkeiten bilden, wobei noch erwähnt sei, daft die Kabinettsmilglieder, die Mitglieder deS Nationalrats sind, i h r e Mandate zu rück legen. Besonders hervoyzuhcben ist, daft Bundeskanzler Dr. Dollsuft die gesamte Leitung der staatlichen Erekutive übernehmen wird. I« Wiener politischen Kreisen wird diese wohl absichtlich unklar formulierte Mel- düng dahin ausgelegt, daß unter d«r staatlichen Sicherheit»exekutive nur Polizei und Gendimer« zu verstehen ist, daß also LandesverteidigungSmimster Baugoin bleibt und das Heer ihm weiter unterstellt bleibt, daß dagegen di« Landbund- und Heimwebr- Minister demissionieren. Für den Poi« des Sozialministers soll rin Ehristtich- sozialer aus Linz namens v l e i S n e r in Aussicht genommen sein. Bis zum Blattschlutz war die Liste deS neuen Kabinetts noch nicht fertig. Ob Dollfuß die Heimwehr wirklich auS dem Kabinett auöschiffen will und welche Folgen daraus erwachsen werden, darüber werden erst di« nächsten Stunden Klarheit bringen. Rcgicrnngskommissar tür die Alpine duldete Hetze gegen die Regierung überhaupt nicht zu im gegenwärtigen Streit ge. kommen wäre. Der Bcsdiluö der Londoner Kommission London, 20. September.(Reuter). Die inter- nanonale Uniersuchungskommission zur Beurteilung des Reichstagsbrandes in Berlin gelangte zu folgendem Beschluß: Ter Angeklagte van der Lubbc war nicht nur kein Mitglied der kommunistischen Partei, sondern ihr Gegner. Zwischen der kommunistischen Partei und dem Reichstagsbrand konnte kein Zusammenhang fcstgestellt werden. Die Angeklagten Torglcr, Timitrcw, Popow und Tannv müssen nicht mir im Sinne der Anklage für völlig unschuldig betrachtet werden, sondern als Personen anzusehen sind, die weder direkt oder indirekt mit dem Reichstagsbrände in Zusammenhang gebracht werden können. ES bestehe sehr ernster Anlaß, nm den Verdacht zn begründen, daß der Brand.entweder direkt von führenden Persönlichkeiten der deutschen nationalsozialistischen Partei oder'«direkt aus ihre Anweisungen hin gelegt wurde. Mehrstündige Anssprodie der Sozialdemokraten mit dem Bundespräsidenten Wien, 20. September. Heute vormittags begaben sich die Vertreter der österreichischen Sozialdemokratischen Partei, di« Abgeordneten Seitz. Dr. Renner, Schorsch und Jever zum Bundespräsidenten Miklas und überreichten ihm die sozialdemokratische Bolksadresse für die Einberufung des österreichischen Parlamentes, die bekanntlich mit 1,200.000 Unterschriften versehen ist. Bei dieser Gelegenheit entspann sich ztvischrn dem Bundespräsidenten und den sozialdemokratischen Führern eine mehrstündige Aussprache über die gegenwärtige politische Lage. ' Sic hohen genug vom Dritten Reich! Geflüchtete Tiroler Nazi» stellen sich sreiwillig. Innsbruck, 20. September. Bei der Zollstelle Plansee bei Rentte meldeten sich gestern zwei Tiroler Nationalsozialisten, die vor zwei Monaten nach Deutschland geflüchtet waren und sich nn Lager Lcchfeld befanden. Sie erklärten, von dort gi flohen zu sein, weil die Behandlung und das Essen schlecht gewesen sei. Die Heimkehrer wurden von der Hilfspolizei nach Innsbruck überstellt. Nach ihren Angaben befinden sich im Lager der österreichischen Legion in Lechselü derzeit gegen 4000 Oesterreicher, darunter etwa 1200 Tiroler. Notverordnung Ober Bergarbeiterlöhne zurückgezogen Wien, 20. September(LPB.) Die Regierung hat, um den Jtteik auf den Kohlengruben in Steiermark zu beenden, eine Notverordnung erlassen, di« den Arbeitern bei sofortiger Wiederaufnahme der Arbeit die Lohn» und Arbeitsbedingungen des 1. April 1088 sichert und die Einsetzung eines Regierungskommiss arü zur Durchführung der von der Regierung als notwendig erkannten Maßnahmen dorsieht. Durch diese Notverordnung wird die von der Regierung zur Regelung der Lohnvcrhältnisic im Bergbau vor einiger Zeit erlassen« Notverordnung, die ungünstiger« Lohnverhältnisse zur Folge hatte, praktisch außer Kraft g«setzt. An der amtlichen Begründung zu der neuen Notverordnung heißt es u. a., daß es ohne di« dou den Unternehmungen zum wiudesteu ge« 12 Arbeiter bestialisch ermordet! Greuel im Rheinland Düsseldorf, 20. September.(Fnpretz.) In den letzten Wochen sind allein in Wuppertal-Elberfeld zwölf Arbeiter be st calischer mordet worden. So hat man den fugend- lichrn Arbeiter D a e h l e r eines Nachts durch SA ans seiner Wohnung abholen lassen; am nächsten Morgen wurde er auf der Landstraße ermordet ausgefunden. Die Leiche war so s u r ch t b a r v e r st ii m m e l t, daß der Pater seinen Sohn nnr an den Kleidern wiedererkennen konnte.- Ein weiterer Mord ereignet« sich in. der Paradestratze. Dort schossen SA-Leute den Arbeiter Kreikampf nieder. Schwer verwundet ließen sie ihn liegen. Rach furchtbaren Schmerzen verstarb er an den Bauchschüssen, die ihm beigebracht worden waren. Die 68jährige Mutter des Ermordeten wurde verhaftet. Sie wird beschuldigt, an einem Zusammenstoß mit Nazis beteiligt gewesen zu sein. Als der jung« Kreikanipf beerdigt wnrd«, war die Anwesenheit der Estern nicht zugelassen. Einem Zimmervermieter wurde während einer Hau-suchung ein Möbelstück zertrümmert. Der Mann reichte Anzeige gegen die Täter ei«. Die darauf folgende Untersuchung bestand darin, daß er mit Gummiknüppeln furchtbar zugerichtet wurde. Unser Chefredakteur, Genosse Wilhelm Nießner, wird nicht wenig erstaunt sein, daß an der Stelle, wo er sonst zu den politischen Fragen des Tages Stellung nimmt, auch einmal seiner Person gedacht wird. Wir haben auch allen Anlaß dazu heute von unserem. Chefredakteur zu sprechen— wird. er doch 60 Jahre alt und wir tun es, obzwar er sich mit einer Heftigkeit, die wir sonst nicht an ihm gewohnt sind, gegen jede Absicht gewandt hat, in den von.ihm geleiteten Zeitungen seiner Person aus diesem Anlaß auch nur Erwähn« rig zu tun. So sehr wir uns mit dem Genossen Nießner vertragen— diesen Gefallen konnten wir ihm nicht tun. Nichts wäre dem politischen Leiter unserer in Prag erscheinenden Parteiblätter unangenehmer, als wenn wir in feierlicher Weise Lob aus ihn Zusammentragen wollten. Wir wollen also nur feststellen, woraus seine Lebensarbeit bestanden hat und was er für die deutsche Arbeitcrbcwegttng dieses Lande-? bedeutet. Nießner ist am 21. September IS73 in dem lvenige hundert Einwohner zählenden Orte Ncnhwc-zditz ini mährischen Bezirk Wi schau zur Wclit gekommen. Sein Baier ivar ein armer Gastwirt, der den aufgeweckt en Jungen in die Volksschule schickte und ihn dann in eine Buchdruckcrei in die Lehre gab. Zu dieser Druckerei wurde der„Bolkssreund" gedruckt, das Blatt, das sich als einzige sozialdemokratische Zeitung während der ganzen Verfolgungsära der achtziger Jahre allen tückischen Angriffen der Staatsanwälte zum Trotz d>»rch eine kluge und geschickte Rodakti oirsfü hru ng behaupten konnte. Die Leiter des Blattes tvaren die ersten Lehrer' des junget t Duckzdrnckers, der sich sofort mit Feuereifer in die Arbcitar- bewegung stürzte und seit Beginn der neunziger Jahre in der Sozialdemokratie Brünns tätig war. Sein energisches Eintreten für die Interessen der Arbeiterschaft, frühzeitig verbunden mit der ihm eigenen Besonnenheit, mit seiner Art, in den stürmischesten Zeiten jein ruhiges, voni Verstand diktiertes Urteil zn-lrcivahren, lenkten die Aufmerksam- keil der Brünner Genossen auf ihn. Bald— noch als Buchdruckergehilfe— begann er auch für das Blatt, an dessen technischer Herstellung er beteiligt war, seitdem er einen Beruf ergriffen hatte, zn schreiben. Es ist sicherlich kein alltäglicher Fall, daß es einer vmn Lehrbuben in der Druckerei eines Blattes zum El)esredakteur bringt, dabei alle Stadien über den Setzer, Metteur, Redakteur bis zur leiten den Stellung nn Blatte durchlaufend. Nach kurzer Tätigkeit als Buchhalter der Brünner Kranke nkosjc— TL. Czech W0L damals Ob- I Seite 2 Donnerstag. 21. September 1938 Nr. LSI 4 Liilth MaaeaMiMmMi und der Komet Ein abenteuerliches, modernes Miirchen von Kurt Doberer Kurzum, iu seelischer, ethischer und moralischer Beziehung war Mr. Schmitt schauderhaft. Aber in Chemie war er genial. Der nun solchermassen definierte Chemiker Schmitt stand vor Dick Douglas. Dieser wußte ihn auch dementsprechend zu nehmen. „Air. Schmitt", begann er,„ich bitte Sie nm Vortrag über den Akt zweitauieudundachtzig, der den„Grünen Kometen" betrifft. So viel mir in Erinnerung ist. zerfiel-ic'er Anstrag in drei Aufgaben: Es sollten die Elemente des Kometen, der Aggregatzustand dieser Elemente und di« etwaigen chemischen Reaktionen bei Erdnähe festgestellt werden." Mr. Schmitt verbeugte sich zustimmend. Dann hüstelte er nochmal und begann: „Akt Zweitausendundachtzig— Betreff: Grüner Komet. Tie'er Komet hat unser« Nummer Viertansendundsechsundachtzig. Zur Ausgabe A Doppelpunkt"— ivenn Schmitt sich exakt ausdrückte, verflieg er sich leicht dazu, die Satzzeichen mitzulesen—,„der Komet Viertausend- undsechsündachtzig besteht nur aus eincnl Element, und zwar aus Chlor. Die Beantwortung der zweiten Aufgabe ist ähnlich einfach. Dieses Chlor befindet sich zum größten Teil in gasförmigem Zustand. Ueber das den kleineren Raumteil einnehmende Schwer- gewicht der Masse läßt sich sage», daß es bei einem Austresfen lehr ralch iin gasförmigen Zustand sein wird. Chemisch« Reaktionen werden mehrere ein treten. Bei Einbruch des Kometen in di« Was- scrstoffhülle unsrer Erde entsteht ein Wasserstoff- Chlorgemisch. Da«s solchen Gemischen eigen- lümlich ist, unter der Einwirkung von Sonnenstrahlen zu explodieren, so wird dieses Gemisch dasselbe tun. Wegen der schlechten Vermengung kommen nur etwa ztvei Drittel der Chlorgasc für dir Explosion in Frage." Da aus der Miene von Mr. Schmitt ein« offensichtliche Verachtung für diese unvollkom- men« chemisch« Reaktion sprach, beeilte sich Sir Douglas, das auszusprechen.„Ein schändlicher Wirkungsgrad ist das", knurrte er. „Zwei Drittel", fuhr unser Chemiker befriedigt fort, ,-das sind etwa neunhundertfünfzig Millionen Tonnen. Dam kommen di« vierundzwanzig Millionen Tonnen Wasserstoff zur Ge- mischoildung. DaS sind also rund nennhnndert- fünfundsiebzig Millionen Tonnen, die da für die Explosion in Frage kommen." „Als ein zweiter chemischer Vorgang wär« die Zerstörung alles organischen Lebens durch die in d:e Lufthülle und aus die Erdoberfläche geschleuderten Chlorrestmassen zu erwähnen. Di« Zerstörung erfolgt durch aggressive Wasserentzie- huuq und durch die Oxydattonstätigkeit des frei» weidenden Sauerstoffes." Bedauernd fügte Schmitt noch hinzu, daß kür di«l« Reaktionen leider nur bereits durch di« Explosion mechanisch zerstörte Organismen in Frage kämen. Dick DouglaS nickt« wohlwollend.„Lieber Schmitt, wie Sie vielleicht bereits wissen, spielen sich die^e interessanten Dinge am achten August dieses Jahres ab. Ich hoffe, daß wir bis zu diesem Datum allen anderen Kleinkram erledigt lsabeu. Sie können alle nötigen Beobachtungs- nnd Kontrollapparat« für diesen Spezialfall anschaffen. Einige Tage vor dem Einsturz und wohl auch eine.Zeitlang" nachher, werden Sie mann, der verstorbene Mathias Eldcrsch der leitende Beamte— kam er am 27. Juli 19V1 als Redakteur zum„Volksfreund", so daß er bereits mehr als 32 Jahre in einer Parteiredaktion hauptberuflich tätig ist. Aber schon vorher war er— so jung er damals war— neben Dr. Czech und Eldersch der erklärte Führer der deutschen Sozialdemokratie Brünns und hat an all den schweren Kämpfen, welche die Arbeiter in der mährischen LandeSbaupl stadt durchgemacht haben, führenden Anteil! genommen. Und das war keine einfache Sache, denn die deutsche Sozialdemokratie stand in Brünn einer selbstbewußten, stolzen, von Arbeiterhaß erfüllten, zielbewnßien Bourgeoisie gegenüber, die ihre im Rathaus verankerte Herrschaft mit allen Mitteln verteidigte. Nießner hat— später auch in der Gemeindevertretung selbst— diese Ratbauskliquc mit aller Leidenschaft und mir außerordentlichem Geschick bekämpft und bat sich dor: den Rus nickt nur eines unbeugsamen sozialistischen Kämpfers, sondern auch eines taktisch klugen Politikers erworben. Bei den ersten Wahlen nach dem allgemeinen Wahlrecht 1907 eroberte er sich in heißer Schlacht den Wahlkreis Neurir- schein und bat seine Klugheit und Einsicht cbens o wie seine red ncrifdjc Begabung auck auf dem Boden des Di euer Parlam«n:s bewährt. 1911 unterlag er pvar einer bü: cgerkichen Dahl Yoalitton iefnii f sich aber bald«ir Le andere sich als einziger deutscher Svzial ldemokrot Beachtung und Anerkennung verschaffte und oft dem ganzen Landtag trotzte. Es war selbstverständlich, daß Nießner nach der Schaffung der Tschechoslowakischen Republik mit in die vorderste Reihe unserer Funktionäre gestellt wurde. Kurze Zeit im Brünner Gemeinderat unter den neuen schwierigen Verhältnissen tätig, kam er 1920 als Vertreter des Brünner Wahlkreises in den Senat, in den er auch 1925 und 1929 wieder- gewählt wurde. Er hat sich dort ein« beachtliche Stellung errungen, nicht nur unter seinen Klubkollegen, die ihn immer wieder zu ihrem Obmann-Stellvertreter wählten, sondern auch unter den Freunden und Gegnern, die ihn wegen seiner politischen Fähigkeit und seiner rednerischen Begabung schätzen. Wenn er bei den großen politischen Debatten im Senat das Dort ergreift, füllt sich stets der Saal, weiß man doch, daß der Kampfhahn Nießner in der Polemik mit leidenschaftlichem Ernst aber auch mit beißender Satire Schläge austeilen kann. 1920 bis 1926 hat Nießner das Amt eines Vizepräsidenten des Senats bekleidet, bis ihn der Bürgerblock aus dieser Stelle hinausgewählt hat. Seit mehr als zwölf Zähren— seitdem wir ein Zentralorgan in Prag haben— ist Nießner dessen Chefredakteur. Es war nicht leicht damals für das neue Blatt die Verantwortung zu tragen, die der leider zu früh verstorbene Lermak mit Nießner teilte. Die lange Krankheit und später der Tod Lermaks haben diese Verantwortung Nießners gesteigert. Nießner als Chefredakteur— das war und ist die Gewähr für einen stabilen.Kurs des Blattes, das ist die Gewähr des engsten Einvernehmens der Leitung unserer Partei mit der des Blattes, das ist die Bürgschaft für Klarheit und Festigkeit in der politischen Hal tung, die sich vom wilden Strom der Zeit nickt fortreißen läßt und jene Ruhe betvahrt, die heule notwendig ist, sollen die Machtstellungen der Sozialdemokratie erhalten und Katastrophen vermieden werden. Zn der Zeit siegreichen Vormarsches der Sozialdemokratie haben wir unseren Chefredakteur nickt übermütig gesehen, in der Zeit schmerzlichen Rückschlages niemals deprimiert. Er hat sich von Stimmungen des Tages nicht beirren lassen. Wie ein Steuermann den Riffen und Klippen ausweicht und nicht immer geraden Kurs halien kann, so hat der Politiker Nießner oft geraten, dem Stoß des Feindes, wo dieser am stärksten war, auSzuwachen, aber er vergaß nie wohin die Fahrt«cht» den Kurs auf den Sozialismus hat er»e aufgegeben. Unsere Zeit braucht daö UngestiUn der Jugend genau so wie die Erfahrung vor^HHrschuten. Diese Erfahrung sahrezehntelanger^ geschickt geführter politischer Kämpfe stellt uns Wilhelm Nießner dar und wir wünschen heute— nicht nur ihm sondern unserer Partei und unserer Presse— daß Nießner sein politisches und journalistisches Talent noch viele Jahre in den Dienst der Sozialdemokratie stelle, der sein Herz gehört und sein Leben gilt. E. 8t. Der Fall„ßohemia” Unter diesem Titel schreibt die„Prager Presse" u. a.: „Der von der„Bohemia" nicht bestrittene Bries enchält Angaben, die mehr als schlagend den Bcux'is erbringen, daß die führenden Männer d.r„Bohemia" nicht nur mit allen Kräften sich dem gegenwäriigen Regime in Deutschland g I e i ck z u s ck a 11 e n trachten, sondern daß sie in st ä n d i g e m Verkehr mit diesem Regime sieben, feine Leistungen aus dem Gebiete der Bekämpfung der Kultur(Fall Heinrich Mann)„um GerxS willen" zu vertuschen suchen, diesem Regime Knappendien.st« leisten, R«i- sen durch die Konzentrationslager in Deutschland planen, wahrscheinlich um ihren Lesern die narionalsozialistische„Wahrheit" zu vermitteln. Daß schließlich, was der Sach« die Kron« auf- setzr, ein deutsches Mitglied des tschechoslowakischen Parlaments, Abg. Dr. Gustav PeterS, nach der Meinung seiner engsten Mitarbeiter um jeden Preis Dege zu den Nazis sucht«, nur um „hinaus auf die Versammlungen der Volksgruppen fahren zu können", daß endlich di« ..Bohemia" in ihren Reihen auch anständige Männer besitzt, denen dieses ganze System zum -Halse bevauSwächst. Wir wollen uns nicht weiter mit Zitaten aufhaltcn. Wir haben längst gewußt, wie es in der„Bohemia" aussieht und welchen verderblichen Einfluß dieses Blatt— trotz seiner in der letzten Zeit geradezu stürmisch sinkenden Abon- nentenzayl— aus unsere deutschen Mitbürger ausübt.(Wahrscheinlich bemüht sich di«„Bohemia" auch deshalb ihr« Reputation hinter der Grenze auszubauen, um ja nicht der dortigen Zentrale für verbotene und erlaubte Presie mißfällig zu werden.) Wir wußten längst, daß sich di« „Bohemia" trotz ihrer schwer gleichzuschaltenden Bemannung„ideell" gleichgeschaltet Hal und daß sic getarnten oder schlecht maskierten Nationalsozialismus reinster Goebbels-Prägung an ihr« Leser vertreibt. -WaS wir aber nicht«rlvarten konnten, ist der unverfroren« ZyniSmuS, mit dem die„Bohemia" die Sache des veröffentlichten Briefes aus der Welt zu schaffen sucht. Sie erklärt wortwörtlich:„Wir glauben, in voller Uebereinstimmung mit der deutschen Oeffentlich- keit, richtig zu handeln, ivenn wir ein« Erörterung über diesen Vorfall heut« und in der Zukunft unterlassen." Eine solche Antwort ist kein« Antwort. WaS die„Bohemia"„glaubt", ist in dieser Sache vollkommen gleichgültig. Daß sie sich aber der„Ueber« einstimmig d«r deutschen Oeffentlichkeit" sicher zu sein meint, ist ein« schwere Beleidigung jener deutschen Oeffentlichkeit, die nicht von Dr. PeterS vertreten wird. Es gibt neben der Oeffentlichkeit, welch« di«„Bohemia" meint, noch ein« ander«, deutsch« und nichtdeutsche, nämlich tschechoslowakische Oeffentlichkeit— und diese hat es schon satt, die Eguilibristik der„Bohemia" ztvischcu der angeblichen Demokratie und deni gleichgeschal- tetstcu Nationalsozialismus, zwischen Prag und Berlin, zwischen beleidigter Freiheitlichkeit und servilster Vorschubleistuna für den die Grenzen der Nachbarstaaten mißachtendem SA-Geist, dies« Equilibristik ärgster politischer und sittlicher Unaufrichtigkeit und dabei Dreistigkeit zu dulden.— Es könnte, wenn sich di«„Bohemia" nicht sehr deutlich umschaltet, bald so kommen, daß sie tatsächlich und nicht nur über diesen Vorfall ihr«„Erörterungen in dcrZukunft unterlassen" lverdc. UebrigrnS sollte bei solchen Fällen die Oeffentlichkeit, und nicht nur di« deutsche, schweigen: der Staatsanwalt ergreife daS Wort!" Mn Nationalpartetter Bürgermeister voa Warnsdorf Mittwoch fand die Wahl des Stadtpräsidiums der Stadt Warnsdorf statt, nachdem die Wahl durch di« Nichtbestätigv«-' des Bürgermeisters Carl Richter notwenoia geworden»vor. Zum Bürgermeister wurde Herr Ed. S. Bürger (NationalPartei), zum ersten Stellvertreter Herr Ferdinand B o b I(christlichsozial) und zum zweiten Vizebürgermeister Genosie Josef Goth gewählt. Bis zur Bestätigung der neugewählten Bürgermeister wird Genosse Goth di« Amtsgeschäfte weiterfühven. Getarnte DNSAP. Ueber die Vorbereitungen zur„Deutschen Volksfront" schreiben die„Lidovc Noviny", daß die Verhandlungen auS dem Grund? geheim geführt werden, um die uninformierte Leffentlich- keit zu täuschen. An di« Spitze soll kein Parks- mentarier, sondern womöglich em Mitglied deS Jndustriellenverbandcs gestellt tverdcn. Die konstituierend« Sitzung wird aus demonstrativen Gründen nicht m Prag, sondern in der Provinz abgehalt«» werden. Der Gleichschaltung der nationalen Parteien soll die Verschmelzung des Parteienapparates und di« Gleichschaltung nicht nur der Presie, di« sich nach der„Sudetendcutschen Tageszeitung" würde richten müfferi, sondern auch die Gleichschaltung oller Kultur-, Sport- und anderen Organisationen, z. B. auch des Bundes der Deutschen, folgen. Die.Haupttätigkeit der „Volksfront fall in die unpolitischen Organisationen verlegt werden, durch die mau die Oeffentlichkeit leichter beeinflussen zu können glmrbt. London und Leipzig Die slelchsesch<ete Justiz em We.tpranger Der Reichstagsbrand»vor ein glücklicher und geglückter Einfall der Nazifiihrer. Diese plumpe Inszenierung l>at ihr Ziel nicht verfehlt: Millir- nen von Nichttvählern ließen sich in die Panikstimmung Versehen und haben am L. März für Hitler, den„Retter", gestimmt. Mer die Inszenierung einer Justizkomödie im Reichsgericht zu Leipzig ist kein glücklicher Einfall und sie wird nicht glücken. Sie war nicht zu vermeiden. Die wirkliche Brandstifter standen vor der Alternative: Selbstentlastung oder" Selbstentlarvung. Die Nazircgicrung hat notwendigertveise den Weg der Selbstentlastung gewählt. Die Hochprovoka- teure sind Gefangene ihrer eigenen Provokation geworden. Sie m»l ß t e n die angeblichen Brandstifter(die Kommunisten) und das dunkle Werkzeug ihrer Provokation, van der Lubbe, vor das Reichsgericht stellen. Die Nationalsozialisten zogen aus, um dir „bolschewistisch-« Unkultur" auSzurotten und die Welt von der„kommunistischen Pest" zu retten. An di« Macht gelangt, beginnen sie mit der Uebertrumpfung der bolschewistischen Schödlings- prozesie. Tie rühmen sich, Erneuerer des„Geiste- von Potsdam", Hüter der Potsdamer Traditionen zu fein. Friedrich der Große wird als „erster Nationalsozialist" vergöttert. Durch Verbrechen an di« Macht„legal'' gelangt, beginnen sie mit der Prostituierung der deutschen Justiz. Gehört denn die berühmte Sage von dem Potsdamer Miller nicht mehr zur Potsdamer Tradi- tion? Wie ein Hohn klingen die selbstbewußten Worte des einfachen Bürgers dem allmächtigen König gegenüber:„Es gibt noch Richter in Berlin!" Es gibt kein« Richter mehr in Deutschland. Weder in Berlin noch in Leipzig. Die Gleichschaltung der deut scheu Justiz bot keine Schwierigkeiten für Hitler und Frick. Die Juden mußten'raus. Die Arier im Talar ließen sich um so leick-ter gleichschalten, als sie meistens offen oder heimlich von Hans aus erzrcaktionär waren. Die junge und unerfahrene dcutsckie R-- publit zeigte sich leider in der Umsturzzcit zu mild und unvorsichtig. Sie blieb stehen vor dem Grundsatz der Unabsetzbarkeit der Richter, obwohl es sich um die wilhelminische Kkasicnjusti; handelte. Der heut« beginnende Prozeß der Brandstifter soll eine Probe aufs Exempel sein. Die Regie muß klappen. Die„nationalen Interessen" stehe» über der Gerechtigkeit. Di« gleichgeschaltete Justiz soll ohne Binde auftreten. Nicht zum ersten Male wird die Justiz im- vermeintlichen Ttaatsinteresse mißbraucht. Auch in anderen Ländern war eS oft der Fall. Aber in anderen Ländern konnte sich die öffentlich« Meinung und ihre anerkannten Wortführer dagegen ivenigstenS auflchnen. Auch die DreyfuS-Äffäre war eine. Justizschande. Aber in Frankreich erhob sich die mächtige Stimme des größten Dichters feines Volkes. Emil Zola schleuderte inS Gesicht der Justizmörder sein berühmtes: „ck'aoynso!" und weckte damit sowohl das Wrlt- gewissen, wie das Rechts, und Gerechtigkeitsgefühl seiner Mitbürger. Sogar im zaristilchen Rußland erhob der größte Dichter unseres Jahrhunderts, Leo Tolstoi, während des Bacchanals der allzu lenkbaren Kriegsgerichte seinen flammenden Protest: ,-J ck kann nicht schweige n!" Und was ist int„erwachten" Deutschland zu sehen? Der größte Dichter Deutschlands, der einen Weltruf hat und seine I Erfolge dem arbeitenden Volke in erster Linie sich wohl ganz diesen„Spezialstudien" widmen müssen/' Douglas hatte die letzten Sätze sehr ironisch gesagt. Aber wenn Schnlitt das auch bemerkt hätte, er hätte nicht im geringsten darauf reagiert. Er war nicht„mutig" uttd nicht„feig", aber vor allem: Sinn für Humor hatte er keine Spur. So verbeugte er sich nur würdevoll.„Sehr verbunden", sagt« er. „Ganz meinerseits", lächelt« Sir Douglas. Vom Landeplatz drüben klang das ratternde Geräusch eines Flugmotors. Douglas trat an das Fenster. Ein gclblackiertes Flugzeug breschte eben di« Betonbahn entlang. Einige Nieter vor der Pufferwand versank es im Bleischrot und blieb so stecken. Wem nrochte di« Maschine gehören? Es tvar sicher nichts Amtliches. Eben sah er den Piloten herausklettern. Der winkte etwas aufgeregt die Landungswache herbei und gab eine Karte ob. Was war da bloß? Wer mochte es so eilig haben? Da meldete auch schon die Lampe. Man brachte ihm die Karte.„Harry Flinsch" stand da in einer leichten und beschwingten Schrift. Dick Douglas schüttelte verwundert den Kopf. Harry Flinsch? Wie in aller Welt taucht denn der jetzt in dieser gelben Kist« hier auf. Aber er freute sich: Harry ist da! „Na, schaffen Sie mir dieses Individuum — hm— will sagen diesen Gentleman— schleunigst hierher!" Dick war vor Vergnügen in den R«>estil verfallen,>vi« sie ihn in den alten Tagen als„Mehgershunde unter sich" verzapft hatten. Dick Douglas lächelte, l-atte die.Hände in den Hosentaschen und saß auf der Platte seines Schreibtisches. Er dacht« an di« vielen Gelegenheiten, bei denen'sie sich gegenseitig aus der Patsch« geholfen hatten. Und nun war das schon solange her! Di« letzten Jahre war er hier ganz einsam gewesen. Eigentlich hatte er immer weni- ger an„bie draußen" gedacht. Nun gab es scheinbar plötzlich an allen Fronten etwas Neues. Die schwere Tür dreht« sich geräuschlos. Eh« er nur richtig aufblicken konnte, hatte ihn schon einer an den.Händen:„Mensch!— Dick! Servus! Es geht loS! Darum bin ich da!" Dick steckte schon mitten im alten Betrieb. „.Harrycheu, du scheinst ober mächtig Feuer unter den Kesseln zu haben. Trotz dem leichten Bauch- aniatz!" „Hab ich auch", grient«.Harry Flinsch.„Ich hab dir was Nettes mitgebracht! Einen ganzen Pack Briefe aus der„GeschäftSkorrefpondenz Ma- tasianis!" „Aus der Goschäftskorrespondenz Matajfa- nis?" horchte Dick auf. „Die hab ich mir allerdings etwas unrechtmäßig angeeignet", fuhr Harry Flinsch etwas sanfter fort. „Ach, du klaust noch immer, du Kleptomane!" lachte DougflaS. „Aber nicht um Gold und Geldeslvert" beteuerte-Harry Flinsch. ,Jch habe sie nämlich so teuerte Harry Flinch. ,Lch habe sie nämlich so ganz privat fiir den Kleinen Rat der Union besorgt", fuhr er eifriger werdend fort. ,Mi« sie das Zeug gesehen hatten, da haben sie vergessen zu fragen, wo und wie. So blieb ihnen die Spucke weg." Flinch begann,«in Bündel Papier aus einer seiner Außentaschen zu ziehen. „Aber besonderen Wert scheinst du diesen Dingen selber nicht...", wollte Dick anfangen. „Schscht!" machte.Harry,„erstens sind es die Kopien und dann war ick schon immer«tivaS großzügig und schlampert, also etwas genial, mit einem Wort gesagt. Ucberhaupt: erst lesen, dann reden. Hier, der ist eni Prachtvolles Exemplar zur Einführung. Ffft!" (Forrsitzung folgt.) Kr. 22t Donnerstag, 21. September 1983 Seite 3 Die tschechischen Linksparteien Mir einen smarten anfltasclstlsmen Kurs. Prag, 20. September. Heute referierte in einer gemeinsamen Sitzung der Klubs der Abgeordneten und Senatoren der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Partewor- sitzender Abg. H a m p l über oie politische Lage. Die Partei sprach sich für eine Rekon- struktion des Kabinettes aus, die nach der Durchberatung der dringendsten Regierungsausgaben, vor ollem des Staatsbudget- für das komniende Jahr, durchgcführt werden soll. Heber die Angelegenheit des Briefe- des päpstlichen NuntiuS Ciriaci erklärte Abg. Hampl, daß die Vertreter der Partei bei den Verhandlungen der Regierung Nachdruck darauf legten, daß bei der Lösung diese- ProblenieS in jeder Richtung die staatliche Souveränität und daü Prestige der Republik geinahrt werde. Unterrichtsminister Dr. Dörer erstattete dann Bericht über die Nitraer Angelegenheiten, über den Standpunkt der Regierung hiezu und über die Umstände, die zu der heutigen Lage in der Slowakei führten. In der eingehenden Aussprache wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller Koalition-Parteien, insbesondere hinsichtlich de- Dorgehen- gegen die deutsch« Jrredenta und gegen die Tätigkeit der zersetzenden Elemente hervorgehoben. Es wurde darauf verwiesen, daß der wachsende Umfang der Agitation, die beute die zersetzenden Elemente im Staate betreiben, vor allem auf die schwere Wirtschaftskrise und die große Not de- Volke- zurückzuführen ist. Die Klub- halten daher für dos wichtigste eine Einigung über da- Programm der Regier»ngSarbeiten, vor allem über die Hauptrichttinien des Wirtschaftsplanes. Ueber diese Angelegenheit wird in der nächsten Sitzung der Klubs verhandelt tverden, in der über den Wirtschaft-Plan der Regierung Bericht erstattet werden wird. * In eitler Beratung deS Parteipräsidiumü und der parlamentarischen Klubs der tschechischen Nationalsozialisten erstattete gestern Außenminister Dr. BeneS einen ausführlichen Bericht über die allßenpolitische Lage, worauf Minister Dr. Franke über die inner- Politische Situation referierte. Dr. Franke betonte die unbedingte Notlvendigkeit, daß sich alle Koalition-Parteien in absoluter Solidarität unter Zurückstellung aller Parteilnteressen um«ine starke Regierung ulld ein st a r k e S Pariament in dem einzigen Willen zu- lammenschliößen, den Staat vor allen ihm heute drohenden Gefahren zu schützen. Die Sitzung beschloß, ihren Vertretern in der Regierung aufzutragen, ein sofortige- und sehr energisches Einschreiten gegen alle umstürzlerischen Element« in der Republik zu fordern. Wir sind unS dessen bewußt, heißt e» in dem Kommuniquee, daß«S sich heute um Schicksalsaugenblicke der Republik handelt, wo eS notivcndig ist, alle- für die Sicherheit des Staates zu tun, weil eine erfolgreiche Außenpolitik einzig auf der absoluten Sicherheit im Staate beruhen kann. Die beiden Ministerrcferate wurden einmütig angenommen. 9er Tod im Konzentrationslager Hamburg, 20. September. Der ohemalig« sozialdemokratische Redakteur des früher«!„Bolts- boten" Dr. S o l nr i tz hat sich in einem Konzentrationslager in einem unbewachten Augenblick erhängt. schuldig ist, erhebt nicht seine Proteststimnic gegen oie teuflisch inszenierte Justizkombdie in Leipzig, die mit einem kalt berechneten Justiz, mord enden soll. Gerhart Hauptmann schweigt. Und sein Schweige» schreit zum Himmel. Das Gewissen der„besten deutschen Leute", die nicht in die Konzentrationslager eingespcrrt oder expatriiert sind, schweigt. Aber da» Weltgewissen ist erwacht. Nicht aus Uebcreinstiinmung oder Sympathie mit dem Bolschewismus, der ähnliche Älcichschaltungs- und Terrormethoden zur Schande der Arbeiterklasse leider Pflegt, sondern aus Empörung gegen die Hitlerbarbarei, die «in« Acltgefahr bildet. Das Welt Proletariat steht naturgemäß in der ersten Reihe der moralpolitischen Abwehraktion gegen die braune Mvrdpest, die besonders kraß in der Justizkomödie deS Leipziger Prozesses zum Vorschein koinmt. Das Weltgewiffcn ist erwacht. Die braune Mordautarkie versagt. Die blutige Hand der nordblonden Gleichschalter reicht nicht nach dein Ausland. Die Aufklärung des Reichstagsbrandes wird nicht in Leipzig vorgenommen tverden, jo», dcrn in London erfolgen. Der internationale Untersuchungsausschuß, der aus Juristen von Weltruf zusammengesetzt war, hat geragt und da- Urteil gefällt. Der deutsche Oberreichsanwalt und daS Leipziger Reichsgericht sind unter dem gewaltigen Dnrck der aufgewühlten öffentlichen Meinung der Welt gezwungen, mit dem internationalen Juristenausschuß zu rechnen. Der klägliche Briefwechsel der gleichgeschalteten höchsten Justizinstanzen des Dritter! Reiches mit den Mitgliedern deS imernationalen Anfkläninas» komitecS— tvas für eine Justizkatastrophe»m voraus, waS für eine Kulturschande für das deutsche Volk! Nicht einen, sondern zwei Brandstifter- Prozesse gehen vor sich: Leipzig imd London. DaS eine wird mit allen Vollmachten und mit der Todesstrafe auSgestattet— aber kein Vertrauen der eigenen Landes und der fremden Kulturvölker haben. Das andere hat keine gesetzliche Bollinacht und keine BollstrcckungSkrast gehabt— aber cs wurde durch das Vertraue»! der gesamten zivilisierten Welt getragen, die sonst durch die Klassengegensätze gespalten ist, in der Frage aber, wo die richtigen Brandstifter zu suchen sind, au-nahmSwoise einig ist. In Leipzig werden die Brandstifter die Ankläger sein. In London saßen sie in Efsigie auf der Anklagebank. In Leipzig tverden physische Todesurteile über di« Unschuldigen verhängt»verkett. In London wird die Naziregierung zur moralischen Todesstrafe verurteilt. Bekanntlich sind alle Bemühungen, den An- gellagteu unabhängige ausländische Verteidiger ju stellen, am Widerstand deS Reichsgerichts gescheitert. In» Londoner Gcaenprozcß haben sie trotzdem frei vor der ganzen Welt plädieren können. Trotz alle»! Absperrungsmaßnahinen der bitlerrcgicrung tverden die Ergebnisse des Londoner Gegenprozcsscs auch in Deutschland der Arbeiterschaft und dein gesamten Volke bekannt »»erden. Die Wahrheit nlarschiert und nichts kann sie aushalten! ver Boykott wirksam! Paris, 20. September. Havas meldet au- New?sork: Alle großen New Parker Geschäfts- Häuser haben ihr« üblichen Einkäufe a»ö Deutschland auf 60 bis 80 Prozent herabgesetzt, da die New Yorker Bevölkerung alle-, waS„Made in Germany" ist, boykottiert. DaSgleiche gilt auch von den übrigen Ländern der Bereinigte» Staaten von Nordamerika, namentlich vom Osten und von den»nittleren Gebieten. Im geringeren Maß« werden deutsch« Erzeugnisse im Süden und im Südwesten der Bereinigten Staaten boykottiert. „Selbstmord“ des Abgeordneten Putz Berlin, 20. September. sJnpreß.) Wir er« sahren aus absolut sicherer Quelle, daß der kom» munistische Reichstagsabgeordnete Putz, der im Gefängnis Moabit gcfa»»gen gehalten wurde, in seiner Zelle tot ausgesunden wurde. Di« Ge- fängni-leitung gibt„Selbstmord al- Todesursache an. Herr Sadt erläßt Einladungen zur Teilnahme am Leipziger Prozeß. Paris, 20. S«pt«n»ber. Der„Matin" meldet aus Berlin: Der bekannte mst der Verteidigung des Kommunisten Torgler betraut« deutsche Advokat Dr. Sack ersuchte den französischen Advo- katen Moro-Giaserri, den britischen Advo. katcn Pritt und den amerikanischen Advokaten Hays, tvelche sämtlich Mitglieder der Londoner internationalen UntersuchungSkommission sind, nach Leipzig zu ko m nrcn, um dem Prozess« gegen die wogen Teilnahme an der Brandlegung deS ReichStag-gebäudes ongeklagtcn Personen bcizutvohnen. Wer wird aber den Genannten die persönliche Sicherheit garantieren? Korrupte„Antikorrupttonisten" GoebbelS-Leute verhaftet. Wie die„Pr. Pr." nrcldet, soll in München der Obe'rregierungsrat im ReichSministerinm für BolkSaufklärung, Ernst Ra et her, der an diese Stelle durch Goebbels berufen»vurdc, wegen Kor- ruption verhaftet wordeir sein. R a e t h e r hatte die Leitung der Filnraufnahmen, aus den« Nürnberger Parteitag und benützte diese Gelegenheit, um gemeinsant mit einer größeren Anzahl promi- nenter Funktionär« der NSDAP für di« eigene Tasche zu arbeiten. 284.000 Arbeitslose In Oesterreldi Wien, 20. September. Amtlich wird mitgeteilt: Mitte September 1933 wurden in Oesterreich insgesamt 283.930 unterstützte Arbeitslose gezählt. Im Vergleich« zur letzten Zählung ergibt sich eine Abnahme von rund 7300. vas ausgehobene llaKenKreuznest »Wiener Polizeikommissär verhaftet! Wien, 20. September. Bei der neuentdcckten illegalen nationalsozialistischen Nachrichten- und Organisations-Zentral« handelt es sich um die Architckturkanzlei des Ingenieurs Ludwig S t i g- l e r sowie nm das Vereinslokal der Wiener Gruppe des Bundeüoberland iin ersten Bezirke und dessen Turnhallen im achten Bezirke. Alle diese Lokale wurden geschlossen. Der Leiter der illegalen Zentrale Jng. S t i g- l c r wurde verhaftet. Er»st ein frül>crcr SS- Mann, der mit einer größeren Anzahl von Nationalsozialisten in den Bund Oberland«i»getreten »var, um im Rahmen dieses Vereines die Tätigkeit der nationalsozialistischen Partei sortzusetzen sowie eine militärische Ausbildung der nationalsozialistischen Parteigänger zu ermög- lichen. Gleichzeitig wurden ferner einige Führer des Oberland, darunter der frühere Oberstleutnant Ernst Stclzel, Jng. Karl Höbarth saune Poli- z e i k o m nr i s s ä r Dr. Otto B c g n», der gleichzeitig wegen Mißbrauches der Amtsgewalt vom Dienste suspendiert»vnrde, verhaftet. Lie Nazibeseffenen Klerikalen. Die klerikale^Liebc" für das Deutschland der braunen Mörder ist„nicht geheuchelt". Die schwarzen und braunen Kreuzträger haben nun endlich die gemeinsame Linie gefm- den. Wer die christlichsoziale Presse liest, wird sich wohl schon lange gefragt hoben, warum die klerikalen Nazifreunde nicht klipp und klar ihr Kreuz mit dem der Nazi vertauschen und damit auch rein äußerlich dokumentieren,»vie innig ihre Freundschaft geworden ist. Die klerikale „Brünner T a g c s p o st", die dann, wenn die Nazi dem Herrn Dollfuß in Oesterreich»vic- der einen Streich auSgcsührt haben, niit guten Lehren für die Zusammenarbeit aufwartet, hat sich von„RectuS"»nieder einmal„Eindrücke dem Deutschland Hitlers"»nittcilen lassen. Daß„Rcc- tus", der Antisemit, nicht die blutig geschlagen«»» katholischen Gesellen und nicht die gemordete»» Arbeiter und nicht die von den bis an die Zähne bewaffneten „Rachttvächter"-Hitlers in den Konzrntrations- lagcrn gemarterten Gefangenen gesehen hat, freut die„Tagespost" ganz nnbän- dig. Deshalb druckt sie auch die Meinung deS „RectuS" ohne Kommcutar ab und gibt so ihrer Wohlmcinung zu dem,»vas der Antisemit RectuS von sich gibt, Ausdruck. Und die sieht so aus: „Wenn mau so manche Reden führender katholischer Männer in der Oessentlichkeit Höri, die erklären, daß sie alle ihre Kräfte und die Kräfte des katholischen Volkes mit einsetzen zun» Ausbau des neuen Deutschland, so ist dar keine Heuchelei" Natürlich nicht! Die„führenden katholischen Männer" in Hitler-Deutschland freuen sich doch darüber, daß man die Arbeiter und Angestellten, die sich von den Kapitalisten und ihren Knechten nicht devotest bis aufs Blut auSbcntcn lassen, ins Konzentrationslager prügelt, daß mau die Bcrtrauensmänncr der sozialistischen Arbeiterschaft niordct, daß»»»an die Leuchten de» dcutsck>eu Geistes hinausjagt und an ihre Stelle die Mainc- luckcn der Hitler-Mordbuben setzt, uu» den Ungeist abzulagern, der auch den Bestrebungen der römischen Finsterlinge dient. Werde»» sich die christlichsoziälen Arbeiter wirklich noch länger von diesen so begeisterten Nazifremidcu am Gängelband führe»» und ins Unglück treiben lassen? ver(Zenosse als Chefredakteur. Journalisten müssen über alles Mögliche, auch über Dinge schreiben können, die»hrein Wesen fernab liegen. Und so schreiben»vir denn auch— freilich nicht immer zum Vergnügen der Leser— über sämtliche Gegenstände und Probleme des Universum«, soweit»vir uns veranlaßt fchcn, damit den Tages- und den Dauer- iiitercfsen der Leserschaft dienen zu solle». Aber über eine ü schreiben»vir fast nie, nämlich über uns felbcr. Wahrscheinlich werden wir nie erfahren, wie dankvar uns dafür die Leser sind! Wir schweigen über nnS nicht etlva deshalb,»veil wir niemanden in unsere Benifs-„Gehei»nnisse" wollen sehe»! lasse», sondern weil wir gewöhnlich gar nicht oie Zeit dazu finden, uns mit uns selber zu beschäftigen»uid weil»vir eben auch nicht aunehmen, daß sich die r-eser für»lns auch nur einigermaßen interessieren. Also sind»vir— wenigstens in dieser Hinsicht— recht bescheidene Leute, und insbesondere»vir sozialdcmokratischen Journalisten machen»virklich recht wenig Aufhebens»nit uns selber. Tas ist in Ordnung so. Wichtig ist allein, daß Partei und Parteigenossen sich mit der Presse beschäftigen, mit ihrer Bcdeu- lmig, ihren Aufgaben. Ueber die Arbeitsmethoden und-Verhältnisse In einer Redaktion machen sich vermutlich die meisten Leser nur selten eine und wohl meist keine zureichende Vorstellung. Und nur ans ganz besonderem Anlaß wollen»vir einmal so iiber- heblich sein, ein wenig von uns zu reden, ein paar allgemeine Bemerkungen über die Mei- nungsbildung in einer, in unserer Redaktion und über daS Verhältnis zwische»» dein Chefredakteur und de»r übrigen Mitglieder»» der Redaktio»» zu machen. Kommandier! da der Eine, bestimmt souverän die politische Li»»ie, die Stell»»ng zu allen Ereignissen— und die anderen haben nur die Aufträge auszuführen? Oder kann da jeder, da doch alle geschulte Sozialisten sind und als Ver trauenspersonen handeln, einfach draulloSschrei- ben und seine Manuskripte unkontrolliert zum Druck befördern? Wie wird, zun»al in dein so wichtigen Zentralorga»!, die Notwendigkeit einer autoritative»! Leitung mit dem Ideal der Meinungsfreiheit jedes einzelnen Redakteurs in Einklang gebracht? Das geschieht— und kann unter Sozialdemokraten nur geschehen,— durch das freie Zu- ämmentvirken verantwortungsbewußter Männer mit einer vor allen» kraft größerer Erfahrung übergeordneten Führung, Uno von der Redaktion des„Sozialdeinokrat" Vars ich da»vohl einmal na»nens aller aussagen, daß»vir hierin i»n Ge- ühl und in der Ucberzcugnng leben, geradezu ein -Höchstmaß von Harmonie freier und dabei diszi- »liniertcr Arbeit bei uns hcrgcstcllt zu sehen. Uitb »aß in unserer Redaktion mustergültige Mci- «ungsfreiheit trotz eines absolut respektierten LeitungSwillens existiert, daß in den zwölf Jahren des Bestandes unseres Blattes nicht ein einziges Mal Mißbrauch der Freiheit, nicht ein einziges Mal Drosselung der Freiheit zu verzcichneu war, daü ist cs, was wir heute vor allein unsere»»! Chefredakteur Genosse» Nießner als seine Mitarbeiter danken»vollen und»vohl namens der gesamten Partei danken können. Sci»»e in mehr als einem Menschenalter sozialdemokratischen Kainpfcs— nicht nur mit oer Feder— gewachsene, durch tausendfältige Erfahrung, durch Arbeit au sich selber erworbene Schulung ist die Grundlage der Autorität, die es reibungslos ermöglicht, daß bloßes Fingerspitzengefühl uns sagt, was jeder von sich selbst aus und nur von sich selber kontrolliert zu»n Druck befördern kann,»vas in gemoinsamcr geistiger Vorarbeit klarzustellen, was durch die Hand des Chefredakteur« zu überprüfe»! ist. Diese Wechselwirkung innerer Unterordnung unter das reifere Urteil und die größere Erfahrung einerseits und die Achtung, anoercrseits des Chefredakteurs vor jeder Meinungsbildung der Mitarbeiter, eine Wechselwirkung, die nicht nur auf die politischen Fragen, sonder»» auch alle tägliche»! redaktionellen Interna sich erstreckt, das ist feite Erscheinung, die wir als besonders glückhaft bei unserer Arbeit empfinden. Dazu kommt, daß jede der unvermeid lichen, ja zu höherer Meinungsbildung notwendige» Auseinandersetzungen ausnahmslos in der würdigsten Form geschieht, daß keiner von uns jemals im Bewußtsein absoluter geistiger und moralischer Freiheit sich verletzt sah, jeder iinmcr nur gebunden durch oie gemeinsame Zielrichtung deS Blattes, der Partei, der Arbeiterschaft, des sozialistischen Kampfes. Daß das Glück, unserer sozialistische» Gemeinschaft tätig anzngehoren, für uns als Menschen»vie als Publizisten bei der täglichen Arbeit eine Steigerung erfährt, das sprechen wir heute, am sechzigsten Geburtstag NießncrS,»vahrhaftig nicht aus, um seiner Arbeit Lob zu sichern, sondern weil einmal auch in diesem Punkte ausgesprochen werden soll, was ist. Man braucht deswegen die Arbeit in»lnse- rer Redaktion, auch»vas die persönlichen Verhältnisse anlangt. sich durchaus nicht als ein ununterbrochenes Idyll vorzustcllen. Wir haben schon manchen Strauß— das soll nun keine Anspielung sein!—«ntercinanoer ansgcfochten. Aber daß dabei niemals schweres Geschütz auffuhr, daß alles vorbildlich genossisch und ich möchte sagen: wirklich ritterlich ausgetragen wurde, daß unter uns allen herzlichstes Einvcrnchincn, beste Kameradschaft, selbstverständliche Kollegialität besteht, das ist nicht zuletzt ein Verdienst NießncrS, seiner Klugheit, seiner Meuschenkenutuis, feiner inneren und äußeren Vornehmheit, die wir schlechthin für vorbildlich innerhalb der Partei halten. Wenn man praktisch betätigte Kameradschaftlichkeit und sozial-inenschlicheü Verständnis als einen Prüfstein für die Wahrhaftigkeit eines Menschen ansehen kann, dem seine sozialistische Gesinnung zur Lebensaufgabe»tnd zum Beruf geworden sind, so dürfen»vir sagen, daß Nießner a»rch in diesem Punkte vorbildlicher Genosse ist, voll Verständnis für jedes mitbestimtnende Ereignis int Leben seiner Redakteure, voll Entgegenkommens bei allen persönlichen Wünschen, die den Dienst berühren. Ganz besonders aber koinmt Nießners Noblesse als Mensch, seine Treue zur Kollegenschaft und seine hohe sittliche Auffassung als Redaktionsführer immer dann zum Ausdruck, wenn es gilt, eine» seiner Redakteure nach auße»! zu decken, sei es innerhalb der Partei, fei eS gar vor dem Gegner: wenn irgendeine Meinungsäußerung deS Blattes auf harten Widerspruch stößt oder wenn einer der Redakteure— auch das kommt natürlich vor— bei einem Artikel oder einer Notiz„entgleist", dann trägt Nießner, ohne je den Namen des Schreibers prciszugcoen, aus Eigenem die Beranttvortung und die etwa damit verbundenen Nnannehmlich- keitcn auch damr,»venu er den betreffenden Schriftsatz erst in der fertigen Zeitung zu Gesicht bekommen hat. Wir»visfen, daß er vor allem deshalb so handelt,»veil er davon überzeugt ist, daß»vir alle von Beranllvortungsbclvußtsein und von derselben Liebe für die Partei, zn den Arbeitern, zum Blatt, zur Idee erfüll» sind»vie er. Hat er in besonderem Falle diesen Glauben nicht, dann kann er auch anders: einer, der Disziplin nicht mitgcbracht hatte und dem sie nicht oeizu- bringcn»var, ist durch Nießner rascher Redakteur des„Sozialdemokrat" g e>v c s e n, als er cs geworden»var. Nun sieht das aber»virklich so anü, als ob Nießner nichts anderes als ein Ausbund prachtvollster Eigenschaften und ganz fehlerlos»väre, oder aber als ob wir dumm uud geschmacklos genug»vären, jemandem das einreden zu»vollen. Nein, nein,»vir kennen sehr gut auch die Fehler, die Nießner,»vie jedem Menschen, anhaflen. Aber was so sehr schön ist, ist der Umstand, daß Sie, lieber Genosse Nießner, auch»vcnn ich mich jetzt hier noch damit beschäftigte, morgen deimoch mein und unser aller licbensivürdigcr Freund blieben. Nun habe ich mir aber vorgenommcn, über Ihre Fehler erst zu Ihrem siebzigsten Geburtstag zu schreiben. Und so, lieber alter Freund, tverden Sie— ich könnte drauf schwören— mich morgen bewegen»vollen. Ihnen Ihre Fehler doch lieber gleich wenigstens mündlich.»uszuzählcn und Sie»vürdeipeine solche Anfzählnng mit der gleichen Liebcnstvürdigkeit, mit demselben ruhigen, klugen, ein wenig verschmitzt-ironischen Lächeln hinnehmen wie unseren Dank, unsere Anerkennung, unsere ehrliche, gefühlte Hochachtung,»nit deren Ausdruck wir Ihnen, nach mehr als zwölfjähriger täglicher Zusammenarbeit, eine kleine Freude zir Ihrem sechzigsten Geburtstag bereitet wissen möchten. L G. Seite 4 Donnerstag, 21. Scptemver inan T agesneuigkeiten Iwc PSE Dr. Werner, der Veviroler der Anklage. geradezu grausamen Gewalttaten gegen Sozialdemokraten und Konrntunisten einige Tage vor der Reichstagswahl zu schaffen. Rur mit Hilfe dieser Brandstiftung konnte sich Hitler, Äoering und Goebbels den Sieg vom 5. März sichern. Mag der Prozeß Unschuldige in den Kerker oder unter das Bell bringen, das mit Blut beladene Regime Hitler-DeutschlandS wird in diesem Prozeß dennoch gerichtet werden. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag: Prag lO.lv: Schallplatte», 12.85: Konzen, 17.45". Schallplatte», 18.80-, Deutsche Sendung: Füns Minuten sür die Frau 20.25: Konzert des Ondricek- QuartcttS, 21: Konzert des Orchesters der Prager Sendestation.— Brünn 12.10: Schallplatten, 17.55: 'Frauensunk, 18.25: Deutsche Sendung: Ein- fnhrung in die Kunstgeschichte.— Wien 15.55: Aus Tonfilmen, 16.25: Land und Leute im russischen Tur- lesian, 19.15: UntrrhaltuirgÄonzert, 20.30: Der Herbst.— Heilsberg 21.20: Lustige Geschichten aus Argentinien.— Breslau 20: Konzert.— Leipzig 17.20: Alt« und neu« Lautenmusik, 18.45: Schalt' plattenkonzrrt.— Berlin 17.10: Opern-Arien.- München 20: Sinsoniekonzert. Die holländischen Faseisten. Iw.Haag:n,d in Rotterdam kam es int Zusammenhang mit dem Unrsorntvcrbot zu Zusammenstößen zwischen holländischen Faseisten und Polizei. Oberst Lindbergh, welcher gcgeinvärtig mir seiner Gattin in Schweden weilt, ist Meldungen aus Stockholm zufolge gestern über Finnland nach Leningrad geflogen. Das gttundschaftstrefscn der nor-ostbohmischcn Jugendgr tippen im Allgemeinen Angestcllten- Berband Reichenbcrg am 16. und 17. September i» Reichenberg verlies sehr zufriedenstellend. Die am SanrStag im„Reichenbergcr Hof" abgehalten« A b r n d f«i e r, deren abwechslungsreiches Programm von den Jugendgruppeu Prag und Reichen- berg bestritten wurde und in welcher der Verbands, obniann Bergmann eine gehaltsvolle Ansprache hielt, war von weit über zweihundert Teilnehmern und Teilnehmerinnen besucht. Sie sowie di« mit ihr verbundcne Ausstellung d«r Gruppen Warnsdorf(Uebungssiinia) und Reichenbcrg fanden ungeteilten Beifall. Das Sonntogsprogramnt bestand u. a. aus leichtathletischen und beruflichen Wen- kämpfen. Trotz zuweilen strömendem Regen wurden di« Spor twe t t lä mpf« auf-ihn mit sehr guten Durchschnittsleistungen beendigt; als Sieger im Einzelkampf sing der Pro- ger Erwin Hosfutann hervor, während im Gruppenkampf die Reichenbcrger Jugendgruppe siegte. Besonders erfreulich verlief auch der Berussweti- kampf, der unter fachkundiger Leitung der-Herren Krötly und Wank« von einer großen Anzahl von Bewerberinnen und Bewerbern ausgetragen wurde. Die Ergebnisse waren: in Tschechisch: 1. Gertrud Simon, Reichenberg; 2. List Baudisch, Prag. In Stenographie(Schnellschreiben): 1. Gertrud Simon, Rcichenberg; 2. Joses Engler, B.-Kainnitz; in Schön- und Richtigschreiben erzielten An tob' Schissner, Prag, und Elli Hütter, Rcichenberg, die besten Leistungen. Die Ergebnisse der Berusswert- kämpfe sind der beste Beweis sür di« erfolgreiche BerusSbildungsarbeit in den Jugendgruppen des Allgemeinen Angestellten-Berbondes. Nachmittags unternahm die Jugend einen Ausflug nach Ralschcn- dorf, wo in der„Fichrelschänke" außer der Siegrr- verkündung und Preisverteilung, die der BerbandS- Jugendleiter Müller mit einer Ansprache vernahm, die restlichen Stunden des Beisammenseins bei geselliger Unterhaltung verbracht wurden. War auch das Wetter der Veranstaltung nicht gerade wohl gesinnt, so gestaltete sich das Tressen doch zu einer in jeder Beziehung wohlgelungenen und eindrucksvollen Kundgebung und zu einem erlebnisreichen Feite der Angeflelll-msugend. Ermäßigte Halbfahreskarten für organisierte Geschäftsreisende. Wie uns mitgeteHli wird, hat die Union der Geschäftsreisenden und Vertreter bereits mit der Ausgabe der ermäßigten Halbjohrestarlen, mit Gültigkeit vom 1. Oktober 1933 bis 31. Mär; 1931, begonnen. Die mit vorschriftsmäßigen Belegen versehenen Bestellungen werden vom Zentralsekretariat der Union der Geschäftsreisenden und Vertreter tn Prag IT., Aungmannova 29, sowie von den übrigen Sekrebtriaten und Ortsgruppen dieser Organisation entgegengenommen. Reue französische Briefmarken. Der französische Postministcr beschloß, anfangs Oktober neu« Postmarken mit dem Bilde Victor Hugos in Umlauf zu setzen. Einen Rionat später tverden Marken mit dem Bilde des ehemaligen Präsidenten D o u- mer und Aristide BriandS in Umlauf gesetzt werden Wird Frankreich Hitler ein Denkmal errichten? Unter diescur Titel erzählt Hubert R i p k a in den„Lidovö Noviny":„Glaubet nicht, was euch viele Deutschen so gerne einrcden würden! Glaubet nicht, oaß die Franzosen, wenn sic könnten, Hitler in einem Lössel Wasser criränkcn würden! Die Franzosen vermögen Anerkennung zn spenden. Sic anerkennen anch Vieles Hitler gegenüber>tnd würden nicht zögern, ihm diese ihre Dankbarkeit demonstrativ und offen zu bezeugen. Tas haben sic mir hier int Elsaß versichert und ich habe keinen Gritnd, daran zu zweifeln. In einer kleinen Gesellschaft in eincnt elsässischen Landstädtchen überraschte mich ein Herr, von dein wir gesagt wurde, daß er ein ganz besonderer Patriot ist, dadurch, daß er mit sehr ernstem Gesicht sagte:„Saget: Sic von Hitler, was Sic wallen, tvir Franzosen, insbc- sondera wir elsässischen Franzosen, sind ihm tief dankbar. Es wäre eine große Undankbarkeit, wenn wir ihm nickt so bald als möglich in Straßburg ein Kolossal-Denkmal errichten wollten".—?—„Jawohl, ein großes Dettkmal, denn Hitler hat sich nm unser Vaterland verdient gemacht. Heute fällt auch denen, die bei uns im Elsaß auf Frankreich schimpfen, nicht ein, Sehnsucht nach Deutschland zn haben. Hitler hat die von Fliegern, Infanterie, Artillerie und mit der Bevölkerung.'Aus dem Programm steht ein Rachtanslttg auf Köntggrätz, der mit aktiven und passiven Abweyrntilteln ausgcstattet ist, ferner ein Kamps der Infanterie und Flieger um eine z>t diesem Zwecke erbaute, zur Vernichtung bestimmte Ortschaft. Viel-Verständnis werden die Arbeitslosen für diese teure Spielerei nicht aufbringen. DipWerie-Wdemie in Griechenland. Paris, 20. September. Berichten aus Athen zufolge brach in Griechenland in der Umgebung von T r i k k a l a eine TiphthcritiSepidemie aus. An 5 0 Personen sind bereits gestorben und über 400 erkrankt. Luftkrieg im Frieden. Flug» und LuftverteidtgungStag in Königgrap. Die Masaryk-Flieger-Liga, der Aeroklub und der Ausschuß sür die Verteidigung der Bevölkerung in Köntggrätz veranstalten anl Sonntag, den 24. September in Köniagrätz einen Flug- lind Lnstäbwchrtag unter Zusammenarbeit Furchtbarer Tod eines Motorrad» fahrers. In Niemes Hai sich am 19. d. M. in den 'Morgenstunden ein schrecklicher Moiorradunsoll ereigne». Der 21 Jahre alte Bauzcichner Otto Folge aus Reichstädt fuhr aus seinem Alotorrade gegen NicmeS.'Als er wahrscheinlich einem Auto ausweichen wollt«, geriet er in den am Straßenrand« lagernden Sand, verlor die Herrschaft über die Maschine und stürzt« mit voller Wucht an«in Eisengeländcr. Ein Teil der BrüstungSslange durch, bohrt« ihm die Brust, so daß der Unglückliche ans der Stelle getötet wurde. Die Schwiegermutter erstochen Verbrochen aus gerechtem Zoe». Pardubitz, 20. September. Als gestern der 25fährigc beschäftigungslose und verheiratet« Tasckncrgchilse Anton P r t b n I ouS Sviikov nach ergebnisloser Arbeit- c aus Pardubitz nach Hause zurückkehrte, er im Kasten feiner Wohnung, die sich im Hause seiner Schwiegermutter befand, nach c r- sparten 100 Kronen. Scinr Fran hatte zrdoch daS Geld in die Wohnung ihrer Mutter, der 39jähr:gcn Witwe und Arbeiter:!» Marie Zbudilova, gebrach:. Pr:byl wollte in der Meinung, daß mant einer schweren Kcrkcrstrase in der Tauer von 6 Jahren verurteilt. vor Welt als Komödie bezeichnete Prozeß gegen die mrschuldig der Brandstiftung ai""agten Kommunisten Torgler, Sinti f, Popow und Taue w, sowie den zw..,len Holländer v a n d c r L u bbc. Kein vernünftiger Mensch hält einen der Augeklagten der Tat verdächtig, sondern jeder lveiß, daß der Reichstagsbrand in Szene gesetzt wurde, um cinen Vorwand zu den 20.000 Kinder betreut dar Arbeilerturn- und Sport- verband in den vielen Kinderabteilun- qen seiner Turnvereine. Darunter tausend« Kinder, deren Väter arbeits- los sind. Zum Blnmentao am Sonntag, den 24. September ist nun allen Arbeitern und Arbeiterinnen Gelegenheit- gegeben, dieses große Hilfswerk proletarischer Kinderfürsorge mit einem kleinen Scherflein zu unterstützen. Wer eine Blume kauft— übt olidarität Arbeiterkind!" Französischwachuug des Elsaß vollendet. Es lebe Hitler!" Annie Besant gestorben. In Madras (Vorderindien) ist die bekannte englische Theosophin Dr. Aimie Besan-t im Alter von 86 Jahren gestorben. Annie Besaut, geborene Wood, verheiratete sich im Jahre 1867 aus religiösem Interesse an einen Pastor, ließ sich aber im Jahre 1874 scheiden und wurde Freidenkerin und Sozialistin. Später ging sie nach Indien nnd übernahn: dort nach Frau Blavatfky die Fühmng der tlieosophischsn Benwgtmg. Im Jahre 1907 wurde sie die Vorsitzende der theosophischen Gesellschaft. Ta sie sich mit der indischen nationakisti- schen Bewegung identifizierte, wurde sie im Jahre 1917 von der Regierung in Madras interniert. Im folgenden Jahr wurde sie in Kalkutta zur Vorsitzenden dcS indischen Natro- nalkongresseS gewählt. Die Verstorbene ,^»deckte" im Jahre 1910 den„Messias" der Theosophen, K r i s ch n a M u r t i, den sie adoptierte und erziehen ließ. Das Nachspiel zum japanischen Ministermord.„Timös" meldet aus Tokio: Tie e I f K a d c t t c tt, di« der Mit äterschaft bei der Er- ntordnug des Premierministers Jnukai im Mai 1932 und attderer Terrorakte beschtlldigt waren, wurden zu je vier Jahren Gefängnis verurteilt. Ter Vorsitzende des Kriegsgerichtes hob bei der Urteilsverkündigtuig hervor, daß die Be- tvcgqrüitde der'Angeklagten nicht u n c h r e tt• haft gewesen seien, aber die Berlctzutig der militärischen Borichrislcn sei ein überaus schweres Vergehen. Ein Toter und sieben Verletzte durch ein Motorrad.'Auf der Stader Straße fuhr abends rin Motorradfahrer in eine in Richtung Har. bürg marschierende SA-Kolontre. Sechs SA- 'Mättircr wurden verletzt, davon drei so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Der SA-Anwärter Kurt Stüukel ist seinetr Vcr- letzungctt erlegen. Der Motorradfahrer, der gleichfalls mit Verletzungen dem Krankcul-atis ztige- suhrt wurde, erklärte, daß er iticht wisse,>vie das Unglück geschel;en sei. Die Telephon-Automatisierung de« Aussige» Bezirkes wurde eben mit einer Gcsamtkapazität von 4.550 Bcrbittdnngcn abgeschlossen, wovon auf Aussig 3.000 Verbindungen entfallen. Die Atltonratifterungsarbei'tc» nahmen 23 Monate in Anspruch. Dabei witrdo in Aussig auch die Kabelinerung des Telcphonnetzcs durchgesührt. Die Automatisicruttg des Aussigcr.Bezirkes ist eine weitere Etappe des Gesamtplanes, nach dem in Böhmen bisher bereits 16 automatisierte Telephönzentralcn errichtet wurden, von denen einige eine ganze Reihe von Nebciizentralen Das Spiel beginnt... Z u m heutigen Beginn d Reichstagsbrand-Prozess« Aus den Richterbänken sitzen die Statisten, Seht, sie lächeln— wissend, und diskret, Weiß dach feder dieser Erzfascisten, Welcher Wind durch die Komödie weht— Draußen sieht man sie die Galgen rüsten. Hier erhält der Mord den letzten Schliss, Denn es brauchen Hitlers Braunsadisten Zu der Untat«inen RrchtK-Tartüssr... Ist der Mord auch lange schon beschlossen. Diese Richter, jeder Goerings Knecht, Spielen grinsend für die Spirßgenossen Ihre Posse: neues deutsches Recht! Der den Brand gelegt, zieht an den Fäden. Langsam kreisen sie die Opfer ein— Wenn dir braune Ratter längst zertreten. Wird ihr Leipzig noch unsterblich sein! L l I i c. Arbeitersußboll im Wiener Radio. ,„..., Frei'tag, den 22. September, 18,10 Uh.' haben. Der Aussige: Bezirk hat acht'Neben-■„Einiges von der Europameisterschaft der Arbeiterzentralen.. s fußballer". Es spricht Gen. Lechner(Vafö), Mein Nr. 821 Donnerstag, 21. September 1983 Sette 5 Professor Teolonlus erllmfet. Von Volkmar S t o r f c r. Diese fortwährenden Meldungen über die dielen freiwilligen und vorsätzlichen Todesfälle durch Hausgas— geführt unter der Rubrik „Dubstmord infolge Gasvergiftung"— hatten den Minister für Volksgesundheit in einem ganz großen mitteleuropäischen Staate schon lange getränkt. Er ließ sich die statistischen Tabellen kommen und sah sie durch. Es ließ sich nicht bestreiten, die Kurve war im letzten halben Jahre gewaltig gestiegen. Die Zahl der an jedem Tage freiwillig durch GaStod aus dem Leben Gehen- oen stand fast so hoch wie die der täglichen sireudcnfcuerwerkc, die von der Regierung zur Belustigung der selbstmordfrendigcn Bevölkerung abgebrannt wurden. Hier mußte etwa- geschehen. Der Minister war nicht gewillt, den dunklen Fleck auf seiner Amtssührunazu belassen. Er beriet sich mit dem zuständigen Ministerialrat. Worin war die Urfach« zu den unzähligen Selbstmorden durch LauSgaS zu suchen? Zweifellos in der Leichtigkeit, mit der man ans jedem Gasherd, ans jeder BaSlanipe das giftige, todbringende GaS auS- strömen lassen kann. Folglich also müßte man ber Bevölkerung die leichte Möglichkeit nehmen. Entsprechend den Regicrungsgrpflogcnheitcn in jenem Staate dachte der Minister zunächst an ein diktatorisches Gesetz, daS den Lebensmüden und Verzweifelten bei Todesstrafe verbieten sollte, den Bashahn zum Zwecke dcS Selbstmordes zu öffnen. Der Ministerialrat machte seinen Herrn mit Recht darauf ailfmcrksam, cS werde bei der schlechten Gesinnung mancher Untertanen leider manches unbotmäßige Subjekt geben, daS sich nicht einmal durch die angcdrohte gesetzliche Todesstrafe von dem ungesetzlichen Freitod mittels des geöffneten Äashahnes abhalten lassen würde. Dem Minister leuchtete daS ein. Er verkannte nicht, daß auch die Diktatur ihre Gren- zm hat. Aber wozu stehen der Regierung hilfS- willige Professoren zur Verfügung? Man muß ihrer Wissenschaft einfach ein Ziel geben, muß sic mit der Nase darauf stoßen, was sie. zu leisten haben. Bon jeder Universität deS Landes wurde ein Professor berufen. Ihre Konferenz unter dem Vorsitz deS Ministers wurde sich schnell einig darüber, was zu geschehen Hobe: die Wissensrizast mußte versuchen, daS Leuchtgas zu entgiften. Dem Bashahn mußte der Anreiz genommen werden, schnellste, bequemste und chillistc Quelle für den sfreiiod zu werden. Freilich stand für die notwendigen Experimente der Professoren kein Geld zur Verfügung, denn der Universitätsctat war nhon überbelastet durch die Anschaffung von Maschinengewehren für die neuaegründctc wehr- sfortliche Fakultät., Ter Minister wußte, ,sich glücklicherweise Zu helfen,, indem er den. Fonds zur„Beschaffung billigen BrolcS für die unbemittelte Bevölkerung" umwandelte in einen solch«» zur„Entgiftung dcS HauSgases". DaS würde ßincr Meinung nach ja auch wieder den Unbemittelten zugute kommen, denn wenn sic nun auch vermehrt hungern mußten, so war ihnen wenigstens die ständige Verführung genommen, sich daS Leben durch den Gasfreitod zu verkürzen. Die Professoren lristclcn die schnelle und sichere Wissenscliaftsarbcit, die mau von ihnen nwartcl hatte. Schon drei Wochen nach dem Beginn der Experimente meldete der Professor Doktor Wilhelm Tcutonius beim Patentamt cm «xakteS Verfahren zur vollkommenen Entgiftung dcsHausgascs an. Wenige Wochen später(Kitt? man fämtlichc Gasanstalten des großen mitteleuropäischen Staates aus das neue Verfahren unigcstellt. Sie lieferten nur noch gcranticrt un giftiges Gas nach dem Patent Trutonius. Als am darauffolgenden Stichtag für Selbst- mordstatistik der Minister sirr Volksgesundheit die ihm vorgelcgten Tabellen durchsah, konnte er mit Genugtuung feststcllen, daß die Spalte für Eclbstmoro durch Gas gänzlich lcergcblicbcn war. Aber seine Freude blieb nicht ungetrübt, als fein Blick eine Spalte weiter glitt, wo die Selbstmorde durch Erhängen und andere TodeSartcn rubriziert werden. Die wiesen eine unheimliche Zunahme auf. Der Hunger war nämlich unter der Bevölkerung infolge der Streickmng des „Fonds für billige Brotbcschaffung" noch größer geworden und damit auch die Äcrzweiflung. Denn entgiftetes HausgaS sättigt ebenso wenig wie giftiges. Eine blutige Saalsdiladii In Berlin Rur im Filmatelier— aber... Der Schauplatz ist ein Filmatelier in Ber- Iin-NeubabelSberg. Gedreht soll eine Saalschlacht werden, die in dem Film„Horst-Wessel" spielt. Die Gegner sind Nazi und Marxisten. Verpflichtet sind 600 Statisten, darunter 80 Frauen. Die Proben waren befriedigend, itun zoll daS Spiel beginnen. Um jede ernsthafte Verletzung zu vermeiden, hat der Regisseur die Stichle, die während der Llchlacht als Schlagwaffe benutzt werden sollen, aus Kork, die Trinkgläser aus Zelloid anfertigen lassen. .... Der Saal ist gefüllt. Die Bersamm- lung hat begonnen. Eine komnrunistische Rede steigt. Die Massen" trampeln bei jeder Aeußernng gegen die Nazi begeisterten, verdächtig echt klingenden Beifall. Kronzeuge Dr. Veil. Der Ottatin, der um vte DronvfOuld mutzte. Wtrv Hugeuver«-Leuge feint Wenn die große Justizkoniödie vor dcni Leipziger Reichsgericht beginnt, werden die wirklichen Brandstifter anstatt in der Anklagebank im Auditorium sitzen. Und diescn Platz verdanken sic niemand anderem als ihre» willfährigen Henkersknechten, die befehlsgemäß den Kronzeugen ihrer Brandschuld, Dr. Bel l, um in ihrem Idiom zu sprechen—„umgeleg t" haben. 500 Zeugen sollen in der Angelegenheit des Reichstagsbrandes verhört werden, ILO werden vor Gericht aitftreten, Dr. Bell, der Kronzeuge, der Mann, der am meisten zu sagen gehabt hätte, wird nicht mehr unter ihnen sein. Befände er sich noch am Leben und wäre«S am entferntesten Winkel der Erde, niemals hätte man gewagt, den Prozeß stattfindeu zu lassen. Werden die Verteidiger der Angeklagten, wird eS der Gerichtshof wagen, während den Verhandlungen den Namen Dr. Bell in die Debatte zu werfen? Und wird es dann Zeugen geben, die über die Zusammenhänge zwischen dem Reichstagsbrand, dem Dr, Bell und der national- fozialistischen Partei anssagen? ES ist kaum an- zunchmcu, daß irgendwer heute in Deutschland derart mit seinem Kopf spielt. Wer ist dieser geheimnisvolle Dr. Bell, der als unsichtbarer Kronzeuge für d°e Unschuld der fünf Angeklagten und für die Schuld der Goering. Goebbels, Röhm und Heines durch den Verltanotungssaal schwebt? Sein Name tauchte zum erstenmal für di« größere Oeffentlichkeit in dem sogenannten Tschcrwoneh- Fälscher Prozeß auf. Auch damals spielte er eine geheimnisvolle, recht merkwürdige Roll«. Er war es, der für Sir Deterding mit den georgischen„Freiheitskämp- ern" Karunidze und Sedaderatsch/wili, mit dem alten General Wrangcl und verschiedenen anderen deutschen Offizieren wegen eines Feldzugs und Aufstellung einer Armee gegen Sowjetrußland verhandelte. Er war cs dann, als Detcrding die finanzielle Hilfe doch ablehnt«, der den Plan, mit falschen Tschwcrwonzen die russische Währung zu unterhöhlen, den georgischen Idealisten eingab. Und er war«S dann aber auch, der einen großen Gewinnanteil von dem Erlös mit den falschen Tscherwonzen forderte. Es gab auch schon vorher manch dunkle Aktionen, bei denen Dr. Bell sein«.Hände im Spiel hatte. Da gab es z. B. in England die berühmte Assäre mit dem gefälschten Sinowjew- Brief, die der Labonr-Party bei den damaligen Wahlen ungeheure Verluste einbrachte. Kein anderer als Herr Dr. Bell, der berüchtigt« Spitzel und Abenteurer, hat diese Aktion geleitet. Ihm war keine Sache zu gefährlich und zu gemein, wenn es für ihn dabei Geld zu verdienen gab. Er kannte aber auch keine Skrupel, nach beiden S ei t c n Geschäft« zu machen.^Ten Feind dem Freund und den Freund dem Feind auszulicfern. Sehr oft sind Dr. Bell solche Dinge geglückt, aber zum Schluß hat ihm ein solck)cs 'Geschäft int wahrsten Sinne deS Wortes den Kragen gebrochen. Eine Person, wie es Dr. Bell tvar, kam dcn Nationalsozialisten wie gerufen. Ta er außerdem 'n Sir Dctendings Diensten stand und durch die nationalsozialistischen Kanäle daS Geld seines Chefs rollen ließ, war er befähigt, in der Bewegung eine erste Geige zu spielen. Allerdings nur hinter den Kulissen, wie cs stets die Art dieses Die anwesenden Nazis zischey, pfeifen und machen Zwischenrufe. Da sausen plötzlich Bicrgläscr in die Reihen der braunen Zwischenrufer— aber echte!— und noch ehe der Regisseur recht weiß, waS eigentlich loß ist, hauen 600 Menschen mit Stuhlbeinen und Tischbrcltcrn— auch echten!— aus die Nazi ein. Die anwesende Polizei versucht zu schlichten und die feindlichen Haufen zu trennen; sie tvird nicdcrgctrampclt. Der brüllende, Pfeifende, schießende Regisseur ist machtlos. Die echte Bolkswut kommt zur Entladung! Die zusammengehaucnc SA und ihre Freunde müssen durch zertrümmerte Fensterscheiben flüchten. Schreien,-Heulen— ein ungeheurer Lärm herrscht im Saale, in dem das Stöhnen der Schwerverletzten ungehört un- tcrgcht... — Nach Beendigung der Saalschlacht stellt der Regisseur fest: Die neun Stühle aus Kork sind unverletzt; man hat sic verschmäht. Auch die 30 Gläser aus Zelloid sind heil geblieben. Dafür liege», kur; und klein geschlagen: 23 massive Tische, 21,7 Stühle, 76 Aschenbecher aus bestem Steingut, 173 Biergläser. Der anwesende Arzt verbindet 1l Schwerverletzte, 40 Leichtverwundete. Elf Leute sind Zähne eingeschlogen, einem ist das Gebiß zertrümmert, 14 andere haben keine Brille mehr und so weiter. Und die Filmgesellschaft muß ersetzen: 73 Anzüge, 12 Armbanduhren und für die 51 Verwundeten sind 543 Schmerzensgeld zu bezahlen. So endete die Saalschlacht für den Film„Horst Wessel", bei der die Marxisten an dcn braunen Nazi blutige, aber diesmal erlaubte Rache nahmen. Zu erwähnen ist nur noch, daß der Film selbst nach Ansicht des Momuskriptautors H. H. Evers ein Schmarren ist. politischen Abenteurers gewesen ist. Eine kleine Trübung trat ein, als Deterding mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen halte und die finanzielle Unterstützung einstellen mußte. Dr. Bell schlug sich nun ganz auf nationalsozialistische Seite und suchte und fand reichliche Betätigung. Besonders intensiv arbeitete Bell mit dem Stabschef Röhm, dem Fememörder Heines und Dr. Goebbels zusammen. Für dcn geheimen 'Nachrichtendienst der NSDAP, war«r von unschätzbarem Wert. Aber die Nazis kannten ihren Dr. Bell genau und wußten, daß er, ohne ntit der Wimper zu zucken, auch sie bei der ersten sich bietenden günstigen Gelegenheit verkaufen tvürde. Die Rolle Dr. Bells beim Reichstagsbrand ist ungeklärt und wird cs wahrscheinlich auch immer bleiben. Fe st steht allerdings, daß er den„Brandstifter" van der Lubb« ebenso gekannt hot>vic sein Freund Röhm, daß er Lubbe nicht als holländischen Kommuni st en, sondern als jungen N a Ilona l s o z i a l i st e n gekannt hat, auf dcn Herr Röhm ein Ange geworfen hatte. Fest steht ferner, daß sich Dr. Bell in der Nacht deS Reichstagsbrandes in Begleitung des Fememörders -Hein« in Berlin befand, daß er am Tage im NcichstagsprasidentenpalaiS bei Herrn Gocrkng gesehen wurde, daß er am nächsten Tag aus Berlin abrciste. Fest steht auch, daß Dr. Bell kurze Zeit darauf der Deutschnationalcn Volkspartei durch Vermittlung ihres Fraktionsführers Dr. O b c r f o h r e n eine wahrheitsgemäße Darstellung deS Reichstagsbrandes zum Kauf on- bot und daß Dr. Oberfohrcn die Mitteilungen ertvorb. Dr. Bell hatte richtig spekuliert. Er wußte, daß die Deutschnationalen t«s größte Interesse daran hatten, eine Waffe gegen die übermächtigen Nationalsozialisten in die Hand zu bekommen. Er batte aber unterschätzt, wie gefesselt, wie hilflos die Deutschnationalen* auch mit der besten Waffe schon waren. Zu spät merkte er, daß er ständig überwacht wurde, daß man seinen Verrat entdeckt hatte. Die im letzten Augenblick höchster Not durchgeführte Flucht endete, wie bekannt, mit dem Tod deS Kronzeugen für den Reichstagsbrand. Wenn man sich in Leipzig auch nur im entferntesten den Anschein geben würde, eine normale Gerichtsverhandlung zu führen, so müßt« das Kapitel Dr. Bell unter allen Umständen zur Sprach« kommen. Und dann müßten als unerläßliche Beweismittel die hinterlassenen und von der SA beschlagnahmten Briefe Dr. Oberfohrens verlesen werden, dann müßte Dr. Hugenberg als Zeuge, der nichts verschweigen dürft«, und der Berliner Korrespondent des Daily Expreß, Del- mar, der ja mit Bell ebenfalls tn Äcrbindung stand, vor die Barre treten. Keine Angst, meine Herren Propagandaminister, Minister— und Polizeipräsidenten, es wird nicht geschehen. Sie werden es zu verhindern wissen. Hundcrtzwanpg Zeugen werden der Welt Ihre Unschuld und die Schuld der Angeklagten„beweisen". Der eine Zeuge, der Kronzeuge für die wahre Schuld des Reichstagsbrandes, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Heute sitzen Sie noch im Auditorium. Es kommt aber einmal der Tag, an dem auch Sie aus der Anklagebank Platz nehmen müssen. Kein Finger wird sich dann in der ganzen Welt für Sie rühren! Ccha. Volkswirtschaft und Sozialpolitik kine Industrie, der es gut geht.' Zwischen Weizen und Roggen besteht keine geringe Preisspanne. Tie prcisdrückeude Tendenz auf dem Roggcuinarlt l)ält an. Deshalb wird beabsichtigt, 4000 Waggons, d. i. 400.000 g, Roggen der SpirituSvcrarbeitung zuzuführen. Daraus festen 120.000 bl Spiritus erzeugt werden. Diese Meldung lenkt unfcren Blick auf die Spiritusiudustrie, von der man sonst verhältnismäßig wenig hört. Es ist allgemein bekannt, daß der Verbrauch an Trinkbranntweiu sehr, und zwar auf etwa em Drittel der Vorkriegszeit zu- rückgcgangen ist. Dies hängt zum Teil mit der hohen Besteuerung des zu Trinkzwecken bereitgcstcllten Spiritus zusammen. Die Spiri- tusstcucr beträgt derzeit 25 Ki> je Hektoliter, während der Spirituser',enger nur 3 bis 3.8 Kc für fein Produkt erkalt. Die Steuer ist m i t- hi n achtmal so hoch als der Verkaufspreis. Die Tschechoslowakei l)at den zweithöchsten Branntivcinprcis Europas. Wäre also di« Spirituserzcugung allein voni Trinkverbrauch abhängig, dann mußte sie wesentlich eingeschränkt iverdeu. Was selten wir statt dessen? Die Zahl der Spirit usbrcnnereicn ist nicht nur konstant geblieben, sondern noch gestiegen. Es waren deren vorhanden 1022 903, 1929 896 und 1932 923. Arbeiter wurden beschäftigt 1922 5134, 1929 4700 und 1932 4806. Die amtlich festgestestt« Erzeugung betrug: 1922 455.803, 1929 615.877 und 1932 736.004. . Was besagen dies« Zahlen? Die Zahl der Brennereien ist leicht gestiegen, die Arbeiterschaft ist fast unverändert geblieben und die Erzeugung wurde ganz Ivesent- lich gesteigert. Dies trotz des einzig dastehenden Rückganges des ursprünglich fast alleinigen Verwendungszwecks Jedermann braucht die tägliche Schale Meinl* Kaffee. Kaffee erfrischt und macht lebensfroh, Milchkaffee mit Gebäck oder Butterbrot Ist eine ge sunde und billige Mahlzet' MEINLS von Ki 14*— pro /, xg aufwärts, /fezzic rruJbtJteu.: Nr. II KC 12 so>/. kg „ Faxend« 01a)„ 11—>/«„ „ III 10— 7.„ H I?••••••• H 0*— f,„ gute tätigt 7rU4cAu/igt/i au KO 8— und 7*—'/< kg JULIUS MEINL Kaffee- und Tee Import für diese- Produkt. Der Spiritus hat eine neue Verwendungsmöglichkeit gefunden, di« ihm ungeahnte Chancen eröffnet hat: er wird immer mehr technischen Zwecken zugeführt. Der gesetzlich vorgeschriebene Beimischungszweck von Alkohol zu Benzin und di: Vermehrung dcs Verbrauch« zu Koch-, He:z- nnd Belcuchtungszwecken, die Verwendung al» Lösungsmittel usw. haben dcn Spiritus zu einen: wichtigen inländischen Rohstoff bezw. .Halbstoff gemacht. So kommt es, daß wir bei der Spiritusiudustrie die seltene Tatsache zu verzeichnen haben, daß diese sich durch Krise und Hochkonjunktur aus gleicher Basis hielt und selbst tvährend der Dauer dieser furchtbaren wirtschaftlichen Depression ihren hohen Stand beibrhieit. Das gibts in der Tat nur einmal! Das Spirituskapital kann beruhigt sein, es ist auch für die Zukunft ein geregelter Absatz sicher. Bautittkgkelt im Jahre 1832. Der vorläufige Bericht über die Ergebnisse der Bautäligkekl im vevgangenen Jahre, der im März d. I. veröffentlicht worden war, wird nunmehr vom Statistischen Staatsamt durch die endgültigen Daten aus 179 Stadtgcmcinden uno -Agglomerationen ergänzt(siehe„Mitteilungen des Statistischen Slaatsamtrs", XIV, Nr. 110 bis 119). Im letzten Iah«sieben t war die Bautätigkeit in unseren Städten am schivächstcn im Jahre 1930. Im folgenden Jähre belebten das Sinkest der Baukosten und die Unsicherheit auf dem Geldmarkt den Bau von Wohnhäusern in einer intensiveren Art neuerlich und diese Tendenz setzte sich auch in das Jahr 1932 hinein fort. Im Vergleich zum Jahre 1931 hat sich nicht nur die Zunahme an Wohnhäusern tveiter erhöht, sondern auch die Zahl der Umänderungsbautcn-ist gestiegen und im Rahmen der Jnvestitionsarbci- ten wurden auch mehr öffentliche Gebäude fertiggestellt. Dagegen ist wiederum ein Rückgang an Neubauetn für Industrie- und Handelszwccke festzustellen. An Neubauten überhaupt wurden im Jahre 1932 um 18 Prozent mehr kollandiert als vor zwei Jahren, Wohnhäuser um fast 20 Prozent mehr. Die Zunahme an Wohnungen erreichte jedoch diese Höhe nicht, sie war nur unt 7.8 Pro- zcut höher als im Jahre 1981 und die Zunahme an Räumlichkeiten um 11 Prozent höher. Dies ist eine Folge der Tatsache, daß im vorigen Jahre verhältnismäßig mehr Familicnhäuser gebaut tvurüen, die die Zahl der Wohnungen»no. der Räumlichkeiten nicht so stark erhöhen wie Zinshäuser. In dcn angeführten 179 Äcmcin- den wurden im vorigen Jahre 3.867 Umänderungsbauten(Zubautcn, Um- und Aufbauten) sowie 9.481 Neubauten fertiggcstelli, für 318 Gebäude tvurden Abtragungsbewilligungen erteilt. Von den Neubauten tvarcn 6.861 Fami- licnhäuscr, 2.093 Miethäuser, 44 Wohnanstalten, 133 öffentliche Gebäude und 350 Gebäude für Wirtschaftszwecke. Hinzu gekommen sind durch diese Bauten 38.286 Wohnungen, wcggesallen 1.571, so daß der Reinzugang 36.715 Wohnungen beträgt. An Räumlichkeiten enthalten die im Vorjahre aufacführten Bauten 261.518, weggefallen sind 6.983 Räumlichkeiten, so daß ein Rein zugang von 254.535 Nänmlichkritcn verbleib:, davon 96.216 Wohnräume und 158.319 sonstig: Räume. Seite 6 Sottiterttaij, 21. Uepiemlier 1988 Rr. 221 Ein Jahr in der Gewalt chinesischer Banditen (Skidjiirurf, auch aiifjUfli'itKifc, wrboten.) im Aus Gerichtssaal Nicht nur weil er n. Aus der Partei Kunst und Wissen Sport• Spiel- KörperpIleRfe Arbeiterjugend wnni- piinkilich tinjufiubcn. Zntrlli. Mitteilungen au« dem Publikum. Haarwäsche ahn« Wasser geht schneller: mit Kamm und Bürste und etwas Schwarzkopf-Trocken- Schampun dauertS nur 8 Minuten, und sie sehen trotzdem aus, als kämen Sie gerade vom Friseur. APS aus die Wir« an, die sie wegschleppten. UnS trieb Hier änderte sich das gute Sie verlangten unser aufschnürte. Karawane die reichste, zusammeustelltr. Der gehalten, bis eines Tages ein sicherten, es käme nur mitsamt den Kamelen man in eine Schlucht. Benehmen der Banditen. Geld, da»» tvcrdc man»ns sreilassen. Wir gaben, was wir halten. Aber statt uns freizulassrn, führten sie uns dann;u El-Bars, dem Häuptling, der anscheinend der Oberregisirur des UebcrsallS war. IM Frauen: 100 200 Meter An c'»c»t Meeres- Aketcr beteiligten sich Kristian'en in 11:58 200 Meter in 2:59.9 Mir Bisech 1:25.7 Min.; Kobbel 1:23.6 Min.: Palm 8:27.8 Mi». 2>4Io über 900 iegerin winde Er kümmerte sich nicht viel um unS, lies uns aber ein Paar Hütten errichten und schickte uns auch zu essen und lieh uns im großen und ganzen in Ruhe. Dann, im letzten Winter, trieb man unS plötzlich wieder aus den Hutten, setzte uns in bitterster Kälte gesesselt aus Kamele und bracht« unS so von Adak nach Auhsi. Offenbar halte General Ma-Chung-Ding diese Siandortvcrschiebung veranlaßt. Wirklich gelang es in'Auhsi von Ma zu erreichen, daß wir unsere Reise bis Sucho fortsetzen konnten. Als wir von hier aus versuchten, wieder eine 8n geheimer Verhandlung. Vertagter K>nd«rschändung»prozeß vor dem Schwurgericht. Prag, 20. September. Bor den Geichworcuen stand heule der 23jährige Lackiercrgohilf« Ottokar P a u r unter der dreifachen Anklage der Notzucht, der Schändung und der gefährlichen Drohung. Die Verhandlung war geheim. Tas Opfer des Angeklagten dsl ein achtjähriges Mädchen, das er t» Gb« ll in ein leeres Zimmer lockt«, wo er mit Auistreicheravbeiten beschäftigt war, und dann in abscheulicher Weise mehrfach mißbraucht«. Eine elfjährige Kameradin des mißbrauchten Kindes, die er gleichfalls in den Raum gelockt hatte, konnte noch rechtzeitig davonlaufen und alarmierte die Nachbarn. Der Täter entfloh auf seinem Fahrrad, stellte sich daun aber selbst der Gendarmerie. Er ist Im wesentlichen geständig und führt lediglich als Entschuldigung an, daß er kurz vorher neun Biere getrunken und nicht gewußt habe, was er tu«. Tie Bolltrunkenhcit wird aber von Zeugen bestritte». Tie Verhaudlttttg erlitt ein« längere Unterbrechung dadurch, dch di« Zeugen bestätigen es—, daß weder die Frau auf der Anklagebank noch ihr Gatte als brutal« Menschen anzusohen sind. Der geschilderte Exzeß, so abschreckend er an sich auch sein mag, wird verständlich, wenn man sich daS Milieu vor Augen hält, in dem dies« Familie lobt. Auf engstem Raum sind vier Menschen zufannnengopfercht. Der Schwiegersohn kommt Tag für Tag müde, hofsnungS- los und zevniüvbt von der Arbeitssuche Helm. Und die alten Leute, die dies« Welt nicht mehr verstehen, beg'unen allmählich dem erfolglosen Arbeitsucher die Schuld zu gaben. Ammer schärfer und bösartiger Verbindung mit Ma aufzunehmen, versagten all« Bemühungen. Ihr könnt Euch keinen Deariff machen, nn« wir aussehrn. Ich habe 72 Pfund obgenommen. Nein,«S ist nicht so schlimm, ein wenig dünn zu werden, aber die seelischen Leiden haben unS zu alten Leuten gemacht. Seit unserer Entführung hoben wir in unseren Kleidern geschlafen. Man quält un» mit Gerüchten, eS feien viel« Europäer ermordet worden. Aber daS geschieht wohl nur. um unS Angst rinzujagen. Versucht.>vie Zhr unS liclsen könnt. Wir leiden entsetzlich. Deine Freundin Maria Prdaschenko." Man nahm sofort Verhandlungen aus, erreichte sogar von Ma, dem General, ein Versprechen, die Gefangenen sreizulossen. Da mischten sich chinesisch« Militärs«in. Und plötzlich tvarr» die schönen Bcfreiungspläne zerstört. Ucbcr Nacht wurden im Auftrage de» General» alle Gefangene wieder ins Gebirge gr- fchleppl. Und seit diesem Tage fehlt von ihnen erneut jede Spur... Die LeidcnSzeit dec Gefangenen Hai also ihr Ende noch nicht erreicht— sosern sie überhaupt diese Tragödie überleben... I. I. G. Sozialistische Jugend- Kreis Prag Freitag, den 22. September, 8 Uhr abcud», Studentenheim(Odborovh dumj StanfttonOr-axweii Programm: 1. Unsere ReichSkonfercnz. 2. Berichterstattung über di« 2. ArbeitSktotzh, 3. Arbeitsplan der 3. Etappe. DI« Funktionär« oller Gruppe» sowie di« Kreis, leitungsmitglieder haben sich Nichtfunktionäre haben keinen Freiheit! werden die Gegensätze, bis schließlich bei einer «inairdersctznng die Explosion clntritt: die Alten weifen den Jungen dir Tür« mit unüberlegten, bösen und verletzende» Worte» und die Szene endet in der beschriebenen Art. Die Angeklagte bat bitterlich weinend die Elter», die di« einzigen Totzangen sind, bei der Perhand, lung um Verzeihung. Auch die Alien weinten und verziehen. Sie« n t s ch I u g c n sich der Zeugenaussage und die'Angeklagte wurde demnach sreigesprochen. rb- Mnssoliri auch am Ausstgrr Stadtthcqter? Zu unserer Mitteilung in der Dienstag Ausgabe, daß aiii Russiger Stadtthcatcr im Schauspiel Mussolinis„Napoleon" einstudiert werde, teilen uns die Aussige« Genosse» mit, daß sie nach einer telephonischen Rücksprache mit drm neuen Direktor'Alfred Hnttig feltgcstellt haben, daß Direktor Huttig Mussolinis„Napoleon" nicht kenne, weil er das Buch nicht habe und daher auch nicht entscheiden könne, ob das Stück einstudicrt werde. Alle Meldungen von der geplanten'Aufführung dieses Werkes sind also als verfrüht zu bezeichnen. Unsere Anssiger Genoflen schließen sich selbstverständlich unserer Ansicht an, daß rin etwaiger Versuch der Aufführung den Widerstand der sozialdemokratischen Partei anslösen müßte. Wochenspielpkan des Reuen Deutschen Theaters. Donnerstag.%8:„Ball im Savoy"(C2>.— Freitag,%8 Uhr:„DiSraeli"(D 1).— Samstag, 7 Uhr:„Tannhäuser"(A 1). Wochenspielpkan der Kleinen Bühne. Donnerstag. 8 Uhr:„Die Trafik Ihrer Exzellenz'. — Freitag, 8 Uhr:„M a m s e l l e N i I o u ch c". — SamStag, 8 Uhr:„Höchste Eisenbahn". Kreisleitunjj. Internationales Futzballturnlcr in Feldl rch. Anläßlich des zehnjährigen Bestandes der Fußballabteilung des Arbeiler-Turii- nnd Sporivereiues Ui Feldkirch(Vorarlberg) wurde eine Fußbolliuru:«» durchgeführt, an dem u, a. drei Vereine aus der Schwei; teilnahmen,»ud zwar'Nordstern Zürich, Rapid St. Gallen und AFE. Albisriedeu. Turniersieger wurde üb«rraschcnöem>e'fe AU'i'sricdeii niit 3 Siegen, 1 Uneutsch'eden und einem Torrerhälnns von 9: l vor Zürich(2 Siege, I Uueni'chicoen. l Niüderlage), Dt. Gallen,-Hard und Feldkirch. Ti« Spiel« verliefen alle sehr schön und fair und trugen sehr viel zur Festigung der Bcz'ehungcn mil österreichischen nnd Schveizer Vereinen bei. Im norwegischen Arbeitersport gab es in der letzten Zeit folgende bemerkenswert« 8oist>iil,zen und Ergebnisse: Im Weltsprung erreich!« Pedersen ein« Weil« von 7 Meter und Im 5000- Rieter- Lauf stellte Röivei mit 15:1-1.2 Min. eine neue norwegische Bestleistung aus. Der Radsnhrer 2? Uesen fuhr über 6 0 Kilometer mit 1: 15:13 Sid. eine neue Bestzeit. Die wichiigsten Ergebnisse der S ch w i m m« i ste r s ch a s t c n waren: Männer: IM Meter Crawl: Solhaug 1.10 Min., 206 Meter in 2:43.3 Min.: IM Meter Brust: Lundberg 1:20.8 Mi-n., Meter Rücken Meter Crawl Brust: schtvlmmcn in 120 Frauen. Minuten. Di» Wiener Sozialistische Arbeiterjugend veranstaltet« am Sonntag im Prater einen Herbst- Waldlauf, an dem fast zweihundert Läuter und Läuferinnen teilnahmen. Ti« wichtigsten Ergebnisse: 1-500 Meter für Sportlerinnen: l. Na- -vratil(ATA. Wieden) 6:09 Min Sportler: ILM Meter: 1. Mathias(ASB.) 4:30 Min.; 2500 Meier: 1. Muschik(WS) 7:48 Min.; Mannschaftslauf über 25M Meter: 1. ATB Simmering 8:25 Min. Die Bahnmeisterschasten der österreichischen Ar- britrrradfahrer wurden am Sonntag im Wiener Sl.i- dion durchgeführt. Di« Flieger nielsterscha ft über 10M Meter geivann überraschend Mälzer(Straszcii- bahn, Wien) vor seinen Klubkameraden Leupold uns Mohr 2. Di« Buivdesineisterschafl über l0 Kilometer gctvann Schmaderer(Straßenbahn, Wien) in bev Zeit von 15: 23. Im. Mannschaitsrenueu über 2» Kilometer blieben Schmaderer—Ziegler'(Straßen- dahn, Wen) nnt der sehr guten Zeit von 26:09 (46.140 Stundenkilometer) siegreich. Mamsell Nttouche Ti« klein« Operetten-Köstlichkeit der„Manuelle Nitouchc', eines der wenigen ebenbürtigen Schvr- stevkinder der Offenbach'schön Muse, Geschöpf des etwa auS der Johann Strauß-Zeit stammenden, g«. schmackvollen und e'-nsallsreichen Musikers Hcrvö und der von keinem der niodcrnen Librettisten erreichten Textvcrfassrr Mcilhac und'Millaud, in der ausgezeichneten Ucberjetzuug durch Genöc, wird jetzt in der Kleinen Bül»:« gesanglich. darstellerisch und szenisch in einer geradezu exzellenten Form dem entzückten Publikum vorgeführt. Elftes Hauptvcrdienst daran fällt zweifellos der Regie RenatoMordoS zu, di« den wirklichkeitscutruckien und dabei so lebensvollen Stil dieser wahrhaften Operette bis aufs J-Tüpsrlchcn trifft, voll Witz und Humor ist, die sozusagen disziplinierte Ungebundeicheit natürlich erscheinen läßt(und übrigens für die Ausfübrung der bühnenbildnerischen Ideen in den Herren Walls, Piperger und Rotulan ausgezeichnete Helfer gesunden hat). Menn nian von der doch zu großen Frag, wüiv'gkeil des Chainorc säparec Stils im Stift absieht, nnlß man der Ueberzeuguirgslraft und dem Reiz der Szenen uneingeschränktes Lob spenden, das sich denn auch, von-Seit« des Publikums, bei der hervorragend geglückten offenen BenvaMung der Hinterbühne mit ihrer schmievcnhaflen Nüchternheit zur talmigoldenen Vovderbühn« und den Logen, in spontanem Beifall äußerle. Boul Orchester her leistet Kapellmeister Rieger temperamentvoll und umsichtig Beistand; auf di« Ouvertüre allerdings könnt« man, wenn sie nicht stibliler nnd sauberer gebracht werben kann, verzichten. Tas schautp'eleriiche und gefänglich« Erlebnis des'Abends ist di« Mamsell Nitouche Fräulein Irene E i s i n g e r S, der wohl wertvollsten„Acqui- silion" unseres Theaters; hier ist nicht nur eine un- gemein reizvolle Stimme bester Schulung zu hören, sondern ein Temperament zu bewundern, Channe und echte Komik zu genießen. Beifallssalven, wie sie di« Kleine Bühne lange nicht erlebt hat, entluden sich aus einer prachtvollen Stimmung, sür di« aber auch alle anderen Künstler(einschließlich des ambitionierten Damenchors) srendig sorgen. So ziemlich olle komischen Talente unseres Theaters waren diesmal erfolgreich ausgerückt: am stärksten Dudek, dessen Loriot neuerdings zeigt«, welch große Bega-, buug hier für die Post« und das BoSsstück zu nützen wäre, dann Taub, d«r, bevor er>»och seine wenige» Sätze zu sprechen hat, schon durch stummes Spiel den genialischen Schauspieler ins Licht rückt, Ren- ner(Major) mit treffender Charakterisierung, obzwar dieser Künstler doch tvahrhaftig für dieses Genre nicht geschaffen ist: Herr Dörner spielt den Celestin mit unaufdriiiglicher leiser Komik iehr synrpathisch, - P a d l e s a k überzeugt durch seine Eleganz und sein | Alles-Können, das ihm sogar über kautabl« Der- , pflichtungcn hinweghilst. Sehr humorig mich oie : Oberin der Frau Reiter, originell parodisierend ’ Fräulein Tilde n. L. G. Vor unserer Zeitrechnung zogen die Kainel- karawanen durch die chinesischen Wüsten. Diese Wege haben sich— allen VerkehrSnenernngen zum Trotz— als die besten und znverläßiichstcn erwiesen. E» Ivar daher kein schlechter Gedanke, als im Mai 1932 in Sinkiana eine riesige Kamelkarawane zu sam menge stellt wurde, die den Weg zur Ostküste suchen und finden sollte. Schwere Baumwolle, kostbarstes Pelzwerk, feinstes Gold Packte man in Kisten, die man mit Decken umbüllic und den Kamelen Zweifellos war diese dir nian in der Neuzeit Gouverneur von Sinktang halte seinen ganzen Einfluß ausgeboien, um sie zusammcnzilstellen. Zhm gehörte auch das Gold in den Kisten des zweiten Trupps der Karawane. Auf jenen Pfaden, die schon einst Marco Polo sand und rühmte, stampften dir Kamele in gleichmäßigem Tritt der Küste entgegen. Eine politische'Ausgabe und eine wirlschast- liche Großleistung suchte hier Erfüllung. Gelang es, dir von Banditen reich besetzten Wege wieder dein Verkehr zugänglich zu machen, erschloß man Sinkiang wieder der Küste... Spurlos verschwunden! Man teilte die Karawane in drei Kolonnen. Einen Vortrupp von 150 Kamelen, einen zweiten Trupp von gut 1000 Kamelen und eine Nachhut von 250 Tieren. Alles erschien in bester Ordnung. Der Bor» trupp kam gut in Suchow an. Man wollte weiter durch Kansu zur Allste. ES schien sich gelohnt zu haben, daß man den alten Mobamme- daner Ti-Ho-Tan für zwar teures Geld als Führer genommen hatte. Er kannte den Weg und stand sich gut- mit den Rebellen und Band! ihnen die Munition und dir Waffen geliefert hatte, sondern auch wohl deshalb, weil er zum gleichen Gebirgsstamm mohammedanischer Chinesen gehörte, die die alte Karawanrnstraße besetzt hielten. Die erste Abteilung kam auch gur zur Küste — aber die zweite und die dritte Kolonne blieben plötzlich spurlos verschwunden. Man harrte vergebens der kostbaren Ware, die mindestens einen Wert von 4 Millionen Mark darstellte und der 14 Weißen, darunter Frauen und Kinder, die mit der Karawane zur Küste kommen sollten. Unter den Weißen befanden sich u. a. auch Angehörige alter bekannter russischer Familien aus-em Landesinnern, die sich bei'Ausbruch der Revolution in Rußland geslüchiel hallen und nun in Sinkiang ansässig waren. 2n den HSnden der Saharts. Heute weiß man, daß die Bergbaudiien, die Saharrs, d:c Karawane übcrsiclen und nach 2ldak brachten. Hier sind die Saharts k^st unangreifbar in ihren Grenzgebirgen und Schlupfwinkeln. Zn einer Art Lager wurd-m die Weißen hier gefangen— junger Mann aüslauchtc, der den Rebellen befahl, di« Weißen nach Suchow zu bringen. Aus diese Weife kamen die Entführten also ein wenig näher an Kansu heran. Aber imm.r noch waren sie viel zu weit entfernt von allen europäische» Niederlassungen und Einflußsphären, als daß man etwas für sic hält« tun können. Der junge Mann, der einen immen'rn Einfluß auf die Bergbanditen hatte, war rin gewisser General Ma-Chung-Wng. der vor fünf, sechs Zähren einmal viel von sich reden machte. Aber er schien die Absicht zu haben, die Weißen als Geiseln aufzusparen, jedenfalls beeilte »r sich keineswegs, die Freniden tveitcrznb'kärdern oder auch nur ein« Verbindung zur Küste herzu- stelleu. Gin Dokument des Schreckens. Unter den Gefangenen befindet sich eine Frau Pedafchenko, eine Russin, die lange in Urumchi wohnte. Es gelang ihr, einen Brief an eine Freundin herauszuschmuggeln, di« als Gattin eines englischen Arztes in Urumchi wohnt. Ter Brief, ein Dokument des Schreckens, sei tu seiner ganzen Länge und ohne Zusätze in der Uebersetzung wiedcrgegeben: „Liebste Freundin! Du ahnst nicht, was wir milgemacht haben. Ich muß mich kurz sasseu und erzählen: Am 4. Mai 1932 verließen wir, wie Tu ja weißt, Urumchi. Fünf Tage ging alles sehr gur. Am 8. Tage kamen wir in die Nähe des Lagers, das Ti-Ho-Tan gehört Hier erwartete er, der eigentlich mit der ersten Gruppe reisen sollte, uns mit der Nachricht, der West sei in der direkten Linie mit Rebellen besetzt, wir müßten schon einen Umweg einschlagen. Wir glaubten ihm und zogen auf schmalen Pfaden höher ms Gebirge. Am 8. Tag«>rach unserem Aufbruch befanden wir uns in einer öden Berggegend. Eines Abends waren unsere Wachmaniischaficn. die Ti-Ho-Tan uns mitgegeben hatte, verschwunden. Statt dessen wurden wir des nachts plötzlich beschossen. Plötzlich stürmten vcrtvcgcnc Gestalten heran. Einige darunter gehörten vorher zu unserem Schutz. Sie beruhigten uns und ver- PRAGER ZEITUNG. S‘>‘>•!' be t: Sictftiefe Land— Sbettefealteut: Wilhelm Ute»»et.— Vetfe-lw-tUichet UedoNeut: Dr.(fall Sir»»s, Pt»,.— Druck: ,11»!»- für Zell»»,. und vuchfetuck. vt«»—»n. fe«,. 1 P"s.— Die 8erun,«motlen|t«iiratut nutfee wn feet Poft.«. teleatfePbenfeiteltin n» Etlatz St. 18.800/VHrt980 bewMIql.— Se*ug«Mtiino ungen: Bei Zusielluu, in, Hau«„der bei«e,», butA feie Sah' B B v! fc’ »j»hti, IU V6.-. ,»»«t-htia Kfe WL-»- SafcMt* werde» laut Loris iUitfl bereiset. Sei Sjiete»«>n,ch»U»i>,e» P«i«»achl