'— iSfschelnt mit Ausnahme des Montag täglich früh. 9t baMoa u.®erwaliuna; Prag n, ottMjonia,»* ztitpo.> aorgj, 3146«, ttac&trrtaft. tat 31 Uur) t 336M* PoM4«tamt> 31344 MvjptNels 70 Heller. ^Einschließlich 5 Heller Portos 13. Sadrgong. Sonntag, 24. September 1933 Nr. 224. vollluk. der öslOTcldiisdtc Papa Der Austrofascismus im Dienste Hitlers/ Selbstmord der christlichsozialen Partei Diktaturvorbereitung ist wichtiger als Landesverteidigung/ Die Gegenkräfte.des Nationalsozialismus werden ausgeschaltet/ Der„Diktator“ als Spielball der Putschisten Am Vorabend einer europäischen Konflagration T auch der bisherige auch Würdigung und des c u r o- Vierjährige PrüiitngsKif rar Deutschland? Frage der Sanktionen noch ungelöst Paris, 23. September.(HavaS.) Obwohl das gestern abends über die französisch-englisch, amerikanischen Beratungen veröffentlichte Kom- muniquü sehr zurückhaltend ist, ist doch der Gc- samteindrnck der Beratungen, wie er sich ouS der heutigen Pariser Presse widerspiegelt, rin bedeutend günstiger. Die Blätter erklären, daß es sich nur um vorbereitende Verhandlungen mit dem Zweck gehandelt hat, eine Annäherung der Standpunkte von Paris, Washington und London herbeiznsühren. Diese Annäherung wurde auch im wesentlichen Matze erzielt und auch die Nachrichten aus Rom spreche» von einem übereinstimmenden Standpunkt der italienischen Regierung. Zum offiziellen Kommunique sagt„I o u r- n a l": Die Londoner Regierung hat die Montag dem Unterstaatssekretär Eden in London unterbreiteten Vorschläge angenommen. England stimmt also mit dem Vorschlag überein, für alle Arten der Essektivrüstnng eine vierjährige PriisnngSzeit einznsühren, in welcher Frist durch eine systematische und regelmäßige Kontrolle an Ort und Stelle der gute oder schlechte Wille Deutschlands sestge- slellt werden soll. Falls in dieser Frist Deutschland keine» Verstoß unternimmt, wird Frankreich abrüsten. Einzelheiten über seine Abrüstung mstzutci- len, ist Frankreich schon setzt bereit. Diese Punkte wurden auch vom amerikanischen Vertreter Norman Davis und dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini gebilligt. Aber noch bleiben, so sagt das„Journal", zwei Fragen ungelöst: 1. Welcher Art sollen die Sanktionen sein, die gegen jene Staaten in Anwendung gebracht werden sollen, die die Konvention verletzen oder versuchen, die Kontrolle zu umgehen, und 2. Wie soll dir Kontrolle ausgenommrn werden. Autzrnministcr Simon und Unterstaatssckrr- tär Eden sind gestern nach Genf abgereist, tvohin sich heute Außenminister Boncour gleichzeitig mit Norman Davis begeben. „Echo de Paris" erfährt, datz die Vereinigten Staaten von Amerika dec internationalen automatischen N ü st u u g s t o n t r o l l e beigepflichtet haben und bereit sind, sich ihr in allen Kouseguenzeu z>t unterwerfen. Die englische Regierung blicke ans jede Kontrolle ihrer Negierung als unvereinbar mit ihrer Würde, hat aber im Prinzip gleichfalls ziigestimint. Sic ist bemüht, nur in den Einzelltriten einige Bc- stimmungcn abzuändern. Die Verhandlungen werden in Genf fortgesetzt werden, Ivo nunmehr insbesondere die Gegenanträge der deut schon Regierung erwartet werden. ser Einsicht konnte, sich HccreSminister nicht verschließen. B a u g o i n war der Mann, der die Grenze verteidigen wollte. Als erprobter Antimarxist, der zwölf Jahre gegen den sozialdemokratischen Einfluß in der Wehrmacht erbittert Krieg geführt hatte, Ivar er zur Ueberzcngung gekommen, daß nur im Zusammengehen mit den Sozialdemokraten Oesterreichs Selbständigkeit zu rctien sei. E r i st gegangen worden. Mit ihm der Vizekanzler Winkler, immerhin ein Mann demokratischer Gesinnung, der mit seiner landständischen Front im RegierungSlager ein Gegengewicht gegen die piitschliistenien Heimwehren bildete. Und der Effekt? Daß die vor den Kopf gestoßenen Anhänger Winklers zu den Nazis abwandern werden, daß die Selbstauslösung der christlichsozialen Partei mit Riesenschritten vorwärts geht. Dollfuß und seine Partei, das ist ein besonderes Kapitel! Ter Bundeskanzler hat das Stichwort gegeben und die heulenden Derwische der offiziösen Presse leiern es täglich herunter, daß das Ende des Partcicnstaaies gekommen ist. Na, schön. Wer war bisher der Lkutznießcr des Partcicnstaates in Oesterreich? Zu 90 Prozent die christlichsoziale Partei. Wer hat Dollfuß zum Bundeskanzler gemacht? Die christlichsozialc Partei. Welch ein Staatsmann, der mit kreischendem Getöse den Ast absägt, auf dem er sitzt! Wer Diktator werden will, kommt natürlich um den Schwindel nicht herum, gegen das„Parteieuwcsen" zu kästen». Ten erfolgreichen Diktatoren war dies bloß Mittel zum Zweck. Sie favorisierten damit ihre eigene Partei, sie strebten das Monopol ihrer Partei an. Dollfuß will Diktator spielen durch Zerstörung seiner Partei. Daß der alte K u n s ch a k wochenlang antichambrieren muß, um bei ihm vorgclasscu zu werden, daß der Führer des einst mächtigen niederösterreichischen Bauernbundes, der den Dollfuß„gemacht" hat, nicht vorgelassen wird, daß er den Parleiobmautt Bangoin kurzerhand ans der Regierung hinanswirft— das sind Keulenschläge gegen das schwer erschütterte Ansehen der christlichsozialc» Partei, handgreifliche Ermunterungen an die schwankenden Anhänger, zu den Nazis überznlauscn. Und sic verstehen den Wink. Je größere Vollmachten, sich Dollfuß freigiebig zumißt, oder eigentlich anmaßt, desto schmäler wird seine Ver- trauensbasis in de'r Bevölkerung. Denn die als Ersatz für die alten Regier»ngsparteic» aufgezogene„Vaterländische Front" ist eine Opercitcumachc, keine österreichische, weil sic schlecht inszeniert und traurig anzusehcn ist. Wenn ihre Kundgebungen von der Heimwehr nicht wattiert werden, kann sic cinpacken. Das tvciß Starhcmberg und er hat dieser Tage seinen Gönner Dollfuß mit einer Ankündigung überrascht, die den Hahnenschwänzlern verbietet, weiterhin bei der vaterländischen Front mitzutun. Der bankrotte Fürst läßt aber, handeln, wie auch seine jüdischen Gläubiger mit sich handeln lassen mußten. Er wird dem Dollfuß seine Söldner wieder borgen. Gegen Entgelt. Im Privatleben heißt das Erpressung. Doll fuß ist der Gefangene der Heimwehr. Diese Heimwehren bestehen gut gerechnet aus 20.000 Prätorianern und einer auf Hund und Katz Dem großen Interesse unserer Arbeiter-Oessentlichkeit für di« Vorgänge in Oesterreich Rechnung tragend, veröffentlichen wir nachstehenden Sonderbrricht. Er beleuchtet die Situation, di« durch die letzten Veränderungen im Kabinett Dollfuß bedrohlich verschärft wurde. Di« Schlutzsolgerungen unseres Berichterstatters verdienen vom Standpunkte der nachbarlichen Interessen unseres Landes päifcheu Friedens. f—. Die Lage in Oesterreich ist keineswegs kompliziert. Man kann sie höclsst ein fach charakterisieren. Dollfuß hat zwar die nationalsozialistische Partei verboten, aber er steigert trotz aller operettenhaftcn Polizei maßnahmen die Chancen des Naiionalsozia- lisnruS von Tag zu Tag. Das mußte nicht so sein. Der Fall des Zentrums und der bayrischen VolkSpartci, der Schiffbruch Brü- nungs und Helds haben wohl hinreichend dargetan, wie die Sache nicht zu machen ist. Vergebens, nach einem tieferen Sinn der Dollfüßlcrei zu fragen. Am ehesten trifft der Vergleich mit P a p c n zu. Die Sucht, bei der „neuen Entwicklung" irgendwie dabei zu sein, ersetzt die politischen Ideen. Außenseiter der Politik, denen der Ruhm des Gestalters ver sagt blieb, gieren nach dem Ruhm des Weg bereiters. Wegbereiter des Hitlerismns in Oesterreich zu sein, mit dem Schicksal des eigenen Landes und nut den unabsehbaren Gefahren einer europäischen Verwicklung zu spielen, dieser Ruhni gebührt— ohne Haß und Neid sei es zugestandcn— auch dem Herrn Dollfuß. O e st e r r e i ch taumelt e i n e m Abgrund zu. Das kleine, geographisch verstümmelte und wirtschaftlich kaum lebens fähige Land hat durch den Sieg des Hille- rismus den gewohnten außenpolitischen Rück halt des deutschen Nachbarrcichcs verloren. Die Expansionskraft des Hakcnkrcuzfafcismus, zurückgeworfen bisher in West- und Ost dilrch die Widerstandskraft seiner wehrhaften^Nach barn, brandet nun mit aller Wucht gegen das schwache Oesterreich. Die Ausreiscspcrre allein ha» das wirtschaftliche Leben ganzer österrei chischer Grcnzprovinzcn in Frage gestellt. Da zu tägliche Demonstration der überlegenen Gewalt und die Wirkung einer haßerfüllten Propaganda, die in der Verfahrenhcit der österreichischen Situation einen fruchtbaren Boden vorfindct. Leicht auszurechnen, daß der entscheidende Stoß gegen Oesterreichs Selb-I ständigkcii in den nächsten Monaten, vielleicht! Wochen schon, geführt werden wird. Wie stehen dann d i e C h a n c e n? Did österreichisch-deutsche Grenze dehnt sich im Gebirgsterrain über einhalb tausend Kilometer. Drüben stehen zehn» bis zwölstau- send Mann österreichischer Legion, darunter gut 1500 ausgebildete Soldaten, die aus dem Bundesheer entweder wegen nationalsozialisti scher Betätigung ausgeschlossen wurden i^ier desertiert sind, oder schon früher abgerüstet haben. Auf östcrreichisck)cr Seite stehen einige lausend Wehrmänner und Hilfspolizisten. In Vorarlberg, Tirol nnd Salz- burg sind die Christlichs o'z i a l c n in den Städten erledigt. Auch die Iungbanern sympathisieren mit den Nazis. Ideale Bedingungen also für einen Einfall der Legion, deren in Kufstein oder Salzburg ausbrechender Aufstand gegen die Regierung sozusagen eine„innerösterreichische Angelegen heit" wäre. Jedes Kind müßte einsehen, daß «in Hakenkreuzputsch an der deutschen Grenze nur mit Hilfe der nncrschütterten sozialdemo kratischen Bewegung zurückzuschlagen sei. Die- zerstriitenen Führung, von der die eine Richtung(Starhcmberg) Oesterreich zu einer italienischen Kolonie machen und die andere (Fey) die-Habsburger auf den Thron sehen will. Ein geordneter Staat könnte sich diese Erprcssergesellschafi mit einer Polizeirazzia vom Halse schaffen. In Oesterreich dürfen die.Heimwehren das Land terrorisieren und ruinieren, weil der mächtige Mussolini seine schützende Hand über sie hält. In der Nacht auf Freitag stand es so, daß Dollfuß geneigt war, die.Heimwehren ans der Negierung wcg- zuschickcn und ein chrisllichsozialcs Parteikabinett zu bilden. Die Intervention des italienischen Gesandten machte den„starken Mann" windelweich. Die Heimwehren trugen dadurch, daß Winkler und Baugoin ausgeschifft wurden, während sie bleiben konnten, einen beträchtlichen Erfolg davon. Das Ausland soll nun mit dein Hinweis beruhigt iverdcn, daß dem Fey das Sicherheitswesen aus der Hand genommen wurde. Dafür ist er Vizekanzler geworden und hat bei Abwesenheit Dollsuß's den ganzen Staats- apparai einschließlich des Bnndcshcercs in seiner Gewalt. Wobei zu beachten ist, daß dieser Staatsapparat schon längst nicht mehr intakt ist und gegen die entscheidende naiioual- sozialistischc Gefahr kaum klaglos funktionieren wird. So bleibt das einzige Ventil sür die Verlegenheiten dieser unmöglichen Regiaruug« die Fortsetzung der Provokaiioncn gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft. Deren „legale" Entrechtung etwa mit Hilfe des angekündigten Ständcparlamcuts wäre zwar die beguemerc, aber sic ist die unwahrscheinlichere Lösung. Die D i n g e nehmen ihren Lauf. Ter Handstreich auf das Wiener Rathaus und das Verbot der sozialdemokratischen Partei werden erneut angedroht. Dieser gegen den Marxismus gerichtete Schlag richtet sich, wenn er zur Ausführung gelangt, in Wahrheit gegen Oesterreichs Existenz. Tenn so werden die psychologischen Voraussetzungen zerstört, unter denen die sozialdemokratischen Arbeiter Oesterreichs Selbständigkeit. gegen den Hiller-Fascismus verteidigen könnten. Der Austrofascismus kann cs allein auf einen offenen Kampf gegen die nationalsozialistische Landcsbedrohnng nicht ankommen lassen. Tenn die italienische Orientierung ist nur bei den von Mussolini anSgehaltcnen Hcimwehr- führern populär, nicht beim Volke. Steht die Wahl zwischen einer anstrofascistisch italienischen und einer ncudcutsch-hakenkreuzlerischcn Dikiatnr, dann hat Hitler die österreichische Partie gewonnen. So bleibt den Austrosasci- sten nur der Rückzug zur monarchistischen Lösung offen. Wie ernst diese Eventualität zu nehmen ist, beweist die Anwesenheit von drei erklärten Monarchisten(Fey, Schuschnigg und Hcercsininister Schönburg- Hartenstein) im neuen Kabinett. Auch den Bolkslreisen, die noch zwischen Nationalsozialismus und Sozialdemokratie stehen, erscheint nick» mehr Dollfuß als der„Netter", sondern der kommende Monarch. Beide ernsthaften Möglichkeiten aber, die Gleichschaltung Oesterreichs durch den neudeutschen Imperialismus oder die Wiedereinsetzung der Habsburger steigern die mitteleuropäische Verworrenheit und rük- kcn in bedrohliche Nähe die Gefahr einer europäischen K o n f l a g r a t i o n. Oesterreich wäre nur zu rctien, durch eine Koalition der d c m o k r a tisch- katholischen Bauern- und A r b eite r c l e m e n t e mit der Sozialdemokratie unter dem Programm einer mittcl- europäischc» Verständigung. Obwohl lieberrasch»»gen nicht auszuschließen sind, ist diese Eventualität von allen zunächst die unwahrscheinlichste. Zwar suchen gerade in der Provinz draußen die geinäßigtcii Christlichsozialen vielfach aus reinem Selbsterhaltungstrieb die Annäherung an die Sozialdemokratie, doch es hat den Anschein, daß die Reste Selle 2 Sonntag. 24. September 1988 Nr. 224 vollstrecken. Die Häftlinge werden, wie das Blatt schreibt, auch die Kosten ihrer Unterbringung selbst zu tragen haben. Wie man erfahrt, sind bereits zwei Orte, die bezeichnenderweise an der ungarischen Grenze liegen, für diese Lager vorgesehen, und zwar Bruck a. M. und MöllerSdorf. * Oesterrctdilsdic SA-Leute an der Grenze abgelangen Innsbruck, 23. September. An der Grenze zwischen Tirol und Bayern machen gegenwärtig, wie festgestellt werden konnte, aus Oesterreich noch Deutschland geflüchtete SA-Leute, die bisher int Lager Lechfeld waren, Dienst. Zwei dieser Grenzposten, die anscheinend, um ouszukund- schaften, über die Gran.^ gekomnien tvaren, wurden gestern bei Landl verhaftet und nach wusste in eingeliefert. Konzentrationslager in Oesterreich? in Drath a. Fl. und Flöllersdorf der vorausgegangenen Untersuchung gegen mich, hat der Richter alles mögliche versucht, um ans mir in tendenziöser Weise einen Putschisten und einen terroristischen Abenteurer zu fabrizieren. Ich leugne meine kommunistische Ueberzeugnng nicht! Ohne proletarisches Diktat kann die Welt von der heutigen Krise nicht befreit werden. Aber gleichzeitig bin ich ein Gegner von indivi- dneilen: Terror und Einzelaktionen." — Nicht weniger energisch benimmt sich Dimi- r r o w gegenüber dem SraatSanwalt, der seinerseits bemüht ist, im strengsten Amtston zu sprechen. Dimitrow fällt ihm ins Wort, vernr- te:it die Methode, mit welcher die Anklageschrift ausgearbeitet wurde und fährt fort, daß er über verschiedene Angelegenheiten, die in der Anklage enthalten sind, heute zum erstenmal höre. Eifrig spricht Dimitrow über die Untersuchungs- niethodeu, die gegen ihn angewendet wurden, was ihm wieder eine scharfe Zurechtweisung des Borsihenden einbringt. Aber trotzdem geht D i- mitrow zu einem neuen Angriff über. Er meint weiter, daß ihm nicht die Möglichkeit gegeben wurde, tlm sich in der Haft die Belege zu beschaffen, die seine faktischen politische» Ziele und seine politischen Ansichten beweisen sollen. Er wirft seinem Verteidiger vor, daß er nicht die notwendigen Schritte unternahm, um das erforderliche Material zu erhallen. Der Verteidiger der drei Bulgaren, Doktor T e i ch e r t, wehrt sich gegen diese Borwürfe nicht besonders, führt aber demgegenüber an, daß er Betrachtung, muß also da- Sozial- kmnmenden Entscheidungen Nazi ersdiosscn Ein Sozialdemokrat von Polizei schwer verletzt. Neunkirchen. 23. September.(Wolff.) Bei einer diesigen Wirtschaft wurde in der vergangenen Nacht eine fttyluerc Bluttat begangen. Der verheirat«'« 2t a t s o u a l s o z i a l i st N. Hemmer»vurde von den« Sozialdemokraten Lang im Verlauf einer politischen Auseinander- setzuiig durch eine:: Schuß getötet. Lang widersetzte sich der Festnahme diirch die Polizei, so daß diese von der Waffe Gebrauch machen müßt«. Er erhielt Schüsse in die.Hand und in den Leib und wurde in bedenklichen» Zustande inS Krankenhaus gebracht. „Tannenbcrgbnnd“ aufgelöst Berlin. 23. September. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Auf Grultd des 8 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Feber 1933 in Verbindung mit 8 14 des PBÄ ist der„Tau- nenbergbund" und die Organisation des„Deutschvolk" jin Gebiet des Freistaates Preußen aufgelöst und verboten worden. der christlichsoziale»: Partei lieber an ihrem AntiinarxisinuS zngruudegehen, ehe sie den Weg der Vernunft beschreiten. Rcalpolitischc mit rechucil, daß die österreichische demokratie bei den' allein stehen wird. Für ihre KampfesauSsich- ten mag ein Gradmesser sein, daß die Partei zum Unterschied von alle»: bürgerlichen Parteien des Landes in den bisherigen Stürmen eine unerhörte Widerstandskraft bezeugt hat, daß sie ideologisch und organisatorisch uner- schütlert geblieben ist. Auf dem vorgeschobensten Posten der europäischen Demokratie kämpfend, zwischen zwei fascistischen Großmächten eingekeilt, hat sie freilich eine beispiellos schwere taktische Aufgabe zu lösen. Es entsprach der Stimmung der Arbeiter in den meist gefährdeten Alpenländern, wo der Natio- nalsozialismus die große unmittelbare Gefahr ist, daß die Partei vorübergehend die Attacken des TollsußregimeS mit kluger Zurückhaltung beantwortete. Diese Hemmung i st seit dem letzten N e g i e r u n g s w e ch s e l f o r t g e f a l l e n. Bundesrat Schärf ha! bereits vorher in seiner Rede angeküudigt, daß die österreichische Arbeiterklasse entscheidende Angriffe auf ihre Rechte mit dem Einsatz aller Kampfmittel beantlvorten wird. Diese Rede, die übrigens in Oesterreich»licht offen verbreitet werden darf, war der klasscnbcwuß- ten Arbeiterschaft auS dem Herzen ge- spräche n. Nun ist die Führung der Partei vor die außerordentlich schwierige Aufgabe gestellt, auf die Winkelzuge des Gegners nicht zu früh einzugehen und mit der Kampfparole nicht zu spät zu komnien. Niemand kann vor auSsagen, wie ein Generalstreik mit allen Wie«, 23. September.(Eigenbericht.) Tie Regierung Dollfuß plant jetzt in ihrem Bestreben, den FascismuS zu kopieren, die Errichtung von Konzentrationslagern in Oesterreich. Das heutige Abendblatt der Heimwehr bringt darüber bereits Einzelheiten und erklärt, daß eine derartige Verordnung noch heute nachts von der Regierung beschlossen werden soll. Tas Blatt schreibt, daß Personen, die im Verdacht stehen, staatsfeindliche oder sonst der öffentlichen Sicherheit gefährliche Handlungen vorzubereiten, zwecks Hintanhaltung solcher Handlungen zum Aufenthalt in Konzentrationslagern verhalten werde»» können. Personen, gegen die eine solche Verfügung erlassen wird, haben das Recht der Beruf u n g, die aber keine aufschiebende Wirkung hat. Der Bescheid zur Unterbringung in einem Konzentrationslager ist in jede»»» Fall sofort zu seine»» Konsequenzen ansgchcn wird, aber begründet und gerechtfertigt ist unser altes Vertrauen in die beispiellose Aufopferungsfähigkeit» Umsicht mtb Tatkraft der österreichischen Sozialdemokraten. Die österreichische Arbciterbcivcgung wäre nur zu vernichten, u»n den Preis der Vernichtung Oesterreichs. Mit jedem iunerpolitischen Gegner ist die österreichische Arbciierschaft bisher fertig ge- tvordcn und»vird sie auch weiterhin fertig tverden. Verhängnisvoll für die Sache der Demokratie in Oesterreich ist das Uebcrgreifen ausländischer faseistischer Gewalt in die Ent- icheidungen der Innenpolitik. Die Ent- scheidilng liegt daher bei den europäische»: Demokratien. Wenn sie sich weiterbin mit sanfter: Ratschläge»: begnügen, währe»:d der Fascismns die Methode des rcalpolitischc»» Eingreifens geradezu für sich pachtet, wenn die demokratische»: Westmächte»veiter so mit Blindheit gcschlage»: sind, daß sie in Dollfuß eine»:„Retter", statt den Wegbereiter des Hiilerismus sehen, dann könne»: auch die österreichischen Republikaner mit den: Einsatz von Leib und Leben diese verhängnisvollen Uiiterlassungssündci: nicht anStilgcn. Wern: die Tatsachen nicht allen Beschlüssen vorarrscilen, dann hat, unbekümmert nm verblendete Diplomaten und zaghafte Regierungen, die internationale Arbeiter- bcrvegung rroch zur Rettung der freien Republik Oesterreich eine Aufgabe zu lcisteu: zu proklamieren, daß ein die Arbeiter knechtendes faseistkscheS Oesterreich, gleichviel ob es brauner oder schwarzgelber Färbung ist, dem gleichen wirtschaftlichen Boykott und der gleichen moralischen Aechtung verfallen wird, wie Hitler-Deutschland! nas„Prövo LWu“ fordert scharfe Maßnahmen gegen Die„Bohemia“. Im Rahmen einer allgemeinen inncr- politischen Uebcrsicht besaßt sich das„Prüvo Lidu" in seiner Samstagnummer auch mit dem Fall der„B o h e m i a". DaS Blatt schreibt hiezu: „Mit Befriedigung kotistatierei: wir, daß unsere Aemter sich endlich entschlossen habeii, energischer an die Verfolgung der zersetzendci: Elemente im deutschen Gebiet wie in der Tlowa- kei zu schreiten. Gegen den Chefredakteur der „Bohemia" WesselSki wurde die Strafanzeige erstattet, die noch auf einige andere Personen ausgedehnt werden tvird. Es handelt sich bekanntlich um den Nachweis von Berbindungen zwischen der Leitung der„Bohemia" und reichSd.'lNsch.'N Hakenkrcuzlern, deren Wünsche» sich die„Bohe- mra" unterordnete. Weil der ganze Ton der „Bohemia" tatsächlich der Mentalität der Hake», kreuzler entspricht— wie j. B. aus dem gestrigeil Artikel über den Prozeß in Leipzig mn dcn „Brandstiftern" deS deutschen Reichstages;» ersehen ist,— wird auch gegen das Blatt selbst, auS dem bereits einige Redakteure Weggehen, scharf eingeschritten werden. Es wäre notwendig, die„Bohemia" in das Verzeichnis jener Blätter einzureihen, die nach dem Urteil des Gerichtes die politische Behörde einstellen kann. Heute ist nicht die Zeit, Leute»nit Glacehandschuhen au- zufassen, die Loyalität zum Staate vortäuschten und zetzt mit ben Hitlerlcutcn paktieren." Van der Lubbe im Hungerstreik Dlmltrofl im Andrin gegen die Anklage Berlin, 23. September. Das Geheimnis, mit dem di« Person deS Holländers van der Lubbe umgeben ist, verdichtete sich noch am dritten Tage des Leipziger Prozesses durch die sensationelle Mitteilung, daß der Angeklagte jedwede Nahrungsaufnahme verweigert. Wir mit aller Bestimmtheit versichert wird, lehnt van der Lubbe außerdem schon durch drei Wochen hindurch jede Fleischspeisen ab. Wahrend dieser ganzen angegebenen Zeit begnügte er sich mit einem Stück Brot. Während der heutigen Verhandlung saß der Angeklagte vollkommen in sich zusammen gesunken auf dem Sesiel, mit dem Kops beinahe bis aus die Kni«. Di« durch den Advokaten ausgesprochene Vermutung, daß der Angeklagte für«in« weiter« Teilnahme am Prozeße»in fähig sei, ist wahrscheinlich keineswegs übertrieben. Was er mit dem Hungerstreik erreichen will oder was ihm zu demselben veranlaßt hat, ist oiemandem klar. Der Vorsitzende des Gerichtes schenkte der Mitteilung deS Advokaten keine größere Aufmerksamkeit und wandte sich auch nicht an den Angeklagten mit einer Frage, welchen Zweck sein Hungerstreik verfolgen soll. Einen scharfen Kontrast zu dem apatischen Aeußeren des Holländers van der Lubbe bildet der temperamentvolle und explosive Bulgare Dimirrow, der die Hauptperson der heutigen Verhandlung war. Er ist voi» kleinerer Gestalt und sein Gesicht hat den typischen Ausdruck eines Intellektuellen. Ungezwungen stellt sich Dimi trow vor den Richter, leynt sich mit dem Ell bogen ans einen nahen Sessel und ist bei der kleinsten Gelegenheit geneigt, im Tone eines Konserenziers ausführlich aus die Fragen des Ge- richtes zu reagieren. Der Vorsitzende des Ge- rick'tes, Dr. Bunger, ein ältlicher Herr mit röt lichem länglichen Gesicht ist an höflicheres Be nehmen gewöhii» und es befällt ihn jeden Augen- dlick eine Erregung über das Auftreten Dimi trows. Er droht sogar dem Angeklagten, daß gegen ihn die notwendigen Maßnahmen ergriffen »verdeu und daß er eventuell aus dein Saale ge führt»verden»vird, wenn er den Ton seiner Aus- lagen nicht ändere. D i in i t r o»v ist durch diese Drohung nicht e i n g e s ch ü ch t e r t. Er wendet sich in den Saal und beruft sich auf die Aus- j a nd S j o u r n a l i st e n. Er erklärt:„Ein halbes Fahr befiiide ich mich schon i»n Gefängnis, tvovon ich»vährend dieser Zeit fünf Monate in Fesseln gehalten wurde, Warum? Ich bin vollkommen unschuldig. Ich habe mit dem Reichs tagsbrände nichts gemein! Enlschuldigeu Sie daher Herr Vorsitzender,»venu, ich meine Nerven nicht so gut beherrsche wie Sie." Bei einer anderen Gelegenheit erklärte Dimitrow:„Während seiner Ansicht nach einige Belege beschafft«, die dem Angeklagten von Nutzen sein könnten. Er legt eine amtliche Mitteilung der bulgarischen Gerichte vor, aus dene»: hervorgeht, daß die Auszüge aus den Strafakten, die durch Vermittlung der bulgarischen Gesandtsclmft in Berlin besorgt i wurden, nicht mit den verschiedenen Punkten der< direkten Informationen, die der Advokat bei, bulgarische»: Gerichten einzog, übereinstimmen. i Vor dem Gericht erschien heute auch der\ zweite Bulgare Poposs zum Verhör. Zum, Unterschied von Dimitroff, der ohne Dol-, metscher eilt recht gutes Deutsch sprach, sagte Poposf nur in bulgarischer Sprache\ ans, wodurch der Verlauf der Verhandlung sehr; ehemmt wurde. Popokf ist von schwacher Figur und»nacht den Eindruck eines intelligenten Studenten. Er sagt sehr ruhig und, oh ne jedwede Nervosität aus, beharrt aber pedantisch darauf, daß nicht die kleinste Unklarheit darüber herrsche, was er aussagt. Der dritte Prozeßtag beginnt mit einer ver- chärften Kontrolle aller im Saale anwesenden Personen, auch der ausländischen Journalisten. Aus Antrag Dr. SackS wird TorglerS Mut- t c r gestattet, an der Verhandlung teilzunehmen. Tann wird dem Antrag des Verteidigers van der L u b b e S stattgegeben, der mit Rücksicht auf die lltahrungSverweigerung des Angeklagten wünscht, daß dieser von einem Arzt unterslicht werde. Die Zeugeneinvernahme D i m i t r o f s S beginnt mit seiner Erklärung, daß ihn seine in Bulgarien erfolgte Verurteilung zum Tove nicht interessiere. Er sagt aus, daß er an dem kommunistischen Aufstand im Jahre 1823 aktiv beteiligt gelvesen sei. Dieser Aufstand habe wegen der opportunistischen Haltung der bulgarischen kommunisiischen Partei mit einem Mißerfolg geendet. Dann sei er nach Wien und im Jahre 1829 nach Berlin gegangen. Von Ende 1931 bis Mitte 1882 sei er in Ai o S- k a u, später»nieder in Berlin gelvesen. Aus die Frage, ob er mit dem kommunistischen Abgeordneten E b e r l e i n Zusammenkünfte gehabt habe, antwortet D i m i t r o f f verneinend. Nach einer kurze»» Pause»vird der Kriminalkommissär Heisig zum zweitenmal verhört. Er gibt an, daß van der Lubbe bald nach seiner Festnahme, als er erfuhr, daß er sich in Leipzig werde verantworten müssen, gesagt habe:„Na. das ist ja fein! Ta»verde ich eine große flammende politische Rede halten!" Dann wird die Vernehmung D i m i t r o f f S fortgesetzt. Seine Aussagen betreffen seine Tätigkeit in Deutschland, wobei der Vorsitzende nachzuweisen versucht, daß Dimitroff mit deutschen Kommunisten und mit der Berliner russischen Handelsvertretung Verbindung hatte. Zu einem erregten Zwischenfall kommt eS, als Dimitroff dagegen protestiert, daß man ihm in der Voruntersuchung Beschuldigungen, die jetzt gegen ihn erhoben»verden, verschwiegen hat. Der Vorsitzende droht, Dimitroff aus dem Saal entfernen zu lassen und von der»veiteren Verhandlung auszuschließen. Der Kriminalassistent Bauch sagt auS, daß er Dimitroff aus den Namen Hedrich mutenden Paß alS Produkt der kommunistischen Paßfälscherwerkstatt in Wilmersdorf erkannt habe. Die Einvernahme PopossS verläuft ohne Zwi- scheusall. Poposs schildert seine Tätigkeit in Bulgarien, wo er zu 1214 Jahren Zuchthaus in eon- tumaoiam verurteilt»vurde, und erklärt, erst in Moskau»nd dann in Berlin gelebt zu haben,>vo er die bulgarische Amnestie abwarten wollte. Die Verhandlung wird hierauf auf Montag vertagt. Van der luhbe— nodi vcrhandningsiählg! Das ärztliche Gotachten. DaS Wolff-Büro meldet: Dan der Lubbe ist nach Schluß der samstägig» Verhandlung durch den zustäridigcn Gerichlsarzt, Oberinedizinalrat D r. Sch u tz, auf seinen Gesundheitszustand untersucht worden. Das Ergebnis der Untersuchung tvar: V an der Lubbe befindet sich im Zustand heftiger Resistenz, Psvchischcr Ablvehr und legt es offenbar daraus an, durch Herbeiführung völliger Entkräftung den Abbruch der Verhandlung zu erzwingen. Ein solches Verhalten stiniinl auch überein mit dei» Aniveisnngen, die den Mitgliedern der kommunistischen Partei für ihr Verhalten vor Gericht gegeben worden sind. Vorläufig ist van der Lubbe noch Verhandlung ssähig. Er ist auch noch in der Lage, der Verhandlung zu folgen. Sollte er aus sei- nem Abwehrzustand nicht heranstreten, so wird natürlich der Uebergang zur Zwangs- er nährung erwogen»verden müssen. Van der Lubbe erhält im Gefängnis Krankenkost. Das Doppelspiel der Chrisdidisozlalen Bis zum gestrigen Tage hatte die„Deut, sch« Presse" über den„Bohemia"- Skaudal geschwiegen. Das ist bezeichnend ge- nng. Nun aber, da der Fall den christlich, sozialen Lesern nicht»nehr verschwiegen»verdei, kann, rückt das christlichsoziale Hauptorgan mit einer Darstellung und Beleuchtung der Geschichte aus, die ein Muster zweischlächtiger H ee l t u n g darstellt. So wie die„Deutsche Presse" über den Ska»idal berichtet, tvird»veder der christlichsoziale Demokrat Grund zur Vernr- teilung der„Bohemia" finden, noch wird der christlichsoziale Faseistenliebhaber an der.Haltung der„Deutschen Presse" etwas auszusetzen haben. Die„Deutsche Presse" geht über den Kern der Sache, nämlich über den durch den Kauder-Bries erbrachten Beweis der inti»nen Beziehungen zwischen„Bohemia" und Hitlerdeutschland mit dürren Worten hinweg und läßt die„Bohemia" nur„ein Opfer der Ziellosigkeit und Richtungslosigkeit des liberalen Bürgertum«" werden. Da« ist aber nur ein Teil, und zwar der in diesem Falle unwesentliche Teil der Wahrheit. DaS Entscheidende, daß die„Bohemia" nun als faseisti- sches Organ entlarvt ist, das ist für die christlichsozial«„Deutsche Presie" nur Anlaß zu hämischen Seitenbemerknngen gegen die„sozialistisch-jüdische Presse." Hofft die„Deutsche Presse" etwa, daß diese ihre Mischung von Antisozialismus und Antisemitismns ihr wieder Eingang ins Tritte Reich verschaffen»verden? Man könnte es fast»neinen! Denn, daß das doch angeblich deniokratische.Hauptorgan der Christlich- sozialen erklärt, der Tromnielschall, mit den» die „Bohemia" das»ieue Reginte in Deittschland begrüßte, sei eine Sache nur der„Bohemia",„in die wir uns nicht ein»nischen»vollen." Warn m»vill sich die„Deutsche Presie" nicht einmischen? Weil sie eben ganz ähnlich der „Bohemia", nur etwas geschickter, niit Schaukelpolitik ihr Auslangen zu finden hofft: so ein bißerl demokratisch und so ein bißerl Verbin-, düng halteii zu den Hakenkreuzlern. ll»»d so je nach der augeiiblicklick)eii Lage kommt einmal das demokratische, ein ander Mal wieder das, sagen wir: Volkssront-Zipferl mehr zum Vorschein. Bei dieser Gelegenheit kann man zum Beweise desien schon daran erinnern, daß es eigentlich di« Christlichsozialen lvaren, bei denen sich das sudetendeutsch« Volk für den EinheitSfront-Rummel bedanken kann, der jetzt neuerdings Teutschböhmen und Deutschmähren unsicher macht. Tenn auf dem ch r i st- lichsozialen Parteitag in Prag, Ende Mai dieses Jahres war es,»vo in einer Entschließung„an alle deutschen Volksgenosfen ohne Unterschied der Partei die dringende Aussorde- rnng" gerichtet wurde, «sich zusammenzuschließen zu einer einheitliche» sudetendeutschen Front". Jetzt sind die Christlichsozialen wieder ein wenig a b g e r n ck t von dieser Einheitsfront, jetzt machen sie der„Volksfront" Manderln. Sie lmben es also zu allerletzt nötig, von„Ziellosigkeit" und„Richtungslosigkeit" zu sprechen. Bor allem aber zeigen sie nun, im Falle der„Bohemia", neuerdings, daß sie nicht daran denken, die Demokratie entschlossen zu verteidigen und den Widersacheri» . der Demokratie mit der notivendigen Schärfe und \ Unbeirrbarkeit entgegenzntreten. Ta man aber gerade jetzt, im Sturm um die Temokratie, deren ’ Freunde und Feinde am dentlichsten erkennen kann, da sich gerade jetzt mit jedeni Tage mehr . die Geister deutlich scheiden, wird eS auch den Christlichsozialen ni»d ihrer „Deutschen Brests nicht erspart bleiben, endlich einmal Farbe zu bekennen. Es ist charakteristisch für sie, daß kein Mensch an geben kann,>v i e diese Farbe der „Deutschen Presse" und ihrer Partei a u s s e h e n wird! flr. 224 Sonntag, 24. September 1988 Seite 8 Die Relchskonkerenr -er lozlalWchen Jugend. Prag, 23. September. Heilte begann im „Lidov- düm" die Rcichskonfereiu unserer Aiigcildlichett. Die Konferenz ist eine interne n n d vertrauliche A r be l t S tagu I, g und besteht auS den wichtigsten Vertretern der ein» zelnen KrciSorganisationen und dem Berbaiws- vorstand..Außer dem Genossen Dr. Czc ch, der die Partei vertritt, nehmen an den Beratungen die Vertreter her im RcichSerziehnngSbcirat zu« fammengefaßtcn Erziel,iingsorganisationen, des Arbciter-Tnrn- und Sportvcrbandes und der Kindcrfrennde teil. Für die tschechische sozialdemokratische Jugendbewegung sind die Genossen DvokLk und Rau8 anwesend.— Stach den Begrüßungsreden der Genossen Czcch und Rauö erstattete Genosse Wanka das Referat „Unser Kampf für die arbeitslose Jugend". Er konnte einleitend erschütternde Zahle» über den Umfang der Arbeitslosigkeit jugendlicher Arbeiter bekanntgcben. Nach einer Erhebung der Landcszentrale Rcichenberg für freiwillige Arbeitsvermittlung waren Ende Feber 1938 von ins- gesamt 188.918 Arbeitslosen 45.522 im Alter von 14 bis 24 Jahren; d.[. 24 Prozent. Im Juli d. I. war der Anteil der genannten Altersgruppen 24.9 Prozent. Bei der Annahme, daß sich dieses Verhältnis im gesamten Staatsgebiet mit 20 Prozent bestimmen läßt, kommt man zu dem Schluß, daß im Feber d. I. 183.660 Arbeitslose im'Alter von 14 bis 24 Jahren zu verzcichiicn waren. Aus dem Bereiche der Landcszentrale Pilsen ist besonders erschreckend die Jugendlichcnarbeitslosigkcit im Bezirke Falkenau; 2825 von insgesamt 5554 Arbeitslosen im Feber waren Jugendliche von 14 bis 24 Jahren. Im Referate selbst behandelte Genosse Wanka grundsätzlich die Probleme der sozialen Hilfe für die arbeitslose Jugend. An dieses Referat schloß sich eine rege Wech- selredc, an der sich die Vertreter der wichtigsten Kreide und Genosse Strauß beteiligten. Genosse C^ech gab wertvolle'Aufschlüsse über die gegenwärtigen Möglichkeiten der Arbeitslosenhilfe, worauf nach einem Schlußwort des Genossen Wanka folgender Beschluß gefaßt wurde: Beschluß: Tie am 23. und 2-1 September 1933 in Prag tagende Rcichskonscrcn; des Sozialistischen JugendverbandeS stellt fest, daß zur Bekämpfung der Gefahreit auS der erschreckend großen Jugend- lichcnarbeitSlosigkeit Maßnahmen von größtmöglicher sozialer Breiten- unb demokratisch-pädagogischer Tiefenwirkung unerläßlich sind. Die Delegierten sehen, ganz im Sinne der Beschlüsse des Kongresses der Sozialistischen'Jugendinter- nationalc vom Jahre 1932, eine solche Maßnahme auch in der Organisierung der ösfenr- lichen und insbesondere staatlichen ArbcitS- Hilfe für die erwerbslose Jugend unter Ablehnung jeder Form des Zwanges. Die Reichskonferenz ermächtigt den Ber- bandvvorstand zu allen notwendigen und zweckmäßigen Schritten in Gemeinschaft mit Partei, Zcntralgcwcrkschastskommission, Arbeiter-Turn- u>id Iportverband und den tschechischen Genossen. lieber die orgauisalorische Lage und die organisatorischen Aufgaben erstattete der Per- dandSsekretär, Genosse Geißler, einen aus- sührlichcn Bericht, der neue ArbeitSvorschläge und ein umfassendes Bildungs- und Erziehungspro- gramm enthielt. Ter Bericht und die neuen ArbeitSvorschläge beweisen, daß der Jugendver- band trotz der schweren finanziellen Situation, in der er sich infolge der Wirtschaftskrise befindet, gute organisatorische Grundlagen hat und cs vermochte, seine ArbcitS- und Kampfkraft durch zweckmäßige Maßnahmen zu behaupten. Im Anschluß a» den Bericht deS Genossen Geißler sprach der Bcrbandskassier Genosse Al a r e r n a über die Finanzlage des Verbandes. — Die Aussprache über die Berichte, an der vielt Genossen aus den Kreise» tcilnahmen, gestaltetc sich sehr ergiebig und brachte neue Gesichtspunkte für die Gestaltung der sozialistischen Jugendarbeit. Nach einem Schlußwort des Genossen Geiß- ker vertagte sich die Reichskonferenz auf den Sonntag. Mne neue deutsche Partei. So schaut die Konzentration der dentschbürgrr- lichen Parteien aus. Sie beschwindeln die ganze Oessentlichkeit. Seit einiger Zeit wird in der deutschen „nichtmarxistischcn" Oessentlichkeit Stimmung dafür gemacht, an Stelle der bisherigen Parteien eine„Volksfront" zu schaffen, i» der alle anderen Parteien aufgehen solle», die also sozusagen den Sarg bilden soll, in den alle Parteien, die eü nicht erwarten können, sich begraben zu lassen, hincinlegcn werde». Tas Ganze ist, Ivie wir bereits dargelcgt haben, nichts anderes als ein Tarnungsversuch der Nationalsozialisten, die ein« neue Firma suchen sowie ein Manöver der Dcutschnationalen, die sich einen guten Abgang von der politischen Bühne sichern wollen. Die anderen bürgerlichen Parteien schauen der Bildung dieser„Volksfront" höchst befriedigt zu und wenn sie in diese Front auch uicht eintretcn, so wollen sie wenigstens in einem„Bolksrat" ihre wertvolle Hilfe den Mannen des Hakenkreuzes angedeihen lassen. Just in dieser Zeit nun, die im Zeichen der Einigung der deutsch-bürgerlichen Parteien stehen soll, versucht man eine neue deutsch-bürgerliche Partei zu gründen. Der Gründer ist der Turner Fachlehrer P a n z n e r. Die Gründung sand Donnerstag, den 21. September, in Aussig im Dampfschiffhotel statt. Wie Pauzncr dort mitgc- teilt hat, steht der neuen Partei, nämlich der Partei der deutsche» Hausbesitzer, eine große Zn- kunft bevor, sie hofft bei den nächsten Wahlen Mandate im Parlament zu erringe». AnS dieser Meldung geht d e r g a n z e Un< ernst der deutschburgerlichcn Parteien hervor, die sich mit ihrem Einheitsfrontgeschrei vor der ganzen Welt lächerlich machen. Meine» sie es ernst mit der Bildung einer sndc- tendeutschen Einheitsfront, dann niüßtc die Anzahl der sudctendcutschcn Parteien verringert, aber nicht vernrehrt werden. Wenn nun neben allen andern Parteien noch eine deutsche HanS- bcsitzerpartci entstehen wird, die, man gar nicht braucht und die wohl nur dazu dient, den Ehrgeiz gewisser Herren zu befriedigen, dann ist das ganze Gerede um die Konzentration deS deutschen ParteienwcsenS ein Geflunker, das nur dazu dient, die Leute zu verwirren. Der Volksrat. TaS Hauptorgo» der tschechischen Klerikalen,„Lidovö Listh", schreiben in ihrem gestrigen Leitartikel: Eine interessante Aufgabe haben im heutigen deutschen Lager die-Lnzkenkreuzler und die Nationalen. Beide Parteien sind im VolkSrat und gingen dort hin mit der doppelten Absicht, sich im Falle einer Vcrsolgung an die übrigen deutschen Parteien onzulchnen und sic für ihren Plan einer nationalen Einheitspartei zu gewinnen. Diese beiden nationalen Extreme sind etwas nervös, weil nach den erlisten Aktionen der Regiernng zur Sicherung deS Staates endlich an sic die Reihe kam. Die weiter« Existenz der Haken- kreuzler ist nach all den Stückchen, die in einem andern Staate niemand geduldet hätte, sehr problematisch. Die Herren Jung und Konsorten sind auffallend ruhig geworden und spüren, daß es ihnen bei der geringsten Bewegung an den Kragen gehen könnte. Daher die Bemühun- gen uni die Volksfront, die deutsche Einheitspartei, die durch Auflösung aller bisherigen deut- scheu nichtmarxistischen Parteien entstehen soll. AuSliesernngSbegehren gegen SchoNich. Wie die„Lid. Nov." Mitteilen, wurde dem Präsidium des Abgeordnetenhauses von der Staatsanwaltschaft ein AuoliefcruugSbegchreu gegen den oeulschnalionalen. Abaeorvncten Dr. S ch o l l i ch überreicht. Tic Strafanzeige fußt ans einem Artikel Schollichs in der Troppaucr„Deutschen Post", in dem die Flucht von Deutschen aus der Tschechoslowakei nach Deutschland lind ihr Eintritt in die rcichedeutschen SA Abteilungen gebilligt wird. 1419 Eisenbahnangestellte im Dienst des Finanzministeriums. Tas Eisenbahiiniinisterium teilt mit: Bei dem gegentvärtigcn Neberschuß an Angestellten einiger Kategorien der-Tlaatsbaynen konnte durch Ueberleitung einer größeren Angc- stelltenzahl der Finanzvcrwaltung ausgcholsen werden. Gegenwärtig arbeiten in den Finanz- ämtcru 1419'Angestellte der Staatsbahnen, und zwar 18 Juristen, 228 Beamte der 2. Dienst- klasse(Mittelschüler), 347 Beamte der 3. Dienstklasse, 392 llnterbeamte und Angestellte, 369 Kanzleiangestellte und 65 Hilfsarbeiter. Begnadigung Tulas abgelehnt. Preßburg, 23. September. Das Kreis-zerichr in Preßburg hat mit Beschluß vom 21. September 1933 und nach Ucberprüfung aller Umstände das Gnadengesuch Adalbert Tulas verworfen. A. Tuba wurde bekanntlich im Jahre 1930 wegen Anschlägen gegen di« Republik nnd Milt- tärverrat rechtsgültig zu 15 Jähren Kerker verurteilt. Forderungen wenden müssen. Wir konzentrieren die ganze Aktion vor allem um die Gemeinde herum, geben ihr so eine breitere Grundlage nnd erhöhe» die Durchschlagskraft. Durch öffentliche Versammlungen aller Arbeiter und der gesamten arbeitenden Bevölkerung, durch Proteste der Bc- tricbsausschüsfe nnd Bcrfammlungen, durch Dcpu- tatioiie» und Massendemonstrationen bei Entwicklung der Forderungen der betreffenden Teile der Klasie... Aus der Bewegung der Arbeitslosen eine allgemeine Bewegung aller Arbeitenden niachen. Wen» wir auf Grundlage des Kampfes gegen die Ausschaltung der Arbeitslosen ans dem Ansprüche aus die ErnährnngSaktion, aus Grundlage des Kampfes um die übrigen Forderungen der Arbeitslosen eine genug breite Grundlage und das Bewußtsein bekommen haben, daß cs in erster Reihe notwendig ist, daß die Gemeinden Forderungen erfülle», sind auf Grund von Rekursen Masscndcputationen zur Bc- zirksbchörde zu organisieren... Die Sozialen Kommissionen, soweit sic von der Regierung ernannt sind, sollen das Instrument zur Ausschaltung der Arbeitslosen ans der Unterstützung sein. Die'Arbeitslosen verlangen Auftreten in den Kommissionen, sie verlangen Oessentlichkeit der Verhandlung. Sie wählen Vertreter nnd entsenden sie in die Kommission und erzwingen ihre A n n a h in e. Ain Tage des ZusammentrctenS in ü s s e n die Arbeitslosen und die ganze Bevölkerung ausgeboten wer* d e n, damit sie sich zur Berhandlung cinfindcn und daraus bestehen, daß die Vertreter der Arbeitslosen als Mitglieder der Kommission aus- geuonnnen ivcrdcn und über die Ausschaltung »litcntschcidcn. ... Auszüge der Arbeitslosen nach den Wohnungen der Mitglieder der Kommission organisieren und hier verlangen, daß sic sich in der Kommission hinter ihre Forderungen stelle. Masfen- untcrschristcnprotcsle gegen die Entscheidungen der Kommission sammeln. Verlangen, daß die Mitglieder der Koininission sich bei den Versammlungen der Arbeitslosen einsinden und hier ihre Entscheidung über die Ausschaltung der Arbeiter begründen, die Einberufung der Gemeindevertretung verlange», die die Entscheidungen der Kommission aushebcn und die Forderungen der Arbeitslosen anuehnicu soll. Die Vcrhandluugeu der Gemciudcvcrtrcluug und des Stadtrates unter die Kontrolle der Arbeitslosen und der ganzen Bevölkerung stellen... So wird es also gemacht! In Prag wird bestimmt, daß in Weipert und in Zwickau Empörung zu herrschen hat. So soll die spontane„Erregung" über den„Hungerminister Dr. Czcch" hcrvorgerusen werden! Und würden die Sozialdemokraten das Zehnfache für die Arbeitslose» erkämpfen, dann wurden die. Kommunisten ihren Anhängern ebenso wie heute Empörung verordnen und sie ebenso zu Aktionen der Unvernunft onshctzen wie heute. Denn ihnen kommt eS nicht daraus an, den beianimcrnswcrten Opfern der Wirtschaftskrise zu Helsen, ihnen genügt cS, einen„Wirbel" zu machen, irgendwo ein Paar Leute aufzuputschen, sie den Mitgliedern der Sozialen Kommission ins Haus zu schicken und diese damit unter Terror zu sehen, von dem sie ganz gut wissen, daß er nicht zur Verbesierung der Lage der Arbeitslosen, sondern nur zum Eingreifen der Polizei und Gendarmerie führen kann. Aber gerade daS ist es ja, was die Kommunisten anstrebe»: die Arbeiter vor die Gewehre zu Hetzen, bis ihnen die Staatsgewalt den Gefallen macht, auf dir Arbeiter zu schießen... Doch alle bisher zitierten Ratschläge werden noch übertroffen von der Aufforderung, die am Ende der konnmrnistischen Richtlinien steht. Da heißt cs über die Leistung von Arbeiten gegen Gewährung von Ernährnngskarlcn: Wenn wir nicht kräftig genug sein werde», damit die Arbeiter einheitlich die Arbeit ablchnen nnd wo sic die Arbeit angclrcten habe», sie unter der Forderung der Loh»zahluug für eine ganze Woche... mobilisieren bis zum eigenmächtigen Fortsahren in der Arbeit(sie werden die ganze Woche arbeiten und gehen sich dann den Lohn holen). Hier erreicht die kvmniunistischc Gewissenlosigkeit ihre» vorläusigcn Höhepunkt. Die Vcr- fafser dieser Richtlinien wissen natürlich fchr wohl, daß niemand, keine Gemeinde, kein Bezirk, eine Arbeit bezahlen wird. die nicht bestellt tvnrdc und von deren Notwendigkeit und'Nützlichkeit man vielleicht gar nicht überzeugt ist. Die Kommunisten geben trotzdem den Arbeitslosen, die vielleicht zwei Tage irgendeinen Weg hcrgerichtct oder einen Grabctl zugcschüttet haben, den Wink, einfach weilcrzuarbeitcn und sich dann den Lohn cinzukassiercn. Das bedeutet, daß sie den Arbeitslosen, die vielleicht iusvlgc der Entbehrungen einer längeren anstrengenden Arbeit nicht gewachsen sind, zumutcn, um einer„Hetz" willen noch weiter unbezahlte Arbeit zu leisten! Ein solches Maß von Frivolität, ein solches Maß von Gewissenlosigkeit war noch nicht da! Das soll eine Proletarische Partei sein, die von den Proletariern nutzlose, aber vielfach gefährliche Opfer fordert, für die sie dann die anderen mit der Verantwortung belasten z>l können wünscht! Man mutz die Arbeitslosen dringend warne», den kommunistischen Katastrophenpoli- tikern aus den Leim zu gehen. Im Interesse der Arbeitslosen muß mau ihnen die Gefahren, die die Umsetzung dieser kommunistischen Richtlinien in di« Tat im Gefolge hätten, auf das einöriiig- lichste vor Airgen führen. Die k o m m unisti- scheu Strategen der Niederlage aber richtensich in den Augen der denkenden Arbeiterklasse selbst! Arbeitslose auf gepaßt! Geht den kommunistischen Hazardeuren nicht auf den Lelm I Wir haben schon auf die verbrecherische Leichtfertigkeit der Kommunisten hingewiesen, die in ihrer Presse bewußt salsche Informationen über die staatliche Arbeitslosenfürsorge veröffentlichen und zum Beispiel die für die Ernährungsakt io» geltenden Richtlinien in eitler für die Arbeitslosen möglichst ungünstigen Weife auSlegen, da ihnen di« verlogene Hetze gegen die Sozialdemokrat«!, — die sie natürlich für alles, tvas in der Welt vorgeht, verantwortlich machen— wichtiger ist als die richtige Orientierung ihrer eigenen Leut«, die Sicherung der Ansprüche ihrer eigenen Parteigänger dem Staate gegenüber! Cs ist nun interessant, daß die Kommunisten dieses Hand- werk nicht nur öffentlich in Zeitungsverlaut- barungen betreiben, sondern daß sie auch in internen, vertraulichen innerparteilichen Zirkularen gleichfalls auf nichts anderes auSgehen, als den eigenen Anhängern cinzurcden, daß ibnen der Staat welliger gibt, als er tatsächlich zu geben bereit ist, oaß sie also lieber ihr« eigenen Leut« schädigen, als auf ein bißchen schäbige politische Hetze zu verzichten. Bor unS liegen vertrauliche Richtlinien, die die KP6 für die Arbeit unter den Arbeitslosen herausgegeben hat(„Lmörnivo k hnuti neza- lnestnanych"). Da wird erzählt: „Die vom Ministerium für soziale Fürsorge herauSgegebencn Richtlinien für die staatliche Er- nöhrungSaktion bedeuten einen Versuch, die Mehrheit der auf die staatliche ErnährungSaktiou angewiesenen Arbeitslosen um die Unterstützung zu bringen." Zwei Lügen in einem Satz! Denn die Vor- chriften für die Durchführung der ErnährungS- aktion werden nicht von dem von einem Sozialdemokraten geleiteten Fürsorgcministcrium hcr- ausgegeben— man merkt die Absicht!— sondern von der Regierung, in der die bürgerlichen Parteien, wie man vielleicht ailch in Kreisen der KP6 weiß, die Mehrheit haben. Infolge des zähen Widerstandes, den die von den Koinniu- nisten tagtäglich verunglimpften sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung geleistet habet«, ist aber der bürgerliche Versuch, die Mehrheit der anspruchberechtigten Arbeitslosen aus der Er- nährungsaktion auszuschalten, nicht gelungen. Doch hören wir weiter: „Durch diesen Ailgrisf werden nicht nur die unorganisierten Arbeiter betroffen, sondern auch ein bedeutender Teil der organisierten, soweit sie bisher den Anspruch auf die Unterstützung nach deni Genter Systeme nicht erworben oder ausgeschöpft haben, — was natürlich wieder«ine durch nichts begründete Lüge ist— und soweit sie nach der alten Verordnung neben der Unterstützung nach dem Genter Systeme lniedrige Unterstützungen) noch Bettelschcine(Ernährungskarten) bekamen." Es ist bezeichnend für die kommunistischen „Anwälte" der Arbeitslosen, daß sie nicht einmal di« primitivsten Begriffe unserer Arbeitslosenfürsorge kennen, denn eine solche„alte Verordnung" hat cS nie gegeben, da die Ernährnngsaktioi« eben seit 1930 als eine Aktion für jene Arbeitslose durchgeführt wird, die nicht die Unterstützung nach dem Genter Systeme erhalten. WciterS erzählen die Kommunisten über die Behandlung der Saisonarbeiter im Nahmen der Ernährungsaktion folgende Schauer» mär: „Ausgeschlossen sind alle Saisonarbeiter, Ivo- bei in den Richtlinien der Begriff des Saisonarbeiters nicht fest gelegt erscheint, so daß sie die Möglichkeit geben, jeden aus- zuschaltcn, der nicht das ganze Jahr gearbeitet hat." Ein Blick in die Richtlinien beweist, daß di« Kommunisten lügen und so vielleicht kommunistische Saisonarbeiter um die Unterstützung bringen: Aus der Aktion sind ausgeschlossen: „Saisonarbeiter,'d. s. Arbeiter, die'Arbeiten verrichten, welche in der Regel infolge der Einflüsse der Witterung oder ihres besonderen Eharak- terS nur auf einen Teil des Jahres beschränkt sind; Voraussetzung ist, daß sie mindestens durch die Hälfte der Saison tatsächlich beschäftigt Ivaran." Und so geht cs tvciter. Wir tvollen nur noch eine handgreifliche Fälschung herausgrcifen und dem kommunistischen Rundschreiben die Wahrheit gegenüberstellen: Dl« Kommunisten be- In den Richtlinien Haupt««: steht: „Ausgeschlossen sind Arbeiter, die abgelehnt haben, eine Arbeit anzu- nehmen, sei es nun wegen unerträglicher ArbeitSvcr hältnisie oder wegen niedrigen Lohnes oder weil sie physisch nicht imstande find, dieseArbeit auszuführen." „Aus der Aktion sind ausgeschlossen: Personen, die eine ihnen von einer öffentlichen oder sachlichen Arbeitsvermitt- lungSanstall oder einem anderen öffentlichen Organe angebotcne Arbeit ablchnen, obzwar sie die augebotenc'Arbeit leisten können und die'Arbeit nicht derart beschaffen ist, daß sie ihre sachliche Leistungsfähigkeit gefährden würde und obzwar sie nach dem geltenden Lohntarife oder nach den im Orte, wo die Arbeit zu leisten ist, üblichen Sätzen cutlohnl wird." Es fehlen einem die Worte zur Charakterisierung dieser Art, mit der die Kommunisten ihre Anhängerschaft über ihre Ansprüche nntcrrichtcnl DaS Dokument, das>ms der bekannte„günstige Wind" auf den Schreibtisch geweht hat, enthält aber noch andere Dinge, nämlich An- tvcifungcn, tute die Kommunisten den Kampf der Arbeitslosen(lies: die Hetze gegen die Sozialdemokratie) führen sollen. Man höre, was also alles geschehen muß: „... einfach nach den örtlichen oder Bezirksverhältnissen den Kampf um die dringlichsten Forderungen eröffnen." Tas wird von Prag aus dekretiert. Der„Kampf" hat eröffnet zu lvcrden, Begründung muß gefunden werden. „Die Grundlagen unserer Aktion In der ersten Etappe, die verhältnismäßig kur> sei» wird, werden die einzelne» Gemeinde» bilden. Gerade dadurch, daß der Ausschluß vom Unterstützungsbezug in erster Reihe von den Geiucindekommis- sionen durchgeführt wird, daß durch ihre Vermittlung cs möglich ist, Berufungen durchzuführen, daß wir an sic eine Reihe lokaler Forderungen richten, zeigt den Arbeitslosen die konkrete Adresse, an die sie sich wegen Erfüllung ihrer Seite 4 Sonntag. 24. September 1933 Nr. 224 Politik des Düngerhaufens. Ordinäre Schreibweise der„Landpost". Die„Landpost", das Blatt des Herrn Mini» sters Spina, das sich in seinen Polemiken gegen die deutsche Sozialdemokratie stets durch ein möglichst tiefes Niveau ausgezeichnet hat, schreibt im Zusammenhang mit den Bestrebungen der büc- gerlichcn Parteien nach einer Einheitsfront: Nach dem jetzigen Stand der Dinge ist aber keine Einigkeit, geschweige denn eine Einheit möglich. Die deutschen Sozialdemokraten bleiben bei ihrent Glaubenssatze von der Uebervolklichkeit der Arbeiterbewegung. Wenn es aber nur das allein wäre! Sie sind zum größten Teile wohl deutschblütig, jedoch nicht nur nicht deutsch gesinnt, sondern sogar deutjchseindlich. An gewissen Zeiten hangen sie sich ein völkisches Mäntelchen um, aber zu andern, wie eben gerade jetzt, setzen sie den.iilasjenkatnpjgedanken dem Polk-imns- gedanken voran. Ein marxistischer Hottentotte steh: ihnen ossenbar naher als ein deutscher Arbeiter, der ihrer Partei nicht zugelzörl. Welch rückständige Spießer sie mit der Zeit geworden sind, das merken sie gar nicht. Sie sitzen in ihrem Gerümpel veralteter Ideen wie eine Bruthenne ans faulen Eierit. Neues Leben ist von ihnen nicht ntehr zu erwarten, höchstens Gestank. Uebcrschrieben i st der Artikel„Spreu und Körner". Tie richtigere Neberschrift wäre: P s e r d e>n i st und K u h f l a d c n. Bei jeder Gelegenheit mit den tzakenkreuzlern. Sonderbare Wege des kommunistischen Hauptorgans. Das„Rndö Prüvo" macht seinen Lesertt die Mitteilung von dem Drohbrief, den Gen. Dr. Strauß erhalten hat und der zweifellos aus dem hcikenkreuzlerischen Lager stanuitt. Es wäre nun selbstverständlich, daß das koinmmtistische Organ bei dieser Gelegenheit sich scharf gegen die deutschen Faseisten wendete, die einen Vertrauensmann der Arbeiterschaft und Redakteur eines proletarischen Organs zuntindeft ein« zuschüchtern versuchen. Wer das annehmen würde, kennt die Kommunisten schlecht. Sie benützen die Gelegenheit einer offenbaren Morddrohung gegen einen sozialdemokratischen Redakteur, um— die Sozialdemokratie anzugreifen. Die Arbeiter seien angeblich unzufrieden mit der sozialdemokratischen Politik und die Svzialdemo- kratcn„treiben besonders die kleinbürgerlichen Schichten in die Arme der Hakenkreuzler, wobei sich Individuen sinden, die nicht eittmal vor Meuchelmorden zurückschrecken". Deswegen-- man beachte die Logik des komntnttistischen Blattes— malt die Sozialdemokratie die Gefahr des HitlerismuS an die Wand! Obwohl also das „Rndü Prüvo" selbst anerkennt, das; eS sich bei dieser Drohung gegen Gen. Dr. Strauß um einen hakenkreuzlerischeit Täter handelt, beschuldigt es unsere Partei, daß wir die Hakenkreuz- lerische Gefahr an die Wand malen, weil wir die Arbeiter auf die Umtriebe der Nazis aufmerksam ntachen. Damit will daü„Rudö Prüvo" iil den Augen seiner Anhänger die fascistische Gefahr verkleinern, was nichis anderes bedeutet, als den faseisten Hilfe zu leisten. So weit ist die Redaktion des„Rndü Prüvo" politisch und moralisch gekommen! »er Jkodovok" eingestellt Prag, 23. September. Amtlich ivird gemel- det: Das Landesamt stellt die Ausgabe der in Pilsen erscheinenden Zeitschrift„äkodovük" für die Dauer von sechs Monaten ein. Montag Ncberreichung der Rote an den Vatikan. Ter tseizechische Gesandt« beiin Vaiikau, Dr. Radimsky, der vom Urlaub tvegen der Nuutius-Asfäre nach Prag berufen wurde, fuhr Samstag nach Rom,>vo er am Montag dein päpstlichen Staatssekretär die angelnudigte Rote der tschechoslotvakischen Regierung überreichen wird, in der die Rückberusung des Nuntius nach Rom zum Zwecke der Berichterstattung, bzw. Nechtsertiguug des Zwisclzensalles verlangt wird. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Montag: Prag 10.10: Konzert, 14.50: Schallplatten, 18.30: Deutsche Sendung.— Brünn 17.55: Pfad- sinderfunk, 18.25: Deutsche S e u d n n g: Jägerdeutsch und Jägerlatein, 19.10: Balalaikakonzert, 20.15: Rückkehr aus den Ferien.— Raschau 12.30: Orchesterkouzert, 18.20: Schaltplatten.— Wien 15.55: Konzertstunde, 20.30: Im Flug um die Welt, 22.15: Abendlouzert.— Franlsurt 21.30: Kammermusik.— Heitöberg 20: Chöre von Brahms.— Harmonika-Quartetts, 21: Konzert.— Brünn 12.35: Romantische Klaviermujit.— Berlin 20: Rauch wird Schall.— München 20: Unterhaltungskonzert. Dienstag: Prag 10.10: Deutscher Schulfunk, 13.15: Schallplatte», 18.30: Deutsche Seudüng: Ton- silmschlager, 20: Konzert des ersten Prager Piano- Harmonika-Quartetts, 21: Konzert.— Brunn 12.35: Mittagskonzert, 17.15: Schallplatten, 18.25: Deutsche Sendung; 19.20: Heitere Lieder.— Heilsberg 20: Aus deutschen Opern.— Breslau 18: Abendmusik.— Wien 16.30: Berühmte Dirigenten im Spiegel der Anekdote.— Hamburg 18.15: Hermann Löns.— Leipzig 21: Sinsoniekonzert.— Langenberg 17.30: Leichte Kammermusik..— München 21: Konzert. T agesneuigkeifen Unheimliches Erlebnis. Karlsbad. Wie eilt goldner Regen fällt das warme Licht des Frühherbsks durch das Bunt der Bäume, läßt das Laub auflenchten uud ertrinkt schließlich im Dämmer des unendlichen Waldes. Wir stehen auf den Höhen und blicken hinab auf die schöne, von behaglichem Leben erfüllte Stadt, deren Häuser sich wie Schwalbennester den hohen, buckligen Straßen anschmiegen. Ein schmaler, laubüberdachter Weg führt den Hang hinauf. Aus den Bänken am Wege haben sich Menschen ans aller Welt ein Stelldichein gegeben. Herzen sind eingeschnitzt und Taieit, kunstvoll geschwungene Namenszüge flüstern von Schicksalen, von kleinen Eitelkeiten... Plötzlich stutzt man, das Lächeln, mit dem das Ange soeben über die bunte Parade der Mitteilsamkeit fuhr, macht tiefer Nachdenklichkeit Platz. Tort steht der Name eines guten Freundes, eines Mannes, der jetzt drüben tut unglücklichen Deutschland hinter Gittern sitzt, eines Menschen, den sie in der Hölle ihrer Konzentrationslager langsam erwürgen. Da gehen wir nun über das weiche Laub, die Sonne spielt über den Weg, die Vögel singen unbekümmert ihr kleines fröhliches Lied, und dort sitzt einer, einer von uns, gefesselt Ivie eilt lvildes Tier, in der Hand von Unmenschen, die mit Lust alles in ihm zerschlagen, Sin 2S0ökariitiger Diamant gesunden. Paris, 23. September. Meldungen aus Rio de Janeiro bestätigen, daß in Campos de Pa tos in der brasilianischen Provinz Minas Geraes ein Diamant im Gewichte von mehr als 2000 Karaten gefunden wurde. Sein Wert ivird nach deut gegenwärtigen Kurs auf 15 Millionen Franken geschätzt. Tic Allzu zufriedenen In St. Etienne in Frankreich ist eine merkwürdige Partei ins Leben gerufen worden: die Partei der Zufriedenen nämlich! Diese originelle Institution der unentwegten Lächler wird den Regiernngsinstanzen sicherlich sehr willkommen sein.- Die Zufriedenen haben nur einen Programmpunkt, an dessen Verwirklichung sie mit kämpferischer Energie arbeiten: die llnterdrückung jeder Opposition. Freilich wollen sie diese Ausschaltung der Kritik nicht mit den Methoden der braunen Borueander- taler durchsetzen, sondern, als zivilisierte Menschen des 20. Jahrhunderts, durch ihr, wie sie annehmen, über,zeugendes, zufriedenes Beispiel. Die Zufriedenen,von St. Etienne sind der immerhin ein ivenig überraschenden Ansicht, daß cs uns geplagten Zeitgenossen gar nicht besser gehen könne, als es uns zur Zeit geht. Die Bescheidenheit und selbstgcnüg- jame Zufriedenheit der Lächlerpartci in allen ATUS-Blumentag Sonntag, den 24.September 1933 Wer eine Blume kauft— übt Solidarität am Arbeiterkind! was stark und zukunftsträchtig war. So wie wir wird er einmal unter diesem Blätterdach nach oben gewandert sein und im Ueberschwang von Dankbarkeit und Gefühl hier oben eingezeichnet haben. Scheint die Sonne nicht Plötzlich dunkler? Legen sich die Schatten des Waldes nicht wie riesige Fangarme um die grübelnden Wanderer? Es ist eine Begegnung mit Tod und Untergang— mitten im Frühherbstwald von Karlbad. E» o l t e. Mn Greis vom Auto getötet. Teplitz-Schönau, 23. September. ! E i g e n b« r i ch 1.) Gestern gegen halb 8 Uhr. abends wurde aus der Turner Hauptstraße der 81jährige An ton Riedel aus Turn von einem Lastauto überfahren. Er erlitt»inen komplizierten Schädelbruch und andere Der, letznngen, denen er erlag. Da die Schnldfrage noch nicht geklärt ist, wurde der Chauffeur vorläufig in Haft genommen. Verschollener deutscher Hydroavlon in Southampton gelandet. London, 23. September.(Reuter.) Der deutsche Hydroavion, der gestern abends vom Dampfer „Bremen" mittels Katapults abgeschossen und nachher lange Zeit vermißt wurde, trc-f heute um 12 Uhr-15 Minuten unversehrt in Southa m P- t o n ein. Die Berspätung des Hydroavions erklärt sich dadurch, daß das Flugzeug gezwungen war, bei Einbruch der Nacht aus dem Meere n i e d e r z u g e h e n, wo es spater von einer französischen Schaluppe gefunden wurde, die es an seine Abschußstelle ec b schleppte. Der Pilot, der die ganze Nacht an Bord des Flugzeuges verbracht hatte, startete früh nach Southampton, wo er wie oben gesagt, kurz nach Mittag eintras. Ter Pilot erzählte, daß er und auch der Mechaniker nach dem Abschuß des Flugzeuges von der„Bremen" in einer Entfernung von ettva 600 Meilen von dem Schiffe die Richtung verloren und beschlossen habe, auf das Meer niederzugehen, trotzdem sie noch Benzin für eine Flugstunde an Bord hatten. Die französische Schaluppe nahm dann den Hydroavion ins Schlepptau. Die Mannschaft des Hydroavions blieb an Bord des Flugzeuges, obwohl das Meer sehr unruhig war. Die britischen Marine-Stützpunkte hatten Torpedobootzerstörer und Hydroavion. entsandt, um Nachforschungen nach dem verschollenen Flugzeug anzustellen, das sie aber nicht ausfanden. Postflugdienst England-Australien geplant. London, 22. September.(AR.) Morgen wird von Croydon die erste Flugpost nach Rangoon abgehen, die am 1. Oktober in Burma erwartet wird. Das Flugzeug lvird zunächst die bisherige indische Linie über Kairo, Bagdad, Karachi nach Kalkutta ciuhaltcn und von dort wird die für Burma bestimmte Post zum ersteumal über den 700 Kilometer langen Abschnitt über Akyab nach Rangoon gesandt werden. Dieser neue Abschnitt liegt in der beabsichtigten 10.000 Meilen langen Linie des Postflugdienstes England—Australien. Tas erste Postflugzeug Rangoon—London wird in Rangoon am 2.Oktober starten und am 10.Oktober in Croydon eintrefsen. Man erwartet, daß der weitere Teil der Strecke Rangoon—Singapore für den Flugverkehr noch vor Weihnachten d. I. eröffnet werden wird. Ehren, aber vielleicht haben ihre Mitglieder auch Grund zu dieser überströmenden Zufriedenheit! Es ist kaum anzunchmcn, daß sich die Arbeitslosen, die die Jagd nach Erwerb immer wieder erfolglos durch einen Alltag des Hungers und der Demütigungen treibt, der neuen Partei in Scharen Zuströmen werden. Auch die Arbeitenden, deren Schweiß zur Ehre des höheren Profits genießender Kuponabschneider fließt, auch die ArbeilSinvaliden, deren hartes Dasein ein trüber Lebensabend schlimmster Entbehrung abschlicßt, werden von dem schöpferischen Blitz der Etienncr Allzuzufric- dcnen nicht sehr begeistert sein. Wer mag wohl den einigermaßen provokatorischen Scherz der Antioppositioncklen von St. Etienne aus der Taufe gehoben haben? Sollten das nicht diejenigen gewesen sein, die gewiß alle Ursache haben, zufrieden zu sein?— Solange nämlich, als sie noch in dieser untergehenden Welt der kapitalistischen Gesellschaftsordnung Gelegenheit haben, die wirklich Arbeitenden in der skrupellosesten Weise anszubenten! Sic mögen gewiß damit zufrieden sein, aber auf eine solche Zufriedenheit pfeifen wir Unzufriedenen—. Ein Opfer drS Hitler-Terrors. Kürzlich verschied, wie wir leider erst jetzt erfahren, Genosse E r n st Lorenz. Bis zum Raub unseres Parteiblattes war er Geschäftsführer der„Dresdner Volkszeitung". Auch er ist ein Opfer des Hitler-Terrors geworden. Jahrzehntelang stand Genosse Loren; als einer der Getreuesten in den Reihen der Arbeiterbewegung. Als Inhaber einer eigenen kleinen Druckerei, stellte er während des Krieges seinen Betrieb uneigennützig und tapfer für die Friedenspropaganda zur Verfügung und schreckte nicht vor Einkerkerung und Einziehung zum„Waffendienst" zurück. Seine Schrift über die illegale Tätigkeit aufrechter Sozialisten im Weltkriege hat schon bei mehreren Gelegenheiten die Ber- ärgerung reaktionärer Getvalipolitiker hervorgerufen. Nach dem Kriege wurde Genosse Loren; zunächst Geschäftsführer der Unabhängigen Volkszeitung, die er trotz aller Wirren der damaligen Zeit fest fundierte. Nachdem die Bereinigung der beiden Parteien in Nürnberg vollzogen war, wurde die Druckerei der Dresdner USP. die Grundlage für eine neue selbständige Partei- t drnckerei in der Oberlausitz. Vor zwei Jahren wurde Genosse Lorenz Geschäftsführer der Dresdner Volkszeitung und er erfreute sich in seinem alten und nun wieder neuen Wirkungskreis durch sein, im besten Sinne des Wortes, kameradschaftliches Verhalten, bald wieder allgemeiner Freundschaft. Nach der Besetzung des Dresdner Partcibetriebes durch die SA wurde Genosse Lorenz mehrfach verhaftet und unter seiner und seiner Familie ständigen Verfolgung brach seine kranke Fran völlig zusammen. Er selbst litt seelisch auf das Schwerste und daß er nun, bis zu den Wirren in Deutschland ein kerniger 57er, durch einen Herzschlag verschieden ist, dgs ist eine Folge des unerhörten Terrors, dem so viele in Deutschland zum Opfer fielen. Ermäßigte Sonntagsrückfahrkarten werden in der nächsten Woche mit Gültigkeit von Mittwoch, den 27. Septeniber bis Sonntag, den 1. Oktober ausgegeben werden. Di« Rücksahrt muß spätestens Montag, den 2. Oktober, um 12 Uhr mittags angetreten werden. Konkurs auf erledigte Studenten- und Humani- tiitsstistungon. Ain 30. September 1933 werden im „Prager Abendblatt" Konkurse aus eine größere Anzahl von erledigten Studenten» nnd HunianitätS- stiftniigen durch die Prager LandcSbehörde zur Verlautbarung gelangen,. Sir Frederik Gowland HopkinS, der berühmte englische Chemiker und Nobelpreisträger für Medizin von 1929, glaubt, daß das Vitamin D den Krebs errege, der in den letzten Jahrzehnten zu einer der furchtbarsten Geißeln der Menschheit geworben ist. Wenn diese Entdeckung sich bewahrheiten sollte, so würde damit die internationale Krebsforschung, die bisher ihr Augenmerk auf die Ermittlung eines spezifischen Bazillus richtete, vor ganz neue Tatsachen gestellt sein, ntiiiiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiiiijitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiimiin Ein Konkurrenzmanöver gegen Kodak? Am 2 t. August erschienen in einem großen Teil der hiesigen Presse Nachrichten über Kodak-Filme deutscher Provenienz, aus denen beim Entwik- keln angeblich ein Hakenkreuz sichtbar wurde. Dir Firma Kodak ersucht uns um die Feststellung, oaß an dieser Nachricht kein Körnchen Wahrheit ist. Es ist auch nicht richtig, daß die Prager Polizei in dieser Angelegenheit eingeschritten sei und bei den Händlern die vorhandenen.Hakenkreuzfilme beschlagnahmt habe, lieber Einschreiten des Vertreters der Firma Kodak erklärte die Prager Polizei diese Meldungen von irgend einem Einschre'ten bczw. von der Beschlagnahme für unrichtig. Di« Firma legt Wert auf die Feststellung, daß Kodaksabri'ate in Amerika, England, Frankreich, Deutschland mio anderen Staaten hergestellt Iveoden. Die Prager Niederlassung der Firma bezieht— auch schon mit Rücksicht auf die begrenzten Jmportmöglich- keilen aus Deutschland— nur einen kleinen Teil ihres Bedarfes aus Deutschland; speziell ihre Filme find fast ausschließlich amerikanischen, englischen oder französischen Ursprunges. Die Firma hält es nicht.für ausgeschlossen, daß die oben erwähnte Meldung, die auch unser Blatt übernommen hat, von der Konkurrenz lanciert wurde, und ersucht uns um Richtigstellung unserer seinerzeitigen Notiz. Einschränkung der Postaulobussr in Oesterreich. Der österreichische Ministerrat hat die Auslassung von 20 Postkraftfahrlinien und Einschränkung res BevkehreS auf 76 PostkrasIsahrli nicn mit einer jährlichen GosamiersparniS von 890.000 Fcchrtkilonietcr beschlossen. Diese Auflassung und Einschränkung tritt zu Beginn der Mntersahrordnung 1933/3-1 in Kraft Auswanderung im zweiten Bierlcljahr 193.3. Die soeben erschienene Nummer 1-14 des lausenden Jahrganges der„Mtloilungen des Statistischen Staatsamtes" enthält interessante Daten über du Auswanderung ans der Tschechoslowakei im April, Mai und Juni des heurigen Jahres. Ter dauernde Rückgang, der unser Auswanderun gswcsen seit dcin Jahre 1930 kennzeichnet und der sich besonders aus» fällig in beit beiden letzten Vierteljahren des Vorjahres und im ersten Vierteljahr des heurigen Jahres bemerkbar machte, ist, wie es scheint, zum Stehen gekommen. Auswandererpässe wurden im zweiten Vierteljahr 1933 1.4-18 ansgesolgi, d. h. etwas mehr, als die Zahl der Auswanderer im zweiten Vierteljahr des vorigen Jahres(1.385) und im ersten Vierteljahr des heurigen Jahres(1.251) betrug. Dieses Steigen ist allerdings fast auSschließ- lich der beträchtlichen Z u n a h m e d e r Auswanderung nach Frankreich zuznschreiben, wohin 802 Personen um Auswaiidererpässe ansuchten, u. zw. säst durchgehend Landwirte aus der Slowakei. Die anderen Staaten weisen— bis aus eine unbeträchtliche Erhöhung der Auswandererzahl nach de» Bereinigten Staaten von Amerika und nach Paraguay— fast durchwegs einen Rückgang in der Zahl unserer Auswanderer aus. Ebenso ist die Gruppenauswanderung ans Saisonarbeiten, die sich immer auf das zweite Vierteljahr jedes Jahres konzentriert, stark zuriickgegangen. Im Vorjahre jind ans Feldarbeiten»ach Oesterreich und Deutschland 18.290 Personen abgegangen, Heuer bloß 8.897. Interessant ist, daß dieser Rückgang fast durchwegs ans Rechnung von Oesterreich geht, während unsere Saisonauswanderung nach Deutschland von 168 Personen im Vorjahr aus 760 inc heurigen Jahr gestiegen ist. Ein« furchtbar« Blutat Hai sich in Dietersburg bei Pfarrkirchen in Niederbayern ereignet. Der dort wohnhafte 34 Jahre alte Gendarme r i e h a u p t w a ch i m c i st c r I o s e p h E i ch i n g e r erschoß seine beiden Kinder, ein dreijähriges Mädchen und einen fünfjährigen Knaben, nnd hierauf sich s e l b st. Das Mädchen starb nach kurzer Zeit, Eichinger und der Knabe wurden bereits als Leichen vorgefunden. Infolge andauernder heftiger Regengüsse, welche von Gewittern begleitet waren, sind zahlreiche Flüsse im Drau-Banat aus den Ufern getreten und haben die Umgebung ü b e r- s ch w e m m t. Der materielle Schaden.ist groß. Soweit bisher bekannt ist,■ ist bei den Ueber- schivenimungen niemand ums Leben gekommen. Nr. 224 Somitag, 24. September 10M JtUt 5 Ae BrniüMSükklii Lei WsW MiWU Les vroßen Tunjatsens Witwe setzt sein Werk sott- Gericht zu stellen oder auch ohne alle Formalitäten hinzurichten. Ein nicht unerheblicher Teil der Besten unter China« Jugend starb aus solche Weise und bi« vor kurzem Magie keine Zeitung, diese Hinrichtungen zu kommentiere«. Bon Edgar S n o w(Shanghai). In der ruhigen Rue Molicrc der geräuschvollen.Hafenstadt Shanghai steht ein unscheinbares kleines Haus. Stets sind drinnen die Gardinen vorgezogen und draußen die Fensterladen geschlossen; neugierige Passanten, werden in ihrer Hoffnung, einen Blick aus die Bewohnerin Wersen zu können, stets enttäuscht. Doch das Haus hat seine Besucher. Sticht die offiziellen Würdenträger des heutigen China, die nach zahlreichen Zurückweisungen ihre Besuche aufgegcbcn haben. Arbeiter kommen in das Haus, Studenten, Schriftsteller, Lehrer, Wissenschaftler. Tenn auf einen nicht geringen Teil des jungen China übt die Frau, die dieses Haus bewohnt, eine wachsende Anziehungskraft aus: Frau Sunjatsan, Witwe des großen Revolutionärs, Führer Chinas auf dem Wege in eine neue Zeit. Fast als einzige aus Sunjatscns ehemaliger Umgebung hält sie das ursprüngliche Banner der chinesischen Revolution hoch. Fast als einzige von allen den früheren Anhängern Dr. Suns im Kuvmiiitang hat sie stets furchtlos auf der buchstäblichen Auffassung des auf drei Grundsätzen beruhenden revolutionären Dokuments, des San Min Tschu I, bestanden.- Standhaft kämpfte sie stets für das Ertvachen, die Emanzipation und die Befreiung der Millionen Chinas, die Wiedergeburt der Nation auf breiter sozialer und demokratischer Grundlage und den Sturz des tyrannischen chinesischen Militarismus. Sung Tsching-Ling— so lautet der Mädchenname Frau Sungs, den sie wieder angenommen hat— ist seit siebzehn Jahren Revolutionärin. Sic besuchte europäische Schulen in China, studierte dann in Amerika und kehrte 1914 in die Heimat zurück, tvo der später zum Kaiser gelvähltc Juanschikkai die Mandschu- dynastie gestürzt hatte. Als Neunzehnjährige war sic der Kuomintang, der chinesischen Bolks- partei, beigetreten und floh nach dem Sturz der Republik nach Japan, wo sie Dr. Sunjatsen kennen lernte. Sie heiratete 1915 und sie stand ihm in der Parteiführung bis zu seinem Tode im Jahre 1925 zur Seite. Während der Erfolge der Kuomintang- Bewegung wurde sic zur Führerin der streitbaren Jugend Chinas, gehörte dem Zentralexekutiv- komitee an— nominell auch heute noch— und spielte einss führende Rolle in der Revolution. Sie arbeitete unermüdlich, um die Massen für die Gedanken ihres Gatten zu gewinnen. Als der Kuomintang sich 1927 spaltete und das revolutionäre Ideengut Dr. Sunjatscns allmählich militaristischer Sinucsart wich, verließ sic China und kehrte erst 1950 dorthin zurück. Ihre Stellung in China ist heute einzigartig. Als Witwe Dr. Sunjatscns, den der Kuomintang nahezu in de» Rang eines Gottes erhoben hat, ist sic die erste unter allen Frauen Chinas. Jedes Amt im Reiche der Mitte könnte das ihre sein. Alle erdenklichen Würden wurden ihr angcboten, damit sie die Nanking-Regierung als die rechtmäßige Erbin Dr. Sunjatscns anerkenne. In Nanking erbaute die Negierung ein herrliches Hauü für sie; sie will nichts davon wissen. In Nanking errichtete der Kuomintang eine Schule für die Kinder der Märtyrer der Revolution und ernannte Frau Sun zn deren Präsidentin, in der Hoffnung, daß ihre bekannte Kinderliebe sie nachgiebig stimmen werde. Sie wies das Anbot mit einer Zurechtweisung zurück, die den Machthabern ans Gewissen rührte. Noch immer aber verbrennen Chinas Herrscher Opfergabe» vor einem Tempel, aus dem der Geist längst geflohen ist; denn Sung Tschingling leugnet entrüstet, daß die Generalsjnnta, die den gegenwärtigen Kuomintang beherrscht, irgendeine Achnlichkeit mit Dr. Suns Schöpfung babe. Um dies zu erklären, ruft sie die jüngste Geschichte Chinas in Erinnerung und erörtert einige der politischen Grundproblcme ihres Landes. Es dürste den meisten wohl noch in Erinnerung sein, wie nach dreißig Jahren des erfolglosen Kampfes um die Schaffung einer konstitutionellen Republik in China Dr. Sunjatsen >m Jahre 1925 ein llcbereinkomincn mit Sowjetrußland schloß, aus Grund dessen die Bolkspartei aus Rußland zusammen mit Waffen, Munition und finanzieller Unterstützung auch einige Lehrer der Technik der Revolution erhielt. Gestützt auf diese« Bündnis hoffte er ein neues Volk aus den chinesischen Massen hcr- auszukristallsieren. Die nächsten Jahre hindurch gab das Schauspiel eines erwachten und tätigen chineü'cben Volkes der Welt zu denken Sogar nach Dr. Sun« Tod schien die Triebkraft de« verjüngten Kuomintang nicht erlahmt zu sein. Sie schien unwiderstehlich zu sein. Ter neue Staat sollte für das Volk existieren. Eine.Herrschaft des Volkes. für das Volk und durch dieleS. Ausbeutung, Bestechung und NcvotismuS sollten ausgerottet werden, den Privilegien und KonPssioncn der Ausländer ein Ende gemacht werden. Begeistert folgten Chinas Millioilen dem Banner der Revolution gegen die Tyrannei. Doch 1927, in-Hankan, kam die Revolution zum Stillstand General T-changkasschek. der bis dahin die revolutionären Armeen geführt hotte, (Nachdruck verboten.) ließ plötzlich die Sache der Volkspartei im Stiche. In der Folge bemächtigte er sich dank des Zu- sammenspiels von Generalen und Gangstern Shanghais und gründete schließlich seinen eigenen Kuomintang in Nanking. Er besiegte die Han- kau-Regierung und vertrieb all« Linkselemcnle aus der Partei, die bis dahin tonangebend gewesen waren, und unter denen sich Frau Sun und Wang Tschiug-Wei, der anerkannt« Parteitheoretiker, befunden hatten. Die Regierungsgewalt kehrte zurück in die Hände einer nicht sehr intelligenten Militärkaste und die fortschrittlich Gesinnten wurden enttvedcr erschossen oder eingekerkert. Zahlreiche Rivaleii standen gegen General Tschaiigkaischek ans und blutige Kampfe zwischen den Machthabern zerfleischten das Land. In Zentralchina entwickelte sich ein« starke kom- munistischc Partei. Der Kuomintang verlor inimer mehr an Anhang unter den Massen. Als Japan in die Mandschurei einmar- schiertc, war die Woge des Nationalismus in China fast völlig verebbt. TaS Volk konnte nicht gesammelt, die Hilfsmittel der Nation konnten nicht herangezogen werden. Tic Nankiirgcr Regierung unterstützt-' rv 4“ Nord chinas in ihrem Kampfe gegen die Japaner. Keine Kanone, kein Aeroplan der Nankingregic- rung nahm an den Kämpfen zur Verteidigung der Mandschurei und Jehols teil. Dagegen blieben weiterhin 300.000 Nanking-Soldaten in Zentralchina konzentriert. Mehr als 200.000 Bauern wurden von der gegen die„Roten" ausgesandten Soldateska getötet. Gegen diesen Stand der Dinge tvagten bis nun nur sehr wenig« Chines«» zu protestieren. Aber eine Frau Sung Tschingling hat nie aufgehört, flammenden Protest einzulegen. Von Feindseligkeit umgeben, verleumdet, schwächlich an einer ernsten Krankheit leidend, kämpfte sie unermüdlich, um dem alten Geist der chinesischen Revolution zum Siege zu verhelfen. Man Hal sie«ine sentimental« Natur genannt. Aber dies« 'entimentale Natur schreckt nicht vor einem unerbittlichen Kampfe g«g«n ihr« eigene Familie, tvie gegen ihren Schwager General Tschangkai- lchek, ihren Bruder Finanzmmister Sung und gegen ihren anderen Schtvager Kniig, Präsident der chinesischen Zentralbank und Mitglied des Zentralexekutivausschusses, zurück. ,,Wenn Dr. Sung l>«nt« noch lebte", so sagte sic mir,„er würde von diesem Kuomintang nichts wissen wollen und es verabfclienen, leinen Namen mit dem dieser feudalen Militaristen zu.sehen. Er könnte nicht teilhaben an diesem nutz- und sinnlosen grausamen Mord an chinesischen Bauern und Patrioten unter der falschen Flagge der Komnlunistenbekämpfung. Die Kuomintang- Militaristen sind dadurch geri', daß sie weder Freiheit der Rede, der Presse und der Versammlung gewähren. Ten Arbeitern und Bauern, die nenn Zehniel Cl>ina« ausmachen, ist jede Organisation vertvehrt. Die Justiz ist eine Farce, die Besteuerung Raub und das Volk völlig rechtlos." Kaum«in anderer darf solch« Worte heule in China tvagen, ohne sein Leben aufs Spiel zn letzen. Aber Frau Sun übt nicht bloße Kritik: sie ist eine Frau der Tat. Erst kürzlich organisierte sie die„Chinesische Liga für bürgerliche Rechte". Unter der.Herrschaft eines Systems, wo das bloße Studium des Kommunismus ein schweres und nicht selteil mit dem Tode bestraftes Verbrechen ist. hat rS bis nun noch niemand gewagt, sich an die Spitze einer solche» Organisation zn stellen. Seit 1927 ist cs in vielen Provinzen gong und gebe, jeden, der offen Widcr- spruch gegen das Regime wagte, vor ein Stand Die chinesisch« Liga für bürgerliche Rechte gewann rasch an Airhang. Ihre Forderungen er- tcheinen dem demokratischen Westen gemäßigt. Sie strebt vor allem die Befreiung von etwa 50.000 Politischen Häftlingen und die Wiederherstellung der Rede-, Preß, und Versammlungsfreiheit an. Da diese Ziel« vorderhand nicht verwirklichbar sind, konzentriert sie sich zunächst darauf, den Fall jedes einzelnen politischen Gefangenen vor ein ordentliches Gericht zn bringen, ihm Verteidiger beiznstellen, nötigenfalls Bürgschaft zu stehe» und gegen grausame Methoden der Marterungen zwecks Erpressung von Gc- ständnissen anzukämpfen. Und schon werden in der chinesischen Presse schüchtern« Stimmen laut, die für die Ägalisierung aller politischen Parteien einschließlich Sozialisten und Kommunisten, die Abkehr vom undrsziplinicrten Militarismus und vor allem für die Einberufung einer National- txrsammlung und Gewährung einer Verfassung eintreten. Wenn die Liga versagte, zögert« Sung Tschina Lina nie, einen einsamen persönlichen Kamps zu führen. Erst unlängst begab sie sich nach Nanking, um die Freilassung zweier Arbeiterführer zu erwirken, die in Shanghai von der Fremdenpolizci verhaftet und den chinesische» Behörden unter der Beschuldigung kommunistischer Umtriebe ausgcliefert worden waren. Trotzdem ihre Politischen Ideen nicht mit den seine» übereinstininie», setzte sie sich auch mit aller Energie für die Freilassung Tschen Tuhsiu's, eine« der Führer der literarischen Renaissance Chinas ein. Ihr« bittere Gegnerschaft zur mili- taristilchen Willkür hinderte sie nicht, während der chinesisch-japaiiisä^n Feindseligkeiten eine fieberhafte Tätigkeit zu entfalten, uncrmüdlich das Volk zu wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen gegen Japan aufrufend, Gelüsammluiigen veranstaltend, Verbandmaterial beschaffend, Spitäler und Lazarette aus dem Boden stampfend. Mit der Jugend zusammcnarbcitend hat sie in de» Arbeitervierteln der großen Städte Chinas Kliniken gegründet, Bildungskomitecs in den Dörfern geschaffen und bäuerliche Selbsthilsr- vereinigungen organisiert. Gegen die Feindseligkeit der Behörden und den Aberglauben der. Massen ankämpfend verrichtete sie Pionierarbeit, indem sie unerschrocken für wissenschaftlich« Gebnr- teirkontrolle in einem Lande eintrat, deni sie wie keinem anderen Lande der Welt nottäte. Frau Sun macht aus ihren Sympathien fi'u die Roten Armeen kein Hehl, die einen verzweifelten Kampf führe», um die fünfzig Millionen Chinesen der'entralcn Provinzen Chinas vor der furchtbaren Rache der Nanking-Militaristen zu schützen. Es ist nicht allgemein bekannt, daß die chinesische kommunisti'che Ncaiernng Japan offiziell den Krieg erklärt hat. lieber Chinas„Rote Armee" ist nicht allzuviel bekannt. Aber jeder mit der gegenwärtigen Tragödie der chinesischen Landbevölkerung Vertraute kau» nicht unihin, dieser unerschrockenen Kämpferschar seine Bewunderung zu zollen. Bon allen Seilen von Feinden umgeben, lediglich mit Geivehren und Heugabeln bewaffnet, behaupten sich diese Bauern nun schon seit vier Jahren gegen eine überwältigende liebermacht von mit moderner Artillerie und Aeroplanen ausgerüsteten Nanking-Soldaten. Sie haben ihr Gebiet ständig vergrößert, Division ans Division gegen sie entsandter Regier« ugstrups'eu für ihre Sache getvonnen und nun Japan den Krieg erklärt! Es ist ichtver, die gegenwärtigen Machthaber Chinas nicht zn verachten, die kostspielige Erl'editionen gegen jene anSrüsten, während die Japaner sich iminer mehr im Norden cinnisteii. (Einzig autorisierte UedevsetziUlg.) $i a-urbe'nen ßtr Pssl b-b iS.—, ganiiobrig Ke l'ZJ.- Der Heranwachsenden Jugend reicht man morgens ein Gläschen natürliches„Franz-Joses" r o v ä in der Hauptrolle glänzt mit einem unwahrscheinlichen Talent für falsche Töne und unnatürliche Bewegungen, Vladimir Borsky ist ein lächerlich unbeholfener jugendlicher Liebhaber und der Regisseur Bladimir Slavinsky läßt fade Bilder von endlosen Gesprächen überschwemmen. Pikanlcrwcise trägt dieser heimische Tschechenfilm das schöne Signum Ufa. 6. G- Kilometern. Zweiter wurde Delire(Belgien). Hamedl(Wien) kam als 81. an.— Die Strecke L i l l c—L ü t l i ch(213 Kilometer) bewätUgten als Erste Reisen und Eonard(beide Belgien) in der gemeinsamen Zeit von 7:32 Ltd. 42 Fahrer nah- men teil. Das Rennen hat auf der ganzen Strecke große« Interesse hcrvorgenifen, war sehr gut orqa- nisicrt und«in« ousgczeichncle Propaganda für den Arbeitersport. Bankgeschäften, Kafsechänsern und 5-Tollarschcinc konstatiert; insgesamt Stück zuslandcgcbracht. Aus die Spur der Täter sührtc Jaroslav O c r n y, der bei der Polizcidirektion anzeigte, daß ein ihm bekannter Vertreter Walter Dubsky ihm anvcrtraut habe, er betreibe mit seinem Schwager Josef Oirek die Banknotenfälschung. Dubsky habe versucht, ihn als Helfer zu gewinnen und ihm zwölf falsche Fünfdollarnoten anverlraut, die er umwcchseln sollte. Ter Anzeiger willigte scheinbar ein, verständigte aber sogleich die Polizei, di« zu der am nächsten Tag vereinbarten Zusammenkunft mehrere • Detektive entsandt« nnd den Walter Dubsky verhaften ließ. Ter Verhaftete legte sogleich ein Geständnis ab und denunzierte nebst seinem Bruder Bruno auch seinen Schwager, den Buchdrucker Josef L i r« k und den Graveur BohuSlav C c r n i f, letztere zwei als di« eigentlichen Hersteller »nd technischen Fachleute. Sämtliche Beschuldigten wurden am gleichen Tage in Hast genommen. Tie Haussuchungen erbrachten eine Menge Material. In der Wohnung O i r c k S sand man Farben, Druckpressen nnd Klischees des Notentcxtcs, bei Dubsky nebst verschiedenen Truk- kercirequisiten und Farben einen hohlen Stock nnd 27 Stück Falschnotcn, bei üernik eine Schachtel mit Leitern und Ziffern und vor allem znrei Stahlplatten niit den vorzüglich gelungenen Reproduktionen der Vorder- und Rückseite der gefälschten Rote. Nach den Geständnissen der Verhafteten nnd ans den sonstigen Beweismitteln ergab sich der objektive Sachverhalt mit voller Klarheit. Di« Hersteller und die Nutznießer. Ter eigentliche Verfertiger dor- Falschnotcn ist «er Erstangeklagte C c r n i f, drr zur Zeit der Begehung das 20. Lebensjahr noch nicht überschritten hatte. An der Herstellung der Reproduktionen arbeitete er vom Juni de» Jahres I93> bis April 1932. Mit Hilf« seines Kameraden C' i c k, der als Buchdrucker in der„Ocskü G r a s i c k n Uni c" arbeitete, wo Oik-ek von 1926 bis 1930 in der Lehre als Kupferstecher war, vcrschafste er sich dann geeignete- Papier. Farben und Pressen und nun stellten beide gemeinsam die Falsifikate in der Art her, daß sie aus separaten Papieren je einen Abdruck der Vorder- und der Rückseite hcrslelltcn, dann beide z u f a m m tu- klebten, durch eine Walzenprcsie lauic» ließen nnd schließlich mit seiner Asche behandelten, um ihnen ein abgegrisscne« AuSsclicn zu geben. Di« Noten waren so vorzüglich ausgcführt, daß nur di« unmöglich hohe S c r i c n n n m»t t r zur Entdeckung führte. Ter G c w i n n, In den sich die Hersteller teilten, betrug etwa 5000 llc. Nach dcm ersten Mißerfolg beschlossen sic, das gefährliche Gewerbe a u j z n g c b e n. Zn ihrem Unglück nahmen sich die Brüder Dubsky der Sache an und beschworen damit die Entdeckung der ganzen Affäre herauf. Oisck hatte in seiner Angst die Siahlplatten in der Wohnung seines Schwagers Walter Dubsky versteckt, wo er sic ohne dessen Willen aus dem 2 p ü l- k a st e n des Klosetts verbarg. Der Schwager kam aber dahinter und war sofort entschlossen, das Geschäft im großen zu betreiben. Er setzte den beiden Kameraden auseinander, sie seien zwar „gute Macher, aber schlechte Kaufleute". E r veranlaßte auch die zweite Aktion im November und er bestellte auch den Jaroslav Lern« als Gehilfen, der dann die Sache verriet. E r kam . ferner aus die Idee, die Falschnotcn in größeren : Mengen in Umlauf zu setzen, nnd zwar in .Deutschland, Der bei der Haiisdurchsuchnng in ,seiner Wohnung vorgcsundcne hohle Stock war eigen- zu dcm Zweck vcrseriigi worden, um darin bas Falschgeld über die Grenze zu schmuggeln. Tatsächlich fuhren die Brüder bis zur Grenze, bekamen I. Qlröeitertoorfteauno. Sonntag, den 8. Oktober 1983, um halb 8 Uhr nachmittags, im Neuen deutschen Theater Gastspiel E r n st Deutsch. Zur Aufführung gelaugt das Kriminalstück „Gin Mantel, ein Hut, ein Handschuh" von Wilhelm Speyer. kauf beginnt Mittwoch, den 27 bei Optiker Teutsch, Palais Koruna, Graben. Joses Ciifl vier Walter Dubsky dreieinhalb Jahre und Dubsky drei Jahre schweren und verschärft«» Kerker«. Urlrilsvcrkiindigung siel Walter Ohnmacht nnd mußte aus dcm werden. C i l f f erlitt einen Wein- Q Ul/L. IV 4, l U| I 1 MtylCl U.() V I Montag: geschlossen.— Dienstag 8 Uhr: Eisenbahn".— Mittwoch 8 Uhr: Nitouch c".— Donnerstag halb 8 Uhr: s i o n 8 Uhr: 8 Uhr:„Die Trafik Ihrer Exzellenz". Sonntag 3 Uhr:„H ö ch st e E i s c n b a h n". 8 „Pension S ch ö l l e r". Die Einbringung der Gesuche sür die Stellenausschreibung der Neudcker Sparkassa wurde bis zum 10. Oktober 1933 verlängert. Wir vcrivcisen auf die Anzeige in der heutigen'Nummer. 2112 PRAGER ZEITUNG. «tau•gebet; Siegt tieb I i u b- uibelteoatitat: Lclhetm R i e k■ e t.— Verantwortlicher Sebatteur: Dt. lioill Straub, Pta«.— Dtutf:..Aala- S.-S. kür 8ietteliöbrlid> KJ. — guseraie«erbe» laut lauf btOioll berechnet. Set äfteten giulchaltunges Preisnachlaß.— Rückstellung van Ranuslrlpleu erfolgt nut bat Utalenbung bet Rctourmatlen, Wochenspielplan des Reuen deutschen Theaters. Sonntag 8 Uhr:„M a m s c l l c R i t o u ch e", B I.— Montag halb 8 Uhr:„Im weißen Rößl." AA.— Dienstag halb 8 Uhr:„Tiefland", A 2, neu inszeniert.— Mittwoch halb 8 Uhr" „D i s r a c l i", 8 2.— Donnerstag 7 Uhr„Lohe n- g r i n", C 1.— Freitag halb 8 Uhr:„Wilhel in T e l l", O2.— Samstag halb 8 Uhr:„M a m lell« Nitonche", 61.— Sonntag 2 Uhr: ..Wilhelm Teil". 8 Uhr:„Tiefland", O 2. Parteiversammlung der BczirkSorganisation Prag. Freitag, den 22. September, sand im großen Saale des Gewerkschaftsl^iiscs in Prag eine Mitgliederversammlung unserer Prager Parteiorganisation statt, in der Genosse Dr. Robert Wiener ein Rescrat über das Thema„Unsere Ausgaben nach der Internationalen Sozialistischen Konferenz in Paris" erstattete. Der Redner nmriß entsprechend den Beschlüssen der Pariser Konferenz die Problem« der Arbeiterbewegung in den Ländern, wo der Fascismus schon zur Herrschaft gelangt ist, ebenso wie in den Ländern, in denen die demokratischen Einrichtungen funktionieren. Ferner besprach er die Frag« der internationalen Einheit und di« Frage der Kriegsgefahren.$um Schlüsse legte er überzeugend dar, daß dir Entwicklung dialektisch vor sich gehe, d. h. sich nicht gradlinig vollziehe und daß gerade indem die Reaktion all« ihre Kräfte zusammen- fassc und in ihrer gefahrdrohendsten Gestalt sich aukrichic, sic ihren endgültigen Stur; vorbereitr. Die Bourgeoisie gibt ihre politische Macht aus der-Hand, um die ökonomische zu behaupten. Sie übergibt ihre politische Macht dem Fascismus und bereitet gerade dadurch ihren Untergang als Klasse vor. Dadurch, daß der Fascismus sich in Widerspruch jur ökonomischen Entwicklung stellt, ruft er den Widerstand der Mas- sen und jene Kräfte hervor, die ihn beseitigen werden. In der anschließenden Debatte sprechen die Genossen Dr. P o s a m c n t i r und Joses W i n t c r n i tz, denen Genosse Dr. Wiener in einem Schlußwort antwortete. Genosse S ch ö n- fclder gab dann noch di« Winterhilfsaktion der Roten Falken bekannt und ersuchte die Parteimitgliedschaft, diese Aktion zu unterstützen, ferner teilt« er mit, daß am 30. September gemeinsam mit den Genossen des Leitineritzcr Gebietes ein Treffe» in Wcgstädtl stattfindct. KMlerehrgeiz als Motiv der Geldsälschung? Sine vierköpsige FAscherbande vor den Prager Geschworenen. dann aber Angst und kehrten wieder heim. Immer- hin hat das Bruderpaar aus dem Geschäft eine» größeren Nutzen gehabt als die eigen I. lichcn Hersteller, deren Gewinn durch die notwendigen Anschaffungen größtenteils ausgewogen ist. Die, wie gesagt, im wesentlichen g c st ä n d i- gen Angeklagten bemühten sich bei der Verhandlung nur, ihre Handlungsweise noch Möglichkeit zu begründen und zu beschönigen. Tic Brüder Dubsky erklären, aus N o t gehandelt zu haben. O i i c k, der 830 Kc wöchentlich verdiente, beschränkte sich daraus, auf die relative Primitivität der Herstellungsart zu vertvcisen. Ein Unikum war die Verantwortung O c r n i k S, der in fast einstündigcr zu- sammcnhängcnder und pathetischer Rede erklärte, er habe nicht in Schädigungsabsicht gehandelt, sondern nur auf seine künstlerischen Fähigkeiten aufmerksam machen wollen, nachdem er nach seiner AuSlchrc vergeblich versucht habe, eine entsprechende Stellung zu finden. Für einen Gtellen-