13. Jahrgang. Donnerstag, 2S. September 1933 Nr 227. Von Paris nach Genf Hillers Außenpolitik vor der Entscheidung Noch nie ist eine Tagung so gründlich durch die weltumspannenden Verhandlungen vorbereitet worden, wie die jetzige Völker- bundsvrrsammlnng und ihr folgende Tagung der Abrüstungskonferenz. In Paris fanden in der vorigen Woche die französisch-englisch- amerikanischen Besprechungen statt; zu gleicher Zeit sirrd in Paris und Rain die französisch- italie»ifcl)en Verhandlungen geführt worden; zu gleicher Zeit verhandelte wiederum in Paris Paul-Bonconr mit dem polnischen Außenminister Beck und dem ungarischen Außenminister Kanha; zu gleicher Zeit wurden während des Moskauer Aufenthalts des französischen Luftsahrtministers Cot die rns- srsch-französischcii Verhandlungen wcilcrgc- führt, die dort Hcrriot vor kurzem begönnet! hat; zu gleicher Zeit fanden in Rom die belgisch-italienischen Verhandlungen und in Sinaja tagten die Außenminister der Kleinen Entente.- Alle diese Verhandlungen galten Deutschland. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des französischen Senats Verenger schrieb in diesen Tagen, daß in der Enttvafs- nungsfragc eine breite Front cnistanden ist, der Frankreich, England, Amerika, Polen, Kleine Entente, die Sowjetunion und Italien angehören. Dies« Front für die Kontrolle und gegen die deutsche Aufrüstung ist heute ebenso breit— von Moskau bis Washington— wir die Front von 1917 auf dem Höhepunkt der Ausdehnung der Entente gegen Deutschland. Und Deutschland? Mit wem hat Deutschland inzwischen verhandelt, an wen konnte sich Deutschland anlchnen? Was konnte die Hit- lersche Diplomatie dieser gewaltigen Front entgcgenstellcn? Nur den Iagdausflug des Herrn von Papen nach Budapest, von dessen Ergebnis er selbst verkündet, daß Deutschland sich verpflichtet hat, die Rcvisionsansprnche Ungarns zu unterstützen und außerdem Rizinusöl aus Ungarn cinzusühren. Das ungarische Rizinusöl scheint aber doch ein unzureichendes Gegenmittel gegen die Wcltsront des Mißtrauens und der Feindschaft zu jein. Di« Verhandlungen von Paris haben Deutschland nicht allein im wunden Punkt der Aufrüstung getroffen. Tic polnisch-franzö- sifchen Verhandlungen halben darüber hinaus das Bündnis zwischen Paris und Marschau vertieft und gefestigt. Herr Sieburg von der „Frankfurter Zeitung", der Gefahren vorausschauende Warner in der gleichgeschaltcten Presse, meldet erschrocken von Paris, daß „Oberst Beck bei seinem Pariser Aufenthalt einen bedeutenden Triumph feiert". Seine Verhandlungen niit Boncour haben die französischen und polnischen Bündnis-Beziehungen zur Sowjet-Union noch einmal fcstgclegt und zur leitenden Maxime erhoben. Herr Sieburg schlägt Alarm: Polen ist fetzt vom Osten her völlig entlastet und die polnische Armee erhält gegenwärtig die Bctvcgungsfreiheit in einem Maße, wie sie diese nie besaß. Glcich- S ist die französische Diplomatie durch die andlungen mit Italien und Ungarn in den fascistifch-revisionislischen Staatenblock eingebrochen. Italien und Ungarn sind in die gegen Deutschland gerichteten Entwaffnungsverhandlungen einbezogcn worden: Boncour hat mit dem italienischen Botschafter und dem ungarischen Außenminister über ganz andere, viel wichtigere Dinge' gesprochen, als etwa über die Einfuhr von Rizinusöl. Das ist gewiß nach nicht die entscheidende Erschütterung des fascistisch-rcvisionistischen Staatenblocks: Mussolini hat feine Rolle al« Protektor des deutschen Fascismus noch nicht ausgespiclt Aber eine gewisse Auflockerung der italienisch- ungarisch-deutschen Bündnispolitik ist unbestreitbar. Es ist ein wichtiges Shmptom, daß die Position Deutschlands in der Aufrüstungsfrage in diesen Tagen weder durch die italie- Erregte Szenen in Leipzig- Lnbbc hat Torgier nicht gebannt Die Verhandlung vor dem Reichsgericht droht den Regisseuren zu entgleiten. Daß van der Lubbe zu einem menschlichen Wrack gemacht wurde, bewahrt zwar die Brandstifter vor dirck- ten Enthüllungen durch das Opfer, ztviugt jedoch die Berhondlungführnng, die bestrütru Jengen und die Verteidigung zu Methoden, die in der Iustizpslege einzig dastehen und das schlechte Ge- wissen und die Verlegenheit der wahre» Schuld», gen aller Welt deutlich zeigen. Van der Lubbe hat, wie der Untersuchungsrichter und die Kriminalbeamten bestätigen, fei- uerzeit bei der Befragung nicht nur zusammen, hängend geredet, sonder» in einem fort geschwatzt, mit Eifer alle Schuld aus sich nehmend. Diese Lebendigkeit steht in krassem Wideripruch zn dem „verstockten" Schweigen, das van der Lubbe jetzt an den Tag legt nnd es liegt der Schluß nahe, daß die Reden Lübbes, wäre er so gesund wie im März, nach siebenmonatiger Hast ganz anders aussielen. Die Kulissenschieber haben allen Grund, van der Lübbes Schweigen recht anhaltend zu gestalten und wie wenig ihnen die Welt» öjscntlichkeit glaubt, daß es dabei normal zugehe, geht daraus hervor, daß sie sich einen schwedischen Arzt kommen liehen, der laut und vernehmlich seststellte, er habe an Lubbe keine--- Injek- tionönarben entdecken können! AIS ob man LähmnngSgist durch die Haut einspritzen mühte, als ob man sie nicht auch in Speisen und etwa durch Einspritzungen in den Aster erreichen könnte! An diesem läppischen Versuch, die wahren Brandstifter durch einen sogenannte» Wiiirn» schaster reinwaschen zn lassen— ein Wiffenschaft- irr, der sich immer recht aussällig an den deutschen Gruhübnngen beteiligt nnd ans seiner Nazigesinnung kein Hehl macht—, beteiligt sich auch der Verteidiger dcü Angeklagten Torgler. Er stellte Fragen, die die Betäubung betreffen und beries sich dabei ausdrücklich ans die„verleumderischen" Darstellungen deS Auslands. Herr Dr. , Sack, der auch in den bisherigen BerhandlungS- erklären die Heimwehrler während er in Genf zu beruhigen sucht! Genf, 27. September. lEigenbericht.) Wichtiger als die sarblose Rede, die Dollsuh heute in Gens hielt, sind die Verhandlungen, die in den Hotels von den Delegationen gcsührt werden. Insbesondere hatte Dollsuh heute Unterredungen mit dem englischen Außenmini, ster Simon nnd dem französischen Außennttnistrr Paul- Boneour. Beide sprachen übereinstimmend ernste Besorgnisse über die letzte innerpolitische Entwicklung in Oesterreich aus. Boncour sprach in dieser Hinsicht besonders dentlich nnd fragt« unter andern», ob in Oesterreich ein staatlicher Eingriff in die gewerkschaftliche Organi» sationSsreiheit erwogen lvürde. Dollfuß suchte zu beruhige ui Außerdem wurde ein« Unterredung, die Dollfuß mit dem deutschen Außenminister Neurath hatte, viel bemerkt. Nclmivelirlcr rcdincn mit Auflösung der sozialdcmoltratisdicn Partei! Sie treten in die Vaterländische Front ein Wien, 27. September. lEigenbericht.) Heute sand eine Führertag uug deS Heimatschutzbundes statt, in der ein Beschluß gesoßt wurde, der vor allem daraus verwies, daß Starhrmberg bereits in Innsbruck eine Klärung deS RegierungükurseS verlangte, der inzwischen auch erfolgt ist. DaS Vertrauen, das der H e i m a t s ch u tz in den Bundeskanzler gesetzt hat, ist bis jetzt nicht enttäuscht worden. Dollfuß hat nach seiner Programmerklärung durch die Umbildung seines Kabinetts den Boden des Parteiwesens und der parlamentarische« Demol-atie endgültig verlassen und sich j u m Fascismus bekannt. Die Heimwehrsührer erklären weiter, daß im Gegensatz zum bisherigen Parteiensystem der autoritäre Staat eine Zusanimcnsassung aller „staatsbejahenden Kräfte in einer von jedem Parteigeld(?) gereinigten Organisation bilden werde. Diese Organisation wird»ach dem Wunsche deü Bundeskanzlers die Vaterländische Front sein. Der Heimotfchutz, der bis jetzt Bedenken hatte, in diese Front einzutreten, weil er fürchtete, dah diese Front zu Parteizwccken mißbraucht werden könnte, hat sich nun nach der geklärten Haltung des Bundeskanzlers entschlossen, der Vaterländischen Front beiz«treten nnd die eigen« Parteiorganisation, den Heimatblock, anszn- lösen. tagen weniger an seinen Klienten. alS an sein« allerhöchsten Auftraggeber denkt, hat durch diese Fragerei dazu beigetragrn, dem Ausland jeden Zweifel über seine eigentliche Rolle bei dirser Prozrhkomödir zu nehmen. So wenig Lubbe jetzt spricht: was auS feinen Aussagen vor dem UnterfnchunaS- richtrr hervorgeht, ist saft Wort für Wort sensationell. Den» diese Aussagen beweisen, daß Lubbe den Angeklagten Torgler nicht gekannt Hal! Und Lnbbr Hal diese Angaben gemacht, als er noch bei Sinnen nnd sich der Rolle eines Werkzeugs der wahren Vrandslisler noch bewußt war. Lubbe hat diese Aussage schon zu einer Zeit gemacht gehabt, da die Machthaber deS heutigen Deutschland die Vrandstfstung im Reichstag noch immer den Kommunisten in die Schuhe schoben, als Hitler in einen» Kabinettsrat verlangt hat, Torgler vor dem ReichStags- gebändr anszuhängen, als wocring alle Blntmah- nahmen gegen Sozialdemokraten nnd Kommnni- i(teil mit dem Hinweis auf den Reichstagsbrand rechtfertigte. Dieser Hinweis war der ans eine Lüge! Die Verfolgung der Konimunisten und Sozialdeniokraten basiert aus einer bewuhten Fälschung! Festgehalten muh der Bericht des Unter- suchungörichters über die Beinerkung des van der Lubbe werden:„Ja, dann müssen die anderen sagen, was sie gemacht habe n!" Eü ist doch merkwürdig, daß Herr Vogt just diesen, für die Untersuchung und das ProzeßergebniS so entscheidenden Satz nicht schriftlich sestgehalten hat und ihn auch jetzt bagatellisiert. Hingegen hat sich herauSgestellt, daß der Untersuchungsrichter die Oesfentlichkeit sa l s ch informiert hat. Dieser feine Untersuchungsrichter hat nämlich, wider sein beücres Wissen, einen Artikel in die Zeitungen gegeben, in dem behauptet wird, die Bulgaren seien der Beteiligung an der ReichstagSbrandstistung überführt. Aus die klare Frage DimitrossS, ob sich der Zeuge Untersuchungsrichter dazu bekenne, gab eS nur einen VerlveiS des„objektiven" Gerichtsvorsitzenden. Der Leipziger Prozeß wird immer mehr zum Tribunal gegen die Gorring nnd Büngrr! * Aach Eröffnung der heutigen Sitzung»veift der Vorsitzende daraus hin, daß es sich nicht vermeiden lassen werde, die bisherigen Aussagen van der Lübbes aus Grund der Aussagen der jetzt geladenen Zeugen noch einmal wiederholen zu lassen. Ter Vorsitzende frag» ihn, ob er Henle lauter und denllichcr antworten»vcrde, als gestern. Ter Angeklagte steht ans und erklärt nach längerem Zögern: „Das i st inög li ch." Dam» wird Pros. S o e I» e r m a n n- Stock» ho!m als Zeuge ausgerusen, der gestern den.Angeklagten im Gejängnis in Begleitung eines holl.in- dischen Journalisten besucht hat. Ter„Zeuge" hat in Ban der Lübbes Zelle altes in schönster und bester Ordnung gesunden. Van der Lubbe habe ihn gleich beim Eintritt in die Zelte gefragt:„Warum machen Tie diese Untersuchung'? Als ihm Zeuge geantwortet habe, weil man in der Auslandspresse sagt, daß Zie schlecht behandelt werden, lM'e 2uW»e ein bißchen gelacht und mit dem Kaps geschüttelt. Der Zeuge habe an den» Kövper des Angeklagten keine Merk» mal« einer Mißhandlung gefunden. Zeuge hat den niscl)c, noch durch die ungarische Presse unterstützt wurde. Erst die Genfer Aussprache selbst aus der Abrüstungskonferenz und vielleicht schon aus der Bölkerbundversammiung wird zeigen, welchen materiellcu Inhalt die Vereinbarung der Mächte in der EntwaffnnngSfrage hat. Es steht fest, daß daS für die deutsche Aufrüstung tödliche Prinzip der Rüstungskontrolle von allen Teilnehmern dieser Verhandlungen angenommen wurde. Es ist, noch nicht, bekannt nnd vielleicht auch noch nicht entschieden, inwieweit die Rüstungskontrolle durch die Sanktionen bekräftigt wird, Frankreich nnd Polen nxrden jedenfalls die Einführung von Sanktionen ausdrücklich verlangen. Es ist noch nicht klar, ob die ELtwaffmutgspotitlZ sich nur auf die Malerialaufrüstung Deutschlands, oder auch auf seine Wchrvcrfassung beziehen wird: d. h. die Art der Ersetzung der Reichswehr nach dem Plan Macdonalds und die Auflösung der SA und der Wchrverbänd«. ' Aber die Entscheidung naht. Es wird dem deutschen Fascismus nicht mehr gelingen, den Frieden nur als Präventivfrieden'jh beirach tcn und zu behandeln, d. h. den befristeten Frieden, der nur so lauge dauern darf, bis Hitler mit der Aufrüstung fertig wird. Der deutsche Fascismus steht vor der Wahl: ent weder die Annahme der Kontrollfordcrungcn, dann gerät eS unter die internationale Aufsicht, dann muß er auf die Aufrüstung und damit auch auf die Aussichten einer macht vollLu Expansion verzichten, sich mit dem engen Rahmen von Versailles und mit der Rolle eines größeren Ungarn abfinden. Oder akzeptiert er die Kontrolle nicht, sprengt er die Abrüstungskonferenz, nimmt für sich die Anf- rttstungssoiiveränität in Anspruch, dann geht cs letzten Endes einer sicheren Katastrophe entgegen. Die„Teutscl-e Allgemeine Zeitung" erklärte in diesen Tagen, daß die Sprengung der Abrüstungskonferenz durch Deutschland noch nicht das Ende der Welt bedeuten werde. Herr Goebbels mit sei nein diplomatischen Gehilfen von Neurath wird sich nun in Genf entscheide» müssen, ob der deutsche Fascismus diesen Weg wählt, der sicher nicht das Ende der Welt bedeuten, wohl aber das Ende der hitlerschen Experimente in der Außenpolitik beschleumgeu wird. A. Sch. Leite 2 Donnerstag, 28. September 1288 Nr. 227 Gmbrnd, daß er stunoenlang mit Lubbe hätte spreche» können und daß er auch dann intelligent« und logische Attlworien bckemnie» hätte. Ans Lndde dürfte der große App,irat der' Äerichisverhandlung einschüchternd cinmirten. Ter Verteidiger, Dr. 2 a ct, läßt iich von dem Zeugen bestätigen, daß keine Anzeichen von Rau'chgisiinstkilonen sichtbar seien. Auch der holländische Journalist bestätigt prompt alle an ihn gestellten Fragen über die gute Behandlung und das gute Aussehen Ban der Lubbe». Dann wird K r! m! n a l t o in in i s j ä r Heisig über di« früheren Aussagen Lübbes bezüglich der Brände im W o h l s a h r t s a in t, im R a'- Haus« und im Schloß vernommen. Ban der Lubb« habe sich gleich bei der ersten Vernehmung nach dem Reichstagsbrand auch dieser anderen Brandstiftungen bezichtigt und erklär«, er habe e» für zweckmäßig gehalten^- ein große» össenrlicheS Gebäude anzuzünden, weil durch rin solche« Feuer viel« Leut« angclockt wurden. Ti« Lache sollt« angeblich für dir Arbeiterschaft ein„2 i g- nal und Fanal" sein. Au- seinen Antworten s«i hervorgegangen, daß er mit dem damaligen politischen Zustand nicht pifrieven war und daß er durchaus für die Beteiligung der bestehenden Ordnung war. Daß er K o m in u n i st war, hätte der Zeuge au« seiner ganzen Darstellung der politischen Ber- hältnisf« heraus erkannt. Auf Besragen durch den Verteidiger Tr. L a ck erklärt der Zeuge, daß Lubbe damals bei der Vernehmung fließend gesprochen hab», so daß man ihn nur wenig zu fragerr braucht«. Van der Lubbe sei ferner hartnäckig dabei geblirbrn, sein« Taten allein gemacht zu haben. Auch nach der Konsrontarion mit T o r g l e r habe Lubbe erklärt, daß er den Mann nicht kenne. Bei den polizeilichen Vernehmungen hab« re sich in gutem Deutsch geäußert. Der Arimmcrlloutmissär Dr. Zirpens Hal Dr. Heisig bei der ersten Brrnehmung Lubbe« abgelöst. Er behauptet, wenn man Lubbe al« Hauptperson reden lasse, so werde er sehr gesprächig, woraus der Vorsitzende Lubbe mit den Worten apostrophiert:„Sie dürfen jetzt al« Hauptperson reden". Ban der Lubbe bleibt jedoch apathisch sitzen. Der Angeklagte D i m i t r o f f fragt, ob bei der Dernehckung ein holländischer Dolmetsch anweiend gewesen sei. Der Zeuge verneint die« und erklärt, daß Lubbe sehr gut deutsch verstanden habe. Aus den Einwurf Dimitrofss, wanim dann vom Untersuchungsrichter Lubbe mit Hits« eine« Dolmetscher» einvernommen worden sei, erklärt der Vorsitzende, daß der Untersuchungsrichter sehr wohl einmal di« Hinzuziehung eines Dolmetscher» für not- weiiüig hallen konnte. Ein Kriminalassistent Marowfki hat Lubbe End« März über da« Gespräch vernommen, da» er mit Lkeu-Köllner kommunistischen Arbeitern aus der Straße gehabt hatte. Ein Arbeiter hätte nach der Darstellung Lubbe« erklärt, man müsse öffentliche Gebäude aitzünden, worauf er tVan der Lubbe)«widert habe,„so wusch'« komme." Daraus habe ein anderer GesprächSteilnehmer erklärt,„der Junge ist richtig, den können wir gebrauchen". Lubbe habe diese Aeußerung später wieder abgrstrit- r e n. Lwbbr selbst habe aber vom Gel'äudeanzündc» nicht« gesagt. Ebenso bestreitet Lubbe, daß er bei diesem Gespräch ein rotes BkitglirdSbuch der KPD au» der Tasche gezogen habe Di« weiter« Vernehmung dreht sich um die Bor- gäirge nach dem Gespräch vor dem Wohlfahrtsamt. Der OberreichSanwalt erklärt, er entnehm« den Aussagen, daß Bau der Lubbe belastende Angaben zunächst zugegeben und dann wieder später in Abrede gestellt habe Ter Zeuge Marowiki erklärt, er habe dies für eine b e st i»> m l e Taktik d e S Angeklagten gehalten. Ter Angeklagte D i m i t r o f f sagt neuerdings, warum bei der polizeilichen Vernehmung Lubbe« kein holländischer Dolmetscher zugezogen worden sei, und entgegnet auf Einwände des Vorsitzenden, er find« cS eigenartig, daß bei seiner Einvernahme von allem Anfang an ein bulgarischer Dolmetsch hinzugezogen wurde, obwohl er doch mindestens ebensogut deutsch' spreche wie Lubbe. Zeuge Heisig erklärt, daß Dimitrofs angegeben habe, überhaupt kein Deutsch zu verstehen, waS Dimitrofs schreiend in Abrede stellt. Dimitrofs konstatiert, daß«r Van der Lubb« niemals gegenüber gestellt worden sei. Weil man bei ihm eine Ansichtskarte des Berliner Schlosses gefunden habe, so habe man ihn bei der ersten Vernehmung als Mittäter Lübbes bei dem Reichstagsbrand hinstellcn wollen. Der Vorsitzende erklärt, daß Dimitrofs wieder mit dem Fragerccht Mißbrauch treibe, weshalb er ihn von der weiteren Fragestellung ausschließe. Torglcr erklärt zu einer Zeugenaussage, daß Van der Lubbe von der Absicht gesprochen habe, in einer kommunistischen Versammlung im Sportpalast in der Diskussion zu sprechen, daß daran« nur hervoraehen könne, daß Lubbe seine entgegengesetzte Auffassung zum Ausdruck bringen wollte. Es fei grundsätzlich verboten, daß ein Kommunist in Parteivcrsammlungcn in die Diskussion eingreife. Es folgt nun die B«rnehmung dr« Untersuchungsrichter« Vogt, der die ganze Vonintersuchung geleitet hat. Er erklärt, Van der Lubbe habe sich genau Überlegt, was er sagte; er habe ein ganz eminente« Gedächtnis kür die verschiedenen Vorfälle in seinem Leben gehabt. luDhe will..alles allein gemacht nahen? Der Vorsitzende fragt weiter den Zeugen, ob der Angeklagte den Brand weg nicht immer gleich geschildert habe. ReichSgerichtSrat Vogt: ES wird nicht möglich sein, ein klare» Bild zu bekommen, wie er gelaufen sein will. Wenn man alle Protokoll« znrückblät«rt, wird mau feststellen, daß sie in wesentlichen Punkten voneinander abweichen. Ich habe den be- stimmlen Eindruck, daß er in dein Bestreben, alles allein gemacht haben zu lvollen, immer dann, wenn«r von einer neuen Brandstelle erfuhr, sofort den Weg darzustellen suchte, den er gegangen ist. Ob er im einzelnen nicht mehr weiß, wie die Dinge waren oder ob er eS nicht sagen will, dafür habe ich keine Unterlagen. Van der Lubb« Hal einnral folgend« Aeußerung getan: „Ja, dann müsi«n di« anderen sage», wa« st« gemacht hab«»." Ich kann diese Aeußeriing nicht ganz bestimmt hinstellen und l-abe sie deshalb auch nicht protokolliert.(!) Der Untersuchungsrichter gibt dann eine Erklärung ab, in der er sagt, aus den Zeitungen habe er entnommeir, daß hier von feilen der Bulgaren ein Aoorifl gegen die llntersndmngsmetlioden und die Ftthrnng der Protokolle erhoben worden ist. Vogt lege Wert darauf zu' erklären, daß er nie etwas unternommen habe, waS den Angeklagten schädlich sein könnte. Er finde es deshalb„unerhört", wenn jetzt gegen die UntersuchungSbehörde der Vonvurf erhoben wird, als stimmten die Protokolle nicht. Der Vorsitzende verliest eine dar Unterchristen unter einem Protokoll, in der es heißt: „Da« Protokoll ist im ganzen und großen Sem Sinne nach richtig.-werde da« Protokoll nicht unterschreiben. Ach tchne es auch ob, dem Untersuchungsrichter fü u s rin weiße« Papier meinen Nomen hinzuschreiben." Der Unp«rsuchungSrichter stellt fest, daß die« unchr jedem Protokoll stehe! Vorsimcnder: Dimitrofs hat sich be- kchivcrt, daß ilflU'iibfif die verlobungsanzelge nichts bekanntgogcben worden fei. Zeuge: Die Verlobung hat mit der Brandstiftung nichts zu tun. Mir war bekannt, daß Dimitrofs«inen großen iveiblichen Bekanntenkreis Hai e. Als ich eine Frage nach dieser Richtung stellte, wurde er sehr unangenehm mit dem Bemerken, daß das doch seine privat« Angelegenheit sei. Deshalb ist es vielleicht möglich, daß ich nun auch auf die mir bekannt« Verlobungsanzeig« überhaupt nicht einging. Die Fesselung Luhbes— Selbstmordversuch Tanells! Oberreichsanwalt: Ist Ihnen jemals aufgefallen, daß gegen van der Lubbe irgendetwas lmternommen worden ist, was nicht in Ordnung lvor? Zeuge: Mr ist nicht» darüber zu Ohren geloimnen. Er selbst hat auch niemals ein« Beschwerde darüber vorgebracht mit Ausnahme der Fesselung. Im übrigen erklärt Vogt nock), daß»er Angeklagte T a n e f s einen Selbst- Mordversuch unternommen hat und daß der Angeklagt« Dimitrofs gegen ihn, den Untersuchungsrichter, persönlich vorgcgangen sei. Warum? Er sei mit beiden Fäusten auf ihn zugesprungen und lediglich durch sein„lehr energisches Entgegentneten" habe er Dimitvoff an Tätlichkeiten abhal:en können. Vogt Vogt Rechtsanwalt Dr. Sack: Haben Sie den Versuch gemacht, unter der Angabe, daß der Angeklagte Torgier bereits ein Geständnis abgelegt habe, den Angeklagten van der Lubbe zu veranlassen, seiu«rieitS zu sagen, Torgler tväre mitschuldig am Roichs.agsbrand? Zeuge Vogt(nach einigem Zögern): Ich glaubte eigentlich, daß mir ein« derartige Frage erspart wurde! Ich bin deutscher Richter, ich bin Reichsgerichtsrat r>nd heiße außerdem Bogt, und ich glaube,... Dr. Sack: Diese Frage geht zurück auf di« Behauptung«ine» deutschen Anwaltes,. der als Berteidiger de» Herrn Neumann tm Tscheka-Prbzeß mit Ihnen in Moabit Rücksprache gehabt haben will. Im Ausland« hat er jetzt d't Behauptung ausgestellt. Zeuge Bogt: Damit kein falsches Bild entsteht, erkläre ich mit aller Bestimmtheit, daß ich nie und niminer irgendetwas getan habe, tvas sich mit der Ehr« eines deutschen Richters nicht vertragen würde... Angeklagter Dimitrofs:-Hot der Zeuge als Untersuchungsrichter am 1. April ein« Mitteilung veröffentlichen lassen, in der behauptet wird, Dinntroff, Popvfs und Taneff hätten in Verbindung mit van der Lubb« die Reichstagsbrandstiftung durchgcführt? Ich frage: Ja oder Nein!(Bewegung und.Heiterkeit im Zuhörer- raum.) Vorsitzender: Dinutvofs, tvenn Ihre Tonart hier nicht anders wird,... ich habe mit Ihnen Gcdilld gcirug gehabt— so scheiden Sie einfach hier au§ bei der Fragestellung. Oer„tote‘ Plonismus Recklinghausen(Rheinprovinz), 27. Septen,- ber. Der Staotspolizcistclle Recklinghausen ist ei» neuer Aufruf der Kommunistischen Internationale, der zum Z u s a m in e n s ch l,, ß der noch vorhandenen Reste der KPD und SPD, sowie zur Bildung von Aktionskomitees in alleii Betrieben, zum M a s s e n st r e i k und zur gewaltsamen Beseitigung der Reichsregierung aufsordert, in die.Hände gefallen. Als Verbreiter wurde der führende KPD-Funktionär Großmüllcr aus Recklinghausen festgenommen. Ein Kurier ans Huels konnte festgenommen werden. Zeug« Vogt: Es ist richtig, daß eine derartige Mitteilung in di« Presse gegeben war- den ist und daß darin steht, di« drei verhafteten Bulgaren seien an der Brandstiftung oder an der Sprengung der Kathedrale in Sofia beteiligt gewesen. D i m i t ro ff: Mein« Frage ist ja vollkommen mißverstanden worden. Ich habe gar nicht von dem angeblichen Attentat gesprochen, sondern davon, daß noch vor Begin« der Voruntersuchung von dem Untersuchungsrichter ein« kategorische Behauptung über meine Beteiligung am Reichstagsbrände verbreitet worden ist. Ich Will damit beweisen, daß eS ein« tendenziöse Untersuchung war,«ine Irr«, f ü h r u n g der öffentlichen Meinung. Boi diesen Worten unterbricht der Bor- sitzende den Angeklagten Dimitrofs und nist ihm laut zu:„Das dulde ich nicht langer, halten Sie den Mund! Zeuge Dogi: Es ist richtig, daß damals di« Erklärung adgegebrn worden ist. Die Austritte mit dem Angeklagten Timitross setzen sich fort. Die Strafprozeßordnung in der Hand rüst er: Ich möchte auf Grund der Strafprozetzord- nung feststellen, dag meine Fesselung gesetzwidrig war. Der Zeng« Bogt erklär', daß er dein Angeklagten Dimitrofs nahrgelegt habe, eine Entscheidung des Reichsgerichte«(!) über die Feste- lung einzuholen. Während der Dauer dvr Unter« suchung sei eine solch« Entscheidung aber nicht hcrbeigcführt worden. Dimitrofs sagt darauf ironisch: „So objektiv ist er in seinen Worten." Vorsitzender: Sie sollen sich jeder Bc leidigung des Untersuchungsrichters euthalieu! Al« Dimitrofs sein« Bemerkungen fortetzi, ruft ihm der Vorsitzende ein entschiedenes.Hali entgegen. Dimitrofs wirf, dem Untersuchungs- richter mit lauten Worten vor, daß seine Untersuchung unrichtig, tendenziös und brutal gewesen sei. Der Borsitzend« greift energisch ein. Polizeibeamt« nehmen den Angeklagen Dimitrofs am Arm und ziehen ihn auf seinen Stuhl nieder. Der Senat verläßt de» Saal. Dimitrofs ergeht sich nock) in„Bc- schimpfungen". Nach einer Paus« erscheint der Senat wieder und der Vorsitzende verkündet den Beschluß, daß dem Angeklagten Dimitrofs da« Wort entzogen wird. ES tvird ihm tveiter mitgeteilt, daß er sofort abgeführi wird, tvenn er noch ein Wort sagt. Di« Verhandlung wird darauf auf Donnerstag vertagt. Lilith und der Komet Ein abenteuerliches, modernes Märchen von Kurt Doberer Es kam jedoch anders. Allan, der angespannt in di« Flugrichtung der Malchin« starrt« und das Fernrohr nicht mehr von den Augen bracht«, wurde nurnbig. „Was ist denn?" fragte ich. „Sie kommen zurück. D:e Maschinen steigen und krei'en. John scheint Krieg zu machen!" erklärte Allan aufgeregt. Run hatten alle wieder di« Feldstecher an den Ange». Ich saß an unserem großen Rohr. „Macht d>« Radio-Apparate fertig! John ist nicht abgeipruugeu." Draußen, gerade vor uns hinaus war das Meer voll dunkler Riffe und weißem Gischt. Dort war auch für Htidroplane keine Landemöglichkeit. Dorthin aber ichien sie John zu locken. Sie waren icdoch schon soweit draußen, daß ich manchmal alle Maschinen im Okular hatte. Unser Empfänger begann zu summen. Die Polnei-Apparate iprack)en:„Ergebt euch!" funkten sie. Aber John Millak gab ihnen k«in« Antwort. Statt dessen iahen wir ein«» Apparat sich steil «mpor'chrauben. Es mußte John sein. Die anderen schoben nun ebenfalls ihr« Ma- fchinen hock;. Zwei davon schienen sich zu nahe gekommen zu lein. Sie hingen einige Augenblicke beieinander. Dann begannen sie zu taumeln. Al» hätte John nur noch auf einen solchen Augenblick geivartet. ivarf er leine Maschine im Looping hoch. Dann lauste sie wie ein Stein herunter auf die beiden. In einem wirren Knäuel stürzten die drei Maschinen in daS Meer. Dort ließ eine heftig« Explosion die See hoch aufgischten. John hatte den Zusammenstoß der beiden Maschinen dazu benutzt, nm durch seinen Trick genauere Nachforschungen nach unseren Leichen bis zur Unmöglichkeit zu erschweren. Der tapf«re John Millak! Er hatte sich, geistesgegenwärtig bis zum letzten Augenblick, bewußt uild kaltblütig für uns geopfert. Unser Einvsangsapparat begann nochmals zu knistern. Eine der Polizeimaschinen sandte auf offener Welle Meldung zur„Achse": „Achtung— Achtung— Polizeimaschin« fünfzehn von der Küstensiaffel sendet— lieber den Nordklippen abstürzend nahm das Verneflugschiff zwei unsrer Maschinen mit in die Tiefe— Die beim Aufschlag auf die Wasser- fläch« crkolgeud« Explosion war so heftig, daß größer« Teile nicht mehr treibend geseheii werden—(Gerettet wurde niemand—" Es war ein regnerischer Tag, als die Tcle- gramiue an die Mauer» geklebt wurden. Mit eingezogenem Hut las ich di« Schilderung meines Todes. Breit und wichtig hielt das Papier die Buchstaben vor meine Augen. Ich begann mit dem Telegramm zu sprechen: „Ich bi» nicht tot— ich bin hier— Ma- tassani soll sich npr hüten. Sein« Rechnung ist schon zu groß für den«inen Tod, d«n er nur sterben kann. DaS Spiel geht weiter, hörst du? Und billig will ich ihn— kriegen. Keine Figur darf fallen in meinem Spiel. Nun— ich greife an! Zuerst— Tos Damenschach!" Vielleicht dachte ich zu wenig an die Frau, die ich so liebt« und zu viel an diesen Mann, den ich lo haßte, als ich hinter dem dünnen Vorhang in Lilith Matastanis Zimmer stand. Aber ich fühlt« mich sicher und stark. Vor drei Tagen schien alles zusamniengebrocheu— meine Arbeit und mein« Stellung in der Welt. Mit der Berne- Wart« schien mein letzte- Bollwerk gesprengt. Alle Hunde hetzten uns. Jetzt jedoch war ich wieder im Angriff. Lilith trat in das Zimmer. Sie war bleicher als fonft. Ihre Augen waren dunkler und ihre blasten Lippen machten zwei dünne Strich« im Gesicht. Sie denkt an dich, an dich— hämmerte es auf mich ein. Aber der Wahnsinn d«s großen Spiels hott« mich noch so in seinen Klauen, daß ich„Schach der Dame!" sagte, al» ich vor den Vorhang trat. Lilith blieb im Gehen vornüber gebeugt tehen. In ihre Wangen trat einen Augenblick rohe Röte. Impulsiv wollten ihre Hände nach mir greifen. Aber ihre Bewegung wurde eine inüd« Geste. Ihre zuckenden Lippen wurden noch blasser.„Mörder!" sagte sic. Ich war Sekunden nicht fähig, ein Wort zu lallen. Unter meiner Schädclocckc fühlte ich anstatt des Hirnes«inen Gallertklumpen. Es war. als hätte man mir«in Bleirohr auf den Kopf geschlagen. Wie konnte sie das glauben! Nach all dem, was alle Welt sprach, mußte sie es glauben. Aber fühlte sic denn nichts?— Sie fühlte nichts — nein! So war das einfach auSgelöscht, Liebe und Aber ivarum denn nur? Wieso kam das? Aber fühlte sie denn nichts?— sie fühlt« nichts— nein!— Meine Gedanken gingen wie irrsinnig immer im Kreis herum, bis sie sich endlich irgendwo festhakten. ES Ivar olles so lächerlich!— Was war lächerlich?— Ich war lächerlich.— Der ich eben noch wie ein Jnng« gebebt hatte, wurde hart lind kalt. „Vielleicht— vielleicht irrst du dich", sagte ich.„Vielleicht täuscht dein Mann euch all« und dich auch. Vielleicht bin ich kein Mörder— aber «in Schurke bin ich." Ich begann, hart und lau: zu«den:„Ein Schurke bi» ich. Mein Werk ist vernichtet. Freunde starben um mich. Und ich stehe vor einer Frau aind zittere!" Ich vergaß, daß ich alles hatte erst erklären wollen, daß— ein« Maschine zur Flucht bereit stand. „Verzeihung", sagt« ich,„e- Ivar so schön, Frau Matastani, um den toten Dick DouglaS zu trauern. Trauern Sie nur— er ist tot!" Ich l-attr Glück und Leben auf diese Karte gesetzt. Aber ich hatte verloren. Und in der wilden Leidenschaft des großen Spiels beschloß ich, die letzte Karte auch noch hinzuwerfen. Der Dick DouglaS aus Blut und Leben hatte eben feine größte Karte verspielt. Eine Macht, di« in der Eck« meines Gesichts hauste, übernahm nun das Kommando. Ich wurde eine Figur in ineinem eigenen Spiel. Mt raschen Schritten war ich an die Tür getreten. Unhörbar klinkte ich sie auf. Dann gab«S«in Paar federnd«, leicht« Sprünge. Man hört« nur dos leicht« Aufklatschen meiner Sohlen, als ich die Treppe hinabeilte. Unten preßte ich mich rasch hinter einer der Marmorsäulen. Ich tat eS unbewußt. Wer dieses Raubtier in mir, daS jetzt nur noch an Matastani dachte, das mußte eS geahnt haben. Oben wurde eine Tür aufgeristen.„Dick!" rief in hefler Angst«ine Frauenstimme. Dann kamen rasch« Füße di« Trepp« herunter, eilten vorüber, hinaus in den Garten. „Lilith sucht ihren Liebsten", sägt« das Raubtier. „Nun, Sir Douglas, kommt der nächste Zug. Schach d«m König!" Meine Schritte waren unhörbar, als ich durch di« Gänge ging. Ich kannte dar Gebäude. Diesen Flügel bewohnt« Matastani. Im Hach- dunkel war«S jedoch schwer, sich zurecht zu finden. Mit Hilf« meiner kleinen Lamp« fand ich endlich die Tür zum Arbeitszimmer. Kortjetziulg sotgl.) 9lr. 227 Donnerstag, 28. September 1S3S Sette 8 Nolcnwcdiscl MiMlanOnßlnnd über die Ausweisung deulsdier Journalisten Moskau, 27. September.(Taß.) Zwischen dem Leiter der deutschen Aesandtsch-stt von Twardowski und dem BolkSkommissär für LeußercS Litwinow hat ein Ikotcmvechsel stattgcfunden. Von Twardowski protestierte gegen die Ausweismtg der deutschen Korrespondenten ans Sowjetrußland und ersuchte, die Ausweisung rückgängig zu machen. Litwinow wies in seiner Antwort darauf hin, daß die Maßnahmen der §owjetregi«rung durch die systematische Berfol- zurrg der sowjetistischen Pressevertreter, durch xrlchende Handlungen der deutschen Behörden und durch die Schaffung eines besonderen Regimes für die sowjetrussischen Journalisten in Deutschlarrd, denen die Möglichkeit genommen wurde, ihre Funktionen auszuüben, erzwungen wurde. Litwinow erinnerte an die Verhaftungen und an die Haussuchungen bei dem Korrespondenten des Blattes„Jzwestija" Kaith, an das Eindringen der SA»Leut« in die Wohnungen der Korrespondenten und an die Nichtzulassung der Korrespondenten sowjetrussischer Blätter zum Rcichstagsbrandstifter-Prozeß in Leipzig. Litwi- iwiv verweist weiter darauf, daß trotz der Versprechungen des deutschen Außenministeriums, die entsprechenden Maßnahmen zu treffen, derartige.Handlungen nicht nur nicht eingestellt wurden, sondern immer verletzendere Formen annahmen und die Schuldigen nicht bestraft wurdet!. Es sei daher kein Wunder, wenn dir Sowjetorgane und die Sowjetregicrung sich mit einer derartigen Lage nicht auSsohnen können. Da di« Sowjetregicrung nicht gewillt, sei, den Weg rcvrcs- sivcr Maßnahmen cinzuschlagcn und die deutschen Pressevertreter einem besonderen Regime auSzu- setzen, zog sie eS vor, ihnen zu erklären, daß ihr weiterer Aufenthalt in der Sowjetunion solange umnöglich ist, solang« den sowjetrussischen Journalisten die Möglichkeit in Deutschland zu jeder Tätigkeit genomman ist. Litwinow erklärte weiter, «S sei bedauerlich, zu solchen Maßnahmen greisen zu tnüssen, doch seien diese Maßnahmen durch die.Handlungen der deutschen RcgicrungSorgane aufgezwungen worden, denen die Verantworturtg für dl« geschaffene Lage zufalle. Die Politik der Meinen Entente Desdiltisse von Sinolo Sinaja, 27. September. Nach Beendigung der letzten Beratung des Ständigen Rats der Kleinen Entente wurde folgendes Komtnuniquö ausgegebcn: Der Ständige Rat der Kleinen Entente hielt fünf Sitzungen ab. Di« drei Außenminister berieten zunächst übeb die internationale Lage seit ihrer letzten Sitzung in Prag im Juni d. I. Indem sie mit Bedauern fcstgcstcllt hatten, daß di« Wirtschastskonferenz in London nicht die gewünschten Ergebnisse brachte, waren sie einmütig in ihrem Urteil über die allgemeine europäische politische und wirtschaftlickje Lage, die auf der einen Seite mehrere Anzeichen einer Besserung, auf der andere» Seite unzweifelhafte Anzeichen einer Verschlechterung ausweist. Sie äußerten besonder« ihre Genugtuung über die befriedigenden Ergebnisse des Abschlusses des Nicht- angrifsspaktes mit der Sowjetunion. Demgegenüber ruft di« Lage Mitteleuropas ein« Unruhe hervor, deren allfällige Folgen im einzelnen geprüft wurden. In dieser Angelegenheit wurden entsprechende Beschlüsse gefaßt. Die drei Außenminister setzten die allgemeinen Grundzüge ihrer Politik in Angelegenheit der Verhandlungen über Mitteleuropa fest, wobei sie gleichzeitig neuerlich chr« Politik der Fest»gkeit und der Unantastbarkeit der Verträge m>d ihren guten Willen zu der Z u s a m- menarbeit mit ihren Nachbarn aus wirtschaftlichem Gebiete betonten. Alle Anregungen, die von verschiedenen Seiten in der letzten Zeit in dieser Angelegenl»eit gemacht wurden, wurden vom Gesichtspunkte der Konzeption, die die Grundlage des OrganisationS- paktes der Kleinen Entente bildet, und der die drei Staaten treu bleiben, sorgfältig geprüft. DaS Wirtschaftsprogram m, dos der Ständige Rat der Kleinen Encnte im 3uni d. I. in Prag annahm, wurde a u s- gestaltet und es wurden Beschlüsse gefaßt, di« vorauf obzielen, cs zu konkretisieren und es i n kurzer Zeit durchzuführen. Der Wirtschastürat der.Kleinen Entente wurde für Anfang November 1933 einberufen. Der Ständige Rat der Kleinen Entente hat beschlossen, dem WirtschastSrate u. a. vorzulegen: Tie Vorschläge betreffend die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern der Kleinen Entente, die den Gegenstand der ersten Prüfung auf der Konferenz von Sinaja bildeten. Dies« Vorschläge beziehen sich aus die Zusammenarbeit der Wirtschastüinstitutionen der drei Länder, den Eisenbahn», Po st-, Fluß-Schiffahrts- und Flugverkehr, die Normalisierung in Landwirtschaft und Industrie, di« Vereinheitlichung auf dem Gebiete deü Handelsund des Zollrechtes, die Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Statistik, die Zusammenarbeit der Notenbanken und andere Fragen dieser Art. Damit die Intensität der Wirtsck»aftsbezie- hungen zwischen den drei Ländern nicht bedroht werde, so lange die statutarische Wirtschaftsorganisation der Kleinen Entente noch nicht im vollen Umfang« verwirklicht ist, beschlossen die drei Minister, vor Dezember d. I.«in genaues Programm der Verkäufe und Ein- k ä u f e vorzulegen, die jedes der Länder der Kleinen Entente bei den zwei anderen i. I. 1931 wird effektuieren können. In der Frage der Abrüstung verfolgte der Ständige Rat sorgfältig die Entwicklung der in den letzten Tagen geführten Verhandlungen zwischen den Großmächten und betonte neuerlich seinen Wille», mit allen seinen Kräften die Bestrebungen, die auf ein Einvernehmen und aus«ine allge meine Pazifierung abzielen, zu fördern. Der ständige Rat hat cs nicht für notwendig gehalten, seine bisherige Politik und sein Programm in dieser Angelegenheit zu ander n. Der Ständige Rat der Kleinen Entente hofft, daß die im Zuge befindlichen Verhandlungen zur Vorbereitung einer allgemeiner A b r ü st u n g s- k o nvcntIon führen werden, deren Grundlage «ine Probezeit von vier Jahren und eine wirksame, auf alle Staaten appliziert« automatische Kontrolle wäre. Es wird dringend nottvendig sein, Sanktionen für die Verletzung einer solchen Konvention festjuschen. In der heutigen Sitzung vormittag, an der auch die zwei Herrscher teilnahmen, ratifizierte der König von Rumänien di« Abkonunen vom 3. und 4. Juli l. I., daS ist den Vertrag der Sowjetunion mit den Nachbarstaaten nnd den Vertrag der Sowjetunion mit der Kleine» Entente. In der Nachmittagssitzung nahmen der südslawische und der rumänische Außenminister den Austausch und die Ratifikation von neunzehn Abkommen zlvischen Südstawien und Rumänien, die sämtliche ungelösten Fragen zwischen den zwei Ländern regeln, vor. Der Ständige Rat der Kleinen Entente einigte sich schließlich über den Vorgang beim Austausch der Ratifizierung der mit der Sowjetunion unterzeichneten Verträge. Nassen-AusMIrgcrtiiig östcrreldilsdicr Nazis Wie«. 27. September. Die Aberkennung der Staatsangehörigkeit nationalsozialistischer politischer Delinquenten nimmt immer größere Ausmaß, an. Gestern griff di« Wiener Poli» z e i d i r e k t i o n zu dieser Maßnahme gegen einig« nach Deutschland geflüchtete SA- Führer, di« an verschiedenen Gas- und Bombenattentaten in Wien beteiligt waren; heut« wird aus Sa l z b u r g gemeldet, daß dort 21 nationalsozialistischen Funktionären die Staats- und Landesangehörigkeit aberkannt wurde, womit die Zahl der von dieser Strafe betroffenen Personen im Lande bereits auf 139 gestiegen ist. In O b e r ö st e r• reich wurden bis heute an» den gleichen Gründen 199, in Tirol üb«r 299 Nationalsozialisten di« Staatsbürgerschaft aberkannt. Wiener Nozlzenlrole aulgcllogcn Wien, 27. September. Gestern hat die Polizei wiederum eine geheime nationalsozialistische Nachrichten- und Organisationszenlrale stillgclegt, die in dcni Vereine Oestcrreichischc Blindcnsür- sorgc im IV. Bezirk untcrgebracht war. In die» fem Lohst wurden der Leiter dieses Büros, der reichsdeutsche Detektiv Wolfgang Julius G i l- I ler» und zwei österreichische nationalsoziaiistisckte Parteigänger fcstgenomtncn. In der Akten lasche Gillcrs konnte nian Nachrichtenmatcrial sicherstellen. Weitere acht Personen, die für dieses Büro tätig waren, konnten gleichfalls ausgeforscht nnd verhaftet werden. Vie Dollfuß-Rede in Genf Genf, 27. September. In der Plenarsitzung der Bölkerbnndvcrsammlnng eröffnete heute die allgemeine Debatte der englische Außenminister Sir I o h n 2 i ni o n. Er erwähnte, daß das abgelaufen« Jahr ein Jahr der Bestrebungen nach wirtschaftlicher Gesundung war. Diese Gesundung sei aber ausgeschlossen ohne politische. Besserung! und hauptsächlich ohne ein Abkomnien über die Abrüstung. Heute sei mehr denn je Vertrau«» nottvendig, ohne daß der Frieden nicht gc- festigt werden könne. s Unterstützt die Lotterie der Arbeiterfürsorgel Lose sind zu haben bei den Vertrauensleuten der verschiedenen Organisationen. Dann sprach der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß. Er führte u. a. aus: Tie geistigen nnd materiellen Umgestaltungen muhten in den einzelnen Staaten ihrer Beschaffenheit nach vollzogen werden. ES ist nicht möglich und wäre naturwidrig, ihnen eine gleichförmige Schablone aufdnickcn zu wollen. Oesterreich ist im Begriff, aus den Fehlern der Nachkriegszeit lernend, sich eine feinen Bedürfnissen ent- sprechendc politische und wirtschaftliche Verfassung zu geben. Ee war von Anfang an klar, daß die wirtschaftliche EutwicklungSmöglichkeit Oesterreichs nicht ohne Vergrößerung seines Absatzgebietes gesichert werden kann. WaS wir verlangen>tnd erreichen müsscu, ist, daß die Gesamtheit der Staaten von uns ebenso viel kanfe, als wir von ihr kaufen, nnd daß diese Ausgleichung sich nicht dnrch Verringerung unserer Einfuhr, sondern dnrch Vergrößerung unserer Ausfuhr vollziehe. Oesterreich ist entschlossen, die Wege zu gehen, die ihm die Möglichkeiten n» a b hängiger Existenz und w i r t s ch a s t l i ch c r Entwicklung eröffnen. Es c r>v a r t e t dabei dir wohlwollende Al itwirk» ng der anderen Mächte, Sestcrrcich weitdet sich in dieser Hinsicht auch an den Völkerbund mit der Bitte, dnrch sein grvß.'S moralisches Gewicht diese Bestrebungen in jeder Beziehung zu fördern. Nach schweren Jahren seines schweren Existenzkampfes bekennt sich Oesterreich heute mehr denn je au« dem eigenen Willen seiner Bevölkerung zu seiner Freiheit und zn seiner Unabhängigkeit. Sodann sprach der Vertreter Katia das. Er betonte die Notwendigkeit der Znsamnren- arbcit der Staaten bei Konsolidierung des Friedens und der Abrüstung. In bezug ans die Ab- riistungssrage erklärte er, daß zunächst ein bestimmter Grad der Abrüstung erzielt werden müsse. Tann erst könne die Sicherheit garantiert werden. 284.000 Arbeitslose In Oesterreich Wien, 27. September. DaS Konjunktur Forschungsinstitut stellt fest, daß seit dem Feber d. I. 118.009 unterstützte Arbeitslose augestcllt sind, wodurch sich ei» Rückgang aus 281.000 ergeben hat. Bis Ende Juli waren im srriivilligen Arbeitsdienst 7261 Arbeiter beschäftigt. Durch die Gesamtheit der Regierungsmaßnahmen wurden bis zu dieseni Zeitpunkte 17007 Arbeiter beschäftigt. Arbeller-Zahrbuch 1834 ein Quell d«S Kampfes, des Wissens und der Freud«. Unser sudctendcutschcr Arbcitcrkalender gilt seit Jahren als einer der besten Sprossen dieser Art und nun, nach seiner letzten Entwicklung, darf man wohl, ohne der Ruhmredigkeit sozusagen sürs eigene Haus geziehen zu werden, das Urteil aussprechen, daß unser Arbeiter-Kalender zum überhaupt wertvollsten Jahrbuch geworden ist, daß cs als Vorbild für alle ähnlichen Arbeiten anderer sozialdemokratischer Parteien gellen könnte. Das erfüllt uns mit Stolz, Das Arbeiter-Jahrbuch 1931, das«bcn jetzt zu seinen Freunden hinauSgehl, scheint mir das Prachtvollste und originellste unter allen bisher erschienenen z» sein. AuSgcstattct mit großen literarischen Kenntnissen und Fähigkeiten, sicher und erlesen im Geschmack, voll überall deutlich fühlbaren Bewußtseins besonderer Aufgaben hat die Sckiriftleitung(Dr. Emil Franzel) textlich nnd illustrierend«ine Anötvahl getroffen, an der der Hochgebildete wie der einfache Arbeiter Bereicherung ihres Wissens, Nahrung des Kampf- gcistes und manckwn anderen Quell reiner Freude finden werden. Deutlich gibt sich die sinnvolle Konzeption dieses Jahrbuchs zn erkennen, eine gewisie Gliederung nach den meistbcachteten Hauptthemen und dennoch bildet das Buch ein harmonisches Ganze, fließen Politisches nnd Historisches, Künstlerisches, Technisches und Belletristisches, fließen Wort und Bild. Poesie und Prosa. Zeitgemäßes nnd scheinbar nur Erinnerndes in einen großen Strom zusammen, besten Ursprung in der sozialistischen Gedankenwelt, dessen Mündung im Reiche des Sozialismus liegt. Die Verbindung von praktischer Arbeit und ideellem Höhenflug wird schon im Kalendarium sichtbar, das unter danlenswertem Verzicht auf GeburlStagshinweise Rücksicht aus die politischen Alltagssorgen des Proleten nimmt nnd so eigene Bedeutung erhält, obtvohl im selben Nahmen Wesentlicheres von Georg H. Trapp in packenden Holzschnitten und von Mathias Claudius, L i l i e n c r o n und Karl Kraus in herrlichen Versen gegen den Krieg gesagt wird, dessen zwanzigjähriges unseliges Gedenken zu begehen eines der-Hauptziele des Buches ist. Trapp l)at Übrigens und unter anderem auch einen drcifärbigeu Holzschnitt bcigesteucrt, der in seiner Eindringlichkeit, Klarheit und Ueberzcn- gungskrast als eines der bisher besten Werke dieses zu hoher Reise gelaugten jungen deulschböh- mischen Künstlers angesprochen werdet» kann. Den ersten eigentliche»»-Hauptabschnitt des Buches hat die Schriftlcitung dem Film gewidmet, seiner BcdeutUttg für unsere»» politischen und kulturellen Kampf. In drei ausgezeichnet durchdachte»»'Aufsätze»» nehme»» Fritz Rosenfeld, Emil Franzel und Albrecht Viktor Blum zum Film Stellung, unterstüht dnrch eine ganze Galerie von Bildern, die das Jahrbuch gerade;» überraschend beleben und aktualisieren. Das große Mittelstück des Buches nimmt hohe Schöngeistigkcit ein, die durchwegs dichterisch gekonnt und revolutionär gewollt ist. Nebei» io„klassische»»" Namen jüngster Zeit wie Wedekind. Peter Altenberg, Alfred Polgar, Mechthilde L i ch n o w s k h, Joseph N v t h, Oskar Maria Gras stehen die belle»» Name»» aus de»i» sudetendeutschen proletarische»» Schristtun» vertreten: unser armer Rudolf R ü ck e l»nit zweien seiner kraftvoll geschriebe»»en, aber so innig empfundenen Gedichten, gleichfalls mit kämpferischer Arbeiterlyrik Erna H a- b c r z e I t k, Willi Mader, Hans H o n h e i- s c r und Josef Hofbauer,»velch letzterer zndcm noch eine fesselnde und ergreifende Erzählung aus dem Deutschland von heute bcisteucrtc. Bon ganz ungewöhnlichen» Reiz und stärkster Ausdruckskraft eine Novelle von Sascha Fruder;«in Meisterstück der Aden» tcuer-ErzählungSlunst ist Otto Lütkeus „.Hasard" und eine über alle Maße»» ergötzliche Geschichte unseres Hubert L e i n s m e r„Schivcjk bei der SA". De»» politischen Teil, bestreite»» vor allem Franzel mit einem gedankenvollen Beitrag zur Geistesgeschichte des Dritten Reiches und Karl Kern»nit einem instruktiven Aussatz über „Hitlers großes Jahr". Empfindung und Idee zeigt a auch alles andere, hier nicht Genannte: das stilvolle Gedenkblatt für Jaurös, Matteotti, Pohl und Jarslin», jede einzelne der vielen, von Trapp und Ilse P o»»p c gelieferten Illustrativ»»«»» und die fast durchaus kostbaren Zeichnungen Karl Rössings, Franz MascreelS, George Gros;' und anderer. Je höher eilte Leistung, desto sicherer erreicht sie auch der Strahl der Kritik. Nun, unser dies- löhriges(d. h. nächstjähriges) Jahrbuch ist eine ganz außerordentliche Leistung, zn der Schrist- leitnug, Partei nnd Leserschaft zu bcglückwünskheu sind. Durch El)arakler, Inhalt und Geschmack steht dieses Buch turmhoch über dem Großteil aller Erzeugnisse, die ein verlottertes und im Augenblick fast verlorenes deutsches Schrifttum eiuen» lesehn»tgrigen Publikum zu dielen hat, ist Muster einer Sammlung für den Klassenkämpfer und doch auch geradezu Beispiel dasür, wie die sogenannten Magazine ausselien müßten,»vcnn sie nicht vom Geschäftsgeist, vom Entgegenkommen an das Seniationsbedürfnis und an die Seichtigkeit eines vom schlechten Film vcrdorbe- Zu sammcnsctzung der Lescrsck-afl Ausllärungsprozefses oder die Kultivierung etwas hätten können. Die Unbeirrbarkeit imponiert; aber auch der neit Publikums diktiert wären. So gut ist dieses unser Jahrbuch, daß Einwände nie seinen Wert berühren und nur den eilten oder anderen Punkt der Zweckmäßigkeit betreffen können. Solchem Einwand wird die vielleicht manchem zu sehr gefördert erscheinende, wenn auch im Prinzip durchaus richtige nnd begrüßenswerte Pflege des Bildhaften an der Körpcrschönhcit begegnen. Dazu ist meines Erachtens zu sagen, daß im Hinblick auf die dock» nicht gleichartige Zu- das Tempo des Geradlinigkeit der gemildert tverden in solcher Arbeit Schriftleitung des Jahrbuches kommt es gewiß nicht anfs Imponieren, sondern aufs Gewinne»» an. Vermutlich bc« hält die Jahrbuch-Redaktion auch hierin mindestens insofcruc recht, als auf der einen Seite di« Freude an den» herrlichen Geschenk durch solchen Einwand nicht gemindert werden kann,»vährend wiederum sehr viele sich gerade durch das Entzücken besonders bereichert sehen werden. Aehnlich dürfte es sich mit der Feststellung verholten, daß dem Film ein zu repräsentativer Platz«ingc- räumt, vielleicht auch die berechtigte Hochstellung von Karl.Kraus noch überhöht»vurdc. Alles Neue, Eigenartige zieht Kritik auf sich. Tas Entscheidende aber ist, das; man vor ihr sachlich bestehen könne: und das kann das Jahrbuch nicht nur, sondern ist selber kritischer Führer gerade auch auf diesem Gebiete. Und darum besteh» kann» ein Zweifel darüber, daß dieser Jahrgang unseres Kalenders dessen Freundeskreis iioch er- »vettern und noch fester zusainmeitschließen»vird. Es brittgt nicht nur jedem etwas, sondern allen sehr sehr viel. Schones, Großes>»nd Gutes— ein wahres Schatzkästlcin, das in hnnderttausen- den Exemplare»'" zu werden verdiente. L. G. Seite 4 Donnee-tag, Jg. HeptenDsk<088 Nr. 227 Die deutsche kommonlsflsdie Presse elngestes» P r a g, 27. September. Tas Landcsanit stellte das Wochenblatt„Jnngjront" aus sechs Monate und die Kopfblätter„Vorwärts",„Internationale",„Kämpfer" und„Arbeiterzeitung" ans drei Monate ein. Alle fünf Blätter erscheinen in Reichenberg. Preßburg, 27. September. Durch Verfügung der Polizeidirellion wurde heute die weitere Her ausgabc des Blatics„Slovak Wochenschrift", des als Ersatzblatt für die verbotene Tageszeitung „Slovak" erschienen>var, verboten. Herr Br. Mrvzelt berldtflgi sein Portrat Herr Tr. Walther Wohryzek sendet uns eine umfangreiche Berichtigung, dir weder den Be- stimmungcn des alten, noch des neuen Prcß- gefctzcs entspricht. Wir haben in unserem„Porträt" in keiner Weise in Abrede gestellt, daß durch Stipendien, über deren Zuteilung Herr Tr. Wo- hrnzek ausschlaggebend entscheidet, auch einigen Nichtfascistcn das Studium der politischen Wissenschaften ermöglicht wurde, ntit allem Nachdruck aber müssen wir aus der Feststellung beharren, daß jene deutschen Hörer, die mit Hilfe Wvhry- zeks Itnd durch Vermittlung desdenischpolitischeti Arbeitsamtes an die freie Schule der politischen Wissenschaften kamen, vor allem Haken krcuzlcr gewesen sind. Unter diesen befanden sich gerade solche, welche politisch eine Rolle spiel ten oder sich bei der Terrorisierung antifascisti- scher Studenten besonders auszcichncten. Da man uitfcrn Bericht annveifclk, wollen wir konkrete Angaben machen. Wir finden unter den Stipendiaten des Herrn Wohryzek P a l i c g r, einer der sieben Hanptangeklagten des Brünner Volkssport- Prozesses, V o r b a ch, der gleichfalls in die Volks fportaffäre verwickelt war, Libal, dessen Aktivität bei der brutalen Vertreibung sozialistischer Flugblattverteiler im Fcbcr d. I. in unserer Zeitung bereits festgestellt wurde. Wir erwähnten schon im Zusammenhang mit uitserrm Porträt F r ä u l e'i n Jung, zttr Zeit ihres Prager Aufenthaltes Vorsitzende des Verbandes der N a z i st u d c u t i n n c n, und die nach Absolvierung der Schule sofort zu einer Wiener R a z i z e i t u n g kam, und Herrn H ans Schneider, Mitarbeiter des„Tag" und des ultrafascistifchen„Stidetcndeutschcn Beobachters", wo wir seine politischen Ergüsse finden:„Die braunen Kolonnen, sic greisen an, die braunen Kolonnen marschieren". Die Aufgabe einer politischen Schule in einer demokratischen Republik können wir nicht darin erblicken, daß sie Politiker herausbildet, die eine zügellose Terrorherrschaft propagieren und eine Nazijournaille erzieht, die Mördern— wie im Falle Lessing— moralische Rechtfertigung zu teil werden läßt. Unsere Ansicht scheint da mit der des Herrn Dr. Wohryzek auseinander zu gehen, denn sonst würde er genauer überprüfen,- wem er den Besuch der politischen Schule er möglicht, ganz abgesehen davon, daß die Zahl der Nazi, die mau dort untrrbrachte, in keinem Verhältnis zur Bedentung der nationalsozialistischen Journalistik steht.' Herr Wohryzek verleugnet weiter den deut- scheu j o u r u a l i st i s ch- s o; i o l o g i s ch e n »Klub und behauptet, an keiner seiner Beran- skaltuugen leilgenommen zu haben. Gerade jene Versammlung der deutschen Hörer, die den Anstoß zur Umwandlung des Klubs in eine Hilfstruppe der Nazi und zur Verdrängung des Gründers und bisherigen Obmannes, des Herrn Dr. Svoboda, war, vollzog sich unter tätiger Anteilnahme des Herrn T r. Wohryzek. Er wird nicht leugnen können, daß er damals den Anwesenden— in der Mehrzahl Nazi— den Eintritt in den Klub empfahl und einen Anschluß an den allgemeinen Hörervcrband ab lehnte, wo die Nazi zwar eine verhältnismäßige Vertretung im Vorstand erlangt hätten, aber doch eine Minderheit' gegenüber den demokra tischen Elementen geblieben wären. Wenn Herr Wohrnzek mit der Hörerschaft in Verbindung trat, so geschah das gewöhnlich aus dem Weg über Schneider und Jnng. Was die Seminararbeit der letzteren anbelangt, so nennt sie Herr Wohryzek in seiner Berichtigung„sachlich", die Einwendungen eines sozialistischen Hörers„parteipolitisch": mehr sollte ja anch durch die von uns veröffentlichte Zuschrift nicht gesagt werden, als daß Herr Wo- hryzek mit zweierlei Maß mißt.„Sachlich" war es, wenn Irl. Jung die Demokratie in Grund und Boden verdammte,„parteipolitisch", wenn der Fascismus angcgrisfen wurde. Als man d.as B u r f ch e n f ch a f t c r w e f c n als den Vorläufer des Fascismus an den Hochschulen bezeichnet, wurde das vou Wohrnzek besonders znviickgewicsen,>vas ohne Zweifel den Wünschen der Nazihörer entsprach. Unwidersprochen läßt Wohryzek auch die Tatsache, daß er g e g e n das Tragender Freiheitspfeile war, während er von den „Kuckucken der Nazi" nur behauptet, daß er sie „nicht gesehen" hat. Wer sie sehen w o l l t c, der kannte sie sehen. Das lverden die Hörer der Politischen Schule jederzeit bestätigen können. Wir sind Herrn Tr. Wohryzek für seine Berichtigung dankbar, wir ersehen aus ihr um so mehr, daß sein Wirken an der politischen Schule objektiv den Nazis zugute kam. Nach wie vor sind wir der Ansicht, daß sich Herr Dr. Wohryzek nicht richtig verhält, weder als Epigone des Liberalismus noch als einflußreicher Lehrer der politischen Schule und daß ihn nichts von denen unterscheidet, die eine große Prager Zeitung dem Fascis- mus auSgelicfert haben. I Bor einer Absplitterung in der Nattonaldemokratte Die Gegensätze zwischen dem rechten, sasci- stischen Flügcl der Nationaldemokraten und der Parteileitung lverden immer größer, so daß mit einer Absplitterung dieser Teile der Partei von den Nationaldemokraten gerechnet werden muß. Am Sonntag fand in Prag eine Beratung der sogenannten„Integralen Nationaldemokrateu" statt, in welcher Inspektor Kochlöffel, ein betau uter Mitarbeiter der„Narodni Lisch", den Vorsitz führte, während Tr. Duöek das Referat erstattete. Er kam zu dem Schluffe, daß es notwendig sei, aus der Nationaldemokratie auszutreten und mit den Gajda-Fascisten sonne mit Stribrny und den Slowakisch-Klerikalen eine slawische nationale Opposition zu bilden. Nach ibm sprach Prof. 8tcpanck, der die auswärtige Politik kritisierte. Tr. Locher, der sich gegen Dr. Ladislav RaLin wandte, von dem die radi- kaleit Nationaldemokraten enttäuscht seien, der fascisttschc Organisator Rößler, der sich gegen Krantak wandte und ein Direktor Bureä, der alle Hoffnungen attf Gajda setzt. Die Versammlung beschloß, aut 6. Oktober in Prag eine Konferenz der Opposition abzuhalten und dort die Entscheidung zu fällen. Als Organ der Fraktion tmtrde der„Hlas" brstintmt. Die Wahrheil Dr. Düngers Leipzig, 27. September.(Jnpreßf: Man erinnert sich, daß der bulgarische Angeklagte Dimi- troff erklärte, man habe ihm jede freie Wahl eines Verteidigers verweigert. Ter Vorsitzende des vierten Strafsenats des Reichsgerichts, Doktor Bucngcr, erwiderte, daß„dir erforderlichen Schritte nicht unternommen worden seien". Wir erfahren dazu, daß dem bulgarischen Rechtsanwalt Tr. Grigorosf, der die Bedingungen des Reichsgerichts: arische Abstammung und der deutschen Sprache mächtig, erfüllt und seit Wochen sich um die Verteidigung der bulgarischen Angeklagten bemüht hat, am Abend des Prozeßbeginns die endgültige Ablehnung seines Gesuches mikgeteilt worden ist. Ter Präsident des höchsten deutschen Gerichts sollte es mit der Wahrheit so wenig genau nehmen? Doering lügt Leipzig, 27. September.(Jnpreßl: Während der Vernehmung des Abgeordneten Torgler im Leipziger Reichstagsbrandprozeß hat weder der Präsident des Reichsgerichts, Tr. Buenger, noch der Oberrcichsanwolt Werner Einspruch erhoben, als Torgler behauptete, daß er fünf Monate gefesselt gehalten wurde. Diese Tatsachen haben bei den ausländischen Journalisten um so größeres Aufsehen erregt, als der Preußische Ministerpräsident Goering am 6. Juli behauptete, Torgler sei nicht gefesselt worden. Nur Keine Delriehsrütewahlen Wovor sich das Dritte Reich fürchtet. Berlin, 27. September. Tic Reichsrcgierung hat sich entschlossen, durch Gesetz vom 26. September 1933 das Recht der Landesregierungen aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung die Wahlen zu den gesetzlichen Betriebsvertretungen bis zum 30. September d. I. aus- zusetzen, bis zum Jahrcsschlnß zu verlängern, um in einer Zeit, die durch den Komps der Reichsrcgierung gegen die Arbeitslosigkeit besondere Anforderungen an alle Kräfte der Wirtschaft stellt, jede Beunruhigung dem Wirtschaftsleben fern zu halten, Hirtsiefer im Konzentrationslager Otto Brauns Stellvertreter. Der langjährige preußische Volkswohlfahrts- miuister und stellv. Ministerpräsident Hirt- k i e f e r, ein Zentrumspolitiker proletarischer Herkunft, heute ein weißhaariger Mann, ist nun ins Konzentrationslager gesperrt worden. Bor zwei Wochen hatten ihn SA-Burschen durch die Straßen der Stadt Essen getrieben, wobei er ein Korruptionsplakat umgehängt tragen mußte. Tann wurde er ins Gesänguis gebracht. Der Direktor bot ihm an, daß er sich gegen Zahlung einer gewissen Gebühr selbst beköstigen könnte. Hirtsiefer lehnte das ab; er wollte kein anderes Essen haben als die Gefangenen. Hirtsiefer wollte nicht den Nazis Gelegenheit geben, zu verbreiten, der„Systemminister" sichre selbst im Gefängnis noch rin Schlemmerlebcn. Unruhen in Dnhiin Dublin, 27. September.(Reuter.) Gestern fand hier eine Sitzung der Republikaner statt, in welcher zugunsten der Gefangenen, die in den Gefängnissen des Irischen Freistaates zurück gehalten werden, manifestiert wurde. Die Regierung des Baleras wurde in scharfer Weise angegriffen. Gegen Mitternacht kam cs zu Ausschreitungen. Tic Volksmenge bewarf die Polizei mit Steinen, die ihrerseits cinigemale mit dem Gummiknüppel entschreiten mußte, so daß ein regelrechter Zusammenstoß stattfand. Ter Polizei gelang es, die Ordnung wieder herzustellen. 13 Tcilnclnner an den Ausschreitungen wurden verletzt und befinden sich im Krankenhaus. Heute früh herrschte in Dublin vollkommen Ruhr/ T agesneuigkeifen Sisenbahnettod an! dem Ansfiger Bahnhof. Vergangenen Dienstag um 20 Uhr wurde aus dem Bahnhof Aussig-Stadt der Hilfsangestellte Franz Hrudka aus Gatschkcn Nr. 49 von dem von Teplitz cinfahrcnden Personenzug'Nr. 622 icberfahrecc und auf der Stelle getötet. Der Körper des Bedauerns- tv e r t e n wurde v o l l k o>n m e n z c r st ü k- kclt. Der an der Nnfallstellc erschienene Eiscn- bahnarzt Herr MUDr. Toranth ordnete die Ueberfiihrüng der Leiche in dir Totenhallc des Zentralfriedhofes an. Hrudka war als Verschieber tätig und stand aus dem erhöhten Bahnsteig zwischen dem 1. und 2. Hauptgclcise. Während er seine Aufmerksamkeit auf den von Teplitz einfahrenden Personenzug richtete, scheint er nicht den gleichzeitig von Prag kommenden Lastzug Nr. 8227 bemerkt zu haben, von dessen Lokomotive er wahrscheinlich erfaßt und gegen den Pcr- sonenzug geschleudert wurde. Bier unversorgte Kinder haben durch diesen graueiwollen Unfall ihren Vater und Ernährer verloren. GlSü und UngMck in der Luft. London, 27. Septccnbcr. Die britischen Kriegsflugzeuge, die gestern aus Äeuchars in Schottland he nn kehrten, wo sic an den großen Nordscemanövern itt Zusammenarbeit mit der Kricgsutarine teilnahmen, sind in dichte schwere Nebcischwaden hincingcraten, die in einer Ausbreitung von 6000 Fuß den ganzen britischen Norden bedeckten. Hiebei stürzte im Liebel eine Pia sch ine ab, au deren Bord Fliegcrofsizier Lior- man S t y ch c und der hc.rvorrage.iide Pilot Maurice White saßen. Das Flugzeug wurde zertrümmert. Beide Flieger waren auf der Stelle tot. Ein anderer Apparat wird vermißt. Els weitere Flugzeuge überflogen jedoch dieses Nebel- gewölk und landeten ohne Unfall, wenn auch sie gefährliche Momente miizuniachen batte». ♦ Rom, 27. September. sStesani.) Die beiden bekannten italienischen Flieger, Kapitän Baldi und Leutnant Buffa, durchflogen die Strecke Rom—Bukarest auf ihrer Maschine„Fiat" in der Zeit von drei Stunden und zwölf Almuten. Tas Flugzeug war mit einem 630-p8-Aiotor ausgerüstet. Die Durchschni ttsgeschwmdigkeit für die Stunde beträgt 333.968 Kilometer. Tic Piloten beteiligten sich an dem Wettslug um den Bibescu-Pokal auf der Strecke Rom—Bukarest oder umgekehrt, der jenem Piloten zuerkannt wird, der die beste Zeit auf der Strecke her- aussliegt. Wieder eine Hinrichlnng. Leipzig, 27. September. Heute früh wurde im Hof Les Landgerichtsgefängnisses der 32jäh- rige Kraskwagensührer Walter Kunze durch Fallbeil Hingerichte:. Zdunze hatte am 19.'November v. I. einen Autovertreter und der Vorspiegelung, einen neuen Mieterwaaen gegen Barzahlung kaufen zu ivollen, zu einer Probefahrt in die Bilrgaue verlockt und den Ahnungslosen an einer einsamen Sl-elle erwürgt, um in de>i Besitz des Wagens im Werte von 6000 Mark zu kommen. Tod von acht Famiiienmttgiiedern in einem Woikenbrnch. Paris, 27. Septenrber. In Süd. und Südostsrankreich sind heftige Gewitterstürme und Wolkenbrüche nicdergegangen. Besonders schwer sind die Gegenden von Montpellier, Ninies und Toulon betroffen worden. Hier wur- iden viele Häuser und Manern von den steigenden Wasserfluten niedergerissen, zahlreiches Material ist fortgeschivemnit worden. Ter gesamte Verkehr wurde st i l l g e l e g t. In Nimes wurde eine neunköpfige Familie von den Fluten fortgerissen. Es gelang nur, ein kleines Mädchen zu retten. Eine traurige Bilanz weist das Motorradrennen im sogenannten O st r a u r r Ring am vergangenen Sonntag aus. Fast' zwei Dutzend Menschen wurden dabei schwer und leichter verletzt. Ein zehnjähriger Knabe sogar getötet. Ta muß nun die Frage aufgcworsen werden, ob bei diesem Renneil alles so war,>vic cs hätte sein sollen und müssen. lieber die Berechtigung und Zweckmäßigkeit solcher„sportlicher" Veranstaltungen wollen wir uns hier ilicht auslassen. Daß sic ausgesprochene Reklamcmachcreien der Industrie sind, darüber ist die Oefsentlichkeit längst schon unterrichtet. Wenn sich nun Sklaven dieser hochkapitalistischen Industrie finden, die als Rennfahrer im Interesse dieser Unternehmungen ihr Leben immer wieder auf das Spiel setzen, so ist dies vielleicht zu bedauern, doch schließlich eine Privatangelegenheit dieser nennzigprozcittigen Todeskandidaten. Keine Privatsachc aber ist eS, wenn zwei Dutzend Menschen dabei zu ernstem und schwerem körperlichen Schaden kommen. Dann wird diese Sache zu einer Frage, über die Rechenschaft zu fordern die Oefsentlichkeit Recht und Pflicht hat. Diese Recheitschaft haben die Behörden und die Bcranstakter zu geben, und zwar dahingehend, ob denn die mit 100 Kilometer Stundengcschwiudigkeit befahrenen Straßen und Wege zu solchen Rennen überhaupt geeignet sind. Und wenn, ob genügend Vorsorge getroffen wurde, damit das Publikum nicht zu Schaden komme. Das heißt: Warum wurde den Der Präsident der 14. Völkerbundsversammlung C. Te Water, der Oberkommissar der Südafrikanischen Union in London, wurde in der ersten Sitzung der 14. Bölkcrbunds- versamnrlung in Genf zum Präsidenten der Vollversammlung gewählt. OllllflllllHIHIIIIlllilNIIIlIHllllllltlNIlHlltllllllllHIINIIIHIIHIIIIIHIIIIIHIIHIIIHIIIIIIIIHIIfltltlHIlUlltn Zuschauern der Zutritt bis u n m i 11 c l b a r an die Rennbahn gestattet? Warum wurden nicht Maßnahmen getroffen, daß sreizuhaltende Rennstrecken anch tatsächlich frcigehalten wurden? Aehnliche UnglückSfällc im In- und Auslände geben eine genügende Ersahrungsgrundlogc. Die | Ausrede— mag sie nun kommen, von wo immer— vom„undisziplinierten Publikum" gilt nicht! Das Publikum ist eben nicht anders. Tic Leichtfertigkeit ist anderswo zu suchen! Man verfolge sic! Winkelbörsen in Brünn. In Brünn wurdc beobachtet, daß an den Tagen, an denen die Produktenbörse Versammlungen obhält, sich in verschiedenen Winkellokalen Kaufleute zusammenfinden, die unter Umgehung der Produktenbörse Geschäfte niil landwirtschas- l i ch c n Produkten abschlicßcn. Diese Kaufleute verfolgen regelmäßig den Geschäftsgang an der Produktenbörse, stellen das Angebot fest, schließen aber keine Verkäufe ab, ivodurch sie dic normale Entwicklung der Geschäfte unterbinden, und tätigen dann die Geschäfte außerbörslich. Da diese Geschäfte großen Umfang angenommen haben, Haden die Polizeibehörden in Brünn Schritte unternommen, um diese Unzukömmlichkeiten zu beseitigen. Gestern drang die Polizei in dic Winkellokale ein und machte außerbörsliche Geschäfte unmöglich. Auch in einem Brünner Hotel kielt die Polizei zwei Personen beim Abschluß von Geschäften an. Unangenehme Revision. Ans Dache, u wird uns berichtet, daß dort dieser Tage unversehens eine Rcvisionskommisiion eintras, um die st a a t- l i ch e F-o r st v e r w a l t u n q zu revidieren. Es wurden Unregelmäßigkeiten fcstgcstellt, auf Grund deren der Forstrat Seemann vom Dienste suspendiert wurde. Wahrscheinliches Wetter heute: Fordaucr des bisherigen Wettercharakters. Ein großer Meteor wurde von der Kcefüuil- Stermuarie in Prag Montag, den 25. September, um 20 Uhr 27 Minuten am nordöstlichen Horizont beobachtet. Durch seine Helligkeit, durch sein schönes Farbenspiel und durch seinen langsamen Flug erregte er die Ausinerksamkeit d-»r Ocssent- lichkeit. Auch im Nordostcn Böhmens hat, den eingegangenen Meldungen zusolgc, der Meteor in der Bevölkerung ein wirkliches Erschrecken hervorgern sen. In diesen Gebieten durchflog der Meteor gerade den Zenit und leuchtete wie der Vollmond aus. Tic Volkssternwartc bittet zufällige Beobachter um Nachrichten über dieses Ereignis, hauptsächlich um die Angabe der Flugbahn des M'- tcors zwischen den Sternbildern, über dic Höhe dcs Blickfeldes, über die Flugrichtung, iri Grad.'» auSgedrückt, um es zu ermöglichen, die Höhe, das Aufleuchten, die Bahn und den Ort der Explosion berechnen zu können. Tas Ergebnis wird i ann der Oefsentlichkeit durch die P re sic bckanntgege- bcn werden können. Brand in der Pariser Oper. Jni Dachstuhl der Großen Oper entstand Dienstag um Mittcr- iiacht ein Brand, der, ehe er größeren Umkang annahm, von dem wachhabenden Personal gelöscht wurde. In der Donau ertrunken. Aus der Donau kenterte in der.Näh« von Györ ein Motor boot, an dessen Bord sich Mei Gendarmen zusammen ntit ztvei Wachtmeistern der Strompolizei befanden. Tie zwei Wachtmeister konnten sich durch Schwimmen retten, die beiden Gendarmen versanken jedoch in den Fluten. Bisher konnte bloß eine Leiche geborgen werden. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag. Prag: 1ll.1v Schallplatte». Iv.lö Schulfunk. 18.30 Deutsche 2 endun g; Dr. Jpg. Kletzl: Rrumaii, dic schönste Stadt im Böhmerwold. 2V.10 Jurist: Götter unter uns. 21.30 Sonaten von Händel.— Brünn: 14.50 Nachmittagskonzcrt. 18.25 Deutsche Sendung. 10.25 Mufikrokoko. 21.30 Ktavierkou- zert.— Wien: 17.25 Kamiircrinusik von Brahms. 20.30 Puppenspiel und Groteske.— Frankfurt: 16.30 Nachmittagskouzert.— Hellsberg: 21,10 Abendkonzert.— Breslau: 20.10 Volkstümlicher Konzert.— Mühlacker: 20.00„Ter Waffenschmied". Oper von Lortzing.— Leipzig: 20.00„AlkestiS", Tragödie von C'alzabigi.— Longenberg: 10.00 Wilhelm- Busch-Stunde.— München: 21.20 Sinfoniekonzert. 9h. 227 Donnerstag, 28. September 1688 .juiic 2 Die Soldaten, die alsbald erschienen Zufolge Sport' Spiel' Körperpflege Kunst und Wissen den Kennen ri bei l ng- in in wiederholt zum Ausdruck gebracht den Kommunisten in Wahrheit ja die Interessen der Arbeiterklasse nur um ihre öden und unfrucht- znr frisch» Banalitäten Die einem Werk genug noch Neu- bcson- Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donners, tag halb 8 Uhr:„Pension Schöller", neu. cinstudiert.— Freitag 8 Uhr:„Höchste Eisrn- bah n". Fhrer „H öchste Eilcnbah n", Schüller". Feuerwehr die Brände in Höllenmaschine aus dem Balkan. Belgrad, 27. September.(Avala.) In der Ortschaft Tövdöii an der jugoslawisch griechischen (Grenze explodierte gestern um 20 Uhr eine Höllenmaschine in dem Augenblick, als als Casäti r, der diese Höllentnaschine als erster ausfand, gemeinsam mit einem Polizcibcamlen dieselbe untersuchen tvollten. Durch die Erplosion wueten zwei Personen getötet und fünf ander: wurden verwundet. Die Untersuchung ergab, daß es sich um eine solche Höllenmaschine handel', w>e lie die KrinttatschiS verwenden. Tie jugoslawischen Behörde| wurden euch davon in Kennittis geletzt, daß zwei Gruppen von Komita'sch Z an der griechischen Grinz« beobachtet und aus griechischem Territorium unweit Dövdöli verfolgt worden sind. Eß ist klar ersichtlich, daß daS Attentat ein Werk dieser Komitatschis Ist. I IIS P A R E N I ml> ANZEIGEN I halst dar I Inaariarenden II Konkurrenz helfen I sie flugs ins Dritte Reich übersiedeln und dort den notwendigen Anschauungsunterricht nehmen. Tas werden sie freilich nicht tun. weil sie sich M ganz genau dessen bewußt sind, daß ein sehr gewaltiger Unterschied zwischen dem besteht, was bei uns und tvas in Deutschland ist. Dafür werden sie unter dem Schutz der so verlästerten Demokratie auch weiterhin das Maul aufreißen, obwohl sie doch schon selbst sehen müßten, daß die breiten Massen des arbeitenden Volkes von diesen selbstmörderischen Methoden nichts wissen wollen. Wir stellen zum Abschluß des großen Kampfes um die Arbeitslosenunterstützung fest, daß die Kommunisten ihre Kampagne aus der ganzen Linie verloren und ihre absolut« Unfähigkeit bewiesen haben, den Arbeitern auch nur die geringste Befehl erteilt, kein Wort über die Tragödie zu| s°en;o, wie ne es auch io schreiben. Die Nachricht verbreitete sich jedoch sehr„ r43 Uhr.— Prcdlitz gegen Aussig Nord in Lerchcnseld; Anstoß 10 Uhr vorm. 4. Gruppe: Langugesl gegen Hohenstein in Lan- gugcst.— Eichwald gegen Wohontsch in Wohontsch. — Türmitz gegen Neslcrsitz in Türmitz. Anstoß allen Spielen HO Uhr. 5. Gruppe: Schönpriesen gegen Teilen; Schöiipriesen.— Aussig-Ost gegen UlgerSdors Aussig.— Pihankcn gegen Klcinaugczd in Pihanken. Anstoß bei allen Spielen 143 Uhr. 6. Gruppe: Nicderleulcnsdors gegen Komvlau 2 in Komotau.— Koniotau 1 gegen Brüx in Komoiau. — Saaz gegen Tschern in Saaz.— Trupschiy gegen Sporitz in Sporitz. Anstoß bei alten Spielen Uhr. Die Anstvßzeilen können nur dann geändert werden, wenn der Verein, die Schiedsrichlervcreini- gung des 5. Kreises n»d Krcisspielleining rechtzeitig verständigt werden. Tie bauenden Vereine haben für die Fahrlsprscn des Gegners auszukommen, sonst Sperre. Verein Kalbitz(2. Gruppe) wird auS der Meisterschaft mit sofortiger Wirksamkeit aus- geschlossen. Tic Vereine der 2. Gruppe mögen dies zur Kenntnis nehmen und sind an jenen Tagen, an denen Karbitz-Spick vorgesehen, spielfrei. Tie Schiedsrichter berichten und das wichtigste, das Resultat, wird vergeßen. Bei nicht genauer Ausfüllung der BerichtSbogen, der spätestens ani Montag bei der Kreisleitung sein muß, tritt Sperre ein. Tie Bereinsleiler haben die Arbeiterpresse zu verfolgen. Die KreiSleit u Triest, im Hungerträgödi« inneren Stadt, dem Pflaster Leichen übereinander liegend ausgefunden! ES stellte sich heraus, daß der Arbeiter N., der seil mehreren Tagen keine Nahrung seiner Frau und seinen vier Kinder,, hatte besorgen können,>n einem VerzweislungSanfall bc'chtossen hat e, m:r seiner Familie freiwillig in den Tod zu stehen. Mit Hilfe der Frau wurden erst die vier, wahrscheinlich schlafetiden Kinder ans dent Fenster im vierten Stock geworfen, dann folgten die Eltern! Dem Blatt„Jl Piccolo" Hai der Präfekt den Alas— v Kreis. Fußball Meisterschaftsspiele der 1. Klass« am Sonntag, den 1. Oktober. 1. Gruppe: Haida gegen Ober-Preschkau in Haida; Anstoß 1 Uhr.— Schönliud« gegen Georgenthal in Schönlinde; Anstoß 1 Uhr.— Warnsdorf gegen Stcinschönau in WarnSdors; Anstoß>45 Uhr. — Nieder-Licbich gegen Kamniy in N.-Liebich; Anstoß>44 Uhr. 2. Gruppe: Karbitz gegen Teplitz findet nicht statt. Teplitz spielfrei.— Glashütte gegen Krochwiy in Aussig; Anstoß»3 Uhr.— Ladowitz gegen Zuck- manlel in Ladowitz; Anstoß>43 Uhr. 3. Gruppe: WeiSkirchlitz gegen Sobrusan in WeiSkirchlitz; Anstoß%3 Uhr.— Dux gegen Neu- .. Hl. 'September. Eine fürchterliche ereignete sich dieser Tage in Ser Um 2 Uhr nach iS wurden aus der Bia Eommerciale sechs tiven Ergebnissen gelangen kann und es bestätigt sich, was wir haben: daß es gar nicht um geht, sondern baren parteipolitischen Hetzereien. Gestern, am letzten Tag der Geltung der bisherigen Bestimmungen über daS Genter System, gibt nun endlich die komnnlnistischc Presse ihre Niederlage offen zu. Sic maskiert sic naturgemäß M't neuen Beschimpfungen der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften, sie lügt auch, daß nach den neuen Bestimmungen die Republik nur c:ne Krone pro Tag und Arbeitslosen beistellen werde— es würde uns wirklich interessieren, wenn die Konlinunisten ihre Berechnungen etwas detaillierter ausarbeitcn wollten—, aber das Ende ist der offensichtliche Rückzug. Da die Parolenschmiede aber nicht ohne Phrasen und Schlager sein können, so rufen sie gegen weitere Verelendungspläne auf zum„kompromißlosen, entschiedenen Kampfe", Ginge cs hier nicht wirklich um das Schicksal der Arbeiterklasse, so könnte man sich an den- Akrobatenstückchcn der kommunistischen Journalisten nur erfreuen. Es macht ihnen gar nichts aus, heute etwas in Grund und Boden zit verdammen und es morgen zu verherrlichen, sie können wirklich schreiben so und sie können schreiben so. wie cs der große Papst in Moskau und seine kleinen Stellvertreter in der Tschechoslowakei befehlen. Mit solchen Leuten, die keine eigene Meinung haben und sie nicht haben dürfen, braucht man nicht zu polemisieren. Aber die Arbeiter sollten doch darüber Nachdenken, wie diese ewigen Hetzereien gegen die einzige aktive Abwehrkraft des Proletariates, nämlich gegen die Sozialdemokratie und die ihr verbündete» freien Gewerkschaften, die Positionen der Heute„Lohengrin". Elsa—Elisabeth Friedrich von der Städt. Oper Berlin, König Heinrich-Kammersänger Foscf Manowarda von der Staatsoper in Wien, Ortrud—Lydia Kindermann, Lohen- grin—Adolf Fischer, Telramttnd(zum 1. Male)— Theodor Schcidl,-Hcerruser—-HanS Hotter: verstärkte Thöre. Dirigent: Adolf Kienzl. Regie: Tr Graf. — Es wird dringend um rechtzeitige Besorgung der Karten und um pünktliches Erscheinen gebeten. Anfang 7 Uhr.(C—1.) Wochenspielplan de» Reuen deutschen Theater«. Touuerstag 7 Uhr:„Lohengrin", CI.— Freitag halb 8 Uhr:„Wilhelm Teil", D 2.— SamStag halb 8 Uhr:„M am sell e N i t o u ch c", CI.— Sonntag 2 Uhr:„Wilhelm Teil"; 8 Uhr;„Tiefland", D 2. Arbeiterklasse zu Nutz und Frommen d«r Bourgeoisie schwächen. Statt einzusehen, daß heute ein hohes Spiel gespielt wird, bei dem es um die primitivsten Voraussetzungen des proletarischen Kampfes überhaupt geht, um die Versammlungs- nnd Redefreiheit, um die Grundlagen der Tcmo- krarie, die uns bei all ihren Fehlern doch wenigstens di« Möglichkeit der freien organisatorischen Betätigung gibt, haben die Kommunisten nichts anderes zu tun, als den Arbeitern d esc Tcmv- kratie, von der sie selbst leben, zu verekeln. Immer wieder versteige» sich die kommunistischen Blätter zu der blöden und gewissenlosen Behauptung, daß es ja bei uns auch nicht viel anders sei als etwa in Hitler-Deutschland. Nun, wenn die kommuni- stischeu Temaaogen gar so sehr darnach dürsten,.... in Konzentrationslager gesteckt zu werde». daniu i Verbesserung ihrer Lebenslage zu erkämpfen. An sie über die Nichtigkeit ihrer„Taktik" Nachdenken I dieser Tatsache werden noch so tönende Tiraden können, so wird sie niemand daran h ndern, daß! nichts zu ändern vermögen. PRAGER ZEITUNG. GolWHtto weltbekannt. Tb. Eisenkolb, Prag ll., VodlCkova 36. Tel. 89414. fifuatrferte Prefolfelu 102 ffratli«. ExMeverr in Linken SUtesenfeHiivrn in Ser Aivruszenvrovinz. Rom, 27. September. Die Morgenberichte besagen, daß die ganze Abrnzzen-Provinz von dem katastrophalen Beben hrimgrsncht worden ist. Im Epizentrum dcü Bcbcns, im Orte Lama Peligni, wurden 400 Häuser durch daS Hochwasser zerstört oder beschädigt. In Taranta Peiligna wurden 270, in Messer Raimondo 150 Häuser zerstört. Auch in der Stadt Ehicti Sind fast alle Häuser und Gebäude beschädigt,ebenso wie in der Stadt PeScara und dem großen benachbarten Dorfe Salle. Die militärische Hilfeleistung wurde überall gut durchgesiihrt. 50.000 tote Chinesen. 1 Million Chinesen hungern. Nanking, 27. September.(Reuter.) amtlicher Meldungen über die durch die"Ucber- schwcmmuugcn des Gelben Flusses im Juli und August d. I. augcrichtcten Schäden, durch welche das zwischen dem alten und dem neuen Bett des Gelben Flusses liegende Delta verwüstet wurde. sind 50.000 Chinesen ertrunken und 1 Million Chinesen ist von einer Hungersnot bctrosscn. Die Hilfskommission.stellte durch Ermittlnngcn in den betroffenen Gebieten fest, daß die Verheerungen teils durch Räuber und Militärabteilungen ver ursacht wurden, welche letzteren die Schutzdämmc aus strategischen Gründen zu einer Zeit vernich teten, in welcher der Gelbe Fluß im raschen An steigen begriffen war. Ein ungeheures Gebiet liegt bisher unter Wasser. Andere Strecken des Lande« werden jahrelang nicht mehr benützt wer den können, da sie von Tchlammassen in einer Höhe von 4 bis 5 Fuß bedeckt sind. u> 20.006 Obdachlose in Tampico. Mexiko, 27. September.(Reuter.) Unter den,».»»».. Trümmern der eingcstürzten Häuser in Tampico I halben Million Pesos bewilligt werde. miHNiiiiiiiiiniNiNiiinii!iiiiiNiniiiiMiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiHi)inni)i)ii)iiuiiiiiJiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii>>iiiiiiiiiiiiNi>iiiiiiiniii>niiiiiiii>iiiiiiiniin ittaulgibti: Steghieb taub.— Sbttteftatieur: Wildetm Rtes» 4 r.— Beramwftrtlicher StebaNeur: Dl.«01» ö i r a u st, Prag.— Druck! Utat,— DU gelluiiglinatlenftontatut wurde von Bet Post. u. lefegtoftbenftiteliion mit Erlöst Nr. 13.S00/VII>1930 behUUtgt.— Geiuglbebingungeii:« baUuaftttg Li 86,—, gan»äblig Li lxJ.—,— Inserate Werften laut Tarts billigst berechnet. Bei ölteren«inschaltungen Preiinachla,,— „riesiand".NeUlNizenerung. Die Neuinszenierung der Ozrer„Tiefland" von Eugen d' Albert am Prager Teutsct)en Theater ist out zwei Hauptgründen getechtseriigi. Ter eine ist: besonder« Ausmerksamkeit einem Werke gegenüber, daS an diesem Theater seine Urausführung erlebte. Ter andere ist die große Beliebtheit der Oper beim Publikum, die beweist, daß das allen kritischen Einwänden zum Trotz doch künstlcrischc Werte besitzt, um des Erfolgheute sicher zu sein. Ter rrstangeführte inszenirrungSgrund beinhaltete übrigens die dere Verpflichtung, Besonderes bei der Nruinszenie- rung zu bieten; denn da die Prager Inszenierung der Oper soznsagen als die authentische zu gelten hatte, war ihr« Erneuerung an eine grwisie Tradition gebunden Renato M o r d o hat sich bei seiner Neuinszenierung des Werket von feder'Tradition frei- gemachr,.— leider nicht zum Vorteil der Oper. TaS erste Szenenbild(die Hochalm) wirkt allzu beengt, läßt nichts von der Sonnigkeit und Freiheit der Berglandschast erkennen; das zweite Szenenbild(dir Mühl«) ist überladen in den Detail-, zu wenig auf Schlichtheit de- Milieu» bedacht und in der Anordnung nicht glücklich. To wirkt das Licht in der Kammer Marthas durch eine Portiere statt durch«in Fenster unglaubwürdig, so widerspricht die ossengelasscnr Mühlslubr den textlichen Angaben. Dagegen ließ die realistisch dnrchgeführle Gruppierung der Szene lAustrittc der Mägde. Hoch zeit-gesellschaft) nicht- zu wünsckvn übrig. Musi kalischer Leiter und Erneuerer des Werkes war Kapellmeister Maz Rudolf, dessen Arbeit viel Sorgfalt nachzurühmen ist. Aber zur Abschwächung der knalligen Fustrnmenialessckte d' Alberts konnte er sich ebenso wenig entschließen wie zügigen rhythmischen Gcstaltnng der und Sentintentalitäten der Oper. ,)>» Mittelpunkt der solislischen Aufgaben stand di« Martha Fr. Rose Pauly«, stark betont im dramatisch-leidenschaftlichen Sinne, mehr erschütternd als das Unglück- selige Temperamentswcib al- die Mitleid erweckende Dulderin. In Theodor Scheid! hatte sie einen dramatisch angcpaßten Partner. Dieser Sebastiano ist vor allem Aynikrr und brutaler, protziger Bauer, während ihm al- Liebhaber Feuer und überzeugende Leidenschaft fehlt. Rein stimmlich hat Fr. Panly mehr zu geben vermocht als Herr Tcheidl besten Organ in den dramatischen.Hauptmomenten dem Sänger nicht mehr bedingungslos gehorcht. Als Pedro hörte man Joses M a s a k, der darstellerisch echte- Naturburschenlum zur Geltung brachte, aber als Sänger trotz großem Material nicht zu erfreuen vermochte. Vorzüglich beseht waren di« kleineren Rollen der Oper, vor allem die Nuri mit Fr Freue Ei finger. Aber auch di« Damen Ried, Mer; und Schilp sowie die Herren Andersen. Hatte m e r und Hotter sind zu nennen. Das Theater war sehr gut besucht, der dem Werke und seinen Hauptdarstellern gespendete Beifall reichlich. E. I. tfchfacslKaar. \, Dnmu>Mtzg, M. Vrphemtzev 1SS8 Nr. 227 FOR KINDER: BEI REGENWETTERI die Ihre Schuhe und Gesundheit schützen NEUES MODELL Neue* Modell Warme Strümpfe für den Winter. Kinderstrümpfe Damenstrümpfe Herrensocken Schwan lackierte Ganzgummi-Oberschuhe. Für Frauen: warme Hau* schuhe mit wasserundurchlässiger Gummisohle.— Tragen von Oberschuhen ist gesund, angenehm und sparsam.— Warme Kinder- Hausschuhe, mit wasserundurchlässiger Gummisohle.— Schwarz lackierte Ganzgummi-Galoschen. Kinder- Melton- schuhe, mit le- dersohle und iÖerkragen. Gr.27-34 Ke 29.- In„GENERALSTIEFELN" tragen Sie unsere Warmen Socken, Marke„SIBIRIEN"- sie kosten bloss KE 2-, 3.-. Zum Umziehen, Daheim und in der Schule,unsere Leinenschuhe Kc 3.-. 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