' J l Jl.Botilon». DtkwoUuagi 13. Jahrgang. Freitag, 29. September 1933 Nr. 228. Li-scheknt mit Ausnahme ves Monkag täglich früh. 0rai>ll.N«k»»anIi>,a» r«i«vv.i,»7„, 3,4»g. cna®tn6on.(ab 31 Ujt): 33559* DoiHtodaml: 37344 Skozelpreis 70 Heller. ,Einschließlich 6 Heller Porlo) Goering ausseschaiiet? Probleme. Aber großen Plan zu Partei nach der Musiker ans der Zuerst war es unter» London, 28. September.(Inpr«ß.> Der„Daily H e r a I d" veröffentlicht eine Information, die wir mit allen Borbehalten wcitergeben. In Londoner diplomatischen Kreisen wird da«„Perschwinden" Goering« an« dem aktiven politischen Leben erörtert, des Mannes, der mehr Titel und Uniformen besitzt als irgendeiner in Deutschland. Der preußische Ministerpräsident erschien in der Ocsscntlichkeit jiim letzten Mal zur Eröffnung de« preußischen StaatSrateS. Seit dieser Gelegenheit scheint niemand ihn gesehen oder gehört zu haben, obschon vorgesehen tvar, daß er in Köln und bei andern Gelegenheiten spreche. Offiziell teilte man mit, er sei zur Jagd nach Ostpreußen gefahren. Ter„Beweis" war ein Photo von Goering mit einem erlegten Wild, aber das kann ans früheren Zeiten stammen. Die Besorgnis der Freunde Goerings sei verstärkt durch seine kranlhaste Dergangenheit... Wenn diese Meldung, deren Richtigkeit wir im Angenblick nicht nachpriisen können, sich bestätigen würde, so bedeutete sein plötzliches Verschwinden, angesichts des Gegenprozcsseü in London und der Komödie von Leipzig, da« eigene Eingeständnis der Hauptschuld de« Morphinisten.Generals am Reichstagsbrand. Nazis mi seiner Antwort die ganze Angelegenheit und schilderte, wie es zu den drei Zwischenfällen kam. Im ersten Falle drangen deutsche DA Leute auf schweizerisches Gc biet ein, wo sic eine H a u»s u ch u n g vornahmen. Fn dem zweiten Falle bemächtigten sich deutsche 2M- Männer ans schweizerischem Territorium eines Schmugglers tschechoslowakischer Staatsangehörige ! leit. Im letzten Falle, der sich in den letzten Tagen ereignete, handelte cs sich nm sechs deutsche Staats. angehörige, die einen Ball besuchten und aus dem Rückwege wegen einer umstürzlerischen Aufschrift aus dem Automobil, das sic benutzten, in einen Kon flikt mit der Grenzwache gerieten, wobei sic einen großen Tumult verursachten.„Gleich den nächsten Tag", erklärte Molta,„protestierten wir in Berlin und wir hosfcn, daß es auch diesmal zur Bestrafung der Schuldigen kommen wird." Redner führte hierauf weiter au«, daß er gestern in Genf mit dem deutschen Reichsanßen- ministcr von Neurath und mit Minister Dr. Göbbels gesprochen habe, die erklärten, daß ihre Regierung bedauere, daß es z,,„ Zwischenfällen kam, und daß sic cinschreiteu I haben ihre Gültigkeit verloren. vermieden und ihre demokratische Unabhängigkeit genügend bclvicsen zu haben. Gleichzeitig aber breiten die Christlichsozialen den Mantel ihrer christlichen Nächstenliebe über die Fascisten ans, indem sie über den„erhöhten Polizeioruck" klagen, der„besonders schwer auf den Deutschen" laste. Mit Welchem Rech, st-p, die chrisllichso.ziale Parteileitung die Hakenkreuzler dem Sudcten- deutschtum gleich'? Wer außer den Fascisten und Feinden der Demokratie l>at denn Anlaß, die Polizei zu furch- ten? Gegen wen sonst wurden die Machtmittel, des Staates, spät genug, eingesetzt'? Und zwar in gleicher Weise gegen die deutschen ihren versteckten Freunden und Helfern, wie gegen die tschechischen Fascistcn nnd die slowakischen Zrrcdcntillrn'? Tie christlichsoziale Entschließung übergeht jedoch alle diese Tatsachen, um damit Stimmung für die Hakenkreuzler zu machen. Wären dir deutschen Christlichsozialen eine'demokratische Partei aus Gesinnung und nicht aus Angst, so hätten sic eine klare TrennungSlinic zwischen sich nnd den Feinden der Demokratie gezogen. Sie ziehen es jedoch vor, an die Stelle der verunglücklcn BolkssrvUt eine getarnte Gleich skiwltung mit den Fascisien zu setzen nnd wun der» sich dann noch, wenn im tschechischen Lager Panschalbeschuldignngcn gegen die Deutschen laut werden. Die Christlichsozialen nnd ihresgleichen unter den bürgerlichen Parteien trage» die Schuld, wenn in das Schicksal der Nazis andere Kreise des Dcntschtnma in der Tjchechoslotvak-i mitgerissen tverden. I werden, damit sich derartige Zwischenfälle nicht l mehr ereignen. Hei dieser Unterredung berührte Motta gegenüber den beiden deutschen Ministern auch das schroffe Vorgehen gegen Schweizer Tlaatsange- hörigc in Deutschland, das Bcrbol von Schlveizer Zeitungen und gewisse Aeußcrnngen über die Schweizer Demokratie. In der Debatte, die sich über diese Angelegenheiten entwickelte, zeigten die deutschen Minister das beste P e r sl ä n d n i s und erklärten, daß lveder die Doktrin noch die Politik Deutschlands gegen die Schlveiz gerichtet sei und daß im Gegenteil nicht möglich sei, sich ein Europa ohne die Schlveiz vorzustellen. Zum Schluß bemerkte Motta, daß die t Schweizer Zollverwaltung bereits Schritte unternommen habe, um die Grenzwachen zu vcrstär» ! ken und den Grenzschntzd'enst zu verschärfen. * Erschwernisse mr Auslands- arbehcr in Deutschland Berlin, 28. September. Die Rcichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung teilt mit, daß seit dem 1. Juli 1933 ausländische Arbeiter und Angestellte nur noch beschäftigt werden dürfen, wenn sie entweder im Besitz einer Arbeitskarte oder eines Befreiungsscheines sind. Sämtliche vor dem l. Juli 193!! erleilten Legitimationskartcn und Befreiungsscheine oder sonstige Bescheinigungen zur Bc- zu diesen schäslignng eines ausländischen Arbeitnehmers Neurath und Goebbels eiMdmlWen sich für alle Fälle verstärkt die Schweiz den Grenzschutz Bern, 28. September. lTDA.) Zwei Na- tionalräte interpellierten heute den Nationalrat über die Grenzverletzungen seitens deutscher Staatsbürger zu denen r« vor einiger Zeit an der Schweizer-deutschen Grenze kam. Beide National räte fragten an, was der Bundesstaat zu nehmen beabsichtige, damit sich ähnliche drnte nicht mehr wiederholen. Bundesrat Motta rekapitulierte i» «V« liuuuiuuiviiui uui MUI Nach dem Bund der Landwirte und der Gewerbe Partei sagen nun auch die Christlldisozialen ab Es ist erst wenige D",‘~' fung der Deutschen Volksfront, in l deutschbürgcrlichcn Parteien aufgchen sollten, von einem Großteil einer allerdings politisch vollkommenen uninformierten deulichen Ocssen!- lichlcit mit geradezu l-emmungsloscr Begeisterung begrüßt wurde. Alkes stellt sich dieser Ncngrün- dung gegenüber sympathisch ein und erwartet von ihr die Lösung aller politische» jetzt, da man daran geht, den verwirklichen, schleicht sich«ine andern fort, wie die einzelnen Haydnschen AblchicdSsymphonie. der.Herr Minister Spina, der"eine nichts an Deutlichkeit zu wünschende Absage erteilte, dann winkten die Gowerbepartciler ab, ans die man>o große Hoffnungen gesetzt halte und fetzt erhalten die Trntschnationalen und Natio nalsozialisten, die hinter der Volksfront ein sicheres Versteck gesucht haben, den Fußtritt von den Christlichsozialen. In einer Entschließung der christlichsozialen Volksparlei, welche die gestrige„Deutsche Presse" veröffentlicht, wird zivar die Zustimmung der christlichsozialen Partei zu dem zu schassenden Volksrat, der nach allem, was man hort, eine ganz unpolitische Körpcrschas: iverden wird, er teilt, aber srstgestclll, daß die Christiichiozialen im Bewußtsein ihrer völkischen Aufgabe enr- schlosscn sind, in Programm und Methoden rn ihrer ziel-bewußten Politik unverändert fort- gusohrcn". Den Dolchstoß, den da die christlichsoziale Volksparlei„im Bnvnß sein ihrer völkischen Aus- gäbe" der Deutschen Volksfront gibt, wird die Macher der Deutschen Volksfront um so schmerz licher treffen, als dir erste Idee von der Volksfront von niemandem anderen anöging als— von den Christlichsozialen- Auf dem Parteitag der christlichsozialen Partei, der am 25. Mai 1933 slal gesunden l>at, richteten die Delegierten„an alle deutschen Volksgenossen ohne Unterschied der Partei, die dringende Aus- sordcrung, sich zusaimitenzuschließen zu einer ein heitlichen sudctendeutschen Front". Die Christlich sozialen wollten damals aus opportunistischen Gründen als die eigentlichen Vorkämpfer der fudeienöciilschen Einheit erscheinen, als aber die andern die Christlichsozialen beim Worte nahmen, trat die christlichsoziale Parteileitung noch einmal zusammen und beschloß am 27. September genau das Gegen teil von dem, was am 25. Mai im Interesse de« deutsche» Volke« gewesen war. Sa schaut also ,ch i e ziclbewußte Politik" der Christlichsozialen aus, v o n de r s z.e s p r c ch e n. Wie unkritisch die deutsche Oeffentlichkcit allen den Bestrebungen nach Ausrichtung einer Einheitssront der Sudeiendcutichen gegenüber- steht, dafür ist ein Beweis ein Artikel, der in! verschiedenen deutichcir Blättern erschienen ist und der mit dem Ruf beginnt:„Schluß mi: den Verhandlungen! Vorbelwlte parteipolitischer Art haben keine Berechtigung mehr." Das sei angeb lich der Schlachtruf der jungen Generation. Den j jungen Herren innerhalb der dentsch-bürgerltchen Parteien handelt es sich alio»ich: darum, eines Deutsche Volksfront mit einem fest nmrissenen Programm zu schassen, sondern sie will vor allem mit den Berlmudlnugen Schluß machen und das Kind taufen lassen, noch bevor es auf die Well gekommen ist. Daß die Partcigesta'tiing im deui- schen Volke ebenso wie in jedem anderen Volk — wenn nicht alles imer einem Diktator schmachtet— die Folge der sozialen Schichtung der Bevölkerung ist und daß man diese sozialen Schichtungen mit Beschwörungen nicht b-ssZtigen kann, so viel politische Bildung sollte die deutlch- bürgcvlichc Jugend haben. Schließlich ist noch ein Aufsatz Im„Teplitz- Schönauer Anzeiger" vom gestrigen Tage crtväh- nenswcrt, der von der Korrespondenz der Tcu'- fchen Arbcits- und Wirtschaftsgemeinschaft in Prag versandt ivird, und in welchem sich der Ver fasser dagegen, wendet, daß die Sozialdemokratie sich an dem zu schaffenden Volksrat nicht beteiligt. agc her, daß die Schaf- f Dazu ist vor allem festzustellen, bevor darüber ! der alle weiter geredet wird, daß kein Mensch au die deutsche Sozialdemolratie heranaetret«« ist, um sic auszufordcrn, sich an dem Volksrat zu beteilig«». ' Ilm allen Märchen, welche die dent'ch-bürgerlichen I Parteien für die Zukunft schon jetzt verfassen, l die Wahrheit entgegen,zuhal'en, sei also sestgcsielli, daß die deutsch-bLrgerlichen Partei«,, nicht di« geringste Anstrengung gemacht haben, um«inen , Bolksrat zu schaffen, in dein alle deutschen Par- 1 tcicn vertreten sind. * Getarnte Gleichschaltung Christlichsoziale solidarisch mit den Haken- Ireuzlern. Die deutschen Christlichsozialen scheinen entschlossen zu sein, auch weiterhin zwei Eisen im Feuer zu halten. Zwar hat am Mittwoch ihre ; Reichsparteileitung die Vollssront abgelehut und I sich damit begnügt, ihre Zuslimnlung zu dem etwas ungefährlicheren Volksrat zu geben. Damit glaubte sic die allzu große Nähe der Hakenkreuzler Em anderes Braunbuch Neben dem viclziticrten Braunbuch, das den nationalsozialistischen Terror in Deutsch- land und vllr allem den Göringschmt Reichstagsbrand schildert, soll ein anderes Braunbuch nicht übersehen werden, das von der österreichischen Regierung heransgegcben tvurde, eine anttlichc Veröffentlichung, außer einer Zusammenfassung der nationalsozialisti» schen Terrorakt« in Oesterreich auch eine Dc'klnncntensainnrlung über die Leitung dieser Aktionen dlirch die reichsdcutschc national' sozialistische Partei bringt. Zu der arroganten Rede, die der Aliszcn- tninistcr Freiherr von Neurath dieser Tage vor Vertretern der ausländischen Presse in Berlin hielt, sprach er anch von Oesterreich. Er smgte, mit welchem Rechte man cs denn international verteidigen wolle, wenn dir nationalsozialistische Betvegung in Oesterreich mit den Mitteln der Gewalt an der freien Entfaltung behindert werde. Das Brannbnch der österreichischen Regierung schildert, wcl- cher Art die„freie Entfaltung" war, die mit Gewalt unterdrückt wurde. Es zeigt auch ein paar Bilder der Wirkungen dieser„Bewegung": eine Aufnahme der zerfetzten Leiche des durch einen Bombenwurf ermordeten Juweliers Norbert Fntterwcit, i»> Blute schwimmend, dann eine Ausnahme seines durch das Bonibenattenigl zerstörten Geschäftes, Bilder de« demolierten Geschäftes der Firma„-Hak", Bilder, die an jette ans der „großen Zeit" cri.nncrn, nnd schließlich Bilder verschiedener nationalsozialistischer„Argu- mcnte": Ainmonilpatronen und verschiedene Sprengkörper. Von fünf Toten, drei Schwerverletzten und sicbcnnndzwanzig Leichtverletzten als Opfern der Entfaltung der nalionalsozialisli- schen Bewegung in Oesterreich berichtet das Braunbuch, von fünf Anschlägen auf politische Führer, von vielen Brandstiftungen, Bombenwürfen, Sabotageakten aller Art. Die Täter waren durchwegs Angehörige der nationalsozialistischen Partei(Hitlcrbcwegüng). Die Anschläge und Terrorakte sind auch ans das Eiitgreifeit und Mitwirken reiche-deutscher 'Nationalsozialisten zurückznsühren. Sic sind nach einem beslimmien Plane ausgcsühet worden. Es ist nichts Neues, was das österreichische amtliche Brannbnch berichtet. D.c nationalsozialistischen Terrorakte wurden von den Zeitungen gemeldet, auch über die Verbindung, die sehr enge Verbindung der österreichischen Nazi mit reichsdenlschen Partei stellen ist durch die Zeitungen genügend bekannt geworden. Wertvoll aber ist die Sammlung, die zusammenfassende Darstellung der nationalsozialistischen„Kan'psaklioncn", die das Brannbnch zu einem nalionalsozialistischeit „Heldenbnch" machen, freilich zu einem, an dein die Nazi keine große Freude haben dürf- len. Nicht etwa, daß ihr Gewissen erschüttert werden könnte! Den Nazi gilt ja die Ernior- dnng des politischen Gegners tvirklirh als Aktion, die alles Lobes wert ist. Aber die anderen, die Nichtnazi, können dnrch eine solche Darstellung anfgorüttelt werden. Es gibt ja doch noch Menschen, die eine Pariei, die sich durch Morde und Sabotageakte den Weg zur Macht erzwingen wollen, verabscheuen und von einer„Befreiung" dnrch Verbrecher nichts wissen wollen. Daß die österreichische nationalsozialistische Partei(Hitler-Bewegung) nur eine Untergruppe der reichsdenlschen Partei und Herrn Adolf Hitler Unterstellt war, gehl aus dein Brannbnch mit aller Tentlichkeil hervor. Die SA Oesterreich bildete unter Nr. 10 die Gruppe Oesterreich zwischen den Gruppen Ostmark nnd Pommern. Befehle nnd Anordnungen reichsdentscher Parteistcllcn wurden den österreichischen Organisationen übermittelt. Eine ganz« Anzahl erster Führer der Seite 2 Freitag, 29. September ISS». Nr. 228 österreichischen Nazi waren Reichsdeutsche! (Landesiilspektenr war der Ncichstagsabgcvrd- nete Habicht). , Hitler hat wiederholt erklärt, er sei der alleinige Führer der Partei, ohne sein Wissen und seinen Willen geschehe nichts in der Partei. Die österreichische Partei war ein Teil, ein Glied der Partei Hitlers! Der nationalsozialistische Kampf in Oesterreich kann nicht ohne Wissen, nicht gegen den Willen dcS „Führers" entfesselt worden sein! Wer wollte einzuwenden wagen, daß dieser Kampf in einer Reihe von Terrorakten bestand? War der Kampf des Nationalsozialismus in Deutschland etwas anderes? Wie sehr die nationalsozialistischen Parteien auf den Terror eingestellt sind, wie sehr er zu ihrem Alltagsgcbrauch zählt, zeigt ein im Braunbuch veröffentlichtes Formular für Monatsberichte der Bezirkswerbcleitungcn, in dem es heißt: 8. Tätigkeit tstatistisch). I. Eigene. a) größere Kundgebungen und Demonstra tionen b) öffentlich« Versammlungen uff. biS: ! Terrorakt« und Urbcrfälle und von wem ausgeh«nd Wer wagt da noch von„Verzweiflungstaten" oder von„Aktionen Unbesonnener" zu sprechen? Aufzeichnungen über einen Führcrrat, der in Linz tagte, verzeichnen folgende Beschlüsse: a) Kleiner Ztraßentcrror gegen alles Sckpvarzgclbc in Wort, Schrift und Bild, v) Sprengung aller Bcrsammlungcn und Besprechungen in dieser Richtung, c) Steigerung der seelischen Aufwühlnng bis zur Reife für „Alics", d) Aufforderung an alle Selbstmörder, sie sollen sich doch, wenn sie abfahren wollen, einen Heldentod suchen und ein paar Schuldige ihrer Not mitnehmen.„Bei gcschick- ter Aufmachung dieser Propaganda kann man die Personen, die d r a n k o m m e n sollen, schon richtig in den Vordergrund rücken." e) Sprengung von Gütertransporten, die zum Beispiel Wein und Jndustrieartikel beinhalten... Und der Außenminister des Hitlerreiches Nagt über die getvaltsame Unterdrückung der freien Entfaltung einer solchen Belvegung! Zlber:„Die Rcichsrcgierung denkt nicht daran, sich in die inncrpolitischen Verhältnisse Oesterreichs einzumischen". Auch das sagte Neurath. Mer— ist nicht im„totalen Staat" die Partei der Staat? Ist nicht der deutsche Reichskanzler zugleich der Häuptling der Partei? Weiß etwa der Reichskanzler nicht, was der Parteiführer hü? Als die nationalsoziali stische Partei in Oesterreich verboten worden war, schuft sie sich eine illegale Organisation. Zur Tarnung diente die„Gesellschaft für kulturelle Zusammenarbeit in Ost- und Südeuropa", geleitet von Dr. Herbert Schneider, die in direkter Verbindung mit dem Außenpolitischen Amt der Reichsparteilcitung der NSDAP in Berlin stand. Dieses Außenamt ist direkt Hitler unterstellt. Korrespondiert wurde auf dem Wege über— die Deutsche Gesandtschaft in Wien! Aber„der Reichsregic- rung liegt es ferne, sich in die inncrpolitischen Verhältnisse Oesterreichs eiznumischen". Sie— was ja gleichbedeutend ist mit der Partei Hitlers— hat bloß angenommen, Oesterreich so leicht erobern zu können wie Danzig, das unter wohlwollender Duldung des Völkerbundes„gleichgeschaltet" wurde. Und als es Widerstände gab, ließ eben— nicht die Reichsregierung, selbstverständlich nicht, wohl aber die Partei eine Terrorwellc los. Denn das ist doch ganz unzweifelhaft erwiesen, daß alles, was in Oesterreich geschah, von Deutschland a u s g e w o l l t und geleitet wurde. Die Politik der österreichischen Regierung, die dem ausländischen einen„bodenständigen" Faseismus cntgegenstcllt, muß an dieser Stelle aus der Betrachtung ansscheidcn. Hier handelt cS sich nur darum, an der Hand des österreichisches Braunbuches zu zeigen, daß die Terrorakte der österreichischen Nazis von Deutschland aus kommaftdiert nmrden, daß die österreichische Nazi-Pyrtei eine Untergruppe der reichsdeutschen tvar, daß der österreichische Nationalsozialismus geführt wurde und wird von Deutschland aus!. Und nach dieser Feststellung ist die Frage naheliegend, ob die anderen nationalsozialistischen Parteien, auch wenn sie nicht„Hiller- Bewegung" heißen und sehr lebhaft ihre organisatorische Selbständigkeit beteuern, von der NSDAP Deutschlands wirklich unabhängiger sind als die österreichischen Nazi? Wenn aber di«.deutsche Regierung di« Auseinandersetzung mit)er Iudensragc auf gesetzmäßi- gem Wege vornhin, so habe sic damit die h u- mauste und i.-halst« Methode gewählt (!). Nichts hätte dem Nationalsozialismus ferner gelegen, als ein« billige Rache zu üben. ES schein« unerträglich, daß die Behauptung, Mitglieder der deutschen Regierung hätten aus Parteigründen den Reichstag in Brand gesetzt, von einem Teil der Weltpresse übernommen wurde. Weiter führte Dr. Goebbels auS, nichts liege Deutschland ferner, als aus dem Nationalsozialismus einen gängigen Weltartikel zu machen. Er sei vielmehr eine typisch deutsche Erscheinung. Schließlich wandte sich der Nropaganoaminister gegen di« Behauptung, daß sich daS nationalsozialistische Deutschland mit kriegerischen Gelüsten trage. Es sei verletzend, wenn man die Begleitumstände der innerdeutschen Umwälzung als Argument gegen die Forderung der deutschen Sicherheit ausmünzen wolle. Deutschland wolle den Frieden und sei bereit, am Frieden Europas mitzuarbeiten. Beifall als Demonstration geilen Hltlerdeutsdilond Genf, 28. September.(HavaS.) DaS Ereignis deS gestrigen Tages war die Rede des Dundcs- kauzlcrs Dr. Dollfuß. Die Synrpathie, die derselben seitens des Dölkerbundplenums entgegengebracht wurde, wird als eine gegen Hitler- deutsch land gerichtete Spitze ausgelcgt. »Mm Mr die Demokratie in Oeslerreidi Paris, 28. September. Die Genfer Rede des österreichische» Bundeskanzlers Dollfuß wird in der Pariser Presse im ganzen sympathisch kommentiert. Di« Linksblätter verhalten sich zur Rede und zur Politik des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß ziemlich reserviert. Leon Blum lehnt die Politik Tollfuß im sozialistischen„Popiilaire" offen ab und schreibt, di« Diktatur und der Faseismus werden Oesterreich nicht retten, sondern im Gegenteil Deutschland ausliefern. Leon Bmm appelliert an Frankreich und an die Tschccho- llcwakci, gemeinsam an der Erhaltung der österreichischen demokratischen Republik zu arbeiten. Der naive DolllnD Paris, 28. September. Ter in Gens weilende Sonderberichterstatter des„Figaro" berichtet über eine Unterredung mit dem österreichischen Bundeskanzler Tr. Tollfuß. Tanach habe Tr. Tollfuß erklärt, er habe den Eindruck, daß seine Bemühungen, Oesterreich moralisch und materiell lebensfähig zu gestalten, endlich in Frankreich Verständnis fänden. Dieser seiner Politik entspreche auch die neuerliche Umbildung seines Kabinetts. Er müsse cs bedauern, daß cr sich von Hccrcsministcr Daugoin habe trennen müssen. Jin klebrigen sei die feindselige Einstellung der französischen Sozialisten gegen seine Regierung nicht zu begreifen. Die französischen Sozialisten müßten doch dic übereinstimmenden Interessen ihres Landes mit der Politik des jetzigen Kabinetts in Oesterreich begreife« und sich nicht nur von Partcisympathien leiten lassen. Hakenkreuz in aller Welt unbeliebt San Francisko, 28. September. Für die Feier eines„Deutschen Tages" verbot der Bürgermeister das Trageii und Anbringen des Hakenkreuzes, weil Zusammenstöße befürchtet werden. 8o schaffen sie„Arbeit und Brot“ Hochkonjunktur ihr Scharfrichter Goerlng richtet eine Henkersdinle ein Durch direkte Verfügung des preußischen Ministerpräsidenten wurden ü0 ausgesuchte SS- Lcute, dic zum großen Teil aus der„Abteilung zur besonderen Verwendung" stammen, zu einem „Schulungskurs für Exekutionen" abkommandiert. Ter Unterricht in diesem z. Zt. sehr aktuellen Thema wird von Beamten des preußischen Justizministeriums und der Gefängnisverwaltung in Plötzensee erteilt. Nach der neuen Hinrichtungsordnung, dic Goering erlassen hat, lvird cs in Zukunft drei Arten von amtlichen Tötungen in Nazi-Deutschland geben. Erstens Aufhängcn für politische Hochverräter, die auf freien Plätzen vor sich geht. Zweitens Erschießung für nationale Verbrecher. Diese Strafe gilt als ehrend! Drittens Köpfen mittels der Axt, was als Regel durchgeführt wird. Goebbels macht sich lächerlich Eine Rede vor der ousiandisdien Presse in Geni Goebbels, der gewiegte Propagandist und Großlügner der nationalen„Revolution", gibt augenblicklich in Genf eine Vorstellung. Wenn man ihm auch lassen muß, daß cr dic deutsche Volksseele und vor allem die Seele des deutschen Spießers kennt, so muß man doch sagen, daß er sich von der Geistigkeit und Gutgläubigkeit der anderen Völker, die lächerlichsten Vorstellungen macht. Die Propagandamethoden, dic in Deutschland verfingen, in Genf anwendcn zu wollen und noch dazu nach allein, was in Deutschland ge. schab, das beweist ein Maß von Dummheit, das wir Goebbels nicht zugetraut haben. Zu den„gelegentlichen Ucbcrgrisfcn unkontrollierbarer Elemente" gehört auch die Genfer Darstellung, dic Goebbels über dic Zilständc«m Tritten Reiche gab. In Deutschland muß man gute Miene zu seinen bösen Spielen machen, in der übrigen Welt darf man ihn verlachen und offen verachten. Dic einzelnen Bemerkungen, die Goebbels bei dem Genfer Pressccmpfang machte, bedürfen keines Kommentars; sie brauchen nur mit der deutschen Wirklichkeit konfrontiert zu werden. Berlin, 28. September. Das W o l f f b ü r o I meidet aus Gens: Reichspropagandaministcr Tok- Unter den Lehrern für diese Hcnkcrschule befinden sich u. a. Oberst Wecke, Leiter der Mteilnng zur besonderen Vertvendung, der amtliche preußische Scharfrichter Gröpler aus Magdeburg und Kriminalkommissar F ä h n- r i ch, der seit längerer Zeit das politische Sonderdezernat der zur besonderen Verwendung unter sich hat. Tie so ausgebildeten 50 SS-Männer werden als beaintctc Helfer den deutschen Scharfrichtern zugctcilt tverden. ES wird demnächst bei den erwarteten öffentlichen Hinrichtungen der Leipziger Angeklagten zum ersten Male ein Auftreten in der Ocffcntlichkeil dieser braunen Hen- keraspiranten erfolgen. tor Goebbels empfing heute die international« ausländische Presse, um, wie er sagte, angesichts dös Mißtrauens und der Ablehnung, welche der nationalsozialistische Staat vielfach m der Welt gefunden habe, wenigstens ein gewisses Verständnis für das zu wecken, was sich in Deutsch- land zugctragen habe. Ter Minister erklärte sodann, wie es in dem Bericht des Wolffbüros weiter heißt, die Auffassung, als habe die nationalsozialistische Bcwcguuq mit Gewalt und rücksichtslosem Terror die Macht an sich gerissen, um sie brutal gegen ihre innerpolitischcn Gegner auszunntzcu, entspreche nicht dem tatsächlichen Verlaus der Dinge(!), da die NSDAP legal in die Verantwortung berufen worden sei. Sie habe auch segal ihre Machtpositionen auSgcbaut. Volk und Negierung in Deutschland seien eins sh. Der Wille des Volkes sei der Wille der Regierung und umgekehrt. Ter moderne Staatsaufbau in Deutschland sei eine veredelte Art von Demokratie. Im übrigen stehe es jedem Ausländer frei, deutsche Konzentrationslager zu besuchen, um zu sehen, daß dort nicht Grausamkeit und Brutalität herrschen. Einer der am häu- figsten gegen das Hitlerdeutschland erhobenen Vorwürfe sei, daß seine Behandlung der I u- denfrage den Gesehen der Humanität zuwiderlaufe und daß sie deshalb in der ganzen Welt aus Verständnislosigkeit gestoßen sei. Ter Minister erklärte, cr stehe nicht an, offen zuzugeben, daß im Versauf der nationalen Revolution in Deutschland gelegentlich Uebergrissc seitens unkontrollierbarer Elcnicuir geschehen seien. 10 und der Komet «Ein abenteuerliches, modernes Märchen von Kurt Doberer Eben, als ich meine.Hand an daS Schloß drücken wollte, klangen drinnen einig« Schritt«. Kaum tvar ich zurückgeschnellt. da wurde schon geöffnet. Es war MataslaniS Sekretär, der Grieche mit dem langen Namen, den sic nur „Motti" nannten. Zuerst glaubte ich. ich hätte irgendein Signal berührt. Aber Moiti schien nichts.zu ahnen. Er trat einige Schritte'eilwärts, zog dort an einem.Hebel und trat dann zurück in das Zimmer. Es waren nur Sekunden geiveien, aber ich stand jetzt im Halbdunkel hinter dem schweren Bücherschrank des Arbeitszimmers. Nun hatte ich einige Augenblicke Zeit zum Nack)denkcn. Merktvürdig. wie zivccklos dieser Angriff mir itUN schien! Aber er mußt« gemacht n«erdcn. Meine Figuren waren in Gefahr. Mit seinem Rückzug mußte ich meinen Rückzug decken. Er niußte zurück oder dann würde ich eben schießen. Ich war nicht mehr io mordlustig wie noch Minuten vorher. Ich würde ei gemocht haben, wie«ine Sache, die eben gemacht werden muß. Es war ein schlechter Zug, jetzt anzugreifen. Wenn Matassani«in nervöser Spieler war und aufgab, dann mußte es knallen und ich hatte die Partie trotzdem verloren. Dann war mein einziger Entlastungszeuge erschossen und für die Welt war ein neuer Mord begangen. Es war ein verdammt schlechter Zug! - Müde uird abgeipannt saß Matassani vor feinem Schreibtisch. Im blauweißen Schein seiner Tischlcuchte sah«r doppelt bleich aus. Er war aufgerieben durch die Ereignisse. Matassani ivar eitel und maßlos ehrgeizig. Mutig war cr aber nicht. Er saß in seinen Sessel gekauert. Motti niußte sich durch Räuspern bemerkbar machen. Als Matassani aufblickt«, konnte ich seine Augen selten,, die so merkivürdig flackernd und unruhig. Kannte oder witterte cr dic Gefahr? Nun sprach er>'m Flüsterton:„Motti, haben Sie den Aufzug gesperrt?" „Er ist geschlossen, man kann ihn nicht benützen", sagte der. Tann blickt« Matassani, wieder aus seine Schreibtischplatte, als er weitersprach.„Motti, Sie gehen hinunter. Stellen Sie das Stromgitter ein. Ich werdc noch arbeiten." Vielleicht war Matassanis Gesicht mn einen Grad gespannter, als Motti di« Tür hinter sich geschlossen hatte. „Schach Matassani!" sagte ich, auS dem Schatten tretend. Vor mir l>attc ich dic kleine 'chWarze Maschinenpistole. Langsam und müde sah Matassani auf. Sein Ting schien ihm kein Glück gebracht zu haben— bei ihr. So abgespannt tvar er, daß er bei meinen Worten nicht einmal zusammen zuckte. • Aber als cr mich so stehen sah, schien ihn etwas froh zu machen. Er lächelte ironisch und, wie mir schien, auch etwas höhnisch.„Sie haben wohl heut« schon eine» Zug verloren, Douglas, vielleicht das Tamenschach?" „Die verfluchten Spionage-Apparate haben Sie wohl auch in den Zimmern Ihrer Frau?" zischte ich ihn an. Er war wieder in seinen Sessel zurückaesal- len und jedes Lächeln war auS seinem Gesicht verschwunden.„Sie halten.mich noch für schlechter'als ich bin, DvuglaS!" Und sonderbar, gerade in diesem Augenblick sah ich es, daß auch er Stahlmöbel hatte. Gerade so wie ich und wie alle, di« von ihrer Arbeit und für ihre Arbeit leben. Ich steckt« di« Pistole ein. „Sie schießcu nicht, ich habe es gewußt", sagte er.„Es tväre ein schlechter Zug für Sie gewesen, ein sehr schlechter Zug. und vielleicht Ihr letzter Zug.— Douglas, vielleicht kämpfe ich auch um Macht, um Ehr«. Aber ich glaub«, ich kämpf« doch nur um dies« Frau. Ich liabe sic nicht gewonnen und für Sic ist si« verschlossenes Land, auch wenn sie mit Ihnen ging«. Wollen wir weiter kämpfen?" Ich schwieg. Mir war diese Wendung so uncrivartct. Ich hatte Mißtrauen. Matassani Ivar in das alte Du gefallen, als cr weiter sprach.„Du spickst weiter, wenn ich dir ein« Chance geb«. Daß di« Schüsse mein Tod sind, na ja. Aber Sekunden später könntest dir den Schlüssel auf dicscm Taster nicht senden. Die Signale sind eingeschaltet. Du wärst gefangen wie eine Maus." Nun schien er mir wieder so schlecht und unsympathisch wie vorl>«r. Er feilschte.- „Wir spielen also weiter— Herr Matassani!" sagte ich laut. Dann ging ich. Er war ein cklicher Kerl und cr konnte mich jetzt in dir Falle setzen. Aber er lat es sonderbarer Weise nicht. Ich atmete tief, a!S ich durch die Glästürc auf di« Freitreppe trat. Meine Augen wanderten üb«r den im Mondlickit liegenden Park— Tiefschwarz standen die Tannen. Ein« Wie!« lag in graugrünem Licht. In den Bükchcn tanzten leuchtende Käser. In dieser Nacht sprangen '»rnn'-cn kur Durstige. - In dieser Lust schien alle Beherrschung zu zerbrechen. Ich preßt« die.Hände an die Stirn«. Nicht- m«hr denken— nichts mehr fühlen!— In diesem Augenblick fürchtete ich sie alle, die mich haßten und die mich liebten. Dort drüben auf dem harten Sand stand ein« graue Maschine. Jeder Hebel war mein Werkzeug. Jedes Rad wartete auf meinen Wink, nin das zu tun, wozu cs geschaffen ivckr. Ohne diesen fürchterlichen, unendlich großen, nncndlich kleinen Willen des Lebenden, war dies« Maschine. Ohne jeiicn Willen, der ohne Zweck und Logik, unvorausbcstimmbar durch das We'.t- geschehen rast. Dieser Wille, der höhnisch im Hasard seine Entschlüsse wirft— Schwarz— Weiß.— Schwarz. Ich ließ den Kopf hängen, als ich die Treppe hinabzuschreiten begann. Allein sein jetzt— nur allein! Die Hand an den Hebeln, hinausrascn — die Angen in das Dunkel gerichtet. Etwas ließ mich aufsehen. Vielleicht war cs ein Lairt, vielleicht ein Gedanke. Eine Frau saß aus dem Marmor in der Treppeunische. Es war Lilith. Ihr« Augen iahen mich au voll Qual. Sic waren schwarz und glänzend. Als ich Uieine-Hand heben wollt«, gehorchte sie mir nicht. Weder di« Sehnen nock) die Ner- vcik gehorchten meinem Willen. Mein Hirn schrie: Lilith— Lilith!' Doch meine Lippen bewegten sich nicht. Meine Zunge lag tot und schwer wie Blei im Munde. Ngr meine Füße— in schrecklichem Gleichmaß bewegten sich meine Füße. Sie waren nicht anzubalten. Ich wollt« schreien, aber ich konnte ja nicht. Mein« Augen bettelten: Lilith! Aber meine Füße schritten weiter. Dann war ich bei ihr. Ich wollte den Kopf ihr zuwendcn. als ich vorbciging. Aber meine Füße schritten weiter. Ms ich auf Saud trat, versuchte ich. mich umzntveuden. Jedoch mein Blut schien da stocken, dort zu kochen. Ich taumelte. Meine Hände faßten den Stamm einer Tanne. Mein.! Finger krallten sich in die Rinde. Mein« Stirne legte sich an das kühl« Holz. (Fortsetzung folgt.) Nr. 228 Freitag, 20. September 1933 Seite 3 Wesenheit in Leipzi WOW n Nichtgleichgeschaltete Zeugenaussagen— Der Untersuchungskommissär Heisig wird der Lüge bezichtigt Ter Arbeiter Bienge habe, als van der Lubbc bcstütigte, daß er„gerne mitmachen" würde, zu dem anwesenden Zachow gesagt:„Ter Junge ist gut, den können wir gebrauchen", und habe Lubbe bei Leite genommen; schließlich sei auch Zachow ihnen nachgcgangen. Zeuge habe ihnen noch gesagt: Euch juckt wohl da« Fell'? Der Zeuge behauptet, daß er den durch ihn belastete» Arbeitern Bienge und Zachow nickt scindlich gesinnt sei. Aus Anfragen Torglers stellt sich heraus, daß der Zeuge damals der d e u l s ch nationalen Partei augehört habe. Lubbe soll damals auch ausdrücklich»ach der„kommnni- jlijchen Zentrale" gefragt haben. Der schon genannte Arbeiter Zachow wird nicht vereidigt. Er erklärt, nicht Kommunist gewesen zu sein. Eine Einladung zu einer kommunistischen Autikriegolouserenz habe er nicht besolgt, weil seine Frau ihm gesagt hat:„Du bleibst zu Hause und gehst mir nicht hin!"(Heiterkeit.) Als ihm der Vorsitzende Vorhaltungen macht, daß er sich durch Aenderung seiner Aussagen verdächtig gemacht habe, erklärt der Zeuge weinend: „Herr hoher Rot! Ich bin nun schon genug gestraft, daß ich im Konzentrationslager bin! Er bleibt bei seiner Behauptung, daß er nie etwas von Brandstiftungen gesagt habe. Der Vorsitzende fragt, ob Lubbc etwas von„Revolution" gesagt habe. Zeuge: Herr hoher Rat! Davon hat er kein bißchen gesagt, s o n st wäre ich sofort weg. gegangen!(Heiterkeit.) Vom Reichstag habe niemand gesprochen, auch nicht vom Jnbrand- stecken öffentlicher Gebäude im allgemeinen, ebenso nicht davon, daß man SA-Leute mit Benzin tränken und anzünden solle. Vorsitzender: Können Sie das auf Ihren Eid nehmen: Zeuge: ,^)a. Den hätte ich auf den Mund gehauen, der so etwas gesagt hätte." Er sei niemals Mitglied der KPD gewesen, habe sie jedoch gewählt, weil„wir Arbeiter sind". Vorher sei er SPD- Wähler gewesen. Die Verhandlung wird dann auf Freitag vertagt. Amsterdam, 28. September.(Jnpreß): Zn der hiesigen Zeitung„De Tribun«" wird eine Erklärung des Hollander- van Albada veröffentlicht, in der es heißt: „Ter Bericht des Polizeikommissörs Heisig lautet: „Dan Albada ist zu der Uebcrzeugung gekom- men, daß van der Lubbe ein geeignetes Subjekt der Äominunistischcn Partei zur Durchführung besonderer Aktionen war. Die Partei hat van der Lubbe immer hervorgehoben, um selbst im Hintergrund zu bleiben, und van der Lubbc war immer so anständig, die Schuld aus sich zu nehmen. „Im Jahre 1931 wurde dem van. der Lubbe geraten, aus der Kommunistischen Partei ouSzu- treten. Es war Albada nicht bekannt, was schließlich geschehen sei, doch glaube er kaum, daß van der Lubbe dieser Einladung Folge geleistet habe. Dan der Lubbe mußte sozusagen„kaltgeslellt" werden. Aber die Gründe habe man nicht gewahr werden können." Ban Albada stellt u. a. dazu fest: „Ich bestreit« ausdrücklich, daß der Bericht des Heisig mit de« Informationen, die ihm von mir gegeben worden sind, übereinstlmmt." Prag, 28. September. Der heutige Prozeßtag brachte zwar keine Sensationen, immerhin aber einigen Ausschluß über dir Schwierigkeiten, in die die Prozeßsuhrung geraten ist. Die Unterhaltung über de» Reichstagsbrand selbst wird noch nicht aus die Tagesordnung gestellt, da mau der Zeugen noch nicht sicher zu sein scheint, die Uber die Zusammenhänge zwischen dem Brand und der KPD auösagen solle»,»nd weil vor allem die Vrrgist»rng Lübbes noch nicht so weit gediehen ist, daß jeder Zwischenfall anSgcschlosie» wäre. Auch das stereotype Ja und Rein des bedauernswerten Opfers kann für die Schuldigen verhängnisvoll werden, nm so mehr, als die bisherigen Aussagen Lubbe- Torgler und die KPD» um deretwillrn doch der Brand inszeniert wurde, stark e n t l a st e n. Selbst die frisierten Berichte des Wolssbüros enthalten grnugs des Bemerkenswerten. So auch der heutige Bericht über die Zeugeneinvernahmen. Da sagt ein tapferer Zeuge namens Pfeifer aus, daß er dem Lubbe die Zugehörigkeit zur KPD nie glaubte, Lubbe habe sie auch nie bewiesen. Der gleichgeschaltete Zeuge Panknin, der auf dem Kölner Arbeitsamt mit Lubbe geredet haben will, nimn>t nur an, daß«in Buch, das ihm Lubbe gezeigt hat, ein Mitgliedsbuch der KPD gewesen sei,„weil es rot war" und weil der Lubbe vorher über seine Zugehörigkeit zur KPD geredet Hobe. Wenn einer der Zeugen nichts anderes aussagen kann, als daß in einer Ecke seines Schlafzimmer«— kein Mensch hat es gesehn!— ein Brand auSgebro. chen sei, ohne daß di« vorgesetzte Behörde der Sach« ein« Bedeutung bciaemessen hat, so tvird offenbar, wie schlecht konstruiert da« Lügengebäude ist, das um die Reichstagübrandstistung errichtet wurde. Ist doch allein schon die Tatsache ausfallend, daß van der Lubbe, der kurze Zeit vor der Brandstiftung im Reichstag herumgeründelt haben soll, diese Bersnche mit dem lächerlichsten Ungeschick dnrchführte» während ihm am 27. Feber ein wahres Meisterwerk gelang. Dieser Umstand scheint nur den« Leipziger Gericht nicht auffallen zu wollen, nm so mehr fällt er aber dem Ausland auf. In diesem Zusammenhang gewinnt der Hinweis de« Untersuchungsvogts auf die nichtprotokolliert« Aussage des Lubbe neue Bedeutung, daß eben auch die anderen sagen mögen, wa« sie gemacht haben. Hat die gestrige Aussage de« Bogt und die Feststellung des Angeklagten Dimitroff die Brutalität und das Verbrecherische der Unter- suchungSmethodeu aufgezeigt, so läßt die Enthül- lnna über die Zeugenaussage des Kriminalkommissars Heitzig keinen Zweifel mehr üb«r die «lend« Rolle der amtlichen Zeugen: sie sind Organe der eigentlichen Brandstifter, sie schalten die Wahrheit gleich. Mit dem Erfolg, daß sie die Weltmeinnng erst recht gegen die Leipziger Justizkomödie aufbringen. Die Verhandlung vor dem Reichsgericht drehte sich auch heute den ganzen Tag unr das Gespräch zwischen van der Lubbe und einigen Kommunisten am 20. Feber vor dem Neuköllner Arbeitsamt, bei dem die angebliche Aeußerung eines der Teilnehmero rafch geschmolzen tvar, nachdem die ehemaligen®f» sinnmlgsgcnosscn sich von der Gruppe Marquct» Rcnaudel ostentativ trennten, und der Wider» slaudswille der gesamten Partei gegen jeden Spaltungsversuch sichtbar wurde, bliebe dieser Gruppe kein anderer Weg, als der des Rückzugs übrig. In den letzten Wochen haben Marquet und seine Gruppe ihre grundsätzlickx Opposition, ihr Verlangen nach einer nenen Doktrin nicht nrehr so energisch verfochten. Ter Ton>>ai sich wesentlich geändert. Bor allem aber: sie versuchten sich nunmehr auf«ine Art zu verteidigen, die zu einer Entspannung des ParteskonfliktS fuhren mußte. Sie wandten sich an die Inter- nationale, mit einem an Vuidcrvelde und Adler gerichteten Bries. Zu diesen) Brief wiesen Mar- quet, Döat und Renaudel auf die Gefahren des französischen Parteikonflikt- hin, protestierten gegen das vor dem ParieianSschuß(Eonceil Rational) eingeleilele Verfahren und betonten ihre Treue gegenüber Ser Internationale:„Wir gehören innerlich zur Internationale und fühlen uns in Ücbereinstimniung mit ihr." Run, dieser schritt war sicher nicht ganz konsequent, aber er Hal doch erleichternd und entspannend gewirkt. Er tvar sick>er nich: konsequent: denn die Vertreter der Rechlsoppositionellen habe» ihren„uatsona- len" Standpunkt bel-arrlich betont und warfen der Partei ihren„übertriebenen,Julernolionalts- mus" vor. Auf dem Pariser Partei ag kam von dieser Seite das gefährliche Wort, daß di« Internationale nur„ein Rat der Gespenster" sei. Jetzt wenden sich die Vertreter dieses„nationalen Sozialismus" in der französischen Partei eben an diese J-ntcrnationalc. Wie dein auch sei, vieler Appell bedeutete, daß die Rechte bereit ist, die Internationale alS die höchste Instanz in den Fragen der Politik und der inneren Auseinandersetzungen innerhalb der sozialistischen Parteieu an- zuerkcnnen. Die Anerkennung der Souveränität, der Schiedsrichterstellung der Internationale ist mit der Theorie eines„nationalen Sozialismus" kaum zu vereinbaren, aber es tvar allerdings eine heilsame Inkonsequenz. Marquet und Renaudel wenden sich an Banderbelde rind Adler, die beide auf der Pariser Konferenz der Internationale die Theorien der französischen Rechten ausdrücklich ablehnten. Bon dem Artgenblick ab, wo die Rechte die Internationale als Schlichter anruft, ist in der französischen Partei nicht nur das Gespenst der Spaltung gebannt, sondern auch die Gefahr einer Absplitterung vorlänsig beseitigt. Der unbedingt« und kouipromitzloie Wille der Masseie zur Parleieinheit l>al sich dnrchgejehi. Die Auslöschung oder jedenfalls di« Lokalisierung des Parleikvuflikts ist für den französischen Sozialismus von grundsätzlicher historischer Bedeutung. Die jüngste Rebellion der Rechten ist aus der Parlamentsfraktion gekommen. Die bnrgerlick)« Rechte, die aus die Spailun,, des sranzösisck)«» Sozialismus spekulierte, ist über dies« Wandlung inr Parteistreit sehr bestürzt. Herr Te-Kcrilis, die schärfste Feder des französischen Antimarxismus, schreib: n>e>ancholisch von Riarquets und Renaudels Gang nach Kanossa, lind auch der Ministerpräsident Taladicr, der Anfang September Sonderkonferenzen mit Marquet und Renaudel ablsiclt, sicht jetzt seine Hoffnungen dahiuschwindcu. Er hofft« in» Falle der Spaltung achtzig sozialistisck)« Abgeordnete für sich gewinnen zu können und jetzt sind cs nur 28, die hinter Marquet und Renaudel stehen. Wenn Daladier iozialistische Unterstützung erhalten will, so wird er sich an die Oiesamtpartei, so wird er sich an Löon Blum wenden müssen. Seite 4 Freitag,**fl. September 1933 Nr. 228 Die Hunnen provozieren! Tschechoslowakische Aerzte sollen den Nachweis über ihre arische Großmutter erbringen. Bestellte Maßnahme? An einige, im Reichenberger Gebiet praktizierende Acrzle, die auch für die Dresdener Bahn- betriebskrantcilkassc tätig sind, da viele reichsdeutsche Eisenbahner, die bei der Bahn Zittau— Reichenbcrg beschäftigt sind, in der Tfchechoslowa- kei wohnen, kam im Bormonat, Ivie der Reichenberger„Freigeist" niittcilt, folgende Zuschrift: Dresden, 2. August 1933. Herrn Dr. mcd. L. A- in C£:H. Die Verhältnisse zwischen den Ltosscnärzlen und den yrankentossen sind im Deutschen Reiche durch reichegefetztiche Maßnohnien grundsätzlich neu geregelt worden. Diese Neuregelung bedingt, daß wir auch mit unsere» in der Tschechoslowakei Wohnhasten.Kassenärzten neue Verträge obschliehen. Bevor wir mit Ihnen hierüber in Verhandlung treten, ersuchen wir Sie ergebcnst, di« beiliegende Erklärung unterschriftlich zu vollziehen und unS bis spätestens 28. August zurückzuseudcn. sollte es Ihnen nicht möglich sein, die Erklärung zu unterschreiben, so kündigen wir Ihnen hiemit den mit Ihnen abgeschlossenen Vertrag über Ihre Bestellung als.tlassenarztdergestalt, daß das derzeitige BertragSverhält- nis mit dem 31. Dezember 1933 erlischt. Vorstand der ReichsbahnbetriebSlrankenkoss« Dresden. Unterschrift unleserlich. Tic brigclcgtc Erklärung lautet: Ich erkläre hiemit an Eideostatt, daß ich deutsch-arischer Abstammung bin und daß auch meine Eltern und Großeltern deutsch-arisch waren, bzw. sind. Weiters versichere ich, daß ich streng nationaler Gesinnung bin und mich niemals an marxistischen Bestrebungen aktiv beteiligt habe. Diese Anwendung eines der Schandgesetze Hitlcrdentschlaudü für tschechoslowakische Staatsbürger stellt die größte Gemeinheit dar, die sich eine Amtsstrllc deS Tritte» Reiches bisher geleistet hat. Man darf daher von der zuständigen Behörde der Republik wohl ertvartrn, daß sie auf diese Zumutung iu entsprechender Weise antworten wird, selbst dann, wenn sich Herausstellen sollte, daß diese Aktion von Anhängern der Glcichschaltnng des sudelendeutschcn Gebietes verlangt worden ist. AnMaMWe Msienkund- gebunoen in Schlesien Die durch den gemeinen Mord an Professor Theodor Lessing deutlicher denn je sichtbar gewordene fasristische Gefahr hat auch unsere Partei in Schlesien veranlaßt, Pro'cstversammlnngen einzubernfen. Zn W u r b c n i h a l, Jägern- darf und M ähr.» O st r a u, wo sic vom 23. bis 27. dS. ftattfanden, referierte Genosse Paul aus Prag, in T r o v p a n tvird am 29. ds. in einer Kundgebung Genosse Abg. Heger sprechen. Tie Versammlungen wiesen einen Massen- bestick» auf. In Würbenthal vermochte der Saal die über 600 erschienenen Arbeiter und Arbeiterinnen kaum zn fassen, in Iägcrndors war der geräumige Saal des Arbeiterheims samt Galerie mit mehr als 1100 Beinchcrn besetz:. In Mähr.- Osträn herrschte im Saal des Polnischen Hauses, wo ein großer Teil der Vcriammlnngsbefuchcr stehen mußte und viele überhaupt keiuen Einlaß »kehr sanden, ein beängstigendes Gedränge. T'e Ausführungen des Genossen P a u l, der in wirkungsvoller Weise die braune Pest geißelte, fanden stürmische Zustimmung und wurden oft durch AuSrusc leidenschaftlicher Empörung unterbrochen. Die in kleiner Zahl erschienenen Gegner waren recht kleinlatit und wagten nich: einmal gegen unsere Protestresolution zu stimmen. Nur in Mähr.-Oslrau suhlte sich ei» 2ka;ijü»gling veranlaßt,„Heil Jung";>l rufen. Daß er von den empörten Arbeitern in gebührender Weise blitzschnell an die Luft gesetzt wurde, ist selbstverständlich. Zum Fall„Bohemia" berichtet die„Prager Presse": Tic Polizei hat die mit den.hausdiirchsilchu»gen in der Redaktion der„Bobcnna" und in den PrivalwohnuNgcu einiger Redakteure und Funktionäre deS Blattes verbundenen Arbeiten abgeschlossen und das Akteninaterial, die llutcrsnchnngsprotokolle und kie Protokolle mit den verhörten Personen dem Untersuchungsrichter Dr. Falths übergeben, der vor der Ausgabe stehl, die Hintergründe des bekannten Brieses des Redakteurs Kauder an den Verlagsdirektor Dr. Pohl festzustellen. Sofern di« Polizei vom Untersuchungsrichter leine wei- tcren Weisungen erhält, ist die Voruntersuchung des ganzen Falles, dessen Abschluß die politische Ocffeutlichkcil mit gespanntem Interesse cut- gcgensieht. abgeschlossen und die Staatsanwaltschaft wird darüber zu entscheiden haben, ob niit den in die Affäre vcrwirkelten Per- spnen weitere Verhöre staltfinden sollen oder das gegen sic schwebende Verfahren eingestellt wird. Dr. FalthS führte auch die Untersuchung gegen die vom Abgeordnetenhauic!m Frühjahr ausge- liescrten vier Abgordneten der deutschen nationalsozialistischen Partei, von welchen zwei in Unter- luchnngshast gesetzt, später aber gegen Erlag einer Kaution auf freien Fuß gesetzt wurden. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Samstag. Prag: 11.00 Schallplattcn. 18.15 Schallplatte». 11.50 Konzert. 18.80 Deutsche Sendung: Dr. Krcttner: Rom, europäische Hauptstädte.— Brünn: 12.35 Millagskonzert. 17.-15 Schallplattcn. 18.25 Deutsche 2 endun g: Volkslied in Südinahren. — Men: 15.10 Zitherkonzert. 19.85 Vertraute Opcrnmelodicn. 21.50 Abendkonzcrt.— Heilsberg: 16.00 Unterhaltungskonzert.— Breslau: 20.10 Freut euch des Lebens.— Mühlacker: 11.50 Lalalaika- Ronzert,■ Der Tod auf der Eisenbahn. ein Streckenwärter verhütet Eisenbahnunglück. Aus Podcrsam wird uns geschrieben: In der Nacht auf gestern, kurz nach 8 Uhr, fuhr daS Personenauto des AntowcrkstaltcnbesitzcrS in Lüben; bei Luditz Reinhold Starck in die Eisenbahnschranken bei der Kreuzung der Straße von Podcrsam nach Rudig. Ter durch den Chauffeur des AutnS verschuldete Zwischenfall hatte dank der Geistesgegenwart des dort dicnsthabcn- den jungen StreckenwächterS keine tragischen Folgen, dem cs im letzten Augenblick gelang, den soeben hcransahrcndcn Pcrsoncnzug aus Poder- fam zum Halten zu bringen. Der Zug blieb 30 Meter vor d e m A n t o m o b i l stehen, das die Schranken durchbrochen hatte und stark beschädigt war. Verletzt wurde niemand. Noch Beseitigung der Trümmer der Schranken und Trotz Roosevelfplan immer noth elf Millionen Arbeitslose! New Aork, 28. September. sRcuter.) Trotz dem Sinken der Arbcitslosenzohl im Monate August um 800.000, verbleiben zum 1. September in Amerika noch immer 11 Millionen Arbeitslose. Der Kamp! um Ule Ostdilnabalin Moskau, 28. September. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet aus Charbin: Der Direktor der Ostchinabohn Rudy ernannte an Stelle der von den mandschurischen Behörden verhafteten Abteilungsleiter dieser Bahn provisorisch andere Sowjetbürger. Ter Bizedircktor der ostchincsischen Eisenbahn Tschangmintsche forderte daraufhin kategorisch, auf die Posten der Verhafteten als ihre Stellvertreter ihre chinesischen Gehilfen zu ernennen. Rudy erlvidcrtc, er verfahre gemäß den geltenden Bestimmungen. Tschangmintsche erklärte, daß hierauf weitere ernste Maßnahmen erfolgen würden, worauf Rudy erwiderte, diese Drohungen bestätigten lediglich die Pläne der mandschurischen Behörden, doch solange er Direktor der Oftchiim-Bahn sei, werde er gemäß den geltenden Bestimmungen Verfahren. Der Generalkonsul der Sowjetunion in Charbin Slawutski verlangte die sofortige Befreiung der Verhafteten und stellte fest, die Handlungsweise des mandschurischen Teiles der Bohndircktion bestätige, daß die Berhaftungcn lediglich dem Zwecke dienten, die sowjetrussischcn 'Abteilungsleiter zu beseitigen und sic durch Mandschuren zu ersetzen, Was den Versuch der Besitzergreifung der Bahn bedeute. Nord auf Mord... Und wieder:„Auf der Flucht—" Aus Essen wird von einer neuen Bluttat der braunen Mörder berichtet. Ter Arbeiter Bergin a n n ist„auf der Flucht" erschossen worden. Bergmann war verhaftet und, so berichten die amtlichen Lügner, bei dem Versuch zu fliehen, kurz vor der Einlieferung in die SA-Kaserne nicdcrgcknallt worden. In Wahrheit wurde Bergmann, wie ja so viele andere, kaltblütig und»ach vorbedachtem Plan umgebracht. Bergmann, der sich durch seine aufrechte oppositionelle Haltung bei den braunen Bluthunden unbeliebt gemacht hatte, sollte eigentlich nur eine„kalke'Abreibung" in den Folterkammern der SA empfangen. Ta diese Mißhandlungen jedoch stets ruchbar werden, beschlossen die Unnienschen, ganze Arbeit zu mack)e» und den verhaßten Gegner„auf der Flucht" zu erledigen. In einer dunklen Seitenstraße wurde der Meuchelmord anSgeführt. Das blutige Verbrechen hat im ganzen Bezirk größte Empörung unter den Massen ausgelöst. Kein Mensch glaubt den anitlichen Lügenbullelins. Ausländer, Fremd« sinds zumeist... Das österreichische Unterrichtsministerium hat an die Rektorat« aller österreichischen Hochlchulen eine Anordnung ergehen lassen, wonach die Namen aller ausländischen Sliidcnicn, die sich immatrikulieren lassen wollen, der Polizeibehörde be- kanntzugcbelr sind. Di« Polizei soll dann ermitteln, ob sich unter diesen Studierenden leine staatsfeindlichen Elemente befinden. Dieser Erlaß wird danrit begründet, daß die Anführer bei den Hochschulkrawallcn im vorigen Scmestcr ausländische Studenten gewesen sein sollen. provisorischer Reparatur des AutoS konnte sowohl dieses als auch der Zug die Fahrt fortsetzen. Danzig, 28. September. Ein nach Gdingen bestimmter G ü t c r z» g geriet heute morgens gegen 4 Uhr auf der Strecke zwischen Danzig und Langfuhr auf ein falsches Geleise und fuhr auf einen Prellbock auf. Ter erste Güterwagen schob sich auf die Maschine, vier andere entgleisten und stürzten um. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurde der Heizer getötet und drei B c d i c n st e t c s ch w e r verletzt. Di-' Ursache des Unglück- ist noch nicht bekannt, doch liegt allem Anscheine nach falsche W-^henstellung vor. lilMlllllMMWillllllMlilMllltllillllNMlillllNItINllllMlMilllllllllllle..» T agesneuigkeiten Grobfeuer in Rixdors. Anr Donnerstag, gegen halb 3 Uhr früh, kam aus bisher unbekannter Ursache im Lagerschupfen des Holzhändlers Friedrich im Niedcrdorsc ein Feuer zum Ausbruck;e, das in den lagernden großen Holzvorräke» reichliche Nahrung fand und das Objekt in kurzer fjeit einäscherte. Durch den starken Funkcnflug wurde auch das zirka 150 Meter von der Brandstelle entfenrt liegende Anwesen des Landwirtes R e:- n i s ch in Brand gesetzt und vernichtet. Vorerst stand die mit Stroh gedeckte Scheuer in Flammen, die dann auch das Wohnhaus irnd ein daneben liegendes kleines.Häuschei« in Asche legterr. Keffelerploston in einer Zuckerfabrik. Sofia, 28. September. In der dem Konzern der Anglo-tschechoslowakischen und Prager Kredit- bank gehörenden tschechoslowakischen Zuckerfabrik in Gorna£ncchovicc erfolgte in der vergangenen Nacht ein« Kcsselexplosion. Die Explosion wurde durch eine falsche Manipulation des Heizer« verursacht, der aus der Stelle getötet tourdc. Weitere zwei Angestellte wurden in hoffnungslosem Zustand ins Krairkenhcus gebracht. Alle drei sind Bulgaren. Ter Materialschaden ist nicht groß. Der Erfolg des Braunbuchs. Bafel, 27. September.(Inprcß.) Wie wir erfahren, erscheint jetzt in Prag die vierte deutsche Ausgabe des„Braunbuchs"(35—10.000). In London erscheint di« dritte Auslage(25.000). Die holländische Ausgabe kommt am 7. Oktober heraus, doch liegen heute schon 25.000 Vorbestellungen vor, darunter 2000 aus den holländischen Kolonien. Weiter erschienen ist eine tschechische und eine französische Ausgabe; die polnisch«, dänische, schwedische, spanische, finnische und außerdem eine jiddische Ausgabe befinden sich in Vorbereitung. Für Amerika ist eine besondere Ausgabe in einem der größten amerikanischen Berlage vorgesehen. Eine bcsonde.-c Rolle spielt das Braunbuch im Leipziger Reichstagsbrandprozeß.„Paris Midi" schreibt dazu:„W'r müssen entschieden scststellen, daß der Prozeß uni das Braunbuch, Pardon, der Prozeß über den Reichstagsbrand, als vollkommene Niete zn enden droht." Reue Erdstöße in Italien. Rom, 28. September. H«utc nachts wiederholten sich um 2 llhr in-er gesamten Provinz AbrnzM die Erdstöße, doch waren sie von geringerer Heftigkeit. Das Erdbeben dauerte zehn Sekunden. In der Stadt C h i« t i und in ihrer Umgebung sind mehrere Häuser, die bereits durch die früheren Erdbeben beschädigt tvordeit lvaren, znsamnrcngestürzt. Todesopfer sind nicht zu beklagen. Den Personen, die hierdurch obdachlos wurden, sind lofort mehrere hundert neue Zelte zugesandt worden. Hingerichtet. Braunschweig, 28. September. Heute um 7 Uhr 30 früh wurde im Hof-es Kreisgesäng» nisscs der 19 Jahre alle Waller S cha f ra n zk i aus Groß-Rhiidcn hingerichtel. Schasranzki hatte int Mai d. I. den 27 Jähre alten Krastwagen- führcr Bosse ans'-r Landstraße ermordet unberaubt. Der Wirtshausentzug. Ter Landrat des Kreises Duisburg hat einen ganz witzigen Einfall gehabt! Um der zunehnrenden„defai- tistischen" Stininnlng der Bevölkerung entgegen,zntreten, hat er angcordnct, daß staatsfeindliche Miesmacher, die die Unverschämtheit besitzen, die braune Tchandwirtschast nicht mit Herz und Hand zu akzeptieren, nach einem kurzen„aufklärcnden" Aufenthalt im Konzentrationslager mit der filrchtbaren Strafe der —- Wirtshausentzichung vernichtet werden sollen. Diesen Individuen, denen die notwei^- dige gleichgeschaltete Begeisterung fehlt, droht ein Wirtshausverbot von mindestens einem Jahr. Die braunen Bonzen, von denen die meisten notorische Säufer sind, scheinen eine derartige Strafe als eine besonder« teuflische Sühne, anzusehcn, gegen die selbst die Schrek- kcn ihrer Konzcntrationslagerhöllen zu einem Kommunist«nsührer Torgler wird im Reichstagsbrand-Prozeß vernommen. llllNIlllllllllllllllllllWllllllllllllllllllWIIllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Nichts verblassen. Halten sie vielleicht die deutsche Schande für so niedcrdrückend, daß sie von Leuten, die Charakter und Gefühl für Sauberkeit besitzen, nur noch im Suff zu ertragen ist? Bon diefem Gesichtspunkt aus gesehen, wäre allerdings der Wirtshausentzug eine Strafe von scU'st für nationalsozialistische Pcrspckiiven ungewöhnlicher Grausamkeit! D>e tschechischen Nationalsozialisten gründen einen Hörerverband. 21m Freitag fand in Prag di« konstituierend« Versammlung der tichechischcn Amateurgenicinde statt. Als Vorsitzender wurde Abgeordneter Hatina gewählt. Sein Stellvertreter ist Dr. E. Syrovü und Schriftführer Red. I. Tanda(„ktcske Slovo"). Wahrscheinliches Wetter heute: Aliöauer» des im ganzen günstigen und bei Tage ziemlich warmen Wetters. Im Westtcil der Republik zeitweise mäßig bewölkt und in den Morgenstunden stellenweise Talncbcl. W e t t c r a u s s i ch t« n für Samstag: Ohne wesentliche Blenderung. Rossrnkunde— Pslichtgegenstand. Ter Nach.Üul- tuSminister Rust kündigte j»-einer ausführlichen Rede über di«'Arbeiten des preußischen Kultusministeriums seit der nationalen Erhebung u. a. an, daß in Zukunft Rassenlund« und Brrcrbungslebre zum Prüfungsfach an gewissen Mitlelschnlrn gemäht und das n«unte Schuljahr, besser gesagt„Land jahr", einzcsührt werden sollen. Ich rette Graz für Oesterreich. Von Fred Ferr. Bor dem Telegranunschaller eines großen Postamtes in Norddcutschland. Ich habe sehr wenig Zeil und warte ungcdul» big, bis die Reihe an mir ist. Endlich ist cs jo weit. Ich reiche mein Telegramm, das an einen Freund in Graz gerichtet ist, dem Beamten. Ter macht geruhsam seine Zählslrichc unter die einzelne» Tcxtwortc und rechnet. Er ist ein Mann vog etwa vierzig Jahren; sicht ans wie tausende norddeutscher Postbeamte wahrscheinlich auch aussehen. Das Gesicht verrät weder überragende Intelligenz noch das Gegenteil. Ter Mann ist sicher ebenso wenig ein Grübler wie ein stumpfsinnig Dahnklebcuder. Mit seiner schon ziemlich großen Glatze, den wohlgcrun- dctc», gut gefärbte» Wange» und dem etwas zu vollen Schnurrbarl stellt er einen guten Typ des deutschen kleinen Beamten dar. Ich Halle in der Hand Geld bereit. Schon will ich den Betrag, den mir der Beamte nennt, hinlcgen. Ta stutze ich. Ganz nnmöglich! Das Telegramm konnte so viel nicht kosten! Ich sage cs ihm. Aber mein Herr, bekomine ich zur Antwort, der Betrag stimmt auf den Pfennig! Sie vergessen: Jugoslawischer Tarif! Wie, rufe ich ganz empört, jugoslawischer Tarif? Graz gehört doch zu Oesterreich! Ja, erklärt mir der Beanit« freundlich, das war einmal; bis zum Fricdensvcrtrag. Hentc aber ist Graz jugoslawisch. Ich versuche cs nochmals: Ich bitte Sie um alles in der Welt, Graz ist doch die Hauptstadt deS österreichischen Bundeslandes Steiermark. Wie kann die Stadt zu Jugostawien gehören! Ter Friedens- Vertrag hat Graz ganz unberührt gelassen! Nun wird er auch ärgerlich: Ich muß als Postbeamter doch wissen, zu welchen! Lande Graz gehört! Entweder bezahlen Tie jetzt die Telegrammgebühr oder Sie nehmen Ihr Telegramm zurück... Ich wußte nicht, sollte ich lachen oder den Mann vor niir begraben. JedeiifallS hatte ich gar kein« Zeit dazu, die Diskussion noch lange sortzusetzcn. Wisse» Sie, sagte ich darum zu dem beamteten Geographen und Historiker, jetzt ist mir die Sache zu bunt. Ich gebe Ihnen zwei Minuten Zeit, Graz, daS Sie für Jugoslawien annektiert haben, feierlich an Oesterreich zurückzugebcn. Lassen Sie die Frist ablaufcn, ohne meine Forderung zu erfiillen, so werde ich mich sofort an Ihren Vorsteher wende«, damit er Oesterreich zu seinem Rechte verhelfe Ich zog meine Uhr heraus. Der Beamte blättert« in seinen Behelfsbüchcrn und bruminclt« bann: No ja. Graz gehört doch zu Oesterreich. So rettete ich Graz sür Oesterreich, Nr. 228 Freitag, SV. Septemoer ivm Stift 5 Van der Lubbe? Kein, aber ein Herr, über den Aufschluß gibt das Arbeiteriahrbuch 1934 Die soziologisdie Fenliiion der HiWMaliir und Otto Strassers Theorie einer permanenten natlonalsozialisilsdien Revolution Otto Strasscrü kleine Broschüre„Tic zweite Revolution marschiert" enthält, wie schon in dem ersten Artikel, der sich mit ihr anseinandersetzte, bemerkt wird, soviel TisknssionSstosf, daß dieser notwendig gegliedert werden muß, will man zu einer Klärung der aufgetvorfcncn Fragen und damit zu einer gerechten, aber auch illuswnslosen Beurteilung der Schwarzen Front und der Chancen der Zweiten Revolution in Deutschland gelangen. Kürzlich wurde der Nach- wcis versucht, daß Strassers These vom Hitler- Regime als der„Gironde" der deutschen Revolution rin schlecht gewählter und;u Trugschlüssen verführender historischer Vergleich ist. Ta die deutsche Geschichtsepoche, die mit Hitlers Machtantritt beginnt, nicht der französischen von 1769 bis 1815 gleichznsctzen, sondern die bürgerliche Revolution in Teutschlaud ein Prozeß ist, der sich über ein Jahrhundert erstreckt und im Nationalsozialismus seine Endphase erlebt, kann man daS Hitlcrrcgimc so wenig mit der Gironde wie die Schwarze Front mit den Jakobinern vergleichen. Wir behaupteten vielmehr: wenn hier ein Vergleich möglich ist. dann ist der Ratio- n a l s o z i a l i s m n S die j a k o b i n i sch c Endphase der bürgerliche» Revolution in Tcntschland, ans die nur die mehr minder offene Reaktion in Gestalt einer bonapartistischen Monarchie oder einer Militärdiktatur, oder aber eine ganz neue Revolution folgen kann. Für Deutschland ist, weil die proletarische Revolution seit Jahrzehnten aus der Tagesordnung feiner Geschichte steht, dies die Entwicklung, für welche die größere Wahrscheinlichkeit spricht. Tic Proletarische Revolution kann aber nicht einfach die Fortsetzung des Tritten Reichs, nicht die Verwirklichung des„R ationalso- z i a l i s m u S" sein, sondern sie wird mit ihm den Kanipf auf Tod und Leben austragen müssen. Obwohl Otto Strasser dort, wo er von dem Ucbergang der Hitlerdiktatur in die wahrhaft revolutionäre und national- s o z i a l i st i s ch e Phase der Bewegung spricht, nicht ganz klar wird, muß man annchmen, daß er sich den Ucbergang so vorstellt, daß vielleicht Hitler selbst, jcocn- falls aber eine Reihe bedeutender Repräsentanten, sich den geänderten Verhältnissen anpassen und den Nebergang zur Revolution in eigener Person vollziehen werden. Otto Strasser nennt Hitler den„Kork der Revolution"(der immer oben schwimmt und den Barometerstand der Massenstimmung anzcigts, er zitiert Göbbels als den„F o u ch 6" der deutschen Revolution, der sämtliche Entwicklungsstadicn mitmachen wird. Das alles wäre denkbar, wenn cs sich hie: um einen permanenten revolutionäre» Prozeß handeln würde. Es ist unvorstellbar für jeden, der den Sprung von der Hitlcrschen Schein- Revolution zur zweiten, proletarisch-sozialistischen Revolution als oen Sprung über einen historischen Abgrund ztvischcn zwei Epochen begreift. Zwei Momente erschweren allerdings das Verständnis der Erscheinungen: die bürgerlich-' Revolution in Deutschland ist viel mehr als es die französische war, überschnitten von der proletarischen, so also, daß schon seit 18-18 gewisse Phasen der bürgerlichen Revolution von proletarischen Schichten getragen und mit proletarisch sozialistischen Ideologien getränkt sind. Tics gil« auch für den Nationalsozialismus. Taruni kann er nut zu leicht als die erste Phase einer proletarischen Revolution mißverstanden wert»». Und zweitens ist im Ablauf der bürgerlichen Revolution Deutschlands die jakobinische Hitlerdiktatur selbstverständlich gegenüber der girondistischen Republik ein geschichtlicher Fortschritt, also der höhere Grad der Revolution. Nur der proletarische Betrachter kann die Hitlerdiktatur als wirklich„reaktionär" empfinden, nur vom Mer WoGen Gefängnis. Hier der Bericht einer jungen Derkäu- serin, den wir aus Deutschland erhalten haben. Mr bringen ihn nicht nur, weit er ein originales Dokument ist, sondern auch in der Formulierung die Präzision einer sozialen Kurzgeschichte erreicht. Das kleine Lebensmittelgeschäft war mir der Spiegel der Volksmeinung. Tie Frauen der Arbeiter, Angestellten und kleinen Beamten waren unsere Kunden. Solange in Deutschland jeder sogen durfte, tvas er dachte, konnte ich wie an einem Thermometer ablesen, mit welcher Geschwindigkeit die politischen Leidenschaften sielen oder stiegen. „Es muß ander« werden..." klagten die Frauen der Beamten,— und Hermann Müller wurde gestürzt. „Es muß anders werden..." stöhnten die Frauen der Angestellten, und Brüning fiel. „So geht es nicht mehr weiter..." jammer, len alle,— und Popen und Schlcick-er gingen und Hitler kam. Aber der Feber, der März, April und Mai waren verstrichen, ohne daß es besser geworden tvar. Die Löhne und Gehälter sanken, die Preise stiegen, die Arbeitslosigkeit blieb. Um den Bauern zu helfen, führte Hitler den Fcttplan durch. Die Preise für Butter und Margarine schnellten in die Höhe, und mit ihnen meine Kunden, „Frollein, sind Sie verrückt oder sind wir eS? Die billigste Margarine kostet statt 4.8 Pfennige 84? DaS ist ja mehr als Wucher! Anzeigen muß man das!... bestrafen... henken...!" ES war toll! „Aber meine Damen! Denken Sie doch bitte daran: es ist das der Wille des Führers!" beschwichtigte ich. Die Not traf mich kleine und schlecht bezahlte Berkäuserin nicht minder schwer. Aber hatte ich vor den Wahlen nicht deutlich genug gewarnt? Damals sagten mir meine Ku»den mitleidig: „Frollein, Sie sind eine Rote!" Und jetzt war ich die Zähmende! Aber haben Sie schon einmal versucht, den Frauen unserer Kleinbürger mit BernunftS- Standpunkt der sozialistischen Revolution aus ist sie wirkliche Reaktion. Insofern die Weimarer Republik die größere Möglichkeit der proletarischen Emanzipation bot, ist das Dritte Reich natürlich auch gegenüber Weimar reaktionär. Sofern jedoch die Weimarer Republik bloß bürgerlich-liberaler Staat war, bedeutet die gegenwärtige Phase eben einen Schritt in-der Richtung der bürgerlichen Revolution, den letzten, den sie gehen kann, ehe sie sich überschlagen muß. Die Funktion der Hitlerdiktatur ist die Sicherung der brüchigen kapitalistischen Ordnung mit neuen, im Sinne der bürgerlichen Revolution „revolutionären" Mitteln. Der Nationalsozialismus ist eine plebejeische, gewaltige Masscnkräste entfesselnde Bewegung zur Aufrechterhaltung der bürgerlichen Gesellschaft. Daß er nicht schlechthin Reaktion ist, muß selbstverständlich immer wieder 'betont werden. Es ist aufs stärkste in der Broschüre des Genossen I r l e n„Marx gegen Hitler" hcrvorgehoben. Aber die Z i e l s e tz u n g des Nationalsozialismus war doch von allem Anfang und für den Marxisten niemals vcrkcnnbar ka p i t a l i st i s ch, also in unserem Sinne reaktionär. Die„Schwarze Front", die eine Zeit lang mit Hitler marschiert ist und an ihn geglaubt Hat, mag dieses Charakteristikum des Nationalsozialismus verkennen, w i r haben nicht nötig zu korrigieren, was wir vor Jahren schon erkannt halten, daß auch der radikalste„Sozialismus", den Hitler verhieß, noch getarnter Kapitalismus und im besten Fall kleinbürgerlicher Scheinsozialismus war. Natürlich sind die proletarischen und ein Teil der kleinbürgerlichen Elc- mente im Nationalsozialismus von dem Ergebnis enttäuscht. Aber die Brechung der Zinsknechtschaft und die Sperrung der Warenhäuser, die ihnen Hitler und Feder schuldig geblieben sind, waren noch lange kein Sozialismus, auch wenn sie nicht einfach ein demagogischer Köder, sondern ein ernstes Projekt gewesen wären! Die jakobinische Republik muß die Versprechungen der bürgerlichen Revolution derart radikal übersteigern, daß die Nichterfüllung notwendig eine Masse Enttäuschter schasst. So auch haben Nobespierre und St. Just die Massen der halbproletarischen Pariser Kleinbürger und die Bauern enttäuscht und ails die Dauer ihren Hunger nicht mit dem Blut der Guillotinierten stillen können. AnS der Enttäuschung der französischen Bauern und Kleinbürger über das Versagen der Jakobiner wnrd- das Kaisertum Napoleons geboren. Ans der Enttäuschung der geprellten Nationalsozialisten könnte Nichts anderes georen werden: Militärdiktatur oder Monarchie. Aber wenn die deutsche Arbeiterklasse die Fahne der proletarischen Revolution gegen Hitler erhebt, dann wird sich die Masie der Enttäuschten ihr anschließen, dann wird auS dem Versagen deS Dritten Reichs di« sozialistische Republik geboren werden. Am deutlichsten wird die Schwäche der Otto Strasierschen Thesen wo er ein ganz konkretes Ereignis, den Sturz Hugenbergs, zu werten versucht. Er sieht in ihr zwar keinen gewollten Shsteinwechsel, ober gründen beiznkommcn? Nein! Na, dann schweigen Sie! Wenn in Deutschland eine Frau auf eine Preiserhöhung mit einem Seufzer antwortet, ist cs eine Arbeiterfrau; erhält die Verkäuferin einen Blick, der wie ein Dolch trifft und dazu em bösartiges Knurren, ist es die Frau eines Angestellten; gibt es jedoch eine Schimpferei mit anzüglichen Beleidigungen, dann ist es bestimmt eine Beamtensgattin. Also tröstete ich hier, redete ich da und verteidigte ich niich dort. Es war nicht iminer leicht; denn die Preise kletterten weiter. Immerhin: bis zu jenen» verhängnisvollen Abend behielt ich meine Geduld. Doch da kam die Frau Rechnungsrat, die mit dem talergroßen.Hakenkreuz,— wie ein Meer wogender Empörung, wie ein feuerspeiender Krater' >LVaS ist das? 92 Pfennige für das Pfund Margarine? Höre ich recht von meinem Mädchen? Sie unverschämte Person Sie!... Sie jüdische Bettel!... Sie... Sie!" Da schnappte sie über und ich konnte schnell sagen:„Mer hören Sic mal! Nicht ich, sondern Sie wollten es doch so haben! Haben Sie den Hitler gewählt oder ich? Haben Sie die Nazis unterstützt oder ich? Bedanken Sic sich bei Hitler, aber schimpfen Sie jetzt nicht auf mich!... Haben Sie nicht geholfen...?" Weiter kam ich nicht mehr. Der Krater explodierte!—„Sie rote S..! Tas sollen Sie büßen...! Meinen Führer beleidigen Sie?" Na, tvaS soll ich noch erzählen, Nicht einmal eine volle Stunde später war ich vcrhastel, acht Tage später stand ich vor dem Schncllrichter. Die kleine Zeitungsnotiz, die es berichtete, ist wohl bekannt? „Wegen abfälliger Bemerkungen über den Kanzler Hitler ist die Berkäuserin Erna zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden. Strafmildernd erachtete das Gericht die Jugend und die bisherige Unbescholtenheit der Angeklagten." die Ersetzung eines soliden und starken Jchuy. dammes des Kapitalismus durch einen-unsoliden und schwachen Schutzdamm des Kapitalismus, der dem Trängen der sozialistischen Flut diel weniger Widerstand leisten kann und leisten wird, als der alt«! Strasier spricht den Feder, Schmitt und Darrö den Willen zu, das Erbe Hugenbergs zu Vertvalten, aber— meint er—„ihnen mangelt die Fähigkeit, es zu tun". Ihre bloße Ernennung ändere den kapitalistischen Kurs, den si: selbst nicht ändern wollen. Noch sind die Motive, die zum Sturz Hugenbergs führten, nicht restlos aufgeklärt. Sicher bestanden sie zum Teil in dem demagogischen Bestreben Hitlers, den Wölfen der zweiten Revolution, von denen er sich gehetz: fühlt, einen Bisfen hinznwerfen. Aber wahrscheinlich war das stärkere Motiv einfach die Tendenz der Diktatur, sich gegen die Eventualität eines Staatsstreichs der Harzburger Biindesgenossen zu sichern. Unter Ehrenniännern, die mit fingierten Attentaten, Provokationen, erfundenen Fliegerangriffen, Brandstiftung und Fememorden arbeiten, muß die Anwesenheit von Outsidern beängstigend genug wirken. Ganz, sicher aber hat Otto Strasser Unrecht, wenn er Hugenberg als den solideren, Schmitt als den weniger verläßlichen Schutzdamm des Kapitalismus ansieht. So wahr Marat oder Nobespierre gegen Babeuf ein besserer Schutz tvaren als Bergniaud oder Mirabeau, so wahr Cromwell die Levellers eher schlagen konnte als Essex und.Hampden, so wahr ist Gottfried Feder für den deutschen Kapitalismus eine bessere Garantie als Hupen b e r g. Tas wird klari wenn man nicht wie Otto Strasser übersieht, daß doch im selben Moment, da Hugenberg ging, Thhssen zum Wirl- schaftsdiktatör bernsen und in den Wirtschastsral durchgängig geeichte Kapitalisten ernannt wurden! Der Hitlerdiktatur wohnt nicht die Tendenz zum Sozialismus, sondern di« zur Verstärkung orS kapitalistischen Drucks inne. Sie wird sich nicht organisch zu einer sozialistischen Revolution weiterentwickeln, sondern zum Feudalkapital i s m» S. Sie wird nicht ihre kapitalistischen, sondern ihre scheinsozialistschen Ideologien abstreifen, nicht ihr kapitalistisches, sondern ihr kleinbürgerlichen Programm verraten. Sie wird dadurch die Voraussetzungen einer proletarischen Revolution schaffen, in die die Flügelgruppe der Schwarzen Front eine große Rolle spielen wird. Aber nie und nintmer wird die Ziveite Revolution als einfaches EntwicklungSstadinm einer gewissermaßen permanenten nationalsoziasistischeii Revolution kommen. Die deutschen Besitzklassen wußten, waS sie taten, als sie Hiller die Staatsmacht auSIieferten. Nicht sie, sondern die plebejische Gefolgschaft sind die Geprellten. In der Richtung, die ihr Thyssen, Hugenberg und der Herrenklub gegeben haben, wird die nationalsozialistische„Revolution" zu Ende laufen. Boni Standpunkt der Arbeiterklasse aus wird diese Richtung nie anders als reaktionär erscheinen. Nicht, indem wir in den Zug einsteigen, der dem Abgrund zurast, werden wir zum sozialistischen Deutschland kommen, sondern indem wir den Strom der Revolution entfesseln, der uns Iraaen wird. E. F. Zwiüel'Rnale. Dr. Bracht, der Vater des Zwickels, ist gestorben. Ein diskretes leises Lächeln Hat uns all« jetzt am Wickel, Schluß istü mit dem vielen Hecheln, Neber den berühmten Zwickel! Wir war Deutschland so gemütlich. Als der Zwickel«S noch zwackr», Als man dort noch schirdlich-friedlich Urgroßvater« Nüsse knackt«! Wieviel Verse, schnell grnickelt. Konnte man dem Zwickel widme». Mancher hot sich satt gezwickelt An bezahlleu Zwickel-Rhythmen—. Nun, da di» Sadisten toben, Und die braunen Hnnnen retten. Möchte man den Bracht saft loben— Ja, da« waren Zwicket-Zeiten! Oe». iiiin!iiiiiiiiiiitiiiiiiiiiitiiiniiiimiiiniiiimiiniiimriiiitiiiiiitinii[iiiiiiiiiintmiiiiiiniitiiiimmnimii War braucht die haut? Sie muß atmen können.— Kranke Haut— kranker Mensch.— Ein dankbares Organ. Der Mensch kann nich: aus seiner Han: heraus, sagt der VolkSmund. Es liegt eine tiefe Wahrheit in diesem Ausspruch, denn der Mensch ist von seiner-Haut und ihrer Besckwffenheit vollkommen abhängig. Wir wisien, daß bei Verbrennung eines Drittels der Haut der Mensch unrettbar sterben muß. während man ihm eine Niere oder die halbe Lunge Wegoperieren kann und er trotzdem ein hohes Alter erreicht. Auch wenn nur die Atmung der Haut unterbunden wird, tritt der Tod ein, wie eS der Fall war, al« bei einer Revue ein junges Mädchen, das als Bronzestatue auftreten sollte, ganz mit Bron^ bestrichen wurde. Sie starb einen quallvvllen Erstickungstod, ehe man ihr Hilfe dringen konnte. Durch diese Fälle wird auch die Allgemeinheit lauf die einschneidende Bedeutung der-Haut für Gesundheit und Leben deS Menschen aufmerksam. Die-Haut hat ja eine Unmenge von Funkt-o- j nen zu erfüllen. Sie bildet zunächst den Abschluß ! des gesamten Körpers gegen die Außenwelt unschützt die unter ihr gelegenen Organe und Gewebe gegen sck)ädigendc Einflüsse. Ferner befindet sich in der-Haut ein sehr feinverzweigteS Nervennetz, das alle Vorgänge in und auf der-Haut Ni:! Blitzesschnelle dem Großhirn mitteilt, so daß von dort aus Maßnahmen getroffen werden können. Man kann das alles selber beobachten: bei Kälte ziehen sich die Poren zum Schutz zusammen, bei Hitze öffnen sie sich weit, um eine größ.re Verdunstung und Wärmeabgabe zu ermöglichen. Durch dw-Haut wird auch die Blutvertei- lung zum Teil geregelt und dadurch das Her; entlastet. Bor allem aber ist die Haut auch als Atmungsorgan anzusehen; sie nimmt gleich den Lungen Sauerstoff auf und scheidet Kohlensäure ans, aber nicht nur Kohlensäure, sondern auch alle möglichen Stoffwechselschlacken, Tatze und Gase, die, wenn sie in einem Uebermaß vorhanden sind, im Körper wie Gifte wirken würden. Der Haut sollte also jeder Mensch eigentlich sein Hauptaugeilmerk zuwenden, denn eine kraule Haut ist enttveder schon das Zeichen eines kranken Organismus oder sie wird ihn ganz sicher nach einiger Zeit krank machen. Was aber braucht die-Haut zu ihrem Wohlbefinden? Licht, Luft und Sauberkeit. Tas sind sehr einfache Dinge, die jeder ermöglichen kann. Die rein, sonnenlichtgesättigte, sanerstossreiche Lust ist die beste Nahrung für die-Haut, deshalb sind Sonnenbäder so vorteilhaft und sollten von niemandem vernachlässigt werden. Denn der immer bekleidete Körper vermag die Unreinheiten nicht richtig abzusloßen, die Poren verstopfen sich, damit wird die Atmung geschädigt, und es treten allerlei Beschwerden auf. Wenigstens>ede Woche einmal sollte warm gebadet werden, da- mit die Poren sich gründlich reinigen. Wenn man dent Wasser Fichtennadelextrakt oder ein Badesalz zusetzt, hilft man die wohltuende Wirkung steigern. Das gründliche Frottieren des Körpers ist ebenfalls ein wichtiges Hilfsmittel zur-Hautpflege. Wer sehr empfindlich ist und keine täglichen Bollwaschuugen vornehmen kann, sollte diese durch Abreibungen des ganzen Körpers mit einem Frottiertuch ersetzen. Man erzielt dadurch eine kräftige und gleichmäßige Durchblutbng der -Haut, deren Funktionen auf diese Weise erleichtert werden. Auch wird die Blntverteilung im ganzen Körper geregelt und gefordert. Dreimal in der Wvckie sollte man den Körper mit einem guten Hautöl(Pflanzenöl) kräftig massieren und die einzelnen Muskelpartien richtig durchkneten. Tas überflüssige Oel ist dann mit einem Holdschaber zu entfernen. Auf diese Weise werden die Poren gesäubert. Sehr bald wird man den wohltätigen Einfluß einer solchen gründlichen-Hautpflege verspüren und wird es nicht bereuen, etwas Zeit hierauf verwendet zi« haben. Unsere Widerstandskraft gegen alle äußeren Einflüsse wird steigen, vor allem aber tverden auch Stimmung und UnternehmuiigSliiß sich heben. Die Haut ist eins der dankbarsten Organe, die wir haben: sie vergilt uns reichlich, was wir ihr antun. - 5 Dr, W. G. Erna W.... WWWWMMWWWWWIMWKMMMWMMMMAMMMMMMMMMM Sille« Freitag, 29. September 1933 Nr. 278 Gtrafvokzug ln China. In keinem Lande der Weit gibt es wohl mehr Kriege, Aufruhr und Ausstände, als in dem großen China. Die inneren Kämpfe im Reiche der Mitte, infolge der politischen Gegensätze, so weit man bei den Chinesen hiervon überhaupt reden kann, haben eigentlich noch nie aufgehört. Unzufriedenheit mit den allgemeinen' Zu ständen, Notstände, Stammessehdcn, Bildung von Räuberbanden auf der einen Leite, Uebergriffc, Schwäche der Beamten, Unzulänglichkeit der Hccresmacht, große Ausdehnung des Rcichegebictes, unrubige Grenznachbarn, halb oder ganz unabhängige irin- geborene aus der anderen Seile, geben unaufhörlich Anlaß zu Unruhen, Bald rebelliert die eine Regierung, bald die andere, bald erhebt sich dies« Provinz, bald jene. Ein Gouverneur befehdet den anderen und ein General zieht mit seinen Truppen gegen den anderen zu Felde. Plün- denrng, Brandschatzung sind an der Tagesordnung. Die Unsicherheit im Lande wächst von Tag zu Tag.. Gelegentliche imlitarische Hilf« gegen das Bandenunwesen und eine summarische Aburtci- lultg der Verbrecher durch Erschießen nach den .Kriegsrcchten, vermag nur vorübergehend abschreckend zu wirken. Auch die Zivilbehörden mit chvcm grausamen Strafvollzilg stehen diesem Unwesen machtlos gegenüber. Der beinahe schrankenlose Fatalismus des Chinesen, die Gleichgül- tigtcil gegenüber scinvercn Strafen, dem Tode und allem, was hiermit zusammenlsiingt, läßt ein« Hemmung, ein Gefühl der Furcht vor dci> Gerichten, bei diesen Verbrechern kaum aufkommen. Um sich ein Bild von den grausamen Strafen und dren Vollzug in China machen zu kön- ilcn, muß nian zunächst wissen, daß cs dort Gefängnis- oder Zuchthausstrafen»ach unseren Begriffen nicht gibl. Die unvollkommene Ein- richtuitg der Gerichchöfe läßt, außer für kurze Haft in ihnen oder auf den Polizcistationen, derartige Stmfen nicht zu, da es besonders größere Gebäude zum Zwecke der Verbüßung von Freiheitsstrafen nicht gibt. Die gesetzmäßigen Strafen sind ursprünglich folgende: 1. I« nach der Größe der Schuld 10, 20, 30, 40, 50 Hiebe niit dem leichten Bambus, welche zu 4, 5, 10, 20 Hieben ermäßigt werden können. 2. 60, 70, 80, 90, 100 Hiebe, ernräßigl zu 20, 2ö, 35, 40 mit dem schweren Bambus. 3. Derbannung aus 1. 1%, 2, 2'/a und 3 Jähren, wo neben auf 60, 70, 80, 90, 100 Hiebe — ermäßigt wie oben zu 2— und Geldstrafe erkannt werden kann. 4. Verbannung auf Lebenszeit neben Geldstrafe und 100 Hieben— gilt als Gnadenerweis hei verwirkter Todesstrafe. 5...Todesstrafe, und zlvor die mildeste, dir durch den Strang, da keine Zerstückelung statt- firrdet, als schwere Enthauptung, und als schwerste die langsame Todesstrafe. Di« MandscAr— neben den drei hauptsächlichsten Böltergruppen Chinas, den Mongolen, Tcbetanern und Miaotse, die das große Reich eigentlich beherrschende Rasse, die zu der Völkergruppe der Altaier, den Tunguscn, gehört— werden statt mit dem Bambns mit der Peitsche bestraft. Statt bet Verbannung haben sic 20, 25, 30, 35, 40, 45, 50, 55, 60 65 70, 80 oder 90 Tage den Halsklotz zu tragen. Ter-Halsklotz(kia) ist ein Gestell dessen Bretter um den vale des Verbrechers zusammengeschlossen werden, er ist etwas länger als breit, und hindert den Träger, die-Hände zum Kops zu führen. Tas Gcivicht beträgt 25 kiu(l kiu- 601 Gramm, also rund 80 Pfund). Ter Holzklotz ist eine an nnscren ehemalige» Pranger erinnernde Vorrichtung. Einbrecher werden> B. an dem Qrte der Tat hockcud, mit untergcschlagcnen Beinen, auf die Knie niedergelassen oder stehend vom Morgen bis zum Eintritt der Dunkelheit vor der Öffentlichkeit unter polizeilicher Bewachung ausgestellt. Ramen und Verbrech?» sind auf dem Klotze zu lesen. Die Prügelstrafe wird mit dem leichten oder schweren Bambus oder mit der Peitsche vorge- nommcn. Die Bambus sind flache Stäbe und haben eine Breite von 1 bis 2 tsun(1 sun- 3.18 Ztm), eine Länge von 5'2 Fuß(chinesisch) und «in Gewicht von 1.5 bis 2 kiu(0.9 bis 1.2 Kg.). Die Pcitscl-e besteht aus mehreren zusammengeflochtenen Lederriemen, nach Art unserer militärischen Fahrerpeitschcn. Bei der Prügelstrafe wird der Pcrnriciltc auf den Leib gelegt, an-Händen und Füßen gefesselt und die Schläge treffen das Gefäß. Eine andere Art von Züchtigung besteht darin, daß die Wangen des vor dem Richter knienden Gefangenen mit einem Lederriemen geschlagen werden. Durch Bestechung der Gerichtsdiener kann die Wucht der Schläge gemildert werden. Die mildeste Todcostrasr, das Erdrosseln (kiao) geschieht durch Zusainmendrchen eines Stranges, welel)er um den Hals des Verbrechers gelegt und durch em Loch gezogen ist, das sich in Halshöl-e in dem Pfahl befindet, an dem der Dc- linqent gefesselt ist. Die schwere Tagcsstraf«, das Enthaupten ttschan) geschieht mit dem Richtschwert. Unter diesem Richtschwert darf man sich nun nicht ein Werkzeilg vorstellen, wie es bei uns zu diesem traurigen Zweck Verwendung findet, ein fein poliertes, haarscharfes Stahlinstrumcnt, nein, das chinesische Richtschwert hat die Form eines unbeholfenen Krummsäbels, ist über dovpelt so breit wie unser Kavalleriesäbel, hergcstelli aus dem einfachsten Schmiedeeisen, dem man auf dein.Handschleifstein eine mehr als zweifelhafte Scharfe gegeben hat. Die schwerste, die langsame Todesstrafe (ling thschi) wird durch Enthauptung nach vorheriger Verstümmelung bewirkt. Blenden, Abschneiden von Ohren und Rase usw.— Alle Prügel- und Verbannungsstrafen von 1 bis 3 Jahren können durch Geldstrafen ersetzt werden, wenn der Uebeltäter das 15. Lebensjahr noch nicht-erreicht oder das 70. Jahr überschritten hat, ferner bei Blinden oder eines Gliedes Beraubter. Im Fall« der Todesstrafe sind das 10. und das 80. Jahr die Grenze. Auch der Folter bedient man sich noch in China bei hartnäckigem Leugnen der Angefchul- digten. Dieses darf jedoch gegen die vorstehend durch gesetzliche Bcstimmungen Begünstigten nicht angetvandt werden. Bei der Folter unterscheidet man gesetzlich zwei Arten, das Quetschen der Finger mit kleinen Bambusstäben und das Quetschen der Knöchel zwischen drei Stäben, die oben zusammen gedroht werden. Außerdem gibt cs aber eine Reihe von eigentlich unerlaubten Folterarten. Knien auf Ketten und Glassplittern, Aufhängen an den-Händen und Fußen, allerlei Gerüste, in denen der Betreffende in der unbequemsten Lageoder Stellung zu verharren genötigt ist, namentlich int Käfig(tschan-lung), aus dem nur der Kopf hcrvorsiebt, und in dem der Angcschnldiate auf den Zehen stehen muß, nm sich nicht selost durch sein eigenes Gewicht ztt crivürgcn, die .Heißtvasserschlangcn(lschang-thang-schö), mit hei- Geriditssaat Raubüverlall aul dem„heiligen Berg". Beute 8k 22.50— Strafe: 3 Jahre schweren Kerker«. Prag, 26.-September. Bor dem heutigen Schwurgerichc war der 33jährige Chauffeur Karl 0« r n y aus PV1 bram des Per brechens des Raubes angeklagt. Raub bedeutet im Stirn« unseres Strafgesetzes die gewalttätige Aireigirung fremden Gutes. Tas Hanptgewichl bei der Definierung dieses Tatbestandes liegt aus dem Wort„Gewalt". Am 4. Juni d. I. ging Fräulein Marie Duna gegen Abend in den Anlagen des„Heiligen Berges" spazierrn, als plötzlich em hochgewachseuer blonder Mann ihr in den Weg sprang, ohne weitere Red« ihr Handtäschchen packte und mit diesem ver- schwindcn wollte. Die Eigentümerin wehrt« sich be- grerflicherweis«, worauf der Attentäter sie zu würgen begann. Schließlich gelang es ihtn. seinem Lchfer die Handtasche zu entreißen: da dos Fräulein aber den Griff sest uncklamnrert hielt, blieb ihr dieser in der Hand. Di« Beul« des Räubers war genug- fügig. I« dem Täschchen befand sich außer einem Paar Handschuhen nur ein Hausschlüssel und Ks 22.50 in bar. Die Untersuchung der Gendarmerie führte:n kürzester Zeit aüi di« Spur des Täters, der auch gar keinen Versuch machte, die Tat in Abrede zu stellen. Er versuchte nur, sein« Tat mit schlechtem Verdi e n st zu entschuldigen. Nun liegen aber dokumentarische Beweis« vor, daß sein« Frau sich lange vor dieser Tot über die Trunk- und Verschwendungssucht ihres Gatten beklagt hat. Tic Leumundsnota bezeichnet denn auch tatsächlich de» Angeklagten als starken Alkoholiker. Bei der heutigen Verhandlung kamen allerhand unschöne Dinge ans der Vergangenheit des Angeklagten zum Vorschein, die wohl kaum geeignet tvaren, ihn vor den Geschworenen in ein günstiges Licht zu stellen. Dies«'bejahten di« Schuldfragt' mit acht Stimmen, woraus der SchwurgerichlS- hosn Stabhochsprung ein« Höhe von 2.89 Meter und gewann auch noch andere Bewerbe. Er holte sich die Laufbewerbe über 899 Meter in 2:11.7 und über 1500 Meter in l:39, sowie den W e i t s p r u n g mit 3.88 Meter. Gegen den Alkohol! Der Arbeiterabjti- neutenbunü in Oesterreich veranstaltet vom 16. bis 23. Oktober eine Kantpsivoche gegen den Alkohol. An dieser Kampagne beteiligen sich auch die Arbcitersportler, die sich sofort zur Vcrfügung stellten. Am 1. Oktober wird eine 8 1 it» desjugendkonferenz der Arbeiterabstinenten ebgehalten, die das genaue Programm der Kampswoche gegen den Alkohol ausarbeiten wird! UrgarDdier Sport. Ueberraschung im Oubilänmsturnicr der Slavio. Gestern war Fortsetzung und Schluß dieses Turniers, das für die Slavia nicht jtibi-läumsmäßig ausgefallen ist Nach ihrem lttappen Sieg am Vortag über Vienna mußte sie gestern von Ujpest eine verdiente Niederlage von 1:3(1:2) ei»necken. Die Ludaposter zeigten ein schönes und taktisch richtiges Spiel, waren sehr schußfrcu-dig und ihr bester Mann war Szabo am Flügal, mit tont die Tlavia- Mamtschast ihre liebe Not hatte. Bei der Slavia war der Sturm ein« glatte Niete, das Hals stand des öfteren dem raschen Stellungsspicl der Ungarn ralloS gegenüber und der Verteidigung merkt man das Alter an. PlaniLka hat wieder drei Tore Pas. sicren lassen müssen— der Nimbus der llwbezwing- lichtkeit sch>uiiu-cl zusehends. Erfreulich war die korrekte Leitung des Schiedsrichters, wie überhaupt dieses Spiel sich wohltuend abhob von der Minderwertigkeit der andern.— 2m Vorspiel standen sich Vienna und Sparta gegenüber. Sparta gewann mit 3:2(2:11; spielte unnütz hart und als die Wiener gegen Schluß ebenso anfingen, wurde einer von ihnen ausgeschlossen. Lebensgefährlich war das Spiel des Spartaners Kloe, deut auch der Tor« mann der Wiener, der übrigens kein„Meister" feines Fachs ist, zum Opfer siel uttd eine Zeit lang pausieren mußte. Die Wiener spielten ohne Gschtveidl, für ihn wirkte Hadelt(TFC. Prag) mit negativen Erfolg. Der Schiedsrichter war das Gegenteil von seinem Kollegen im zweiten Spiele.— 2n der großen Pause war Para-deausmavsch aller Abteilungen der Slavia, Reden usw. Da die Eintrittspreise wahrscheinlich wegen der großen" Regie„mäßig" erhöht waren, wird als Übriges Jubllänmsgoschenk ein Defizit nicht anSgoblieben sein. Mitropa-Cup-Konserenz ist fällig! Am 21. Okto- ber soll in Budapest wieder eine Konferenz vom Cup von Mitteleuropa abgehallen werden Bei dieser Tagung soll der Protest von Ambrosia na gegen die Verifizierung res Mitropacup- jinalsptelcs behandelt werden. Die Italiener vcr -langen eine Annnllierung uttd Nenanstragung mwwwmmwwwwwvwvmmammmmmmmmmmmmiwimmm PRAGER IEITIJIWi. An unsere Postbezieher! Der heutige« Nummer liegt«in Erlagschein zu« Bezahlung der BczugSgebühr bei. Wir machen besonders daraus aufmerksam, daß dl« Einzahlung unter demselben Namen geleistet werden muß, unter welchem der Versand der Zeitungen erfolgt. Die LezugSgebühr ist am Kops des Blattes ersichtlich und ist stets im vorhinein zu entrichte«. Der Abonnementbeltrag muh spätestens bis zum 18. eines leben Monates in unserem vesttze sei«. Wir ersuchen Sie, dies zu berück» sichtigen, damit keine Unterbrechung In der Zu- ftellung des Blattes«intritt. Die Verwalt n n g. des Endspieles! Ebenfalls in Budapest wird über die Besetzung des Sekretärpostenr, acn derzeit Hugo Meist, der angeblich„amtsmüde" ist, einnimmt, gesprochen werden. Kunst undUJissen Wochenspielplan deS Neuen deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr:„Wilhelm Teil", D 2.—- Samstag halb 8 Uhr:„M a m s e 11 e Nitouch c", Kl.— Sonntag 2 Uhr:„W llhelm Teil"; 8 Uhr:„Tieflänö", D 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8 Uhr:„Höchste Eisenbahn".— Samstag 8 Uhr:„Die Trafik Ihrer Exzellen— Sonntag 3 Uhr:„Höchste E i s e n b a h n", 8 Uhr: „Pension Schölle r". Aus der Partei Sozialdemokratische Franenorganisation, Prag. Montag, den 2. Oktober, um 8 Uhr abends im„Monopol" Frauen- und Mädchenabend mit Vortrag des Gcnofsen Josef Hofbauer über das Thema:„Literatur auf dem Scheiter Haufe n." Herr Goebbels, ber Zrlebensengel Kleines aufschlußreiches Interview. Unserem Genfer Korrespondenten gelang es, Herrn Dr. Goebbels über die Genfer Pläne des Dritten Reichs zu interviewen. „Wir sind, mein Herr", so ries der kleine Minister cmpltatisch, wobei er wie beschwörend die-Han- ausstreckte,„wie Sic wisse«, das abge- rüstetste Boll der Welt! Tie paar Kanonen, d.e wir so nebenbei fabrizieren, dienen nur der Ankurbelung des einheimischen Friedhofstnarktes. Die Friedensliebe, die Sanftmut und das verträgliche Gemüt des Rationalsozialismus find sprichwörtlich, Sie kleinen Konzeiuraliotislager— Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Revanche- Ideen sind uns meilensern, tue»« um dereinst als Triumphatoren in Paris entziehen werden, so nur mit dem Qclzweig des Friedens in der -Hand. Ter Pazifismus ist uns ein Greuel, denn die Pazifisten der ganzen Welt tragen die Schuld am Weltkrieg von 1914/18! Wer den Frieden liebt, bereitet sich illegal ans den unvermeidbaren Krieg vor.— Sehen Sic unsere Führer an, ihr Abscheu vor dem Kriege Hal sie seinerzeit veran- laßt, ihre friedliche Gesinnung durch die Tat zu beweisen! Ter Reichsinnemninistcr Dr. Frick, mein lieber Kollege, Hai in Pirmaiens durchge- halten und allen Lockungen, sich von Kopf bis Fuß die Inkarnation kriegerischer Piännlichkeit, blieb alle vier Jähre jeder Kriegsschau fern! Tas tsk ein Pazifismus der Praxis, den uns niemand nachmochl! An uns wird die Abrnstungskottscrenz nicht scheitern, wir rüsten sowieio weiter auf! iÜ't lassen uns nicht mürbe niaet-en, wir halten m- mer weiter Friedensreden, bis uns kein Men ch mehr glaubt! Unsere Bombe ngrichwaücr, die wir, korrekt und friedlich, hintenherum erbauen, sind eigentlich Herbstdraclwn, die wir steigen lassen, um unsere Kinder von SA zu erfreuen. Die Sturm- truppen selbst sind eine Kreuzung von Spielzeug- Attrappen und noch nicht ganz ansgelrochenen Gorillajungen; sic können niemandem gesährltch werden. Ihre Bewaffnung ist unbedeutend, sic ist knapp hundertprozentig. In diesem Sinne, »lein Herr, cs wird weiter gerüstet!" U c e. II? v dar Seim des llaffenbewatzlen Meilers gehSrtd. Zeulralorgan. Deutsche« soztawemoke. Elrbeiteepaetei «Sozialdemokrat"— Wo verkehren wir? | CalO„Ctmlinenlal“. Prim, Kranen tttilgibiti efcgftteb l-» d.- Ubelcebalteit: Wilhelm Nießner.— verguN-orMcher Rtbatttn: Dr. CmU Straus, Prag.— Druck: ,R°ta-«l..».für 8-iiung. und Buchdruck, Prag.— Für den Druck derantwortNch: Oil» Holit, iru«.- Di« Z«iiung*marleu>rankarur würbe von der Poft.». r-legr-dhentireNIa» mit Erlaß Str. 18.800/VIIdSS0 bewilligt.— veeu««bedln-u»gcn.«et Aufteilung In* Hau* oder bei Be,ug durch die Post monatlich Ke 16.—, vi-ri-Uährlich Ke w.—, balb|d*tig IU#6.—, gan»oyrlg KJ WS.—,— gnierate werden laut Paris billigst berechnet. 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