Erscheint mit Ausnahme des Montag tügilch früh. s» SaNIo» u. TJcrtoaltuno Brno II.StrMianta ia>-xnrpt>.: 10705. jwoo. JlatttirrJoft iab.’i u.r): 33938 0BoMfllKJamt: jim Nozelprels 70 Heller, cvlnschlteßlich k Heller Porto) 13. Jahrgang. Samstag, 30. September 1933 Nr. 229. Mebrers Verhaftungen in Brünn— Parteigenossen des Herrn Abg. Jung arbeiten für Hitlerdeutschland Im Verlaufe Von 48 Stunden hat die Polizei in zloej weit voneinander liegenden Orten Hakenkreuzler der Verbindung mit der reichsdeutfchen LA überführt. In Komotau wurde ein tschechoslowakischer Staatsbürger verhafte I, der Spitzelarbeit für die Hakenkreuzler jenseits der Grenze geleistet hat, in Brün n>v urde eine ganze Anzahl von Nazis sestgestellt, die Reisen nach Deutschland unternommen hatten, um dann in der Tschechoslowakei mit dem von der SA gelieferten Material Propaganda zu treiben. In alten Fällen handelt es sich nm organisiert« Mitglieder der DNSAP; einer der Nazis, der rechtzeitig ausreißcn konnte, war führender Funktionär der völkischen Stndenten schäft in Brünn. Jetzt noch von einem Zufall sprechen oder die Schuld auf unvrranttvortliche Einzelpersonen schieben zu tvollen, mühte sogar so erprobten Beschwichtigungöhosräten, wie der Führung der DN2AP, unmöglich erscheinen. Allen Erklärungen der Herren Jung und Parteigenossen zum Trotz steht heute klar er als jemals fest, dah von Deutschland aus eine systematische Hetze in Deutschland betrieben wird und dah an allen Ecken und Enden drutschböhmische Nationalsozialisten sich als willfährige Werkzeuge der reichsdeulschen Nazi-Propaganda erwiesen haben. Gereizte Note aus der Wilheunstraße wetfcn der Ausweisung der deutschen Korrespondenten Berlin, 29. September. Die deutsche Re- gierung hat an die Sowjetbotschaft eine Protestnote wegen der Ausweisung der deutschen Preste. Vertreter aus Moskau erhoben, in der versucht wird, die Ausweisung der beiden Berichterstatter der amtlichen russischen Telrgraphenagentur und der„Jswestija" ans Leipzig, die die unmittelbar« Ursache der Repressalien gegen die deutschen Korrespondenten war, als gerechtfertigt hinzustellen. Die beiden Sowjetjournalistcn hätten wissen müssen, daß sic beim Leipziger Prozeß nicht zugelassen sind; ihre Berichterstattung aus Leipzig hätte„in tendenziöser Weise den Tatbestand der Beweisaufnahme entstellt". Seit Monaten hätte die Berichterstattung der Vertreter der Sowjetpresse über die drulsckcn Verhältnisse„zu schwersten Beanstandungen Anlaß gegeben" und eine große Erregung der öfscntlichcn Meinung in Deutschland hrrbcigcführt, die von dieser Berichterstattung durch die ständigen deutschsprachigen Relation ciider SSTR Kenntnis erhielt. Dagegen sei der RachtvciS einer tendenziösen Berichterstattung durch die deutschen Pressevertreter in Moskau nicht zu erbringen. TaS Auswärtige Amt vermöge daher eine Berechtigung für dir von der Sowjrtregicrung verfügte Ausweisung der deutschen Journalisten nicht anzuerkennen; die Ausweisung sei auch aus pressepolitischen Gründen gänzlich unverständlich und stelle für dir freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder eine schwere Belastung dar, für dir dir Sowjetregirrnng die alleinig! Verantwortung trage. BeneS bei Paul-Soncour Gens, 29. September. Außenminister Doktor Beneö, der hrute abends m Gens eint ras, wurde vom französischen Lustsahrtminister Pierre C o t zum Abendessen eingeladen, bei dem er auch mit Auhenminister Paul- B o n r o u r zusam- mentras. Bei dieser Gelegenheit kam rS zwischen dem Außenminister Dr. BencS und den sranzö- sischen Staatsmännern zu wichtigen Beratungen über die Situation an der Völker- bundS-Bersammlung und über den Stand der Genfer AbrüstungSberatnngen. iMnsilger«ammenlar aus Paris Paris, 29. September. Die Pariser Abendblätter verzeichnen mit lebhaftem Interesse die freundschaftliche Zusammenkunft Dr. Bene» mit dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Dollfuß aus dem Bahnhof in Wörgl und erwarten, daß nunmehr die Verhandlungen über die wirtschaftliche Annäherung der mittcleuropäischen Staaten in Gens wesentlich sorlschrci- t e n werden. Tic Blättcr betonen ferner in Besprechung der Konferenz von Sinaja, daß die Kleine Entente als Grundsaktor der Ordnung in Mitteleuropa bei der Reorganisation Mitteleuropas eine führende Rolle zu spielen imstande ist. Auch die Meldungen über die jugoslawisch- bulgarische Annäherung und über die Möglichkeit eines sogenannten„Balkan-Locarno" werden sympathisch ausgenommen. Ter„Tcmps" schreibt: Es ist sicher, daß sich soeben eine Politische Entwicklung abspiclt, die imstande ist, die Lage in Mittel- und Osteuropa wesentlich zu ändern. Herrlots Befinden versdilediterl Lyon, 29..September.(Havas.) Nach einer mehr- tägigen Besserung des Befindens Hcrriots wurde nunmehr ein« leicht«.Verschlechterung konstatiert, die ein« vollkommen«:>iuhc und Erholung des Patienten erfordert.. SCVCTtflg dodi schwer mißhandelt? Hannover, 29. September.(Inpreß.s Wir erfahren, daß Scvcring, der früher« sozialdemokratische preutzjsche Innenminister, sich in Osnabrück befindet. Die vor einiger Zeit veröffentlichten und dementierten Behauptungen, dah er von Nazis so schwer mißhandelt wurde, daß er den Verstand verlor, werden neuerdings iu bestimmtester Formwiederhalt. Die Polizcidirektion in Brünn meldet: In letzter Zeit ist eine Haken krcnzlcragita« t i.»n in ganz geringem Maße zutage getreten. Einigcmale wurde sestgestellt, daß unbekannte Täter in einigen Kinos und in Warteiälcn kleine Papicrhakenkrcuze u. kleine Flngzetlel mit jnden- feindlichen Parolen verstreuten. Aehnliche Flug- zettel wurden auch in abgelegenen Orten und Straßen, u. zw. in der Nachtzeit verstreut. Da dieses Agitationsmaterial, insbesondere die Flugzettel, aus dem Auslande stammen, fahndete die Polizeidirektion nach den Beziehungen der hiesigen Hakenkreuzler mit dem Ausland. Hiebei wurde sichergcstcllt, daß der Architekt Karl Schlicker ans Brünn und mit ihm auch sein Bruder Rudolf Schlicker, Bauassistent aus Brünn, wiederholt mit ihrem Personenauto in Deutschland tvaren. Außerdem war einmal mit ihnen in Deutschland auch der Privatbcamte Johann K a n l o w s k y aus Brünn und Franz B r e i n c r, Bulkaniscur aus Brünn. Aus dem schriftlichen Material, das bei den bet den erwähnten Personen vorgenommenen Haussuchungen gesunden wurde, ging hervor, dah es sich um auö Agitationsgründen »ach Deutschland unternommene Reisen handelte, und daß diese Personen, insbesondere die Brüder Schlicker in engen Beziehungen zu den führenden Faktoren der SA-Organisationen im Reich standen. Deshalb wurde gegen die crtvähntrn Personen die Strafanzeige erhoben und Kan- k o w s k y sowie B r e i n e r, die in Brünn stcllig gemacht wurden, wurden ii£ Gerichts h a f t eingclicsert. Die Brüder T ch r i ck e r flüchteten noch rechtzeitig nach Deutschland, wo sie sich noch immer ausbalten. Architekt Zchricker hinterließ hiebei seine Familie hier in großer Not. Dollfuß traf nachmittags in Wien ein, wo er am Bahnhof von Mitgliedern der Negierung und zahlreichen Funktionären begrüßt wurde. Nach Tankcsworten verwies Dollfuß auf die Bedeutung des Umstandes, daß die ossiziellen Vertreter der Regierungen säst der ganzen Welt in Gens in so spontaner und auch offizieller Form ihre günstige Einstellung zu Oesterreich zum Ausdruck gebracht haben.. Bei Verfolgung der Beziehungen der hiesigen Hakenkreuzler zu den reichsdeutschen wurde auch sichcrgcstellt, daß zu Pfingsten der irrcdentistischc Verein„Verein für das Deutschtum im Auslande"(VDAs in Pasiau in Bayern eine Feier mit einem gegen die Tschechoslowakische Republik und gegen andere Nachbarstaaten Deutschlands gerichteten Programm veranstaltet hat. An dieser Feier nahm aus Brünn Karl Johann Beier, gewesener Redakteur eines deutschnationalen Blattes in Brünn, Hörer der Deutschen Technik in Briiyn und das führende Organ der deutschen Studentenschaft in Brünn Jng. Karl Dworzak teil. Beier wurde von der Polizei verhaftet und in Gcrichtshaft eingelicscrt, Jng. Dworzak flüchtete aber ans der Tschechoslowakischen Republik, als er crsuhr, daß die Polizei nach ihm fahnde. ch SA-fßhrcr In KomJaii verhaftet In Komotau wurde der als Nationalsozialist bekannte Josef G ö p s e r l verhaftet, der sich dadurch verdächtig gemacht hatte, daß er Anschluß an Arbeiter suchte, denen gegenüber er sich als Gegner des Hitlerrrgimes und Emigrant ausgab. Ans Grund einer Anzeige nahm die Polizei bei G ö p s c r t überraschend eine H a n s- suchung vor, wobei sie ein Verzeichnis der in Komotau, Tcplitz und Brüx wohnenden Emigranten, eine SA-Legitimation und einen Bericht Uber G ö P f e r t s Tätigkeit als Spitzel sand. Göpfcrt ist seit J925 organisiertes Mitglied der deutschen Nationalsozialisten. Im Jahre 1929 ging er nach Deutschland und trat dort in die 2A ein. Er wurde sogar Standartrnsiihrcr des Marinesturmes Bremen. Nach seiner Rückkehr in die Tschechoslowakei hielt er die Verbindung mit den reichsdeulschen SA-Stellen weiter aufrecht. Er glaube, daß diese Kundgebungen für Oesterreich zugleich auch eine Tat in dem Sinne bedeuten, daß jeder, der es unternehmen wollte, gegen die Grundlinien der von ihm dort kurz dargclcgten Politik irgendwie aktiv vorzngehen, damit rechnen müsse, daß dies nicht nur eine Aktion gegen Oesterreich, sondern auch eine Aktion gegen das Wissen und Gewissen der ganzen Welt sei. Begegnung Bcnc^-Bolliuß Ein 20 ninuten-Gcspräch tther Sinaja Wien, 29. September.(AN.) Ter vom Bundeskanzler Dr. D o l l f u h aus seiner Rückreise anS Gens benützte Zug kreuzte heute um 6 Uhr in Wörgl den Zug, in dem der tschechoslowakische Auhenminister Dr. Ben eit nach Gens fuhr. Ter Bundeskanzler benützte die Gelegenheit, um den tschechoslowakischen Auhenminister aus österreichischem Boden zu begrüßen. Im Salonwagen Dr. Benex sand eine kurze Unterredung der beiden Staatsmänner stall, in der sie ihre Ansichten über die letzten außenpolitischen Begebenheiten auülanschtcn und ins- besonders Außenminister Dr. BeneL Mitteilungen Uber Anschannngen und Ergebnisse der Konferenz von Sinaja macht«. Nach 20 Minuten Aufenthalt verabschiedeten sich die beiden Staatsmänner voneinander mit großer Herzlichkeit. Morgen Eintopfgericht „Neue Epoche": eine Bettelei! Der morgige Sonntag ist der erste in der Reihe derer, die das angeblich große Hiilcrsche Hilsswcrk gegen Hunger und Kälte des kommenden Winters bilden sollen. Diesmal ist eü keine Parade, auch nicht das„größte Feucr- tverk, das die Welt gesehen hat", durch das die Hungernden betäubt werden sollen, nein, es ist, wie Wotans Mickymaus, Herr Goebbels, pompös verkündet hat,„praktische Nach« steulicbe",„wahrer Nationalsozialismus", „Sozialismus der Tat",„ein nie dagewese- ues, grandioses Werk". Nämlich der Tag d c S Eintopfgerichts. Diese einzigartige Leistung des„deui- schen Sozialismus" soll darin bestehen, daß jeder, ob reich oder arm, am ersten Sonntag im Monat zu einem„Hungcropfer" gezwungen werden soll. In allen Haushaltungen, in Gastwirtschaften und Hotels soll man sich an diesem einen" Tage mit einem Eintopfgericht zum Preise von 50 Pfennig pro Person begnügen und das dabei Ersparte ist dem Win- tcrhilsswcrk abzulicfern. Das ist nicht alles. Es wird auch noch eine 5>O-Pfcunig Brieslotte' rie cingesührt, auf dem Lande werden Lebens- niitlcljammlungctt, natürlich„freiwillige", durchgcsührt, die Bergnügunasstätten werden verhalten, den Armen eine Anzahl Freikarten zu geben und die Besitzer von Bank- und Postscheckkonten will man auffordcrn, monatlich einen bestimmten Betrag von ihrem Konto abbuchen zu lassen. Das ganze ist der„großangelegte Plan", von dem Goebbels gesprochen hat und den der Nationalsozialismus schon seit Jahren vorbereitet Hai! Ein„nie dagewescnes" Werk'? Wie wird uns denn? Hat dieser deutsche Sozialismus, der, um diesen großangelegten Plan durchführen zu können eine Revolution gcmachi hat, nicht eine verzweifelte Aehnlichkcit mit den bekannten WohltätigkcitSveranstaltnngcu diverser Frau Kommerzialrätinuen? OuaischNteichc deutsche Gemüter werden gerührt sein über die rührende Fürsorge, die der Nazi-Führer gegenüber den Opfern der Wirtschaftskrise betätigt und wenn sein Rcklauiechcf Goebbels deklamiert:„Was am 1. Mai zum erstenmal demoustrativ in Erscheinung trat, das wird hier in der Tat lebendig werden': die Schranken, die Bürger und Proletarier voneinander trennen, sind niedergerissen", so werden sie wirklich glauben, daß durch das Eintopfgericht alle sozialen Gegensätze beseitigt und cs keinen Hungernden, Frierenden und Verzweifelnden mehr geben wird. In Wirklichkeit ist die Aktion, die an die während des Krieges cin- gesührlcn fleischlosen Tage erinnert, eine durchsichtige Komödie, die den Notleidenden auch nicht annähernd das zurückgibt, was ihnen während der Herrschaft des Hitlerismus geraubt wurde. Sehen wir zu: nicht nur das seit Bestand dieser Regierung der Kriminellen zehutau- scndc Arbeitslose Zwangsarbeit leisten müssen, für die ihnen ein erbärmlicher Schundlohn gezahlt wird und massenhaft„marxistische" Arbeiter um jedwede Art von Unterstützung bestohlen wurden, hat die Regierung auch den Gemeinden 100 Millionen Mark entzogen, welche ihnen bisher aus der Slaatskassa als Beihilfe zu ihren Wohlfahrtsauülagcn beige- stelli wurden, so daß sich die Gemeinden jetzt zu weitgehenden Kürzungen der Unterstützungssätze gezwungen sahen. Den Acrmsten der Armen, den Arbeitslosen und Hilfsbedürftigen wurden also huudertc von Millionen Mark geraubt, dafür wird jetzt eine großzügige Bettelei veranstaltet, die in allen ihren mannigfachen Formen nur einen kaum ncnnenswer' teu Teil des genannten Betrages einbringcn wird. 100 Millionen hat man den Armen ab- geknöpsl, die offenbar RüstnngSzweckcn;ngewendet worden sind, dafür wird durch Ein- Lette 2 Samstag, SV. September 1993 Nr. 220 topfgericht, Sammlungen und freiwillige Spenden eine Art Wohllätigkcitsbazar arrangiert. Mildtätigkeil anstatt Rechte— eine kostbare' Sache dieser„wahre Sozialismus"! Im übrigen wird es bei dieser Bettel» suppenaktion so sein, wie bei der„Hitler- spende zur Förderung der nationalen Arbeit": am härtesten werden von ihr, die tatsächlich nichts anderes ist als eine gciarnie Stcner- crhöhung, die Lohnempfänger getroffen werden, während cs den Besitzenden schon gelingen wird, sich billig losznkaufen. Der Arme wird geben müssen, den Reichen wird cs anheimgestellt. Eintopfgericht im Hanse des Besitzenden! Wer glaubt daran, daß damit die Gleichheit in der Beschränkung mit dem Haushalt des Miudcrbcsitzcndeu auch nur an diesem einen Tage im Rionat hergcstellt ist und daß der Reiche nun wirklich die Schranke, die ihn vom Armen trenni, als nicdcrgcrisscu anschcn wird? Trotz der Inanspruchnahme der droh- ncndslcn nationalsozialistischen Fanfare»» kann der tvahre Sinn der von Hitler und Goebbels eingeleitetcn Aktion nicht vergessen gemacht tverdcn. Es spricht aus ihr das Bekenntnis der völligen Unfähigkeit der Hitler Regierung, in geordneter und ausreichender Weise für die Massen der Arbeitslosen Sorge zu tragen. Was unter dem demokratischen Regime Selbstverständlichkeit war, dazu erweist sich das znm Nazi-Banditentum erwachte Tcnlschland als unfähig. Die Arbeitslosen werden auf das vertvicsen, was aus einer in jedem stalle unzulänglichen, zufälligen und unkontrollierten Schnorrcrci übrig bleiben wirb. Mait darf überzeugt sein, daß cü bei dieser„freiwilligen" Mildtätigkeit nicht an Terrorisnitis fehlen wird, doch mehr als der blutigste Dilettantismus der Bcraustallcr, ihre Lächerlichkeit und Verächtlichkeit wird dabei nicht bewiesen werden. Die Ankündigung, daß durch die Aktion cs keine Hungernden und Frierenden geben wird, ist nationalsozialistischer Mumpitz. Aus der Mildcgabcn-Bcitelci spricht auch noch ein anderes: die Furcht der Herrschenden vor dem bevorstehenden Hiingerwinter uiid der nicht zu vermeidenden Ernüchterung und Enttäuschung, die das Fortbestehen, ja die Steigerung des Massenelends trotz aller künstlichen Belebung des Arbeitsmarktes im Gefolge haben muß. Es ist jetzt schon nicht zu verkennen, daß die Tcueruugstvelle im Winter weiter ansteigen wird und daß sowohl durch die gesunkenen Löhne, wie durch die Beendigung gewisser Saison-Arbeiten für Millionen Menschen ein Winter des Hungers vor der Türe steht. Die Sammlungen sollen nun den Eindruck erwecken, als fühlten sich olle Klassen und Stände als eine SchickjalSgemein- schaft und als wären die Besitzenden gesonnen, mit den Armen ihre Entbehrungen zu teilen. Die Enthüllung der Unfähigkeit des Nationalsozialismus, Hunger und Käl'.e zu bekämpfen, wird dadurch nicht u m einen Tag verzögert werden. ■■■■■MiuMiaaDiHuaaBaaaMan Genossen, leset und verbreitet die Arbeiterpresse. Maßnahmen erörtert, die zur Aufrechterhaltungl Herzen in die Arme der Hakenkreuzler geworfen. richtigen Informationen beruht hat und daß wir nicht die Absicht hatten, daS Andenken des ennundeten Herrn Prof. Dr. Lessing durch diese tvahrheilÄndrige Behauptung zu schmähen Wir bedauern«» aus da» Tiefste, daß dies« verleumderische, da« Andenken de» Ermordet«» verletzend« Behauptung in dir Spalten unseres Blattes Eingang gesunden hat nnd bitt«» für diese pietätlose Beschimpfung de» Andenken» de» Ermordeten um Entschuldigung. Au» diesem Grunde haben wir uns zum Abdrucke dieser Erklärung in unserem Matt«, sowie in der Zeitung„Prager Tagblati" verpflichtet und haben un» ferner verpslichtet, eine Geldbuße von Ke 150.— zu wohltätigen Zwecken zu erlegen und die Kosten der rechtsfrcundlichen Vertretung der Klägerin Fran Ada Lessing an Herrn Dr. Egon Schwelb, A-vokalen in Prag 11., Nürodni tk. 24, zu bezahlen.— Die Redaktion der„Nikolsburger Wochenschrift", Lle Notlage der sudeteudeutschen SlSdte. lieber Anregung des Stadtrates Gablonz berieten an« 26. September 1833 in Bodenbach die Bürgermeister und Finanzreferenten der sudetciideutschen Gemeinden von mehr als 20.000 Einwohnern lvcrtrcten waren aus Böhmen die Städte Asch, Aussig, Bodenbach, Eger, Gablonz, Karlsbad, Kvmotau, Reicheirberg, Teplih-Scho- nau, Warnsdorf, aus Mähren-Schlesien Jägern- dorf nnd Troppau) über die finanzielle Lage der Gemeinden, insbesondere über die Regelung des Schiildcndienstrs. Rach einem Berichte des Vizc- bürgermeisterS Neumann(Gablonz) und des Finanzreferenten des Verbandes der deutschen Selbstvrrwaltnngskörper Dr. Frank wurden die LerGen/eyändsr Sine Verhaftung in Teptttz Wie der„Pr. M." berichtet, wurde in Teplitz- Schönau auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Lcitmerih der Privatbeamte Franz Dobrowsky verhaftet, der in einer Tepiitzcr nationalsozialistischen Zeitung den Mord an Lessing gebilligt hat. Diesen Artikel schrieb er auf der Rückseite des Briefpapieres seine» Eh ess, de» jüdischen Jnzenirur» Josef Altschul. Obwohl er den Firmenkopf weggeschnitten hatte, gelang e» der Gendarin.-rie, ihn zu überführen. Dobrowsky wurde nach Leirmcritz überführt. . 1. Beteiligung aller deutschen oder wenigstens aller deutschSürgerltchcn Parteien. 2. Ein positiver Bekenntnis znm Staat. 3. Ein Bekenntnis zum parlamentarischen, demokratischen System. 4. Anerkennung des Grundsätze» des Be- kenntnisdeutfchlums. Daß die Nazis ihre Zustimmung dazu geben lvürdcn, einen Block aller dentschbürgerlichen Parteien zu bilden, ein Positives Bekenntnis zum Staat abzulegen, sich sogar zum parlamentarischen System zu bekennen, halten wir schon für möglich bei dieser Partei, die keine Grundsätze kennt und morgen das verrät, was sie heute als ihren Glaubenssatz hinstellt. Daß aber die Herrschaften sogar ans den Antisemitismus verzichten, das wurde ihnen nicht so leicht fallen— vielleicht sind sie auch dazu imstande. Da aber di« Forderung der Teutschdemokra- ten nach einer Zusammenfassung aller deutschbürgerlichen Parteien infolge der Absage mehrerer bürgerlicher Parteien bereits unerfüllbar geworden ist. ist die Erklärung der Deutschdemokraten gleichfalls als eine Absage zu betrachten. Die Volksfront ist also zu Wasser geworden unb»van hat es wieder erlebt, daß in der deutich- bürgerlichen Presse, wie das so oft getvesen ist, viel Lärm nm nichts gewesen ist und daß wahr geworden ist. was die„Reichenberger Zeitung" befürchtete: daß nämlich die Volksfront im Phrasennebel erstickt ist. „Nikolsburger Wochenschrift" leistet Abbitte Die„Nikolsbuvgrr Wochenschrift" gehört zu jenen Blättern, die nach dem Mord an Lessing den traurigen Mut aufgebracht haben, daS Verbrechen gutzuheiheu. Lessings Frau brachte gegen diese» völkisch« Blatt«in« Klag««in, worauf sich di« Zeitung, um einer Verurteilung zrworzukommen, gezwungen sah, di« nachstehende Erklärung abzugeben: Wir haben in unserer Ausgabe vom 8. 2ep lember 1033 einen Artikel unter der Uebevschris: „Mord an elirem Professor" veröflenSlicht, in tvclchem wir über die Ermordung d«S Hern» Prof. Dr. Theodor Lossing berichtet haben. An diesem Zusammenhänge haben»vir u. a. die Behauptung aufgostellt, daß Prof. Dr. Lessing, der eigentlich Lazarus heißt, in einem seinerzeitigen Berich'e über de»r.Haarmann-Prozeß den Reichspräsidenten Hindenburg mit diesem Massenmörder verglichet! habe. Wir erklären hiemit, daß d'e envähute»n unserem Artikel enthalten« Behauptung auf u n• deS gesamten Wirtschaftsdienste« der Gemeinden durch Anpassung ihres-Haushaltes an die derzeitigen wirtschaftlichen und finanziellen Perhali, »iss« und„individuelle" Schuldcnrcgeluugcn nicht genügen werden, den Schuldcndienst uns die sonst erforderlichen, mit der Privatwirtschaft- lichen nnd öffentlich-rechtlicher» Tätigkeit der Gemeinden zusammenhängenden Ausgaben stcherzu- stellen, sondern daß«,ne„generelle" Regelung der Verhältnisse durch di« Gesetzgebung notwcir- big ist. Der Verband der Selbstverlvaltnngs- körper wurde ersucht, Vorschläge in dieser Rich- tu»»g ausznarbcrten. ES wurden auch von de»» Vertretern der Gemeinden Klagen über di« Unzulänglichkeit der Zulveisungen au» der ArbeitSlosenernähruiigs. aktiv,i und über die Verzögerung der Einlösung der Lebensmittelkarten geführt, wobei betont wurde, daß die Gemeinde»» nicht mehr ii» der Lage seien, den Ausfall durch Zlrschüsfe zu dck- ken. Der Verband»vurde ersucht, a»» zuständiger Stelle Abhilfe zu verlangen. Di« mit so viel naiver spießbürgerlicher Be- geisterung begrüßte Volksfront ist in Schmach und Schande versunken, noch bevor sic Wirklichkeit geivorden ist. Wir haben gestern bereits festgestellt, daß der Bund der Landwirte, die Ge- wcrbcpartei und die Christlichsozialen der Volksfront eine klare Absage erteilt haben und nun »vollen nicht eiiunal mehr di« Nationaflozialisten, »velche sich hinter der BolkSsront verstecken»voll- len, und die Dcutschdemokraien etwas davon wissen. Zu Bodenbach fand nämlich Donners tag ein außerordentlicher Parteitag der deutschen Ra t i o na l s o z i a l i st e n statt, dessen Perbandluugen geheim»vareii, über den aber das„Prager Tagblatt" einen kurze»» Bericht veröffentlicht. Es wird darin in bezug auf die Volksfront festgestellt: „Die Volksfront, die als ein politisches Gebilde aus den oppositionellen, nichtmarxistischen Parteien von den Chrisllichsozialcn bis zur Nationalpartei gedacht tvar, um die politische Zerrissenheit und Ohnmacht möglichst zu beseitigen und einen großen deutschen Block herzustellen, mülle nach d«r Erllärung der Ehristlichsozialrn und der Haltung auch ander«» Parteien al» gescheitert betrachtet werden." Gleichzeitig hat sich mit der Frage der Volksfront die ReichSleitung der d e u t s ch demokratischen F re i he i t spa r t« i beschäftigt und hat also die Bedi»»gnngen, unter den«»» dir Partei bereit ist, in ein« solche Volksfront einzutreten, formuliert: Gin deutsch-politischer Gleich- schallungsklub Wie der„Neue Morgen" berichtet, besteht schon seit einiger Zeit ein sogenannter„K a me- r a d> ch a f t s b u n d", ein Verein, der seinen Sitz i>» Prag, KarlSgasle Nr. 12 hat u»»d der angeblich zur Pflege geselliger Beziehungen und volkserzieherischer Arbeit gegründet wurde. Viele Mitglieder dieses Klubs wissen angeblich gar nicht, welches der eigentliche Zweck des Bundes ist. Umso besser wissen es die führcndri» Persönlichkeiten. Diese nahm«»» sich bei der Grü»»dung des Bundes vor mehreren Jahre»» vor, in alle politischen nichtmarxistischen Parteien ihre Vertreter z»» entsenden, um dort Einfluß zu erlangen. Zugleich aber beschlossen sie in alle überparrei- sichen und vor allem kulturellen u»»d erzieherischen Organisationen deS S»»detendeutschtumS einzndringen, um mit Hilfe dieser Körperschaften eine»» Druck auf die volitischen Parteien ausüben zu können. Tatsächlich wurden auch die überparteiliche»» Organisationen mit Anhängern detz „Kameradschaftsbundes" durchspickt. Zunächst gelang eS den» Ka»»»eradschaftsbund, die alte Führung des deutschen Turnervcrbandes beiseite zu schieben und seinen Bertraucnsmann Konrad H e n l e i n an di« Spitze deS Bundes zu stellen. Ein zweiter BertraueitSmann deS Kamerad- schaftsbundeS, nämlich desieu Sekretär, Dr. Walter Brand, ist der Erzieher deS TnrnvcrbandcS und Führer der Jugendorganisation innerhalb deS Verbandes. Der dritte im Äur»dc ist der Sekretär des deutschpolitisckcn Arbeitsamtes, Ernst Kund t, dessen Person die Gewähr dafür bietet, daß auch im deutfchpolitischen Arbeitsamt, welches ein« gemeinsame Einrichtung der deutschbürgerlichen Parteien, einschließlich der Natio- nalfozialisten ist, nichts ohne Zustimmung des Kameradschaftsbundes geschieht. Der Kamerad» schaftSbund hat auch beabsichtigt, in der„Volksfront" den Abgeordneten Dr. PeterS eine Rolle zuzuwcisen, inde»n Dr. Peters der politische Kommissär des in politischen Dingen uichr- kahrencn Herrn Henlein»vcrdci» sollte. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, daß in einem andere»» Artikel desselben Blattes auch auf gewisse Beziehungen zwischen Dr. Peters und dem ehemaligen Ministerpräsidenten UdrLal an« Sespielt wird. Peters soll damals beabsichtigt oben,, andere Parteien, als die des Bundes der Landlvirte und der deutschen Sozialdemokraten, in die Rcgierungskoalitioi» hincinzubri»»gen. Als daun die fascistische Welle in Deutschland hochging, hat Peters eine Schwenkung seiner Politik nn» 180 Grad gemacht und hat sich mit beißen» Lilith und der Komet M Ein abenteuerliches, modernes Märchen von Kurt Doberer Wie lang« ich so stand, weiß ich nicht.-Harkey, men» Flugzeugführer, hatte n»ich an der Schulter berührt.„Sir Douglas, der Tag graut, wir müssen starten." Die mli» kamen, die Mo»»ate, sic stehen dunkel in»neiuem Leben. Die Minuten in je»»em Zimmer»nockit« Matasfan» anständig gewesen Aber vielleicht Halle er cs eint Stund« später schon»viedcr bereut. Am nächste»» Tag hatte mich dieser haltlose Schurke bereits, an die Polizei»»erraten. Die Steckbriefe gingen durch die Kabel und mein Bild klebte an den Hcnfler- mauern. Mein Bild— als wenn es nicht jeder schon von anständigeren fllelegenheiten her gekannt hätte. Aber die Polizei arbeitete sehr sorgfältig in meinem Fall. Ich»vurde gehetzt und verfolgt. Wohl hatte ich überall noch Freunde. Es gab viele, die Malassani nicht über den Weg trauten und die auch anderen Herren von der Achse nicht grün waren—. Für die Regierung aber war es jetzt beinahe ein«. Prestigefrage geworden, mich z»» erwischen. So hetzten sie mich durch die Erdteile. Ich tvar Kvhle»»arbeiter, Heizer nnd Maschinist. Meine Vergangenheit wollte ich mir gründlich austreiben und ich stieß mich selbst immer tiefer hinunter. Man kann aber nicht sich selber cnlkoinnien.- Bald»var ich'Agitator, Verbindungsmann und geheimer Kurier, denn cs gefiel»nir gut, mit der Gefahr zu spielen. Aber e» war z»» viel falscher Flitter dabei. Rasch hatte ich das Zigeunerleben satt, gründlich satt. Diese Sekten mit ihre»» überspannten Hoffnungen»vur- den mir fremder und fremder, je müder ich »vurde. Mit diesem Rcgierungskoloß Krieg zu führen, schien mir n»»r ein Kampf gegen Wind mühlenflügel. Ich war so gründlich an-gepumpt, daß ich es nun bestiinmt aufqcgebel» hätte,»venu sic mir nur eine»» Tag Luft gelassen hätten. Aber so schlug ich inlnter»nieder zurück,»venu ich zurückschlage»» konnte. Es»var in einer Spelunke in Scha»»ghai. Sic lag im Straßcngewirr versteckt:„Tor zu den sieben Himmeln" hieß sie. Ten Eingelveihten wäre»» die Gassen u»»d Gänge bekannt, die zu ihr führten. Für die Polizei war es eil» Opi»»»»»keller. Auch in selten» Jahr wußte die Polizei nicht alle». Tie wußte nicht, daß hinter diesem Keller das Büro der Lotosbrüder lag. Und je»« Gruppe »var eine Sektion der Anarchistischen Internationale, die in dieser Zeit die Fremdenlegion der Arbeiterbelvegirng Ivar. Auch di« Lotos kannten meinen Namen. Deshalb durfte ich hier aus Hilfe, Zuflucht und Schub rechnen. Schmutzig von Straßenstaub, kurzatmig, war ich in den Keller gestürzt. Ich hatte die Spürhunde von meiner Fährte schütteln müssen. Borne auf einer Matte faße»» zivei Chinesen, die hatten bei meinem Eintritt mißtrauisch aufae- blickt. Bei meinen» Zeichen fielen sie h» sich »»flammen und starrten»veiter ausdruckslos vor sich hin. Tie Anderen hatten bei meinein Eintritt fast gar keine Notiz von mir genonimen. Müde warf ich«»einen Mantel ab, setzte mich ans die Holzbank und stützte die Arme auf den »vackligen Tisch. Ein schmieriger, fetter Kerl brachte mir Tee. Ich war vcrfsitcht müde. Dampfend in der flachen Schale stand das heiße Getränk vor n»ir. Nachlässig legte ich meine Finger an den Henkel. Da— die Tür ging auf. Zwei in grauen Mäntel»» schoben sich aus dem Dunkel de» Vorplatzes h» das rote Zwielicht der Petroleumlampe. Der eine der beiden Chinese»»»var ausgestanden nnd hatte sich in die dunkle Ecke hinten getrollt, so, als wäre er mit etwas unzufrieden. Die beiden Kerle hatten sich i»»dessen bei den Nnbczopften nnd den Weißen drüben niedecgc- hock». Tie hatte»» selbstverständlich Bewegungen, als»venu sie sich in solchen Kellern zuhause fühlten. Der eine hatte sich unterdessen etwas vorgebeugt. Er blickte zu»nir herüber u»»d dabei kam sein Gesicht ii» den Schein der Lampe. An seiner kleine»» Narbe erkannte ich ihn sofort. Es »vare»» meine Verfolger, Geheimpolizisten. Ich Ivar hoffnungslos müde. Meine Anger» irrte»» durch der» Rau»»». War denn niemand von den Blume»» da? Als mein Blick den Chinesen streifte,»var mir, als rricke er mir freundlich zu. Er saß im Halbdunkel und in meiner Erregnng konnte mich auch das Spiel der Schatte»» genarrt haben. Die beide»» Grauen hatte»» einige Worte Pidgin-Englisch ii» die Unterhaltung geworfen. Doch hier hatten alle feine Nasen. Es lag nun eine leise Mißstiminung über der» Gesichtern. Das Lache»»»var verstummt. Die Grauen»nerktcn nun, daß es schnell geschehen mnßte. Sic nickten sich zu und griffen a»» die Tischkante. Der Chinese in der dunkle»» Ecke war in« zwische»» nachlässig ausgeslanden, hatte sich hinter der Bank entlang geschoben und stand nu>» bei»nir. In den» Augenblick, in dem die beiden Kerle nach dem Tisch griffen nm auszuspringei, hatte er rasch einige Worte geflüstert. Es war klares, reines E»»glisch:„Komn»! hinter mich!" Ich fuhr auf und stolperte ins Dunkle. Bor mir, In der Wand, hatte der Chinese eine kleine Tür ausgedrückt. „Spri>»ge!" flüsterte er, dani» Packte er meine Hand und riß mich mit sich fort. Hinter uns splitterten Bretter. Lampen warfen Lichtbüschel. Im Laufen sah ich zurück. Rebe»» den Lampen sah ich Pistolen glänzen. Aber es gab nur noch ein paar klatschende Geräusche. Dann polterte etwas Schweres zu Boden. „Leise und sicher", sagte fein lächelnd der Chinese.„Morgen, wenn»nan sie betrunken in der Gosse findet, dann wissen sie über nichts mehr Bescheid. Dafür sorge»» wir schon." Bei dem dumpf polternden Fall hatte er eine kleine Lainpe gezogen und sie einen Moinent aufblitzen lassen. Äarirm hatte ich sein Gesicht ges-hcn. Nun waren wir wieder im Dttnkel. Er führte mich ein Stück gerade aus, dann ging cS um eine Ecke und schräg hinunter. Es war nicht mehr weit, schm» machten wir Halt. Mein Begleiter zog wieder eine Lampe»»nd ließ sie a»»sblitzen. Voraus und an den Seiten lagen schwere Türen.„Drei Türen, drei Zimmer— und nichts für uns dahinter", sagte er. Aber dan,» klopfte er mit eine»» schweren Ring ein Zeichen an die Decke. ES klang nicht sehr vertrauenerweckend. Ich hätte schwören mögen, daß da keil» Hohlraum dahinter sei. Mein Chinese mußte cS doch wissen. Er lächelte nur, als nichts geschah und wartete geduldig ei»» paar Minuten. Dann erst klopfte er noch ein- »nal. Jetzt wurde da oben sofort es»» schwerer Klotz entfernt. Lichtschein fiel auf uns, man zog uns hoch. Wir befanden uns in einem großen fensterlosen. dunkelbraun tapezierten Raum. An den Wanden standen Bücherregale. Eine Schreibmaschine klapperte. In der Ecke stand ein Tresor. In der Mine deS Raumes knisterten Funkenstrecken, glühten Elektronenröhren. Es gab hier auch eine Sende- und Empfangsanlage. Als ich sie verwundert anstarrte, meinte mein Führer:„Die findet man nicht. Die Wände sind mit Blei blockiert und daS Viertel hier Ist sehr radioliebend." Dabei lachte er. (Fortsetzung folgt.) 511. 229 Kom-tag, SO, Styfemfat 1980 Bette 3 SCHICHT SEIFE gar das habe, vielleicht als Spitzel not- f«st, nicht zu Mitglieder Van Ich hält den Kops Van der technisch« Einrichtungen zu verwenden, Var man nicht m allem den Film und den Rundfunk.| machen muffe. D i m i l r o w'fragt daun den Zeugen P a n k n i n, ob er fet evident gehalten werden und das Konzentrationslager abzu- C] Jmmer arbeitsfroh in frischer Wäsche! der die Leiter des seien der Lubbe, auf seinem Zusammen- der Lubbe er- daß für Marinus, hab' Dir beantragt, Bieuge Mittäter, Aivstifter oder könnte. Das Gericht be> habe, die mit dem vereinbar sei. in welcher Partei Lubbe sehen würde, habe Van geantwortet. er war, wurde Terrors b«- die Genf, 29. September. Tie-Hauptberatun- gen in Gens über die Abrüstung erfuhren nach der Abreise einiger Delegierter aus Genf eine Unterbrechung. Reichsvrovagandaminister Goebbels flog heute nachmittag- nach Berlin ab, Reichsaußenminister Neurath reiste um 6 Uhr mit dem Zuge zur Berichterstattung an den Reichskanzler ab. Demgegenüber traf heute der französische LuftschissahrtSminister Pierre Cot in Gens ein. Das Ergebnis der saft eine Woche lang dauernden Beratungen über die HauptabrustnngS- sragen hat nicht die erwünschte Klärung gebracht. Die Delegationen der Großmächte haben ihren Standpunkt zu den kürzlich in Paris verhandelten Anregungen nicht geändert, mit Ausnahme der italienischen Staatsmänner, die vorgeschlagen haben, dass die neuen Teilrlistnngen, die nach dem englischen Plan den durch die Frirdensvertröge abgerüsteten Staaten gestattet waren, Deutschland sofort znkamen. Dieser Borschlag wiird« von Norman Davis und von Paul-Bonronr kategorische abge« lehn t. Sir John Simon nahm die italienische Anregung an. Außerdem beharrte die englische Delegation auf ihrer Ablehnung des Prinzips, im Falle der Verletzung der Abrüstnngükonvention Sanktionen anzuwenden. Die Ablvesenheit der deutschen Staatsmänner hat in gewissem Maste weitere Verhandlungen in Genf unmöglich gemacht, doch hofft man, daß Freiherr von Neurath nach Beratungen mit dem Reichskanzler Hitler die Möglichkeit einer endgültigen, mindestens prinzipiellen Konvention mitbringen wird, die vor dem Beginn der neuen Etappe der Abrüstungskonferenz wendig ist. Gegen die NcuSralttdt des kimMnnks „Lidovv Novinh" verlangen Stellungnahme des Rundfunks im Kampfe um die Demokratie. Wir haben>chon einige Male auf die unhaltbaren BerhAtniss« im iichechoslowal^' des Bölkerbnnd- paktes das Budget des Völkerbundes für 1931 bereits mit der Errichtung eines Sonder» amteS für den Schutz der deutschen Flüchtlinge rechne. Trotz der Vorsicht, mit der der holländische Delegierte der politischen Seite seines Antrages answich, ries die Anregnng in der Völkerbundversammlnng große Erregung hervor. ist selbstverständlich anonym. Der Bezirksverein deutscher Aerzte beschloß, diesen Bries der Staatsanwaltschaft in Leitmeritz zu übergeben. Dem anonymen Nazihelden könnte es alio passieren, daß er früher hinter Schloß und Riegel kommt, als diejenigen, die er auf ihr Schicksal„sich erlaubt hat aufmerksam zu machen". eine solche nächsten komnie Arbeiter-Union. Leipzig, 29. September. Auch der hetttige Prozeßtag brachte nicht den für di« offizielle Brandstistungstheorie unumgänglich notwendigen Beweis des Zusammenhanges der Brandstifter mit der kommunistischen Parteileitung. I m Gegenteil. Bon Zeugen wurde bekundet, daß die kommnnistischen Gruppen durchwegs gegen Terrormgßnahmen waren, ja dast das ganze Gespräch vor dem Neuköllner Wohlsahrtoamt, ans dem die Verbindung van der Lubbeü mit Kommunisten hervorgehen sollte, wahrscheinlich durch einen Spitzel namens Hintze provoziert worden sei. Ein weiterer Zeuge bekundete wieder, dast man Lubbe nach seinen 05cfprä« chen nnmöglich für einen Kommunisten habe halten können. Während das Wolss-Büro, dessen Meldungen wir alü Grundlage des Berichts nehmen müsset», weil das tschechoslowakische Pressebüro seit Tagen auch nicht eine Zeile eines eigenen Berichtes mehr auögibt, die Verhandlungen sonst in breiter Ausführlichkeit schildert, wird der Schluß deS heutigen Tages außerordentlich k>»rz behandelt. TaS„G e st ä n d n i s" van der Lubbrö, daß er den Reichstag angezündet habe, die Darstellung deS Borsttzenden über den schon in London als gänzlich unmöglich erkannten Weg, den Lubbe kletternd zurückgelegt haben soll, um znr Brandstiftung ins ReichStagSgebäude zu gelangen, und vor allem die unvermittelte Erklärung des Borsitzenden, van der Lubbe fei diesen Borhaltungen gefolgt und habe damit ihre Richtigkeit bestätigt, sind auf nicht viel mehr als eine Schreibmaschinenseit« zusammengedrängt. Durch solche durchsichtige Mätzchen wird sich die Weltöffentlichkeit aber schon gar nicht täuschen lassen! Der Zeuge Aitbeiter Paul Bi eng« wird unter Aussetzung der Bercidigni>g über die Gespräche vor dem Neuköllner Wohlfahrtsmut vernommen. Er bestreitet, gesagt zu habet», Reichstag und Schloß brauchten wir so wie so nicht mehr. Auch die Aeußerung, man müße SA.-Leute mit Benzin begießen und anzünden, erklärt der Zeuge für eine grobe Unwahrheit. Zeuge verneint auch, daß er «ine Aeußerung Ban der Ludbes:„So musch komme" gehört habe. Ter Vorsitzende frag: u. a., ob der Zeuge Ban der Lubbe als Ausländer an der Sprache erkannt habe. Der Zeuge bestätigt dies. Vorsitzender: Auch als Komnrunist? Zeuge: Nein! Der Oberreichsanwalt vereidigen, weil er als Gehilfe in Frage kommen schließt in diesen» Sinn«. Ter Zeuge Janecke Mitglied der KPD. gewesen zu sein. Zn der kom- munistischen Zell«, dessen niemals di« Frag« handelt, im Ggenreil. gegen den Terror gewesen. Ter Vorsitzende ersucht nun der, wie gewöhnlich, zusanintengesuttken Stuhle hockt, aufzustehen, weil setz» das treffen des Zeugen Janeck« mit Van I örtert werden soll Janeck« ruft ihm laut zu: kennst Tu mich denn nicht?! doch zu essen gegeben. T«r Angeklagte Ban der Lubbe l nach wie vor gesenk und schweig>. Vorsitzender(zum Zeugen): Hat sich Lubbe früher auch so verhalten? Zeuge: Tantals war«r sehr lustig und gesprächig. Ein« vorüber gebeugte Haltung hat er freilich auch damals schon gehabt. Wir fragten ihn, was er überhaupt wolle und welche Richtung er denn vertrete. Daraus erwiderte Ban der Lubbe dann: In Deutschland gibt es keine folckx Partei, die meine Meinung vertritt. Es gibt nur eine Organisation und das wär« im SIn'ite ü«r A.A.U Angeklagter Torgier: Es handelt sich»m eine Allgemeine Arbeiter-Union,«ine syndikalistische Organisation. Vorsitzender: Worin unterschied sich denn Van der Lubbe von Ihnen in den Auffassungen? Zeug«: Darin, daß«r keine Parteidisziplin hatte, daß«r nicht nach den Führern sah, sondern im Gegenteil verlangte, daß nicht niehr abwarten dürfe, sondern etwas * veuSsMwnd will ntdil nadigeben Ein Contibericht aus Berlin stellt hiezu. daß in den Genfer Beratungen einige erhebliche Fortschritte erzielt worden seien. Deutschland b«. stehe aber daraits, daß di« von andere»» Mächten zu ihrer Verteidigung für notwendig gehaltenen Waffe»» auch Deutschland zugestanden werde»»; Frankreich und England wollen diese Forderung in der ersten Periode der ab;uschließet»dei» Kon- ventio»» nicht erfüllen. In diesem Punkte sehe Deutschland seinerseits kein« Möglichkeit des Rachgebens, tvos der deutsche Außenminister den Vertretern der andere»» Mächte gegenüber deutlich zum Ausdruck gebracht habe. Der Zeitpunkt der Rückkehr Neureiths nach Gens sei noch unbestimmt. fordert, dast dieselben auch in bezug ans daS Minderheitenproblem, das in sozialer Hinsichk daS Problem der jüdischen Minderheit betreffe, znr Geltung gebracht werden. Sandlers Red« wurde sehr günstig ausgc.t nomnien. Es handelt sich um die erste Kundgebung in der heurigen Bölkerbundversammlung über eine internationale Lösung des FIIde npr ob le m s im Zusammenhang mit den Ereignissen in Deutschland. Später schloß sich Graes f-Holland der Fürsprache Sandlers für die Minderheiten und Inder mit dem eingangs erivähnten konkreten Antrag an. Frische Wäsche— welche Wohltat I Man kühlt sieh wie ein anderer Mensch I Saubere Wäsche steigert Ihre Arbeitslust und hält so manche Krankheit fern— auch von Ihren Lieben. Sorgen Sie deshalb dafür, daß Ihre Wäsche oft gewaschen wird. Mit der reinen Hirschseife geht es schnell und mühelos ... und die Wäsche wird geschontl senkt. Es entspinnl sich daraus«in längeres Frage- und Aunvorispiei zwischen dem Borsitzeud«»» und Ban ter Lubbe, bei dem der Angeklagte entweder keine»»der widersprechende Auskunst gibt. Schließlich fragt der Vorsitzende:„Haben St« RcichSIagsgebäudc angestecki?" Van der Lubbe sagt ganz leis«:„Ja!" W a n i» haben 2i« den Entschluß dazu gefaßt, fragt der Vorsitzende»veiler. Van der Lubbe antwortet: ,Mnn ich nicht sagen!"— Vorsitzender: „Sie sollen uns fließend erzählen, wie es gewesen ist. ic-stan-anßä,iantworl«tß?ibsjk bfsk bss bsskpstzsp Der Vorsitzende unterbricht dann die Verhandlung durch eine kurze Pause, in der zwei große Karten ausgchängt werden, aus denen man die Grundrisse deS Erdgeschosses und des Haupt- geschosscS des RcichStagSgebäudcs sieht. Der Vorsitzende schildert aus Grund der in der Voruntersuchung gemachten Angaben des Angeklagten den Weg, den van der Lubbe genommen lmt. An der Karte markiert ein GerichtSangestcll- icr mit einem langen Stab dci» jeweils vom Vorsitzenden bezeichneten Punkt. Sie sind also, so sührl der Vorsitzende ans, nachdem Sie kurz vor neun Uhr am Reichstag angekommen waren, recht« von der großen Auffahrt nach Ucber- stcigung des Geländers an der Anstenscite des Gebäudes emporgellettrrt und sind nach Ucbrr- V windnng der Brüstung des Fensters aus dem. Balkon vor dem ersten Fenster des Restaurationsraumes im Hauptgeschost angclangi. In» weiteren Verlaus der Sitzung gibt dann der Vorsitzende ein ganz ausführliches Bild des sogenannten B r a n d w e g e s. Der Vorsitzende schließt: Sie haben am Schluß ihrer Vernehmung angegeben, daß Sie glauben, zur Durchführung der ganze» Brandlegung ctiva lö bis 20 Minuten gebraucht zu haben- Die Proben, die daraufhin nnternommcn wurden, haben die Möglichkeit bestätigt, daß man in dieser Zeit die Brandstiftung auSsührcn kann. TaS wollte ich vor Ihnen zur Klarstellung des Brand-( weges dem Angeklagten Vorhalten. Er ist diesen- Vorhaltungen gefolgt und hat ihre Richtig- keil b e st ä t i g t. Nächste Sitzung am Mittwoch. Ans eine weitere Frage Torglcrs erklärt Ja- necke: Auch in der letzten Zeit habe ich gehört, daß Sie komnnistiscl)« Partei den Terror a b l e h n I. Spllzeiarbelt? Janeck« verwahrt sich dann gegen den Bor- »vurs, daß er den Plan eines lieber fallet» aus daS Neuköllner Wohlfahrtsamt ausgeheckt habe. Tatsächlich sei ein gewisser Hintze der Mann gewesen, der ihn und andere z»» einem solchen Ueber- salt anstacheln»vollte. Janecke deutet an, daß Hintze, der wegen krimineller Verbrechen schon im Zuchthaus gesessen g e»v i r k t habe. Ter Angeklagte gestern vernommenen nrr deuischnationalrn Parteileitung von dem Gespräch vor dem Neuköllner Wohlfahrtsamt Mitteilung gc »nacht habe. Zeng«: Jawohl. Timilrow: Wann? Vorsitzender: Damit ist die Sache erledigt. Ter Zeuge hat die Frage bejaht. Dimitrow: Das bezweifle ich ganz entschieden. Nach der Pause teilt d«r Vorsitzende mit, von Janecke erwähnte Hintz« nachträglich nächste Wockx als Zeuge geladen worden ist. Ter Kellner Starker gibt über di« kommunistischen Zellcnabend« Auskunft. Janeck« und Lubbe kamen einmal in sein Lokal. Er habe Lubbe zunächst für einen Kommunisten gehalten, aber aus politischen Gesprächen dann daß Van der Lubbe nicht Kommunist, ja nicht einmal Marxist gewesen sei, weil er eine politisch« Theorie entwickelt Marxismus nicht Auf die Frag« des Zeugen, sein« Ansichten verwirklicht der Lubb« damals Partei gäbe cs nicht, aber am seinem Ideal noch di« Allgemeine Das„Geständnis" DaS Gericht entläßt jetzt auch die übrigen für heute geladenen Zeugen nnd der Vorsitzende teilt mit, er wolle heute- noch den Angeklagten Ban der Lubb« darüber vernehmen» w i e e r den Reichstagsbrand auügesührl habe. Der Vorsitzend« fordert den Angeklagten ans, „frank und frei" zu erzählen, wie«r es gemacht habe. Ban der Lubbe schweigt und hält den Kopf ge> Auch der schwedische Delegierte Sandler kündigte seine Absicht an, die I u d e n s r a g e unter den» Gesichtspunkt des MInderhritenrechteü im Politischen Ansschntz der Bersammlnng zur Sprache zu bringen. Sandler wies darauf hin, daß bereits lange vor dein Kriege beschlossen wurde, daß die Opfer des Krieges ihrer Rechte nicht verlnsttg gehen sollen. In der heutigen großen^politischen und sozialen Verwirrung muß die St im in« der Humanität zugunsten der Opfer, der zivilen Konflikte gehört werden. Ter schwedische Delegierte beries sich hiebei I aus die Grundsatz« des Roten Kreuzes und rilriiKMmp» In ldfzl gerade bei der heikelsten Stelle des.,Dcwels“verialirens Seite 4 EamStag, 80. September 1988 Nr. 299 Tagesneuigketlen Eine VertzMung in Brebvurg im Zusammenhang mit dem Vrattskü-Mord. In Preßburg wurde gestern der Kellner D. verhaltet, der zur Gesellschaft des in Luudenburg verhafteten Glaser gehört und i»l Verdachte stehl, der mysteriöse blande Mann zu sein, mit dem die Vranskü knapp vvr ihrem Tode gesehen ivnrde. D. leugnet jede Schuld und bemüht sich, ein Alibi zn erbringen, welche» derzeit. überprüft wird. Gegen D. lief bereits einmal eine Mord- untersnchuug, als unter denselben äußeren Um- ständen, wie im stille der Vranskü, die zerstückelte Leiche der Preßburger Prostituierten Fibiovü gefunden wurde. Damals wurde er mangels a» Beweisen kreigelassen. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" berichtet, daß die Wiener Polizei im Jahre 1923 eilte Untersuchung gegen Glaser geführt hat, als dessen Geliebte Therese Hoffmann unter ausfäl-s ligen Umständen starb. Die Lundenburger Gendarmerie ist überzeugt, daß die Indizien gegen Glaser so start sind, daß sie die Mordanklage gegen ihn jetzt schon rechtfertigen ivürde. E!n Mordyksliindnis. Auf einem PolizeikomntiHariat in Prag erschien gestern der 25jährige S Uhr früh mit seiner Geliebten Marie> Adam nach Ecstitz an der Sazawagefahren zu sein. Er ließ seine Freundin eine Zeitlang allein.| Als er dann bemerkte, daß der Landwirtssohn: Josef Lejiöko mit der Adani ein lliendezvou» ver- obredete, gab er auf die beide« vier R e v o l-> verschüsseab.— Die Polizei rief die Gendar- meriestation an und stellte fest, daß tatsächlich der■ Fall sich am 27. September zugetragen l)abe. Lej iLko war sofort tot, während die! Adam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Dopvelleldstmord im Hotel. Donnerstag abends mietete ein Baar in einem i Hotel in Prag ein Zimmer. In das Fremdenbuch trug sich der Herr als Josef N u n v a ö,' geboren 7902 in Schlan, dorthin zuständig, ein. i Seine Begleiterin trug er als seine Gattin ein. Freitag früh bestellte das Paar ein Frühstück, das auf dem Zimmer serviert wurde. Tas Stubenmädchen sand die Hotelgäste in bester Laune. Etwa zwanzig Minuten spater ertönten aus dem im zweiten Stock gelegenen Zimmer d r e i S ch ü s s e, die das Hotel alarmierten. Das Zimmer war von innen verschlossen und mußte aufgebrochen iverden. Das Hotelpersonal fand die Frau mit einem Kopfschuß blutüberströmt im Bett. Wenige Minuten später erlagsie ihren B e r l e tz u n g e n. Der Mann lag aus dem Boden unweit des Bettes mit einem tödlichen S ch l ä f e n s ch u ß. Er wurde bewußtlos der Klinik Jirüsek eingeliefert. Die Tote ist, wie aus Aufzeichnungen hervorgeht, eine Frau Anitta Fiala aus Schlau. Es wurde ein Bries vorgefunden, in dem das Paar mitteilt, gemeiniam Selbstmord begehen zu ivollen. 873 Paris, 29. September. Heute werden 673 französische Schwerverbrecher, die zur Zwangs- arben in den französischen Kolonien verurteilt wurden, nach Guayana(Teufelsinselu) gebracht iverden. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Sonntag. Prag: 6.30 Gymnastik 8.30 Zigeutiermusik. 10.10 Jugoslawische Volkslieder. 18 00 Deutsche Sendung: Dr. Popper: Vorschau auf das Musik- Programm der Woche. 20.00 Banso-Trio. 21.10 Konzert. 2220 Tanzlieder.— Brünn: 9.15 Naüioschram» titel. 18.00 Deutsche 2 eudun g: Konzert für zivel Klaviere. 19.00 Bokksblackapelle.— Preßburg: 18.25 Unterhaltungskonzert.— Wien: 1050 L'-d-.r- stunde. 12.00 Orchaslerkonzert. 17.85 Mandolineukou- zerl. 18.45 Walzer- und Balletimusik. 20.00 Sieg der Liebe.— Leipzig: 13. Lrchcsterkanzert.— Hamburg: 15.05 LönS-Lieder. fliegt hinaus." * Beerensammler werden von SA-Leuten bestohlen!, Die Arbeitslosen der armen Böhmerwald- gcmeinde Fürstenbut verkaufen feit vielen Jahren die gesammelten Beeren in den benacl)- banen bayrischen Grenzort F i» st e r a u. Nun bekamen auch die armen Beerensammler den Segen des Dritten Reiches zu spüren. Die stramme SA Hitlers holte zu einem schweren Schlag gegen die Fürstenhuter in Ermangelung eines anderen wirklichen Feindes auS; als diese wieder einmal liefern kamen, zahlten sie ihnen für ein Pfund Himbeeren 1 Pfennig (einen Pfennig) aus und wer etwa aufzumurren begann, dem drohte man mit der Fahrt ins Konzentrationslager. Ja, ein besonders forscher SA- Mann glaubte seiner großdeutsen Gesinnung besonders Ausdruck verleihen zu müssen, indem er ans eine Partie Beerensammler schoß, die sich nicht willenlos„gleichschalten" ließen. So hilft Sldolf Hitler den deutschen Bolksgenosien, daß seine Landsknechte sich widerrechtlich Ware aneignen, deren Mehrerlös angeblich einer Weihnachtsspende zufasien soll. Das Ergötzliche an der Sache ist, daß es auch die Gesinnungsgenossen Hitlers betraf, die nun für den Spott nicht sorgen brauchen, denn Deutschen kann nur durch Deutsche abgeholfen werden! Heil Hakenkreuz! macht werden müsse, da der„uberwalttgende v„—■,«.■. au ,.. Durchbruch des nationalen Willens" auck b' HUA Ferdinand von Saar (1833—1906.) Zum 100. Geburtstag am 30. September. Ein jnnger österreichischer Offizier, Wiener Kind, aus armem Veanilenadel, frühzeitig in die Armee eingetreten— sie hat unmittelbar vorher(1848 und 49) ihren stark verblaßten Ruhm durch'Niederwerfung der bürgerlichen Revolution ne» anfgefrischt— fühlt schon nach wenigen Jahren geisttütendeit Aatnaschendien- stes, daß er zum Dichter und nicht zum Soldaten geboren ist. Er zieht als Unterleutnant zweiter Klasse seinen Wafsenrvck aus nud hungert sich durch die Jähre durch, ohne Mittel und ohne Gönner, von Gläubigern verfolgt und wiederholt in den Tchuldturm gesperrt, aber nie irre werdend an seinem Künstlerberufe. Erst nach seinem 40. Lebensjahre sieht er die Not langsam von seiner Seite weichen— dank der Fürsorge, die zwei edle Frauen ihm angedeihen lassen. Aber vergebens versuchen die beiden, Versucht ein Freundeskreis die breite Oessentlich leit auf deu Dichter aufuterksam zu mache», Pur eine kleine Gemeinde von Lesern würdigt und schätzt ihn, und das, was er in Jahrzehnten langsamen und sorgfältigen Schassens hervorbringt. Und nicht einmal der Ausgang dieses entbehrungs- und entsagungsreichen Lebens ist ruhig und sounenbeschieuen: ein unsäglich quälendes Krebsleiden vergällt dem Dreiundsiebzig- jährigen das Dasein und druckt ihm schließlich die tödliche Waffe in die Hand. Vierzig Jahre vorher hat der Dichter des„Nachsommer" aus dieselbe Weise geendet. An Ferdinand von Saar erfüllt sich so das typische Schicksal des österreichischen Poeten, dem die Berührung mit dem Leben schmerzliche Wunden beibringt und dem es doch nicht einfällt, den Kampf gegen die feindlichen Gewalten auszunehmen; dessen letztes Wort der Verzicht ist: Verzicht auf Macht und Genuß, Verzicht auch auf Erkenntnis. Nicht bei allen Oesterreichern ist solche seelische Haltung.auch eine Erbschaft des Blutes. Im Gegensatz zu seinem hypochondrischen Landsmann Grillparzer war Saar von Haus aus eine Frohnatur, die kleinen Freuden durchaus nicht aus dem Wege ging. Tein Pessimismus war auch keine Modelaune oder eine Frucht seiner Schopenhauer-Lektüre; er wuchs vielmehr hervor ans seinem Oester- reichertum, aus der äitßeren und inneren Zuge- Hörigkeit zu der alt und schwach gewordenen Monarchie— die dem Dichter nicht einmal ein sorgenloses Schaffen ermöglichen konnte. Saars dichterische Tätigkeit fällt in die Zeit, da der Industrialismus, der im übrigen Deutschland schon nach 1848 emporgeblüht war, auch die kulturell fortgeschrittensten Gebiete Oesterreichs eroberte. Dent entsprach in der schönen Literatur Deutschlands der ,poetische Realismus" mit seiner Freude an der Wirklichkeit des Alltags, an dem Ausstieg des Bürgertums, an den Erfolgen der Nation. In Oesterreich getraute sich solcher Optimismus höchstens in der Dvrsdichtung, bei Anzengruber und Ro- seager, oder bei einer Frau, Maria von Ebner- Eschenbach. lieber den Schöpfungen der anderen liegt die Wehmut des Abschtednehmens— man scheidet von einer Welt, die man langsam in die Tiefe versinken sieht. Dieser elegische Hauch durchdringt vor allen» das. was Saqr am besten gelungen ist: seine sor- mettreiche Lyrik und seine Novellen. Kein Zufall. wenn der Dichter den Herbst vor den anderen Zeiten des Jahres liebt und in innigen Versen feiert: Der du die Wälder färbst, Sonniger, milder Herbst, Schöner als Rosenblühn Dünkt mir dein sanftes Glühn. Solche Neigung hat nichts mit unmännlicher Senltmentalilät zu tun, ihr paart sich vielmehr ein klares, tapferes und teilnahmsvolles Auge, das sich auch vor häßlichen und düsteren Bildern nicht schließt: die Gedichte Saars schildern z. B. mit ganz naturalistischen Farben einen Ziegelschlag mit seinen schmutzigen Wassertüm- peln und morschen Bretterlchupfen oder das arme Proletarierweib, das mit harter Hand das Neugeborene erwürgt, weil sie schon den anderen sieben Kindern nicht Brot genug zu schaffen vermag. Das Arbeiterviertel mit seinen meghiti- schen Dünsten, Branntweinschenken und rachitischen Kindern taucht mehr als einmal in seiner Lyrik auf, aber der Dichter findet auch er- greifende Worte für die seelische Not der Arme», wenn er den Besitzenden zuruft: Eines aber habt ihr voraus— Und danken sollt ihr dafür In schöner Demut den Göttern! Frei bewahren könnt ihr euch Vor allem, was den Menschen entweiht. Denn niemals seid ihr hingestellt Auf den schmalen Klippenrand der Not, Der lauterstes Wollen Von unwürdigem Handeln trennt, Und jene Sorge kennt ihr nicht, Tie mit heintlückischem Nattenzahn An der Seele frißt, Erhabenen Sinn an Gemeines leKet Und ein großes Herz Niederzwingt in den Sunrpf der Duldung, Bis es nach langem Kamps An sich selbst verzweifelt Schuldig wird— und versinkt. An Saars warmfühligen sozialen Gedichten gehen leider unsere Rezitatoren gewöhnlich ebenso achtlos vorüber wie die Herausgeber sozialistischer Gedichtsammlungen. Die Herzen seiner Landsleute hat Saar wohl am meisten durch seine„W jener Elegien" gewonnen, die Krone seiner Lyrik und zugleich das Eigenartigste seiner Werke. Von besonderem Reiz der Gegensatz zwischen der antiken Verssorm und dem modernen Thema: das noch halb mittelalterliche Wien des Vormärz wird von der modernen Großstadt verdräitgt. Aber auch hier bleibt Saar kein verbohrter Lob- preiser des Allen; auch hier bricht immer wieder sein herzliches Mitgefühl für die Armen der Großstadt hervor. Diesen Wechsel der Dinge, wie er sich in dem Staate Franz Josefs vollzog, spiegeln auch die Novellen wider. Ans vielen von ihnen spricht der scharfsichtige Beobachter der Wandlungen, die nicht zuletzt auch die gesellschaftliche Strttktur Oesterreichs in der Zeit zwischen 1848 und 1900 durchgemacht hat. Ten siegreichen und übermütigen Offizier der Radetzky-Armee sticht nach Solferino und Könipqrätz in der„Gesellschaft" wie bei den Frauen der erfolgreiche Politiker aus, die Enkelin des armen Galizianers bewegt sich mit Anmut in den Wiener Salons, der einst wohlhabender Bürger„vom Grund" endet im Armenhaus. Immer aber gilt des Dichters Liebe den vom Leben Besiegten, den Schwachen und Unterdrückten. Tiefes Empfinden lebte in dem jungen wie in dem greisen Dichter: aus Beobachtungen, die er als Offizier bei einem militärischen Marsche über die Alpen gemacht hatte, gestalteten sich ihm später seine „Steinklopfer", vielleicht die erste Proletariernovelle unseres Schrifttums. Hier finden zwei junge Menschen, er ein Erdarbeiter, sie die Stieftochter seines rohen Aufsehers, über Totschlag und Gefängnishaft hinweg, am Ende doch noch ein stilles, bescheidenes Glück. In der letzten Erzählung Saars aber(„Die Pfründner") führt das Armenhaus allerdings auch zwei vom Leben bitter enttäuschte Menschen in rührender Neigung zusammen— aber nur, nm sie ihr Dasein erst recht qualvoll beschließen zu lassen. Saars vornehmer und anspruchsloser Kunst ist das Bürgertum des neunzehnten Jahrhunderts zn wenig gerecht geworden. Hokken wir, daß er unter der Arbeiterschaft unser-»r Keit verständuiSvollere Leser findet! L. Kvhler. L 51t. 2-9 SomStgg, 90. September 1093 3cIH 5 sc Auswüchse Volkswirtschaft und Sozialpolitik 33. wir unfi andcrnieilS verhindern Seit» etwas das sic auch'Not leiden müssen, so wissen wir doch, daß Dich keiner so furchtbar quälen kann, wie viele von unseren freunden zurcchtgemacht werden. Sieh Dich mir gut vor,‘~' passiert. Hoffentlich kommt dem wir uns frisch und Dann sollen sie unS alles wollen ihnen alles heimzahlen, angetan haben... Laß eS Dir gut gehen und sei gegrüßt. Wußte iöhue, die nie viel gelaugt hallen, bei gelandet waren. 91. 91. ebenfalls entlassen wurde, er- alles. Er regte sich furchtbar darüber hat ihn der eine Sohn geschlagen und Karlsbad führt Pflastermaut ein. Die Stadt- genreinde Karlsbad hatte im vorigen Jahre die Einführung einer Pflastermaut beschlossen. Zahlreiche Interessenten hatten jedoch gegeit diesen Beschluß ihre Berufung eingelegt und die Bezirksbehörde gab auch dieser Berusung statt. Nun hat sich die Stadtaemeinde an die Landesbehörde gewendet, die schließlich wiederum ihrerseits dein Ersuchen er Staotgemcinde willfahrte und die Einhebung bestätigte. Karlsbad wird demnach ab 1. Jänner 1934 eine Pflastermaut ciicheben. Gegen diese Einhebung stellen sich die Karlsbader FrcmdenverkchrSvcriändc, die Automobilisten orgauisationcn usiv. Feuergesccht mit flüchtenden Sträflingen. In Zaeatlan im östlichen Mexiko kam eS zu einem blutigen Kampf zwischen Polizei und Gc- sängnisinsassen, die zu entweichen versuchten. Tie Sträflinge hatten eine Ocffnung in die Maner der Strafanstalt gemacht, tvurden aber, als sie das Freie zu gewinnen versuchten, von einem Beamten bemerkt. Bei dem sich enlspiunenden Kampf wurden zehn Sträflinge und ein Polizeibeamter erschossen. Nazi-KirchenanStritte in Kärnten. In den letzten Monaten ist in Kärnten eine Austrittsbewegung aus der katholischen Kirche festzustellen. So fanden in den letzten Tagen in Klagenfurt allein über hundert Aufnahmen von Männern und Frauen, die ans der katholischen Kirche ausgetreten waren, in die e v a n g e 11 s ch e K lrche statt. Die Bewegung wird von den Kärntner Nationalsozialisten organisiert. 2. Frage:„Was sind die Arme?" Antwort:„Die Arme sind astartige den schultern, d,e durch pendelanige Schwin- ....„,t SA-Mann im Gleich- an gungcn beim Marschieren den gewicht erhalten. Das schwimmhauiartige Ende des rechten Armes dient beim Zeigen de« HiilergrutzeS zum Erheben in die Lust. Außerdem dienen die Arme zum Ausfüllen der Hemdärmel." 3. Frage:„Was sind die Beine?" Antwort:„Die Beine dienen zur Ankurbelung der deutschen Schuhindustrie, zu welchem Zwecke man sie mit langen Stiefeln bekleidet. Tic Beine sind der wichtigste Teil des Körpers. Wenn es„äm- lich mal wieder anders kommt, kann man auf ihnen laufen." Jnstruktionsstunde der<391. 1. Frage:„Was ist der Kops?" Antwort:„Ter Kopf ist jener wulslartige Auswuchs zwischen den Schultern, der einesteils die Tragen: der Kopfbedeckung erleichtern, das Hinaufrutschen der Hiller-Krawatte soll." Machthaber. Das Ende vom Lied: Hans und der Wirt wurden auf der Stelle„verhaftet". Und der„unerhörte" Fall kam schon nach zwei Tagen vor das Sondergericht. Während der Berneh- mung des Wirtes, der nichts anderes ans,»sagen wußte, als daß er den Vorbesitzer Hansens nicht kenne, benahm sich der Papagei völlig ruhig. Kaum aber war der SA Unterführer als Zeuge ini Gerichtssaal erschienen, so begann HanS sofort wieder mit seinen Ausfällen gegen Hitler. Nach zweistündiger Verhandlung wurde das Urteil gefällt. Ter Win kam mit einer Geldstrafe und der Androhung davon, sofort inS Konzentrationslager überführt zu werden, wenn er jemals wieder ein derart staatsgefährliches Subjekt wie Hans annehmen sollte. Ter arme -Hans aber, den ein'findiger Hitlergcgiier erzogen hatte, wurde durch Gerichtsbeschluß„eingezogen".„Eingezogen", darüber ließ der Gerichtshof keinen Zweifel obwalten, bcdesttete für den Papagei das Todesurteil. VlutfGande. AaHrelans vom eigenen Vater miftveauGt Abschrift der Polizei übergaben. So kam der Ntsährige Bäckergehilse Rudolf L. vor die Geschworenen. 3n dem Bries war das Martyrium jungen Geschöpfes niedergelcgt. Seit ihrem neunten Lebensiahr hat der Vater Kind zur Blutschande gezwungen. Wie behauptet, Hal er Ihr durch brutale Tro- Hungen den Mund verschlosst». Als sie cs kchlicß sich nicht mehr ertragen konnte, flüchtete sie in der beschriebenen Art ans dem Elternhaus. Der Name des Täters kann nicht genannt werden, wenn nicht keine unglückliche Ton------rHcen soll. Tie Anklage gegen ihn lautcle aus das Verbrechen der Notzucht, begangen durch Geschlcchtsrerkchr mit einer Minderjährigen, ferner aus das Derbre chcn der Blutschande und auf die Uebcrtrctung des öffentlichen Ae rg c r n isse s. Ter Altgeklagte ist bisher>i nbc sch o Ile n, ist aber als roher Men ich bekannt, der auch Fran und Kinder öfters mißhandelt Hal. Tic mißbrauchte Tochter machte bei der Verhandlung von der Vergünstigung der Slrast'rozeßordnnng Gebrauch und ontschlug sich der Aussage. Auf Grund des einstimmigen Wahn- sprnchcs der Ge'chworcnen verurteilte der Schwurgericht»!)»: lVors. OGR Vavral den Angeklagten zu z w e i Kahren schweren und verschärften Kerkers. nh. daß Dir dort nichts bald der Tag, an gesund wiederfcheil. entgelten. Und waS sie Brand im Warenhaus. Dortmund, 29. September. In dc>» zu'" Karstadt- Konzern gehörenden Großwarcichaus Theodor A l l ho f f im Mitlelpnukt der Stadt entstand heute vormittags gegen l l Uhr in den Kel- lcrräumcn ein Lagerbrand. Infolge der s»hr starken Rauchentwicklung war in knrker Zeit das ganze Warenhaus verqualmt, so daß es von Kall- fern und Angestellten vollständig geräumt werden miißte. Die Feuerwehr ging nach Einschlagen einiger Schanfeilsterscheibe!i an die Bekämpfung des Brandherdes. Durch die starke Rauchentwick- luiig halten in e h r e r e A n g e st c 11 t e Ran ch« Vergiftungen davon getragen. Etwa zehn Feuerwehrleute, die mit GaSmaSlun in den mit Rauch gefüllten Kell-rn arbeiteten, erlitten Rauchvergiftungen und mnßten uio Krankenhaus gebracht werden. Prag, 29. September. Auf der Tagesordnung da-'er Schwuugerichlsseision stehen nicht weniger als stoben Fälle, die unter AuSichluß der Oeffenllicheit verhandelt werdeii. Notzucht a n M i n d e l j S h r i g e n... I Fälle dieser Art lasten meist in einen enlseh. lichen Alcgrund menschlichcn Elend« und menschl'cher Berkomnnnhei» blicken, die ja beide unzertrennliche Geschwister sind. Wenn In den 9lolquarticrcn an der Peripherie nabst sechs oder sieben Fam'Iienange- hörigeu noch zwei bi« vier„Untermieter" in ein und denselben Roum schlafen, ist cs nicht allzu weit zum„gesetzlichen Tatbestand". Von allen verhandelten Fällen dieser Art ist wohl der heutige eine' der krassesten. Tie Verhandlung war natürlich geheim, aber der furchtbare Sachverhalt kam au« den Ge sp räche n de r ße>i- flen ailf dem Korridor klar genug zutage. Ein Vater hat seine Tochter von ihrem nennten Lebensjahr ab mißbraucht. TaS Mädchen ist heute fünfzehn Jahre alt. Eines Stt-ends kam sie weinend zu den NachbarSleuie» und bat nm Nachtlager. Als sie sich morgen« verabichic detc, hinterließ sic einen Brief in unverschlossenem Kuvert, der an ihre Mutter adressiert war. Tic 9iachbarn, die von der ungcwöhnlickten B'tte des MädckienS aufmerksam gemacht worden waren, laten den Brief, machten eine Abschrift davon und stellten da« Original der Adrestatin zu, während sie die Allgemeine Pensionsansialt Sitzung der Bcrwaltungskommission. Die Bcnvaltuiigskommissivu der Astge- meiueu Pcnsionsanstalt hielt am 27. September eine Sitzung ab, in tvrlcher esn Bericht über dm Stand der Anstalt vorgelegt wurde. Trotz der Wirtschaftskrise sank die Zahl der Versicherten nicht ganz nm 1(,».000 und betrug am l. September.123.290. Die Zahl der Rrntner betrug am selben Tage über 50.000. Im ersten Halbjahre 1933 wurden sic- 237,-119.210 an Prämien vor- geschrieben, gegenüber 248,72-1.579 sic int zweiten Halbiahro 1932. Im ersten Halbjahre des heurigen Jahres wurden an Versicherungsbeträgen 17-1,986 530 sic, an Heilfürsorge für Versicherte 3,711.000 sic, an Kraukeubehandluug der Rentner 5,602.512 sic, an Arbeitslosenunlerstützungen 12,581.250 sic, insgesamt also 190,881.328 sic ausgezahlt. Tie Barbestände und das fest angelegte Bermögeu der Anstalt betrug am 30. Juni 1933 sic 3.780,176.000. Der Barbestand und die erwarteten Einnahmen der Anstalt im laufenden Jahre genügen zur Deckung der Auslagen und zur Realisierung der bereits gebilligten Darlehen und anderer von der Anstalt übernommenen Verpflichtungen, hingegen ist es u n m ö g l, ch, in diesem Jahre weitere Darlehen zu bewilligen. Ter WirlfckzastSplai' für 1934, der die Beträge festsetzt, die voraussichtlich nn nächsten Jahre in Wertpapiere» und Darlehen feit angelegt werden können, wird erst zu Beginn des nächsten Jahres nach den Ergebnissen des Wirtschaftsberichtes für 1933 zusammengestellt werden. Weiters ivnrde der Ankauf des Sanatoriums Szontagh in Ncu-Schinccks in der Tatra zum Preise von 15 Mistionen Kronen mit astcm In- venlar und der Rechnungsabschluß der Anstalt für 1931 genehmigt. Warschau, 29. September. Bei Nielze>fl vorgestern das Dorf Grzymala abgebrannt. Etwa 150 Wirtschaftsgebäude fielen den Flammen zum Dpfcr. Auch zahlreiches Bich ist in den Flammen umgclommcn. Latzl Tiere sprechen! Nach einem Bericht der Baseler„National- ,eitung ereignete sich in Hamburg folgende Bc- gebeicheit, die den Vorzug hat, wahr zu sein: . o» einer von Seeleuten viel besuchten Hakenktietpe erschien ein Matrose und ho, dem Wirt einen Papagei zum Kaufe an. Rach kur- wurde man einig. In einem präch- be!>iü,^n^'r dem Stammtisch des gut- uutgehangt wurde, hatte Hans, i Papagei, nun Gelegenheit, den Gä- nd°°b-«.s° gut sprechen konnte bauvte. krüherer Besitzer be- t h Eures stand schon nach wenigen ff,'b'«den fest: Hans" hatte eine gute Kinder- nuve hinter sich, denn er begrüßte jeden Gakt entfernte"'»!tt-^»nd wenn er sich ^"lern^le mit. Auf baldiges Wiedersehen" Die Freude des Wirtes über dc-n wohlfeilen'.Kai s sie sich'?°kh allzubald sollte Schrecken verwandeln. Ein SA-Unter- Wirtes r'?"» Acguisit on des -'""chite und beschimpfte die neuen Brief aus dem Dritten Reich. 91...., den 14. September Lieber guter Papa! .... Hier ist noch alles beim alten, dem ich wieder in Freiheit bin, hat sich< schreckliches ereignet. Ich habe mit unserem lie- den Gcnosten R. N. zusammen in einer Zellgesessen. Er war immer so zuversichtlich, und er hat mich oft getröstet. Au einem Tage be- kamen wir für N.'s Geld ein paar Stück Kuchen in die Zelle geschmuggelt. Er war sehr fröhlich darüber. Aber mir blieb der Bissen im Halse stecken. Wußte ich doch schon, daß seine beiden C" der SA Als fuhr er auf. Da,......... ihm gedroht, er wolle ihn in ein Konzentrationslager bringen lasten, weil er die nationale Bewegung verächtlich gemacht habe. Mit dieser Drohung verließen die beiden Strolche ihren Baler. Da hat sich unser lieber, braver N. N. auf. gehängt. Am Sonntag wurde er beerdigt, Aist- unsere Leute waren zur Stelle. Aste grauen haben rote Geranien in das Grab geworfen Die Männer hatten gemeinsam einen hellroten Asternkranz gestistet. Die beiden Lumpen, die ihren Vater in den Tod getrieben hatten, waren auch zur Stelle und hatten einen Kranz mit Hakenkreuzschleife milgebracht. Aber sie wurden von allen mit schwei- gender Verachtung bestraft. Wir sind ja so froh, lieber Papa, daß Tu I die Grenze hinter Dich gebracht hast. Wenn w,- 1 Wählcrverlammluna, ilrauenoetfammluna. oolitlkcden Versammlung. Versammlung oder Sitzung eine, vroletarlschen Organisation tollt ghr kür die soMMMk Wkllkkllk mtenstvtte Werbearbeit. leifter Genossen k«Senossluuenk 0« fetter Verrieb«»ertamauung. fetter Aewerk!chafi»verscnnmlun» jeher NenostenschastSversammlung jede» jener jede» jede» der GenossenfeHaften Die Frauensektton des Verbandes deutscher W i r t s cha s t S ge n o ss e n- schäften beginnt die Werbearbeit für die Herbst- und Wintermonale in der Regel nut einem Schulungskurs der tätigen Funktionärinnen. In diesem Jahre war als Ort des Kurses das Kindererhvlungshcim der Bergarbeiter in R o d i S f o r t bei Karlsbad bestimmt worden. Tie größeren Konsumgenossenschaften Böhmens hatten 37^Funklionärimten entsendet. Für Mäh- rcn und Schlesien wird ein eigetter Schuluttgs- kurs staltsinden. Der KnrS begann am 16. September mit einem B eg r ü ßu ngso bc nd. Den ersten Vortrag hielt Gen. Dietl, Prag, der über die Lage der internationalen Genossen sch astsbewegnng sprach. In ausgezeichneter Weise legte der Referent die derzeitige Lage der Bewegung dar. Nach den Ermittlungen der GenossenschastSabteilung des Fnternationastn Arbeitsamtes in Genf bestehen 05.298 Konsunigenosstnschaften mit 93,912.000 Mitgliedern. Im Internationalen Genossen- schaftsbund sind davon in 22 Staaten 55.660 Konsumgenossenschaflen mit 91,912.500 Mitalte« der», die einen Umsatz von 359 Mistiarden sir erzielen, zusammenarfaßt. Die Reaktion in Politik und Wirtschaft b e g ü n st i g t den'Kampf der Gegner und erfordert uitseren Kampfeswillen. Gen, Kreisky, Prag, sprach über den Stand der zentralen u>i d lokal«« Eigenproduktion. Ausgehend vom Kar- tellaesetz, der Art und dem Umfang des Kartellwesens in der Tschechoslowakei(es gibt in unserem Staate über 200 Kartelle^, besprach der Vortragende den Aufbau der Eigenproduktion, i Trotz aller Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse ist es dennoch gelungen, den Betrieb der eigenen Fabriken aufrechtzuerhalten, ja sogar teilweise zu erweitern. lieber Textilkunde für Haussrauen, sprach Gen. Friedmann, Prag. Er zeigte an Hand von Wareninnstern auf, daß die Teytil- indiistrie zum Teil Waren erzeugt, die zwar billig sind und gefällig aussehen, aber nicht das halte», tvaS sic versprechen. Er gab den Frauen Anleitungen über den Kauf von Textilien und Wäsche. Am Montag, dem zweiten Kitrstag, begannen die Vorträge schott um 7 Uhr morgens. Zunächst sprach Genossin Ried l» Prag, und Gen. M c r b S, Karlsbad, über die praktischen Aufgaben des Mitglieder» ns schnsseS. In der ungemein regen Aussprache brachten die Funktionärinnen eine Reihe Erfahrungen vor und ergänzten damit die Referate in der besten Weise. Gen. Proksch, Prag, behandelte in übersichtlicher Weise die Wirkling der Seisen und verschiedenen Waschmittel. Aus dem besprochenen ArbeitSpro- g r a m m für die kommenden Monate ist hervor- zuheben, das; die Frauen beschlossen haben, tvicderum neue Mitglieder zu werben, die Ein- kausStrcne der Mitgliedschaft zu pflegen, die Maßnahmen für die Durchsührung der Bar- zahlnng und der Einkaufsprnsnng zu fordern und darnach zu trachten, daß die GenossenschaflS- anteilc vollständig cingezahlt werden. Nach dem Mittagessen sand eine Exkursion in die GEE Wcischesabrik nach Bärriitgen statt. Der.in jeder Beziehung modern und vorbildlich eingerichtete Betrieb, der Wäsche»nd Konfektion der verschiedensten Art erzeugt, mach'e einen tiefen Eindruck auf alle Frauen, die ntttt sehen konnten, was eigene Kraft zu schaffen vermag. Hollge fv'Leinös'L. «ritt 6 Samstag, SO. 1933 y?r. Wi> Pit AGIER ZEITUNG Kunst und Wissen Vereinsnadir idit en Der Film Mitteilungen aus dem Publikum. I Am Aus der Partei C it• im Licht bringt Stimmung. Strahlender Glanz Innstlicher Bclcuchtungsqncllcn hat schon seit jeher, — so berichtet die Geschichte der Kultur— dem geselligen Beisammensein von Menschen eine besonder«, festliche Note verliehen. Immer ist ein Heller Lichtkreis— und wenn es nur ein Schimmer des osscnen Herdfeuers war— die niemals zu entbehrende, magisch« Umrahmung für alle feierlichen Anlass«, ja selbst für die Stunden der Erholung und dcs srcnndschastlichrn Gcdankcnanslauschcs gewesen. — Tarin hat sich bis heute kanm etwas geändert. Auch wir brauchen den abgcgrenzten Bezirk dcs Lichtes, um uns wohl zu siihleu. Allerdings ist die grelle Strahlcuslnt moderner Beleuchtungsanlagen, mit denen wir unser« Arbeitsstätten erhellen, recht wenig dazu geeignet. In Amerika und in den westeuropäischen Ländern, vor allem in England und in Frankreich, Hal sich deshalb die Sitte eingebürgert, bei Abendgescllschaslcn und in de» Mußestunden, die man plaudernd im Kreise der Familie verbringt, wieder Kerzen zu brennen. Mildes, weiches Kerzenlicht bringt Stimmung und verbreitet eine nervenberuhigende, zauberhafte Atmosphäre der Behaglichkeit. Ortsgruppe Prag. Sonntag,»en l. Oktober 1933. Abfahrt vom Vyjoiaucr »j Bahnhof um 8.21 Uhr. Wanderung im y Elbe- und Iscrtal. Legitimationen>n:i- ' nehmen. Führer: Kapuschtnski.— Ton- nevstag, den 5. Oktober 1933, Verein-Labend im Ge- »vcrkscha st shans am Perüt^n. Vorträge rnifl Veranslallumieii | Sozialistische Eltern wissen, daß ihre Kinder Im Geist« der Arbeiterklasse erzogen werden müssen und bestellen sofort den KI«bi A,Freundschaft' herauLgegcben vom ReichserziohungS» bcirat. Preis llü 2.50. Zn beziehen bei den Bertrauensmäunern oder direkt vom Reichssekeciarial der Kinderfreundc(Willi Hortet, Bodenbach, Postslr. 818. Arbeitsfront der westeuropäischen Lander. Für di« westeuropäischen Laudesver- bände der A r be i l c r- S p o r i- I n t c r n a t i o na le wurde durch d!« Bcruichtnng dcs deutschen Arbeitersports d!« gut« Verbindung mit den anderen Ländern ciugeschränkt. Um nun die technischen Arbeiten tveitcr gut svrizujctzen, kamen die Vertreter von Frankreich, Belgien und Holland in Brüssel zu einer Tagung zusammen. Von den Schweizern lag ein Schreiben vor, in dem sic sich mit den Schr-itlen der Verbände dieser drei Länder einverstanden erklärten. Bei der Zusammenkunft wurde unter andern ein Festkalender für die vier Länder beschlossen; cs finden 1984 in der Schweiz, 1935 in Frankreich, 1930 in Holland und 1937 in Belgien internationale Arbcilcrsportsesl« statt. Wie wir schon seinerzeit berichteten, haben auch di« n o r d« u r o p ä i s ch e n Verbände ein« Arbeitsgemeinschaft geschaffen Mag der Fafcismus auch e»n- zelne Teile der Arbeiterlportbcivcgung mit Erfolg angegriffen haben, so steht die internationale Arbei- t-ersportbewegung doch fest. Ti« österreichischen Arbci- lerspvrtler haben sich hcu«r-bemüht, durch Entsen- Kindertunstkurs, Zeichnen, Malen, Modellieren und angewandt« Techniken, Methode Pros. Eiset, W>cn. Leiterinnen: Maiiann« Lederer. Ilse Pompe, akadcm. Bildhauerin und Assistentin Pros. Ciseks. Beginn 11. Oktober von 2—t und 4—6 Uhr, Uranianeulbau. Informativer Vortrag am 4. Oktober, 5 Uhr nachmittags-bei Photo-Lederer. Baclavsk« »am. 15, Tel. 28526. Die schnellste Läuferin der Welt Stella Walasiewlez, die polnische Olympia- Sicgerin, zeigte in Warschau abermals ein« großartige Leistung. Es gelang ihr, den Weltrekord im 60-Meter-Lans auf 7.3 Sekunden herabzudrücken. Amtlich« Rekordhalterin war d-e Tschechin Mozlikova mit 7.6 Sekunden. den „Bohcmia" und der„glanz Rezensenten des verzeichnet wird, die darnach den tvenig bcmctkie. Mittwoch, halb v„ng von Sportlern mit den westeuropäischen Verbänden in nähere Fühlung zu kommen. Hoffentlich kann diese Verbindung im nächsten Jahr noch verstärkt werden und auch aus andere Tportzmcigc als Schwimmen und Radfahren ausgedehnt werden. Tie österreichische Arbeitcrfportbcwcgnng bildet ein wichtiges Bindeglied zwischen dem westeuropäischen und deni ost- und nordeuropäischcn Arbeitersport. Sie Kat jetzt-jo viel« internationale Ausgaben wie kein andres Land der SASI. Die österreichischen Arbeilersportier haben das erkann-t, die große Aktivität, die sic Heuer nach innen und außenhin bekundeten, wird daher nicht geringer werden, sie wird zumindest im g.eichen Ausmaß ausrcchterhal- ten werden, wie bisher. Hundertjahrfeier der Prager Nikolandcrrealschule. Tie Einladungen zu dieser vom 3. bis 5. November l. I. stattsziidcuden und mit einer Fcstakademie der - Schule am 11. November abschließenden Feier werden in den nächsten Tagen versendet. Tie Maturajahrgänge 1918—1927 bezw. die olicrsglcichen ehemaligen Schüler werden driugendst ersucht, ihre Adressen an Herrn Juwelier Oswald Riemer. Prag I., Pfikopy 33, mitzuteilen, da gerade aus diesen Jahrgängen die wenigsten Adressen bekannt sind. Vorankündigungen eines Stück- oder Darsteller- Ersolgs, wie jetzt im Falle der von Berlin herbei- geholten Elsa, wenn man der Berechtigung hiezu und der Wirkung nicht durchaus sicher ist. L. G. Qualitätsunterschiede. Beim Einlaus von Eß- Waren und Gebranchsgegenständen ist meistens die Qualität entscheidend für die Wahl oder sollte es wenigstens sein. Man weiß doch, daß Ware guter Qualität, obgleich im Preise höher, letzten Endes vorteilhafter ist als solche minderer Qualität. Deshalb auch die Bevorzugung von Markenwaren, bei denen der Rus einer Firma für die Güte einstcht. Bei einem heute so wichtigen Bcdarssgcgensland, wie es die Glühlampe, unsere unentbehrliche Lichtspeu- derin ist, sollte man ganz besonderen Wert auf hohe Qualität legen und deshalb Osram-Lampen kaufen. Ter Markcnname„Osram" verbürgt höchst erreichbare Lampenqualität. Tank der auf wissenschaftlicher Grundlage fundierten sorgfältigen Herstellung und gewissenhaften Prüfung. Je besser die Glühlampe, desto wirtschaftlicher die Beleuchtung. Tie Verwendung von Osram-Lampen bedeutet demnach gute und billiges Licht. 0—. 2105a - Freitag, 8 Uhr:„M a m- — Samstag, halb 8 Uhr: Handschuh«". Kleinen Bühne. Sanistaq. Ihrer Ex zellen— „Höchste Eisenbahn"; 8 Uhr: Montag, 8 Uhr: (Bankbeamten).- Ber Revisor. fe besser ein Theaterstück ist» desto schwerer ist es zu verfilmen. Die dramatisch gesteigerten Aus. tritt«, die in tvenig« Szenen verdichtete Atmosphäre, die in Sprachstil und Gebärde fest umristencn Gestalten, all das läßt sich nicht leicht in jenen Fluß beweglicher und wechselnder, beobachtender und berichtender Bilder anslösen, die uns ans der Leinwand das L«b«n malen. Daß dem tschechischen Regisseur Mac Fr iS mit der Verfilmung von Gogols klassischer Komödie ein« gute Nacherzählung gelungen ist, die den Witz und die Wirkung ihres Vorbildes nicht zerstört, ist erfreulich genug. Hätte FriS sich entschlossen, von der silmisckten Freiheit mehr Gebrauch zu machen, hält« er statt der knappen stilisierten Straßcnszenen ein reicheres Bild vom Leben im russischen Zarenreich gegeben, dann hätte der Film auch noch jenen Rest von Enge und Starrheit verloren, der ihm anhastet. Denn was Gogol in seiner Komödie dargcstrllt hat, sollte nicht als zufällig« Privaiassäre gellen. Er traf ein ganzes System mit seiner Verspottung der vcr- lotterten Beamten, di« in Untertancnfnrchi ersterben, wenn der falsch« Revisor erscheint, die zu schmnuzcln beginnen, wenn er sich noch bestechlicher zeigt als sic selbst, und die zum zweiten Male entsetzt sind, wenn sie erfahren, daß der so teuer erkauft« Könner ein Schwindler war. Der Film kostet diese Symphonie von devoten Verbeugungen und verschmitztem Grinsen genießerisch aus. Er führt den Reigen subalterner Tninmhcit in gelungenen Typen vor. Und er macht die Bestechungsszene und das Festgclagc zu eindrucksvollen Höhepunkten der Regie und der Darstellung. Vlasta Burian spielt die Hauptrolle. Zurückhaltender al- sonst, mit einer Routine, die sich immer wieder durchsetzt, mit vielen cindrncksvollen Momenten, aber doch ohne jene gestaltende Fähigkeit, die nötig wäre, um ans dem gcschnicichclten Gauner eine große satirische Figur zu machen.—cis— „Pension Schötter" Die Aufführung des alten Schwankes(von E- Laufs und W. Haeoby» beweist, daß Julius Kellner zu den wenigen Regisseuren gehört, die nm Notwendigkeit, Möglichkeit und Methode einer Erneuerung und Aktual sieruug alter Theaterstücke Beicheid wissen.„Pension Schüller' ist zwar In seinem Tliema, daß unter bestimmten Umständen alle Menschen als verrückt er-icheincn können, zeitlos wie eine Ac'opjckw Fabel, aber in der Schwanklcchnik, im Dialog, in den Figuren ist c- so veraltet, daß«s an sich unanisührbar ist. Ter Anseveg der Reinhardt und PiScätor mar in solchen Fällen die Aktualisierung(Herr Mordo hat eS ohne Not an Ossenb'ch'und Suppü crrviesen, wie banal derartige Modernisierungen sind). Kellner macht es umge lehrt. Er betont das Alimodisck-e an dem Mileu, er spielt den Schwank, wie man vor einen» gute»» Mcn/schenalter nock> Theater spielen konnte, völlig stilecht und nur»reuig, gerod« ausreichend für den Ziveck, überspitzt, outrier:. So w rd aus dem harn» losen Schwank unter der Hand des zielbewußten Regisseurs eine Groteske. Man kann über die Witz« von anno Gartenla-ub«»nieder lachen, indem man über die Zeit lacht, ii» der si« mögt ch»varen, man auliisicrl sich über Schivanksignren und komi-lche Situationen, indem man die gosell'cha-ftliche Situation u»»fer«r Großeltern und die Gestalte», die durch diese versn'ikene Welt geisterten, höchst merkwürdig, komisch und amüsant findet. Ztvischen Offenbach und Sternhcim ist hier ein« Form gefunden worden, der zur Vaudeville nur eine geeignete Musik fehlt und die»ach dieser Musik geradezu schreit. T-a vor jedem Aktbcginn in» Prosze- innm eii» wenig musiziert wurde, verstärkt« noch dieses Gefühl. Dci» Helden des Schmauks, den Rentier Klapp- roth, der die Familienpenfio»» Schöller für ein Irrenhaus hält und am Ende von den anderen für verrückt gehaliei» wird(bis sich alles in Verlobungen auflöst) spielte mit deutlich erkennbarer Passion für das Fach und mit guten» Erfolg Herr Harprrcht Fn» Mittelpunkt des Interesses stand aber Walt:» Tau b, der den Mann ohne„L", den bühncnbegei- sterten Commis gab, ter fest an seine Aehnlichket» mit Newinsky und an sein« Berufung;»» Othenno, Winhcn» Tenn und Hamnet glaubt. Jin»»»'eilen und im dritte»» Al!« halte Taub mit seiner Charak- ierr-ollc stärksten Erfolg. Dir Herren S t r ö h l i n, Dudek, Musil, Hölzliu, die Damen Warnholtz, M o tz, G r c i n e r und vor allen» als Schrisl- stcllcrin Klüger Annie Reiter dienten mit Eise» dem Experiment, einem alben Stück dadurch zu neuen» Leben zu helfen, daß man es mit allen» Staub des ehrwürdig kölnischen Alters aus die Bretter bringt. E. F. Unser Blati der„Sozialdenioärai“ ist in Pro« in folgenden Berschleitzstellen zn haben: Bahnhofsbuchhandlung. Wllsonbahnhof, Masaryk- bahnhof, Denlsbahnhof. RartAk, Trafik, Präs 11., TySnov 3. Burok Hugo, Trafik. Prag I.. StaromEstski ni* mSsti 32. Hodrova, Trafik, Smfchov, nab«. tcgH 13. Jelinkova, Trafik. Nusle II.. Mostnö doiny..Re« forniy". Kotyza Jan, Trafik, Smichov, ZborovskA tr. 15. Krausova A., Trafik, Karlin, KrAlovskA 14. Krejiik A„ knlhkupcclvi. Prag-Lieben. KrAlov« ■kA 1511. Kroupa Jlndr., Trafik. Prag II.. RaSinovo ndbf„ stdnek 111. LUwenaohn Karl, Trafik, Prag II., Nokaianka 8. Marek Josef, knlhkupcclvi. Prag-Buben#. ni. Ur. BrAfa 24. Monlk, Trafik, Prag I., Parlament. MrAikova, Trafik, Prag I., Joscfskä tr.. tlAuek»27. Mr Ar Jan, Smfchov. RadllckA»f. 43. Orbla A.-G., ZcItungsvcrschlciD. Praha XII. Fo- chova tr. 62. „Praga“. ZoItungavcrachlelS. Prag II.. HavHtkuvo nuin. 23. Scdldk VAclav. Trafik, Dejvlce, Svceova. Skrabkova Anna, Trafik, Dejvlce. Hcnncrovy ürednlckA domy 280. Strouhal Artur, Trafik, Prag III.. MostockA 10. Tausslg E., ZeltungaverachlelB Prag II.. VAclav. iki»Am. 45. Ungcrmann Rudolf, Prag II., PanakA bei Paiasl- hotcl. Üstfcdni dein, knlhkupcctvl, SvUcen^. Prag II., HybornakA 7. Zomann. Trafik, Prag I„ PerStjfn. Pönal. ZeltnngavorachlelO, Prag II., SmeSky 8*18. Und bet StrafJenvorkHufcrn: Wenzelsplatz.— Mflstek— Maaarykbahnhof— Wllsonbahnhof. Wochenfpielplan des Neuen Deutschen Theaters. Samstag, halb 8 Uhr:„M a m s e l l N i t o u ch«„ lC1).— Sonntag, 2 Uhr:„Welhilm Dell"; 8 Uhr:„T i e f l a n d"(D 2).— Montag, halb 8 Uhr: „Tisrael i"(?l A).— Tienstag, halb 8 Uhr: „Ball im savoy"(A 1). 8 Uhr:„Mantel, Hut»nd Handschuhe", Erstaufführung(B 1).— Donnerstag, halb 8 Uhr: „La Bvhemc"(C2).- iell R i Io uche(DI). „M a n t e l, Hut und Wochenspielplan der 8 Uhr-„Die Trafik ! Sonntag, 3 Uhr: ^„Pension Schöller'. I„M a»ns«l le Nitouche" Dienstag, 8 Uhr:„Pension Schölle r".— Mittwoch, 8 Uhr:„Al a m s« l l c N i I o u ch«".— Donnerstag, 8 Uhr:„Pension Schöller".— Freitag, 8 Uhr:„Die Trafik Ihrer Exzcl- l« n;".— Samstag, halb 8 Uhr:„Bezaubern» des Fräulein'. Bczirkoorganifation Prag— Wegftädtl-Fahrt. Abfahrt Hilsonbahnhof 14.40 Uhr. Treffpunkt 14.30 Uhr Abfahrthall« Ankunft Dlölnik 15.50 Uhr, Marsch bis Wegstädtl.'Nachzügler fahren direkt bis Weg- städtl Sozialdemokratische Frauenorganisation, Prag, Montag, den 2. Oktober, um 8 Uhr abends in»„Monopol" Frauen- und Mädchenabend mit Vortrag des Genossen Josef Hofbauer über das Thema:„Literatur auf dem Scheiterhaufen." Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag fl», Priköpy, Palais Koruna. „Lohengrin", tn der zu Ende der vorigen Spielzeit mit Recht begeistert ausgenommenen Neuinszenierung, startete jetzt mit mehrfacher Neu-, Gast- und Aushilss besctzung. Ohne eine der so verpönten Klitikcn der Kritik licscrn zu»vollen, erschein» cs mir in diesen» Falle als Pflicht, ausdrücklich scstzustellcn, daß ich dabei von der„Fcjlspiclbcjctznng" volle»» Ausführung", die voi» „Tagblatt" und der aber auch von den„Ovationen", Darstellern bereitet»vurdcn, nur Künstlerisch bedeutsam crschic»» mir, nebcu dem einprägsame» Künsllcrbild und den slimmschönen Ehören lediglich der König Heinrich des Wiener Staatsopernsängers M a n o w a r d a, seine miihelosc Meistcrnng dieser gcsürchicisten aller Baßparlicn, die beispielgebende Noblesse seines Vortrags und seine stellentveise bezaubernde, weich« und runde Phrasierung. Fm übrigen hatte ich den Eindruck, daß das Publikum den ersten Akt und sci»»c Elsa, Elisabeth Friedrich von der Charlottenburger Oper(statt dcs erkrankten Fräulein Rohne) — eine TurchjchnittSstiininc voi» geringer Tragfähigkeit und zweifelhafter Tonreinhcit—, ziemlich kühl ausnahm, bcitü Zwicgesang Orirud—Tclramiind sich geradezu langweilt« und erst beim Kirchgang zu regerer Anteilnahme kam; Frau Kindermann ist, wie die meiste»» Altistinnen, als Ortrud stimmlich nicht überzeugend und gesanglich ohne das ent- fpreck»endc Ausdrucksvermögen, Herr Scheid! zivar rin slinnnwnchtigcr, aber in der Höhenlage allzu mühsamer Telramund. Herr Fischer(Loheugrin) kämpste, allerdings mit imponierender Selbstdisziplin, ein« schivcrc Indisposition nieder, der er sogar einzelne prachtvoll gesungene Stelle»» abrang. Stimmgroß, wie immer, Herr Hotter(Hecrrufer). Für den erkrankte»» Prof. 2zell hatte Kapellmeister Kienzl die Leitung der Vorstellung übernommei» und sorgte für rhythmische Präzision und dynamische Tämvsnng zngunstei» der GclangSstii»»n»cn. Es ist wahrhaftig durchaus kein lluglück und bei jedem Ttzeatcrbetrieb unvermeidlich, daß einmal eine Vorstellung nnter dem Nivea»» zn liegen kommt. Aber»vir halte»» cs für unsere Ausgabe, Schwächen schon deshalb nicht zu beschönigen, weil sonst das andermal restlos überzeugt gespendete Lob an Wirkung und Werbekrast für unsere deutsche Di"»hne verlöre. Und aus derselben Auffassung wenden wir nnS ncuerdiiigs gegen vielversprechende Sirtpried I««b— tt b c I t t b a 11« u r: Sttdelm tt»e k n e t.— BeramiusrNicher Sebotieui: Dr. BmU Str« all, Pro«.— Druck:..Rota- 8.-8. kür Rettung, unh Buchdruck, Hua— 8ür den Druck»eruniworilich: vH« idntll, Viag,— Die geiivnptinaTtennanninir mürbe non bei Past. u lelegrit’bcnbiceltlim mu Srlak Sir I3.ä00/V114930 bewillig!.— t9e»ug