13. Jahrgang. Donnerstag, 5. Oktober t933 Nr 233. UmgruppierungdesFascismus Behördliche Einstellung und Selbstauflösung der DNS AP Deutsche Nationalpartei behördlich eingestellt Der Parteivorstand der DNSAP hat gestern die Auflötung der Partei betchlotten. Zur gleichen Zeit hat die Regierung die Tätig keit der DNSAP und der Deuttchen Nationalpartei eingeitellt. Anhün-eln an bie 5tapr«j|ifttn nun An- ie tragen die Hauptverantwortung IVer 8tnü die veiaüever ncnicins? Die»Heimatsfront** hat nicht nur einen »autoritären** Führer, sondern auch eine eigene Pressestelle, die täglich die Oeiient- lichkeit mit ihren Aussendungen beglückt. Es muß also Betriebskapital vorhanden sein. Herr Henlein hatte seinen Posten beim Deutschen Turnerbund schon aufgegeben, ehe er ein einziges Mitglied seiner Front geworben hatte. Die Mitgliedsbeiträge kommen erfahrungsgemäß nirgends so prompt herein, Jedenfalls muß nun zuerst die Mitglieder haben. Von wo stammt also das Gründungs kapital der»Heimatsfront“? Vom Deutschen Turnerbund? Von den Vermögensbeständen der beiden völkischen Parteien? Oder aus den Kassen bestimmter Wirtschaftsorgani sationen, die antimarxistische Frontenbil dungen freudiger zu finanzieren pflegen, als sie etwa soziale Beiträge bezahlen? Der Herr Henlein wird natürlich versichern, daß er seine Diktatorenlaufbahn arm wie eine Kirchenmaus angetreten habe. Dann wird man sich den Geldaufwand der»Helmats- front“ doch näher ansehen müssen, denn nur Shoren.«6er seine fleiftiflen Beier tnifleit nichts wirkliche Diktatoren haben das Recht, kon- dazu bei, ibn mit den Eigenschaften einer morn« trollos wirtschaften zu dürfen! I lisch einwandfreien Bclvechutg auszustattLN, noch Die DNSAP erläßt zum Auflösungsbeschluß dcS Parteivorstandes folgende Erklärung: „Zu dieser Maßnahme sieht sich der Parteidorstand durch die neu geschaffene Lage genötigt. Infolge der durch die politischen Verhältnisse eingeleiteten inneren Zersetzung ist die Einheit der Partei in einem Grade zerstört, daß ste zum erfolgreichen Einsatz im politischen Kampfe unmöglich wird. Sämtliche Parteialiederungen und Parteistelleu haben in Liquidation zu treten und ihre Liquidatoren zu bestellen. In den LrtSparteien sind den bisherigen Mitgliedern die Mit« oliedSbücher abznverlangen und zu vernichten. Die bisherigen Parteimitglieder find vom heutigen Tage an aller ans der Parteiverfaffung entspringende» Pflichten entbunden und in ihren künftigen Handlungen vollkommen frei. Tie Mandate in den öffentlichen BertretungSkörpern, welche auf Listen der DNSAP vergeben wurden, find,, nach. Möglichkeit beizubehalten. Die Fraktionen hoben jedoch nicht mehr den Namen der DNSAP zu führen." Krebs gefluchtet! Haftbefehl gegen Schubert, Kasper und Jung Prag, 4. Oktober. Nach zuverlässigen Meldungen, die wir schon am Nachmittag unter, den gegebenen Verhältnissen. kann die Partei kxin Werkzeug der Polltsk mehr sein. Wir sind daS Opfer einer Entwicklung geworden, die niemand von uns voraus» sehe« konnte... Deshalb hat sich der Parteivorstand entschlossen, mit dem heutigen Tage die Partei zu liquidieren, weil er eS vor dem gesamten Volke nicht verantworten könnte, die Masten der Anhänger der DNSAP in einen illegalen Kamps hineinzuführen, besten Ausgang sich zu einer Katastrophe des Sudetendeutschtums und möglicherweise des Gesamtdeutschtums entwickeln müßte. Prag, 4. Oktober. Rach zuverlässigen Meldungen, die wir schon am Nachmittag von Vertrauensleuten erhielten, ist der Abgeordnete Krebs, gegen den ebenso wie gegen Kasper, Jung und Schubert ein gerichtliches Verfahren schwebt, unter Verzicht aus die hohe Kaution(230.000 Ke) heute vormittags bei Schandau über die Grenze geflüchtet. Eine Nachfrage im Innenministerium erbrachte jedoch überraschenderweise die Auskunft, daß KrebS in Aussig sei. Teselbe Auskunft wurde noch am Abend(!) vom Innenministerium auch tschechischen Blättern erteilt. Auch daS ossizelle Preßbüro hüllte sich in Schweigen. Eine Anfrage in Aussig ergab schließlich nachts mit voller GewiHeit, daß.Krebs tat. sächlich auS Aussig verschwunden ist, allem Anschein sogar schon seit Montag abends. Tas Innenministerium, das davon doch inzwischen etwas hätte erfahren mästen, erachtete eine Informierung der Oefsenllichkeit, bzw. eine Berichtigung seiner Falschmeldung vom Nachmittag jedoch noch immer nicht als notwendig. Rach einer Version hat Krebs der Anssiger StaatSSpolizei am Montag gemeldet, daß er nach Brünn zum Bolksspvrtprozeß fahre, ist dann aber aus der Fahrt nach Brünn verschwunden. Bis Blattschluß ist eine offizielle Meldung nicht erfolgt. Rach einer Reihe von privaten Meldungen bestehl aber kein Zweifel mehr daß KrebS tatsächlich der Tapferkeit besseren Teil gewählt und feige über die Grenze geflüchtet ist. Gleichzeitig wird auch bekannt, daß nicht nur gegen Krebs, sondern auch gegen die drei Mitbeschuldigten Schubert, Kasper und Jung, ein Haftbefehl erlassen und daß Kasper bereits i» Aussig verhaftet wurde. Der rtihrer von gestern erklärt... Der„Führer" der zusammengebrochenen Partei, Abg. Jung» richtete gestern an Vie Parteimitgliedschaft einen Ausruf, in dem er daS Ende der Bewegung mitteilt. Es heißt in dem Aufruf u. a.: Mit tiefem Schmerze mästen wir uns ringe» stehen, daß angesichts der durch das Urteil des Obersten Gerichts gegebenen Sachlage eine Wetterführung der Parteitätig- kett ausgeschlossen erscheint... Denn Die Deutsche nationalsozialistische Arbeiterpartei hat zu bestehen aufachört. Zugleich mit dem Aufruf Henleins zur Bildung der Snoeten- deutichen-Heimatfront wurde bekannt, daß die DNSAP in voller Auflösung ist. Lag schon angesichts der auffallend raschen Uebertrit.'e einer Reihe nationalsozialistischer Ortsparteien der verdacht nahe, daß es sich um ein abgekartetes Spiel handle, so wurde dieser verdacht heute zur Gewißheit. Mit dem TelbstauflösungSbeschtnß ist zugleich der Auftrag des Parteiführer- Jung an seine Getreuen verbunden, den völkisck)en Idealen treu zu bleiben. TaS kann heule nur heißen, daß sich die Nationalsozialisten in der Henlein-Front ein politisches Dach suchen sollen und offener konnte Jung, ohne das Werk.Henleins unmittelbar zu gefährd«», nich: sprechen. Wenn eS auch durchaus nicht sicher ist, daß die nationalsozialistische Gedankenwelt in der Heimatfront nicht eine gleiche politische Heimstätte findet, wie sie die Maitnen des Herrn Jung suchen, so darf man doch der offiziellen Nationalsozialistischen Partei der Sudetenländer einen Nachruf schreiben. Schon lange vor dem Kriege haben sich die nachmaligen Nationalsozialisten iit der„Deutschen Arbeiterpartei" zusammengefunden, die die Aut- gabe halle, der immer mächtiger werdenden Sozialdemokratie die Arbeiter abzufangen. Ter -Herr Krebs hat sich bei den sudeteudentschcu Arbeitern dadurch belieb! gemacht, daß er unter dein Hinweis auf die kgpitalistenfreundliche Tätigkeit seiner Partei bei de» Fahr kanten um Geld zur Errichtung eines Sekretariats in Karls- bad schnorrte. Und Herr Jung verband sich m.7 der Direktion der Witkowitzer Werke, nm die doc' beschäftigten deutschen und tschechischen Arbeiter zu ztvingen, den gelben Kandidaten der Werksdirektion zu wählen. Es gab vor dem Kriege keinen Streikbruch, der nicht von den Ge reuen der Jung und Krebs durchgeführ: worden wäre, es gab keinen Klastetwerrat, für den nicht diele beplhlten Knechte der Kapitalisten verantwortlich waren. Ihr begleitet von nationalistischer-Hetze und maßung.“~ dafür, daß eS zu keinem friedlichen Zusammen- wohnen der aus dem Boden der Tnoetenländer lebenden Völker kaut, sic haben den-Haß geiät, den zu ernten nach dem Umsturz das Schicksal aller Tudetendeullchen gewesen ist. Sie waren im Kriege die Besürwor er des Durkhhaltens und deS SiegsriedenS und haben, als nach Kriegs ottde die sozialistische Welle durch die Well ging, sehr eifrig die Konjunktur zu nützen versucht. Schon im Jahre 1917 nahm die Bewegung der Gelben den Namen„Deutsche nationalsozialistische Arbeiterpartei" an, aber eS waren die alten Bekannten, die unS unter dem neuen Firmenschild begegneten: die Jung. Knirsch und KrebS, deren Ideologie nach Kriegsende einen solchen Zusammenbruch erlitten hatte, daß sich die Marrästen- frester in die Gefolgscl-aft der Sozialdemokratie zu begeben bereit waren und selbst die rote Fahne, allerdings mit einem Hakenkreuz geschändet, zu ihrem Symbol machten. Tas Autonomieprogramm, das sie den sozialdemokratischen Grundsor-erungen entlehnt hatten, war die Grundlage ihrer verlogenett Nachkrieg»- propaganda. War die Führung der Partei durch Knirsch ein schwächliches Hin- und Herpendeln zwischen verschiedenen bürgerlicl>en Parteien, so war die leichtfertige Arroganz des Herrn Jung, der sich bald an die Stelle Knirschens zu setzen verstanden hatte, keineStvegS geeignet, die Partei ideologisch und moralisch zu festigen. Zwar gilt Jung als der Theoretiker der gesamten nationalsozialistischen Bewegung in Europa, zwar wurde der Nationalsozialismus in den Sudetenläitdern jVUM* Uli, um uni vi ii iijupi| ix ii villvi iiiuki« j lisch einwandfreien Bewegung auszustattcu, noch »er Einstellungs-Erlaß Prag, 4. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Am heutigen Tage wurde die Tätigkeit der Zentrale der Deutschen Nationalsozialistischen Ar, beiterpartei und die Tätigkeit aller Orts-, Bezirk«, Kreis- und Landesorganisationen dieser Partei amtlich eingestellt und verboten, da alle Bestrebungen der Deutschen Nationalsozialistischen Ar« beiterpartei nach Durchführung ihres Territorialprogrammes, die Bereinigung aller Deutschen, schon begriffsmäßig in sieh die Zeichen der Ge« walt einschließen und sowohl das Strasgesetz wie auch die öffentliche Ruhe und Ordnung im Sinne des 8 113 der VersastnngSurknnde verletzen und da deren gesetzwidrige Existenz der össentlichen Ordnung, Ruhe und der öffentlichen Sicherheit widerspricht. AnS den gleichen Gründen wurde auch die Tätigkeit der Deutschen Nationalpariei eingestellt, und verboten, welche daS offensichtliche Bestreben kundgegeben hat, sich mit der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu verschmelzen. konnten ihre Führertalente über die vorlumdenen programmatischen Mängel hinwegtäuiche». Erst der Sieg des Nationalsozialismus in Deutschland hat die DNSAP zu einer entsckiei- sdenden Partei gemocht. Aber cr hat sie zugleich ! kompromittiert und die Verlogenheit und Zwie- schlächtigkcit seiner Führung offenbart. Sic liebäugelte nicht nur mit dem Fa'cismns der Bruder- bepeguug. sondern war tatsächlich sascistisch. Cie hat:« sich mit den Mördern und Brandstiftern, die seit den ersten Monaten dieses Jahres ihre gleißet über Deutschland schwingen, geistig gleich- geschaltet und die organisatorische Gleichschaltung nur auS Angst vor dem Staatsanwalt nicht durch- geführt. Der Kamps gegen die Demokratie, das Bekenntnis zum Dritten Reich— sie waren zur wichtigsten Ausgabe der sudetendcuIschen national, sozialistischen Presse geworden. Alle Taten der Hunnen, die das Entsetzen der kultivierten Welt liervorriesen, haben die Jung und Krebs, wohl in mehr als ideologischer Beziehung von Hi:Ier abhängig geworden, hemmungslos gelobt, dadurch die leichtgläubige Jugend und die sudeteudeutschen Spießbürger in eine Verwirrung bringend, ans der die Schuldigen keinen Ausweg mehr finden konnten. So mußte ihn die durch sie gefährdete Demokratie suchen und sie hat ihn gesunden, indem sic daran schrill, die Partei, die ein Fremdkörper in der Demokratie war, anfznlöscn. Und mit ihr auch die Deutsche Nationalpartei, die ohnehin nur noch dem Namen nach existierte. Die Selbstauslösung der DNSAP ist nur eine er- ztvungenc Verbeugung vor der Kraft einer lvehr- hasken Demokratie. Wenn-Herr Jung in seiner Abschiedskund- gebung behauptet, niemand habe die Entwicklung voraussehen können, deren Opfer die Deutsche nationalso;ialistisck)e Arbeiterpartei geworden ist, so stellt er seiner Führer-Weitsicht das schlechteste Zeugnis aus. Die Partei ist das Opfer ihrer Führer, die ihre sascistischen Bestrebungen viel zu spät und zu ungeschickt mit lächerlichen Loyalitätsbcteuerungen tarnen wollten, statt die einzig mögliche Tat jedes wahren Freundes der Suoetendeutschen zu sehen: ein eindeutiges Bekenntnis zur Demokratie abzulegen, die allein Freiheit und Kultur der nationalen Minderheiten garantiert und den deutschen Fascismns, der diese Freiheit gefährdet, vorbehaltlos zu bekämpfen. Freilich, nicht allein die Führer war fasci- stisch, sondern auch die Gefolgschaft. Die fasci- , stischen Kräfte bleiben vorhanden. Sic haben nur eine neue Fahne und einen.neuen Führer bekommen: der FasciSmus hat seine Kolonne» umgruppierl. Seite 2' I Donnerstag 5. Oktober 1V33 Die Erben Der Eifer der Jungs und Krebs, ihre Partei mit dem braunen Hunnentun» gleich» zufchalien, hat den von ihnen verführten jungen Leuten viele Opfer anferlegt und hat schließlich die Partei in ein unwegsames Gc- strüpp hineingcfnhrt. Nachdem sie genug deutsche Existenzen vernichtet hatten, erstand auch einigen für dieses Tun Verantwortlichen die Gefahr, vor bricht für ihr Treiben einstehen zu müssen. In dieser brenzlichen Ti Nation versuchten sic es mit der Volksfront. Mit ihr, so tvar der Plan, sollten einerseits die dcntschbürgcrlichen Parteien, denen damit der letzte Rest von Rückgrat herausgerissen werden sollte, verspeist werden, andererseits sollte die Volksfront den in Bedrängnis geratenen Nazi-Führern als Nettungsseil dienen. Spater, so wurde gehofft, sollt« daS Schicksal deS AufgefressentverdenS an die Sozialdemokraten kommen. Die Erfinder des Bvlkssront-Gedan- kens waren zwar die deutschen Christlichsozialen, die seit ihrem Hinauswurf aus der Regierung ratlos bis zur KindSköpfigkeit geworden sind, doch das hinderte nicht, daß sich die DNSAP dieser Idee zur Tarnung sowohl wie zur politischen Gcschäftemacherei bemächtigte, während die Christlichsozialen, ihre wirklichen Väter, bald von ihr abrnckten. Anfangs erfreute der Plan der Volksfront auch die Herzen der anderen bürgerlichen Parteien, die sich allerdings darunter c.was anderes vorstellten als die Nazis und die vo allem hofften, durch die Schaffung eines einheitlichen Gebildes aller„antimarxistischen" Parteien, die deutschen Sozialdemokraten aus der Regie- rnngSmehrheit zu verdrängen und selber in die Regierung zu gelangen, wobei sie das Entgegenkommen der tschechischen reaktionäre» Parteien crwar etcn. Nach mancherlei Wandlungen hatte die nationalsozialistische Bewegung, die dnrch den Zustrom irgendwie unzufriedener Elemente ans anderen Parteien weit über das Mag einer natürlichen Entwicklung dick und fett geworden war, sich zn dem Grundsatz bekannt, das Recht der Existenz gebühre nur ihr. Die anderen Parteien seien marastisch, seien Kehricht, der weggeräumt werden müsse. Auf eine lange Periode der offenen Verbindung mit demNationalsozialismus in Deutschland folgte die Wandlung, richtiger die Komödie des Bekenntnisses und der Loyalität zum tschechoslowakischen Staate und als wei ere Wandlung die Hinneigung zur Volksfront. Den verdutzten Anhängern der DNSAP wurde auf einmal nicht die eigene Partei, sondern deren Aufgehen in den« Mischmasch mit dem„Kehricht" als höchst erstrebenswertes Ideal hingestellt. Zuerst hieß es, es gibt nur einen autoritären Führer, das ist Jung, jetzt mutet dieser„Führer", der seine Partei wie ein Kamel am Halsterband im Zickzack herumgeführl Hal, den Geführten zu, einer abermaligen Wandlung sich anzupassen und er überläßt sie einem neuen„Führer". Ein solcher ist bereits gefunden. Das heißt, er hat sich s e l b st als solcher entdeckt. Er heißt D e n l e i n und war bisher Turn- verbandSführer. Schon zur Zeit, als über die tes zu deklamieren. Ging es nicht mit der Volksfront verhandelt wurde, hat sein journalistischer Leibknappe deutlich gemacht, daß als ihr kommender Führer, wie als sudetcndeut- scher Messias Henlein und nur Henlein in Betracht kommen könne. Die bisherigen Führer aller Parteien seien durchwegs mehr oder minder kompromittiert, besäßen im Volke kein Vertrauen, eS müsse daher nach einem unbeschriebenen Blatte gegriffen werden und daS könne und dürfe allein Henlein sein. Verdienste, Bewahrheit— Nebensache. Der von »ticmandem außer von seinen Turnbrüdern Gekannte sollte der neue MoseS, pardon: Hitler sein, der die Sudctendentschen ins Gelobte Land führt. Ausgerechnet der Herr Konrad Henlein. Nun ist zwar die Volksfront verkracht, doch Henlein hat seinen Einfall, sich zum Führer der Deutschen anfzuschwingen, nicht aufgegeben. Er hat einfach das Gebilde, an dessen Spitze er sich zu stellen beabsichtigt, umbcnannt, nennt es„S u d e t e n d e u t sch e H e i m a t f r o n t" und hat sozusagen„an mein Volk" einen Aufruf erlassen, der fromm und zahm es allen recht machen will, sogar den— Tscheche n. Bon allem redet er, von Volksgemeinschaft, christlicher Weltanschauung, ständischer Grundlage, gerechter Lösung der sozialen und wirtschaftlichen Fragen aller Stände, nur vom„Kernstück" der Nationalsozialisten, vom Selb st Verwaltung S- r e ch t schweigt er absolut. Dagegen versäumt er nicht, an Anerkennung des Staa- BolkSfront, dev^man nicht gerade die StaatS- treu« an die Stirne zu heften die Absicht hatte, vielleicht geht es mit der Sudetendeutschen Heimatfront, di« sich zu brennendheißer Liebe für'» ben’ tschechoslowakischen Staat bekennt.\ Zur Zei>.ist daS«unbeschriebene Blatt" damit beschäftigk7>«ü^hMigsüben Erklärungen den Tschechen einzureden, daß die Heimatsronl etwas ganz anderes ist als die Nazi-Parici, aber zugleich bringt die„Neue Zeit", das Blatt des Jung die Feststellung, daß die sudetendeutschen Nation alsozia- l i st e n„sich meist für die Heimat- front" entscheiden werden. Ist jemand so naiv, zu glauben, daß die Nazis, die dieser Weisung JungS folgend, in die Heimatfront eintreten werden, ihre Nazi-Gesinnung aufgeben tvcrden? Zurückschauund ergibt sich: ausgegangen wprde davon, daß es angeblich zu viele Parteien gibt und daß nur nock) für„Fronten", wie das Schwindelwori heißt, Platz im öffentlichen Leben sei. Die Komödie endet« damit, daß eine neue Partei auf den Plan tritt. Noch dazu wird eS eine alte sein, nämlich die nationalsozialistische und nur der Name wird neu sein. Der„parteilose" Henlein hat keine andere Aufgabe übernoin- men, alS die, den Schlag der Staatsgewalt gegen die hiesigen Exponenten der Hitler- betvcgung aufzufangen. Nr. 283 Vor Neu warnen In Spanien? Madrid, 4. Oktober. Ter Präsident der Re- publik Alcala Zamora hat die Demission des Kabinetts Lerroux angenommen und wird heute mit den üblichen Beratungen beginnen. Man glaubt, daß der Präsident Sanchez Roman mit der Bildung eines Uebergangs- k a b i n e t t S der repnolikanifchcn Konzentration betrauen, wird, welches nach Auflösung der Nationalversammlung Neuwahlen ausschreiben würde. instrument auSzubauen. Tie Zeit ist ernst und die Gefahr groß! Beherzigt die Mahnung und stellt dem einheitlichen Verbände der Bergbaubesitzer und allen gegnerischen Kräften eine geschlossen« Front der Bergarbeiter gegenüber. Nach einem begeisternden Schlußwort des Genossen Zinner wurde der Unionstag mit dem„Lied der Arbeit" beendet. Die Versicherung der Bergarbeiter Der UnionStog in Teplih-Ächönau nahm folgende Entschließung an: Die gesamtstaatliche Konferenz der Vertreter der koalierten Bergarbeitervcrbände vom Dezember 1932 hat daS unbestreitbare und unveräußerliche Recht auf Erhaltung der selbständigen Versicherung der Bergarbeiter mit allen bisherigen Rechten und Ansprüchen festgestellt und an die zur Vorbereitung der Reform der Bergarbeiterversicherung eingesetzte Kommission, an die Regierung und an die gesetzgebenden Körperschaften den dringenden Appell gerichtet, daS Recht der Bergarbeiter auf ihre Versicherung zu achten und zu schützen. Der durch das weitere Fortschreiten der Eui- lasiungen immer bedrohlicher werdende Zustand der Versicherung der Bergarbeiter drängt mit unwider- stchlicher Gewalt zur Lösung der nunmehr schon sieben Jahre auf der Tagesordnung stehenden Frage der Sanierung der Bergarbeiterversichening. In diesem entscheidenden Stadium stellt der NnionStag neuerlich fest: Di« Passivität der Bergarbeiterversicherung wurde durch di« Entwertung des Geldes und die hiedurch notwendig« Valorisierung der angefallenen Provisionen und erworbene« Anwartschaften und durch die durch die Rationalisierung direkt und indirekt herbeigesührten Entlassungen verursacht, sohin durch Ursachen» sür welche weder den aktiven Bergarbeitern noch den Prodistonisten di« Verantwortung ausgrbllrdrt werde« kon«. AuS den Ursachen der Passivität folgt dir Verpflichtung des Staates und der Unternehmer, die Lasten der Sanierung zu tragen. Di« nach dem bisher geltende« Gesetz« geleisteten Rente« bleibe« weit hinter de« bescheidensten Existenzminimum zurück, so daß ein« Herabsetzung derselbe« auch dnrch di« radikalste» deflationistischen Maßnahmen nicht gerechtfertigt werde« könnte. Di« Besonderheit der Bergarbeit erfordert«inen früheren Anfall der Altersrente and di« Aufrechterhaltung des schon vor mehr als 50 Jahren anerkannten Grundsatzes, daß die Invalidenrente bei Bergfrrtigkett gebührt. Die höhere Erkrankungsgefahr»nd dl« spezifischen Berufskrankheiten der Bergarbeiter machen dir berufSgenoffenschastliche Organisation der Krankenversicherung der Bergarbeiter mit ihren besonderen Einrichtungen zur unabweiSlichen Notwendigkeit. Der Unionstag betont den unerschütterliche« Willen und di« Bereitschaft der Bergarbeiter, ihre in jahrzehntelange« Ringe« erkämpfte selbständige Versicherung mit den bisherigen Rechte« und Ansprüchen gegen jeden Angriss zu verteidige«. Abschluß des linlonslagcs Turn, 4. Oktober.(Eigenbericht.) Zum letzten Punkt der Tagesordnung erstattete Genosse Emil Haase ein Referat über daS Thema: „Die Union der Bergarbeiter im Kampf« und in der Agitation". Unsere Bergarbeiter haben ihre LebcnSsituation durch eigene Kraft gehoben und sich heldenhaft im Kampfe geschlagen. Wir dürfen uns durch die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse den Blick nicht trüben lassen und haben di« Pflicht, alle Erscheinungen der wechselnden Machwcrhältniss« zu erkennen und richtig«inzuschätzen, denn fast immer sind eS wirtschaftliche Belange, die die politischen Kräfte bestimmend beeinflussen. Tie international« Krise hat den intcrnatio- nalen FasciSmuS geboren. Ihm ist cs in einig«» Ländern gelungen, die denkunwilligen, denkunfähigen Elemente jener Schichten, die ins Proletariat versinken,«S aber nicht als g«geb«n ansehen wollen, gefangen zu nehmen durch eine Schaustellung deS größten WellbctrugS. Genosse Haase beschäftigte sich dann eingehend mit unserer Kampfsituation und den wirtschaftlichen Merkmalen und schließt mit einem eindringlichen Appell: Keine stille Tuldcrschast, sondern moderne AgitationSmcthodcn! Reden wir davon, daß wir ein« Macht sind als Koalition der Bergarbeiter, dann werden die Zweifelnden und Schwankenden bei uns eine Stütze suchen. Sorgen wir dafür, daß wir vor dem Richterspruch der Geschichte bestehen und man dereinst nicht von uns sagen braucht:„Eine große Zeit hat ein lchwache« Geschlecht gefunden." ES geht um alles! Deshalb Arbeit für unfern Verband, Arbeit für di« Zukunft, dann werden Nur siegen!(Lebhafter Beifall.) In der Debatte befaßte sich vor allem Genosse Schmidt Karl mit den hakenkreuzleri- schcn Gewerkschaften tlnd der Tätigkeit vieler Berg, und Hüttenangestellten für die fascistischen Organisationen. Im weiteren Verlauf der Diskussion sprachen Rudolf(Chliwitz), Hübner (Schatzlar), H a r t l i ch(Habcrschi), Hoffmann (Osscg), Wirkner(Altsattl), D c nl e l(Wistrih), G ö r l(Falkenau), B e r a n e k(Unterreichenau) und Kleinwächter(Sobochleben). Nun sprach noch Genosse Abg. Anton Schäfer(Reichender«) herzliche Worte der Anerkennung für die sachliche Arbeit deS Unionstages und legte ern leidenschaftliches Bekenntnis zum Kampf für die Erhaltung der Demokratie ab. Hierauf erfolgte die einstimmige Annahme der Entschließung zum Referat Haase, der wir nachstehende Feststellungen entnehmen: Ter UnionStog drückt seine tiefste Abscheu auS über die mit Gewalt und Bluttaten verbundene Machtergreifung durch den Hitlerfascismus in Deutschland und die Vernichtung der Arbeiterbewegung und gelobt, mit allen ehrlichen anti- fascistischen Elementen den Kampf gegen das Regime der Barbarei in Deutschland zu führen und der Bcfreiullg der Arbeiterklasse aus der Tyrannei den Weg ebnen zu Helsen. Der UnionS. tag stellt fest, daß durch die Niederwerfung der Arbeiterbewegung in Deutschland die Angriffslust der Kapitalistcnklass« aller Länder auf die Errungenschaften der Arbeiter gestiegen ist. In Anbetracht der bedrohlichen Situation richtet der UnionStag an alle Mitglieder den«indringlichen Appell, di« Aufllärungs- und Werbearbeit zu verdoppel», der Union neu« Mitkämpfer zuzuführen und die Schachtorganisation auf den Betrieben als wichtiges gewerkschaftliches Kampf- IS und der Komet Ein abenteuerliches, modernes Mürchen von Kurt Doberer In der nächsten Woche rüsteten wir eine Jagdexpedition aus, legten Felder an, niachlen Bermessungsarbeiten und ich zeichnete Pläne. Während ich nun im„Büro" faß, hatte Jane sachte draußen das Oberkommando übernommen. Sie sah alles und dachte an alles. Ich braucht« nur zil erklären, was noch getan werden mußte, dann ging sie hinaus und machte den Bausüh- rer. Es war kein leeres Wort von ihr gewesen, als sie droben im Gefels sagte, sic sei nun ein Stück von mir geworden. ES war jedoch nicht nur zwischen uns Beiden so. Für alle war cs ein Vergnügen geworden, in unserer Kolonie zu arbeiten. Als eines Tages das Telegramm von der Dawsonbay kam war es beinahe unangenehm, antworten zu müssen. Ich saß gerade selbst neben dem Apparat. Jane stand auch dabei. Ein besonders geglückte- Gesicht muß ich nicht gemacht haben. Jane lachte:„Nun willst Du wohl am Ende lieber mit uns allein bleiben? Jetzt gebt eS an daS Werk da oben, Sir DouglaS!" Aber ich wußte, daß sie mit diesen großspurigen Reden nur ihre innere Bewegung verdecken wollte. Sie fühlte es sicher noch mebr wie ich, daß mit diesem Telegramm irgend etwas besonders Schönes abgeschlossen war. Deshalb küßten Wir nnS wie bei einem Abschied ehe ich die Antwort aus daS Telegramm gab. WaS nun begann, daS war wirflich ein neuer Lebensabschnitt, Trägerkolonncn kamen in langen Schlangen durch daS Land gezogen. Ein Barackenlager entstand. DaS Grün am Bach wurde von hundert Füßen zertreten und zertrampelt. In den jungfräulichen Berg steckte man Eisenmastc. Eine Drahtseilbahn ging zum Gipfel. Droben wuchsen Mauern. Wände und Kuppeln auS Beton. Zuvor hatte man noch tief« Kammern in den Berg gesprengt. Schallende .Hämmer, kreischende Sägen und summende Motor« gaben die Melodie von New Ararat an. Dann kam der Tag, an dem aiich das Barackenlager im Talkessel geräumt werden mußte. Jane weinte«in bißchen, als unser« Palmen gefällt wurden. Der Kessel wurde das Landebassin für unser :cleveres Transportflugzeug. Er brachte elektrisches Gerät, die zerbrechlichen Quarzröhren und die empfindlichen Spiegel. Der New Ararat sollte ein Staat im Staate iverden. In unferetl Betonkellern grünten Elektro-Kulturen. In den Betonbassins wucl)«r. ten Vitamin-Gallerten. Qnarzröhren lagen vor Reflektoren. Wir konnten Tod in vielen Arten senden. Unangreifbar und nur sich selber Ant- wort schuldig— daS war der Staat New Ararat. Die„Achse" mußt« sehr genau Bescheid wis- s«n. Sie ließ dies«„Pestbeule" ruhig sitzen, nach- dem einig« kriegerische Aktionen gegen uns ein -twaS lächerliches End« genommen hatten. Der„Kleine Rat der Union" erklärte da. malS pathetisch, ich hätte mir selber mein Grabmal aebaut, ich wäre nun lebendig begraben. So konnten wir mit Ruhe an unsere Arbeiten gehen. Am großen Refraktor unter der Kuppel saßen meine Sterngucker. In den Laboratorien ballten die Chemiker allerlei windiges Zeug. ES wurde still ain Berg New Ararat. Jane fühlt« sich nicht mehr Wohl in dieser Atmosphäre. Sie bat mich oft, ich möchte mit unserer kleinen Maschine hsnauSfliegen mit ihr über di« weiten grünen Wälder. Wenn unser Aeroplan surrend seine Kreis« zog. dann saß sie till an mich geschmiegt und lächelt«. Eines TageS kam sie zu mir. Sie schien nervöser und etwas abgespannt— übernächtig. Ich sollte mit ihr unbedingt wcgfliegen. Ich tat -s, obwohl ich eine Arbeit im Stiche lassen mußte. Dann gestand sie, sie möchte selber fliegen lernen. Halb im Scherz zeigte ich ihr alle Hand- griffc. Und dann, dann war sic fort. Heines kam zu mir gestürzt. Sie war fort in der Maschine. In ihrem Zimmer fand ich einen Bries: .»Ich fahre in das Meer— Du liebst Lilith—" Irgendein Schurke hatte ihr— aber«S war kc.nc Zeit zum Ueberlegen. Ich raste:n der Seilbahn zum See. Wir. machten die schwer« Maschine flott uw) donnerten loS. Wir jagten ui ihrer Flugrichtung. Einmal glaubt« ich, in der Ferne einen kleinen Punkt zu sehen.— Aber «S war nichts. Ich wollte und wollte nicht umkehren. So sollte sie nicht— Heines deutete zuletzt nur stumm aus di« Benzin-Uhr. Da kehrte ich zähneknirschend um. Als wir in un'er Bassin spritzten, hatten wir die letzte Llallone Brennstoff verbraucht. So tvar mir Jan« Nellung gestorben. Ich tvar ohne Liebe und ohne Wunsch nach einer Frau seit diesem Tag. Nur meine Arbeit war mir wichtig. So war«r— bis heute— Dick Douglas senkte den Kops.„Lilith Marion lebt noch und Eddi« Matassani ist nicht tot!" .Harry Flinch warf den Stummel seiner Zigarette auf den Boden:„Dick Douglas— dein« Jett ist da. Handle!" Rot stand der Morgeit vor den Fenstern. * Roch am Nachmittag startet« Dick DouglaS mit Harry in dessen Malchin« nach Babel. DouglaS halle einen Moinent befürchtet, Harry könnte nach der durchwachten Nacht am Steuer«inschlalen. Aber der zeigt« sich so frisch, daß niemanv daran gedacht hätte, daß Flinch schon beim Herflug«in« Nacht am Steuer gemessen hatte. Zudem hatte überdies das schwere starke Flugzeug der Union die Führung übernommen. .Harry konnte zwar mit dem Brennstoff nicht durchhalten, aber sie würden eben unterwegs von der 1-88 tanken. Dies« hatte genügend Brennstoff für die zwei Maschinen geladen. ES war also für alles gesorgt. Sie durften nur die 1-88 nicht auS den Augen verlieren. Im übrigen konnten sie ihren Gedanken nachhängen. Beide Männer waren auch einsilbig auf dieser Fahrt. Diele Jahre hatte DouglaS den Kontinent nicht mehr betreten, der jetzt wieder unter ihm lag. Hin und wieder nannte ihm Harry einen Namen, weim sie Lichter unter sich sahen. Dann kam die Stunde, in der sich ern dunstig-leuchtender Streifen über den Horizont schob. Inmitten. der hellen Korona stand ein duiüler Schatten. AuS ihm sprang ein roter Strich senkrecht auf zum Himmel. Sie lvaren por Babel. DaS Leuchtfeuer der Achse zog di« Flrcgmaschinen aus dem toten Dunkel in das lebendige Licht. Und plötzlich wurde auch di« Luft in der Kabine der Maschine stickig und schlecht, Ueber den roten Lichtstrich der Achse wälzten sich Wolken auS grauem und gelbem Rauch.’ „Wir sind über Nordend von Babel", erklär!«.Harry. „Geh noch tiefer!" meinte Dick kurtz. .Harry ging noch weiter hinunter. Lange Reihen niedriger Bauten glänzten aneinander- geklebt w>« Flanken einer Zahnstange. AuS Glasdächern strahlte grellweißeS Licht. Cs sprang an du grauen Betonwönde der großen dunklen Zylinder. Schwarz Quadern lagen da und spi^n aus runden Löcliern rote Glut. Ueber die MÜndliiiicu einer Zickzackroln reihe Nichten blaue Flauuruu.(Fortsespulg folgt.) Nr. 233 Donnerstag, 3. Oktober 1333 £e'fc 3 bundeS in der Tsck-echoslowakei, dir ja auch dir Grundsätze drr Internationalen Vereinigung drr Lehrerverbäude sind, geändert wurden, sehr» wir in drm Verhalten drs Herrn Obmannes Rohn in'Santander eine Verletzung derselben. Aller Welt ist bekannt, taft das uatioualsozialislische >Ae»vallrrgime in Tentsckland einen einzige»» Verstoß gegen Recht nnd Gerechtigkeit darstellt. In Sachse», z. B. wurden in drr letzten Zeit allein 600 Lehrer, darunter solche mit 30 und nirbr Ticnsljahren ohne jeden Heller Entschädigung und Pension aus dein Dienste gejagt, vielfach nur deswegen, weil sie nicht bei der richtigen Partei eingeschrieben waren. Wir hallen deshalb eine Verbindung drs Deutschen Lehrerbundes in der Tschechoslowakei mit den Peinigern nnserer reichsdentschcn Kollegen in der Internationalen Vereinigung der Lrhrerverbände für vollkoninieu unmöglich. Neben allgemein menschlichen Gründen leiten uns bei dieser Stellungnahme aber auch die besonderes Verhältnisse in unserem Staate. Jeder schein einer Hilfe für die nationalsozialistischen Vergewaltiger unserer reichsdentschcn Kollegen diskreditiert den Kamps der sudelrndcutschcn Lehrerschaft,nm Gerechtigkeit und Menschlichkeit Wir erwarten daher vom Vertreter des Deutschen Lehrerbundes, daß er in einer der nächsten Num- niern der„Freien Schulzeitung" seine Stellungnahme in Santander begründet, da sie aus dem bisherigen Bericht nicht klar genug hrrvorgrhl. llusere Sympathien sind bei der entrechteten reichsdentschcn Lehrerschaft. Wir wünschen ihr voni ganzen Herzen, daß sie sich ihrer Be- drüeker bald erwehren mögen, damit sie wieder in die Reihen der Internationale znrürkkehreu nnd jene Stelle einnehme» könne, die ihr aus Grund der kulturellen Leistungen im internationalen Nate der Lehrerschaft gebührt. Aufsiger Nazi verhaftet Aussig, 4. Oktober. Gestern vormittags wurde im Zusammenhang n>it den Hausdurchsuchungen bei der Nationalsozialistischen Jugend auch eine Haussuchung bei dem Privaten Einil Paul vor- genoninien. Emil Paul ist ehemaliger östcrreichi- scher Hauptmann. Es tvurdc bei ihm umfang- reiches Material beschlagnahmt, auf Grund dessen Paul in-öaft genommen und dem Bezirksgericht in Aussig eingeliefert wurde. Emil Paul ist Mitglied der nationalsozialistischen Partei und hatte rege Beziehungen zur NSDAP in Deutschland unterhalten. Arbeitslosigkeit im September unverändert. Gegenüber dem Vorjahr ist es eine bemerkenswerte Tatsache, daß die Arbeitslosigkeit trotz Beendigung vieler Saisonarbeiten im September unverändert geblieben ist. Während im Vorjahre der Tiefpunkt der Arbeitslosigkeit im Juli mit 493.294 erreicht war, und die Zahl drr Arbeitslosen im August 480.992, im September aus 486.938 gestiegen ist, ist heuer die Arbeitslosigkeit im Anglist von rund 636.000 ans 620.000 znrilckgegangen und im September mit 020.000 gleich gÄliäeu. be- die Tage des Brandes leit>8 Uhr 30 bis zum Schluß lpvechungen mit Sozialdcnwkvaten zur Anbahnung der Schulltube zu jagen. Da uns nicht bekanni im Reickstaa beilammen acwelen. Stan«In« k>». M! To rgler die Aussagen ihm am Brandtag« um hochgeschlagenem Kragen in» an diesem Tag« war eS aber Nach diese im Reichstag beisammen gewesen. Von einer be-1 einer Einheitsfront vereinbart hätten. des Hal, weiß aber ganz positiv, daß ich am nicht über die Glastür, dir zu dem tzaushaltungSausschusseS führt, hinausbin. Daß ich von recht- her gekommen ausgeschlossen. Torgler Begleiter, Wunderfee mit Lübbe fragt, weshalb Torgler Dlmltroil wieder verwarnt Angeklagter Dimitrow: Da«S absolut aus- geschlossen ist, daß Van der Lu übe allein diese Sache meistem konnte, stelle ich an ihn di« Frage: Wie kann er jelvst die merkwüodig« Tatsache erklären, daß er ihm beim Wohlfahrtsamt nicht gelungen ist, diese klein« Bude anzusteckcn, wahrend bei dem großen kolossalen massiven Reichstagsgebäude, das slättdig scharf bewacht wird, er behaupten will, daß er allein in einer Viertelstunde diesen Riefenbrand«nifachen konnte. Vorsitzender: Van der Lübbe, können Sie rin« Aufklärung dar- Waffensudie— aber bei den Sozialdemokraten! Wien, 4. Oktober.(Eigenbericht.) Die Versuche drr österreichischen Regierung, einen An» grisspunkt gegen dir Gemeinde Wien zu finden, werden fortgesetzt. Hente abends erschien ein llebcrsallkommando vor dem DirektionSge« bände der städtischen ElektrizitätStverkr, um dort eine Waffensuch« vorzunehmen. Das Gebäude wurde mit einem großen Aufgebot umstellt und vom Boden bis zum Keller durchwühlt. Die Fuß. bödcn wurden ausgerisien und die Keller aufgegraben. Die Wafsensnch«, die große Erregung hervorgerusen hatte, dauerte bis l0 Uhr abends nnd verlief völlig ergebnislos. Lodde: Idi allein bin der Drandstllter! Vorsitzender: Ich frage Tic(Lubbrt ausdrücklich, ob Tie den Reichstag allein angesteckt haben oder ob Ihnen irgendwelche Leute dabei geholsen haben? Van der Lnbbe zagt na cheinigem Zögern köchelnd: Nein. Vorsitzender: Haben Tie den Reichstag allein angesteckt oder mit anderen? Lubbe: Allein. Vorsitzender: Niemand hat «twaS vogrgerichtrt? Lnbbe: Nein. Vorsitzender: Wie erklären Ti« sich denn, daß drei Sachverständige sestgestellt haben, Tie können die Sache nicht allein gemacht haben. Dan der Lubbe: Kann ich nicht sagen. Drr Vorsitzende erklärt»S für notwendig, zunäch't einmal den Tatbestand durch di« Sachverständigen- und Zeugenaussagen näher srstzustellen. Tordler hat Lubbe nicht gekannt Was Van drr Lubb« anbrlangt, so erklärt Torgler mit aller Bestimmtheit:„Ich hab« nie in meinem Leben Van der Lubbe gesehen, hab« ihn nie kennen gelernt, gesprochen oder auch nur seinen Namen gekannt. Znm ersten Mal« sah ich ihn am Tage nach dem Brand«, als«in Kriminalkommissär mich Ban der Lubbe gegenübrrltellx. Der Dorsi-eme w'll tz» dar Darstellung Tore,- l e r s Widersprüche mit seinen früheren Angabe» sindcn. Torgler erklärt, bei der zweiten Vernehmung am 5. März sei ihm ein Irrtum Pasiiert, da er als Parmer bei dem Gespräch im Reichstag statt Neubauer den Redakteur O e h m« augegeben habe: er habe d:«s in einem Brief der Polizei mit geteilt und verwahr« sich dagegen, daß»er Untersuchungsrichter daraus eine Unwahrheit machen woll«. Aus den weiteren zur Verlesung kommenden Protokollen hebt Torglers Verteidiger, Di. Jack, ein« Stell« hervor, daß T o r g l er und Dr. N e u b a u e r für den Tag nach dem Brand De- Neubauer steht Popott ähnlich Torgler hält« sich große Mühe gegeben, di« Verwechslung anfzuklärcn. die nach seiner Meinung den Zeugen unterlausen sei. Der Reichsanwalt bemerkt hiezu, daß Torgler anfangs eine solche Vcrwechslnng für möglich erklärt habe. Torgler erklärt auch aus di« Fragen ein« Verwechslung von Popojs und Neubauer für möglich. Der Vorsitzende sragt nun Von der Lnbbe, ob er am Tage drr Vrandstistung Nachmittag im Reichstag gewesen sei, und zwar zusammen mit Torgler. Van der Lubb«: Nein, daglaube ich nicht. Vorsitzender: Daraus können Sie doch nur mit sa oder nein antworten. Ban der Lnbbe: Nein. Vorsitzender: Kenne» Tie' Torgler von früher? Van der Lubbe: Nein. Vor-\ sitzender: Er ist Ihn enalso ganz, unbekannt? Dan s der Lnbbe: I a. sonderen Aufregung, die ein Zeug« an Körnen bemerkt haben will, habe er nichts gesehen. K o e n e u sei mit Zimmer gekommen; auch sehr kalt. Der Bovsitzende sein« Garderobe, die unten:m Reichstag htng. sich habe ins Zimmer bringen lasicir. Torgler erklärt, daß er wiederholt länger als bis 8 Uhr Abend im Reichstag tätig gewesen sei: in so!en Fällen hab« er sich seine Garderobe hemufschatsan lassen, um Ueberstunden der Beamten zu oerinerren An dcnl Abend habe«r auf den Anrui des Schrisiislcllcrs Birkenhauer gewartet. Rur deshalb'e: er noch im Reichstag geblieben. Daß der Zeuge Amtsg.hilse Kohl» zur kritischen Zeit in beiden Frakrionszim- »>ern an gerufen und sich niemand gemeldet hätte, sei völlig ausgeschlossen. Ebenso sei unrichtig, daß Birkenhauer schon um 7 Uhr angeruscn und die Auskunft erhalten habe, daß Torgler nicht zu jprc- chcn sei. Torgler erklärt, er hab« auch nicht m:t .Uocncn und der Sekretärin„fluchtartig" den Reichstag verlassen, sondern sie feien sehr gemütlich und viel langsamer als sonst weggegangen, weil die Venenentzündung schlecht beauffragtf 9 sestzustellcn, ob der Anschlag nicht von langer Hand und im Einverständnis mit gleichgesinnten Anhängern vorbereitet worden ist. Es hat sich herausgcstellt, daß Dortil bereits um acht Uhr früh, später dann um 9 Uhr, vor der Wohnung dos Bundeskanzlers auf denselben wartete. Er erschien um 10 Uhr im Bundeskanzleramt, um sich Hann in Foyer des aPrlamentSe zu begeben, wo er ab halb 12 Uhr ungeduldig wartete, und zwar unter dem Vorwand, Dr. Dollfuß einen Brief übergeben zu müssen. Der Brief, der später geöffnet wurde, lautet: Hochverehrter Herr Bundeskanzler! Ich bitte, den Ueberrcicher dieses ji, empfangen, der ein« wichtige Mitteilung zu machen hat. Horhachiungsvoll Moißl, Präsident des ZrntralverbandcS der HauSbrsitzervereinr. Ter Brief und di« Unterschrift waren gefälscht. Sekretärin wegen«incr gehen konn«. Ter Vorsitzende hält dreier Zeugen vor, di« 15 Uhr begegnet haben wollen, wie er im Dorraum de« Haushaltuiogsaiisschuß-Saales von rechts zusammen mit Van der Lubbe ihnen entgegen kam. Torgler: Ich weiß nichts von einer Begegnung, ich Brandtage Saale des gekommen bin, ist ganz schildert, daß sich dir Begegnung so abspielte, daß er aus einem Sofa in der Eck« saß und di« drei Zeugen durch dir Glastür hereinkamen und an ihm vorbei in den Sitzungssaal gingen. Sie hätten ihn dabei aussällig fixiert, so daß er zu seinem Gesprächspartner noch sagte: Herrgott, was gucken mich denn dl« so an." Berlin, 4. Oktober. Nach mehrtägiger Unterbrechung durch den Iuristentag wurde der Prozeß wegen der Rcichslagsbrandstistung vor dem Reichsgericht am Mittwoch fortgesetzt. Wie verlautet, wird der erste Verhandln n y s a b s ch n i t I des Prozesses aller Voraus»! sicht nach schon am Samstag abgeschlossen^ wevden. Ter Montag soll sitzung-frei sein und den Vorbereitungen nir die lieber siedlung de« Senates nach Berlin dienen, wo die Berhaud» I lungon dann am Dienstag im Rcichslagsgcbäudc fortgeführt werden sollen. Ausländer protestieren Heden Pliohondiuje nimiirons Nach Eröffnung der Verhandlung verlieft der Vorsitzende ein von mehreren Ausländern unterfertigt«- Telegramm, in dem gegen Mißhandlungen Dimitrows au» letzten Vcr handlungstagc protestiert wird. T i in i l r o w erklärt, daß er von einen» Schnpohaupttnann in dein Augenblick, als er in der Pons« uilt seinem Verteidiger sprechen wollte, b e s ch i m p s t und au« dem Saal gezogen wordei» sei. Dimitrows Verteidiger und auch Dr. Sack erklären, daß von Mißhandlungen angeblich kein« Rode gewesen sein künn«; das gleiche bezeugt auch brr beteiligte Pokizeihanpimann. Auf Verlangen Dimitrows fragt der Bor- sitz«i»de Van der Lubbe, ob er Dimitrow vor der Untersuchung schon einmal gesehen habe, was dieser verneint. Auch die beiden anderen Bulgaren hat Ban der Lubbe vorher nie gesehen Einvernahme Torglers Dann komm» die von der Anklage behauptete Beteiligung Torglers am Reichstagsbrand zur Sprache. Torgler erklärt, daß er am Abend vor dem-Brand bis 8.lä oder 8.20 im R"ichslag gcivc- sen sei; nm 8.85 Uhr habe er bereits das Restaurant Aschinger betreten. Tas Gebäude hat er zugleich mit dem Abgeordneten Körnen und der Sekretärin seiner Fraktion oevlaijcn Ter Bovsitzende hält ih,n vor, daß«r an diesem Abend angeblich mit zwei schweren Alieniaschen in den Reichstag zurückgetehrt ,je:> woraus Torgler cnvideri, er habe wiederholt den Reichstag mit zwei Aktentaschen vcvlafsen und auch betret«»»; darin sei«»» lediglich noch ungelesene Zeitungen grtvcsen. Es sei eine Ria rott« von ihn», sich voi» noch nicht gelesenen Z.u- tu-ngen nicht trennen zu können. Ti« eine der Taschen müsse noch im Ziinnier!>d des Reichstag,« in seinem Rolllchrank stehen Er hab« kein« Brr anlasiung.rehab», sich Nrbei„lcheu umznsehen", wie zwei Zeugen behaupt«». Oer Brandtag Am Tage der Brandstiftung, erklärt Torgler, hat er den Reichstag etwa um It Uhr durch das Portal Ii betreten und ist nicht«ine einzige Minute aus dem Gebäude hinauögcgangrn. Ins Hauptgcschoß sei er nur zweimal gekommen, um seine Post zu holen. In der nicht ganz bestimmten Aussage des Zeugen Schmal, der Torgler um 44 Uhr vor dem Reichstag gesehen haben will, kurz nachdem er auch Ban der Lubbe gesehen haben will» erklärt Torgler, daß«S sich um den SamStag vor dem Brand gehandelt haben dürste. Mi» dem Abgeordneten Koencn lei er oin über geben, weshalb Tie d:« Brandstiftung im Wohlfahrtsamt« nicht du-rchstihren konnten. Bäu der Lubbe: Rein. Der Angeklagte Di-m-itrow stellt noch'einige Fragen, di« aber vom Vorsitzen-:«:» a b- gelehnt»vevden. Der Bovsitzende verwarnt schließlich Dim'trow„zum letzten Mal«" unter der Androhung, ihn bei der Verhandlung auSzu- schließ«»». Schließlich wird Torgler noch di« Aussage eines Zeugen Weber vorgehalten, daß er am l Brandtage oder kurz vorher gegenüber dem Irak- t lionS-zinnner der Kommunisten T a n« w und Lubbe I gesehen habe, von denen der größere ebne Kiste trug. II o t ff I er erklärt mit aller Bcstimnrcheit, daß er I nie einen Menschen mit einer Kiste gesehen hab«. 1 Im üdrigen gingen durch diesen Borraum viele ! Menschen durch, di« er überhaupt nicht kenne. ES sei auch möglich, daß T a n«w n»>it dem Kaufmann Bernstein verivechselt wurde, der am Freitag vor dem B van de zwecks Rücksprache wegen der Be- schlagirahme des Karl Livbkn«chchaus«S ins Frak- tionSzimmcr gekommen sei. Ta new habe tatsächlich ein« groß« Aehniichknt mit B e r n st e i n, während I Bernstein verwechselt»verven könnte. Torgler betont, daß er damals»nit-"B« r n st e i n nnd Wunders«« znsaininen den Reichstag verlassen habe. Bovsihender: Van der Lubbe, sind Sie am Tage vor dem Reichstagsbrand mit Tanew zusammen im Reichstag gewesen? tztan der Lubb«: R« i n. Ve»- I sitzender: Lind Ti« überhaupt vor dem Braud jemals im Reichstag gewesen? Van der Lubb«: I a.- Vovsiyender: Wann denn? Lubbe: Bor dem Brand. Rach einer längeren Diskussion, bei der Van drr Lubbe lauter widersprechende und ver- I wirrt« Auskunft« gibt, sagt der Bovsitzende: Ihre s Antwort ist also so zu Vevslehen, daß Sic ettva um 2 Uhr vor dem Reichstag waren, wo der Zeuge Schmal Sie gesehen hat. Lubb«: Ja. Vorsitzender: Innen im Reichstag sind Ti« vorher nicht gewesen? Lubb«: Rein. Vorsitzender: Sind Sie mit einer Kiste einmal in der Nähe des Reichstages gewesen? Lubbe: N e i n. Tanew erklärt auf Befragen, er habe Pan der Lubbe zuin ersten Male bei seiner ersten Vernehmung gesehen und auch Torgler niemals vorher gekannt. Ebenso erklärt P o- p o w, daß er vor seiner Verhaftung niemals im Reichstag gewesen sei»md Torgler vorher niemals gesehen habe. | Die Verhandlung wird dann aus Donnerstag vertagt. Wohin fteuert der„Deutsche Lehrerbnud"? Glelchschaltungsbestrebangen im AKLB Am Samstag, den 30. September, sand im große»» Saale der Ausjigcr Volksbücherei ein« sehr gut besuchte Versammlung des Aussig-Karbitze, Lchrervcrcins statt, an der sich auch Lehrer und Lehrerinnen aus den Bezirken Tcisck»«»», Lciimeritz, Tcplitz und Duz beteiligten. Schätzungsweise dürste,, 250 Pcrsoneu anwesend gewesen sein. Rach einem Bericht des Obmannes Fachlehrer Karl Miethig ersuchte Genoss« Joses Hudl ums Wort, damit er zu dem Verhallen des Obmannes des Tcutschen Lehrerbundes in der Tschechoslowakei, Herr» Eduard Roh n, auf der Tagung der Internationalen Vereinigung der Lehrerverbäude in Tatander in Form einer Erklärung Stellung nehmen könne. Tas verweigerte ihm der Obmann des Aussig-Karbitzcr Lchrcrvcreins mit dem Bemerken, daß in dieser Versaminlung Anträge nicht zugelassen werden. Ta Genosse Hudl aus dem Wort zur Tlbgabe einer kurzen Erklärung bestand, richtete der Vorsitzende an die Versamnilnng die Frage, ob sie einer Wortcrtcilung zustimme. Auf Grund der Abstimmung erklärte Herr Miethig, ohne die Stimmen abgczählt zu haben, daß die Mehrheit. gegen eine Worlerteilung sei. Meinung einiger Teiluchn»er war allerdings Mehrheit nicht vorhanden. Ta die sozialdemokratische Lehrerschaft Aussiger Bezirkes keine andere Möglichkeit als in den Mitgliederversammlungen des Aussig- Karbitzcr Lchrervereins ihre Mcinung zum Ausdruck zu briugcn, dies aber gewaltsam verhiudc»! wurde, bleibt ihr keine andere Möglichkeit, als aus diesem Wege ihre Aussassuug zum Ausdruck zu bringen. Die Erklärung lautet: Nach dem Berichte der„Freien Schulzeitung" hat der Obmann des Deutschen Lehrerbundes, -Herr Fachlehrer Rohn aus der Tagung der Internationalen Vereiniguiig der Lehrerverbäude in Santander für die reichsdeutsck-e fascistische Erzieherorganisation gestimmt. Ein Teil der Mitglieder des Aussig Karbiher-Lehrervereiues hält oiese Stellungnahme aus folgenden Gründen für unrichtig: Ter unter dem Druck der nationalsozialistischen Diktatur umgcändcrte Deutsche Lehrerverein ist keiu« frei« Vereinigung, sondern«ine Zwangsorganisation, in der die Mitglieder blind dem Diktat« deS„Führers" zu gehorchen haben. Die International« VereinigUUg drr Lehrerver- bändc steht ans dem Boden des Pazifismus und der Völkervcrsöhnung. Der gleichgeschaltelc Deutsche Erziehcrbund will aber vom Pazifismus nichts wissen; erklärte doch nach einem Bericht« der„Münchner Neuesten Nachrichten" der Führer dieser Organisation, Herr KtlltuSmiiiister Sch« mm, der auch der Führer der deutsch«» Delegation in Santander war, in einer öffentlichen Lehrervcrsammlung. daß er bereit sei, pazifistische Lehrer mit der Hundepeitsche aus ....~D:, daß bi« Grundsätze des Deutschen Lehrer- Keine Beweise gegen Torgler Nur xagc Vermutungen der zeugen In der Voruntersuchung Lubbe hat Torgler nicht gekannt BolltaSauttenttfider von Goebbels Wien, 4. Oktober. sE i ge n b e r i ch t.) Zu dem Attentat aus Dollfuß erfahrt mau jetzt Einzelheiten, dt« den Verdacht sehr nahelegen, daß zwischen dem Attentäter nnd der reichsdeutschen Naziparteileitung enge Verbindungen bestanden haben. Der Bruder de» Attentäter» Kurt Dertil war schon im September 1931 in einer SA-Kaserne in Berlin n«d zwar in der Kaserne Motzstraße. Er ist da mals von den deutschen Nazis dorthin geholt worden, um eine Spezialarbeit für die Partei zu übernehmen. Er kam dann nach Oesterreich zu rück und war hier ein wichtiger Verbindungs mann zwischen der österreichischen Naziparwi und der Berliner Leitung. Vor einigen Woche»: wurde er nach Berlin berufen, während feiner Reise hat man ihn aber in Oesterreich auf einem Donau dampfer in Linz verhaftet. Es zeigt sich, daß zwi schen der Familie des Attentäters und der reichs deutschen Parteileitung enge Verbindungen standen haben. Verbrannte Papiere Wie di«„Ncichspo st" erfährt, hat in der Wohnung des Attentäters Dcrtit vorgc- nommene Hausdurchsuchung ergeben, daß das Verbrechen wohl vorbereitet worden ist. Im Ofen der Wohnung fanden sich ver brannt« Reste eines umfangreichen S ch r i f t n» a t e r i a l S, mit dem Dertil offen bar die verräterischen Beweise gewisser persöii- lichen Beziehung«», vernichte»,»vollte. Tic Polizei direktion hat sowohl in Wien, als auch außerhalb Wiens umfassende Erhebungen veranlaßt, um Seite 4 Donnerstag, 8. Oktober 1988 Nr. 288 Vnlersvmangshommlsswn tagt in Paris Paris, 4.Oktober. Unter dem Vorsitz Moro» G i a f f c r i S trat heute in Paris im Saal« der Geographischen Gesellschaft di« Internationale Juristen»Kommission zur Untersuchung de» Reichsbrandes zu ihrer zweiten Tagung zusammen. Der Advokat und Deputiert« B« r g e r y erstattete«inen ausführlichen Bericht über den Prozeßverlauf und über die neuen Zeugenaussagen, die der UntersuchungSkommifsion seit der Londoner Session zugekommen sind. Der Schluß d«S Berichtes Bergerys klang in der festen Ueberzeugung aus, daß vier der Beschuldigten, der kommunistische Abgeordnete Torgler und di« drei angeklagten Bulgaren, schuldlos sind und daS feststehe, daß van der Lübbe nicht auS eigenem Antrieb gehandelt hat, sondern auf direkt« Anstiftung von Per« sonen, di« der Welt werden enthüllt werde« müssen. Di« Kommission verhörte sodann hintereinander mehrer« Bulgaren, den ehemaligen Abgeordneten K o l a r o w, Professor B l a ch o w, O b o w, den« Bruder des ehemaligen bulgarischen Minister- sowie zwei deutsch« Zeugen, die vor dem Terror au» Deutschland geflüchtet sind und sich in Frankreich aufhalten, und schließlich einen holländischen Zeugen. Die Zeugen machten Aussagen über das private und das öffentliche Leben der Angeklagten Die bulgarischen Zeugen erklärten einmütig, daß di« drei beschuldigten Bulgaren„Revolutionäre" im besten Sinn« des Wortes, Feind« terroristischer Handlungen, und angesichts ihrer strengen Prinzipien weder einer materiellen noch einer moralischen Teilnahme an der Brandstiftung im Reichstag fähig seien. Was wird mit dem Volksrat? Polifiscftaer Zwang lSsnngserschrinungen bei der Deutschen Rational- krcuz-Partei die engsten Berbindungrn bestellen, Partei können nicht ohne Einfluß aus die Bildung di« sich sogar darin äußern, daß Mitglieder der einfach« Die Schlacht ae^en die Arbeiter Land- und Forstarbeiter werden auü der Arbeltülofen-Fürsorge hlnausgrworfen! Wie der«Neue Vorwärts" berichtet, haben die Regierer des Dritten Reiches wieder einen neuen Schlag gegen die Arbeiterrcchte geführt. Nachdem schon vor kurzem die H a u s g e h i l f e n a»S der Arbeitslosenversicherung herausgenom- ntcn und wieder im Falle der Arbeitslosigkeit der Armenpflege überantwortet werden, wird jetzt ein zweiter härterer Schlag geführt. All« Beschäftigten der Land» und Forstwirt, schäft, de» Gartenbaues und der Binnenfischerei, einschließlich der Teichwirtschaft und der Küstenfischerei, werden an» der Ber» stcherung herauSgenommen. Damit wird eine alt«, von der Arbeiterschaft stets leidenschaftlich und mit Erfolg bekämpft« Forderung der Großgrundbesitzer und Großbauer« restlos erfüllt. Die Arbeitslosen auf dem Laut» fallen künftig ohne jeden Rechtsanspruch bei elenden Armenpflege der bankrotten Landgcmeiu den anheim, aui deren Verwaltung ihnen di« Diktatur jeden Einfluß geraubt hat. angchöre», an unseren Veranstaltungen und Demonstrationen teilnihmen, weil sie sich uns als Arbeiter verbunden fühlen und nur deshalb bei der braunen Gewerkschaft bleib«», weil sie von manrhen Unternehmern dazu gezwungen werd««. Solche Erklärungen tvcrden den Hakenkrcuz- lern nichts helfen. Ob st« ihre Beschlüsse in Sitzungen oder ,in Versammlungen fassen, ob sie Beiträge für einen Sonderfon d s einhcbcn oder nur Zuschläge zu den Wochrnbei trägen, ob st« sich„Gewerkschaft», dund deutscher Arbeiter" oder DNSAP oder jetzt Heimatsfront nennen, hat wenig zu sagen. Durch die Schmink« grinst doch immer wieder die Fratze d«S braunen sfäscis- mus durch. Ihr« Maskierungen werden nieman- dsn täuschen, beurteilt werden sie nur nach ihren Taten werden. Und mit Taten werden wir ihnen antworten! Vor einiger Zeit haben wir auf Grund von Dokumenten aus Wigstadtl berichtet, daß zwischen dem angeblich unpolitischen„ÄewerkschaftSbund deutscher Arbeiter" dem nur rein zufällig der bisherige nationalsozialistische Abgeordnete Kasper als Führer und der Lessingmörder Eckert als einfaches Mitglied angcftörten, und der.Hakeir- landbund und Chrisiildisozlnlc für Auisdiub der Konsumierung Die ,Hr. Abendzeitung" vrröss«ntlicht nach» stehende Mitteilung, welche gemeinsam von der deutschen christlichsozialen Partei und dem Bund der Landwirte gezeichnet ist: „Tic letzt«« Vorgänge im sudetendeutschcn Lager, besonders der Zerfall der deutschen natio- naisozialistischcn Arbeiterpartei und di« Auf- dcü fudetendeutschen Dolkaratcs, der aus den Partei«« aufgebaut srin soll, blriben. Di« grsertigtcn Parteien sind daher Übereingekommen, den einberufenden Bezlrkürat Reichenberg zu ersuchen, dir für den 18. Oktober in Rei> ch«nb«rg geplant« Konstituierung des BolkSrate» bis zur Klärung der parteipontischen Verhältnisse im fudetendeutschen Lager anfju» schieben." haben, den Betrieb tveiter aufzunehmen, ausgeschaltet Weichen sollen. 3. Unternehmungen, die zwar langer als drei Jahre nicht arbeiten, in welchen jedoch eine Neuaufnahme der Erzeugung möglich wäre, die Aufnahme dcS Betriebes unter gewissen Voraussetzungen wieder zu ermöglichen ist, worüber der Beratungskörper der Glasindustrie, in welchem auch die Gewerkschaften eine Vertretung erhielten, mitentscheiden wird. 4. In Anlehnung an die Regierungsverordnung über den Numerus clausus wird die Glasindustrie— hauptsächlich die Hohlglasindustrie— gezwungen werden, eine DerkaufSorgani« sation zu errichten, welche die Verkaufspreise kontrollieren und den bisherigen Konkurrenzkampf verhindern wird, unter dem nicht nur die Glasindustrie, sondern vor allem auch die Arbeiterschaft gelitten hat. Diese Regierungsverordnung soll unverzüglich herauSkommen. Sie ist sehr umfangreich und cs sind in ihr alle Eventualitäten berücksichtigt. Der Beratungskörper, der über ihre Durchführung Wachen soll, hat eine große administrative Macht. Er ist viergliedrig und die Arbeitergewerkschaften haben in ihm zwei Vertreter. Besonders in bezug auf die Löhne wird die neue Organisation der Glasindustrie von Bedeutung sein, denn die Kollektivverträge werden allgemein respektiert werden müssen, d. h. auch in Unternehmungen, die nicht durch den Verband der Arbeitgeber in der Glasindustrie vertreten werden. Es geht um eine planmäßige, organisierte Produktion an Stelle der bisherigen kapitalistischen Anarchie. DaS ist ein großer Fortschritt. Unsere Ansicht hat recht behalten, daß der Staat organisatorisch in die privatkapitalistische Erzeugung cingreiken mnß— im Eristenzinteresse der Arbeiterschaft. kNovti Doba, Pilsen.) Im„Gewerkschaftsbund deutscher Arbeiter“ Dem Herrn Beier kommt>inmii>itiiiniinuin»iiiniunuuui{nninn Lrdnrmg in die Glasindustrie! PlanrMlge Produltion und Distribution unter Mitwirkung der Arbeilerschalt Die Glashütten ähneln verlesenen Burgen, die früher blühende Industrie gleicht heut« einem Friedhof. Deo Grund liegt in der Welttvirtfchafts- krife und dem verringerten Export. Nicht in letz ter Linie wurde der Zusammenbruch der Glas- iudustne durch die kapitalistische Produktions und HandclSauarchie verschuldet. Dem entsprang die Verelendung der Arbeiterschaft. Das Lohn niveau in der Glasindustrie ist unter der Menschenwürde. Die Arbeiterlöhne wurden syste matisch herabgesetzt. Tas sollte di« Rettung der Erzeuger sein. Da» ganze Lohnsystem in den Glashütten stürzte ein. T«r unsinnige Kon kurrenzkampf durch Unterbietung bis unter den Herstellungspreis äußerte sich auf allen Sei ten. Märe er weiter geführt worden, hätte dies \ die Vernichtung der Glasprodnktion bedeutet.' Im heurigen Frühjahre trat in den Ansich» ‘ ten der führenden Faktoren der GlaSpröduzenten» Organisation«in Umschwung ein. Der stän dige Ruf der vereinigten Verbände der Glas arbeiter, daß an Stelle der Anarchie Ordnung in die GlaSproduktion kommen solle, tat seine Wirkung. Die Unternehmer leiteten Verhand lungen über die Regulierung der Erzeugung ' und einheitliche Führung dcS Verkaufs ein. Ihre Bemühungen sollten durch eine Regie- \ rungSverordnunq gekrönt werden. In J die Verhandlungen griffen zum Schutze der Ar- . beitcrinteresfcn die vereinigten Verbände ein, und ’ zwar lehr energisch und«fit Erfolg. Die wei. ' tcren Verhandlungen fanden bereits in Anwesen heit der Vertreter der einheitlichen Organisation der Arbeiter statt und tvurden nun beendet. [ Es wird eine Regierungsverordnung erlassen , werden, nach welcher 1. bis Ende de» Jahres 1938 keine neuen Glashütten, Raffinerien u. ä. errichtet wer den dürfen, 2. Unternehmungen, welche länger als drei Jahr«: nicht mehr arbeiten und keine Hoffnung „...flaR gerade sie das aW' Ogier aal slffi nehmen...“ Die Troppatter„N eue Z e i t", das Organ de«„Ex-„FührerS" Jung, schreibt in ihrer< Nummer vom 4. Oktober: „Und wenn man gar versuchen sollte, dl« führenden Männer der TN2AP zu verdächtigen,' dann wird auch da bald ossenbar werden, daß gc», rode sie daS größte Opfer aus sich nehmen, um dcm Sudetendeutschtum, so, um do» Gesamt». deutschtum einen Dirnst zu rrtvrisen, dessen GrSß« und Bedeutung man setzt kaum zu ahnen vermag. 1 Zum Beispiel die„Große und Bedeutung" des K r« b s, der vor keinem Opftr der anderen zurückscheute und sich jenseits der Grenze in Sicherheit brachte. Der Zentralauüschuß der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Jugend vcranstaltrtc am 2. Oktober eine Plenarsitzung unter dem Vorsitz! deS Genossen V i l a s c k. Genosse D v o k a k er«l stattet« den Bericht über die Beratungen ders deutschen sozialdemokratischen Jugend, Genosse Görner berichtete über Verhandlungen mit der tschechischen nationalsozialistischen Jugend und aus der letzten Sitzung des Zentralausschusses der Partei. Genosse Raus referierte über Organisationssragcn und erstattete den! Bericht des Sekretariats. Genosse K e j f gab! einen Bericht auS der letzten AuSschußsitzung ocr Arbeiter-Akademie. In der Debatte sprachen sich di« Genossen für die Konzentration der Kräfte zum Schuhe der Demokratie aus und verlangten, daß man den imperialistischen Bestrebungen dcS nationalsascistischen Nachbarn größeres Augenmerk schenke. Der Vertreter aus Nordböhmen macht« auf den Ernst der Gefahr in den gemischtsprachigen Gebieten aufmerksam. Der Zentralausschuß sprach sich für die Aktivierung aller Mitglieder der Organisation aus; im Zusammenhang damit erwog er die Ausgestaltung und bessere Einteilung der Funktionen. Es wurden weiters einige Dispositionen für die Vertreter der Jugend im ZcntralauSschuß der Partei gegeben und eine Delegation zum Parteitag gewählt. Mit der Annahme einer grundsätzliche» Entschließung zum Parteitag wurde die Sitzung beendet. Umorientierung der kommunistischen Parkest? Die„92ar. Politika" will erfahre» haben, daß sich im kommunistischen Lager grundlegende Veränderungen vorbereitcn. Unter dem zuneh- »lende» Drucke der Behörden hätte»« innerhalb der Partei jene Strömungen beträchtlich an Einfluß gewonnen, die sich für eine Politik im Rahmen der Gesetzmäßigkeit cinfttzen und einer Verständigung mit den sozialistischen Parteien das Wort reden. Diese Bestrebungen werden angeblich von Dr. Smeral gefördert. Auch der„Allgemeine Tarisanzriger" schaltet sich gleich. In der Tschechoslowakei wird vielfach die Zeitschrift„Allgenkeiner Tarifanzeiger" gelesen, die ht Wien allwöchentlich erscheint, von einem gewissen Alexander Freud herausgegeben wird und deren verantwortlicher Redakteur Dr. Richard Baß, Wien l., Bibcrstraße 16, ist. In diesem Blatte findet sich in der Nummer 39 vom 23. September 1933 auf Seite 1169 unter dem Titel„Das Steuerattentat der Gemeinde Wien" eine Notiz, aus der>nan sieht, daß die Redaktion des Blattes tiefe Sympathien zu den österreichischen Fascisten hat. Es wird darin die Gemeinde Wien heftig angegriffen, well sie angeblich irgendwelche Steurrcrhöhnngen plant, wobei die sozialen Einrichtungen der Stadt Wien einer Kritik unterzogen werden, die ebenso idiotisch wie arbeiterfeindlich ist. Es wird gesagt, daß Wien vor dem Kriege„ohne diesen sozialen Krempel gelebt" hat. Alle die Fürsorgeeinrich- tungen der Gemeinde Wien, alles das, was für die Armen, Kränkelt und Kinder getan wurde, ist also„sozialer Krempel". DaS beste yber kommt zuletzt, denn der Artikelschreiber war so unvorsichtig, seine wahre Gesinnung zum Schluß bekanntzugeben. Er spricht davon, daß„die Herrschaft des Wiener Rathauses in andere Hände" weicke überführt werden müssen.— Die Herrschaften können, wenn sie auf die Verbreitung ihres Blattes in Oesterreich Wert legen, schreiben, was sie wollen, tvenn sic aber ihr Blatt gleichschalten werden, werden sie mich daran" verzichten müssen, in der Tschechoslowakei gelesen zu werden. Man wird jedenfalls bei» Inhalt des Henannten„Fachblattes" verfolgen müssen. Nr. 288 Donnerstag, 6. Oktober 1988 ■Seite 6 MM" MI Nazi-Organ! Ihre empörende BeriditferslaMung «aber das Attentat auf Dollfuß Nicht nur die sozialdeniokratisch« Presse, sondern auch die gesamte deutsch- « n d t sch e ch i sch-bürgerliche Presse Prags haben gestern übereinstinnnend die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e H e r k u n f t des Attentäters auf Dollfuß festgestellt. Und Ivas die deutsche Presse in der Tscyechoi'lmvakci anlangt, so lehrte schon der erste Ueberblick, datz nicht nur das„Prager Tagblat t", die christlichsoziale„D eutsche Presse" und die„Prager Press e", sondern auch der B r ü n n e r„T a g e s b o t e", ja selbst die„Reichenbergcr Z e i t u n g"(die doch gewiß niemand einer Antipathie gegen die Hakenkreuzlcr„verdächtigen" kann), samt und sonders, mehr oder weniger der W a h r- h e i t Raum geben, datz der Attentäter nationalsozialistisch gesinnt ist. Einzig und allein der„Bohamia" blieb cs Vorbehalten, die Fakten über die nationalsozialistische Einstellung und Betätigung de« Attentäters nicht nur vollständig zu unterschlagen, son- dern an mehreren Stellen ihres Berichtes die Lüge zu propagieren, daß der Täter auS sozialdemokratischen Kreisen stamme. Tie„Bohemia" war es, die als erstes Blatt die Meldung in die Welt setzte, der Attentäter auf Theodor Lessing hatte der sozialdemokratischen Partei angehört. Und jetzt ist eS wieder die„Bohemia", die einen nationalsozialistischen Mordversuch den Sozialdemokraten anzulasten versucht! Wie weit wird sich dieses Blatt noch treiben lassen vom blinden Hatz gegen die Sozialdemokratie und von der Lieb« zu de» Hakenkreuz- lern? Wir überlassen den charakterologischen Teil dieser Angelegenheit durchaus der Beurteilung der Oeffentlichkeit. Uns kann es nur recht sein, wenn«ine politisch-journalistische Verkommenheit, die wir fast Tag für Tag aufzeigen, sich immer hemmungsloser entfaltet. denn so wird daS Werk der nottvendigen Verachtung i» wünschenstvcrter Weise beschleunigt. Wo immer Nazis Schuld aus sich laden, sei«S nun das gigantische Berbrcchen der Hunnen im Reiche, sei eS di« Katastrophenpolitik der Sudeten-Nazis oder sei es eben ein verbrecherischer Einzelakt, wie die Schüsse des nationalsozialistischen Attentäters in Wien— immer ist esdie„Bohemia", die den Nazis die Mauer macht und die selbst dort, wo der kriminelle Tatbestand offen zu Tage liegt, die Nazis doch insofern zu schützen versucht, als sie eben die nationalsozialistische Zugehörigkeit des Täters zu leugnen und in eine sozialdemokratische umzudichten versucht! Es scheint uns, daß das Matz der „Bohemia" voll ist! Noch ist sie erst nur in Preutzen und dort zunächst nur auf einen Monat verboten. In den anderen Teilen de« Reiches wird das Blatt derzeit noch gelesen. Wenn die„Bohemia" glaubt, datz wir eS uns auf die Tauer werden gefallen lassen, datz die Sozialdemokratie verleumdet wird, damit daS Blatt der W e s s e l S k i, Peters, Kauder uud Bacher weiterhin in Sachsen und Bayern und bald vielleicht auch wieder in Preutzen gestattet wird, dann irren sich diese Herren, bei deren Namensnen- nnng bereits jetzt allen Demokraten das Blut zu Kopse steigt, gründlich! Das Spiel, das da mit der öffentlichen Meinungsbildung getrieben wird, mutz ein Ende haben! Im Grunde ist cs ja nichts anderes als eine Parallele zu der Affenschande der sudetendcutschen nalivnalsozialistisclM Partei, die ihre Verantwortlichkeit jetzt unter den Fittichen des Henlein bergen will. Wahrscheinlich glauben auch die Helden aus der„Bohemia", daß dort für sie Platz sein wird, wenns in den alten Behausungen nicht mehr ganz geheuer weiten sollte. Na, sie können sich darauf verlassen, daß wir ihnen auch dieses Konzept verderben weiten! N HoMUsmns Ml krummen Wen Rektor Gesemann plakatiert Unwahrheiten Am Verlag der„Freien Bereinigung foz. Akademiker" erichicn vor ivcnigen Tagen ter „Prager Tindcntensührer 1883/3»". Einige Stunden spä er erschien ans den Anschlagbrettern der deutschen Universität folgende Kundmachung: Z. 1804/33. „Z. 1354-33. Kundmachung. Neber Weisung des Herrn Minister- für Lchutwesen und Volkskultur wird die Kolportage de-' „Prager Hochschulführers t 933/34", Herausgeber: Karl Sommer, in und vor den Gebäuden der Nniversttät verboten. Prag, 29. September 1933. Der Rektor: m c s e in a n n m. p. Eine Nachfrage im Unterrichtsministerium ergab, daß dort von einer derartigen Wellung des Ministers nichts bekannt ist. Tie Genossen von der„Freien Bereinigung" glaubten nun. cs handle sich um einen Irrtum und begaben sich, in der Absicht, die'en aufzuklären, in8 N-.'k orat. Sie verlangten, mit denn Rektor zu sprechen, worauf ihnen der Nektoratsrat ProchäSka, den zu sprechen sie gar nicht die Absicht hatten, ansrichten ließ, er empfange sie nich: und zeige ihnen auch nicht den Erlaß des'Schulministers, auf den sich die Kundmachung Z. 1304/38 beziehen will, noch gebe er ibnen die Zahl des Erlasses bekannt. Wenn das Rektorat etwas kundmache, müßt« dies genügen. Ten wz. Studenten, die mi' dieser Behörde bereits die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht haben, genügte diele Erklärung natnrlch nicht. Sie wandten sich, als sic einschen mußten, daß Verhandlungen mit dem Rektorat sinnlos sind, an uns. Wir könnt«« erfahren, datz weder d«r Unter» richtSminister selbst, noch einer der zuständigen Referent««„gewünscht" haben, die Kolportage des„Studentenführers 19!!.3/84" z» verbieten. ES handelt sich also um eine glatte Ersindung des Rektors Gcsemann. Sollte sich das Rektorat oder der Rektor dahin ausredcn wollen, es bestehe eine allgc. meine Bestimmung, wonach die Kolportage von Druckschriften in und vor den akademischen Gebäuden verboten sei, so wird dem«n gegen zu halten sein: 1.„V o r" den Gebäuden der Universität hat der Rektor so wenig Verfügungen zu tref. fen, wie die Obstfrauen, die dort ihre Stände haben. 2. Wenn ein allgemeines Kolportagever. bot existier!«, dürft« eS nicht in einer Form kundgeinacht werden, die den Eindruck erweckt, als wären nur di« sozialistischen Publikationen davon betroffen. Während nämlich das Rektorat unter grobem Mißbrauch deS NanienS des SchulministeriumS, die Kolportage deS_ sozialistischen„Studentenführers" verbieten möchie, erlaubt eS, daß der liberale„Akademikerführer" von den P c d e l. l e n verschlecht wird, daß für dieses Buch aus Unloersitätsboden Plakatpropagaiwa getrieben wird. Wir begnügen uns mit der Feststellung der Tasachen der beispiellosen Parteilichkeit deS Rektorats. Daß sich diele Parteilichkeit gegen die einzig« demokratische Organisation aus dem Hoch- schnlboden richtet, beweist die antidemokratische «Besinnung der autonomen Hoch'chullehrcr, eine Gesinnung, die der Korrektur durch die Aufhebung der Au'onom!« dringend bedarf. Amerikanische Schreckensmeldunn WWW M* bei MnMtlten Mehr als 30 Sott, 20 BermM, 150 Verwundete Los Angeles, 4. Oktober. Bei einem Wald- und Buschbrand im Griffith-Park unterhalb von Hollywood kam«S gestern nachmittag zu einer fürchterlichen Katastrophe unter de« dort mit Notstandöarbeitcn befchöft'gten Arbeitslosen. Ewa 150 Person«« wurden verwundet, hievon einig« tödlich. Bisher wurden S 3 T o t« gezählt und eS besteht die Möglichkeit, datz sich die Zahl der Toten noch erhöhen werden. 20 Arbeitslos« werden v«r» mißt. In der Totenkammer kam es bei der Identifizierung der Toten durch ihre Verwandten zu ergreifenden Szenen. Ter Griffith-Park ist öffentliches Staatseigentum und die hier angestrllten Arbeiter waren durch das Federalamt für di« Arbeitslosenhilfe zu Notstandsarbeiten herangezogen worden. Das Grohfeuer ist angeblich durch die Nachlässigkeit eines Raucher- verursacht worden. 2000 Ackres Land wurden durch den Braud zerstört. Die Minderheitenfrage Sdiarfe Worte gegen Deutsdiland Genf, 4. Oktober. Minister Dr. Bene? ergriff heut« vormittags in der vi. Kommission des Völkerbundes, die sich mit dem M inocr- heitenProblem befaßt, das Wort. Die erste Frage, erklärte Dr. BeneS laute: Ist es gerecht, richtig und mit den Grundsätzen des Völkerbundes vereinbar, wen» verschiedene Einzelheiten der Miiiderheitenverträge der Mi- noriiätsstaaten geprüft werden, wo die Grundrechte der Minderheiten respektiert werden, während die Mindchciten in dn übigen Land» nicht geschützt sind und während in einigen Staaten, wie wir alle wissen. die Grundrechte der Minderheiten überhaupt nicht respektiert werden und der Völkerbund sich mit ihnen nicht befafien will oder nicht befassen kann? In der Frage der Juden, insbesondere ob sic eine Minderheit sind oder nicht, kvtlstaticrtc Dr. BeneS, daß sämtlich« Mindcrheitcnvcrträgc, die über die Iudcnfrage handeln, die Juden als Rassen, und konfessionelle Minderheit betrachten. Was das bisherige Vorgehen beim Minderheitenschutz anlangt, bleibe der Völkcrbundrat kompetent aber er könne nichts ohne den inter- essierten Staaten unternehmen. Bezüglich einer Verallgemeinerung der Miiwerheitenvcr- träg« werde die tschechoslowakische Delegation bei Prüfung dieses Problems ihren Standpunkt be> kanntaebcn. Am Schluß seiner.Kundgebung stellte Dr.| Bene) die Forderung auf, daß bei der Lösung der Minderheitenfragen guter Wille und insbesondere fair play an den Tag gelegt werde. Tie Persönlichkeit des Menschen müsse respektiert werden wer er auch immer sei. Der Vertreter Englands, Ormsby-Gore, erklärte, zur deutschen Delegation gewendet, in Großbritannien gebe es Grnppen aller Arten von Raffen, die schwarze, blonde und rote Hoare hät ten, ohne datz in England die Doktrin zur Geltung käme, die heut« in Deutschland zur Anwendung gelange. Das Regierungssystem lasse sich nicht an die Rassenfragc anlehncn. Der englische Delegierte nahm sich dann in sehr herzlicher Weise der Juden a n. Mit Stolz erklärte er, daß D i s r a c l i ein Protestant jüdischen Ursprunges gewesen sei. Die öffentliche Meinung in England habe alles gelesen, was Hitler über das Rasscwcsen geschrieben habe, doch habe sie davon nichts v e r st a n d e n. In seiner ErtvidcrungSanspräche erklärte der deutsche Delegierte von Keller, die Kommission besitze nicht daS Recht, einen Standpunkt zur deutsche» Gesetzgebung ciiizunehmen. Dir Iudensrage bleibe in Deutschland ein Spezialproblem. In dieser Hinsicht antwortete Keller der englischen Delegation nur vorsichtig und ausweichend. In der zweiten Kommission sprach sich der deutsche Vertreter Ritter entschieden gegen die Vertvirllichung des holländischen Antrages aus Errichtung eines Amtes für den Schuh der deutschen Flüchtlinge aus und behauptete, daß die deutschen Flüchtlinge Deutschland deshalb verlassen, weil sie ihre„vorteilhaften Ansnahm- stellnngeii" verloren, weil die politischen Bedingungen ihren„egoistischen" Wünschen nicht entsprechen und schließlich deshalb, weil sie„ein schlechte- Gewissen" hätten. Deutschland über- lasse die eventuelle Prüfung deS Problems der deutschen Flüchtlinge direkt den interessierten Staaten. Der Völkerbund solle sich nicht mit dieser Frage befassen. Gesandter Künzl-Iizirskn erklärte, daß dir Tschcchosiowakei den holländischen Vorschlag rein aus Gründen der Menschchlikcit günstig anf- nehme. UNd Leser, w c r der auch fragen wir, die Nntcr- kcin Führer dieser Reihe." für gesorgt, daß alle Journalisten in zwei Hotels zusammenwohnen. Ter Kellner der einen Hotelhalle sei genau einen Tag vor Beginn deS Pro- zefieS eingestellt worden. Ändere eigenartig« Vorfälle erwecken Unruhe. Ein Telegramm war adresiicrt an e>ne Korrespondentin„Pressetribüne des Reichsgerichts." DaS Telegramm kam um 12 Uhr 15 in Leipzig an. Bis- Uhr war die Korrespondentin im Gerichtssaal anwesend. Um 6 Uhr wurde daS Telegramm inS Hotel gebracht: der Umschlag war ausgemacht... Ein deutscher Photograph lehnte die Aufforderung, rin Photo von einem Zug Schuhhasigefangcner zu machen, mit Antwort ab:„Dann laufe ich in 10 Tagen in Bespitzelung auständisffier Journalisten Amsterdam, 3. Oktober. fJnpreß.)„Hel Volk" meldet:„Verschiedene Kollegen, die dem Reichstagsbrandprozeß beiwohnen, haben den Eindruck, daß sich jeinaud für ihre Koffer interessiert hat, während sic>m Äerichlegebäude warxn." Das Propagattdanlinisterium habe da- Pater Sieg In Genf! Gjenf, 2. Oktober.(Iina.) Sams ag vnntag wurde im Kanton Genf über zwei für di« Arbeiterschaft außerordentlich wichtige Vor- Der bescheidene Hitler. Wir lesen im„Reuen Vorwärts", R c w ?) ork: „Hitlers Blatt, der„Völkische Beobachter", läßt sich die Pressestimmen zu dem Theater in Nürnberg kabeln. Ans New wird ihm gedrahtet, daß der„Evrning Star" sogar einen Leitartikel brachte, der sich mit dem isZarteitag befasse und darin zum Ausdruck bringe, daß Hitler heute eine Macht sei fwer, so hat denn daran gezweifelt?) und stützung„seines" Volkes habe wie zuvor! Jedenfalls, wir fragen unsere kennt den„Evcning Star"? In New shork ist unseres Wissens kein Blatt dieses Namens bekannt. Möglicherweise ist der „Evening Star" in Netoark, einer Vorstadt von New fhork, genieint; seststellcn können wir das aber nicht, da wir Exemplare davon hier in New?)ork nicht zu Gesicht bekommen. Wahrhaftig, Hitler ist bescheiden geworden. cinzuschräuken, oder Demonstrationen, auch in geschlossenen Lokalen, überhaupt zu verbiete». Die zweite Vorlage galt als Ergänzung zum kantonalen Strafgesetz, tvonach sogenannt« politische Streiks ssür die Regierung der Martin und Konsorieu märe j jeder Streik„politisch" geivefe») verboten lein s sollten, insbesondere für di« Belegsch-aslen üjsenl- licher Betrieb«, wie Gas-, Wasser- und Elrk- trizi ätSbelrirbe, Tram usw. Zuwiderhande nde sollten mit Gefängnis bis zu sechs Jahren bestraft s werden! Diese beiden ausgesprochen f a j c i st i s ch r n, a»t i k o n st> t n t r o n e t t e n Vorlagen h a b e n d i e Genfer Stimm» berechtigten verworfen, und zwar dl« Vorlage über die Einschränkung der Demon- strationSsreiheit mit>4.474 Nein gegen 14.011) Ja, die Vorlage über die Knebelung des Slreil- rcchtS mit 14.60.7 Nein gegen 13.832 Ja. Das Rätsel van der Lubbe vor der Lösung Paris, 2. Oktober.(Jnpretz.) Di« wider spruchsvollen Meldungen Uber den Zustand van! der LubbeS, der nach den übereinstimmenden Ve-. richten aller ausländischen Journalisten in Leip zig den Eindruck eine« totkranken Manne» macht j und der nach den Berichten der deutschen sascisti-' schen Zeitungen munter wie rin Mensch sein soll, haben den UntersuchungSanüfchntz zur Austlärung des Reichstagsbrand«» bestimmt, Maßnahmen in! die Wege zu leiten, um diese» Rätsel zu lösen. Ter Untersuchungsausschuß hat sich in Ver bindung mit dem BerteidigungSkomitee, mit einer Reihe international bekannter Aerzte und[ Psychiater in Verbindung gesetzt und sie gebeten, nach Leipzig zu fahren, nm eine ärztliche Unter- i suchung van der Lnbbr» vorzunehmen. Mehrere Aerzte haben bereits.ihr Einverständnis erklärt, s darunter der bekannte Schweizer Sexualsorscher Dr. Forel. Weiter hat der UntersuchnngsauSschntz zur,,...._, Aufklärung de» Reichstagsbrandes zugesagt, Dr.!^Ü«n abgestimmt. Durch die cm« t leictzesvorlagc MeyerS-Amstcrdam, einem sehr bekannten hol»'sollte die Regicrung ermächtigt wcrden, nach Bc- ländilchen Arzt— der im Auftrag der Familie, lieben di« Dcmonslrationssrciheii Van der Lubbe» nach Leipzig fahre» soll—, zu ermöglichen, diesen Auftrag auSzusühren. Arbeitsftrleg mit Httlerlstan. Die Kassierung der Erlaubnisse. Wenn soeben dir Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung etc. in Berlin alle vor dem 1. Jul' 1933 ausgestellten Scheine, die die Beschäftigung von Arbeitern und Angestellten auslandiicher Staatsangehörigkeit gestatten, ungültig erklärt hat, so ist das ein feindseliger Akt besonders gegen die vielen tschechoslowakischen StaatSbüo ger, die im Reiche leben und— wenn möglich — arbeiten. Sie alle und ebenso die sonstigen Ausländer müllen jetzt aufs Neue nm solche Er| laubnisse ansnchen. Die Zeit, wo über solche An. träge objektiv und ohne Ansehen der Person ein- schieden wnrde, ist seit der Auslieferung Deutsch' lands au die Hitlerei vorüber. Rur solche Ausländer, die dem betreffenden Bezirksfeldwebel — lies NSBO- oder SA-AmtSwaltcr— genehm sind, werden den Schein erhalten. Wenn bei der NenanSstellung der Scheine in Deutschland tschechoslowakische Staatsbürger die Bewil- ligung verlieren, so wird wohl das Gleiche hier der Fall sein. DaS aber ist wahrscheinlich der Zweck der ganzen Sache. Der im Ausland lebenden Reichsdeutschen ist man nicht so sicher, zumal schon die inländischen hinreichend verdäch. tig sind, noch nicht genug erzogen zu sein, wo- gegen ja nach Goebbels Eingeständnis in Gens das Konzentrationslager angrwendet wird. Solche Reichsdeutsche im Ausland um ihre Arbeit zu bringen und nichtnazistische Ausländer im Drit ten Reich ebenso zu behandeln, ist der Zweck dieser neuesten Ley-Politik. Seite 6 Donnerstag, B. Oktober 1988 Nr. 283 Der Deulsme Gewerksshaitsbunä im fahre 1932 Die„Geiverkschaftliche Rundschau", Reichen- bcrg, bringt in ihrer letzten Folge vo»i 31). September den Jahresbericht der Zemralgewerk- schastskominission des Deutschen Gewerkjchasts- bundcS für d,is Jahr 1932. Danach Hai sich die Mitgliederzahl aller Verbände gegenüber 1931 um 5842 erhöht, so daß die Gesamtmit» gliederzahl mit 31. Dezember 1932 226.378 beträgt. M i 1 gl i c d c r z u wa ch s weisen ans: der Bc- kleidungSarbeitcrverband, der Fabrikarbeilerver- band, der Verband der Glas- und Kerainarbeiler, die Graphische Union, der Verband der Arbeiter und Bediensteten in Handel, Transport und Verkehr, der Verband der Holzarbeiter, der Verband der land- und sorstwirtsck-astlichen Arbeiter, der Zentralvcrband der Lebens- und Genußmitiel- arbeitcr, der Zliternationale Metallarbeiterverband, die Union der Textilarbeiter, der Allgemeine Angestellienverband, die Gewerkschaft der Postler und der Verband der öffentlichen Angestellten. Mitgliederverluste haben folgende Verbände;» verzeichnen: Union der Bergarbeiter, Verband der Eisenbahner, die Tabakarbeiter, die Bergbau- und Hüttenangestell- ten, der denische Musikcrvcrband, der Buhnenbund und der Verband der Bank- und Spar- kassenbcamten. Das ganze Jahr war für den Gewerkschaftsbund ausgefüllt mit Arbeiten für Tagesneuigkeiten Neun Bergarbeiter verschüttet. Kattowitz, 4. Oktober. Auf der Kohlengrube in Eichenau stürzte heute früh während des Schichtwechsels der Förderturm und der Förderschacht, anscheinend infolge Unterspülung der Schachtwände ein. Neun Bergarbeiter wurden verschüttet. Von den umliegenden Gruben sind 13 RettungSkolonnen mit den Rettungvarbeiten beschästigt. ES wird versucht, auch vom Wetterschacht aus an die Verunglückten heranzukommen. Es besteht jedoch w e n i g A u s- sicht, die Verschütteten lebend zu bergen, weil sie vermutlich durch die herabstürzenden GesteinSmasien erschlagen wurden. Da die Grube stets unter Schlammwasser zu leiden hotte, und erst vor zwei Monaten völlig überschwemmt wurde, wird angenommen, bah die Ursache in der Unterspülung der Schachtanlage zu suchen ist. Einstein am Leben bedroht hält eine Rede t« London. London, 4. Oktober. Die Londoner Polizeidirektion erhielt gestern ein anonymes Schreiben, in welchem ausmerksam gemacht wird, daß Pros. Einstein durch eine antisemitische Kom- ploi»orga>tisalion am Leben bedroht sei. Wic- >vohl die Behörden dieser Mitleilung nicht viel Glauben bcimesi'en, beschloß die Polizei, dcu Schntzdienst bei ocm Vorträge Einsteins in der Albert-Hall zu erhöhen. Pros. Einstein hielt in einer großen Ber- samniluilg, die zitgiktlstcu der deutschen Emigranten veranstaltet wurde, einen Vortrag über das Thema„Wir kann die Menschheit vor dem Verderben bewahrt werden". De» Vorsitz in der Bersammlnng haue Lord R u i h e s o r d. Einstein führte u. a. aus:„Es steht mir nicht zu, über das Verhalten einer Station z» urteilen, die mich jahrelang als einen ihrer Söhne betrachtet und mich dann ausgestoßen lnit. Die Hauptaufgabe besteht in der Arbeit nach Errettung der Menschheit und der geistigen Güter der Zivilisation vor dem Verderben. Tie Staatsmänner könncn sich dieser Aufgabe gut entledigen, wenn sie dabei von dem guten Willen des Volkes unierstnht sein werden. Außer der Erhaltung des Friedens liegt die.Hauptaufgabe in der Aenderilng der Erziehung. Rach Einstein ergriff 2ir Austin Chamberlain das Wort. Er erklärte, er wolle durch seine Anwesenheit an der Seite Einsteins die Sympathien der britischen 9! a t i o n oll denen kuudgcben, die durch das Hiilerregime aus Deutschland vertrieben worden sind. Genosse Mitzner gestorben- Pilsen, 4. Oktober. Dienstaa Nacht starb nach längerem Leiden Genosse Jakob M i b n e r. Er ist einem Herzschlag erlegen. Genosse Mitzner war feil 44 Jahren in unseren Reihen tätig»nd sein ganzes Leben treuester Dienst an der Partei und Arbeiterklasse. M i tz- n e r hat in der Partei in der mannigsaltigstcn Weise gewirkt, als Vertranensmann, als öffentlicher Funktionär und in der Hanptsache als Publizist. Er wurde im Jahre 1871 in Budapest geboren und wurde nach Absolvierting der Volksschule Seher. Gleich nach Bcendigttng seiner Lehrzeit schloß er sich der Sozialdemokratie an. Dann machte er einige W a n d c r j a h r c in Oesterreich und Deutschland durch tind nach einem knrzen Aufenthalt in Villach ließ er sich dauernd in Bischoiteinib nieder, wo er eine Druckerei erwarb. Hier gab er durch 36 Jahre das Wochenblatt„B i s ch o s te i n i tze r die Arbeitslosenunterstützung. Tie Ausgaben der angefchloffenen Verbäude für Arbeitslosenunterstützung stiegen von Ks 10,989.403 im Jahre 1930 auf K« 16,914.248 im Jahre 193l und gar auf Klin das Erscheinen der Parteipresse zu ermöglichen. Daß unsere Preste in den Anfängen der Bewegung, solange sic noch keine Druckerei besaß und von allen bürgerlickzen Druckereien b o y k o t. tiert wurde, erscheineit konnte, ist das Hauptverdienst M i h n e t6. Als Arbeitgeber bildete Genosse Mitzner eine beispielgebende Ausnahme. Er zahlte immer Löhne über dem Tarif und führte in seinem Betrieb schon frühzeitig die s i e b e n st ü n d i g e Arbeitszeit ein. Im Jahre 1930 übersiedelte Genosse Mitzner nach Pilsen, nachdem sein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Hier lebte Genoste Mitzner in größter Not, doch gab er den zähen Lebenskampf nicht auf. Durch Herausgabe des„R a d b u sa- T a l" bemühte er sich eine neue Lebensgrundlage zu finden. In der Partei wirkte er hier weiter als Funktionär und zählte zu ihren eifrigsten Mitgliedern. An seinem Grabe senken wir in tiefer Ergriffenheit die rote Kampffahne. Losschwindelel in Brünn. Aufsehenerregende Verhaftung in Brünn. Bon der Brünner Polizei wurde der Inhaber der Bankfirma M a c e k und D r. K i- l i a n, Franz M a c e k, unter dem Verdachte von Losschwindeleicn verhaftet. Gegen Bankier M a- c e k, der in der Brünner Gesellschaft ein große Rolle spielt, wurden bereits früher einige Anzeigen erstattet, die, wie jetzt gerüchtweise verlautet, seinerzeit unterdrückt worden waren. Auch jetzt hat die Brünner Polizei über die Verhaftung keinen Bericht ausgegeben. Die von dem Bankhause Geschädigten sind ausschließlich arme Leute, die bei der Firma Lose bestellten uitd bezahlten, die Lose aber nie erhielten. Tie Untersuchung dürfte längere Zeit daikern. Tragödie des Gerichtsvollziehers. Bei einer ZwangSdelogierung tödlich verwundet. Budapest, 3. Oktober.(MTJ.) In der Ge meinde T a r c z a l kam es bei einer Zwangsdelogierung zu blutige» Zwischenfällen. Ein('ie- richtsvollzieher erschien im.Hause der Landtvirte Saniuet und Alexander Pataki, um dort tvegen rückständiger Schulde,, eine Exekution vorzunehmen. Als der Gerichtsvollzieher ins Haus trat, griffn ihn die beiden Bruder an und warfen ihn zu Boden, wobei der Gcrichtsvoll- zieher ein Beu, brach. AIS der Angegriffene zu flüchten versuchte, schlugen die beiden Pataki mit A e x t e n anf ihn ein, so daß er blutüberströmt z u s a m m e n b r a ch und in hoff- u n n g s l o se m Z u st a n d ins Kre-nkenhaus überführt»»erden mußte. Samuel und Alexander Pataki haben sich hierauf selbst den Behörden gestellt. Noch ein Faseistenblatt eingestellt. Tas Lanbesamt von Böhmen hat die Herausgabe der Zeitschrift„Nürodni L' g a" für die Dauer von lechs Monaten eingestellt. Herbst. Unter der Randwirkung deS britischen Hochdruckes ist bei unS teilweise Aufheiterung eingetreten. Die Nachttemperaturen habe» sich daher durch Ausstrahlung weiter gesenkt. Böhmen hatte gestern allgemein, daS übrige Gebiet der Republik stellenweise Nachtfrost. Der Zufluß kalter Lust aus Norden ist nunmehr abgeschnitten, lieber Nordeuropa breitet sich ein Tiefdruckgebiet mit einer WärmeweUe auS. Seine Ausläufer dürften bei uns allmähliche Eintrübung veranlassen.— Wahrscheinliches Wetter heute: Bom Norden her zunehmende Bewölkung und allmähliche Erwärmung, auffrischender V. AlUS'KrclS Sportergebnisse der Fußball-Mvisterschost 1. Klosse. Erst« Runde. l. Gruppe: Warnsdorf— Nieder Liebich 2:1, Hackia— Steiirjchönau 6:1, Hirschberg— Rumburg 6:1, Nieder-Lisbich— Ru-mbuvg 6:3, Warnsdorf— Georgcntal 2:1, Rumburg— jlvmnitz 1:3, Stein- schönem— Niedcr-Äiebich 1:4, George«cha-l— Hirscht'erg 7:3, Schön linde— Haida 4:1,.Haida— Rumburg 5:2, Sieinschönau— Rumburg 4:8, Ober- Preschkau— Schön-linde 2:4, Hivschberg— Nieder. Liebich 4:1, Böhmisch-Kamnitz— Warnsdorf 4:2. 11. Gruppe: Krochwitz— Ladowitz 2:0, Glashütte — Teplitz 1:2, Zuckmantel— Karbitz. Kaübitz»ich: angcnelen. IN. Gruppe: WeiSkirchlitz— Dux 4:1, Sobrufan— Kleifche 2:8, Aussig Nord— Neuhof 7:0. IV. Gruppe: Hohenstein— Eichivatd 1:3, Wo- hontjch— Türmitz 1:5, Nesterntz— Langugest 1:2. V. Gruppe: Schöiipriesen— Kleinaugezd 0:5, Aussig Ost— Del lenz 1:7, Pi-Hauken— Ulgersdovs 4:3. VI. Gruppe: Koinotau I— Riedepleutensdors 11:2, Koinotau II— Brüx 2:1, Sporitz— Saaz 2:5, Trnpschitz— Tfchern'?(Bericht des Schiedsrichters eingclangt, doch ohne Bekanulgal»e des Resultates.) Zweit« Runde. 1. Gruppe: Haida— Ober-Prejchkan 1:0, Schon- tiude— Gcorgenwal 1:2, Rieder-Liebich—.flam, nitz 1:1, Warnsdorf— Steinschöna«(kein Berich: eingetangt.) II. Gruppe: Glashütte— Krochwitz 2:7, Ladowitz— Zuckmaniel 1:3. in. Gruppe: Weis- tirchlltz— Sobrusan L:Ü(Spiel abgebrochen), Dux — Reuhof 4:3, Predlitz— Aussig Nord 5:2 IV. Gruppe: Langugest— Hohenstein 2:2, Eichwald — Wohonych 3:1, Türmitz— Neftersitz 8:1. V. Gruppe: Schönprieien— Settenz 1:4, Aussig Ost — Ulgersdorf 2:0, Pihanken— Kleinaugezd 2:4 (Freundfchastsspiel). VI. Gruppe: Rieder-Leutens- dors— Komotau II 0:10, Komotau I— Brüx 4:1, Trnpschitz— Sporiy 3:4, Saaz— Tscher» (Tschern nicht migetreten). Die Kreisleitung macht nochmals aus- merksam, daß, wenn ein Verein den Anstoß ändern will, vor allem der Sp'elgegner, die Kreisschieds- richtewereinigung und Kreisleitung vevjländigi werden muß, jedoch rechtzeitig. Tie BerichtÄ'ogcn der Schiedsrichter müssen bis Montag beim Kreis einlangen, da joirst eine Berichterstattung unniög- lich ist. Die Kreisleitung. * (Degen Platzmangels in der gestrigen Nummer können wir Vorstehendes erst heute bringen.) Wind aus westlichen Richtungen, später strichweise schwacher Regen. Australien-Flug. Ter bekannte englische Flieger Sir Charles Kingsford Smit h traf Dienstag abends aus Heston auf dem Flugplätze in Lympne in der Nähe von Folkestone mit seinem neuen Eindecker„Südkreuz" ein. Von dort beabsichtigt er zu einem Fluge nach Australien zu starten. Sein Flugzeug hat einen Aktionsradius von ungefähr 1800 Meilen. Smith er- klärte, daß sein Ziel keineswegs die Ausstellung eines neuen Rekordes sei, daß er aber trotzdem bestrebt sein werde, Australien in möglichst kurzer Zeit zu erreichen. Einbrecher erschießt einen Kriminalkommissar. Bei einer Razzia, die gestern früh in Karlsruhe gegen eine Einbrecherbande von Kriminalbeamten unternommen wurde, stieß man auf die Einbrecher, die in einem Pavillon übernachtet hatten. Bei der Festnahme feuerte der eine Einbrecher auf den Kriminalkommissar Willielm Rumpf einen Nevolverschuß ab, der den sofortigen Tod des Kriminalbeamten herbeiführte. Sein Begleiter, ebenfalls ein Kriminal- kommissar, wurde verletzt. Der Mörder konnte entkommen. Exotischer Besuch im Parlament. Im Prager Riidolsinnm, dem Sitz des Parlaments, erschien gestern Sir Mohammed I a 1 u b, bis vor kur- zem Vorsitzender der indischen gesetzgebenden Versammlung. Er besichtigte mit seiner Begleitung das Abgeordnetenhaus und besuchte hierauf den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Dr. Stanek, bei dem er sich über die gesetzgebenden Körperschaften in der Tschechoslowakei informierte. Der amtliche Fahrplan in Buchform für die Eisenbahnen, Post und Tampfschisfahrt der Tschechoslowakischen Republik für die Winter- Periode 1933/34 ist soeben erschienen. Der Preis beträgt Kk 8.—. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung sowie der Verlag Alois Wiesner, Prag H., Soukeiiiekü 9, entgegen. Ter Wintersahr- plan für olle staatlichen und privaten Autobus- linien erscheint in der ersten Hälfte des Oktober. Vom Rundfunk Freitag: Prag: 10.10 Schallplatte«. 12.10 Schallplatte«. 16.00 Konzert. 17.00 Konzert des OndfiLekquarteiis. 18.30 Deutsche Sendung: Tr. Ehrenberg: Zeitwende vor 2000 Jahren. 20.00 Aktualitäten. 21.00„Ogafi", Oper von KkiLka.— Brünn: 11.35 Schulstink. 15.40 Frauenfunk. 18.25 Deutsche Sendung.— Kaschau: 16.00 Orchesterkouzerl.— Wien: 16.00 Fantasien. 18.10 Rund um ein Schutz- Haus. 18.35 Junge Wissenschaftler berichten. 20.15 „Spione Im Hangar", Hörspiel.— Frankfurt: 21.00 Ungarische Musik.— H<-ie«b«rq: 16.00 Nachmittagskonzert.— Breslaus 21.00 Bunter Orchesterabend. — Leipzig: 18.00 Neue Flötenmusik. 22.50 Nachtkonzert deS Sinfonieorchesters. Radio Wien. Am Freitag, den 6. Oktober, um 1810 Uhr stricht Genosse Albrecht Coleriis über„Ruick> um ein Schutzhaus'. 8» Chicagos CItiueieMadt. Chinawwu— Chinesenstadt, ein Stückchen Orient mitten im hastenden Leben und Treiben der modernen amerikanischen Riesenstadt. Ein kleines China mit seiner säst wohltuenden Stille und seinem farbenprächtigen, orientalischen Anstrich. eingeschlossen in der immer- ruhelos da- hinjagenden, beschäftigten, lärmenden Welt des weißen Mannes. Gegensätze, die fremd und geheimnisvoll anmuten und doch so selbstverständlich, wie sie nur eine amerikanische Doppelmetropole hervorzaubern kann. Die überall in der Chinesenstadt angebrachten, langen, grellfarbigen Plakate und Reklameschilder mit den dicken, seltsamen, chinesischen Inschriften und die vielen ansgehängten chinesischen Fahnen und Fähnchen, geben dem.Aus« sehen des gelben Viertels einen kleinen Beigeschmack echt orientalischer Verwahrlosung. Aber dessenungeachtet sind die oft aus chinesische Art mit hübsch geschwungenen und verzierten Dächern und Erkern versehenen Gebäude und Häuschen der Chinesenstadt meist sehr reinlich gehalten, wie auch die Bewohner dieses kleinen Reiches der Mitte außerordentlich gediegen und sauber im Aussehen erscheinen. Tie Geschäftsviertel in den-Hauptstraßen bieten ein farbenreiches Bild. Reben den uu- zähligen, chinesischen Handwäsck'ereien befinden Nch die unvermeidlichen Tee-, Nippsachen- und Seidenwareulädchen, Barbierstuben, chiuesisckie Nudelhandlungen, Klublokale, Papiergeschäfte, chinesische Hotels und Theater, Tabakwarenläden, Bestaurants, sogenannte„Chop-Suey Parlors" und Delikatessenhandlu«gen, deren Schaufenster xr>:>l hnlich aus jenen ck>iu.'"'chen Leckerwaren bestehen, welche nur von den Chinesen''lbji geschätzt werden könne». Es herrscht ein zufrieden anmutendes Treibe» und Leben in der Chinesenstadt, aber hinter dieser friedlichen Maske verbirgt sich das licht- scheue Tun der Unterwelt, der T o n g s lG e h e i in b ü n d e) und der L a st e r h ö h l e n. Selten gelingt es dem Fremden, einen Blick hinter die Kulisien Chinatowns zu werfen, aber wenn er cs fertig bringt, in die Tiefen einzudringen, so erfährt er erst die Gemeimnisie Klein-Chinas, und er wird in Dinge einge- we'.dl, von denen er bisher glaubte, daß sie-it das Reich der Erfindung gehören. Tie gu'lmiqen, verwahrlosten Opiumiwl,- sin, jene dunklen, anrüchigen Häuser des Lasters vergangener Jahre sind längst verschwunden uns haben geschmackvoll eingerichteten„Raiischgifi- Talons" Platz gemacht. Hübsche, puppengleiche, schlitzäugige Mädchen in kostbaren Teidengewändern bedienen den Galt in den Rauchzimmern der geheimen Opiuni- und Kokainhäuser anstatt der früher so gefährlich ansschauenden chinesischen Kulis. Die Zimmer und verschwiegenen Nischen sind säst luxuriös eingerichtet, mit Diwanen, Kisten, Teppichen und Decken, Tischchen. Basen, Lampen und chinesischen Malereien ausgestattet. Die zarten Töne einer hawaischen Saitenmusik klingen leise und traurig von irgendwoher, und der Besucher, den die Abenteuerlust nach diesen veibotenen Stätten getrieben hat, könnte sich inmitten all dieser orientalischen Seltsamkeit beinahe wohlfühlen, wenn er nicht ivüßte, daß unter diesem einschläfernden, verführerischen Ze über grenzenloses Elend und langsames Siechtum schlummern. Die Kundschaft dieser„Rauschgift-Salons" ist immer dieselbe. Frauen, deren letzter Halt das Kokain ist; hohläugige Opiumgenießer, gescheiterte Existenzen, die nur noch jeden können, wenn die verführerischen Rauchschleier des Opiums ihnen ein Leben voll Glück und Schönheit Vortäuschen; junge Menschen, die Abenteuerlust und Leichtsinn in diese Lasterhöhlen treiben. Reiche und Arme, Heimatlose, die ihre letzt:' Habe opfern, um mit Rausckigiftträilinen auf Stunden ihrem elenden Dasein zu entfliehen. Alle sind sie gleich in ihren Leidenschaften, olle gehören sie zu einer einzigen, bedauernswerten Gemeinschaft der Verirrten, die im Leben Schiffbruch erlitten haben, im Schlamm« der Großstadt versanken, und nur noch das Vergessen lucken und danach trachten, dem müden, entnervten Körper für eine Weile künstliche Kraft, Reiz und Frische zu geben, nm dann Wied- r erneut in die rettungslose Schlaffheit des Nausch- g'ftkranken zurückzusallen. Menschenschicksale offenbaren sich, wie man sie(.bstoßender nnd erbarmungswürdiger nicht finden kann. Bilder der Hoffnungslosigkeit und moralischer Verwahrlosung. Eindrücke, die man nicht so bald vergißt. Oscar B. Pfaus, Chicago. Nr. 283 Tonnevsiag, 8. Ofiokcr ScUe 7 Genossen! ausgesetzt II* 3u Stierb*cttun« unterer Leitung«gitietni* Letzt euch Überall Mr unsere Bnrterpresse et«. In da» Heim de« Arbeiter» qebdrt die Arbeiterpresse. Darum. tzsenoll«» N.weaassinne» WjJWw» B anfangs glauben, daß Antoni« Eicha diesen ungeheuer brutalen Mord verübt haben soll. Die Verhandlung dauer!« bis in die späten Abendstunden. Der Gerichtshof(Bors. OGR. 2 y• ko ra) leg!« den Geschworenen im ganzen seckS Fragen vor. Neben der Hauptfrage auf Raub» mord zwecks Aneignung der Lparbuchlegilimalion die Putzfrau in der Dose beruhenden einem einem Faktum des plötzlicher ihrem Fran» Mit VIM gabt alle Putzarbeit um Stunden schneller... und Za viel leichter I VIM seift lak- kierte Möbel, Türen, Fenster... VIM reinigt Glas, Porzellan, Metall gleich schonend und gleich gründlich.— Sie brauchen nicht für jede Verrichtung ein eigenes Mittel, Sie brauchen nur VIM. So sparen Sie, schonen sich und Ihre Sachen. gewinnsüchtigen Motiven Meuchelmord. Angeklagte bestreitet das nicht. Sie erklärt aber, in DI« MordeS.. Aufwallung gehandelt zu haben. Die Ermor- Prag. 4. Oktober. DaS Pankrazer Kreisgericht hatte heute seinen ersten großen Tag. Auditorium und Galerie waren bis zum letzten Platz gefüllt. Auf der Anklagebank saß«ine Frau unter Anklage d«S Meuchelmordes. Eines unsagbar brutalen und heimtückischen Mordes aus aller- iricdrigsten Motiven. Di« 30jährige Antonie Eicha, Gattin eines Postunterbeamten in K o§ i f, ist angeklagt und gestäitdig, ihre bejahrt« Tante Franziska H a l a m a lmeuchlerisch mit einem Hammer erschlagen zu l haben. Der Fall hat seinerzeit in Prag großes Aufsehen erregt. DaS Gräßlichste an der Sach« ist, daß als unmittelbare Mordursachr rin Sparkassabuch über 3000 Kt figuriert. Am 18. Jänner d. I. wurde die KoRser Polizei durch di« Anzeige alarmiert, daß in einer Kammer deS Hauses„Z ü v ö r k a" die Seiche der 68jährigen Frau Franziska H a l a m a aufgesunden worden sei, und ztvar unter Umständen, dir zweiselloS auf einen bestialischen Mord hinwiesen. Ein Nachbar hatte auS dem Finster der Kammer Rauch auf» st e i g« n sehen und war in der Meinung, eS sei ein Brand auSgcbrochen, in» HauS gedrungen. Zu seinem Entsetzen fand er den leblosen, blutüberströmten Körper der alten Frau vor. Die Leiche war mit Zeitungspapicr zugedeckt, mit Petroleum übergossen und schließlich angezündet worden— offenbar, um die Spuren zu verwischen. Die Obduktion ergab, daß die Halama durch sechs schwere Hiebe gegen den Schädel getötet worden war, von denen drei die Schädeldecke zertrümmert hatten. Außerdem zeigte dir Leiche 1 schwere Hiebwunden gegen den Brustkorb, durch I welche zwei Rippen gebrochen waren. Die Untersuchung wurde zunächst gegen fremde I Täter geführt, um so mehr als die Halama sehr I wohltätig war und selten einen Bettler imbeschenkt I fortgehen ließ. Allmählich aber begann sich der Bcr- I dacht auf die Nichte der Ermordeten, die 1 heut« angeklagtr Antonie Eicha zu richten. Diese I bestritt zunächst jede Schuld, wie sie auch bei der I Mordnachricht höchste« Entsetzen zur Schau getragen I hatte. Als aber bei einer überraschenden Hausdurch I suchung nebst einer blutgetränkten Schürze I auch daS Mordinstrument gesunden wurd«, lein blutiger Hammer, den die Eicha in I Sack Mehl versteckt hatte, bequemte sie sich zu I vollen . T«r und Sieb» Gendarmen«» zahlreiche Führer der ’ und vier idor kann sich jeder leisten! wurde ein« Eventualfragr auf Totschlag gestellt. Die anderen Fragen betrefsen die Z u» rechnungssähigkeit der Angeklagten im Augenblick der Tat und verschicdcii« Qualifika- tionLmoment«. Aus der Geschworenenbant faßen heute ausschließlich Männer, eine ausgelost« Frau wurde vom Brrloidigrr abgclehnt, Rach halbstündiger Beratung kehrten die Geschworenen gegen 8 Uhr abends zurück und der Obmann verkündigte das Verdikt, nach welchem die Angeklagte des Mordes mit zehn Stimmen schuldig erkannt wurde. Tie Frage aus Sinncsver» wirrung wurde mit acht Sttnrmen verneint. Der Gerichtshof fällte hierauf da» Todesurteil. Tie Angeklagte— übrigen-«ine angenehm auSschende Frau, die man für jünger hallen sollte, als sie ist— bewahrte auch bei der UrteitSver- kündung die vollkommene Ruhe, di« sie durch daS ganze Verfahren beobachtet hatte. Tie Frage des Richters, ob sie das Urteil verstanden habe, beantwortete sie mit einem leisen„Ja!" Sie meldete vorläufig kein Rechtsmittel an, s» daß ihr die dreitägig« Bedenkzeit offen bleibt. Gin Wagner-Museum. Villa T r i e b s ch e n bei Luzern, Wag- ncrS„Insel der seligen", wo der Meister Haupttrile des„Ring der Nibelungen" und der „Meistersinger" schrieb, wird nun von der Stadt Luzern;u einem Wagner-Museum umgestaltet. , Im Verlaufe dieses Streites hat dann die Angeklagte ihre Tante von ausgenommen. Hierauf überreichte Kommandant I fr^HieBt in\eT xaiT einen'' kaltblütig vorbereiteten, wohlüberlegten und auf rein Geständnis. Antonie Elchs hatte das Grundstück von Vater geerbt und ihre Tante, die ermordete ziska Halama, besorgtedieWirtschaft. Ins besondere betreute sie den zu dem HauS gehörigen Obst- und Gemüsegarten. Zwischen den beiden Frauen soll im allgemeinen ein gutes Einvrr- n eh men geherrscht haben. Allerdings verübelte die Angeklagt« ihrer Tante deren große Frei gebigkeit und warf ihr insbesondere vor, daß sie ihren Enkel Jaroslav Halama, den sie groß gezogen hatte, hie und da zu sich lud, bewirtet« und auch kleinere Geldgeschenke gab. Die Tante, die eine Witwenpension von 500 sie bezog, ließ sich allerdings nichts dreinreden. So kam es gelegentlich zu kleineren Auseinandersetzungen. Di« Ermordete, die allgemein als sehr gutherzig,>»>..- geschildert wird, hatte ihrer Nichte öfters geldlich den polmschen ausgeholfen und so wußte diese, daß die Halama| > eilt Sparbuch über 3000 lkc- besaß, von welchem aber nur gegen Legitimation Abhebungen gemacht werden konnten. Am 18. Jänner kam es nach der Konstruktion der Anklage deshalb zu einem Streit ! zwischen den beiden Frauen, weil sich di« Halama gelegene HauS. Sidor, welcher in der Nach: den Schmied zu besuchen Pflegte, verriet sich dadurch, daß er sich im Kukuruzfeld bewegte. Plötzlich stieß er auf sechs G e u d a r>n e n, welche ihm ihre Bajonette an die Brust setzten wodurch er kein« Zeit hatte, seine geladene Pistole, welche er an der Schulter in einem Futteral trug, zu benutzen. Ferner war ex mit einem 45 Zentimeter langen Messer und zwei weiteren Taschenmessern bewaffnet. Der Räuber wurde in die-Haft der Staatsaittvallschaf! in Uiihorod gebracht. Er wird bereits seit dem Jahre 192ß steckbrieslich geiucht. Zidor hat den z>v e i f a ch e n Raub der Kassen der Donaubank-Filiale in Beils Kapu- üanh, ferner den Raub in den P o st k a s s e n in den Gemeinden Surty und Belkii Dobrn, den Raub in Belikä Grjovce, drei Raube im Bezirk von Chust, wo er in der Gemeinde Koälovo wohnte, begangen. Bv» dort unternahm er R a u b; ü g c n a ch llihorod, nach Pardubitz, wo er ein halbes Jahr war und nach Mähr.- O st rau. Im Jahre E9 schoß er einen Polizisten bei der Verfolgung in ULHorod an. Räuber bei über ü0 Ra u b e st ä h l e am Gewissen. Verstärk e wachen verhafteten heute Genossen Sioors, u. a. den Bande namens B e r g m a» n, jüdische Geschäftsleute, ,l welch« Winke für Raube gaben. ULHorod, 3. Oktober..Heute in der Nacht wurde unter dramatischen Umständen bei der I Gemeinde Onokopc« von einer Gendarmerieabteilung der langge'nchte Mörder und Kassen- ! räuber Peter Meinst, welcher unter dem Namen Sidor verfolgt wird, verhaftet. Seiner Berlms- tung ging der Raub bei dem Gcschäftsinannc Grün bäum in der lAemeinde Belikö Gejovce voraus. Damals wurden drei Genossen Sidors verhaftet, von tvelchcn ztvei dolnische Staatsangehörige waren. Sidor, weicher lange Zett ! hindurch sein Untvesen in Polen trieb, wird von ...,, Behörden wegen zweier Morde verfolgt, zu denen er sich eineni seiner Genossen gegenüber bekannt hak. Sidor ist jener unbekannte Mann, w«lä-«r von dem Sohne GrünbaumS mit einem Beile an der Brust v e r- letzt wurde und welcher sodann ärztliche Hilfe bei dem ULboroder A«rzt« Dr. Mandel suchte. Zwei große Fahndungen in der ULhoroder Umgebung und«ine Polizei-Razzia im Uihorodcr Zigeunerlager blieben ergebnislos. Erst bei der gestrigen Durchsuchung bei dem Schmied in der Gemeind« Onokopc«, wurde der Schmied angehalten, welcher im Begriffe war, den im Walde verborgenen Sidor aufzusuchen, nm ihm Brot und Speck zu überbringen. Ter Schmied gestand ein, daß Sidor zwei Nächte vorher in seiner Wohnung schlief. Deshalb umzingelte die durch Polizei verstärkte Gendarmerie das in einem Kvkuruäfelde in der Nähe eines Waldes Die Henkerschule SO ausgewähltt SA-Männer werden auf Anordnung des preußische« Innenministers Goering zu Scharsrichtergehilsen ausgebildet werde».— ZeitungSmeldung aus Berlin. In Berlin wurde diese Woche die vom preußische» Innenminister Goering geschaffene I Henkerschule feierlich eröffnet. AlS Schauplatz veS Festaktes war der Hinrichtungshof Les Zucht-1 Laufes von Plötzensee au-gewählt worden. Auf dem Fcstvlatze hatte man sinnig einen Galgen, ein« Fallvollvorrichtung mit Zubehör und eineni Hinrichtungsblock nebst Beil aufgestellt. Außer! den fünfzig Henker-Studenten izpd den Henker-1 „Professoren" halten nur Geladene Zutritt. I Unter den Anwesenden sah man Zahlreiche Prominent« deS neuen Deutschland. Sämtliche Feme-1 mörder von Ruf, unter ihnen Oberpräsident l Heines auS BreSlau, waren erschienen. Di; deutschen Universitäten hatte Delegierte entsendet.! Per Senotspräsident beim' Reichsgericht Dr. Bänger, der Letter deS— jetzt em paar Tage ruhenden— Reichstagsbrand-Prozesses, war mit dem Reichsanwalt Werner rm Flugzeug aus Leipzig gekommen. Vollzählig hatten sich die Kommandanten der Konzentrationslager einge» funden. Auf der Ehrentribüne wimmelte eS von höheren SA- und SS-Führern. Ein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit waren die Richter, die seinerzeit in Altona di« vier— inzwischen Hingerichteten— Kommunisten zum Tode verurteilt hatten. Kurz vor neun Uhr nahmen die fünfzig Henlrrzäglinae in militärischer Ordnung Auf» stellnng. Alle trugen das chnen vom Minister Goering verliehene Abzeichen: Zwei gekreuzte HenkerSbeile. Pünktlich um neun Uhr erschien in großer GeneralSuuifvrm Goering. Er sah prächtig aus. Die neu« Uniform paßt« sich geschickt feutet imponierenden, vorn und hinten mächt'g ausladenden Körperfülle an. Seine sichtbare Elastizität und die nicht zu verkennende Span- nung einer großen Energie straften allem schon das Geschwätz der Auslandspresse vom Morphinisten Goering Lügen. Tie Meldung erstattete der Kommandant der Schule, Scharfrichter Grocbling ans Magdeburg. Hierauf hi>lt Minister Goering eine seiner inhaltsreichen und tief durchdachten Reden.„Wir, die Vcrantwvrtlichcn Vertreter des neuen Deutschland," sagte er,„be- mühen uns, die Umwertung aller libcralistischen Werte durch die Tat zu vollziehen. Wir haben mit den überkommenen alten Begriffen von Recht und Ordnung, Moral und Menschentum aufgeräumt. Di« alten Tafeln liegen zerschlagen auf dem Boden. Neue haben wir an ihrer Stelle ausgerichtet. Der„Fememörder" und„Zuchthäusler" HeineS, den Sie als preußischen Ober dete habe einerseits ihren Mann als„elenden Derrecker" verunglimpft und anderseits auch die Eltern der Angeklagten herabgesetzt. Darüber sei sie so außer sich geraten, daß sie den Hammer ergriffen und sinnlos auf die alte Frau eingeschlagen habe, ohne sie aber töten zu wollen. Aus Einzelheiten könne sie sich nicht besinnen. Tcmgegcnüber verweist die Anklage aus zahl- reiche Indizien, die darauf hindcuten, daß der Mord ivohl überlegt war. Das Sparbuch samt Legiti mation war sofort nach der Tat gut v« r st c ck t worden: der.Hammer wurde geschickt verborg«»: die blutige schivarze Schürze, die die Eicha bei Verübung der Tat getragen hatte, wurde beseitigt. Die Leiche halt« sie mtt Papier bedeckt und mit Petroleum be gossen, damit sie verbrannt oder doch wenigstens so weit verkohlt werden sollte, daß dir Erhebungen er schwert werden sollten. So drehte sich da« Beweisvrrsalhren vor allem um die Aufhellung dieser Punkt«. Di« Verteidigung stellte unter Beweis, daß die Angeklagte seit jeher zur Menstruationszeit unt«r unberechenbaren Wutansällen leid« und am kritischen Tage gerade menstruiert habe. Die ärztlichen Sachverständigen erklärten in ihrem Gutachten die Angeklagte für geistig normal und verantwortlich im Sinne des Straf gesetzes. AuS dem Gutachten über den Leichenbefund geht aber eine neu« schreckliche Tatsache hervor. Wie die Aerzie mit Sicherheit seslsteUe» konnten, hat die Niedergeschlagen« trotz der schweren Wunden »och gelebt, al» sie angezündet wurde. Ein sehr umfangreicher Bewcisapparat war aus gebaut worden, ui» das Verhältnis der Tante zu der Nichte klarzulcgen. Aber es ergab sich kein Anhaltspunkt zur Aushellinig der tieferen Motive dieser furchtbaren Tal. Verschiedentlich wurde bezeugt, daß die Beziehungen der beiden Fraucu zueinander nicht nur gut, sondern geradezu zärtlich geivescn sind. Sie hätten miteinander verkehrt wie Mutter und Tochter. Freilich gab eS kleinere Reibereien, die aber nie ernstere Formen annahmen. Bemerkens wert ist aber auch, daß die Angeklagte bei allen Bekannten seit jeher den besten Rus Hal. Die heute des Mordes Angeklagte wird einstimmig als gutherzige, zartfühlende und feinsinnig« Frau geschildert und niemand von ihren Bekannten wollt« WWWM!Mll!!!l!RlIIIIl>!l!!I!!IlII!l!IlIllIillIllIlIllllIllIllIllllIlllilIIlIllIIlIl!llIllll>lllIllllllIlIlIllll>l!IIllI!Il>iIlIlillilI>!lll!IIlillIlII!lIlIIl>ll>llIllIllillllIl>llIl>llIllIlllIIll>lilIlIIlIl>lllll>llll!llll>IlIIII»lW Kl MM UIlD MM Ml MW WM. Sine Bande dingfest gemacht, die über SV Verbrechen au! dem Gew sten Hal- Zwei Kinder Todesopfer eines Dachstuhl« branoeü. In einem-Haust in Neckargartach bei Heilbronn brach im Dachstuhl ein Brand aus. Die OrtSfcucrlvehren waren sofort am Brand- viatze erschien«» und schlugen, da daS HauS verschlossen war, da» Dach ein, wobei sie zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren leblos im Stroh liegend ausfanden. TaS eine Kind war bereits tot, oaS ander« starb auf dem Wege ins Krankenhaus. Die Eltern und die ältere Schwester der Kinder waren auSgegangen, und nur die beiden Jüngsten blieben im-Haust. Unter dem Dach lag-Heu und Stroh und cs befand sich dort auch ein Schlaszimincr. Di« Lustakrobatik.■ Zwei polnische Militärflugzeuge fließen bei akrobatischen Vorführungen in der Höhe von 1000 Metern zusammen und stürzten ab. Die beiden Piloten rotteten sich mittels Fallschirms. Präsidenten und gefeierten Führer des deutschen Volkes hier vor sich sehen, ist ein Symbol des neuen Geistes, der jetzt in Deutschland herrscht. lind wie wir im Falle Hoincö Entehrung in Ehrung verwandelten, so wollen wir in diesem neuen Geiste auch von dem im dritten Reiche so überaus wichtigen Amte des Scharfrichters den Makel des Unehrlichen und Schimpflichen neh men, mir dem mn rin Zeitalter der Unaufrich tigkeit, der Wehleidigkeit und des nationalen Beifalls behaftet hat. Im nationalsozialistischen Deutschland ist das Amt des Scharfrichters von überragender Bedeutung. Es ist z. B. sicher viel wichtiger, als das zahlreicher Universitätsprofes. soren. Die könnte man im neuen Deutschland I entbehren, ohne sie zu verniissen. Aber was wäre das neu« Deutschland ohne den Scharfrichter? Dar fluchwürdige alte System hat den Scharf richter in den Ruhestand geschickt. Wir aber haben ihn zu neuer Tätigkeit vcrufcn. Er soll auch von heute an nicht nur ein Amt, sondern auch di« Würde haben. Damm erkläre ich feier lich: Die Tätigkeit des Scharfrichters ist int neuen Deutschland in höchstem Maße Dienst am Bolk, Dienst am Reich, Dienst an unserer Be- wcguitg. Der Scharfrichter ist für uns die Ver körperung unseres Triumphes über marxistische „Geistigkeit", über dumme Mcttschentnmslehren, über töricht«, unser VolkStunt schädigende Empsindeteien.„Halten Sie sich dies," sprach der Minister die Henkerstudenten direkt an,„immer.;;yi|u)i*n„cn ueiucn niuucn, wen pin v«^iqoui vor Augen! Bekennen Sie sich überall frei zu weigerte, ihrer Nicht« die zur Abhebung nötige dem neuen Amte und tragen St« mtt Stolz das^gj.jmaiion anszufolgcn.'--- Abzeichen, das ich Ihnen verliehen habe." d»...,- vvll t mit stü^mlscheM-Bessall| rgswävts mit dein Hammer erschlagen. Die An- Scharfrichter Groebling dem Minister daS von ihm geschaffene Scharfrichterabzeichen in Gold und bat, es anzunehmen und zu tragen. Goering dankte und steckte«8 sofort an seine ordenbesäte Brust unter das E. K. I. Mit dem Horst-Wesstl- Lied schloß die Feier. (Für die Richtigkeit des Berichtes: Lucifcr.) Stile 8 »Qtojltrfbemofrai* SmntCtttefl, 8. CfloBtt 1988 Nr. 288 TREFFEN SIE VORSORGE FOR DIE KALTEN HERBSTTAGE Schützen Sie sich gegen Erkältung— tragen Sie warme und bequeme Schuhe I Für den diesjährigen Winter haben wir Ihnen eine Reihe moderner, warmer Meltonschuhe vorbereitet. Hübsch verziert mit warmem Kragen, mit lack kombiniert.— Lukas Donnerslags Bekenntnis. Sin Seemannsgarn aus dem„Verbogenen Anker" Bo» Fritz Preuß." Wenn man Glück hat. wenn man das Maul einige Stunden halten kann und wenn man außerdem für die feuchte» Bedürfnisse oller, ehrlicher Seefahrer Verständnis mitbringt, kann man :n Jonny Klansens Grogkeller„Zum verbogenen hinter" die sonderbarsten Wasserheiligen der alten und neuen Welt kennen lernen. Tja... und ich hatte Glück uttd ich konnte das Maul einige Stunde» halte». Und da ich außerdem vollstes Verständnis für die feuchten Bedürfnisse oller, ehrlicher Secsghrer mitbrachte, lernte ich das letzte Mal im„Verbogenen Anker" einen Janmaat kennen, der nicht nur Lnkas Ton nerslag hieß, sondern auch dabei einen Spleen nährte, der son phantastisch verrückt wat, daß eS sich lohnte, ihn weiter zu erzählen. Aus einer Gesellschaft lärmender.Herings, ftscher hatte ich mir an dem Sitzend den Lukas Donnerslag mit einigen steifen Jamaicas herausgeangelt. Es war mir gleich bei meiner Einkehr ausgefallen, daß irgend etwas mit ihm los sei. Tenn je aufgekratzter ieinc Zechkumpanen im Jiige des Abends wurden, je besinnlicher gab er sich. Tas äitderle sich aber iosort, als ich ihn zum Grog eingeladen hatte. Er wurde gesprächig und mit düsterer Schwermut in der Stimme fragte er mich unvermittelt, ob ich es auch schon wüßte, daß er, Lukas Tonnerslag, jetziger Steuermann vom Hafeirschlepper„Sturmlieschen" und ehe- maliger Matrose S. M. Torpedoboot S. 17, die Alleinschuld am— Weltkriege liabc? „Die Allcinschuld am— Weltkriege???" „Tja... bi« ganze, alleinige Schuld am Weltkriege..." Worauf ich schnell noch zwei Grog- kommen ließ und näher an Lukas hcranrückt«. * ES war in der letzten Juliwoch: deS verhängnisvollen Jahres 1914. Lukas Donnerslag, damals noch deutscher Kriegsschisfmatrose, lag mit seinem Torpedoboot im-Hafen der uralten norwegischen Sardinenstadt Stavanger, in dem außer einigen Dampfern der„christlichen" also Handelsschiffahrt, auch ein französischer Fischerei- Schuhkreuzer sestgemacht hatte. Ein über den andern Abend durfte hier Lukas Wache an Land, und-a man ntit der jammervoll geringen Kaiserheuer keine großen Sprünge macl)«n konnte, mußte er, wie übrigens auch seine Kameraden, oft, tief und heimlich ttt den Seesack greifen. So ging, es war ein Jamme- um das ichöne Zeug.', gleich am ersten Abend das blatte Wollhemd brombeerbillig weg. Zwei Abende später erhielt Jngeborg, die er sich inzwischen angclacht hatte, das hagelneue, blütcnweiße Paradehcmd. Und wieder zwei Abende später opferte er dem Mädchen ieinen herrlicl)en, seidenen Brnstlnoten. Jetzt war er so ziemlich auf dein Grunde seines Seesackes angelangt. Er mochte ihn um und nm kehren, außer ein Paar knochenharter Secstiesel. einigen zcrrisseitcn Lumpen und stinkenden Pfeifen siel nichts mehr Berkänsliches heraus. Ta beschloß er in seiner verliebten Not. Jngeborg poetisch zu kommen. Als er sie daher das nächste Mal in der.Hasenkncipe„Ium brüllenden Seehund" besuchte, drückte er ihr mit verlegenem Grinsen ein Mützenband seiner.Halbflottille in das alles andere als zarte-Händck)en. Doch die nüchtern denkende Jngeborg sah das poetische Angebinde nur verächtlich von der Seite an, nickte kattm ein Dankeschön und ieyte sich dann sofort ol;ne weiter« Sentiments auf den Schoß eines französischen KnegSschiff-Matroscn. Eifrig versprach der ihr iosort allerlei Schönes, wobei er den abseits grollenden Lukas sicgcsstolz in das schwefelsaure Gesicht lachte. DeS braven Lukas Pranken waren aber damals schon so groß wie ausgewachsene Seehundflossen und so hart wie zwanzigjähriger Schiffszwieback. Mit diesen Ungeheuern winkte er also der Falschen vor dent glatten Gesicht herum wobei er ingrimmig grollte, er wolle lein blaues -hem-, sein Paradestolz und seinen seidenen Brustknoten wieder haben. Aus der Stelle müsse das aber geschehen.' Sonst bekäme sie mitsamt ihren neuen Liebhaber die Kinnen braun und blau geschlagen! Schließlich sei man dock) nock) lang« kein-Hampelmann nicht! I Der glückliche Janmaot hingegen, der vom Deutschen so viel verstattö wie die Kuh vom Spa- nifchcit, glaubt« eine gewaltsame Entführung verhindern zu müssctt und schob die bedrohlichen Pranken abwehrend zur Seit«. Im Handum I drehen entstand so ein« der bekannten, seemännisch abgerundeten Keilereien. Nun haben die Ding« verflucht häufig'hre eigene Logik! Das Kampfgetöse, fast bis am .Hasenkai hörbar, lockt« bald einen Trupp-Heizer vom sranzösisck)en Kreuzer in den„Brüllenden Seehund" und eine Weile spater auch di« Piepels vom deutschen Torpedoboot. Das Malheur war da! So was von Palaver hatte der gute„Brüllende Seehund" noch nicht erlebt! Aber auch di« norwc'gischen Policemän- ner, die in Eilmärsck)«n angerückt gckomnten waren, staunten, ohne sich zu schämen. Pier Franzosen und fünf Deutsche, darunter auch LukaS Donnerslag, mußten an Bord getragen werde». Doch ivaren Tote seltsamerweise nicht zu beklagen. Eine Stunde später. Stöhnend lag Lukas und die andern Berlvundeten im Wohndeck cur Matrosen, und während der Schisssarzt die klas- sendcn Wunden flickte, verfinstert« sich oben an Teck urplötzlich die Atmosphäre zur gefürchteten „Dicken Luft". Tclegramin jagte nun Telc- Igramm. Boten rannten wie die Wahnsinnigen mir versiegelte» Befehlen nach allen Windrichtungen auseinander, Ten. Funkern in ihrer Kabine wuck/en in dieser Stunde vom vielen Morsen fast Hühneraugen auf den Fingerspitzen. Tann dauerte es nicht mehr lange, da ging vorne am Mast das Signal:„Alle Mann an Bord!" hoch. „Daran ist nur der verdammte Lukas schuld!" stuchten jetzt die Matrosen.„Immer wieder diese Weibergeschichten! In jedem Hafen derselbe Quatsch! Der versaut uns noch damit die ganze, schön« Sommerreise!" Tatsächlich schien unser» Jaumaats die Lage von Minute zu Minute ungemütlicher zu werden. Und als dann sogar der Poli^ipräses von Stavanger mit dem Kommandanten an Bord des französischen Kreuzers kletterte», waren sich alle Beteiligten darüber einig, ein Ding gedreht zu haben, woraus allerlei diplomatischer Heckmeck entstehen würde. Doch machte die Ablösung der Funkcrwache bald aller quälenden Ungewißheit ein E»de. Entgegen der strengen Tieirstvorschrist ließ sich ein Funker breitschlagcn, das Geheimnis der vielen, chiffrierten Telegramme Preisziigeben. Und da kam es heraus! Nicht die Schlägerei im„Brüllenden Seehund" war die Ursache der„Dicken Luft" auf dem Torpedoboot, sondern der Funkbefehl des deutschen Admiralstabs tvar cs, der alle Kriegsschiffe in Nonvegens Häsen iosort zu- rückrief. Im Nu vergaß man die blutige Schlägerei. Die unsinnigsten ttzcrücbte von Krieg und Kriegsgeschrei schwirrten durch die Wohndecks der Matrose» und Heizer, dränge» wie ein Lauffeuer in das friedlick)e Städtch-en Stavanger. Bald standen am Kai Tausende von aufgeregten Menschen, und die in den Fischfabriken an ihren Arbeits- vlätzcn verbleiben mußten, werden in diesen Stunden wohl manche Sardine mit dem Bauch nach oben verpackt haben.— Nach einer zweistündige», geheimen Konferenz mit dem französischen Kapitän kehrte der deutsck)e Kommandant verschlossenen Gesichts an Bord deS Torpedobootes zurück. Mit schneidender Stimme gab er sofort den Befehl, das Boot seeklar zu machen. So zugcspitzt lagen also die Dinge, als Lukas Donnerslag«Mich aus tiefer Ohnmacht erwachte. Seine erste vernünftige Frag« lautete: „Was ist los an Deck?" Worauf er von einem Matrosen, der es eilig hatte, die inhaltsschwere Antwort bekam:„Der Krieg ist erklärt!" Hierauf wußte der Unglücksrabe Lukas nichts Besseres zu tun, als erneut in Ohnmacht zu fallen.— Auf der rasenden Fahrt nach Helgoland drückte sich nach und nach die jugendliche Unbekümmertheit der Matrosen wieder durch. In grimmiger Laune beschloß man, LukaS in dem Glauben zu erhalten, er allein habe Schuld an der abgebrochenen Sommerreise der deutschen Flotte und an allen anderen Geschichten, di« noch kommen würden. Als erster Verwundet« des ÜLeltkriegeS wurde Lukas zwei Tage nach der Abfahrt von Stavanger im Kriegsläzarett.Helgoland eingelie- fcrt.. Wenn er dort nicht gerade schlief, sinnierte er stundenlang düster vor sich hin oder er Peilte 'cheu durch die Fenster nach Westen, nm die „feindliche Flotte" andampfen z» scheit.— Bier Wochen später. Ter„Kriegsverbrecher" LukaS TonncrSlag war wieder als Geheilter an Bord seines Torpedobootes. Doch wie hatte er sich verändert! Ti« Kameraden kannten ihn kaum wieder. Aus dein immer stillvergnügten Norddeutschen war ein ewig raunzender Brummbär geworden, der keinen Menschen mehr gerade in di« Augen selten konnte. ES war ein Jammer! Und obwohl nun alle Kameraden versuchten, ihn wieder anfzupulvern. wurde er immer scheuer und wortkarger., Tann kaut die nächtliche Katastrophe.„S 17" flog auf ein« Treibmine. Ium Glück ging nur das Achterdeck in die Luft. Fast dir gesamte Besatzung fand Zeit, sich in die Beiboote zu retten. Auch Lukas wurde einige Stunden nach der Katastrophe an Bord eines Patrouillenbootes ge. bracht. Noch völlig erschöpft, meldete er sich beim Kommandanten. Er bitte nm Abkommandierung zur Landkompagnie. Warum, fragte der Offizier ahnungslos. Weil es jetzt raus wäre, antwortete leis« Lukas. Was denn raus wäre, AuSflugtzug zur slowakischen Weinlese bei Preßburg mit einem Besuch von P i st y a n vom 27. bis 80. Oktober, veranstaltet von der Staatsbahndirek- tion Prag. Preis der Fahrkarte 118 Ke, mit Ber- pflegung und Wohnung 208 Kf. Tiefer Zug wird während der ganzen Dauer eine eigene Jazzmusik haben, weiterS einen Speise- und einen Schlafwagen. Information Kassa 13 Masarykbahnhof. Kunst und Wissen Kerstin Thorborg, die soeben von ihrer Amerikareise zurückgekrhrt ist, singt am Sonntag, den 8. d. zum erstenmal in dieser Spielzeit am Tcutschen Theater, und zwar die„Ortrud" in„Lohengrin". Einmalige Montags-Vorstellung:„Ball im 2avoy." Preis« ermäßigt K« 3.— bis 35.—. Gutscheine gültig. Wochenspielplan des Neuen deutsche« Theaters. Tonnerstag. halb 8 Uhr:„La Boheme"((£ 2).— Freitag, 8 Uhr:„M a m s« l l Ni t ou che"(T 11.— Samstag, halb 8 Uhr:„ManteI,.Hut und Handschuh e". Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr:„Pension S ch ö l I« r".— Freitag, 8 Uhr:„Die Trafik Ihrer Exzellenz".— Samstag, halb 8 Uhr:„Bezauberndes Fräu- l e i n". Aus der Partei Lektion der sozialdemokratischen Bankbeamten. Freitag, den 8. Oktober, um 18 Uhr im Tose Monopol^gegenüber dem Masarhk-Dahnhos) wich, tige Sitzung, zu der das Erscheinen aller Mitglieder erbet«» wird. SBorl• Solei- MmvllM Finnische Meisterschaften im Schwmmrn und Radfahren. Wie di« norwegischen Arbeiter« 2 chw i m mei ste r s ch a s i« n, hatten auch di« linnischan Meisterschaften Massenbeteiligung aus zinneifen. Ein'g« Landes-Bestleistunge», wurden verbessert: 100 Meter Crawl: Baino'1:07 Min.; 100 Meter Crawl: Hämäläinen 5:47.6 Min.: 200 Meter Briest: Kirunas 2:502 Min.; 400 Meter Brust:. Mesiäinen 6: 30.6 Min.: Frauen: 200 Meter Brust: Prionen 3:25.7 Min.: 200 Meier Crawl: Leskinen 3:049 Mi».: 100 Meter Rücken: Salo 1:50.7 Min.— Die R ad m e i ste rfcha s- ten brachten folgend« Ergebnisse: Aschenbahn: 1 Ki- lmneter: Bihiko 1:31.5; 5 Kilonieter: Nurml 8:55.4; 10 Kilometer: Suhoncn 18:23.2. Straße: 100 Kilometer:Ekman 3:14: 42.1. Ein Landerkampf der Arbeiterboxer Schweiz— Oesterreich. Ter Landesverband der Arbeiters rast« fportler in Wien, dein auch die Arbcitcrboxverelne angehören, trägt sich mit der Absicht, in nächster Feit eine große internationale Veranstaltung durchzuführen, bei der ein« Auswahlmannschaft der Boxer des Schweizer Verbandes in den Ring treten soll. Im Frühjahr wollen dann die Wiener einen Retourtampf in Zürich oder Basel austragen. ttrgeiMMr Sport, „Würdige" Manager. Nazi-Deutschlands„großer" Boxer Max Schmeling, dessen letzter Kampf in Amerika gegen Baer nicht gerade rühm- voll endete, wollte am 5. Oktober In Amsterdam gegen Paolino kinnpsen. Doch ans diesem Kampf wurde bekanntlich auch nichts, da die biederen Amsterdamer für di« zweifelhafte Ehre des Hitler-Freundes schon im vorhinein dankten So ist denn Schmeling im Geldverdienen gehandicapt worden und das mußt« wollte nun wieder der Offizier wissen. Na, daß er, Lukas DonnerSlaa, immer noch in« Dienste der deutschen Flotte stände. Und dann bezcich. nete«r sich leise und stockend als dcrjeniger. der das angeblich folgenschwere Palaver im„Brüllenden Seehund" angezettelt habe. Und der nun auch, koste es, was es wolle, dafür grade stehen wolle! Nach reiflicher Uetzerlegung bekannte er tvciter, sei er zu dem Entschluß gekommen, daß die Kameraden unter seinem Streich von Stavanger nicht länger mehr leiden dürften. Er wolle sich daher lieber freiwillig als der einzige Schuldige den Franzosen zur Bersügung stellen. Der.Herr Kapitän möge doch so gut sein und ihm dabei Helsen. * Ter arme, brave Lukas Donnerslag! Er Hal sein mannhaftes Vorhaben nie ausführen dürfe». Auf Abteilung„Klaps" eines Marine- lazaretts hielt man ihn bis zur Beendigung des Krieges zurück. Dann» gesundet« er langsam wieder zn»i deutschen Normalmenichen, der später mit Umsicht seinen kleinen Schlepper„Sturmlieschen" durch den-Hafen steuerte. Und nur allemal, wenn ihm Jonny Kiaäsen, der Boß vom Grogkeller„Zum verbogenen Anker", den sechsten oder siebente» Grog vorgesetzt hat, wird er wieder derjenige, der als einzigster auf dem weiten Erdenrund den gigantischen Mut aufbringt, die Alleinschuld des Weltkrieges auf sich zu nehmet!... doch behoben werden. Vor knitzem ging durch die bürgerliche Press«'die Meldung, daß Nazi-Schmcling em« Veranstaltung l»r Berliner Stadion gesichert cchalten habe und daß— nach seinen eigenen Aeußr. rnngen— der Propagandaminifter Gorlbbels schon die Werbetrommel rühren werde und Goering und nicht zuletzt Hitler selbst dafür sorgen werden, um das Stadion bis auf den letzten Platz vollzukrieac». Finden Sie nicht, daß Schmeling einmal doch die richtigan Manager gefunden hat? Mitteilungen aus dem Publikum. Immer gepflegt aussrhrn ist der Wunsch jeder Frau— schönes Haar vor allein: das ist das Wich- tigst«. lind darum ist für di« gepflegte Frau Schwarzkopf-Trocken Schanmpon unentbehrlich: die „Schnellhaarwäsche ohne Wasser". 2010 filme la Prager llditsplelh&asero bis einschließlich Donnerstag, den 5. Lliober. Adriar„Der Revisor."— Alsa:„King Kong."— Beranek:„Die- Blum« von Hawa'"— Fenir:„12 Stühle."— Flora:„Tas Teufelsmädel." — Gaumont:„Fräulein Hoffmanns Erzählungen." — Hollywood:„Fräulein Hoffmanns Erzählungen." — Hvbzda:„Set Revisor."— 3u(i£:„Walzerrausch."— Kinema, B.-Th.: Halb 2 bis halb 8 Uhr: Journale, Reportagen, Grotesken.— Koruna:„Der Schuß im Panzergewölbe."— Kotva:„Tas Mädel aus der Zicge'ei."— Lueerna:„Tos Mädel aus der Ziegelei"— Metro:„Tas Mädel aus d«r Ziegelei."— Olympier„Armer kleiner Hel d." — Praha:„Ter Schuß im Panzergewölbe."— Radio:„Tie Nacht der großen Liebe"— Staut: „Geheimnisse der französischen Polizei."— Svtto- zor:„Ci» Lied für Dich."— Alma:„Tie Nacht der großen Liebe."— Avion:„... und wer küßt mich'?" — Dojkal:„TaS Teuseismadcl."— Favorit:„Taifun."— Kapitol:„Irrlichter von Paris."— Konvikt:„Das Teujelsmädei."— Lido:„Geheimnisie der französischen Pok'zei."— Louvre:„Gehe'mnifje der französischen Polizei."— MartSka:„Tie Blum« von Hawai."— Roxy:„Ti« Blum« von Hawai." — Bälde!:„Tas Teuselsmädel."— Belvedere: „N i« m a n d s I a n d." Unser Blatt der„Sozialdemokrat“ ist in Prag in folgenden Berfchleitzstellen zu haben: Bahnhotabnehhamllung, Wllaonbahnhof, Maaaryk** babnhof, Dcnlnbahnhot. Bartdk, Trafik, Präs II., TyJnov 3. Baroie Hugo, Trafik. Prag I„ Siaromiitalti mi- Mkati 32. Hodrova, Trafik, Smichov, nähr. Ii>rll 13. Jelinkova. Trafik. Nnale II„ Moatnt domy.Reform?". Kotyza Jan, Trafik, Smichov, Zborouki tt. IX Krauaova A., Trafik, KarKn, Krdlovakd 14. Krojifk A„ knlhkupcctvi, Pras-Lleben, Krdlov- akä 151t Kronpa Jlndf„ Trafllc, Prag II„ Rasinovo nibf„ ettnek 114, Ulwcnaohn Karl, Trafik, Prag II., Nekuzanka 8. Marei Josef, knihkopeetvi. prag-BubenS. d Br. BrÄfa 24. Monik, Trafik, Prag t, Parlament. MriUkova, Trafik, Prag I„ Joaef«k4tf„ atlnek i3i. Mriiz Jan, Smichov. Radllckä tt. 43. Orbla A.-G.. Zcltungaverschlelß. Praha XII. Po* chova tf. 63. „Praga“, Zeltnngsverschlclß. Prag II.. HavIfCkovo näm. 33, SedUk Vieler, Trafik, Dejvlce, Svccova. Skrabkova Anna, Trafik. Dejviee, Hennerovy ütednleki domy SM. Strouhal Artnr, Trafik, Prag HI.. Mostcckd II. Tansslg E., Zeitung» verschleiß. Prag 11. Vdclav* eki nam. 45. Untermann Rudolf, Prag II„ Panik* bei Paiaal- hotol. Üatfedni dein, knlhkupeetvl, Svßcen#. Prag ll„ Hybernakd 7. Zcmann, Trafik, Prag T„ Perityn. Fen«!, Zeltongaverschlclß, Prag ff., Smcfky S-IO. Und bei Straßen Verkäufern: Wonxelaplata— MAatek— Maaarykbahnhof— Wilionbnhnhof. b'taalgtbtt: Cieghltb lenk.— libtlrttafttut: Wilhelm 911 c fc a e t,— veionin>oiUI«r Rebafttur Di. SmU 8 t r« n fc. Pro,— Druck:„Raia» Ü.-Üt für Rellang« und Buchdruck, Pruu Ümo.— DI« unusmurtrufronfaiur wurde von»er Poft-- Ikl«aro»drn»,r«li»a wir Urias ftr 13.900/vn IM" dtwllliai.— A«tuü«ocaniguna Ian« ta»ll hlflmlt hf rrdin»! lIUI Bllfrfa StlllllMltllllhfll*lXre I Am n rkl. ilinjh.fl.....m.„..MÄlu,... .....-- JdMWrtWittWaa mit Urlatz Nr ja.tvi/vn itra«»emiBtoj.- cejuo«ocainaunam.«et gufteHuna in«-a„, An bei«r,u,»ur'ch nie Hik mon-Mch^kt^tS&’!!!' kalkjatn« U 8».-, ,,»tl»d«« M Wf.-,- a«l’Mi«»tu»» l»»t Ml biatfljt drtcchnet. Bei«tun»«latchaUu»,» tz-rfnachlu».«ückstrauu, ,»«tmuslriplu» ,rt»l,t aa,»2 eicheadiut,»ei"' PRAOTB lElTUMG,