13. Jahrgang. Mittwoch, 11. Oktober 1933 Nr. 238. Wo ist Goering? Berlin, 10. Oktober.(Inprcst.) In seiner Sc»»»»stag-Nu»»»mer(von» 7. Oktober) meldete die„Bofstschc Leitung" den Besuch deS Preussische»» Ministerpräsidenten Goering in Breslau. Mit grosse»» Feierlichkeiten sei Goe»4ng auf den» Flng- plnts vom Oberpriisidente»! Brückner und Polizeipräsidenten Heines(den« Fememörder), empfangen»vorden. An» Sonntag, den tt. Oktober, teilte das gleiche Blatt mit, dass Brütkner daS Opser einer starken Heiserkeit geworden sei und dass Goering varaushin gebeten habe, von dem zu seinen Ehren vorbereiteten Empfang abzusehen. Dazu erfahren wir, dah Goering überhaupt nicht in BrcSla»» erschienen ist, und zwar weder TamStag noch Sonntag. Alle Informationen, die die deutsche Presse darüber gebracht hat, sind falsch. Diese Nachricht wird bestätigt durch den Korrespondenten eines grossen englischen Plattes, der eine Meldung gleichen Inhalts nach London kabelte. Nach der KomSvie in Breslau muh erneut gefragt werden: Wo ist Goering? Sinkende Arbeltslosenzlllern in England London, 10. Oktober.(2191.) Noch den AuS- «eisen bei Arbeitenministcriums jaul die Zahl -er bei den ArbeitsvermittlungSämiern registrier- ! sicherte Personen. Mit Ausnahme des Monates Juli, wo die Arbeitslosenzahl um 4000 zunahm, ist die Arbeitslosigkeit in jedem Monate dieses Jahres gesunken. 6 Milliarden Defizit im französischen Budget. Paris, 10. Oktober. Heute tritt ein Kabinettsrat und Donnerstag ein Ministerrat zusammen, um die Finanzvorlogcn zur Sicherung des Budgetgleichgewichtes vorzubcreiten. Der Fehlbetrag beträgt Blättermcldungen zufolge 6 Milliarden Franken. Doiliuß schiebt alle Wahlen aut Wien, 10. Oktober. Tie Regierung hot eine Verordnung erlassen, durch welche die Wahlen in die Personalvcrtretungen des Militärs, der Gendarmerie und der Polizei aufgeschoben und die Mandate der Stadtvertretungen aus unbestimmte Zeit verlängert wurden. Herrn Henleins Bundesgenossen Wie wir gestern berichteten, haben einige völkische Blätter in Mähren beschlossen, ihr Erscheinen einzustellen und in Bausch und Bogen in die famose. Heimatfront Henleins überzugehen. Es handelt sich dabei um dir in Brünn erscheinende„Sudctcndcutsche Volks- »eitung" und das in demselben Verlag erscheinende„S ü d in ä h r e r b l a t t", zwei unter Ausschluß der Oeffentlichkcit erscheinende Hakenkreuzblätter übelster Sorte, die an Hemmungslosigkeit und Gehässigkeit selbst dir ossiziesic nationalsozialistische Presse übertrafen. Die„Su- detendcutschc Volkszeitung" ist die Nachfolgerin des„Brünner Montagsblatt",. des Organs des ehemaligen Aba. Baeran. Alle diese Blätter entfalteten noch in der letzten Zeit eine sana- tische Agitation für Hitlcrdeutschland und Hakcn- krruzsasciSmuS, wobei fit' nicht einmal von den in der offizirsirn nationalsozialistischen Presse bestehenden opportunistischen Hemmungen be- hindert wurden. Wenn nun diese Organe, deren früherer Redakteur K. H. Baier wegen irre- dentistischer Tätigkeit sich in Haft befindet, mit fliegenden Fahnen;u Henlein übergehen, so &dieS mit dankenswerter Offenheit die rtungen, mit denen unsere verkrachten Nazi-Fascisten dem neuen sndetendeutschen Messias trotz seinen Lovalitätsbeteuerungen gegen- uberstehen. Massendemonstrationen gegen das Verbot der„Arbeiter Leitung Deputationen verlangen sofortige Aktionen der Par ei Wien, 10. Oktober. DaS Kolportageverbot gegen di«„Arbeiter-Zeitung" hat unter der Wiener Arbeiterschaft eine ganz unerwartete Erregung ausgelöst. Bereits in den frühen Morgenstunden waren die Arbeiterbezirke wie verwandelt. In Floridsdorf verliehen die Arbeiter in einer Reihe von Betrieben, als sie die Nachricht von dem Verbot de» Parteiblattes erhielten, die Arbeitsplätze und hielten Versammlungen ab, in denen sie sofortige Aktionen der Partei verlangten. In der Fiat-Antomobilsabrik und im Leopoldauer Gaswerk traten di« Arbeiter in den Streik. Die Unruhe wuchs im Laufe de» Tages. Am Nachmittag gab r« schon zahllose Betriebe, in de»»en di« Arbeiter sich weigerten, die Arbeit fortzusetzen, oder die Arbeit vorzeitig ab. schlossen. Große Gruppen von Arbeitern zogen durch di« Straßen. In den Abendstunden wurden die Kundgebungen immer mächtiger. Besonder« in den Hauptstraßen der Arbeiterbezirke kam eS zu Massendemonstrationen. Die Arbeiter zogen mit Freiheitl-Rusen und Pfni-Rusen gegen di« Polizei in dichten Mengen die Straßen entlang. In RudolsSheim kam eS zu Z u s a m m e n st ö ß e n zwischen Arbeitern»» n d der Polizei, wobei die Polizisten,»vir man erfährt, verprügelt wurden. Auch fetzt ist dir Stimmung noch außerordentlich erregt. Ten ganzen Tag über strömten Deputationen ins ParteihauS in der Rechten Wienzeilr; nm 8 Uhr abends waren es bereits mehr als 150, die alle sofortig« Altionrn der Partei und die Beendigung der zuwartenden Taktik verlangten. Nach 9 Uhr abends ist da» Straßenbild etwas ruhiger geworden: die Polizei hat aber alle Polizeitruppen in Wien konsigniert und beginnt jetzt die Brücken über die Donau zu besehen, da sie offenbar fürchtet, daß die Unruhen in Wien sich im Laufe de» morgigen Tage« auSbreiten könnten. Die Unruhe untrr der Arbeiterschaft ist, wie an« den heutigen Aktionen und an« den Beschlüssen der Deputationen hervorgeht, tatsächlich außerordentlich erregt und ernst. Das Maximum der französischen Zugeständnisse erreicht Genf, 10. Oktober. Ter deutsche Botschafter Nadolny war heute bei dem französischen Minister Paul-Boneour und hatte mit ihm eine längere Unterredung über die Abrüstung. Nadolny ist vorläufig nicht an dir Behandlung der konkreten Frankreich und Deutschland interessierenden Fragen heran, gegangen. Paul-Boneour betonte jedoch gegen über dem deutschen Bolschaster, daß dir sranzö- sische Regierung bereit« da» M a x i in ii m ihrer Konzessionen mitgrteilt habe und daß sie nicht weitrrgehrn könne. Für morgen srüh wird da» Eintressen der englischen Außenministers Sir John Simon erwartet. Deutschland Idßt schon nach? Gens, 10. Oktober. Heute wird in Gens be- stäuptet, daß die amerikanische Delegation einen Antrag zu unterbreiten beabsichtigt, demzufolge di« Lösung der Frage des Militärflugwesen« ebenso wie das Problem der Marinerüstungen d i s zum Jahr« 1936 verlegt werden soll. Außerdem verlautet, daß die deutsche Delegation von ihren in London und Rom eingebrachten Gegenvorschlägen, von denen sie übrigens in Gens erklärte, daß es sich um eine bloße Anden, tusig der Wünsche der deutschen Regierung und nicht uni endgültige Minimalsorderungen Deutsch, lands handelt, etwas nachgelassen hat. Die Dementiersprllze Berlin, 10. Oktober. Ta« Wolsfsche Bureau meldet: Angesichts der wiederholten Behauptungen deS unter dem Pseudonym„Augur" in der Londoner Presse schreibenden Russen P o l i a- k o f f über einen deutschen Einmarschplan durch die Schweiz nach Frankreich wird ausdrücklich scstgestellt. daß diese Behauptungen jeder Grundlage entbehren(?) und offenbar dem Ztvecke dienen sollen, Deutschlands Friedenswillen(!) zu verdächtigen. pariser presse von der neuen Allianz befriedigt. Paris, 10. Oktober. Die Pariser Presie gibt ihrer Genugtuung über die Eri)är:ung der gemeinsamen französisch-englischen Front in iuter« nationalen Fragen, besonders in der Abrüstnngs- frage, Ausdruck. Insbesondere l-eben die Blätter den Umstand hervor, daß die britische Negierung beschlossen hat, Deutschland gegenüber mit aller Bestimmtheit die letzten gemeinsamen Vorschläge der Großmächte in allen AbrüftungSangrlegen- Helten zu wiederholen und Deutschland vor die Verantwortung für ein Scheitern der Konferenz zu stellen. mcrhniMlsKeninilssür tür die deulsdien riüditllnge Gens, 10. Oktober. Die zweite Kommission der Bölkerbuudversamnilung nahm heute den Bericht ihres Sonderausschusses entgegen, der mit der Ausarbeitung der Entschließung über die Errichtung eines Amtes siir den Schutz der deutschen politischen Flüchtlinge betraut worden war. Die deutsche Delegation weigerte sich in der Bölkerbundversainnilung eine Resolution anzunehmen, die das künstige Amt für Flüchtlingsschutz vom Völkerbund direkt abhängig und verantwortlich machen würde. Deshalb innrde nach längeren Verhandlungen rin Kompromiß getrossen, demzufolge der Völkerbnudrat einen Kommissar an der Spitze de« Amte« sür den Schutz der deutschen Flüchtlinge ernennt, der nicht dem Völkerbundrat, sondern dem Verwaltungsrat de» aus Vertretern der Staaten znsammengesetzten Amte» verantwortlich sein wird, die zum Schutz der politischen Flüchtlinge am besten beitragen können. Ninderheltensdintz nodi in Schwebe Neber die Anträge der polnischen Delegation und über den Antrag des Vertreter« von Haiti, die die Verallgemeinerung des Minderheitenschutz- systrms ans alle Staaten sordcrn, tvurde in der sechsten Kommissioii in der Voransfetznng eines negativen Ergebnisses nicht abgestimmt. Diese Anträge verbleiben aber auf der Tagesordnung des Bölkcrbiindplennms. Der Antrag der französischen Delegation, durch den di. Resolution der Völkcrbundvcr- sainmlung vom Jahre 1923, betrrsseud die moralische Verpflichtung aller Staaten zum Schutze ihrer Minderheiten hervorgehoben werden soll, wurde trotz des Protestes der Deutschen a n g e- n o m m e n. Der deutsche Delegierte von Keller formulierte den Vorbehalt der deutschen Regie rung, daß Deutschland die Juden auch weiterhin nicht als Minderheit ansehe. Real« Politik! Noch vor der Auflösung der Jung-Partei hat der tialionalfozialistische Senator Tr. Franz Icsscr sein Mandat nicdergclcgt lind er hat versprochen, die näheren Gründe dieses Schrittes darznlcgcn. Er tut dies nun in einem„Zu spät" betitelten Zcitungsaufjatz und was er darin sagt, könnte man als eine Art politischen Testaments auffasscn. Ter Grundgedanke ist, daß Tr. Icsscr. nach 85jah- rigcr politischer Betätigung enttäuscht sest- stcllcn muß, daß alle Vorschläge einer realen Politik zu spät als Programm erklärt wurde»» und er möchte die dem deutschen Volle daraus crflicßendcn Schäden durch Einsicht der Führer der aufstrebenden jüngeren Generation in Zukunft vermieden wissen. Tr. IcsscrS Ausführungen find eine glanc Verurteilung der Wege und Ziele der siidclciidcutjchcn Nationalsozialisten und man kann nur nencrdingö seinem Erstaunen Ausdruck geben, daß er es als Mandatslrägcr dieser von ihm als unernst, verstiegen und nachäfscrijch gekennzeichneten Partei so lange ansgehalte» hat. Er hält aber nicht bloß seinen eigenen bisherigen Parteigenossen eine Ttandprcdigi, diese richtet sich auch an die deutschbürgerlichcn Parteien allgemein. Es ist nicht viel neues, was Herr Icsscr sagt, doch ist cs beachtenswert, weil cs cincr der„Snde- tendcutschcn" jagt, deren Fehler und Ver- säunmissc ausgezeigt werden. Iesscr meint, schon seit 1866 sei dic Politik der Sudetendeutschen von Gefühlsregungen, von Lust» und Haßgcsühlcn bestimmt gewesen, von Stimmungen, dic trotz allen Programmwcchsels immer dieselben geblieben sind. Tas führt das bürgerliche Sttdetendcutschtiim„von Niederlage zu Niederlage", hat cs zu einen» Zickzackkurs gezwungen,„der uns vom politischen Gegner vvrgcschriebcn wurde".(Siehe als neueste Etappe dieses Zickzackkurscs dic Aktion Henlein. Anm. d. Red.) Auch das paßt auf den angeblichen llnrbrnch der fudetcndentscheu Politik, wenn Jener sagt, daß dic Deutschen mit ihrer politischen Programmatik den Ereignissen nachhinkien und daher nie Glauben an ihrer„Belehrung" fanden. Tr. Iesscr rät. gclcgcnilich auch dcn Mut zur„Unpopularität" aufjilbringeit icnd sicl> nicht von Volksstim- mungen beeinflussen zu lassen:„Es war eine verhängnisvolle Verkennung der eigenen Le- Lciisbcdiiignngcn, als große Kreise der Bevölkerung kritiklos nachbctcien, was im Reich gelehrt wurde. Wären wir.... rechtzeitig abgernckt, hätten wir uns aus unsere besondere Aufgabe besonnen, so wäre viel Unglück vermieden worden." Man erinnert sich da, daß es seit eh und je Gepflogenheit der Tculschbürgerlichen war, dir im sozialdemokratischen Lager sichende deutsche Arbeiterschaft zu verfemen, sic als „nndcutsch" und nationsverräterisch zu erklären. Freilich gab cs auch Zeiten, iv denen das Bürgertum die gehaßten„Marxisten" sür gut genug hielt, den von ihm verfahrenen Karren ans dem Morast zu ziehen, aber so oft cs sich wieder im Warmen und in Sicherheit fühlte, nahm cs sein altes Spiel neuerdings auf. Weil die Sozialdemokratie sich weigerte, dem deutschen Bürgertum Statislcn- dienste zu leisten, wurden ihre Bekenner kurzerhand von den Zylinderherren aus der Nation ausgeschlossen. Erschütternd hat dieses sich stets aufs neue wiederholende Ereignis auf die sozialdemokratische Arbeiterschaft niemals gewirkt und Glück hallen dic noblen Herren damit auch nicht, doch der üble Trick wurde noch letzthin, als die Sudctcndcutschen über Volksfront und Vvlksrat ratschlagten, eifrig geübt. Nun deckt Dr. Icsscr die erbarmungs- würdige Armseligkeit des Wesens dieser dcnlsch- bürgcrlichen Politik ans. Eine Politik, dic „von Niederlage zu Niederlage" führte— und für sie hätten sich dic deutschen Arbeiter entflammen sollen, so daß sie dieselbe zu ihrer eigenen machten! Eine Poli ik, dic, wie Iesscr sagt, sich immer verspätet zu einer Anpassung Bette 3 Mittwoch, 11. Cttotet 1938 Nr. 288 Was zahlen nie Nazis für Partclbelirflge? h. b. Mitglieder der SS, TA und SA- Nescrve zahlen pro Monat 1.30 Reichsmark, die Hitlerjugend desgleichen. Diejenigen Mitglieder, die tveniger als zwei Kinder in der Bewegung haben, 3 Reichsmark, die anderen 1.50 Reichsmark. Mitglieder, die nach dem 31. Jänner eingetreten sind, haben aujjcrdem einen einmaligen Werbebeitrag von 10 Reichsmark zu zahlen. Demnach must also eine Nazifamilie, die zwei Kinder in der Hitlerjugend l>at, im Monat 6.60 Reichsmark Parteibeitrag ausbringcn. Aber sic haben ja auch etwas dafür, nicht wahr? an die natürlichen räumlichen, geschichtlichen und wirtschaftlichen Tatsachen bequemte! Der Borwurf fehlenden realen Denkens, den Dr. Jesser dem sudetendcutschen„antimarxistischen" Lager mach:, ist sicher berechtigt. Aber wie sollte dieses Lager anders jein, da ihm doch nie und von niemandem nüchternes, vernünftiges politisches Denken beigebracht wurde. Immer war dessen Politik auf Schlagworte abgcstimmt, von Ueberhcb- lichkcit und Herrschsucht diktiert.„Volksgenosse"— ein leerer Begriff.„Gleichberechtigung"— ein Wort, das der 2udctcnde>rtsche mit Vorherrschaft, sei es nun über einen eigenen Volksteil, sei es über«in anderes Volk, auslegle.„Demokratie"— sie ist weder den Führern, noch den Geführten jemals in Fleisch und Blut übcrgegangen und zahllose- male wurden sie kompromittiert durch Versuche, sie lediglich als Tarnungsmittcl zu verwenden. An Programmerl hat es wohl nicht gefehlt, wenn sie auch manchmal, wie Dr. Jesser richtig sagt, den Ereignissen nachhinkten, das Entscheidende aber war, daß sie, meist nur ein gefällig aussehender Wandschirm, von niemandem ernstgenommen wurden. Da„Lust- und Haßgcfühle" das Bestimmende waren, war Hysterie Trumpf. So konnte es geschehen, daß einersci'S die Sndetcndentschcn kür die Diktatur schwärmten, andererseits der Erhaltung der Demokratie hierzulande das Wort redeten. An einem Tage schwärmten sie von der Volksfront, um am anderen Tage von ihr abzurürken. Demgemäß war auch die politische Erziehung, welche die Führer und die Presse ihrem Anhang angedeihen ließen. ES ist nicht eine erst hier und nur von uns erhobene Behauptung, daß der Durchschniltüdeutsche— und der bildet die übergroße Mehrheit— von einer schrecklichen politischen Unbildung ist. Zehntausende unserer durch die Schule der Sozialdemokratie gegangenen Arbeiter haben ein klareres Urteil und größeres Wissen in politisch)«» Dingen, als der dcutschbürgerlich Gesinnte, der nieist ahnungslos die ihm vorgekauten Schlagworte Nachrede!, ohne zu merken, daß es mitunter andere, entgegengesetzte geworden sind. Tie Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit der Politik der Sudetendcutschen, ihr Irrlichtern, ihre Inkonsequenz bedingt geradezu die Heranzüchtung der Gedankenlosigkeit und das Suchen nach einem Ersah in der Pflege von Phrasen irnd Schlagworten. Daß eine solche Politik immer wieder elen'ck verkrachen muß, lehrt die politische Geschichte von über sechzig Jahren. Es liegt eine gewisse Tragik in dem Schicksal des nun offenbar ans dem politischen Leben scheiden den Dr. Jesser, der nach 35jähriger Wirksamkeit einbckcnnen muß, daß alle Versuche, seine sudctcndeutschcn Nalionsgenossen zu rcalpoli- tischcm Denken zu bringen, kläglich gescheitert sind. Wird Jessers Mahnung Beachtung finden? Die Antwort kann man aus der Art schöpfen, in welcher der Katzenjammer jetzt nach dem Bankrott des letzten Kurses der Paris, 10. Oktober. An amtlichen franzö- sischcn Stellen wird bestätigt, daß durch das nach dein Samstag getroffene Abkommen Paul BoncourS mit dem italienischen Delegierten Baron A l o i f i in Angelegenheit der wirt- schastlichcn Erneuerung Mitteleuropas bei der italienisch-französischen Zusammenarbeit der erste praktische Meinungsaustausch zustande gekommen ist. Italien schlug vor, daß womöglich eine Konferenz ciiivernfcn werde, die in Strcsa zusammcntrcten würde. Frankreich spricht sich jedoch dafür ans, daß durch vorhergehenden diplomatischen Meinungsaustausch zwischen allen interessierten Staaten sämtliche Fragen g n l Sdiwerer Gripneanfali Mias Ole Krankheit Im Abflauen bcgriiien Prag, 10. Oktober. Ter„Bcnkov" vom 11. Oktober bringt nachstehendes ärztliches Bulletin: „Ter Borsihendc der republikanischen Partei des landwirtschaftlichen und Kleinbauern-Bolkcs, Abg. Dr. Anton!« 8 v e h l a, ist am 27. September an einer heftigen Grippe erkrankt; zunächst an Schnupfen und nach mehrtägiger Besserung an einer heftigen mit Fieber verbundenen Entzündung der oberen Atmungswege, die zum Teil auch ans die Lunge über- arisf. Die Krankheit hat glücklicherweise, ohne daß Komplikationen eintratcn, den Höhepunkt überschritten und ist im Abflauen begriffen, ohne irgendein Anzeichen der alten auSaeheilten Krankheit hcrvorgerufen zu haben. Die Temperatur steigt nicht viel über 38 Grad. Heute abends betrug die Temperatur 37.9, Puls 88, Atem 30, Blutdruck 125. D'e Staats ongesteltten beraten (Segen Mißbräuche der Säuberungsaktion. Prag, 10. Oktober. Tie Sektion der öffentlichen Angestellten beim Odborovö sdruLenl Leskoslovcnskä und das Kartell der Verbände öffentlicher Angestellter verhandelte heute über die gegenwärtige Situation in der Siaatsangcstcllten- bewcgung und über die beabsichtigten Sparmaßnahmen im Personalbiidgct. Tie Sektion beharrt entschieden auf ihrem Grmidsah, daß über alle Personalmaßnahmen von der Regierung direkt mit den Gewerks chastsorganisationcn der Staatsangestellten verhandelt werde. In dieser Richtung wurden die entsprechenden Schritte durch, geführt. Weiter wurde über die Bestrebungen verhandelt, die staatliche Administrative von antistaatlichen Elementen, welcher Nation immer, denen eine antistaatliche Betätigung n a ch g e- Sudctendeutschen nach Ausdruck ringt: sie greinen über„Parteimüdigkeit" und schreien sich die Kehle heiser, nach einem, nach d e m „Führer". Schon wieder jagen sie Schlagworten und Phantomen nach, die nicht viel Nachdenken und keine Selbstbesinnung erfordern. Und das alte öde Maäkentreiben beginnt aufs neue. vo r b e r e i t e t werden, die Gegenstand der nächsten Konsercnzverhandlungen sein werden. Dann erst soll über das Datum und den Ort der Konferenz verhandelt werden. In Paris wird bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß das bekannte italienische Memorandum kein fester Plan für die nächste Konferenz ist, sondern nur die Antwort auf das französische Memorandum vom 10. September, und daß cs somit de facto nur die c r st e Etappe, der B o r v e r h a» d l u n g e n ist. In Pariser politischen Kreisen wird mit großem Interesse erwartet, welchen Standpunkt hiezu die Staaten der Kleinen Entente einnchmen werden. wiesen wurde, zu säubern. Die Sektion stimmt mit diesem Vorgehen überein und spricht sich auch für die Durchführung einer ähnlichen Revision auch in den Reihen der Pensionisten aus, macht jedoch daraus aufmerksam, daß sie darüber Wachen wird, daß diese Maßnahmen nicht gegen wirklich republikanische und demokratische Angestellte mißbraucht werden. Wir bcharreit darauf, daß die gegenwärtigen demokratischen Personaleinrichtungen nicht nur erhalten, sondern auch neue weiter ausgebaut werden, und zwar vor allem di« Per- sonalausschüssc, die OualisikationS- und Diszi- plinarkommission usw. Weilers wurde beschlossen, möglichst enge Beziehungen sür«in einheitliches Borgehen aller dcmokratisck)cn und sozialistischen Staatsbeamtenorganisationen anzuknüpfen. Was find die Aussagen Henleins werk? Herr Henlein hat auf der sonntägigen Pressekonferenz erklärt, er habe seinen Schritt mit niemandem vereinbart, selbst seine engsten Freunde in» Turnvevband seren von ihm überrascht worden. Die Pressestelle der Sudctendeutschen Hei- niatfront aber, oeren Aufgabe es ist, Herrn Henlein zu machen, hat in einer an die einzelnen Zeitungen verschickten Biographie diese» neuen Führers der Sudetendcutschen folgendes mitgeteilt: „Immer deutlicher trat zu Tag«, daß das Sudetcndrutschtum in Konrad Henlein einen Manu besitzt, desien Position in der Gegenwart eine Einmaligkeit bedeutet. Es war daher nur natürlich, daß der Ruf, Henlein möge, da er allein verkirchlich für di« junge sudetendeutsch« Generation zu sprechen ermächtigt sei, sein« ganze Kraft dem Sudel«ndeutschrum zur Verfügung stellen. Dies hat er nun nach reiflicher lieber- lcgilng in der Ueberzeugung getan, daß er auf das Vertrauen der weitesten Kreise bauen darf..." In dem mittleren Satz fehlt ein Wort, er ist aber auch so verständlich. Die ,,Biographie" beweist, daß entweder Herr Henlein eine Unwahrheit gesagt hat, oder daß seine Biographen lügen. Beides wäre gleich schlimm. Böhmische Landesvertretung Die beide» Hakenkeeuzler ihrer Mandate verlustig erklärt. Gestern um vier Uhr nachmittag trat die Böhmische Landesvertreluiig zu einer längeren Session zusammen, deren Hauptinhalt die Bc- handlung deS Budgets für das Jahr 1931 fein wird. Die Taguiig wurde vom Landcspräsidcn- ten Dr. S o b o t k a mit einen« Nachruf auf die verstorbenen Landcsvertvcter Dr. K a s i m o u r und Douda eingeleltet, woraus der Landespräsident die Mitteilung machte, daß di« beiden aus di« Liste der deutschen nationalsozialistischen Partei gewählten Landesvertreter Jng. G e- bauer und Bayer ans der obgenannten Partei ausgetreten sind. Da di« beiden auf di« Liste einer Partei gewählt worden sind und dieser nicht mehr angehören, haben sie aufgehört, Mitglieder der LandeSvcrtretung zu sein. Darauf erstattete der Finanzrefcrcnt des Landes Dr. K u b i st a den Bericht über das LandcSbudget. Er hob hervor, daß das Budget trotz der Krise im Gleichgewicht erhalten werden konnte. Freilich mußten di« Ausgaben eingeschränkt werden— was lle Kapitel des Budgets betrifft— da eine Erhöhung der Einnahmen nicht möglich ist. AbändeningSautraae zum Budget können wohl gestellt und eS wir» fedem An- trag Beachtung geschenkt werden, aber Anträge, die neu« Ausgaben erfordern, müssen auch die Bedeckung biefur enthalten. Nach der Rede des Berichterstatters wurde die Sitzung unterbrochen. Di« Generaldebatte beginnt heute. Als erster Redner gelangt Genoss« Dr. Strauß zu Worte. Keine Senkung der Kohlentarife Tas Eisenbahnministerium gibt besannt: DaS Eisenbahnministerium hatte die Absicht, ab 1. November d. I. im inländischen Verkehr«ine allgemein« Ermäßigung der Kohlentarise zur Förderung der Produktion und zwecks Verbilligung der Kohlenpreis« zu gewähren. Zur Ber- Minderung des Einnahmenentganges, der durch Gewährung der Tarifermästigung erfolgen würde, wollte das Eisenbahnministerium mit Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage des staatlichen Eisenbahnbetriebes einige Maßnahmen durchführen, durch die der Verkehr auf der Bahn erhöht werden sollte. Da diese Maßnahmen einem Widerstand begegnet sind, sah sich di« Verwaltung der Staatsbahnen genötigt, von den beabsichtigten Ermäßigungen Abstand zu nehmen. * Es handelt sich osscnbar um die bekannten Bestrebungen des Eisenbahnministerium», als Gegenleistung für die Tarifherabsetzung von den interessierten Gewerken die Zusicherung zu erhalten, daß sie zu Kohlentransporten auf weitere Entfernungen ausschließlich die Eisenbahn benützen und den Transport durch Lastauto» aufgeben. Diese Verhandlungen sind nunmehr anscheinend als gescheitert zu betrachten. örtlfirung. Der kommunistische Abgeordnete Dr. Viktor Stern hat gegen die Redaktion unseres Blattewegen eines von uns veröffentlichten Berichtes über eine Wählcrvcrsammlung in Elbogen im Jahre 1929 die Presscklagc eingebracht. Wir widerrufen die in diesem Artikel gegen Dr. Viktor Stern aus Grund falscher Informationen enthaltenen ehrenrührigen Bezeichnungen und leisten ihm hicmit entsprechende Genugtuung. Di« Redaktion deS„VolkSwille". Schon wieder eine Konferenz? Italien sdilfldt Stresa für Mitteleuropa-Konferenz vor so Lilith sanmi und der Komet Ein abenteuerliches, modernes 1 Märchen von Kurt Doberer Stundenlang war Tick die Treppen der „Achse" cmpvrgcklettert. In den oberen Stock- iverken war es ganz still. Dabei war es noch stockfinster. Mit dem Licht schien auch die letzt« Maus aus der Turmspitze geflohen zu lein. Dick dachte nicht an den toten Matassani. Aber er dachte an das Dekret. Was mit dieieni weißen Papier geschehen war.— Das Blut hatte die drei roten klobigen Buchstaben. das rote K R. 11. gefressen. Dieses Blut hatte den Kleinen Rat der Union ausgelöscht. Zuerst dachte Tick beim Emporkletter» immer nur an den Rückslug zum Ararat. DaS Spiel war an» und gewonnen'?—„Gewonnen — ja— ivar es denn gewonnen? Und wenn cs nickst gewonnen war, war es denn dann aus? Ja— war denn nicht da eine Frau?— Allein — irgeisdwo die große Katastrophe erwartend? iDa war eine Frau irgendwo und— es>var Lilith!" AlS Dick niit seinen Gedanken soweit Ivar, da dacht« er vielleicht schon nicht mehr daran, zurückzufliegen. Aber er konnte noch keinen Entschluß fasten. Er klettert« weiter dies« eintönigen Treppensluchten hoch, bis«r auf der Flngterrasse de» Turme» stand. Er war jetzt allein Herr in der„Achse", Dick kühlt« sich erwärmt in deni lebendigen Licht. Sonderbarerweise tvarfen die sechs Sckieimverfcr- riesen noch immer ihr rotes Strahlcnbündel hinaus in die Nacht. Di« mußten ihr eigenes Kraftreservoir haben. Der.^kleine Rat" war ausge- löfcht, die Achse stand noch. Aber Dick hatte kein« hochtrabenden Gedanken. Er' sah nur die vielen Aeroplanc. Es waren herrliche Maschinen in allen Größen, Sie waren der letzte Schrei modernster Technik. Jetzt lächelte Dick Douglas leise: Tie schönen Maschine»— und herrenlos!— So etwas kam all« tausend Jahr« nur einmal vor. Warum ollte es mrn nicht auch„Kometengewinnler" geben? Dick kletterte leicht und gelenkig in das groß« Flugschiff.„Verzeihung!— aber das hier will ich nicht klauen!" sagte er noch zu einem Unsichtbaren hinaus,«he er die Kabinentüre schloß. Zuerst ließ Dick den Hilfsmotor anspringen, dann schaltet« er di« Meß-Instrument« ein. Es Ivar alles in Ordnung! die Ampdre- und Volt- Mester standen sofort wieder auf den roten Strichen. Der Motor konnte abaestcllt werden. Dick stellt« auf dem Wellenschieber die Länge vom New-Ararat-Funk ein. Dan» drückt« er den Taster nieder. Klappernd sciidete er die Signale. „An die New-Ararat-Wart«— Achtung!— Achtung!— Hier ist Douglas— Hört Ihr?" Dick hatte sofort Antwort. Tickend schrieb die Tintenlpitze: „An Sir DouglaS— Achtung— Achtung— Hier ist die New-Ararat-Wart«— Achtung— wir hören!" Es mußte eine KirchhofSruhe im Aetlier iein, lo klar kam di« Sendung. Dann gab Dick sein« Anweisungen. „An die New-Ararat-Wart«— Achtung— Kommt mit Frachtflugzeug. vier Flugzeugführern und Mechanikern—.Habe vier Maschinen erworben-r- Stehen zur Auswahl hier auf Flugplatz„Achse"— Alle» Material ist hier billigst zu ergänzen— Bis auf Iveitere» errichtet New- Ararat-Wart« hier eine Flugbasi» und Funkposten— Achtung— Stopp" Korrekt erfolgte die Schlußantworl der Warte: „Hier ist lllelv Ararat— Achtung Wir l-aben verstanden— Achtung— Stopp—" Schon al» Dick in die Kabine geklettert war und seine Ansprache zur Türe hinaus an den Unsichtbaren hielt, war ein Männchc» im Schatten der Tragfläcknm gestanden. Klein, aber dick war er. Unter der graumelierten Weste spannt« sich ein netter Bauch. Sein« Glatze glänzte ebenso wie sein goldener Kneifer, den er aus der sehr kühn gebogenen Nase sitzen hatte. Dieser kleine Mann hatte zuvor recht sachverständig an den Kupfer- und Alnminiumteilen der Flugmaschinen herumgeklopft. Al» er Dick rumoren hörte, Ivar er sachte näher getreten. Als dann der Motor Puffte und der Taster hämmerte, war er kopfschüttelnd und still in daS Treppenhaus gegangen und dort hinunter verschwunden. So hatte Dick auch nicht«men Schatten von ihm gesehen. Dick DouglaS machte«Inen leisen Ansatz zu Pfeifen, als er aus der Kabine klettert«. Aber dann gähnt««r heftig. Er hatte im Flugschiff «inen kleinen handlichen Lichtwerscr gefunden, den setzte er nun in Tätigkeit! Aber er kam trotzdem nur«inen Stock tiefer. Das Schlafbediirs- ni» überwältigte ihn nun dock). Er klinkt« dl« erstbeste Tür auf, trat in das Zimmer und fiel dort in einen geräumigen Ledersessel. Tarin und darauf schlief er dann zwölf geschlagene Stunden wie ein Murmeltier— zwölf geschlagene Stunden! Dick war entsetzt, als«r auf sein« Uhr sah. Aber er wußte dabei nicht einmal, ob sie noch richtig ging. Sie toar so verdächtig weit abgelaufen gewesen. Jedenfall« Ivar es sicher nun am Spatnacknnittag. Zuerst mußte cr in die Funkzentrale. Man mußt« sicherlich die Apparat« mit den Ersahbat- tcrieu wieder in Betrieb setzen können. Er mußt« doch eichlich erfahren, wo Lilith war! Tageslicht gab es in den Gängen der„Achse" nicht. Die Krastzentralc war futsch, die Not beleuchtung funktionierte aus irgendeinem Grund« nicht mehr, so mußte Dick wieder seinen Lichtwerfer mitichkeppen. Als Dick inc richtigen Stockwerk war, entdeckt««r ober, daß er die Funkzcntrol« auch ohne eigene Beleuchtung hätte finden können. Zuerst glaubt« er, einer närrischen Täuschung zum Opfer gefallen zu sein. E» war aber doch die richtige Stockwerksnummcr. Bor der Türe, die gestern noch zum Funkraum führt«, da hing l)«ute eine gelbe Papptafel. Liebevoll gemalt und verschnörkelt stand da:„Abfall- und Ältmetallvcvwertungsgesellschast auf Aktien," Und dancnter in Klammern:„Die Gesellschaft übermittelt auch, bis auf weiteres, Nachrichten unentgeltlich und gibt Auskünfte aller Art gratis." Das Ganze war von einer Kerp:, die diÄret neben der Türe am Boden stand, malerisch beleuchtet. ES mußte schrecklich für die moderne Türe geivesen sein, als man ihr die Papptafel an den Hals hängte. Aber daS stilwidrigste war ent» ichiÄüen die Kerze. Sie mußt? aus einem Museum oder aus der Nordstadt stammeii. Dick lehnte sich einen Augenblick an di« Wand, um den Zauber recht genieße» zu können. Hier in der Achs« schienen sich jetzt die Spezialarten der mcichugge gewordenen Menschheit zu versammeln. Mit dieser Tafel und diIer Kerze war er nock) nicht am Ende im Stockwerk. Etwa zwanzig Schritte weiter, man konnte es sicher auch nock; durch di« geschlossene Tür hören, da klang rasendes Cchreibmaschinengeklapper. Dahörte sich an, als>ve»n vier Stenotypistinnen auf zwei Maschinen schrieben. Wie um die Tonfilm» groteske komplett zu machen, klang nun noch aus einem unteren Stockwerk Jazzbandmusik herauf. Hinter der Papptafeltüre begann jemand mit dem Taster zu klappern. Jetzt schien ihm dieses Abbnichunternchnien noch die normalste Gesellschaft in dieieni sonderbar gewordene» Betonpfofte». (Fortsetzung folgt.) Nr. 338 Mittwoch, 11. CIloBet 1983 Leite 8 Wort des Protestes gefunden. Im Gegenteil: er und die seinen haben sich bemüht, den ganzen Deutschen Turuverband nach den im„neuen" Deutschlaitd zum Siege gekommenen Anschauungen und Grundsätzen„auszurichten"! -Herr Dr. Walter Brand, der die Stirn hat, im Namen der gesamten jungen Generation der sudctendcutschen zu sprechen, muß gefragt wer- den, woher er di« moralische Legitimation nimmt, Ritterlichkeit im politischen Kampf zu fordern! Deutsche Knltnrgesinnung ist allein daran erkennbar, wie man zu Hitler stehl.-Herr Dr. Brand erspar« sich deshalb alle schön gedrechselten Worte über Demokratie, Slaatslreue und politische Moral. Er hat sich den Hunnen gleichgeschaltet und ist darum schon als Kultur m e n s ch gerichtet. Als Führer der jungen sudetendcutschetl Generation aber erst recht. Die angeblichen Tatzeugen Ein oder zwei„Brandstifter beobachtet? Der politische Stil der Henleins Von Karl Karn, Vorsitzendem des Sozialistischen Jugend Verbandes .Herr Dr. Walter Brand, der frühere Ber. baiidä>ietwart de« Deutschen Turnverbande« und jetzige journalistisch« Anwalt de« Herrn-Henlein, hat den sudetendeutschen Blattern einen nmfang- rcidjcit Aussatz zur Verfügung gestellt, in dein er zwar nicht von seiner und Henlein« Stellung zum deutschen FfisciSmus redet, hingegen aber sehr ausführlich von der StaatSlreue, von der die -Henlein-Gruppe beseelt sei. Mit derselben Anmaßung, mit der der Dciltsche Turnvcrband unter Führung der Henlein und Brand für sich das Recht in Anspruch genomnien hat, als der einzige sudetendeutschc Erziehungsverband zu gelten, mit derselben An« maßung, Wit der Herr Dr. Waller Brand während der Verhandlungen über die Sudetendeutsche Volksfront als der diese Volksfront begehrende Wortführer der„jungen sudetendeutschen Generation" auftrat, spricht er in dem nun vorliegenden Artikel vo>r den„jungett Schichten des su- dcteiideutfcheii Stammes", als dereti Tölmclfch er sich betätigt. Die jungen S o z i a I i ff c k, deren cs im „sudc lende ritschen Stamme" eine ganze Menge gibt, sind eine sehr schlagfertige und politisch ge- schulte Trupp«. Herr Brand scheint von ihrem Vorhandensein keine Ahnung z>l haben, was feinen politischen Kenntnissen das schlechteste Zeugnis ausstellt«, oder er glaubt, von ihr»richt Kenntnis ncbmen zu müssen, da ja das„gnrnd- sählich Neue", das er mit dem von ihm mitge- inachlen neuen Führer de« Sudelendeutschtums, Herrn-Henlein, auszuziehen im Begriffe ist, über die sozialistische Arbeiterbewegung und die jungen Kräfte in ihr ganz einfach zur Tagesordnung übergehen werde. Dies jedoch ließe wieder seine politischen Fähigkeiten in schlechtestem Lichte erscheinen. Ter Dietwart dcK Herrn-Henlein verbreitet sich in seinem Artikel nicht nur über sozusagen politische Fragen, sondern ailch über Moral und Anstand im politischen Kamps: Durch lange Jahre hindurch ist in unser politisches Leben ein Stil eingerissen, der mit allen Mitteln, auch den persönlichsten, gegen deit Gegner arbeitete. Der Begriff der ritterlichen Auseinandersetzung, des anstäichigen Politischen Kampfes, wobei sich jeder der Gegner seines Wertes bewußt ist und gerade deshalb nicht zu unwürdigen Methoden greisen muh— scheint fast aus dem öffentlichen Leben verschwunden zu sein. Tie jungen Schichten— jung dem Geiste und nicht der Jahreszahl nach— des sudetendeutschen Stammes aber wollen auch hier mit alten Formen brechen. Sie wollen durchaus nicht der Schärfe polilisther Auseinandersetzungen ausweichen, wenn diese notwendig ist, aber sie soll in einem Geiste geführt werden, der auch dem Gegner nicht die Dichtung versagt. Dieser-selbe Herr Dr. Walter Brand hat al« Dietwart des Deutsche» Turnverbands den„Aus- brnd) der deutschen Nation", nämlich ihr Versinken in die Hiilerbarbarei, mit den überschwänglichsten Worten gefeiert. Fiir ihn war das Geschehen in Deutschland vorbildlich und die ihm unterstellt« Turnzeitung hat vor nicht allzu langer Zeit einen Artikel aus der Feder eines gewissen Theo V o l k h a r d t gebracht, in dem die Träger der Weimarer Republik als der Ausbund der Verworfenheit und der Kamps um die Befreiung der Frau als di«„Erhebung der Halbdirne zur Goltl^it" be^ichnet wurden. „Und während diese Menschen im Uebersluß praßten, während die marxistischen Führer als „Bonzen" den Lexikon um einen neuen Begriff erweiterten, verhungerten in menschenunwürdigen Löchern die Arbeitslosen. Aber man zeigt« doch, daß man als roter Führer aud) ein Herz für di« Masse hot und jo gab man den Hungernden— Freikarten fürs Kino!" DicS schrieb der Volkhardt des.Herrn Brand, der ja nicht zu wissen braucht, daß das gewaltige soziale Gebäude, das in der Weimarer Republik für die Armen errichtet war.«in Werk der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften gewesen ist. Und so darf Volkhardt denn auch zu d«m Schlüsse kommen:„... die Führer sind die Schuldigen und das neu« Deutschland erfüllt seine hehrste Ausgabe, ivenn«s das Volk aus-em vierzehniäh. rigen Sumpf wieder auf seine angestammt«, gesunde Bahn znrückführt". Zu dieser erbärmlichen Verunglimpfung von Menschen, die, in den Konzentrationslagern schmachtend oder von den Schergen Hitlers er- schlagen, keine Möglichkeit haben- sich zu wehren, hat der atlf„würdige Methoden" im Politische» Kampfe bedachte Dr. Brand nichts zu sagen, ja, er machte in seiner großen Saazer Rede de» deut- ill;en Juaendbünden sogar zum V o r w u r f, daß sie es nicht zu eiuem cutscheidendcn Einsatz beim „Neuausbruch-cs deutschen Volkes" zu bringen vermochten. Und eben da« ist der Prüfstein für die„Demokraten" und Moralkündcr-Henlein und Konsorten: wie sie zu den deutschen Ereignissen, wie sie zu Hitler stcyn! Gegen die Konzentrationslager, gegen den gesetzlichen Mord an politisch Andersdenkende», gegen die viehische Mißhandlung von Sozialisten, Kommunisten und Inden durch dl« hnnnilchen Volkserneuerer, gegen die Schlammflut von Verleumdungen, die di« regierettden Erneuerer Deutschlands auf die unterlegenen Gegner losließen— dagegen hat Herr Dr. Brand noch kein Berlin, 10. Oktober. Der Reichstagsbrand- Prozeß wurde heute znm erstenmal in Berlin im Reichstagsgebäude selbst fortgesetzt. ES marschierten einige Zeugen aus, die das Aufslammen des Brandes beobachtet haben. Einer der Zeugen machte einen Schupo aufmerksam, ging dann aber ruhig nach Hause, weil ihm da« Butterbrot zu Hause lieber war als der schönste Brand, ein Schupo sah dem Treiben des Brandstifters erst gemütlich eine Weile zu, bevor er sich entschloß, etwa« zu unternehmen, ein weiterer Zeuge hat zwei Brandstifter gesehen, was mit der offiziellen Theorie nicht in Einklang zu bringen ist... * Tie ganze Umgebung des Neichstagsgebäu- dcs war mit starken Polizeikordonü umgeben. Sämtliche Portale waren von Polizei- und Reichstagsbeamten stark besetzt, um eine genaue Kartenlontrolle durckzusühren. Die Reichsgerichtsverhaltdlung findet im Raun: des RelchShauShaltsausschus- s e S statt, dem größten Raum, den der Reichstag zur Verfügung hat. Der Saal ist in der Zwischenzeit nach den Wünschen des Reichsgerichtes zu emem Gerichtssaal umgcbaut worden. Zur ersten Verhandlung in Berlin hatte sich auch der Tonfilm wieder eingefunden. Daneben erfolgt kür den Rundfunk wie in Leipzigs eine laufende Aufnahme des Prozesses auf Schallplatten. Gegen halb 11 Uhr betritt der Senat den Saal. Er eröffnet sofort di« wettere Haupwerhandlung und erklärt, das bisherige Verfahren diente dazu, die Angeklagten über di« umfangreiche Antlage- fchrlft zu hören und daöei die sachlichen Streitpunkte soweit klarzuslcllen, daß die Beweisaufnahme über die einzelnen Zusammenhänge erfolgen kann. Jetzt hätten die Zeugen das Wort, die frei und unabhängig(?!) seien. Der Vorsitzende ruft dann, wie am ersten Sitzungötage in Leipzig, die Angeklagten der Reihe nach aus und ebenso ihre Verteidiger. Unter Sen vom Vorsitzenden aufgernseiwn Sachverständigen befinden sich diesmal auch als Sachverständige für dir Brandschäden der Berliner Branddirektor Dr. Jng. Wagner und Prof. Geheimrat Josse von der Technischen Hochschule. Dos lochende Butterbrot Als erster Zeuge wird der Theologie-Student HanS Flötrr vernommen, Flöler pfleg!«, wie er auSsagte, jeden Tag in der StaalSbibliochek zu arbeiten. Am Abend des Brandes kam«r gegen l> Uhr vor dem Reichstag« vorbei. LUS er das Reichs tag Sgebäude passierte, hörte er ein Feilster klirren und sah dann auch, wie ein Mann«in Fenster«inschlug. Dieser Mann hatte einen Feuer brand in der Hand. Als er da« sah, habe er kein« Minute mehr gewartet. Am rechten Portal, unreil, wo die Ausfahrt ist, erklärt« d«r inerkwürdige Zeug«, traf ich «inen Wachtmeister>uid teilt« ihm sehr aufgeregt mit, was id> gesehen habe. Ich hab« dem Wachtmeister di« Richtung gesagt, wo das war. Daraufhin bin ich nach Hause gegangen. Nach einer kurzen Zeit kam meine Wirtin und teilte mir mit, daß der Reichstag brenn«. Ter Maitn, der da« Fenster«inschlug, hab« keinin Hut gehabt, möglicherweis« aber«in« Baskenmütze oder auch eine ander« Mütze, und keinen Mantel, sondern nur«ln« Joppe. Weitere Fragen betreffen di« Art des Feuerbrandes. Der Zeng« gibt d!« Möglichkeit zu, daß eS sich um einen Kohlenanzünder handelt, kann aber nid» genau bekunden, weither Art der Zündstoff war. Auf di« Frage des Vorsitzenden, ob es bestiunnl mir eine oder etwa, wie ein anderer Zeuge ausgesagl habe, zwei Personen gewesen seien, erklärt der Zeug« nachdrücklich, nur eine Person auf dem Balkon gesehen zu haben. ' Ter Angeklagte Dimitrow fragt, waS der Wachtmeister Buw«rt, der auch als Zeuge sungierr, gesagt und getan hat, als der Zeuge ihm seine Beobachtungen meldete.— Zeuge:„Der Wachtmeister hat nur einig« abgerissene Fragen gebraucht, wie„Was" oder„Wo", sonst war nicht viel Zeit zum Redeit, und ich gab dann dem Beamten noch ein«» Stoß in den Rücken, damit«r sich beeile» sollte." Torglcr: Ter Z«ug« spricht von der Auf- rcgnng, die sich seiner bei der Beobachtung d«s Vorganges bemächtigt hab«. Ist es richtig, daß er troy dieser Aufregung gleich nach Hause gegangen Ist, ohne sich um dir weitere Entwicklung der Dinge zu kümmern'? Flöter: Ich hatte an diesem Tage kein Butterbrot in dl« Staatsbibliothek mitgenommen. Ich war also hungrig und bin deswegen in meine nahegelegene Wohnung gegangen. Dort habe ich mich aber nicht lange ausgehalten, sondern bin bald wieder herunter gekommen. 0er gemütliche Schupo Der Polizeiwachlineister Buwcrt wird dann wieder als Zeuge cinvernommen. Er schildert, wie sie mit Flöter gemütlich eine Weile das hinter dem eingeschlagenen Fenster hochgchende Feuer beobachteten. Erst dann habe er Flöter ersucht, die brandenburgische Torwache zu alarmieren. Ewa zwei Minuten später habe Zeuge im Parterre einen Lichtschein gesehen; es Hobe so a»Sgej«hen, als ob ein Mann eine Fackel in der Hand habe und damit durch das Erdgeschoß renne. Der Zeuge gab einen Schuß ab und schlug Alarm. Um 9 Uhr 17 sei ein Polizeileutnant mit seiner Mannschaft eingctroffcn, drei Minuten später die Feuerwehr. Oie Silhouette des Brandstifters Ein weiterer Tatzeugc, der Schrlstseher Thaler, will an der ReichStagSecke ein lautes Klirren gehört haben; er hotte den Eindruck, als ab zwei Personen neben dem Hauptportal in ein Fenster einstlegen. Daraus halt« er«inen Schuhmann, inzwischen brannte»S aber bereits. Bon dem einen Brandstister will er sogar kurz das Gesicht gesehen haben. Auf eindringliches Fragen des Vorsitzenden«r. klärt Thaler, er hab« den bestimmten Eindruck gehabt, daß zwei Leute mit Brandfackeln durch dte Räume liefen. Da diese Aussage mit der Anklage nicht in Einklang zu bringen ist, wird beschlossen, am Abend einen Lokalaugenschein vorzunehmen, bei dem«in« Person mit brennender Fackel durch die Räume laufen soll. Es soll festgestellt werden, o» die zweite Person nicht am Ende ein Schatten (!) oder eine Spiegelung(!) war. Nachdem D! in i t r i w, der nach dem Berich» des Wolfs-Büros wieder„ganz unzulässige Fragen stellt und schwere Verdächtt- gungen auSspricht", vom Vorsitzenden zu>n Schweigen gebracht worden ist, wird van der Lübbe zum Richtertisch geführt. Er antwortet wie früher bald mit Ja, bald mit Nein. Manchmal schweigt er und gibt dann wieder verwirrt« Auskünstc. Vorsitzender: Sind Sie allein eing« st legen an diesem Abend? Lubbe: Ja. Vorsitzender: Haben Sie den Reichstag allein angesteckt? Dimitrow ruft dazwischen: Das i st unmöglich, ausgeschlossen, Idiot!" Vorsitzender: Schweigen Sie, ich entziehe Ihnen das Wort!— Ich frage Sie nochmals van der Lubbe: Haben Sie den Reichstag allein angesteckt? Van der Lubbe: Ja! Oberreichsanwalt: Wir haben das ja schon einmal durchexerziert, aber ich möchte trotzdem noch einmal fragen: Haben andere es vorbereitet?— Haben andere Ihnen geholfen? Dan der Lubbe: Das kann ich nicht sagen!(Bewegung.) Dimitrow: Er will nicht zugeben, daß er ein Werkzeug gewesen ist! Rechtsanwalt Dr. Sack: Dimitrow hat gemeint, daß van der Lubbe ein ni i ß- brauchteö Werkzeug von anderen seilt müsse.(Dimitrow: So ist cd!!) Ich halte es für meine Pflicht, dem Senat das zu unterbreiten und glaube, daß der Oberreichsanwalt von sich aus hier vielleicht eingreisen wird. Tokio, 10. Oktober.(Reuter.) Aus amtlichen Kreisen des Außenministeriums langt die Meldung ein, daß die amtlichen Kreise die Berichte des japanischen BotschaslerS in Moskau abwarten, bevor sie die Endentscheidung treffen, wie aus die in Sowjetrußland veröffentlichten und verbreiteten Meldungen über die sogenannten a e h e i m c» Dokumente zu reagieren ist, durch welche dargctan werden soll, daß die japanische Regierung sich der Ostchinesischen Bahn zu bemächtigen beabsichtigt. Gleichzeitig wird aufmerksam gemacht, daß von der Antwort der Sowjetregierung aus die Demarche Japans abhängen wird, ob die japanische Regierung die diplomatische n Beziehungen mit den Sowjets weiter aufr'echterhalten wird. Der Zwischenfall hat in der Oessentlich« leit allgemeine Erbitterung hervorgerufen. Tas Außenministerium beschloß, bei der sowjetrussischen Regierung zu protestieren Aul der Sndie nadi den Geldquellen der Nazis Prag, 10. Oktober, Die Bemühungen der Behörden konzentrieren sich nunmehr darauf, über die Geldquellen der hiesigen Hiller- bewcgnng, die allem Anschein nach auf Umwegen aus dem Reiche flössen, Klarheit zu erlangen. Montag nachts erfolgte in Troppan die 'Verhaftung des NaziführcrS und Rechtsanwalts Dr. Alfred Fuchs, der im Verdacht steht, den Vermittler zwischen Partei und den Geldgeber» gespielt zn haben. WeilerS wurde der Besitzer einer Jnseratcnkanzlei N ö l s ch e r und lein Sohn verhaftet, die im Verdacht stehen, oas Parteivermögen im letzten Moment verschoben zn haben. Ueber Ersuchen der Troppaucr Polizei wurde der in Pankratz in Haft befindliche Abgeordnete Jung in Gegenwart des Unter« suchnngsrilchers einem Verhör unterworfen. Die Sensation deS Tages bildele die Haussuchung bei dein Direktor Kiesewetter von der Kreditanstalt-es Bundes der Deutschen in Prag. Kiesewetter ist derzeit in B e r l i n. Nach Meldungen tschechischer Zeitungen soll sein Paß jedoch nur aus die Schweiz lauten, lvohin cr angeblich aus„geschäftlichen" Gründen fahren wollte. In einigen Banken wurden kleinere Gict- habeu von Funktionären der ausgelösten Parteien sichergestellt. Weiters wurde auch der zweite Sekretär des Parlamentsklubs der Nazi Fischer verhaftet und nach Pankratz eingeliefert. * Arzberg(Oberfranken), 10. Oktober. Tas Wolfbüro meldet: In Waldsassen wurden zwei Kommunisten aus Eger fcstgcnvnnncn, als sie versuchten ausländische„Hetz- und Agitationsdrucksachen" nach Deutschland cinznschnuiggel». Auf der Schaukel Ter„Teplitz-Schönaucr Anzeiger", der bis in die letzten Tage Hitlerblatt war und besonders während der Terrorwellc, die int Frühling über Deutschland ging, die traurigste Nolle spielte, hat cs jetzt schwer. Seine Freunde ans dem Jung Lager haben die Faust einer starken Demokratie zu spüren bekommen und es hat nun keinen Sinn mehr, um ihre Gunst zn buhle». Also gilt es, eine neue Politische Linie zu beziehen. Der Anhaltspunkt ist schon gegeben: der schöne junge Mann mit der goldenen Brille hat cs dem„Teplitz-Schöiianer Anzeiger" ange- Ian. Dessen Bewegung, schreibt der„Teplitz- Schönaucr", werde jeden Widerstand der allen Parteien überrennen, denn das Mißtrauen gegen sie sitze viel zu tief im sudctendcutschen Volle, als'daß es nicht bereit wäre, sich von ihnen abzuwenden. Tas aber könnte den Abonnenten aus denc Kreise der alten Parteien nicht restlos gefallen. Tarum wendet der„Teplitz-Schönaucr Anzeiger" im gleichen Leitartikel gegen Henlein ein, daß ihm gegenüber größte Vorsicht am Platze ist. Er habe zwar nichts wesentlich Neues gesagt, vor ciuigeil Monaten jedoch dessen Gegenteil für richtig gehalten. Früher hat!« man's leichter in den Redaktionen unserer Provinzpressc. Wenn es da einmal eine brenzliche Situation gab, fragte man den Herrn Max Karg uni Rat, der ihn gegen ein Honorar von 80.— Kß gern erteilte. Seine zwangsweise Entthronung zeigt die— nebbich! — geistige Verlassenheit unserer Bürgcrprcsse auf! Grenzvertrag mit Deutschland ratifiziert. Gestern wurden im Außenministerium in Prag die Ratifikationsurkunden des in Berlin am 31. Jänner 1930 unterzeichneten Vertrages mit dem Tcutschcn Reid) über di« Grenztvasserläusc und über den Austausch von Gebirlsen und Fußtritten von Volksgenossen, die von Bonzen und jüdischen Zeitungskanaillen ausgchctzl waren. Denke einmal darüber nach, häliesl Tu heute überhaupt noch etwas zu fressen, wenn nicht am 30. Januar Adolf Hitler zur Macht gekommen wäre? Tic Stärke der nationalsozialistischen Bewegung liegt im unerschütterlichen Glauben der Gefolgschaft an ihren Führer. Glaube auch Du. Und wenn Adolf Hitler dem deutschen Voll? gesagt hat: In vier Jahren gibt es keine Arbeitslosen mehr, so glaube cs. Tu gehörst auch zu denen, die in absehbarer Zeit wieder zu Lohn und Brot kommen. Mache Tir auch heute keine großen Gedanken darüber, daß Dir nun Deine Anwartschaft und Pension verloren geht. Beschäftige Dich einmal mit dem nat.-soz. Programm. Der IS. Programmpunkt lautet: Wir fordern«inen großzügigen Ausbau der Altersversorgung. Das heißt ganz schlicht für Dich: Wenn Du ein Leben lang gearbeitet hast, so wird dafür gesorgt, daß Tu einen sorglosen Lebensabend hast. Tas gilt nicht nur sür den Staatsarbcitcr, das gilt sür jeden deutschen Arbeiter. Versuche daher, ein Nationalsozialist zu werden, Tu dienst damit nicht nur Tir, sondern auch unserem gcmeinsamen deutschen Vaterland. Heil Hiller! bchördc Unterschrift, Betriebsrat. Ein Sozialdemokrat Gouverneur von Stodfholm (I. I.) Die schwedische Negierung hat den Sozialdemokraten Torsten N o ty.in zum Gouverneur von Stockholm ernannt, Nothin war bisher ebenso wie Osten U n d e n Minister ohne Portefeuille in der sozialdemokratischen Regierung Schwedens. Obwohl die bürgerliche Presse diese Wahl angrcift, da dadurch angeblich Politik in die Verwaltung hineingetragcn werde, muß sic zugebcn, daß Nothin als ausgezeichneter Verwaltungssachmann sein Amt zweifellos würdig bekleiden wird. Portugal erhält einen Ratssitz. Tie Bölkcr- bundsversammlung hat gestern in öffentlicher Sitzung Portugal in den Völkerbundsrat gewählt. Portugal erhält den 15. Ratösitz, der erst kürzlich auf seine Initiative durch Beschluß der Völkerbundsversammlung geschaffen worden ist. Portugal erhielt bei der Abstimmung 30, die Türkei 20 Stimmen. Prag, 10. Oktober. Ein wahrhaft ersckül- Icrndcr Anblick bot sich hentc auf dem Korridor vor dem Schwurgerichtssaal, wo die Zeugen auf den Aufruf zu warten pflegen. Ein kleines, schwächliches, unterernährtes, wenig hübsches Mädchen, das man auf etwa 12 Jahre schätzen würde, schleicht müde und schwerfälligen Schrittes über den Gang. Dieses Schulkind ist, wie man so zu sogen pflegt,„gesegnete n" Leibes. Ihr schwacher Körper hat schwer zu schleppen an der Bürde des neuen Lebens, das er in sich trägt. Sic ist im neunten Monat und ihre Schwangerschaft um so deutlicher sichtbar, als dieser Kindeskörper noch ganz unentwickelt ist. Und das unreife, unfertige Kindcrgesicht trägt die typischen Züge der schwangeren Frau...! lieber den Verlauf der— natürlich geheimen Verhandlung kann nicht berichtet werden, doch ergibt sich der Sachverhalt mit hinreichender Deutlichkeit aus dein öffentlich verkündeten Urteil. Und dieser Sachverhalt steigert noch das Grauen, das dieser Fall ohnedies verbreitet. Der Vater des Kindes, das in wenigen Tagen das Licht der Welt erblicken soll, ist der Lebensgefährte der eigenen Mutter des mißbrauchten Mädchens, also gleichsam ihr Stiefvater, zu dem sic von klein auf als zu ihrem Vater aufzublicken gewohnt war. Ihre Mutter lebte mit diesem Manne durch sieben Jahre zusammen. Das Zusammenleben war lange Zeit ungetrübt, bis zum Jänner d. I., T agesneuigkeifen Vernambueo-Frledrlchshaleii in 71 Stunden. Rekordfahrt des„Graf Zeppelin". Berlin, 10. Oktober. Die jetzt beendete achte diesjährige Brasilienfahrt des„Gras Zeppelin" hat einen neuen Rekord gebracht. Das Luftschiss hat die Streck« Per« nambuco—Friedrichshafen in der erstaunlich kurzen Zeit von 71 Stunden zurückgelegt. Es ist dies die schnell st e bisherige Reise des LustschifsrS von Südamerika nach Europa. Friedrichshafen, 10. Oktober. Daü Lustschiss„Gras Zeppelin" ist um 0.20 Uhr glatt gelandet. An Bord befanden sich 14 Paisa g i e r e und 100 Kilogramm P o st. Die verkohlte Leiche im Stroh- schover. Kein Unglücksfall, sondern Mord. Brünn, 10. Oktober. Die Identität des unbekannten MonncS, dessen verkohlte Leiche am 9. Oktober aus der Brandstätte des in Glasels- dorf bei Zwittau niedcrgebrannlen Strohschobers aufgcfunden wurde, konnte bisher noch nicht«r- miüelt werden. Die Brünner Fahndungsstation stellte an Ort und Stelle fest, daß eS sich nicht, wie ursprünglich angenommen wurde, um einen Unglücksfall, sondern um Mord lmndclt. Die Lciehe hatte nämlich«inen zerschmetterten Schädel und in der Näh« des Schobers wurden Blutspuren gefunden. Man ist der Ansicht, daß der Mörder, um die Spur seiner Tat zu verwischen, die Leiche des Ermordeten in den Schober schleifte und den Schober in Brand steckte. Der Crinordete war ungefähr 25 Jahre alt, gut genährt, hatte lichtkastanienbrannes.Haar und einen Schnurrbart. Auf dem-Halse l)atte der Tote einen Kalikoverband: ferner wurden bei ihm ein Federmesser mit der Aufschrift Sarajevo, zwei kleine Spicgelchcn und ein flaeher Trinkbecher gesunden. Gin Sternschnuvven-Regen. Berlin, 10. Oktober. Ein-Himmelsfcuerwcrk konnte, nach übereinstimmenden Meldungen mehrerer Sterntvartcn, in allen Teilen Deutschlands am Montag abend nach 8 Uhr beobachtet tvcrden, starke Sternschnnppcnfällc, die in ihrer Reichhaltigkeit fast diejenigen, die in den Jahren 1838 lind 1866 beobachtet wurden, noch übertrafen. In einer Zeit von fünfzehn Minuten wurden etwa ztvcihundert Sternschnuppen gezählt. Ter Haupt- ausstrahlungspunkt der Sternschnuppen liegt in den Sternbildern Schwan und Leier..Höchstwahrscheinlich handelt es sich um die T r ü m m c r- r c st c eines aufgelösten und P e r i o bisch c n K o m c t e n, die bei ihrer Bahn durch den Weltenraum in die Nähe unserer Erde gekommen sind. Durch die Anziehung der Erde sind einzelne Teile aus ihrer ursprünglichen Bahn her- anSgerisscn, durch die Reibung in der Erdatmosphäre erhitzt und dadurch für uns sichtbar geworden. ch Paris, 10. Oktober. In verschiedenen Gegenden Frankreichs— auch in Paris— konnte gestern gegen 19 und 21 Uhr daS seltene Schauspiel eines Stcrnschnuppcnregcns beobachtet werden, der stellenweise einem sprühenden Feuerwerk glich. Auch aus Belgien werden ähnliche Erscheinungen gemeldet. Der Räuber Wasserbauer verhaftet. Pardubitz, 10. Oktober. Heute nach 9 Uhr wurde in Pardubitz der lauggesuchte gefürchtete Räuber Wasserbauer ergriffen, welcher bereits seit als die Kleine eben das dreizehnte Lebensjahr erreicht hatte. Dan»' erfolgte die Katastrophe, in deren Folge der 40jährige Anton ö e r v i n k a aus einem Dorf bei B e r a u n heute Var den Gcschtvorencn steht und das Schulkind vor dem schweren Weg in die Gcbäranstalt. Ter Angeklagte hat am 10. Jänner dos Mädchen durch Drohungen gezwungen, ihm zu Misten zu sein, und sodann bis zum 2. Feber fast täglich mit ihm verbotenen Verkehr unterhalten, und zwar stets, wenn seine Lebensgefährtin, die die Familie durch ihre Arbeit erhielt, das Haus verlassen hatte. Das Verbrechen kam dadurch zutage, daß das Schul- niädchen im I u n i wegen der merkbar werdenden Schwangerschaftszcichen ins Bcraunrr Bc- zirkskrankenhaus zur Untersuchung eingelieferl wurde. Der Geschlechtsverkehr mit weiblichen Personen unter vierzehn Jähren wird nach unserem Strafgesetz unter allen Umständen als Verbrechen der Notzucht bestraft, auch wenn kein Zwang ausgeübt wurde. Um so schwerer wiegt der Fast, wenn, wie hier, der Täter seine verbrecherische Absicht durch Drohungen erreicht hat. Tie Geschworenen bejahten denn auch c i n- st i m m i g die Schnldfroge und der Schwurgerichtshof(OGR. Suboma) verurteilte den Angeklagten zu drei Jahren schweren und verschärften Kerkers. rb. längerer Zeit das ganze Pardubitzcr Gebiet be-- unruhigte. Er hatte bekanntlich auf die ihn verfolgenden Gendarmen bei Xdanic Schüsse abgegeben. Er wurde auch in anderen Orten in Ostböhmen gesucht, jedoch bisher vergebens. Er war als guter Radfahrer bekannt. Heute wurde er von zwei Pardubitzer Polizisten, dem Wachtmeister Vokoöck und dem Inspektor Slavik, bei einer Radsahrt fcstgcnommen. Bokaöek, welcher auf einem Rode im Zivilkleidc fuhr, warf das Rad Wasserbauers unt und konnte ihn so anhalten. Bei Wasserbauer wurde Raubwerkzeug gefunden. Er wurde in die Haft des Bezirksgerichtes in Pardubitz«ingebracht. Er hat bereits viele Ttrafhandlungen eingestanden. Sin riesiger Fabriksbrand. Karlsruhe, 10. Oktober. In der Kunstwollefabrik Bogel und Schnurmann im Westen von Karlsruhe entstand gestern Abend vermutlich durch Kurzschluß Feuer, das sich mit rasender Geschwindigkeit anSbreitete. Dreißig Meter hohe F l a m ni e n erhellten den dunklen Nachthimmel. Das Gebäude, daS restlos niedcrbrannte, war über 120 Meter lang und siebzig Meter breit. Zwanzig Minuten nach Mitternacht stürzten zwei Stockwerke des sechsstöckigen Gebäudes ein, wodurch viel« der an der Löschaktion beteiligten Retter B r a n d w u n d e n davontrugen. Ilm halb 1 Uhr nachts war dir Gefahr zum großen Teil beseitigt, nachdem die gesamte» Lagerräume, di« Maschincnanlagc und die Arbcitsräumc in sich zusamnrengebrochcn waren. Der Gesamtschaden dürfte annähernd zwei Millionen Mark betragen. Die Polizei vermutet Brandstiftung. Einer der Inhaber der Fabrik ist vorläufig fest- genommen und in das Bczirksgcfängnis eingeliefert worden. Die durch einstürzendc Mauern Verletzten haben durchwegs nur leichte Verletzungen davongetragen. Steigende Aktien... Ein Lllarmsignal komnit aus England, ein Alarmsignal, das blitzartig den Ernst der Situation beleuchtet! Die Aktien führender englischer Rüstungsfirmen haben in den letzten Tagen riesig angezogen. Die Hyänen des menschlichen Massenmords, die Gcntlcmen, die ihre Dividenden aus jenen Giftgasen, Kanonen, Maschinengewehren und Flammenwerfern ziehen, die uns auf den Blutfcldcrn des nächsten Weltkriegs nicdcrmähen und unsere Frauen und Kinder vergasen sollen, wittern Morgenluft. Der Tod steht wieder vor der Tür Europas und das Geschäft seiner Agenten blüht! Denn die Rüstungsindustrie, dieser erbarmungsloseste und widerwärtigste Zweig am großen Geldmachcrbaum des modernen Kapitalismns, ist wahrhaft international. Die englischen Rüstungspatrioten, deren Aktien heute so hochcrfreulich in die Hohe klettern, sind sicherlich die begeistertsten Anhänger des Hitlcrrcgimcs, das Krieg bedeutet und ihre blutgetränkten Geschäfte so stürmisch belebt. Hitler in Dentschland— das Ist die Garantie für diese Händler mit Mcnschenmord, daß die Zukunft dem Friedhof und damit ihrem Geschäft gehört! Welch ein blutiger Witz ist cs, daß in den Tagen der Genfer Abrüstungskonferenz das einzige Geschäft, das sich in diesen Tagen der Weltkrise, der Arbeitsnvt belebt, das RüsttlngSgcschäft ist! Die Werke des Friedens, die Arbeitsstätten des menschlichen Aufbaus, liegen brach, stehen verödet und abgestorben da. Aber in den Giftgasfabriken, bei den Kanonen- und Flammen- werferproduzenten wird mit Ueberstundcn ge- Ans der Arbelter-Turn* und Sportbewegung. Kinderturnwarte werden geschult. Das ständige Wachsen der AtuS-Kindcrabteilun^ gen hat eine gründliche Schulung der Kinderlurn- warte und Helfer notwendig gemocht. Zu diesem Zwecke wird vom 28. Oktober bis 2. November in Aussig eine Zentralschule der verantwortlichen Kreis." und Kindcrturnwarte durchgeführt. Anschließend finden in allen Bezirken des Verbandes mehrtägige Kurse für die VereinSkinderturnwarte statt. Insgesamt werden durch diese SchulunDarbeit 800 Kindcrturnwarte im Laufe des Herbstes dieses Jahres ausgebildet werden. Der gegenwärtige Stand der Kinder, die im Atus aktiv beschäftigt sind, beträgt 20.000. Eine Schule für Thcatcrspielleitcr. In den nordböhmischcn Gebieten wird dar Laicn-Theater stark gepflegt. Der 5. Kreis hat bereits vor zwei Jahren eine Schule obgehalten, um die Theaterspielleiter für das proletarische Laien-Thcater ouSzubildcn. Am 11. und 12. November wird in Tcplitz eine zweite Schule mit folgendem Programm durchgeführt:„Die moderne Bühne",„Technische Einrichtung der Liebhabcrbühne",„Regie und Regiemittel",„Spiele für.Kinder",„Sprcchtcchnik",„Praktische Versuche",„Programme für Arbcitcrturn vereine". arbeitet, denn die Stunde drängt! Aufrüstung lautet die Parole im Zeitalter der Abrüstungstheorien.— Das Deutschland der braunen Terroristen, die nach Revanche schreien, ist das Paradies der Rüstungsschieber der ganzen Welt. Der Mord im Großen legt drüben den regierenden Mördern int Kleinen seine Wertschätzung in Gestalt einer Aktien Hausse bewundernd vor die Füße. Es ist in zwölfter Stunde. Ob das Europa der Menschlichkeit, kurz vor dem Abgrund, noch erwacht?! Fluglinie Wladiwostok—Kamtschatka. Der erste Flug auf der neuen Flugstrecke von Wladiwostok über Sachalin nach Kamtschatka auf einer Gcsaintcntfcrnuug von 4870 Kilometer wurde gestern erfolgreich beendet. Der Flug wurde in 20 Stunden durchgcführt und bewies, daß sich diese Strecke in guter Ordnung befindet und sich vollkommen für einen regelrechten Verkehr eignet. Die Faseisten in Holland. Auf dem Samstag in den Messehallen abgehaltcncn Kongreß der natioalsozialistsschen Bewegung in Holland (NSB), an dem über 6000 Perstmcn teilnahmcn, erklärte der Führer der Bewegung, Chefingenieur A. Mustert slltrccht), daß die Bewegung trotz zahlreicher Widerstände im starken Anivachsen begriffen sei. Die nächste Aufgabe bestehe darin, daß innerhalb Jahresfrist die Mitgliedcrzahl auf 50.000 gcbracht werde. Dampfer-Katastrophe. Einer Funkmeldung zufolge ist der Frachtdampfcr„Annula" bei Kap Lookout gescheitert. Der Kapitän und vier Mann der Besatzung konnten gerettet werden, 21 Mann iverden vermißt. Deutsche Spione in Frankreich. In Metz wurden zwei jugendliche Deutsche wegen Aus- spionierung der französischen Grenzbefestigungsarbeiten verhaftet.— Auch aus Saarbrücken wird die Verhaftung zweier Personen gemeldet, die in den Diebstahl eines französischen Ma- schiengewchrs letzter Konstruktion verwickelt sind. Wissen ist Krankheit. Wie der„Völkische Beobachter" mitteilt, hat das Preußische Kultusministerium„als eine seiner wichtigsten Sofort- maßnahmen einen grundlegenden Erlaß hcraus- gcgebcn." Vererbungslehre, Rassenkuiide, Rassenhygiene, Familienkundc, Bcvölkcrungspolitik sind die Lehrstoffe.„Tie früheren Generationen haben", heißt«S wörtlich,„an einem Ucbcrwissen gekrankt. Ein neues Geschlecht aber, gesund und stark, soll in eine glücklichere Zukunft marschieren." Wer andern eine Grube gräbt... In der Umgebung von Wilna steckte der Landwirt Jurewicz aus Rache di« Scheune seines Nachbarn in Beaild, di« so rasch in Flammen ansging, daß der Brandstifter selbst in den Flammen n m k a in. Ein Dieb in unangenehmer Situation. Montag nachmittags wurde der bereits«inigemal vorbestrafte Dieb Franz C o d l aus Trhovö Svlny bei BudweiS wiederum beim Diebstahl l>«trofscn. Codl wurde von den Einwohnern versolgt und aus Angst vor Miß- Handlungen sprang er in den Teich, wo er bis ;»m Hals im Wasser sichen blieb und«rst ül-er Aufforderung der hcobclgerufenen Gendarmen das Wasser verließ. Er wurde fcstgenoimnen und zum Krcisgericht nach Böhm.-Budwciz eskortiert. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag. Prag 10.10: Schallplattcu, 13.35: Schallplatte», 17.35: Französischer Sprachkurs, 18.30 Deutsche Sendung: Landwirtschaftssunk, 22.15: Schall- platten.— Brünn 15.30: Schallplatten, 16: Nach- miltagükonzcrt, 16.50: Kinder musizieren, 18: Aktua- liläten der Woche, 18.25: Deutsche Sendung: Thcatcrprob« mit Hindernissen, Hörspiel— Kascha« 16: Orchcstcrkaiizcrl, 18: Frauenfunk.— Wien 13.10: Berühmte Künstler, Schallplattcu, 15.30: Kinderstunde, 17: Frauenstundc, 19: Im Zeichen des öfter, rcichischen Halbmondes, 21: Orchesterkonzert.— HeilSberg 17.50: Kammermusik.— Breslau 20.10: Zigcuncrbaron, Operette von Strauß.— Leipzig 18.30: Johannes Brahms, 20: Orchesterkonzert. Nr. 988 Mittwoch, 11. Oktober 1938 Stift ß und Geiließerittnen iniö würden rücksichtslos flcnitfl feilt, sic hinauSzttweijci«. Ta ntuß man sich eben flcflcitfehtfl ein wenig die Mauer machen, was bei dein Gedränge«ich: allzu sclsivcr ist. Der dicken Tome dort, ist bei einer besonders spannenden ZeugenauS'age ein Stück Banane im Hals stecken geblieben. Also Borsichl! Immerhin — bei dem großen Prozeß gegen di« dlailcn- mördcrin Bälek im Dc^mber v. I. mußten mehrere Körbe tveggeworfener Stullen« Papier« und sonstiger Abfälle aus dem Zusci-anerranin weggeräumt werden. Guten Appetit! Es>var ei» Prozeß der an gräßlichen Details alle Erwartungen überbot und denn auch mit dein Todesurteil endete. Der Staatsanwalt spricht...„Fabelhast, nicht wahr?!" Nun aber schnell di« vom Bnller- brot angefctteten Finger abgcwischt und da» Opernglas l>ervvrgcholt! Man muß dock) sehen,>vas für«in Gesicht der Ailgeklagte macht. Und der Verteidiger—„ein hübi'elxr Mensch, Frau Inspektor!"—-er wird ihn schon herausreißen. Aber di« Freude ist von kurzer Tauer. Ein Aufseher eilt herbei und konfiszier! erbarmungslos den Gucker. Kein Protest hilf:, das Opernglas bleibt beschlagnahmt und sein« Besitzerin muß den Saal unrühmlich verlassen. Diskret Verschwinden im Nu diverse ander, Ferngläser aster Art und man muß sich mit Bedauern damit abfinden, daß man sich im AerichtSsaal doch anders benehmen muß als im Theater. Schad«, sck;ade... cs wäre doch so hübsch gewesen, durch das scharfe Glas den Angeklagten ins Auge zu fassen, tvenn über ihn-aS Urteil gesprochen Wird: verurteilt zu r Strafe des Todes." Er wird vielleicht wanken, weinen, aufhenleii, in Ohnmacht fallen... und man wird alle diele interessanten Dinge nicht in alle» Details„genießen" dürfen. Es gibt aber auch Leute, die gern« ein dauerndes Andenken an den gehabten„l'-lemiß" niitnehmen möchten. Ties« erscheinen mit einer mehr oder weniger gut versteck<-» K a ni e r a, nm einige nette Stimmungsbilder zu erhaschen. Auch das ist nicht ohne Risiko, denn der Apparat des unbefugten Photographen verfällt gleichfalls sogleich nach Entdeckung unweigerlich üer Konfiskation: Im übrigen aber herrsch: trauliche Geselligkeit. Allerlei!i^elanntschäften werden augeknüpft, in den Pausen sachverständige Gespräch« geführi, Tips über das Schicksal der Angeklagten gegeben, Wetten um zwei bis zehn Biere abgeschlossen,-aß er ,^>och den Strick bekommt" und anderer Zeitvertreib gepflogen, bis endlich die Schlußszenen des Dramas da unten und des Zeitvertreibs da oben grkomntcn ist und alle Beteiligten Gewißheit haben: Ter Angeklagte darüber, ob er.den Strick bekommt" und die Wettpar:ner darüber, tvcr die gewetteten Biere zu bezahlen haben wird. Notiz: üben die hölzernen dem Präsident«» ein ernste» Wori sprech«». Tas Zirpen dieser Heimchen- ist nicht mehr zu ertrage». Der Präsident: Herr Kolleg« Heimchen, ich muß dem Kollegen Äneifser vollkommen zustim- m«n. Wir olle habe» es mehr oder weniger nötig uns in bas neue dcnische Neckt»«eiter zu Verliesen R G R Heimchen: Aber um HinmielS- foiße», meine Herren, die vier Leut« sind vollkommen unschuldig! Wir könne» lie doch nicht verurteilen und vielleicht noch köpfen lassen? Der Präsident(unwillig und ml« Nachdruck). indem er die Tisnng aukbebt: Herr Kollege .Heimchen, das deutsche Reichsgericht kann alles! bielct man Plakette« mit Hin- znm Preise von 2 Mark zum weigert, ein solches Ding zu wird ausgeschrieben und am Gemeindeamt So wird Palrioltsnius jetzt hat mau in der Generalversammlung des „Figarv"-BerlageS den Mut gehabt, den Hauptaktionär Coty einfach hinauszuwciscn. Welche Hintergrüiidc diese Affäre hat, ist der Oesfcntlich- keit noch nicht bekannt. Sicherlich aber bedeutet sie die Sprengung des größten Pressekonzerns Frankreichs und damit die Kaltstellung eines Mannes, der zwölf Jahre laug die politische Atmosphäre Europa- gewissenlos milvergiftet hat. M. B. Rctscbcridit aus dem Dritten Deldi Ein Aufenthalt im Dritten Reich zeigt deut aufmerksamen Beobachter manche» Interessante, allerdings recht Abscheuliches. Ein Sudetendeul- scher, der längere Zeit drüben weilte, berichtet uns(der Name und Wohnort des Berichterstatters sind uns selbstverständlich bekannt, können aber aus begreiflichen Gründen nicht genannt werden): „Am l>. Jul! nahm ich an einem nationalsozia- tislische» Heimabend in einer sächsische» Stadl teil. Tort sprach der Lehrer Kutschkc über Tentschböhme», Seinen Vortrag erläuterte er durch zahlreiche Lichtbilder. Er zeigte Berge unserer näheren Heimat, vor allem aber das Mittelgebirge. Ter Vortragende tobte die Vctvohner Tcutschböhiucns und hob besonders ihre vorbildliche Treue zum Reiche hervor. Tas deutsche Volk habe keinen zweiten Stamm, der ihm in dieser Hinsicht gleichen würde, sagte der Redner. Ta» Reich dürfe sich daher dieses Land nicht e»t reißen lassen, es>nnß, wen» cs nicht anders geht, mit Gewalt zurückcrobert werden. Tie heutige Grenz« des Reiches sei nicht richtig, die künftige Grenze wird einmal hinter dem Mittelgebirge verlaufen. Tic SA Im sächsischen Arenzgebtel hält regel- niäßig Nachtübungen in den Grenziväldcrn ab, zu denen mit Handgranaten und Gewehr auSgcrückt wird. Sesters geht diesen Nachtübungen rin Alarm voranü. Die Hitlerjugend— nenn- bis zwölfjährige Knaben— hallen ebenfalls Excrzierübungen ab. In der Nähe von Schandau habe ich einen Trupp Hitler- fügend gesehen, die von einem etwa 1«jährigen Jungen kommandiert wurde. Ein kleiner Knirps, der nicht stramm genug stehen konnte, wurde ange- schrien:„Wenn du nicht stramm stehst, haue ich dir eine in die Fresse." Auf dem Marktplatz einer andere» Stadl sah ich die Hillerjngend einen Fohnen- schwnr leisten.(Von anderer Seite haben wir erfahren, daß and) in den Turnvereinen militärische Ilcbungen abgchalten werden, nnd zwar Turner das Handgranate»>vcrfrn mit Handgranaten.) Ten Bewohnern denbnrg u»d Hiller Raufe an. Wer sich kaufe», bssenllich bekannigegcbcn. erzeugt. Bei meiuem Ausenlhall in Dresden habe ich gesehen, wie der Sozialdemokrat Raden durch die Straßen zum Gespött einer schanlustigen Menge auf einem Lastauto gefahren tvttrde. Por ihm stand ein Bierfaß mit einem Toppellilerglas. Auf dem Kopse trug er eine» roten Zylinder mit drei zerbrochenen Pfeilen. Mit ihm fuhr eine Eskorte SA. Kaden mußte unenlwegt singe»„Ueb immer Treu und Redlichkeit". also nicht erstaunlich, daß der billige„Volk« rcund" in kurzer Zeit auf 800.00t) Exemplare stieg, während der„Figaro" nur 60.000 zählte. Die französischen Verleger versuchten mit geringem Erfolg, Coty wegen unlauterer Konkurrenz in Grund nnd Boden zu prozessieren. CotyS Millionen siegten. Der einzige Erfolg war, daß er sich herbeilicß, den Preis des„Ainir du Pcuple" auf 15 Centime- zu erhöhen., Teurer Ehrgeiz. 'Natürlich waren cs die ungeheuren Parsüm- prosite, die CotyS Blätter an« Leben erhielten; viele Hunderte von Francsmillioncn hat sich der ehrgeizige Korse sein politisches Geltungsbedürfnis kosten lasse», Plan rechnete ihm vor, daß ihn jeder Leser des„Ami" bei täglicher Lektüre jährlich 100 Francs kostete, so daß Coty danach die ungeheure Summe von 80 Millionen Francs im Jahr zufehtc. Aber auch der„Figaro" bildete, als er aus einer unabhängigen Zeitung zum Leib- blatt de» ParfüinierS geworden war, ein Zu- schußunternehmen, das jährlich etwa 60 Mil- liouen Francs verschlang! Ihtb immer noch hatte Coty nicht genug. Bald erschien eine Abendausgabe des„Ami", ebenfalls in 800.000 Exemplaren. Eine Wochenbeilage folgte,„Le Salut Public". Kleinere Zci- tu««gen und Zeitschriften wurden vom Coty- Konzern geramscht:„Bingliäme Si-cle",„Anjour d'hiii",„L'Aetion Francaise",„Journal des TäbatS",„La Prrste",„La Patrie" in Paris und eine große Zahl von Provinzblättern, die zum Teil sein Eigentum wurden, zum Teil Zuschüsse erhielten. Insgesamt umfaßte der Coty- Konzern auf der Höhe seiner Macht etwa hundert Zeitungen und Zeitschriften, die dazu dienen sollten, Cotys Ideen der Welt zu verkünden. Ein Napoleon der Stcnrryinterzichnng. Coty ist ein, machthungriger Großverdiener, der daS scheinbar so glühend verteidigte Vaterland mit Freuden nm Millionen schädigt, wo er nur kann. Ein riesiger Stenerhinterzichnngs- psozcß beleuchtete CotyS Finanzgebarcn. Er endete mit einem Bertuschungümanöver, bei dem die Hochachtung vor CotvS Geldsack eine gewisse Rolle gespielt zu habe« scheint. Aehnliche Zusammenhänge wurden auch bei jener dunklen Affäre aufgcdcckt, durch die Coty sich von seine«« korsischen Landsleuten zum Senator wählen lasse«« wollte. Die Wahl wurde.angefochten, da Coty allzu freigebig mit Geldspenden umgegaugen war, und sei»« Einzug in die Kammer mußte auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Dabei hatte der Kaildidat keine Mühe nnd Koste«« gescheut, n«n seine Skribenten die Mär hinausposaunen zu lassen, Coty sci ein direkter Abkömmling Bona Partes... Und selbst— versolgnttgSwahnsinnig. Unter anständigen Leuten ii« Frankreich wird Coty und seine Meinungssabrik kategorisch»barlehnt. Er hat sogar recht heftige Feinde, oic ihm mit Drohbriefen das Leben schtvrr machen. ES scheint, als havc die ständige Angst um sein kostbares Leben seinen Verstand verwirrt. Er besitzt einige Schlösser nnd Billen, getränt sich aber nicht, darin z»«vohnrn, sondern lebt im Pariser Hotel Astoria im Schutz einer Leibgarde von Detektiven. Als man dort seinerzeit die Repara- tioiiskomuiission einqnarliercn wollte, stürzte er anfgeregt zum Direktor:„Mein Leben ist bedroht, > ich muß mich äußerst in acht nehmen. Entweder ich ziehe aus— oder die arideren!" Und die Rc- parationSexperlen mußte» dem verfvlgungswohu finnigen Cotti das Fc!d räumen. Als auch in Frankreich die Weltkrise eindrang, begannen CotyS Unternehmungen zu i wackeln. Der„Ami du Peuple" geriet ü« Schwie- i rigkcitcn, da die Zuschüsse dünner flösse««; und Zur Szene wird da; Tritmial... Aus der Galerie des Jchwurgerichtssaalcs.- Todesurteil, Butterbrot, Opernglas und Photoapparat. Drunten«in Gerichtssaal wird nm Hals und Kragen eines Müschen gekämpft und hunderic gieriger Auge«« folgen vom Zuhörerrann« und von der(Yalerie ans dem Kampf zwischen Anklage und Perlei-ignng, Betritt nian di« Galerie, so würde man unfehlbar den Eindruck empfange««, in den („oberen Rang" eines Tl-caters geraten zy sein, ......-—-- A», „Parfüm-Napoleons“ Glück und Ende Francois Eoty, Frankreichs„kleiner Korse."— Das Ende«Ines Preffe-Konzerus.— „Auch ich bin in Ajacrio geboren!"— Ein Teutfchenfrrsscr verduftet.— Verfolgungswahn eines Milliardärs.' (Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) AuS Paris wird gemeldet: Francois| 13.5 Hcllcr!!) festsetzle, wahrend alle anderen Coty, der Eigentümer des„Figaro", wurde l französische,« Blatter 25 Centimes kosten. Es ist in der Griieralvcrsaininliiiig des Verlagbuchstäblich aus seinem eigenen Unternehme» htnausgedräiigt. Damit ist, nachdem schon vor«ine»« Jahr Cotys„Ami du Peuple" in starke Schwierigkeiten geraten war, der kunstvolle Ban des deutschfeindlichen Hctzblattkvnzerns zusammeiigcbroche». Herr Spoturno entwirft eine Flasche. Richt nur die Wiege Napoleon-, auch die des Herrn Francois Ios»phe Spoturno stand in Ajaccio aus Korsika. Als Sohn kleiner Leute er- blickte er vor rund sechzig Jahren da- Licht einer Welt, die sein napoleonischer Ehrgeiz später beherrschen wollte. Als junger Manu zog der Coiffeur Spoturno ii« Paris ein. Er war sich vom Anfang an klar darüber, daß der Weg zunr Ausstieg«nit guten Beziehungen gepflastert ist. Da- erste Mittel zum Zweck war für ihn die Frau eines reichen GlaSfabrikanIcn. Spoturno- Liebe zu ihr regte ihi« künstlerisch an: er enttvarf ein Parfüm- Flakon, da- den Fabrikanten begeistert« und dem jilngen Coiffeur zu einem kleinen Anfangskapital verhalf. Spoturno gründete damit eine Parfümerie. Der Krieg wurde für ihn zum großen Geschäft. Die Parfümfabrik stellte sich auf Krieg», bedarf um; und als sie endlich wieder friedlichen Zwecken dienen durste, hotte Herr Spoturno die ersten hundert Millionen verdient. Sin Pressekonzern entsteht. Gleichzeitig mit den kleiubüraertickcn Pe* hältnissen streifte Spoturno seinen Namen ab, der ihm für den neuer« Glanz nicht mehr schö«« genug erschien. Er nannte sich fortan Francois Coch. Und die leicht verdienten KrieaSinillionen ermöglichten cS fei,«em propagandistische«« Genie, dci« Namen Coty über die ganze Welt hin bekannt zu machen. Aber ein Mensch mit CotyS Geltungsbedürfnis gibt sich nicht mit einer gutgehenden Parfümfabrik zufrieden. Er strebte»ach Höheren«. Er wollte in der großen Politik eine Rolle spiclrn, er wollte Frankreichs zweiter„großer Korse" werden. Bor seinem GcistrSauge stand die steile Linie künftigen Aufstieg-: zum Senator, Minister, Präsidenten. Zu solchen Plänen braucht «nai« Macht— die Macht der Presse. Coty ging daran, einen Zeitungskonzern auszubaucn, wie ihn Frankreich noch nicht gesehen hatte. Fünf Jahre kämpfte Coty darum, die große Pariser Tageszeitung„Figaro" in seine Hand zu oekommen. Endlich gelang es ihm 1921, die Aktienmajorität des Verlag- zu erwerbet«. Und an« Kopf des Blattes erschien die ..Dlrcctcur politiqiic Francois Coty“. (Sin„Volkssrennv"... Der„Figaro" allein genügte Herrn Coty bald nicht«««ehr. 1928 kaufte er die Zeitung„Le GauloiS" auf und vcrschinolz ihi« mit dem „Figaro". Einige Monate später gründete Coty eine neue Zeitung, deren Entstehungsgeschichte charakteristisch ist für die Skrupellosigkeit ihres Eigentümers. Scho» der Titel de- Blattes ist eine wohl berechnete Unverschämtheit:„Ami du Peuple" —„BolkSsrennd". So hieß nämlich jene berühmte Zeitung, die Marat in der französischen Revo lution herauSgab, und deren Nanie für jeden Franzose» der Inbegriff seiner geistigen Ideale „Liberts, egalitS, fratcrnitö" war. Nun versprach ein Parfümmilliardär im Jahre 1928, was Marat seinen Landsleuten als Menschheit-ideal hingestellt batte. Ter„Bolksfrennd" sollte Herrn Coty Ge- leoenheit geben, seine politischen Ideen in die Masse zu tragen. Tas erreichte er auch tatsächlich dadurch, daß er den Preis auf 10 Centimes Im Rate der Richter. Eine Szene von Lurlser, Ort der Handlung: Ein Beraiuugüzi»«mcr des Reichsgerichts in Leipzig. Zeit: Die allerletzt«. Personen: Di« Mitglieder eine- ReichtgcrichiS- Senats. Der Präsident: Ich muß Ihnen offen gestehen, baß mir dieser ganze ekelhafte Prozeß schon aus die Nerven geht. Man kann machen,«vas man will— alles gehl schief! Reichsgerichtsrat Tichwerdichschon: Uns wärs auch schon genug. Aber wir bienen hier den höchste«« Interesse«« unsere« endlich erwachten Volke-... Der Präsident: Jawohl, bo- wirb uns bi« Kraft geben, olle- zu überwinden Ta ist dieser ebenso lächerliche>o!e anmaßende ausländische Untersuchungsausschuß... R G R D ü st e r l i u g: Ten« man oben leider viel zu viel Ausmerlsamkeil schenk« l Ter Präsident: Sehr richtig! Was tu« dieser samosr Ausschuß? Er will der Wcl« nnd uns die sogenannte Unschuld der vier Angeklagten beweisen. Er beweist damit aber nur eine blamable Unkenntnis des wahren Zweck- unsere» Reichs. ß-kichlS. RGR von Zwicken: Als ob für uns vom Reichsgericht Fragen wle Schuld oder Unschuld der Angelegten überhaupt Fragen wären! Ter Präsident: Herr Kollege von Zwicken, Sie haben den Nagel aus den Kops getroffen l Aber werden wir nicht täglich von säst der ganzen Aus- londspresjc in böswilliger, häniischer, gehässiger Weise kritisiert, scheußlich bewitzelt, schrecklich herun- tcroeri'ssen?! RAR Reinreißer: Dies« jüdisch« Schmutz- presse kann uns sonst ettoa»! Ter Präsident; Lieber Herr Kollege Rcinrelßer, Sie haben in an-gez«!chneier, ick möckee sagen, in epigranimatischer Weis««inscrcni Empfin den Ausdruck gegeben. Aber nnscre maßgebendeii Stellen beachten das Geschreibsel viel zn sehr! RGR Kneisjer: Wal gehl uns da- Geschmiere an?! Wir sind doch da» Rclcksgeiichil Der Präsident: Mir ganz aus der Seele gesprochen, Herr Kollege Kiieiffer! Iederiuaiin in der Weit müßte cs eigentlich schon wissen: Wir urteilen hier in voller Unabhängigkeit nach dem neuen deut schen Recht. R G R H c i n> ch e n: Aber, meine Herren, ick« verstehe das alle- nicht! Selbst einem Blinken muß es schon sonnenklar sein, baß die vier Angctlaglen unschuldig sind«nid mit der ganzen Sache nichts zn tun batten... Ter Präsident: Herr Kollege Heimchen. ich bab« mir schon erlaubt, zu betonen, daß für das Reichsgericht so veraltete Fragen wie die Schuld oder die Unschuld der Angeklagten kein Interesse haben. Probleme dieser Art haben unter b-un alten Stiften« sicher ihre Bcdcnliing gehabt Aber die Ent wicklung des Reichsgerichts hat—«vtr dsirken cs mit Stolz feststellen— mit der des neuen Tcuisch- land Schritt gehalten. Im neuen Deutschland hat auch das Reichsgericht neue Ausgaben zn erfüllen. RGR Heimchen: Aber meine Herren, nach dem bisherigen Verlauf des Prozesses wüßte«na» die vier Anacklagten schon bent« obne weiteres frei- spreihen! Machen wir ihren sickcr furchtbaren Qualen rasch ein End«! Tal ist bock ein« Forderung des elnfachen Rechts und der Gerechtigkeit! RGR Kneifser; Herr Kolleg« Heimckien. Sie operieren noch mit den verstaubten Regmliten von Recht und Gerechtigkeit Ich kehe, Sie sind noch viel zu viel von den allen Ntchllantchanungen erfüllt! Mach«» Sie sich doch endlich von ihnen und einer wirklich auch nicht mehr zeitgemäßen Seniimenialiiä! frei! Wie sagt unser großer Führer Frank? Recht ist, was unserem Volke nützt, Unrecht, was ihm schadet. Das neue Dentschkaub verlangt sorsckx Männer. RGR Düsterling leise zu seinem Rack wenn«richt das nüchterne Tagessich: wäre, bar», RGR Dichwerdichschon: Sagen Sie, ist dieser Abend aber, wen» die Luster aufflannnc», ist di» Heiincken wirklich ganz arisch? RGR Dich-1Täuschung pollkomnicu. Auf den amphithealrg, werdichschon nickt bejahend: Man muß mit li'chen Sitzreihen drängen sich Kops an Kopf die Zul'ck-aucr. Hinter ihnen auf dem„Stehplatz" em« dreifache Mauer unermüdllcher Bcsuck)er. Ein dankbares Publikum, das«s fertig bringt, auch zehn Stunden bis zum interessanten Ende anszulnirren, Dos weibliche Geschlecht überwiegt, vorwiegend vertreten durch„Angehörige der besseren Stände", Eine spannende Verhandlung! Es empfiehlt sich dringend, zur Erhöhung d«S Genusses B o IP bons zu kauen, Orangen zu schälen und sich aus den mitgebrachten Freßpäckchen zu stärken. Aber nur nicht allzu ausfällig, denn die Aufseher haben kein Verständnis für solche Genießer Kinderarbeit im Manko» Bern. Jin Altzeiger d-s Amte« Aarberg vom 30. September 1933 lesen wir eme Publikation der Zuckerfabrik Aarberg, die nicht ohne Ertvjderuiig bleiben dars. In lahrelangen Kämpsen ist die soziale Gesetz- acbung zur Ausschaltung her Kinderarbeit in Fabriken gelaugt. Lese» wir was die Zuckerfabrik macht:„Zur Erulc vou Zuckerrübe«« sin- ven bei uus wieder eine gewisse Anzahl Knabe» nnd Mädchen Beschäftigung. Nur Kinder, die daS driltc Schuljahr zurückgelegt habe», wolle» sich unter Einwilligung ihrer Eltern bis Mittwoch, den 4 Oktober beim Fabrikporlicr melden. Zucker- sabrik nnd Raffinerie Aarberg A.-G." DaS schnellst- Torpedoboot der Welt. Das französische Torpedoboot„Cassard" ist ans dem Oriente»ach Toulon zurückgckehrt. Es hat aus feiner Fahrt eine Schnelligkeit von 42 Knoten in der Stunde erreicht. In Marinckreisen werden Verminungen geäußert, daß er damit den Weltrekord für Torpedoboote geschlagen hat. Seite 8 Mittwoch, 11. Oktober 1938 Xt. 238 Volkswirtschaft und Sozialpolitik Eingesendet PRÄGER ZEITBMO. Ueber die gegenwSrtigen Verhaltniffe im Csi. Berficherungswesen. Ter Zentralvcrband der Bersicherungsangeslell- >en in der Tschechoslowakischen Republik als größte tschechoslowakische Organisation der VersichernngS- angestellten hält es für seine Pflicht, der gesamten tschechoslowakischen Oefseittlichkeit und den zuständigen Kreisen und Faktoren folgendes inilzuteilen: Gelegentlich der Tnrchbehandlung des Regie- rungsenlwurfes über den Perfichernngsvertrag, 8 21, Abs.-l, kam es zu einem offenen Konflikte Mischen zivei Gruppen von Persicherungsgesell- schäften, obzwar beide Lager Mitglieder des Svaz vfl. pojigtoven find, der unserer Ansicht nach berufen ist, dafür zu sorgen, daß alle Persiche- rungSsragen einheitlich geregelt werden und es nicht zu Konflikten kommt, die den Persicherungsgedanken nur schädigen können. Mit Rücksicht darauf, daß es sich um reine Konkurrenzinteressen dieser beiden Gruppen handelt, haben wir uns, um absolute Objektivität zu wahren, weder auf die Leite der einen, noch der anderen Gruppe gestellt. Zu der vom kollegialen ZdruLenl penekntho üdednietva für die Schaffung eines gesetzlichen Zwangsrevisionsverbandes der privaten Persiche- rungsgesellschaflen eingeleitelen Aktion, die darauf abzielt, in das tschechoslowakische Berficherungswesen Ordnung zu bringen, bemerken wir, daß wir die Schaffung eines neue» Revijionsverbandes für unnötig hallen, da eine solche Behörde aus Grund der geltenden gesetzlichen Vorschriften schon besteht, deren Pflicht es ist, über der gesamten Geschäfts- führnng der Versicherungsgesellschaften zu wachen. Denn die Ueberivachungstätigkeit des Anfsichtsrates im Ministerium des Innern vielleicht nicht so war, wie sie fein könnte, müssen die Ursachen dieser Erscheinung gesucht werden. In Kenntnis des Personalmangels des AufsichlSamteS sind wir überzeugt, daß durch eine entsprechende technische Ausrüstung desselben und durch Aufnahme einer genügenden Anzahl qualifizierter Beamten, die die Aufsicht und Reviiio» der großen Anzahl von Verncherungsgesell- schäften regelmäßig und systematisch durchführen würden, der angeführte Mangel behoben weiben könnte. Es ist unserer Ansicht nach nicht nölig, wenn, wie behauptet wird, die Gesetze nicht eingehallen werden, diese durch ein neues Gesetz zu ersetzen, sondern es kommt nur darauf an, daß die bestehenden Gesetze eingehalten werden. Es ist sicherlich interessant, daß der Svaz äsl. pojiStoven sich in seiner dieser Tage in Tatranskä Lomniee stattgefundenen zweitäligen Sitzung, aus der eine ganze Reihe das Versicherungswesen betreffender Fragen behandelt wurden, mit der Frage der Einführung eines gesetzlichen Zwangsrevisionsverbandes überhaupt nicht befaßte, obzwar diese Institution in erster Reihe dazu berufen ist, alle wichtigen, die Gesamtheit der in der Tschechostowakei arbeitenden Versicherungsgesellschaften betreffenden Fragen zu lösen. Augenscheinlich mißt die Leitung des Svaz dieser Aktion gar keine Wichtigkeit bei, da sie sich sonst mit ihr hätte unbe- dingt befassen müssen. Wir sind bedingungslos für die Einführung von Ordnung und Ruhe in den Versicherungsgesellschaften und sind nicht nur bereit sondern erachten es für unsere Pflicht, für dieses Ziel zu arbeiten. Allerdings handelt es sich in diesem Falle nicht um den guten Willen, sondern um die Schaffung einer Möglichkeit überhaupt, diese Bestrebungen durchzuführen. Als beste und fast tägliche Revision der Aeschästssührung in den einzelnen Versicherungsgesellschaften sehen wir die gesetzliche Einführung der Betriebsansschüsse in den Versicherungsgesellschaften an, wo die demokratisch gewählten Vertreter der Angestellten ein Mitentscheidungsrecht hätten. Tie Betriebsansschüsse böten eine Gewähr fiir eine richtige Geschäftsführung nicht nur den Angestellten, sondern auch den Behörden und der gesamten tschechoslowakischen Oeffentlichkeit gegenüber. Wir sprechen unsere Ueberzeugung aus, daß die Betriebsausschüsse im Verein mit dem Aufsichtsamte im Ministerium des Innern die Ordnung und Ruhe am besten gewährleisten würden. Mit Rücksicht ans die in einigen Zeitungen erschienenen unrichtigen Informationen über die Kündigung der Kollektivverträge der Angestellten und Geriditssaal Gin phantastischer Hochstapeieiprozeß, bei dem eine Fra» die Hauptrolle der Angeklagten spielt, beginnt heute vor dem Senat S v a m- bera in deni für große Senatsprozesse bestimmten besonderen Berhandlungssaal. Angeklagt ist die 89- jährige Marie B i n a, von Beruf Bedienerin, die ursprünglich als schlichte„Großgrundbe- sitzerstochter', später gar al.<„A»gehörig« de» f ü r st l i ch e n Hauses Liechtenstein" eine Re!he venvcgener und ersolgreicher Betrügereien verübt und an die 400.000 Ke erbeutet hat. Ter Prozeß dürste zahlreickie erheiternde Episoden bringen und wird mit großem Interesse erwartet. rii. Kunst und Wissen Hatteiner—Monostatos, Hotter—Sprecher, Libal, Hey—Priester(3) 2.) Aida", Sonntag, halb 8'Uhr abends. Mit dieser Vorstellung beginnt A n t o n i n o V o i I o seine Prager Tätigkeit. Ren als Aida—Rose Pauly, als. Amonasro—Theodor Scheid!, als Rimphiü—Edward Bender.(TI.) Wvchensp elpkan des Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch,>-,8 Uhr:„H osfmanns Erzählung e n"(B 2)— Tonnerslag.'i Uhr:„Ri an- te(, Hut u nd Ha udschuhe" e r s ch a s t gegenüber. Mil großer I Begeisterung verfolgten die zahlreickien Zuschauer l bic einzelnen Kämpfe Hm Dreier-Radball | standen sich Sodau, Mühlberg und Altsattl gegenüber. Ergebnisse: Sodau gegen Alt/attl 8:1, So- dau gegen Mühlberg 6:0 und Alisattl gegen Mühlberg 2:2. Sodau 4 Punkte, Altsattl und Mühlberg je einen Punkt. Äm Zweier-Radball traten di« Vereine Altrohlau, Bernau und Alt/attl an. ES spielten: Allrohlau gegen Bernau 7:1. Altrohlau gegen Altsattl 5:0, Bernau gegen Altsattl 7:1. Altrohlau 4 Punkt«, Bernau 2 Punkte. Sodau. angehender KreiSmeister im Treier-Rad- Elnheltslront der Jugend gegen den rascismus Die tschechisckxn und deutsche» sozialistischen Zngendnrganisationen und die Attgendgruppen der freien Wetverkschafien haben sich kürzlich in Prag zu einer Kamplgcmclnsdialt zusantmengeschlossen. Wir betrachten diese Bereinigung al» einen Markstein in»er Entwicklung unserer Organisationen.— Unser Kamps gilt vor allem dem FasciSmus.— Wir rnsen die Jugend und alle freunde der Jugend zur Teilnahme an unserer ersten Kundgebung auf, zum Internationalen Jugendtag der Mittwoch, den 1 st. Oktober (20 Uhr) in der Produktenbörse stattfindet. * Parteigenossen, beweiset durch Eure Teilnahme Euer Interesse an einer starken sozialistischen Jugendbewegung; Iugendgenossinnen und-Genossen, werbet für einen Massenbesuch! Sozialistische Jugend, PraU ball, trat zu einem Propagandaspiel mit dem Bundesmeister A l t r o h l a u an. In diesem Spiel standen sich zwei technisch gleichwertige Gegner gegenüber und nach schönen und spannenden Aktionen siegte Altrohlan mit 5:2. Wiener Arbeitersußball. Die sonntägigen Ligaspiele brachten folgende Ergebnisse: Gaswerk gegen Red-Star 8:2 tl:2), EWerk gegen Rudolsshügel 0:0. Neukettenhof gegen Phönix Schwechat 2:0 (0:0), Zentralverein gegen Helfort 1:1(1:0), Feuerwehr gegen Floridsdorser SC. 8:1(2:1), Nord-Wen gegen Tftlbahn Simmering 2:1(1:0). Internationales Arbeitrrschwimmsest in Wien. Sonntag fand in Wien der Städteschwimmkamps B u d a p e st geaen Wien statt, den die Diener sicher mit 19:18 Punkten gawamien. E'ne lleber- raschunq gab es im Wasserballspiel, das die ungarischen Genossen mit 6:2(2:0) gewannen. Sport. Geld notwendiger als sportlich« Erfolge ist an- scheinend bereit die Devise beim Teplitzer FK., darum hat man für 4 0.0 0 0 Ke den Spieler KrLil cn die Prager Slavia„abgetreten". Nach dem„P- M." soll dies«„Transaktion" ein TFK.-Funktionär durchgesührt haben, ohne daß der Ausschuß befragt wurde. Zudem hat die Slavia nicht den ganzen Betrag erlegt, sondern erst 10.000 Ke und der Rost soll in Raten folgen Literatur Ist Europa noch vor einem neuen Weltkrieg zu retten? Die neueste Nummer der„W a h r h e i l" eröffnet obige hochaktuelle Rundfrage mit Beiträgen des StaotSkanzlerS a. D. Karl Renner und des stellvertretenden tschechoslowakischen Außenministers Kamill Krosto. Ferner bringt sie eine Unterredung mit dem österreichischen Hondelsminister Stockinger über die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Tschechoslowakei, den neuesten sudetendeutschen Heimatschlager von AlfeuS,„Nansenpässe für Alle", von Dr. WechSberg,„GistgaSkrieg", von Jock Nowrey, „H. G. Wels' GeburistogSrede", von K. L. Reiner, „Otakar Bfezinas Pazifismus", von Dr. Robert Saudek,„Eulen in Berlin", von Peter Kost, ufw. Tie Wochenschrift„Wahrheit" ist in allen Trafiken und Zeitungsständen zu haben oder direkt bei der Administration: Prag 1., Revolukni 8, zu beziehen. Telephon 60174 und 65601. .Herabsetzung ihrer Bezüge konstatieren wir, daß der Svaz öil. pojigkoven schon im Frühjahr dieses Jahres den Kollektivvertrag von sechs gegenseitigen und vier AklienversicherungSgesellschasien gekündigt hat. Weiter kündigte den Kollektivvertrag die Ber- sicherungS-A.-G.„Union",„Merkur" und in der letzten Zeit die ausländischen Gesellschaften„Anker" und„Donau", sowie der„Prager Phönix", dessen Hauplaktionär die„Prager Städtische,, ist. Wahrheitsgemäß fei festgestellt, daß keine Versicheriings- gesellschast, obzwar in einer Reihe von ihnen der vertragslose Zustand bestehl, die Bezüge ihrer Angestellten gekürzt hat. Tie einzige Ausnahme bilden die ausländische italienische Versicherungsgesellschaft „R i u n i one Adri a tiea di Sieu rt a" und die Konzerngesellschaft„Continental e", die in rücksichtsloser Weise die Herabsetzung der Ange st eilte n bezöge ab 1. Oktober d. I. diktierten, ans welchem Grunde wir genötigt sind, gegen diese Versichern ugs- gesellschasten einen Abwehrkamps zu führen. Zentralverband der Versicherungsangeftellten in der Tschechoslowakischen Republik, Todesstrafe— ein vergnügen. Ein Professor der Freiburger Universität namenö Hoche hat einen Vortrag auf der Badener Neurologen-Versammluug gehalten und veröffentlicht ihn in Heft 10 der„Monatsschrift für Kriminalpsychologie und Strasrechtssorm", die kein geringerer als Franz von Liszt begründete. Er bejaht darin die Todesstrafe. Diese Bejahung an und für sich ist ja nichts Seltenes bei den Spitzen der deutschen Wissenschaft. Aber die Begründung, die dieser fand, ist ein Zeitdokmuent! Herr Professor Hoche hat nämlich herausgesunden, daß es eine Todesstrafe gar nicht gibt.„Die Todesstrafe ist keine Strafe," lautet der Titel seines gedruckten Vortrages. Diese These verspricht er,„unbeschwert von Theorien und ohne Anwendung der juristischen Kunstsprache" zu erörtern. Er ist jedoch auch noch von anderen Dingen unbeschwert. Zunächst stellt er fest, die Opposition gegen die Todesstrafe benihe auf der„allgemeinen Vor aussetzung, daß es besser sei zu leben als tot, zu sein". Das hält der Freiburger Professor schon durchaus nicht für richtig. Tie Zahl von 17.000 Selbstmördern jährlich sowie die häufige Todessehnsucht beweisen ihm das Gegenteil. Schon deshalb ist seiner Ansicht nach die Todesstrafe gar keine Strafe, Bestrasyng muß außerdem aber auch in einem Leiden bestehen, doziert er. Totsein aber ist kein Leiden; also ist die Tötung auch keine Strafe. Der Akt der Hinrichtung selbst aber? Nun: „Nicht einmal der Akt der Hinrichtung selbst bedeutet ein Leiden. Zahnarzt ist— in diesem Zusammenhänge— schlimmer als Guillotine." zuweisen, daß er absckließen kann:„Nun bleibt nur noch der Einwand: Aber die Todesangst ist doch ein Leiden." Aber auch hieraus hat er die schlüssige Erwiderung:„Ganz gewiß ist sie das. Aber die Menschen werden nicht zur Todesangst, sondern zum Tode verurteilt. Angst hoben, ist ihre eigene Cache, die der Staat gar nicht von ihnen verlangt! Er selbst würde zweifellos vor dem Verbüßen von zehn Jahren Zuchthaus viel mehr Angst empfinden als vor dem bißchen Sterben." Woher aber dann überhaupt irgendwelche Gegnerschaft gegen die Todesstrafe? Dem Mann der Wissenschaft ist der Grund sonnenklar:„Die Argumente, mit denen radikale Gruppen die Todesstrafe bekämpfen, wollen nicht viel be- deuten; ihre Motive sind durchsichtig; sie haben ein Interesse daran, daß sie bei dem als Einleitung von Umsturzbewegungen üblichen Oeffnen der Zuchthäuser bewährte Verbrecher dort am Leben vorfinden." Wir denken an Potempa und geben Herrn -l Professor in gewissem Sinne recht.. fettes Io tbtt: Siegfried lut.— Sbetrelelteut: Silbelm M t e fj n e i.— Betaniwotilich-t Rtdokltur- Dr Emil 6 11t u k, Vra, Bto«,— Xli urtfltmat(cntrantotut mutte Bon bet Poft. u. releataphrnditrllioo mit Stlok 9h. 13.900;V[I 1936 bemtfl'ji.-. Buugld-dmguo^ Dieser Feststellung gegenüber werden alle Argumente fruchtlos bleiben, und man kann sich nur sehr darüber wundern, daß Professor Hoche sich noch nicht den schlimmeren Leiden des Zahn arztes durch das geringere der Guillotine ent zogen hat. Die Schmerzlosigkeit des Hinrichlungsvor gangs vermag Hoche dann auch so eindeutig nach «J«g-- Süt Ben»ruck BetontmorlliA: Ott. H-li'r, 'S tB* o« u»_»»et bet durch dl« Puk monaiUch irr m._, vtenoUähMch M S—l .tu eriolat aut bat s,...' __„j.— Druck:„Rota- ....._ Id»ingungth: kitt Zufttlluug HUjRtig Ik« 96.-, gauijotitg U 193.—,— gnstrou wtrdtu laut Zatif bUltgft ixttchu«. 6«i öltet» antlchalluug«- Pre,»-chiu|.-«ückftelluug VON«aüültVtpitü'.rtöigt"»«' b«i"ämjkU^ tu Kiuülauttuk