13. Jahrgang. Dienstag. 17. Oktober m3 Rr 243. ßrfcf»?int mit Ausnahme des Montag lüg Ich früh. 9t Jattlon«. Btrfcolluno Drag n,9tcM|anfa 1&* Zeltot).> 26795 5,469 JtatQHtftotL-ad 21 Ikt) 1 33&M* DoMOttfoml s 37544 Mozelprels 70 Heller. cElnschlleßllch 6 Hiller Porto) Wik«. 16. Oktober.(Eigenbericht.) Der Sonntag und Montag war am Wiener Parteitag durchaus von der Debatte über die politisch« Lage und dir notwendigen Vorbereinmgen zn een vormiSfichtlich bevorstehenden Kämpfen cinge- nommen. Am letzten Tag des Parteitage» faßte Otto Bauer nach Schluß der Debatte die politische Situation in einem Schlußwort zusammen. Er erklärte: Ich habe in meinem Referat darüber gesprochen und dargelcgr, daß es urrzweilelhaf« auch Kräfte im gegnerische» Lager gibt, die nach einer friedlichen Ennvicklu>ug drängen, sich habe fcstgestell:, wie start dies« gegnerischen Kräfte sind und wie gering doch d.« Wahrscheintichteit ist, daß sich die friedlichen Kräfte durchsetzen. Tarüvcr werden all« Genossen, di« ernst nachdenken, einer Meinung sein, daß, wenn eine Möglichkeit bestünde, daß Oesterreich zu einer Tenwkrati« und tnnnit zur L^wegungssrciheit der Ärbritrrklasse wieder zurückznkehren vernröchtc aus deni Wege einer Verständigung mit einer Verständigung^ bcrcitcn Gruppe unserer Gegner, dieselbe nicht ausgeschlagen werden dürfte Aber wir müssen damit rechnen, daß cs wahrscheinlicher ist, daß bisse Möglichkeit uns»ich: gegeben wird. Wir olle rechnen mit der Notwendigkeit de» Kample» und wir wissen, daß. wenn fine Möglichkeit einer friedlichen Entwirrung nicht mehr be- stehen sollte, sie nur wieder herbeigcsllhrt werden kann durch dir Entschlossenheit der Arbeiter zum Kamps«. Deswegen steht natürlich sür uns aus diesem Parteitag das Problem des Kampfes im Vordergrund. Genosse Otto Bauer kam tatfh aus die Frage der bekannten vi« rPunkte zu spreclwn, tmd erklärte, man dürfe sich keinen Illusionen hingeben: cs könne sehr leicht einer dieser Fälle eintretn. Herr Tollsuß stehl unter einem inmrer stör- I tereu Druck der Heimwehr und er wird bald keine ander« Dahl mehr haben, als enlweder dies«| Dinge zu tun oder mit der.Heimwehr Schluß zu machen. Aber auch ans ander« Ereiguiss« wird dir österreichisch« Arbeitrrschast gefaßt fein müsien. Die Möglichkeit, daß ausländische Mächte Oesterreich beleben könnten, ist vielleicht nicht so ser«. als manche von uns meinen. Es gibt Anlaß zu glauben, daß bei gewissen Verhandlungen mit Mussolini in Riccivnc dies« Möglichkeit nicht ausgeschlossen wurde. ,)er Nationalsozialisten l-abhaft, bildete sogenannte Rcinignn«g s- kolonnen und zlvaiig sic znr Entfernung und zum Ablvaschen der Hakenkreuze und der anderen nationalsozialistischen Zeichen. Vie innsbi lidter wollen nidit nadistchcn... Innsbruck, 16. Oktober.(AN.) Gegen I I Uhr vormittags wurde aus der hiesigen Universität ein« Ranchbüchse angezündrt, di« das ganz« Erdgeschoß und das S-tiegenhaus verqualmte. Dir sofort verständigte Kriminalpolizei verfolgt eine bestimmt« Spur. Ein« zwcite Buchse, die nicht znr Entzündung gelangte, wurde im ebenerdigen .Hauptgang der Universität gesunden. Ter Rektor fhat wieder Legitimationszwang eingsführt. Pen Partei einstimmig angenommen. Die Resolutton lautet: „Die Partei hat sechs Monat« lang rin« Taktik der Zurückhaltung und d«r größten S«lbstbeh«rrschung geübt, um allr» zu vermeiden, was dem deutschen NationalsasciSmuS di« willkommene Gelegenheit zu einem Angriff auf Oesterreich gegeben hatte. Die Regierung hat aber diese zurückhaltend«, zuwartend« Haltung der Partei mit immer weiterer Verschärfung ihre» Kampfes gegen die Freiheitsrecht« des Volkes und gegen die sozialen Rechte der Arbeiter und Angestellten beantwortet. Di« Partei war immer und bleibt auch fetzt zu friedlicher und ver. sassnngSmäßiger-Lösung der K r i 1« bereit. Di« Regierung hat aber jede Erklärung dieser Bereitschaft mit einer Verschärfung ihre» Kampfes gegen di« Arbei- terklasse und gegen die Sozialdemokratie beantwortet. Angesichts dieser Tatsache muß dir Partei mtt größerer Aktivität als bisher den Kamps gegen di« bürgerliche Diktatnr führen und jede Möglichkeit ausnützen, zur Offensiv« überzugehen. Der Parteitag ruft di« Arbeitermassen auf, stärkst« Agilität zu entfalten im Kamps« sür solgend« Forderungen: 1, Wiedereinberufung der Volksvertretung; 2. ArbeitSbefchoffungsprogramm nach dem Vorschlag der sozialdemokra« tischen Partei für 200.000 Arbeits lose, Schutz für die Löhne und Ge- HSlter, Hebung der Kaufkraft des Volkes; 0. Wiederherstellung der vollen Koalitionsfreiheit, Aufhebung alle» Maftnahmen, durch die das Arbeitsund Dienstrecht und die sozialen Schutzgesetze verschlechtert worden find; 4. Aufhebung der seit dem 8. März verfügten Mahnahmen, durch die die Arbeitslosensürforge verschlechtert worden ist; ki. Wiederherstellung der Ver- sammlungs- und Prehsreiheit für alle demokratischen Parteien; 0. Auflösung und l^ntwasfuung der fafeistischen Heimwchrformationen. Di« Aktionen im Kamps« um diese Forderungen müssen di« Arbeiterschaft bereit machen und bereit erhalten zu den Entscheid ungSkämpsrn, di« unvermeidlich werden können. Angesichts der Forderungen der Heimwehrsaaletstrn nach oem TotalitotSstaat, noch der Auslösung der Partei, nach der Gleichschaltung der Gewerkschaften, nach der Besetzung de» Wiener roten Rathauses, nach der Einsetzung eines RegierungSkom- missärS sür da» rote Wien, hat der Parteivorstand und die Bundesvorstände der Freien Gewerkschaften am 17. September beschlossen, in jedem dieser Fäll« die Arbeiterklasse zum Generalstreik aufzufordrrn. Der Parteitag b e st L t i g t und bekräftigt diesen Beschluß»nd fordert die Organisationen ans, die gesamt« Arbeiterklasse und über sie hinaus alle freiheitsliebenden Republikaner mit diesem Beschluß vertraut zu machen." * Nach dem Abschluß der politischen Tebattc referiert« am Nachmittag Gen. Julius D e'u t sch über die Aendrrungen einiger wichtiger Besttm- mungen in den Parteistatuten. Di« wichtige Aen- dcrnng ist di«. Errichtung eines ParteirateS, der aus 60 Mitgliedern bestehl; kein Mitglied des ParteirateS kann Angestellter oder Mandatar der Partei sein. Diese Parteiinstttutton soll dazu beitragen, die unmittelbaren Beziehungen zwischen der Parteiführung und der Arbeiterschaft noch enger zu gestalten, als bisher. Aum die ivichtige Aenderung des Parleipro- grauunes, die Otto Bauer vorgeschlagen hatte, pskssmentsbeginn Unter ganz außerordentlichen Verhältnissen tritt dicstnal die Nationalversammlung zu ihrer Herbstscjsion zusammen. Tas Ringen zwischen Demokratie und FasciSmus hat sich, international wie inncrpoiitijch, geradezu dramatisch zugespitzt und so wird das Parlament gleich bei seinen« Wicderzusamnieittritte vor wichtige politische Eittsckxiduugcn gestellt. Die bchördlickicit Maßnahmen, die in d«>« letzten Tagen gegen staatsfeindliche, anti- dcmokraiischc Parteien getroffen wurden, Haber« provisorischen Charakter: znr Auflösung einer politischen Partei und zur Vollziehung aller sich daraus ergebenden Konsegucnze«« fehlt die Rechtsgrundlage. Darum konnte einstweilen nnr die Tätigkeit der Hakenkreuz-. ler eingestellt werden, aber eine ganze Reihe wichtiger Fragen, inÄbesonderc die Frage der ösfcntlikhen Mandate blieb ungelöst. Wird einen« fonnelleir Erfordernisse der Demokratie Rechnung getragen, indem die Lösung dieser Probleme aus parlamentarischem Wege, durch Olcsetz geschieh!, si« ist es nicht minder not- lvcndig, daß auch der Inhalt der Lösung den Bcdürsnissri« der Demokratie genügt: das; auf der ei««en Seile gegeil die Feinde der Demokratie mit aller Energie vorgegailgcn wird, daß die Demokratie wirksam geschützt wird, damit den Faseisten keine Möglichkeil geboten wird, Einrichtlingen der Deniokratic zn ihren anttdemokrattschcn Zwecken zu mißbrauchen, daß alrer auch die Demokratie geschützt wird, damit nicht Maßnahmen, die zur Per leidigung der Demokratie dieilcn sollen, zum Schaden der Demokratie ansschlageli. Aber das Parlament stehl vor gleich vcr- aittwortungsvollen Aufgaben auch auf w i risch a f t l i ch e in Gebiete. Es hat vor allem über den Haushalt des Staates für das Jahr 1931 zu entscheiden. Mar der Budgeiausglkicki schon im Vorjahre ein überaus sckgvieriges Problem, da» erst nach mülwvotlrr Arbeit einer Lösung zngesnhri N'erdcn konnte, so iit diese Anfgabe l-encr noch nn»wrgleich!lch schlverer. Di« Staatseinnahmen sind iwcittr und sehr stark zurückgegangrn, die Ouellen für neue Einnahmen sind nahezu gänzlich vcrsiegt. llntcr diesen sdinsländen wird inil einer Herabsetzung des Budgets ans etwa siebeneinhalb Milliarden gerechnet, was naturgemäß die Nvluvndigkeit einer ganzen Reihe von neuen Abstrichen und Drosselungen nach sich zieht. Vom sozialistischen Siandpnnktc ergeben sich daraus eine Reihe von Forderungen: Die Arbeitslosen haben durch die Neuregelung des Genter Svstems ein Opfer aus sich nchnikn müssen, dessen ganze Schwere von den bürgerlichen Kreisen gar nicht vcrstailden wird. Es ist unbedingt notwendig, daß die sozialpolitischkn Maßnahmen des Staates in dem ohnehin eingeschrällkten lsmsangc dlirch entsprechend« Dotierung gesickwrt N'erdcn, es ist aber auch noiwendig, daß der längst in der Koalition vcrcinbart« Beitrag der sinter- nehmer für dir Krisenopfer endlich realisiert wird. Wenn die finanzielle Not des Staates weitere Personalfparmaszilahmen nnvcrmeid- lich macht, so muß darauf geachtet werden, daß die Opfer nicht gerade a»«f die schwächsten Schultern gewälzt werden. Wieder und wieder muß aber auch betont lverden, daß sich die Finanz- und Wirtschaftspolitik in der Krise und gerade in der Krise nicht ii« negativen Maßnahmen erschöpfen darf. Alle Sparmaßnahmen lvcrdeu vergeblich bleiben, wen«« die Kaufkraft weiter znsammcnschrnnlpft und die Ausgabcnsen- knng durch weitere Einnahmenrückgänge mehr als ausgewogen wird. Die Antarkicbestrebun- gen ii« aller Welt, die dem Export immer schwerere Hindernisse in den Weg stellen, lasse«« die Pflege des inneren Marktes also nm so dringlicher erscheinen. Darum wird cs gewiß mit Genugtuung begrüßt lverden, tven«« die Regierung ihre Entschlossenheit äußert, dem Preisproblem energisch an de>« Leib zu rücken und das Kartellgesetz tatkräftig Seite t Dienstag, 17. Oktober 1938 Nr. 243 Demission des jugoslawischen Kabinetts? Differenzen mit ven» Finanzminister. Belgrad, 16. Oktober. Heute vormittags fand ein Ministerrat statt, nach tvelchein sich Mmister- Präsident Srkiö und Außenminister JevtiL nach Niska Banka begaben, wo sich gcgentvärtig der König aufhält. Wie verlautet, hat der Ministrr- präsideirt beschlossen, dem König die Demission des gesamten Kabinetts zu überreichen. Als Ursache der Regierungskrise werden Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ministerpräsidenten und der Mehrzahl der Minister einerseits und dem Finanzminister Diorscviö andererseits in der Frage der vom Minister- präsidenten angeforderten außerordentlichen Kredite für die Notstandsarbeiten und für die Konsolidierung der Baucrnschuldcn angeführt. anzuwenden. Mit aller Entschiedenheit muß aber dabei festgestellt werden, daß die Preissenkung nicht auf Ko st en der Löhne erfolgen darf, nicht nur, weil unsere Arbeiter eine Schmälerung ihres Einkommens einfach nicht mehr ertragen, sondern weil die Preissenkung auch wirtschaftlich unwirk- s a m bleiben muß, wenn durch die Art ihrer Durchführung die Absatzmöglichkeiten erschlagen werden. Wir haben aber auch unsere sozialpolitischen Forderungen erneut anzumelden. ES ist richtig, daß die Finanzkrise des öffentlichen Haushaltes den Spielraum der sozialpolitischen Möglichkeiten auf das empfindlichste einschnürt. Aber eS gibt sozialpolitische Maßnahmen, die kcineslvegs auf einer Belastung der heute nicht tragfähigen Staatshasse bcru- Ähen. Wir haben vielleicht schon ein dutzcndmal gefragt, wo das vom Fürsorgcministerium feit Jahren fcrtiggestellte ArbeitSver- m i t t l u n g s g e s c h bleibt, und wir werden diese Frage so lange stellen, bis dieser Schritt zur Organisierung des Arbeitsmarktes verwirklicht ist. Die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit ist international durch den Sieg des nationalen„Sozialismus" in Deutschland in eine Sackgasse geraten, aber das energische Vorgehen des bürgerlichen Wirtschaftspolitikers Roosevelt zeigt, daß ihre Lösung auch im innerstaatlichen Rahmen möglich ist. Wir quittieren es mit Genugtuung, daß bei den Arbeiten, die aus dem Erträgnisse der Arbeitsanleihe vergeben werden, die Vierzigstundenwoche angewendet werden soll, aber auf diesem Wege muß fortgefahren werden, da wir nur durch Aufteilung der vorhandenen Arbeitsgelegenheiten und durch Schaffttng neuer Arbeitsgelegenheiten die Arbeitslosigkeit tvirksam bekämpfen können. Mit diesen tvenigen Aitdeutungen, die keineswegs eine vollstäitdige Auszählung unserer Forderungen bedeuten sollen, ist schon gezeigt, daß die Demokratie auch in diesen schweren Zeiten einer positiven Wirksamkeit fähig ist. Diese positive Wirksamkeit ist aber nicht nur möglich, sondern auch notwendig. Denn nur eine schöpferische Demokratie wird dem gleichzeitigen Ansturm der Krise und der antidemokratischen Ströinungen gewachsen sein. HaKcnkrcuz- ucDcrsdiwcminung in Eger .'stoci Verhaftungen. Eger, 16. Oktober. Heute zeitlich früh bemerkten die Polizeistreifen, daß in der ganzen Stadt große-Hakenkreuze und verschiedene Aufschriften in roter, schtvarzcr und silberner Farbe aufgenialt waren. Am häufigsten waren die st a a t l i ch e n Häuser, und zwar jene auf der Burg, wo sich sieben Eisenbahner-Häuser befinden, beschmiert. Die Hakenkreuze hatten eine Höhe von einem Meter und eine Breite von 10 Zentimeter. Hinter diesen.Häusern war auf der Mauer aufgemalt„Heil Hitler", dann ein.Hakenkreuz und wieder„Sieg Hei l". Am Zaun des Klosters der Hl. Kreuz-Schwestern befand sich die Aufschrift:„Verboten Heil, aber nicht Hitler tot!" Hakenkreuze befanden sich auch an der Mauer des GefängnisgebäudeS, der Kasernen, der staatlichen P o st g e b ä» d e^ auf den G e h- st e i g e n, bei den Offiziers-Häusern und der Stadnvaage, an einer Trafik, am staatlichen Gebäude in der Bahnhofstraße nsw. Die Aufschriften wurden sogleich beseitigt. Unter dem dringenden Verdachte, diese Taten beqanaen zu haben, wurden zwei Egerer Chauffeure, ehemalige Angehörige der ausgelösten deutschen nationalsozialistischen Partei, verhaftet. ßanKdirckfor Kiesewetter verhaltet Die Prager Polizeikorrespondenz meldet: Im Zusammenhang mit der Strafsache JUDr. Alfred Fuchs und Genossen wegen Verbrechens nach Paragraph 2 des Gesetzes zum Schutze der Republik wurde auf Anordnung des Kreisstrafgerichtes in Prag Bankdirektor Anton Kiesewetter verhaftet. Der Genannte wurde nach einem Verhör bei der Polizeidirektion in die-Haft des Kreis- strafgerichtcS in Prag eingeliefert. Bei der Haussuchung, die sotvohl in seinem Bureau als auch in seiner Wohnung vorgenommen wurde, wurde umfangreiches Schriftenmaterial beschlagnahmt, da- nun geprüft wird. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Die„Morienbader Zeitung“ eingestellt Marienbad, 16. Oktober. Heute vormittags wurde durch Entscheid de» LandeSamteS in Prag die täglich erscheinende„Marienbader Zeitung" aus drei Monate eingestellt. Anmerkung der Redaktion: Die„Marienbader Zeitung" war gleichgeschaltet und betrieb in ähnlicher Weise wie die„Rumburger Zeitung" die Mordhetze gegen die Emigranten.) eine Erklärung des AuDenmlnlstcrlnms zur Ciriaci-Afsäre. Prag, 16. Oktober. Zu den neuen Darlegungen über die Angelegenheit des päpstlichen Nunti>»s M'gr. Ciriaci, die die„Lidovc Lisch" und d.ie„Deutsche Presse" veröffentlichten, wird vom Außenministerium auf Anfragen von verschiedenen Seiten n^itgeteilt, daß das Ministerium, das auf seinem früheren Beschluß loyal verharrt, sich in Uebereinstimmung mit dem ausgesprochenen Wunsche de» Vatikan» einer öffentlichen Diskussion diese» Konflikte» vor dessen endgültigen Erledigung enthält, sich mit den oberwähnten Dorle- gilnge», und zwar weder was deren Inhalt, noch deren Form anbelangt, befassen wird. Blinder Mer schadet nur Dr. Uhlig will die Ehre de» Dritten Reiche» retten. Unter die Verteidiger des HakenkreuzfasciS- mus ist nun auch der Karlsbader Statistiker und Volkswirtschaftler Dr. Karl Uhlig gegangen. Er bemüht sich nämlich— wo denn ander» al» in der„Bohemia"— im Schweiße seines Angesichts, die Ehre der reichsdeutschen Statistik zu retten und nachzuweisen, daß die deutsche Statistik völlig glaubwürdig ist. Die Argumente, die Herr Dr. Uhlig anführt, sind aber derart, daß damit nichts anderes bewiefen wird, als der Eifer des Uhlig, das deutsche staustische Reichsamt rem- zuwascheu. Der Beweis dafür, die die offiziellen deutschen Ziffern richtig seien, ist nämlich der, daß si: mit der Statistik des Völkerbundes über- cinstimmln!? Diese Uebereinstimmung riihrt nämlich daher, daß der Völkerbund die offiziellen Statistiken übernimmt, weil er selbst doch keine statistischen Aemter in den einzelnen Ländern hat. Herr Dr. Uhlig behauptet ferner, er hätte die einzelnen deutschen Produktionsindices nachgerechnet, wobei in allen Fällen ihre Richtigkeit zutage trat. Dabei hat der Mann der Wissenschaft natürlich auch nichts anderes als die offiziellen Zahlen zur Grundlage genotnmen, so daß also die deutschen Ziffern falsch fein können, obwohl die Rechnung des Karlsbader Zauberkünstlers stimmt. Im übrigen scheinen die Behauptungen des Herrn Dr. Uhlig selbst in der Redaktion der „Bohemia" ein verständnisvolle» Lächeln hervorgerufen zu haben, denn eine einzige Seite vorher wird in der wirtschaftlichen Wochenschau des Blattes wörtlich gesagt: „Die Methode, die Wirtschaftskrise durch AuS- geben optimistischer Nachrichten zu bekämpfen, wird jetzt In Deutschland säst noch mehr angewendet, als bisher in Amerika." Wenn aber selbst in der„Bohemia" Herr Dr. Uhsig keinen Glauben mit feiner Ehrenrettung des Dritten Reiche» findet, so wird er überall anderswo kein Glück haben— es sei denn bei unserem nördlichen Nachbarn. Verlängerung der Zuschläge zur Umsatz« und LuxuSstcuer. Die Regierung hat soeben der Natio- naiversanimlng den Gesetzentwurf unterbreitet, durch welchen die Geltung der Zuschläge zur Umsatz- und Luxussteuer, welche durch das Gesetz Nr. 56/1932, Sammlung der Gesetze und Verordnungen eingeführt und durch das Gesetz Nr. 199/1932, Sammlung der Gesetze und Verordnungen erweitert wurden, für die Jahre 1931 und 1935 verlängert wird. Dieser Gesetzentwurf gehört unter die Gesetzentwürfe, deren Zweck die Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes des Staatsbudgets für die nächsten Jahre ist. Aus der Abgeordnetenkammer: Sitzungen halten ab: Dienstag, den 17. Oktober: Das Präsidium der Abgeordnetenkammer uin 11 Uhr vormittags, der Außenausschuß um halb 3 Uhr nach- niittags. Mittwoch, den 18. Oktober, findet um l0 Uhr vormittags eine Sitzung der Präsidien beider Kammern statt. Zunisflins Goebbels’ Berlin, 16. Oktober. Bei einem Empfang der Auslandsjournalisten gab Propagandaminister Goebbels zu, daß durch den aus die öffentliche Meinung auSgeübten nationalsozialistischen„Druck" diese im Plebiszit„einigermaßen entstellt" erscheinen könnte! die» ändere jedoch am Werte des Plebiszites wesentlich nichts. Falls sich für di« Politik der Regie- rung 95 Prozent der Wähler auSsvrechen, so könnten angeblich ettva 20 Prozent, die durch den angeführten„Druck" gewonnen werden, abgezogen werden; trotzdem aber würden in diesem Fall« 75 Prozent der Wähler, d. i. die üoer- lviegende Mehrheit des Volkes übrig bleiben, die mit der RegierungSpolitik vollständig übereinstimmt. SS-rtthrer als Defraudant Wien, 16. Oktober.(AN.) Der ehemalige Kommandant einer SS-Standart« Josef Fitzthum ist heute vom Schöfferrsenat wegen Verbrechens der Veruntreuung zu einem Jahre schlveren Kerkers verurteilt tvorden. Fitzthum hat als Sekretär der Kunstgewerbeschlll« deS österreichischen Museum» AmtSgelber in der Höh« von fast 13.000 Schilling unterschlagen, und zwar, wie er angibt, ausschließlich für Parteizweck«. Vor Gehaltskürzungen In FranKreldi Paris, 16. Oktober. Der Ministerpräsident arbeitete auch gestern mit den Mitgliedern der Regierung an der Rcdigierung des Finanzplanes, den die Regierung morgen dem Parlamente vorlegen wird. Den Sechsmilliarden-Ab- gang will d!« Regierung einerseits durch Ersparungen in der Staatsverwaltung, andererseits durch die Herabsetzung der Gehälter der Staatsbeamten und der hohen Pensionen hereinbringen. Di« Gehälter sollen je nach ihrer Höhe um 5 bis 10 Prozent herabgesetzt werden. Eine Neuheit bildet die gleich hohe Besteuerung der Ge< Halter der Privatangestellten mit ständigen Einnahmen, die von der Krise nicht betroffen wurden. Außerdem Weichen alle Steuerträger, deren Einkommen und Einkommenstetter int Jahre 1934 im Vergleiche zum Jahre 1930 nicht sinken werdett, einen Sonderzuschlag zur Einkommen st euer bezahlen. Otto Habsburg freit eine italienische Prinzessin Pari», 15. Oktober. Der römische Korrespondent des„Paris Soir" teilt mit, daß in den nächsten Tagen die Eheschließung Otto Habsburgs m:t der Tochter des italienischen Königs, Prinzessin Maria, bekanntgegeben werden solle. Die ehemalige Kaiserin Zita habe sowohl im Onirinal als auch im Vatikan außerordentliche Beziehungen und genieße in Rom sämtliche Vorrechte einer Herrscherin. Bei einer der letzten Rezeptionen saß Zita auf einem Thron, hatte oin Diadem auf dem Kopf, das dereinst Kaiser Napoleon gehört hatte und nahm die Huldigung der Aristokratie entgegen. 17 Parteien in Spanien Madrid, 15. Oktober. Heute wurde hier die Wahlkampagne eröffnet. Bis jetzt kandidieren 17 republikanisch« Parteien. Lilith und der Komet Ein abenteuerliches, modernes Mlirchen von Kurt Doberer Sie kanten heraus, zerstrettten sich, warfen sich zur Deckung in Spreitgtrichter. Aber wie wenige kamen trotzdem lebend davon! Immer wieder stieß aus dem feuerspeienden Halbkreis an irgettdeiner Stelle die Menge heulend hervor, nm mit«igetten Händen das zu vollenden, was Dynamit und Gaü begonnen hatten. Da hatten einige weit vorne Maichinen- gewehr« in Stellung gebracht. Die schossen blind- wütend aus Freund und Feind. Während T>ck hinabkletterte, hämmerte mancher Ouersckstäger recht unangenehm auf die Chromstahlplatten an seinem Körper. Von sLicks schlechtgeschütztem Schenkel tropfte Blut, Aber er achtete nicht daraus. Er mußte vorwärts.- Wenn er nur lebend hineinkani, in den gähnenden dunklen Sck;lund da unten. ES mußte nun rasch, lehr rasch gehen. War Lilith unter den herattSstürzenden grauen Gestalten, dann würde si« verloren sei« wie di« andern auch. Aber wie sollte er sie erkennen? Wie sollt« sie ihn erkennen? Wie eine Maske lag dieser OlaSichuh vor den Gesichtern. Nur an den Augen, am Gang, würde er sie erkennen. Aber die schweren Schutzplatten veränderten die Schritt« «ine» jeden. Seine Zweifel trieben ihn jeden Augenblick der Verzweiflung näher.„War sie das da drüben? Oder jene? Nein!— Doch! —— Nein!" Seine.Hand zuckte nach dein Gasschutz, um ihn abzureißen. Er mußte sich dock, kenntlich stachen! Ein letzter Funken kalter Vernuttst hielt ihn vor der DerztveiflungStat zurück. In der höchsten Not kam ihm der Einfall: Der blanke Chromstahlschild auf der Brust, das mußte doch— aber er hatte kein« Farbe— doch er hatte!— Dick sah sich suchend um. Dort! Dann kniete er nieder. Mit dem warmen Blut eine- Sterbenden schrieb er ein Wort auf seinen Brustschild:„DonglaS." Eine.Hand griff nach ihm. Es war«in« Fratteuhand! War es ein« Frauenhand? Augen sahen ihn an. Durch Ticks Hirn raste ein fürchterlicher Gedanke. Er hob den schlanken Körper aus und lrtcht« zu sehen, suchte zu erfühlen. „Lilith!" schrie er. Aber dieser Mund sprach nicht ntehr. Augen sahen ihn glanzlos an.„War sie es?— War sie tot?" Er wagte nicht, den Gasschutz abzureißen. — Er mußte es wissen. Das hielt er nicht mehr aus. Tann griff er zn!— Es war ein fremdes Gesicht. Dick hatte kaum die Kraft, aufzustehen. Taumelird ging er weiter. Einer hastete vorbei. Ter sttttzte— sah daS Wort— blieb stehen.„Hallo, DonglaS!" sagte die Gestalt. Nun erkannte Dick die Stimme. Es war Wakinson, der lange Wakiuson. Sie mußten brüllen, um einander zu verstehen. „Ich suche Lilith!" „Lilith Matassani? Die war in un/erer Kamnter. Die wollte nicht mit— vielleicht wartet sie auf dich—" „Wo ist sie?" keuchte Dick. „ES ist die Kammer siebzehn— zwei im rechten Flügel. War noch dicht. Der Gang läuft voll GaS tittd die Satterstosfzentrale ist hin. Eile!" Dick war rnhiger. seitdem er wußte, wo er sie fattd. War sie tot, dann würde er auch sein« GaSmaSke— ÄaS lag am Sterben! Er klettert« in das zweit« Loch, das dicht neben dem unversehrten und verschraubten Eingang in den Beton"gesprengt war. Der Hauptgang war voll hastender Gestalten. Pulverrauch stand als schwarzgrauer Sitmps am Boden. An der Decke tanzten gelbe Schwa- den. Durch diese Schleier tauchten die groteskverhüllten Köpfe. AuS den gelblichen Fenstern der Gasmasken stierten die schreckgeweiteten Augen. Alle Füße hatten Eile, alle.Hände griffen grob und rücksichtslos zu. Schon begann auch die elektrisch« Zentrale zu versagen. Die von draußen mußten mit Gas- inasken hereingekommen sein. Vielleicht Tornson selbst— Rot verglühten die Fäden der Lampen. Dann ein Schwanken— ein letztes Zucken. Dann drang das Dunkel auf di« Menschenklttmpen ein. Jeder kämpfte sich vor zum rettenden Licht. Grauenvoll war diese Finsternis. Dick glaubte, den seinen bitteren Geruch des Gases durch di« Maske zu spüren. Mit kräftigem Druck löste er den Kontakt seiner Handlampe. Ihr weißer, ruhiger Kegel gab ihm die ganze Sicher- heit wieder. Da und dort lagen starr«, leblose Körper. Langsam drang Dick über alle Hindernisse vor. Seine Hand hatte immer Fühlung mit der glatten grauen Watch. Hier, da war die Kammer drei,zehn— eins. Nach dein Plan hatte er noch weit südwestlich vorzudringen. Doch konnte Dick jetzt rasch und planmäßig arbeiten. Er fand die Kammern hier zum Teil noch fest, unversehrt und geschlossen. Auch Lilith mußt« noch in Sicherheit sein. Wenn auch da und dort ein« der Gasschleusen offen stand. Lilith war bei belomieiieii Männern gewesen. Wenn sie zurückbleiben wollte, dann würde man sie geschützt haben. Dick schritt nun rascher den südlichen-Hauptgang hiilunter. Männerstimmen und näherkom- mende Schritt« ließen ihn halt machen. Der Lichtwevfer war abgeb lendet. Dick stand an die Wand gelehnt, um oie Männer vorbei zu lassen. Cs waren zwei. Sie hatten kein Licht und stolperten geradewegs auf Dick zu. Der schaltete nun den Lichtwerfer wieder ein. Die beiden fuhren erschrocken zunick. „Oh, kein« Angst! Freund!" meint« Dick. „Wer redet von Angst, du—", knurrt« der rauh. Ihre Anzüge waren verspritzt und schmutzig. Deni Zweiten hing unter der Gasmaske ein« Haarstrahn« ins Gesicht. Dort, wo si« in kecker Spitz« endete, da faßen Blutspritzer. Die Kerle konnten kaum aus den Kammern kommen? Dick stemmte sich schweigend gegen die Wand und ließ seinen«Lichtstrahl wie spielend zwischen beiden hin und hergehen. „.Haben Sie«inen Plan?" fragte nun der Zweit«' etwas höflicher. „Teil habe ich", sagte Dick.„Aber Sie können nicht fehlgehe». Immer nördlich bis Kammer 'echS und dann rechts vor. Ohne Lampe wird es etwas schwerer sein. Aber— mein« Herren, ich l>abe leider selbst nur diese." „Ach>vaS", sagte der Erste mit seiner rauhen Stimme,„Sie brauchen hier nicht herumzukriechen. Hier ist nichts zu erben—• „Tut mir leid", saat« Dick bestimmt,„aber jetzt müssen Sie weiter!" „Dann die Lampe her", schrie der Kerl frech und«prang auf Dick loS. Der war bei dem plötzlichen Angriff auf die Seite gesprungen. Tabei war er über einen Körper gestolpert und hatte das Gleichgewicht verloren. Seine Hände hatten noch einem Halt gesucht und dabei>var die Lampe auf den Boden gerollt. Nun lag si« dort, zwei Schritte von ihm, auf dem Boden und schickte ihren Lichtstrahl auswärts an die Betondecke. .(Fortsetzung folgt.) Rr. S« Dienstag, 17. Oktober 1088 Seite 8 Der Schlüssel zum geheimen KW Brandmaterial konnte im Kellerraum sein Torgier weiter entlastet— Dimitrow wieder im Saal Die gestrige Sitzung im Prozeß gegen die angeblichen ReichStagSbranbstistcr hatte zu den „Tchuldbewciscn" gegen die Angettagten nicht nur nichts beigesteuert, sondern T o r g l e r und Popoff wurden weiter entlastet. Bor allem«ist bemerkenswert die Aussage de« Beleuchters Scholz, der den Weggang Torglers und Körnens sah und mitteilte, die beiden Abgeordneten seien in Begleitung der kommunistischen Fraktionssekretärin durchaus nicht schneller gegangen als sonst. Die„Angaben" des Zeugen Bogun über de« Ansenthalt Poposss an dem Portal II wurden vom nächsten Zeugen in einwandfreier Weise widerlegt. Zum erstenmal in diesem Prozeß wurde gestern über den geheimen Gang gesprochen. Der Beleuchter Scholz, der allabendlich den Rundgang durch den Reichstag machte, teilte zwei sensationell« Tatsachen mit: Er sagte nämlich auS, daß dir Kontrolle der Kellerraumr mangelhaft ersolgte, was die Anhäufung von Brandmaterial in den Kellerraumen als möglich erscheinen läßt. Die zweit Tatsache ist, daß die Tür drS geheimen Ganges zwar geschlossen war, sedoch mit den» allgemeinen Kellerschlüssel, den alle im Keller tätigen Angestellten hatten, gegsf- nel werden konnte. Zur heutigen Verhandlung wird mit den übrigen Angeklagten auch der Angeklagte■ Diniitroff wieder vorgeführt. Der Vorsitzende läßt durch einen der bcisitzenden Richter zunächst dos Protokoll der Verhandlungstage verlesen, die in Abwesenheit DimitroffS stattgcmnden haben. Dimitroff erhebt sich von seinem Platz und beugt sich vor, um genau der Verlesung folgen zu löiuien. Der zur Verlesung gelangte Verhandlung^- bericht des Gerichtes enthält über das Ergebnis ber Augenscheinnahme genauere Angabe», als sie bisher in der Hauptverhandlung gemacht worden sind. Dor Eintritt in die Verhandlung gab Ober- reichsanwalt Dr. Werner eine Erklärung gegen das Mitglied des Londoner Untersuchungsausschusses H a h e s ah. Als erster Zeuge wird dann der Botenmeister beim Reichstag Prodöhl vernommen. Der Zeuge schildert die Ankunft der Feuerwehr und die Durchsuchung der dnzclnen Geschosse. Leutnant L a t e i t, > jagte der Zeuge, war durch das Portal H gekommen, das ich vorher geöffnet hatte. Au dem Portal hatte ich einen Wachtmeister postiert, der aber nachher piöglich verschwunden war. Auf die Frage des Vorsitzenden, welcher Wachtmeister das gewesen sei, er- widertc der Zeuge, das könne er nicht mehr sagen. Ter Zeuge teilt weiter mit, daß der Slüffel zum Portal I plötzlich nicht niehr da war. Offenbar habe die Feuerwehr wegen des starken Luftzuges das Portal wieder geschlossen. Nach einiger Zeit habe auch ein Feuerwehrmann den Schlüssel wieder zurückgebracht. Das Portal war geschlossen Vorsitzender: Wie stellen Sie sich zu der Aussage des Zeugen Äogun, daß an jenem'Abend ein Mann aus dem Portal ll gelaufen ist, nachdeni dieses Portal vorher schon verschlossen war? Zeuge Prodöhl: Zch hob« davon gehört, ober ich kann mir nicht denken, daß der Pförtner,«in langjähriger Beamter, das Portal osfengelassen haben soll. Zch würde es für unmöglich halten, daß jemand das verschlossene Portal geöffnet haben Knute. Der Oberreichsanwalt fragt, ob Prodöhl aur 27. Feber eine größere oder kleinere Anzahl Beamten über das übliche Maß hinaus beurlaubt habe. Ter Zeuge erklärte mit Nachdruck, daß er nicht einen einzigen Beamte» beurlaubt habe. Auf die Frage des Neichsanivalrcs P a r t f i u s, ob er bei der Durchsuchung SA.- oder SS.-Mannschastc» augc- trosscn habe, antwortete der Zeuge mit„Nein". Ter folgende Zeuge, Amtsgehilje Hermann 2 ch m a l, jagt aus, er habe am Brandtage gegen 2 Uhr n a ch m i t a g s am Reichstage in der Nähe des Portals IV einen jungen Mann beobachtet, der ihm wegen seines verwahrlosten Aeußeren verdächtig erschien. Er habe sich diesen Mann genau angesehen, und alsdann die Zeitungen das Bild van der Lübbes verössentlichtcn, habe er sofort erkannt, daß dieser Mensch der Verdächtige am Reichstage gewesen war. Der Vorsitzende fordert van der Lubbe aus, sich zu erheben. Nach anfänglichem Zögern steht Lubbe ans. Ter Zeuge Schmal erklärt:„Das ist der Mann!" »le Führungen durch den Reichstag Ter nächste Zeuge, Amtsgehilse W e n i g, sagt aus, er habe bei einer RcichStagsführung 8 bis II Tage vor deut rBande den Angeklagten van der Lubbe gesehen Ter nächste Zeuge. HilssamtS- gchilse Holdack, erklärt ebenfalls, daß er van der Lubbe vor dem rBande nach einer Führung im Reichstag gesehen habe. Mit Bestimmtheit könne er n allerdings nicht behaupten. Ter Vertvaklungsassisient Ger icke, der seit zwei Jahren mit den Führungen durch den Reichstag beschäftigt ist, erklärt auf Befragen, daß der Aufenthalt in Plenarsaal 20 bis 2(i Minuten dauerte. Daß jemand zurückblieb, bezeichnete er als unmöglich. Die Führungen umfaßten an manchen Tagen 300, 400, manchmal auch 800 Personen. Bestimmt könne er es nicht sagen, daß van der Lubbe einmal bei einer Fremdensührung dobeige- wesen sei. ver letzte Rundgong Hierauf wird als Zeuge der Wcrkfiihrer Rudolf Scholz vernommen, der seil vielen Jahren im Reichstag als Beleuchter tätig ist. Er gibt an, er habe am Brandtage wie an allen übrigen Tagen um 8 Uhr 10 Min. seinen Kontrollgang durch den Reichstag angetrcten. Um 8 Uhr 26 habe er in den Plenarsaal hineingeschant. Irgendetwas Auffälliges sei dort nicht bemerkbar gewesen. Der Reichstag sei um diese Zeit so still, daß auch das kleinste Geräusch deutlich vernehmbar sei. Um 8 Uhr 30 sei er an dem FraltionSzimmer der Kommunisten vorbeigekommen und er könne mit aller Bestimmtheit sagen, daß um diese Zeit di« Oberlichtschöibe zum Dachgeschoß doch ganz gewesen sei. Die zerbrochene Scheibe habe er erst am Tage nach dem Brande gesehen. Die Scherben seien da aber schon weggeschafft worden. Der Zeuge ist dann in den Keller zurückgekehrt, um seine Sachen zu holen und das Haus zu verlassen. Etwa um 8 Uhr 38 abends will er dem Pförtner am Portal V die Schlüssel abgegeben haben. Als'er noch einen Augenblick mit dem Pförtner Wendt sprach, kamen Torgler, Koenen und die Sekretärin. Der Zeug« nahm Torgler die Schlüssel ab, Torgler und Koenen sagten beide:„Guten Abend!" und verließen das Haus. Der Zeng« erinnert sich genau an die Zeit. Vorsitzender: Sind die beiden rasch hinansgegangen? Zeuge: Rein, absolut im gewöhnlichen Schritt. DaS Telegrannn an Neurath lautet: „Ick habe dem Hauptausschuß das T«le. gramm Eurer Exzellenz vom 14. Oktober mitgeteilt, das den Beschluß der deutschen Regierung aukündigt, jegliche Beteiligung an den Arbeit«»» der Konferenz für die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstung«»» rinzusteilen und di« Grunde für diese Entscheidung angibt. Die deutsche Regierung hat diese Maßnahme gerade in dem Augenblick getroffen, in dein das Büro soeben beschlossen hatte, den Hauptausschuß mit einem ge«a>» umrissenen Programm zu befassen. Dieses Programm, das innerhalb eines bestimmten Zeitraumes durchgesührt werden sollte, sicherte entsprechend ben von der Konferenz unter Beteiligung Deutschlands angenommenen Entschließungen stufenweise di« Verwirklichung der Herabsetzung der Rü st ungen in einer Weise, die sich mit derjenigen des Konventionsrntwnrfes vergleichen läßt, mit der der Hauptausschuß befaßt ist. Dieses Prograinm stellt« auch mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen di«' Verwirklichung der Rechtsgleichheit sicher, die die deutsche Negierung stets an die Spitze ihrer Forderungen gestellt hat. Unter diese,, Umständen bedauere ich, daß Ihre Regierung diese schwerwiegend« Entscheidung ans Gründen getroffen hat, die ich nicht als stichhältig ansehen kann." Hk Nach Genehmigung des Antworttelegramms erklärte H e n d er s o n, di« Konferenz müsse die Verhandlungen über eine künftig« Vereinbarung sorts«tz«n. und sie müsse ein« endgültige Entscheidung herbeiführen. Die Entscheidung im gegenwärtigen Augenblick könne jedoch sehr ernste Folgen haben, weshalb ras Präsidium der Konferenz vorschlägt, daß im Laufe dieser Woche die Delegationen mit ihren Regierungen verhandeln und am 25. Oktober mit neuen Instruktionen zu einer Sitzung des Präsidiums zurückkehren. Di« Verschiebung der Verhandlungen wurde günstig und mit sichtlicher Erleichterung auf. genommen. In zehn Tage» soll die Entscheidung gc> troffen lverden, ob die Konferenz ihr« Verhandlungen und die Arbeiten au einer Abrüstungskonvention sortsetzen oder ob Verhandlungen einer beschränkte»» Zahl von Regierungen der Vorzug gegeben werden wird. Die Vertreter Sowjetrußlands, Polens und der Türkei gaben bereits heute im Hauptausschutz Das Drandmaterlal im Keller Dr. Sack: Als Sie um 8 Uhr 10 Ihren letzte»» Rundgang antraten, haben Sie da irgendwelchen Benzin- oder andern Geruch wahrgcnom- inen? Zeuge: Absolut nicht. Dr. Sack: Sie habe»» Ihre Dicnsträume im Keller. Dann müsse»» Sic doch wissen, ob in der Zeit vor dem Brande in diesem Keller Veränderungen Vorgenomnien sind. Das könnte Ihnen doch nicht entgangen sein, wenn man dort Kisten mit Bvandmaterial hingestellt hätte. Zeug«: Da« müßte in der Zeit geschehen sein, wo ich auf meinem Rundgang war. Dr. Sack: Ist es möglich, daß zum 27. Feber dort Kisten oder andere geheimnisvolle Pakete untergebracht worden sind? Zeuge: Das ist unmöglich. Oberreichsanwalt: Haben Sie jede»» Tag sämtliche Kellerräume durchlaufen? Zeng e: Nein. Oberreichsanwalt: Also konnten Sie doch nicht wissen, ob nicht irgendwo in einer Ecke Kisten standen! Zeuge:«Nein. Oberreichsanwalt: Sind sämtliche Zugänge zu den Kellern stets verschlossen? Zeuge: Jawohl. Oberreichüanwalt: Zn den.Keller mündet doch auch der sogenannte unterirdische Gang. Wie ist der v'er- schlollen? Zeuge: Er ist regelmäßig verschlossen mit einem richtigen Schloß. Man kann ihn aufmachen mit dem allgemeinen Keller- schlüssek, den die im Keellr tätigen Angcstellcn haben. Auf die Frage DimitroffS, welcher Partei er angehört, antwortet der Zeue: Er l»abe noch nie eitler Partei angehört und auch mit keiner bestimmten Partei sympathisiert. Der Vorsitzende vertagt dann die weitere Verhandlung auf DicnStag. zu verstehen, daß sie prinzipiell mit Beratungen von vier oder fünf Großmächten nicht übereil»- stimmen. Henderson: Wir werden nicht dulden... Henderson hielt heute vor der Präsidialsitzung au eine Deputation des Fntcrnatioiialen Beratungslvllcgiuins für Llbrüstung, die ihm eine Resolution überreichte, eine Rede, in der er u. a. erklärte, seine Botschaft an die Delegation sei: Der Kampf für die Abrüstung muß fortgesetzt werden. Mit dem Bölkerbundpakt darf nicht wie mit einem Fetzen Papier umgegangen werden. Die Schaffung des Völkerbundes hat 10 Millionen Tot« und 20 Millionen Verwundete gekostet. Wir tverden unsere Vflicht de»» Toten gegenüber erfüllen: LS darf keinen Krieg mehr geben. Wir werden nicht dulden, daß die Hoffnung aus Frieden ertötet wird, wir werden nicht zulasten, daß sich die Welt in die Barbarei eines neeun Weltkrieges stürzt. Nur ein Zwischenspiel? Versuchsballons In der Berliner Presse Berlin, IG. Oktober. Die deutsche Presse ist voll Nachrichtei» aus den europäischen Hauslt- städten über die Aufnahme deS deutscher« Schrittes. Mit bcsmlderein Nachdruck tverden jene Stellen der ausländischen Kommentare hervorgehoben, in denen die Ansicht vertreten wird, daß mit Deutschland Verhandlungen ausgenommen werden sollten. Dieser Ninstand scheint die Vermutung zu bestätigen, daß der radikale Beschluß der Reichsregiernng nicht als Schlußakt, sondern«her als Zwischenspiel gemeint war, welches die Position Deutschlands für weiter« Verhandlungen bessern soll Di« Voraussetzung, aus der heraus die samstägige Entscheidung der deutschen Regierung ersolgte, war demnach whrscheinlich dir, daß durch di« Rückkehr Deutschlands zum Konferenztisch die bisherige»» englisch-französischen Vorschläge automatisch aus der Diskussion auSgeschiedeu und die Verhandlungen auf neuer, für Deutschland annehmbarerer Grundlage ausgenommen würde»». Kurze Vertagung In Sem Gens, 16. Oktober. Das Präsidium der Abrüstungskonferenz hat heut« nachmittag in einer kurzen Sitzung den Antrag ans Vertagung der Sitzung deü Hauptauoschusteü der Abrüstungskonferenz bi« 26. Oktober d. I. angenommen. Außerdem genehmigte das Präsidium den Wortlaut der Antwort de« Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson an den deutschen Reichsaußennliuister von Reurath. Die Antwort an Deutschland SicSLgict Für schwer ver- dauliche Fette rächt sich der empfindliche Magen sofort ... durch Schmerzen und Unlustgefflhle. Die wichtigste Küchenfrage ist deshalb das richtige, leicht verdauliche Fett: DAS AUSGIEBIGE, REINE PFLANZENFETT CT 4-as NUR ECHT MIT NAMENSZUG Wir Emigranten Antwort an Hitler Bon Friedrich Stampf e. r. Hitler hat in seinen« Buch„Mein Kamps" mit kindischem Dilettantismus auseinandergejrvt, wie eine Koalition gegen Frankreich;n schaffen wär«. Wenige Monate seiner genialen Regierung haben genüg:, eine neue Koalition gegen De»lisch land zustande;»! bringen, wie sic die Welt noch nicht gesehen hat. Gekränkt über den eklatante» Mißerfolg, zieht er sich von Genf zurück und beginnt nach seiner Art, über die Ursachen seines Riißgcschick« per Rundfunk zn phantasieren. Dämmert dem„Führer" die Erkenntnis, Jmr er fünfzehn Fahre seiner völketvrrhctze»»den Tätigkeit mit ein paar Fricdensdrllamationrn»ich: anslöschen kann? Daß die gerade;»» demonstrativ betriebene lärmende Mililarisirrnng des Bolls- geistcS, der Jugend, der Wissenschaft»lnd der Wirtschaft da» Mißtrane», der Nackcharn wecke» neuß? Daß seine bestialischen Regierungsmetho- den, die Mordanschläge ans politische Gegner, der Ausrottnngsfeldzng gegen jede freie und männliche Gesinnung, die Festnahme von Geiseln, die Atarteruug und Llbjchlachlung wehrloser Gesa» gener, das Entsetzen aller anständiger Menschen ii» der ganzen Welt hervorgerusen haben? die in, von solcher Erkeinituis findet sich bc. ihn» keilte Spur! Wem» nach seiner priiniliven Weltanschauung ohnehin schon Marxisten und Jude»» ai» alle»» Uebeln der Welt Schuld tragen, warmn sollte es hier anders sein? Also hat er auch hier für die Unruhe der Well und die Isolierung des Dritleu Reiches eine durchaus einleuchtende Erklärung:„Verbrecherische Elemente, die glauben, ihre niederen Instinkte ,uungnnslen »'hier Mitlne>lsck)eil hier austobei» lasse» zu kön neu... diese sind es, die sich heute als Emigranten bemühen, ehrliche und anständige Völker gegeneinander zu Hetzen." Hitler schwärmt— eS war schon immer so! — für Frieden.und Völkerverständigung. Er will die Gewalt durch das Recht ersetzen, er will die Verständigung mit Frankreich und will ihr zuliebe aus all« territorialen Ansprüche verzichten. Ai» die Möglichkeit eines Krieges kann nur noch „ein Wahnsinniger" denke»». Warum aber ist den- noch der Friede»» Europas gefährdet? LSeil es „verderbliche»» und minderwertigen Subjeklen" — eben de» Emigranten— gelungen ist, eine Psychose hervorznrufen. Ich habe nun»veder den Ailslrag, noch dir Absichl, im Name»» der Emigranten insgemein zu sprechen. In der Emigration sind heute alle Elemente jener Volksmehrheit vertrete»», die noch ain 5. Marz nicht nationalsozialistisch gestiinm! hat, voi» den Teulschnatioiralen bis zu den Kom- NllNlistei». ES ist daher»»»»»nöglich, die Emigration als Ganzes verantwortlich;»» mache»» für alles, lvas einzelne Gruppen oder Personen tun. Aber für jene Emigranten, die als Sozialdemokraten aus dein Deutsche,» Reich herauSgegangon sind, um den Kamps gegen die Regierirng deS Verbrechens in Deutschland aufp»nehinen, habe ich einige Worte zu sagen. Hiller redet heute so, als ob er sämtliche Leitartikel des„V o r»v ä r t S" ausweudig gelernt hätte, und als ob er die Friedenspolitik der Sozialdemokratie, besoichers ihr« Politik der Ber- ständigilng mit Frankreich von» erste»» bis zum letzten Wort unterschreiben wollte. Der Eifer des Novizen»»»acht eS begreiflich, daß er dabei sogar des Guten zuviel tut. Wem» mar» sich erinnert, »nit welcher Schärfe und Klarheit Hermann Müller in Genf gegen Briand den deutschen Anspruch auf volle Gleichberechtigung vertrat und damit vergleicht, wie Hitler jetzt vor Dala- dier schweifwedelt, dann mnn man gar nicht daran zweifeln, welcher von dies«» beiden Reichskanzlern die nationale Würde besser zu wahren verstand. Aber nn»» ist es einmal so: Hitler ist der Friedensengel mit den» Palmenzweig in der .Hand. Und wir, wir Emigrailten, wir sind die Kriegshetzer"! Seite 4 Dienstag, 17. Oktober 1938 Jlt. 243 Ruhige Beurteilung in Prag Prag, 16. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Heute abend« versammelten sich die Mitglieder de« politischen Kabinett« beim Ministerpräsidenten Malhpetr, nahmen seine detaillierten Jnsor- mationen über die Ereignisse in Wens entgegen nnd berieten mit ihm über die möglichen Folgen der gegenwärtigen Politik Deutschland«. E« herrscht eine ruhige Beurteilung der Situation im Bewußtsein vor, daß innerpolitisch nicht« vernachlässigt werden wird, wa« da« friedliche Leben in der Republik gewährleistet. SöeH, wir sichst du wunderlich aus! Im Ernst gesprochen: Ist es erträglich, daß oer verantwortliche Staatsmann eines großen Reiches so maßlose'Albernheiten von sich gibt'? Wem will er einen solche» Rollentausch glaublwft machen'? lind wein will er einreden, die Regierungen von Washington, London, Paris, Prag, Warschau, Belgrad,'Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen, Stockholm und Wien ließen sich i» ihrer auswärtigen Politik von deutschen Emigranten bestimmen'? Was die sozialdemokratischen Emigranten .betrifft, so sehen sie ihre Aufgabe ganz anderswo al« darin, den Außeiiministern fremder Länder Ratschläge zu erteilen. Tabei stehen sie unverändert zu ihrem Ideal der friedlichen Zusammenarbeit der Boller und zu dem'Anspruch des deutschen Bolkes auf gleiches Recht mit allen anderen Böllern— auch auf dem Gebiet der Bewaffnung. Tie sozialdemokratische'Außenpolitik hat Deutschland behutsam ans der Iiolierung lzeransgesührt und hat im Kampf gegen da« viel- fache Unrecht des Bertrags von Bertaille« p o s tive Erfolge erzielt. Wenn Deutschland heute isolierter ist als beim'Ausbruch des Weltkrieges, lind wenn im'Ausland die Reigung hervortrit», die Fesselik an Bersaille« wieder schärfer anzuziehen, so trägt die Schuld daran nicht die Sozialdemokratie und nicht die sozialdemokratische Emigration, sondern einzig uud allein das Schandsystem, das seit neun Monaten Teutsch- lanü in Grund und Boden regiert. Der Friedensapostel Hitler gibt vor, uns heute zu hassen, weil wir Kriegshetzer seien! Wer soll ihm diese Komödie glauben'? Weil wir all die Jahre zur Welt geredet haben, wie er jetzt redet und weil wir damit nicht gelogen, sondern unserer wirklicheit Gesinnung Ausdruck gegeben habe», darum hat Adolf Hitler fünfzehn Jahre lang mit allen Mitteln der Hetze und Bolksver- giftung den Kampf gegen uns geführt. Darum sind Stelling, Feck)enbach, Lessing, Lolmitz und ungezählte andere erniordet worden. Darum sitzen Zehn tast seitde in den.Konzentrationslagern, darum werden wir für vaterlandslos erklärt und durch die-Welt gehetzt! Die Geschichte vom nationalsozialistischen Frieüenskanzler und von den sozialdemokratischen Kriegshetzern ist genau ebenso wahr nnd genau ebeni'o glaubwürdig wie die Geschichte von der sozialdemokratisch kommunistischen Einheitsfront, die den Reichstag in Brand gesteckt hat. „Obskure Elemente" sollen das Reichsgericht „entwürdigt haben..Ich wußte nicht, wer das Reichsgericht mehr entwürdigt Witte als H i t l e r, da er in seiner Reichstagsrede vom 23. März „die öffentliche Hinrichtung des Brand- stif'ers und seiner Komplizen" ankündigte. Ich wüßte nicht, wer die deutsche Justiz schlimmer entwürdigt hätte als jener Herr Fran k, der auf dem Leipziger Iuristentag ansrief:„Adolf Hitler kann sich auf seine Juristen verlassen", oder jener .Herr Frick, der den Satz aufstellte:„Recht ist, was dem dentschen Volke nützt". Die Welt wartet jetzt, ob das höchste Gericht Deutschlands den Auftrag, offenkundig iinschuldige zum Tode zu verurteilen, ansführen wird. Je nachdem wird sein Urteil über dieses Gericht ausfasten. Nach alledem wird man die Frage nicht itnierdrücken können, mit welchem Recht Hitler seinen politischen Gegnern die Ehre abspricht, um dafür sich selber und seine Mittäter der erstaunten Welt als Ehrenmänner vorzn- stellen. Es ist bestimmt noch niemals vorgekommen, daß der führende Staatsmann eines Landes mit solcher streitsüchtigen Rechthaberei vor aller Welt versichert hätte, daß er ei» Ehrenmann sei. Tas versteht sich doch sonst ganz von selbst. Wir sozialdemokratischen Emigranten haben leider nicht die Möglichkeit, Hitler ans seine Verleumdungen■ und Beschimpfungen int Rundfunk zu antworten,>vir haben es aber glücklicherweise auch nicht nölig, schreiend und mit einem llnter- ton der Verzweiflung in unserer Stimme, die Welt unserer Persönlichen Ehrenhaftigkeit;n versichern. Indes sind wir sozialöemolratijchen Emigranten uns durchaus dessen bewußt, daß es nicht um unser kleines persönliches Schicksal gehl, sondern um das Schicksal des ganzen deutschen Bolkes und der ganzen Welt. Der Wahnsinnsstreich des Austritts aus dem Völkerbund wird von einer ungeheueren Mehrheit bestätigt werden, weil Fernbleiben oder'Andersstimmen mit schwerster Gefahr verbunden sein tvird und weil dem deutschen Volke jede Möglichkeit sachlicher Unterrichtung über die gesamte Weltlage geiwmmen ist. Wir sozialdemokratischen Emigranten wollen nicht» anderes als Licht i n. d i e f e n Kerker bringen. Nur die W a h r h e i t rann Deutschland befreien und den Frieden der Well retten. Der Kamps für die Wahrheit ist der einzige Krieg, den wir ivollen und den wir mit allen Kräften zu führen entschlossen sind. Für ihn und für ihn allein suchen wir Bundesgenossen! Tie Wahrheit nach Tenlschland! Wer .hilft?! Gin neuartiger„Gehßenenzeppettn". Dieser Propeller-Triebwagen wurde in London von dem Ingenieur Charles Boot vorgeführt. Ter Wagen l)ängt an einer Laufschiene, während eine ieitlirfje Schiene das Schleudern verhüten soll. Dieses Verkehrsmittel soll dazu dienen, die vollgepfropften Straßen der 2hemsestadt zu entlasten, nachdem angesichts des außerordentlich ausgebauten Londoner U-Bahnnetzes selbst unterhalb der Erdoberfläche kaum noch freie Bahn zu schaffen'st. T agesneuigheifen Kinderspiel mit Schutzwassen. Den Bruder erschaffen. Brünn, 15 Oktober. Heute vormittag spielte der achtjährige Knabe Milan K p a- Lek, Sohn eine« Major«, in der Woh- nung mit einer geladenen Pistole, die er in einem R a ch t k ä st ch e n gesunden hatte. Die Masse entlud sich und der Schutz traf den im Bette liegenden Bruder de« Knaben, den sech, zehnjährigen Handelsschüler Bladislav Spa- Lek. Das Projektil ging durch den Kopf de» Studenten, der kurz darauf feiner Verletzung erlog. halentteuzlerische Lustspionage? Unbekanntes Flugzeug Über Silattau. Wie uns au« zuverlässiger Quelle gemeldet wird, tauchte am Donnerstag in der Nacht über der Böhmerwaldstadt K l at t a u ein unbekannte« Flugzeug auf. E« umflog dreimal den Bahnhof und verschwand dann. Dieser nächtliche Besuch hat natürlich unter der Bevölkerung grotze Beunruhigung verursacht und Anlatz zu naheliegenden Kommen, taren gegeben. Es wäre nun Sache der Behörden, zu überprüsen, ob zwischen diesem Besuch und der einige Tage vorher ersolgten Landung eines reichsdeutschen„PolizeislugzeugeS" bei Tachau ein Zusammenhang besteht. Bier Morde vor dem ll-horoder Schwurgericht. Die Herbstsession des Schwurgerichts in Ur- horod hat gestern begonnen. Am 17. wird der Fall Johann Bi rag« auS Orechova und der Pauline B a l k o v a aus Ljuta behandelt werden, die am 13. Jänner d. I. den Wächter des Kasernenneubaue« in Mukadevo Iwan Roman- Lik mit einer Axt erschlagen haben. Am 18. wird die Verhandlung gegen die Zigeuner Karl und Georg Balogh stattfinden, die den Georg PaKko erschlagen haben. Dieser hatte ihnen ein Pferd befchlagnahmen lassen, da« auf einem fremden Grundstück weidete. Am'20. d. M. wird die sensationelle Verhandlung gegen die Julia K r a u s o v a auS Koterbach in der Slowakei stattsinden, die die Karoline Pechova, eine geschiedene Eisenbahnerfrau, ermordet hat, al« diese in die Wohnung der Krausova gekommen war, um einige Sachen abzuholen, die sie von ihrem ehemaligen, nun mit der Krausova lebenden Manne zu bekommen hatte. Am 23. findet die Verhandlung gegen die 43jährige Okochribova au« PereLkov statt, die die Katharina Spinova erschlagen hatte, und zwar au« Furcht vor deren angeblichen Zaubereien. Ein Todesurteil kn Eger. Eger, 16. Oktober. Tas Egerer Schwurgericht eröffnete seine diesjährige Herbstsession mit einem ganztägigen Mordprozeß gegen den 27jäh- rigen Faßbindergehilfen Konrad H i e b s ch aus Teichhausen im Bezirk Petschau, der unter der Anklage stand, seine Geliebte, die.Häuslerstochter Therese Hoher, weil sie seinen Heiratsanträgen nicht Gehör schenkte, am 6. April l. I. im Walde auf dem Wege nach Schneidmühl bei Karlsbad mit einem Küchenmesser durch Stiche in den Hals getötet zu haben. Ten Geschworenen wurde eine Hauptfrage auf Mord und eine Evenluolfrage ans Totschlag kantend vorgelegt. Sie bejahten die Mordfrage mit 10 zu 2 Stimm««. Auf Grund dieses Wahrspruches tvurde Hiebsch zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Angeklagte nahm die Strafe nicht an; sein Verteidiger hot gegen das Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde erhoben. Großfeuer in Berlin. Berlin, 15. Oktober. Im Westen der Stadt, in der Württemberg-Allee ist ein Brand ausge- brnchen, der schnell den Umfang eines Großfeuers angenommen hat. Seitenflügel und Quergebäude eines-Häuserblocks sind vom Feuer ergriffen. Die achte A l a r m st u f e ist angesetzt. Ziehung der Klasienlotterie »0.000 Ke: 5027. 20.000 KJ: 7530, 23.133, 84.268. 10.000 K6: 83.555, 00.581, 02.604. 5000 Kt: 6996, 10.424, 10.731, 16.660, 25.046, 27.842, 31.375, 32.024, 37.265, 39.380, 37.685, 48.653, 49.018, 49.052, 49.373, 51.592, 52.428, 57.613, 63.882, 64.275, 70.968, 78.130, 75.203, 75.987, 82.398, 88.232, 95.153, 98.405. 2000 KJ: 163, 1065, 1515, 2459, 4316, 4970, 5606, 6735, 12.278, 17.000, 20.344, 20.460, 21.270, 21.393, 21.642, 22.581, 24.034, 24.481, 24.678, 25.320, 26.046, 26531, 2k. 929, 30.630, 31.272, 31.085, 32.582, 33.081, 83.286, 34.174, 37.366, 37.856, 38.780, 10.047, 40.687, 41.209, 11.658, 42.395, 45.098, 45.273, 45.687, 46.654, 47.330,47.308,49.933,51.023,52.061.52.119,53.975,51.025, 54.382, 55.383, 56.057, 56.079, 56.904, 59.921, 60.295, 61.828, 62.217, 63.357, 64.154, 64.244, 65.298, 72.783, 78.137, 74.072, 78.578, 84.851, 85.019, 86.556, 87.403, 87.503, 90.466, 91.321, 92.055, 92.522, 04.015, 98.337, 101.850, 103.572, 103.881, 104.934. 1200 K«: 2970, 3672, 6093, 11.799, 15.04», 16.898, 17.352, 17.339, 24.361, 24.982, 25,257, 26.468, 28.807, 36.208, 87.171, 38.164, 41.156, 43.773, 16.865, 49.229, 50.774, 52.356, 57.398, 60.715, 61.846, 62.227, 66.051, 73.288, 73.642, 73.728, 77.029, 82.642, 83.969, 85.043, 85.505, 86.992, 87.518, 87.834, 88.307, 88.796, 92.721, 99.957, 103.608, 104.561. Genosse Franz Grundl 60 Jahre. Am 15. Oktober ist der Sekretär des Revierrates Falkenau, Genosse Fran; Grundl, 60 Jahre all geworden, ein Mann, der mit restloser Hingabe und Aufopferung stets den Ideen des Sozialismus gedient hat. Grundl stammt aus Okenau bei Kaaden, war zuerst Kellner, dann Porzellanarbeiter und schließlich Bergarbeiter. Schon als Porzellanarbeiter war er in seiner Gewerkschaft eifrig tätig, 1901 wurde er Bergarbeiter, und zwar aus demselben Schacht, aus dem auch der verstorbene Genosse Adolf Pohl gearbeitet hat. In allen Kämpfen der Bergarbeiterschaft l)at er seither seinen Mann gestellt. Insbesondere im Krieg hat er mit großer Tapferkeit die Rechte der Bergarbeiter vertreten. Als er sich der serbisckzen Kriegsgefangenen, die auf den Schächten in Nordböhmen arbeiteten, wegen der menschenunwürdigen Behandlung, unter der sie zu leiden hatten, annahm, wurde er von der Arbeit weg verhaftet und vor das Militärgericht gestellt. Tie Anklage lautete auf Delikte, aus welchen die Todesstrafe stand. Nach sechzehnwöchiger Haft wurde er über Intervention unserer Partei aus dem Kerker entlassen, aber sofort an die Front geschickt. 1919 wurde er mit der Leitung des Reviersekretariats der Bergarbeiter betraut, welchen Posten er noch heute bekleidet. Er ist auch Vorsitzender unserer Bezirksorganisation sowie des Bezixksgewerk- schastskartellS in Falkenan. Tem Jubilar, der Sonntag abend bei einem Festabend.im Saale des Bergarbeilerheims in Falkenan gefeiert wurde, gilt auch unser Gruß. Südmahrische Kassenknacker brack)en in Velky Orechov im Bezirk llng.-Brod in die Büros der dortigen Raiffeisenkassa ein und entwendeten mit Hilfe von Nachschlüsseln aus der Kasse 10.000 Ke in bar.' Tas Geld war zur Auszahlung für den nächsten Tag vorbereitet. Tie Fahndungsstation von Ung.-Hradisch verfolgt eine Spur, die wahrscheinlich zur Ergreifung der Täter führen wird. Ans der AröcMcr-Turn- und Sportbewegung. Die Ungarn kommen Die Europameisterschaft der Arbei. t e r f u ß b a l le r, die im Vorjahr von der SAS4 zur Durchführung festgesetzt wurde, nimmt mit den zwei Länderspielen' Ungarn gegen Tschechoslowakei („Atus") am 28. und 29. Oktober'ihren Fortgang. Der derzeitige Stand ist folgender: Oesterreich ... 6 Spiele 9 Punkte Tsck^choslowakei ... 8„ 3„ Ungarn.. ... 2„ 1„ «Polen.. ,.’ 3„ 1„ . Oesterreich hat bereits alle Spiele absolvier davon ein Spiel gegen die Tschechoslowakei verloren und eins gegen Ungarn remisiert. Verlust: 3 Punkte. Unsere Äkrs-Venbandself hat in drei Spielen ebenfalls drei Verlustpuickte auifzulveisen(eine Niederlage gegen Oesterreich und ein Remis gegen Polen). Falls unsere Länderelf die noch ausstehenden drei Spiele gegen Ungarn uud Polen siegreich bestreitet, so wird sie mit Oesterreich punktgleich und es müßte dann ein Entscheidungsspiel stattfinden, vorausgesetzt, wenn sie siegreich bleibt. Die gleichen Ehaneen haben aber auch die Ungarn, die ebenfalls drei Minuspunkte auifweise'n. Kn diesen zwei Spielen geht c§ um die Entscheidung. Äst den Oesterreichern die Führung zu entreißen, oder müssen wir mit dem zweiten oder dritten Platz vorlieb nehmen? Aul beiden Seiten hat man die Bedeutung der Spiele richtig erfaßt ui«d ist mit Ernst und Gründlichkeit an die Auswahl der Vertretung geschritten. Beide Berairstaltungen, welche am 28. Oktober lStaatSf«iertag> in Aussig und am 29. Oktober In Oberdorf-Komotau stattsinden, weiden emineickes Interesse erwecken, zumal dle ungarischen Arbeitersportler erstmalig überhaupt in unseren» Gebiet weilen uird allgeniei» bekannt ist, daß die Ungarn ausgezeichnete Fußballer sind. Näheres über diese Spiele wird noch mitgeteilt. Spielverbot. Am 28. Oktober für den 1., 2., 6. nnd 7. Bezirk; am 29. Oktober für den 3., 5. und 8. Bezirk im V. Kreis ganztägiges Spie! verbot. Für den Bundesfußballausschuß: G. Erlacher. Arbeiterfutzball vom Sonntag Di« Spiele im VI. Kreis. FFK. Falkenau sich» mit sechs Punkten im fünften Spielbezirk, an zweite Stelle rückt der Bundesmeister. Durch den Sieg über die Falkenauer Turner sicherte sich GraSlitz den zweiten Platz, obwohl noch Punktegleichyeit mit den Turnern besteht. FFK. Falkenau gegen Braunsdorf 7:1, Bundesmeister GraSlitz gegen Turner Falkenau 3:1, Arbeiterturner Chodau gegen ASR. Unterreichenau 3:3.— 2n> crsten Spiel- bczirk gab es Uoberraschnu'gen. Neudek schlägt den bisherigen Spitzenführer Elbenberg. damit führt nach dem vierten Ferienfpiel Trahowitz mit lcchi- Punkten. Es folgen Eibenberg mit fünf, Meierhöfen mit vier Punkten. Nach drei-Spielen mußte der junge Erzgebirgsverein vom OrtSrivalen die-'e Niederlage einstecken. Fischern gegen Drabowitz 1:6. Altrohlau gegen Karlsbad Rapid 4:8, Neudek gegen Eibenberg 3:2. Ein Kind vom Auto getötet. Auf der Straße bei Velka Biteki wurde die siebenjährige Anna B o Lkova aus Pribhslavice von einem Privatauto, das von Ullrich Liüka aus 2dar gelenkt wurde, erfaßt, zwanzig Nieter weit geschleift und getötet. Eine Familientragödie ereigneie sich Sonntags in Sidborice bei Brünn. Martin Klein ersuchte seinen 25jährigen Sohn Alois um einen größeren Geldbetrag, den er in seiner Wirtschaft benötige. Der Sohn lehnte ab, da der Vater Alkoholiker ist. Nach einem heftigen Streit zog der Vater ein Rasiermesser aus der Tasche und wollte damit den Sohn anfallen. In dem nachfolgenden Kantpse wurde der Sohn an verschiedenen Stellen des Körpers verletzt. Jlach der Tat floh der Vater und wurde dann später von den Hausleuten erhängt gefunden. Der schlver verletzte Sohn Alois mußte in das Krankenhaus gebracht werden. Was verdient Hitler? Die„Deutsäfe Freiheit" macht daraus aufmerksam, daß Hitler bei seinem Amtsantritt mit großer Geste aus sein Gehalt verzichtet hat.„Nicht bekannt gegeben wurde", schreibt die„Deutsche Freiheit",„daß der Reichskanzler keineswegs verzichtet auf die ruud 200.000 Mark, die als Aufwandsentschädigungen uud Dispositimrsfouds im Etat des Reichskanzlers stehen." Hinzu kommen neuerdings 7200 Mark Reichstagsdiäten, die Einkünfte als Zeitungsheransgeber, als Gutsbesitzer in Oberbayern nnd— wie daS Blatt vorsichtig berechnet —, rund 50.000 Mark Pro Monat Honorar anS dem in Tenlschland mit Gewaltmitteln betriebenen Verkauf der Schaumschläger-Biographie„Mein Kampf". Vom Rundfunk Mittwoch. Prag 11: Schallplatte», 13.45: Schallplatten, 1880: Deutsche Sendung: Arbeit!:suuk Abgeordneter Baumgartl: Das Notstandsgebiet tm Erzgebirge, Bericht vom Arbutsmarkt, 19.10: Französischer Sprachkurs, 19.25: Lieder, 20.05: Sinkonic- kcnzrvt.— Brünn 15.40: Mit dem Flugzeug aur Brünu zum polnischen Meer, 17.85: Schallpi'attcn. 18.25: Deutsche Send u n g: Buchbefprechungen. ••• Kaschau 12.30: Orchesterkonzerr, 17; Kinderstunde. — Wien 13.10: Berühm.e Künstler. Schallplatte», 1885. Die Metallavbeiteein. 20.15: Ballgespräche, 21.10! Liederstunde.'—• Heilüberg 16: NochmutagS- könzerl— Berlin 20.05: Bolksliedjingen. ttt.»48 Seite HenffMf», 17. CIleBct 1?rn GternfGnuppen«nS Otteieore. (Zu dem Lktobersternschnuppenregen.) Kommunistisch« Verleumder de« Genosse« I Köglrr gebrandmarkt. Am 17. April 1930 erschien in der kommunistischen Presse ein Aufsatz, der schivere Verleunidungen deS Genossen Kogler enthielt. Kögler wurde darin im Zusammenhang mit dem Bari de« KindercrholungSheimeS in Dittersbach beschuldigt, von Lieferfirmen Einrich- tuugsgegcnständc für seine Wohnung geschenkt erhallen zu haben. Daraufhin klagte Genosse Kogler den verantwortlichen Redakteur der koiN' mumstischen Parteipresse Korb. Im März 1932 sand beim Kreisgericht in Leitmeritz die erste Hauptverhandlung statt, wobei die Kommunisten Anträge auf Einvernahme einer Reihe von Zeugen stellten. Die zweite.Hauptverhandlung sand mm am 13. Oktober 1933 statt. Den Kommunisten gelang eS in keinem Falle, auch nur den Schatten eines Wahrheitsbeweises zu erbringen;. die Folge davon war, daß Koro zu acht Tagen Arrest verurteilt wurde. Damit ist die DerleumdungSkampagne gegen Genossen Kogler zusammengebrochen. Die Gültigkeit der ermäßigten Sonntags, Rllckfahrtkarten wird anläßlich des StaatSfeier- tages und des Feiertages am 1. November ausnahmsweise folgendermaßen verlängert: Für die Hinfahrt von Freitag, den 27. Oktober bis einschließlich Donnerstag, den 2. November; für die Rückfahrt vom Freitag, den 27. Oktober bis Freitag, den 3. November, an welchem Tage die Rückfahrt spätestens um 12 Uhr inittags angetreten werden muß. Todesopfer de» Aufspringens. Montag gegen 13 Uhr wollte der 30jährige Geschäftsführer Josef Kala» in der Fochstraßc in Prag-Weinberge mlf die rückwärtige Plattform eines fahrenden Motorwagens der Straßenbahnlinie dir. 11 aus- springen. Er fiel dabei so uirglücklich aufs Pflaster zwischen die beiden Schleppwagen, daß er von dem rückwärtigen Wagen erfaßt und etwa sechzehn Schritte weit mitgeschleist wurde. Schließlich geriet er direkt unter die Räder und wurde überfahren. Er blieb mit zerschmetterter Schädeldecke.f der Stelle tot liegen. Nach den Aussagen von Augenzeugen wollte Kala» in der Station noch in den bereits anfahrenden Wagen springen, stolperte jedoch mw siel so unglücklich, daß er unter den Wagen geriet. Harte Strafe aus Entführung. In Oklahoma (Amerika) wurden der bekannte Gangster Telly und seine jitnge Fra» zu lebenslänglichem Kerker verurteilt, da sie sich im August d. I. an der Entführung deS Petroleum Magnaten Charles Urschel beteiligt hätten. Noch ein Dementi. Nachdem der Staatsrat Ernst sich verheiratete, als bekannt wurde, daß sein Name auf der Liebesliste Roehms stand, hat jetzt van der Lubbe den Brief einer jungen Schwedin erhalten. Der Brief beginnt:„Mein teurer MarinuS", nennt van der Lubbe einen „hübschen Jungen" und enthält die Bitte. um Zusendung eine» Photos, daS sie so sehr lieben würde. Ein frankierter Briefumschlag lag bei. Das Befinde« Herrlot» hat sich derart gebes. sert, daß er Sonntag aus dem Kr.intenh.ruie in seine pariser Wohnung gebracht werden tonnte. Zum 180. Todestage des großen Mathematiker- Leonard Euler. In der nächsten Zeit begeht die Madom^e der Wissenschaften in Moskau den I«0. Todestag des berühmten Gekehrten Leonard Euter. Euter wurde in der Schweiz geboren und übersiedelte tu seinem 20. Lebensjahr nach Rußland, wo er in die russische Akademie der Wissenschaften aufgenoimnen wurde. Euler ist der Begründer der heutigen Dkachcmatik; er arbeitete dir Analyse der unendlich kleinen Werte aus und schuf die Differential- und Integralrechnung. Nach ISjähriger wissenschaftlicher Arbeit in Rußland übersiedelte er nach Teutschlond, wo er 25 Jahre hindurch tätig war. Im Jahre 1783 kehrte Euler nach Rußland zurück, wo er auch bi- zu seinem Leiben-ende verblieb. Im Alter von 77 Jahren starb er im Jahre 1763. Die Akademie der Wissenschaften der Sowjetunimi bereitet schon setzt alle Maßnahmen vor, um Eulers 150. Todestag mit Würde zu begehen. DaS Sternschnuppenfeuerwerk des vergan» ge>ren Montag hat nicht nur ganz Europa, sondern die ganze kultivierte Welt in Anfregiiiig versetzt und sowohl die Laien als die zünftigen Astronomen vor ganz neue Fragen der Himmelskunde gestellt. Bekanntlich ist>a nicht nur der Fachmann geeignet und befugt, den Lauf der Sternschnuppen und Meteor« zu verfolgen und ihre Fallbahnen nachzukonstruieren, da sich die große Fernrohre als vollkommen ungeeignet zur Beobachtung dieser Himmclserscheinnngen erwie- >en haben. Sie geben bekanntlich nur einen kurzen Ausschnitt aus dem nächtlichen Firmament und sind für die Beobachtung derartiger Sternschnuppenfälle vollkommen ungeeignet, so daß sich sogar unsere astronomischen Gelehrten mit unbe» waffnetem Ange ans die Türme ihrer Sternwarten begeben. Rätselraten. Der jüngste Stern schnuppenregen über Nord- »nd Mitteleuropa l;at ein Rätselraten in der TageS- und Fachpresse auSgelöst,-bei dem die wcherspruchsvollsten Erklärungen über die Ursache und den Verlauf des Sternschnuppenfalls gegeben worden sind. Tatsache ist, daß in dem Zeitraum von 15 Minuten etwa 150 Sternschnuppen beobachtet worden sind, deren HauPt- ausstrahlungSpunkt in den Sternbildern des Schwans und der Leier lag. Das Phänomen wnrde etiva von 8.05 Uhr b>S 8.20 Uhr abends am 9. Oktober auf allen europäischen Sternwarten beobachtet. Der Direktor der Frankfurter Stern» w a r I e, Professor Dr. Meißner, ist der Meinung. daß dieser überraschende Sternschnuppenfall ein Vorläufer jener Sternschnuppenmasfen lei, die alljährlich im November aus dem Sternbild des Leoniden kämen. Die Direktion der Treptower Sternwarte in Berlin ist jedoch ganz anderer Auffassung. Sie glaubt beobachtet zu haben, daß die Sternschnuppenschwärme auS dem Sternbild de» ,/Drachen" ge. kommen und von Süden nach Norden geflogen seien. Die Sternwarte in Athen will dagegen festgestellt haben, daß der Sternschnuppenregen auS der Gegend des Polarsterns aufgetaucht sei und von einem zerplatzten Kometen herrühre, vermutlich von dem Giaeobini-Kometen, der im Jahre 1900 entdeckt wurde. Die französischen Astronomen sind dagegen der Meinung, daß der letzte große Sternschnuppenregen eine Wiederholung des Sternschnuppenfalls vom November 1872 sei. In Mailand will man beobachtet haben, daß sich das Sternschnuppenfeuerwerk in nordtvestlicher bis südöstlicher Richtung zur Ende herunter geneigt habe. Das Observatorium in Nizza aber will festgestellt haben, daß-er Slernichnirppenregen in senkrechter Richtung zur Milchstraße vom Gestirn der Kassiopeia niedergegangen sei. Sternschnuppen und Meteoriten. Es wird bei dem heutigen Stand der astro- nomischen Wissenschaft unmöglich sein, das Phä. nomen des 9. Oktober einwandfrei zu ergründen und festzulegen. So bleibt lediglich die Tatsache, daß unsere Erde wieder einmal den Schtveis eines tinbekannten Kometen durchquert und dadurch eine bisl)er nock) nicht beobachtete Zahl von Sternschnuppenfällen gesichtet hat. Ein derartiger Sternschnuppenregen ist eine ziemlich seltene Naturerscheinung. Der einzelne Sternichnuppen- fall ist natürlich eine Alltäglichkeit. Nacht für Nacht wird seit Jahrhunderten beobachtet, daß kleinste Planetentrümmer in die Bahn der Erde und in deren Atmosphäre geraten. Alan kennt ihre Geschwindigkeit, die etiva 100 Kilometer in de: Stunde beträgt. Bereits in einer Höhe von etwa 70.000 Metern verbrennen diese Sternschnuppen zu Staub. Diejenigen Himmelskörper, die bei ihrem Fall auf die Erde nicht verbrennen, sondern als metallische oder steinige Masse die Erde erreichen, werde» Aerolithe oder Meteorsteine genannt. Sie werden feit Jahrhunderten von der astronomischen Wissenschaft genau registriert und untersucht, ohne daß es natürlich gelungen ist. die genauen Bestandteile dieier Himmelskörper einwandfrei festzustellen. So besitzt das Hofmuseum zu Wien eine große Meteor- s a m m l u n g, in der ganz bedeutende Stem- nnd Eisenbrocken, die seit etwa 200 Jahren:u Mitteleuropa niedergegangen sind, aufbewahrt werden. Menschenleben haben übrigens diese Meteorsteine IN nennenswertem Maß nicht vernichtet. Seit Menschengedenken sind lediglich sechs Personen durch Meteoriten getötet worden. Der bedeutendste Meteorforseher ist zweisek- los der A st r o n o m H o f f ni e i st e r von der Sternwarte in Sonneberg, der den Sternschnuppen, und Meteorfall zu seinem Spezialstudium gemacht hat. Hoffmeister hat den Nach- weiS erbracht, daß die auf unserer Erde aufge- funüenen Meteorsteine nur zum geringen Teil von den unS benachbarten Kometen stammen, sondern in ihrer überwiegenden Mehrzahl au» dem weiten Sternenraum zu uns gelangt sind. Vor allem durch die Bewegung des Sonnensystems durch daS Weltall in Richtung deS Sternbildes der Leier, gelangt die Erde in Himmelsgegenden, die von solchen Sternschnuppenschivärmen durchflogen werden. Im übrigen ist auch Hossnieister der Meinung, daß die wifleiischaftliche Erforschung der Sternschnuppen und Meteorstein« noch in ihrer Anfangsgründen steckt, da die Erde als Teil des Sonnensystems ungeheure Bahnen beschreibe und nur etwa alle Jahrhunderte bestimmte Sternräume überschreite, die als Sammelstelle» von Welttrümmern anzusprechen sind. Der sibirische Eisenmeteorit. Der bekannteste Meteorstein der Erde dürfte der Eisenmeteorit sein, der am 30. Juni 1908 in Poü kämme na ja Tunguska in Sibirien niedergegangen ist. Dieser Meteorit toll nach den Beobachtungen der russischen Sternwarten explodiert sein, als er sich der Erde näherte und diese in einem Umkreis von etwa 800 Kilometern in einen Hitzezustand sondergleichen versetzt'haben, so zwar, daß noch«in 80 Kilometer entferntes Bauerngehöft in Flammen aufging. Die Eisenmassen deS sibirischen Meteö- riten betragen etiva eine halbe Million Meter- Tonnen. Sie sind seinerzeit unter furchtbarem Getöse in die Erdoberfläche eingeschlagen und haben einen Trichter von etwa 50 Metern Durchmesser hemuSgerissen. Dieser sibirische Eisenmeteorit besitzt in dem nordamerikanischen Arizona eine Parallelerscheinung, nämlich den berühmten Meteorkrater von Canon Diablo, der foftat einen Durchmesser von etwa 1500 Metern und eine Tiefe von 150 Metern besitzt. Die astronomische Wissenschaft ist nun der Meinung, daß der Meteor von Canon Diablo in voller Wucht in die Erdoberfläche eingeschla- geir ist, während der sibirische Eisenmeteor durch feine Explosion dicht über der Erdoberfläche«inen viel geringeren Äeleortrichter auSznköfe» vermochte. Ein dritter Meleorkrater ist in den letzten Jahren von dem englischen ForschungSreiscn- den H. St. Philby in der arabischen W ü st e festgestellt worden, der angeblich den Krater von Arizona an Umfang nock; übertreffe. Derartige Eiseinneteoviten stürzen glücklicherweise nur sehr selten und meist in unbewohnten Gegenden auf die Erde nieder. Prof. Dr. Fürbringer. Das Braunbuch ist ab Montag lieferbar durch die Zentral, stelle für da» Bildungswesen, Prag II„ Rekazanka 18. tMMMMMMMWMIWWWMMMW Volkswirtschaft und Sozialpolitik Abkommen über die Regelung der Handelsbeziehungen mit Bolen, unterzeichnet m Prag am ü.'Oktober 1932. Tie Ncgicrung hak der Nationalversammlung zur verfassungsgemäße» Durchberatung das Abkomme» über die Regelung der Handel öbeziehungeu zwischen der Tschechoslowakischen Republik und Polen, vereinbart und abgeschlossen am 6. Oktober 1933, vorgelegt. Dieses Abkommen ersetzt den bisherigen tschechoslowakisch- polnischen Handelsvertrag vom 25. April 1925 und dessen IX. Zusatzprotokoll vom 26. Juni 1928, den Polen zum 10. Oktober 1983 gekündigt hat. DaS derzeitige Abkommen enchält eine gegenseitig gültige Meislbegünstigungsklausel betressrnd die Behandlung der Waren und die Aufrechterhaltung d«S bisherigen Zustande- in Bezug auf den Warentransit und die Veterinär- Borschriften. Tas Abkommen bleibt längstens bis End« November 1933 in Kraft und wurde am 11. Oktober 1933 in vorläufige Wirksamkeit gesetzt. Welche Firma ist bankrott? Von Wilhelm von Hebra. Der Grieche Agion, welcher viele ägyptiscku Aktien besitzt, hört Gerücht«, daß ein« große ägyptische Aktiengesellschaft dem Bankrott nahe sei, hat wohl sein« Vermutungen, weiß aber nichts Bestimmtes, kann den genauen Namen nicht in Erfahrung bringen, geht zu seinem Freund Pyrgos, der ebenfalls Grieche ist und ebenfalls viele ägyptische Aktien besitzt, und fragt ihn, ob er Näheres wisse. „Ja", erwiderte PyrgoS. „Welche Aktiengesellschaft ist es?" „DaS sage ich nicht." „Warum?" „Weil ich die Aktien verkaufen will, solange sie noch hoch stehen." „DaS will ich auch." „Wenn es zu viele wollen, dann stehen die Aktien nicht mehr hoch." „Du würdest niir durch die Nennung de« Namens einen großen Freundschaftsdienst er- weisen." „Es würde aber vielleicht ein Schaden für »»ich sein." „Du tust eS also nicht?" „Nein." „Willst du mir einen kleineren Dienst erweisen?" „Das weiß ich noch nicht." „Fch schreibe zehn Firmeimamen ans und du wirst mir sagen, ob di« bankrotte Firma darunter ist." „Gut. Das will ich tun." Agion schreibt di« Nam«n auf. Pyrgo». sagt:„Die bankrotte Firma ist darunter." „Dann weiß ich, welche es ist." „Wieso?" „Weil unter den zehn Firmennamen nur einer wirklich eristiert." „Tas hast hu fein gemacht." --Jo. „Willst du niein Koinpagno» werden?" »Ja." So entstand die Firma„Pyrgos und Agion", deren Jnlmber di« größte Hochachtung füreinander hatten und zu beträchtlichem Reichtum gelaugt««. Die gri«chisck)en Schulbehörden beabsichtigen, die Geschichte von Pyrgos und Agion in oas Lehrbuch für Handelsschulen auf,zunehmen, weil sie ein so schönes Beispiel dafür sei, wie Kans- leute denken und handeln sollen. Ar Mode- ri« Seelen- zuftand....? Die Mode ist der Ausdruck eines Seelenzustands? Unsinn! Doch, es ist schon so. Stellen Sie sich, bitte, einen mit allen Schneiderkünsten ins klassische„.Herrentum" erhobenen, totschicken Gent vor: Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle. Von der sorgsam gelegten Locke, über das goldgefaßte Monokel bis zu den wie in Marmor geschnittenen, senkrecht über den Mittelpunkt der rosig pedikürten Zehen auSgclotrten Bügelfalten. Typus: Uebcrdiplomat plnS Wurstelprater. Glauben Sie nicht auch, daß solche bis zur letzten Konsequenz ausgeklügelte Münnerschonheit, die nichts als anffallen will, der Ausdruck einer seelischen.Haltung sein muß? Meine Frenndin Mirzel, aus der Mariahilferstraßc in Wien, kennzeichnete diese-Haltung kurz und klassisch: Asse, lackierter! Und nehnten Sie eine Dame, die ihre migränefveien Vormittage im Atelier ihrer Kleiderkünstlerin zubringt, um sich ein„Gedicht" aus den cypreduftendcn Leib schöpfen zu lassen. Ist lie Schauspielerin, soll mans hingehen lassen, denn dann ist dieses„Gedicht" Bcrnfsklcidung. Man soll Damen gegenüber höflich sein, aber in neunzig von hundert Fällen ist das so eine, deren Deelenzustand niein Freund Fritz, ein begeisterter Verehrer schöner Frauen, knapp und präzis umschreibt mit: Blöde Gans! Modetorheiten! Auswüchse! Dafür kann man doch die Mode nicht verantwortlich machen. Auch wir Spötter kleiden uns ja nicht mehr nach der Mode von 1890. Richtig! Und doch kann die Mode sehr weit einen Seelenzustand entblößen. Nicht nur den eines Gents oder einer mondänen Dam«, sondern den eines ganzen Volkes. Erinnern Sie sich noch der Zeit gleich nach dem Kriege? Die Frau hatte Männerarbeil machen müssen, alle die vier Schreckensjahre hindurch. Sic hatte di« ganze Zeit hindurch buchstäblich die Hosen angchabt. Sie hatte auf sich selbst gestellt zu sein, hatte auszuschreiten gelernt. Als die Männer ans dem Felde heimkchrlen, fanden sie eine Kameradin vor, nicht mehr mir ein süßes Spielzeug schwüler Nächte und nicht Niehr eine freiwillig versklavte Bedienerin deS hohen-Herrn Gemahls. Die Kleidung unserer Frauen wurde licht, leicht und frei. Die an freies Schreiten gewöhnten Beine unserer Frailcn duldeten nicht mehr nm sich her das staubige Gehege langer, dunkler, den Gang hemmender Röcke. Das Kleid wurde kurz, farbig und fußfrei und die den: Licht dargebotenen Beine schlank, rank und schön. Der Zops, ein Zeichen seiner Zeit, verfiel der Schere. Auch die Frau trug ihre.Haare gekürzt und frei wie der Mann. Sie ging erhobenen Hauptes durch die Straßen. So war eS einmal. Dann aber, so in der Mitte des dreißiger JahreS, am Beginn der großen Weltkrise, wurde es anders. Zum ersten Male fiel unS das auf an einem schönen Som- mernachinittag in Berlin am Platz der Republik. Das Tiergartenpublikum schlenderte über die breiten Alleen hinüber zum Fünfuhrlee im Kroll- aarien. Einer von uns machte die Bemerkung, daß die Kleider der Damen lang, bis über die Knie hinaus fielen und oft schon dir halbe Wade verdeckten. Er sah auch, daß der kurze rassige Herrenschnitt der.Haare einer sich im Nacken kräuselnden Lockenfeisur Platz zu machen begann. Ein in Modeoingen erfahrener Mitjünglina unter uns klärte auf: Dies sei der letzte Schrei! Die Dameumode sei tviedcr im Beavisfc, zur weiblichen dtote zurückzilkehren. Di« Röcke werden zukünftig, wie früher, wieder lang auf die Schuhe hinabfallen. das.Haar werde znrnckkcyren: lang, geflochten und im Knoten verschlungen. Die Vermännlichung der Fran sei ein überwundener Standpunkt, der Girltyp sei passö, in Zuknnst werde auch die Büste wieder rund und mollig getragen, dir Frau soll wieder zur Dame werden! „Und jetzt kommt die Verniedlichung der Frau wieder", biß sich ein anderer unmutig in die Unterhaltung hinein.„Man wird die Frau Wieder verzärteln, wird schön tun, ihr Pudelgehorsam Päckchen, Täschchen und Schirm hinter her tragen müssen. Und wenn einer von unS heiratet, wird er wieder, wie früher, die Katze im Sack kaufen dürfen, weil man vor lauter Per Packung den Inhalt nicht sehen kann." Das war bissig, aber er hatte recht! Und er hatte auch weiter recht, als er anscinandcr- schte, daß diese Veränderung in der Damenkleidung viel mehr sei als eine Modeströmnng. Sie sei der äußere Ausdruck einer längst voll- zogenen inneren Reaktion, deren Politischer Nachgriff bald genug das ganze Deutschland erfassen werde.„Die Fran", sagte er,„hat Angst bekommen vor ihrer eigenen Freiheit. Die reine Atmosphäre der Kameradschaftlichkeit zum Manne, das geistige Aus-sich-selbst-eingestellt-sein, hat das. Spahenseclchen der deutsck-en Frau erschreckt. Für sic war die Freil-cit und ihre Diode ja nur ein Spielchen ihrer Laune. Nun es klar wird, daß kurzer Rock und kurze».Haar, daß die Freiheit der Kleidung und der Haltung nichts anderes sind als das äußere Widerspiel einer nenen, freien Daseinssvrm, wird diesem Geschöpf Jahrtausende währender Unterdrückung bang«. Dir Luft der Freiheit ist kühl und herb. Und dämm diese -Heimkehr ins Glück vertrauter, langhaariger Bürgerlichkeit." „Und Ivo liegt das Ende dieses Spiels?" fragte unser Modesachverständiger. „DaS Ende? Ich fürchte, es liegt beim FascismuS, liegt im Hiilerdentschland. Was yeuie eine Modelaune sein möchte, zeigt Perspektiven, die in daS saseistische Frauenideal einmünden: Tie Frau, gefesselt an daS Hans, an der Galeere des Kochtopfes; des jährlichen Wock>enbettrs und als Bedienerin ihre« Manne«! Der Hintergrund aber wird sein der Geist von Potsdam, hitlerscher Prägung." „Meinst du?" Da« klang sehr nachdenklich, damals im Sommer 1930. Und der Weg ist gegangen worden, dort drüben im Reich. Seine Stationen sind erfüllt vom Blute und von dem Leiden derer, die oem FascismnS den' Weg versperren wollten. Dir Freiheit des Meusck>cn, nicht nur die Freiheit bei Frau, ist geschändet. Da« Werk der Reaktion ist vollbracht. Mode ist keine Kleiderfossvn, sie ist der Am druck eiuer seelischen Haltung! Friedrich Wagner. Seite 8 Dienstag, 17. Oktober 1938 Nr. 243 M4fiER ZEHIIRfi ffin Geldstück fällt... Alic Größen finb relativ. Eine il rotte ist nicht iintner eine Krane, sie ist für manchen in schlitnincn Augenblicken so wertvoll wie eine Million, lieber den Wenzels- platz gehl abends gegen 7 Uhr ein elegant gekleideter, cinigcrnwßen korpulenter Herr, der so ausstehl, als ob er sich privat der lukrativen Tätigkeit des Couponabschncideus widmen würde. Ter korpulente Herr kaust sich eine Zeitung, gibt einen Zchnkroncn-Lchein zum Wechseln und verliert dabei em Kroncnstnck Tas Stück fallt auf die Eiche, direkt vor die Füße seines eleganten Herrn. Der, ivahrscheinlich gewohnt, nur nach Tausendern zu rechnen, würdigt das gefallene Geldstück keines Blickes. Es wäre eine Kleinigkeit für ihn gewesen, sich zu bücken und das heruntcrgefallcne Stück wieder aitsznhcben. Aber der elegante Herr denkt gar nicht daran, sich solchen llnannchtnlich- kciten au-z tischen. Und d>is ist innnerhin ein Glück. Tenn hinter dem elegante» Herrn geht ein ArbcitSloscr, völlig abgertssen, fast nur noch in Lumpen gehüllt. Er hat das kleine Schicksal des Kronenstückcs miterlebt, mit einem gierigen, attsgehnngertrn Blick solgt er den Betvegungcn des eleganten Herrn, um sich schließlich wie ein Adler ans seine Beute, ans das Geldstück zu stürzen. Mit welcher Behutsamkeit hebt er die Krone auf, wie zärtlich streichelt er sic, welche Märchen aus Tausend und einer Nacht»tag sic ihm vorspiegeln! Tiefe armselige, von cinetn ele ganten Herrn verschmähte, abgegriffene Krone, sie wird hier cinetn Arbeitslosen zum Erlebnis. Und er überlegt: das gibt Brot, das gibt etwas zu essen! Ter elegante Herr ist längst wcircr- gegangen. Biellcicht wird er int Esplanade zu Abend speisen... Eine Stunde Musik für die Jugend. Tic deutsch« Bolksschul« rn Prag VII tritt Sonntag, dc-n 22. Oktober, um halb 1> Ubr vormittags mit einer neuartigen tnnstkal schen Beran staltung für ihre Kinder an fr'«^efscinltchkeit. Unter dem Titel„Eine Stunde Musik für titrserc Jugend" will sie der Musik- und K ü n st e r; i e h» n g der Kinder dienen. TaS Programm bietet durchwegs kindertütnlicix Kontpositiouen moderner heimischer Künstler. Einführetcde und begleitend«. Wo::« .solle» die Musik dem kindtchen Perstehen besondernahe bringen. Tic Komponisten werden selbst an» wokend sein. Tas Konzert ist sirr jedermann zugänglich. Regiebeitrag Kinder si? 1.50. Erwachsene Kf 2.50. Tie!« Art von Peranstaltnngcn sollen zu einer regel- mäßigen Einrichtung werden. Kunst und Wissen Gerhart Hauptmann, Hitlers Hoipoet! Ans M ü n ch c n melden die gleichgeschalxtcn Korrespoicdeuzbnros: Ten liicvariichcn Höhepunkt des „Tages der deutschen Kunst" bildet« di« auf Anordnung des Retchskanzlevs am Sonntag abend im Schauspielhaus« angesetzte Uraufführung des neuesten Werkes von Gerhart Hauptmann,„Tie golden« Harfe". Die Urausführung, bei der auch der Dichter zugegen war, erfolgt« vor ausvcrkanstem Hanse... Di« Inszenierung Otto Falke nbcrgr und di« Bühnenbilder Eduard Sturms schnsen zusammen eilte Ausführung, die usw.... Auch die Musik von Hermann Zilcher umrahmte das In der Zeit romantischer Empfindsamkeit nach 1913 wurzelnde Werk wirksam. * Wir dürfen wohl annehmen, daß kein sude- tendeutsches Theater die„Goldene.Harse" des erbärnrlich gleicksgelchaltetcn Hauptmann wird erklingen lassen! kröstnungsvorstellung im Tevlitzer Stadttheater Shakespeare:„Ein Sommernachtsiraum." Unter der neuen künstlerischen Olterleitung durch Direktor Gerhart Scherler wurde die Witter spielzeit am Samstag, den 14 Oktober, mit Shake speares unsterblichem Märchentrautn einer Sommernacht eröfsnet. Tic Spielleitung lag in den Händen Paul Lew i 11 s, der von: Schautsplelhaus in Königsberg kanimt. Für ihn und Nt-v tu fast allen Fächern neu verpflichtete Ensemble war es eine schwere, von vornherein nicht ganz lösbare Aufgabe, in der kurzen Probezeit von 14 Tagen ein Werk zu bewältigen, dessen poetische Zarilteit tiefes Einleben verlangt. Ergibt sich aus dielet Be,ücksichiigung auch eine gewisse Zurückhaltung für den Berichlerslaiter, der diesmal tveniger Rrit'ker sein möchte, Io muß doch anerkannt tverden, daß der Beginn schön uns verheißt! ttgevoll ivar. Unter den Darstellern sind nur Christa Christ! (Hippolyta), Btklor G s ch m c i d l« r(Oberon), Dols K a l i g c r(Schnucki, Karl Nanninger(EgeuS), Viktor Saxl(Schnauz) uird Joses W'chart(Ly sander) vom alten T:a»mt. In Hans Richter (Thoseus) begegnen wir einem Bekannten guten Angedenkens aus den ersten Jahren des neuen Theaters Alle übrigen sind neue Persönlichkeiten, deren künstlerische Eigenart uns erst noch in anderen Anifga-ben t ertraui tverden muß, ehe ein Urteil ausgesprochen werden kann Neben sehr beachtenStverteti Leistungen gab es auch solche, die noch besremdeird wirken. Ti« mnsikalilchr Leitung war Herrn Kapellmeister Leopold Ludwig lauch vom Vorjahre übernommen) atwertraul. Er führte das Orchester zu konzertanter Bravour und arbetteie mit jauch zender Farbcnfreudtgkclt— erzwang aber dadurch für di« Musik eine zu übermgende Selbständigkeit^ statt st«— wie mir wichtiger scheint— in den Zauber der Träumerei eluzufügen. Das Publikum legte durch außerordentlich günstigen Besuch(der große Saal war fast ausvcrkouft) ein Bekenntnis zum Theater ab und ließ sich willig in festlich« Stimmung erheben. Es gab überaus herz- l chen Beifall, der nicht mir die Darsteller und den Kapellmeister, sondern schließlich auch den neuen Tirektor wiederholt aus die Bühn« ries. Aller Anfang war gut. Mögen Oberons segnende Worte aus der Kontödie das Werk begleiten und mithelfen, unserem Theater endlich den ruhigen Weg kütestlerischer Entwicklung zu sichern im zehnten Jahr« seines Bestandes. Ernst Thöner. „Aida", die Königin des Südens unter den Opern, erstrahlte Somtlag im Neuen dcntschen Theater unter des wiedcrgckehrten Maestro B o i t o großzügiger Stabführung vor altem orchestral und in den EttsembleS glanzvoll. An Frau Pauly haben wir wieder eine Aida, deren imponierender dramatischer Sopran mit Glan; und Kraft und im Vollbesitz der höchsten Höhen diese Ensembles durchdringt und überleuchtet; aber auch sonst ist diese Aida, immer fesselnd auch in der Torstellung, von ungc- wöhnlicher Oualität, so daß sich der„Merker" veranlaßt sieht, etliche Kreidcstrichc einfach auszulöschen. 'Nen für Prag ist auch.Herr S ch r i d l als Amo- nasro, überzeugend in der Maske, vornehin und dabei doch gewaltig in der stimmlichen Entfaltung, die allerdings in der Höhe eben manches zu wünschen übrig läßt; ob eö die Grenzen dort sind oder aber nicht absolut wirkende Musikalität, die ein etwas freies Umspringen mit der Gesangslinie und den Notcniverten mit sich bringen, ist schtver zu entscheiden. Den Ramphis sang erstmalig.Herr Bender, stimmschön und kulturvoll, aber mit ungenügender Turchschlagskraft; und das Bedanerlichstc: dort, wo das eigentliche Baßrcgister in der Tiefe ansängt, hört Herrn Benders Umfang auf. Bon der übrigen bekannten Besetzung(mit Fischer als Nhadames und K i n d e r m a n n als AmneriS) scheint mit neuerdings vor allem Herr Andersen erwähnenswert, dcsien König durch Ansgeglichenheit und Adel im Ton restlos überzeugte. I. g. Abonnement 1903/34. Ansgotl»e der Plätze nur noch wenige Tage. Philharmonisches Sonder-Abonnement. Plätze für alle 6 Konzerte von sis 50.— an Für Rbounen- ten weilere Ermäßigung von 20 Prozent. Vorverkauf täglich. Prag, 18. Oktober. Ws umfangreichster Fall der gcgcmvärtigen Schwurgerichtsperiode wurde heute ein Prozeß gegen ein« slebenköpfige, höchst gesähr- liriK Einbv««Herba n de eröfsnet, der et ne ganze Woche dauern wird Ten Vorsitz führt OGR. K v a p i l, die Anklage deven Verlesung eineinhalb Stunden dauert«, vertritt Staatsanwalt Dr. Svoboda. Die Angeklagten sind meist wohlbekannte Kriminell«. Ihre gut organisierte Bande arbeitet« wirklich großzügig und mit modernsten M-Iteln. Sie ver- sügien über Motorfahrzeuge, Bankkonti ititb Banktresors, in denen die Beut« bis zur Teilung ausbowahrt wurde. Di« Regie hat sich sicher gelohnt, denn insgesamt läßt sich der Erwäg ihrer Raubzüge ans etwa ein« Million sie schätzen! Angeklagt sind: der 28sährige ehemalige Kell-' ner Josef Urban, der 36jährige ehemalige Sensal Joses Krahulec, der 35jährige Obsthändler Johann Moravee, welche drei di« Chessder Bande darstellen. Ferner spielt«ine wichtig« Rolle ihr« Helferin, die 34jährige Hausgehilfin Miloslava Najny-c, der 33jährige Fleischer Methud Zouhar, !-er 30jährige Schlosser Jaroslav FranSk, der als ..technischer Fachmann" fungierte und schließlich die .",2jährige Bedienerin Barbara Solar, MS achter Angeklagter sitzt noch der Zimmermaler Jaroslav Adam vor den Geschworenen, der mit der 'Bande selbst nichts zu tun hat, sondern nur des homosexuellen Verkehrs mit dem Angeklagten Krahulec angeklagt ist. Ans dem gewaltigen Material der Anklage seien vorläufig mir einige charakteristisch« Fälle angedeutet, da int Zuge des Beweisversahrens noch eingehender von den Einzelheiten zu berichten lein wird. Außer einigen weniger bemerkenswerten Betrügereien belrifst di« Anklage, wie erwähnt, hauptsächlich W o h n u n g s e i n br ü ch«. Die Baude hat gründ» sätzlich nur ,^roße Dinge gedreht". Ein einziger Einbruch brachte für 800.000 sir Beute und führt« übrigens zu einem tragischen Ausgang, indem die Bestohlene, d'e 80jährige Frau Emilie Brosche, aus Gram über den Verlust Selbst, mord beging. In diesem Fall spieli« die Angeklagte Rajtiyä ein« l>edetttettd« Roll«, die bet einem Verwandle»-er allen Frau, dem Pros. Dr Jng. Fan la, diente und mit deren Pevsönlichen Verhältnissen genau vertraut war, Io daß sie wertvoll« Spionagedienste für ihre Bande leisten konnte. Ans-i« Rasnyö siel der Verdacht erst durch einen anonymen Bries an ihren letzten D^enslgeber Heute„Die Zauberslöte". Nach ihrer GenesÜ-dg singen: Iren«. Eisinger die Papagena, Köche Walter die Königin der Nacht.(AI.) Gutscheine gültig. WochensP elplan des Neuen Deutschen TbcntcrS. Dienstag, VA Uhr:„D i e Zauberslöte" (A 1).— Mittwoch, 7'A Uhr: ,^B a l l i ttt 2 avoy" (B 1).— Donnerstag, VA Ubr:„Cavalleria rustieona",„Bajazzo"(C 2).— Freitag, VA Uhr:„(Ein Mantel, ei« H u t,< i ti Handschuh'(D 1).— SamStag, VA Uhr: „D r« l m äd e r lh a u s", neninszeulert(B 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 8 Uhr:„Bezauberndes Fräulci n."— Mitt- wach, 8 Uhr:„Pension Schölle r", volkstüml. Vorstellung.— Donnerstag, VA Uhr:„F ahn Gabriel Vorkman", ne-umszeniert.— Freitag. 8 Uhr:„Bezauberndes Fräulein".— SamStag, VA Uhr:„Sexte! t', Erstanssührung. Sport- Spiel• Körperpilege Hazena-Turnier der TTJ. um den Tundr-Pokal. Am Sonntag wurde in Prag zum zweiten Male das Turnier der TTJ.-Hazena»tauttjchaftcn um den Pokal des Senators Genossen Dundr ausgetragcn, an dem sich 10 Mannschaften beteiligten. Alle Spiele brachten guten Sport und als Sieger ging die erste Mannschaft der D T I. B y Z e h r a d hervor, die technisch und taktisch allen übrigen Teilnehmern überlegen war und den Pokal nun zum zweiten Male gewann. Die Ergebnisse des Turniers: VyÄchradI gegen Ntrle 7:5(1:1>, Dyöehradil gegen Chodov 13:1(5:1), Karlin gegen ÄoSik 8:2 (4:2), Prag VII gegen Krk 7:1(8:1), Ookovtcc gegen Phöeyradlkl 7:3(4:2), Prag VII gegen Karlin 5:2(3:2). Bysehrad 1 gegen Oakovice 13:4 <7:2). Pyächrad II gegen Karlin 4:1 t0: I). Das Finale bestritten Byöehradl und Prag VII, daS di« ersteren mit 11:6(6:14 gewannen. Fortschcittc im Frauenturnen. Tic Kretsvor- ttirustuttde für Frauenturnen in Falkenau war vorwiegend von Bezirksturnwartinnen besucht, welche als Leiterinnen wirkten. Tie Massenübungen sowie die Wcttübungcn wurden von der KrciSiuru- wartin Köstler enttvorfen. T>: ciusachc und gefällige Form ermöglichte die Te-lnähme aller Frauenabtcil-ungen und der kleinst!!:t Turnabteiluitg. Ein Pferdzcmeinschaftstnrnen sowie ein« Sondrr- anfnthnmg„Plutter und Kind" werden das erst« KreiSsraneuturnen, welches int Fahr« 1934 in Falkenau siatlfindet, bereichern. Auch die vom Verband für die Olnmpiadc in Prag vorgeichlagenen Trnzc werden geübt tmd sollen beim Fest-er Frauen ganz WestböhtnenS gezeigt werden. den Arzt Dr. B u r i a n, in welchem dieser daraus anfmerksam gemacht wurde, daß seine Hausgehtlsiu Mitglied einer gesährlicheu Baud« sei. Fran Burian wan-d:« sich an die Polizei, erhielt aber so beruh i g e n d« A u s k u n f t, daß sie di« Rajnyö noch ein halbes Jahr bet sich ließ, bis dies« verschwand und f ü r 1500 sie Wäsch« m i t n a h m. Weit schtimmee aber erging es dem genannten Professor Dr. Jng. Fanta, dem die Wohnung von den Spießgesellen der Rasnyö->«- Wohnungsschlüssel wegpraktizierte. Setne Komplizen nahmen schnell einen S« i f e n a bdr u ck von den S ch l ü s s c i n. während Urban da» Mädchen durch zärtliche<)>espräche beschäft'gte, und scholn-n der Ahnungslosen hieraus das Handläschchen unauffällig toteder zu. Tie Sache gelang vollkommen Außer au>-cren Einbrückten uttd Betrügereien hat sich aber N r b a n nach seiner Verhaftung zu einer Raub> aI bokannnt, für die von dem hiesigen Schwurgericht am 25. November 1931 ein Unschuldiger zu acht Jahren schweren Kerker- verurteilt worden war. Damals war ein gervisser Franz N e r u d a nebst einigen Diebstählen auch des Raubes angeklagt gewoscn, begangen dadurch daß er einer Fran Zloch im Stiege»haus ihres Hauses ein Handtäschchen mit 80.000 sie gewaltsam entrissen halt«, welchen Betrag sie in der Städtischen Sparkasse behoben hatte. Urban gestand, daß der Plan von chm, Moravee und Krahulec, also den Führern der Bande, mtSgeheckl und seine Atts- sührnng ihm übertragen wurde. Di« heutige Verhandlung war mit der Einvcr- itahm« Urbans ausgestillt, der, wie alle andere», im wesrutlicheu geständig ist, so daß das Botvc>s- verfahren nur die Rollen der cinzelttett Angeklagten in den verschiedenen Fällen zu klären hat, zn welchem Zweck über fünszig Zeugen geladen sind. Nachmittags wurde die Verhandlung vertagt, vb. Alle Genossinnen und Genossen kommen morgen abends zum Internationalen Eugendtag in den großen Saal der Produktenbörl, (Beginn 8 Uhr). Gemeinsame Kundgebung der tschechischen und deutschen Arbeiterjugend! Sprechchöre, Lieder, Ansprachen in deutscher und tschechischer Sprache. ■brgwMMr Sport, Tschechoslowakei g«gen Polen 2:1(1:0). In Warschau fand das erst« 21 uszcheldungespiel um di« Teilnahm« an der Fußball-Weluneisierschast statt, tvelchcs der Tschcchosloivakei«inen kleinen Erfolg bracht«, denn wären bei den Polen schußlräftigere Stürmer gewesen, so hätte das Ergebnis anders g«. lautet. Das Match wurde durch den tschechoslowakischen Ruttdfunk übertragen und wer sich da die Mühe und Zeit nahm zuzuhören, wird über den bürger- l'chcn Sport kaum ein« besser« Meinung erhalte» halte».. Für so ein G«lohle und Gepfeife wurdest zwei kostbare Rundsnnkstnnden geopfert! Vor dem Finale der Staotsamatrurmetsterschast. In B u d w e i s blieb der C 3 K. im Rückspiele gegen A F K. K o l t n wohl mit 2:0(0:0) siegreich, doch der Aufstieg der Kollner konnte dadurch nicht verhindert werden Weil das nun nicht gelang, so endete da- Spiel mit einem„Mißton", wie es in einem Bericht des„Montvgsblattes" heißt. Ter BMve'ser Verteidiger Michalek(ehemals DFC. BudnkeiS und DTB. Saaz) versetzt« einem Koliner Stürmer„einen derartigen Fanstichlag Ins Getickt, daß der Koliner blutüberströmt znsam- menbrach", ohnmächtig weggetragen werden mußte uud bis abends noch nicht das Bewußtsein miede verlangt halte. Das Ende: allgemein« Rauferei und die Polizei mußte den Platz räumen!— Zlln: DFC. Prag gegen 2K. Baka 2: l(2:0).— AFK. Kolin und TFC. Prag bestreiten daher die Finalspiete. In der Meisterschaft der 2. Profi-Liga gab es folgend« Ergebnisse: Olympia Pilsen gegen SK. Liben 6:4(1:0), Nnsesiky SK. gegen tAFC. 3:3 (1:2), SK. Rakon'tz gegen öcchle VIII 1:1(1:1), SK. Proßnitz gegen Meteor VIII 5:1(8:1). Prager Fußball. Viktoria 2:ikov eröfsnet« am Sonntag ihren neuen Platz am 2i?.kaberge mit einem Spiele gegen ein« Kombination Sparta— Tlavta und wurde 0:2(0:2) geschlagen.— Bohemians spielten aus ihrem Platz mit Rapid Weinberge 3:3 (2:1).— Aus dem TFC Platz« trugen Sporibrü- der und öechoslavan Kosik ein„Freunds cha s!ssPicl" aus. In dem die Tschechen Tritte und andere übliche Unsportlichkeiten vorführien und van einem Fußballspiel daher nicht viel zu sehen war. Ti« Deutschen verloren 1: 3(0:1)... Sonstige Fnßballergebnlsie. Pilsen: Viktoria gegen SK. Kladno 2:2(2:1), SK. gegen Cedit« Karlin 6:1(5:0)!— Nachod: SK gegen DSV. Zwtlau 8:2(4:1).— Karlsbad: KFA. gegen FC. Eger 8:2(5:0).— Te p l i tz: TFK. Profi gegen TFK. Komotau 8:1(1:1).— Bodenbach. TpVg. gegen Schwalbe Brüx 2:0(1:0).— Gablonz: TSV. Saaz gegen BTK. 2:2(2:1). — Warnsdorf: Retchenberger FK gegen WFK. 5:4(2:2).— Trautenau: TSV. B.-Leipa gegen TSV. 1:0(1:0).— Britttt:^idenicc gegen Wacker Wien 5:4(3:0).— Preß bürg: Äestgan gegen Ostgan des ML2z. 2:1(2:0)— Rücktritt d«o HDW.-Vorsttzenden. Am Smtn- iag hielt in Gablonz der HTW.«ine Tagung ab, in der u. a. der langjährige Vorsitzen-e Pros. W ii n! ch leine Stelle uie-erlogte. Als neuer Vorsitzender wurde Dr. Julins Treib IGablonz) gewählt Ans der Partei Sektion der so;ialdemokrattsch«n Bantbcamlen. Freitag,-en 20. Oktober, um 18!-» Uhr im Lak4 Monopol(gegenüber deut Masaryk Bahnhof) wich- ti,i« Sitzung, zu der dos Ersch inen aller Mitgleder erbeten wird. Zugettvbewcgung. S. I. k. Heute Heimabend im Heim der Zweier-Grupp« im Odborovy dum. ,D:sküss'ott. Fünf- minuienreserate. Sozialistische Jugend, Prag. H e u t c abend b Uhr im großen Lidovy bunt-Saal Hauptprobe für den Internationalen Jugendlog. Pünktlich lein!— Donnerstag 8 Uhr im Studentenheim(^d- borovy-um) Kreisleitung-Sitzung. Vereinsnadiriditen S nggemejnde. Heute vor der Singsttttide A u s s ch u ß s t tz u n g um X8 Uhr abends im Probezimnter. Der Film Richtigstellung. In einer Besprechung über den neuen deutschen Film wurde in der Nummer»tckereS Blattes vom>6. Juni auch der Film„Ein LI«c, geht um die Welt" der Hakenkreuz Produktion zugezählt. Nun ersucht unS in einem Brief vom 14. Oktober die Filtnlcihanstalt und Filmvertrieb „Monopol" in Brünn um die Feststellung, d>rß dieser Film einer der letzten Filme war, dl« noch>u „alten" Aera Deutschlands gedreht wurden H'ravtard««: S»»!r'«d r«»d.— tid«Ire»,Ii«,r: Wild«!« A t e s»« r.— vkra«iw»rtuch«r ri«d»rtk>n: Dr.»-all s t r«» t, Vra».— Druck:„Rita' kür ZiNung.»nd Buchdrock, prao.— gür di« Druck»rrsniworUtch- 0»I,1 plit-— Di« ZkxunslinarNnnaiil«,«,«urd« von»II Pih., ZctearapbenoireliioK m Ctlal Nr. IS.Soo/VII 19S0 dkwuti,«.— B«zi>dlt>>d>n»>>«den. Bei Zustellung in« Haut»dir bei durch di« Pili monatlich Ui IS— diirteNadrUch tcr iS— tzatdiatzri« ti» SS.—, ,a«tlahlt, ti» WS.—,— gnsioai««rrdr» laut Zocif DiUiQp bttechaet. Bei ölt«««» Lmlchaltun,«» pl«tt»achia».— ötückstrllung von Manulkriptr« tt/oltt«uc ktt Etnieoduaa ttt Keteuittuttle« Ein Einbrecherbande mit Miliionenbevte. Scchstagiger Prozeß.- Spfer der Banditen: Sine Selbstmörderin und ein unschuldig Dernrtekiter!