13. Jahrgang. Mittwoch. 18. Oktober 1Y33 Nr 244. Mtirlisttk vcmvUsU knlsmieaene NaünaKmen Segen anlKtaaMMe Parteien Prag, 17. Oktober. Die Regierung hat heute im Abgeordnetenhaus« einen Gesrtz- entwurs ringebracht, in welchem Bestimmungen Über die Einstellung der Tätigkeit und die Auslösung politischer Parteien sowie darüber enthalten sind, waS mit den Mandaten in den össentlichrn Körperschaften, Gemeinden, Bezirken, Ländern nnd den beiden Häusern des Parlaments zu geschehen hat, deren Träger Angehörig« aufgelöster Parteien sind. Unsere Leser werden aus der unten solgenden Inhaltsangabe ersehen, daß eS sich um einen in das politische Leben tief eingreifenden, ungewöhnliche» Gesetzentwurf handelt, den man nur verstehen kann, wenn man begreift, daß es um den Schutz der Demokratie geht. Solange die politischen Parteien auf dem Boden der Demokratie standen und mit demokratischen politischen Mitteln um dir Macht rangen, hatten all« ohne Unterschied das Recht aus die demokratischen Freiheiten, die wir unter großen Opfern, nach jahrzehntelangen Kämpfen errungen haben. Heute, da p o l i t i f ch e Parteien die demokratischen Freiheiten nur dazu benützen wollen, um die Demokratie umzubringen, muß sich dir Demokratie mit allen zweckdienlichen Mitteln wehren! Und das geschieht. Mögen di« Nationalsozialisten und alle, di« mit ihnen sympathisieren, darüber jammern, daß sie geringere Freiheiten genießen als die anderen, sie haben sich in die Sitnation, in der sie stecken, selb st hineinmanövriert. Berauscht vom HitleriSmnS, haben sie vergessen, wo sie leben, haben übersehen» daß die Berhältnisse in der Tschechoslowakei andere sind als im Dritten Reich. Die Demokratie ist nicht dazu da, von sascistische» Diktaturen sich abwürgen zu laste». Für die Zeit, in der wir leben, müssen wir uns wappnen. DaS Gesetz ist befristet; erfordern die Verhältnisse Ende 1934 die harten Maßnahmen, die eine Demokratie trifft, um sich zu verteidigen, nicht mehr, dann werden sie abgebaut werde». Die Kämpfe gegen die. Feinde der Demokratie erfordern scharfe Waffen, die schnei« den, wenn man sie anriihrt. Di« Gegner unserer demokratischen Einrichtungen müssen s ü h. l e n, weil sie nicht hören wollten! Der Rcgieriingsentwurs trifft inc Einzel» neu folgende wichtigsten Bestimmungen: 1,) Wurde durch die Tätigkeit einer politischen Partei, in erhöhtem Maße d e Telbständigteit, verfassungsmäßige Einheit, Integrität, demokratischrepublikanisch« Form oder dir Sicherheit der Tscheche. Nowak schen Republik bedroht, kann di« Regierung di« weitere Tätigkeit eine» solchen Partei einstellen »der sie auslösen. Ein solcher Beschluß der Regierung erwächst in Rechtskraft durch d'e Verlautbarung im Amtsblatt«. Mit demselben Tag« g lt«r als allen betrosfeven Personen zugestellt. Die rollen der Einstellung der TdflgltcN einer Partei iS 2.) Vom Tage der Einstellung ist jode ioeitere Tätijckeit der betreftcnvcn Partei verboten. Namentlich ist verboten die Verwendung von Abzeichen, Unkformen, Fahnen, besonderen Grußform«» u!w.. die Abhaltung von Versammlungen e'nsckstrcßlich solcher, die aui geladene Gäste beschränkt sind, ferner von Umzügen, durch die di« Zugehörigkeit zu einer solchen Partei dargetan wird oder die. wenn auch getarnt, deren Zwecken dienen. Ferner sind verboten die Sammlung von Mit- gk-edern oder materiellen Mitteln für di« Partei, der Beitri-tt zu ihr und jedwede Versündung, Ver- breitnng oder Verwirklichung ihrer umstürzlerischen Ziel«, sowie jede materielle oder sonstige Unter- stützung. Elreniso ist jode derart'gc Tätigkeit per» baten, die sich aus«ine Partei bezieht, di« gleiche oder ähnliche Ziele, wie di« Parte! verfolgt, deren Tätigkeit eingestellt wurde. 3.) Vereine jeder Art, darunter auch Handelsgesellschaften. Evwerös- und WirtschaftSge- nossenschaften ustv., die nach außen als Glied der betreffenden Partei auftraten, den Zwecken der Partei dienten oder zu deren hervorragenden Funk- tionören führend« Funktionäre der Partei gehören, kann di« Behörde a u f l ö s e n: di« Liquidierung solcher Vereine wird nach den geltenden Bestimmnn» gen vorgenommen. Statt dr Auflösung kann die Behörde den Verein usw. einer besonderen amtlichen Aussicht oder besonderen Bedingungen untenrerken oder sein« Tätigkeit einstellen. <8-l.l.Ti« Angehörigen einer eingestellten Pariei dürfen stir die Taner von drei Jahren ohne Bewilligung der Bvzirksbehörv« auch keine aus geladene Gäste beschränkt« Versammlung abhaste». Die Regierung kaim diese Frist verkürze»/ lß 5) Die Herausgabe periodischer Druckschriften, die den Zwecken der eingestellten Partei dienen, kann das LandcSamt verbieten. Auch die Verbreitung von derartigen nichtperiodischen Druckschriften kann nach 8 6 verboten werden. lß 71. Die Bezirksbehörde kann Angehörige einer eingestellten Partei sorgenden Beschränkungen unterwersen: o) der Brieizenlur ohne richterlichen Befehl: bl der Zensur der Telegramm und Telephongcspräche; e) kann die Behörde den Parteienangehörigen'anordnen, sich in ein bestimmtes Gebiet zu begeben, sich aus' einem b«- sti'mmten. Gebiet nicht.-zu entfernen, oder d kann sie die Behörde aus einem bestimmten. Gebiete ausweisen; ck) kann die Behörde die Parteiangehörigen unter Polizeiaufsicht stellen. Diese Beschränkungen sind aufzuhebcn, sobald ihre Notwendigkeit wcgfällt. (§ 8) Die Benützung des Namens der eingestellten Partei zur Bezeichnung jedwedes inländischen Vereines etc. ist verboten; Vereine, die eine solche Bezeichnung nach ihren OrganisationSstalutcn führen, haben diese Bezeichnung zu ändern; nötigenfalls kann dies das Landesamt selbst durchführen. (8 9) Die Kundgebungen von Mitgliedern der gesetzgebenden Körperschaften, die der eingestellten Partei angehörcn, oder erst in den letzten sechs Monaten vor der Einstellung aus Ihr ausgetreten find, genießen keine Immunität. <8 10) Die Angehörigen einer eingestellten Partei verlieren alle öffentlichen Funktionen, die sie durch Wahl, Ernennung oder fonstwi« in Körperschaften der Gebiets- oder Fnterestenfelbstverwaltung erworben haben, ebenso in jedweden anderen öffentlichen Institutionen einschließlich von Anstalten, Unternehmungen, Beratungskörpern etc. Dasselbe gilt auch für Ersatzmänner. Die Entscheidung über den Mandatsverlust in Selbftverwal- tungs'örpern erläßt bei Gemeinden di« zuständige AllfsikltSbehörde, bei Bezirken das LandeSamt und bei Ländern das Innenministerium. In den andern Fällen obliegt die Entscheidung der zuständigen obersten staatlichen Aufsichtsbehörde eventuell im Einvernehmen mit dem Innenministerium. Wenn für Funktionäre, di« auf diese Weis« Wegfall«», keine Ersatzmänner eintreten köwnen, sind neue Funktionäre aus Angehörigen drrsel- ben spräche zu ernennen. Das Ernennungsrech: haben die hiezu dm nach allgemeinen Vorschriften beM'enen Organe, sonst die Aufsichtsbehörde. Kanc- men Fun-knonärc in Wegfall, dee von einer gesctz- gebenden Körperschaft cntz'cndel imirdeu, so wählt diese Kövpersckraft für sie neu« Fuukdionäre. '8 ll 1 Finden in der Zeit der Einstellung einer Partei Neuwahlen in die ol»gcnauut«n Körperschaften statt, so kann die l-clrcfsend« Partei nicht kandidieren; eine solche Kaudidiitenliste ist ungüstn ebenso di« für sie abgegebenen Stimmen, Diejenigen, denen aus diese Weise oi-ne össenl- lieh« Funktion abevkanut wurde, sind für die Dauer der Einstelluug der Tätigkeit der Partei, längstens ai-cr aus drei Jahre nichi ivählbar und können auch au-i keine andere Weise derartige Funktionen nw- der erlangen. iS 12.) Angehörige einer eingestellten Partei sind, lalls sie dem Gesetz 147,10:13 über dir Perfol gung der antistaatlichen Tätigkeit von Staatsange- stelllen unterliegen, für die Zngelwrig-kcit zu dieser Partei nach!- 2 des Gesevos zu bestrafen, wenn sie hon ihrer anstößigen Tätigkeit wußten oder wissen »rußten, auch wenn sie für di« Partei sonst nicht tätig waren. (8 111.) Di« Bezirksbehörden beschlagnahmen das gesamte Eigentum der eingestellten Partei; detau- lierte Bcstimmuugrn tvcrdcn durch Regierungsverordnung erlassen. Tas beschlagnahnrtc Eigentum kann nach 14 der Liquidierung nnterwarsen wevden. Folgen der Aullösung einer Partei (§ 15.) Tie Bestimmungen über die Einstellung einer Partei gelten mit Ausnahme der Paragraph« 11 und 14 auch für dir Auslösnng einer Partei. (8 18.) Weiters verlieren durch die Auslösung auch die Parlamentarier der betrcjsrnden Partei ihre Mandate, falls sie nicht wenigstens schon sechs Monate vorher aus der Partei ausgetreten find. Ersatzmänner für solche Parlamentarier treten nicht ein. AIS Ersatzmann kann nur einlre ten, wer nicht Mitglied der aufgelösten Partei war. Für die Berechnung der Zahl der Mitglieder einer parlamentarischen Körperschaft, di«;n ihrer Beschlußfähigkeit nolwendiq ist, ebenso für die Gültigkeit von Kundgebungen oder Beschlüssen des bc- treffenden Hauses sind im Abgeordnctenhause auch weiterhin die Ziffer von 300, im Senat die Ziffer von.130 Mandaten als Grundlage maßgebend. <8 17.) Die Auflösung einer Partei ist von der Regierung unverzüglich dem ersten Präsidenten des Obersten Venvaltungsgerichirs anzuzeigen. Ueber den Mandalsverlnst entscheidet ein eigener Man- datssenat des Obersten Berwalrungsgerichte« binnen 15 Tagen in öffentlicher Sitzung. (§ 18.) Bei Neuwahlen in die gefetzgebrn- .den Körperschaften nnd in alle im Paragraph 18 angeführten Körperschaften und Institutionen darf die Bezeichnung der Wahlpartei nicht aus den Namen der aufgelösten Partei lauten. Diejenigen Personen, denen Mandate aberkannt wurden, sind für die Dauer von drei Jahren weder in die gesetzgebenden Körperschaften noch in die sonstigen angesnhrtcn Körperschaften wählbar nnd können diese Funktionen auch nicht durch Ernennung noch sonst wie erwerben. ltz 19.) Tas beschlagnahmte Vermögen einer aufgelösten Partei wird liquidiert; der Ueberschnß verfällt zugunsten des Staates. Die Art der Liquidierung wird durch ein Gesetz bestimmt. Zchlußbestimmungen. 20.) Das Innenministerium kann die Tätigkeit einer n c u entstandenen politischen Partei ein- stellcn, wen» sie offenbar dieselben umstürzlerischen Ziele verfolgt, oder zu ihrer Bezeichnung dieselbe Benennung, wie die eingestellte Partei anwendet oder wenn zu ihren bedeutsamen Funktionären Personen gehören, die Funktionäre der eingestellten Partei waren. Auch Ersatzpartkien für aufgelöste Parteien können durch daS Innenministerium aufgelöst werden. lfs 22.) llebertretungcn dieses Gesetzes werde» durch die Bezirksbehördc wegen Uebertretung mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Strafen bis zu 50.000 K,- bestraft werden. 23.) Der Unrstand, daß ein« Partei sich vor der Einstellung ihrer Tätigkeit, bezw. ihrer Auflösung selbst aufgelöst hat, ändert nichts an der Anwendung dieses Gesetzes lü 21.) Tas Gesetz erlangt Wirksanckeit mit dem Tage der Verlautbarung. Die Ermächtigung z»r Einstellung der Tätigkeit politischer Parteien und ihrer Ersatzparteien, bezw. zu ihrer Auslösung gilt nur bis 1. Jänner 1935. Mit demselben Tage verlieren die Verbote nach Paragraph 5 und 0 und die Maßnahme nach Paragraph 3, Absatz 2, nnd Paragraph 7 ihre Gültigkeit. * Ruhige Eröffnungssitzung Außer ein paar kommunistischen Zwischenrufen vollzog sich di« Eröffnung der ersten Sitzung nach den Ferien um dreiviertcl 12 Uhr in aller Ruhe. Das Hans war ziemlich stark besetzt, während die Galerien für das Publikum große Lucken aufiviesen. Aus der Miuisterbank zeigt- sich lediglich der Fiuauziuinister Drapl, da gleichzeitig wichtige Politische Ministerberatuugen über eine Reihe angeküudiglcr Borlagen stattfanden. Von den Abgeordneten der deutschen National sozialisten waren nur Gen er, Simm nnd Köhler aimx-'cnd. Knirsch fohlte; Krebs Hal sei» Mandat niedergeleat. währewS Fung. Schubert und Kasper' in Hast lst'd. Der Klub)<-- s>akenl>enzler (Schluß aus Seite S) Komintern und Einheitsfront Zu spät gelernt und alles wieder vergessen Wenn man untersucht, wie der Fascis- liius in Deutschland siegen konnte, wird man neben vielen anderen auf ein Problem stoßen, das seit.1930 die deutsche Arbeiterklasse intensiv beschäftigt l)at, ans das Problem der Einheitsfront. Daß diese Einheitsfront notwendig Ivar, um— wenn schon nicht die Arbeiterbewegung zu retten— ihr wenigstens die Kraft zu in Widerstand zu geben und damit feste Fundamente des Wiederaufbaues zu legen, das ist heute unbestritten. Nicht die Niederlage, aber das Ausmaß der Niederlage konnte durch eine ehrliche Politik der Einheilsfront korrigiert werden. Und wenn schon jene sozialdemokratischen Führer, die auf Brüning, Hindenburg und Schleicher mit Hangen und Bangen in scl)webcnder Pein starrten, diese einzig mögliche Chance nicht rechtzeitig erkannten, jo rangen sie sich in den letzten Monaten doch zu dieser Einsicht durch. Die KPD aber begriff erst als es bereits zu spät war. In der Bulle der Komintern an die cng- lische Unabhängige Arbeiterpartei verwahrt sich die Komintern-Führung gegen den Borwurf, sie habe die Einheitsfront der deutschen Arbeiter sabotiert. Im Gegenteil!, ruft Kuu- sinen:„Als das Hitler-Regime im Werden war, wer Ivar es, der die.Notwendigkeit der einheitlick)en Aktion der Arbeiterklasse, die Macht des FafcismuS zu brechcnz betonte? Schlug nicht die Komintern dies den sozialdemokratischen Parteien vor?... Vergeblich schlug sic(die KPD) der SPD und dem ATGB vor, antifascistischc Aktionen auf Ba- sis der Einheitsfront dnrchzuführcn..." Wäre cs nicht Kuusinen, der dies englischen Arbeitern glaubhaft macl)en will, nian wäre geneigt, jener oft auftauckicnden Vermutung Raum zu geben, daß die Komintern eine jener schlecht unterrichteten Obrigkeiten sei, an deren Einsicht zu appellieren nicht lohnte. Aber die Bürokraten der KPD haben nichts getan, was ihnen nicht von den Bürokraten Moskaus befohlen wurde. Wenn sic die Einheitsfront sabotierten, so sickzcr oft gegen ihr eigenes Gewissen, immer gegen die Vcrnunf. weiter Mitglicdskreise der KPD. Ini Dezember-Heft der„Internationale" von 1931 wandte sich z. B. Thaclmann gegen die„Drohung" der Sozialdemokraten, mit der KPD Einheitsfront zu machen. Die SPD sei zwar nicht der„Hauptfcind", sondern die „soziale Hauptstütze" des Fascismus, daher müsse gegen sie der„Hauptstoß" geführt werden. Das sei das„Kernproblem der kommunistischen Politik in Deutschland". Nnd dann werden die„Fehler" der Parteiarbeit gegei ßelt:„Die Tatsache, daß z. B. in unserer revolutionären Gewerkschaftsarbeit Einhcits frontangebote von oben an bc;irklick)c ADGB Führungen oder sonstige Instanzen der resor niistiscl)en Bürokratie gemacht werden konnten (Ruhrgebiet), beweist gleichfalls, daß unser prinzipieller Kampf gegen die Sozialdemokra lie nicht entschieden genug geführt wurde, um solche Fehler unmöglich zu macl)en." Ein halbe« Jahr später, im Iuniheji derselben Zeitschrift von 1932— man war von Brüning auf den Papen gekommen— erklärte Thälmann, man müsse„in der nenci Situation erst recht die Strategie des Haupt stoße« gegen die Sozialdemokratie inncrhali der Arbeiterklasse anwendcn." Dieses„inner halb der Arbeiterklasse" freilich ist schon ein. Einschränkung der Strategie, die sich notwen dig machte gegenüber der Vernachlässigung des eigentlichen fascistischcn Kampfe«, Auch in der Einheitsfront-Taktik selbst erfolg? eine leis Wendung:„Nicht„Blockpolitik" mit de:' iozialsascislischen Führern, nicht und nicnial. Einheitsfrontpolilik nur von oben, sondern Einheitsfrontpolitik von unten... entspricht Seite S r Mittwoch, 18. Oktober im Nr. 244 ben Bedingungen brr fjeitHflen Lage. Das schließt in bestiininlen Fällen und vor allem in einem Stadium der höher entfalteten Massenbewegung die Anwendung der Einheils- fronttak.ik von innen und oben im revolutionären Sinne nicht aus." Mit dieser leichten Wendung ist aber die taktische Beweglichkeit der kommunistischen Führer bereit» erschöpft, und ihre Praxis erschöpft sich in der Veranstaltung jener Komödien, in denen sich angebliche oder»hemalige Sozialdemokraten mir den Kommunisten verbrüdern. Am Tage des Staatsstreiches vom 20. Juli 1932 greift die KPD doch zum verpönten„Spihenangcbot". Diese nun endlich eingetretene Wendung kommt zu spät um eine Massenbewegung in der SPD und den Gewerkschaften anzukurbeln, die allein eine Streikbewegung noch entfesseln können. Und als die SPD und die Gcwcrkschaf.cn kapitulierten, siel die KPD wieder in ihren sanften Schlummer zurück, in dem sie die Stalin- Thälmannscheu Gebetmühlc» drehte. Bis dann schließlich das böse Erwachen kam. Hitlers Ernennung zum Kanzler steht Ende Jänner unmittelbar bevor. Die Sozialdemokratie erkennt die Gefahr und schlägt einen„Nichtangriffspakt" der.KPD vor. Am 24. Jänner antwortet darauf die„Note Fahne":„Ihr „Einheitsruf" ist die Waffe gegen die wehrhafte Einheit der Arbeiterklasse. Für diese „Einheit" marschieren heißt, wenn auch von den SPD-Arbeitern ungewollt, gegen die revolutionäre Massenaktion des Proletariats zu marschieren..." Mitte Feber wiederholt die SPD ihr Angebot und seht ist— welche Wendung in 14 Tagen— der„Einheitsrnf" keine„Waffe gegen die wehrhafte Einheit der Arbeiterklasse", sondern Torgler erklärt sich in der„Roten Fahne" zu Verhandlungen bereit:„Die KPD knüpft an die Bildung einer gemeinsamen Einheitsfront gegen den Fasris- mus außer der einzigen, daß diejenigett Arbeiter oder diejenigen Organisationen, die die Einheitsfront Herstellen, wirklich zum Kampf entschlossen find und konkrete Maßnahmen mitmachen." Vor dem Reichsgericht in Leipzig ist in der Verhandlung gegen Torgler unwidersprochen behauptet worden, daß eine Besprechung zwischen KPD und SPD... für den Tag nach dem Reichstagsbrand im Reichstag verabredet war. Der Brand, der diese Besprechung verhindert, ist ein weitleuchtcndeS Symbol für jene Einheitsfront-Taktik, deren Wesen in einem Begriff gefaßt werden kann: Z u spät!' Am 5. März schließlich— das Schicksal der deutschen Arbeiterklasse ist bereits entschieden, melden sich die Moskauer Bürokraten: „Dessen ungeachtet fordert das EK der Kommunistischen Internationale... alle kommt!- nistifchen Parteien ans, noch einen Versuch zur Herstellung der Einheitsfront mit den sozialdemokratischen Arbeitertnassen durch Vermittlung der sozialdemokratischen Parteien zu machen... ltci der Annahme und praktischen Durchführung hält es das Ckki für möglich, den kommunistischen Parteien zu empfehlen, sich für die Zeit des gemeinsamen Kampfes gegen daü Kapital und den Fascisnms der Angriffe au fdie sozialdemokratischen O r g a ni- sa t i o ne n zu enthalte n." Kein Wort ist mehr davon zu hören, daß die„Blockbildung" mit den Sozialfascisten„konterrevolutionär" ist, daß„Spihenaitgebote" eine rechte Entgleisung und nur die„Einheitsfront von unten unter kommunistischer Führung" di« revolutionäre Parole sind. Abgeordnetenhaus (Schluß von Seite 1.) hat sich überdies, w!e Jung als Vorsitzender dem ParlarnentSpräsidium vor einer Woche mitteilt«, bereits auifgclüst. Di« bisherigen Mitglieder Geyer, Kasper, Köhler und Sim nt haben einen neuen Klub„Sudetendeutsche parlamentarische Bereinigung" gebildet, dem der bisherig« De.nl>schnationale K a l I l n a nach seinem Austritt aus dem deulischnalionalen Parlamentsllub als HospltaM beipatreten ist. Auch Dr. H a n r c i ch, der auf die deutschnationale Lisi« für den Landbund gewählt wurde, ist aus der deutschnationalen Fraktion ausgetreten, di« nunmehr nur noch fünf Mitglieder zählt; von diesen fehlt« heut« nur Dr. K e i b l. Ex. pracsidio wurden di« in der Zwischen- >«it auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassenen Regierungsverordnungen den zuständigen Ausschüssen zugewiescn. Auf der Tagesordnung der Sitzung stand zunächst das vierte Zusahprotokoll zum Wirt- schaftSabkonnnen mit Deutschland, daS seit Mai 1933 Provisorisch in Kraft ist. Da» Prowkotll sieht Zollerleichterungen für ge> wisse richechasimvati-che Holzwaren, Zigaretten» und Teidenipapler sowie Zolbbindungen für gewisse Sorten von Hohlglas, Filz und Baumwollgawebe vor. Die Tschechoslowakei verpflichtet sich dagegen, Gesuch« mn Einfuhr Von Dachziegeln und gebranntem Kalk wohlwollend zu behandeln. Nach kurzen Referaten der beiden Berichterstatter wurde, da die erwartete Vorlage über daS Verbot Politischer Parteien von der Regierung noch nicht überreicht lvorden lvar, die Sitzung unter schwachen komnutnistischen Protesten geschlossen und die nächste Sitzung für heut« fünf Uhr nachmittags oinberufen. * Inzwischen war innerhalb der Regierung am Nachmittag«in« Einigung über die Vorlage betreffend die Einstellung, oeuchnngSweis« das Verbot politischer Parteien erfolgt. Nach Eröffnung der Sitzung um 17 Uhr wurde dies« Vorlage dem verfassungsrechtlichen Ausschuß mit Frist bis Donnerstag 8 Uhr früh zugc- wicscn. Kommunistische Anträge auf Abgabe einer RcgienmgSerklärung, bzw. einer Erklärung d«S Außenministers wurden als verfrüht abgelehnt und di« nächst« Sitzung auf Donnerstag, den 19, Oktober, um 10 Uhr anberaumt. * Senat Der Senat hielt gestern nachmtttagk eine Sitzung ab, in der der Vorsitzende Dr. Soukup dem verstorbenen Genossen Beutel einen ungewöhnlich herzlichen Nachruf h'elt. Dr. Soukup schilderte ausführlich den Lebenslauf des Verstorbenen und seine Verdienste nm die Arbeiterbewegung und dankte ihm in bewegten Worten für alles, wcS er in seinem Leben Gutes geleistet hat. Bei der Erledigung der Tagesordnung kam es zu einer heftigen politischen Aus- Das ist die Wahrheit über die Haltung der Kommunisten in der furchlbarcu Not der deutschen Arbeiterklasse. Verblendet und überheblich haben sie gegen die Notwendigkeiten sich gestreubt und innner zu spät sie erst anerkannt. Heute aber— poch rauchen die Trümmer der Festungen. deS deutschen Prolctaria- «inandersctzung über die Pribina-Fciern, die durch eine aggressive Rede des slowakischen VolksparteilerS Buday eingeleitet lvurde. Er beschwerte sich, daß auS dem Festausschuß di« tschechischen und slowakischen Oppositionsparteien auSgeschaltet worden seien, und behauptete, daß die Zwischenfälle der spotane Ausdruck der Gesinnung des Volkes in der Slowakei gewesen seien. Hlinka sei durch eine eigene Deputation aufgcfordcrt lvorden, auf die Tribüne zu gehen und zu sprechen. Ihm erwidert sehr scharf der flowakische Agrarier Dr. 8 r o b cr r, der die volle Schuld der Hlinkaparlei an den Vorfällen scststellle und ihr daS Recht absprach, namens der Slowaken zu reden. Zum Schluß hielt Mikullöek wieder einmal eine Brandrede, die zu einen! erheblichen Teil der Zensur verfiel. Di« Erledigung der Tagesordnung wurde dann auf Freitag, den 20. d., um l l Uhr vormittag» vertagt. Novcmbergehalt erst am Zweiten Prag, 17. Oktober. Dar Finanzministerium teilt mit: Auf Grund der der Regierung im 8 24 des Gesches vom 28. Dezember 1932, Z. 204 erteilten Ermächtigung wird eine Regierungsverordnung lterauSgegcben werden, wonach der Auszahlungsvcrmin für di« im voraus zu zahlenden Gehälter auf einen spälern Tag im Monat verschoben wird. Infolge dieser Verordnung werden die im voraus zu zahlenden Teile der Dienstbezüge, die für November am 31. Oktober m zahlen wären, am 2. Nove mb e r und die Bezüge, die am 1. Dezember hätten fällig sein sollen, am 4. Dezember auSgr^rhit werden. Der Fälligkeitstag, d. i. der Tag, an dem der Anspruch auf die Dienstbezüge(bei pragmatikali- schen Angestellten z. B. am ersten Tag jedes Monatesf entsteht, wird durch diese Maßnahme nicht betroffen, so daß an den materiellrechtlichen Ansprüchen nichts geändert wird. Genosse Joses Goth Senator. An Stelle des verstorbenen Genossen Fran; Beutel wurde von der Partei Genosse I. G o t H-Warnsdorf, in den Senat entsendet. Genoss: Goth ist allen in der Partei tätigen Menschen und besonders den in der Kommunalpolitik wirkenden Genossen kein Unbekannter. Neuer Abgeordneter. An Stelle deS kürzlich verstorbenen Mgcordnctcn Jan I a n ä c k(tsch. Agr.l, dem in der gestrigen Parlamentssitzung der Vorsitzende einen warmen Nachruf hielt, wurde als Nachfolger der evangelische Pfarrer von Lilina Fedor Nuppeldt ins Parlament berufen. Abgelehnte JnterpellationSbeantwortung. Iustizminister Dr. Meißner ha! die Beantwor- tung einer Interpellation deS deutschnationalen Abgeordneten Dr. Schollich abgelehnt. Die Interpellation enthalte in der.Hauptsache nur allgemein« Angriffe aus das Gerichtswesen und di« Behörden in Hultschin: wegen ihres grob beleidigenden Tones verweigert der Minister daher ihre Beantwortung. tes— haben sie wieder alles vergessen und nichts gelernt. „i u inrnn—»mni 11111 ii 111111 mw—i Lilith und der Komet I Bin abenteuerliches, modernes | Märchen von Kurt Doberer Dick hielt den Atem an, um seinen Standort nicht zu verraten. In seiner Hand lag die kleine Maschine mit dem mattblauen Lauf. Vielleicht starrten drüben auch zwei runde Mündungen. Wer zuerst sah— wer zuerst schoß—_ Jetzt!— Dick hob die Pistole. Enn.Hand schob sich langsam an den Lichtkegel heran. Als sic sich um de» Lampenkörper schloß, sah Tick auch die Umrisse der Gestalt. Zweimal krachte die Pistole. Ter Mann sprang auf, taumelte. Noch im Sturz hielt er die Lampe fest. Ter Lichtkegel schuelltc im Kreis um den Zusammcnbrechenden. Dieser tanzende Blitz hatte genügt, um Dick auch den zweiten an der Wand zusammengekauert zu zeigen. „Hast, nicht mehr schießen!" heulte der auf. „Weiter. Mensch, den Gang hinunter!" kommandiert« Tick. Tastende Schrille zeigten, daß sein Befehl befolgt wurde. Drüben bezeichnet« leichter Lichtschimmer die Stell«, wo die Handlampe unter dem Körper deS anderen begraben lag. Noch einmal kracht« Dicks Pistole. Ter ander« gab keinen Laut mehr. Er lvar tot. Mit einem Ruck schob Dick den Körper beiseite. Neben der Handlampe lag mattglänzend «in Browning. Durch diesen Zwischenfall war kostbare Zeit verloren gegangen. Ungeduldig eilte Tick den Gang hinunter, di« Orientierungsnummern an- leuchtend. Hier lvar Kanimer sechzehn ucid hier war Verdammt! Hier standen die Gas- 'chollen offen! Ter Strahl deS LichtwerfcrS taumelt« haltlos um di« schwere Stahltüre. Dick schien cs als würde kalter, schwarzer Nebel auf ihn cin- dring-:n. Aber«r krallte die Fingernägel in die Handfläche. Weiter spielen! Nur die paar Minuten— Dick drang in die Kammer ein. Sic war leer. Kleider lagen verstreut. Apparate hingen in Unordnung. Auf dem Teppich vor einem Lederpolster stand ein Frauenschuh. Dick starrt« auf den Schuh. Warum, warum ist das nur einer?, dachte s«In Hirn hartnäckig. Und Lilith? Lilith! Aber da, da war noch eine Türe— eine Nummer, siebzehn— zwei. Siebzehn zwei!— Siebzehn— zwei war für sich gesichert. Und die Tur« war geschlossen. Lilith! Lilith lvar da drinnen. Dick schlug mit einem Hocker gegen die Türe. Kein Laut. Kein« Antwort— Nichts Er trat in die Schotte— verschraubte die Dichtung— saht« den Hebel— pumpte gasfrei. Dann begann er die zweite Stahltüre auf- '.nknrbeln. Es ging langsam! Biel zu langsam! Dick zwängte sich durch den Spall, den der Mechanismus eben frei gegeben balle. Dick« Lichtwes«r schickte den Strahl nervös lastend durch d«n Raum. Dort! Da log«in Körper, ein« Frau— Lilith! „Lilith!" schrie Dick. Seine Stimme war rauh Vor Erregung. Ein blasics Gesicht hob sich über di« Polster. Augen warfen sich ihm entgegen. Dick war toll vor Glück. In Liliths Flüstern war h«iß«r Jubel. „Wie habe ich gewartet! Ich wußte, daß Du kommen mußt! Wir sterben— nun sterben wir zusammen!" Tick hatte ihre Hände gepackt, ihren Körper an sich gerissen und nun küßte er sie. Er küßte ihren Mund, ihre Augen und ihr Haar. Sie erzittert« vor Glück, mit ihm zu sterben. Aber in Ticks Stimme war warme Sehnsucht nach dein Leben und die Sicherheit seiner Macht über den rasenden Tod. „Nein, Lilith,— nicht sterben— leben! Wir werden leben— wir!" Lilith lvar znsammcugezuckt. Ihr Körper lvidcrstreblc. In ihren Augen stand Mißtrauen. „Wir st«rben", meinte sie eigensinnig. „Das Leben will uns!" sagte Dick, härter als er wollt«. „DaS Leben will mich nicht mehr", stöhnte Lilith. Ihre Stimme klang gebrochen. „Lilith," sagte Tick rauh,„in lvenig Tagen ist alles alte ansgelöscht. Willst D» uns quälen?" „Ich lvill sterben", flüsterte Lilith lrise. Wortlos hatte Dick begonnen, an der Radio- Apparatnr zu arbeiten. Einen Augenblick dachte er noch daran, daß er für diesen eigenwilligen Menschen dou inliner wieder nicht nur sein eigenes Leben— das war ja sein Recht—, sondern auch das seiner Kameraden aufs Spiel setzte. Draußen kreuzt« der treue Harley mit dem Flugzeug. Der halte das gcsährlichsle Stück Nachtarbeit. Wenn auch der Mondschein hals und daS Komctenlicht; eS würde trotzdem eine halsbrecherisch« Landung werden. Reiner Zufall war c-, daß nun di« Kammer siebzehn so nahe unter der Straße hinter dem Hügel lag. Da brauchte Harley wenigstens seinen Hals nur in der Maschine riskieren. Aber diese Maschine, bei der Ticks Gedanken waren, bekam keine Wellen von seinem Sender. Dick konnte di« Verbindung nicht kriegen. Der Lampenhrizstrom lag auch weit unter dem roten! Strich. Jemand mußt« Keine Zweideutigkeit Das Verhalten des Obmannes des Lehrer« bundes Nohn In Santander. Wir haben vor einigen Tagen ein« Zuschrift der Bereinigung deutscher sozialdemoiranscher Lehrer veröffentlicht, in welcher mit Recht bis Verhalten deö Obmanmeü des Deutschen Lehrer- bundcS,.Herrn Fachlehrer Eduard Rohn(Reichen- berg), auf dem Internationalen Lehrerkongreß in Santander einer Kritik unterzogen wird. Tic „Freie Schuljeitnng", das Organ des Lehrer- bnndcS, versucht nun in ihrer Ausgabe vom 5. Oktober.Herrn Rohn reinzuwafchen. Dieser Versuch ist völlig mißlungen. Fest steht, daß auf dem Kongreß beantragt worden ist, die Vertreter der hakenkrenzlerischen Lehrcrvcr- einigung Deutschlands nicht nur nicht als Delegierte, sondern auch nicht als Gäste auf dem Kongreß zuzulasien, was mit Zweidrittelmehrheit angenomnien lvurde, wofür aber.Herr Roh» nicht gestimmt hat. Wir erhalten mm von feiten der sozialdemokratischen Lehrer eine neue Zuschrift, in der die ganze Angelegenheit weiter aufgeklärt wird. Es wird da der Bericht deS Vertreters der österreichischen Lehrerschaft zitiert, in dem es u. a. heißt: Die Franzosen bestritten überhaupt dir Bc- rcchtiguua des Erscheinens der deutschen Vertreter, da sic keinen Verein von Lehrern, sondern eine Zwaugsorganisation darslcllen... Die Französin erklärten am Ende der stundenlangen Debatte, daß st«, falls die Vertreter deS Erzicherbundes hier- blieben, den Saal verlaßen müßten, denn, so erhärte der Präsident DclmaS mit ganz unsran- zösisch ruhiger Stimme:„W i r s c tz c n u n S n i ch I neben Henkersknechte!" Der Antrag des Herrn Rohn, die Internationale Vereinigung der Lchrcrverbäude möge zur Aufnahme des Deutschen Erzicherbundes erst dann Stellung nehmen,„tvenn von dieser neuen Organisation eine besondere Anmeldung vorliege» wird", ist also nichts anderes gclvescn als oin taktisches Manöver, nm über eine peinlich« Lage rascher hinwegzukommcn und einer klaren Stellungnahme a u S w c i ch e n zu können. DaS Entscheibeudr ist daS eindeutige Eintreten deS Herrn Rohn für die Teilnahm« der reichüdeutschcn fascistischen Lehrer au dem Kongreß der Lehrerinternational« überhaupt. Wenn der Deutsche Lehrerbund sich wirklich ernst zur Demokratie bekennt, daun müssen seine verantwortlichen Führer wissen, daß in einer demokratischen Vereinigung Fascisten unmöglich sitzen können. WaS die Fascisten in Deutschland ans dem Gebiete deS Schulwesens verbrochen haben, ist allgemein bekannt. Nicht bekannt allerdings der sudetendcutschen Lehrerschaft, wril das Organ des Deutschen Lehrerbnndcs über die Brrhält- nisse in Deutschland nicht Bericht erstattet. Tic Nationalsozialisten haben in Deutschland tausende dcmolratisck)«, republikanische, vazifistische und sozialistische Lehrer aus den Schulstuben gejagt. Erst in den letzten Tagen bat der preußische Kultusminister Rust nntgcteilt, daß alle marxistischen, liberalistischen, demokratischen und pazifistischen Lehrer, soweit das noch nicht geschehen ist, auS dem Amt hinausgeworlen tverden mußten, tveil mit diesen die militäriscl>eu und völkischen Erzichnngsprogrammc nicht verwirklicht tverden können. Eine Gemeinschaft mit derartigen Menschen ist für einen Demokraten unmöglich und deswegen hat Herr Rohn in Santander falsch gehandelt, als cr die Nationalsozialisten als Gäste zulassen wollt«. Die wirklich demokratische Lehrer- schäft in der Tschechoslowakei ist mit Herrn Rosin nicht einverstanden und verurteilt seine Hand- lungsweisc aus das schärfste. „.Hast Du an den Apparaten geschaltet?" fragte Dick über die Achsel zurück. „Ich wollte«och Dir rufen. Und—" sagte Lilith leise. „Und— jetzt will er nicht einmal sterben!" vollendete Tick, einigermaßen wütend, den Satz. „Bei dieser so unnützen Beschäftigung hast Du jetzt die Batterie noch ruiniert. Run kann'ch hinaus und eine neue juckten!" „Geh doch— geh! Versäume nur Deine so wertvolle Zeit mit so unnützen Dingen Ivie—" wie mich, wollte sie sagen; aber sie schluckte cs doch hinunter.„Aocr—", suchte sie nach einem besicren Trumpf,„aber vergiß nicht, Dich zusttzt auch zu retten." Lilith hatte ihre sinnlosen Worte immer leidenschaftlicher hervorgestoßen. Sie wnszte selbst, wi« ungerecht das alles war. Weinen schüttelte sie. Sie Preßte das Taschentuch an den Mund. Schweigend stülpte sich Dick das Gußschntz- gerat über. Dann setzte er den Tchlcusenmrcha- »ismuS in Tätigkeit. „Du läßt mich allein?" sagte Lilith ungläubig und mit tonloser Stimme. „Du weißt doch, nur kurze Zeit, nur wenige Minuten!" suchte Dick sie zu trösten. Aber Lilith wollte nichts verstehen uuö Wollte keinen Trost. Und doch flüsterte ihr Mund: „Dick— Du bleib!" Sie drückte den Kops in die Kisten. Ein Zittern lies durch ihren Körper. Dick war mit drei Schritten bei ihr. Er strich leise über ihr glänzendes schivarzcs Haar, bis sie ruhig lag. Aul den Fußspitzen schlich Dick zur Tür, trat in die Schotte und schleußte sich nach außen. In Kammer Siebzehneins traf sein Llch' Werfer zuerst wieder diesen verlassenen Frauen- schnh auf dem Teppich. Dann tanzte der Lich' strahl die Wände entlang. An der Marmartat,-' mit den Kantschukschriben und den Rickelhebeln blieb er liegen. Nr. 244 Mittwoch, 18. Oktober 1088 Seite 3 •• •• 8 *4: W straßcnaktion ist urvter■ cheiuo, wie es da» Gc- Personell als mit dieser ringeflilirl wird. dieser Richtung A-Abteilunge»« in den Reichstag einseien und dort den Brand gelegt beantrage, die genannten dafür zu laden, daß sie nicht das g«ringste zu tun haben hab« die diensthabenden Beamten um 1 Uhr nach I Gang verloren ging und auch verschwunden blieb. Hause geschickt. Ze uge: Zu den diensthabenden Be-sDieser Borgang liege aber sehr weit(?) Goering„vernahm“ einen Belastungszeugen! Der Telelonanrut lm Kommunistischen frahtionszlmmcr Zu Beginn der Bcrhandiuna nimmt der Obcrreichsanwalt Stellung zu den Beweisanträ- gen, die Rechtsanwalt Dr. Teichcrt für die bulgarischen Angeklagten gestellt hat. Ter Vorsitzende erklärt, daß der Beschluß des Senats über die Veweisanträge morgen verkündet werden wird. Es wird nunmehr der Postschaffner Otto, der damals die Briefkastcnenlleerung im Reichstage besorgte, als Zeuge vernommen. Ter Zeuge schildert seine Beobachtungen bei der ü Uhr-Leerung Er sei durch die Wandelhalle zum Portal II gegangen, wo er einen kleinen Kasten geleert habe, und sei von dort zum Postamt in der Wandelhalle gegangen, nm auch dort den Kasten nachzusehen. Durch das Portal 5 habe er dann den Reichstag verlassen. Es sei v o l l st ä n d i g dunkel in der Wandelhalle gewesen. Geräusche oder Gerüche habe er nicht wahrgenommen. Wenn er sich recht erinnere, habe mindc. stcns der eine Flügel der großen Glastür zum Plenarsaal ofsengestandc». Als nächster Zeug« wird Tischlermeister Lippert vernommen, der sich ausführlich über di« hölzerne Innenausstattung des Plenarsaales äußert. Hein Brandmaterlai durch das Portal ll. Der Amtsgehilfe Wokiick, der seit 11 Jahren Pförtner am Portal war, bekundet, er habe am 27. Feber ein paar Minuten nach 8 Uhr das Portal geschlossen. Ter Zeuge hat das Portal wie immer verschlossen und auch den Riegel vorgeschoben. Auf die Frage des Borsitzenden, ob jemand seinen Schlüssel zum Portal benutzen könnte, erwidert der Zeug«, daß das unmöglich sei. Auch die Anfertigung eines Wachsabdruckes von dem Schlüssel hält er kür ausgeschlossen. Die Frage des Rechtsanwaltes Dr. Teichert: Haben Sie am Brandtagc oder vorher durch Portal II«inen Mann mit einer Kiste gehen sehen? beantwortet Zeuge mit: Nein. Dr. Sack: Im Auslande und im Braunbuch wird behauptet, der nationalsozialistische Bauinspektor Seranovitz natübeschluß, den Beweisanträgen deS Oberreichsanwaltes st a t t z n g c b e n. Die Vernehmung der Zeugen Heines, Schulz und Graf Helldorf soll bereits am Freitag ersolgen. Ministerpräsident Goering und ReichSminister Goebbels sollen vernommen werden, wenn das Gericht mit den p o l i t i s ch e n Erörterungen beginnt. Vie Verhaftung des Advokaten Villard Paris, 17. Oktober. Der Leiter der französischen Botschaft in Berlin intervenierte gestern bei der deutschen Regierung, indem er A u s k l ä- ru n g darüber forderte, weshalb der französische Advokat Billard, welcher dem Prozeß van der Lubbe in Leipzig beiwohnte, verhaftet und gefangen gehalten wird. Gleichzeitig mit dem französischen Advokaten waren drei bulgarische Advokaten verhaftet worden. Berliner Regierungükreise deutele» an, daß der französische Advokat sreigelassen, gleichzeitig aber in Kenntnis gesetzt werden wird, daS deutsche Gebiet unverzüglich zu verlassen. Holländischer Journalist verhaltet Berlin, 17. Oktober. Der bekannte holländische Journalist van Swindcrcn wurde heute vor Betreten des Gerichtssaals, wo der Reichstagsbrandprozeß verhandelt wird, von deutschen Ge- hcimpolizistcn verhaftet. Er wird beschuldigt, in einem javanischen Blatte einen Artikel ve-össent- licht ni haben, worin er den preußischen Ministerpräsidenten Goering beleidigt hätte. Tas Eontibüro erklärt, von Stvinderen sei von Kriminalbeamten nur zn einer Bcriichmung ins Polizeipräsidium gebeten worden. Entgegen anderslautenden Meldungen handle cs sich nicht um eine Bcrhastnng. Die Bcrirehmung dauert noch an. Freiherr van Swindcrcn hat im Laufe Polizeipräsidium tvieder zurück. her Anwalt Goerlngs lädt hohe Zeugen Oberreichsanwalt Dr. Werner betont dann in längeren Ausführungen, im Braunbuch werde ohne jeglichen Versuch des Beweises die Be hauptung ausgestellt, daß durch den unterirdischen Gang unter Führung des Polizeipräsidenten Heine s-Brcslau, des Oberleutnants Schulz und des Polizeipräsidenten Graf Hclldors- Potödanl i gedrungen haben. Er Zeugen Sach« MM_ MM Er beantrage weiter, als Zeugen den preußischen Ministerpräsidenten Göring und den Reichsmini. sler Dr. Goebbels zu loden. In dem Braun buch wurde behauptet, daß Minister Goebbels und Goering als Urheber des Planes gegolten haben. Es sei«ine Pflicht, wenn solche„unrrhörle und unbc- lviesenc Verdächtigungen" in die Welt gesetzt werden, daß dann auch diesen Herren die Möglichkeit gegeben werde, insbesondere auch über die damalige politische Lage und die dadurch notwendig gewordenen Maß nahmen vor Gericht unter Eid auszusagen. Nach kurzer Besprechung mit den übrigen Ee-Ides Nachmittags das natsmitgliedern verkündet der Vorsitzende den Sc-s verlassen. lichen Löhne bei Arbeiten, die vom Land« vergeben werden, nicht eingehaltrn worden sind. Es wäre gerade in der heutigen Zeit notwendig, daß diese Einrichtungen, die gesetzlich s e st g c l e g t wurde», auch eilige- holtcn werden. Ich möchte deshalb folgenden'Antrag eiubringen: 1. Ter Landeaauaschuh wird beauftragt, die Verträge über Arbeiten und Lieferungen für das Land durch die Bedingung zu ergänzen, daß Firmen, die die K o l l e k t i v- Verträge und sozialen Arbeiter- schutzbestimmungen nicht einhal- t e n, zur Einhaltung durch Festsetzung eines entsprechende» PönaleS, welches im Fall« der Verletzung zugunsten des Landes zu verfallen hat, verhalten werden. 2. Der LandeSauSschuß wird beauftragt, der Landesvertretnng in der nächsten Session eine» Bericht darüber vorzulegen. Bei dieser Gelegenheit muß man noch au? einen anderen Punkt Hinweisen. Wenn schon die Arbeiten, die das Land durchführen kann, infolge der beschränkten Mittel nicht so umfangreich sind, unl wirklich der schweren Wirtschaftskrise etwas siencrn zu können, so sind wir doch der Meinung, daß bei den Arbeiten, die das Land zu vergeben Hot, wenigstens die sv-Stunden-Woche Zch unterbreite daher auch in einen Jlntrag, der lautet: Mit Rücksicht ans die Bei der Debatte, die in der Landcsvertre-s tung Dienstag, den 17. ds., über das Kapitel „öffentliche Bauten" abgcwickelt wurde, ergriff Genosse Deisler das Wort, der u.«. folgendes ansführte: Di« Auswirkungen der Krise treffen in vollem Ausmaße und in erster Linie die Arbeiterklasse. ES ist bei den Beratungen der anderen.Kapitel bereits ausführlich darüber gesprochen worden. Ich möchte nur erwähnen, daß bei der Durchführung der öffentlichen Arbeiten, das Land di« Möglichkeit hätte, der Arbeitslosigkeit einigermaßen zu steuern, indem es die ösfentlichen Arbeiten zur Durchführung bringt. Mr klagen schon seit vielen Jahren Uber den schlechten Zustand, in denen sich unsere Bezirksstraßen befinden. Einzelne Gemeinden sind nicht mehr in dec Lage, Straßen zu bauen. Sie können nicht mehr die ersoreerlichen Aufwendungen für Schotter und Sand machen, um die-Straßen zu erhalten, und könne» dieser wichtige» Ausgabe nicht mehr gerecht werde». Sie sind auch nicht mehr in der Lage, die Subven- tionen in Anspruch zu nehmen, um die Straßenback- ten durchführen zu können, da sie den für sie vorgeschriebenen Anteil nicht mehr aufzubrmgcn vor mögen. Die Durchführung der nomine» wurde» nach dem. setz zur Regelung der Finanzen der Lekbstverwal- tungskörzier vorschrcibk. Es ist ein AuSgleichssonds geschaffen worden. Nun können wir aus den bisherigen Erfahrungen bereits die Mängel dieses Shstems erkennen. Die Mängel des bestehenden Shstems in der Straßrnaklion trifft gerade jene Bezirke am schwersten, die am meisten die Abhilfe brauchen würden, nämlich jene Bezirke, wo die Arbeitslosigkeit am krasseste» Ist. Gerade in dieser Beziehung Hal die Landcsstraßenaktion im gewissen Sinne vollkommen versagt. Wir haben von dem Betrage in der Höhe von rund 13 Millionen Kronen, der hier im Kapitel 9 für Slraßenban- ten eingesetzt worden ist, ungefähr drei Viertel dieses Betrages für die Straßenaktion verwendet. Das Land selbst Hal nicht mehr die Mittel für diese Zu- wendnngen, es ist daher z» begrüßen, wenn der Landesauöschuß in seinem Berichte neuerdings wieder in feinen Ansprüchen an das Arbritenministcrium das Verlangen stellt, legislativ den Weg vorzuberci- len, daß das Gesetz Uber den Straßensouds abgeändert wird. Es muß vor allem verlangt werden, daß die Bezirksstraßen den Staatsstraßen vollkommen gleichgestellt werden. Noch etwas muß gesagt werden: Es ist in der letzten Zeit sehr häufig Vovgekoinmou, daß bei den OsfertauSschreibungen die Arbeit nicht an die b i l- l i g st e Firma vergeben worden ist. Dann hat eS sich ereignet, daß gerade Firmen, die die Arbeiten bekommen haben, nicht sehr solide Arbeit g e l e i st e t haben. Wenn solche Prager Firmen ihre Arbeiter mitbringen und die heimischen Arbeitslosen, die schon jahrelang arbeitslos sind, zum größten Teil kein«'Arbeit bekommen, so können Sie sich ungefähr vorstcllcn, daß sich die Bevölkerung Über solche Tinge empört und darin ein« Ungerechtigkeit erblickt. Vie Kollehtivverträgc Boi verschiedenen Firmen ist es vorgekonnncii, daß die sozialpolitischen Gesetze und die Vertrag amte» gehöre auch ich. Uns hat niemand nach Hause geschickt, und ich habe auch gar nichts darüber gehört. Ter AmtSgehilfe Kohls, der seit 20 Jahren in der Garderobe beim Portal II tätig ist, sagt aus, am 27. Feber, etwa 10 Minuten vor 8 Uhr, habe noch die Garderobe Torglcrs am Riegel gehangen. Er habe anrusen wollen, ob die Garderobe nicht hinaufgeschafft werden könne. Zwcinial habe er die kommunistischen Fraktionszimmcr gerufen; cs habe sich aber niemand gemeldet und auch das Besetztzeichen sei nicht gekommen.(DaS wäre belastend für Torgler, der erklärt, er habe das Fraktionszimmer nicht verlassen.) Nach dem zweiten vergeblichen Anruf habe ihm ein Fahrstuhlführer auf einem Ncbenapparat den Anruf gemeldet, daß er Torglcrs Sachen nach oben bringe» solle. Die Frage des Reichüanwalles, ob es ihm ausgefallen sei, daß er keine Verbindung bekam, verneint der Zeuge. Saft wundert sldi über Goerins Als der Zeuge im weiteren Verlauf seiner Vernehmung erklärt, daß er seinerzeit zuerst zum Ministerpräsidenten Goering gefahren und genau das gesagt habe, was er auch hier gesagt habe, fragt Dr. Sack, ob diese erste Aussage beim Ministerpräsidenten Goering nicht ei« Irrtum sei. Er könne sich nicht vorstellen, daß Ministerpräsident Goering eiue Vernehmung angestellt hat. Daraus erklärt der Zeuge, er sei um dreiviertel 9 Uhr nach Hause gekommen und habe sich uni halb 10 Uhr mS Bett gelegt. Gleich nach 10 Uhr habe sein Nachbar geklingelt und mit- getcilt, der Reichstag brenne. Er sei dann sofort mit der Straßenbahn zum Reichstag gefahren. Ein Polizcibeamter wollte ihn nickt in das Gebäude lassen und sagte, Minister Goering sei gerade drin, worauf ich erwiderte, daß ich gerade zu Goering wolle. Er sei dann inü Portal II gebracht worden, und sei später zusammen mit dem Ministerpräsidenten Goering, der ja auch gleichzeitig RrichStagSpriisident war, im Auto nach dem Ministerium Unter den Linden gcsohrcn und dort vernommen worden. Wenn er nicht irre, sei cs D a l u e g e gewesen, der ihn zu Protokoll vernomnien habe. Der Oberreichsanwalt bemerkt dazu, daß Daluege damals Chef der Kriminalpolizei war. Der Angeklagte Dimitrow stellt dann wieder einige Fragen, unter anderen«, welcher Partei der Zeuge angehört. Kohl erwidert: Ich habe noch Nie einer Partei angchört. Auf eine Weiler« Frage Dimitrows ob der Zeuge mit dem Ministerpräsidenten Goering noch^inmal zusam- mengekommen sei, erklärt Kohl, in Sachen der Brandangelegenheit nicht. Portalschlttsscl und unterirdischer Gand Nach der Pause kvird der Pförtner Woköck vom Vorsitzenden nochmals gefragt, wie er sich die Beobachtung des Zeugen Bogun erklären könne, daß spät abends ein Mann aus dem Portal ll herausgelaufen sein soll. Wocköck erklärte, daß dann dieser Mann nicht nur über ciuen Nachschlüssel zum Oeffnen des Portals verfügt, sondern unbedingt a«,.h einen Helfer innerhalb deS Reichstages gehabt haben müsse, der nachher von innen das Portal wieder so verschlossen und den Riegel so vorgelegt habe, wie eS tatsächlich der Fall war. Der Betriebsingenienr des Reichstages Risse äußert sich dann über die technischen Anlagen des Reichstages. Die Frage deS Rechtsanwaltes Dr. Sack, ob im Keller eine Anzahl als Akten oder Waffen deklarierte Kisten mit Brandmaterial gelegen habe, wie es im Braunbuch stehe, verneint der Zeuge. Die Frage des Rechtsanwaltes Dr. Sack, ob das Personal des PrästdentenhauseS, wenn es ins RclchStagSgebäude gelangen will, den unterirdischen Gang benutzen müsse, bejaht der Zeuge. Dr. Sack: Wenn nun im Präsidentenhans eine sogenannte StabSwachc von 30 Mann ständig gelegen habe, hätten Sie und ihre Leute das beobachten müssen oder hätte Ihnen das entgehen können? Zeuge erwidert, daß ihm das hätte entgehen können, aber der Obermafchinenmeiswr Mutzka könne vielleicht darüber Auskunft- geben. Als nächster Zeuge wird Obermaschinenineistcr Mutzka vernommen. Er erklärt, daß der unterirdische Gang nicht vom Reichstag zum Präsidentcnpalais führe, sondern vom Reichstag zum Maschinenhaus. Ter Gang habe später«ine Abzweigung zu dem später erbauten Präsidentenhaus erhalten, um auch dieses Haus mit.Heizung zu versorgen. Wenn das Maschinenhaus in Betrieb sei, seien beide Türen des Ganges geöffnet. Ter Vorsitzende erklärt dann, daß«ine O r t s- ■ besichtigung vorgenommcn werde, um«in« bessere Grundlage für di« weiteren Erörterungen . über den unterirdischen Gang zu haben. ' Ein Gandsdilllssel dlna verloren , Auf weitere Fragen erklärt Mutzka, es sei , einmal vorgekommen, daß ein Schüssel zum Arbeitslosigteii sind die Unternehmer der vom Lande durchgeführten oder unterstützten Bauten zu ver» pflichten, die Arbeiter, nur 40 Stunden wöchentlich zu beschäftigen. Dieser Antrag ist dem Landesansschuh mit dem Austrag zuzuweisen, über die aetrossenen Maßnahmen in der nächsten Session der Landesvertretung zu berichten. Ahluhr illr die adrarlsüie Inllatlonspropadanda Während der Debatte über das Kapitee „Oeffentliche Arbeiten" erhob der tschechische Agrarier S y ch r a die Forderung nach infla- t i o n i st i s ch c n M a ß n a h m c n in der Tschechoslowakei. Nach ihm meldete sich Dr. Mandl kNationaldcmokrat) zn Wort, der in entschiedener Form und unter dem Beifall aller nicht agrarischen Parteien diese Hasardpolitik ablchntc. Nachdem die Debatte über das Kapitel geschlossen war, verlangte Sychra das Wort zur Replik, welches ihm der Landcspräsident nicht mehr erteilte. Zum Protest verließen die tschechische» Agrarier den Saal, ohne jedoch durch diese leere Demonstration den geringsten Eindruck hervorzurufeu. Bor Schluß der Sitzung trug der agrarische Lau- dcsaiisschnßbeisiher Srha im Nanien seiner Fraktion eine» Protest gegen den Landcspräsidcntcn vor, der seine Haltung durch den Hinweis aus die Geschäftsordinlng begründete. Als Nachfolger des verstorbenen Pros. K a z i m o u r wurde Landcsvertreter Kypr in den Landesausschuß gewählt. Prag, 17. Oktober. Die heutige Verhand» I lung vor dem Reichsgericht ergab die benicrkens- i werte Tatsache, daß der Ministerpräsident Goering< mit dem Amtsgehilsen Kohl kurz nach dem, Brand eine Unterredung hatte. Daß Herr Goering das Bedürfnis fühlte, mit einem Reichstagsange.! stellten zu sprechen, der eine so untergeordnete, Funktion bekleidete wie Kohl, ist an und für sich i ausfallend. Noch ausfallender ist, daß Kohl der< einzige Angestellte zu sein scheint, der mit 1 Goering unmittelbar nach dem Brande verhandelte, bzw. von Goering„einvernomineu" wurde. Die Bekundung Kohls gewinnt noch dadurch an Bedeutung, daß erdereinzigewesent. lichc Belastungszeuge gegen Torg» l e r und der Mann ist, dessen Aussage die Grund-' läge für die von den einzelnen Polizeimelduugen< sofort gegen Torgler erhobenen Anschuldigungen ist. Wenn sich sogar Herr Dr. Sack über die! Begegnung zwischen Kohl und Goering wundert, i jener Herr Sack, der auch heute redlich bemüht war, in erster Linie die Behauptungen des Braunbuchs zu„widerlegen", so ist das ein Beweis für die außerordentliche Wichtigkeit, die der„Einvernahme" des Zeugen Kohl durch Goering beizu- messen ist. Man hat den Zeugen freilich nicht befragt, was er mit Goering verhandelt hat, und er hätte es auch kaum gesagt. Daß aber die Prozeßleitung über die Tatsache der„Einvernahme" Kohls durch Goering mit Stillschweige»« hiuweggeht, ist ebenso seltsam wie die Begegnung selbst! Die Berdachtsmoinente gegen die Leute aus der Hingebung GoeringS verdichte« sich auch durch die Aussage des Pförtners Woköck, der meint, daß der auS dem Portal II gegangene Mann«ine»» Helfer in« Reichstag gehabt haben müsse, und durch die Angabe des Ingenieurs Risse, der sagte, daß daS Personal des Präsidentenhauses(in dem Goering wohnte), um in den Reichstag z» gelangen, den unterirdischen Gang benutzen mutzte. Wie peinlich mutz es Herrn Dr. Sack sein, datz seine Suggestivfrage über die Stabswache so zweideutig beantwortet wurde! Warum fällt es dem Herr» Dr. Sack oder einem anderen der maßgebenden Prozehmacher nicht ein, die nach dem Reichstagsbrand in den Berliner Zeitungen veröffentlichten Polizeiberichte über die Unmassen vorgefundenen Brandmaterials vorzulegen? Hat auch di« Polizei diese Berichte vergessen? Damals behauptete man allerdings, die K o m m u n i st e» hätten das Brandmaterial in den Reichstag geschasst. Heute will mai» nachweisen, eS sei überhaupt keins dagewesen! Es werden also auch der Fememörder und seine Ministerfreunde vor Gericht erscheinen, lieber die Wahrhaftigkeit dieser Männer ist die gesittete Welt nur einer Meinung. Diese Meinung weicht allerdings stark von der deS Herrn Dr. Sack und des Gerichtes ab, das sie nur vernehmen will» um ihnen Gelegenheit zu geben, die Behaup. tunaen des Braunbucho„zuriickzuweise»»". Goering scheint freilich die Morphium-Entziehungskur noch nicht beendet zu haben, da er erst später geladen werden soll! Veite 4 Mittwoch, 18. OktoSer Kr. 244 Er. Benes fahrt nadi Wien Genf, 17. Oktober. Minister des Aenßern Dr. Bcncii ist heute nm! I Uhr nach Prag abgereist. Auf seiner Reise wird er sich i n Wien a u f h a I t c», wo er mit dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Dollfuß zu- sainincntrcffcn und Beratungen über gemein- sainc politische und hauptsächlich wirtschaftliche Interesse« Oesterreichs und der Tschechoslowakei pflegen wird. Minister Dr. BeneS wird wahrscheinlich am Mittwoch oder Dv»ne.rslag der nächsten Woche nach Genf zurückkehren. vle küsLunKwauserie grawSierl Berlin.(Wolff.) Ter Präsident des ReichSverbandeS der deutschen Industrie, Dr. Krupp von Bohlen und Halbach hat Telegramme an den Reichspräsidenten und a» den Reichskaittler gerichtet. Tas Telegramm an den Reichspräsidenten besagt, daß der durch das Gebot der Selbstachtung vorgcschriebene Entschluß zur Wahrung der Gleichberechtigung des deutschen Volkes der deutschen Industrie Gelegenheit biete, seiner unverbrüchlichen Treue Ausdruck zu geben. Das Telegramm an den Reichskanzler erklärt: Die deutsche Industrie steht bedingungslos hinter der Führung des deutschen Volke«. Rur die Gleichberechtigung könne jenes Vertrauen schassen, dessen alle Völker zur Ueberwindnng der materiellen Not so dringend bedürsen. Europäisdie Politik ohne Amerika Genf, 17. Oktober. Aus Grund der gestern .uS Washington eingetrosscnen Instrultione« hat der amerikanische Hauptdelegierte Norman Davis folgende offizielle Erklärung veröffentlicht:„Wir sind in Genf einzig nnd allein zu Abrüstungszwecken, solange eine Möglichkeit besteht, dir Verhandlungen über die Abrüstung erfolgreich fortzusetzrn, werden wir gern dazu beitragen. Wir sind jedoch nicht an dem politischen Clement oder an irgendeiner rein europäischen Seite des Problems interessiert. Ob die Umstände für die Fortsetzung der gegenwärtigen Abrüstungsbemühungen günstig sind oder nicht, ist eine Frage, die von Europa nnd nicht von den Vereinigten Staaten beantwortet werden muß." Konzentrationslager in Wöllersöorl 36 Nazis elngelleiert Wien, 17. Oktober. Die österreichische Regierung hat heute das erste Konzentrationslager eröffnet, obwohl sie bisher immer die Behauptung ausgestellt hatte, daß es in Oesterreich kein Konzentrationslager gebe, nnd der Presie verboten hatte, diesen Namen auch nur zu erwähnen. Nnn erfährt man, daß 36 Nationalsozialisten, darunter auch zwei Frauen, in das Konzentrationslager nach Wölkersdorf ein- gelirsert worden sind. Tie Häftlinge sind dort in Baracken nntergcbracht und werden von Heimwehrleuten bewacht. „vie Aufrüstung Deutsdilands muß verhindert werden? 1 Tie Forderung der französischen Presse. Pari«, 17. Oktober. Das Havasbüro berichtet: Die heutige französische Morgenpresse erhebt neuerdings die Forderung, daß es unumgänglich und ohne Aufschub notwendig sei, die Situation zu lösen, die durch das Borgehen Deuischlands in den letzten Tagen entstanden ist. Es ist unbedingt notwendig, so schreiben die Blätter, ein Mittel zu sinden, durch welches inan das verhindern könnte, was die Abrüstnugslonfereu; zu verhüten nicht verstanden hat, nämlich die Aus rüstnng Deutschlands, Ivelche den Weltfrieden zu einem sehr zweifelhaften Instand führen würde. „Excelsivr" sagt in diesem Zusammenhänge: Die Zeit arbeitet nicht zugunsten des Friedens. Die vergeudeten Tage, Wochen nnd Monate gestalten Dcntschland, seine Militärmacht zu befestigen, welche sich in allen Beziehungen zu vervollkoin- men beginnt. Es genügt, an die Glückwunschdepeschen zu erinnern, welche die Magnaten der Schwerindustrie, die im heurigen Winter gewiß nicht Not an Acbcil haben wird, an die Führer der deutschen Politik gesandt haben. Tas„Journal" schreibt: Deutschland ist sicherlich nicht so naiv, zu glauben, daß seine illegale Aufrüstung später als unabänderliche Tatsache, hingcnvmnicn werden wird. Diese Angelegenheit erfordert eine dringende Lösung. Vea-Brünn in 49 Minuten! Brün n, 17. Oktober. Tav neue Flngzeng der tschechoslowakischen Fluggesellschaft„Avia Kl", Konstrukteur Ing. R e b e s n r, legt« die Strecke Prag—Brünn in 4!l Minuten zurück. DaS Flugzeug startete aus dem Flugplatz« in Kbely nm 8.21 Uhr und landete aus dem Flugplätze in Brünn um 9.10 Uhr. Diese Zeit von 49 Minuten entspricht einer Fahrtgeschwindigkeit von 236 Kilometer per Stunde nnd ist eine Rekordzeit für Berlohrsflugzcuge aus der Strecke Prag—Brünn. Krebs ist nicht geflohen! An den Prager halbamtlichczi Bericht über die Flucht des Hakeukrcnzführers Krebs hängt der „Völkische Beobachter" folgendes originelle Kommentar: „Bon einer„Flucht" des Abgeordneten Krebs kann wohl keine Rede sein, da er vor seiner Reis«, die ihn wohl in« Ausland geführt hat, einen Haftbefehl nicht in Händen haben konnte." Krebs ist zwar bei Nacht und Nebel verduftet, aber da er durch seine Abreise den Haftbefehl nicht bekommen konnte, ist seine Flucht eben keine Flucht, sondern nur eine Reise ins Ausland. Nächstens wird der„Völkische Beobachter" berichten, daß die in deutschen Konzentrationslagern gemarterten deutschen Sozialisten eigentlich gar nicht im Konzentrationslager sitzen,— weil sie ja keinen Haftbefehl zu Gesicht bekommen habe». Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: dir Skrupellosigkeit der Hakcnkreuzprcsic oder das Maß von Tuminhcil, das sic ihren Lesern zu- trant. Jugendfürsorge nnd Staats- Voranschlag Der Reichsverband jür deutsche Jugendfürsorge in Reichenberg verschickt ein Memorandum, in welchem er zu den die Jugendfürsorge betreffenden Posten im Staatsvoranschlag für das kommende Jähr Stellung nimmt. Das Memorandum verweist auf das frühere Ersuchen des Neichsvevbandes, es mögen jene Posten, aus denen die I-ugcndfürsorgcorganisationcn subventioniert werden, nicht die gleiche Bewertung erfahren wie andere Subventionsposten, sondern vielmehr als ein sparsames Mitrel betrachtet werden, mit den: sich der Staat durch einen verhältnismäßig geringen Aufwand die Lösung seiner wichtigsten Aufgabe sichert, wozu ei» unverhältnismäßig höherer Aufwaich erforderlich wäre, Ivrnn die öffentlichen Berbäiche, vor allem der Staat selbst, sie löseg müßten. Die Denkschrift weist ferner darauf hin, daß die Lage der Jugendfürsorge infolge des allmählichen Versiegens der bisherigen Privaten Einnahmsqucllen sich immer mehr verschlechtert, währeich gerade jetzt eine Zunahme der Fürsorgebedürftigkeit sich bemerkbar macht. Aus den Iährcsrcchnungsabschlüsien der Laudcskom- mission nnd der Bczirksjugendsürsorge in Böh- men wurde festgeftelli, daß diese Organisationen ini Jahre 1932 für die Erhaltung ihrer Einrichtungen zum Schutze der deutschen fürsorgebedürf- tigcn Jugend über 16 Millionen Ke ausgegebe» haben.(98 Amtsstellen als Filfsorgane der öffentlichen Verwaltung mit 4600 Vertrauensaufsichts- personcn, 406 Mütterberatungsstellen, 61 Berufsberatungsstellen, Unterstützung von Kindern armer Familien, von Waisen und verlassenen Kindern.) Aehnlich liegen die Verhältnisse auch in Mähren und Schlesien. Solange Gesetzgebung und öffentliche Verwaltung nicht anders für die Bedürfnisse des Nachwuchses sorgen, hält es der Reichsverband fiir seine Pflicht, die Hilfe des Staates im Interesse des Staates selbst anzurufen und ersucht daher die zuständigen Stellen, die P o st e n für die Jugendfürsorge im Staatsvoranschlag n i ch t zu senken. Ole„deutsche Ehre“ Die Deutsche Hochschuljugend bereit zum Stahlbad. Berlin, 17. Oktober(Wolfi.) Zum Austritt Deutschlands aus dem Völkerbinid hat die deutsche Studentenschaft an den Reichskanzler ein Telegramm gerichtet, worin sic für die Wiede r- hcrstcllung deutscher Ehre dankt und Treue und Einsatzbereitschaft bis zum Letzten gelobt.— Ter Nationalvcrband deutscher Offiziere sagt in einem Telegramm an den Rcichs- präsidcntcu, den Gcneralfeldinarschall in der Reichsregicrung Tank für die Wicdercrrin- gung deutscher Ehre und die Ablehnung neuer, unwürdiger Demütigungen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Donnerstag. Prag: 11: Schallplatte«, 15.30: Schallplaltrn, 16.50: Kinder musizieren, 17.85: Französisch, 18.80: Deutsche Sendung: Tr. Moucha: Neue Büc'er, 10.10: Blasmusik, 20: Aktueller Borirag, 22: Leine Nachrichten, 22.80: Smetana: Wyschehrad. .- Brünn 11: Schallp!a:ien, 15a9'; Nach 15 Jahren Mit dem Auto durch die Slowakei, 17.15: Plauderei nur der Jugend, 18.25: Dkutsche Sendung: Frauenfunk.— Kaschau 12.80: Orchesterkonzert, 17.10: Populäres Konzert, 18: Frauenfunk.— Wien 15.80: Kinderstunde, 17.35: Lieder und Arien, 19: Unterhaltungskonzert, 20.15: Aus unvollendeten Werken.— Leipzig 18.25: Grieg, 21: Lieder zur Laute.— Berlin, 17.50: Quer durch Südlirabien. — München 18: Konzertstwnde. In der heutigen Arbeitersenduug im Prager Rundfunk spricht infolge Berhinderung des ursprünglich angcsetztcn Vortragenden Genosse Prof. Theodor Hartwig-Prag über„Technokratie". Tagesneuigkeiten Deulschnatiormler Vorsteher in Zettlitz unterschlägt 191.000 KL. Montag, den 16. dS. wurde der Vorsteher der Gemeinde Zettlitz im Bezirk Karlsbad, Anton Schlosser, wegen Veruntreuung von Ge- mcindcgcldern in der Höhe von 191.000 lls von der Gendarmerie verl-aftet. DaS Geld hat sich Schlosser im Laufe von ungefähr zwei Jähren angceignet. Vielleicht wäre man der Unterschlagung noch lange nicht auf die Spur gekommen, jvenn nicht Schlosser selbst— wahrscheinlich um sich zu retten— Montags die Anzeige erstattet hätte, daß die Gemeindckassc ausgcraubt worden sei. Die untersuchenden Organe merkten sofort, daß diese Anzeige ohne Anhaltspunkte erfolgte nnd kamen so auf das Verbrechen, das kvr Vorsteher selbst verübt hat. Die Verhaftung Schlossers, der Mitglied der Nationalfmrtei Ivar, hat im Orte und der Umgebung großes'Aufsehen erregt, weil er bis zu seiner Festnahme als wohlhabender Sägewerksbrsitzer galt und auch sonst verstanden hat, sich den Ruf eines soliden Bürgers zu sichern. Er dürfte des Geld zum größten Teil für sein Unternehmen verwendet haben. Sin gewissenloser Molorfahrer- unter Zugabe von Gas davon, Krutek Rudolf 8rüta mit seiner Frau und zwei Kindern mit einem Handwagen aus Liizuö Ostrov(im Bezirk Brandcis a. E.) nach Svemysiicc. Knapp vor der Gemeinde stieß plötzlich ein in voller Fahrt befindliches und auf der unrichtigen Straßenseite fahrendes Motorrad in die Gruppe, wobei der Handwagen umgestürzt und die Frau sowie die Kinder zu Boden gerissen wurden. Als der Motorradfahrer sah, daß alle drei Personen blut üb e r st r ö m t am Boden ohnmächtig liegen.blieben, fuhr er unter zu gäbe von Gas davon. Krntek war, als er sah, daß sich das Motorrad einige Schritte dicht vor ihm befinde, zur Seite gesprungen. Die Gattin ärütcks erlitt ein« große Rißwunde am linken Fuß, eine Gehirnerschütterung nnd mehrere Hautabschürfungen am ganzen Körper. Sie erlangte erst im Spital von Böhm.-Brod das Bewußtsein wieder, wohin sie mit einem der Kinder gebracht wurde. DerKn«bedürfte um ein Auge k o in m e n. An der Unfallsstellc verlor entweder der Motorradfahrer oder der zweite im Anhängewogen fitzende Mann seinen grünen Hut, der sich ans der Gcndarmeriestation in Jirnh befindet. Wer über den gewissenlosen Motorradfahrer, der bestimmt seine Maschine beschädigt hat, oder über den Inhaber dieses grünen Hutes irgend eine Meldung erstatten könnte, möge dies auf der nächsten Gcndarmeriestation oder der nächsten Polizeibehörde bckanntgeben. Blnttge StreiNSmpfe in den Bereinigten Staaten. In Tu laue(Kalifornien) streiken 18.000 Baumwollpflückcr. Tic Gendarmen töteten sechs Streikposten, verwundeten 20 und verhafteten 20 Arbeiter. 300 Baumwollpflückcr marschieren zur Bezirksstadt, um die Freilassung der Verhafteten und Unterstützung zu fordern. Unter den Streikenden befinden sich Aankecs, Lateinamerikaner und illeger. Tausende treten der Gewerkschaft bei. Die Streikenden fordern einen Dollar Pflückcrlohn für ein Pfund Baumwolle statt der 60 Cents, die sic jetzt erhalten. In Lodi streiken 3000 Rebrnpflücker. In diesem Streikkampf wurde ein Landarbeiter getötet. Im Bundesstaate Arizona stehen 8000 Baumwoll- und Lattichpflückcr im Streik. 8ine Schlacht in Bangkol. Bangkok, 17. Oktober. Nach bis zum gestrigen Tage von der Zensur zurückgehaltencn Meldungen haben die Kämpfe, welche sich zwischen den Aufständischen und dem regulären Heere in der unmittelbaren Nähe von Bangkok am Freitag entfesselt haben, in der ganzen Stadt große Panik hervorgcrufen. Die Aufständischen leisteten der Auffardcning der Regierung, ausein- andcrzugchcn, keine Folge und marschierten im Gegenteil direkt gegen Bangkok. Die der Regierung treu gebliebenen Truppen verhinderten aber ihren weiteren Bormarsch. Die Rcgie- rung forderte sodann die Aufständischen auf, von der Stadt abzuzichcn, und setzte hiefür eine Frist bis Freitag 15 Uhr. Nach Ablauf dieser Frist eröffneten die RcgicrungStnippen gegen die Aufständischen ein Feuer aus Kanonen und Maschinengewehren. Der Umfang der Schäden ist im Hinblick auf die strenge Zensur bisher nicht bekannt. Aber der Inländer ist vogelfrei! Berti«, 17. Oktober. Die Sonderabteilung des Berliner Schnellgerichtes verurteilte heute einen Glasbläser und«inen Kraftwagcnführcr wegen Körperverletzung zu je sechs Monaten Gefängnis. Der Vertreter der Zentralstaatsanwaltschaft beim preußischen Justizministerium hatte die gleiche Strafe beantragt. Es handelt sich um die B elästigung des ame- r i k a n i f ch e n Staatsbürgers Roland B ö l tz in Düsseldorf, der nach Ansicht der Angeklagten beim Vorbcitragcn einer Hakenkreuz- f a h n c ein„verächtliches Benehmen" zur Schau getragen hatte. Ans der Arhelfer-Titrn* M Sportbewegung. Fuhballspiel-Ergebnisse I. Klaff V. Kreii»(Meisterschaft) 1. Grupste: Stcinschönau gegen Ober-Prcsch. kau 6:3, Haida gegen Georgenthal 2:9, Warnsdorf gegen Rumourg 1:2, Hirschbcrg gegen Schönlinde 8:1, Nicder-Licbich gegen Schönliudc 4:2, Obcr-Prcschkan gegen Böhm.-Kamnitz 3:7. — 2. Gruppe: Zuckmantcl gegen Krochwitz 4:2, Teplitz gegen Ladowitz 0:2.— 3. Gruppe: Weis- kirchlitz gegen Klcischc 6:3, Neuhof gegen Prcd litz 3:0, Duh gegen Aussig-Nord 3:9.- 4. Gruppe: Eichwald gegen Langugest 2:2, Hohenstein gegen Türmitz 2: 4, Wohontsch gegen Ncstcrsitz 4:1.— 5. Gruppe: Schönpriescn gegen Aussig- Ost 1:3, Klcinaugezd gegen Ulgersdor» 2:0, Settcnz gegen Pihänkcn 2:6.— 6. Gruppe: Niedcr-Leutensdorf gegen Saaz 0:4, Brin gegen Tschcrn 3:0, Komotau 7 gegen Trupschib 2■' Komotau 17 gegen Sporitz 3:0. Krcismittciliiug. Ten Bcreincn der Grupp. Eichwald und Hohenstein, sowie der Kreisjchicds richter-Vcreinigüng diene zur Kenntnis, daß dei Verein Ncstcrsitz aus der Serie austritt. Die fcstgelegten Spiele am 22. Oktober und 5. No vcmbcr d. I. sinden daher nicht statt, soweit dies Nestcrfitz betrifft. Die Vereine sind daher immc>. an diesen Tagen spielfrei. Die Kreisleitung. Ziehung der Klaflenlotterie 1,000.000 irr: 46.15». 50.000 Ke: 13.815. 30.000 Kr:»8.926. 20.000 Ke: 6.997, 10.845. 10.000 Ke: 42.754, 57.533, 61.514. 5.000 Kk: 804, 2404, 8237, 21.852, 24.07!, 24.406, 28.407, 29.948, 46.478, 47.938, 50.127, 54.161, 54.312, 65.280, 71.427, 78.418, 92.283, 93.883, 98,927. 101.158. 2.000 Kk: 516, 1215, 1804, 1861, 4769, 50 i »■568, 7209, 7257, 7803, 8098, 9189, 9817, 10.11. 12.074, 18.083, 15.332, 15.489, 15.478, 16.785, 17.03.. 19.680, 20.964, 23.905, 28.121, 29.045, 81.861, 86,451 89.203, 43.863, 46.018, 46.787, 47.871, 48.094, 49:260. 49.495, 50.828, 54.360, 56.581, 59.578, 60.078, 61.833, 65271, 65.493, 68.052,»8.613, 69.821, 70.276, 70.59',. 70.708, 71.719, 72.468, 73.070, 73.497, 74.046, 74.59’’. 74.776, 75.551, 83.596, 84.040, 86.842, 89.100, 91.548, 91.672, 91.737, 92.260, 94.622, 96.087, 96.654, 98.518, 98.718, 98.725, 99.453, 100.769, 101.140, 102.26». 103.573, 108.982. 1.200 Kk: 11.178, 14.838, 15.533, 18.613. 19.073, 21.081, 21.596, 24.088, 30.011, 31.216, 59.882. 64.009, 71.730, 78.634, 82.127, 85.430, 87.502, 89.17» 93.243, 96.972, 97.583, 103.260. In den Millionen Tresfer teilen sich ein A r beiter, eine Witwe, ein Beamter und zwei Prager Spieler. Ein Masarhk-Denkmal in Podcrsam. T^ tschechische Bczirkskulturausschuß in Podersam wird am Staatsfeicrtag.(28. Oktober) ein Denk mal des Präsidenten der Republik T. G. Masa- rhk, enthüllen. Das Denkmal steht im Parktcil vor den» Gebäude der staatlichen Masaryk-Volks schulcn in Podersam. Die Büste des Präsidenten ist zwei Meter 60 hoch und ein Werk des Meisters der Podersamcr Hardtinnt-Kaolinwerke, V. Fürst. Sic ist aus gebranntem Ton gefertigt. Tie Grundpostamentc sowie die drei Haupluntcrlagcn sind aus Kunststein. Die Feier der Enthüllung, die um 10 Uhr ihren Anfang nimmt und die sich an einen Umzug mit Musik anschlicßt, soll eine der größten Manifestationen der Podcrsamcr tschechischen und deutschen Einwohnerschaft für den Staatsgedanken leit d-’■ Unisturze fein. Di« Preisrichter für den Staatspreio 1933-34. Der Minister für Schulwesen und Bolkskultur hat folgende Mitglieder der Jurhs für die Verleihung von Staatspreisen für den Zeitraum vom 1. August 1032 bis 31. Juli 1933 ernannt: a) Für den Staatsprcis für Literatur: Ian Jescnskh, Emil B. Luküö, Miroslav Rutt, I. B. Sedlr'ik, Karel Toman, Antoni»» Vesely und Iindrich Voduk. b) Für den Staatsprcis für dramatische, Schauspieler- und Regisseur-Kunst: Jaroslav Hilbert, Ian Krejäi, A. M. Pi8a, Jan Sasic und Jindnch Vod»k. c) Für den Staatsprcis für Musik: V. B. Mm, Otokar’ JercmiüS, Fric Kafenda, Bolcslav Bomaöka und Otokar Zich. d) Für den Staatspreis fiir Werke und Leistlingen in deutscher Sprache: Friedrich Adle r. Fidelio F. Finke, Emil F r a n z e l, Josef M ü h l b e r g c r, Walter Seidl und Erich S t e i n h a r d. Die Staatspreisc werden ohne Anmeldung verliehen. DaS Ergebnis wird am 28. Oktober 1933 öffentlich bekannt gegeben werden. Selbstmord einer Teplitzer Ofsizierssrau. Sonntag vormittags warf sich bei Bcrehovo die 2öjährigc Gattin des pensionierten Oberlcul- nants aus Teplitz-Schönau Berta Fritsch unter den Prager Schnellzug. Im letzten Augeichlick vor Ankunft des Schnellzuges durchschnitt sic sich an beiden Händen die Schlagadern und warf sich dann vor der Zug, von dessen Rädern ihr der Kopf abgeschnitten und der Körper zermalmt wurde, so daß sie auf der Stelle tot war. Sie hinterließ einen Brief, worin sic die Ursache ihrer Verzweiflungstat jedoch nicht bekannt gibt, en Sie weilte in der Gemeinde Bart; bei Bcrehovo bei ihren Eltern zu Besuch. Der Dienst im Poft- und Telegraphen- u»>- Telephonverkehr wird Mittwoch, den 1. Noocmbrr 1933. wie an Feiertagen, versehen; di« Post wird jedoch nur im Ortsbeslcllbezirke zugcstrllt. «r.«44 Mklkwoch, 18- CttoBer ufafl Seife 5 Bankrott der gleichgeschaNeten Büchergllde. Don einem Stuttgarter Verleger erfahren wir: Die ehemals sozialistische Büchergilde Gutenberg zählte in ihrer Blütezeit 85.000 Äiitglicder. Infolge der Gleichschaltung verlor sic 05.000 Mitglieder! Nazi»Vandalen in Stubenbach. Di«„Z u. kunft" schreibt: Am vergangenen Sonntag gab cS im Gasthaus„Zum Auerhahn" in Stubcnbach eine Tanzunterhaltung, zit der ganz zufällig auch eine tschechische Gesellschaft aus Schüttenhofen kam, welch« in einem abgetcilten Raum— int sogenannten Kasino— Platz nahm. Vor der Abfahrt nach Schüttcnhofcn äußerte diese Gesellschaft gegenüber den Musikanten— lauter Parteigenos- sen— den Wunsch, ein bestimmtes tschechisches Lied zu hören. Bereitwillig begab sich die Kapelle in den Nebenraum und entsprach dem Wunsch« der tschechischen Gesellschaft. Als sie jedoch wieder in den Hauptrattm zuruckkehrten, wurden sie von der Stiege des Saales ans mit den Rusen„Heil Hitler" empfangen und sofort setzte ein.Hagel von Biergläsern gegen die Musikanten und attdcrr unserer Genossen ein. Die Gläser wurden mit einer derartigen Wucht geschleudert, daß die Glassplit- icr in den Wänden und der Decke stecken blieben. Im ganzen wurden 26 Halbliteraläser geschleu- dert. Besonders arg wurde der Genosse Viktor Zettl verletzt, der am Kopfe und im Gesicht derart ernst« Verletzungen davontrug, daß er nach Prag in eine Augenklinik gebracht werden mußte, tvoll ihm der Verlust des rechten Auges droht. Di« hakenkreuzlerischen Raufbolde, Aschenbrenner aus Eisenstein und Karl Schmidl aus Stubenbach, wollten nach Bayerit flüchten, wurden jedoch in ihrem Vorhaben von der Gendarmerie gehindert, welch« sofort am Tatorte erschien und die beiden Nazistrolche verhastet«. Kapitän Mollison, tvelcher Motttag in.Hamilton eintmf, erklärte, er habe die Absicht aus- gegeben, ans Nordamerika zu einem Versuche, den Längsstrecken-Weltrekord zu überbieten, zu starten. Er fügte hinzu, daß er den Rekord aus derselben Strecke, jedoch in der entgegengesetzten Richtung, versuchen werde. Tod auf der Hochzeitsreise. Unweit von Grenoble stürzte ein Auto in ein« Schlucht. .Hiebei wurden drei Personen getötet und drei schwer Verletzt. Unter ocn Getöteten befindet sich ein neuvermähltes Ehepaar. Katastrophe!« Gasexplosionen. Im Pariser Viertel Gobelins erfolgten in der Montag-Nacht in einer Kellerwohnung vier Gasexplosionen. Zwei Geschäfte wurdcit zerstört. 24 Personen wurden verletzt, daninter ein kleines Mädchen tödlich. Einer Frau mußt« im Krankenhaus««in Bein amputiert werden. Dreifach« Hinrichtung in Magdeburg. Samstag früh wurden in Magdeburg die drei Raubmörder Träger, Meißner und Bartels durch den Magdeburger Scharfrichter hingerichtet. Sie hatten am 8. November 1932 eine Greisin überfallen, getötet und beraubt. Tie?llkoholst«u«rn in den UTA. Ta man in den Bereinigten Staaten mit der Aushebung des Alkoholverbotes für Anfang Dezember rechnet, wurden di« neuen Zollsätze für die eingesührten alkoholischen Getränke bereits festgesetzt. Sie Iver- den doppelt so hoch sein wie vor dem Weltkrieg, wozu noch hohe BuudeSsteuern und Abgaben der einzeltten Slaatett kommen werden. Der Zoll aus Champagner wird 6 Dollar je Gallone(3.75 Liter) betragen, für Weinbrand, Schnäpie, Liköre 5 Dollar, für Wein 1.25 Dollar. Der Zoll auf Bier beträgt 1 Dollar Per Gallone. Ein guter Trapsen wird also die Amerikaner recht teuer zu stehen kommen.— Ter Staat Florida hat sich mit vier Stimmen gegen eine für die Aushebting der Prohibition ausgesprochen. ES genügt nun- mehr bloß ein diesbezüglicher Beschluß von drei Staaten, um die Prohibition attfzuheben. Begegnung Ocrtiart Hauptmann und der andere Gerhart Hauptmann hat dieser Tage eine seltsame Begegnung erlebt. Er ging in den Dünen von Hiddensee spazieren und strebte träumerisch einer Bank zu, als ein Mensch, wie aus dem seewärts treibsttden Nebel gewachsen, vor ihm stand. Ein breiter Hut saß dem anderen lief im Gesicht, die beginnende Dämmerung hüllt ihn in Grau. So ragte er stumm itnd schlank ans den Dünen und versperrte den Weg. Wer sind Sie? Qn REZEPT für schönen ELIDA SEIFE geprüft Berühmte Ärzte, maßgebenden ihrem Urteil, haben die neue Elida 7 Blumen-Seife geprüft und ihre besondere Eignung für empfindliche Haut festgestellt. Und es ist Tat- sache: Ihr Teint wird klarer, zarter, schöner I(Urteilen Sic selbst.) John Butt, duftige UneWoten cu« England. Konservativ Ein junger Deutscher, zur Ausbildung in London, findet in Mr. Nndertvood einen zuverlässigen Führer und klugen Berater. Einige Tage vor der berühntten Öxsord-Cambridge-Regatta macht er seinem Schützling überzeugend klar, daß unbedingt Cambridge gewinnen muß. Er Icnttl die Fähigkeit jedes einzelnen der Mannschaften, nennt deren Körpergewichte und belveist Cambridges sicheren Sieg.,, Ter junge AuKänder sieht das eint»Ich weiß beim Buchmacher nicht so recht Bescheid; tvollen Sie daher bitte Ihre Wette auf Cam- bridge um zehn Schilling für mich erhöhen!" Mr. Underwood lächelt ettvaS verlegen: „Sicherlich, Sir, will ich Ihre Wette besorgen. Aber ich— ich setze auf Oxford!" „Aber, Mr. Underwood— Sie haben mir doch eben erklärt, ja bewiesen, daß nur Cambridge Sieger sein kann!" „Wird es auch— gar nicht daran zu zweifeln. Mer Sie versahen— mein ganzes Leben habe ich auf Oxf»^ gesetzt, all my lifc. Und auch diesmal wette ich Oxford." Cantbridge gewann. Der beste Ire Drei irische■ Farmer sind sehr stolz darauf, daß der sonst so hochmütige englische Landlord sie höflich gegrüßt hat. Ta sie sich nicht eintg w r- den können, wem von den dreien der Grttß galt, tragen sie den Fall dem Stammesältesten vor. Der entscheidet: der Gruß hat dem gegolten, der der beste Ire ist, also den größten Starrsinn be- fifel.., Ter erste Ire rühmt sich:„Mit hundert -Hammeln b tt ich auf den Markt gezogen, und keinen weniger wollte ich verkaufen. Aus 80 wurde mir ein guter Preis geboten, aber ich schlug ihn aus. Später hätte ich sogar 99 los- werven können, aber ich lehnte ab und trieb uteine Hunden.Hammel wieder itt den Stall zurück." „Das ist allerdings Starrsinn!", sagte der Richter. Ter Zweite erzählte:„NachtS um drei Uhr kam ich von unserin Erntebatt nach-Hause. Ta ich meinen Schlüssel vergessen hatte, klopfte ich, bis Sie den Schule z» gehen. .,Tas ist freilich„och größerer Starrsinn!" meutte der Rtchier.„Und nun du, O'Flagan." inS >ung, vis mein Junge heraus kam, um zu, zu gehen." „Und nun" du, O'Flagan." Ter klopste an den ersten ' Ihnen weh tut?“ Sie, der Arzt, müsse Str Rohn P., früher Sattlermeister, dann größter Lederfabrikant Londons, hatte die höchste sprosse bürgerlichen Vertrauens erklommen: die Etly hatte ihn zum Lord Mayor erwählt.— Wayreitd deS üblichen großen Banketts iit der Guildhall, an dem das ganze offizielle England tetlntmmt, stand der neue Oberbürgermeister auf und begann seine Rede mit den Worten: „Dies ist der stolzeste Augenblick meines LeebnS." — Darüber ging bei der Zigarre die Unterhaltung noch zweiter. Jeder der großen Männer und Würdenträger wußte zu erzählen, wann und bet welcher Gelegenheit er den stolzesten Augenblick seines Lebens genossen l>abe. Nur der alte Devonshire, Säule des Empire, Herzog und Minister, Gewinner des Derby, hatte bisher noch ge- schtviegen.„Meine.Herren," sagte er dann„Ich habe viel, viel erlebt. Aber der stolzeste Augenblick meines Lebens war sicherlich der, in dem mein Zuchtochse den ersten Preis aus der land- wirtschaftlichen Ausstellung bekam!" Der Schirmdieb Aus dem Anschlagbrett etneS sehr vornehmen Londoner Klubs machte ein Mitglied bekannt: „Der Adelige, der meinen Regenschirm fortge« nommen hat, soll ihn sofort zurückgeben." Wegen dieser eigenartigen und kränketrden Bemerkung wird er zur Rede gestellt. „Sie fittb im Irrtum," ist seine Antwort. „Sehen Sie sich doch die ganze Situation an; nur Adelige und Gentlemen können bei uns Mitglied iein. Und Genllemen stehlen keine Regenschirme." Eine Inschrift (Schloß Menninglon, Rot soll) „Was ist schlinimer als eine Tigerin?"— Ein Dämon. »Was ist schlimmer als ein Dämon?"— Ein Weib. „Was ist schlimmer als ein Weib?"— Nichts. TutankamonS Fluch In London ist der 10jährige Edward Wor- ridge von einem Auto überfahren worden und im Krankenhaus gestorben, Dieser an sich alltägliche Fall gewinnt dadurch an Bedeutung, daß Worridge ent Teilnehmer jener Expedition war, die TutankamonS Grab freilegte. Bon den Exve- ditionöleilnehmern ist schon ein« ganze Reihe eines außergewöhnlichen oder unnatürlichen Todes gestorben und durch diesen neuen Todesfall erhält der unsinnige Aberglaube von dem Fluch deS ägyptischen Königs wieder neue Nahrung. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Bessert sich Vie Hanvelsbilanz? Mit verhältnismäßig erheblich gestiegenen Umsätzen hat sich die tschechoslowatische Handelsbilanz im September entschieden gebessert. Die G e s a m k a u s f>t h r steigerte sich vom Monat August zu Septeniber von 444 Mill. Ke aus 550 Mill. Ke. Die F e r t ig w a r e n a n s s u h r hob sich von 311 auf 302 Mill. Ke. Die Händels- bilauz ist m i t 59 Ai i 11. Ke aktiv. Durch diesen verhältnismäßigen güusligeit Abschluß der Handelsbilanz ist sie für die ersten neu» Monate dieses Jahres mit 12 Mill. K>> aktiv, während sie ' in der gleichen Zeit des Vorjahres mit l!>9 Mü- livuen K>> passiv war. Es ist also Heuer ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichtteu. Dabei tvollen wir aber erwähnen, daß hier saisonmäßige Einflüsse eine Rolle spiele». Wenn man die stärkeren Rvhstofsansuhren für ein günstiges Kouiuukturbarometcr ansehen ivill, so dürste das Ergebnis im September hoffnungsvoll stini- men. Die R o h st o f f a» s u h r hob sich von 232 auf 276 Mill. Ke. Die SpezialanSsuhr näher betrachtend, stehen einzelne Posten gegenüber dem Vorjahr noch sehr tut Rückstand. Die AuSsuhr von Baumwollwaren war Heuer in den ersten neun Monaten gegenüber dein Vorjahr um 9l Mil- lioncn Kr geringer. Tie Kohlenanssnhr weist ein Minus von 92 Mill. Ke auf, Maschinen und Apparate um ül Mill. Kr, Eisen und Eisenwaren um 54 Mill. Ks nsiv. Die Tertilindustrie und die E'scn-, Metall-, Maschinen- und elektrotechnische Industrie haben heiter noch eine große Einbuße zu verzeichnen. Insgesamt betrachtet muß der Handelsverkehr noch geivaltig tvachsen, um nur die Ergcb- itisse deS Vorjahres;>i erlangen. Im erstett Dreivicrteljahr 1932 betrug die Einfuhr im re>- iteit Warenverkehr 5.5 Milliarden Ka und die Ausfuhr 5.3 Mill. Kr. llitb Heuer lauten die Ziffern 4.1 und 4.i Mill. Ke. Daß die Handelsbilanz in diesem Jahre aktiv ist, ist aus dir stärkere Drosselung der Einsuhr zurückzusühren. An Fertigwaren ivurüen heiter für rund l Milliarde weniger als im Vorjahr aitSgesührt. Dies ist aber zum Teil auf weitere Preisrückgänge zu- rückziisühren. Immerhiii ist der Außenhandel diese« Landes gegenüber früherer Jahre noel, sehr klein. Was wollen Sie? fragte der greise Dichter verdutzt. De rändere(mit unheimlichem Lachen): Wer ich bin, müßtest Du eigentlich wissen. Ich bin derselbe wie früher. Du, zu welcher Mumie bist Dit vertrocknet? Einst hast Du die„Weber" gedichtet, hast den„Flokati Geyer" geschrieben— jetzt hitldigst Du Mussolini, schreibst Prologe für fascistische Feiern, verbrüderst Dich aus Hidden see mit Hitlers braunen Sadisten, stimmt das? H a n p t m a n n(betroffen): Wie komnten Sie zu dieser Fragerei? Die Leute tvaren sehr nett z>i mir— warum sollte ich ihnen feind sein? Der Dichter umfaßt alle mit der gleichen Liebe, ob sie rechts sieben oder links. Gottes Sonne scheint ja auch über Gerechte und Ungerechte... Der andere: Du salbaderst wie ein Pfaffe, Ich aber spreche von dem, waS Tu einst gelehrt. Die beste» Deiner Werke„stehen links". Die„Weber" fordern Menschlichkeit und Freiheit, Del»„Florian Geyer" wirft der Despotie und Unterdrückung den Fehdehandschuh ins Gesicht und stirbt dafür. J919 hast Du in Breslau eine Rede steigen lassen— für Republik und Demokratie, für die Errungenschaft des November.-Hast Tu das alles vergessen? Hauptmann: Inzwischen sind 1g Ighre vergangen. Jst'S meine Schilld, wenn die Demokratie nicht hielt, waS sie versprach? Auch daS Hakenkreuz will die Welt erlösen— werten wir ab... Der Dichter steht über den Zinnen der Partei... Der andere: Aber er steht nicht über den Zinnen der Menschlichkeit! Glatt bist Du wie ein Aal, doch jetzt habe ich Dich und keine philosophische Dialektik rettet Dich. Du warst im Ausland, hast ausländisck-e Zeitungen «gelesen. Weißt Tn nichts von. den Konzentra- f tionslagern, von den simtlosett, sadistischen Dem» ttgüngen jener, die einer friedlichen Gesinnnng lebten, von erschlagenen Männern und Frauen, von den Mädchen, die einer jüdischen Freund- schäft wegen dnrch deutsche Straßen Spießruten laufen mußten, von dem Grenelsumpf der Hitler —Göring? H a n P t m a n n(stammelnd): Unseliger Blntwahn gepeinigter, leidender Kreatur... Der andere: Laß Deine abgedroschene Philosophie, alter Heuchler! Was tatest Du gegen den Blntwahn? Nichts! Hast Tn nicht gelesen, wie hämisch die Nazipresse über Deinen Selbstmord berichtet? Schämst Du Dich nicht? Was tatest Du für Deine geächteten, geschundenen, verjagten Frennde? Haupt>n a ii n: Meine Fretmde? Derandere: Ah, Du weißt Plötzlich auch von ihnen nichts mehr. Demokraten, Sozialisten und Juden waren Deine Frennde. Ein Konrad Hänisch hat Dir itnd Deinen, Schaffen >n Freundschaft ein Buch gewidmet. Alfred Kerr hat in guten und böse» Tagen Dein Werk gefördert und verteidigt. S. Fischer hat Dir den Weg bereitet. Arno Holz lehrte Dich einst literarisch laiisen, schenkte Dir Geist von seinem Geiste! Er hungerte, Du aber wurdest reich und ltattest nichts für ihn! Reichtum und Erfolg haben Deine Seele verödet. Tu hieltest, Millionär geworden, aus einen hohen Taris; fedes Austretcn, jedes Wort ließest Du Dir buch- stäblich mit Gold auswiegen, auch von den Aerm- sten——— Haupt m ann: Wer sind Sie, daß Sic so von meinem Leben sprechen dürfen?! Derandere: Tu kennst mich nur zu gilt, alter Egoist und Geschäftemacher. Tn bist tot, ich aber werde ewig sein und ich hätte Dich erwürgen sollen, damals- vor dreißig Jahren! Aber,, da wußte ich noch nicht, daß man Menschenliebe| in ein Dutzend rührender Gestalten bannen uno dann»nm elenden Wichte werdeit kann!(Packt ihn. schüttelt ihn.) .Hauptmann(ächzend): Lassen Sie los! Ich bin der anerkannteste deutsche Dichter... Der andere: Gewesen, mein Lieber, gewesen, und ich bin Tein Richter... Ihr habt Euch das bequeme Wort erfunden, der Künstler und sein Werk seien zweierlei.. Aber uns, der Jugend, will es nicht in den Kops, daß ein Werk groß und erhaben und sein Schöpfer klein und erbärmlich werden kann. Wir werden immer>vie- der richten, tvenn der Künstler sein Schaffen verrät.(Drückt ihn ans eine Bank, schiebt den Hui ans dem Gesicht.).Kennst Du mich jetzt? Wie konntest Du wagen, mich so zu schänden? H a u p l in a n u: Starrt mit aufgerissenen Augen zu deut anderen, Jungen, empor, sicht eine hohe Stirn, einen geraden, u»verkniffene» Blick und schließt betroffen, verwirrt, beschämt die Lider: seine I u g e n d steht droheiid vor ihm... Als der alte Dichter die Augen wieder aus- schtägt, ist der andere verschwunden. Nur von weither noch hört der Verstörte ein unheimltches Echo:„Ti, bist in Sckzande gestorben, ich aber werde weiter leben!" B, Brandy, Der Meister singt. Klinge, klein« goldne Leier, In das Dunkel dieser Welt! Alle Klagen werden freier, Wo deS„Führers" Auto hält. Einstmals schrien meine„Weber" Auf in wildem Mitleidsweh. Doch ich bin kein MeinnngSkleber: Gerne lob' ich den Pg. Seite 8 Mittwoch, 18. Oktober 1083 Nr. 244 PRAGER Das neue Gebäude des Französischen Gymnasiums in Prag wird am 26. Oktober feierlich seinem Zweck« übergeben werden. An dem feierlichen Er- öffnungSakte wird als offizieller Berlrcicr der Französischen Republik Lusisahrisministcr Pierre C o t teilnehme», der auf besondere Einladung am 35. Oktober mittels Flugzeugs in Prag cinlrcsfcn wird. Kunst und Wissen Ein Gönnte International pour les Thöatreo populaireS, dessen Präsident der Schriftsteller Dr F. Herman in Prag und-essen Vizepräsident Schriftsteller Claude Roland in Paris ist, hat seinen Sitz in P r a g II.,£ jttootü 16. In dem Äomits sind bisher folgende Staaten vertreten: England, Belgien, Bulgarien, die Tschechoslowakei, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Polen, Spanien und dir Schweiz. Als offizieller Delegierter wurde für das Koinits von der tschechoslowakischen Regierung der Teklionsches des Ministeriums für Schulwesen und Bolkskultur, Josef Mehlhart ernannt. Tas Komits vereinigt die obersten Organisationen des Bolksthcaterwesens aller obcrwähnien Staaten, welche in ihm vertreten sind. Es gibt«ine eigene Zeitschrift unter dem Titel .Bulletin" aus. Nachahmung eine» bösen Beispiels. Der„Tcmps" erfährt, daß der französische Minister sür nationale Erziehung an die Direktoren der staatlich liibvcn- tioni«rten Theater ein Schreiben gerichtet hab«, in welchem er die Forderung erhebt, daß sic keine neuen fremden Werk« zur Aufführung bringen und keine f r c ni d e n K ü n st l e r ohne vorhergehende Verständigung de« Ministeriums verpflichten. Dieses Einschreiten soll hauptsächlich ein Beispiel sür die privai«n Theater darstellcn, weil von zahlreichen französischen Privalbühnen französische Darsteller obgelehnt und fremde Künstler verpflichtet werden. Es ist wahrscheinlich, daß eine ähnliche Entscheidung wie der Minister auch die Stadt Paris sür dir städtischen Theater treffen wird. Festkonzert am Vorabend d«S Itaatsfelertages. Dieses Konzert, das erste dieser Spielzeit, bringt nur Werke einheimischer Komponisten und zwar: Tvoki'ik, Mahler, Smetana und Stamitz. Dirigent: Tzöll. Solisten: Lydia Kiudrrmann(Gesang), Ruda Fir- kuüny(Klavier). Wochensp'elplan de« Reuen Deutschen Theaters. Mittwoch, 7i4 Uhr:„Ball i m S a v 0 y" lB l).— Donnerstag. 1% Ubr:„Cavalleria rustieana",„Bajazzo"(C 2).— Freitag, t'/i Uhr:„Gin Mantel, ein H u t, ein Handschuh'(T l).— Samstag, 7J4 Uhr: „Dreimäderlhau s", neuiirszenlert kB 11. Wochensptelplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„Pension Zchöller", volkstümt. Vorstellung.— Donnerstag, 1% Uhr:„John Go briel Borkman", neuinszenier:.— Freitag. 8 Uhr:„Bezauberndes Fräulein".— Samstag. 7% Uhr:„Textet f, Erstaujjührung. Sport- Spiel- KOrpemneae Internationales Meeting der Arbriterkrastsport- ler tn Budapest. Am Sonntag fand als letzte Ju- biläumsveransialniirg des MTE. Budapest«in Meeting der Krasu'porllcr statt, an dem sich auch Wiener Avbeilerkraflsportier beteiligten. Am Stemmen«rwieien sich die W'euer lehr überlegen, im Ringen errangen sie aber nur Teilerfolge. Vor den Wettkämpfen gaben die Wiener Bombenjongleure «in« Schaunorsuhrung zum besten,- die großen Anklang saird. Ten Ringenvettlainpj zwischen MTE. Budapest und Gaswerk Dien gewannen di« ungarischen Genossen mit 8.5:5.5 Punkten Niederösterreich hat wieder einen Krastsportver- band. Nach der Auslösung des Vakö in Oesterreich schlossen sich die ehemaligen Perbandsvereine in den einzelnen Bundesländern zu Landesverbände n zusammen. Dadurch wurde d'e Weiiersührung des S-Porlbetriebes gesichert. Nunmehr wurde auch San; Schlcw-Mann oder: Die Sünde wider die Kultur. Hans R e i in a n n, früher einmal Heiausgeoer des linkspolnischen„Drachen" un» freiheitlicher Humorist, ist zu den H 0 n 0 r a r t ü p i c n Hitlers ü berge laufen, nachdem seine Tinier-Parod:.' „Tic Tinte wider das Blut" vom Reichs- propagaudaminisierium als„votksgciähe- dend" cingczogcn worden ist Der Leser:„Mensch, Hans, Tn bist ein Brauner geworden? Hast Tu denn alles ver- gellen, was Tu einst geschrieben hast'? Deine „Weltbühncn"-Gedichte, Deinen Abscheu vor dem kindischen Antisemitismus, Deine Drachen- Attacken, Tente liiiksradikalen Stammtisch- freunde?!" Der Schleim-'M a n n:„Sachte, sachte! Warum denn gleich so unangenehm deutlich'? Man stellt sich nur ein wenig um. verstehst Du? ZEITUNG. ein Landesverband der Arbciterkra-ftsportler von Riederösterreich gebildet. Dem niedcröstcrreichischen Landesverband gehört die stattliche Zahl von zwei- uuddre'ßig Vereinen an. Wiener Arbeltrrsußball. Tie erste Hälfte der Herbstmeisterschaft der Liga ist fast vorüber, aber der Kampf ist noch immer offen. Rudolfshügel hat den Neuling Neu Kettenhof von der Führung abgelüst. Der Meister Gaswerk verlor wieder und fiel bis auf den neunten Platz zurück, obzwar er nur nm zwei Punkte weniger hat als Rudolfshügel.— Liga: Rudolfshügel gegen Gaswerk 2: 0(1:0), Helsort gegen Neu-Kcttcnhos 4:0(2:0), Red Star gcge.". Zentralverein 2:1(2:0), Nord-Wicn gegen Feuerwehr 1:0(1:0). Phönix Schwechat gegen Ostdahn Sinnneriiig 1:1(l: l), E-Werk gegen Flordsdorf 2:2(1:0).— Et sie Klass«: Gruppe Nord: Auto gegen Nnßdovf 2:1(1:1), Columbia gegen Jndustricangestellte 5:3(1:1), Donanfeld gegen Rennweg 3:2(1:0). Landstmßer Sportfreund« gegen.Horhstädt 2:1(1:0), Simmering gegen WAC.-Stab 2:1, Dianabad gegen Leopoldau 4:1(0:0;; Gruppe Süd: Straßenbahn gegen.Hauptwerkstätte 2:0(1:0), Germania- Anlcrbrotfabrik gegen OstbahnHunianiias 3:3 (2:11, Phönizia gegen Pirtus 3:1(2:1), WAF- Baikiiüin gegen Fav. AC. 3:2(l: 0), Viktoria 10 gegen Neutral 0:0. Alpern gegen Union 1-1 3:0. Ergebnisic der Wiener Arbelterhandballmelst«r« schäft. Stadlau gegen Floridsdorf 6:3(1:1), Wäh- ring gegen Margareten 8:6(3:1), Nord Wien gegen Ottakring 0:5(5:1), ASB. gegen Gaswerk 4:-1(8:2), Straßenbahn gegen Fünfhauser Sportklub 11:0(6:0), Nußdorf gegen Ankerbrotfabrik 5:4(2:3), E-Wekk gegen Hehendoof 12:6(5: l). Red Star gegen Döbling 6:4(1:3), Feuerwehr gegen ASK. Liesing 11:5, Fünfhaus gegen Zen- tralverein 5:2(2:1), Wieden gegen Favoriten 11:8, Brigittenau gegen Meidling 5:5(2:3); Frauen: E-Werk gegen Döbling 3:0, Fünjihaus gegen Hernals 2:0. Uran gegen ASK. Meidling 3:1, Zentralvercin gegen Favoriten 6:5, Maria- hilf gegen Neubau 4:0, Fünfhauser Sportklub gegen Margareten 5:1,-Hetzendorf gegen Wi^cn 4:0. Jnzersdorf gegen Meidling 0:2. Prag, 17. Oktpber. Di« heurige Verhandlung bracht« die Einvernahme des zweiten Angeklagten Josef Krahulr«, eines geschniegelten und gebügelten Individuums, dem sich die Sympathien des weiblichen Publikums in beträchtlichem Maße zuwen-- deten. Krahulee, der gesveseue S« n s a l, zählt zu den Chefs der Bande; er ist Wohl sogar als das geistig« Oberhaupt seiner Kuinpan« anzii- 'prechen. Er fühlt sich sehr sicher. Schwarze Hornbrille unter der blonden Tangofrisur, tadellos« Bügelfalte und Lackschuhe— so präsentiert sich der moderne Ränberhaupkuann. Er legt Gewicht auf gcrvählt« Ausdruckswelsc und erzählt in fließender, zusammenhängender Rede. Dieser Bursche hat im Unterkiefer nur Goldzähne. Vom Verlust seiner natürlichen Zähn« iveiß er interessante»nd romantische Geschichten zu erzählen, die freilich nach behördlicher Bekundung buchstäblich wahr sind Bor cin'gen Jahren wurde Krahul«« zu zehn Jahren ichweren Kerkers wegen des Verbrechens dcö Raubes verurteilt. Er unternahm einen Fluchtversuch aus Pankraz, indem er sich an einem aus d-r zusammen« gedrehten Wäsche hergestellten Seil aus dem Zelleirfcnster heradließ. Da aber das Seil nicht bis zur Erde veicht«, ließ er sich nur aus das Dach der Gcfängniskapelle nieder nnd versucht« dann den G l 0 ck e n st r a n g a b zu sch n« Ide n, unr ein iragfähiges Seil zu erbeute». Bei den Versuchen, den Glockenstrang abzuscht-eiden. geriet jedoch di« Glock« ins Schwingen und alarmierte die Bereitschaft, die dem Krahulec bei seinem Niedersteigen aus den oberen Regionen einen so tvarmen Empfang bereitet«, daß seine Dordcrzähne Man Paßt sich diskret der Entwicklung an, gleichsam, nicht wahr? Der„Drache"? Längst ein- gestampft, mein Gndester! Aus den Jahren bin ich längst heraus! Schließlich hat man doch eine Familie! Und emigrieren? Bei den schlechten Auslandshonoraren! Tas hieße die Charakterfestigkeit übertreiben. Solange noch die alte, liebe„Morgenpost" die alten liebgewordcncn Zcilcnsätzc zahlt Nich' in die Lameng, weißt Du Schließlich ist man dach auch ein guter Deutscher, nicht wahr! Nnd dann sind einem ja auch mit dem Schwinden der republikanischen Absatzmöglichkeiten die Augen über-, soll heißen aufgegangen. Diese Zucht, diefc Ordnung. Donnerwetter, noch mal! Ohne mich allzusehr festzulegen. Ter Hitler ist doch em Kerl, wenigstens so irgendwie. Das mit den Konzentrationslagern erscheint mir ja alles reichlich übertrieben... Mir ist so ein Ding auf dem Weg von der Kneipe in die Redaktion und wieder znriick noch nicht begegnet, muß ich sagen! Die Gedichte in der„Weltbühne" haben mich jetzt Angstschweiß genug gekostet! Und meine jüdischen Stammtischfrcunde? Kenne ich nicht mehr! Schließlich ist mir das braune Hemd doch näher als der weltbürgcrliche Rock, verstanden—!" Der Herbstwaldlouf der Wiener Arbeiteriurner am Sonntag nn Prater beendete die diesjährige Leichtathletllisaifon. ES war ein gelungener Abschluß und erfreute sich eines regen Interesses sowie einer Massenbeteiligung von 218 Läufer und Läuferinnen. Die wichtigsten Ergabittsse: Sportler: 3000 Meier: 1. Erdinger(ASB.) 0:14.6 Min.; Manie'chaftslau- seu über 8000 Mieter: 1. Alsergrund 10:04.4 Min., 2. ArbeiterichN'immvereiu 2 10:05.5 Min.; Jugend- sportkcr, 1500 Meter: 1. Kaiser(Zentralvcrein) 5:28.1 M>n.: Sportlerinnen, 800 Meter: 1. Navratil «Wieden) 2:31.3 Min. Der Film Der Ruf des Herzens. Daß die Töchter novdasr'kanifchcr Scheichs sich zuweilen in französische Offiziere verlieben, hat uns schon der Barud-Film als interessant« Neuigkeit mitgeteilt. Mer der wivkungssicher« Regisseur Rer Ingram war klug genug, den Hauptakzent aus monumentale Reiter- und Lag«rszenen, auf Kanipf- und Wüstcubilder zu legen, und er hat so seine Arbeit vor dem Mißerfolg gereitet. Der polnische Regisieur Waszinsky aber, der nicht inichin konnte, auch seinerseits einen Romeo in französischer Legionärs uniform und eine Julia in arabischen 0>ewänbcrn zu zeigen, bringt nicht viel eindrucksvolle Wüstenritt«, dafür aber L'abcs'zenen. d'e in ihrer tiefernsten Getragenhcit komisch wirken. Und wenn er am Ende seiner Romanze gar realistisch betont« Kriegsszenen liefert, dann beginnt die Sache peinlich zu tverden An der exoli'chcn Schönheit der.Hauptdarstellerin Nora Hey Ist die Exotik zweifelhaft. Die Schönheit hingegen nicht,—«iS— Der Teufelsjunge. Manche halten Vernarb Shaw für Englands größten Dichter. Ander« sind mehr für Edgar Wallace. Manch« glauben, Chaplin sei der beste Komiker, den England hcrvorgebracht hat. Andere wieder wenden in voller llobercinstiinmung mit diesem Film dem Mister Nack HUlbert den Vorzug geben. Denn Hulbert kann Step tanzen und Schlager singen, und sein Schauspieltalent beweist :t dadurch, daß er hin nnd wieder mit den Augen zwinkert. Mit einem Wort:«in schrecklich lustiger daran glauben mußten. Krahulec erklärt sich in den ihm zur Last gelegten Fällen „absolut unschuldig". Er habe sogar versucht, dem bestohlenen Pros, Dr. Jng. Fanta di« ihm gestohlenen Wertpapiere zurückzustellen. Was den Einbruch bei der 80jähr gen Frau Brosche betrifft, di« bekanntlich unter dem Eindruck des Diebstahls Selb st mord verübt har, erklärte Krahulee unter eifrigem Putzen seiner Hornbrille, daß er von dieser Sache keine Ahnung gehabt habe. Erst nach der Tat hab« der Erstangeklogt« Urban!hm einen Koffer aukdrängen wollen, in dem sich Wertsachen nnd Wertpapiere befanden. Er ha-be das energisch abgclehnt und sei schließlich vor dem Peosncher Urbon geflohen. Auf die treffende Frag« einer Geschworenen, warum er denn trobdem immer wieder die Gesellschaft der Ganner- baiche aufgesncht habe, meinte Krahulee, er hab- als bedingt entlassener Sträfling die Aufmerksamkeit der Polizei lieber nicht auf sich lenken wollen. Sodann wurde die O c s se n t I i ch k e i t ans- geschlossen, denn zur Erörterung gelangte da» homosexuelle Verhältnis dieses Ange klagten mit dem Angeklagten Jaroslav Ada m. Schließlich wurde nach W'cdor.ziilassung des Publikums der dritte Bandenchef Moräne««inner- nommrn, der seKstvevftändl'ich oleichfall» al» Unschuld s«»g c l auftrat. Auch«r stellte sich als Opfer der Intrigen seiner Kumpane hin. Sn zähl» also das bisherige Verfahren außer dem geständigen Urban lauter„Unschuldige". Nach siabenstün- d'ger Verhandlung wurde der Prozeß auf morgen vertagt. rb. Der Leser:„Ein feiger Verräter, em kleiner, trauriger llebcrläufcr bist T»! Ein Männchen der Honorargesinnung! Hast Tu Deine„Dmie wider das Blut" auch schon vergessen—?!" Der Schleim» Ml a n n:„Um Gotteswillen, pschi! Mensch, nicht jo laut! Willst Du mich denn ins Konzentrationslager bringen? Es soll ja wirklich so etwas geben, um es ehrlich zu sagen. Die Dintc? Längst verbrannt! Längst auS meinem TcnkkreiS ansgeschieden! Tu lieber Gott, wer ist auf diesem Plaucteu unfehlbar! Aber ich habe bereut! Ich habe eingcschcii, daß ein beschaulicher Lcbcnsnachmittag wertvoller und einbringlicher ist als die beste Gesinimng! Auch mich hatten die Weisen von Zion umgarnt! Aber dam l ist Schluß. Endgültig Schluß. Bei Wotan jr., ich bm sehend geworden. Für immer. Das heißt, für die Lebensdauer dieses Regimes auf jeden Fall! Und dann wollen wir weitersehen. Bis dahin baue ich meinen braun- melierteu„Morgcnpost"-Kohl! Mir Sachsen sein nämlich Helle, sawoll! Und wenn mal der Wind wieder andersherum wehe» sollte, Sie können sich verlassen, i ch b i n dabei!" Ai«. Alle Genossinnen und Genossen kommen heute abends zum Infemaflonalen Ingendtag In den großen Saal der Produktenbörse (Beginn 8 Uhr). Gemeinsam« Kundgebung der tschechischen und deutschen Arbeiterjugend! Sprechchöre, Lieber, Ansprachen In deut, scher und tschechischer Sprache. Mensch Und genau so lustig Ist der File« i n Ganzen. Ta hören wir einen betrunkenen Männerchor, da sehen wir mehrere durch einen verliebten Schutzmann hcrvorgeruscne Verkehrsstockungen und schließlich als Höhepunkt ein nächtliches Versteckspiel im Panoptikum. Mil einem Wort: ein gar schrecklicher Spaß. — cis— Aus der Partei Iugenvbewegung. Sozialistische Jugend, Prag. Kreisleitung- s i tz u n g Donnerstag, 8 Uhr, Heim der 2. Gruppe. — 2 I u r m f a l k c>1,.Heute 7 Uhr, Produktenbörse. BWA-Legiiimatioiicn, Sparmarkcn, Pfeifen. Trommel» BCVÖlKcrUIlgSpOlUlli. Es war vorauszuschen, daß die wohlmeinenden Ratschläge bezüglich einer„Sozialen Indikation",— wenn auch mir auf Zeit,— innerhalb der Bevölkerung selbst außerhalb nichlsozia- listischer Bindungen wenig praktisches Verständnis finden würden, trotz dem, was man.„Krise" nennt.— Kindersegen ist, wie alles Natürliche, mittels der kapitalistisch-technischen Irrwege der entmenschenden„Zivilisation" zum Eltcrufluch geworden, dem— mangels allgemeiner Mittel für edclinenschliche Zwecke.— auch kein Pslcgc- und Erzichnngskollcktiv abznhclfcn vermöchte.— Biele Eltern, und gerade sehr gebildete Mütter, sagen: Wozu Kinder? Die Knaben für eine neue Hrldenschlachtbank, die Mädchen schweigen wir von der„Kricgsvcrwendung" hilfsdienender Mädchen und Frauen, dir das Gesetz längst kennt .... Und die— für Totengräber— aussichtsreiche Totalvergasung des Hinterlandes... Nein! — Seit Jahren wuchs die Rot. Es ist aber eine längstbekannte Erschein»na, daß die Todesschwe« ster Not das(sonst) todesübcrwindende Geschlechtsgefühl ins Maßlose steigert, auch dann, wenn des Geschlechtsaktes Zweck nicht. die Zeugung sein kann, nicht soll, nicht darf. Die ElcnoSfornien der Not machen frühreif und mehren noch dir allgemeine Lcbensschwäche der Bevölkerung, die Krankheiten, das sinnlose Untergehen.— Tic empfängnisverhütenden Maßnahmen sind sür Erwerbs, und Arbeitslose nicht zugänglich; sie sind;» teuer. Tie varauSschanende Volkswirtschaft würde diese Mittel ohne Geld bcistcllen, um— die Kosten der Krankheiten, drS Siechtums, der ... Beseitigung von Leben, das nicht leben darf, weil im Grunde— Ueberfluß an Lebensmitteln herrscht,— zu sparen. Aber eine bürgerliche Volkswirtschaft ist eben nicht vorausschauend, sondern, ans Raubbau eingestellt, praktiziert sic den Spruch: Uns wird's schon noch aushalten! Nach uns die Sintflut!— So haben wir laut Berichten z. B. der Landcsgebäranstalt zu Prag schon jetzt einen besonderen Geburtcnmwachs zu verzeichnen, der sich sonst erst um Weihnachten und nachher einstelli... Einige Mütter- nnd Kinderschicksale seit dem Vorjahre: ein Kind, ge- schlechlskrank geboren, starb nach Wochen unsäglicher Oiialen in Krämpfen: erst in den letzten Tagen seines furchtbaren Lebens wurde es im gemeinten Pflegeheim(nicht der Gebäranstalt!) isoliert. Wochenlang war cs eine Gesundl-eitsbe- drohmig der anderen Kinder... Ein Stubenmädchen hatte das dritte„uneheliche" Kind. Es kam. wie die zwei anderen, zu Pflegeeltern, sie weiß nichts von den Kindern: aus össenilichcn Mitteln zahlt man im Monat 50 Kr für den Kops... Ein Mädchen ans Polen sand eine Art HauSgehilsinnenstelliing für>00 h'<- monatlich. Aber 150 b's hätte eS für Privalpslegc zahlen sollen. Bis dahin war daS gesunde Kind in einem halboffizirllrn Pflegeheim und hatte Glück: man muß das, bitter lächelnd, Glück nennen: eS fand ein älteres, kinderloses Ehepaar, dir eS gegen Doialverzichl der Mutter als Eigen annahmen. Das Schicksal aller.Kinder, die außerhalb jeder Familial-Gemeinschast stehen, ist in der Regel rin besonders gefährdetes. Dabei ist gleickigültia. ob dir Ehe der Erzeuger eine usuelle oder andere ist.... K. B. Kßnderfreunve Vrag. Freitag, den 20. Oklober, Elternabend. Beginn 8 Uhr.— Hotel „Monopol". Aussprache Uber Herbstarbelt nnd Kinderlager.— Vorher im 14.8 Uhr Ausschußsitzung. Pünktlich kommen. Die Gruppenleitung. Räuberbande Urban, Krahulec und Co. Lauter„Unschuldige". tz t1»*« s< b t« taub— iLdrlredaliear: Sifoelm Siek«et.— Bcraniworilicher Sebafteur: Dr. Satt Streetz, pro».— Dreck:.Note- fl.-S. sür Zeiten». NN» Buchdruck, pro,.— Für dr» Druck dereuiwerllich: Otto HolU, tut.— Di« ür>!-n« nurte dun 01, poft.». ckolrororbruoirrltiu» MI, Drlatz Nr lLSät/Vll Ivso bewill',1.- vr»o««btdmiuueeu: Sei guft-llmie IN« Hou« oder bet S',u, durch dl« poft«oaeiUch irr IS.—,»irrteljitzrlich tii L *albja*ii« Ke«ounohri, Kö IM.—,— J-f-rau bhicMb(aut Zatif btUigfl berechne«,»ei öllereu«iulchallun,e« preitnochlotz.—«ückftelluui du» Mouuskrchieu«r(ol,l uur bei Utchenduu,»er Nriourmerlc».