13. Jahrgang. Freitag, 20. Oktober 1933 Nr 246. Minderungen im Purtelengesctz Slaatsangestellten-Paragraph gestrichen/ Nur„öffentliche“ Billigung unter StralsanKtlon/ Einengung der Anllösungs- möglldihelt lür Wirtschaftsgenossenschaften Prag, 19. Oktober. Die heutige Parlamentssitz»»,; wurde nach kurzer Dauer abgebrochen, um dir Koalitionüverhandlungen über gewisse AbändernngSanträge an dem Parteien- gcscp zum Abschluß zu bringen. Ein KoalitionSauüschuß befaßte sich mit einer kurzen Mittagspause biS in dir Abendstunden mit der Materie, bis endlich nach einer Aussprache dcs Referenten mit dem Ministerpräsidenten der Text der Aenderungen endgültig sestgelrgt werden konnte. Vie Gehälter der Braunen Bonzen „Jagt die gierigen Bonzen aus ihren Sesseln", so sagte Adolf Hitler in der ruhm- reichcn Zeit seines Kampfes gegen das„System". Heute läßt Selzner, der Leiter des OrganisationS- omtc« der„Deutschen ArbeitSsront" die Welt wissen, daß siir die Gehälter der braunen Ge- werlschaftSanaestellten 4.8 Millionen Reichsmark per Monat(mehr als 54 Mistionen Mark per Jahr) eingesetzt seien. Dir Angestellten der freien Gewerkschaften bezogen, trotzdem die Gewerkschasten damals etwa- anderes waren als bloß« Unterstützungsvereine und Maschinen für die Annahme von Lohnherabsctzungen, nicht einmal den zwanzigsten Test dessen, was nun den Nazi-Bonzen gezahlt Wird! Während Selzner obige Angaben machte, sagte Dr. Ley, der Führer der„Deutschen Arbeitsfront", in einer öffentlichen Kundgebung in SottbuS:„Der Nationalsozialismus will eine neue Gemeinschaftsordnung der anständigen deutschen Menschen werden» jener Männer und Frauen, die nicht immer an sich allein denken, sondern die auch bereit sind, Opfer zu bringen!. Heil Hitler! Anhören der Rundiunh- Wahlrcdcn mr teilen Hiller Untertan oberste MIMMI Berlin, 19. Oktober. Di« nationalsozialistische Aundsunklammcr erläßt einen Ausruf, in dem das Rundfunkhörcn als staatspolitische Pflicht bezeichnet wird. In diesem Aufruf heiß: es u. a.: In den kommenden Wochen wird in den Wahl- kundgebungcn des Führers und der ReichSregierung dn Rundfunk täglich das Sprachrohr der politischen Führung zum deutschen Volke sein. Es darf in diesen Tagen kein deutsches Haus geben, in dem nicht rin Rundfunkgerät vorhanden ist, das jederzeit die unmittelbare Verbindung jedes Volksgenossen mit dem Führer und seinen Mitkämpfern in der Regierung und der Partei herstcllt. Tie jüngsten politischen Ereignisse haben wieder bewiesen, daß daS Rundfuirkhörcn kein« Angelegenheit der persönlichen Unterhaltung, sondern eine staatspolitische Pflicht urw Rottvrndigkcit ist. Wie vielen ehrlichen Tcutsckjcn wird sich bet diesem Zwangscmpfang von so tind so viel Kilometer Hitlcr-Reden wohl der Plagen umdrehcn'? Sag' vn zu mir! Der„Stimmzettel* iür den 12. November Berlin, 18. Oktober. Im Reichsgesetzblatt ist heute die Arndcrungsverordnung zur Verordnung zur Durchführung der Volksabstimmung über den Ausruf der Rcichsrcgierung an das deutsche Volk erschienen. Ter Stimmzettel auf grünem Papier, der am 12. November bei der Volksabstimmung abgegeben wird, trägt entgegen der früheren Fassung folgenden Ausdruck: „Billigst Du, deutscher Mann, und Du, deutsche Frau, di« Politik Deiner ReichSregierung und bist Du bereit, sie als den Ausdruck Deiner eigen«» Auffassung und Deine- eigen«» Willens zu«klären und Dich feierlich zu ihr bekennen?" Unter diesem Aufdruck befinden sich zwei quadratische Felder, von denen eins mit„ja", das andere mit„Nein" überschrieben ist. Belgiens Bergarbeiter Kampfentschlossen Brüssel, 18. Oktober.(Insa.) T«r belgische ArbcitSimnister empfing am TienStag eine Ab. ochntlng der Bergarbeiter, die ihm vom Ergebnis einer Urabstimmung unter der BergarbeHcrichast Kenntnis gab. Tie Bergarbeiter haben sich mit uberwältigciider Mehrheit für die Auslösung dcs Generalstreiks ausgesprochen, wenn das bestehende Tarifabkommen gekündigt und verschlechtert werden sollt«, wie es die Grubenbarone beabsichtig en. Ter Arbeitsministcr erklärte, er werde olles tun, my den Konflikt zu vermeiden. Die wichtigsten Aenderungen der Vorlage sind— von stilistischen Aenderungen abgesehen, folgende: Auch die Einstellung, bzw. Auflösung von E r■ sahparteien, die nach dem 8 20 dem Innen- m i n i st e r überlasten war, wird jetzt von einem Regierungsbeschluß abhängig gemacht; die diesbezüglichen Bestimmungen werden in den Z 1 übernommen. Ganz nmgeändert wurde der tz 3, der über das Schicksal von Vereinen. Handelsgesellschaften, Erwerbs- und WirtschaftSgenostenschasten der ringe- stellten, bzw. aufgelösten Parteien handelt. Während nach dem Regierungsentwurf alle diese Gebilde schon bei E i n st e I l u n g der Mutterpartei von der Behörde sogar a n s g e l ö st werden konnten, werden jetzt di« Handelsgesellschaften, Erwerbt- und WirtschaftSgenostenschasten einer besondere» Regelung unterworfen. Wird die Matterportri bloß eingestellt, so darf die Behörde dies« Gesellschaften, Genostrnschasten etc. bloß einer besonderen Aufsicht oder besonderen Bedingung«» unterwerfen oder sie unt« Ad- setzung der bisherig«» Leitung unter«ine Art Zwangsverwaltung stell«», nicht aber ihre Tätigkeit einstellen oder sie gar auslösen. Dagegen tritt nach einer Auflösung der Mutterpartei nach dem neuen§ 18 nunmehr automatisch auch di« Auslösung dieser HandelSgesellschasten, Genossenschas- ten ufw.«in, deren Vermögen dann zugunsten deö Staate- verfällt. Sonstige„Bereinigungen jedweder Art" können aber schon bei E i n st e l l u n g der Mutterpartci e i n g c st e l l t und„im Falle der Notwendigkeit" durch die Behörde auch aufgelöst werden. lEin Zwang zur Auslösung dieser Gruppen analog wie bei den Gesellschaften und Genossenschaften besteht aber merkwürdigerweise selbst bei Auflösung der Mutterpartci nicht!) Im st 7 wird die Zensur der Telephongespräche gestrichen und ebenso der Z w a n g s a u f e n t h a l t in einem bestimmten Gebiet. Es bleibt die Möglichkeit der Ausweisung aus einem bestimmten Gebiet oder die K o n f i n i c- r u n g in einem bestimmten Gebiet und die Stellung unter Polizeiaufsicht. Bezüglich des MandatsverlusteS in den Telbswerwaltungskörpern wird bestimmt, daß die Ersatzmänner nur dann ebenfalls unter diese Bestimmung fallen, wenn sie Angehörige der ei nge st eilten Partei sind. Analog wird im 8 10 bestimmt, daß in die erledigten Mandate in den gesetzgebenden Körperschaften Ersatzmänner berufen werden(früher: berufen werden können), falls diese nicht Angehörige der aufgelösten Parteien waren.. Praktisch bedeutet dies z. B. bei den Teutsch- nationalen, die vielfach mit dem Landbund, d. i. der Hahnrcich- und Mayer Gruppe. gemeinsame Eine kalte Dusche aus Rom Rom, 19. Oktober(0PB.) Di« italienischen politischen Kreise verfolgen mit der größten Aufmerksamkeit di« weitere Enttvicklung der durch die Ausscheidung Deutschlands aus der Abrüstungskonferenz und dessen angekündigtcm Austritt aus dem Völkerbund entstandenen Lage. Die italienischen Kreise sind der Ansicht, daß sich Deutschland endlich davon überzeugen müßt«, daß di« allgemeinen Versicherungen seitens seiner führenden Politiker auch Italien nicht mehr genügen und keinen Stützpunkt für eine event. später zu unternehmende Intervention, die mau vorher mU den übrigen Groß. Kandidatenlisten für die Gemeindewahlcn und auch für die ParlamcntSwahlen aufstelllcn, daß im Falle »er(bereits erfolgten) Tätigkeitseinstellung der deutschuationalcn Partei in sämtlich« autonomen Mandate die Hahnreich-Gruppc n a ch r ü ck t, während im Falle der Auflösung sogar auch alle sieben Parlaments Mandate der Deutschuationalcn nun an ziemlich unbekannte Funktionäre des Landbundes übergingen. Ueberhanpt gestrichen wird jedoch d« 8 12, der Strafsanktionen für die Staatsangestellten schon bei bloßer Zugehörigkeit zu ein« eingestellten, bzw. ausgeiösten Partei festsetzt. Derartige Fälle unterliegen also auch weiterhin bloß d« Strassanktion des Gesetze» 147 1933 über di« Verfolgung antistaatlicher Tätigkeit von Staatsangestellten. In den Schlußbestiminungen wird als Angehöriger einer Partei dafinic.rr: a) wer in den letzren sechs Monaten organisiertes Parteimitglied ist oder war; bl wer di« In Rede stehende Partei aktiv (früher:„ausdrücklich") gut heißt oder dies in unterstützt oder ihre subversiven Ziele öffentlich kfrühcr:„auÄmtcklich") gut l-eißt od.r dies in den letzten sechs Monaten getan hat, e) lver auf ihren Namen kandidiert wurde oder für sie für eine öffentliche Funktion beantragt wurde, sosernc er nicht(neu:)„in der ihm gegebenen F r i st" nachweist, daß er gegen feinen Willen kandidiert oder vorgeschlagen wurde oder daß er aus der Partei früher als vor sechs Monaten ausgetreten ist. Zn dieser Fastung wurde die Vorlage dann aegen 7 llhr abends vom vrrfass-nngsrech ll i chen Ausschuß angenommen. Hllnlca-Leute singen ,ne|Slovan£‘ Zn der kurzen Plenarsitzung, nm Barmittag referierte lediglich Abg. N e 6 a s über das Grenzabkommen mit Polen bezüglich dcs Tuuajec- Gebictcs, worauf die Sitzung nach einer Tauer von nur 25 Minuten auf Freitag 10 llhr Vertagt wurde. Tie slowakische» Polksparteiler wollten heilte den Abg. T i f o als Redner in die Tebattc schicken, der ebenso wie Budny im Senat di« Partei von der Schuld nn den Vorfällen bei den Pribina-Feieru in Nitra hätte reinwaschen sollen. Tie Hlinka-Leute waren daher sehr böse, als der Vorsitzende Tiso nicht Wort kommen ließ, sondern nach dem Referat sofort die Sitzung schloß. Ergrimmt darüber stimmten sie das Lied„H c j S l ov a n an, nachdem Hlinka zuvor gerusen hatte, wenn sie schon nicht frei reden könnten, dann wollten sic wenigstens ein Freiheit§ l i e d singen. Ter Gesang endete aber kläglich, da sic viel zu hoch anfingen und an den hohen Stellen dann regelrecht„nmschinisfcn". machten vereinbart hat, abgeben könnten. Man besteht hier nun energisch auf genau fixierten positiven Versicherungen seitens Deutschlands sowie darauf, daß dieselben eine allgemein befriedigende Basis abgebe» für eine solidarische politische Zusammenarbeit mit Deutschland, eine Basis, die heute nach Ansicht Italiens vollständig fehlt. Deutschland muß g a n,; g e n a u seine Forderungen bezüglich seiner künftigen Aktionsfreiheit in der Frage der Bewaffnung fixieren, ebenso seine Fähigkeit für die Anpassung an die Wünsche der Großmächte, bevor Italien zur Aktion schreitet. Amtlich verlautet hier, daß die Vertagung der Abrüstungskonferenz höchstwahrscheinlich am 26. Oktober erfolge» wird. Hitlers großer Spieleinsatz Durch das Verlassen dcs Völkerbundes und die Sprengung der Abrüstungskonferenz hat Hitler ein halsbrecherisches Manöver eingeleitet. Was heute auf dem Spiele steht, ist letzten Endes nicht mehr und nicht lvcniger als der curopäiskl)« Frieden und die Existenz des fascistischcn Regimes in Dcntschland. Der deutsche Fascismus hatte es in der Hand, durch den Abschluß eines Kompromisses in Genf vieles zu seiner außenpolitischen Stabilität bcizutragcn, und es ist die Außenpolitik, die vorläufig über die Lebensmöglichkcit der Hitler-Diktatur entscheidet. Statt dessen hat das Dritte Reich ein Spiel mit riesigcm Einsatz ailfgenoinmen. Hitler würde kaum wagen, diese Politik dcs gclvaltigen Risikos zu treiben, wenn er in ihr auch die Möglichkeit einer Chance nicht erblickte, einer sehr geringen, aber innnerhin einer Chance. Ter gniinformicrtc Genfer Korrespondent dcs Pariser„Oeuvre" verzeichnet die Möglichkeit, daß Hitlers Spiel im engsten Einvernehmen mit Mussolini erfolgte, der ohne hervorzutrctcn, mit Hitlers Hand den tödlick)«n Stoß gegen den Völkerbund führt. Die beiden Diktaturen möchten die Abrüstungsverhandlungen außerhalb der Abrüstungskonferenz erzwingen, im engere» Kreis« der Groß- mächie, wenn möglich doch im Rahmen des Biercrpakics. Hitler rechnet auf die Unentschlossenheit Macdonalds, der einen anderen außenpolitischen Kurs Vertritt, als Simon und Baldwin, einen pro-italienischen, teilweise auch einen pro-deutschen und deshalb pro- fascistischen außenpolitischen Kurs. Er rechnet auf die Eurvpamüdigkcit Amerikas. Und für Frankreich hat er nuvcrbiudlichc Frennd- schaflScrklärungen und Angebot zu den unmittelbaren Berlnindlungen unter vier Augen auf Vorrat. Schließlich hofft der deutsche Fascismus durch die Entfachung der nationalistischen Welle im Innern auf die suggestive Wirkung des mannhaften Schlages auf den Tisch, ll) Millionen Nationalsozialisten sollen am 12. Rovenilvr hinter dieser Rcichsrcgic- rnng stehen. Aber das Risiko ist doch viel größer als die Chance des Erfolges. Durch das Verlassen des Völkerbundes verliert das fascistische D-cnischland eine starke moralische und rechtliche Deckung. Durch di« Sprengung der Ab- rnslnngskonserrnz jetzt er sich den unmittelbaren Gefahren aus. Ter Weg für die Sanktionen gegen Deutschland ist heute frei, wenn noch nicht machtpolitisch, so jetzt schon rechtlich. Die Rückkehr zu Versailles ohne die Deckung durch den Völkerbund und ohne die Abrü- stnngskonvcntion mit Tentschlands Teilnahme, bedeutet bei der Fortsetzung der Aufrüstung Sanktionen gegen Deutschland. Das Hitler- Deutschland wollte keine Rüstungskontrolle. Aber die Sabotage der Rüstungskontrolle inncrlwlb der Abrüstnngskonvention kann all- znlcicht zur Kontrolle nach dem Versailler Vertrag durch die Sanktionen führen. Gleichzeitig hat Hitlers Kraflslück in Genf die Grundlagen der Außenpolitik des europäischen Fascismus erschüttert. Die deutschitalienische Zusammenarbeit ist empfindlich gestört. Der Vierer-Pakt bildete die große Hoffnung der beiden FasciSmcn, dcs dcutfchen und des italienischen, da er den beiden fasci- stischen Staaten die Hälfte der Stimmen und des Einflusses im Rai der cnropäischcn Groß. Mächte sicherte. Aber der Vierer-Pakt wurde im Rahmen des Völkerbundes geschlossen. Durch das Verlassen des Völkerbundes setzt Deutschland den Vierer-Pakt außer Kraft, selbst die dem Auswärtigen Amt nahestehende „Kölnische Zeitung" war gezwungen, diese Tatsache anznerkennen. Mit dem Dahinscheiden des Vicrerpaktes wird auch der Anspruch Mussolinis auf die Schiedsrichterstellung in Seite£ Freitag, 20. Cttofter 1988 91t, 248 verlachte völkische Turnerei nur * die In Auss|g aufgelöst Wochen konnte eine rstärfte Tätigkeit der völkischen Turnerei ftstge lt Werden, die durchaus nicht zufällig>var. Auch“ des haken kreuz-ähnlichen Abzeichens wii! bewußt betrieben. DaS sind aber nur äußere Merkntale eines Prozesses, der, wie wir mehrfach schon nach- lveisen konnten, eine planmäßige Abkehr von der Demokratie und der gegenwärtigen Staatsordnung darstellte. Die völkischen Turner dürfen sich daher nicht Wundern, wenn die Demokratie, die man in ihrem Katechismus aliinl Fein und veritn- E fte, sich gegen ihre offenen utid getarnten c wendet. Zu« Fall Wohryzet meldet die„Prager Presst": In Sachen des im Zusammenhang mit der Strafuntersuchung gegen Funktionäre und Redakteure der deutschen Zeitung„Bohemia" vom Dienst suspendierten OberkommisiärS Dr. Wohryzek, der dem parlamentarischen Stenographendienst zugeteilt ist, haben die Präsidien beider Häuser der Nationalversammlung heute das Borgehen des AbgeordnetenhauSpräsidiumü genehmigt und den Beschluß gefaßt, daS Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung abzuwarten. Uebrigens trifft ein Schicksal, das sie selbst jahrzehntelang der Arbeiterturnbewegung bereiteten. Jahrzehntelang War daS Bürgertum am Werke, mit politischen und wirtschaftlichen Mitteln die Arbeitertnrn- bewegung und damit auch die gesamte Arbeiterbewegung niederzuhalten. An diesem Willen und an dieser Gesinnung bat sich übrigens auch in der Nachkriegszeit kaum etwas geändert. Der Tarnungsversuch, den die Behörden durch die Einstellung der Tätigkeit unmöglich machten, war eine der vielen— aber hoffentlich letzten— Schützenhilfen, die die völkischen Turnvereine ihren geistigen und wirtschaftlichen Nährvätern, dem nationalistischen Bürgertum leisteten. Meutereien bei der österreldiismen Legion Dien, 18. Oktober.(Insa.) Nach den Mit- !> teilungen zweier aus Deutschland zurückgekehrter 1' österreichischer Nazis kaut es bei der Oesterrei- . chischen Legion i» Lechseid(Baiser») zu schweren Meutereien. Sie erzähle», daß das Lager Lechseid bald aufgelöst werden dürfte, da die österrei- ■ chischen Flüchtlinge nut der Beliandlung nnd ter Verpflegung sehr unzufrieden sind. Deshalb kam es auch schon wiederholt zu Meu ereieu. Tie Flüchtlinge sollen nun auf andere Arbeitslager in ganz Deutschland verteilt werden. der europäischen Politik erledigt. Hitler hat das kunstvolle Gebäude der Außenpolitik Mussolinis ins Wanken gebracht. Aber der Britch in Genf kann für den deutschen Fascismus noch andere gefährliche Folgen nach sich ziehen: das Tempo der außenpolitischen Entwicklung wird nicht mehr durch ihn bestimmt. Trotz allen Gewalttätigkeiten nnd allen Mißgriffen war der Grundsatz der Hitlerschen Außenpolitik bisher gewesen: Zeil gewinnen! Bisher versuchte sie den endgültigen Bruch zu vermeiden, bei allen kritischen Auseinandersetzungen letzten Endes doch auszuweichen. Die nationalsozialistische Diktatur wollte bisher das Tempo ihrer Außenpolitik durch daS Tempo ihrer Aufrüstung bestimmen. Sie wollte den Ablauf des präventiven Friedens nach ihrem eigenen Ermessen regelt:, jenes befristeten Friedens bei der gleichzeitigen Vorbereitung zum Krieg, de sie vorläufig noch braucht.?lber der doppelte Bruch in Genf hat diese Taktik zu Grabe getragen. Deutschlands Aufrüstung bei dem gleichzeitigen diplomatischen Bruch hat die Politik des präventiven Friedens umgestoßen. Jetzt sind es die ande- . ren, jetzt sind es Deutschlands Gegenspieler, die den Ablauf oer außenpolitisck-en Krise des Dritten Reiches bestimmen. Genf ohne Deutschland kann zu einem Tribunal über Deutsch land werden. Gleichzeitig wird auch der illusionäre Charakter der ErfolgSouSsichten des Hitlerschen Spiels geoffenbart. Die gleichgeschallete „Frankfurter Zeitung" mußte in diesen Tagen zugeben, daß Maedonald in seinetn Kabinett isoliert ist. Die französische Linke, die Französische Sozialistische Partei vor allem— L6on Blum ist auch hier ihr Wortführer— will die Fortsetzung und den positiven Mschluß der Abrüstungskonferenz, der im Kampfe um den Frieden eine Weltfront gegenüber dem deutschen FaseiSmuS bilden soll. So bleibt daS gewagte Spiel Hitlers erfolglos, eine Mischung aus der Katastrophenpolitik und der diplomatischen Mogelei, bei dem sichtbaren Ueberge- wicht der Katastrophenpolitik. Der Brttch in Genf wird die außenpolitischen Krisen der nationalsozialistischen Diktatur vertiefen und beschleunigen. Es ist eine Schicksalsfrage für die Zukunft der deutschen anti-faseistischen Revolution und deshalb auch für die Zukunft Deutschlands, ob der Prozeß der Wiederaufrichtnng der revolutionären Arbeiterbelvegung trotz allen Schlägen des Terrors hinter dem atemberaubenden Tempo dieser außenpolitischen Krise der deutschen Gegenrevolution nicht zurückbleibt. Auf einigen Brüxer Schächten betreiben die Kommunisten eilte fieberhafte Streikagitation. Unter der Parole„Gegen die Entlastungen!" versuchen sie die Bergarbeiter besonders auf den Gruben der Nordböhmischen Kohlenwerkigesell- schast in den Streik zu führen, den sie dann, so wie im vergangenen Frühjahr, mit Hilfe von Terrorgruppen und Arbeitslosen, auf alle Schächte deS Reviers auSzudehnen die Absicht haben. Den Anlaß zu dieser Agitation geben ihnen die auf verschiedenen Schächten in der letzten Zeit vorgenomtneneit Einzelentlastungen, zu denen aber die Unternehmer auf Grund der von den Koinmunisten seinerzeit selbst als Erfolg bezeichneten Prager Vereinbarung berechtigt sind. Der kommunisttsche Bergarbeitersekretär für Nordwestböhmen, Franz M a l i k, hat sich bei den Der- handluitgen mit den Unternehmen» über die Verlängerung dieser Vereinbarung ausdrücklich den Ausführungen der freigewerkschastlichen Vertre- ter angeschlossen und erklärte zum Schluß, daß er die Vereinbarung auf seiner Konferenz m Brüx befürworten werde. In einer Bergarbeiter- versamniluna in Rosental bei Teplih versicherte derselbe Malik, daß er die Prager Vereinbarung mit allen Fasern seines Herzens verteidigen werde. Die Kommunisten sind eben innerlich davon überzeugt, daß sich ein besseres Abkommen, als das bestehende m der heutigen Zeit nicht erzielen läßt. Dennoch Hetzen sie letzt die Bergarbeiter gegen dcS Abkommen aus. Sie wollen aus parteipolitischen und agitatorischen Die Sfaatsangesfellten-Organisationen der koalierlen Parteien in Verhandlungen mit der Regierung. Donnerstag, den 19. d. M. traten im Parla- mente die Vertreter der StoatSangestellten- Organisationen der koalierten Parteien zu einer gemeinsamen Beratung zusammen. In dieser Beratung wurde in erster Linie festgest'ellt, daß sich die Aktionen der sogenannten Exekutive als bedeutungslos erwiesen haben. Die Staatsangestellten-Organisationen der koalierten Parteien ergriffen deshalb die Initiative zu direkten Verhandlungen mit der Regierung, ohire dadurch eine ztveckmäßige Mithilfe von iryettd welcher Seite abzuweisen. Für dieses direkte Verhandeln wurde eine zwölkgliedrige engere Kommission gewählt, die wie folgt zusammengesetzt ist: Für die republikanische Partei die.Herren Zemek und Abg. Teplansky, für die ische- choslowakische sozialdemokratische Arbeiterpart.'i Sekretär Römer und Abg. Seidl, für die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei Sekretär C e e h und Abg. G r ü n z n e r. für die ische. choslowakische Nationalsozialist»«^'Partei Nejedly und Abg. Bergmann, für die nationaldemokratische Partei Prof. K va s n i ö ka und Abg. Je Lek, für die Volk-Partei Sekretär 8 o l e und Sen. Karas. Diese Kommission bel)andel:e sofort die Anträge über die Personalsparmaßnahnren und e i wurde einhellig sestgestellt, daß die Vertreter der GewerkschaftSorganisationen der genannten Parteien Verhandlungen zur Erzielung des Budgetgleichgewichtes nicht auStveichen. Entschieden lehnen sie jedoch einseitige Maßnahmen ab, die nur einen Teil der Bediensteten und hiebe,: nige mehrmals treffen, wogegen andere tast zur oiänjf davon ausgeschlossen wurden. Die engere Kommission gelangte ivoamr zur Formulierung konkreter Anträge, über welche ofort mit der Regierung verlfandelt werden wird. seinen Schacht stillznleqen. Das bewerft, daß die übergroße Mehrzahl der Bergarbeiter die kommunistische Demagogie durchschaut und da- gefährliche, kommunistische Hasardspiel nicht mitmacht. Sie haben die furchtbare Niederlage der Rossitzer Bergarbeiter, die von de» Kommunisten verschuldet wurde, vor Angen und tvollen eine solche Niederlage nicht selbst erleiden. Ilm aber den Kommunisten ihr schäbiges Handtverk ganz zu legen, ist es notwendig, daß sich die Bergarbeiter noch viel energischer und entschiedener gegen die kommunistischen Parolen aussprechen. Bergarbeiter des Nordwestböhmischen Reviere-! Lehnet alle kommunistischen Parolen ab, erklärt euch alle wie ein Mann entschieden gegen StreiAiutschS und stellet euch ganz hinter die koalierten Bergarbeiterverbände! Machet den kommunistischen Onertreibereien ein rasches Ende! Rlißltittdde Tartfrantf| Henlein-Turnvereine Aussig, 19. Oktober. Die politischen Be hörden haben gegenüber den Versuchen, die Tä tigkeit der Raziparlei und der ihr gleichgeschal» teten Nationalpartei in den völkischen Turnver einen sortzusetzen, einen entscheidenden Schritt getan. Da- Aussigen Polizeikommissariat hat die Tätigkeit deü„Ausstger Turnvereines", der Deut schen Turnvereine in Lerchenseld, Predlitz, Schön priesen nnd Schrcckenstein und„Eiche" einge stellt und deren Vermögen sichergestellt. Eine gleiche Verfügung der Bezirksbehörde stellt die Tätigkeit von zehn Vereinen im Bezirke, darunter der Turnvereine in Mariaschein, PeierSwald, Salesel und Türmitz ein. Tie den Vereinen gehörigen Turnhallen wer den gesperrt und versiegelt. Bei der Ausstger Turn halle bleibt der Restaurantbetrieb, wie a»S einem Hausanschlag ersichtlich ist, aufrecht. Bei einer Reihe von Amtswalteriz der aufgelösten Vereine würben Hausdurchsuchungen vorgenommen und U'urde Schriftenmaterial beschlagnahmt. Di» Behörden begründen ihr Vorgehen da mit, daß die Vorstandsmitglieder der Verein« vor wiegend Zugehörige der aufgelösten Parteien find und daher begründete Befürchtungen bestehen, daß die Tätigkeit der Vereine in jeder Art und Weis« di« Tätigkeit der aufgelösten Parteien er setzen könne. * Mit dieser Feststellung haben die Behörden auch daS Richtige getroffen. Gerade in den letzten niiiiiiiininniiiiiiiiiuiiiiiiiiiitiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiitiniiiiiitiiiiiitiiiiiniiiiiniiiintiiinmiitnniiiiiitiinniitinntniiiii{tiiiniintiiitiintninnitiinniininitiiiiitninniiniinitiiiiniiintiininiiitiiinniiiiiniiiitnn Kommunistische strcikagltaflon auf den Kohlengruben in Nordwestböhmen. Die Kommunisten arbeiten Grabenbaronen In die Hände. Gründen wieder einmal einen Wirbel erzeugen. um mt Trüben fischen zu können. Ei» neuer Streikputsch, wie ihn dl« Kommunisten inszenieren möchten, würde aber für die Bergarbeiter bei der heutigen politischen und wirtsck-aftlichen Situation die schlimmsten Folgen nach sich ziehen. Es muß als ein Wahnsinn bezeichnet werden, Entlastungen durch eine» Streik verhindern zu wollen. Durch«inen Streik, selbst wenn er in gutem Glauben geführt werden würde, dadurch Entlassungen zu verhindern, kann nur erreicht werden, daß di« Unternehmer erst recht einige tausend Bergarbeiter entlassen, indem sie sie nach dem Streik nicht mehr in di« Arbeit aufnehmen. Außerdem würde ein kommunistischer Streikputsch den Lohnvertrag, die Ur laube und alle sonstigen sozialen Errungenschaften der Bergarbeiter gefährden. Di« Kommunisten arbeite» also mit ihrer Agitation»itr den Grubenkapitalisteu i» die Hand«. Di« kommunistische Partei und ihre Werk zeuge haben sich in ein« Sackgasse hinein»,anöv riert, aus der sie keinen Ausweg mehr wissen. Sie haben mit ihrer Negiening feder positiven Arbeit im Interesse der Bergarbeiter Bankerott gemacht und möchten nun ihren Bankerott durch wilde, sinnlose, aber für die Bergarbeiter ge- kährliche Streikputschs verdecken. Dazu darf sich kein Bergarbeiter mißbraucht« lassen. E- stt den Kommunisten bisher nicht gelun gen, trotz ihrer heftigen Streikogitation, auch nur Lilith i ui 1 i ii und der Komet Bin abenteuerliches, modernes Märchen von Kurt Doberer Die Kabinentüren waren weit offen. Neuburg lehnte am Landegestell, die Maschinenpistole in der.Hand. „Sie kommen an! Schitell hinein!" schrie er. Die Türen schlugen zu. Der Motor heulte auf. Die Maschine sprang itach vorne und rollte an. Schon hob sie sich vom Boden, da gab es einen scharfen Ruck. Schreie folgten— Gebrüll und Schüsse. Mr Aeroplan schwankte, kam aber dann doch hoch. Erst im letzten Augenblick vor dem Einsteigen hatte Dick den dritten Mann erkannt, der Lilith schleppte. eS war Heines. „Wo ist Tormann?" fragte Dick Harley, der neben ihm am Steuer saß. „Tormann ist am New Ararat.Er bringt Ihre Maschine!" schrie.Harley durch das Motorengeknatter zurück. „Da« Jagdflugzeug zwei?" fragte Dick. Harley nickte. Dann nahm Dick den Sprechschlanch zur Kabine. „.Hallo Nenburg!" „.Hallo," sagt« der., „Neuburg, sie geben Meldung, wenn die Ohnmacht von Frau Lilith vorüber ist. Sie sind vorsichtig mit dem verdammten Gift am Gummianzug.— Und hören Sie, sofort Meldung!" „Ich werde sofort Bescheid geben," meinte Nenburg ernst. Monoton brummte der Motor durch die Stunden. Dick legte den Mund an den Sprechschlauch zur Kabine. ,Hallo— Neuburg— War ist?" fragt« er. Die Stimme NeubnrgS klang ruhig und sicher. Eben ist Frau Lilith am Erwachen!" „Und keine Gefahr durch da« GaS?" fragte Dick nervös. „Die Maske faß vollkommen dicht," erklärt« ihm Neuburg. Dick Douglas atmet« auf. „Und grüßen Sie Frau Lilith von mir!" schloß er froh. .Harley deutete schweigend an den rechten Sehschlitz. Drunten im Morgengrauen lag ein breites Tal. Vor niedrigen Gebäuden dehnte sich eine weite«bene Fläche.' „Ist Tormann mit der Maschine," begann Dick fragend. „Sie parkt hier nnten!" bestätigte Harley. Das Feld hier ist— war ein Tankplah der Northern Air-Company. Der vertvaiste Betriebsstoff wird jetzt adoptiert!" fügte er noch lachend hinzu. Dick ging in einer engen Schleife herunter. Hier konnte nian im Schlaf. landen. Sogar der weiße Landepfeil war frisch gestreut. Tormann hatte bereits Vorsorge getroffen. Di« Maschine rytschte auf de» Platz hin, wie auf Schmierseife. Mit einem leichten Ruck stand sie still. Tormann kam über den Rasen gerannt. „.Hallo?" Er war ein bißchen im Zweifel, ob sein« gute Stimmung angebracht war. „ES hat. geklappt, unser Einbruch!" rief .Harley vergnügt herunter. Dabei begann er aus der Maschine zu klettern. Tormann wollte auf ihn zu. „Mensch, geb weg!" meinte.Harley.„Ich bin von oben bi« unten angrgast. Wir können uns, mitsamt der Knatterkiste da, von Mister Schmitt morgen desinfizieren lassen." Eben kletterte Neuburg aus der Kabine. „Lang nur hin» Tormann!" beruhigte der.„Wir haben keine besondere Mischung abgekriegt. Nur Douglas mußt« sorgfältig aus seinem Schutzanzug kriechen. Auch Liliths Ueberkleidung kam zu dem-Häufchen Gummistoft, das dann -Harley umständlich und unter Gefluche zu einem stinkenden Rest verbrannte. Während Dick auS dem Schutzanzug kroch, fragte er Torntann über New Ararat aus.„Na, >vaü machen BrunS und Schmitt?" „Die— di« schwelgen in der Berechnung der kommenden Dinge! Di« vier Mädels dagegen, die Mister-Harry mitgebvacht hat, die stören den Flugverkehr im großen Landebassin!— Tormann feixt«. Aber dann fügte er noch im ernsten Ton hinzu, daß er schriftliche Meldung im Flugzeug hätte. Tormann war jedoch auch neugierig. Er hätte gerne von den letzten Dingen auS Babel etlvas gewußt. Sie kommen direkt aus der Betonstadt?" fragte er gespannt. Diesmal>var es Dick, der ironisch ivurdc: „Oh. es gibt nichts besonderes. ES sind halt die großen Manöver für die Weltkatastrophe. Harley kann Ihnen das noch interessanter erzählen—" Dick machte eine abschließende Handbewegung,„Aber vor allem, erst mal hier weg!" Neuburg hatte Lilith auS der Kabine gehoben. Sie war blaß und noch etwa« müde. Sonst schien sie sich jedoch vorerst in das Weiterleben zu fügen. Als sie Dick sah, versuchte sie zu lächeln. „Geht eS wieder?" fragt« Dick aufmunternd. Sie nickte tapfer. Nun standen sie drüben an der starken, me- tallglänzenden Maschine, die Tormann für Dick vom New Ararat gebracht batte. Mit ihren beiden tropfengeformten Schwimmsüßen, au- denen die dicken Gummireifen lugten, stand sie breitspurig da. Bor ihrer silberglänzenden Brust lag der gedrungene, schwärzlichgraue Propeller. Ihre stark« Flügel streckt« sie etwas schräg nach hinten von sich. Sie gab jedem der sie so stehen sa!i das Gefühl: Sie trägt Dich sicher. „Gefällt sie Dir?" fragte Dick stolz. Lilith druckte ibm di« Hand als Antwort. „Da haben wir gerade alle schön Platz—" meinte sie dann. „Ein bißchen«ng wär« rs schon!" wich Dick ihrer Bemerkung aus. Tormann hatte die Meldung aus der Maschine geholt und sie schweigen» Dick gegeben. Der hatte rasch die wenigen Zeilen überflogen. „Neuburg und Heinez fahren mit Harley und auch Sie, Tormann, gehen zu Harley. Sie können sich dann bequem ablösen. Dick drehte sich zu Lilith:„Wir fahren also allein!" Als sie schwieg, fügte er noch langsam hinzu:„Im Falle unserer Maschine ein— ein Unglück zustößt—" Lilith sah hartnäckig in den Boden hinein. Nitr als Dick von dem„Unglück" sprach, hatte sie einmal rasch aufgoblickt. Dick faßte sie am Arm.„Du sitzt bei mir am Steiler. Freust du dich nicht—" „Wieviel Fahrzeit ist zum Ararat?" meintc Lilith leise. „Zwölf Stunden," sagte Dick kurz und sechs Tage dauert die Weltgeschichte noch ini Ga'n^n!" Lilith sagt« nichts, aber sie faßt« Dick« Hand. Seine Worte hatten rauh geklungen. Mit einem herzhaften Händsdruck hatte mou sich verabschiedet. Dick und Lilith starteten zuerst. Heuleiw sprang die Maschine an. Schon noch wenigen Metern war sie in der Luft. Dick zog einen Kreis und kam noch einmal niedrig über den Platz. Lilith schwenkte ihr Taschentuchlein zu den grüßenden Männern hinunter. Dann nahm daS Flugzeug Kurs nach Rock. Konjetzung folgt.) Nr. 248 Freitag, 20. Oktober 1033 Seit- 3 Die Erledigten Ein Kapitel sudetendeutscher Volksverdummung und politischer Scharlatanerie Das über alle Erwartungen klägliche Ende l der sudetendeutscheu Nationalsozialisten, das I momentane Verschwinden dieser überheblichsten aller Bürgerparteirn von der inncrpolitischen Bildfläche, diese in der Geschichte der Tschechoslowakei beispiellose Selbstaufaabe einer großen Partei und vic nunmehr herrschende katastrophale Ratlosigkeit der von ihren„Führern" schmählich im Stich gelassenen Gefolgschaft lohnt den Versuch, einer allmählich ernüchternden Ocsfentlich»' leit noch einmal das Porträt jener verhinderten Märtyrer als Warnungszeichen cntgcgcnzuhaltcn, die allein die Verantwortung für den gegenwärtigen Zustand zu tragen haben. Darum mag man es auch nicht allzu billigen Ruhm nennen, der durch den Angriff auf einen bereits zu Boden gestreckten Gegner erworben werden konnte, wo cs sich doch nicht uni persönliche Vermiglimpfung hilfloser Feiglinge handelt, sondern vielmehr darum, durch eine kleine— durchaus nicht vollständige— Auslese von Sclbstzcugnisscn dem Volk vor der Nichtigkeit der Erledigten dw Augen zu öffnen und ihn: ein wenig Skepsis bei- zubringett für die Geschäftigkeit jeuerfröhlichen Erben, die nun daran gehe», das verkrachte Geschäft wieder in Schwung zu bringen. Denn wer erinnert sich heute noch all der unbekümmerten Großmäuligkeit, des undurchdringlichen Phrasennebels, mit dem unsere weiland Nationalsozialisten Fahre hindurch die deutschen Gebiete des Staates überzogen, wer noch der einzigartigen Kurzsichtigkeit hakcnkreuzleri- schcr Führer, die sich unzählige Male als die tiefsinnigste politische Konzeption präsentierte und die stärkste moralische Verpflichtung für sich forderte? Wer weiß z. B. heute noch, daß gerade jenes Ereignis, das zum ersten Male die Not- tvcndigkcit der demokratischen Selbsthilfe erwies, die Gemcindewahlcn im Herbst 1931, Herrn Karg zu einenl jubelnde« Leitartikel veranlaßte, in dem es hieß: „Ter 27. September I93l war nur eine Etappe. Die große Durchbruchsschlacht des sudetendeutschen Nationalsozialismus für die sudetendeutsche Autonomie wird bei den nächsten Par» lamcntswahlen geschlagen. Wir hoffen, daß die Zeichen dieser kommenden Wahlen für die Herren in Prag so deutlich sein werden, daß sie weder von den tschechischen, noch von den deutschen Parteien übersehen werden können." Die„Herren in Prag" haben nichts übersehen. Den Herren in Aussig aber war eS entgangen, daß der 27. September die Marneschlocht des sudctcndcutschcn FasciSmus gewesen ist. Der Volkssport-Prozeß kam. Aber statt nun endlich cinzusehen, in welche Situation sich die Partei hincinmanövricrt hatte, verlor die Führung selbst die letzte Hemmung ihrer Demagogie. „Wenn auch das Parlament uns au», liefert, so werde« wir mit keiner Wimper zucken und das Opfer aus uns nehmen, wie es unsere Pflicht und uns«re Auffassung von nationaler Arbeit und öffentlicher Betätigung gebietet." So polterte Herr Knirsch in Teplih- Tchönau, der einer der unentwegtesten Optimisten war: „Und wenn sich hinter uns die Kerkcrmauern schließen und wir beim Fenster hinausschauen, dann werden wir bei diesem Fenster schon das Morgenrot einer besseren Zeit, einer freien Zeit, hereinleuchten sehen." Das mag stimmen, wenn auch in anderem Sinne, als Knirsch es geträumt. Noch freudiger bewegt und hoffnungsvoller war Osaf Jung, der noch am 23. Feber 1933 dem staunenden Par- larncnt cnlgcgenschmcttcrtc: „Unsere Idee bedarf keiner Rechtfertigung, denn über sie fällt lediglich die Geschichte ihr Urteil. Kerker bilden oft den Ausgangs- Punkt zu neuem geschichtlichen Geschehen. Es wird auch in unserem Falle so sein. Als Führer einer Partei werden wir ihn betreten, als Führer des Bolkes ihn verlassen!" Ein kleiner Betriebsunfall hat inzwischen leider schon den Eintritt des ersten Teiles dieser weisen Prophezeiung vereitelt,""d dabei hatte doch Knirsch noch ans dem Komotaucr Parteitag die Aufgaben der DNSAP so trefflich charakterisiert: „Die DNSAP ist sich ihrer Verantwort uAgvollundganzbewutzt, sie in dieser gefährlichen Kurv« der sudetendeutschen Autonomiebewegung zum Durch- halten und Ausharren aussordert. Wer die b e s s e r e n N e r v e n hat, der wird dieses Ringen gewinnen. DiebesserenNerven verleiht aber das Bewußtsein des besseren Rechtes... In diesem Kampfe werden wir nie erlahmen, den» eS geht um die höchsten sittlichen und nationale» Güter unseres BolksfumS... Niemals werden wir uns der Macht beugen...! Nur wer im Kämpfe auSharrt, des Sieges wert! War es etwa eine Oppositionsrede? Keineswegs, denn selbst Jung erklärte auf demselben Parteitag: „UnsereParteikenutihreBer» pflichtungen gegenüber dem Bolküganzen und ist bereit, diesem mit allen Kräften zu dienen... An das sudetendeutsche Volk richt- tcn wir die Mahnung: Harre auS, erkenne deine Aufgaben." Eine seltsame Partei, die„ihre Vcrpflich. tungcn gegenüber dem Bolksganzen" im Augenblick der Gefahr in der S c l b st a u f l ö s u n g erkennt. Aber weshalb sollte dann dassudctcndcut- sche Volk ausharrcn? Nun, der Märchenonkcl Jung hat«loch allerlei muntere Schwanke im Ranzen. Bei einer Galavorstellung in Troppau erfuhr man: Kampflos lassen wir nn« nicht abschlachte«! In' immer weiter« Kreise dringt die Erkenntnis. daß Rationalismus und Sozialismus «ins sind und daß sie als Einheit das künstige Leben unseres Volkes gestalten werde«. Für sie nehmenwir alle-aus uns!" Wahrlich ein Schauspiel, das des AuShar- renS wert ist, zumal auch Herr Knirsch im Wchrausschuß versicherte: „W ir st ehe« zu alldem, waS wir gesagt nnd verfochten haben und werden jedes Opfer auf uns neh- m e n, wenn man uns wegen der von uns vertretenen Politik und Gesinnung offen verfolgt. Wir wissen, daß da» Durchsetzen großer Ziele vielfach Opfer kostet." Urrd Jung vor der Gcsamtleitung seiner Partei: „Trqtz alledem w«rden wir uns nicht hindern lasten, da», was wir für recht ansehen und was unserer heiligen Ueber» z e u g u n g entspricht, zu vertreten und zu verfechten. Wir halten uns an das Wort: Wer die Wahrheit kennet und saget sie nicht, der ist fürwahr«in erbärmlich e r W icht. Wir aber wollen nicht« al» dir Wahrheit." Und lösen zu diesem Zwecke unsere Partei I a>lf, was allerdings wiÄcr in Widerspruch zu einer Broschüre steht, die er, der Herrlichste von allen, also Herr Hans Krebs, noch knapp vor Torschluß veröffentlichte: „Wer Verfolgungen nicht ertragen kann, ist d«S SiegeS nicht wert! Der Druck der Machthaber soll uns niemals dazu bewegen, auch nur einen Finger bre it von unserem Wege abzuweichen. Die DRSAP hat sich ein hohes Ziel gesetzt und sie wird«S nur mit hohem Einsatz erkämpfen. Wir können mutig und st o l z di« Bah« schreiten und wäre e» durch Rotund Kerker..." Oder in einem Schinakel über die Elbe nach Sachsen! „Eingebettet in die großen Strömungen unserer Zeit, getragen von hunderttausenden opferfreudigen Volksgenossen, gepflegt von dem sittlichen Ern st einer klarsehenden und dem Ziel unerschütterlich zuschreite»den Führung werden wir die Bewegung zum Siege führen." Ja, der Krebs, das war einmal ein Held. Wie der nur gleich nach dem Volkssport-Urteil scharf ins Zeug gegangen ist: „Kein Mensch von uns hat jemals daran gedacht, sich der Verantwortung für seine Handlungen zu entziehen. Wer könnt« glauben, daß wir unsere politische Einstellung von Gerichten oder andere» Faktoren bestimmen oder beelnsluffen lasten!" Wer könnte auch auf solche Gedanken verfallen, tvo unser Krebs doch selbst noch in der „Teutschöstcrreichischen Tageszeitung" schrieb: „Ich bin überzeugt, daß der Weg, den die Herren in Prag gehen, falsch ist. Es wird ihnen nicht gelingen, diese Bewegung umz»bringe n." Wie denn auch, wenn sie es vorzieht, sich selbst umzubringen? „Wir nationalsozialistischen Abgeordneten werden vor den tschichischen Gerichten die Verantwortung für unsere Bewegung übernehmen...Und diesen Kampf werden wir trotz aller Drohungen, trotz Kerker und Not bis znm Ende a u s k 8 m p f e n." Man fühlt auch hier den„sittlichen Ernst einer klarsehenden und dem Ziel unerschütterlich zuschrcitcilden Führung", ebenso wie in der großartigen Rede, die Krebs im Jänner in Böhm.» Leipa hielt:• „Die nationalsozialistisch« Bewegung lebt und niemand wird sie au» unserem politischen Leben beseitigen." Die national« Anto»omi«bewegung marschiert und nichts wird ihre ll Marsch aushalten. Es wäre schlecht um die Nationalsoziakisten bestellt, wenn sie den Angrifsen nicht trotzen könnten— sie wären de« Sieges nicht wert! In hoher Verantwortung, bereit jedes Opfer auf sich zu nehmen, steht die Führung der Bewegung im Kamps dieser Zeit. Jetzt gilt eS zu zeigen: Parteiführung und Parteigenosten sino ein Herz und eine Seele. Wer anders als di« DNSAP könnt« in diesen Tagen Hoffnung und Kampsesmut unter die breiten Voltsmasse« tragen? Aufrecht und groß steht di« Bewegung da, bereit, ihre Aufgaben zu erfüllen. Niemand soll sich Hoffnungen machen, daß er gegen diese Bewegung aufkommen könnt e!" Und das hat sich selbst als„Harschende Führung" bezeichnet, dieser Kerl, der jetzt jenseits der Grenze sitzt, während seine Gesellen noch rechtzeitig verhaftet werden konnten, nnd sich wahrscheinlich als nationaler Märtyrer feiern läßt, durfte jahrelang ungestraft von Versammlung zu Versammlung ziehen rind sich zum Füh rer der sudctendcutschcn Antonomiebestrebungen anStrommeln lasten. ES ist ein wahrhaft erschreckendes Bild geistiger nnd moralischer Verkommenheit, da» ein Blick auf die Entwicklung und das Ende der DNSAP bietet, einer Partei, die vom ersten Augenblick ihres Bestandes nichts anderes war, als das Werkzeug kalter Demagogen nnd politischer Scharlatane, die uni den Preis der LcbcnS- interesten eines Volkes sich ihre Karriere erkaufen wollten und dabei jämmerlich scheiterten. Nun ist sie erledigt, ansgctilgt au« dem öffentlichen Leben dieses Staates, aber ihr Geist lebt noch in den dumpfen Winkeln der fndetendeutfchcn Kleinstädte nnd tvird noch so manches absonderliche Gebilde znr Welt bringen, UM darin Unterschlupf zu finden. Dies zu verhindern, ist die unmittelbare Aufgabe, vor die wir nun gestellt sind. Der Angriff gegen die elendste Verlotterung unseres politischen Lebens, gegen die verant- wortungslosc Preisgabe tausender sudetendeutscher Existenzen muß konsequent zu Ende geführt werden. Die DNSAP darf keine Erben haben nnd wer sich dennoch um ihr Erbe bewirbt, muß desselben Schicksals gewärtig sein, wie die verführten Verführer von gestern. 2000 Mann der östcrrcidiisdicn Legion an der Böhmcrwaldgrenzc. Strategische Umgruppierung der Hahenhreuz-Söldner. Prag, 18. Oktober. Es liegen verläßliche Nachrichten vor, daß das Ucbungslager der sogenannten östcrcichlschen Legion am L e ch- seid aufgelöst wird und daß mit Rücksicht auf die derzeitige Aussichtslosigkeit eines Nazieinfalles nach Oesterreick) für diese Söldner eine andere Verwendung gesucht tvird. Die Beunruhigungstätigkeit eines Teiles der österreichischen Legion soll nun an die Böh- merivaldgrenze verlegt werden. Die Abkommandierung der Legionäre wird durch eine Meldung des in Weiden erscheinenden „Oberpfälzer Kurier" bestätigt. Tas Blatt bringt rn seiner Ausgabe vom 11. Oktober aus Neustadt folgende Meldung. „Ein zweiter Trupp österreichischer TA, ca. . 600 Mann, durchzog gestern Nachmittag wieder unsere Stadt. Am Rathaus sprach Herr erster Bürgermeister Walbert herzlich« Worte der Begrüßung, di« ein d r e i s a ch e s Sieg h c i I und das Deutschland.Lied beendete. Hierauf marschierten dir Gäste nach ihrem Standort Wöllershos." Diesem Bericht ist hinzuzufügcn, daß die österreichischen Legionäre in fclomäßlger A u s r il st n n g und b e w a s f n c t durch Neu- stadt zogen. In Wöllershos befand sich bisher ein E r z i c h u n g s h c i m. Der Ort liegt nur drei Wegstunden von der tschechoslowakischen Grenz« entfernt, gegenüber unserem Bezirle Tachau. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, daß nach einem weiteren Bericht des gleichgeschaltetcn„Oberpfälzcr Kurier" der bayrische Staatsminister Esser vor einigen Tagen dem Grcnzort S i I b c r h ü t t c einen demonstrativen Besuch abstattetc und dort eine der üblichen Greuzlandkundgebungeu mit einer Rede beglückte. Zur entsprechenden Aufputschnng der Bevölkerung fügt das genannte Blatt noch die Mär hinzu, die Rede Essers wäre durch tschechoslowakische Grenztrupprn jenseits der zehn Minuten entfernten Grenze durch Ma- s ch i n c ng e w c h r f c n e r gestört worden. Deutscher Finanzminister organisiert den Berlin, 19. Oktober. r Reichsfinanzmini- 1 ster hat einen sehr bedeutsamen Rundcrlaß über den zivilen Luftschutz bekanntgegeben. Darin heißt eS, daß durch den'Versailler Vertrag Deutschland verboten wurde, Militärflugzeuge zu halten und daß deshalb die wirksamste Abwehr von Luftangriffen, nämlich durch eigene Kampfflugzeug«, uns versagt sei. Um so größere Bedeutung komme dem zivilen Luftschutz zu, der die Bevölkerung gegen Gefahren aus Luftangriffen schützen solle und der daher im Interesse der Bevölkerung wie der Landesverteidigung weitgehend zu fördern sei, auch durch Steuervergünstigungen, Auf- tvendungen für den Luftschutz kämen gegenwärtig in erster Linie bei Jndustricuniernchmungcn (Werkslustschutz), bei sonstigen Unternehmen mit großem Personalbestand nnd bei Hausbesitzern in Betracht. ES kämen da Vorkehrungen zum Schutze des Personals, der Hausbewohner, der Luftkrieg Werksanlagen, der Häuser usw. in Frage. Ter Minister zählt auf, daß cs sich hier nm den Bau von Schutzräumen, bzw. den Ausbau dazu, um die Beschaffung von Schutzgeräten, die Hetstcllnng von Alarmanlagen und die Ausstellung und Ausbildung besonderer Schutztrupps in einzelnen Werke» handele. Er bestimmt, daß alle Anftvcn- dungen für Zwecke des zivilen Luftschutzes bei Ernrittlung des Eiukviiliucns aus Gewerbebetrieb, aus Land- und Forstwirtschaft nnd aus der Vermietung und Verpachtung für Zwecke der Ein- kammen- und Körperschaslsstencr im Stenerab- schnitt voll abgesetzt tvcrdcn können. Diese Per- günstlgnng soll auch gewährt werden, wenn etwa wegen des Charakters als JnftandsetzungSarbcit schon airdcrwcit Erleichterungen zugcsagt tverdcn. Das Einziehen von massiven Betondecken anstatt hölzernen, die Verstärkung von Fundamenten usw. komnien auch in Betracht. Drei Worfel Wien, 19. Oktober. Die heutige„Arbeiter, zeitung" ist heute wegen Aufwiegelung der Kon- siskation verfallen. Den Gegenstand der Konfiskation bildeten drei Worte in dem Bericht des Blattes über Ergebnisse der Wahlen in Norwegen. Oer naß wamst Paris, 19. Oktober. Die Agenee Savas meldet auS Netv?)ork: Der Ausschuß für die Veranstaltung von Feierlichkeit«» anläßlich deS Jahrestages des Waffenstillstandes beschloß über Ersuchen der Kriogsinvaliden aus Newark, daß den ehemaligen deutschen Frontkämpfern di« Teilnahme an den geplanten Umzügen nicht gestattet lverde. vle SPD zur Außenpolitik Hitlers Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands(Sitz Prag) sicht in dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und dem Verlassen der Abrüstungskonferenz das offene Eingeständnis des völligen Bankcrotts der Hitlerschen Außenpolitik. Wenn Deutschland voll- kommen isoliert ist, so ist das nicht die Schuld seiner Emigranten, sonder» die Folge seiner Gewaltpolitik und jener geistigen und materiellen Aufrüstung, die die Erfolge der früheren Verständigungspolitik zerstört haben. Die Neuwahl des Reichstags und die Bolks- vefragung entspringen nicht dem ehrlichen Wil len, das deutsche Volk zur Mitbcstimmnng seines Schicksals heranzuziehcu. Unter terroristischem Druck soll ihm die Zustimniung zur Aufrüstung abgepreßt werden, Im Hitlcrdeutschland gibt es mir eine Partei. Meinungsfreiheit, Freiheit der Abstimmung, existieren nicht. Unter diesen Umständen tvird die Abstimmung am 12. November niemals die wahre Stimmung des Bolkes zum Ausdruck bringen. Deshalb fordert der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Dcutschlmchs auf, am 12. November der Nationalsozialistischen Partei tind ihren: Führer die Gefolgschaft zu versagen und mit„Nein" z>l stimmen. Budget in der nächsten Woche Prag, 19. Oktober. Das Sekretariat der tschechischen Sozialdemokraten veröffentlicht ein Kommuuiqucc über die heutige Sitzung des Prä- diunts des Vollzugsausschusses, in der Bericht über die Vorbereitungen zum Parteitag, über die innen- und außenpolitische Situation sowie über den Verlauf des Wiener Parteitages erstattet tourdc. Weiter heißt cs in dem Kommunique«: „Das Präsidium nahm dann die Berichte über die vorbereiteten politischen, wirtschaft- lichcit und sozialen Maßnahmen der Regierung, uaineuilich über den vorbereiteten Eingriff der Negierung in di e Detailpreise und über das Budget für 1934 entgegen, das gerade in der Regierung zilm Abschluß gebracht wurde ilnd in.d e r nächsten Woche d e in Parlament vorgelegt werden wird. Seite 4 Freitag. 20. Oktober 1933 Nr. 246 Die Schule muß zur Demokratie erziehen neule Schluß der landesverirciung Die böhmische Landesvertretung beendete gestern die Debatte über den Landesvoranschlag und nahm auch die Berichte über die anderen Punkte der Tagesordnung entgegen. Mit der heutigen Sitzung, in welcher die Abstimmung über das Budget und die int Berlanse der Ver- handlungen gestellten Anträge erfolgen soll, wird die Herbstsesston der Landesvertretung geschlossen. Eitriges Aussehen erregte es, daß gestern der Primator von Prag, Dr. B a x a, der' der Lan- desvertretnng seit ihrem Bestehen angehört, 51111t ersten Male dort das Wort ergriff. Zum Kapitel„Schulwesen" sprach ven«88e inner: Bedauerlich ist die Tatsache, dass sich die Landesvertretung immer mehr mit der Erledigung der administrativen Angelegenheit begnügt, als initiativ vorzugehen. Heute, wo wir vielleicht au einem Wendepunkt zur Lösung der schulpolitischen Fragen in Mitteleuropa stehen, ist es dringend notwendig, aktiver hervorzutreten. Der politische Kampf zwischen Diktatur und Demokratie kann nicht ohne Einfluß aus das Schulwesen bleiben. Dieser Kampf zwischen den osleuro päischen und den westeuropäischen Kultnrsormen wirst aus unsere Schule tiefe Schatten. Wir dürfen uns nicht der Einsicht verschließen, daß die Schule eines Tolakitätsstaateo eine ganz andere Ist als die einer demokratischen Republik. Im ersten steht die Wehrhastmachung der Fugend, der Fllhreraedanke, die Rassenkunde mit alt ihren Nebenerscheinungen im Mittelpunkte der Erziehung, während in der Schule der Temotratie Völkerverständigung, nationale Duldsamkeit, Humanität gelehrt und gegen Haß. Brutalität, Minderwertigkeitsgedanken und Uniformierung de» Geistes angekämpst wird. Präsident M a s a r y k und Minister Dr. Dörer haben schon des,öfteren die Nichtlinien für unsere Schule bekanntgegeben, deren Verwirklichung wir Tenlschen im Staate nur erwünschen können. Mit allgemeiner Befriedigung wurde auch die Stet- lungnahme unserer Dachorganisationen zur Kennt- nis genommen, die sich für die Verwirklichung der Humanitären und demokratischen Ideale ausgeipro- chen haben. Es wäre im Interesse unserer Schule, wenn auch die Landesvertretung als größter Selbst- verwaltuugskörper der Republik hiezu Stellung nähme. Ter weitaus größte Teil des Schnlvoran- jchlages beruht auf Rechlstitetn und freies Ver- lügungsrecht hat das Land eigentlich nur über drei Posten n. zw.: Schulbausubventionen, Unterstützun- gen an Lehrerkorporationen(für Pädagogische Akademien) und Beiträge für Privatschuien. Tie Ausgaben für diese drei Posten sind znsammenge- schrumpft bis auf 1.5 Millionen Kronen, sie sind also um ein ganzes Viertel gekürzt. Bei Sparmaßnahmen packt man immer viel rascher und kräftiger bei den allgemeinen Volksbildnngsanstalten zu als bei sonstigen Anstalten. Tie Vertreter der Volks- und Bürgerschulen haben schwere Kämpfe um die Erhaltung und Ver befferung zu führen. Wir brauchen nur auf die Lehrerbildung zurückgreisen. Aus vier verschiedene Arten konnten bisher Lehrer herangebildet werden. Das ist ungesund und bedarf der baldigsten Vereinheitlichung. Sehr scharfe Kürzungen weisen die sozialen Posten des Budgets auf. ES ist wie überall, man überläßt die Lösung der sozialen Frage viel zu gern den sozial Schwachen. Wenn man bedenkt, daß sede sechste Mutter zum dauerndem Verdienste gezwungen ist, daß jedes fünfte Kind kranke Eltern hat und daß 16 Prozent der Bürgerfchüler bereits erwerbsmäßig tätig find, sollte man denn doch dieser Frage eine größere Beachtung schenken. Jedes Volk muß das Bestreben haben, seine Kinder zu schuhen und wir müssen alles vermeiden, was die körperliche Kraft des Kindes lähmt und seine geistige Spannkraft schwächt. Das Gefühl der Minderwertigkeit ist gefährlich!) Voriges Jahr wur- d»u stellentveise M i l ch a k 110 n e n für Schulkinder dnrchgeführt. Sie fanden allgemein Anklang. Mit Hilfe von Genossenschaften, Kommunen, Vereinen und dergl. sollten diese Unterstützungen ausgebaut werden. Nicht unerwähnt will ich lassen, abermals auf die Not der Bürgerschule und im besonderen auf die Stellung der Fachlehrer hinzu weisen. Tatsache ist, daß die Iaht der Schüler beständig im Steigen ist(8 Prozent gegenüber dem Vorjahre) und daß die schulerhaltenden Gemeinden in immer stärkere Bedrängnis geraten. Ten Gemeinden werden Sparmaßnahmen im Schul- haushalte diktiert, trotzdem die Verpflichtungen steigen. Einige Gemeinden mußten Heuer bereits zur Ansschuluiig der über-t lcm weit wohnenden Bürgerschüler schreiten. Eine Maßnahme, die sich so lange immer hänsiger wiederholen wird, bis endlich einmal die SPrenge l b ü rge rschu le gelöst werden muß. Andererseits muß aber auch anerkannt werden, daß unsere Schulverwaltung sich in der heutigen Zeit sehr bemüht, unserent Volks- und Bürgerschul- wesen leine zu tiefen Wunden zu schlagen. Und wir in der Landesvertretung haben die Pflicht, als das ZN unterstützen, was der Schule dienlich ist und all das zu fördern, was nufer Schulwesen vorwärts bringt— vor allem aber auch unserem Schulwesen eine demokratische Verwaltung zu geben. Friede, Freude und Freiheit In der Schule Ist die beste Gewähr für ein gutes Schultvesen! Hakenkreuzmalereien in Aussig. Zn der Nacht auf Mittwoch klebte» einige luuge Männer, Angehörige der aufgelösten deutschen nationalsozialistischen Partei, in den Straßen der Stadt Photographien von Hakenkreuzen mit gesetzwidrigen Parolen an die Häuserfassaden. Zn dieser Angelegenheit wurde nun gestern einer der jungen Burschen verhaftet. Er hat eingestanden, die Ausnahme selbst angesertigt zu haben. Ec wird auf Grund des Gesetzes-zum Schutze der Republik in Gerichtshast eingeliejert werden. Tagesneuigkeiten Tausend gegen einen! Lynchjustiz iu Amerika. Prineeß Anne(Staat Maryland), IS. Oktober. An 1000 Personen drangen in das hiesige Gefängnis ein, bemächtigten sich eine» dort eingekerkerten Negers und lynchten ihn. Hierauf erhängten sie ihn und schlepp- t'en seine Leiche durch di« Gassen. Die Polizei schritt mit Knüppeln gegen die tobende Menge ein, doch gelang«S ihr nicht, das Lynchen zu verhüten. Einige Personen wurden bei dem Zusammenstoß mit der Polizei verletzt. Der Reger war in daS Gefängnis gebracht worden unter der Beschuldigung, daß er eine Vergewaltigung an einer Weißen älteren Dam« begangen habe. 7V russische Rieger über Prag nach Pari«. Paris, 19. Oktober. Meldungen eines privaten Pressebüros zufolge wird die solvjetrufsisch« FluazeugeSkadron, die End« des Monates Oktober Parts einen Besuch abstatten wird, 70 Maschinen zählen. Die sowfetrussischen Flieger werden sich, wie verlautet, in Warschau und in Prag aufhalten. Der Kamps um Bangkok. Bangkok, lS. Oktober. Die RegierunaStrup- pen haben überall einen vollen Steg über die Aufständischen davongetragen. Die Banden der Aufständischen weichen in nördlicher Richtung von der Hauptstadt zurück und werden hiebei von der Artillerie der Regierungstruppen beschossen. Auch der Flugplatz ist bereits in den Händen der Regierungstruppen. zwei Jahre lang--Arzt" tu Karpatho« rußland. Urhorod, 19. Oktober. Tie Staatspolizei in Mährisch-Ostran verhaftete Anfang Oktober in Neu-Oderberg den 38jährigen russischen Flüchtling L. Wersau und den 37 Fahre alten nach Oderberg zuständigen Alfred Smrtschka(der unter dem Namen Reinecke bekannt ist). In einigen Zeitungen wurde auch angegeben, daß Wersvn sich während der Inflationszeit in Berlin einen falschen Personalausweis als Arzt besorgt habe und daß er seit dem Jahre 1923 in Karpathorußland in öffentlichen D i e n st e n als Arzt angestellt war. Amtlich wurde nun sestgestellt, daß Werson seinerzeit durch die Vermittlung des Präsidium- deS Ministeriums für öffentliches Gesundheitswesen um einen Posten als Arzt in.Karpathorußland angesucht hat und daß er sein Gesuch mit einem vorläufigen Ausweis der medizinischen Fakultät von Novaja Rsija über abgelegte Studien belegte. Auf Grund dieser Bestätigung wurde Wer- on zum provisorischen Arzt des.Krankenhauses in ULHorod ernannt. Dort ist er am 10. November 1922 eingetreten und vertrat den Arzt Dr. Terlecky. Dem Gesundheitsreferenten Dr. Pinta kamen aber bald Zwei- : e l über seine ärztlichen.Kenntnisse auf und er ließ ihn deshalb nn Krankenhaus in Berehovo praktizieren, um seine ärztliche Tüchtigkeit feststellen zu lassen, und hat ihn gegen die ursprüngliche Bestimmung auch nicht zum Distriktsarzt in Bolovice ernannt. Seinen P 0 st e n im Berehover Krankenhaus hat Werson am 12. M ä r z 1925 selb st verlassen, wahrscheinlich in der Annahme, daß die Unzulänglichkeil seines ärztlichen Wissens ihn verraten könnte. Sonst hat Werson in Karpathorußland in öffent- lichen Diensten als Arzt nicht gewirkt. Schutz der Prager vor Gasangriffen. In der nächsten Zeit wird eine Kommission ein Verzeichnis aller Gebäude in Prag anlegen, die für die Errichtung von bomben- und gas- icheren Zufluchtstätten für die Zivilbevölkerung geeignet sind. Diese Aktion, die auch vom Ministerium für nationale Verteidigung gefördert wird, soll Vorsorge für den Fall treffen, daß die Hauptstadt einmal der Gefahr von Fliegerangriffen ausgesetzt sein sollte. Sonntagsruhe und Wochentagsfperre im Handelsgewerbe. Wie kürzlich berichtet wurde, haben Ver- iretungskörperschaften des Handelsgewerbeü verlangt, daß anläßlich des heuer auf einen Samstag fallenden Staatsfeiertages dort, wo die Sonntagsruhe besteht, ein ansnahonsweiseS Ofsenhalten iu einzelnen Geschäftszweigen zugelassen werde. Ter Allgemeine Angestellten- Berband Reichenberg sowie die Vereinigung der Gehilfenvertreter in Handel, Spedition und Export, Sih Reichenberg, haben sich in Eingaben an die zuständigen Stellen gegen dieses Verlangen gewendet. Die Sonntagsruhe ist dort, wo sie besteht, völlig cingelebt und wenn die einkaufende Bevölkerung weiß, daß die Geschäfte zwei Tage hintereinander geschlossen bleiben, dann werden alle notwendigen Einkäufe vorher dnrchgeführt, wie dies ja beispielsweise auch bei Doppelfeiertagen(Ostern, Pfingsten, Weihnachten) anstandslos geschieht. Ein Anlaß zu einer Ausnahme kann daher nicht gegeben sein. Ferner hat die Landesbehörde Prag au Grund der ihr mündlich und schriftlich überreichten Darlegungen der genannten Angestelltenvertretungen eine Umfrage an die Bezirksbehör den wegen der Einschränkung der AuSnahm» Svnntage vor Weihnachten auf nnr einen Sonntag erlassen. Zufolge der von den Bezirksbehörden an die einzelnen Gemeinden ergaiige- ne» Aufforderungen ist in den meisten Fällen der Anregung, nur einen AuSnahmS-Sonntag vor Weihnachten zuzulasscn und hiedurch Böhmen außerhalb Prag mit dem Gebiete der Hauptstadt Prag sowie mit Mähren und Schlesien in diesen! Punkte gleichzustellen, zugestimmt worden. Auch bezüglich der Einführung der allgemeinen Sieben Uhr-Ladensperre in allen jenen Orten und Bezirken, in denen die Geschäfte derzeit darüber hinaus offen gehalten werden, ist eine Umfrage der Landesbehörde an die Bezirksbehörden ergangen. Es ist anzunehmen, daß auch diese Umfrage ein zustimmendes Ergebnis im Sinne der allgemeinen Sieben-Uhr-Ladenfperre zeitigt. Slehmrg der Klasienlstterle 10.000 Ke: 23.910, 93.715. 20.000 Kf. 10.738. 5.000 K6: 7283, 9114, 16.947, 21.013, 24.489. 39.049, 42.334, 45.910, 53.737, 55.924, 57.837, 64.069, 71.603, 72.290, 82.916, 86.846, 97.092. 2.000 Ke: 123, 1213. 4446, 12.311, 14.968, 15.324, 21.615, 23.407, 25.215, 25.959, 27.615, 29.074, 32.110, 33.309, 33.772, 40.734, 40.829, 42.997, 43.836, 44.183, 44.907, 47.442, 50.029, 50.374, 50.559, 51.557, 52.403, 53.053, 59.449, 59.775, 61.716, 62.639, 63.128, 63.542, 64:657, 65.304, 65.931, 68.317, 68.720, 72.137, 73.692, 75.003, 79.837, 80.292, 81.872, 82.251, 83.689, 84.260, 84.561, 84.663, 84.860, 85.688, 87.945, 88.221, 88.310, 89.560, 90.781, 91.818, 92.135, 93.104, 95.995, 96.114, 96.825, 98.491, 100.885, 102.888, 104.450. 1.200 K«: 3209, 9999, 11.556, 18.034, 20.056, 21.708, 28.536, 33.905, 36.206, 49.263, 54.739, 57.305, 58.765, 68.156, 69.994, 71.336, 80.069, 84.730, 87.396, 91.266, 93.281, 94.793, 101.218, 103.395. Di« Schuldverschreibungen drr Arbeitsanleihe wurden, wie das Finanzministerium mitteilt, bereits allen Zeichnungsstellen zugeleitet. Die Subskribenten, die die Schuldverschreibungen beheben wollen, können dies durch Vorläge der Betätigung bei den zuständigen Instituten tun. Schuldverschreibungen für Zeichnungen zum Kurse von 105.—(nach§ 6 des Gesetzes über die Arbeitsanleihe) die bis zum 15. Mai 1936 gebunden sind, werden allerdings nicht ausgegeben. Gesundheitsdienst der Prager deutschen Hochschulen. In der Zeit vom 23. Oktober bis 9. November l. I. findet die von den Hochschulen beschlossene körperliche Untersuchung der erstsemestrigen Hörer sowie sämtlicher Inwohner der deutschen Studentenheime am Poliklinischen Institute(Vorstand Prof. Dr. Walko), für die Techniker und Philosophen, an der 1.'medizinischen Klinik(Vorstand Prof. Dr. Schmidt), für die Theologen und Mediziner und an der 2. medizinischen Klinik (Vorstand Prof. Dr. Nonnenbruch) für dir NechtShörer und Naturwissenschaftler, statt. Ein wichtiger Tunnel. Der spanische Minister für öffentliche Arbeiten hat im Guadarrama. Gebirge, etwa 70 Kilometer von Madrid, auf dem Wege nach Burgos, den Betrieb in dem neuen vier Kilometer langen Eisenbahntunnel, dessen Bau 18 Millionen Pesetas kostete, eröffnet. Die Verbindung Madrids mit Paris und Europa ist nunmehr um drei Stunden beschleunigt. Neu« deutsche Literatur. Ter Verlag Allert De Lange, Amsterdam, hat eine Reihe von Werken deutscher Autoren erworben. ES tverden im Lause -er nächsten Zeit erscheinen'Werke von Bert Brecht, Georg Bernhard, Max Brod, Georg Hermann, Gina KauS,.Hermann Kesten, Egon Erwin Kisch, Theodor Plivier, Alfred Polgar, Joseph Roth, Adrienne Thomas, Karl Tschuppik, Christa WinSloe. Fahrplanänderungen ab 1. November. Aus der Strecke Pilsen— Eger werden im PcrsoneNver. kehr folgende Motorzüge mit Waggons dritter Klasse eingesührt: Mo. 1332(Eger ab 9.03 Uhr, Pilsen an 11.45 Uhr); Mo. 1333(Pilsen ab 12.42 Uhr, Eger an 16.12 Uhr); Mo. 1334(Eger ab 17.09 Uhr, Plan bei Marienbad an 18.18 Uhr); Mo. 1335(Plan ab 18.49 Uhr, Eger an 19.50 Uhr). Turch die Einführung dieser Züge ändert sich die Abfahrt des Per- sonenzugeS 1806 Im Abschnitt Eger—Lindenhau, so daß dieser von Eger um 19.20 Uhr absährt und in Lindenhau um 19.33 ankommt.— Auf der Strecke Pilsen— Beraun wird wegen zu geringer Frequenz der Schnellzug 42(Pilsen ab>9.42 Uhr) und der Motorpersonenzug 629(Prag ab 21.17 Uhr) ausgelassen. Bei den bisherigen Motorpersonenzügen auf der Strecke Prag Pilsen, die Dampfantrieb haben, werden bis ans weiteres auch Waggons 2. Klasse angehängt werden. Nur bei dem Motorpersonenzug 628(Pilsen ab 12.37 Uhr) und 631(Prag ab 28.10 Uhr), die Motorantrieb haben, bleiben weiterhin die Waggons dritter Klasse.— Nus der Strecke 2 t r a- konitz— Wallern wird der Pcrsonenzug 4801 (Strakonitz ab nm 7.23 Uhr, Winterbcrg an um 8.87 Uhr) Motorantrieb haben und nur Waggons dritter Klasse führen.— Auf der Strecke Neuhof— W e s e r I y wird der Motorzug Mo. 3505 von Neuho erst nach Ankunft des neuen Motorzuges Mo. 1333 aus Pilsen absahren und aus der ganzen Strecke um 41 Minuten später verkehren: Neuhof ab um 13.83 Uhr. Weserih an um 14.25 Uhr.— Auf der Strecke Marienbad— Karlsbad wird der Personenzug 806'auf der Strecke Petschau—Marienbad um 4 Minuten früher fahren, um in Marienbad den Anschluß an den neuen Motorzug Plan—Eger zu erreichen(Petschau ab um 18.04 Uhr, Marienbad an um 19.06 Uhr). Infolgedessen wird sich auch der Motorzug 8&7 aus Marienbad um 18.28 Uhr ab< ! fahren und in Petschau um 19.22 Uhr ankommen. Atus- V. Kreis.- Fußball-Meisterschaftsspiele 1. Klasse am Sopntag, den 22. Oktober. 1. Gruppe: Haida gegen Nivder-Lisbich in Haida; Anstoß halb 11 Uhr Kamnih gegen Schönlinde in Kamnitz; Anstoß halb 4 Uhr. Stcinschönau gegen Georgenthal in'Steinschönau; Anstoß halb 4 Uhr. Warnsdorf gegen Hirschberg in Warnsdorf; Anstoß halb 4 Uhr. Ruinburg gegen Ober-Preschkau in Rttmburg; Anstoß 10 Uhr. 2. Gruppe: Ladowitz spielfrei. Glashütte gegen Zuckmantel in Zuckmantel. Töplitz gegen Krochwitz in Krochwitz. Anstoß bei beiden Spielen: 548 Uhr. 3. Gruppe: Sobrnsan gegen Aussig-Nord in So- brusan. Dux gegen Predlitz in Predlitz. Neuhof .gegen Kleische In Aleische. Anstoß bei allen Spielen: Uhr. 4. Gruppe; Eichwald spielfrei. Wohontsch gegen Hoheirsteln in Wohontsch. Türnritz gegen Langugesi in Langugest. Airstoß bei beiden Spielen: K3 Uhr. 5. Gruppe: Schönpriesen gegen Pihanken in Schönpriqsen. Aussig-Ost gegen Kiletnaugezd in Kleinaugezd. Settenz gegen Ullgerckdorf in Ullgers- darf. Anstoß bei allen Spielen: M3 Uhr. 6. Gruppe: Komotem I gegen Sporitz in Konto- tau. Äomotau II gegen Trupschih in Trupschitz. Saaz gegen Brüx in Brüx. Tschern gegen Nieder- leutensdorf In Tschern. Anstoß bet allen Spielen: M3 Uhr. * Spieler-Sperren. Verein Ober-Preschkau: Gottlieb Franz. Paß 154, 1-4 Tage; Kretbich Ernst, Paß 144, 14 Tage. Verein Langugest: Brndna Wenzel, Paß 508, 14 Tage. Verein Sporitz: PinkS Ernst, Paß 122, 14 Tage. Verein K 0- molau I: Spieler Psob, Paß 2, 14 Tage. Verein Tschern: Stütz Ernst, Paß 171, 4 Wochen.— Der Verein NestersItz wird aufgesordert. die fäl- litgen Gebühren der Schiedsrichter sowie deren Fahrtentschädigung zu begleichen. Die Bezirksspiel- leiler haben die Sperre zu überwachen und genau in Evidenz zu halten. Die Bezirksberichterstatter werden ausmerbsam gemacht, Spielergckbnisse sowie Be- lanntgabe der folge ndeu Spiele fiir die Meister schal: der 1. Klasse zu utrterlassen, damit Irrtümer vermieden werden können. Die Berichterstatbung wird vom Kreis bekanntgegebeit und durchgeführt. Die Sperre der genannten Spieler tritt mit S a m S- t a g, den 21. Oktober, in Kraft. * Samstag, den 21. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr, findet in A u f s i g, Volkshans, die fällige Kre i ssp ie la u ssch n ß si tzu ng statt. Pün-kt. liche-s Erscheinen wird erlvartet. Besondere Ein» ladnngen ergehen nicht Die Kreisleitung. WWWMWWIIWWWWWWWWWWWWWWWMIMWN 35 Personen ernähren«inen Gastwirt. Tie Gastwirteverbände in der Republik haben allen Ministerien ein Memorandum überreicht, weiches die mißliche Lage des Gastgewerbes beleuchtet.' Die..Hauptursache bildet die Ueberkon- ze s s i 0 n t e r u n g; in dett letzten zehn Jahren wurden trotz der Proteste der örtlichen Gastwirtsvereine, 2 0.000 neue Lizenzen erteilt, io daß jetzt 7 0.0 0 0 Gasthäuser in der Republik sind. Auf 206 Einwohner entfällt ein Gasthaus. Rechnet man Frauen, Kinder und Nichtirinker ab, so müssen durchschnittlich 3 5 G ä st e einen Wirt erhalten. Eine große Konkurrenz bilden die privaten Auskockxereten, die vielen Volksküchen, Mensen und Anloniaten- büfettS. Hier entfällt das Trinkgeld und drr Zwang zum Genuß alkoholischer Getränke, der im Gasthaus-och immer noch bestehl. Ter Zudrang zu dieser Art von Gaststätten zeigt klar, daß besonder- die Großstadtmenschen das lange Sitzen im Wirthaus nicht mehr als zeitgemäß ansehen, während gewiß für weite Kreise der Bevölkerung, und zwar gerade der Arbeitert'chichten, die Wirtschaftskrise den Besuch der Schenke unmöglich macht. Eine Reform des Schankstättengesetzes ist schon lange als nötig erkannt worden und die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei hat bereits 1928 einen solchen Entwurf dem Parla- ntettt vorgelegt,-er aber nie zur Behandlung kam. Heber die Erteilung neuer Konzessionen hätte nicht mehr die Behörde, sondern die gesamte Wählerschaft der Gemeinde oder des Stadtviertels zu entscheiden, ebenso über die Zulassung des Verkaufs von Spirisitosen ustv. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Samstag. Prag: 11: Schallplatte«. 16.50: Jugendfunk. 17.35: Tsck;echische für Deutsche. 18.30: Deutsche Sendung: Holst: Savltri. 19.25: Bunter Abend. 20.40: Literarische Stunde. 21.30: Orchesterkonzert.— Brünn: 10.10: Bormittagskonzert. 15.30; Schallplatten. 18: Aktualitäten der Woche. 18.25: Deutsche Sendung: Mit Cimbal und Geige.— Preßburg: 12.35: MittagÄonzert. 17.15: Marionetteitthealer.— Wien: 11.30: Bauernmusik. 15.45: Mandolinenkon zeit. 22: Bnnter Zlbeud. 23: Tanzmusik.— Heilsberg: 16: Nachmittagskonzert.— Leipzig: 20: Operettenmelodien. Radio Wien sendet heute um 18.10 Uhr einen Vortrag des Genossin Tr. Stefti Endres über „M ode, Gewand und Körperkultur der Fra u." Verlegung der Sendezeit des deutschen Schub sunkS am 24. Oktober. Am 24. Oktober' wir- der deutsche Schulfunk mit Rücksicht aus eine Programm- änderung statt von 10.10 Uhr schott von 915 bis 9.50 Uhr gesendet. Auch die Schulftinkfeier anläßlich des Itaatsfeiertages, d'e ursprünglich ain 28. Oktober stattfinden sollte, wurde vorverlegt auf den 27 Oktober von 10.15 bis 10.45 Uhr. Nr. 248 Freitag, 20. tktober 1033 Lett« 5 Irr hundertste Geburtstag Alsred Nobels. Aus Stockholm wird uns geschrieben: Am 21. Oktober d. wird in Schweden und auch im AnSlnnde die huiidcrlslc Wiederkehr des Geburtstages des berühmten schwedischen Ingenieurs Alfred Nobel gefeiert werden. In weit feierlicherer Weise als früher wird an diesen» Jahrestag auf daS Grab Nobels ein Kranz nicdcrgclcgt werden. Alfred Nobel, der ans einer schwedischen Industriellrusamitic stammle, erfand nach vielen mißglückten und gefährlichen Versuchen im Zahre 1867 das Dynamit, das als Sprengstoff in der Industrie und zu militärischen Zwecken Verwendung fand. Durch eine Reihe anderer hervorragender Erfindungen aus dem Gebiete der Sprengstoffkunde sammelte er ein Riescnvermögcn an, daS durch di« Gewinne der zwecks Exploiticrung der Nobelfchen Erfindungen gegründeten internationalen Gesellschaften weiter anwuchs. Ans dem Erlös keiner Erfindungen unterstützte Nobel schon zu feinen Lebzeiten recht ausgiebig verschiedene knltnrcllc Unternchmun- gen, so z. B. die verunglückte Ballon Expedition AiiüräS zum Nordpol, deren Tragödie erst jüngst! auS den Vorgefundenen Tagebüchern voll ersaßt werden konnte. Die hervorragendste Tat des schwedischen Erfinders war die Schaffung von fünf Preisen, den größten Preisen, die für ausgezeichnete Leistlingen auf dem Gebiete der geistigen Arbeit verliehen werden.— Der Nobelpreis für Medizin wird Heuer am Vorabend des Geburtstages verliehen werden, damit der Name drS Preisträgers von den Plättern genau am Gkburlstage veröffentlicht werden kann. Mit diesen Preisen werden hervorragend« Arbeiten auf deni Gebiete der.Physik, der Chemie, der Physiologie oder der Medizin gekrönt. Der vierte Preis wurde für eine ausgezeichnete Tätigkeit aus dem Gebiete der schönen Literatur bestimmt und der fünfte Preis ist für jenen ausgeschrieben, „der am besten und im weitesten Maße für dir Pcrbriiderung der Völker und für die Beseitigung oder Verringerung der Armeen wie auch für die Einberufung und Propagierung von Friedenskongressen wirkt". Tie ersten vier Preise verleiht die Schtvediskhc Akademie und den Friedenspreis ein vom norwegischen Parlament gewählter fünf■ gliedriger Ausschuß. Ter für die Preise bestimmlc und ursprünglich 50 Millionen Goldfrankrn betragende Fonds betrug im Jahre 1020 31,036.612 schwedische Kronen. Aus dein NobrlfondS lourden bis zum Jahre 1032 an Preisen bisher 10,237.72."> schwedische Kronen(etwa 135 Millionen Kc, verliehen. Seit dem Jahre 1028 wurden die Preise erhöht, da die schwedische Regierung dem RobelfondS Sienersreihcit gewährte. Bei der ersten Prcisverteilung betrug jeder Preis 150.782 schwedische Kronen, im Jahre 1923 nur 114.935 schwedische Kronen, Heuer wsrd der Preis 170.331 schwedische Kronen(über 800.000 K<ö betragen. Tie Preise werden ohne Berücksichtigung der Nationalität verliehen. Bisher wurden 166 Per- soncn ans 15 verschiedenen Völkern preisgekrönt, darunter 39 aus Deutschland, 27 ans Großbritannien mit Kanada und Indien, 26 aus Frankreich, 15 von den Vereinigten Staaten, 12 aus Schweden, 7 aus den Niederlanden, 7 aus Dänemark, 6 aus der Schwei;, 2 ans Polen (wenn die Entdeckerin des Radiums Marte Euric-Sklodowska wegen ihrer Abstammnng als Polin gerechnet wird, entfallen ans Polen vier Preise, und zwar im Jahre 1903 für Physik und im Jahre 1911 für Chemie) und eine aus Riiß- land. Außerdem wurden durch den Friedenspreis drei Institutionen ausgrzeichnet, und zwar: das Institut für Internationales Recht in Gens, das Ständige Internationale FricdcnSbüro in Bern und der Internationale Ausschuß des Roten Kreuzes in Genf. Unterstützt die Lotterie der Arbelterfürsorse! Lose sind zu haben bei den Vertrauensleuten der.verschiedenen Organisationen. Nummer der Volkswirtschaft und Sozialpolitik das reib- Max Brod und Adolf Hitler einig— in der Bewunderung Gerhart Hauptmanns! DaS Problem Gerhart H a il p t m a n n, also das der Kapitulation des Geistes zunächst vor dem Geld und, seit die Räuber den Zugang zu den BanktresorS der deutschen Verleger und Theater versperrt haben, auch vor den Räubern, der Kniefall des Goethe Epigonen vor den Nachfolgern des Schinderhanncs, dies Bild: ein olympisches Haupt ehrfurchtsvoll gesenkt vor einem Eierbecher mit Bärtchen— liegt jenseits der Möglichkeit einer Zeitungspolemik. ES ist, wie es in seiner Nacktheit vor uns steht, Satire und Anklage, die keines Kommentars bedarf. Aber da ist noch«in anderes Problem: wenn Gerhart Hauptmann tut, was kaum seine Feinde rrtvartet, was seine Freunde und Bewunderer nicht im Anasttraum befürchtet hätten, so müßte diese Schmach, empörender und wahrhaftig bedeutungsvoller, als der Umfall kleiner Gelegenheitsdichter, olle jene auf den Plan rufen, die, fei es au« einer zum Opfer fähigen Uebcrzcugung, sei eS dank der Gunst des Schicksals, die sie in nicht glcichgeschalteten Regionen leben läßt, berufen sind zum Kampf gegen die dcntschc Barbarei. Te;m ohne allen Zweifel muß, wer Hitler ab- sehnt, seinen Trabanten Gerhart Hauptmann um so leidenschaftlicher ablchncn, wer Goering verabscheut und Goebbels verachtet, wer in allen Chargen der Braune» Armee nur die Henkersknechte und vom Feldmarschasi bis zum Gefreiten nur die Profoscn steht, vor allem auf den Hauptmann zielen, der sich diese Kompagnie erkoren hat! ES geht nicht an, sich in dieser Zeit um Cntschei- 30 bis 40 Heller je Liter eintrcten zu Töblin und Schickelc zurnckgcnontinen, aber gleich- zeitig feierlich erklärt, daß sie:roh der demütigen Nntekwerfntig„nach w i c v or in keiner Weise hinter der geistigen und lilerarisck-en .Haltung der angeführten Autoren steht". Ta8 ist der erste Fußlrit, andere werden folgen. Wer vom Nationalsozialismus ißt, stirbt daran. Warum immer Ausgleich au; Kosten der Au.os'i Zur Milderung der Agrarkrise wird ein neuer Plan vorgelcgt. Turch eine Kompensation ztvischen Zucker, Weizen und Benzin soll der Agrartvirlschaft geholfen und das Kraft- verkehrsgetvcrbe belastet tvcrden. Ter Plan sieht etwa folgendes vor: Ausbau der Zuckerproduktion, dadurch Ertveilcrung des Rübenanbaues, als Ausgleich dafür Einschränkung d c s A u b a u e s v o u Weizen; stärkere.Heranziehung des Zuckers zur Spirtluserzrugung, nm hierfür Absatz zu schaffen: Erhöhung des Prozentsatzes der Treib st offbci- mischuug. Sollte der Wcizcnanbau wie vorgesehen eingeschränkt werde», erhält man die Möglichkeit, durch den zur Einfuhr notwendigen Weizen Koinpensativiisgeschäfle mit irgend einem Weizen liefernden Lande zu machen. Nun kommt aber das Schwierigste: die Treib st offbei- m i s ch u n g. Gegenwärtig beträgt das Verhältnis: 80 Prozent Benzin und 20 Prozent Spiritus. Hinfort soll das Verhältnis 50:50 betragen. Ter Bedarf an Motorspirilus beträgt zur Zeit 970.000.Hektoliter. Geht der Plan durch, dann würde sich die Molorspritmengc verdoppeln müssen. Nun beträgt aber der Preis für Motorspril Buch„Erasmus von Rollerdom" zu geben. Eine ständige Mitarbeii niemals in Aussicht gestellt. Nachdem ich nunmehr die erste Zeitschrift„Die Sammlung" gesehen habe, mußte ich zu meiner größten Ueberralchung seststellen, daß es sich nicht um ein rein literarisches, sondern nm ein zum größten Teil politisches Blatt handelt. Die ausdrückliche Voraussetzung, unter der ich sciner^it jenes Bruchstück in Aussicht stellte, ist also wcggcfallcu. Ich habe bereits an den Herausgeber der„Sammlung" geschrieben, daß ich unter diesen Umständen an der Zeitschrilt keinesfalls Mitarbeiten wurde, und ersucht, meinen Namen in der Liste der Mitarbeiter nicht mehr anzuführcn, was er mir zngesagl hatte. 'Ich schrieb Ihnen schon, daß ich überhaupt für absehbare Zeit an Zeitschriften und Zeitungen nicht Mitarbeiten und Ihnen andernfalls vorher Mitteilung machen würde und daß ich seit Weihnachten 1932 keine Zeil« Manuskript ans der Hand gegeben habe. Stefan Zweig. Salzburg, den 26. September 1933. Stefan Zweig, der feine Novellist, der eifrige Pazisist, bot also von Oesterreich aus. ohne Not, in recht auskömmlichen LebenSverl-ältnissen, den gewal'tätigen Scharsrichtern jeder geistigen Freiheit, jeder freien Kultur, den Todfeinden des Sozialismus, d<8 Pazifismus und des Juden- lums sein« Unterwerfung an. Ja, er gerade ta' noch»zehr: er l-at sich freiwillig unter eine Vorzensur dcS Hakenkreuzes gestellt! Leider gibt cS keine andere Erklärung dieser Ungeheuerlichkeit, als die tief beschämende: diese ansgewandccten Dichter und Schriftsteller, denen sich dir Verlag« dcS Auslandes nicht zu schwer erschlossen häten, glauben, auf den Verlagsgewinn aus Äkazideutschlanü nicht verzichten zu müssen. Nun. daS Geschäft wird schlecht sein. Tenn zwar hat jene Reichsstelle den Vorwurf des geistigen Landesverrats gegen Thomas Mann, Kinderfreunde. Arbeiterellern! Genossen und Genossinnen! Eure Kinder wollen Licht, Freude Gemeinschafti Kommt zu uns! Der„Psychograph dessen Hauptbestandteil«in« au»«'nem komplizierten Trähtesysiem bestehend« Kopfhaube bildet, in Tätigkeit, Ter Amerikaner Henry E. Laverty hat in Lüjäh^gcr Arbeit einen aus 2000 Teilen bestebenden »'lektliechen Apparat konstruiert, den er„Wuho- ,. graph" nennt, und der es ermöglichen soll, den Opposition> z^yarakl.r einer Pevson aus teren Arußerem und deren Reagenzeoscheinnngen akznlesen und auszn- zelchnen. MWMWlllllWllllMllllMlllMllMllMMlWlWlMlllllllMMW 500 be je Hektoliter, davon sind 165 Ke Steuern. Bei Beibehaltung dieses Preises müßte nut einer Treibsloffverteuerung von beinahe 1 Ks gerechnet werden. Taß dadurch das gesamte Kraslfahrgewerbc erdrosselt würde, scheinen selbst die Väter dieses PlaneS cinzusehen. Deshalb erwägt man eine Senkung der Steuern auf Motorsprit und damit eine Verbilligung desselben. Ter Ausfall der Staatskasse sei um so leichter zu überwinden, weil durch stärkere Ge- treideimPorte erhöhte Zolleiiiuahnieu in Aussicht stehen. Turch Senkung der Molorspritslcnet» hofft man nur eine Verteuerung des Treibstoffes von nur lasten. Aber auch eine solche Erhöhung würd Kraftfahrgewerbc empfindlich treffen. Tie! stosspreisc sind hierzulande an sich sehr hoch. Eine nochmalige Erhöhung wäre kaum zu ertragen. Und wie würde sich diese aus daS Automobil- wesen anSwirkeu: Vom technischen Standpunkt aus ergibt sich die Frage: sind die Motoren i.t der Lage ein Gemisch 50:50 zu verarbeiten'? Die Güte eines solchen Gemischea ist sehr umstritten. Jedenfalls steht es dem reinen Bruzin oder B^n- '"l wesentlich nach. Nun ober die dauernde Betastung durch so Hobe Preise! Man sollte meinen, vaß nichts nnversncht gelassen wurde ein so auf- blühendeS Gewerbe wie daS Krastfahrwcseu nicku künstlich zu hemmen. Mit den Motorrädern entfällt erst ein Kraftwagen in der Tschechoslowak'i auf lix> Einwohner, dagegen aus 60 in Deutschland, 32 in England, 23 in Krankt eich und 6 in den Vereinigten Staate». Die Zahl der Kraft wagen müßte sich normalerlveisc nach Ablauf der Krise vervielfachen. Tic Anloindu- strie hätte Arbeit, diese kurbelte das Zub-Hörge- werbe an, viele Berufskraftfahrer hallen dadurch dauernde Beschästiguug. Außerdem erforderte eine ungleich größere Anzahl von Kraftfahrzeugen neue Reparaturwcrkställen, neue Zapfstellen, wozu überall Leute gebraucht werde». Die Abgaben und Steuern würden sich in dem gleichen Verhält» S erhöhen, wie die Anzahl der Kraftfahrzeuge;u« nimmt. Die Permeh rung der Kra't- fahr zeuge würde also nicht nur die inläodi- sche Wirtschaft beleben, sondern damit zwan->'- länfig auch höhere E i n n a h in e n' ü r d e öffentliche B e r w a l t u n g ergeben. T in« günstigen Perspektive» werden zerstört, wenn mau, i,m den einseitigen Interessen der Agrarier zu dienen, den Kre.flfahrzeugverkehr anfS neue scharr belastet. Einmal muß das cm Ende haben, soll di« Tschechoslowakische Republik in der Entwicklung ihres Verkehrswesens gegenüber anderen Staaten nicht Zurückbleiben. chcninch zu weben, den dreifachen Fluch hinein, der allen gilt, die über ihre Nation Konzentrationslager auf Lebenszeit verhängt haben. Es ist beschämend und trauriger noch, daS Schauspiel der Goldenen Harfe, die Brannen Haus erklingt, daß die Tragödie des deutschen Geistes, die Gerhart Hauptmann heißt, auf die letzten in Freiheit lebenden„Hüter" deutscher Bürgcrkultnr— läßt man ihren Anspruch, es zu sein, zunächst einmal gelten— so wenig Eindruck macht, daß nicht nur die„V o h e m i a", von der man nichts anderes erwarten durste, sondern auch daS„Prager Tagblatt", besten Kunstrubrik Max Brod leitet, Blut vom Blute der in Deutschland gcmarlctcn Juden, ein deutscher Schriftsteller, dessen Namen aus mancher schwarzen Liste zu finden war, über die Mnnchcnrr Premiere des Hauptmann-Dramas berichten, als wäre nichts geschehen und als wäre diese Ur- anfsührung eine unter drei Dutzend. Ter Erfolg, berichtet daS letzte liberale Blatt der Sudetendeutschen und deulschsvrechenden Prager Juden, „war groß und völlig.u n b r st r i 11 c n" So groß, daß auch das„Prager Tagblatt" ihn nicht zu bestreiten, seine ganze Fragwürdigkeit mit keinem Worte anzudeuten vermag. Dem tief gesnukenen Gerhart Hauptmanu, dem Dichter in seiner Erniedrigung, gelingt, was dem größeren Hauptmann ans der Höhe seines Lebens nicht gelungen wäre: die dcullch« Nation zu peinigen. Das alte Regime hat den revolutionären- düngen zu drücken und relative Wertungen^an| Hanplmann abgelchnt. Tic liberale Ö,,'" des Tritten Reiches wagt es nicht, den reaktionären Hauptmann abzulehnen. Noch grollen sic dem Führer, noch zeugen sie gegen Hitler, aber demütig, kniewcich und rückgratlos beugen sic sich vor dem, der seinerseits sich vor Hiller beugt. Bon der Maas bis an die Memel, vom Jordan bis zur Pauke und zur Isar gibt cs anscheinend keine Parteien mehr, sondern nur Sklaven. Es ist Hauptmanns Phanlastisckieste Dichtung, ein Festspiel von deutscher Schmach. Ter Hanncle erschuf, feie« den Geist des Sadisten Mattern. Und die jenes Wunder bestaunten, bejubeln auch diesen Kotau. Wer»veiler blickt, weiß, westen er sich von Frciheilsaposteln dieser Art zu versehen hat. Es scheint, daß nicht sic, sondern Hitler ihre Gleichschaltung verhindert! Stelle der absoluten einzig gültigen zu setzen. Wir wollen«S unsererseits ganz akiiugestellt sein lasten, ob die„Goldene Harfe" bester oder schiech- ter als frühere Dramen Hauptmanns ist. Klänge sic heller als eine nun versunkene Glocke, wäre ihr Gesang süßer als der unvergängliche Klang der Engelschöre in Hannrke Blätterns Himmelfahrt— Klang und Sang sollten nicht an unser Ohr dringen, das voll ist von der Klage der Weber, jener aus eines anderen Hauptmanns Zeit und der Enkel und der Urenkel, die unsere und Gerhart Hauptmanns Zeitgenosten sind, ans Hakenkreuz geschlagen von den Machten, denen Deutschlands Dichter huldigt, und tränenlos, wie die Vorfahren, von denen Heine kündete, nur den einen Wunsch im Herzen, NeudcutschlandS Lei- Audi Stefan Zweig unterwirft sldi Hitler! Nach Thomas Dla n n, Ren6 Schickelc und Alfred Töblin, di« mit jammervollen Erklärungen die Gewogenheit des Trii en Reiches zu erbetteln versuchten und sich damit nur eines Gerhart Hauptmann würdig zeigten, wird nun auch noch die Unterwerfung 2 efan Zweigs bekannt. Dem letzten Leipziger Buchlsändler- Börsenblatt liegt nämlich der Abdruck folgenden Briefes bei: „Ich habe, als der.Herausgeber des Monats- bkatles„Die S a m m l u ng" vor längerer Zeil an mich mit der Bitte um einen Beitrag herantrat, ihm in Aussicht gestellt, nachdem er mir zugesichert hatte, daß das Blatt ein rein literarisches sei und keinerlei politischen Charakter tragen würde ihm, wenn es so weit sein würde, ei'n Bruchstück aus nieinem im Werden befindlichen zum Abdruck habe ich ihm Außenhandel der Ischechoflowakei im Jahre 1932 nach Warengrnvpen. Das Statistische Sla-.s- aml veröffentlicht soeben Nr. 151—155 jcincr „Mitteilungen" mit Taten über die tschechoslowakische Einsuhr und Ausfuhr in allen wichtigeren Warenge.ltungen tut Jahre 1932. Diese Mitteilungen bilden einen sehr geeigneten Behelf für jeden, der die G c s a>» t h a t e n über die Einfuhr und Ausfuhr in den wichtigsten Warengattungen und deren.Hanptgrnppen ohne Rücksicht auf die einzelne» Ein- und?lnösnhr- staaten brattchi. Die„Mitteilungen des Statist' schen Staatsamtcs" sind in Kommission bei der Firma Bursik& Kohout, Prag II, Wenzclsplatz: der Pr«is dieses Heftes beträgt bloß 2 Kr. Eni- gehcndere Daten in der Gliederung nach den einzelnen Staaten enthalten die regelmäßigen Iah- resvcröffcntlichnngcn über den Außenhandel, und zwar für das Jahr 1932, Band 93 und 91 der „Tschechoslowakischen Statistik." Seife ß Freitag, 20. vkiover 1033 Nr. 21« Briefe aus Dculsdiiand ihm Aus der Partei Sport* Spiel* KBroerpflene Kunst und Wissen Vereinsnadiriditen I still bic Geriditssaal bietet, so Mittwoch ein Uhr: September Hot mitten mit schmalen Taschen, leeren Herzen noch»ahnen, Zigaretten rauchen, ihr letztes bißchen Mut verbrauchen, sich ihre Torgen wegzuscherzen, sie sich de» neusten W tz erzählen, uidd sprach rb. auch wcuit er zu UNS Arbelter-Tnrn- and Sportverein Proü Unsere Generalversammlung findet am Mittwoch. 25. Cttober, um 8 Uhr abends im Hotel„Monopol" statt. Wir ersuchen schon heute urnsere Mitglieder und Freund«, sich diesen Abend freizuhalicn und für einen starken Besuch Sorge zu tragen. Gedanken vor dem KafL! Seltsam, wie die Mensche» ihre Sorgen In die Bars und KafseeHauser tragen, Wo sie sitzen und sich bange fragen Nach den« Morgen und dem Ueberntorgen. Lärmend, Plaudernd siisien sie die Räume, Scheinbar nichts mehr wissend von dem Leben, Das sie täglich narrt, und hingegebe» Rn Musik, an Liebe und an Träume. Schöne Kranen, drinnen oder dranssen. Rote Lippen, schwarze Augenbrauen. Und die Blicke immer nur nach außen, Basier Furcht, sich selbst ins Herz zu schauen. Wie Sie Und Nm Wie , Neber den sie selbst nicht lachen können. Nnd sich mühsam doch zn lächeln quälen, Nm dem Andern einen Trost zu gönnen. Gutsristerte, plaudernde Gespenster Sitzen sie vor ihre» Kasseeioffen. Blicke» blicklos durch die graften Fenster In ein Leben, das sie nicht mehr fasten. (Alle Rechte Vorbehalten.) Joachim La a tz. gegen die Arbeitslosigkeit und gegen die Staats- seinde" und er schloss mit der Bemerkung:„Dieser Brief sieht langer mis als er ist. Ich habe e.bslchtlich breiten Zeilenabstand genommen, damit Du besser lesen kannst. Hoffentlich gelingt es Dir." Tie Schnüffler an der Grenze waren töricht geling, diesen zwischen den Zeilen zu lesenden Brief passieren zu lassett. Auch die Grenzwächter des Hillerreiches besitzen keine übermenschlichen Sehergaben. Sie können es harmlosen Touristen nicht anmerken, daß sie wenige.Kilometer hinter der Grenze Briese absenden werden, aus denen die Empfänger im Ausland all das erfahren, was zu verschweigen die Tyrannen im Tritten Reich mit der Verzweiflung der Furcht nnd des schlechten Echwurgeriltzlspause. Prag, 10. Oktober. Das seit 18. i'iiunlerbrochen tagende Schwurgericht in dein großen Eindrecherprozaß gegen Urbon, Krahulec und Co. durch Erkrankung des ersten Beisitzers, OGR. Sikora, eilte längere Unterbrechung erfahren. Dieser Prozeß wurde daher b'4 i» ä ch st e n Donnerstag ausgesetzt. Das Schevurgericht pausiert also bis zu di es ein Termin. an das geknechtete nnd betrogene dentsche Volk zu denke». Die Freunde in Deutschland wissen e.ber auch, daß schon der eifrige Briefwechsel mit Deutschen im Ausland sie verdächtig macht. Tie schmachvoll gleicl,geschaltete Presse hat die Emigranten ans Geheiß der braunen Obrigkeit mi: einer Flut von gemeinen Tchmähungen übergossen, die Bandenherrscher des Tritten Reiches Hetzen Spitzel auf die Spur der Entronnenen und bedrohen die im Lande gebliebenen Angehörigen der„Landesverräter" mit Geiselhaft nnd Geiselmord. So ist jeder Brief, der aus dem Reich des Hakenkreuzes an einen Gegner des Hakenkreuzes im Ansland gesandt wird, ein Akt heroischen Wagemutes und wenn lvir ihn in die Hand bekommen, niüssen wir schon um das Schicksal des Schreibers bangen, sich nur mit einem wortkargen Gruß bekannt Hai.' Wie anders sind ihre Briefe, kcha-engulmachung oder Verleitung rum Mißbrauch der Amtsgewalt? Prag, iü. Oktober. Ein sonderbarer Prozeß wurde haute vor dem Senat Ma rede k verhandelt. Tie Anklage lauietc auf versuchte Verleitung zum Mißbrauch der Amtsgewalt und der Sachverhalt ist der folgende: Ter wegen mehrfackstit Diebstahls vorbestrafte August T. aus Mähr.» Ost rau hatte an die Kaiizle-i des Präsidenten der Republik eilt Gesuch um Nachsicht des Verlustes der b ü r g e r- Line seltene Leistung. Dam Rennfahrer des Arbeiter Rabsahrvereilw-s Wen-Meidling, Alois Gneist, gelang es Heuer, die Melsterischaft seines Vereines zum zehntenmal in uminterbrochener Reihenfolge zu gewinnen. Belgische ArbeiterbolZer in der Schweiz. In Bern trafen belgische und schweizerische Arbeiterboxer bei einem Meeting au sei na über. Die Kämpfe verliefen durchivegs schön, technisch hervorragend war die Begegnung im Mittelgewicht. Ter Kampf lm Bantanigewicht zwischen Narnvelaerts(Belgien) und W. Schutz(Bern) endete unentischieden. Im Federgewicht verlor nach hartem Kampf der Belgier Banben-Plas gegen Schuh(Bern) nach Punkten. Ten Wciltgewichtskampf genann Laurentrop(Belgien) gegen W. Btart(Bern). Im Mittelgotvicht siggte Marcel van Rohen(Belgien) über den Berner Guggesberg. Kindervorstellung im Nationatthealer Ter Held unserer Kindheitserinnerungen, Rudyard Kiplings Figur aus dem Dschungelbuch, Maugli, ist als Kindervorstellung nn Nationaltheater ge-ze'gt worden. Der Regisseur Frejka will dem Theater ein anderes Publikum erziehen, das von der Kindheit an wertvolle Stücke gewöhnt, später wir solche verlangen witd. Er begründet es mit Attdrö Glde, der stolz daraus ist, daß er schon, als Kind in gute Galerien geführt wurde, dort flute B ldcr sehen gelenrt hat und sich nicht ntil Bildern von Straßeumakern begnügen mußte. Wir wissen auch, daß Kinder im gewissen Alter fau- taftlsche Erzählungen brauchen, die sie sich allein erdenken niüssen, da weder Bücher noch Kasperltheater khneu genügen. Wenn aber Frejka die Kittder dadurch gewinnen will, daß er ihnen litera- riich tvertvolle Sache» zeigt, die für ältere ge-schrie- ben worden sind, wenn er(resp. V. Goltliob jun.) auch dazu eine märchenhafte Ausstattung erleidet er einen solchen Mißerfolg, wie es nachmittag der Fall tvor. Die Drei- bis Leckprfährigeu hörten schönen Worte an... Still war es In einem Theater, in dem einige hundert Kinder versammelt waren! Ter Applaus war meist nur konventionell— es gehört sich, sagten die vielen anwesenden Eltern. Auch die Kouvevsat'vn p»!scheu den Kindern und den Tieren aus det Bühne hatte wenig Erfolg. Tas kleine Publikum lachte tntr, wenn MaugliS Po von der Tatze des Bären unsanft gestreichelt wird, wenn jemand „ö.'kral" langen hall... Wenn die Mittelschüler-Vorstellungen unbedingt zu begrüßen sind, so muß von Maugli das Gegenteil bcihauptet werden. Stücke, die an den Verstand appellieren, dürfen nicht Kindern gezeigt werden: die tntr visuell aufnehmen, die mit den Augen detckeu, Aber für die Aclirran, und hauptsächlich für Miltelschüler, kann es nie genug Vorstellungen geben. Etwas halten die Tscktechen richtig erkannt: ein Tlstater braucht Nach.vnchs, es braucht nicht nur junge Schauspieler, sondern auch junge Zuhörer, denn nur ein Tl-eaier, wo die Jugend Einstuß hat, kann mit dent Film konkurrieren. Eimtml werden sickzer Schuldirektionen mit Theatcrleitungen verhandeln: ständige M'ttelschüler'Vorftellungen könnten bei guter Vorbereitung auch auf der Bühne deS Neuen Deutschen Theaters keinen Mißerfolg erleiden. Der Internationale Iugendtag in Prag Am Mittwoch veranstaltete die Kampf gemeinschaft der sozialistischen Jugend Prags (Sozialistischer Fugendverband, tschechische sozial- deniokratische Jugend und Jugend des Einheits- verbandeö) eine Kundgebung zum Internationalen Jugendtag. Ter große Saal der Produktenbörse war überfüllt; die Veranstaltung wurde eröffnet durch einen Fahneneiumarsch der drei Fügendgruppen. Sodann folgten Sprech- und Liederchöre, die die Reden der Genossen Pauer (Sozialistische Jugend), Bi 1» sek(tschechische sozialdemokratische Jugend) nnd Kaher(Jugend des Einheitsverbandes) einrahmten. Bei den außerordentlich gut gelungenen Vorführungen wirkten mit die Sprechchorgruppe der sozialistischen Jugend und die Chorgruppen„Sirena", „Reeitak" und„Rezboys". Bemerkenswert ist, daß der Schluß des ArbeitsloseuchoreS ans dem Werk„Der gespaltene Mensch" von Bruno Schönlank von der Zensur gestrichen worden tvar, was der Sprecher der sozialistischen Jugend durch die mit stürmischem Beifall aufgenommene Feststellung quittierte, daß der Schluß des Chores Geltung haben wird nach dem Sturz des Kapitalismus durch den Kamps der sozialistischen Jugend. Dieser ganz ungewöhnlich gut gelungenen ersten Veranstaltung der Prager Kampfgemeinschaft kommt deshalb so große Bedeutung zu, weil die beiden sozialdemokratischen Fugend verbäude augenblicklich um die Schaffung einer großen Konzentration der jungsozialislischen Kräfte in der ganzen Tschechoslowakei bemüht sind. Der Besuch der Feier und die Stimmung, die in ihr herrschte, waren ein Beweis dafür, daß diese Konzentration als notwendig empfunden und daß jedes Handeln auf dem Wege zur Zttsammeufastung der Kräfte von der sozialistischen Jugend beider Rationen mit stürmischer Begeisternng begrüßt wird. Die Prager Kundgebung muß darum den Verbänden ein Ansporn sein, ihr großes Werk fortjii setzen. Eine Stunde Musik für die Jugend. Konzert slic Kinder. Sonntag, den 22. Cftober, um halb 11 llhi im Messspalais, Saal des Französischen Restaurants, Prag VII. Reg'eibeitrag 1.50 llr für Kinder, 2.50 sie für Erwachsen«. umsälli oder wenn die Schlange Kaa statt„seörnl"(gefressen) sagt. lhrt> die sinnvollen Dialoge vergehen ohne Wider lichen Ehrenrechte eingereicht, da der anhaftende Makel sein« Bemühungen tun Erlangung eiltet Stellung ständig vereitelte. Das Gesuch wurde abgelehnt, woraus T. durch persönliche Intervention beim zuständigen Ministerium seine Sache durchzudrücken trachtete. Er sprach bei Ministerialrat Dr. Tischler vor. Nach dieser Besprechung ent» sernte sich T., doch stellte sich zur Mittagszeit seine Frau von neueim ein und überreichte dem Stellvertreter des Ministerialrates Dr. Tischler, der sich Inzwifck>eu entfernt hatte, einem Dr. Sobota, ein Kuvert, i-n welchem sich außer den notwendigen Dokumenten noch etwa 500 hc in bar befanden Dr. Sobota erstattete die Strafanzeige. Demgentäß standen heute die Ehegatten vor Elericht. Ihre Verteidigung lautete dahin, daß Mini- sterialrat Tischler sich über di« Erledigung des Gnadengesuches pessimistisch geäußert und betont hab«, daß eine wichtige Voraussetzung für ein« ,zütofkige EAedigung die Wiedergutmachung des durch die Dieb st ä hl e verursachten Schadens sei. So hätten sie denn gemeint, daß durch Beilegung des ge na nuten Betrages zu dem Gesuch dieser Schadenersatzpflicht Genüge getan sei. Das Gericht gelangte nickst zu der Ueberzeugung, daß eine strafbare Handlung vorliege, demgentäß die Angeklagten frei. Ausschluß aus der Partei. Ein vom Reichs- parleivor,stände eingesetztes Reichspartetschiedsgerichl, dessen Beratungen vergangenen Dienstag und Mittwoch, den 17. und 18. Oktober l. I., in Trautenau statchfauden, hat hinsichtlich des Genoffen Ludwig GobhaVdt, Sekretär des Bauarveite-rverHandes in Trautenau, aus Ausschluß aus der Partei erkannt. Der Ausschluß gründet sich auf 8 64 des OrganisoiionSstatuts der Partei. Dem Ausgeschlossenen steht das Recht zu, gegen den Beschluß Beschwerde an den Parteitag zu führen. Fugenvvewegung. Achtung! S. I. I. Freitag, den 20. Oktober, Ausschußsitzung im„Verein deutscher Arbeiter". Beginn 8 Uhr abends. Erscheinen aller Iltisschuß. Mitglieder ist Pflicht. S. I. I. Sonntag, den 22. Oktober 1033, Wanderung. Treffpunkt 0 Uhr Eichstation der 14er Kaäerov. Bericht de» Odnuwues. Kaffolx richt. Wahl der Funktrouäre, Die künftige Arbeit. Freie Anträge. Erscheinen Pflicht. Legitimation mittzrkngeu! Sie kommen wie scheue Flüchtlinge, diese herzbewegenden Briese. Wie ZischtHanssträfitttge, die unter Aufsicht ihrer Mieter ein paar freundliche Grüße an ihre Angehörigen schreiben dür sen, melden uns die Freunde, die im braun und blutig gewordenen Deutschland blieben, daß sie noch am Leben sind. Fn einer Sprache, die tvir an ihnen nickst gewöhnt waren, in einem Stil, der verschweigt, umschreibt und weniger ausspricht als erraten läßt. Denn die Grenze, die zwischen uns und ihnen liegt, ist eine Kerkermauer geworden. Was hinein und hinaus geht, wird argwöhnisch überwacht. Und die Wachter wissen, daß nichts für den Bestand der Mauern gefährlicher sein kann als Worte: wenn sic hinausdringe», um von Schmach und Elend unterm Hakenkreuz zu berichten— wenn sie hiueinwollen, um aufzuklären und den Widerstand zu wecken. Ein Staat, der von Lüge, Betrug nnd Berlenmdnng regiert wird, hat keinen furchtbareren Feind als die Wahrheit, die in jedem Briefumschlag versteckt fein kann. „Amtlich geöffnet" steh! auf dem Stempel, mit dem die hitlerische Postzensur verdächtige Ausländsbriefe brandmarkt, wenn sie es nicht vorzieht, sie ihres Inhalts wegen ztt vernichten und den Ilbsender oder Adressaten in Deutschland mit.Haussuchung oder Schntzliaft zu bestrafen. Es werden auch, als Beweis der Zensur, zuweilen Briefmarken heruntergerissen, um den mißliebigen Grußaustausch zwischen den Sklave» litt Tritten Reich und den gefährlichen freien Gegnern im Ausland zu erschweren. Die Opfer des braunen Terrors sind gewarnt, und sie Ivisseit, daß ihnen ein einziges geschriebenes Wort zum Verhängnis werden kann.„Es geht uns unverändert uns wir hoffen, daß es euch gut gehl",— dieser Sah ist zum Kernstück der Briefe ans Deutschland geworden. Es ist die harmloseste Redeiveudung, die den qualvollen und sehnsüchtigen Aufschrei ersetzen kann:„Noch immer Hausen die brannen Banditen im Land, nock) immer morden, rauben und plündern sie, immer iveiter wächst die Schmach der-Heuchelei, immer weiter die Rot der Hungernden, die Berzweisinng der aus Amt und Arbeit Verjagten. Roch immer ist das Schicksal unserer verschollenen und verschleppten Freund.' ungeklärt, noch immer leben wir zwischen Selbstmord und Hiiirichtung, zwischen Kerkertod nnd Mißhandlung— unverändert ist dieses Deutschland, seit ihr es verlaffen habt. Wir hoffen, daß ihr die Möglichkeit habt, das zu sage», was wir verschweigen müssen, wir hoffen, daß die Welt euch hört, wir hoffen, daß ihr den Kampf einleiten könnt, der die Tyrannei von Blut und Schande zunichte machen wird— und wir wünschen euch alles Gute." Sie konimen selten, diese gequälten und mit ihrem Schweigen aufrüttelnden Briefe. Tie Freunde in Deutschland sind überzeugt, daß die ins Ansland^Vertriebenen nicht aufhören, wenn sie einmal nach mühsamem Kampfe um eine Aus- reiseerlaubnis ein paar Tage jenseits der deutschen Grenzen verbringen können und die Gelegenheit benützen, alles das zu äußern, was sie so lange unterdrücken mußten. Geblendet von einer Welt, in der keine Hakenkreuzfahnen weh» und keine braunen Mordgesellen den Vorübergehenden mit drohenden Blicken mustern, werden sie mitteilsam wie beim Erwachen aus einem furchtbaren Traum. Sie erzählen von den Schrecken der Haussuchungen, Verhaftungen und Folterungen, von der Hölle der Konzentrationslager, von Spitzele! und Verrat, von der Ausraubung der Arbeiterorganisationen, von der Vertreibung der Marxisten, Juden und Pazifisten aus Stellung und Beruf. Aber am Ende der Briese, in denen sie uns ihre Erlebnisse in leidenschaftlicher Aufrichtigkeit erzählen, bitten sie uns, ihre Namen geheimzuhalten, ihre Briefe zu vernichten und ihnen möglichst selten nach Deutschland zu schreiben. Und am Tage vor ihrer Rückreise senden sie uns noch einen letzte» Gruß.„Ich fühle nnch wie einen Te.g vor der Hiiirichtung" schrieb mir vor kurzem einer, der ivieder nach Deutschland reiste.„Kämpft ihr draußen, tvir werden drinnen kämpfen. Schon gärt es in der SA. Aus baldiges Wiedersehen!" schrieb ein anderer. Die Postränber des Dritten Reiches werden inzwischen selbst bemerkt haben, daß ihre Anstrengungen nicht den gewünschten Erfolg haben. Allen Ueberwachnngskünsten znm Trotz erfährt die Welt von den Schandtaten des braunen Terrors, von den Ouale» der Gefolterten, Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Freilog, 1% Uhr:„EIn Mantel, ein Hut, Handschuh"(Dl).— Samstag, 7K „D re i m ä de rIh a n s", neu inszeniert(Bl). Spielplan der Kleinen Bühne. Freitags 8 „Bezauberndes VÄ Freie Bereinigung sozialistische« Akademiker Heute>,<-8 Uhr abends im Heim Generalversammlung Tagesordnung: 7. z, 3. 4. 8. Ortsgruppe Prag. Sonntag, den gmiSsfex 22. Oktober l. 0., Ji«famine>»'u»f l uni Uhr vormittags bei der Endftat'on der 5er Elektrischen in H l u b o k e p y. Führer: WiMermtz. MMMMMMMMMMMMiMiHMtW Kinderfreunde Vrag. Freitag, den 20. Oktober, Elternabend. Beginn 8 Uhr.— Hotel „Monopol". Aussprache über Herbstarbeit und Kinderlager.— Vorher im>/,8 Uhr «usschutzfitzung. Pünktlich kommen. Die Grnppenleitung. Uhr: Fräulein".— Samstag, Uhr:„Textet t", Erstanffühvnng. vem Hunger der Massen, von den Meutereien der Sturmabteilungen. Aller Spionag? zum Trotz bleibt die Verbindung der ins Anstand Gegangenen mit den Daheimgebliebenen bestellen. Es müßten auch alle amtlichen Briesdurch» fchnüssler Hellseher sein, um das verhindern zu können, ilm erkennen zu können, welche ge- beiine Bedeutung sic harmlosen Mitteilungen so eines Brieses an-s Deutschland haben, der von Familienereignissen, vom Wetter und vom Geschäft erzählt während der Eingeweihte den tieferen Sinn der aufgezählten Namen und Bezeichnungen, die bittere Fronie der lobenden Bemerkungen über das Hitler-Regime erraten kann. Bor einigen Tagen erreichte mich ein Brief, der mit der Versicherung begann:„Wir leben hier «ttanlarbct: eittftlu l« i b— Sfeelrttaltenr: SJilbelm-Hufener.— veraiuwnellicher Stebafteue: Dr. ikmil 01 taufe,«rag.— Druck: JRota'>.-S. für Leitung. unt> Buchdruck, Br«,— Für den Druck vernniwornich- Oil» Soli! Prag.— Die ßtr-n»>m«ii'nn«uiaiur wurde t>«n«er Soft- n. lelegraobrndtrrtllon mit itriafe Rr 13 SOU VII 1H30 dewao.il.— 49e|U3«bt«:n,un,en:«ei Aufteilung in, Heu««der bei Le,u, durch die«oli monatlich m IS— tüerieliadrlt'ch IM di—' feattjafetiS Ke OS,—, gan,iafe:tg IM Nü.—,— gujerate werden Inn, lauf»Ultgfl berechnet,«ei stieren ikn>I-aiiungm vretenacht-,.— Rückstellung von Mimugripten erfolge nur bei amfendnng der JUlcurmarten,' >u großer Freude über das energische Vorgehen sGewiffens erfolglos bemüht sind. PRAGER ZEITUNG. Wo verkehren wir? CuM„Conünenlal“, Prag, Graben| Ga>a JÄ PRAG» 1‘3> VN treeOl Hybernnkt* Nr. 7.