Ar 85. AdsWemeitt«-Kedingungen: Abonnement»-Prett pränumerando! vterteljährl. S,S0 Mb, monatl. l.IOMb, wöchenlltch 28 Pfg. frei tn« Hau», Elnzelne Nummer S Pfg, Sonntag»- Nummer mit tllustrterter Sonntag»- Betlage„Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post-Zettung»- Pret»llst« für 1SSV unter»r. 7SSO» Unter ttreuzband für Teutschland und Oesterreich> Ungarn»Marl, für da» übrig« Autland S Mark pro Monat. 16« Jahrg. Erschein! täglich cufttr lvonlag«. Berliner VolKsblntt. Fi« Insertion--Gtbühr beträgt für die sechSgespallene«olonek- zetle oder deren Raum 40 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen, sowie Arbett»marlt 20 Pfg. Inserate sür die nächst« Nummer müssen bi» l Uhr nachmittag» in der Erpedi tion abgegeben werden. Die Srpeditton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» SUhr vormittag» geSssnei. Fernsprecher: vmk l, Dr. 1508. Telegramm-Adresse: „»«laldemokral»erlin". Centrawrgcrn der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LW. 19, Benth-Stratze 2. Mittwoch, den 1Ä April 1899. Expedition: SW. 19, Bentlz-Stratze 3. Sieg! Die Socialdemokratie Berlins hat ein neues SiegeSblatt in das Buch ihrer ruhmvollen Geschichte gehestet. Der zweite Wahlkreis ist den Parteien des Kapitalismus entrissen und der Partei der Arbeit wiedergegeben. Richard Fischer ist gewählt. 47 260 Stimmen wurden in die Wahlurne gelegt. Fischer erhielt 24 Z1S Stimmen, er stegte mit IS40 Stimmen Majorität. Der steisinnige Kandidat Kreitling erhielt 17 443, der Konservative 5266, der antisemitische Graf Pückler 120 Stimmen, der Rest war zersplittert oder ungültig. Die Wahlbeteiligung war schwächer als im Vorjahre, wie ge- wohnlich bei Nachwahlen. Am 16. Juni 13S8 wurden 54 786 Stimmen abgegeben. Sieben und einhalb Tausend Stimmen wurden bei der jetzigen Wahl weniger abgegeben. Der Freisinnige hatte zwar 1311 Stimmen Zuwachs, aber der Zuwachs wurde übermäßig aufgewogen durch den Rückgang der konservativen Stimmen um mehr als die Hälfte. Brachte die geringe Wahlbeteiligung der Socialdemokratie eine Abnahme von knapp 2000 Stimmen, so betrug der Verlust der gegnerischen Parteien an 550o Stimmen. Und niemand, der objektiv das Wahlergebnis prüft, kann verkennen, daß die Socialdemokratie, die Partei der wenig seßhaften Arbeiterschaft, am schwersten durch den Fortzug Tausender von Wählern aus dem Wahl- kreise seit der vorigen Wahl zu leiden hatte. War aber die Wahlbeteiligung eine lauere als bei der vor- jährigen Hauptwahl, so war doch der Wahlkampf ein heißer und der Erfolg ein überaus bedeutungsreicher. 18S3 wurde zu den älteren Burgen der Berliner Social- demokratie, dem 4. und 6. Wahlkreise, der 2., 3. und 5. Kreis erobert. Der zurückgeschlagene Liberalismus bot alles auf, um die Reichs- Hauptstadt, die seit Jahrzehnten vertreten zu haben sein letzter Stolz gewesen, zurückzugewinnen, und 1893 gelang es ihm nochmals, einen Scheinsieg zu erfechten. Im 5. Kreise siegte er mit einer Handvoll Stimmen, im 2. Kreise siegte er durch Unrecht und UnWahrhaftigkeit. Lärmend schlugen die Freisinnsknappen die Siegespauken: die Socialdemokratie Berlins sei auf das Haupt geschlagen, der Anfang der Zurückeroberung der wichtigen liberalen Metropole sei gemacht, die Socialdemokratie marschiere nicht mehr vorwärts, die Socialdemokratie müsse sich rück- wärts konzentrieren. Doch der SiegcSjubel war verfrüht. Der Scheinsieg endete mit der Enthüllung unrichtiger Stimmenauszählung und Herr Kreitling mußte selbst das zu Unrecht usurpierte Mandat niederlegen. Nun aber sollte die eigentliche Kraftprobe erfolgen. Endgültig sollte ent- schieden werden, ob der Geist des Socialismus oder der Ungeist der Liberalismus in der Berliner Wählerschaft mächtig ist. Der Freisinn führte den Wahlkampf mit aller Kraftanstrengung, zu des ihm der Gedanke aufpeitschte: Hier wird über mehr als einen Wahlkreis entschieden, hier wird entschiede», ob der Liberalismus noch befähigt ist, der hauptstädtischen Bevölkerung das politische Banner voranzutragen. Die Wähler haben entschieden. Der Freisinn ist geschlagen Die Socialdemokratie hat einen schönen Sieg erfochten. Sie hat den zivcitcn Wahlkreis zum ersten Mal ohne Stichwahl auf den ersten Anhieb erobert. Die Berliner Arbeiterschaft hat damit die Scharte des vorigen Jahres zum guten Teil wieder ausgewetzt. Unsere Parteigenossen haben mit der Begeisterung gekämpft welche ein hohes Ideal dem Menschen in die Seele gießt, und, befeuert von dem Wunsche, der verrotteten Schutzgarde des kulturfeindlichen Kapitalismus in der Kulturhauptsladt des Deutschen Reiches wohlverdiente Absage zn erteilen. Die Berliner Socialdemokratie hat einen Sieg erfochten, der von der Arbeiterklasse iinIganzen Reiche mit freudigem Jubel empfangen werden wird. Berlin, die Hauptstadt des Reiches, ist die Haupt st adt der Socialdemokratie. Unser Sieg ist aber besonders darum ein Sieg, dessen wir uns uneingeschränkt erfreuen dürfen, weil wir ihn mit ehrlichen Waffen erfochten haben. Wir haben unsere politischen Grunde sätze rein und unverfälscht in den Kampf getragen und rein und un verfälscht gehen sie aus dem Kampfe hervor. Könnte der Freisinn ähnliches von seiner Niederlage sagen, die Niederlage wäre nicht schlimm. Der Liberalismus unterlag aber nicht in Ehren, sondern in der Schande feiler Prostituierung aller seiner Grundsätze. Um Stimmen zu gewinnen, bettelte er vor der Thür der konservativen Reaktion, katzbuckelte vor den Erzfeinden bürgerlicher Gleichberechtt- gung, vor den WahlrechtSzerstörern und Staatsstreichsattentätern. Der Freisinn darf seine konservattven Freunde danken; sie haben ihn eifrig unterstützt; durch konservativen Stimmenzufluß erreichte er die Stimmenzahl, deren Ansehnlichkeit erkauft ist um den Preis der Politischen Ehrenhaftigkeit. Der Freisinn mag sich glücklich schätzen, daß ihm eine Stichwahl und damit die äußerste Schändung seiner selbst, die Opferung des letzten Restes seiner polittschen Wohlanständigkeit im Erflehen konservativ» antisemitischer Stimmen- spende erspart bleibt. Der socialdemokratische Sieg sei aber auch eine Lehre für die reakttonären Scharftnacher. Die Reaktion lauert auf günstige Gelegen- heit, ihre verderblichen Anschläge gegen die politischen Rechte und die wirtschaftliche Wohlfahrt der arbeitenden Klassen durchzu- führen. Das Zuchthaus- Gesetz dräut und der Absolutismus will die Grundrechte dcS Volkes zerstören. DaS Volk aber erkannte die Gefahr. Die Partei der Reaktion, das konservative Scharsmachertum wurde vollends aufs Haupt geschlagen. Der neueste Reichskurs, der im Zickzack d aherfahrend doch in Einem sich stets gleich bleibt, das arbeitende Volk zu knebeln und den Reichtum der Reichen, die Herrschaft der Herrschenden mit jeglichem Mittel zu mehren— über ihn hat das Volksgericht gesprochen und er ist verurterlt worden! potttifche MebevMzk. Berlin, den 11. April. Der Reichstag trat heute zu seiner ersten Sitzung nach den Osterferien zusammen. Die einzelnen Mitglieder sahen sehr gestärkt aus, der Reichstag aber gar nicht. Es waren nach höchster Schätzung neunzig Mitglieder erschienen, von denen jedoch nur die wenigsten dauernd im Sitzungssaal der- weilten. Die Tagesordnung war keine sehr anziehende; und das Präsidium hatte keine Eile; es verlängerte das akademische Viertel um jein beträchtliches. Eigentlich war die ganze Sitzung, die bloß bis vier Uhr dauerte, nur ein erweitertes akademisches Viertel, dazu bestimmt, den Reichstagsmitgliedern Zeit zum Sammeln für die morgige Sitzung zu geben, wo die Beratung der Po st ge setze anfängt. Die behandelten Fragen waren an sich Interesse, und die Redner waren auch ehrlich ein solches nicht künstlich zu verleihen. Das über die Sitzung zu sagen.— ohne höheres bemüht, ihnen ist alles, was Abgeorductenhaus. Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute, am ersten Sitzimgstage nach den Osterferien, in zweiter Lesung mit den Anträgen Mies(E.) und Weyerbusch jfrk.), betrcstend eine Aenderung des Konimunalabgaben-Gesetzes in der Richtung einer Entlastung der Grundbesitzer. Die Anträge sind in der letzten Session und auch in dieser Session wiederholt vom Hause beraten und schließlich einer Konnnijsion überwiesen worden, deren Antrag dahin geht, die beiden Anträge abzulehnen, aber die Regierung zu ersuchen, die Gemeinde- Aufsichtsbehörden mit Weisung zu versehen, daß in geeigneten Fällen mehr als bisher aus eine zweckmäßige Gestaltung der kommunalen Gebäudesteuer- Veranlagung im Wege des Er lasscs besonderer, auf thunlickste Entlastung der kleinen Hausbesitzer abzielende Gebäudesteuer- Ordnungen, sowie auf Schonung der Gcbäudesteuer gegenüber den beiden anderen Realstcuern hinzuivirlcn, auch bei Verteilung des Steuerbedarfs auf die verschiedenen Stcuerarten einer zu weitgehenden einseitigen Be lastung der Realsteuern durch die Gemeinde- Organe entgegen zutreten sei. Nach unbedeutender Erörterung, in der all die Klagen der Haus� besitzcr noch einmal vorgebracht wurden, trat das Hans demKommissions� beschluß bei. Morgen fällt die Sitzung aus, damit die Parteien sich über die am Donnerstag auf der Tagesordnung stehende Kanalvorlage beraten können._ Ein s�rage- und Antwortspiel. Die Abendblätter berichten von einem Schreiben des frei- sinnigen Kandidaten im zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreis, Herrn Kreitling, an unseren Genossen Singer, in welchem Schreibebrief der Freisinnsmann Rechenschaft fordert über eine Rede, die Genosse Singer am Montagabend in einer Wählerversammlnng gehalten hat. Wir sind in der Lage, unseren Lesern den Brief des Herrn Kreitling und auch die Antwort, die darauf ergangen ist, vorlegen zu können. Herr Kreitling schreibt: Berlin, den 11. April 1899. Schr geehrter Herr Kollege! Soeben lese ich im heungen„Vorwärts", daß Sie gestern Abend in Zühlkes Salon mein volksfeindliches Ver halten in der Berliner Stadtverordnetcn-Ver- s a m n: I u n g geschildert haben sollen. Ich habe eine viel zu gute Meinung von Ihrer persönlichen Ehrenhaftigkeit, als daß ich glauben könnte, Sie hätten eine der- arrige Aeüßerung wider besseres Wissen gethan. Umsomehr darf ich aber wohl von Ihnen erwarte», daß Sie der Wahrheit gemäß im„Vorwärts" erklären, daß dies in Bezug auf mich in keinem Falle zutrifft. Mit Mit bestem Gruß Ihr erg. Kollege R. Kreitling. die folgende Antwort Darauf hat der freisinnige Herr erhalten: Berlin, den 11. April 1899. Geehrter Herr Kollege! In ergebener Beantwortung Ihrer heuttgen Zuschrift, teile ich Ihnen mit, daß ich in meinem gestrigen Vortrag über die politische Unzuverlössigkcit und arbeiterfeindliche Haltung des Liberalismus gesprochen und betont habe, daß der Kandidat stir die jounlalistische und parlamentarische Thätigkeit seiner Partei die Verantwortung übernehme und sich gefallen lassen müsse, mit der ihn den Wählern präsentierenden Partei identifiziert zu werden. Von der Haltung des Liberalisuius in der Stadtverordneten» Versammlung im allgemeinen auf Ihre persönliche Thätigkeit übergehend, habe ich Ihren Anttag aus dem Jahre 1894 sWiedcr- erhebung der 2. Stcuerstufe) als in grellem Widerspruch stehend mit den Versicherungen des für Sie verbreiteten Flugblattes be- sprachen und diesen Antrag, sowie die Haltung Ihrer Fraktion gelegentlich der Beratung der Neueinteilung der Wahlbezirke und der Verhandlung über die wegen Nichtcintragung in die Wähler- liste eingegangeneu Einsprüche(1897) allerdings der Sache nach als ein volksseindliches Verhalten verurteilt, wenn ich mich auch nicht erinnere, gerade diesen Ausdruck gebraucht zu haben. Zu einer Erkärung un„Vorwärts" habe ich demnach keine Veranlassung. Hochachtungsvoll Paul Singer. Hoffentlich ist Herr Kreitling nun über seine Qualitäten genügend aufgeklärt. Und um so sicherer nehmen wir� dies an, als ja auch der Ausgang der Wahl am Dienstag Herrn Kreitling überzeugt haben wird, daß man in der Berliner Bevölkerung sein politisches Wirken nicht gerade alsein Volks- freundliches betrachtet hat.— i Vorboten dcS ZuchthauSgesetzeS erscheinen im Anhaltischen Landtag. Es ist dort ein Gesetzentlvurf eingegangen, der die landwirtschaftlichen Arbeiter vollständig unter Gesinderecht stellt, Hohe Strafen für '" t und die zwangsweise ißerdem werden Jähr festgesetzt für die Ver» rbeits einst ellun gen. Die in Frage das vorzeitige Verlassen des Dienstes festsetzi Dienst gestattet._ Außerdem Wiedcrzuführung tn Gefängnisstrafe» bis abredung von den zu einem kommenden Paragraphen lauten im wesentlichen folgendermaßen:� Kl. Landwirtschaftliche Arbeiter, welche widerrechtlich den Antritt der Arbeit verweigern oder die A r b e i t verlassen, werden mit Geldstrafe bis zu dreißig Mark oder mit Haft bis zu zehn Tagen bestraft. Die Bestrafung tritt nur auf Antrag des Arbeitgebers ein. Der Antrag ist nur zulässig, Ivenn er innerhalb einer' Woche nach Begehung der strafbaren Handlung gestellt wird. Die Zurücknahme des Antrags ist zulässig. K 2. Wenn landwirtschaftliche Arbeiter widerrechtlich den Antritt der Arbeit verweigern oder die Arbeit verlassen, so ist die zwangs- >v e i s e Zuführung derselben durch die Polizeibehörde des Ar- beitsortes auf Autrag des Arbeitgebers zulässig. Der Antrag muß innerhalb einer Woche nach dem vertragsmäßigen Antrittstage oder nach dem Verlassen der Arbeit gestellt werden. K 3. Wer landwirtschaftliche Arbeiter zur widerrechtlichen Ver- Weigerung des Antritts der Arbeit oder zum widerrechtlichen Verlassen der Arbeit verleitet, wird mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Haft bis zu sechs Wochen bestraft. Derselbe ist dem Arbeitgeber für den daraus entstehenden Schaden verant- wortlich; er hastet neben dem Arbeiter als Gesanitschuldner. K 6. Landwirtschaftliche Arbeiter, Ivelche die Arbeitgeber zu ge- wissen Handlungen oder Zugeständnissen dadurch zu bstimmen suchen, daß sie die Einstellung der Arbeit oder die Ver« Hinderung derselben bei einzelnen oder mehreren Arbeitgebern unter einander' verabreden, werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Die A n st i f t e r unterliegen der gleichen Strafe, auch wenn sie keine landwirtschaftlichen Arbeiter sind. Die Gesetzesvorlage kennzeichnet so recht die reaktionäre Strömung der Zeit. Die Vorlage geht sogar weit über das bisher schon in Preußen übliche hinaus, indem z. B. in Preußen wegen Anstiftung zur Arbeitseinstellung nur die landwirtschaftlichen Arbeiter selbst mit Ge- fänguisstrafc bedroht werden, während man in Anhalt auch alle anderen Leute unter diesen Paragraphen stellen will. Die Reaktion ist nun drauf und dran, die Vorteile auszubeuten, die ihr durch die Fassung des Bürgerlichen Gesetzbuches zugeflossen sind. Unsere Partei war eS bekannilich, die das Gese'tzgebungsrccht der Einzelstaaten auf dem Gebiet des Gesindcwcscns aufheben wollten. Unsere An- träge unterlagen aber dem brüderlichen Znsammenwirken der bürger- lichcn Parteien. Und nun sollen die Arbeiter die Folgen dieser Gesetzgebung zu schmecken bekommen. General Galliffet und Casimir Perier auf dem Zeugenstande. In seiner Zeugenaussage vor dem Kassationshofe be- kündete dem„Figaro" zufolge der General Galliffet, er habe von dem Geständnis des Dreyfus keine Kenntnis gehabt. General Darras habe ihm nach der Degradatton den pein- lichen Eindruck derselben geschildert. Dreyfus habe nicht aufgehört, seine Unschuld zu beteuern. Galliffett gab dann Auskunft über P i c q u a r t, der ein braver Offt- zier und unfähig sei, eine schlechte Handlung zu begehen. Von Esterhazy sagte der General, daß seine Beziehungen zu den Militärattaches a'l l e n bekannt ge- Wesen seien. Tann erzählte Galliffet von einem Besuche des früheren englischen Militärattaches, Gene- ral Talbot, welcher nach seiner Rückkehr aus Aegypten zu ihm(Galliffet) gesagt|habe:„Herr General, in welche traurige Angelegenheit sind Sie jetzt verwickelt," und fügte hinzu:„Ich werde über die Dreyfus-Sache nicht sprechen; ich habe Dreyfus während meines sechsjährigen Aufenthaltes in Frankreich nicht gekannt, hingegen setzt es mich in Erstaunen, daß Major Esterhazy sich noch in Freiheit befindet. Wir Militär- attachSs wußten alle vollkommen, daß Esterhazy uns für ein Tausend- oder Ztveitausendfrancs» Billet alles liefere, was wir vom Kriegsministerium direkt nicht haben konnten." � jGalliffet erklärt dann, daß er von dem strengen Vorgehen gegen Picquart sehr über- rascht gewesen sei. General Zurlinden habe versprochen, zu seinen Gunsten zu intervenieren. Kasimir Parier, der ehemalige Präsident der Republik, führt aus: Der deutsche Botschafter kam am 1. Januar 1894 zum Ministerpräsidenten Dupuy mit einer Depesche des Fürsten Hohenlohe und bat Dupuy, ihm eine Unterredung mit dem Präsidenten der Republik zu verschaffen, da die Depesche ihn aufforderte, über die Frage mit mir persönlich zu verhandeln. Die Unterredung fand am folgenden Tage um 1 Uhr nachmittags statt. In der be- treffenden Depesche wurde an den Präsidenten der Republik und an Herrn Casimir Perier persönlich die Frage gerichtet, warum die deutsche Boffchast von den Blättern in die Affaire Dreyfus verwickelt werde; da sie nichts damit zu thun habe. verlange man ein formelles Dementi. Nachdem ich die Depesche gelesen hatte, be- merkte ich dem deutschen Botschafter, daß sein Schritt etwas ungewöhnlich sei. da ich unverantwortliches Staats» oberhaupt sei, und daß es normaler wäre, mit dem ver» antwortlichcn Minister, oder, wenn dieser abwesend, mit dem Ministerpräsidenten zu verhandeln. Da aber an meine Loyalität als Privattnann appelliert würde, hätte man es nicht mit einer diplomattschen Affaire, sondern mit einer Frage der Loyalität zu thun. Unter diesen Umständen solle der Boffchafter alles wissen. Ich sagte darauf, daß ein Schriftstück in der deutschen Botschaft gefunden worden fei. Der Botschafter erwiderte. »hm dies„?cht niöglich erscheine, �aß man daselbst Wohl diele Schnftstiicke erhalte, daß aber kein wichtiges Schriftstück daselbst entwendet werden könne. Ich erwiderte:„Auch wir glauben, daß man in der Botschaft das Schriftstück nicht für *3' e. Weder die Regiernng noch ich selbst ziehen die Botschaft in die Sache hinein. Wir machen die Botschaft nicht verantwortlich für daß, was man ihr zuträgt, ebenso wie wir nicht verantwortlich find für Papiere, die man uns bringt. J-oct es genügt, daß man in einer fremden Botschaft ein Dokument findet, von dem man glaubt, daß es von einem französischen Offizier herrühre, um die Schuld dieses OsfizierL festzustellen." Da aber der Botschafter darauf bestand, daß tne deutsche Botschaft in einer kategorischen Note ans dem Spiele gebracht werde, bemerkte ich, daß diese Note sich nicht allein a«f die deutsche Botschaft, sondern auch auf alle übrigen Botschaften und Gesandtschaften in Paris beziehen müßte, da diese sich um so leichter getroffen fühlen konnten, wenn nur eine Macht aus dem Spiele gesetzt würde. Ein Telegramm des„Petit Parisien" ans St. Ouentin meldet, daß der frühere Sekretär Henry?, der ehemalige Adjutant Lornier. infolge des Empfanges einer Depesche, die ihn nach Paris berief. Selbstmord be gangen hat. (Fortsetzung siehe auf der vierten Seite unter„Depeschen".) ##* Deutsches Meich. _. Der Kaiser und die Leaitimitat. Der Kaiser soll, wie wir riculich berichteten, zu einem Hannover- scheu Zsdligcn geiiuszert haben, daß. wenn er. der Kaiser, 1««« mw zuveratru gehabt hätte, Hannover nicht annektiert worden wäre. Die gesamte bürgerliche Presse, die ja von Legenden und Jw konsequeiizen lebt, hatte die Nachricht bezweifelt, weil sie ihr fatal war. Wir hatten diesen Meinungen gegenüber betont:„Der Kaiser, �dcr ein überzeugter Anhänger dcS Gottesguadcn- Princips ist, muß der Meinung sein, daß die dynastische Revolution von 1866 nnt ihrer Zerstörung des GottcsgiiadentumS eine verwerfliche Politik gewesen sei." Sfn der That, der Kaiser kann gar nicht anders denken. Jetzt schreibt denn auch daS Braunschwcigcr Blatt, das die Nachricht zuerst verbreitet hatte: Der hannoversche Adlige hat die Thatsache, daß die kaiserlichen Worte, so wie wir sie wiedergeben, gefallen find, vor Zeugen vcr- sichert. Wir find in der Lage, dies nachweisen zu können. An Grund dieser vielbesprochene» kaiserlichen Acnßeruna kam mich der Traditionenerlaß zu stände. Das Blatt will nur ofsiziöse» Dementis gegenüber den Namen des Adligen nennen.— Tie oberslächliche Bildung der Fähnriche. In einem Be� fehle des Kaisers an die Generalinspektion des Militär-ErziehungS und Bildnngswesens werden verschärfte Prüfiingsbestimmnngen für ftohnciijuiikcr und Fähnriche gefordert. Es habe sich eine recht ober flächliche allgcincine Bildung der aus Vorbereittmgsanstalten hervor gegangenen Prüflinge ergeben.— Eine tröstliche Mitteilnng hat im gemeinschaftlichen Landtag für die Herzogtümer K o b u r g- G o t h a der Minister den Landboten gemacht. Er gab bekannt, daß die Thronfolge so geregelt sei, zog Die Gegen daS„bergliögnngösüchtige Volk". Vor einigen Monaten wurde aus dem r h e i n i s ch- w e st f ä l i s ch c n In d II st r i e g e b i e t beheriiche, wie die Schlotbarone gegen die Kirmes und sonstige Feiern eiferten, die geeignet seien, die so„kostbare' Arbeitszeit in unliebsamer Weise zu unterbrechen. Jetzt hat nun, wie die„Köln. Ztg." schmunzelnd mitteilt, die Regicriing zu Köln infolge der„Bewegung zur Einschränkung der öfientlichcn Lnstbao leiten" den ersten Schritt gethan, eine Verringerung der Tanzlnstbar- keiten herbeizuführen. Es ist die Anordnung getrosten worden, daß im StadtbezirkKöln öffentliche Tanzlustbarkciten nnrie am zweiten Sonntag und zwar alle zusammen an ein und demselben Tage stattfinden dürfen. DaS freut das Uitternehmcrorgan außerordentlich; die„Vcr gnügungSwnt" besuche die„unteren Volksschichten" namentlich der Jndustriebezirke, aber auch die Landbevölkerung und in steigendem Maße die weiblichen Dien st boten würden verderben. — Es ist in der That rührend, wie besorgt das Untcrnehmcrblatt um das„Ivirtschaftliche" und„sittliche" Wohl der Arbeiter sich zeigt. Wir werden das Blatt aller Voraussicht nach demnächst wohl noch für höhere Löhne eintreten sehen, um so das w i r t s ch a f t l i ch c Wohl der Arbeiter zu fördern, lim die Sittlichkeit der „unteren Volksschichten" sollte daS Organ der Schlotjimker sich aber weniger kümmern, als um die der sogenannten besseren Gesellschaft.— Zur Nihcin- Elbe- Kanalfrage ninimt die Breslau er Handelskammer in einer Eingabe an das Abgeordnetenhaus Stellung. In der Eingabe werden die im Interesse Schlesiens zu stellenden AnSgleichsforderungen zusammengefaßt, sowie die Notwendigkeit einer gesetzlichen Fe st legung des Kom- pensationsgedankens betont. Die Forderungen werden in folgender Weise begründet: Wir erachten es für unbedingt geboten, daß die� Forderung, daß die nachteiligen Vcrkchrsvcrschiebuiigen, welche für die ostdeutsche Industrie und Landwirtschaft ans dem Bau des Rhein-Elbe-Kanals erwachsen werden, ») durch ausreichende Verbesserung der bestehenden Wastcr- straßcn der östlichen Provinzen, b) durch' Anlage neuer Wasserstraßen daselbst, o) durch geeignete Bahnbauten, 6) durch eisenbahntarifarische Maßnahmen so weit wie möglich ausgeglichen werden, bereits im Gesetz Aufnahme finden, Man wird nicht umhin können, die seit langem geforderte Regelung der schiefischen Gewässer(vor allem der Oder und der Neiße), sowie den weiteren Ausbau dcS KanalnetzeS als berechtigte Wünsche anznerkcmien.— . Bon einem Verbot dentscher Spielware« in Nordamerika werß ein hiesiges Blatt zu berichten. Danach soll der preußische HandelSmmister den Handelsvertretungen mitgeteilt haben, daß in den Vereinigten Staaten von Nordamerika unter dem Vorgeben, dentsche Spiel waren wären mit giftigen Farben be- strichen, die Einfuhr derselben verboten oder doch wesentlich erschwert werden soll. Die beteiligten Kreise sind deshalb zur Erklärung über die Sachlage veranlaßt worden.— Die Nachricht ist jedenfalls mit Vorsicht anfziuichmen.— Tie Postnovelle wird den Reichstag in den nächsten Tagen kcschäftigcn und voraussichtlich zu einer großen Generaldebatte über unsere Postcinrichttingcn führen. Man wird da wohl wieder vom Bundesratstische emphatisch betonen, daß die deutschen Post- «inrichttmaen die besten und billigsten der ganzen Welt seien. Wie wenig dieses Selbstlob berechtigt ist, wie selbst der Verkehr zwischen mehreren Länder» bequemer und billiger ist als der Postverkehr innerhalb deS Reichsgebietes, mögen zwei Beispiele erweisen. Ein 10 Kilogramm schweres auf eine Entfernung von 151 Meilen inner- halb dcS Deutschen Reiches befördertes Packet kostet drei Reichs- mark Porto; dagegen kostet ein gleich schweres aus der Schweiz nach Frankreich gesandtes Poststück blos 1,20 M. Porto, nach Luxem- bürg kostet das gleich schwere Packet ans der Schweiz 1,52 M. und' nach Belgien' 1,68 M. Im internationalen Verkehr, auch aus und nach Deutschland, ist die Versendmig von Manuskripten zur Drucksachentaxe gestattet, innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches ist dies untersagt I Besonders rühmlich ist dieser Vergleich für die deutsche Postverwaltung nicht.— Haftung der Postverwaltimg für Versehen ihrer Beamten. DaS Präsidium des Deutschen HandelStageS hatte an das Reichspostamt eine Eingabe, betreffend die Hastung der Post- verivalttmg für Verschen ihrer Beamten, gerichtet. Der Staats- sekrctär v. Podbiclski hat hierauf geantwortet: „Dem dortseitigen Wunsche gemäß habe ich die Frage, ob die ReichSpostverwaltung beim Abschluß von Abkommen wegen Prüfung der EmpfangSberechiigung der Abholer von Postsendungen die Hast- Pflicht für Versehen ihrer Beamten Übernehmen könne, eingehend erwogen. Bei aller Bereitwilligkeit, dem Publikum, insbesondere dem HandelSstande, entgegenzukömmen, muß aber die Reichspost- Verwaltung mit Rücksicht aus das Ergebnis der stattgefnndencu Erörterungen die Ersatzverbindlichkeit auch ferner a b- lehnen.--- � daß nach dem Tode des jetzigen Herzogs der englische Her von Connaugth an die Regierung kommen werde,— guten Bürger von Koburg-Gotha können also ruhig sein, es ist dafür gesorgt, daß sie weiter regiert werden.— Tee Truek der Militärbehörde auf die Säle besitzenden Wirte wird nicht nur von den benachteiligten Parteien, sondern auch von den Saalbesitzcm selbst als eine ungerechtfertigte Maßregel empfunden. Die Thüringer Zone des„Deutschen Gastwirt's-VerbandcS" hielt jüngst in Neustadl a./ß. eine Versammlung ab. in welcher die anwesenden Vertreter über die durch den auf die Lokale gelegten Militärboykott beivirkte Geschäftsschädigung lebhast Klage führten. Es kam ein Beschluß dahin zu stände,„die Militärbehörde zu er- suchen, während der Wahlen zum Reichstag Lokale, in denen Ver- fanimlungen aller Parteien stattfinden, nicht zu verbieten." An dem Erfolg des Antrages kann gezweifelt werden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß zur Bekämpfung der Socialdcmokratie kein Mittel zu schlecht ist. Die Petitionen werden den üblichen Weg gehen und den kurzsichtigen Wirten wird nicht eher geholfen werden, bis sie ihrer- seits den Militärbehörden ihre Säle verweigern. Mit der antisemitischen Partei � so wird uns aus Dresden geschrieben— geht es in Sachsen immer schneller bergab; das kommt vor allem im Stand der antisemitischen Presse zum Ans- druck. Das in Dresden erscheinende Organ„Die Wacht" hat im verflossenen Jahre wieder einen Geschäftsverlust von 186 S38 M. bei einem Aktienkapital von 2Zö 400 M. zu verzeichnen. Das reine Ver- mögen ist bis auf reichlich 53 000 M. zusanimengeschrunipst. Und das, trotzdem an Gehältern. Redaktionskosten zc. bis aufs äußerste gegen früher gespart worden ist. Der Abonneiitenschwuiid ist seit drei Jabren chronisch, die Abonncmeittsgelder sind von 65 000 M. auf 49 000 M. gefallen. Bei Uniwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft sind seiner Zeit den Aktionären goldene Berge versprochen worden. Man hat min zwar beschlossen, noch eine Weile fortzuwursteln. Stach Lage der Sache ist das Eingehen der„Wacht' aber nur noch eine Frage kurzer Zeit. Damit haben dann die Autr semiten als Partei völlig abgedankt. Spionitts. Wegen Verdachts der Spionage ist verflossene der angeblich in Köln geborene Fabrikarbeiter Friedrich ü n t h e r in D i e d e n h o f e n(Lothringen) durch die Polizei ver- hastet worden. Da die Behörden an der lothrinaisch-französischen Grenze notorischcrweise an chronischer Spionitts leiden, braucht man die obige Nachricht nicht sofort besonders tragisch zu nehmen.— Tie„Umstürzler" an de? Arbeit. Die Verwaltung der etwa 15 000 Mitglieder umfassenden all- gemeinen O r t s k r a n k e n k a s s e der Stadt Straßburg i. E befindet sich seit Beginn des Jahres 1897 in den Händen der organisicrtcii Arbeiterschaft, nachdem bei den damaligen Wahlen die voii socialiftischcr Seite aufgestellten Listen für die Wahl der Vcr- treter in der Generalversammlung auf der ganzen Linie siegreich ge- blieben waren. Vorsitzender der Kasse ist seither der Schriftsetzer Leichsenring, der von der socialistischen Mehrheit der Ver- treter-Versammlung in dieses Amt berufen wurde. Nunmehr liegt der erste Rechenschaftsbericht der neuen Verwaltung, das Geschäfts- jähr 1896 umfassend, vor. und cS ist für die organisierten Arbeiter allerorts von hohem Interesse, zu erfahre», in welcher Weise die bürgerliche Presse sich über die von unseren Parteigenossen in der Verwalinng des genannten großen Kasseninstttnts entfaltete Thätig- keit ausspricht." Die„Stratzburger N e u e st e n Nach- richten", ein der Socialdcmokratie durchaus feindlich gegenüber- stehendes Blatt, faßt ihr Urteil hierüber dahin zusammen: „... Das Prinzip, der Oeficntlichkcit bezw. den Arbeitgebern und Mitgliedern der Kasse Rechenschaft über seine Amtsthätigkeit abzulegen, ist erst mit dem jetzigen Vorstand in die Kasse eingezogen, Dabei zeigt eine Verglcichnng der llicchenschastsberichte von 1897 und 1898, daß�der jetzige Vorstand selbst auch ans diesem Gebiete ein tüchtiges Strick vorwärts geschritten ist. Ans dem jüngsten Bericht iveht dem Leser ein Haucti des fortschrittlichen Geistes ent gegen, von dem sich der Vorstand in den zivei Jahren seiner Amt& thntigkeit stets hat leiten lassen. Zilsammenstöße oder andere lliizw träglichkcitcn, die hier und da vor zivei Jahren befürchtet wurden, stnd nicht vorgekommen. Die Eiitivickclung der Kafie zeigt vielmehr. daß in der Arbeiterschaft ein reicher Fonds geistiger und niorali scher Fähigkeiten enthalten i st. Mit ganz besonderer Wanne müssen ivir des Vorsitzenden der Kasse, des Herrn Leichsenring, gedenken. Er hat nicht nur mit Schars- blick den Pnnkt erkannt, wo die'Reformthätigkcit einzusetzen habe, son- dcrn er hat auch alle die zweckmäßigen Reformen erionnen und mit unermüdlichem Eifer an ihrer Durchführung gearbeitet. Von dem günstigcn Stand der Kasse überzeugen uds nickt mir ihre hohen eistmigen, sondern vor allem auch ihre ausgezeichneten i n a n z i e I l e n V e r h ä l t n i s s e. Die Kasse hat im Jahre 1898 einen so hohen Ucberscknß erzielt, wi, es noch in keinem der früheren Jahre der Fall war. Das Gesetz schreibt vor. daß dem Reservefonds 10 Proz. der Beitröge zuzuführen find; in Wirklichkeit konnten ihm Jahre 1393 sogar 21 Proz.--- 61 230 M. überwiesen werden. Die Thatsache, daß die Straßburger OrtSkrankcnkasse bei so niedrigen Beiträgen so hohe Leistungen gemährt, und daß die Finanzen or 2 Jahren recht schlecht standen, ließ bei der«ilf- chtsbehörde die Besorgnis aufkommen, eS könne zn einer Katastrophe a der Kasse kommen.' Sie legte dem neuen Vorstand deshalb eine Erhöhung der Bctträgc resp. eine Herabsetzung der Leistungen nahe. Der Vorstand ersuchte um eine Frist. Dieselbe wurde ge währt. Es gelang ihm. in den zivei Jahren da« erivähiile brillante Ergebnis zu erzielen. Die Gefahr einer Beitrags- erhöhung ist danttt beseitigt." Was sagen die Scharfmacher, die jede freie Regung der Arbeiter- Nasse niederhalten und an deren Stelle die Bevormunduiig durch Polizei und Unternehmertum setzen wollen, zu dieser Anerkennung der praktischen Thätigkeit der„Umstürzler" aus gegnerischem Alunde?!— Ausland. Tie Lage in Finnland lvird immer ernsicr. Nachdem der Plan der russischen Regierimg, das Land in aller Stille und ohne Anflehen auf juristischen Schleich- wegen seiner Rechte zu berauben, schmählich mißglückt ist, beginnt man nun nach und nach mit Repressalien. Ganz unerwartet wurde am 4. April zweien der größten Blätter schwedischer Zunge in Helsingfors, der„Aya Pressen n»d„Aston- Posten" das Erscheinen ans resp. zwei und einen Monat untersogt, wie wir bereits tclegraphisch gemeldet haben. Diese Berfiigmig wurde ohne Angabe von Gründen durch ein etwa zwanzig- zciligeS Schreiben des vom Gouverneur Bobrikoff eingesetzten und persönlich geleiteten.Censurkomites' den Redakttonen der beiden Blätter mitgeteilt. Eine imposante Demonstratton des Volkes war die Antivort auf diese freche Gewaltthat. Trotz der späten Nachtstunde, zn der die Sache in der Stadt bekannt wurde. sammelte sich eine mchrtausendköpfige Menge vor den Wohnhäusern der Chefredacteure der beiden Blätter und brachte denselben stürmische Ovationen dar. Und tagS darauf regnete es Sympathietelegramme an die beiden Blätter von allen, selbst den entlegensten Teilen deS Landes. Interessant ist, wie mit den Telegrammen, welche diese Sache an das Ausland melden sollten, in St. Petersburg verfahren wurde. Sowohl die Absender einer Depesche an den in Liom tagenden Journalistenkongreß sowie andere Personen, welche über die Sache an ausländische Blätter telegraphierten, wurden tag? darauf durch Diensttelegramm verständigt, daß die Censur in St. Petersburg alle Worte, welche die Demonstrationen erwähnten, einfach— g e st r i ch e n h a t t e. Während man hier also die Presse, welche doch hauptsächlich nur den Kampf gegen die russischen Hetzblätter führte, mit solch brutalen Mitteln knebelt, gestattet man der„Nowoje Wremja", dem„Swjät", der„Moskowskija Wjädomosti" w. ruhig mit ihren lügenhaften An- griffen auf Finnland und die Finnländer fortzufahren.� Besonders erstcre, das Schmutzblatt des Herrn Suworin, dessen niederträchtige Haltung in der Studentenfrage selbst das kolossale Maß russischer Publikümsgeduld zum Ueberlaufen brachte, hat besonders zur Zeit der Anwesenheit der Maffendeputation in frechen Lügen wieder ein übriges geleistet, wohl wissend, daß„doch immer etwas hängen bleibt", besonders durch Uebertragungen in die ausländische Presse. Eine solche Lüge der„Nowoje Wremja" fand leider auch in Form einer telegraphischen Citation den Weg in unser Blatt. Es hieß dort: Der„Nowoje Wremja" zufolge könne die Deputation(die aus Vertretern für die 600 Kommunen Finnlands bestand) keinen Anspruch auf die Bezeichnung„Deputation" machen, da sie weder Vollmacht noch eine Aufforderung oder Erlaubnis des— Gcneralgouvcrneurs Bobrikoff besäße I Sowol„Aufforderung" als auch„Erlaubnis" Sr. russischen Exceuenz fehlten der Deputation freilich, aber von der Riesenpetition, unterzeichnet von 522 931 ginn» ländenr. erwähnt die schlaue„Now. Wr." kein Sterbenswörtchen, denn diese gilt sogar in ihren schiefen Augen als genügende Vollmacht. Das Ende der Deputation, sowie die kräftigen Worte, welche der Führer derselben, Konsul Wolfi, an den Minister-Staatssekrctär richtete, sind bereits auch im Auslände bekannt geworden. Es ist aber freilich zweifelhaft, ob man über eine Frage wie seine:„Ist Se. Majestät wirklich so reich, daß er eines Volkes Liebe und Er- gcbenheit so ohne weiteres wegwerfen kann?" überhaupt nach- denken wird, Die Petition wurde inzwischen auf dem vorgeschriebenen bureau- kratischen Wege bei den einzelnen Distrittsgouverneuren eingereicht, um durck den Generalgouverneur an den Thron geleitet zu werden. Es ist aber nicht unmöglich, daß sich die Riesenpetition auf diesem langen Wege noch zu dem bekannten Riesenkranze der Finnländer gesellen wird. Bekanntlich ist dieser Kranz, der an das Grab Alexanders II. Nach Petersburg geschickt worden war, ans der strengstens (von russischen Truppen) bewachten Peter Paulskirche auf äußerst mystische Weise verschwunden. Das Verbot an Zeitungen, erscheinen zu dürfen, giltig für eine vom Gouverneur beliebig zu bestimmende Zeit gehört in Rußland schon seit langem zu der gefürchtetsteu Geißel der Presse. In Finnland jedoch, ist dies der erste Fall, daß ein so barbarisches Mittel der Presse gegenüber angewendet wurde. Da sich die unterdrückten Blätter keinerlei Angriffe auf die Regierung zu schulden kommen ließen, was ja auch unsinnig gewesen wäre, so kann dasselbe Schicksal jeden Augenblick auch die beiden großen finnischen Tages« blätter in Helsingfors.„Uusi Suomeiar" und„Päivälehtt" sowie die nun einzig übrige schwedische Tageszeitung der Hauptstadt, das „Hufvudstadsbladet" treffen. Doch wenig werden die Herren in Petersburg damit ausrichten; das finnische Volk ist hundertmal so zähe als sie. Bereits jetzt hat man sich im Publikum darüber geeinigt. den beiden vergewaltigten Blättern sowohl Abonnements- als auch Jnsertionsgeb'ühren auch weiterzubezahlen für die Zeit des Verbotes. Das Volk ist ini stände und thut dasselbe auch siir seine übrigen Blätter, wenn alle dasselbe Schicksal treffen sollte: aber jedenfalls hat dann Generalgouverneur Bobrikoff daS Vergnügen nach„berühmten Mustern" nach Petersburg zu telegraphieren:„In Finnland ist alles ruhig I" Nur durch die Straßen sprengende Kosaken fehlen bald noch um das bekannte Bild Kowalskis aus dem War- schauer Straßenleben zu schaffen. Von Spionen, zu denen besonders die sog..Tartaren" angewendet werden, wimmelt eS ordentlich. besonders in den kleineren Städten, doch ist da? Volk für dies plumpe Gesindel zu Aug. Einige dieser sauberen Helfershelfer der russischen„Reformpläne' hat man festgenommen, als sie eben eine obscure„Protestadreste" an den Zaren von— Schuljungen gegen ein Entgelt von 50 Penni per Namen unterschreiben lassen wollten. Die Adresse enthiell einen Protest gegen die Riesenpetitton und versichert den Zaren der vollsten ufricdeiih'cit des finnischen Volkes mit dem Geschehenen und dem noch zu rivartenden. aber hier scheinen selbst die Schulbuben der ostländischen Scklaubeit überlegen zu sein, denn gerade sie veranlahten die Fest- nähme der Werber. Im Hinblick auf die fennophile Bewegung in England beeifern sich die panslavisttschen Blätter,„Now. Wr." natürlich wie immer an der Spitze, den Fiiincn Warnungen zu erteilen, die trotz der Ueberschrist „Gutgemeint" Verdächtigungen aufs Haar gleichen. Man kümmert sich dort natürlich wenig sogar um die Proteste einer großen Zahl in Finnland wohnender Russen, die gegen ein derartig schmutziges Vorgehen öffentlich austraten. Die mehrfach erwähnte „Su'ivorinsche Zeitung" rief jüngst mit lächerlichem Pathos in die Welt hinaus:„Die Finnen treiben ein gefährlich Spiel." aber die Presse des Auslandes wird derartige Spiegelfechterei richtig zu verstehen wissen. Umgekehrt, Herr Suworin, Rußland treibt ein gefährliches Spiel, entzieht es sich nicht bald dem Ein- stusse fanatischer Ignoranten von Pobedonoszewschem Schrot und Korn, abeiiteuernder Kammergencrale mit einem von vielen Seiten bemakelten Vorleben a la Bobrikoff, und gewissenloser Hetz» journalisten von Suworinscher Schule. E a s s i u S. Oestreich-Ungarn. Tie deutschen Abgeordneten, die sich dem vor kurzem er» öffneten böbmiscken Landtage ferngehalten hatten, haben der .Bossischen Zig' zufolge vom Oberlandmarschall eme Auffordmmg erhalten, binnen 14 Tagen im Landtage zu erscheinen oder ihre Ab- Wesenheit zu rechtferttgen.— Schweiz. Zürich, 10. April.(Eig. Ber.) Der gestrige Wahltag hat den ocialdemolraten nicht den Erfolg gebracht, den man erwartete, ob» wohl die erreichten Resultate immerhin noch annehmbare sind. Von 23 in 10 Wahlkreiien aufgestellten socialdcmolratischen Kandidaten Ivurdcn 16 gewählt und zivar 10 in der Stadt Zürich, 4 in Winter» thur, je 1 in Oerlikon bei Zürich und Töß-Wülflingen bei Wintcrihnr. Die Gewählten sind Nattonal- und Stadtrat Vogelfänger, Schrift- setzcr Kern, Sekimdarlehrer Biber, Kaufmann Schwarber, Korrektor Fähndrich, Pfarrer Pflüger, Schriftsteller Seidel, Schriftsetzer Hilfiker, Schriftsteller Bommeli, Schriftsetzer Sutter, olle in Zürich; Redacteur Dr. Huber, Friedensrichter Werner, Advokat Dr. Benz und Pfarrer Reichen in Winterthur, Bezirlsrichter Lang in Oerlikar und Rednctcnr Mettter in Töß. Der Gewinn beträgt 3 Vertreter.. Leider ist Genosse Greulich unterlegen, desgleichen Professor Erism'ann zc. Eigcnt- lich ist Greulich gewählt, desgleichen ein weiterer Genosse in Zürich und 2 in Wiiiterthnr, indem sie mehr Stimmen als das absolute Mehr erhielten, aber überzählig sind. Unser Genosse Ernst, von den Liberalen aus Revanche m, geföchten, und der Liberale Nägeli, von den Sozialdemokraten bekämpft, wurden in die Stegicruiig wiedergewählt, erhielten aber mit 85 039 respektive 39 270 die Iveiiigstcu Stimmen; das absolute Mehr betrug 24 099.— Frankreich. Pariö, 10. April. Ter Generalstabschef der Marine A d m i r a l de Cuverville hat, wie der„Soir" meldet, infolge Meiimngs» Verschiedenheiten mit dem Marineminister Lockroy seine Entlassung genommen.— Spanien. Madrid, 10. April. Die Königin-Regentin unterzeichnete ein Dekret, durch welches ein Kredit zur Bezahlung der Zinsen und zur Amortisterung der PhiliPPincnschiUd gefordert wird.— Türkei. «anstantinopel, 11. April. Wie hier verkantet, ist der frühere Kommissar der„Tette Publique". M u r a d B e y, welcher wegen jungtürkischer Gcsinmmg ins Ausland geflüchtet war. später aber wieder zurückkehrte, iu diesen Tagen mit seiner Familie verhaftet worden.— Asien. Die drntsche Strafexpedition. Mus Peking meldet das Bureau Reuter vom 10. April: Die deutschen Tmppen haben Jtschaufu nicht detreten, find aber bis in die Nähe der Stadt vorgerückt. Jejzt sind sie auf dem Rückwege begriffen, nachdem sie drei in der Ilm- gcgenb gelegene Dörfer, in welchen Angriffe auf die Deutschen Uorgekonunen waren, zerstört hatten. Den Ort Jtschau halten die Deutschen dagegen noch besetzt. Man glaubt, dag die Angelegenheit damit thatsächlich beendet sei. Die Deutschen würden die Wirkung ihrer bisherigen Maß- nahmen abwarten. Wenn sich ein Erfolg zeige, würden keine weiteren Schritte unternommen werden. Die Deutschen seien jedoch entschlossen, dem jetzt herrschenden Geiste der Gesetzlosigkeit Einhalt zu gebieten. Es scheine so, als ob die Be- völkerung in ihrem Verhalten von den Ortsmandarinen bestärkt werde.— Ei« englisch-chinesischer Zwischenfall. Wie den„Times" unterem 10. d. M. aus Peking gemeldet wird, sind die chinesischen Seezollämter durch die Regierung in Honkong davon in Kenntnis gesetzt worden, daß alle Zollämter in dem erweiterten Gebiet von Kaulung am 17. April ihren Dienst einzustellen haben. China hat. indem es dieses Vorgehen als ein willkürliches bezeichnet, eine Frist von sechs Monaten verlangt, um die notwendigen Anordnungen zu treffen.— Vom philippinischen Kriegsschauplatz. Nach einem Tele- gramm des Generals Otis vom 11. April wurde die rückwärtige Bahnverbindung des Generals Mac Arthur gestern nacht von de- deutenden Streitkräften der Insurgenten angegriffen. Letztere wurden jedoch von dem General Wheaton mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. General Wheaton verlor dabei drei Tote und 20 Verwundete.— Australien. Die Donga-Juseln, südwestlich vom Samoa- Archipel, sind in oller Stille unter englische Botmäßigkeit gebracht worden. Die „Times" teilen aus Melbourne mit:„Privätnachrichten aus Tonga zufolge haben der Kapitän des englischen Kreuzers„Tauranga" und der englische Bicekonsul kürzlich ein Abkommen nnt dem König der Tonga- lFrcundschafts-) Inseln Georg II. abgeschlossen. Danach ver- pflichtet sich der König, seine Suveränitätsrechte nicht aufzugeben, noch irgend einen Teil des Königreichs der Tonga-Jnseln an eine fremde Macht abzutreten. zu verkaufen öder zu verpfänden. England verpflichtet sich dagegen, die Unabhängigkeit des Königreichs zu garantieren. Amerika. Die auf Kuba gefallenen Amerikaner werden mit dem Dampfer„Romaiii", der ISA) Särge an Bord hat, in ihr Vater- land zurückgebracht.— Zu der Abrüstungskonferenz wird aus dem Haag vom 10. d. M. gemeldet: Die hier zusammentretende Kon- ferenz wird sich ausschließlich mit den im zweiten russischen Rundschreiben aufgeführten Fragen, sowie mit denjenigen be- schäftizen, welche sich auf die im Rundschreiben vom August 1898 entwickelten Ideen beziehen. Unbedingt ausgeschlossen sollen alle Besprechungen solcher Art sein,- welche ans die politischen Beziehungen der Staaten zu einander oder auf die durch Verträge geschaffene Ordnung der Dinge Bezug haben. Jede vertretene Ata cht wird nur eine Stimme haben.—_ VsvlttnrenkÄvisches. Die GeschiiftSderteilnug im Reichstage ist vom Präsidenten dahin getroffen worden, daß zunächst die vom ReichS-Postamt er- gangenen Vorlagen, wie die Novelle zum Postgesetze, die Fernsprech- Gebührenordnung und daS Telegraphengesetz zur ersten Beratung tcstellt werden sollen. Dann soll der Gesetzentwurf, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau, zur Beratung gelangen. Ans England. London, den 8. April. Am Montag und Dienstag nach Ostern tagte in L e e d s der siebente Jahreskongreß der Unabhängige uZA rbeiterpartci Großbritanniens. Die Konferenz war von SS Delegierten bcschickr und faßte folgende Beschlüsse: 1. Um Zersplitterung der Kräfte und Mittel zu vermeiden, soll die Partei bei der nächsten allgemeinen Parlamemswahl sich auf die Aufftellung von 25 Kandidaten beschränken: je 4 für Schottland, Lancashire und sjorkshire, je 3 für die Mittel-Graffchaftcn und West- England, je 2 für den Nordosten, London und den Süd-Distrikt, und einen für die Ost-Grafschaften. 2. Die Partei soll den Wahlkampf durchaus unabhängig von den alten Parteien führen. lieber ihr Verhalten zu diesen in Kreisen, wo kein Socialist kandidiert, bestimmt der Nationale Vollziehnngs- Ausschuß. Eine Resolution, welche für solche Kreise strikte Wahl- enthaltung vorschreiben wollte, wurde mit großer Mehrheit ab« gelehnt. 3. Die Partei soll ihr möglichstes aufbieten, bei Gemeinde- und Parlamentswahlen mit den Gewerkschaften, Genossenschaften und Socialistcn anderer Richtung Hand in Hand zu gehen. 4. Der Vollziehung«- Ausschuß der Partei wird beauf- tragt, mit der Socialdemokratischen Föderation wegen Ab- schluß eines Bundesvertrages in Unterhandlung zu treten. Dieser Beschluß ward mit 64 Stimmen gegen 29 Stimmen an- genommen, die für völlige Verschmelzung mit der socialdemokratischen Föderation abgegeben wurden. Von Vertretern des MehrheitS- beschlusseS wurde betont, daß, wenn auch die Ziele beider Organi- sationen die gleichen seien, doch in Temperament und Methoden noch Unterschiede obwalteten und es daher zur Zeit besser sei, sich blos zu föderieren, statt völlig ineinander aiitzngehen. 6. Zum Vorsitzenden des Partei-Anssckmffcs ward einstimmig Keir Hardic wiedergewählt. I» Zukunft soll iudcß niemand länger als drei Jahre hintereinander dies Amt bekleiden dürften. Die anderen Mitglieder des Partei-Ausschnsses sind: Bruce Glasier, P. Snowdon, Ruffel Smart, I. R. Maedonald, I. Parker, Jos. Burgeß. Die Konferenz sandte ein Glückwunschtelegramm an die belgischen Socialisten zur Einweihung des neuen Brüffcler Vollshauscs und sprach dem gleichzeitig tagenden britischen Lehrerkongreß ihre Sympathie aus. Sie faßte ferner eine Resolution gegen Kriege und für den Bund der Völker und hielt am Montag Abend ein stark besuchtes Konzert ab. Die Eröffnungsrede Äcir Hardies konstatierte große Erfolge der Partei bei den Wahlen für die Selbstvcrwallungskörper.— Drei Tage vor der Konferenz der Arbeiterpartei trat in der gleichen Stadt L e e d s eine Konferenz von Arbeitern und Socialisten, die Mitglieder von Lokal- behörden(Gemeinde-, Armen- Schnlräte:c.) sind, zusammen. Ihr Zweck war stcundschaftlichcs Aussprechen über gemachte Er- fahningen und zur öffentlichen Erörterung stehende Vorichläge. Von bindenden Beschlüssen wurde abgesehen, dagegen fehlte es nicht an lebhaften Debatten. Gleich das Einleitnngsreferat des bekannten FabianerS Sidney Webb, dem der Vorsitz übertragen worden war, über die Aufgaben der Arbeitervcrtreter in Gemeinderäten gab zU einem solchen Anlaß. Webb führte darin u. a. aus. daß die Socialisten verkehrt handelten, wenn sie sich ans die Hcrabdrückung der Gehälter der höheren Beamten verlegten. Die Gemeinden hätten darauf zu achten, für jeden Posten die möglichst tüchtige Kraft zu gewinnen, und das könnten sie nur, wenn sie den Standardsatz de» Marktes für die betreffende Leistung zähsten. Dieser Auffassung gegen« über ward von Wkitgliedcrn der Socialdemokratischen Födc- ration und der Unabhängigen Arbeiterpartei geltend gemacht, daß die Arbeitervertreter sich nur um die Interessen der Arbeiter zu kümmern und die höher bezahlten Leute ihre Sache selbst ausfechten' zu lassen hätten. Sie seien im Princip gegen die hohen Bezahlungen, wie sie heute Sitte seien. Mehr im Sinne Webbs sprachen F. Brocklehurst von der Unabhängigen Arbeiterpartei und der Arbeiter W. Crooks, Mitglied des' Londoner GrafschaftSrats, der unter allgemeiner Heiterkeit einflocht, daß er heute im gleichen Ort(Poplar, Ost-London) Vorsitzender deS Annenrats sei, wo er im Jahre 1861 ins Armenhaus geschickt wurde. Nicht mindere Heiterkeit erregte daS sozialistische G emeinderats-Mitglied für West Ham, Godbold, mit der Bemerkung, die Arbeitervcrtreter in West Ham hätten im dortigen Gemeinderat ihr ganzes Wahlprogramm durchgesetzt und litten jetzt an Pro- gramm-Not. Fast alle Delegiert« erklärten die gesetzlichen Vollmachten der Lokalverwalttingen für durchaus ungenügend. Die Erweiterung der Gemeindevollmachten sei eine der dringendsten Vor- bedingungen für eine ersprießliche Ausdehnung der Gemeinde- thätigkeit. _ Hinsichtlich der Frage deS AlkoholismuS fand ein Referat deS speiaststischen Genieinderats I o b n st o n von Manchester, der ans Municipalisierung des Schank Wesens hinauslief, all- gemeine Zustimmung. Desgleichen hinsichtlich der Alters- Versicherungsfrage das Referat von W. C r o o k s, das in den bekannten Vorschlägen des Statistikers Booth gipfelte. Nachdem am ersten Tage festgestellt worden, daß der Lordmayor von Leeds es für unter seiiier Würde gehalten,' der Konferenz seine Aufwartung zu machen, empfing sie am zweiten von ihm einen Brief, wo er sein Ausbleiben mit der ungeeigneten Zeit der Konferenz entschuldigte.— _ Vorgestern haben in Irland die ersten Wahlen zu den neuen irischen GrafschaftSräten stattgefunden. Mit ganz wenigen Ausnahmen sind die Landlords und U n i o n i st e n total aufs Haupt geschlagen. In den drei katholischen Pro- vinzen sind fast nur Nationalisten gewählt worden, und im westlichen Ulster haben sie ebenfalls die erdrückende Mehrheit. Nur das nordöstliche Ulster bildet noch eine uiuoiüstische Beste, zwei bis drei von im ganzen 32 Grafschaften. Die Wahlen haben ein viel größeres Jntereffe erregt als die vorher- gegangenen Wahlen zu den Gemeindebehörden, sie wurden überall»ach politischen Part�iriicksichtcn ansgefochten, und der gewältige Sieg der Nationalisten kann nicht verfehlen, der Forderung nach einem irischen Nationalparlamcnt erhöhtes Gewicht zu verleihen. So kommentieren auch die engkischen Liberalen die Wahl, während die Konservativen geradezu verb lüfft sind. Die irischen Nationalisten, zw'ischen denen seit längererZeit Verhandlungen aufWicdervereinigung der Partei im Gange sind, haben die Lokalvcrwaltuiigsreform der Regierung bereitwillig als Abscblagszahluug angenommen, ohne sich aber im geringsten zum Verzicht auf mehr bewegen zu lassen. Es wird erwartet, daß die nationalistischen Graffchaftsräte bei der ersten Gelegenheit für Homerule demonstrieren und auch später keine Gelegenheit vorübergehen lassen werden, seine Notwendigkeit zu begründen. Die erwähnten Wiedervereinigungsvcrhandlungen sind so- weit gediehen, daß auf einer vor einigen Tagen abgehaltenen Konferenz die Vertreter der beiden stärkeren Fraktionen— die Dilloniten und die Healytcn— sich bereit erklärten. den Vorsitz der gccinigtcn Partei einem Vertreter der kleinsten Fraktion, der sogen. Jndependenten- oder Redmond-Partei, zn überlasten. Diese lctzreren stellen sich nämlich der Vereinigung noch ziemlich spröde gegenüber, ohne jedoch sie schlechtweg abzuweisen.—_ -MsMrirhten. Polizeiliches, Gerichtliches usiv. — Die StaatSrctter an der Arbeit. Am Sonntagvormittag wurden beim Vertrauensmann der socialdemokratischen Partei und beim Bevollmächtigten der Einzelmitglicder deS Verbandes der Steinarbeiter in Metz Haussuchungen abgehalten. Bei ersterem wurden beschlagnahmt: eine Nummer unseres reichs- ländischen Partei- Organs, der Straßburgcr.Freien Presse", ein socialdemokrattsches Liederbuch, eine alte Einladung zu einer Privat- Versammlung und ein Maifeier- Abzeichen. Bei letzterem bcschlag- nahmtc man eine Nummer der„Freien Presse", mehrere Gewerk- schaftsblättcr und einige unbedeutende Korrespondenzen. Gewiß ein mageres Ergebniß, welches kaum dazu angcthan sein dürfte, unsere Scharfmacher um Stumm zu befriedigen. — Zu 3V M. Geldstrafe ivurde der verantivortliche Redacteur der„Münch. Post", Genosse Schmid, verurteilt, weil er einen Münchener Stadtvater beleidigt haben soll. GemevKMsaftlutzes. Deutsches Reich. Der Ausstand der Krcfclder Weber. Nachdem die Einigungsverhaiidlungen vollkommen gescheitert sind, hat der Vorsitzende der socialen Kommission, der bisher die llnterhandlungen mit beiden Teilen leitete, in der Stadtverordneten- Sitzung sich äußerst mißbilligend über die Haltting der ausständigen Arbeiter ausgesprochen. Er machte socialdemokransche Einflüsse für die Haltung der Arbeiter verantwortlich und bezeichnete die Thätigkeit einiger Personen als eine hetzerische. Wir glauben, daß nichts ungerechtfertigter ist, als dieser Vorwurf, denn bei den Lohndifferenzen haben socialdcmokratsche Einflüsse keine Rolle gespielt. Wir können aber nicht umhin, das Verhalten des Herrn Dr. Bertram als einseitig zu bezeichnen. Nach seinen eigenen Angaben wirkte er bahn, daß die Firma P e l tz c r, die bereit war, einen für die Arbeiter annehmbaren Frieden zu schließen, sich wieder den" Bedingungen des Fabrikantenbundes fügte. Herr Dr. Bertram mag mit seiner Vermutung recht haben, daß dann unter den Fabrikanten eine Uneinigkeil eingerissen wäre, aber das zu ver- hüten war nicht Aufgäbe der socialen Kommission; cbeniowcnig mußte ihr daran gelegen sein, die Uneinigkeit in Arbciterkreiscn zu fördern. Daß bei dem Nachgeben der Firma P e I tz e r die Arbeiter in ihrem Verlangen weiter gegangen wären, wie Herr Bertram annimmt, erscheint nicht gerechtfertigt, denn die Bedingungen für eine Vcrcinbanmg waren von den Arbeitern getroffen und überragten nicht die, welche die Firma Pcltzer gewährte. EL war also nicht ein- zusehen, warum es einer großen Zahl von Arbeitern durch das Da- zwischentreten der socialen Kommission verwehrt wurde, die Arbeit nufzunchmeii. Im Interesse des Friedens lag es gewiß, dieses Streben der Arbeiter zu unterstützen; und wenn durch das Nachgeben der einen Firma eilt Druck auf die andern geübt wurde, damit auch diese sich auf gleicher Basis mit den Arbeitern einigen, so wäre das nicht zu bedauern gewesen. Die sociale Kommission hat mit ihrem vorgehen leider daß Mißttauen der Arbeiter hervorgerufen und die Erregung gesteigert. Dieser Stimmung gab auch eine Versammlung Ausdruck, die am Sonntag, von&)00 Personen besucht, in Krefeld tagte. Wäre in Fabrikaiitenkreiscn nicht ein übermächtiger TerronSmus vorhanden, der sich besonders gegen die Firma Peltzcr wandte und diese unter Androhung von Zwangsmaßregeln veranlaßte, von der Verabredung mit den Arbeitern zurückzutreten, dann wäre der Streit längst be- endet. Denn nicht darum handelt es sich, ob die Fabrikanten die geringe Lohnforderung bezahlen können, sondern sie wollen die Ar- bciter unter ihre Botmäßigkeit bekommen. Diese Absicht werden sie aufgeben müssen, sonst kann weder jetzt noch für die Dauer ein ge« deihliches Arbeitsverhältnis entstehen. Mögen deshalb die deutschen Arbeiter weiter wie bisher ihre bedrängten Brüder unterstütze». In Nen-Ruppin befinden sich die Zimmerer im Ausstand. Sie fordern zehnstündige Arbeitszeit und 35 Pf. Stundenlohn. Zuzug von Tapezierern ist nach folgenden Städten fern- zuhalten: Dresden, Nürnberg, Stuttgart, Bielefeld, Dortmund, Kick, Halle und München. Die Stellmacher in Hannover befinden sich um die Er- ringung eines Mimmaklohnes von 18 M. im Streik. Die Lohnbewegung der Brauer in H a m m i. W. hat zu dem Erfolg geführt, daß 26 M. Minimallohn und ein Tarifvertrag auf zwei Jahre glatt von den Unternehmern bewilligt worden ist.--- Auch in Hannover sind die Verhandlungen der Kommission der Brauerei-Arbeiter mit der Kommission des Vereins der Brauereien zu Gunsten der Arbeiter verlaufen.— In Frankfurt a. M. dauert der Brauerstreik fort. Der Boykott wird von den Arbeitern mit regem Eifer durchgeführt. Der Brauerring lehnte die vom Wirteverein angebotene Vermittlung barsch ab. Die Maurer und Maler in Braunschweig sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Zuzug ist fernznhaiten. Die Mannheimer Tischler und Drechsler haben am Montag in allen Geschäften die Kündigung eingereicht, wo die Forderung: g'/estnndige Arbeitszeit, 36 Pf. Stundenlohn und 25 Proz. Aufschlag sür Ueberstlmden, nicht bewilligt wurde. SluSland. Ju BndweiS(Böhmen) befinden sich 2000 Bau» und Ziegel« arbeitcr im Ausstand. Im dänischen Tischlerstreik hat in Kopenhagen eine Verniittelungszusammenkiinft stattgefunden zwischen Vertretern der Landcs-Tischlermeister-Organisation und des Ausschusses des Gcsellenverbandes. Sie führte aber zu keinem Resultat. Die Gesellen fordern einen Mininial-Stundcnlohn von 85— 40 Oeren, die �Meister wollten höchstens 33—35 geben. Der Streik dauert also fort; er umfaßt 360 Gesellen. Die Bau- t i s ch l e r erreichten aber eine Vereinbarung auf Ibprozentige Lohn- erhöhung, so daß sie die Arbeit wieder aufnehmen. I» Kopcuhagcner Arbciterkreiscn gähre es, wußten bürger- liche Blätter zu melden. Diese Nachricht verrät wieder, mit welcher Geflissentlichkeit die ruhigsten Beschlüsse der Arbeiterorganisationen mißdeutet werden. Allerdings stnden zur Zeit in Kopenhagen migewöhnlich viele ArbeitSniederleanngen statt; aber sie gehen in ordimiigs- und gesetzmäßigster Weife und ganz ruhig unter ständiger Leitung und Vermittelung der betreffenden Organisationen vor sich. Die größere Zahl Streiks hat darin ihren Hauptgrund, daß dip Mcisterverbände neuerdings selbst bei den notwendigsten Forderungen der Arbeiter es auf die Kraftprobe ankommen lassen. Es streiken u. a. zur Zeit: 380 Zollboden-Arbeiter, nachdem vierwöchentliche Unterhandlungen vorausgegangen sind. Es handelt sich um eine Lohnmehrfordramg von 50 Oeren pro Tag. Es ist ein ähnliches Verhältnis wie bei den Hamburger Hafenarbeitern, 13„Vormämicr" bezahlen die Arbeitcr an» den auf Grund einer Taxe eingehenden Ladegebühren nnd behalten den Ucberschuß für sich. Daher wollen sie keine Lohnerhöhung. Ferner streiken die Schuhmacher gesellen, erstens wegen einer Lohndifferenz, dann aber auch, weil sie die Abschaffung der Heimarbeit fordern und verlangen, daß die Meister Werkstätten einrichten. Wie berechtigt die Forderungen der Gesellen sind, beweist am besten, daß 74 Meister bereits unterschrieben haben. Ferner haben 110 G e- seilen der D a m p f m ü h l e n die Arbeit niedergelegt, die an drei Dampfmühlen thätig sind. Die übrigen Meister haben die Forderungen der Arbeiter bewilligt, nämlich 24 Kr. Wochenlohn und 50 Oere sür Ueberstunden. Ferner mußten hundert S ch n e i d e r g e s e l I e n in P r o v i n z st ä d t e n die Arbeit niederlegen, iveil ein Teil der Meister nicht den zwischen der Gesellenorganisatioii und den Meistenverbänden für Jütland, Fünen und die Jnsclgcmeinden vereinbarten neuen Preiscourant mit etwa 20 Proz. Lohnerhöhung anerkennen wollten. Der Streik der Helft n görer Eisenschiffbau- arbeitcr ist durch Vergleich beendigt. Die Arbeiter er- langten Lohnzulagen pro Stunde von 3— 7 Oeren, je nach der Arbeit. � Die Maler um 8 Oere(von 32 ans 40 die Stunde).— In Schweden ist der Kampf zwischen Arbeitgebern und Arbeitern nun wieder ciucn Schritt weiter entwickelt. Das Ultimatum der Arbeitgeber für den Austritt der Arbeiter aus den Fachvcreinc», aiidernfälls sie ausgesperrt würden, ist abgelaufen. In den letzten Tagen hatten die Arbeitgeber, um sich den Schein der Nachgiebigkeit zu geben,„Vermittlirngsvorschläge" gemacht, die aber absolut unannehmbar waren, so z. B. daß je ein Repräsentant der Arbeitgeber jedem Fachverband angehören und dessen Verhandlungen und Bescblüsie kontrollieren solle. Ein anderer Antrag verlangte. daß die Verbände keine socialistischen seien usw. In H a I m st a d Ivurden bereits in den H u t f a b r i k c n 260 Gewerkschaftsmitglieder ausgesperrt. In O s k a r s st r ö m sind von 1000 Arbeitern 600, die Mitglieder der Fachverbände sind, cntlassen. Auch bei dem Sägewerk in Sun dsvall sind die orgaiiisierten Arbeiter entlassen. Bei K n b i k e n b o r g gehen nur 2 von 8, bei G u st a f s b e r g 4 von 7, bei I o h a n n a d a l 5 von 7 Sägewerken. Bei Söraker'nnd Fagervik sind nur wenige Arbeiter Verbandsmitglieder, bei Skönvid-Oestrand kommt der Konflikt erst in 8 Tagen zum Anstrag. In' H e l s i ii g s f o r s ist ein Streik der Gummi» Arbeiterinnen ausgebrochen, die höheren Lohn verlangen. Die Fabriken beschäftigen im ganzen 500 Arbeiter. Drohender Kampf im englischen Baugewerbe. Die beabsichtigte Konferenz zwischen den Unternehmern und Arbeitern des Stuccaturgcwerbcs wurde am 6. April in London abgehalten. Jede Partei war durch zwölf Delegierte vertreten. Man hatte ge» hofft, daß mit dieser Konferenz der Ausschluß der Stuccatenre sein Ende erreichen würde, aber leider hat sich die Hoffnung nicht erfüllt. und es ist noch nicht voranszusehen, welche Dimension der Ausschluß noch annehmen wird. Der Unternehmer Holdsworth empfahl folgende Punkte als Grundlage der Diskussion: 1. Die Praxis, Vormänner und Arbeiter zu zwingen, in die Gewerkschaft einzutreten. 2. Die Beschränkung der Lehrlinge. 3. Der Boykott gewisser Firmen seitens der Gewerkschaft der Stnccateure. 4. Die Weigerung, mit NichtMitgliedern zusammen zu arbeiten. Eine lange Diskussion wurde über diese Punkte geführt, aber eine Vereinbarung konnte nicht erzielt werden. Beide Parteien zogen sich dann zur Beratung zurück. Beim Wiedcrzusammentritt legten die Unternehmer den Arbeitern folgende vier Fragen vor: 1. Sind Sie genau bevollmächtigt, irgend eine Vereinbarung, die hier getroffen wird, abzuschließen und zu miterzeickmen? 2. Die Vcreiiibariiiigen, welche hier getroffen werden, sollen für das ganze Land in Kraft treten? 3. Sind Sie bereit, in eine Geldbürgschaft ans beiden Seiten für treue Beobachtung der Vereinbarungen zu treten? 4. Gemäß Ihres Briefes wünschen Sie iiiemaiidc» zu zwingen, und beanspruchen das Recht, nur zu bereden, in Ihre Gewerkschaft einzutreten. Halten Sie diesen Punkt aufrecht? Die Vertreter der Arbeiter antworteten auf die erste und zweite Frage mit ja. Die dritte Frage konnten sie nicht anerkennen, und für die vierte Frage erklärten sie, nicht gut sagen zu können, da die Mitglieder einer solchen Aktion nicht zustimmen würden. Da mm die Konferenz an diesem Punkte scheiterte, so werden wohl jetzt die Arbeitgeber die Aussperrung weiter ausdehnen. Es werden Stimmen laut,'eine allgemeine Aussperrung im Baugewerbe vorzunehmen. Sollte dieser Schritt gewagt- werden, so steht ein heißer Kampf in Aussicht, an welchem mehrere hnnderttausend Arbeiter teilnehmen würden. Es ist sicher, daß ein Sturm im Baugewerbe im Anzug ist. Am Ostermontag wurde eine Delcgierten-Vcrsammluug in Birmingham abgehalten. Auf dieser Versammlung waren alle Branchen, mit Aiiß- nähme der Steinhaner, im Bängewerbe mit ziemlich 400 000 Mit- gliedern vertreten. Die Verhandlungen wurden geheim geführt, ein Zeichen, daß die Arbeiter von einem Sturm überzeugt sind und sich zum Kampf vorbereite». In verschiedenen Orten ist eS schon zum Bruch gekommen. In Scarborough. einer Seestadt an der Ost-Küsie, wurden am 6. April 500 Bauarbeiter ausgeschlossen, weil sie sich weigerten, mit Nicht» Mitgliedern zu arbeiten. In Lciecster verlangten die Handlanger eine Lohnerhöhung von 8 Pf. die Stunde, jetzt bekommen sie 50 Pf. Da aber ihre Forde- riing abgeschlagen wurde, so legten sie am 6. April die Arbeit nieder, wodurch über 2000 Maurer arbeitslos wurden. Auch in Sunderland haben die Handlanger eine Forderung auf Lohnerhöhung gestellt, sind aber abgewiesen worden nnd werden wahrscheinlich die Arbeit einstellen, was mehrers tüusend Maurer in den Strei! pichen dürste. In Grimsby, an der Ostküste, haben die Bautischler die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen einen Stundenlohn von 66 Pf.. der zetzige Lohn beträgt 62 Pf. Mnkevnrhmvv-VovbÄnde» Der Verband deutscher Emaillierwerke theilt mit: Die maßgebenden belgischen, französischen, holländischen, schweizerischen, vstreich- ungarischen und süddeutschen Werke traten heute in Köln mit dem Verband« deutscher Emaillierwerke zu einem internationalen Verbände der Alcch- Emaillierwerke zusammen und unterfertigten ein sofort in Kraft tretendes und von Jahr zu Jahr zu prolongierendes VcrbandSstatut. Die gegew wärtige» Verbandspreise des deutschen Emaillierwerk« Verbandes wurden_ für den internationalen Verband acceptirt und für samt liche heimischen und ausländischen Märkte in einer Reihe Haupt sächlicher Artikel um b Proz. erhöht. Zu diesen erhöhten Preisen wurde der Verkauf für das 3. Quartal 1899 freigegeben. Für Lieferungen im 4. Quartal wurde eine spätere Preisfestsetzung vor- behalten. Sociales« Ueber die Arbeitszeit erwachsener männlicher Arbeiter in den verschiedensten Ländern der Erde veröffentlicht das Schweizer Arbeitersekretariat eine Zusammenstellung. Die kürzeste Arbeitszeit ist danach in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und in Australien vorhanden. Die Regierung der Union hat für ihre Arbeiten überall den Achtstundentag eingeführt. Aber auch ander- weitige öffentliche Arbeiten werden unter diesem System ausgeführt, desgleichen haben viele Private dasselbe übernommen. Im Staate Konnektikut gelten acht Stunden Arbeit vor dem Gesetz als ein Tage- Werk; was darüber hinausgeht, gilt als Ueberstunde. In der Industrie gilt der elfstündige Arbeitstag als Maximum, nur Haus- und land- wirthschaftliche Arbeiter dürfen länger beschäftigt werden. Im Eisenbahndienst und in den Bäckereien ist der Zehnstundentag gesetzlich eingeführt. In Australien giebt es keine gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeitszeit; dieselben sind dort überflüssig, denn der Brauch steht fest, daß mit Ausnahme der Strastenarbeiter, die zehn Stunden arbeiten, niemand länger als neun Stunden täglich beschäftigt wird. In etwa 65 Proz. aller Betriebe gilt bereits ,der Achtstundentag als Regel. Bemerkenswert ist, daß in vielen Arbcitszweigen die Arbeits- zeit an den Sonnabenden auf die Hälfte beschränkt wird. In Ost- indien herrscht in den Fabriken gesetzlich elfstündige Arbeitszeit mit Ve bis zu l�/estündiger Pause für Männer und Frauen. In Deutsch- land gelten nur vereinzelte Beschränkungen, namentlich solche aus hygienischen Rücksichten. So ist für Ouccksilber-Spiegelbelegen nur eine sechs- bis achtstündige Arbeitszeit gestattet, in Accumulatorcn- fabriken eine achtstündige. Im Bergbau herrscht zumeist eine zehnstündige Schicht mit Einschluß der Ein- und Ausfahrt. In England wird rn Staats- und Gemcindebetriebcn allmählich überall der Achtstunden tag eingeführt. Eisenbahn- Bedienstete haben dort das Recht, siö über zu lange Beschäftigung zu beschweren. Für Schiffsheizcr ist nur eine Maximalleistung von drei Tonnen Verfeuerung zulässig. In Belgien ist nur die Frauen- und Kinderarbeit zeitlich geregelt, in Frankreich die der Bahnangestellten sauf zehn Stunden), in Oestreich ist die elfstündige Arbeitszeit für Fabrikbetriebe festgesetzt, in Ruß- land 1 IVs stündige. In der Schweiz endlich bestimmt das Fabrikgesetz elf Stunden als Maximum, meist wird jedoch nur zehn Stunden gearbeitet. Danach rangiert Deutschland so ziemlich an letzter Stelle. Als Illustration hierzu dienen einige Mitteilungen über die Absicht der Generaldirektron der badischen Staatsbahnen, die Arbeitszeit ihrer An gestellten zu regeln. Danach soll für das Stationspcrsonal eine Dienstschicht von höchstens 19 Stunden eingeführt werden und die durchschnittliche tägliche Dienstdauer 8 Stunden betragen. Für Bahnwärter und Signalwärter soll die tägliche Dienstfchicht in der Regel 14 Stunden, bei einfachen Dienstverhältnissen 16 Stunden nicht überschreiten. Für das Zugbcglcitungspcrsonal soll die tägliche Beschäftigung im Monatsdurchschnitt 11 Stunden betragen und eine Schicht nicht über 16 Stunden dauern. Für das Lokomotiv- personal soll die tägliche Beschäftigung im Durchschnitt des Monats 19 Stunden, auf Nebenbahnen 11 Stunden nicht überschreiten; ein Maximum für die Einzelschicht ist hier überhaupt nicht festgesetzt. Jeder im Betriebsdienste ständig beschäftigte Beamte soll monat- lich mindestens zwei Ruhetage haben, so daß also das Jahr 340 Arbeitstage haben kann. Das ist deutsche Socialreform. Ueber die polnischen Niederlassungen im Nuhr-Kohlen- revier finden wir intcreyante Angaben im„Globus". Darnach be- finden sich jetzt dort weit über 199 999, vielleicht 159 999 Polen, die alle durch die seit dem deutsch-französischen Kriege dort rasch groß gewordene Industrie, namentlich durch den Bergbau angezogen wurden. Die Polen wohnen meist dicht zusammen, enttveder in eigenen Kolonien oder in bestimmten Ortsteilen, behalten deshalb meist ihre Muttersprache bei und bilden deshalb bereits beachtliche slavische Sprachinseln in diesem ursprünglich rein deutschen Gebiete. Die nalionalistischen Gesichtspunkte sind es denn auch, von denen der Artikel des genannten Blattes beherrscht wird. Für uns kommen mehr die sozialen Gesichtspunkte dieser That fachen in Frage. Nach allen bisherigen Erfahrungen wirken nämlich die Polen für die deutschen Arbeiter des Ruhrrevicrs als Lohndrücker. Das geht auch aus einer Reihe von Umständen hervor, die in dem uns vorliegenden Artikel hervorgehoben werden und wird überdies direkt ausgesprochen. Die Polen„begnügen sich zumeist mit Speck. Heringen, Brot, Kartoffeln und Schnaps. Keine Wohnung ist ihnen zu schlecht"....„Die Polen haben einen großen Anteil an den Vergehen und Verbrechen."...„Sowohl was Bildung als Ge- sittung betrifft, steht der polnische Einivanderer auf einer weit niedrigeren Stufe als der Durchschnitt der einheimischen oder sonst hier thätigen Arbeiter." Auch die granulöse Augenkrankheit und die bösartige Wurm krankheit haben die polnischen Arbeiter eingeschleppt. Schließlich führte ihre Unkenntnis der deutschen Sprache, die sie verhinderte, die Schutz- Vorschriften in den Gruben zu lesen und ihnen auch die Verständigung mit ihren deutschen Kameraden im Gefahrenfalle unmöglich machte, eine starke Gefährdung des Lebens und der Gesundheit der Arberter herbei, eine Thatsache, die ja auch in der bekannten Sprachen Verordnung vom vorigen Jahre behördlich anerkannt wurde. Aus alledem ergrebt sich, daß die Polen ein ökonomisch und kulturell sehr tiefstehendes Element sind und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die massenhafte Anwesenheit derartiger Arbeiter (1893 fast ein Viertel der gesamten Belegschaft und jetzt wahrschein lich noch mehr) eine stark niederdrückende Tendenz auf die Wirtschaft liche Lage und den gesamten Kulturstand der einheimischen Arbeiter ausüben muß. Die Aufklärungsarbeit der organisierten einheimischen Arbeiter wird zudem sehr erschwert nicht allein durch den geistigen Tiefstand des polnischen Elements, sondern auch durch die Sprachenverschiedenheit. Arbcitcrrisiko. In einer Ziegelei in Rcgensburg kam eine Arbeiterin auf schreckliche Weise ums Leben. Die Unglückliche war in der Nähe des Aufzuges beschäftigt. Als der Aufzug, der mittels Elektricität in Betrieb gesetzt wird, in Bewegung war, ging die Betreffende einen Schritt rückwärts. In diesem Moment kam der Aufzug herab und zerdrückte der Armen den Kopf. Der Rand des Aufzuges riß ihr den Kopf beinahe vom Rumpfe. Der Tod trat sofort ein._ Demokratie und erörtert dabei da? Wesen der Genossenschaften, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und die Aufgaben der Gewerkschaften. Er kommt zu dem Schluß, daß die Gewerkschastsaktion nur einen defensiven Charakter gegenüber den niederdrückenden Tendenzen der kapitalistischen Produktionsentwicklung, haben können, nicht aber, wie Bernstein meine, zur Beherrschung der Produktion durch die Arbeiter führen könne. Hinsichtlich der politischen Demokratie wird dargelegt, daß sie durchaus nicht die notwendige politische Form für die groß- kapitalistisch-bürgerliche Gesellschaft ist und es daher ganz verkehrt wäre, von dem durch vorsichtiges Lavieren nicht verschüchterten guten Willen der.Bourgeoisie die Befestigung der Demokratie zu erhoffen, daß vielmehr die socialistische Arbeiterbewegung die einzige Stütze der Demokratie ffei und das Schicksal der Demokratie daher abhänge von dem Schicksal der socialistischcn Arbeiterbewegung. Nr. 4 handelt von der Eroberung der politischen Macht, be- handelt also vornehmlich den Kernpunkt der Frage: Reform oder Revolution. Er untersucht das Wesen der Klassenkämpfe, legt dar, daß die Lohnsklaverei, die wirtschaftliche Unfteiheit des modernen Proletariers, die Ausbeutung, keine rechtliche, sondern eine rein Wirt- schaftliche Potenz sei, daß sie daher keineswegs durch einfache Gesetz- gebungsakte im Rahmen des bürgerlichen Parlamentarismus beteiligt werden können, sondern nur dadurch, daß das Proletariat die politische Macht ergreift. Im letzten Artikel wird der Opportunismus in Theorie und Praxis erörtert. Er gipfelt in der Darlegung, daß das Bemsteinsche Buch nur der theoretffche Ausdruck vorhandner praktisch-opportunistischer Strömungen sei; daß es der erste, zugleich aber auch der letzte Versuch sei, den Opportunismus theoretisch zu begründen; der letzte, weil er eine Abschwörung des wissenschaftlichen Socialismus sei. Die Artikel der„Leipziger Volkszeitung" werden von einigen Parteiblättern zustimmend übernommen. Drei Artikel der„S ch w ä- bischen Tagwacht" beschäftigen sich hauptsächlich mit der Wider- legung der Bernsteinschen Einwendungen gegen die materialistische Geschichtsauffassung. Die Erfurter„Tribüne" wendet sich gegen die Empsehlung der sogenannten Reformtaktik. Die„Rheinische Zeitung" nimmtin einem Resümee über das Buch eine in der Hauptsache ablehnende Haltung ein, wendet sich jedoch gegen die heftige Art, in der von einzelnen Blättern gegen Bernstein gekämpft werde. In der„Sächs. Arbeiterztg." ist„Parvus" bis zum vierten Artikel gelangt. Er untersucht zunächst die Auffassung Bernsteins von der Marxschen Theorie und beschuldigt ihn der Verwirrung des Sinnes derselben. Es wird dann das Wesen der Revolution unter- sucht, die Frage erwogen, was ein siegreiches Proletariat 1848 in Deutschland hätte thun können, um dem Socialismus die Wege zu ebnen und daraus die Folgerung gezogen, daß es auch damals nicht „zu früh" gewesen wäre für das Proletariat, die politische Macht zu ergreifen._ Vevsammlungen« Ueber den Krefeldcr Weberstrcik referierte in einer Volks- Versammlung, die am Montag bei Stechert, Andreasstraße, tagte. Karl R a p p aus Krefeld. Der Redner schilderte, nachdem er die technische EntWickelung in der Textilindustrie, die Lohn- und Arbeits bedingungen und des weiteren die politischen und gewerkschaftlichen Organisationsverhältnisse am Nicderrhein beleuchtet hatte, in ein- gehenderweise die Ursachen und den bisherigen Verlauf der Bewegung. Daraus war zu entnehmen, daß der Stand des Streiks sich fast gar nicht verändert hat und seit dem Beginn desselben eine wesentliche Ver- änderung der Situation nicht zu verzeichnen ist. Die Fabrikanten die von vornherein darauf rechneten, daß die christlichen Arbeiter sich ihnen zur Verfügung stellen und sich an dem Kampfe ihrer Klassengenosscn nicht beteiligen würden, haben sich arg getäuscht. Denn trotzdem, daß es die Führer der christlichen Arbeiter an Ver- suchen, eine Spaltung der Arbeiterschaft herbeizuführen, nicht haben fehlen lassen, hat sich während der 16 wöchentlichen Dauer der Lohnbewegung bis jetzt kein einziger Streikbrecher gefunden. Für die Fabrikanten, die infolge des Aufschwungs der Textilindustrie in dieser Branche und den großartigen technischen Neueinrichtungen zu mehrfachen Millionären geworden sind und welche die Forderungen der Arbeiter ohne weiteres be- willigen könnten, handelt es sich keineswegs um die Lohndifferenzen, sondern vielmehr ist ihre Absicht, die klassenbewußte geioerkschaftlrche Organisation zu vernichten. Dieser von den großkapitalistischen Unternehmern provozierte Kampf ist ein Klassenkampf, diktiert von dem Bestreben, die aufstrebende Arbeiterschaft wieder auf lange Zeit niederzuhalten. Nachdem der Redner noch darauf hingewiesen hatte, daß die Arbeiterbewegung am Niederrhein in der letzten Zeit und ins- besondere während des gegenwärtigen Kampfes sehr günstige Resultate zu verzeichnen hat, plädierte er für recht rege Unterftiitzung der Aus- ständigen, um ihnen den baldigen Sieg über das protzige Fabri- kautentum zu ernröglichen. der nicht nur für die gewerkschaftliche, sondern auch für die politische Bewegung im Interesse der gesamten Arbeiterschaft große Vorteile zeitigen wird. Eine Diskussion über die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen wurde nicht beliebt und folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die Volksversammlung erkennt nach den Ausführungen des Referenten an, daß der Streik der Krefclder Weber ein berechtigter ist und er- klärt, mit besten Kräften zu wirken, um den Krefelder Webern zum Siege zu verhelfen."— Sammellisten für die Ausständigen sind im Gewerkschastsbureau, Annenstr. 16, zu haben. Die Maurer centraler Richtung hielten am 7. April bei Cohn eine Mitgliederversammlung ab. Den Bericht vom Verbandstage erstatteten in längeren Aussühruugen Zöllner und Schulz. In der Diskussion sprach Leonhardt. Redner kritisierte das Ver- halten des Verbandstages betreffend die Accordarbeit. Er meinte. der Verbandstag hätte einen Beschluß fassen müssen, daß die Accord- arbeit korrekt bekämpft werde resp. Verrichter selbiger die Mitgliedschaft verlieren. Diese Kritik wurde von B a b e und F r e n z e l mit der Be- gründung zurückgewiesen, daß die Kollegen vom Grundprincip des Ver- bandes noch nicht durchdrungen und es$ier an der Aufklärung derselben fehle. Die Agitation hat sich zur Aufgabe gemacht, dahin zu streben, daß die Accordarbeit vollständig beseitigt werde. Solange dies noch nicht anerkannt, könne ein korrekter Beschluß des Verbands- tnges mcht dienlich sein. Ein Antrag. daS Protokoll obligatorisch einzuführen, wurde einstimmig angenommen. In den Ausschuß wurden Silberschmidt, Frenzel, Muck, Knappe und a r r e i ß gewählt. Auf Grund eines früheren VersammlungS- BefchluffeS und auf Grund des§ 15 des Statuts wurden die Maurer Aug. Behr, Lübbenerstr. 4. Wilh. Pfeiffer, Schönleinstr. 8, Theod. Grünberg. Eisenbahustr. 8, Arthur Schadewitz. Grünauer- straße 26, ausgeschlossen. Der Zentralverband der Manrer(Zahlstelle I Berlin, Putzer) hielt am Sonntag bei Cohn. Beuthstraße. eine Versammlung ab. Vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung ersuchte der Vorsitzende Schulz den Zuzug der Putzer nach Rügen fernzuhalten und des weiteren den Beschlüssen der öffentlichen Versammlungen genügende Beachtung zu schenken. Ferner gab er bekannt, daß es notwendig ist, daß auf den Sammellisten neben Namen auch die Nummer der Streikkarte vermerkt wird. Dem Kassenbericht, den der Kassierer K e l p i n erstattete, war zu entnehmen, daß die Einnahmen im ersten Quartal inkl. des alten Bestandes von 812,47 M. insgesamt 1641,87 M. betrugen. Die Ausgaben beliefen sich auf 1994,69 M.. so daß ein Bestand von 547,27 M. verblieb. Der Mitgliederbestand der Zahlstelle betrug am Schluß des Quartals Si»a s34- Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer die Decharm Jttllir vts-OCtllflCUl jCljCH Hierauf berichteten Schulz und Dähne über die Bcschluffl Die Zahl der Preßäußerungen zu Bernsteins Buch schwillt immer mehr an und macht es uns unmöglich, von jeder Einzeläußerung ausführlicher Notiz zu nehmen; ivir müssen uns mit einem zu- sammcnfassenden Resümee über die vorliegenden Stimmen begnügen, zumal Wiederholungen der verschiedenen Argumente dabei ganz natürlich sind. In der„Leipziger Volkszeitnng" bringt r. I. mit noch drei Artikeln die Kritik zu Ende. Nr. 3 behandelt die wirtschaftlickie und polittsche! erteilt. Hierauf berichteten Schulz und Dähne über die Bcschlüise und den Verlauf des verflossenen Verbandstages. Nach einer kurzen Dis- kussion, in der sich B u d h a zu einigen Puntten krittsierend äußerte und in der E. S i m a n o w s k i den Bericht im„Vorwärts" über den Ver- bandstag, weil in demselben die Begründung der gefaßten Beschlüsse nicht genügend enthalten ist, bemängelte, wurde beschlossen, die Debatte über die Verhandlungen des Verbandstages in der nächsten Mitgliederversammlung fortzusetzen. Als Kandidaten für den Aus- schuß, der seinen Sitz in Berlin hat und insgesamt aus 9 Mitgliedern Lerachlvortlichcr Redacteur i August Jacobey in Berlin. Kür den Inseratenteil verantwoxtlich: Th.«locke m Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu besteht, wurden Lempfuhl. SimanowSki und Dähne nominiert. Das Wahlresultat wird in der nächsten Versammlung bekannt gegeben werden. Die Abrechnung und die Neuwahl der Unterstützungskommission wurde gleichfalls bis zur nächsten Ver- sammlung vertagt. Die Zimmerer der centralen Richtung nahmen am Donnerstag- abend in den Arminhallen den Bericht über den Bauarbeiterschutz- konqreß entgegen. Sie erklärten lsich mit den Beschlüssen des Kon- gresses einverstanden und verpflichteten sich, olle Unfälle und Miß- stände auf Bauten und Arbeitsplätzen unverzüglich an das Bureau Stralaucrstr. 43 zu melden, damit das gesammelte Material zu gc- eigneter Zeit verwendet werden kann. Hierauf wurde beschlossen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu seiern; der Vertrauensmann soll zum Vormittag des 1. Mai eine Versammlung einberufen, in der an alle Feiernden unentgeltlich Maimarken zur Kontrolle verabfolgt werden. Ueber das bekannte Plakat des Arbeitgeberbundes entspann sich eine rege Debatte. Im Verlaufe derselben wurde mitgeteilt, daß der Arbeitgeberbund an seine Mitglieder Listen zur Aufnahme der „Arbeitswilligen" gesendet hat. Diese Listen sind in Form von Fragebogen gehalten, die zugleich die Zwecke der„schwarzen Liste" erfüllen sollen. Allem Anschein nach dürfte der Arbeitgeberbund mit dieser Manipulation kein Glück haben, da nicht allein die Organi- sierten die Unterschreibung der Listen verweigern, sondern, wie bereits geschehen, auch die Nichtorganisierten. Die solgende Resolution gelangte dann zur Annahme: Die Zimmerer erklären aus die unterm 17. März ergangene Aufforderung des Arbeitgeberbundes, sich in die Listen der Arbeitswilligen eintragen zu lassen: der Ausdruck„Arbeitswillige" in dem Sinne, daß es in Berlin und Umgegend Zimmerer giebt. welche nicht arbeiten wollen, wird mit Entschiedenheit zurückgewiesen, da sämtliche Zimmerer bemüht sind, durch redliche Arbeit sich und ihre Familie zu ernähren. Das Vorgehen des Arbeitgeberbundes ist nicht dazu angethan, Ruhe und Frieden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herbeizuführen; vielmehr geht daraus hervor, daß der Arbeitgeberbund kein Interesse an einem geregelten Arbeitsverhältnis hat. Meint der Arbeitgeber- bund das Versprechen an die Arbeitswilligen ehrlich, so muß er unter allen Umständen den von den organisierten Zimmerern gemachten Vorschlag, einen gemeinsamen Arbeitsverttag abzuschließen, annehmen. Das jetzige Vorgehen des Arbeitgeberbundes, durch allerlei Ver- lockungen und Versprechungen die Zimmerer ihrer Organisation abspenstig zu machen und diese so zu schwächen, daß sie nicht mehr wie heute ins Gewicht fällt, wird als ein Trick der gewöhn- lichsten Sötte energisch abgewiesen. Die Versammelten protestieren gegen das Verlangen des Arbeitgeberbundcs und versprechen, sich nicht in seine ausgelegten Listen einwogen zu laffen. Ferner erklären sie, soweit dies noch nicht geschehen, dem Cenwalverband der Zimmerer beizuweten. Knüpf er gab einen kurzen Bettcht über seine Thätigkeit in der Gcwerkschastskommission. An seine Stelle wurde K u b e zum Delegictten und Leonhardt zu deffen Vertreter gewählt. Zum Schluß machte Webers darauf auf« merksam, daß die Bekanntmachungen der lokalorganisietten Zimmerer zwar mit„Die Vertrauensleute" gezeichnet seien, daß er diesen Be« kanntmachungen fernstehe. Fricdrichsfclde. Die Versammlung der Maurer faßte am 5. April den Beschluß, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen. Wetzte M« Germanen", sämmtlich in Wien, aufgelöst. Teutschbrod(Böhmen). 11. April.(23. T. 23.) Im Walde bei Polna wurde am 1. d. M. die verstümmelte Leiche derNäherin Agnes Jruza gefunden. In Polna und Umgebung verbreitete 'ich ein Gerücht, welches die Juden mit der Mordthat in Ver- bindung brachte; es machte sich dcßhalb eine bedenkliche Gährung geltend, und es wurden umfassende Vorkehrungen getroffen, uni etwaigen Ausschreitungen vorzubeugen. Als mutmaßlicher Mörder ist der israelitische Schuhmacher Hülsner verhaftet worden. Brest, 11. April.(W. T. B.) Drei Fischcrfahrzeuge haben Schiffbruch gelitten; einige zwanzig Personen sind dabei ums Leben gekomme». Brüssel, 11. Apttl.(B.H.) Ein Pattser Korrespondent deS Brüsseler Soir" meldet, daß demnächst fentationelle Enthüllungen des F ü r st e n v o n M o n a c o über die Dreyfus-Affaire stattfinden werden. Der Fürst soll sich einige Wochen vor dem Tode Felix Faurcs ins Elysee begeben haben, um dem Präsidenten Faura amtliche Schttftstücke aus der österreichischen und italienischen Bot- 'chaft zu überreichen, welche die Unschuld Dreyfus' erwiesen. Faure habe dieses Ansinnen abgeschlagen. Rom, 11. Apttl.(W. T. B.) In der Ansprache, welche der Papst bei dem heuttgen Empfange des Kardinalkollegiums hielt, drückte er zunächst seinen Dank gegen Gott aus dafür, daß er seine Gesundheit wieder erlangt und äußerte sodann in längerer Rede seine lebhafte Befriedigung über das Friedensmanifest deS Zaren. Der Papst drückte endlich den Wunsch der Kirche aus, an den Beratungen der Abrüstungskonferenz teilzunehmen:„Die Kirche, als Mutter der Völker, wünscht nichts lebhafter, als ihren Beruf als Feindin deS Blutvergießens und als Friedenbringerin nicht nur im Reiche der Gewissen, sondern auch m den öffentlichen Angelegenheiten zu er- stillen. Im Rahmen der ihr gestatteten Bewegunasfteiheit hat die Kirche immer direkt bei wichtigen Begebenheiten der 2Leltgeschichte eingegttffen und damit der Menschheit gute Dienste geleistet." Sondrio, 11. April.(W. T. 23.) In der vergangenen Nacht wurden in der Ortschaft V a l l n r v a(?>, in der Nähe von Bormio. durch Feuer etwa 190 Häuser zerstött; zwei Personen kamen bei dem Brande ums Leben. Der Schaden wird auf 400900 Lire geschätzt. Bukarest, 11. Apttl.vendcn miissen, um diesen legislatorischen Aufgaben in absehbarer Zeit gerecht zu werden. Ich bitte daher, dafi Sie sich hier sowohl selbst immer mlfhalten mögen, als auch auf die anderen Herren Kollegen ein» wirken, dafi sie dies thuil, dannt wir diesen imseren Aufgaben gerecht werden.(Bravo!) Da» HauS tritt darauf in die TagcLordnnng ein. Zunächst wird in zweiter Bcrathung die Uebersicht der Reichö-AuS- gaben und-Einnahmen siir das Etatsjahr 1897/08 debatteloS für erledigt erklärt. Es folgt die erfte Beratung des EntivnrfeS eines Gesetzes, betr. das Flaggcnrccht der Kauffahrteischiffe. Danach soll als Nationalflagge siir Ransfahrteischisse anSschließlich die ReichSflaggc gelten. Zur Fühnnig dcrielbcu sollen die Kaussahrteischifie»mr rcchtigt seil»,»venn sie im ausschließlichen Eigentum von Reichs- angchörigen stehen. Abg. Bafiermanu snatl.) begrubt vom nationalen Gesichtspunkte au« die ckuheitliche Rc- gcluiig dieser Frage auf dem Wege der ReichSgesctzgcbnng, hält aber eine eingehende Durchberatmig der Detailbestiinmnugen für durchaus notlvcndig und beantragt zu diesen» Behuse Uederweisuug an eine Kommissioa ES könuten z. B. die Bestininiuiigcn über das Schiffsregister zu Zweifeln Anlast geben. Es mutz klar zuin Ansdnnt gebracht iverden. ob der Wohnsitz der Rheder odrr der AnSlaufShafen maßgebend fem solle. Abg. Frrefe(fr. vgg.) ist der Ansicht, daß der Sitz der Nhedcrei stets als Heffnatshafen zu gelten habe. Redner schließt sich den» Wunsch anf eii»e Ueberiveisnng an eine Koinrnissioii an. DaS Haus bcschlicstt denigemäß. ES folgen Wahlpriifnngett. Die Wahl der Abgg. von Bonin-Bahrenbusch skons.), Krämer suatl.), Graf v. Bismarck- Bohlen sk.) werden b e- anstandet, die der Abgg. Franken snatl.), B a s f e r» m a u n(iiatf.), v. B l ö d a u slvild), Heilige», st adt t>»atl). für g ii l t i g erklärt. Die Petitionen, betr. die Grundstücks- und Hypotheken maller»Verden dem Reichskanzler als M a t e r i a I übcnvieseli, die Petitionen, betr. die Frachtverbindung zwischen den mitteldeutschen Jndustricbezirten und England solle» nach dem Kommissionsailtrag zur Erwägung übcnvicscn»vcrdcn. Präsident des RcichS-Eiscilbahliamts Schultz teilt mit. daß ei» besonderer Kursivagcu bereits jetzt eingestellt, aber»venig benutzt sei. Abg. v. Frege(l) bittet um Liinahme des ftommissioiis- antragcs. Das HauS beschließt demgemäß. Bei der Petition, bctreffe»id anderweisige Regewng deS A p o- t h e k e» w c s e u s, bedauert Abg. Hiiffcl(Rp.), daß die Regienmg keine Erklärung darüber abgebe. Die Petition wird als Material überwiesen. Die Petition, betreffend die Verordnung über den Betrieb von Bäckercici» und Konditoreien, wird als Material, die Petition, betr. die Ausstcllungsbcrechtigimg zum Garuisouschreiberdienst zur Berück- sichtiguiig überwiesen. ES folgt die Petition, betreffend Abänderung deS Wein- gesetzeS. Abg. Bicsenbach(C.) bittet mit Rücksicht auf die erheblichen Schädigungen der Winzer durch die Kunstweinfabrikation um baldige Eiubriliglliig eines neuen Weingesetzcs. Abg. Haust(Els.) schlictzt sich diesem Wunsche an. Abg. Schädlrr sE.) schließt sich dem Herrn Collega Biescnbacki ebenfalls a». Abg. Höffe!»pscSmuthe« am liebsten der irdischen Bor- schnng, die ihn auf Schritt und Tritt in Gestalt von Ordnungs- mächien beschützt, und cS mutz ihm schon sehr stark eingeheizt werden, wenn er sich ans seiner Trägheit eimnal für einige Stunden aufraffen oder gar für seine Sache öffentlich in den Dienst treten soll. War unter solchen Uinständcn, die sich bei einer Nachivahl»och viel schärfer gcltcud machen mußten, als bei der Hcuiptwahl. der Sieg der Socialdemokratie noch zweifelhaft? Unter weit»ingünstigeren Umständen als vor 10 Monaten»varen»vir in den Wahlkampf getretnr. Ueber dreitausend Arbeiter- Wähler »varen verzogen, und doch eine Stimmenzahl, die den Vergleich niit dem Rcsnlat vom 16. Juni getrost aushalten konnte, eine Stimmen« zahl, die uns im ersten Wahlgange einen glatten, ent« scheidenden Sieg brachte. Freilich»var harte Arbeit notwendig gelvesen, und vom Morgengrauen an hieß es auf den Beinen sein. Keine Muhe»var zu scheuen, un» die Trägen aufzurütteln, u»n den in»veiter Ent» sernung Wohnenden oder Arbeitenden doch hier und da die Bcthcili- gnng an der Wahl möglich zu machen. Uin so freudiger»var der Jubel, der ausbrach, als gegen ll Uhr abends das Rcsultat auf den Straßen Berlin« und in den Partei- lokalen bekannt wurde. Die energische Forderung der Organisation. a»» der wir»ach den Ersahrnngcn des vorigen Jahres mit Eifer gearbeitet hatten, hat frühzeitiger als mancher glauben mochte, ihre guten Früchte getragen. Der Eifer»mter den Parteigenossen»vird anhalten und bei den nächsten Ha»i pt mahlen dahin führen, daß nicht allein der zweite Wahlkreis mit starker Macht festgehalten, sondern ganz Berlin der Socialdemokratie erobert wird! ** * Di« Bcrkimdmig dcS Wahlresultats fand am Dienstag Abend in vier bis zum letzten Platz gefüllten Bolksversammlniigen statt. Am stärksten war der Andrang in der B o ck b r a u e r e i. Der riesige Saal war von einer nach Tausenden zählenden ans Männern »nd Frauen bestehenden Menge gefüllt. Schon lange vor Beginn der Bersaninilnng erfolgte die polizeiliche Absperrung des Lokals und Taufend« von Proletarier»» harrten auf der Straße der Bekanntgabe des Wahlresultats. Im Saal herrschte enisteS Schweigen. Schien doch den meiste» der Anwesenden, angesichrs der besonders schivierigen Verhältnisse, unter denen die Rach>vahl vor sich ging, der Ausgang derselben zweifelhaft. Uin so größer»var der Jubel, ivrlcher bei der Ber- lündimg des Endrestiltats und des Sieges unseres Ge» nossen Fischer ausbrach. In nicht endenwollenden Hoch- rufen auf die Socialdemokratie»nid deren Erwählten Richard Fischer gab sich die Siegesfrcude kund. Nachdem die lebhaften Kundgebungen sich gelegt hatten, nahm Genosse Fischer zu einer kurzen, temigen Ansprache das Wort. Der Sieg der Socialdemokratie— sagte er— sei die Antivort aus den gegen- wärtigen ZuchthausknrS. Wenn der zweite Wahllrcis diesmal schon in der Ha»pt»vahl gesiegt hat. so verdanke er das nicht zun» wenigste»» der Mithilfe und der Arbeitsfreudigkeit der Parteigenossen aller übrige»» Berliner Wahlkreise, denen an dieser Stelle da- für der Dank auszusprechen sei. Ebenso verdiene die Thätigkeit des Vertrauensmannes, Genossen Wem«. Anerkennung, der mit Umsicht und Ausdauer die Wahlarbeiten geleitet habe. Genosse Fischer schloß mit der Versicherung, daß er sich deS Vertrauens seiner Wähler da- durch»vürdig zeigen werde, daß er im Reichstage in vollem Maße seine Schuldigkeit thne. Wieder ertönten brausende Hochmfe auf Fischer. Helle Freude verklärte die von den Mühseligkeiten und Sorgen des Daseins durch- furchten Züge der Proletarier. Man sah es diesen wetlerharten Ge- stalten an, daß ihre Freude au« bclvcgtem, von der Sache des kämpfende» Proletariat« durchglühten» Herzen kam. Die Genossen schüttelten sich gegenseitig die Hände und gaben in lebhaften Worten ihre Genugtuung darüber zu erkennen, daß die wochenlange, schwere und mühevolle Wahlarbeit, deren sich die Berliner Parteigenossen mit bekannter Lpfcrwilligkcit unterzogen hatten, von Erfolg gekrönt wurde, und der zweite Wahlkreis, trotz aller Machinationen der Gegner, unwiderruflich der Socialdemokratie gehört. Zum Schilkanfang ist eS diesmal in den Gemeindeschulen ganz besonders stürmisch zugegangen. Der Mangel an Gemeinde- »chulen ist in einigen Stadtgegenden jetzt so groß, daß die Rektoren angesichts der Kinderscharen, die ihnen bei Beginn des Swiimer- seniefterS zugeströmt sind, nicht ans noch ein»visscn. Da wird cS ein N m s ch ii l e n geben,»vie es seit langem nicht dageivesen ist. Natürlich erledigt sich das nicht in 24 Stunden, sondem eS dauert mehrere Tage ja selbst eine Woche»znd länger, bis alle Kinder untergesteckt sind. Bis dahin müssen die Kinder in den überfüllten Räumen aushalten— zum Schaden nicht nur der Gesundheit, sondem auch deS UnterrichtZerfolgcs; denn selbstverständlich kann vor Beendig, nig der Umschulunge» von einem rechten Unterrichten kaum die Rede sein. Eine Vorstellung davon, wie schreiend die Mißstände in unseren Gemeindeschnlen sind, »uögc»nan sich aus der Thalsache bilde»», daß die Aufiiahmellnssc einer im Norde» gelegenen Schule diesmal über 100(hundert!) Kinder zunächst hat aufnehmen müssen. Diese über 100, in einem einzigen Raum zusammengepferchten Kinder müssen zunächst, bis die Ucberzähligen au andere Schulen abgegeben sind. auch zlisomnieir untcrrilbtct werde»», also täglich 3 bezw. 4 Stunden in dem unerhört überfüllten Räume sitzen. Zödlichc Vergiftung aus UnkennkniS der Cigeuschaftcn dcr Salpetersäure. In der Nensilberwaren-Fabrik von Riihl. Dresdener- straße 35, hat am Sonntag ein Arbeiter Salpetersäure(Scheide- ivasscr). die infolge des Zerspringeiis eines Ballons auf de» Boden geflossen war. durch Aufsircuen von Sägespähncn am Weitersließen verhindern wollen, wodurch eine heftige Eiitwickelung von Unter- salpctersäure erfolgen mußte, an deren Einatmung der betreffende Arbeiter ain Montag gestorben ist. Dieser Todesfall»väre ver- mieden worden, wen» entweder die Gewerbe-AnssichtSbehörde od« die betreffende Bcmfsgenossenschaft darauf bedacht gewesen»väre», denjenigen Jildnstriellcn. die in ihren Betrieben größere Mengen Salpetersäure brauchen, einzuschärfen, daß vergossene Salpetersäure nie mit Sägespähnen. Stroh od« dergleichen aufgenommen werden darf, da dann eine heftige Entwickelung von Untersalpeter- säure-Däinpfen eintreten niutz, die eingeatmet das Leben im höchsten Maße bedrohen. Der Gewerbc-AufsichtSbehörde ist dies sehr wohl bekannt. Außer anderen dadurch vemrsachten tödlichen Unfällen»veiß sie, daß am 18. Mai 1897 in Elberfeld zwei und am 2. Juni darauf bei einem Brande in der Scheringfchen Fabrik ein Feuerwehrmann durch, Einatmen dies« Dämpfe ums Leben gekommen ist. Dem Laien liegt aller- dings der Gedanke nahe, vergossen« Säuren ebenso wie Oel und Wasser durch Sägespähne aufsaugen zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß unsere Gewerbe- Aufsichtsbehörden und Bcrufsgcnoffen- schaftcn streng darauf hielten, durch entsprechende Instruktion der Gctverbsthätigen derartige verhängnisvolle Irrtümer zu be- seitigcn. Sie könntci» dadurch mehr Nutzen stiften, als durch ihre gewissenhasten Registrierimgen von eingerichteten Arbeit«- Sparkasse»! und Verleihung von Medaillen an Arbeiter in ihren jährlichen Publikatioiieu. Wäre die ausgelaufene Salpetersäure in obigem Falle einfach reichlich durch Wasser fortgespült worden, so hätte sie die Gesundheit keines Menschen schädigen können. Die Art und Weise der tödlichen Wirkung der eingeatmeten Untersalpeter- säurcdämpse ist durch die Untersuchungen von Prof. Dr. Koefel in Leipzig außer Frage gestellt. Sie besteht hauptsächlich darin. daß unter ihrem Einfluß die Blutkörperchen zu Klümpchen zusammenkleben, ivclche die Kapillargesäße des LmigengewebeS verstopfen. Diese Thrombenbildung bewirkt eine entzündliche Erstickung des Betrosfeiien, wobei der Tod»mter furchtbaren Schmerzen eintritt. Der Korbmacher Fischer ernährt sich jetzt anscheinend aus- schließlich vom Verleumden der Socialdemokratie. Er hat abermals den Auftrag erhalten, unsere Partei und ihre„Führer" mit Kot zu hcwerfcn und die neue Ordre in einer Broschüre„Hoch die Führer der Socialdemokratie" prompt ausgeführt. Anscheinend ging die von irgend einem Stümmliag erteilte Anweisung diesmal dahin. Social- dcmokratie»md Anarchismus als einen Leid und eine Seele darzu- stellen. Auch macht Fischer in dein so sehr beliebten Thema der „freien Liebe", indem er die Frauen»rgcndivelchcr„Pnrtcibndikcr" bezichtigt, daß sie ihren Ehemännern untren geworden seien. I» diesem Tratsch geht es weiter. Einem Parteigenossen wird der Vorwurf gemacht, daß er eines Tages bis Mittag geschlafen habe, wodurch er, Fischer, selber, der bei dem Langschläfer um Beschäftigung nachgesragt habe, nicht abgefertigt worden sei. Auch einige Ncichötags-Abgeordiicte»verde» von dem»cuen Cato gerüffelt, weil sie angeblich von der Redallion des„VorlvärtS" ans nach der Kranscnstraße gehen und dort Wein trinken. Geiing, Betrüger Fischer ist diesmal sehr dürftig, und die Stinmnlinge iverden ihm, wenn er nächstens nicht pikant« wird. bald den Brotkorb höher hängen, namentlich, da er sich nnterstcht, einige sein« Konkurrenten in der Socialistenvernichtnng, unter anderen den Kieler Werftarbeiter Lorentzen, ans Brotneid herunterzureißen. Interessant ist in der neuen Sndelschrift deS Betrügers die Mitteilung, daß bisher von seinem Werke 300 000 Exemplare abgesetzt worden seien, wovon die große Mehr- zahl natürlich von arbeiterfeindlichen Untemehmern den Ans- gedeuteten aufgezwungen worden ist. Ist die Prahlerei des Fischer auch mir zur Hälfte wahr, so zeigt sie immerhin,»vie wehrlos unsere Feinde im„Kampfe mit geistigen Waffen" gegen uns sind. Die Fischersche Broschüre sollte Übrigens, wie wir zuverlässig er- fahren, in dem Stichwahlkampfe, anf den die bürgerlichen Parteien slark rechneten, eine Rolle spielen. Man wollte die VerlcnmduugS- schrift i» großen Massen unter den Arbeitern zu verbreiten suchen. Damit ist es nun allerdings nichts geworden»md dem braven Fisch« geht ein brauchbarer Gelvinn ans der Nase. Kaöpcrle in der„Deutsche» Tageszeitung" erzählt folgende Geschichte:„Ein Tischlcrgeselle in der Naunyustraßc, der sich als eifriger socialdcmokratischer Agitator herv orgethan und deshalb seine Stellung verloren hatte, geriet in große Not. Da er eine zahlreiche Familie zu erhalten hat, wandte er sich, mit« Berufung auf seine Thätigkeit für die Socialdemokratie, an das Partei- Organ, den „Vorwärts". Da kam er aber schön an, er wurde herauskompli» mcnticrt mit dem Bescheide, hier sei keine Untcrstiitzungskasse. er möge sich mir an die Armendirektion wenden! Selbst die anwesenden Socialdemokraten»vußten nichts zur Beschönigung eines solchen Ver- fahrens vorzubringen." Kasperle ist vielleicht so fmmdlich und teilt uns die Personalien deS Mannes mit, der als eifriger soeialdcmokratischer Agitator auf der Rebaktion des„Vorwärts"' um Nnterstiitzung gebeten hat und von ihr an die Anncndirektion verwiesen»vordeii ist. Dies Ersuchen sollte Kasperle um so eher erfüllen, als»hm dadurch am Ende Ge- legenheit gegeben»väre, wenigstens auf einige Augenblicke ernst ge- nömmcn zu iverden. Die verbreiterte Kertraudtcustraffe»vird nach dem Abbruch des alten Köllnischen Rathauses auf ihrer»veftlichen Seite eine Fassade zeigen,»vie sie den Altbcrliner Baracken an der Hinterfront der Stralauerstraße und an der Fischerbrücke»vürdig zur Seite gestellt »verden können. Es werden dann, wenn die Straßenbahn zwei- gleisig an der Roßstraßc vorübergcfiihrt ist, die beiden uralten Gebäude in der Sckiarrnstraße sichtbar, welche für den von der Firma Rudolph Hcrtzog geplanten Erweiterungsbau in Aussicht genommen sind. Dieser Zustand würde, wie früh« schon angedeutet, etwa drei bis vi« Jahre andauern, da das eine jener beiden Grundstücke(das Stengclsche) erst nach Großjährigleit des jungen Herrn Hertzog angekauft und bebaut werden kann. Be- merkenswerth an der Sache ist, daß die beiden Grundstücke ein Fcnsterrccht(durch Verjährung) besitzen und zwar nicht allein nach der Gertraudten-, sondern auch nach der Brcitenstraße hinaus, so daß die Hoffnung, das nach Abbruch des alten Rathauses verfügbar bleibende Terrain zu Bauzwecken zu verwerten, sich als eine trügerische erwiesen hat. Nach dem Bekamitlvcrden dieses„erschwerenden" Um» standes»st. wie gemeldet»vird, die Zahl der Befürworter des als« baldigen Abbruchs des Rathauses sehr zusammengeschmolzen, so daß der für den 1. Oktober d. I. in Aussicht genommene Abbruchstermin in letzter Stunde wohl noch verschoben werden durfte. Zwei Arbeiter durch den Sturz in cineu Brunnen der- nnglückt. Auf dem Grundstücke der Schultheiß-Branerei in der Schönhauser Allee verunglückten gestern Mittag der Schloff« Wcstphal, Schönhauser Allee 161, und der Schmied Hederich, Holl- manustraße 36. Wcstphal ist tot, Hederich lebensgefährlich verletzt. Auf dem Hofe der Brauerei befindet sich ein alter Brunnen. dessen Schacht schon seit längerer Zeit erhebliche Mengen Stickstoffgase aufwies. Um ihn gaSftei zu machen, sollte von seiner Sohle aus bis zur Oberfläche ein eisernes Rohr geführt werden. Heute Mittag fliegen die beiden Personen auf der innerhalb des Schachtes an- gebrachten eisernen Leiter in den Bninnen hinab. Westphal als erster war noch etwa sechs Meter vom Grunde ent« sernt, als er infolge der aussteigenden giftigen Gase die Besinnung verlor und hinabstürzte. Hederich hatte den Sturz bemerkt und kletterte schnell die Leiter hinab, um seinem Kollegen Hilfe zu bringen. Doch ihm ereilte dasselbe Schicksal, auch er stürzte hinab. Die alarmierte Feuerwehr war schnell zur Stelle. Brandmeister Hammer von der dritten Kompagnie ließ sofort Ncttimgöscile und Fangleine in den Brunnen hinab, an denen NettimgSmaimschaftcn hinabgelassen wurden. Die Verunglückten wurden cmporgezogen und nach dem Maschinenhause gebracht. Die Samariter der Feuerwehr stellten nun im Verein mit zwei inzwischen eingetroffenen Aerzten der Unfallstation eine Stunde hindurch Wieder» belcbnngSvcrsuche an. die bei Hederich schließlich auch von Erfolg waren, ivnhrend bei Westphal nur der bereits eingetretene Tod fest» gestellt werden könnt». Hederich, dessen Zustand besorgniserregend ist. wurde nach dem Kraukeiihause Friedrichshain geschafft, während W. nach dem Schauhanse gebracht wurde. Im Botanische» Garten ist dem Publikum da» AzalcenhauS Montags»md Donnerstags von 4'/» bis SVa Uhr nachmittags geöffnet. Duftend und farbenprächtig wechseln in reich« Fülle Azaleen, Rhododendron und Pontileum mit den stolzen Kamelien. Besondere Schüler- Frühtvagen werden, wie in den letzten Sommersemestern, auch in diesem Jahre»vicder auf verschiedenen Straßenbahnlinien vom heutigen Beginne des neuen Schul- Halb- JttöreS an abgelassen werden. Es verkehren danach von hente an aus der Linie Gloganerstrahe— Dvnhofft'latz ein Schnlerlvngen ab Gloganerstraßc morgens 6,09 und ab Dönhoffplatz 6,32! auf der Linie Schlesisches Thor—Zoologischer Garten ab Schlcsischcs Thor um 3,54 und ab Zoologischer Garten 6,46! Charlottcnbnrg— Gcsnnd- ornnncn um 5,27 und umgekehrt 6,27; Charlottenstraszc— Reinicken- �Dl1-7 nd Charlottenstraffe 6,20; Tegel— Charlottcnstraffc ab Tegel um .."ur bis zum Oranienburger Thor; endlich auf der Linie Nieder- Schönhauien- Pankow-Berlin Mathaus) ab Nieder- wagen n 5'5° lnl& ab 8int�ni,ä um 6,15 Uhr; hier Doppel- des Theaters, die Vorsiellung um 3 Ilhr. Der Preis für die Garderobe beträgt IS Pf. Tie Mitglieder werden ersucht, die Garderobe abzugeben, da das Deficit der Garderobe aus der Vereinskasse gedeckt werden muff. sSiehe hcniigcs Inserat.) Der Vorstand. I. A.: G. Wiukler. Der CircnS Busch nach Wie» überzusiedeln, Herbst bleiben wird. giebt heute seine letzte Vorstellung, um ivo er bis zu seiner Rückkehr hierher im �.cr Somincr- Fahrplan der kgl. Eisenbahndirektion Berlin, welcher am 1. Mai in Kraft tritt, bringt eine Reihe von wichtigen ��°"vernngen: Auf dem Südring werden die Züge, welche von der Stadtbahn auf dem Schlcsischcn Bahnhof um 8", 4°' und 4-i nach- mittags nmrcffcii. bis Ripdorf verlängert. Von Ripdorf nach dem Schiesiichen Bahnhos werden drei Ziigc neu eingelegt: um 4�1, 501 11110 o3i nachmittags. Die Züge ab Stralau-Rummclsburq um 343 und 3° ab Westend 3" und 333 uachmittags verkehren fortan über oen�.i'ordrmg. Zwischen Stralau- Niimmelsburg und Weihcnsee werden 14 Züge in jeder Richtung neu eingelegt. Im Vorortverkehr j?.1'. Wünsche der Anwohner der Nordbahn weitestgehende Be »ickiichtigung. Zwischen Stcttiner Bahnhof und HcnnSdorf werden neu eingelegt: die Züge ab Stcttiner Bahnhof uni 5°«, 21», 3>°, v-« 06 Hermsdorf 542, 3-°. 4-°. 61° und 7--. Im Interesse rcv Gartenbaues an der Zosscncr Strecke wird von Zossen ein Früh- ziig um 522. eingelegt. Aufferdcnr verkehren neu: ab Anhalter Bahnhos 1121, bis Zossen ab Anhalter Bahnhof 6-°, ab Mahlow 6-3 Von Nieder-Schöneweide-Johannisthal nach dem Gvrlitzcr Bahnhof werden ncil eingelegt um ö--. 6-!>. 63», 73-, von Spindlcrsscld ab 511. 6°°, 6°- und 71- an Werktagen. Die Züge ab Lehrter Bahnhof �, ab Spandan 652 werden bis Seegefeld verlängert. Zwischen �regel �und Stcttiner Bahnhof werden neu eingelegt die Züge ab jLcgcl ise und 9-1, ab Stcttiner Bahnhof 9°5. Zwischen Lehrter �ahnhos und Dallgow-Dvbcritz lverdcn die Züge ab Lehrter Bahnhof im,"' Dallgow-Döberitz 11°° und 81° für die Zeit vom �"ßust eingelegt. Ter Vormittagszug vom Schlefischen Bahnhof über die Stadtbahn wird bis Potsdam durch- gesiihrt. Der bisherige Zug ab Wannsce 6>« wird bereits von Potsdam abgelassen. Der Zug ab Erkner 111° geht jetzt schon 1615. Bor Zug ab Charlottenburg 11°- wird bis Strausberg verlängert. �.er Zug ab Lichtcnbcrg-Friedrichsfelde 12° Ivird bereits von Straus- bcrg abgelassen. Dagegen wird der Zug ab Lichtenberq-Friedrichs- fclde um 1155 erst um 111° abgelassen/ Der Zug ab Bernau 3°° geht schon rnn 2°°. Der Zug ab Blankenburg 651 fährt erst um 655 ab uach� Berlin(Stcttiner Vorortbahnhof). Die Züge ab Anhalter Bahnhof 6--, ab Mahlow 7-3 werden bis Zossen beibehalten. Der Zug ab Anhalter Bahnhof 9-° wird bereits um 8°° nach Zossen ab gelassen. Auf der Wannfecbahn werden die Züge ab Berlin 16°° und ab Zehlcndorf 113? bis Schlachtcnsec verlängert. Auf der Strecke Berlin— Kremmen ivird der Zug ab Stcttiner Fcrnbahnhof 811 erst uin 950 abgelassen und beschleunigt, so daff er 11°3 in Kremmen ein- trifft. Ebenso ivird der Zug ab Kremmen 91° erst um 955 abgelassen und beschleunigt, so daff er 11H in Berlin ankommt. Ans der llnfallstatioit gestorben ist gestern Nachmittag der 63 Jahre alte Kaufmann Mcher L e w i n ans der Steglitzcrstr. 4, der seit 26 Jahren in einem Bankgeschäft in der Bcndlcrstrnffe als Buchhalter angestellt ivar. Lcwiii wollte um 5 Uhr an der Ecke der Bendler- und Ticrgartenstraffe eine Postkarte in den Briefkasten stecken, um seiner Frau mitzuteilen, daff er eines Geschäftsganges wegen erst später als gewöhnlich nach Hanse kommen könne.' Da brach er plötzlich bewiifftlos zusammen. Leute, die dazu kainen, brachten ihn nach der nächsten, allerdings ziemlich weit entfernt ge- lcgenen Unfallstation in der Flensbnrgcrstraffe. Hier starb der Kraiikc kaum fünf Minntcn nach der Ankunft unter den Händen der Aerzte, wahrscheinlich am Herzschlag. Vor etwa vier Woche» verschwand die Arbeiterin Helene Ali sch plötzlich ans ihrer Wohnung Schönlcinstr. 26, ohne daff die Angehörigen irgend eine Ahnung von dem Verbleib der Vcr- schivundenen hatten. Eine traurige Aufklärung erfolgte dieser Tage, als die Leiche des 18jährigen Rlüdchens an der Bellealliance-Brückc landete. Helene Alisch hatte aus Liebesgram freiwillig den Tod gesucht. Nicht allein von den Eltern und Geschwistern, sondcm auch von ihren Mitarbeiterinnen in der Buchbinderei von Baumbach n. Co. in der Oranieustr. 141, wo sie vier Jahre lang beschäftigt war. wird das Geschick der Verunglückten lebhaft betrauert; die früheren Kolleginnen bekundeten ihre Teilnahme durch Kranzspenden sowie durch eine Gcldsaninilnng und werden sich gleichfalls an der heute Abend 6 Uhr von der Leichenhalle des Jakobikirchhofes, Hermann- straffe, Ripdorf, ans erfolgenden Beerdigung einmütig beteiligen. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Unter den Rindviehbcständen des Molkereibesitzers Krüger, Gotzkoivskystr. 4, des Molkcreibcsitzcrs D auter, Gotzkoivskystr. 13, und der Molkereibesitzerin Witive Kunkowski ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Ei» Zusammenstoß zwischen einem elektrischen Straffenbahn- wagen und einer Taxamcterdroschke fand Montagabend gegen 9-/2 Uhr in Charlottenburg vor dem Hause Berlinerstr. 17/18' statt. Dabei kamen der Universitätsprofesfor O. Israel ans der Kuesebeckstr. 1 und sein Sohn Fritz zu Schaden. Israel wurde nur leicht verletzt, sein Sohn dagegen so schwer, daff man ihn zunächst in die Dr. Edclschc Heilanstalt und nach Anlegung eines Verbandes von hier in daS Charlottenburger Krankenhans bringen muffte. Zn dem cinpfindliche» Verluste, von dem der Groffschlächter- Meister Paul Griebe betroffen wurde, wird gemeldet, daff die Brieftasche mit den Wertpapieren noch nicht gefunden ist. Griebe hatte die groffe Summe, die er am Montag zum Auszahlen seiner Viehkommtfsionäre gebrauchen wollte, beim Ausgehen zu sich ge» steckt, weil er kein diebessicheres Gcldspind besitzt. Er trug die gelbe Tasche niit sechs Fächern in einer Innentasche uuter der Weste. Mit den Viehkommissionären, die Griebe infolge seines Vcr- Instcs gestern nicht befriedigen konnte, hat er sich auf spätere Zahlung geeinigt. Eine Tragödie. Gestern Vormittag stürzte der drei Jahre alte Sohn des Schiffers Louis Rißmaun aus Posen von dem Kahne feines Vaters ins Wasser und ertrank. Der Vater, welcher mit dem Ausladen des gegenüber dem Hanse Michaelkirchstr. 22/23 liegenden Kahnes beschäftigt war, vcnniffte den Knaben erst nach längerer Zeit und sah ihn auf dem Wasser treiben. Als er ihn herauszog. war der Tod bereits eingetreten.' Zliis den Nachbarorte». Schöuebcrg. In der Sitzuug der Stadtverordneten am Montag kam die Einrichtung eines Arbeitsnachweises wieder zur Verhandlung. Die Stadtverordneten hatten unterm 26. Februar dieses Jahres einen Antrag angenommen, wonach die Vcnnittelung von gelernten Arbeitern und von Dienstboten für Arbeitgeber und Herrschaften kostenlos zu erfolgen habe. Der Magistrat ist diesem Beschlüsse jedoch nicht beigetreten und verlangt die Einsetzung einer gemischten Deputation, welche die Frage einer Vermitte- l u n g s- G e b ü h r zu prüfen habe. Genosse O b st drückte unter Zustimmung der Versammliing sein Erstaunen darüber aus, daff der' Magistrat. trotzdem die Stadtverordueten fast einstimmig der köstenfreien Vennittelung das Wort geredet haben, niit einer solchen neuen Vorlage komme. Mit großer Mehrheit tvurde darauf die Magistratsvorlage abgelehnt.— Darauf erfolgte die Wahl einer gemischten Deputation zur Beratung des „N 0 r m a l- B e s 0 l d il n g s- E t a t s" für die städtischen Beamten. Unter großer Spannung des Hauses ergriff nunmehr Stadtrat Leidig das Wort, um die Vorlage des Magistrats:„Bseschaffung eines eigenen Elektricitätswerks", zu begründen. Seit längerer Zeit besteht in allen Kreisen der Einwohnerschaft der Wunsch, ein' derartiges Merk für Beleuchtung und Kraftlibertragniig zu besitzen; dasselbe würde eine vorteilhafte Einnahmequelle für die Stadt werden. Noch dem Stadtrat Leidig giebt es nur zwei Möglichkeiten zur Erreichung dieses Zieles: Erstens man erteile, wie es in Berlin der Fall ist, einem Unternehmer auf eine bestimmte Reihe von Jahren, zunächst auf 13 Jahre, eine Konzession zum Legen elektrischer Leitungen in den Straffen, der Unternehmer hätte den elektrischen Stroni in einem eigenen Elcktricitätswerke zu erzeugen. Er würde verpflichtet sein, das ganze Werk nach Ablauf der 13 Jahre uns auf Verlangen zu verkaufen. Die Eintvohnerschaft hätte den Strom nach den in Berlin geltenden Sätzen zu bezahlen. Der zweite Weg, für den 'ich der Magistrat und die Hoch- und Tiefbaukommission einstimmig entschieden hätten, sei der. wie cS in Charlottenburg beabsichtigt ist, das Werk auf eigene Rechnung zu errichten, und nach der Betriebscröffming an den Erbauer auf 16 Jahre zu verpachten, wobei die Stadt sich das Recht der früheren Kündigung vor- behalte. Der Unternehmer würde uns von Beginn an die Ver- zinsung und Amortisation des Anlagekapitals sicher zu stellen und einen Gelvinnantcil zu zahlen haben. Der Vorlage des Magistrats wurde iin Princip entsprochen und die Wahl l einer Kommission zur Vorberatnng vollzogen. Zum Schluß beriet man die Vorlage, betr.„Ucbertragung der Vor- arbeiten des gemeinsamen Entwässeningsprojekts für die drei Gemeinden an den Stadtbaurath a. D. Brix." Dies Projekt der Ge- meinden Schöneberg, Friedenau und D.-Wilmersdorf stellt sich ans 13 Millionen' Mark. Die von den Gemeinden ge- wählte Kanalkommission hat eine Verständigung erzielt und einen Vertrag entworfen, der die Zustinimnng des Magistrats erhalten hat. Stadv. K n tz n i tz k y verlangt in An- betrncht der Wichtigkeit dieser Vorlage eine Ausschiißvcratnng. Indem der Bürgermeister aus die Dringlichkeit eines Beschlusses in dieser Sache hinweist, bittet er die Bersammlimg. Vertrauen in dieser Hinsicht zu dem Magistrat zu haben. Jeder Tag der Zögerung sei vcr- hängnisvoll,' da, falls bis April 1966 eine Verständigung derbe- tciligtcii Gemeinden nicht erzielt sei. der Landrat des Kreises Teltow endgültig darüber zu entscheiden hat, in welcher Weise die Entwässerungsanlagen zur Ausführung kommen sollen. Nach leb- hafter Debatte kam man zn folgender Beschlnfffassung:„Der Ilcbcrtragung der Vorarbeiten des gemeinsamen Entwässcrungs- Projektes für die drei Gemeinden an Stadtbanrat Brix in Wiesbaden wird zugestimmt und die Zahlmig des anteilige» Beitrages von ca. 46 666 M. zu den mit ca. 66 666 M. geforderten Kosten des Projekts aus dem KanalisationSsonds genehmigt. Dieser Betrag wird der gemeinschaftlichen KanalisationS-Kommission zur Verfügung gestellt. Der Magistrat wird ermächtigt, die aus Grund der Kommissionsbcschlüsse abzuschlieffendc» Verträge zu vollziehen. In Fricdrichöhagc» hat in der Nähe des Kirchhofs ein sieb- zehnjähriger Schristgiegerlehrling durch Erhängen seinem jungen Leben ein Ende bercirct. Soforr angestellte Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Ein Grund für die That des jungen Mannes, der seit 14 Tagen seine Arbeitsstelle in Berlin nicht mehr aufgesucht hatte, ist weder den Eltern, noch dem Lehrherrn bekannt. Ans Spandan meldet der„Anz. f. d. Havell.': Unter den russischen Auswanderern, die auf der Reise nach den Hafenstädte» durch Deutschland kommen, treten in neuerer Zeit ungcivöhnlich oft ansteckende Krankheiten auf, deren Keim sie aus der Heimat mit- gebracht haben. Zur Zeit siud an den Kontrollstellen der Grenz- tattonen als auch ans dem Ausivanderer-Bahnhos Ruhleben zahl- reiche Auswanderer mit ihren Angehörigen in ärztlicher Behandlung, bcziv. unter Beobachtung. Meistens sind die Leute von den Pocken und anderen ansteckenden Hautkrankheiten befallen. AnS Konknrrcnzncid ist in S p a n d a u ein wohlhabender Bäckermeister und Eigentümer zum Diebe geworden. Er eignete sich morgens die von anderen Bückermeistern gelieferten und an den Thürklinken aufgehängten Beutel mit Backivaare an, um diese bei Seite zu schaffen, damit die Konkurrenten hierdurch als unzuverlässig bei ihren Kunden bekannt würden. Am Sonntag wurde er dabei abgesatzt._ schädigt und legte deshalb Berufung ein, ohne jedoch damit£troTq zu haben. Das Schiedsgericht berief sich auf das ärztliche Gut- achten. Das R eichs-Vers icher» n gsamt, an das der Kläger sich dann noch wandte, hob aber die Vorentscheidung und den Bs* scheid der Berufsgenossenschaft auf und verurteilte letztere, dem Ver- letzten statt 66 Proz. 70 Proz. der Vollrente zu gewähren. Der Vor- sitzende führte aus. daß für den Verlust des linken Oberarmes eine Rente von 66 Proz. nicht ausreiche. Schlaganfall während der Arbeit. Der Landwirt Marquardt hatte einen Schlaganfall erlitten, als er mit dem Dreschen von Getreide beschäftigt war; er verlangte deshalb von der and- wirtschaftlichen Bcnlfsgenossenschaft eine Unfallrente. M. machte geltend, er sei von der Arbeit sehr erhitzt gewesen und sei zu- sammengebrochen, als ihn beim Oeffncn der Thür ein eisiger Luft- zug berührt habe. Die Berufsgenosscnschaft lehnte den Anspruch ab, worauf M. beim Schiedsgericht Berufung einlegte. Ein Zeuge be- stätigte die Behauptung des Klägers, daß er die letzten 12 Jahre kerngesund gewesen sei. Das Schiedsgericht billigte Marquardt die Rente zn. indem es die Angaben des Klägers seiner Entscheidung zu Grunde legte. Die Berufsgenossenschast wandte sich hiergegen mir dem Rechtsmittel des Rekurses und erzielte zunächst, daß das Reichs- Versicherungsamt ein Obergutachten des Professors Frankel einholte.' Dieser führte aus: Es stehe fest, daß die Blutung, die den Schlagansall des Klägers bedingte, durch Zerreiffnng eines kleinen verstopften Gehirngefäßes herbeigeführt worden sei. Ein solcher Znstand könne sehr wohl entstehen, wenn jemand nach großer körperlicher Anstrengung eine plötzliche Ab- kühlung erfahre. Träfen die Behauptungen des Klägers zu. dann' wäre es nicht unwahrscheinlich, daff ein eisiger Luftzug den Schlaganfall des Klägers unmittelbar verursacht hnbe.'— DaS Reichs-Versicherungsamt hob das schiedsgerichtliche Urteil auf und stellte den ablehnenden Bescheid der Bcrufsgenossen- schaff mit der Begründung wieder her. daff nach dem Gutachten eine an Gewißheit grenzende Wahrscheinlichkeit für den ursächlichen Zu- sammenhang der Arbeit mit dem Schlaganfall nicht dargethan sei. Eine solche'Wahrscheinlichkeit müsse aber mindestens vorliegen, wenn ein Rentenanspruch anerkannt werden solle. Im übrigen sei nicht erwiesen, noch überhaupt nachweisbar, daß ein kalter Luftzng auf den Kläger eingewirkt habe. Marktpreise von Berlin am 10. April 189S nach Ermittlungen dcS kgl. Polizeipräsidiums. Kießlings graste Specialkarte vom Grunewald. 6sarbig, 1 M., ist bei Alezius Kießling in Berlin SW. soeben in sechster Auslage erschienen. Die in dem großen Maßstabe 1: 25 000 gezeichnete, an Ott n»d Stelle sorg- faltig geprüfte Karte giebt ein treues Bild des gegenwärtigen ZustandcS. Die 16 Eingänge des Wildzauncs sind deutlich mattiett, die gesperrten Gelände, deren Betreten mit strafe bedroht ist, sind genau bezeichnet, die Ad- Holzungen der letzlen Jabre, die vielfach ein Verlegen der Wege zur Folge pnttcn, treten deutlich hervor, Ehausseen und Pflnstenvege, sowie alle lohnenden Tonristeiiwege sind in besonderen Farben angelegt. Freie Volksbühne. Die Ordner haben hente, Mittwoch, abends 8'/s Uhr, Sitzung bei Zubeil, Lindenftr. 166.— Die Vor- siclliuig der ersten Abteilung, 9. Serie, beginnt nicht am 16., sondern am 36. April im Lessing-Theater mit Gogols„R ev i s or". — Vierte Abteilung Sonntag, den 16. April,„Der E r b f ö r st e r". — Die 6. Abteilung ist geschlossen. Einige neue Mit- glieder finden Aufnahme m der 4. und 3. Abteilung. Zu der Opcrnvorstelllliig am 23. April im Theater des Westens(„Freischütz") können nur soviel Karten ansgegeben werden, als Plätze im Theater des Westens vorhanden sind. Be- rücksichtigt werden nur diejenigen Mitglieder, die sich in ihrer Zahl- stelle z u e r st einzeichnen liehen, Nichwiitglieder können überhaupt keine Karten erhalten.— Die Mitglieder der fünften Abteilung werden ersucht, keine Openikarten zu lösen, da an diesem Sonntage die Vorstellung des„Erbförsters" für die fünfte Abteilung statt- findet.— Die Verlosung der Plätze begiimt uni 2 Uhr im Foyer D.-Ctr. *)Wetzen »Moggen »)Fnttcr-Gcrste. Hafer gm „ mittel. „ gering Richtstroh. Heu„ fyErbsen» f-iTpeisebohnen» i)Liiisen Kartoffeln, neue Rindfleisch, Keule IKx do. Bauch„ ) Ermittelt pro 15,80 14,30 13,20 15,40 14,80 14,10 4,60 6,80 40,— 50,— 70,— 6,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier, 60 Stflck Karpfen Aale Zander Hechte Harsche Schlei» Bleie Krebse per Schock Ist« Hg 1,60 1,80 1,60 2,60 4,- 2,20 3, 2,60 2,- 1,60 2 80 1,40 12,- 1,20 1- 1- X- 2,40 2,- 1- 1,20 0,80 1.20 OjSO 3,- 14,80 13,50 12,40 14,00 14,20 13,50 3,66 4,20 25,— 25,- 30,- 4- 1,20 1- I von der Centraistelle der Preuß. Laudwitt- schastskammer- Notieningöstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Dopyel-Eentner. +) Kleinhandelspreise. Ans den Produktenmarkt gaben gestern Wetzen und Roggen'/z M. nach. Haser und Mais konnten sich behaupten. Rüdöl schwach. Die Tendenz am S p i r i t u s n, a r k t war matt, die Kauflust zurückhallend, Zufuhren da- gegen umfangreich. Angeboten waren 153 000 Liter 70er Ware, die mit 30,30 M.(—0,10 M.) Nehmer fanden. 50er Spiritus nicht vorhanden. Durch Realisationen wurden Termine gedrückt und gaben schließlich 20 bis 30 Ps. nach.__ Socislo Vechkspflege. Dem Arbeiter Schnur waren durch den Puffer eines Eisen- bahnwagcns die Gelenke des linken ArmeS derart zerttiimmert worden, daff eine sofortige Amputation des Oberarnies notwendig wurde Der erst Siebzehnjährige erhielt dann nach Beendigung des Heilverfahrens von der KnappschaftS-Bettlfsgenosienschaft 66 Prozent der Bollrente für Unfallverletzte zugebilligt. Der Sachverständigr, dessen Gutachten dieser Festsetzung zu Grunde lag, hatte erklärt, daff der Stumpf gut verheilt und die Narbe weder schmerzhaft nach reizbar sei. Schnur hielt sich indessen für nicht genügend ent-- Gevilszks-Teilung» Wegen Beleidig, ntg von Magdeburger Behörden«nd Gerichten, nämlich a) der Beamten des Polizeipräsidiums, b) der Staatsanwaltschaft, c) der Richter des Amtsgerichts, ck) der Richter des Landgerichts hatte sich, wie wir in Nr. 77 mitteilten, am 36. März d. I. unser verantwortlicher Redacteur A. Jacobey zu verantworten. Die Verhandlung fand statt vor der vietten Straf- kammer des Landgerichts I unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats � Brau n. Das Beleidigungsdelikt war nicht leicht zn ersehen. In der Nummer vom 21. Oktober v. I. des„Vorwärts" erschien ein ans Magdeburg datierter Artikel, der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in der Einleitung den Vorwurf der Parteilichkeit gegen die drei Behörden in Magdeburg ent- hielt und die vierte Strafkammer am hiesigen Land- gericht I folgte auch den Darlegungen des Staatsanwalts. ic verurteilte unseren Kollegen zu dreihundert Mark e l d st r a f e. Auf den Beweisantrag des Verteidigers dafür, daff in den letzten Jahren bei den genannten drei Magde- bnrgcr Behörden eine nnverhältniffmähig groffe An- zahl von Strafverfahren, die sich auf politischem oder gewerkschaftlichem Gebiete bewegten, mit Abweisung beziv. F r e i s p r e ck, u n g geendet hätten, ging das hiesige Gericht nicht ein; der Angeklagte wurde zu der angegebenen hohen Strafe verurteilt. Derselbe Fall stand nun gestern in Magdeburg zur Ver« Handlung. Unser dorttgcs Partei-Organ hatte den Artikel des„Vor- wärts" freilich mit einigen nnwesentlichcn Aendernngen abgedruckt und vom Staatsanwalt war auch dort auf Antrag der Behörden, die beleidigt sein wollten, die öffentliche Anklage erhoben worden. Das Magdeburger Gericht, sprach aber den An- geklagten von Strafe undKosten frei unter der durch- aus richttgen Begründung, daß in den vom Staatsanwalt an- gezogenen Worten nichts enthalten sei, was die angebliih be» lcidigten Faktoren im strafrechtlichen Sinne verletzen könnte. Zweifellos ivird diese vcrschiedenarttge Behandlung zweier gleicher Fälle auch in der bürgerlichen Welt einiges Befremden erregen. Die Fußaugeln des Bereit, sgesefces. Im vorigen Jahre wurde eine Versammlung der Zahlstelle Breslau des Zentral» Verbandes deutscher Maurer polizeilich aufgelöst, weil der Bor« sitzende H e r r m a n n sich weigerte, dem überwachenden Beamten den Namen und die Wohnung der Redner anzugeben. Gegen Herr- mann wurde dann noch ein Sttafversahren wegen Vergehens gegen das Vercinsgesetz eingeleitet. Der Angeklagte bestritt, daff er ver- pflichtet gcivescn wäre, dem Verlangen des Beamten zu folgen. Die Bcstimmnng des Vereinsgesctzes, daff der Vorsitzende einer Ver- sanmilung dem Abgeordneten der Polizei ans Erfordern über die Person der Redner Auskunft geben müsse, beziehe sich nach dem Wortlant des Z 4 mir auf Versammlungen, in vencn öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten. DaS sei bei der fraglichen Verbandsversammltmg nicht der Fall gewesen, denn auf der Tages- ordnuug hätten nur folgende Punkte gestanden: 1. Wie viel Kollegen arbeiten für niehr als 46 Pfeniiige pro Stunde. 2. Stiftniigsfest. 3. Abstempelung der Wochenbeiträge. 4. Unser Streikfonds. Das Schöffengericht verurteilte jedoch den An- geklagten z» einer Geldstrafe von 36 M., während das Berilfungs- gerichl seinen Ausführungen folgte und ihn freisprach. In der Begründung seines Urteils betonte noch das Landgericht, daff cS sich bei keiner der Angelegenheiten, die die Tagesordnung verzeichnete, um öffentliche Jii'leressen gehandelt habe. Es wären lediglich die Privatinteressen der Maurer in Frage gekommen. Das Kammer« gericht hob indessen auf die Revision der Staatsanwaltschaft das 'landgerichtliche Urteil wieder ans und verwies die Sache zu noch- mali'gcr Verhandlung und Etttscheidtmg an die Vorinstanz zurück. Begründend wurde atisgesühtt, daff der Vorderrichter den Begriff der öffentlichen Angelegenheiten verkannt habe. Von der in der Tagesordnung jener Versantmluttg vorgesehenen Verhandlung über den Streikfonds könne man sagen, eS handele sich um eine Erörterung öffent- l i ch e r A n g e l e q e n h e i t e n. Die Aufbringung und Verwaltung eines Streikfonds sei eine Frage der Lohnbewegung und durch Lohn- bewegungen könnten die allgemeinen wirtschaftlichen Verhälttusse berührt werden. Damit befinde man sich aber ans dem Gebiete der Socialpolitik, also einer öffentlichen Angelegenheit. Richter und Verteidigung. In welche mißliche Lage ein V et/- t e i d i g e r bei der Ansiibnng seines Bentfes geraten kann, beweist folgender Fall: In einer vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I verhandelten Anklage wegen Konkursvergehens, in welcher Rechtsanwalt Dr. Schöps den Angeklagten vettrat, stellte der Verteidiger eine Behauptung aus. die dem Staatsanwalt zu der Bemerkung Veran- lassung gab: Der Verteidiger lege dem Angeklagten die in der Behauptung aufgestellten Thatsachen gerade»» er st in den Mund. Gegen diese Aeufferung legte der Verteidiger Verwahrung ein und rief den Schutz des Vorsitzenden hiergegen an. Dieser wurde ihm aber uicht nur nicht gewährt, vielmehr verkündete der Vorsitzende den Beschluß'des Gerichts dahin, daff dem Verteidiger wegen der Form seiner Worte und des überlauten Tons derselben eine Ordnungsstrafe von 36 Mark auferlegt werde. Auf die Beschwerde des Verteidigers hat jetzt das Kammer- gericht diese Ordnungsstrafe aus— 3 Mark ermähigt. Das Kamnier« gericht erkennt in seinem Beschlüsse ausdrücklich an. daff der Ver- leidiger gegründete Veranlassung hatte, sich gegen den Vorwurf dcS Staatsanwalts zu verwahren. Der Ausdruck einer gewissen Er« regnng hierbei sei auch erklärlich und entschuldbar und' eine lieber- schreitnng der Grenze» der Verteidigung nur in dein Ton der Ver« tvahrnng und in dcm dem Vorsitzcnden gemachten Vorwurf, daß die Verteidigung anscheinend schutzlos sei, vorliege/ Die pflichtwidrige Handlungsweise eineS im Kriminal- gcrichtSgcbiiiidc angestellten Untcrbccnntcn unterlag gestern der Prüfung der vierte» Strafkammer des Landgerichts I. Der Hilfs- gcrichtsdiencr Karl H a u t h war beschuldigt, als Beamter für an srch nicht pflichtwidrige Handlungen Geschenke erbeten und ange- nommeu zu Hadem Der Angeklagte war aufwartender Gerichts- Liener beim Untersuchungsrichter Landgcrichtsrat Brandt. Es ge- borte zu seinen Obliegenheiten, diejenigen Personen, welche als Angehörige von Verhafteten den Untersuchungsrichter, oder in dessen Gegenwart die verhaftete Person selbst zu sprechen wünschten, anzn- melden. Als im November v. I. die vielen Verhaftungen von Fahrkarteuschaffncrn stattfanden, war der Zndrang von Sprecherlaubnis Nachsuchenden ein recht starker. Eines Tages cricheincn nichrcre Personen vor dcm Gitter, welches den zu den Diensträuinen des Untersuchungsrichters Brandt führenden Flur ab- fchlreßt. Der Angeklagte fragte dieselben nach ihrem Begehr, und als er vernahm, um was es sich handelte, wies er sie in barscher ~vcue ab. Als die Bittsteller sich dann ticfbctrübt wieder entfernen wollten, trai der Angeklagte an sie heran und machte allerlei ver- blnmte Bemerkungen, aus denen geschlossen werden mußte, ooB er gegen eine Entschädigung' den Zutritt zum Unter- suchungsrrchter würde bewirken können. Er erhielt darauf eine Stark Trinkgeld und besorgte dann sofort die An- meidung. In deutlicherer Weise drückte der Angeklagte Uch einem anderen Bittsteller gegenüber aus. Als' dieser seinen Wunsch zu erkennen gegeben, meinte der Angeklagte:„Na. wie ist es denn, fällt nicht soviel für eine Weiße ab?" Dabei machte er eine bezeichnende Bewegung mit Daumen und Zeige- cr'SJf'S der Besucher sich anschickte, sein Portemonnaie zu ziehen, flüsterte ihm der Angeklagte zu:„Machen Sie es nicht so auffällig, sonst geht es mir wie Ihrem Verwandten." Der Besucher opferte oaraus eine Mark. In den Briefen, welche zwischen den Vcrhastetcn und ihren Verwandten gewechselt wurden, kam es zur Sprache, wie man den beim Untersuchungsrichter angestellten Gerichtsdicner bc- handeln müsse und dadurch erhielt auch die Behörde Kenntnis von der Handlungsweise des Angeklagten. Derselbe wurde sofort entlasse». �m Ternline war der Angeklagte im wesentlichen geständig. Der Staatsanwalt hielt sein Verfahren im hohen Grade verwerflich. Der Angeklagte, der ein Einkommen von 1550 M. hatte und außerdem eine Stellung als Hausverwalter bekleidete, hatte es nicht nötig die ohnehin gedrückten und nicht in der besten Vermögenslage be- ffndlicheii Bittsteller in dieser unerlaubten Weise zu schröpfen/ Der Staatsanwalts beantragte aus diesen erschwerenden Gründen eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Der Gerichtshof folgte insofern den Ausführungen des Verteidigers, Rechtsanwalts Friedmann, als dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt wurden. Das Strafniaß wurde auf 50 M. festgesetzt. Die Berschiedcnartigkcit der Rechtsprechung in Sachsen ist dieser Tage vom sächsischen Ober- Landgericht in augenfälliger Weise demonstriert worden. Bekanntlich'wenden sächsische, lind speciell Dresdener Gerichte mit sanit dem Ober-Landgericht seit längerer Zeit den sogenannten Nöflgungsparagraphcn in einer äußerst scharfen Weise gegen s o l ch e A r b e i t e r an, welche sich m Wahrung ihrer Lohn- oder sonstigen Interessen irgendwie mrt einem scharfen Wort gegen Unternehmer oder„Arbeitswillige" vergehen. Irgend ein Schimpfwort oder eine„Drohung" ist geeignet, solche Arbeiter monatelang ins Gefängnis zu bringen, damit stelle man nun folgenden an sich unbedeutenden Fall in Parallele. In Niederlößnitz war ein honetter, achtbarer Bürger und Kaufmann in seiner Eigenschaft als Mitglied des Gemeinde- rates mit dem Nötiguugsparagraphen in Konflikt geraten. Er verlangte nämlich auf dem Gemeinde-Amte vom Registrator Einblick in ein behördliches Schriftstück, indem er im Weigerungsfalle den Registrator von seinem Posten zu bringen drohte. Schöffen- und Landgericht sahen den Thatbestand der ver- suchten Nötigung für ertviescn an, und verurteilten den Be- treffenden zn drei Tagen Gefängnis. Der Verurteilte legte dagegen Revision ein. Das Obcrlandesgericht trat zwar den Feststellungen des Vordcrrichtcrs bei, sprach aber den Angeklagten trotzdem frei. Und zlvar deshalb, weil er die fragliche Strafthat„in nicht straf- barem Irrtum" begangen haben soll. Was bei einem Arbeiter in den oben erwähnten Fällen oft als B c g r ü n d u n g für die Strafe, als strafschärfend, als„ungeheurer Terroris- m u s" zc. angesehen wird, ist hier ein„nicht straf- barer Jrrtn m". Schärfer kann der bekannte Ausspruch: „Wenn zwei dasselbe thun zc." nicht charakterisiert werden. VevfAttttttlunge»r. Dil ie Vildhaucr hielten am Donnerstag eine öffentliche Ver- sammlung ab. Zum ersten Gegenstand der Tagesordnung erstattete Winklcr als Delegierter Bericht über den Bauarbciterschutz- Kongreß. Er erläuterte die wichtigsten Beschlüsse des Kongresses, im übrigen auf den Bericht in der„Bildhauer-Zeitung", sowie das dcm nächst erscheinende Protokoll verweisend. Die' Forderungen der Bildhauer decken sich mit denen der anderen Berufe im Bau- gcwcrbe, und sollten die baugewerblichen Bildhauer, die Kollegen der Stein- und Swckbranck'e, den Bestrebungen für einen durch Gesetz einzuführenden Arbeiterschutz das regste Interesse ent- gcqenbringen. Redner hält die von der Regierung in Anhalt er- lastcncn Vorschriften für einen wesentlichen Fortschritt zum Schutze des Bauarbeiters, hat aber keine Hoffnung, daß das viel größere Preußen dem baldigst nacheifert. Er wünscht, daß man nicht nur die Beschlüsse des Kongresses anerkennen, sondern auch die Zu stimmung dazu geben möge, daß aus den Reihen der Hamburger Kollegen ein Vertreter zu der Bauarbeiterschutz-Kommission, die ihren Sitz in Hamburg hat, delegiert wird und daß auch die Bildhauer zu den Unkosten dieser Kommission beitragen mögen. In der Dis- knssion schließt sich Dupont dem vollkommen an. Er teilt mit, daß seitens der Hamburger schon ein Kollege nominirt und daß auch die Geldfrage geregelt sei. Die Versammlung beschließt demgemäß. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung„Die Gewerkschaftskommission und der paritätische Arbeitsnachweis" referiert ebenfalls W i n k l e r als Vertreter der Bildhauer in der Gcwcrkschafts konimission. An das Referat des Genossen P o e tz s ch anknüpfend, geht er auf die darauffolgende Diskussion ausführlich ein und verteidigt seine Stellung zu dieser Frage. Nach- dem von den Arbeiter- Vertretern im Kuratorium des Frcundsichcn Arbeitsnachweises erklärt worden, daß sie dem, was in dcm„Offenen Brief des Genossen Pötzsch" als Angriffspunkt be- nutzt, nicht zugestimmt, sondern nur für ihre eigene Gcnierkschast gc- sprachen haben, habe er kein Bedenken getragen, auch für die Rcso- lutionen Rüther zu stimmen. Im übrigen stehe er auf dem Stand- Punkt, wie er in der Resolution des Vorstandes des Zentralvcreins der Bildhauer ausgedrückt und welche dem Gewerkschaftskongreß in Frankfurt a. M. unterbreitet werden soll: „Unser Fach-Arbeitsnachweis ist von großer Bedeutung für das Gedeihen unserer Organisation, sowie für die Hochhaltung unserer er- rungenen Arbeitsbedingungen, als da sind NormalarbcitSzcit, Lohn- arbeit sentgcgen der Akkordarbeit), Aufschlag für Ucbcrstuuden bczw. gänzlicher Fortfall der Ueberzcitarbeit zc., und gedenken wir nicht, denselben unter den obwaltenden Umständen zu gunsten eines sogen. kommunalen oder eines paritätischen Arbeitsnachweises aufzulösen. Wir verwahren uns auch entschieden dagegen, daß die Fach-Arbeits- nachweise diskreditiert werden durch die Behauptung, daß sie nur Dekoration seien, aber keine Kampfmittel zur Erriiignng besserer Arbeitsbedingungen." Dupont und Götz erklären, mit der Abstimmung Winklers nicht einverstanden zu sein. Er durfte nur für die Resolution Pötzsch stimmen, da der Beschluß des vorigen Gewerkschafts-Kon- gresses noch zu Recht besteht, der jede Erwägung der Möglichkeit einer gemeinsam geführten Arbeitsvermittelung zwischen Arbeitern und Arbeitgebern ausschließt. An der Diskussion beteiligen sich außerdem noch Roßberg, Frey und Pfarrer. Dis auf letzteren sprechen sich alle Redner gegen einen paritä« tischen Arbeitsnachweis aus und behaupten, daß unter den Kollegen eine Neigung dazu nicht vorhanden ist. Die Resolution des Central- Vorstandes drücke klar und deutlich die Ansicht der Kollegen aus. Die Maifeier betreffend, wird der von K r i p p a h l e und W i n k l e r empfohlene Beschluß der Gctvcrkschaftskommission— möglichste Arbeitsruhe— ohne Diskussion einstimmig auftechterhalten. Es'findet demnach für die Bildhauer auch eine Vormittags-Ver- sammlung am 1. Mai statt, und zwar in dem Lokal von M u x f e l d. Drcsdenerstr. 96. Mit dem Wunsche des Vorsitzenden, daß jeder, dcm es ohne schwere Schädigung möglich, am 1. Mai die Arbeit ruhen lassen und die öffentliche Versammlung am Vormittag besuchen möge, erfolgte Schluß der Versammlung. Der Verein der Händler und Händlerinnen nahm in seiner Sitzung am 7. April den Bericht des Vorstandes entgegen, gegen den Einwendungen nicht erhoben wurden. Das Andenken des ver- storbenen Mitgliedes Böhm ehrte die Versammlung in der üblichen Weise. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Müller, erster, R ü ck e r m a n n, zweiter Vorsitzender; N a d j e und I a r n o w, Kassierer; Otto und Reichert, Schriftführer; Stut und Bloßfeld, Revisoren. Die Verwaltung der Bibliothek übernahm der Vorsitzende Müller. Vevnris-ckzkes. Sittlichkeit der Ordnungsstützen. Süddeutsche Parteiblätter berichten:„Eine größere Untersuchung wegen Kuppelei ist in der Stadt der Keuschen und Frommen Würzburg neuerdings eingeleitet worden. Es drohen abermals bedeutende Ordnungsstützen ins Wackeln zu kommen.— Auch der Zahnarzt M. schwitzt vor dem Untersuchungsrichter wegen einer anderen ebenfalls sehr delikaten Angelegenheit. Er hat als Amateur- Photograph Kellne- rinnen zc. zc. im Evakostüm ohne Feigenblatt abkonterfeit� und dann mit so gewonnenen Objekten in Lokalen, in denen die Heben ihres Amtes walteten— in deren Gegenwart Vergleiche zwischen Bild und Wirklichkeit angestellt, bei denen sich auch„bessere" Herren höchstselig amüsiert haben sollen. Es geht halt nichts über Moral und Sitte in besseren Kreisen. In Paua(Illinois. Nordamerika) kam es in der Hauptstraße des Ortes zu einer Schlägerei zwischen weißen und farbigen M i n e n a r b e i t e r n, bei ivelcbcr 2 Weiße und 3 Neger, sowie eine Negerin getötet, acht Personen, darunter zwei weiße Frauen, verwundet wurden. Man glaubt, daß von den Verwundeten mehrere ihren Verletzungen erliegen werden. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde wird Ticustags, Donnerstags und Freitags abends von 7Vz bis 8>/z Uhr abgehalten. F. K. Mit dem„Kl. Journal" polemisiert seit Jahren kein austäudigeS Blatt mehr. Sollen wir da eine Ausnahme machen? Wtttcrungsübersicht vom 11. April 180», morgens 8 Uhr. Stationen Swüicmde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 85- e'S 746 SSW 746 W 748)SSW 751 N 755 SW 755 W Weller 2 Dunst 4 bedeckt vbcdcckt pbedeckt beZiege» 4'wolkig Stationen Haparanda Petersburg Cork Abcrdcen Paris 753 763 N NNW Wetter 2 bedeckt 4!hlb.bcd 755 InW| 7hlb.bcd 754 WNW l Z bedeckt öS i II Sä «?, -2 7 4 9 Wetter-Prognose für Mittwoch, de» 12. April 1899, Etwas kühler, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit leichten Regensällen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner W c t t e r b u r e a». Dis Vorlobruig unserer Tochter Julia mit dem Gerichtsassessor Herrn Dr. Karl I-lebknecht beehren wir uns anzuzeigen. Berlin, April 1899. Neue Winterfeldstr. 20. Louis Paradies und Frau Eosine, geb. Meyer. Julia Paradies Dr. Karl Liebknecht Verlobte. Mlanilluitf) Vomiirts Berlin SW., Beuthetr. 2. Zu kaufe» gesucht: 233/3» „Neue Zeit", Jahrgang 1883 biS 1890, 1896/97, 1897/98. Für Arbeitervereine! Zur Aufführung geeignet. Soeben im Druck erschienen: Ein Tran in. Sociales Volksstück in 4 Alten von K. Borck, Wiederholt mit vielem Bei- fall aufgeführt. Zur Maifeier sehr ge- eiguei. Gegen Einsendung von 1 M. fauch Vriesmarken) sranco Zilsendung. Im Selbstverlag deS Verfassers Karl Borck, Bernburg(Anhalt), August- straße 5. 23396 Ärbeiter-Bildungssclmle. Am Donnerstag, Billigste Bezugsquelle für Press» n. Steinkohlen. TeilzahlunoHaS Ii. Mast, Tomporowskl, Schncidermstr., Neanderstr. 16, II, an der Annenstr. (Auch baar Caffe billigste Preise.)* Eckdestillatiou, nachweist. d.Brauerei »V, Ba»r.."/z Weistbier i. Monat, Krankheitshalber, nur 1200 M. erforderlich. Näh. Comptvir Holzmarkt- straste 40, prt. Eins gutgebsnbo Dostillatlon, mitte der Stadt, ist wegen Krank- heil sofort zu verkaufen.[25956 Näheres in der Expedition. T. 83,«lt. p»r den Julialt der Inserate >tber»i»»»t die Rcdatii»» de», Publiknin geaeuüber keinerlei BerantNiortnna', Ällzenkev. Mittwoch, den 12. April. Opernhans. Die Afrikanerin. Am fang 71/3 Uhr. Schanspiclhans. Herode« und Mariamne. Anfang 7»/, Uhr. Neues kgl. Oper n-Thcater(Kroll) In, weißen RößX Ansang ?'/, Uhr. Deutsches. Hamlet. Anfang?»/, Uhr. Lessing. Heimat. Borher: Noctnrno Anfang 7»/, Uhr. Berliner. Platz den Frauen. An- sang 7'/, Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Kon- trolleur. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7'/, Uhr. Neues. Hofgnnst. Anfang 7% Uhr. Westen. Teil. Anfang 7»/- Uhr. Metropol. Leichte Kavallerie. Hier- auf: Clrancl d'habits.(Der Kleiderhändler.) Auf. 7»/, Uhr. Schiller. Der Mann im Monde. Anfang 8 Uhr. Ventral. Die Pnppe. Ans. 7>/, Uhr. Thalia. Der Naub der Sabinerinnen. An fang 7i/, Uhr. Lnisen. Nach berühmten Mustern. Anfang 8 Uhr. Belle-Zllliauce. Fuhrmann Hentfchel. Anfang 8 Uhr. Friedrich. Wilhel,»städtische«. Das Milchmädchen von Schöne- bcrg. Anfang 8 Uhr. stllexanderplat«. Die Lebemänner von Berlin oder: Der Klub der Harmlosen. Ansang 8 Uhr. Wiener Volks> Theater. Un- schuldig. Ihr Cousin. Anfang 7 Uhr. Ostend. Die Bnlgaria. Ans. 8 Uhr. »lpolto. Specialitäten-Vorstellnng. Anfana 7Vj Uhr. Reichshalleu. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Fceu- Palast. Specialitäten- Bor- stellung. Passage, Panoptituui. Speciali- täten-Vorslellinig. Urania. Taubenstrahe 48— 4l>. llinturlnndliche Ausstellung. Täg- lich geöffnet von 10 Uhr vor- »littags ab. Eintritt M> Pf. Abcndö 8 Uhr:..DaS Land der Fjorde". Operntelepho». Jnvalideustrasse k7/ Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim �KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Mährs Theater Oraiiie»» Strahe 81. Täglich: Der Klingeljnnge von Bolle. Lebensbild in 2 Alten von Paul Wolfgaiig. Eine alltägliche Geschichte. Posse tu l Akt von S. Staack. Anfang 8 Uhr.— Sonntags 6 Uhr. Wochentags haben Bons Gtltigicit. Alcazar• Theater Dresdenerstr. 52 53. City-Passage. Direktion: Richard Winkler. Täglich mit stürmischem Jubel! Endlich allein! Gesangs-Posse von Joh. Eibner. Musik von Max Schmidt. In Scenc gesetzt v. Otto Mendt. Dazu das vorziigliche neue Special-Programm u.a. «r. James Thomas, Juggler on tho wire. Wochentags(fiitrcc frei! Sonntags 30 Pf. Ein neuer Abendkursus beginnt heute, am 12. April, abends 8 Uhr. 2S2Sb <>. Jacksons Elcktroteehnlkon, Alte Jakobftr. 21. i Feen-Palast- Theater Burgstr. 23. Burgstr, 33. Das neue erstklassige Specialitiiten< Personal. Grosses Riesen-Prograniiu 25 Nummem! 40 Kinistler! Besonders hervorzuheben: Die fliegeudc» ivkcuschcn. tklown Dolly. TierfamUie. Lebende Photographien. Dazu um 8'/, Uhr: Der größte Schlager der Saison: Kihma»» HekM. Berliner Bolkssillck mit Gesang. Fuhrmann Henschel: Direktor Willielm Fröbel. Lene, seine Tochter: Helen» Bog. Anfang 7i/, Uhr. Sonnt. 6 Uhr. Billet-Borv. vorm. v. 11-1 Uhr. Sonnabend, den 15. April: Benefiz für den Kapellmeister Alfred Soinmerfeldt. lZinuis Renz-Riesen-Tunnel. Direltion: J. M. Hütt. Bor Täglich:-ms Konzert- und Specialitäten- Borstcllung. Austreten von Künstlern 1. RangeS. Jeden Sonnabend und Sonntag nach der Vorstellung Tanzkränzchen. VLewriaLrallerei Liistowstras-e 111/11S. Jede« Sonntag, Montag u. Freitag Hnmoristische Soiree der norddeutschen Sänger (Pllhrmatm,. Horst, Walds). P Anfang: wochentags präc. 8 Uhr, sonntags 7 Uhr. Eiifrs« 50 Pf. f�oncertliaus l.eipalffcrstr. Mo. 48. Täglich- Hoffmann's Duartettu.HufflOi'isten 1 Grobartiges Programm, darunter, die vorzüal. Stucke Die ietaite i-ahrt und Itallano Uerolin. Die letzte Vorstellung im kkoncerthaus vor Abbruch _ desselben findet statt am Toililtag, den Avril. Ich, Fräulein Anna Schwerk, hebe die Bertobung auf mit Hcrm Karl Hoffmann, Zimmerer._ 2620b Mittwoch, den IS. April 18SS: Unwiderruflicli Dsük-il.Äbslijitdssorstellmlg. Zum 152. Male: PERSIEN. Tanksagnng. Bei meiner Abrciw nach Wie» kann ich nicht umhin, dem hoch- verehrten Publikum meiner Vaterstadt Berlin hiermit meinen tiefgefühltesten Dank auszusprechen für die groben und anhaltenden Beweise von Sym- pathie, ivelche man mir und meniem Kunstinstitut aus allen Kreisen der bauptstädtischen Bevölkerung auch in dieser, innunehr beendete» Saison ent- gegrngebracht hat. Ich bitte, mir dieses Wohlwollen auch für die louunendc Saison zu bewahren, und laiin ich jetzt schon versichern, dag cS uiciii unentwegtes Beftrebeii bleiben soll, durch ganz sensationelle lieber- raichnngeil und absolute Neuheiten auf allen einschlägigen Gebieten der cirsensisch-equestrischcii Kunst mir die Sympathien deö geehrten Publikums auch ferner zu erhalten. Indem ich schliehlich mich den hoben Staats- und städtische» Behörden sowie der gesamlen haliptitädtischeit Presse für daS mir stets bewiesene Woblwollcn »icinen anfrichtigslen Dank ausspreche, zeichne ich in der Envartung frohen Wiederscbcnö im Herbst Hochachtungsvoll crgcbenst P. Dusch, Direktor. Kein Laden! Empfehle mein reichhaltiges Lager in 626iJ* Filz- tiuH Teideiihiittll, Sclilrmen tn den neue II eil Fayons und Farben, äubcrst billige Preise. «telmwl Klose, Anklamerstr. 41, zweites Haus von der Briiiinenflrabe. Eiiigang vom HanSsiur. ———- Bitte genau aiif die Hansiiunitner z» achten.- Jede erfahrene »«t Hausfrau verwende Fahlberg, List& Co's ärztlich empfohlene Saccharin-Tabletten, den besten und gesundesten Sttssstoff. Der Ersatz von I Pfand Zncker kostet nur ÜO— 1Ä Pfennige! Daher grosse Ersparniss. Ausgezeichnet zum Versüssen von Kaffee, Thee, Kakao, Schokolade, Suppen, Grog, Punsch, Glühwein, Warmbier, Limonaden u. s. w. Zu haben in allen durch Saccharinplakate kenntlichen Drogen-, Kolonial- und Materialwaaren- handlungen. 106/14* Generalvertreter: Wild. Brockel, Berlin K., Seilerstrasse 14. Hauptniederlage: R. Ehrmann, Berlin 8W., Solmsstrasse 24. Radfahrer-Anzüge 7 m. s° Radfahrer-Hosen 3 m. so Radfahrer-Anzüge 15 Radfahrer-Mützen �40«•®i Loden-Joppen••■• 3». Radfahrer-Strümpfe I m.-s Sohn 24a. Cbausseestrasse 24a. 11. Brnckenstrasse 11. 16. Gr. Frankfurferstrasse 16. Reichshallen. Täglich: Stettiner Säuger DM" Denke"TRg Xeues Elite-Progrnnim. lMciisel. Pictro, Britton, Steidl. Krone, Schneider und Schräder.) Delkkon als MM- Pauken- Schulze der Stolz vom RrgiinentI Anfang präc. 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. Numerirter Balkon 75 Pf., Balkon- Loge I Mk., Orchester-Loge 1,50 Mk. Fremdenloge 2 Mk. Tageskasse 11-1. Die Plätze zu den»uincrierten Sitzen sind stets 8 Tage lang vor- her zu haben. llermlttbiinge«. Zimmer. Jung. Mann sucht möbL Zimmer. Preisangabe. Oss. W. B. 21, Postamt 46. Ein kl. möbl. Zimmer od. bessere Schlatst. f. anst. Mädchen per sof. od. in»! 1. Mai gesucht. Osf. a. Fr. Meier, Ritterstr. 100, Ougeb. III l. b. Schwarz. Seiilnkstellen. Möbl. auch Schläfst., 10 M., Kollege, Graudenzerstr. 3, rechts. Ausg. II HS. RrbeitsmarW. Ns Hslzarbelter! Bei Elsholz, jlrautstr. stehen die Kollegen im Streik. Zuzug ist fernzuhalten._ öS. Achtlilig, Bmrbeiter! Da die Kollegen in Zeklentlork sich im Lohnlamvf befinden, ersuchen wir die Bauarbeit«--- :tter Berlins und Um- legend, den Zuzug strengstens fernzu- laticn. Die Lohnkommissio«. 30/7 I. A.: W. N o a k. Achliiiii. Drechsler! In der Bildhauerei von R. Wulff, FehrbeUinerstrabe 14, haben(ämtliche Drechsler wegen Arbeit niedergelegt. Tissercnzen die 79/14 Zuzug fernhalten. StSlIeiumsevo««. Knnstschmlede und Schlosser, tüchtige, welche selb- ständig arbeiten könneil, verlaugt •k483b Tarnnitr. 68. Tüchtige Farbigmacher verlangt 2534b Kristan, Kottbuser Ufer 32. Tüchtige Craoeure«nd Wenre, welche geeignet sind, sich dauernde Stellung bei sehr hohem Berdielist dadurch zu verschaffen, daß sie sich aus Glasfornien einarbeiten möchten, werden gesucht. 14t0L* Bereits auf GlaSformen ein« gearbeitete Etleleur« verdienen ca. 35—40 M. pro Woche. Offerten unter C. 1 a. d. Erped. d.„Vorwärts". Tüchtigen Schrifthaucr auf Granit und Marmor verlangt 7ds Perschke, Bergmannstr. 32. Packer auf Gotdleist. Waldemarstr. 15. Dtteliklntter 2ö19b zum Anwinkeln, Lohn 17 M., vcr- langt Paal Flnkenrntli, Alte Jakobftr. 66. Drechsler verlangt Alabaster- fabcik Bittzerstr. 7. 2«22b Tüchtige Farbigmachcr sofort ver- langt Muskauerslt. 29. 2S32b Dtteltklge Pne Klirinaekei' bei dauernder Befchäftiglmg verlangt Grobe Frankfurterstr. 84._ 26216 Silber-Vraveur-Lehrling sofort verlangt bei Franz Mosgau, M-rkusstr. 60. 26176 Goldstickerinnen auf Anker u. Ab- zeichen verlangt Wörde, Moritzstr. 6. Kleidchen-Arbeiterinnen verl. Schröder, Pankow, Kaiser Friedrichslr. 19.' Plätteriniicu verlangt Dampfwäscherei vlumen- strabe 30. 2. Hof II. 2632b Geübte Arbeiterinnen auf Papier» cigarreiispitzen verlangt Schömami, Brunncnslr. 6._ Blousen- Arbeiterinnen Riedel, Motzstr. 90, pari. 2637b verlangt 26366 Jucht. Mamsells aus Jacketts ver- langt P. Hahn, Schliemannstr. 25, L Mcltürzcn- 25235 Arbeiterinneu. welche größere Posten Wirtschasts- u. Ktiiderschürzen licfem können, bei hohen Preisen gesucht. Alfred Joseph, gowiiinii&nntenfir.59.n. DeiitiUaUons-Dtuunell verlangt Rackwitz, Plan-User 24(am Blücherplatz). Meldungen 4—5 Uhr. Dolitielieere Tüchtige Kartenschneiderin verlangt Paul Finkenratb, Alte Jatobstr. 66. Verantwortlicher Redactenr: Rugust Jacovey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke w BerNn. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. sr. 8». l«. ZchMg. 2. Keilage des„Kmiirts" Keriiller Wsblck. Ui«.-«,. is. m» m. Nochmals Bernsteins Streitschrift. Von K. K a u t S I y. III. Unsere Taktik. an«,®" ��ratische Reformpartei— hier sind wir bei dem Punkt angelangt, wo Programm und Taktik sich berühren e Ramn des..Vorwärts" nicht übermäßig in Anspruch fw? v«3C ba00tt ab. die Frage nochmals zu erörteni, wie Reaktion m Deutschland. Oestreich. Italien und Frankreich Re alten Opportunisten und Panamisten als die reinen «-recheitsengel erscheinen und die Mumien des Senats das Bollwerk oer bürgerlichen Freiheit geworden sind. Wenn Bernstein durch „„eute, die ,n der Arbeiterbewegung mitten drin stehen", die Reaktion weniger stark geschildert wurde, als sie mir erscheint, so beweist dieser geheimnisvolle Hinweis natürlich gar nichts. .<>ch stehe thm um so skeptischer gegenüber, als Bernstein dort, wo er sich aus andere beruft, nicht sehr glücklich ist. Er weist auf englische, russische, schweizerische Summen als Beiveis dafür hin, daß .in allen Landern m der Socialdemokratie eine ähnliche Auffassung iß 40m W',«™ die seinige. Aber die Stimmen, die er .V.'? 5 anfuhrt, beziehen sich bloß auf die Frage der gewaltsamen, revolutionären Diktatur. Daß dieser Gedanke in England und der Schweiz keinen Boden findet, ist begreiflich. Uebrigens bestehen diese„Stimmen" nur aus kurzen Sätzen, über deren Zusammenhang man nichts erfährt. In seiner Antwort citlert er zedoch auch eine französische Stimme, den Genossen Lagar- 5 ,uaä dessen Ausführungen für Bernstein beweisen sollen, weiß ich nicht. Ich stimme den Ausführungen, die Bernstein aus dem Lagardelleschen Artikel citiert, vollkommen zu. Ich habe nie behauptet dav der Marxismus aus ein paar Formeln bestehe, die man bloß �uswenolg au lernen brauche, um allen Anforderungen des socialisti- sehen Kampfes gewachsen zu sein. Ebensowenig habe ich behauptek, die �ehre vom Klassenkampf enthalte die Forderung, das kämpfende Proletariat solle sich nur um proletarische Angelegenheiten kümmern, und sich nicht in die Kämpfe hineinmengen, ivelche die herrschenden Klanen untereinander führen. Das ist es aber, wogegen Lagardcllc m seinem trefflichen Artikel über„den SocialismuS und die'Affnire Dreyfus" polemisiert. Da aber Bernstein Lagard elle für sich reklamiert, wird er Wohl auch an folgenden Sätzen seines Artikels nichts auszusetzen finden: „Je mehr unsere französische Bourgeoisie ihre Klasseninteressen be- greift, desto mehr wird sie die demokratischen Einrichtungen be- kninpfen... Der Triumph der Demokratie kann nur ans dem Triumph des Proletariats hervorgehen... Die besten der Bour- gcvisie glauben nicht mehr an sie... Die moralische Katastrophe geht immer der politischen Katastrophe voraus... Die Krisis mag sich fortsetzen und Komplikationen mögen auftauchen: komme, was will, die in Auflösung begriffene Bourgeoisie wird den französischen Socialismus bereit finden, von dem Rechte Gebrauch zu niachen, das nach Engels das einzige historische Recht des Proletariats ist, dem Recht auf Revolution". _ Wenn alle Stimmen, auf die Bernstein sich beruft, bei näherem Zusehen als derartige Stimnien sich erweisen, können wir zufrieden sein. Lagardelle wird aber, wie ich fürchte, wegen veralteter Phra- scologie ebenfalls aus der Bernsteinschen Reformpartei ausgeschlossen bleiben müssen. Wie die Berufung auf Lagardelle geht auch die auf Engels aus einer Selbsttäuschung hervor. Bernstein liebt es. immer und immer wiederidie Engelssche Borrede zu den Marxschen„Klassenkämpfen" als Bestäsigung seines Standpunkts hinzustellen. Er meint:„Man nehme an, Engels sei statt im August im Februar 1835 gestorben, ehe er die Vorrede zu den„Klassenkämpfen" schrieb, und es käme nun jemand her und führte mit etwas anderen Worten gerade dasselbe aus, was Engels dort selbst kritisch sagt, wie würbe das wohl aufgenommen werden? Wir müssen uns hüten, päpstlicher als der Papst sein zu wollen." Wenn jemand anderer denselben Gedankengang entwickelt hätte, wie Engels, hätte niemand unter uns etwas daran auszusetzen ge- funden. Ich darf hier daran erinnern, daß ich bereits 1893 in der „Neuen Zeit"(Xll. I, S. 402 ff.)„mit anderen Worten gerade das- selbe ausführte," was später Engels sagte, ohne daß ich damit den geringsten Anstoß in Parteikreisen erregte. Weder das, was Engels, noch daS was ich sagte, war eben etwas grundsätzlich Neues. Nur so optimisttsch wie Engels war ich nicht. Ich wagte nicht, ein be- siimmtes Tempo der Entwickelung anzugeben, während unser alter Meister voll Jugendmut und Thatenlust den Sieg aufs rascheste kommen sah.„Auf 2V4 Millionen Wähler", schrieb er 1885,„können wir schon heute rechnen. Geht das so voran. so erobern wir bis Ende deS Jahrhunderts den größeren Teil der Mittelschichten, Kleinbürger wie Bauern, und wachsen zu der entscheiden- den Macht imLande, vorder a l l e a n d e r e n M ä ch t e sich beugen müssen, ob sie es wollen oder nicht." Wenn ich diesen Satz nicht unterschreibe, so geschieht es keines- Wegs deshalb, weil er zu sehr im Bernsteinschen Sinne gehalten ist. Den Schluß seiner„Vorrede" hat Engels auf Wunsch deutscher Freunde gestrichen, aber den Stein des Anstoßes bildete keines- wegs ein Plaidoyer für die Verwandlung der Socialdemokratie in eine demokratische Reformpartei. Deutlicher sprach er in der„Neuen Zeit". Da wies er(X. II, S. 587 ff.. Januar 1892) in dem Artikel über den„Socialismus in Deutschland" auf das rasche Anwachsen der socialisttschen Stimmen hin.„Die Hauptstärke der deutschen Socialdemokratie liegt aber keineswegs in der Zahl ihrer Wähler. Bei uns wird man Wähler erst mit 25 Jahren, aber schon mit 20 Soldat. Und da gerade die junge Generation es ist, die unserer Partei ihre zahlreichsten Rekruten liefert, so folgt daraus, daß die deutsche Armee mehr und mehr vom Socialismus angesteckt wird.... Das rückt heran, unaufhaltsam wie ein Schicksalsschluß. Die Berliner Regie- rung sieht eö kommen, ebenso gut wie wir, aber sie ist ohnmächtig. Die Armee entschlüpft ihr." „Wie oft haben die Bourgeois uns'nicht"zugemutet, wir sollten unter allen Umständen auf den Gebrauch revolutionärer Mittel ver- zichten und innerhalb der gesetzlichen Grenzen bleibe», jetzt, da das Ausnahmegesetz gefallen, das gemeine Recht wieder hergestellt ist für alle, auch für die Socialisten. Leider sind wir nicht'in der Lage, den Herren Bourgeois diesen Gefallen zu thun. Was aber nicht verhindert, daß in diesem Augenblick nicht wir es sind, die die Ge- setzlichkeit kaput macht. Im Gegenteil, sie arbeitet so vortrefflich für uns, daß wir Narren wären, verletzten wir sie, so lange dies so vorangeht. Viel näher liegt die Frage, ob es nicht gerade die Bourgeois und ihre Regierung sind, die Gesetz und Recht verletzen werden, um uns durch die Gelvalt zu zermalmen? Wir werden das abwarten. Inzwischen: Schießen Sie gefälligst zuerst, meine Herren Bourgeois I" „5lein Zweifel, sie werden zuerst schießen. Eines schönen Morgens werden die deutschen Bourgeois und ihre Regierung müde werden, der alles überströmenden Springflut des Socialismus mit verschränkten Arincn zuzuschauen; sie werden Zuflucht suchen bei der Ungesetzlichkeit, der Gcwaltthat. Was wird's nützen? Die Gewalt kann eine kleine Sekte auf einem beschränkten Gebiete erdrücken; aber die Macht soll noch entdeckt werden, die eine über ein ganzes großes Reich ausgebreitete Partei von über zwei oder drei Millionen Menschen auszurotten im stände ist. Die kontrerevolusionäre momentane Uebermacht kann den Triumph des Socialismus viel- leicht um einige Jahre verzögern, aber nur, damit er dann um so vollständiger und endgültiger wird." Das ist eine andere Melodie als das sanfte Flöten der Bern- steinschcn Reforinidylle. Das Leitmotiv ist aber dasselbe wie in der Vorrede zu den„Klässenkcnupfcn".' Die Bernsteinsche Auffassung der letzteren ist ungefähr ebenso berechtigt, wie die des Lagardelleschen Artikels oder die der Marxschen Zusanimcnbruchs-Theone, oder>vie seine Ansicht, er verlange von der Socialdemokratie nur, sie solle scheinen, was sie ist. lieber die Notwendigkeit, für sociale Reformen zu kämpfen und den linken Flügel der Bourgeoisie dort, wo er gegen die Reaktion sich kehrt, zu unterstützen, besteht in unseren Reihen keine Meimmgs- Verschiedenheit. Wenn Bernstein immer und immer wieder erklärt, er wolle nur die Notwendigkeit dieser Politik betonen, dann muß ihn: erwidert iverden, baß, wenn er nicht mehr gesagt hätte, nie- mand in der Partei ihm entgegengetreten Iväre. Zu denjenigen, die am entschiedensten für die Betheiligung an den preußischen Landtags- wählen und einen Kompromiß niir den Freisinnigen eintraten, gehörte Parvus. Und seine Anträge an den Hamburger Parteitag, auf die er so großes Gewicht legte, bezogen sich nicht auf die sociale Revolutton, sonder»' aüf den Achtstundentag und die Getreidezölle. Aber allerdings beschränkt sich die Socialdemokratie nicht auf die Rcformarbeit, auf die Schulung und Organisation der Massen. Sie verbindet die Kleinarbeit de? Tages mit der Propaganda für große, umwälzende Ideen, sie gesellt zu der Hartnäckigkeit des all- räglichcn Jnteresseukampfcs die Begeisterung, welche das Ideal einer neuen, höheren Gesellschaftsforni einflößt, sie weiß.die jeweilige Unterstützung einzelner Fraktionen der Bourgeoisie gegen andere zu vereinbaren mit dem grundsätzlichen Klassengegensatz gegen die Bourgeoisie in ihrer Gesamtheit, kurz, sie ist gici'chzeitig eine Partei socialer Reformen und socialer Revolutton, und dieser Vereinigung, die sie in den sechziger Jahren vollzog, hat sie bis heute ihre Größe, ihre führende Stellung unter den socialisttschen und proletarischen Parteien, ihr märchenhaftes Wachstum zu verdanken. Und diese Taktik ivill Bernstein umstürzen. Es ist nicht wahr, wenn er sagt, er verlange von der deutschen Socialdemokratie nur, sie solle scheinen, was sie ist. Er verlangt, sie solle aufhören, was sie bisher war, sie solle jene enge Verbindung reformierender Thätig- keit und revolutionierender Propaganda aufgeben, die von Marx und Engels begründet wurde, der bisher ihre Kraft und Bedeutung entsproß. Nichts anderes verlangt er, wenn er unsere principielle Propaganda, unseren grundsätzliche» Kampf gegen die bestehende Gesellschaft für eine veraltete Phraseologie erklärt, wenn er die Partei auffordert, eine demokratisch-socialisttsche Refornipartei zu werden, wenn er dem Socialismus sein Rückgrat nimmt. Und warum sollen ivir diese Schwenkung plötzlich vornehmen? Die theoretischen Gründe, die Bernstein dafür anführt, sind völlig haltlos. Hat etwa die politische Situation sich plötzlich geändert? Soweit sie Aendcrungen aufweist, sprechen diese nur gegen, nicht für die Bernsteinsche Taktik. Noch nie, seitdem die Socialdemokratie besteht, hat die Bourgeoisie sich so feige, so erbärmlich benommen, wie jetzt; und noch nie seit 1370 lebten wir in einer Periode größerer socialer und politischer Unsicherheit, als heute. Gewiß, es wäre höchst thöncht, im Vertrauen auf nahende Katastrophen die praktische Arbeit zu vernachlässigen, die der Tag uns bringt, aber daran denkt niemand in unserer Partei. Noch thöricht'cr aber wäre es, in einer Situation, die jeden Tag die überraschendsten Wendungen und die folgenschwersten Katastrophen bringen kann, sich von den kleinen Interessen des Augenblicks gefangen nehincn zu lassen, um darüber den ivelthistorischcn Inhalt unserer Bewegung zu vergessen und eine Taktik einzuschlagen, die zur Zerfahrenheit, zur Verwirrung, zur Auflösung führen müßte. Bernstein meint, die politische. Demoralisation des englischen Arbeiters rühre nicht von seiner Bekehrung zur demokratischen Reformpolitik der englischen Liberalen her, sondern von der Nieder- läge des Chartismus. Aver diese ivar nur eine Teilerscheiuung der allgemeinen Niederlage der proletarischen und deniokratischen Be- wegungen von 1348. Warum führte sie gerade in England zur politischen Unselbständigkeit der Arbeiterklasse. warum nicht auch in Frankreich und Deutschland? EiueS will ich jedoch Bernstein gern zugeben: die Niederlage des Chartismus hatte allerdings großen Anteil an dem Uebergäng der englischen Arbeiterschaft ins liberale Lager. Weder die industrielle Ausnahmestellung Englands in den sechziger Jahren noch das Aufkommen der Ar- bester- Aristokratie und daS Entgegenkommen einer starken und furchtlosen Bourgeoisie hätten allein diesen Uebergaug, dieses Aufgeben der selbständigen Klassenbewegung, zu be- wirken vermocht, wenn nicht die Niederlage des Chartismus die englischen Arbeiter vorübergehend politisch demoralisiert hätte. Ihr Uebergäng zum Liberalismus machte bloß diese Demoralisation zu einer dauernden. Nur ein niedergeworfenes, politisch demoralisiertes Proletariat kann zu jener Beschränkung auf demokratische Reformpolitik gebracht werden, die Bernstein anräth. Aber die deutsche Socialdemokratie ist nicht niedergeworfen, sie schreitet von Sieg zu Sieg. Sie ist durch ihre bisherige Taktik im Laufe eines Menschenalters aus einer verschlvindend kleinen Sekte zur stärksten Partei Deutschlands ge- worden; sie hat alle Aussicht, im Laufe des nächsten Meuschenalters zur herrschende n Partei Deutschlands zu werden, und da soll sie, mitten im Siegeslauf, ihre Front ändern, ohne einen anderen Grund, als deswegen, weil ein wohlmeinender aber leider isolierter Parteigenosse in seiner Einsamkeit zum socialisttschen Hypochonder ge- worden ist, oder weil den einen oder anderen der Kämpfenden Kurzatmigkeit befallen hat, sodaß er beim schnellen Siegeslaufe nicht mehr recht mit kann? Und diese Frontänderung mitten im Feuer soll keinen anderen Zweck haben, als den, die Trümmer einer geschlagenen Armee von Gegnern in unseren Rücken gelangen zu lassen— von Gegnern, die uns um so mehr hassen, je kraftvoller wir werden, und die als Bundesgenossen bei jeder Gelegenheit bereit wären, uns zu ver- raten! Nein, wir müssen die Bernsteinsche Taktik ebenso entschieden zurückweisen, wie seine Theorien. Aber wozu diese Entschiedenheit? Sind denn unsere Gegensätze wirklich so schroff? Bernstein schließt seine Antwort mit den Worten:„Nur einen Eindruck möchte ich vermieden sehen. Wiederholt äußert sich Kautsky, als ob ich von der Partei verlangte, sie solle ihr Programm ab- ändern, eine grundsätzlich neue Taktik einschlagen. Das fällt mir nicht ein. Was daS Programm anbetrifft, so bin ich mit seinem praktischen Teil im ganzen durchaus einverstanden und lege kein Ge« wicht darauf, ob im theoretischen ein Satz steht, der mit meiner Auf- fassung vom Gang der Entwickelung nicht mehr stimmt. Hinsichtlich� der Taktik bezlv. der Aktion der Partei aber bleibe ich bei meiner Auffassung, daß ich nur ausgesprochen habe, was ist, oder wenigstens im Werden ist", und fast jedes Parteiblatt aus Deutschland bietet Bernstein neue Beweise dafür. Daß bezüglich der Taktik der Partei Bernstein in einer Selbst- täuschung befangen ist, brauche ich nach dem Gesagten nicht noch zu erörtern' Allerdings schlägt er der Partei nichts' wesentlich Neues vor, was sie thun soll— abgesehen von einigen nicht unbedenklichen Punkten— stehendes Heer, Weltpolitik, Kolonialpolitik. Aber ab- gesehen davon besteht seine neue Taktik nicht darin, daß er der Partei zumutet, sie solle etwas thun, was sie bisher nicht gethan, sondern darin, sie solle etwas lassen, was bisher aufs engste mit ihrer Thätigkeit verbunden gewesen. Wir sollen uns auf die Hälfte dessen beschränk�/ was wir bisher gethcui.. Wenn Bernstein für die von ihm empfohlene Taktik die Bezeichnung als St c u h e i t ablehnt, dann kann ich sie nur als Halbheit bezeichne::. Aber das Programm? Ja, da finden wir dieselbe Halbheit. Mit der einen Hälfte, der prakttschen, ist er einverstanden. Es ist jene, die jeder demokratische Socialpolitiker unterschreiben kann. Aber der theoretische Teil, durch den erst der praktische Teil seinen socia- listischen lproletarisch-, nicht bourgeois-socialistischen) Charakter erhält, wie steht's mit dem? Ei, es fällt Bernstein nicht ein, seine Aenderung zu verlaugen, er legt kein Gewicht darauf, wenn e i n Satz darin steht, der mit seinen Anschauungen nicht mehr stimmt. E i u Satz I Bernstein verwahrt sich dagegen, zu vertuschen oder abzuschwächen. Aber ich möchte Bernstein fragen, wo in den ersten sechs Absätzen unseres Programms ein Satz ist, der mit seinen jetzigen Anschauungen noch stimmt. ' Nicht ein einzelner Satz, sondern unser ganzes Pro- g r a m m in seinen ersten, grundlegenden Absätzen, wäre, wenn Bernstein recht hätte,-wie ich schon einmal gesagt, ein einziger großer Irrtum. Schrieb er aber sein Buch zu einem anderen Zwecke, als zu dem, uns zu überzeugen, daß er recht hat? Was soll es also heißen, daß er nicht verlangt, wir sollten unser Pro- gramm ändern? Wir sollen es bloß für irrtümlich halten, aber es ruhig fortbestehen lassen! Und da ereifert er sich gegen den„Cant" in unserer Partei,„die unwahre, entweder gedankenlos nach- geplapperte oder mit dem Bewußtsein ihrer Unwahrheit für irgend welchen Zweck ausgenutzte Redensart" sS. 109). Ich stimme ihm vollkommen bei. daß nichts verderblicher ist für eine Partei, als ein derartiger„Canttanismus". es wäre aber der ärgste Cant, wollten wir Bernsteins Kritik unsres Progranmis anerkennen und nicht verlange», daß eS geändert wird. Eben, wie ich die Korrektur dieser'> der Bericht über die Versammlung zu i Naumann über„Bebel oder Bernstein" W. Heine dort erklärt haben:„Der große Gegensatz zwischen Bernstein und Bebel als dem Repräsentanten der Partei sei ein rein konstruierter. Wenn auch der eine den Zuknnftsstaat näheo als der andere glaube, so sei die Hauptsache doch die Ueberein- stimmung über den einzuschlagenden Weg." Ist der Bericht genau, dann hat Heine wieder einmal den alten, abgedroschenen Einigkeitscant angestimmt. Wenn Bernstein seine„Probleme des Socialismus" schrieb, wenn er deswegen so heftig attakiert wurde, wenn wir in Stuttgart aufs leidenschaftlichste debattierten, wenn Bernstein ein Buch von 200 Seiten abfaßte, wenn dies von Freund und Feind allenthalben eifrig kommentiert wird— so handelt es sich bei dem allen nur um die Frage, ob der Zukunfts- staat näher oder ferner ist! Sieht Heine nicht, wie er durch dies Versteckspiel Benfftein zu einem Narren, die Sozialdemokratte zu einen: Narrcnkollegium stempelt? Nein, die Gegensätze'sind da und eS liegt im dringendsten Parteiinteresse, sie auszukämpfen und durch eine entschiedene Stellung- nähme zu beseitigen. Sie ableugnen, verkleinen: oder sich neutral zu ihnen stellen avylle», hieße nichts anderes, als sich einer Zwei- deutigkeit schuldig machen, die lächerlich würde, weil sie den Eindruck der Hilflosigkest oder Feigheit hervorriefe. Die Versumpfung den Gegensätze könnte weder unsere Einigkeit noch unsere Kraft vrnnchren. Sie mußte jede Zuversicht, jede Ein- heitlichkeit in der Partei untergraben, Unfrieden und Unsicherheit in ihren Reihen permanent machen. seilen lese, komnst mir Besicht, in der Pfarrer sprach. Danach soll Möbel und Polsterwaaren. Re-ne Arbeit. Ganze Einrichtungen zu billigen Preisen. s1164L" rr-nz Tntzauep, Brunucnstraff« 152. J. Brünn, sBahnhof Börse) Hackescher Markt 4 Nach beendeter luv«n tili- gelangen gröbere Lagerbestcknde metner Teppiche! Gardinen! Steppdecken! Portieren! Kertiae Wäsche! ' billigen Preisen zum AusVerlmufN 14118» Skalitzer■ Strasse Bio. 6, am und Iiager kompletter Wohmmgs- Einrichtungen Julius Apelt, von Tischler. meister. icottbnser Thor. permanente Ausstellung siir Wohnungs-Einrichtungen in allen Preislagen stehen jederzeit zur Be- sichtigung bereit: auch werden dieselben in eigener Werkstatt im Hause nach Wunsch und.Zeichnung in kürzester Zeit angefertigt. Für bestes und trockenes Material leiste Garantie. lOKOL» n P Mxl RPHFRII Fnndbnrean. t.jL.bf.n.SjÄiS'uj C E» E Hl L Fahrräder * Mähmaschinen aller Spftemft Billigste Bezugsquelle(auch Teilzhlg.) Abonnenten d. Blattes ö Proz. Rabatt. Ulli& Co.,....... Hofflnann.- ntufrrug.,«ismbau, mit zribv. lenfftHt, in schwarj od. Nubd., lief. z.Fabrikpr. um. lojihr.Si» tNUUie, gegen rheig.mtl. Mk. t» Preiterh., nach auswärt« fcf, (Refcttnicn u. K-t-l.»»Ii« Berli» SW. i», Seiviigerstr. SO. emnuAnM Größte Auswahl in in- und aus- lündischeu Stoffen für Paletots, Anzüge, Beinkleider zc. werde» nnter Garantie deö guten SiücS zik� überaus billige« Preise» schnellstens angefertigt im Tuchgeschäst bei /l.Ksi'Ie. Vslliemi'sti'.kk. lteppllkelleii e dH kauft man am besten und billigsten nur direkt in der Fabttl B. Strohmandcl, Berlin S.f 72, Wall-Slrasse 72, wo auch alte Decken aufgearbeitet werden. 134SL» friedrttUaPÄ� Chorinerstr. 18, empfiehlt sich auf Grund nachweisl. Mjährig. prakt. Erfahrung zu allen i. Fach schlagend. Dieusten, speciell antiseptischer Wundbehandlung. C�aussee-SfV. ßERLIN, N. Cfjaassee-Sftöö. Tages-ÄDgebot»Mittwoch d, 12, Donnerstag 1 13, Freitag d. 14 April. Butterdosen veraickeltemTeller a. Deckel Stück 42 P'- TahlfHc mit durchbroch. vernickeltem Rand, oval OB p. �«virus und dreieckig........ Stück«3 Pt. £lk»rtaWetfs M'io"1" S Gr. ca. 8X20 8X30 cm Preis 30 85 ServWaWetts"" ,tn"cl!e"eS°» Preis 2,65 M,c VdssWccfc-IaMctts, 0r c" 80» 30 86« Wirtschafts-Midel. fcnstaimer, Wirtscha/tswaagen, n..EmaiUe-zifferbiattstück 225 Pl. JÄesserkörbe ��eiu«....... stück 42 pf- JKtesserputzbretter..... stück 25° 18 � Bürstenbrett mit 6 Bürsten..... Stück 1,95 Wc. Garderobenleisten 10 15 23 28 38 55" Vorratstonnen neabiaat �-Vtp'tmd inhait 2 stück 25" Vorratstonnen"infr�rTstück 35" jÄesserspüler,»«kin...... stück 45 n 5fliaffl1l!>"VninP warm a. neublau Inhalt ca. Lit. " s p�is 38 42 55" JCehrschauJeln«»rm. ond neubiaa smck 42, 33 pf- ConSOlCH wit Maas«, mann. n. neubiaa,. Stück 42" Teesiebe weiss and neubiaa....» Stück 20 Pi Sci/enhalter mit Haken, weiss.:::. stück 13 pi. °val, neubiaa and mann. Wannen Gr. ca. 35 40« w es eo 7 Haken 4 Haken 8 Haken 60 55 42" Cöcher und Besenleisten.•• stück 45, 38" JCüchenleisten- 8 m]Kehrbesen w» Grössen stück 75, 60, 42" Ros$haar-J(and/eger 1.25. 1,15, 0.95" Rosshaar-Besen 8 2,10, 1,80, 1,50" Goldbandtassen.........»«°*15" MÜChtÖpfe diaa, für Küchenrahmen.».. Stück 3 Pf- JCafleekannen,........... �60" Xajjeebecher,»««alt........-stück 8?/. Waschservice, Bandmoster•- steck 96" Waschservice, 5 Dmckmuster. Stück 1,85 Mk- Waschservice,»theuig, bam.;.-». stück 3,75 Mk- Waschservice, 8 ,heni&«wkardig. gross Stock 4,75 Mk. Wtschbedten,»»>->.«.- s»-» Zi. A, v<- Kasserollen � Gr- Preis 22 33 38 Pl. Kasserollen mitRin�n-bIaB. Gr- � � � f™ preis 65 72 90100" Kasserollen ohne Rins' � Gr-*!1"" Preis 30 38 48 pf- Kat�prnllrn mitRing marm- �r. ca. is 20 22 24 cm PN-» 72 8095115" Kummen weiss-• Gr- ca- � Ii 11 11 �■ cm Pr-tt 13 18 23 26 33 Pi. Inge ca. 99 41l|1 48 cm U0 1,45 1,55 aii. Bratpfannen,-»"'i-" Kachenbretter � S.°0. 5.40. 475„ Gr. ca. 84. 35'/,. 88. 40, 42'/,. 44, 61, 54, 55";. 67 cm 12, 15. 17, 23, 28, 30, 35, 45, 60, 75 Schinkenteller rund Ahora Gr- ca-" � ,24 � 12,18,20,25" putz- u. Wichskasten--•• stück 45, 23" Kleiderbügel- Dud. 70 pi- iroh Dtzd 40 p� Klammern............ schock 13 pi. Gierschranke.... stück 1,65 0,75 0,45 Mk. SCllMOrtrSafp �i�ing, neablan,Gr. ca. 16 18 20 22 cm " Preis 60 72 85 98 Pk. Schmortöp/e Gr-ca--1B6 � 2° " Prds 65 78 90 110" Wasserkessel Sack'• Cr c\fn4?*cm Pre!» 1.40 1,60 Mk. Waschgarnituren sihcmg, neubiaa. stück 1,60 Waschgarnituren stheiiig, weiss.. stück 140 Mk. marmorirt und neublau, 75 m wllllg*l Grosse ca. 28 cm.*.. Stück 10" Oürstm. Schrubber � s Grossen.... Stück 39, 23. 18 Pk. Schenerbürsten..... stück 12, 10, 9, 8" JCandvaschbürsten...... stück 13. 9. 5" yiu/tragbürsten....... Stack 12, 8. 6" Dorzellsn. Kaffeeservice, w'0 1,85"t Dessertteller,»»«»ii.......->°°t 11->- xzssen w!t Blumenzwcigen.»,»». Stück 19 Pk. Knchcntellcr, bemalt.......- Stück 38 PI. Steingut. Jäjßlservice, SSlheUlg, einfarbig... Stück 6,00 Mk. Wasserkannen, diaae streifen.... stück 23" Wasserkannen,......... stock 38 pf- Blnmentdp/e, � Majouk»..... stück 55" SpucknJp/e,............. stück 13 pf- Schmufzbürsfen Glanzbürsten• Kleiderbürsten. Kop/bursten. • ♦» Stück 12, 3 Pk. Stück 60, 38, 25. 18 Pk. . von 0.45 bin 2,10 Pk. . von 0,35 bin 2,25 Mk. lassen Jür Restaurateure Stack 15 pi Vorratstonnen, � zwiebeimaster... stück 42 pl jytilchtöp/e, weis»........ stück 8, 6, 4 Pk. Kuchenteiier, Bococo mit Amoretten.». Stück 3T Pk. Teiler, kiek und Nach, glatt weis,..,.. Stück 6 Pk. heiler, 4161 und nach. weiss gerippt.... Stück 7" Getier, � nnd klach. blau.Stück 9 Pk. Geiler, kief und flach, bunt.., j j. Stück IS Pf. jiclonen, bi«o stock 45 pk. 3,*/ �orjeliangarnitur„Selftermuster". Gssig- u. Deljlaschcn stück 75 pf. Salz- n. Mimesten stück 1,55«. Q)/ Vorratstonnen stück 75" / Gewürztonnen stock 28" Steingut-Garnitur„AHrnus". �2)/ V«mki«nnensi°-ii5Ip- �/ Gewnrztonnen stock 20" Gssig- n. Oel/laschen stock 53 Pf. Salz- n. Mimesten stock 135»,k. Verkauf an Wieder irerkSufer findet nicht statt. Sttautwortlichu SictsctAvi Stngiist ip Lerlw. Ljjj» ttt> Lnieralcnteil verantwortlich: TS. Blocke in vertu». Druck iwl> Verlag«ab Mar Tading ta verlin.