— Erscheint mit Ausnahme des Montag tag',ich früh. a Jattton n.‘DtrWaltaaa> Drau>>< Ttrt.-uanto i»• K!»vd> M70S 11401. 9ta4>lr*ftan.k Wiederherstellung der Wirtschaft-- und Finanzkräfte des Landes sowie durch die Gewähr- leistung der nationalen Unabhängigkeit, dieses höchsten Interesses und des Interesses des internationalen Friedens, sicherplstellen. Die Regie- rung werd« oft Lösung des Finanzproblems nicht aufMieben. Der Kredit erfordere als Garantien das vollständige und tatsächliche Budgetgleich- gewicht. Die französische Währung, di« die gesündeste und festeste bleibt, fordere die Sicherheit der Staatskasse. Die Regierung verpflichtet sich bedingungslos, sich den Budgetausgleich angelegen sein zu lassen. Wesentliche Einsparungen werden neben augenblicklichen Opfern in der rationellen Reform der Administrative gesucht werden, welche ei» weniger kostspieliges Arbeiten der öffentlichen Be- hörden ermöglicht. In sehr kurzer sfeit werde die Regierung um die Verabschiedung des Ein fparungsentwurfts ersuchen und dann werden ohne Aufschub weiteve AuSgleichSmaßnahmen vorgeschlagen werden. Die Regierung tverde di« Steuerzahler schonen und Steuerbetrügereien verhindern. Die StcuercrlcichterungSvorschiäge werden hauptsächlich von deni Grundsatz der gerechten Bemessung der Einkommensteuer ausgehen. Ter Wie», 3. November.(EiSurbericht.) Siche, rem Vernehmen nach bereitet Tollfuß eine Umbildung der Regierung vor. Vor allem soll Fey, der schon bei der letzten Regierungsbildung die Landesgewalt in seine-Hände bekommen wollt«, Landesverteidigungsminister werden und so dar Bundesheer vollständig unter fascistische Leitung gebracht werden. Finanzminister Buresch wird auS der Negierung mH noch zwei seiner Kollegen ausscheiden, um Gouverneur der Postsparkasse zu werden. Stcidl« hat heute sein Amt als Propa- Anklage wegen Beleidigung der Regierung Dollfuß Wien, 3. November. Gegen den Vorsitzenden der bekannten, für den Zusammenschluß Oesterreichs und Deutschlands arbeitenden Propaganda- und VorbercitungsauSschuß,„Tentsch- osterrcichischcr Volksbnnd", Dr. Jng. Hermann N e u b a ch c r, der bis in die letzten Tage eine wichtige Stell« in der Crcditanstalt innchatte, wurde wegen einer journalistischen Unterredung mit dein bekannten französischen' Journalisten Sauerwein, deren.Inhalt im„Paris Soir" abgedruckt wurde und die Beleidigungen der Regierung Dollfuß enthielt, daS Strafverfahren eingeleitet. llaKenitrcuzmOrder geflohen Innsbruck, 3. November. Aus dem Kuf- steiner Gefängnis ist gestern der Naliauolsozialist Fähigkeiten des Landes zu fördern. So werde eine.Herabsetzung der drückenden Last der Arbeitslosigkeit erreicht werden. Tas groß« Programm der nationalen Ausstattung, welches hauptsächlich die Koordination des Verkehrs ermöglichen wird, werd« der französischen Wirtschaft neue Impuls« geben, die koordiniert werden müsse und eines genaueren Planes bedürfe. Die französische Wirt- schäft bedürfe aber in gleichem Maße einer sofor- tigen Sicherheit. Frankreich, das sich der wechsel» fertigen Abhängigkeit aller Weltteile bewußt fei, sei zu einer intenrationalen Zusammenarbeit zum Zwecke einer wirtschaftlichen Wiederherstellung bereit. Solang« aber eine Wirtschaftsanarchie herrsckn, müsse Frankreich an der Wicüerhcr- stelluitg des.Handelsgleichgewichtes arbeiten und zu diesem Zwecke keineCinfuhrzulasseu, tvenn nicht gleichzeitig dem ftatlzösischen Export Begünstigungen gnvährt würden. Der Währungsverfall und di« Mähr»ngsanarchie, die Zerstörung der Plärkte durch verschiedeire künstlick-e Maßnahmen wie Dumping, ervvingcn den en», schieden«» Schntz der französischen Produktion. Dieser Schlitz, die Kvntingeivtiernng, ist g'eich- zeitig auch ein Mittel des Warenaustausches. Frankreich müsse all« seine Quellen, hauptsächlich feine kolonialen Möglick-keiten ausschöpfen. Frankreich, daS im Begriffe, sei, seine eigene Wirtschaft zu organisieren, werde da imstande fein, mit den übrigen Kontinenten Verträge über eine allgemeine Zusammenarbeit durch die Schaffung«in«r gerächten konstruk.iven Arbeitsteilung, durch di« Beseitigung der furchtbaren Gefahr von Zusam» menstögen, in denen die Kultur unterliegen würde,. zu schließen. Diese Jdoe des Friedens unter den Völker»,»ich Rassen- werden wir unserer Außenpolitik- einverleibeu. * Norman Davis hei Paul-Doncour Paris, 3. November. N orman DaviS hatte gestern vormittag eine eingehende AnS- sprack-e mit dem Außenminister Paul Boncour. Er verweigerte jede Erklärung über den Gegenstand dieser Besprechung, doch tcllt di« Agentur Havas mit, daß er Wert darauf gelegt habe, mit dem französischen Außenminister vor dessen für SamStag angesetzten Abreise nach Genf di« durch den Rücktritt Deutschlands vom Völkerbund und von der Abrüstungskonferenz geschaffene Lage in allen Einzelheiten zu prüft». Auch dürste besprochen worden sein, unter welchen Bedingungen am ll. November das Büro und am 4. Dezember die Gencralkommission der Ab- rüftungSkonftrcn; zusammentreten sollen. gaichachef Oesterreichs angetreten. da es Dollfuß offenbar mrfit er ragt, keinen Goebbels zu haben. Außerdem ist zwischen dem Postminister und dem Generaldirektor der Post ein schwerer Konflikt anSgebrochen, weil der Postminister auf die Zer- stövung der Postlergeiverkschaft hinarbeitete. Ter Generaldirektor der österreichischen Post hat dar- aufhin seinen Rücktritt gegeben. Un er diesen Umständen sind in den nächsten Tageit Ereignisse von größter Bedeutung zu erwarten. Josef Amman, Gastwirt auS Klobenstein, geflohen, der tnegen Mordversuchs an einem Gendarmen verurteilt worden ist. Alle Nachforschungen nach dem Flüchtigen, der offtnsichtlich.Helfershelfer hatte, blieben crfvlglos. Devisenschieber verhaltet Wien, 3. November. Ter Wiener Polizei gelang eS, eine neue Tcviscnaffäre zu enthüllen, die in ihrem AuSmaß zu den größten ihrer Art tählt. Die Haupttäter siqd der bekannte Advokat Dr. Arnold Pechkranz aus der Schottengasse im l. Bezirk nm> dessen. Kanzlcidircktor Arnold Hochfeld. Die.beiden Genannten wurden verhaftet und gleichzeitig, wurde das Büro einer eingehenden Durchsuchung unterzogen, wobei eine Menge kompromittierenden Materials gefunden wurde. Pcchkranz war der Vertreter einer großen ausländischen Bank, die über ganz Mittel europa Transaktionen durchsührte.' Im Vormarsch. Zu den englischen Wahleriolgen. Wie wenig ein« im Kampfe der Klassen verlorene Schlacht zu einer dauernden Nieder- lage der Arbeiterklasse oder gar der Ausgang zur völligen Vernichtung zu werdest braucht — eben das demonstriert die politische Entwicklung in Englaitd recht anschaulich. Es sind gerade ztvei Jahre her, daß Macdonald auS den Reihen der Arbeiterpartei desertier.«, das Unterhaus auslöste und der Partei, der er Jahrzehnte der Führer gewesen>var, eine recht empfindliche Schlappe beibrachte. 287 Mandate— beinahe die Hälfte der 008 Unterhaussitze— hatte die Arbeiterpartei im vorhergehenden Wahlkampf erobert, nm in den Herbsllvahlen 1931 aus wenig mehr als ein halbes Hundert zurückgeworfen zu tverden. Die Partei, die eben noch dem Lande die Minderheitsregierilng gestellt hatte, war da- niit zu einer einflußlosen Minderheit zusammengehauen worden, die Konservativen ver- füglett allein über eine knappe Fünfsechslel- Mehrheit. Wie jitteIKit doch damals die Gegner des Sozialismus! Nicht nur in England. Nein: den Sieg der Torys über die Arbeiterpartei feierten sie als«inen Sieg über den internationalen Sozialismus! Da war nach ihrer Meinung nicht eine Schlacht gegen die Arbeiterbetvegung gewonnen, sondern ein .Kampf eindeutig und endgültig gegen sie entschieden worden. Die internationale Reaktion sah ihr Morgenrot. Sie ist seither besonders auf dem europäischen Kontinent ein ganzes Stück vorwärts gekommen; sie l-at in Deutschland ein blutiges Terrorreginient anfgerich- tet und versucht, es auch in anderen Ländern zu trin. Nach der„Vernichtung des Marxis- mus" in England ist das gleiche enttveder als schon gelungenes Werk oder als noch zu erfüllende Aufgalu: aus anderen Ländern be» richtet worden. Und dennoch nvrdcn die Sieger nicht froh! Den Flanunenschein der Siegesseuer und den Widerhall der Soldnerschritte vi'n Siegesparaden zerreißt plötzlich die Kunde von kräftigen Lebensäußerungen des Soz^i- lisinus. Die hundertmal vernichteten Marxisten gewinnen die arbeitenden Massen in Finnland, Schweden, Zürich, Norwec^n. lleberall, wo das Volk noch nach dem deoio- kratischen Grundsatz der gleicl)en, jreien tlnd geheimen Wahl an die Urne gehen kann, überall dort kommt in den Ergebnissen der wachsende geistige Einfluß des Sozialismus auf das Proletariat in den Wahlergebnissen zum Ausdruck. Es mag dem t^ftguer gelingen, oem Sozialismus einmal eine Schlapzw zuzvfügen, es kann ihm sogar gelingen, ihm in einem Lande einmal eine Niederlage lvi-u- bringen, aber endgültig zu besiegen ist der Sozialismus und feine international« Bewegung nicht! Es scl)«int übrigens, als ob er seinen tiefsten Stand schoit überschritten habe! Fa- seislen, Konservative und ander« politische Gruppierungen können die wirtschaftliche, politische und geistige Herrschaft des Kapitalismus über die arbeitenden Menschen zu Töahssiegen ansnützen, aber sie können ilicht die Not, das Elend und den Fluch dieses Wirtschaftssystems von den leidenden Massen nehmen, Nach jeder gelungenen Täuschung müssen sie ihre Millionen proletarischer Wähler wieder enttäuschen und es ist die Aufgabe der Politik der sozialdemokratischen Arbeiterparteien, sie erneut zu. gewinnen und sie dauernd zu behalten! Finnland,, Schweden, Norwegen und auch England lehren, daß die Aufgabe- erkannt und daß die sozialistische Bewegung mit Erfolg an ihr arbeitet. Mit einer für den Feind unheimlicheit Sicherheit schreitet die englische Arbeiterpartei wieder vorwärts. Weder Macdonalds Reite- gatentum, noch di« Absplitterung der Unab- l hängigen Gruppe um Mallon und Brocklvay t haben sie zurücklverfen können. Ihre Organi- Zweck dieser Steuer wird«S sein, die Ichopftrychen Rcglermigsumdlldmig m vcstcrrcldi? Seite 2 Samstag, 4. November 1938 Nr. 258 sation ist stärker als vorher. Und bei jederI Nachwahl 511111 Unterhaus, die beim Tode utar bei der MandatSniederlcgung eines Abgeordneten notwendig wird, gewinnt sie tausende neue Anhänger und erobert neue Mandate. Wohl schon sechs neue Abgeordnete hat sic seit! den allgemeinen Wahlen ins Unterhaus gc>! schickt. Die Konservativen hingegen verlieren in gewaltigem Umfang Wählcrmasscn. Zuletzt wieder in dem Wahlkreis Ost-Fulham. Diese bei jeder Nachwahl wiederkehrende Erscheinung macht die englischen Konservativen nervös und erregt bei den kapitalistischen Parteien in Europa Unbehagen. Sie sehen die Arbeiterpartei bei den nächsten allgemeinen Unterhauswahlen schon als große Siegerin. Sie 'sehen England schon regiert von einer Arbeiterpartei, die nicht die gleiche mehr ist, wie die unter Macdonalds Führung. Sic furchten, daß die Etappe des Diktatur- und Terrorregimes durch die Erfolge der englischen und der Arbeiterparteien in anderen Ländern abgekürzt werden könnte. Nach der Verfassung wählt England alle sechs Jahre, aber beinahe immer finden die Wahlen viel früher statt. Sie hat am letzten Mittwoch schon bei den Gemeindeivahlcn in 300 Gemeinden neue herrlich« Beweise ihrers erfreulichen Vormarsches gegeben. Und mit ihr muß auch die Arbeiteicklasse in den anderen europäischen Ländern das Eis brechen und wieder ansetzen zum Vormarsch, zur Eroberung der Macht. Im Saarseblet versterbe Maßnahmen gegen Hltlerpropaganda Saarbrücken, 3. November. Tie Negierungskommission hat dem Londes rot eine Verordnung zugehen lasten, durch die für politische Versammlungen und Aufzüge unter sreiem Himmel ein Anmeldezwang eingeführt sowie das Tragen von Partei uniform en und Abzeichen politischen Charakters v e r b 0- t c n wird. Weiter werden verboten: Gelände- und Sportübungen sowie Märsche in geschloffener Ordnung unter sreiem Himmel; die Teilnahme an verbotenen Organisationen, auch wenn sie außerhalb des Saargebietes erfolgt; das Einsamnietn von Geld oder anderen Gegenständen zu politischen Zwecken; schließlich enthält die Verordnung noch ein« Verschärfung des Verbotes, von Druckschriften sowie Strafandrohungen für Verruss- und Aechtungserklärungen nach der Volksabstimmung: Begründet wird diese Verordnung mit einer Verschärfung der Lage im Saargebiet, gegen die Abhilfe geschossen werden müsse. Deutsche sdiupos aus der Schweiz oustewitsen Bern, 3. November.(STA) Ter Bundesrat ließ zwei Mitglieder der deutschen Schutzpolizei verhaften und a usweisen, die nach Basel gekommen waren, um polizeiliche Hausdurchsuchungen vorzunehmen. Der Bundesrat erklärte, daß durch diese gewaltsame Verletzung der staatlichen Souveränität der Schweiz die beiden deutschen Pole-iiten die auswärtige und innere Sicherheit der Schweiz bedroht haben. Immer blamablere Zeugen in Leipzig Berlin, 3. November. Nach eintägiger Unterbrechung wurde die Verhandlung am Freitag fortgesetzt. Ter Angeklagte Dimitrow war wieder z u g c l a s s c n. Die zahlreich geladenen Zeugen betreffen schon den Komplex der bulgarischen Angeklagten. Unter den Zeugen befinden sich auch zwei Frauen aus Moskau, di« auf die öffentlich« Aufforderung des NeichSgerichteS bin erschienen sind uno über den Aufenthalt Popows in Moskau in der Zeit vom Mai biv Oktober 1932 bekunden sollen. Emigranten werden als Zeugen nldit vorgeladen Ter Vorsitzende verkündet dann den Beschluß des Senates, daß der Antrag Dr. Sacks auf Ladung von Dr. Rosenfeld, Tr. Hertz und Tr. Breitscheid abgelehnt wird. Zeugin Weiß ans MosKau Als erste Zeugin wird Frau Weiß aus Moskau vereidigt. Sie erklärt, ihr Gatte sei bulgarischer Kommuni st und lebe jetzt mit ihr als Emigrant in Moskau. Im gleichen Hause in Moskau hab« auch Popow mit seiner Frau gewohnt. Ter Vorsitzende sagt der Zeugin, es komme darauf an, ob Popow im Sommer 1932 tatsächlich in Moskau gelebt habe Die Zeugin erklärt dazu, sie wohne seit 14. Jänner 1982 in Moskau. Im Feber 1932 sei sie mit Popow bekannt geworden. Im April hätten die beiden Familien Sommervillen in einem Vorort von Moskau gemietet. Sie und die Popow seien Mitte Mai in diese Sommerfrische gezogen. Ter Aufenthalt habe sich auf etwa drei Monate erstreckt. Ende Juli sei Popow mit seiner Frau in einen Kurort gefahren. In Moskau habe sie Ende September und im Oktober Popow und feine Frau wiederholt getroffen. Im November und Dezember habe sie ihn nicht mehr in Moskau gesehen. Auf weitere Fragen erklärt die Zeugin, daß sie Popow nicht unter seinem richtigen Namen, sondern nur unter den Namen P e t k 0 w kannte. Daß er Popow heißt, hat sie erst von seiner Frau erfahren, nachdem er in Deutschland verhaftet worden wo» Der Partelname Tie Zeugin gibt nutz an, daß Petkaw der Partelname Popow» war und daß sie selbst auch, nicht Weiß heiße, aber ihren richtigea Namen nicht nennen könne. Vorsißender: Wenn dav Gericht in di« Lage käme, zu beschließen, daß Sie Ihren richtigen Namen angeben müßten, dann müßten Die es tun; aber ich will es einstweilen noch dahingestellt sein lasten. T a n e w kennt die Zeugin überhaupt nicht, von Dimitrow ist ihr der Name bekannt. Popow erklärt die Aussagen der Zeugin im großen und ganzen für richtig und gibt auf die Frage nach seiner Tätigkeit in Moskau an, er sei Mitarbeiter bei der Kommission für Wirtschaftsfragen gewesen. Uh weiß uKht wer die Zeugen sind... suchung«in halbes Dutzend Zeugen bekundet hätten, Popow sei im Jommer 1982 in Berlin gewesen." Zeugin Weiß: Ich woiß-Wcht, wer die Zeugen sind, die Popow in Berlin gesehen haben wollen. Ich sage aber, wa» ich weiß, und sage, daß«S richtig ist, daß Ich mit Popow in der angegebenen Zeit zusammen war. Dimitrow schon wieder ausgeschlossen Dimitrow: Ist es richtig, daß in sowjet- rußland nach dem Gesetz jede Person ihren Namen nach eigenem Ermessen offiziell andern kann? Zeugin Weiß: Da» ist nicht gestattet. Dimitrow: Ich leg« großen Wert aus diese Antwort, weil ich sehr erstaunt bin über die Unkenntnis der Reichs- anwaltschast über sowjetrussisch« Verhältnisse. Vorsitzender: Dimitrow, ich habe Ihnen schon wiederholt verboten, solche Angriffe gegen die ReichSanwalischast zu richten. Dimitrow(halblaut): Sie müssen noch viel lernen, Herr Oberreichs» antoalti OberrelchSanwalt: Ich muß doch bitten, daß dem Angeklagten Dimitrow diese Art der fortwährenden beleidigenden Zurufe untersagt wird. Nach kurzer Beratung des Senates verkündet der Vorsitzende als Beschluß, daß der Angeklagte Dimitrow für heute und die folgenden beiden SItzungSiage ausgeschlossen wird. Dimitrow macht einige unverständliche Zurufe und wird von den Beamten abgeführt. Darauf wird die zweit« russische Zeugin, Frau Arbore, auS Moskau vereidigt. Tie Zeugin ist 59 Jahr« alt, Aerztin und Professorin. Sie bekundet, daß sie mit Popow im gleichen Hause in Moskau gewohnt habe, und zwar im September und Oktober 1932. kin stlßer LQgcnzcuge ES wird dann der Kanditorureistar Me- chalski als Zeuge vernommen, der gesehen haben will, daß Dimitrow und Tanew im Hause, Lindenstraße 91, in Berlin ein- und ausgingen. Tanew habe er im Jahre 1932 bestimmt gesehen. Tanew sagt darauf: Was der Zeuge ausgesagt hat, ist', schon deshalb unwahr, weil lch vom 22. Oktober 1981 bi» Anfang Oktober 1932 in. Bulgarien war und dann in Moskau bi» zum 22. Feber. Dem Gericht liegt die amtliche Bescheinigung über meinen Aufenthalt in dieser Zeit vor, außerdem auch mein Paß, au» dem deutlich hervorgeht, daß ich am 2 s. Feber 1933 erst nach Berlin gekommen bin. Vorher bin ich niemals in Berlin oder in Deutschland gewesen. Der Zeuge erklärt noch, daß er Popow nicht wieder erkenne. Ihm sei nur ausgefallen, daß der Direktor des Büros in der Lindenstraße Popow eine aewiffe Aehnlichkeit mit dem Bilde des Angeklagten Popow hat. rin treuer Diener seines Herrn Reichsanwalt ParisiuS macht die Zeugin daraus aufmerksam, daß in der Voruntcr- Nach der Pause wird der Kellner Leyta vernommen. Der Vorsitzende fragt ihn, wann er Rotnan von Felix Fechenbach „Is daS für mich? Dars ich daS behalten?" Und als ter Vater nickte, packte er alles zusammen und wollte gleist damit nach.Hausei Aber Vater Cornelius hielt ihn lachend zurück: „Nur immer langsam voran, daß die Vers- bacher Feuerwehr auch mitkommen kann! Willst mich denn hier allein lasten? Ich geh mit zur Großmutter." Damit schloß er den Wohnwagen ab nud ging Mit seinen Kinder«« hinüber in die Kärrnergaste. Er klinkte die Türe zvnt Milchladen auf und rief mit seiner frischen Stimme hinein: „Grüß dich, Großmutter! Tein Zigeuner ts wieder da! Hast fest zu tun gehts G'ichäst?" Hinterm Ladentisch hantierte Fran Berta Lechner. Sie hatte alle Milchgejäße gereinigt und war dabei, sie der Größe nach'n die Regale zu stellen. Jetzt ließ sie aber alles liegen und stehen, um ihren Schwiegersohn zu begrüßen: „Tut sich. Wenns noch a bissel besser ging- wärS gar nimmer zum Aushalten. Aber ich bin zufrieden, zum Leben reMus. Wir können gleich tn die Stube gehen. Ten Laden niach ich jetzt sowieso zu." Damit war sie auch schon an der Ladeutür und schloß ab. HanS ließ gleich d«u Rolladen herunter, und dann ging die gan'e Gesellschaft die paar Stufen Hintern« Ladentisch hinauf'n die Stube. Es war ein bißchen eng da, aber Peter Cornelius war es in keinem Wohnwagen auch nicht geräumiger gewohnt. Während die Großmutter in-er Küche daS Albetckxsten richtete,«rächte sichs der Vater in der Sofaecke gemütlich. Len« spielte mit ihrer Puppe, und Hans machte sich mit dem Schnitzmester zu schaffen. Vater Cornelius sah interessiert zu. „Hast's noch nit verlernt. HanS?" „Wo werd ich denn! Du hast mirs ja ko getrau gezeigt, und wie du da» letzte Mal hier warst, hab ich ja schon fleißig geschnitzt. Dainil ich aber in der Uebung bleib, hab ichs in der Zwischenzeit mit dem Tastheumeffer probiert. Willst einmal sehen?" „Wird'n schöner Mist geworden sein!" „Daß dich nit brennst, Vatter! Da schau, mal her!" Und er kramte ans einer Kist« in der Eck« ein paar Holzköpse und zeigte sie trium-: Phicrend seinem Vater.. „No, man sieht wenigstens, daß eS Köpfe' lein sollen. Hast du da rvirklich nur crn Taschenmesser dazu gehabt? DaS ist ja allerlrand! Jetzt, mit einem richtigen Schnitzmesser tust dir leichter. Und wenn wir erst mal zrrsammen nn Wohnwagen Haufen, dann bring ich dir den richtigen Schmiß schon bei. Weißt,-er Großvattcr Ivar ja direkt ein Künstler im Schnitze». Ich lxib norb ein paar Köpfe von ihm. Der schönste ist der Kakperl, der mit der langen Nase." „Ja, das is mir auch der liebste. D«r hak io ein gutmütiges und doch verschmitztes Gesicht. Man sieht ihm richtig au. daß er ein guter Kerl und-och ein lust'geS, ausgelassenes und ganz durchtriebenes AaS iS. TaS wird auch noch lang dauern, bis ichs so gut kann wie der Großratter; vielleicht bring ichs überhaupt nie so weit." „Man kann sich nix verrcden, wie'S Nasenabbeißen, Hans! Bist ja noch jung, und Würzburg'S auch nit an einem Tag gebaut worden." Jetzt kam die Großmutter mit-er Schüstel voll dampfender Kartoffeln in die Stube: „Wirst hungrig sein Peter!" Dann brachte sie noch kür jeden eine Schale dicke Milch, legte Brot aus den Tisch und das Mester dazu. „Dicke Milch haben wir oft abends. Wenn was übrig bleibt im Laden, dann stell ich die Milch an zum dick werden. Die Kinder mögens auch gern. Mußt halt vorlieb nehmen. Peter." „Mach keine llmständ, Großmutter, ich bin ja nit grad im Grafenfchloß groß geworden. Mo, guten Huneer, alle miteinander!" Eine Weil« hörte man jetzt nicht» weiter als daS Klapper» der Löffel und das Geräusch, das beim Schlürfen der Dickmilch entstand, in die sich jeder Kartoffeln eiugedrockt hatte, •„Daß ichs nit vergeß, Großmutter, nächste» Jahr nehm ich den»Haus mit, wenn er aus der Schule kommt. Mit der Lene hats ja noch zwei Jahre Zeit." „So,'s wird auch Zeit, daß er in richtig« Zucht kommt. Auf mich hört er so nit, und nach der Schul« stromert er immer mit feinen Ranli rum und niacht nur dummes Zeug." ,„Du tust ja grad, wie wenn ich der größte Strietzi in der ganzen Stadt wäre, Großmutter." verteidigt sich Hans.„Ich kann doch nit den ganzen Tag in der Stube sitzen." '„Tas verlangt auch kein Mensch von dir. Ilber di« Talavera hältst nit anzünden brauchen!" Jetzt mischt sich-er Vater ein: „Was? Die Talavera hast angezündet?" „Nit mit Ilbsich«, Vatter! Wir sind mt tritt drunten gewe'en aus-er Talavera. Weißt, auf der großen Wiese von der Nerien Atainbrücke bis zum Kloster HiinmelSpsorte. Zuerst ham wir bei der Pferdeschwemm«, wo die Flößer die langen Holzstämnie landen, auf den Hölzern NachlauferleS g'spielt. Tann sind wir weiter hinter, wo di« Korbweideirbüsch« stehen und haben ein Feuerle gemacht. Es war gar nit groß, und uukere Taschentücher ham wir vorher im Main naß gemacht, damit wir daS Feuer gleich wieder anskriege». Ist auch ganz gut gegangen. Zweimal hats geklappt.. Aber daS dritte Mal war das Feuer schon zu groß, und Wieder ein Spionage* Verdächtiger verhauet Böhm.-Aud>veis, 3. November. Dieser Tage übernachtet« ein unbekannter Ausländer in einem Hotel in Böhm.-BudweiS unter zwei verschiedenen Namen, einmal als Soukup und ein andereSmal al- Svoboda. Als er verhaftet wurde, erklärte er, er heiße Wilhelm Menzinger und sei österreichischer Staatsangehöriger. Heute wurde jedoch festgestellt, daß eS sich nm Alois Franz Hahne! aus Wistritz, Bezirk Teplitz-Schonau, bandelt..Hahne! ist mehreremalS gerichtlich vorbestraft und wird vom Militärgericht in Theresienstadt als Deserteur gesucht. Er wurde mehrerer Diebstähle überführt.-Hahne! hielt sich in den vergangenen Wochen in unerlaubter Weise ohne Dokumente in Oesterreich und Deutschland auf. Er wurde jetzt wegen Verdachts der Spionagetätigkeit verhaftet und dem Kreisgericht in Böhm.-BudweiS eingeliefert. Die Untersuchung gegen ihn ist im Gange. 1982 und 1933 Tanew, Dimitrow und Popow in Berlin gesehen hat. Dre Zeuge erklärt, 1932 überhaupt nicht, sondern nur 1933, u. zw. im Feber. Lein Chef Michalski habe Ihm die Bilder in der Zeitung gezeigt, und da habe er sich erinnert, daß diese Leut« einmal in dem CafS gesessen hätten. Vorsitzender: Ist daS auch richtig und haben Sie keinen Zweifel? Zeuge: Nein! Vorsitzender: Hatte einer von den Leuten einen Schnurrbart? Zeuge: Da» weiß Ich nicht. Vorsitzender: War Tanew schlank omder d i ck? Zeuge: So wie ich.(Heiterkeit, denn der Zeuge ist durchaus nicht schlank, während Tanew eine kleine, schlanke Figur hat). Die Angeklagten stehen alle auf und der Zeuge soll sie nun mit Namen bezeichnen. Popow bezeichnet er zunächst al» Tanew, al» er dann aber Tanew sieht, bezeichnet er den richtigen. Eine Frau verstärk? die Blamage Die 53jährige Fran Hartung, die dann als Zeugin vernommen wrid, war vom Jahre 1929 Mitglied der KPD und hat nach ihrer Angabe im Büro der R 01 c n Hilfe in der Tor- thenstraße damals den für die Emigramenhil'e tätigen Sekretär gelegentlich unterstützt Sie will« bestimmt/ daß. Dimitrow 1923 wiederholt das Büro der'.Roten. Hilfe, aufgesucht hat.'..Sie: habe, damals seinen N a me n n i chl g« k.ann«. Als sie da» Bild Dimitrows' nach dem' R e t ck s t a g S i> brand in der Zeitung sah, habe sie ihn lökort erkannt.„Tanew ist mir auch vielleicht bekannt vorgekommen und ich habe mich gefragt, ob er vielleicht der bulgarische Schuster gewesen sein kann, der seinerzeit für die Emigranten arbeitete. Ich kann aber nicht mit Best I mm t h e i t sagen, daß es der Angeklagte gewesen ist. Die Weiterverhandlung wird auf Samstag vertagt. Goerissg a!s Berlin, 3. November. Wie das Conti-Büro ersähet, wird Ministerpräsident Gotting morgen halb 19 Nhr als Zeuge im ReichstagSbrandstister- prozeß erscheinen. di« nassen Taschentücher ham nix mehr geholfen. Da sind wir-ann davougekaufen, und fast die ganzen Wcider.büsche sind runtergebrannt. Die Feuerwehr von der Zellerau is alarmtert worden und hat dann gelöscht." „Bist wohl noch r«l)t stolz gewesen auf deine .Heldentat?" fragt Vater Cornelius. „Nä, t'm Gegenteil! Schiß ham wir alle drei g'habt, daß was rattskommen könnt. No, da hättett wir uns auf eine schöne Tracht Prügel in der Schule gefaßt machen können." „lind is nix rnuskommen?" „Da sind die gar nit schlait gem«g, Votier! Die Vevdeckien ham überall rumgeschnüffelt, aber dahintergekommen sind sie nit. Einmal «var ich acht Tag nach dem Brand mit Franz Hein drttnten auf der Talavera und hab ihm die ickivarzen Brandflecken gezeigt. Gleich ist so ein Verdeckter auf uns zttgekommen und hat Ms aushorchen wollen. Ich hab aber daS Kriminal- polrzeiabzeichen auf seiner West« gesehen, und da l«at er fragen können, so viel wie er gewollt hat, raukgekriegt hat er nix!" „Da hast aber Glück gehabt. Wem sie dich erwischt hätten, Hans, dann halt ich Schadenersatz leisten müssen, und mit der neuen, großen Kaspcrlbude wärS Essig gewesen." „Aber schön warS doch", läßt sich jetzt Len« vernehmen,„wie di« Feuerwehr auSgenickt iS. Ich war oben auf der Mainbrücke und hab alle» aanz genau gesehen. Hans hat» mir spater gesagt, wie das mit den« Feuer gewesen iS. Ich hab aber nix verrate««, mir nrit der Großmutter hab ich drüber gesprochen." „Weil Frauenqinnner oben den Mund nit Wt«», können", kaat HanS darauf recht männlich-überlegen und kann gar nicht verstehen, daß der Vater sich darüber fast auSlchütten möchte vor Lachen. „Wie.«varS denn jetzt", schlägt Vater Cornelius vor,'„wenn wir alle in unser« sämtlichen Betten gingen?" (Fortsetzung folgt.) Jft. 2M *. 9’n‘, ftnÄ»r 1038 Stift 8 verhütet Grippe und Erkältungen nur ein brntalste Mißhandlungen, Wahlgericht abzugeben, denen zufolge das Wahl« glicht an das rechtskräftige Urteil des Strafgerichts gebunden ist. Bei Gabriel Steiner sprach es den Verlust des Mandats aus den« Grunde nicht aus, tveil der Verhängung des Konkurses entsprechend der Gesehesbestnnmungen nicht die Bedeutung des Jnkonkursgeratens beigcincssen werden kann, solange über das Rechtsmittel, das eingebracht wurde, noch nicht rechtskräftig entschieden worden ist. In nichtöffentlicher Verhandlung führte das Wahlgcricht Verifikationen von Mandaten zum Abgeordnetenhaus und Senats durch und befaßte ich mit dem nach dem Gesetz über di« ständigen Wählerverzeichnissen eingebrachlen Beschwerden. Er- Kil- Lindsay, erhielt 12.577 Nachwahl im Unterhaus ULP verhindert Labour-Tieg. London, 3. November.(Neuter.) Die gänzungswahlcn ins Unterhaus in marnock brachten folgendes Ergebnis: der nationale Arbeiterkandidat, Trimmen, der la b o u r i st i s ch e Kandidat Barr 9923, Pollock, unabhängige Arbeiterpartei 7575 und der Angehörige der schottischen Nationalpartei Maccwan 6093 Stimmen. Das Wahlergebnis hat demnach keine wesentlichen A e n d e r u n g e n gebracht. rr Kommunisten verhaltet Jerusalem, 3. November. Wegen Aufwiegelung zu Unruhen wurden im ganzen 53 Kommunisten, darunter sowohl Jud enals Araber, verhaftet. die Sozialpolitik. Aber solange wir ihn kennen, nahm er auch an der Parteiarbeit stets hervorragenden Anteil. Schon vor deni Kriege war er Kreisvertrauensmann deS Bo. denbacher OrganisationSkrciseS. Seit dem Um- turz gehörte er früher der Kreisleitung Aussig, mit der Zusammenlegung der drei Organisationskreise Aussig-Bodenbach Warnsdorf der neuen Kreisleitung als Mitglied an, an deren Spitze er als KreiSvertrauenSmann seit drei Iah- ren steht. In gerechter Würdigung seiner Partei- vcrdicnste wurde er schon vor Jahren m den Parteivorstand gewählt. Es gibt kein Gebiet der Arbeiterbewegung, das ihm fremd wäre, keinen Kampf, an den» er nicht teil hätte, keinen Erfolg seit vielen Jahren, der nicht auch sein Erfolg wäre. Wenn wir seinen 60. GeburtStag;um Anlaß nehmen, ihm unsere bestell Wünsche entgegenzubringen, so verbmden wir damit unseren herzlichsten Dank für seine Treue, seinen Fleiß, seine Ausdauer, die er ein Menschenalter lang der Arbeiterklasse und der Arbeiterbewegung ange- dcihen ließ. Wir wissen uns darin einig mit all den Tausenden, die ihn kennen und schätzen, die ihn und seine wertvolle Arbeitskraft zu werten gelernt haben. Möge er uns, möge er der Arbeiterbewegung noch viele Jahre bei bestem leiblichem und geistigem Wohlbefinden erhalten bleiben. Genosse Ernst GrUnzner- ein Setter. Zn seinem Gehurlslaa nm 4. November. trägen und sonstigen Bemerkungen. Der Vorsitzende macht weiter darauf aufmerksam, daß die Angeklagten wahrheitsgetreu— ihren frühere» Aussagen entsprechend, die im Dresdner VolkShauS unter schlimmsten Mißhandlungen erpreßt wurden— aussagcn sollen. Andernfalls würde sich das Strafmaß nur erhöhen. Mildernde Umstande korilmen nicht in Frage. Es folgt die Vernehmung der Angeklagten. Den Angeklagten wird nur Raum zur Ergänzung ihrer Aussagen, die unter den oben geschilderten Umständen zustande gekommen sind, gegeben. Der Vorsitzende bedient sich einer geschickten Taktik. Er vernimmt zuerst einige der einge- schüchtertcn Jüngsten, dann diejenigen, die um- faffende Geständnisse abgelegt haben. Ein Angeklagter, der den Versuch unternahm, vom Protokoll abzuweichen, wurde durch scharfe Worte deS Vorsitzenden abgewiesen und für diese„Ungeheuerlichkeit" m i t E r h ö h u n g de s Strafmaßes bedroht. Seine Protokollaussage wird verlesen, ohne eine Bemerkung machen zu dürfen, muß er sich setzen. Als einige Angeklagte mit vorsichtigen Worten auf die Umstände bei der ersten Protokollaufnahme Hinweisen, ging ein hämisches Grinsen über das Gesicht des Vorsitzenden. Dabei hatten aber die Anaeklaaten schon bei der zweiten Vernehmung zu befürchten, daß, wenn sie da die wirkliche Wahrheit gesagt hätten— die vom ersten Protokoll abweicht— sie wieder in die Prügelhälleu der SÄ. zurückgekommen wären. Doch alle Anspielungen oder direkte Aussagen der Angeklagten über die Folter-Methoden bei der ersten Vernehmung biegt der Vorsitzende brutal ab, denn davon soll und darf die Oeffentlichkeit nichts erfahren. Aber die wenigen Andeutungen genügen, um den Schleier zu zerreißen. Als ein Angeklagter eine wirtschaftliche Begründung für sein Verhalten und seine eigene Entwicklung geben wollte, fiel ihm der Vorsitzende sofort ins Wort:„Sie brauchen gar keine aufklärenden Vorträge > z u h a l t e n." DaS war der erste Verhandlungstag. Ool6 nach Amerika Paris, 3. November. Informationen des „Temps" zufolge hat die Regierung der Bereinigten Staaten bisher 66.000 Unzen Gold, durchwegs aus Bergwerken stammend, angckaust. Tie amtlichen Ergebnisse des Goldankauscs im Auslonde sind noch nicht bekannt. Amerika verhandelt hauptsächlich mit der Bank von England. Nach einem provisorischen Abkonimcn, das be- reits so gut wie sicher abgeschlossen sei. soll die Bank von England für die Rechnung Amerikas in der Höhe der Schuldcnratc, die England am 15. Dezember Amerika zu bezahlen hat, Gold ankanfen. Im letzten Augenblick ergeben sich jedoch cnglischcrscits Schwierigkeiten und Proteste dagegen, daß die Dezemberrate Englands mit den Goldeinkäufen für Amerika im Zusammenhang gebracht werde. Opposition im Sejm Warschau, 3. November. Mich dem Exposee des Ministerpräsidenten Iendrzejewiez und nach dem Finanzexposee des Finan Ministers Zawad- ski setzte im Seim die Generaldebatte über das Budget ein. Die Redner der oppositionellen Parteien u. zw. der Nationaldcmokratcn, der Sozialistischen Partei»nd der Vereinigten Volkspartei gaben eine Deklaration ab, in welcher die Politik der Regierung einer scharfen Kritik unterzogen wird. Aufrüstung der Schweiz Bern, 3. November. Der Bundesrat hat dem Parlamente ein Kreditbegchren für die Ergänzung der Bewaffnung und Ausrüstung der schweizerischen Armee vorgelcgt. Es handelt sich in erster Linie um den Ersah veralteter Gebirgsgeschütze und Motorkanonen sowie um Einführung von Minenlverfcrn»nd Iusanlerickanonen, eine Forderung, welche schon seit Ende des Weltkrieges von den maßgebenden Stellen ausgestellt worden war. Ter Betrag von 36.5 Millionen Franken ist für die Auffüllung der Munitionsreserven bestimmt. Die Vorlage soll in großem Maß« dazu dienen, der unter der Krise notleidenden heimischen Industrie Bescksiiftigung zu geben. Verhängung des Konkurses Rekurs ein und glich ich in schiedlichem Wege mit dem Büro des PensionSlnstitutes aus, weshalb die Verhängung deS Konkurses durch Beschluß des Gerichts von Komürno am 21. Dezember 1932 ausgehoben wurde. Ucbcr den Fall des Abg. Steiner referierte der slowakisck-e Rat des Obersten Verwaltungsgerichts Karüay. Der Rechtsanwalt des Abgeordneten Hruöka, Dr. Sekanina führte aus, daß Abg. Hruöka in Notwehr handelt« und daß deshalb sein Vorgehen nicht von niedrigen und unehrenhaften Beweg- gründen geleitet war. Zum Fall des Abgeordneten Steiner bemerkte er, daß es sich uni ein Mißverständnis handelte, das dadurch verschuldet wurde, daß sich der Rechtsanwalt des Abgeordneten Steiner nicht bei Gericht eingcfunden hat. Der Rechtsanwalt des Abgeordneten Stern, sein Bnrder Tr. Emanuel Stern forderte, daß das Wahlgcricht seinen Spruch bis zur Erledigung des Antrages auf Wiederaufnahme des Verfahrens vertage, die Abg. Stern vor einigen Tagen eingebracht hat und in der er ansführt, daß das Gericht bei Beurteilung sei,res Falles sich in einem Rechtsirrtum befand, iveshalb er um neue Feststelling des Tatbestandes ersucht. Im gleichen Sinne sprach auch Abg. Stern selbst, der ebenso wie sein Anwalt entschieden bestritt, aus niedrigen und ehrlosen Motiven gehandelt zu haben. Nach einer länger als eine Stunde dauernden Beratung verkündete Präsident Dr. Hücha folgendes Erkenntnis des Wahlgerichts: Abg. LenSk Hruöka verliert sein Mandat. An sein« Stelle wird der Ersatzmann Frantiöek PechäLek ans Magstadt berufen. Abg. Gabriel Steiner wird seines Mandats nicht verlustig. Im Falle Viktor Stern vertagt das Wahlgericht die Publikation seines Beschlusses«nd behält sich vor, daß die Verhandlung nach Bedarf wieder ausgenommen werden wird. In der Begründung des Beschlusses führte Präsident Dr. Hächa aus, daß in dem Falle Lenök Hruöka das Mahlgericht keinen Anlaß hatte, von seiner feststehenden Praxis und den Abg. Steiner brachte gegen die klaren Bestimmungen des Gesetzes über das Wahlgeridit Verhandlung über drei kommunistisch« Mandate. Prag, 3. November.(Tsch. P.-B.) Das Wahlgericht verhandelte heute unter dem Vorsitze des Ersten Präsidenten des Obersten VcrwaltungSge- richtS Dr. Hächa in öffentlicher Verhandlung über die Mitteilung des Präsidiums der Abgeordnetenkammer, daß die AbgeoAmeten C c n c k, H r u s f n, Gabriel Steiner und Viktor Ster n, di« auf der kommunistischen Kandidatenliste gewählt wurden, ihre Wählbarkeit eingebüßt haben. Der Referent, Rat des Obersten Vcrwal- tungSgerichts Dr. Koschin erstattet« zunächst Bericht über den Fall H r u 8 k a, der mit Urteil deS KreisgcrichtS in Prag vom 9. Jänner 1932 wegen öffentlick;er Gewaltttäigkeit und Auflauf zu vier Monaten Kerker unbedingt verurteilt worden war. DaS Oberste Gericht erhöhte die Strafe auf sechs Monate und sprach den Verlust deS Wahlrechts aus, weil„Abgeordneter Hruöka aus sichtlicher Feiildseligkeit gegen die Rechtsordnung und die Staatsorgane gehandelt hat, die dazu berufen sind, die Ordnung aufrechtzucrl)alten." Abg. Vik- tor Stern wurde am 1. Dezember 1931 vom Kreisgerichi in Pilsen für schuldig erkannt, zu strafbaren Handlungen aufgefordrrt zu haben und er wurde nach dem Gesetz zum Schutze der Republik zu drei Monaten Kerker verurteilt. Tas Erkenntnisgericht sprach gleichzeitig den Verlust des Wahlrechts auS. Tas Oberste Gericht lehnte die Nichtigkeitsbeschwerde des Abgeordneten Stern ab, erköhte die Strafe auf fünf Monate und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 3000 Kt. Tie Angelegenheit des Abgeordneten Gabriel Steiner ist anderen Charakters. Gegen den Genannten führte als den Herausgeber des kommunistischen Blattes„MunkäS" das Büro deS Pensionsinstituts in Bratislava wegen Nichtbezahlung von 7300 K? die Exekution. Die Exekution blieb erfolglos, weshalb daS Büro um Verhängung des Konkurses ansuchte, tvaS durch Beschluß des Kreisgerichts in Komürno am 25. November 1932 geschah, i Nassenprozeß gegen Sozialisten in Dresden NU Ausschaltung der Presse! Dresden, 2. November.(Eigen- bericht.) Mittwoch, den 1. November, be gann in Dresden der Prozeß gegen 91 ehemalige Mitglieder und Funktionäre der Sozialistischen Arbeiterpartei(SAP.) aus Dresden und Umgebung. Die Vorgeschichte dieses Prozesses ist fol gende: Im August war eS der Polizei gelungen, im Lager der illegal arbeitenden SAP. Verhaftungen vorzunehmen. ES waren meist jüngere Arbeiter, die der Polizei in die Hände iclcn. Nicht einer der Verhaftöten ist bis heute reigelassen worden. Nach dem Eidlichen Unter. üchungSverfahren,““" deren Spuren noch nicht verschwunden sind— der fünfzigjährige Arbeiter Eigner ist sogar wenige Tag« nackt seiner Verhaftung den ihm zugesügten Verletzungen erlegen— wird nun gegen 91 Verhaftete der Prozeß ge- ührt. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß ein Schreckensurteil von einigen hundert Jahren Ge- ängnis bzw. Zuchthaus erwartet werden kann. Obwohl über den Beginn deS Prozesses kei nerlei Ankündigungen in der Presse erschienen waren, hatten sich bereits Mittwoch früh um 6 Uhr Hunderte von Arbeitern am Landgericht (Münchner Platz) eingcfunden, um den Verhand lungen beizuwohnen. Nur ein kleiner Teil jedoch erlangte Zutritt. Gegen halb 9 Uhr trifft ein Auw mit den Angeflagtcn ein. Der Führer des Kommandos brüllt in die vor dem Landgericht wartende Menge: „Fall» ein Znruf oder Bemerkungen falle«, wird geschossen!" Erst gegen halb 11 Uhr kann der Prozeß endlich beginnen. Die Plätze der Pressevertreter sind leer! In seiner Einleitunqsredc betonte der Vor- ltzende, daß dieser Prozeß sich von vielen anderen durch die Masse der Angeklagten unterscheidet und weist darauf hin, daß der Prozeß aber trotzdem bis SamStag beendet sein werde. In scharfen Worten schreibt er den Ange klagten ihr Verhalten für die Dauer des Pro zesses vor. Nachdrücklich verwarnt er sie, den Prozeß zu stören. Störungen erblickt er schon in zu häufiger Fragestellung, in„unsinnigen" An- Wic wir ihn kennen, entspricht cs nicht f seinem Wesen, aus diesem Anlässe viele Worte j zu machen. Aber die Arbeiterschaft ganz Nord-' oöhmens und die Eisenbahner in ihrer tvcitaus überwiegenden Mehrheit, und zwar nicht nur die deutschen allein, haben alle Ursache, unseres lieben Freundes und Vertrauensmannes an seinem Ehrentag zu gedenken. Waren doch weil I mehr als die Hälfte dieser langen 60 Jahre ihnen gewidmet, der Arbeit im Dienste der Arbeiterbewegung, waren Jahre der Sorge und Opfer, Jahre auch des Aufstieges und des Erfolges. Genosse Ernst Grunzncr hat den Weg vom■ einfachen Mitglied der Partei und der Gewerkschaft zurückgelegt bis zu den höchsten Funktionen, die beide Körperschaften zu vergeben haben. Von Beruf Eisenbahner bekleidete er in dem damaligen Allgemeinen Rechtsschutz- und Gc- wcrkschastsverein bald mehrfache Funktionen. Seine Gründlichkeit, mit der er an die Lösung aller Fragen seiner Berufsgenossen schritt, sein Wissen und sein Arbeitseifer lenkten bald die Aufmerksamkeit seiner Berufskollegen auf sich und im Jahre 1912 wurde er Sekretär des Allgemeinen Rechtsschutz- und Gcwerkschaftsvercins in Bodenbach. Es würde weit über den Rahmen unserer Betrachtungen hinausgehen, wollten wir, ko wie eS gewiß angebracht Ware, seine großen Verdienste auf gewerkschaftlichem Gebiete aufzählen. Was gäbe eS allein zu berichten über die Aufgaben, die ihm während des Krieges gestellt waren! Als mit dem Zusammenbruch der Monarchie auch der alte Verband zerrissen wurde und auf dem Boden der Tschechoslowakei der Verband der Eisenbahner entstand, war eS unser Jubilar, der als einer der ersten, mit neuem Mut und neuer Tatkraft unter den neuen Verhältnissen ans Werk ging und in Anerkennung seiner Fähigkeiten und seiner nie erlahmenden Arbeitskraft wurde er zunr Zentralsekretär des VcrbandeS der Eisenbahner bestellt. 1920 wurde er Abgeordneter der Na- tionalvcrsainmlung und seither bei allen Wahlen wiedergewählt. Damit verdoppelte er seinen PslichtenkrciS und wurde ihm gerecht. Nie verlor er die großen Problenic des sozialen KanipfcS aus den Augen und nic_ vergaß er darüber der kleinen, oft kleinlichen, häufig persönlichen Dinge die an ihn herantratcn. Wer zu ihm kam— es kamen viele— jeder fand ein offenes Ohr, jeder ein offenes Herz, stets und jedem ist er Ratgeber und Helfer, jeder suchte und fand bei ihm auch in den kleinsten Dingen Schlitz und Hilfe. So wurde er nicht nur der Genosse und Kampfgefährte vieler Tausender, sondern deren geachteter und geliebter Freund. Wer je an seinen gewerkschaftlichen Versammlungen teilgenommen hat, wird gerne bestätigen, wie er nach seinen, immer bis aus das kleinste Detail durchgearbeiteten Referaten ost stundenlang die Wünsche und Beschwerden der Besucher entgegennimmt, wie bereitwillig er Auskünfte erteilt, nur bestrebt, zu helfen. Was hat er in den ersten kritischen Nach- kriegSjahren für die Eisenbahner getan, was haben sie ihm zu danken! Die Existenz von vielen tausenden Bediensteten war gefährdet; teilweise dadurch gefährdet, weil gewissenlose Leute in Verkennung der neuen Verhältnisse, die durch den Staatenumsturz cnt- standen waren, die Eisenbahner für ihre nationalistischen Zwecke benützen wollten. Wir erinnern an die mühevollen Arbeiten, die damals erforderlich waren, um die Aktion in der Frage der enthobenen Lohnbediensteten mit Erfolg zu führen, um deren gefährdete Existenz zu retten. Wir erinnern an die Arbeiten, die Genosse Grünzner als Abgeordneter bei der Durchführung der allgemeinen Aktionen, ganz gleich, ob sie für die Verbesserungen der dienstlichen Verhältnisse, oder in der Abwehr von Schädigungen geführt wurden, besonders für die Eisenbahner leistete. Mr erinnern an die unendlich mühevolle Arbeit, die er auf dem Gebiete der Interventionen verrichtete. Wie oft wurde diese Arbeit ungenügend beurteilt und dabei übersehen, wie viele bedrohte Existenzen gerettet, wie viele Schädigungen dadurch von Bediensteten abgewehrt wurden. Zwar ist das ureigenste Tätigkeitsgebiet des Genossen Grünzncr die Gewerkschaftsarbeit und s«h» 4 -amStag, 4. November 1938 Nr. 288 Die Künfzeynjüyeisen. 86 Siiler-Iungen bei einer miiilSrifchen llebvng verwundet. Der frühere österreichische HcereSminister K. Vaugoin ist jetzt als Obmann der Christlichsozialen Partei zurückgetrctcn. ttonrenlratlvnslaüer In Oeslerreim erSttnel Helmffehriasclsten als Lager warne (P. G.) Dollfuß versucht immer wieder, die demokratische Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen, daß Oesterreich ganz andere politische Sitten habe als das Deutschland des Dritten Reiches. Die Wahrheit ist, daß dieser Unterschied immer geringer wird. So find die Konzentrationslager— die cs angeblich in Oesterreich nicht gibt — am Dienstag, den 17. Oktober nach amtlicher Mitteilung„in Betrieb" genoinmcn tvordcn. Den österreichischen Zeitungen ist cs strenge verboten, über die Konzentrationslager des -Herrn Dollfuß zu schreiben, ja selbst die Erwähnung des Wortes„Konzentrationslager" wird mit Beschlagnahme des Blattes bestraft. Aber gedeckt von diesem durch Terror erzwungenen Schweigen hatte die Regierung schon seit Wochen eifrig daran gearbeitet, die ehemaligen KriegSbaracken in MöllcrSdorf bei Wiencr-illcustadt und Bruck an der Leitha in Konzentrationslager um- zuwandeln. Dieser Tag« konnte man den ersten Schub dort unterbringcn: es sind 36 Angehörige der nationalsozialistischen Partei, unter ihnen auch zwei Frauen. In das Brücker Konzentrationslager sollen Sozialdemokraten eingc- liefert werden. Nach deutschem Mu st er werden auch in Oesterreich die Häftlinge in den Konzentrationslagern von Angehörigen gegnerischer politischer Wehrformationen bewacht. In Deutschland tobt sich in den Konzentrationslagern die Wut der SA und SS gegen die politischen Gegner aus, die ihnen hilflos ausgcliefert find.— In Oesterreich werden die Konzentranonshäftlingc von Heimwehrleuten, also von der privaten Fascistengarde des Herrn Star- Hemberg und des Herrn Fey, bewacht. Die Verordnung über die Schaffung von Konzentrationslagern hat Vizekanzler Fey erlassen, während Tollstlß in Genf ivar, um dort den Vertreten! der demokratischen Staaten im Völkerbund einzureden, daß es in Oesterreich keinen Terror, keinen Gesinnungszwana und keinen Verfassungsbruch gibt. Dem„Führer von europäischem Format" war es natürlich sehr peinlich, daß sein Konzept durch die plumpe Aus- nahmsverordnnng seines Vizekanzlers gestört wurde rind er bot alles auf, um die Sache vor Europa zu verheimliche». Die Welt sollte nicht erfahren, daß die österreichischen Fascisteu alles vorbereitet haben, um Leute, die ihnen nicht genehm sind, ganz nach Willkür, unauffällig, und ohne jedes richterliche Urteil hinter Stacheldraht- gehcgen verschwinden zu lassen. Herr Starhenibrrg hat unlängst erst in seiner Rede erklärt, man werde„Staatsfeiude" durch „Zwangsaufenthalt"— dieses schöne Wort hat sich die Regierung auSgedacht, um das Wort Konzentrationslager zu vermeiden— unschädlich machen. Und„Staatsfeiude" sind für die regierenden Fascisten alle, die sich weigern, das Geschäft Mussolinis in Oesterreich zu besorgen. 24 Tote hd Len Unruhen In Palästina Jerusalem, 3. November. Nach den neuesten Statistiken wurden bei den letzten Unruhen in Palästina 23 Zivilpersonen und ein eingeborener Polizist getötet. In die Krankenhäuser wurden 27 verletzte Polizisten und 127 Zivilpersonen gebracht. Generalstreik In Palästina beendet Jerusalem, 3. November. Ter arabische Vollzugsausschuß hat beschlossen, den Generalstreik als beendet zu erklären. Tie Arbeit ivird morgen wiederaufgcnoinmcn werden. Englische Lulirßstungen London, 8. November. Der Luftfchiffahrt- Korrcspondent des„Daily H e r a l d" meldet, daß zwölf neue Kainpfeinsitzer, die in einer Hölze von 15.000 Fuß über zweihundert Meilen Stun- dengeschwindigkeit erreichen können, vom Luft- fahrtministrrium in Auftrag gegeben ivordcn sind, um die Luftverteidigung von London und den umliegenden Grafschaften zu verstärken. Hamburg, 3. November. lDG.) Die mili» lärischc Ausbildung der Jugend und di« Aus» bildungderJiingstenfürdenKriegS» f a l l hat in Hamburg ein großes Unglück herbeigeführt. Am vergangenen Sonntag veranstaltete di, Hamburger Hitler-Jugend große m i l i t ä» rische U e b u n g e n. Bis znm Sturmangriff auf«ine gemacht« französisch« Stellung verlies alles programmaßig. Höhepunkt der Veranstaltung sollt« Uebungolversen mit scharfen Handgranaten sein. Ti« Jungen, denen man diesen Umgang mit den gefährlichen Mordwaffen zumutete, waren in der Mehrzahl 15jährige. Einem der Jungen versagten die Nerven, er schleu- T agesneuigkeiten Ein Fakir aus Ä-loo in einem Sarg auf dem Prager Wilsondahnhof gefunden. Prag wurde gestern rin« zeitlang durch eine nrue Sensation in Atem gehalten. In der Stadt kursierten Gerüchte, daß auf dem WIlsonbahnhof eine Leich« gesunden wurde und man sprach schon von riner Wiederholung des Falles Branska. Zum Glück endete die Sache harmlos, wenn auch wahrscheinlich nicht für den Hauptbeteiligten. Aus dem Bahnhof in Uiäan brachte gestern Bormittag rin Lastauto«ine große K i st«. Fünf Männer verlangten, daß dies« Kiste mit dem nächsten Zuge als Eilgut nach Prag besördrrt werden solle. Der Inhalt war alü„Porzellan" deklariert. Da dem Personal die 6)eschichte nicht ganz geheuer zu sein schien, wurde das Verkehrsamt auf dem Wilsondahnhof telephonisch verständigt und die Oessnung der Kiste angeordnet. Die Beamten waren nicht wenig überrascht, als sie an Stelle drS Porzellans einen Sarg mit einem GlaSfen st er fanden, durch welches«in ruhig fchlafender Wann ui sehen war. ES wurde Alarm geschlagen, die Polizei und«in Arzt herbeigerufen. AlS der Sarg geöffnet worden war, kam die Leich« sehr schnell wieder zu sich und konnte sich alS F a k i r Z. a» S 7. i t.< kow legitimieren. Er erzählte, daß er mit den Männern in Kikan gewettet habe, daß er diesen merkwürdigen Transport heil überstehen würde. Dies« Wette hat er nun gewonnen, letzten Endes dürste er aber doch noch drauszahlen. „Die Liste der Grauens". Paris, 8. November. Unter d«r Neber- schrift„Die List« des GraurnS" veröffentlicht der „Gegen-Angrifs" die Namen von 41 aus politischen Gründen seit 23. Mai big st. Oktober 1983 von Slazigerichten znm Tode Verurteilten. Bon den Verurteilten sind bereits neun hingerichtrt worden.. 23 840 Mark SchmierzeiderM Gvering (DG) Das Czernowitzer sozialdemokratische Blatt bringt einen Original beitrag, in dem der Nachweis gebracht wird, daß Hauptmann G o c- ring währenddes Krieges wegen Zn- schanznng von FluMugaufträgen an die Bayrischen Mvtoren-Werke 23.840 Mark Schmiergelder bekommen hat. Da er jetzt als Luftfahrtminister über die Auftraggebung allein verfügt, werden leine jetzigen Schmiergelder viel erheblicher sein. Bon den während des Krieges erhaltenen Schmiergeldern sind Belege vorhanden. Der frühere Chefredakteur der„Münchner Neuesten Nachrichten" Dr. Fritz Gerling hat im Jänner 1933, alw vor Hitlers Machtergreifung, an amtlicher Stelle die Beweise für die Anschuldigungen gegen Gnering vorgebracht. Er wurde dakür später ins Konzentrationslager gebracht und ist dort ko mißhandelt worden, daß er erblindet ist. Ein zweiter W'sscr der Schuld Gocrinas ist der jetzt in Spanien lebende Schrilt- stellcr Frank A r n a u, der früher bei den Bayrischen Motorenwerken als Jndnstr'ebcratcr tätig war. Uni Frank Arnau ans dem Wege zu räumen. sind von den Nazizellen in' Barcelona F c»i e m or da k t i o n c n gegen Arnau cinge- lcitet worden. An-ounglütk- ein Toier. Jglan, 3. November. Ter Geschäftsreisende der Firma Naphthaspol Karl Slezak fuhr Donnerstag abend um 20 Uhr mit einem kleinen Auto von Jglan nach Znaim, wobei er den 26jährigen Jazzmusikcr Karl Kukera aus Teplitz-Schönau mitnahnr. In der Nähe der Gemeinde Li'ohch fuhr Slezak auf der Staatsstraße, die soeben gepflastert wird, um 21 Uhr in einer Kurve aus einen Haufen von Pflastersteinen auf, wobei das Auto umstürzte. Kuöcra blieb aus der Stell« tot liegen, Slezak wurde erst nm 1 Uhr nachts von einem vorbeifahrcndcn Auto ausgefunden und von demselben ins Krankenhaus nach Moravske Budöjovice gebracht. Dort wurde festgestellt, daß er nur leichtere Verletzungen erlitten hat. Sisenbahnraub in Lesterreich. Salzburg, 3. November. Heute abends wurde der Postambnlanzwagen des Perl.nwuzuges der aus dem Oberpinzgau in Zell am See eintras, derte die Handgranate in dt« falsche Richtung, mitten in die Masse der Hitler-Jugend. 60 Hitler-Jungen ätzen sich in ihrem Blute, einem ist die Wad« tveggrrisien, anderen di« Handflächen, die Finger oder andere Körperteile. Auch«ine Anzahl Kopfverletzungen sind das Ergebnis. Die Verwundeten tmirden in Krankenhäuser dreier verschiedener Orte abtransportiert, den beteiligten Hitler-Jungen und den Eltern der verwundeten wird unter schärsster Strafandrohung Stillschweigen über den Vorfall geboten, damit diese gefährlich« Kriegs- spielerel in der Oeffentlichkeit nicht bekannt wird. durch unbekannte Täter ansgeraubt. Diese verschafften sich zwischen den Stationen Fürt-Kaprnn und Bruckberg Zutritt zu dem unversperrten Postwagen, hielten die Postangestellten mit Pistolen in Schach nnd raubten ocn Postbentel mit insgesamt 10.000 Schilling. Nach dem Raub vcr- ließen sie den fahrenden Zug nnd verschwanden in der Dnnkclheit. Nach den Erhebungen kommen drei Männer in Betracht, die vermummt waren. Ziehung der Klallenlotterke 70.000 ld sahen sie, wie die Arbeiter sich die Kunst, aber wiMiche Kunst zu erobern verstanden hatten. ES war den Herren vom D. S. B.«Iit« wahr« Erlösung, als si« sahen, baß das fascisttsche Wüten ihnen die groß« Konkurrenz vont Halse schaffte. Die großen Erfolge verdankten die Arbeiter- länger zu einem erheblichen Teile dem gemischten Chore, der beim D. S. D. wenig geübt worden ist. Dies« Bewegung paßt aber den deutschen„Barden" nicht, denn nach der Auffassung der Nazi, die sich di« deutschen Sänger voll zu eigen gemacht haben, gehören di« Frauen— dies«„dummen Ziegen', wie man st« bezeichnet hat— in die Wohnung und nicht Ins öffentlich« Leben. Deshalb bas Beslrctbeir der Leitung der gleichgeschalteten D. S. B., di« Frauen vom Gesang gänzlich aus. '.U'chaltcn. Wenn man sich dar jetzt in B«rw«ndung stehend« Llcdermateriak des D. A. 8. anfchaut, so kommt man auch seWst zu der Anschauung, daß diese„neue Kunst" wahrhaftig nichts für Frauen ist. Nichts w'« bluttriefende sogenannt« Kampfgesänge, vom Marschieren nach Frankreich, vom Dreinschlagen in die Feind« nsw. AuS jeder Zeil« spritzt sörnü'ch das Blnt, aber natürlich immer nur jenes der Gegner. Schließlich sind auch einig« Lieder, di« der Verherrlichung des FaseiimuS dienen. Die ganz« Tätigkeit Ist auf nationalistisch« fascistfche Propaganda«ingestellt. ES dürft« in diesen: Zusammenhang« inter- effieren, zu erfahren, daß der Sndetendeutsche Sängerbund immer als ein Glied d« S Deutschen Sängerbundes in Berlin gegolten und sich auch als solches bekannt bat. Ist er cs heute noch? Die Frage ist berechtigt. Denn biSber hat d'e SudeiendeuIsche Sänaerzeiinng noch kein Wort gegen die gewaltsam« Unterdrückung einer freien Cänacvbcwcgnng im Reiche der Braun» Hemden zn schreiben sich aufge'chtvuEN. Soll das vielleicht Zustimmung zu den safcistischrn Gewalttaten und Gle'chschaltung bedeuten? W. sor wissen, von GesinnungStreue auch nur zu sprechen! Wie leicht kann ein Leser an den Gesinnungslumpen Karwahne denken, der es bis zum nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten und Belastungszeugen im Reichstagsbrandprozeß gebracht hat! Und ihn vergleichen mit anderen! Und wie leicht können die Leser, die bestimmt nicht so naiv sind, wie der.Herr Professor annimmt, sich für kommende Tage die von ihm eindringlich verkündete, von ihnen gewiß ans vollster Ucberzeu- gung gebilligte„goldene Regel der Menschenbehandlung" Vorwerken:„Behandle einen jeden, wie du se lb st behandelt zu werden w ü n s ch e st!" Die „Führer" von heute werde» so behandelt werden! Eine Versammlung der VersicherungSange- stellten, die Freitag int GewerkschaflShaus am Perstvn cbgehnlten wurde, nah«! gegen d'n von der Versicherungsgesellschaft„Union" geplanten GehaltSabbau Stellung und faßle ihre Forderungen in einer Resolution zusammen, wobei nachge- wicscn würbe, daß für einen Direktor mehr an Einkonnnenstcucr oczahlt wird, als der ganze Gc- baltsabbau an Ersparungen bringt. Außerdem wird festgestellt, daß die gesamte Prrsvnalreaie mehr als reichlich durch die von den Versiche- rungStcilnehniern eingehobenen Gebühren gedeckt werde, so daß der Gehaltsabbau nur den Zweck hat, den Gewinn der Gesellschaft zu vergrößern. Zwischen die Puffer geraten und erdrückt wurde Freitag im Rctchcnberger Bahnhof vormittags nm halb 13 Uhr beim Verschieben der Garnitur des kurz um halb 13 Uhr einoc- trossencn Turnaucr Zuge, der aus Pardubitz stammende Postschaffner Fran; Malh. Obgleich sofort Hilfe an Ort und Stelle war, erlag Maly nach kürzer Zeit seinen schweren Verletzungen. Soldatenselbstmord. Donnerstag abends erschoß sich der Soldat vom Artillerie-Regiment in B ö h m.-B u d w e i s, Wenzel P e 8 t a, zuständig nach NcnhanS. Als Motiv Selbstmordes wird unglückliche Liebe angegeben. Güterteilunq— zwei Schwerverwundete. In der karpathornsiischcn Gemeinde Ljutä Im Bezirk Bilky Bcrezny kam es zwischen Mitgliedern der Familien Opalenik bei der Verteilung ihrer Güter zu einem Streit, der in eine Rau- fere ansartete, bei welcher zwei der Familienmitglieder schwer verlebt wnvden. Der 66!ährige Vater Basil wurde mit zertrümmertem Schädel und Rippenbrüchen nnd sein 26|äfir;- ger Sohn Jura mit mehreren Stichwunden in der Brust ins Krankenhaus geschafft. Konsnlargebührcn. Es wird aufmerksam gemacht, daß Gesuche der Parteien, die direkt lper Poft, telephonisch, telegraphisch) an die Gesandtschaften oder Konsulat« der Tschechoslowakischen Republik im Auslände geschickt werden, einer Steinpelgckbühr nicht unterliegen, sondern Kon- fulargebühren. Gesuch«, die durch Vermin- lung des Außenministeriums oder anderer ipnerstaatlichcr Behörden abqeschlckt werden, unterliegen außerdem auch noch der Stempel- gebühr. Nr. 288 Le.le L SamStag, 4. November 1888 fr ELI DA KAMILLOFLO sind lohn« Wind» m>t Flugzeugen erzielt worden L» T Wo Da Dreck überwind« und dl« *) auSmisten,**) dies. überzeug« und reda da hätta mir soll« haua, na war'ü nrt schlecht. Unterdrückte gelt, geil'» Tozialtschta Unterdrückte seit, wachst ihr« Kraft. in hypodrom- -ie vornehm« Kreise radeln so viel Kozt gwä, hat'S müssa sei; die so g'loga, vcrrata, verluadert Han händ'S verschiss«, jetzt seh'a se'S ei. Vögel Höchst» Beispiel di« Wo'» en kloin' ülöring gelt, gelt'» viel Verbrech«, Wo'S en kloin' Göring geil, gelt'- au' viel Mord. Wo ma' kaschtricra und solt'ra und schieb« lernt Lernt ma au'ü stecha, macht no so sort! Ge- Ge- kein lau« (800.-), T r a u» XL 880.— Bald wird im Schwabaland d' Sonn wieder lach«. Bald wird'S im Schwabaland an wieder Tag; 'S geit bald loin Nazi koin Kost koi Geldherrschaft, Mir woüa'S mach«, des isch koi Frag. Wo so viel Kost gwa, Hat'S koinma müssa Wo Sia Dir Bald wird in Deutschland der Nast-Spuck schwind«, Bald grüh« d' Fahna'S neu Jetzt hoißt'S der Hammer in SagS AM MASeAVSSEs. VStystLercyrv»nv!s»erten einst unv jetzt. so viel Leid und Pei' da wachst oi Milla Wo so viel Leid und Pei' da wachst oi Maat, Der wird bald räch« und strosa die Mörderbruat Da brauchfcht loi Brill«, da regnetS Bluat. Wo'S Wo'» Mir Sozlaldrmokrala send stark bald genuag Mir wolla mischt«,*) fett**) wird bald g'schasst. Wir leben im Zeitalter der Rekorde. M«S jagt, alle» hastet, alles eilt. Ein wahrer Schnellig- keirstaumel hat die Menschheit ersaht. Es handelt sich oftmals nur um wenige Augenblick« und— dem Sieger w'ickt Ruhm und Anerkennung. Eisenbahn, Auto, Flugzeug erreichen'geradezu pbantastrsche tchivindigkeiten, und noch immer sollen dies« lchwindigkeitrn gesteigert tverden. Es gibt eben Halt mehr. Immer vorivärtS, immer schneller trt die Devise. Aber nicht immer War daS so. Auch in früheren Zeiten stellt« man zwar Rekorde«ui, doch dies« Rekord« waren recht dürft'g. Im Iß. Jahrhundert bedeutet« es eine gross« Sensation, als ein Sonder» kurier in nur zwei Wochen von Paris nach Warschau eilt«. Ein anderer Kurier braucht« 16ß Stunden für den Weg von Versailles nach Rom. Der berühmteste Schnelläufer aller Zeiten war aber der im Jahre 1708 geborene norweg'sche Matrose Ernst Mensen. Dieser Schnelläufer hat in seinem Leben nicht weniger als 18 000 Meilen zurück- gelegt. Sein« Höchstleistung waren einmal 9000 Kfloineter in 89 Tagen, d. h. 152 Kilometer In je 2t Stunden.' Auch im Jahre 1818 wurde eine denkwürdige Leistung vollbracht. Leutnant Nernst gelang es, die Nachricht von der Schlacht bei Waterloo in fünf Tagen nach Berlin zu bringen. Er le'stet« etwas Gröhes: er muht« in dielen fünf Tagen«inen Weg von 700 Kilometern zurücklegen. Aber wir brauchen nicht einmal so tveit znrück- zugreifen. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhundert» wurde England in einen neuen Rekordtaumel verhetzt. So wie man heut« Sechstagerennen veranstaltet, gab es damals einen sechSIägi- gen Fußmarsch. Ter Amerikaner Weston und der Engländer O'Leacy kämpften miteinander. Di« damaligen Blätter b-.richieten üb«r all« Einzelheiten dieses Kampfes Ten Wettkampf gewann schließlich O'Leary. der 520 Meilen in diesen sechs Tagen zu- riicklegt«. Solche SchnelligkeitSrckorde waren auch der hohen Obrigkeit recht. Aber nur solche; denn gröbere Geschivindigkeit galt noch vor fünfzig Jahren als böchst verdammensw«rt, und d'« Behörden taten ihr Möglichstes, um verkehrshindernde Gesetz« und Verordnungen zu schaffen. ES ist«in« interessante Tatsache, die sicherlich nur wenig« wissen werden, Was tun, wenn blondes Haar, auf das man so stolz war, weniger blond, weniger glänzend, stumpfer wurde? Waschen. Einfach regelmäßig waschen mit Kamilloflor, dann wird es ganz von selbst auf natürlichem Wege— daher gleichmäßig und dauernd— wieder so„echt blond“, wie cs war. Brünn: i 5200.— (100.—), 0 löMMW. 0 ISMiliMIN l L. Cah van Alten, der bekannte holländisch« Journalist schreibt in„De Nieuiv« Per»": „Wie man überall weiß, haben die Nazi» kurz nachdem sie an die Macht gekonimen waren, «in Reihe von Konzentrationslagern eingerichtet, wohin sie, ohne, irgendeine Form von Prozeß vor- ansgehen zu lassen, Zehntrnstend« von Kommuin»! sten. Sozialisten, Liberalen. Juden und anderes „Gesindel" schleppten. SA.« und SS.-Leurr legten aus diesem Gebiet außergewöhnlichen Eifer an den Tag und waren fest allzu fest davon überzeugt, daß niemals einer von ihnen ein'oft chcs Konzentrationslager betreten sollte, cs sei denn als Herr und Gebieter. Tas hat sich nun als Irrtum herausgestcllt; denn die Ünzusrieden- heit in Teutschlaird mit der Hitler-Regierung, die bis heute kein einzige« ihrer Versprechen erfüllt hat, greift io um sich, daß sie selbst bis zu den braunbchcmdeteu SA.-Männern durchgedrniigen ist. Infolgedessen hat man viele von ihnen nach Konzentrationslagern gebracht, vor allem nach Oranienburg. Dieser Irrtum hat einen äugen» scheinlich noch nicht gem'lgend gl«iel>geschalteien deutschen Dichter veranlaßt, seinen Pegasu» zu besteigen und in Anlehnung an„O Tannenbauin O Tannenbaum" das folgende hübsche Liedchen zu machen, das augenblicklich in Deutschland und vor allem in Berlin gerne gesummt wird, wenn man sich„spionenfrei" wähnt, was im übrigen dort nicht zu häufig vorkommt: O—ranienburg, O—ranienburg. Wie braun bist du geworden! Einst waren mir Märristen da, Jetzt. stndS SA., SA., SA.! O—ranienburg, O—ranienburg, Wie braun bist du" geworden! Deutschland so rot. d' Fauscht, Auga aus. Rasa zua deutsch No«. amerikanisch« Flugkapiiän Frank Hawks, daß cS möglich sei, in Paris das erste Frühstück, in London das Weite, In Berlin das Din«r und nachmittags nm 5 Uhr wiederum in Parts den Tee«inzuneh- >nen. Er bestieg die schnellst« Landrcisemaschine der Welt, den„Travel Air Mystery", und absolvierte an einem Tage«in« Streck«, dl« rund 8200 Kilometer lang«st. Frank Hawks war cS auch, der auf «Ine Entfernung von rund 1000 Kilometern den Wettlauf mit einem dringenden Telegramm auf der Slrecke London—Berlin gewann. Karl E r a m o n. sein. - Rußland baut Kulturstühpunkt. Dem militärischen Druck JafianS auf di« scrnöstlichen Republiken der Sowjetunion antwortet Rußland mit dem großzügigen Ausbau seiner Kultnrzen- .trcn ini Grenzgebiet. Gipregor, die Zentrale kür .Städteprojcktiernng, hat einen Mammutplan für den Neuaufbau von Wladiwostok sertiggestellt. Eingekeilt in neue japanisch« Interessengebiete, will es eine Kulkurfestung der Sowjetunion werden. Seine Bevölkerung soll bis zum Jahr« ;1942 von 160.000 auf 410.000 anwach'en. Fiir den Neuaufbau ist die Summe von einer Mil» sliarde Rubel vorgesehen. Bor allem werden 18 Hochschulen. darunter auch technische Hochschulen 'und Techniken errichtet. Es sind elf Kinothcater, 'zwei Theater. Museen und ein großes Planeta- 'rium projektiert. Wlad'wostok erhält staben Krankenhäuser mit 3725 Betten und zehn neue Badeanstalten. In die asphaltierten Straßen wird eine Kanalisation gelegt. Zur Erholung werden zwei große Parks eingerichtet. Jrder Bezirk erhält Kindergärten und Svielplätze. Zur Versorgung der wachsenden Bevölkerung werden sieben Brotfabriken und vier Nahrungsmittelbetriebe gebaut. GGßVSVSsGe Gpützie. „Siebenhnnderttansend Mark desrandiert!" Diese Verleumdung schleuderten die Nazi den ins Ausland geflüchteten.Hauplfunktionären des aufgelösten Deutschen FreidcnkerverberdcS nach. Und allüberall druckt« die Bürgerpressr diese„amtliche" Meldung nach. Als aber aus dem D-..itschcn sfreidenkerverband eine— selbstverständlich nativ-1 nalsozialistische— Neue deutsche Feuerbestattungskasse gebildet worden war, mußte deren staatlicher Kommissär zur Beruhigung der MitalicNchast in einem Rundschreiben erklären:„Alle Gerücht«, bezw. Zeitungsnotizen, di« den ehemaligen Borstand betreffen, berühren in keiner Weis« den Fortgang des Unternehmens. Die Behauptungen in den Zeitungen sind bewußte Unwahrheiten."— Es waren nationalsozialistische Zeitungen, die dies« bewußten Unwahrheiten verbreitet halten! Sie widerrufen sie natürlich nicht. Die Mitglieder werden bc- ruhiat— die Massen sollen weiterhin glauben, daß die„roten Bonzen" mit prallen Geldsachen, mit gestohlenem Geld ins Ausland flehe». Sitt- siche Erneuerung! Die Rekordji>er. Airs dem Segelflugplatz in Bezmiechow bei Leinberg stellte der polnische Segelflieger Mlvnarskl mit einer Flugdauer vou II Stund"» 58 Minuten einen neuen polnischen Segelflug-Rckorh aus. Konstrukteur des Segelflugkruges ist Ing. Grzcsckyk. Für Naturschutz ln Afrika. In London wurde«ii:« international« Konferenz «öflnet, auf der 14 Linder vertret«» sind und der di« Aufgabe-gestellt ist. Maßnahmen für di« Er- Haltung»nd den Schutz der T'er- und Pslanrcnwelt in Afrika zu suchen. Lord Plymouth, der Unter- staatsfekretär für die Kolon'en, betont« in seiner Eröffnungsansprache die Notwendigkeit, nach neuen Methoden zu suchen, um die rücksichtslose Ausrottung wilder Tiere zu unter- id r ü ck c u. Di« britisch« Regierung— erklärte der Redner— sieht diel«'Frage als«'ne dringend« an und hofft, daß di« gegenwärtige Konferenz imstande lein wird, die Grundlagen für den Naturschutz in den übrigen Teilen der Dell zu finden Lord Onslow, der Vorsitzende ter'Konferenz, sühne einige Art'kel des non der britischen Regierung vorbereiteten Entwurfes für ein Abkommen an, dal die Errichtung von Nationalparks und N">erva- tionen besonders berücksichtigt. Stefan H e h m: Deutsche Regle. Achlundzwanzig Paragraphen halt« einst das unabänderliche Volksprogramm. Mer al» di« Zeit kam, wo man so nicht w«lt kam, stand man vor den Tatsachen stramm! Gottfried Feder! . Gottfried Feder... l Und man kroch mit klein«» Medrlschwänzrn, Männchen machend, vor der Ruhr-Industrie— Lächelnd ließ Herr Thyssen sich di« Sties«! küfsen. Wer sein eigenes Programm bespie war Gottfried Feder! Gottfried Feder...! Ach, wo waren alle schönen Punkt«, die man sich voll Mühe eben erst geklaut?! AuSgestrichen— «nd verblichen— korrigiert, verwischt, verhallt, versaut... Gottfried Feder! Gottsried Feder...! Doch wer wird denn weinen über rin bedruckte», längst zerrißne» Stück Papier?... Wenn nur Dividenden und freiwillige Spenden weiter fliehen sür und für. Gottfried Feder! Gohottsried Feder... l Mir send zu gmüetle gwä und z'voll Vertrau« HLud unsere Bürger glaubt und nnserm Recht Statt“*'M Drei' Ausweis au« der Partei. (Die erst« Zahl bedeutet ParteisondS, di««tu» geklammerte Wahlfondk.) September: Bodenbach: Ke 2800.—(700.—), Brünn: i 3200.—(800.—), Karltbad: Ks 6800— 700.—). LandSkron: Ks 816.—(184.—), ilsen-Budwei»: Ks 1902.—(488.—), Berliner GeslWer Wo steckt er? Alfred Hilgenberg Ist bekanntlich als„letzter Mann" auf der Reichstag».,,Wahlkampf"-List» d-"- Negierung aufgeführt. Wie Bösartige mitteilen. ist ihm di« Nachricht von feiner Kandidatur In»— Konzentrationslager übermittelt worden. Kleine Justizresorm. In der deutschen„Rechtspflege" soll demnächst (18.—), Ks 2130.—(480.—), Stern- 1000.—(400.—), Teplttz-Saaz: (660.—•), Trauten« u: Ks 1270.— GANZ VON SELBST ^„ECHT BLOND Siu» aller Wett. Die blutig« Internationale. Wie der „Daily H« r a l d" meldet, kauft Dentschlanv zur Zeit i« England Flngzeugmotore vom selben Typ, wie st« di« englische Armee in ihren schnellsten und gefährlichsten Kampfflugzeugen verwendet. Di« Rolls-Royce-Werke haben der deutschen Regierung eine Anzahl ter neuen„Kestrel"« Moto---n verkauft. welche in sür den -Iagt"'«czertyp„Fury" und sür di« 250.PS« -Kampffliegertype verwendet werden. Die Schahinsel.„Romancc" heißt die Molorjachl, die vor einigen Tagen von England aus in di« See stach, um«inen verborgenen Schab in ter Siidiee zu heben. Zwölf Jungen» bilden die Mannschaft der Jacht auf dieser abenteuerlichen Fahrt. Leiter der Erpcditton und Koinmandant der uniernehmungslustigcu Rotte ! ist Kapitän A. Max Stanton, der leitender Offizier in der Mawfon-Polarexpedition war. Ta» Fahrtziel der Goldcxpedition sirid die Kokosinseln. Dort brach im Jahre 1824 eine Revolte au». Ein katholischer Priester soll einen Schatz, der den Wert von etwa zwölf Millionen Pfund Sterling hat. aus ein englisches Schiff. daS gerade im Hafen lag. gebracht haben. Als dicieS Schiff in Tee ging, brach unter der Mannsck)aft«ine Meuterei anS. Ter Segler kehrte zur Insel zurück ^."lrr dieser Bezeichnung einer scknväbifchcn Bolksspe-.se, bei uns„Nockerl" genannt, zivku» ueren gegenwärtig in 2 ch w a b e n, trotz strengster Zensur, gedruckte Flugblätter, welche mehr als alle übrigen Nachrichten die Stimmung drr dortigen Arbeiterschaft kennzeichnen. Em Genosse, der im Schwabewland zahlreiche Brr» wandl« und Freunde hat und dessen Name-l wir deshalb nicht bekannt geben können, sendet uns ein solches Flugblatt zu, welches er über die Schweiz erhielt. Es kommt aus einem Gebiet, in dem nach dem Umsturz die Kommunisten die Masten au sich risten, di« noch vor dem Sicg der Reaktion zum Großteil ins Nazi- 2ager uinsattölten. Eine bezeichnende Parodie a euer Zeit wurde ein englisches Gesetz angenommen, nach welchem die Höchshgeschwindigteit der Dampf züge aus dem flache» Land« sieben Kilometer und in Ortschaften höchstens 3.5 Kilometer pro Stunde betragen darf. Aber dies war den Behörden noch immer n'cht-I nnd der Schah soll dann dort vergraben worden genügend Sie bestimmte» daher, daß 50 Meter vor‘' jeden Dampfzug ein Mann zu gehen habe, der in seiner Hand zur Warnung der Vorübergebenden «in« rot« Fahne halten muß. Die Dams'fzüge kro-I chcn also nur durch das Land oder besser gesagt: sie krochen nicht einmal. Dieses Gesetz wurde sür Jahrzehnte zn einem Perkchreh'ndcrms ersten I Ranges. Di« Berliner Polizei war auch bestrebt, mit allen möglichen und unmöglichen Mitt-elchen der Enttvicklnng hemmend In die Arme;» fallen. Im Jahre 1873 mußte dies der Bürger Ph lippi kennen lernen. Philippi plante nämlich ein ganz unerhör tes Attentat gegen die Verkehrssicherheit der Stadl. Er wollt« nichts mehr nnd nichts weniger als— Fahrrad fahren. Doch der damalige Polize'gewal- tag« ließ dies nicht zn»ich verweigerte Philippi die Genehmigung. Denn wenn auch Im Jahre 1817 Baron Dra'S da- erst« Fahrrad konstruiert«, so blieb da» Fahrrad tvenigstens in Berlin auch noch 56 Jahre später ein Teuselswerk'.eug. Der Erfinder mußte nach Paris gehen, wo er dann sein Fahrrad vervollkommnete. Da aber auch dort gewiss« Höchstgeschwindigkeiten zn beachten waren, eignete sich das Fahrrad nicht für den Stra ßenverkehr, da, wenn sich die Pastanten beeilten, sie dieselben Geschwindigkeiten auch zu Fitß erreichten Fahrrad wurde also in Paris nur artigen Sportbahnrn gefahren, wo Gesellschaft in Gala-Kleidung klein« dürft«. Zn jener Zeit durften mir di« gesch>vindigk«it«n fliege». So zum Schwalb« 68 Meter in der Sekund« nnd der?ldler 24 M«t«r. Aber auch d'es« dursten cs nur darum, weil kein« Möglichkeit bestand, ihnen dies zu ver bieten. Aber der Mensch... Seither find erst 56 Jahr« vergangen. Und heut« fahren di« Eisenbahnen mit 80, 00 Kilometern. Gaschwind'gkeit, und jeder findet di«» solbstverständ-1«Ine Neuerung zur Anwendung kommen, von der sich- I sich ReichSjusttzkommistar Dr. Frank v'«l verspr'cht! Lariam«, vie mvtuiui>>«» iv-ucii iwwh, Auch das Flugzeug hat sich in den letzten dreißig I Angeklagte, die trotz aller Bemelneidungen nicht daß die rot« Fahne zuerst als DerkehrSbehinderung I Jahren enorm entwickelt. Nachstehend einige zu.überführen sind, werden in Zukunft„1..." dient« Ihr Geburtstag war der 8. Juli 1863. Zu| Höchstgeschtvindigkeite», die im In- und Ausland« I Beweises auf der Flucht" erschossen werden. Oktober: Bodenbach: Ks 8000.—(2000.—), i Ks 600.—(150.—), Karlsbad: Ks (1300.—), LandSkron: Ks 400— Pilsen- B« dwcis: Ks 568.—(188.—), Prag: Ks 520.—(130.—), P r e ß b» r g: Ks 72. Reichenberg: Ks 2130—(480.—), berg: Ks 1600.—(400.—), •Ks 2640— (300.—), Troppaü: Ks 2160—(540.—). MAWt/lA'WWWWMAMVWMMNWWV tst'S auf das schwäbische Volkslied:„Wo klein'» Hüttl« steht." „Wo a Hol'» Hitlrrl« stoht, gilt'» a Noi'» Hirnlr, Wo a kloi'S Hitlrrl« stoht gelt'» a groß Maul? Dort wo die Dummheit, der Aeldsack und d' Roheit herrscht Dort wächst koi Birnl«, dort ischi rbb'S faul. Wo a kloi'S Gäbbclöle leert sein Jauchakübel Ao a lloi'ü GöbbrlSle schwätzt, grit'S a dumm'» G'schwätz Wenn der au' no' so hetzt, daß ihm der Ariser spritzt Da wird'S bald Übel, da goht'S bald letz. Nachstehend einige| zu.überführen sind, werden in Zukunft„mangels einfluh): 1008. 48 Std.-Km. 19L4. 448 Sld-Kin. 1910. 115 Sld.-Km 1027. 506 Std.-Km. 1910. 307 Std-Km. 1931. 600 Std.-Km. 1083. 680 Std.-Km. Im Mai vorigen Jahre» bewies dann der Sette 8 ^Sozialdemokrat" Samstag, 4. November 19.13. Nr. „stlOA" llaumvcollstrümpfe... X! 2- „MACCO" warme Strümpfe... Ke 5.- „NORA" feine Kunstseidenströmpfe KZ 7.- Unsere Strümpfe sind auf der Sohle und Ferse verstärkt. Prager Zeitung Hundert Jahre Nilolander-Realschule. Die älteste deutsche Realschute in der Tschechoslowakischen Republik, die Realschule in der Nikolandergassc in Prag, feiert heute das Jubiläum ihres hundertjährigen Bestandes. Die Bedeutung der Feier wird dadurch unterstrichen, daß Bertreier aller Schulbehörden teilnehmen werden. Die deutsche Realschule in der Niko.'andcr» gasie ist aus der deutschen Technik in Prag her- vorgcgattgcn. Am 1. Oktober 1833 wurde sie alS zwclklassige Borbereitungsjchulc der ständischen polytechnischen Lehranstalt in Prag geschaffen. Ter berühmte Gründer-er Prager Technik, Franz Josef Ritter von Gerstncr ein gebürtiger Komo- taucr, hat auch den ersten Lehrplan dcr envöhnien Borbereitungssckule verfaßt. Tie erste Umgestaltung erfuhr dir schul« im Jahre 1831, als sie nach der Revolution des Jahres 1848 vom Staat übernommen wurde. 1856 wurde sie in eine sechsklafsige Obcrrcalschulc verwandelt, 1869 fand die erste Reifeprüfung an der Realschule statt. Tic Schule war erst in verschiedenen Teilen der Altstadt untcrgcbracht. 1854 wurde vom Staat das Grundstück in der Nikolandergasie erworben, 1894 wurde das Gebäude aufgcbaut, in dem sich die Schule noch jeht befindet. Anläßlich des Schuljubiläums wurde eine Festschrift hcrauSgegcben, die durch ihren Inhalt und ihre künstlerische Ausstaliung hcrvorragi. ES finden sich darin ein Begrüßungswort des schul- ministers Tr. Dürer, eine Geschichte der Schul« von Staatsarchivar Tr. Blaschka, eine Geschichte des Hauses, in dem sich die Schuld befindet, von Karl Maaüer und viele ausgezeichnete Beiträge Ultd Illustrationen. Ter Einbai'dentwnrf»ich di« Satzanordntlng stanimen von Gugo Sieincr. Prag,«inem anerkannten Künstler. Prags Bevölkern ngsziffern. Im Juli 1933 wurden in der heimischen(in Prag wohnhaften) Bevölkerung 917 Eben geschlossen. Lebend geboren.wurden 858 Kinder. Gestorben sind 723 Personen. Es beträgt somit der Ueber'chuß dcr Lebetidgcborenen über die Gestorbenen 135, d. i. aus 1000 Einwohner 1.8. Die meisten Stcrbefälle (116) wurden verursacht durch Herzkrankheiten, ferner durch Krebs(110) und Tuberkulose(95). Selbstmord begingen 35 Personen(21 Männer und 14 Frauen). Rach Prag wanderten zu 7510 Personen: ausgewandert sind 11.500. Ter Ueber'chuß der Ausgewanderten über die Zngewanderien ist eine regelmäßig« Erscheinung-der Sommer, monate, der insbesondere durch den Abgang der Studenten aus Ferien verursacht ist. Zu zeit- welligem Ausenthalt'rasen 39.764 Personen ein. hievon 33.692 aus der Tschecl)oilowakei und 6072 aus dem Auslände. Mit fremden Blume». Eine Genossin ichreibz uns' Dieser Tage besucht« ich das Grab meines Brüter« auf dem großen Prager Friedhoi. Ich Hali« das Grab im Sommer sorgfältig instand geietzl, ein Bäumchen eingepsianzi. Blumen gejepi. Und jetzt— alles fehl», bas Bäumchen mtd di« Blumen. Ganz offenbar Hai fein and sie gestohlen, um damit das Grab«ine» ihm keuren Verstorbenen zu fchmücten Nun. ich verstehe, daß Armut zum Dieb- stahl führen kann. Nicht versieben ober kann ich«ine Religiosität, di« die Beraubung anderer Gröber mtl Gebeten sirr das Seelenheil de» mit gestohlenen Blumen geehrten Toten vereinbaren kann. AMWMMMMVWMMMWWMMMI TOittetlnngen an« dem Publikum. Bei Schmerzen, ob cs nun rheumatische, neuralgische oder Kopfschmerzen sind, hilft''ein A l p a- Umschlag, oder Einreibung der schmerzenden-Stelle mit Alpa.., 100 Prager Reportage: Menschen hinter Schnutenstern. Arbeit und Verdienst der lebenden Rellamefiguren. Die„lebende Rcklamc" erfreut sich bei Geschä-sisleutcn und Publikum ziemlicher Beliebtheit und verhilft hie und da wohl einem armen Teufel zu einein befchedenen G«legenh«iisverbienst. Di« wenigsten von denen aber di« sich vor dem Schau- senster drängen, machen sich Gedanken darüber, mt« sauer diese paar Kronen verdient werden Denn die hinter den AuSlagcnschei-ben müssen von früh bis abends in ewiger Wiederholung einige auwmaien hafte Bewegungen voltführcn, dabei vor hundert glotzenden Augen Haltung bewahren, trotz Erfchrp-- fung, schlechter Luft und dem grellen Licht, da» ihre Augen blendet, da» starre Lächeln oder die würdevoll« Pos« festhalten, dir ihnen di: jeweilige Rolle vorschreibt Da konnnt zum Beispiel«in« Konstktionssirma auf den Einfall,«inen mit grauem Bart und Glatzcnperück« maskierten Menschen hinter die Ans- lagewcheibc zu stecken, dessen Aufgabe es ist, die verschiedenen Typen von Anzügen und Mänteln, die km Hintergrund aufgehängt sind, einen nach dem andern vom Haken zu nehmcn, beifällig mit dem Kops zu nicken, d.« Preiszettel zu be'rachten, entschieden den Kopf zu schütteln und endlich mit Rotstift den alten Preis durchzustrcichen und einen niedrigeren darniiterzuschreiben. Eine Lichtreklame- erläutett etwaigen Begrisfftützigen den Sinn des lebenden Bildes:„Unser sensationeller Preisabbau!!!" Di« Produktion dauert so ziemlich sechs Stunden. Ommer wieder von vorne: Abnehmen— Kopfnicken— Preiszettel ansehen— Kopfschürreln— Neuen Preis anschreiben— Aufhängen. Eine Parfllmeriefirma will auf ein« neue Rasiercrem« aufmersiam machen. 0n der Auslage sitzt«in Reklamcnrcnsch vor«nein Rasierspiegcl. Er seift d'e dem Publikum zugekehrre Wange«in, macht ein verklärtes Oiesicht, nickt verzückt und wäscht den Schaum wieder ab. Seift sieb von ncuem«in, nickt und wäscht sich ab. S-ni-d-n und Stunden. Aber ja nicht das strahlende Lächeln vergrsicu, so schtver es den Wangenmu lk«In mit der Icit wird, die glncksel'gr Grimasse festzuhalien! In der Auslage einer großen Importfirma hat«in als Geisha kostümiertes Mädchen die Aufgabe, di« von der Firma geführten Tcesortcn a»;u- prei'en. Die sucht mit verdrossenem Gesicht und kopfschüttelnd in einem Hausen von Teepäckchcn heruni Es ist Konkurrenzware, daher schlecht und d:c Geisha traurig. Plötzlich fährt sie entzückt»mpor und schwingt«in.Päckchen der eigenen Mark« trium- phierend In der Hand. On der andern aber hält sie >eui gassendcn Publikum eine Tafel entgegen:»Unser Tee ist dcr lrc.st« der Weil." Zweimal— zehnmal, sünsz'gnial hintereinander Stunden und Srunden Eine Schokoladenfirma läßt in den Abendblättern einen Artikel einrücken: „Das Rätsel von Prag." Dar'n wird das Publikum aufgefordcri, sich in Massen einzustellcn und zu raten, ob der vor dem Geschäft ausgestellt« Mohr ein Mensch ist oder«ine Figur. Und tatsächlich drängt sich das Publikum vor dcr betreffenden Firma. Da steht einer— Mensch oder Puppe?— bunt a«gezogen, mit braunem Gesicht und rührt kein Glied, zuckt um keiner Wimper. Di« Augen sind starr geradeaus gerichtet. Es vergehen viele Minuten und eben, wie sich die Mehrheit der Zuschauer darüber einig ist, daß cs sich doch um ein« Puppe bandeln müsse, weil kein Meu'ch so lang« dies« ai-sol.nte Slarrlicit anshalten könne, springt di«„Puppe" von ihreni Pledestal. Es war ein Rellamemensch'... Nein, dieses Gold ist nicht leicht vevd'ent. Oft und oft sind dies« Menschen nach endlich beendeter Produktion vollkommen erschöpft. Körperlich und seelisch. Di« Frau eines Arbcitsiocn, der einigemal mit solcher Beschäftigung etwas verdient hatte, erzähl!« einmal, daß ihr Mann«>nes Abenrs nach der Heimkehr einen förmlichen We'nkramps erlitten habe. Sein« Nerven streikten. Freilich gibt es, robuster« Naturen, aber auch dies« sind sich darüber :inig, daß eS ganz vcrfluchtcr Notverdienft ist. Fragt man aber solche lebende Reklamefiguren nach der Höhe ihres Tagesverdienstes, so erhält man verschiedene Antworten. Als„a n st ä n d i g" gilt«ine Entlohnung von zwanzig Kronen. In «irrem Fall hör'« ich von 25 K», mrhrsach aber auch von fünfzehn Kronen per Arbeitstag. Es sollen aber auch Fälle vorkommen, daß«in Stunden» lohn vereinbart initb und dcr Rellamemensch >v«n'g mehr nach Hause irägl als z e h n Kronen, weil der tüchtige Herr Geschäftssührer es versteht, die Arbeitszeit auf das wirkungsvollste Minimum einzuschränken. Bg. Kunst und Wissen D 34 Dies«S Theater betont das Kollektive, das Gc- meinschaftliche, das Einhritliche. Tas„Kassechaus in dcr Hauptstraße" schrieb«in srühcrer Kellner(Gsza B ö e l i ö k a. Burian gibt mit Nelly Arnstein passende Ausstattung dazu, z. B. drei einfache Stangen, zwischen denen di« Kellner durchlaufen und die Zuschauer haben die richtige Vorstellung von der Strecke, die ein Kellner täglich durchrasen muß. Auch die Songs, deren Textautor sich hinter d«m Pseudonym F i g u l u S verbirgt, bilden mit dem Stück eine Einheit. Tas Lied über die achtstündige Arbeitszeit wir) von einem Kellner und einem Dienstmädchen gesun- gen, dcr Song vom Schmuck, für den Frauen sich verkaufen, wirkt nicht weniger durchgreifend als das Lied von dem Buch und dem Nacht topf. Das Geschaffene wirkt so einheitlich, daß wir nicht wissen, was wir dcr Ide« und was dcr Turch- kührung zu verdanken haben.(Für die zweiundzwanzig Rollen sind nur zwölf Schauspieler zur Ver- siigung). Zu den besten Szenen gehört das Gespräch der zwei Freundinnen, weiter die Kritik des Familienheuchlers. der seine Frau zwar liebt und ehrt, aber mit Prostituierten schläft. Köstlich ist die Parodie, mit welcher der Autor— selbst einer dcr bekanntesten Tramps— die Tranipbewcgung bedenkt, die in den Sternen angefangcn und im Nebel vcr- cchwunden ist, die im Grand Canon, in Texas, bei Santa Fs und hinter dem Mississippi— also meistens in der Nähe von Pikoviec— ihre Wut auf die Stadt abreagierl hat. Und die beste Szene: die Arbeitslosen, di« so kraß den Unterschied zwischen Poesie uiid Prosa, zwischen dem Wunsch und dcr Wirklichkeit zeigen. h—b.' „Allez hopp", die neue Fri ed rich-Ho l l ander> R e u u e der Kleinen Bühne, ist ein louder- bareS Geminb moderner Kabarcttk-unft in gutem Sinne mit allererdinärstcm und albernstem Schund. ES gibt da Szenen, die mit ihrer Symbolik oder Satire nicht a» der Oberfläche bleiben, wie das Bild „Nichts hören! Nichts sprechen! Nichts sehen!" oder die kleine— vrn dem bourgeoisen Publikum beinahe instinktiv abgelehnie— Szene„Tie Sch-uer- sraucn". Recht nett ist auch noch die Parodie„Ter große Tenor", gut auch die Szene„Tie beiden Pagen". Ter„Trahifeilakt", von Fräulein M v tz er- greifend gesprochen, ließ das starke Talen: seS Autors am deutlichsten und sympathischesten hcr- vortreten Zwischen dielen Szenen stehen ober welche, in denen alles unterbot«« wird, was man au' Schändung dcr Bühn« gewohnt war. Moralisch und intellektuell stehen Thema, Text und vor allem die Witze höchstcnS auf dem Niveau eines Praicr- Tingeltangcis. 2chtve:nische Eindeutigkeiten, Kalauer von ehrwürdigem Aller, primitivste Komik machen das Wesen gut dcr-Hälfte dcr Revue aus. In dcr Musi? allein bleibt sich Holländer treu; die hat auch da noch Reiz, wo der Text ungenießbar ist.— Tic Conference besorgte Taub, sichtlich dort am besten,>vo er nicht an einen Text gebunden war, wirksam vor allein in dcr guten Schlußszene „Münchhausen". P a d l c s a k überraschte in seiner Slezak Parodie durch ausgezeichnet pointierte Ko-- mik, Frl. M o tz gefiel, wie ermähnt, in dem schönen „Drahtseilalt". Tic Damen Carpentier.und Tilden hatten in den beiden„Pagen" ihre beste Szene. Stadler und Dudek konnten durch drastische Könnt auch in schwächeren Bildern wirken. Aus dem Rahmen siel Senta Born mit einer ganz entzückenden Tanzszcnc, deren besonderer Reiz darin liegt, daß die„Nirwana-Girls", Schal- lenbilder dcr Künstlerin, mittanzen. Diese Szene, die solides technisches Können bewies, hatte weitaus größeren Erfolg als die ganze übrige Revue. — Ausgczeichnc: an den beiden Klavieren di« Herren Pollak und Rieger. Sehr hübsch die Bühnenbilder von H a n s B u r g e r<-. k. Nur im Ausland. Drei der bcrühmiesien deutschen Musik Dirigcnlcn werden in der nächsten Saison nur im Ausland tätig sein: Otto Ktempere r hauptsächlich in Wien, Hermann S ch e r ch en in Ti. Gallen und de- öfteren in Straßburg, Bruno Walter in New Port sowie in Amsterdam und Prag Abonnements- Ausgabe noch bks einschließlich Sonntag! I. PhilharmonifchrS Konzert am Montag, den 13. November. Paula Wessely, Oscar KarltveiS, Hans Thimig mit dem Ensemble des Theaters in der Josejsladr Donnerstag in„Liebele i" und„A bschiedS- jouper"'.Abonn. aufgeh.).— Freitag:„Ist Geraldine ein Enge l'?"(Abonn. aufgehoben). Wochcusplclplan des Neuen Deutschen Theater». Sauisiag, X-7:„P y g m a l' o n", C 2.— Sonntag 11: Kanimerinusik, 21s:„Ball im 2 a v o y", 7:„Bardier von 2 evill a", A 2.— Montag, 7%:„P ygmalio n", 0 2.— Dienstag 7!4:.„T o S ea", A 2.— Mittwoch, 7J4: „Barbier von Sevilla", v 2— Donnerstag: En-scmblcgaftspiei in dcr Josvfstgdt, 7A:„Liebr- l e i",„A b f ch i c d S s o u p e r", mit Paula Wesiely, Oskar Karlweiß. HanS Thimig. A A.— Freitag: Enscmdlegastspiei des Theaters in der Josesstadt: 7H:„Ist Geraldine ein Engel?" A A.— -Samstag, 7:„A id a", 9 1. Wacheuspielplan der Kleinen Bühn«. Samsia, S:„Allez hopp".— Sanutag, 3: John Ga. briel Borkmann, 8:„Allez hopp!"- Montag, 8:„Allez hopp!"— Dien-Stag, S:„Br- zauberndes Fräulein".— Mtiwoch, 8: „Alle» hopp!"— Donnerstag, 8:„Allez hopp!"— Freitag, 8:„Bezaubernde, Fräulein".— Sam-Stag, 8:„Allez hopp!" Aus der Partei T.0.k. Sonntag, den 8. November: Wanderung. Treffpunkt 8 Uhr, Smichover Bahnhof, Vereinsnadiriditen Deutsche Bolkssinggcmeinde..Morgen 9, evcniucll 10 Uhr Hauptversammlung im Obborovx düm. Vorher, 8 Uhr-15, AuSschnhsitzuug Sport*Spiel- Körnemlleni! Zusammfassung der Arbeiter-Wintersportler in der Schweiz. Die Schiverzcr Genossen leiten bereit eine planmäßige Organisierung des Wintersports in die Wege. Als Bortbereitung für die Organisierung des Wintersports fanden bereits Im letzten Winter einig« Kurie statt, die sehr stark besucht waren. Augenblicklich finden in verschiedenen Städten GymnastiNurse zur Skifahrer statt. Ein« in Olten staibs'ndende Tagung der Arbeitcr-Winter- sportler des Verbandes soll zur Gründung des Unt«rv«rbandes Stellung nehmen und den VerbairdAvinbers-portwart wählen. 4m nächsten Winter soll ein großes Wintersport- treffen in Eigental bei Luzern stattfinden. Die Organisierung des Wintersports wird dem Schweizer Verband sicher einen neuen Mitgliederzuwachs bringen. Ter Arbeiter-Skiklub Bern hat sich bereits eine eigene Skthütte gebaut. Vom amerikanischen Arbeitersportverband(Wor- kers Gymnastik and Sport Miance of America). Erster Vorsitzender des Verbandes ist Genosse H. Buche, Sekretär Genoss« Karl Hengst le r. Di« Organisation bemüht sich, in allen Fragen die Aktivität zu steigern. Den geflüchteten deutschen Turn- gen-nssen wurden Zuweisungen gemacht. Di« Verbindung mit dcr SA-TI. wird noch verstärkt. Di« technisch« Arbeit ist im vollen Gange. Balle-pelot« lKnöucl-Ball). Ein Spiel, das von einer Mann-rchaft mit fünf Mann mit fleincn Bällen gespielt wird;«s ist nur in Belgien, Süd» holland, Nordfrankreich und in Luxemburg beheimatet. In Belgien umfaßt d'-e Gruppe dieser Spieler im Arbeiierverbänd 950 Mitglieder in 1K) Mannschaften. Die gibt eine Zeitung von 1500 Exemplaren heraus. Mit 1. Oktober wurde die Sa'son beendet; sie beginnt wieder im April. Meisterschaften werden in vier Nationalabteilungen gc» spielt. Tie Knäuelballspivle werden regelmäßig von 100 bis 500 Zuschauern verfolgt. Dieses Spiel ist auch im Programni der 3. Olympiade vorgesehen. Literatur Praktisches Wissen vermittel.! jedem proletarischen Funktionär und jedem Arbei-ier, dcr sich weitcrbildcn will, der Melullavbeiter-Kalender tÜ3l. Er enthält besonders die Vorschriften über di« Neuregelung der Arbeitslosenunterstützung, di« Nnpsänd- barkcit der Arbeitslosenunterstützung, viel«:«chniich« und wirt-schastftche Mitteilungen. Adressen«er Aemter sowie das Vereinsgesetz, welche» gerade heul« sehr aktuell ist, weil gegenwärt-ig im Kamps« gegen den FasciSmns daS Vereinsgcjetz eine wichtige Handhab« küeiei Jeder BereinSfunktionär sollte seine Bestimmungen genau kennen. Ter Metallarbeiterkalender, weicher außerdem vielen Raum Nir praktisch« Notizen bietet, ist zum Preise von 5!ir vom Internationalen M-laUaroeilcrverk'ard n Kam,'tau, Lessingstraße 23, zu beziehen. MMll ; Versicherungs- Aktien-• I gesellschaft in Wien! i Direktion für Veraurwortlichtr Redakteur' Dr. Emil Streust. Prag.— Druck:?Rota* für Leitung- und Buchdruck. Drau.— Für de» Druck verautwortlichr- Otts Holtk, frag.— Die Ael'uug^marieutronkatur mürbe von ver Poft- u JpieflfM’l'iiöttnitön wi» Erlast Nr 13 8üü/V|| ircjn beirtll