13. Jahrgang. Mittwoch. S. November iyzs Nr. 261. Genosse Taub im Außenausschuß; SPALTUNG ♦ Keine Gleichberechtigung für kriegslüsterne Diktaturen ♦ I 1 der ein ge- ge» Zu den militärischen Rüstungsstossen gehört auch Zellulose, die zur Äpreuzstoss. erzrugung verwendet wird. Die Einsuhr dieses Artikels betrug im Monatsdurchschnitt 1932 1,999.999, im August 1933 aber 2,365.999 Zentner; die Mehreinfuhr in den Monaten Juni bis August beträgt gegenüber den entsprechenden drei Monaten 1932 6,829.999 Doppelzentner. Uebrr den ReichStagtbrandprozeh will ich nur folgendes hervorheben: Wassenuugleichheit der Prozehparteleu, Nichtzulassung auswärtiger unabhängiger Verteidiger, Bestellung von offenbar unzulänglichen Verteidigern für die Bulgaren und Lobbe, Bestellung eines exponierten politischen Acgnerü zum Verteidiger TorglerS. Fesselung der Angeklagten durch viele Monate, Mangelhastigkeit der Oessentlichkeit d«S Verfahrens infolge des Ausschlusses aller nur irgendwie mißliebigen Berichterstatter und Zeitungen, osfenkundige Mißachtung von reich?, deutschen Vorschriften für die Strasprozetzord- nung, z. B. Einvernahme der Angeklagten in Gegenwart von Zeugen, Unfreiheit der Atmosphäre, ununterbrochene drohende Stellungnahme der nationalsozialistischen und sonstigen reichsdeutschen Presse gegen die Angekkagten. Deutschland im iäslaiitslieber Ein strikterer Nachweis für die Ausrüstung, die in Deutschland tatsächlich vor sich geht, kann gar nicht mehr erbracht werden! Die Bedingungen der FricdenSversicherun- gen in Europa sind nach der Machtergreifung des FafciSmu» in Deutschland grundlegend geändert. Rach sozialistischer Auslassung sind mit kriegslüsternen Diktaturen Vertrage aus der Basis der Gleichberechtigung unmöglich. Dir sozialistische Arbeiterschaft erblickt ihr« geschichtliche Ausgabe darin, den Diktaturen di« KriegS- moglichkeitcn zu verschließen, weil«in durch den FaseiSmnS siegreich beendeter Krieg den Untergang der Kultur bedeuten würde. „Freie Watolen** Ich komme seht zur Frage, ob die„Wahlen", die in Deutschland statisindrn werden, eigentlich die freie WillenSmrinni"' des deutschen Bokker darstellen. Durch diese Dahlen und durch da» Plebiszit soll die Politik der heutigen Machthaber, insbesondere der Austritt au» dem Völkerbund, gebilligt weiden. Werden die Dahle»» wirtlich den Ausdruck de» BolkSwillenS dartun'? Wen« man siehtz wie draußen in Deutschland da« Volk seiner- freie» Meinung beraubt und geknechtet ist, wie«S zur Urne kommandiert wird, wenn man die Maßnahmen sieht, di« zur Durchführung der Wahlen und des Plebiszits getroffen wurden, dann muß man sagen, daß all da- mit freier Willensäußerung nicht- zu tun hat, da jeder mit seinem Leben spielt, der nicht so handeln würde, wie es de« gegenwärtigen Regime in Deutschland paßt. Die Worte, die in Deutschland gesprochen wer- den, muß man mit den Taten in Vergleich stellen. Es wäre töricht, die Ennntiationen, die von hoher und höchster Stelle in Deutschland kommen, als Wahrheit und als die innere Uebcrzeugnng auch der Herren hinzunchnnn, von denen sie gesprochen werden. ES hat eine Zeit gegeben, in der das Ausland geneigt war, diesen Friedensversicherungen restlos zu glauben. Die Sprengung der Abrüstungskonferenz und Deutschlands Austritt ans dem Völkerbund habe» nun aber volle Klarheit über die Absichten Deutschlands geschaffen. Vor allem ist Deutschland aus dem Völkerbund und a»S der Abrüstungskonferenz gegangen, weil eS die Rüstungskontrolle fürchtet hat. Hat Deutschland auch Grund habt, diese Kontrolle zu fürchten? Ich zitiere zum Teil ein Sammelwerk interparlamentarischen Union:„Wie würde neuer Krieg auSschen?", auS der Neuen Wcltbühne und aus dem Neuen Tagclmch. Welches authentische Material da zutage gefördert wird, ist einfach unfaßbar; es zeigt, in welchem Widerspruch die Tatsachen zu den Fricdcnsbekcnntnissen Deutsch, lands stehen. I Der Stabschef R o« h m hat erklärt, daß«S 899.999 cingekleidete und bewaffnet« SA» und SS-Männer gibt. Dazu kommen 129.999 Stahlhelmer und kleinere Verbände, im ganzen etwa rin« Million Mann. Im deutschen Ausrüstungsbudgel sind 899 Millionen Mark eingeseht. Die Alteisenrinfuhr für Stahlerzeugung nach Deutschland über Holland hat im Fahre 1932 48.799 Tonnen betragen, von Jänner bis Mai 1933 aber 61.999 Tonnen. Außer Krupp und den rheinischen Metallwerken werden noch 12 große Wafseufabriken angeführt. Außer I. G. Farben und Kohl-Scherbaum können noch vier große Betriebe sich sofort aus die AiftgaSerzeugung umstellen. I« der letzten Nummer des Neuen Tagebuches ist eine Aufstellung der Einfuhr von Kriegs st offen nach Deutschland. Dir Einfuhr an Eisenerz hat im Fahr« 1932 2,871.909 Doppelzentner' betragen, während sie'1933 bis, August bereits 4,770.999 Doppelzentner betrug. Im Jahresdurchschnitt beträgt' daher die Mehr- rinsuhr. gegenüber dem Vorfahr bereits 6.997.990 Doppelzentner. Die Einfuhr an Eisen ist jetzt in den ersten acht Monaten 1933 gegen 1932 um 1,956.537 Doppelzentner gestiegen, di« Einfuhr an Kupfer»m 156.474 Doppelzentner. Dasselbe Bild sehtuwlraiichbeiM Nickel. Verfahren» den primitivsten Anforderungen an- zupasien. Ws Goeriug bezeichnet« ohnr Widerspruch des W Vorsitzenden die Angeklagten und dritte Per- W sonen als Strolch«, Gesindel, Verbrecher und er- H klärte, daß er Lubb« sofort aufhängen wollte. Goeriug maßte sich die SitzungSpolizel im M DerhandlungSsaale an und wies den Angeklag- U ten Dimitrow auS dem Saal«, wobei er ihn H wiederum beschimpft«. Der Vorsitzende getraute M sich nicht, zu widersprechen und sanktionierte da» H Vorgehen Goeriug», indem er nachträglich I seinerseits den Ausschluß Dimitrows verfügte. Unwidersprochen blieb-di« Meldung, daß I Goeriug erklärt hat, er werde die Schuldigen M ihrer Strafe zusühren, möge der Prozeß auS- | gehen, wie er wolle, und daß er weiter gesagt N hat:„Sie Gauner gehören an den Galgen, W warten Sie nur, bi» wir sie außerhalb dieses m Gerichtshofes haben werden!" Der aktive Ministerpräsident droht also B gerade demjenigen Angeklagten, gegen den nicht M einmal die unglaubwürdigen und verlogenen KE bestellten Zeugen der Anklage etwa» auSznsagrn DD wußten, offen mit der Ermordung! Dieses Auftreten Goerings hat auch, für diejenigen, di« bisher naiv genug waren, ein objektive» Urteil zu erwarten, klär gezeigt, wie die Verhältnisse liegen, und welches Urteil die Machthaber wünschen. Nur Richter, welche bereit wären, ihre Stellungen mit dem Aufenthalt in Konzentrationslagern zu vertauschen und ihr,L:bcn zu riskieren,' könnten diesem Druck Widerstand leisten. Daß der Will« hiezu, nicht besteht, zeigt der Verlauf der Einvernahme Goerings!... Wie da» höchste deutsch« Gericht sich mit dieser-Degradierung der-Justiz abfinde» wird, ist sein« Sach«. Aber daß w i r nicht achtlos an diese« Dingen vorübergehen können, sondern daß (Fortsetzung aas Leit« 8.) Was den Fall v o e r i» g betrifft, so ist«S in der Rechtsgeschichte der Kulturstaaten wohl noch nie dagewesen, daß ein Ministerpräsident und Polizeiminlster, der in einem politischen Prozeß al» Zeuge auftrltt und im GerichtSsaal von Zuhörern und GerichtSverfouen mit dem Hitlergruß begrüßt wird,«ine politische Agita- tionSrede halt, während welcher ihm.pon-Zuhörern politische Ovationen bereitet werden, ohne daß der Vorsitzende sich getraute, einzvschreiten, und' wenigstens nach außen hüt de» Gang des Prag, 7. November. In der Aussprache über das letzt« ExposS des Ministers Dr. BeneS, di« heute der Außenausschuß des Abgeordnetenhauses abführt«, wurde von dem tschechischen Genossen R e r a S und später namentlich vom Genossen Taub in sehr ernster Weis« aus dl« Gefahren hingewiesen, di« auS den offenkundigen Kriegsvorbereitungen Hitler-Deutschlandü für ganz Europa erwachsen. Den heuchlerischen Friedensbeteuerungen von amtlicher deutscher Seite stehen derart besorgniserregend« Meldungen über fieberhafte Rüstungen der braunen Faselst«» entgegen, daß hier höchste Wachsamkeit am Platze ist. Dieses Deutschland, daS sich außenpolitisch wtal verrannt hat, muß durch die gesamt« Kulturlvelt in undurchdringlicher Isolierung gehalten werden, bis die Hitlerei zusammengebrochen ist! Auch gegenüber dem Dollfuß-Regime in Oesterreich ist, wie Genojsr Taub nachdrücklichst betont«, schärfst« Wachsamkeit notwendig. In wirtschaftspolitischer Beziehung trat Genosfc Taub den agrarischen Autarkiebestredungen entschieden entgegen, da sie nur z« einem völligen verfall»«lerer Industrie und damit letzten Endes auch zum Ruin der ihrer Abnehmer beraubten Landwirtschaft führen müßte. Die wir«, fchaftliche Kleine Entente müßt« ausgestaltet werden, auch wenn dem nicht gering« Schwierigkeiten im Wege stehen. Zur Förderung unseres industriellen Exportes ist di« endliche d« jure.Anerken. nuug Rußlands unerläßlich. ES war kaum zu glauben, daß sich der Nationaldemokrat Dr. Hajn auch heute noch mit aller Entschiedenheit gegen diese Selbstverständlichkeit anSsprach. Der Red« des Genossen Taub, di« mit einem Appell zur Bölkerversöhnnng auch im Rahme» dieses Staates schloß, entnehmen wir folgende Stellen: Der Fall Goering einzig dastehend in der Rechtsgeschichte Die Nichteinmischung in die inneren Angele genheiten eines anderen Staates. muß zweifellos hochgchalten werden. Aber ich glaube, die Vorgänge, die unmittelbar mit dem Reichstagsprvzcß Zusammenhängen. hier nicht übergehen zu dürfen, wobei wir ja daraus Hinweisen können, daß auch die maß. gebenden Herren in Deutschland sich weder beim Bolkssportprozeß noch bei anderen Gelegenheiten irgendeine Reserve auferlegt haben. TaS gibt uns wohl das Recht, uns hier ein wenig mit den Vorgängen im Dritten Reich zu beschäftigen. Im französischen Sozialismus Die Spaltung der Französischen-Sozialistischen Partei ist leider vollzogene Tatsache geworden. Ter Parteivorstand(Coinmission Administrative Permanente) hat am!lv. Okto- her weitgehende Beschlüsse gefaßt. Er hat dem Parteiausschuß vorgeschlagen, die Feststellung zu machen, daß die sechs Abgeordneten, gegen die das Verfahren wegen der Kundgebung in Angeulöme schwebt, sich außerhalb der Partei gestellt haben. Unter diesen befinden sich Renaudel, Marquet, Montagnon, der Beschluß richtet sich auch gegen Däat, der sich mir den führenden Rebellen von Angeultzm solidarisch erklärt hat. Der Parteivorstand hat ferner beschlossen, dem Parteiausschuß Maßnahmen gegen die Minderheit der Fraktion vor,Zuschlägen, die bei der letzten entscl-cidenden Zkbstim- nmng im Parlament gegen die Fvak ions- mehrhcit gestimmt hat. Dies« Beschlüsse bestätigten, daß die Ver- mittlungsaktion, die Bandervelde und Friedrich Adler als Vertreter der Internationale in diesen Tagen in Paris persönlich mucrnah- men, im Wesentlichen ergebnislos geblieben ist. Die Internationale weiß, waS die Einheit der Französischen Sozialistischen Partei für die europäische Arbeiterklasse bedeutet. Die Französische Sozialistische Partei ist nach der RieVeÄage der Deutschen Sozialdemokratie die Bannerträgerin des Sozialismus aus dem europäischen Kontinent. Im Kampfe um die Demokratie, um Frieden und Sozialismus, steht sie auf dem vorgeschobensten Posten, von der Entschlußkraft und der Einheit' des fran- ösischen Sozialismus wird nngehcucr viel ab- 'ängen. Bandervelde i«nd Adler haben in ihrem Brief an Renaudel die rechte Minderheit der Partei vor den voreiligen Taten gewarnt. Sie haben offen erklärt, daß die International« eine zweite, eine abgcsplittertc Partei nie anerkenne»« wird, sie haben sich auch gegen die seltsame Theorie gewandt, nach der die Abgeordneten vor ihren Wählern, aber nicht vor der Partei verantwortlich sind. Auch diese Warnung der Führer der Jnternatiönale hat nicht gewirkt. Die Vertreter des rechten Flügels benahmen sich so, als ob die Spaltung für sie keine Frage mehr wäre, sondern ein zu befolgendes Ziel. Auf ihre Worte und Taten hat der Parteivorstand mit seinen Beschlüssen geantwortet. In den letzten Tagen kamen politische Handlungen zustande und sind Erklärungen abgegebe«« worden, die die unheilvolle Entwicklung zur Spaltung besiegelten. Tic Mindrr- heil der Fraktion hat nicht nur gegen die Mehrheit gestiinmt, sie ging weiter: Renaudel har in ihrem Namen eine Erklärung abgegeben, die von allen als die programmatische Deklaration einer neuen ParlamentSfraktio»» empfangen wurde, und so auch gedacht und formuliert tvar. Marquet erklärte klipp und klar:„Wir gründen eine neue Partei". Ter rechte Flügel, der sich ganz offen für'ciuc.neugegründete Fraktion hält, führte lwi der letzten Regierungskrise Separatverhandlungen zu- nächst mit Daladier, dann mit Sarraut. Marcel Däat sprach mit Verachtung von der „Partei Blums", mm der er nur noch„machtlose und fruchtlose Diskussionen und revoluiio- näre Gebete" erwartet. Dieser junge, talentierte, einen kühnen. Gedankenwurf zeigende Politiker, spricht ganz unverhüllt die Hoffnung aus, daß die sozialistische Partei»rach dein Abgang des rechten Flügels zugrunde gehen und an innerer Zersetzung sterben werde. Er mit seinen Freunden wollen aber ein neues sozialistisches Haus ausrichren. Das war.das gefährlichste in der letzten Phase dieser innerparteilichen Auseinandersetzung: der Will« zur Spaltung war da, allen Verhandlungen ging der Beschluß der Rechten voraus, eine eigene Partei aufzuziehen. Die Röchle verlangte nunmehr als die Boraussetzirng der Verhandlungen nicht ihr Mitbestimmungsrecht m der Partei, sondern das Recht auf den Sette 2 Mittwoch, 8. November 1933 Nr. 831 Bestand einer autonomen zwei.en Partei im Rahmen der aufgclockerten Gcsamtpartei. Die Französische Sozialistisch)« Partei hat di« am weitesten auSgebaute, die vollendetste innerparteiliche Demokratie, die daS sozialistische Europa überhaupt kennt, ihr inneres Leben wird durch eine auSgezeichne.e Toleranz gekennzeichnet. Was der rechte Flügel von der Partei verlangte, war- das Ausgeben des Wesens einer politischen Organisation, der Verzicht auf die Einheit der Organisation und des politischen Handelns zugunsten der unbeschränkten Bewegungsfreiheit einer nicht einmal starken Minderheil. Dieser Anspruch ist von der Parteimehrheit und vom ganzen Funktionärkörper der Partei als ein Attentat auf die politische Organisation d«S französischen Proletariats empfunden worden. Um so niehr, als viele Bertre.er der Rechten bereits dabei waren, hinter dem Rücken der Partei«ine neue Partei aufzubauen. Es gibt auf der Rechten Politiker, für die die Spaltung eine schwere inner« Ersehnt-s Irrung darstellen wird, zu ihnen gehören audii solche, die die Spaltung als eine erlösende! Tat begrüßen werden. Dieser offene und unverhüllte Schlag gegen die Pariei, der von manchen mit vollem Bewußtsein geführt wird, hat die Parteimassen besonders empört und den Weg zur Verständigung verbaut. Die Partei weiß, mit welchen Verlusten diese Spaltung droht, persönlichen und politischen Verlusten. Der all« Kämpfer Renaudel ist di« personifizierte Geschichte der Partei in den letzten 80 Jahren. Marcel Deal ist die größte Hoffnung der jungen Generation der Partei. Der beweglich)« Ernest Lafont, der einmal schon Kommunist gewesen ist, ist eines der größten Talente der Fraktion und des Parlaments. Marquer, den man für die treibende Kraft der Spaltung hält, ist eine hervorragende politische Begabung, die ihn, einmal außerhaio der Partei gestellt, als ihren erbitterten Gegner zu einem ganz gefährlichen Politiker machen kann. Auch die politischen Auswirkungen des Bruchs werden unheilvoll sein. Die Organisation mit wenigen Ausnahmen wird dadurch nicht erschüttert werden, der Parteikörper ist fest und stabil. Aber ein Teil der sozialistischen Wählerschaft, vor allem in den nicht industriellen Bezirken des Südens und des Westens, kann abspringen und eine bestimmte Zeit den„Neo-Sozialisten" Gefolgschaft leisten. Dadurch werden wichtige Brücken vom Proletariat zu den demokratischen Mittelklassen abgebrochen"werden. Der Tag wird kommen, an dem viele von denen, di« heute die Spaltung vorbereiten und betreiben, ihre Tat bitter bereuen werden. Die Rechte, die die Partei verläßt, zerschneidet die Verbindung zwischen sich und dem Proletariat. Eine irgendwie ins Gewicht fallende Organisation wird sie nicht aufbaucn können. Die Splitterpartei wird zu einem Anhängsel der Radikalen Partei werden, die ans der Absplitterung geborene Gruppe wird sich auch weiter pulverisieren. Man spricht schon heute von den Gegensätzen zwischen Dkarguet und Renaudel. Manche von den Spaltern werden vielleicht noch persönliche Erfolge erzielen, aber in einem dem Sozialismus fremden, wenn nicht gar feindlichen Lager. Denn es sind schon viel« Genosse Tand im AndenaussM (Fortsetzung von Seite 1.) wir diese Borgange bei der ersten uns sich bietenden Gelegenheit entsprechend geißeln, dawerden Sie wohl begreiflich finden. Die Folg« dieser ganzen Politik Hitler- Deutschland- ist di« völlige Isolierung Deutschlands und es wird gut sein, wenn wir bestrebt sind, dazu beizutragrn, daß dies« Isolierung Deutschland- aufrecht bleibt, so lang« dies« unerhörten Zustände dort herrschen! Wo bleibt Oer deutsche Radlosender? Tie Frage, mit der wir un- jetzt befchäf- tigen sollen, ist die, ob die Maßnahmen, die wir zur Abwehr der Hltlerpeopaganda genommen haben, auch vollkommen hinreichend sind. Ich finde eS ganz unverständlich, daß die Negierung daS Projekt bezüglich des deutschen RadivsenderS nicht verwirklicht. ES ist mir unfaßbar, wir die Regierung daran achtlos voriibergehen kann, daß unser« Menschen der Propaganda der Haken, kreuzler, der Propaganda der Herren, die h«ut« die Macht in Deutschland in Händen haben, vollkommen auSgellesrrt find. Wir haben kein« Möglichkeit, zu den Menschen zu sprechen und den Menschen unsere Hoffnung zu vermitteln. Ist bat denn eine Konzession an di« Deutschen? Ist cS nicht vielmehr«twaS, was im allergrößten Interesse der Tschechoslowaki- scheu Republik liegt? Müßten nicht in dieser Sache nicht eigentlich die nationalistischen Politiker im tschechischen Lager di« Rufer im Streite seine Aus Kurzsichtigkeit, aus der Verblendung heraus— ich kann cs.nicht auterS neunen — sprich» man sich gegen dies« Ide« aus, weil«» vielleicht daS Unglück getvollt hat, daß«in Deutscher diesen Gedanken zuerst propagierte. TaS ist ein engherziger Standpunkt, der nicht aufrecht zu erhalten ist! Achtung auf Dollfuß! Wir müssen leider feststrllen, daß die Regierung in Oesterreich den Schwerpunkt ihres Kampfes nicht gegen di« Nationalsozialisten, sondern gegen die So zialdenwkraten richtet. In außenpolitischen Aeuße- rungrn stellt Herr Dollfuß wohl immer den Kamps gegen den HItleriSmus in den Vordergrund, aber wenn er nach Hause kommt, so unterliegt er gewissen Einflüssen und findet sich dann bereit, den Kamps gegen jene Partei zu fiihren, die für die Errichtung der österreichischen Republik und fiir deren Erhaltung alles getan hat, was in ihr-n Kräften steht. Wenn Herr Dollfuß die Kundgebungen am, 12. November am VerfasfungStag« der Republik verbietet, so zeigt er damit, daß er trotz allen Der- karrierelüsterne und erfolgreiche Politiker in; den bürgerlichen Parteien zur Macht empor gestiegen, die aus dem Sozlalismus stammen. Als Renaudel im Parlament das Wort ergriff, um gegen Blum und die Parleimehr- heit zu sprechen, begrüßt« man ihn auf den| Bänken der Radikalen mit dem Ruf„Es lebe i Jaurös!" Aber mit dem Geiste JauröS hat^ diese vorbereitende Spaltung nicht das geringste zu tun. Sie wird im Geiste Millerands vollzogen. -4. Sch. sicherungen hoch den Boden der demokratischen Republik verlassen will. Wir können auch nicht achtlos an der Tatsache voriibergehen, daß ein Bruder des Kaiser Karl sich geweigert hat, den Revers, den alle Habsburger unterschreiben mußten, zu unterschreiben, und daß man gerade ihm den Aufenthalt in Oesterreich be- willigt hat. Wir find der Aufsafiung, daß wir da auf ES der Hut sein und die Vorgönge in Oester» W«ich sehr achtsam verfolgen müssen S weil dir Entwicklung und dir Ereignisse der letz. Hg»en Tage keineswegs dafür sprechen, daß mau ... I dort bereit wäre, die demokratisch« Republik W ausrechtzuerhalten. Wir dürsen auch nicht acht- Ha los daran voriibergehen, daß man die sozial» ■3 demokratische Partei, die wirklich die Trägerin « der demokratischen Republik in Oesterreich ist, ES in dieser Weise behandelt! Zur Frage der Anerkennung Sowjetrußlands die von dem Rationaldemolraten Dr. H a j n in außergewöhnlich schroffer Form vorher wieder verneint worden war, erklärt« Genosse Taub: Ich war ganz erstaunt darüber— wenn ich auch die Einstellung des Kollegen H a j n zu diesen Fragen sehr genau kenne—, daß er gerade bei der gegenwärtigen politischen Situation die Gelegenheit benützt hat, gut neun Zehntel seiner Rede aus Zo:v< sctrnßland einzustellen. DaS ist für mich ganz unfaßbar; auch wenn ich mich ganz und gar auf den Standpunkt eines Menschen stelle, der von vornherein gegenüber Sowjetrußland«in« vollkominen feindselige Haltung einnimmt, auch dann glaube ich, daß bei der gegenwärtig«» Lage Herr. Tr. Hajn mit seiner Argumentation uns keinen guten Dienst geleistet hat. Wenn man vergleicht, mit welch verhältnismäßiger Freundschaft Dr. Hajn Deut s ch- land behandelt hat, und wie er sich gegenüber Sowjetrußland stellt, muß man wirklich erstaunt sein, und dies umso mehr, als man bisher imuicr angenommen har, daß di« Industrie— so weit die tschechische Industrie in Frag« kommt, ihr« Stütze in der nalionaldeniokratischcn Partei hat. Wenn ein Jndustricellr die Ausführungen des Kollegen Hajn gehört hätte, so hätte er ihm keinesfalls zustimmen können. UJ1 Rein vom wirtschaftspolitischen Stand- HO punkt, von allen politischen Erwägungen ganz M abgesehen, ist es doch allerhöchste Zeit, daß wir »8 in irgendein Verhältnis zu Rußland kommen. I Wir werden ja bald«iner der letzten Staaten M fein, der sein Verhältnis zu Rußland regelt, Cm ich halt« nach dieser Richtung eine Wandlung in unserer Politik für dringend not- H wendig! Anlarkle ist Selbstmord? Im wlrfichaftspol! fischen Teil seiner Red« hatte Genosse Taub einleitend u. a. erklärt: Wir sind uns alle darüber klar, daß di« finanziell« und>v rtschastliche Situation keineswegs dadurch gesichert ist, daß wir ein ausgeglichen«- Budget unterbreitet haben, daß vielmehr gewiss« einschneidend« Maßnahmen«rsolgen müssen, wenn unser« Wirtschaft gesunden soll. Durch einig« Zahlen möchte ich ergänzen, waS uns der Herr Minister in so markanter Weise vorgetragen hat. Unsere Ausfuhr, die noch im Jahre 1920 20.496 Millionen Ks au-machte, beträgt im Jahre 1032 uurmehr 7391 und In den erst«» acht Monaten des heurigen JahrrS 8676 M llionen Kd. Richt viel anders ist eS bei der Einfuhr. 1920 haben wir für 19.987 Misiionen Ks ei»geführt, Im Jahr« 1932 fiir 8157 und In den ersten acht Monaten 1933 für 3021 M'llionen K». Wie eS um da- Verhältnis zu den einzeln«» Staaten der Kleinen Entent« bestellt ist, will ich auch mir an einigen Zahlen vor Augen führen Wir haben ansgo ührt: nach Rumänien im Jahre 1929 um 769 M'llionen, in den ersten acht Monaten des Jahres 1933 für 171 Millionen. Roch diel trostloser ist eS bei Jugoslawien. 1929 haben wir dorthin auSgcfnhrt für 1154 Millionen in den ersten acht Monaten d«S Jahres 1033 nur- mehr für 125 Millionen WaS das für unseren Handel bedeutet, brauche ich wohl nicht näher auS- zuiführen! Wenn ich mich wich nicht der Illusion hingeb«, als ob eS möglich wäre, durch die Kleine Entente unser« Jndnstrirüberschüsft ausfaugen zu lassen, und wenn auch die w rtschastliche Verbindung mit der Kleinen Entente keineswegs geeignet ist, allein eine Konsolidierung unserer wirtschaft! chen Verhältnisse herbeiznführen, so wäre ein« wesentlich« Besserung doch möglich. Und genau so verhält e- sich gegenüber Oesterreich. Ich gebe ohne weit««- zu, daß di« Tendenz der Staatswirtschaft dahin gehen muß, daß«in freundschaftlicher, friedlich«! Ausgleich zwischen Jndu- I strie und La n dw I rkscha ft henbeigeführt wird. Ein solcher Ausgleich zwischen diesen beiden Er« werb-schichten ist bei gutem Willen zweifellos möglich. Niemand von uns geht achtlos an der Not der Landwirtschaft vorüber, niemand von uns sträubt sich dagegen, der Landwirtschaft zu helfen. Anderer- seitS muß aber auch selbstverständlich di« Landwirtschaft ein Interesse daran haben, daß die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, den Absatz ihrer Produkte zu sichern. Wird es bei der jetzigen hcrmefisckzen Absperrung möglich sein, «in« Erhöhung deS Absatzes von Agrarproduklcn herbe'zuführen? N e I n I Sie, meine Herren von der Landwirtschaft, sind außerordentlich interessiert an der Prospe- rftät unfrver Industrie, denn von dieser Prosperität hängt auch di« Ihrige ab! Wir sind aus «»ander angewiesen und so w!« wir Verständnis aufbringen müssen fiir dir Lag« der Landwirtschaft, so muß auch diese Verständnis aufbringen für dir Lage der Industrie! Amerika kann sich de» LuxuS der Autarkie leisten, die Tschechoslowakei jedoch unter keinen Umständen. DaS würde zwelfellos dir Ausrottung unserer Industrie bedeuten und als reiner Agrarstaat könnte die Tschechoslowakei doch keineswegs jene Potenz haben, di« sie heut« im Wirtschaftsleben hat! Appell zur fölkervcrsOhnund Wir find für di« Abrüstung, so wie der Herr Minister es dargclegt hat, wir sind für die voll« Abrüstung, aber selbstverständlich nur dann, wenn alles abrüstet. Daß wir in der gegenwärtigen Zeit der Spannung bereit sein sollten, allein ab- ziivNsten, wo alle anderen auf rüsten, wäre eine Torheit. Seitdem wir al- sozialdemokratische Partei in der Tschechoslowakischen Republik arbeiten, sind wir für di« Verständigung der Völker eingetreten, verspottet und verhöhnt deswegen von Tschechen und Deutschen. Unbeirrt sind wir unseren Weg weiter gegangen. Wir halten mich 6 Der BlFuooensaleler llllllllllllllllllilllll iniiii'lillllliilllllllB llllllüllllllllllllilili llliliiHllliilllll Roman von Felix Fechenbach Unter denen gab es viele, die stehen blieben, solange«8 nichts kostete, aber sofort verschlvanden, wenn die Holzsckxtle einen Obulus heischte. Over sie sahen unentwegt aus das Spiel und taten, als jähen sie die Frau mit der Holzschale gar nicht. Zunächst war Fran Cornelius recht höflich: „Bittschön. Herr, einen kleinen Beitrag fürs Kasperl«..." Frau Cornelius tippt den„Schwerhörigen" leise mit ihrer Holzschale an. Der kann jetzt nicht mehr aus und will schnell verschwimmen. „Vergessen Sie bitt« das Zahlen nicht, Herr Nachbar!^ Aber schon war der Zaungast verschwunden. Frau Cornelius war ärgerlich, zwang sich aber koch zu freundlichem Ton: „Bittichön, Madam!" Und hielt ihre Holzschale einer Frau hin. deren Kind aus einem der Banke saß. „Mein kleines Mädel hat schon bezahlt, Frau." Tabei deutete sie auf ihr Töchterchen. „Da- Kind bat nur ein Fünfer!« für sich bezahlt. Wenn Sie zusehen. müssen Sie auch bezahlen, Madam." „Enfichuldigen Sie. daS wußte ich nicht", sagt« di« Frau sichtlich verleg««. Tann zog sie ihr« Böri« und legt« zehn Pfennig in die Schale. „Verbindlichsten Dank!" Und schon war Frau Anna bei einem jungen Manu der eine Z'aarette»w'lchen den Lippen, sich köstlich über Kasperls Spässe amüsierte: „Bittschön, junger Herr!" Wieder hielt sie die Holzschale hin. Der Angoredet« tat gar nicht dergleichen. Jetzt wurde die sonst so ruhige Frau Anna suchst«us«lSwild: „Wenn Sie nicht bezahlen wollen, können Sie hier nicht stehen bleiben, Siel Wenn Sie auch einen hohen Stehkragen an haben!" ,Lch bin ja nur«inen Moment stehen geblieben, ich geh za schon wieder weiter..." ,^Di« Sorte Nassauer kenn ich! Rauchen- eine Zigarette weniger, dann kann sich der Kasperl ein Stück Brot mehr kaufen. Sie sollten sich waS schämen, klein« Leute ums Geld zu bringen!" DaS zog. Frau Anna halt« den Ehrenpunkt berührt, und der junge Manu griff in die Westentasche und warf«in Geldstuck in die Schal«. Schließlich war alle- abgeklappert. Nach fiinf Minllten wiirde die Runde nochmalgemacht. Sie brachte aber nur noch zehn Pfennig ein. Tann überschlug Frau Anna daS Kas- lenergebnis: Fünfunbsiebzig Pfennig von den Kindern ank den Bänken und fiinftindvierzig von den Stehgästen, zusammen also ein« Mark und zwanzig Pfennig. Der Aerger von vorhin war vergessen. Frau Anna schien zufrieden. Für di« erste Vorstellung, di« immer etwas schwächer besucht ist, war das ganz ordentlich. Es ließ sich allo ganz gut an. Menn nur der Aerger nicht wäre beim Kassieren mit den Nassauern! DaS Spiel war jetzt auch zu Ende. Kasperl hatte den Wucherer totgeschlagen und dem Polizisten, der ihn deshalb fangen wollt«, ein« Nase gedreht und sich dünn« gemacht. Dann kam er nochmals auk die Latte gehopst: „So, Kinder. daS Spiel ist jetzt a,rS und vorbei, und in zehn Minuten gehtS wieder auf- n«n! ServuS alleinsteinander. Fuchhuh!" Und mit elegantem Schwung fuhr Kasperl durch die Kulisse ab. Da orgelte Frau Anna auch schon wieder ihr«„Lustigen Holzhackerbuam". Dann kam das „Bienenhaus" wieder dran; aber sie niußte ihr Repertoire noch zweimal durchnchmen, ehe wieder genügend„Kundschaft" da war. So ging- ununterbrochen weiter bis kurz vor sieben Uhr abettds. Die letzten Vorstellungen ergaben nur noch einen geringen finanziellen Ertrag. Aber beim Kasperlsp'.el mußt« mit jedem Pfennig gerechnet werden. Hans war tüchtig müde. Es waren drei verschiedene Stücke abwechselnd gespielt worden. Dann fing mau wieder von vorne an. Di« Text« machten ihm keine Schwierigkeiten, aber .der recht« Arm, mit dem er seine Puppe führt«, war wi« lahm. Er muckste aber keinen Ton darüber, aus Sorge, daß er am nächsten Tag auS- letzen müsse. Ter Vater Ivar sehr zufrieden mit ihm. „Wirst mal ein tüchtiger Puppenspieler, .Hans! Du hast den Drch raus und ein« Fingerfertigkeit, daß cs ne wahre Freud iS." HanS war ordentlich stolz aus diese- Lob. Tann verabschiedet« er sich und ging hinüber in die Kärrnersgasse zur Großmutter. * Die vierzehn Tage d«S Messetrubels loaren vorüber. Hans hatte jede» Nachmittag dem Vater helfen dürfen. Darüber hat er fein Schusserfpiel und all« tollen JungenSstreichc, zu denen er sonst stet- bereit war, vergessen. Die ganzen zwei Wochen über war gutes Wetter gewesen, so daß Vater Cornelius recht znfri«d«n mit dem Ergebnis war. Hans durfte noch beim Einpacken helfen, und auch Len« war nun Abschied nehmen gekommen, während Frau Anna noch zu einem kurzen Plausch hinüber zur Großmutter gegangen war. Sie bracht« gleich daS Pferd mit, da- in der Nahe im Stall eines Gasthofes untergestellt war. Es wurde sofort angespannt. Dann gingS weiter. Am nächsten Tag war Jahrmarkt in Schlveinfurt. Da mußte man die Nacht durchfahren. Beim Abschicdwin- ken vief Lene dem Baler Cornelius noch zu: „Aber das nächst« Mal, Vatter^ bringst mir ein« richtige Puppe mit echtem Haar un- Schlafaugen mit, gell!" g Unter den Buben in der Kärrnersgasse herrschte starker' Korpsgeist. Auf ihren Spielplätzen hatten die Buben der Nachbarstraßen und -Gassen nichts zu suchen. Ließen die es sich aber doch einmal einfallen, beim Rmlber- und Schan- drlspiel in die Kärrnersgasse zu kommen, dann war das fast einer Kriegserklärung gleich, und cs kam zuweilen zu recht handfesten Keilereien. ,HanS Cornelius genoß»enter den Kärrnersgäß- lern die Autorität eines Anführers und wußte seine Schar auch meist so zu fiihren, daß sie den Sieg davontrug. Grell, di« Tochter des Bäckermeisters Kilian Kein au- der KärrnerSgass«, spielte a>lf der Straße eines Tages Ball mit Lene Cornelius. Die beiden Mädel waren gleichaltrig und gingen in dieselbe Schulklasse. Den ganzen Tag steckten sie zusammen. Sie waren im heitersten Spiel, da kam ein großer, rothaariger Bengel vom Pleich«r Kirchplatz herunter. Es war Fritz Schmitt, und er hänselte d!« beiden Mädels nach Strich und Faden. Die KärrnerSgässer Buben waren auf Kir- kchenpartie, weil di« Kirsche», di« st« sich von den Bäumen andercr Leute holten, ihnen viel besser schmeckten als jene, di« sie etwa zu Haus« bekamen. Di« meisten hatten aber bei Muttern überhaupt keine Kirschen zu erwarten. HanS wollt« zuerst nicht mit. Aber die anderen wußten schon, wie sie ihn zu fassen hatten. Franz, der Brud«r der Gr«tl Hein, höhnt«: „Laß d«h den Schisser bei seiner Großmutter am Schürzenbändel!" „Wenn du mich nochmal einen Schisser nennst, dann kriegst eine Schelle, daß dir deine Backenzähne in Gruppenkolonne hinten rausfliegen!" (Fortsetzung folgt) Nr. SSI Mittwoch, 8. November 1933 «Leit, 3 Sozialisten gewinnen TO Prozent. im Vergleich mit den sie- Menschenraub durch Nazi rb. weiteren Tienstganges hielt Schritte von der Grenze der Ve. der auf bei E'. Ka der 7484, Christlichsoziale Die einzelnen bürgrr» taatSgebiet, nnd da il>m wies er sie Staatsgebiet. Sie folgten der der Männer iedoch deschiwpst« häßlichen Worten und nannte vor tschechoslowakischen Geschworenen Ein sächsischer Hilfspolizist und Nazi-Kommandant wollte einen geflüchteten Kommunisten entführen—- Fünf Jahre schweren Kerker Gens,«. November. Fast mit dem ersten Jahrestag des Arbeitermor. des vom v. November 1032 zusammen siele» am SamStag und Sonntag die Grohratswahlen in Genf, denen in drei Wochen die RegierungSratS» Weitere Kürzung der Diäten der Parlamentarier. Eine gemeinsame Sitzung der Präsidien beider Kammern Hot gestern dem Antrag der Regierung zugestimmt, mit Rücksicht auf die bevorstehenden Kürzungen der Bezüge der Staats angestellten auch die Tiä'en der Parlamentarier einer weiteren Kür-nng, und zwar nm zwei Pro zent, zu unterwerfen. *)„Hundertmal haben sie sich in den Deutschen getäuscht, sie wollen sich nun zum hu»dcrtu»L»rstcn mal täuschen" Bor einem neuen großen Hakenkreuzlerprozeß. Egerer Hakenkreuzler vor dem Prager Kreisgericht.— Dreitägige Prozeßdaner. Prag, 7. November. Am 9. November beginnt vor dem hiesigen Kreisgericht dir Verl-and» lnng gegen iechsEgerer Hakenkreuzler, die unter der Anklage stellen, A n I ch l ä g e gegen die Republik vorbereitet zu haben. Tas Prager KreiSgerichi wurde für diesen Prozeß, der ciacntlich in Eger stanfmden lolt-e, delegiert. Die Namen der Angeklagten lauien: Josef K ässe, Karl Burghardt, ft o'cf Fischer, Alfons Schuldens, Rudolf Ti«i- < c I und Anton Weber. Die Anklageschrift umfaßt volle 55 M a> eh i< nenieitrn. Die Berhandlnng wird zuin großen Teil geheim sein. Tas Urteil wird erst nach dreitägiger Prozcßdauer für SamSiag abends erwartet. ES ist zu erwarten, vaß allein die Verlesung der Anklage, die tschechisch und deutsch erfolgen wird, nicht weniger als vier Stunden in Anspruch Wahlen folgen werden. « 9*2?***, c* ttc Wahlkampagne geführt worden, wie noch keine im Kanton Gens. Die sozialdemokratische» Versammlungen waren anszerordentlich stark besucht. Die sämtlichen bürgerlichen Parteien waren in der Desenstve. Wie vorauSzusehen war, endete diese bedeutungsvolle Wahlschlacht mit einem Sieg de« sozialdeurokvatischen Partei. Die Ausrechnung der Mandatsverteilung des aus 100 Mitglieder» bestehe», den Grosze» Rates hat folgende Zahlen ergeben: Sozialisten 4 5 Sitze(Gewinn 0), Freisinnige 10(Verlust ,1), Demo» traten 14(Gewinn 2), Christlichsoziale 13(Verlust 1), Union Nationale deS Faseisten vltramare 0(Verlust 0). Die Kommunisten erhielten 220 Stimmen und keinen Sitz, die fasei» stische Gruppe Ordre Polittque Rational erhielt 137 Stimmen und ging ebenfalls leer auS. Die Sozialdemokraten erzielten mit 17.123 Stimmen die höchste Stimmen» zahl, die die Partei je einmal bei Wahlen erreichte; i„.«.H i-... Ltimmenzahlen der letzten GrotzratSwahlen vor drei Jahre» hat die S. P. »und 7000 Stimmen gewonnen. GS erhielten autzerdem Stimmen: Jeisinnige 5113, Union Nationale 3501, Demokraten 5140. lichen Parteien haben nur durch Listenverbindnngen noch gröfzere Mandats» Verluste zugunsten der Sozialisten verhindern können. Einige Gemeinden, die bisher bürgerlich waren, weisen zum erstenmal rote Mehrheiten aus. Senat Prag, 7. November, ft 11 eiustündiger 2ii zung erledigte heute nachmiitags der Senat den RegicrungSeniwurf über de» Z a h l» n g s a u f. s ch u b für S t a a t s a n g e st e l l t e, durch den die Staatsangcstellicn vor rechtlichen Nachteilen geschützt werden sollen, die aus der allmählichen Verschiebung des monallichen Gchaltszahlungs termins erwachsen könnten. Gegen die Vorlage sprachen sich lediglich zwei konimunistische Redner aus. Ter Referent Dr. KaraS versicherte im Schlußwort, daß die Behauptung, der Zahlungstermin solle noch aus einen späteren Termin als aus die Monalsmitte verlegt werden, nicht den Tatsachen entspreche Tann nahm der Senat nach die Regierungsvorlage an, durch die die besonderen Z u• schlage zur 11 msatz st euer, die int Jahre 1932 aus fiskalischen Gründen eingeführt wurden, und die Sistierilitg der Befreiung der kleinen Steuerträger mit einem Umsatz bis zu 150.000 K.- von diesen Zuschlägen, auf weiten zwei Jahre, d. i. bis Ende 1935, verlängert werden sollen. Tie Referentin Plaminkova er klärte, daß ahne diese Zuschläge die Einnahmen aus der Umsatzsteuer um mindestens eine halbe Milliarde jährlich sinken würden. Daniit ist daS ArbeitSpensiim des Senates augenblicklich so zieinlich erschöpft. Tie nächste Sitzung wird daher erst aus schriftlichem Wege einberufeil werden. zu sein, um den aus einem sächsischen Konzentra tionslager entlaufenen Kommunisten Lippert aus Marllncukirchcn zu suchen und diesen nm jeden Preis nach Sachsen zurllckzuschassen. Leonard bemerkte weiter, es sei ihm bekannt gewe sen, daß Lippert mit seiner in Märktneukirchen wohnenden Frau in der Nähe der Staatsgrenze hätte zusamncenkommen sollen: diese Gelegenheit wäre für Leonards Plan günstig gewesen. Leonard wurde sodann in daS Egerer Krcisgericht überführt, wo ein Protokoll ausgenommen wurde, in welchem Leonard zugab, daß Lippert wegen eines unbesug- ten Waffenverstecks in Marktneukirchen in Hast ge halten worden und nach der Tschechoslowakei ge flüchtet war. Leonard habe als Führer der SA angeblich von anderen Kommunisten in Marktneu kirchen vertrauliche Informationen erhalten, wonach Lippert ans tschechoslowakischem Gebiet weile unv mit seiner Frau durch Dermittlnng einer gewißen in Asch wohnhaften Perlon in schriftlichem Ver kehr stehe. Er habe festgestellt, daß Lippert am kriti sche» Tage mit seiner Fra», die ihm entgcgeugehcn wollte, eine Zusammenkunft haben sollte, und Lip pert die Fran dann zur Staatsgrenze wieder zu- rückbeglcitcn würde. Leonard behauptete schließlich, Lippert habe als überzeugter Kommunist die Dnrch- sührung irgend einer gewaltsamen Revanche- Tat in Märktneukirchen geplant. Er, Leonard, habe sich deshalb einen Grenzpassierschcin nach Schönbach ausstellen lassen, wo er am li. Akai um 6 Uhr abends eintraf und hier die Ankuusl Lipperts ab wartete. Nach diesen Aussagen und Eingeständnissen wurde Leonard in die Halt des Egerer Kreisgerich- teS eingeliefcrt und von dort in daS Strafgericht nach Pilsen eskortiert. Die Vcrliandlnng begann mit einer erheblichen Verspätung. Als Geschworene wurden nur Männer ausgelost._ Der Beschuldigte Friedrich Leonard wurde beschwerde'ünddi«' Berufung' hinsichllich von zwei Aufsehern auS der Untersuchungshaft Strafausmaßes an. vorgesührt. Sowohl im Schwurgerichtssaal, als auch auf den anschließenden Gängen und vor dem Gerichtsgebäude wurden umfangreiche Sicher heitsmaßnahmen getroffen, da einige Tage vor Prozeßbeginn verlautete, daß reichSdeutsch« Hakenkreuzler di« Absicht hätten, sich Leonards inst Gewalt zu bemächtig«» und ibn nach Deutschland zu entführen. Personen, die das GerichtSgebäude betraten, wurden nach dem Zweck ihres Besuche- befragt tlnd eine Reihe von Personen aus dem Auditorliim wurde nach Waffen untersucht. Tie Schwurgerichtvcrlmndlung begann halb 10 Uhr vormi'tags. Sie wurde in der Staats sprache geführt, da für Ausländer, auch wenn sie der Staatssprache nicht mächtig sind, die Bestim mungen deS Sprachenge'etzes nicht in Anwendung gefangen. Die Auslagen und Schriften wurden daher inS Teutiche verdolmetscht. Nach Verlesung der Anklage lagt Angeklag'er Leonard aus. Er ist verlseiratet, Vater eines Kindes und derzeit H i l f s P 0 k i z i st in Sachse». Im vergangenen Jahr wurde er mit der Funktion em«s A bteilungsko ni Mandant en in Mark neukirchen betraut. Der NSTAP gehört er bereits eine Reihe von fahren als Mitglied an. Gr bestätigt neuerlich seine anfängliche AuS'age,....... daß er nach Böhmen gekommen sei, um sich Kurt) nehmen" wird. DaS Verfahren wird in deutscher LippertS zu bemächtigen, und zwar über direkten Sprache abgewickclt, aber tschechisch protokollier! Auftrag keiner übergeordneten Organe in Sach- werden. Den Vorsitz der Verhandlung Mbrt sen. Nach'einer Aussage habe sich Lipper: in OGR. Pazdörskjf, die Anklage vertritt Märktneukirchen in Gerichtshaft befunden. I Staatsanwalt Dr. St ihr al. Pilsen, 7. November. Das Pilsner Schwurgericht besaßt« sich heute unter dem Vorsitz de» OberrateS Eleder mit einem ganz eigenartigen Strassall, bei dem über einen reichS- deutschenStaatSbürger wegen des Der. brechen» nach 88 8 nnd 90 de» StrasgefetzeS fVerbrechen deS Menschenraubes) geurteilt wurde. Dieser Strassall ist der erste seiner Art im tschechoslowakischen Gerichtswesen. Die Grundlage der Anklageschrift der Staats anwaltschast in Eger— für die Verhandlung die- ses Falles war dann daS Pilsner Kreis-, resp. Schwurgericht delegiert worden—- ist eine Begebenheit, die sich am 6. Mai des heurigen Jahres in der Nähe der tschechoslowakischen Staatsgrenze bei Schönbach ereignete An diesem Tage machte in den Abendstunden der Inspektor der Grenzwache Karl Stary auS Schönbach einen Fnspektionsgang durch seinen Dienstbereich, wobei er in einem Walde aus zwei junge Männer stieß, die bei seinem Erscheinen die Flucht ergriffen. Kurz darauf be- merkte er einen>ungen Mann, der im Tik- k i ch t lag und desien Kops von dichten Baumzwei- gen verdeckt war. Auf die Frage, was er hier nmche, antwortete er, daß er sich auf einem Ausflug befinde. Ter Inspektor meinte, einen jener noei Leute vor sich zu haben, die er über die Grenze gewiesen hatte. Er forderte den Mann aus, sich zu entfernen, nnd dieser entfernte sich auch. Es dauerte aber nickt lange und der Fnspektor ertappte eine neue Gruppe von süns oder sechs verdächtigen Personen auf tschechoslowakischen, deren Betragen verdächtig erschien, gleichfalls aus dem Aufforderung, einer den ftnspektor mit ihn einen Verräter. Während seines .Inspektor etwa 200 tschechoslowakischem Boden einen Mann an, dem er unter den« Rock eine Masse bemerkte. Ter Unbekannte legitimierte sich mit einem Grenznassiersckein, der auf einen tMüudigen Ank enthalt aui tschechoslowakil-l'e", Gebiet lautete. Ter Inspektor nahm ihm die Masse, eine mit sechs scharsen Schiillen geladene Armeepistole, nnd ein Feldstecher ab und führte ihn zum Zollamt. Tort wurde eine gründliche Durchsuchung des Unbekannten vorgenommen, wobei eine Touristen- ‘ legltlmation gefunden wurde, die auf den Namen des 00jährigen Friedrich Leonard, geboren und znstäudia nach Märktneukirchen in Sachsen, lautete Als Berns war„Mandolinen-Erzeuger" an- aessihrt. Außerdem wurden bei Leonard einige andere Touristen-Legitimationen, die ans verschiedene Namen lauteten, gefuirden. Aus dem Wege zum Zollamt bat Leonard den Inspektor, ihn doch frei• zulassen, und erklärte, er fei aus tschechollowakifches Gebiet gekommen, um hier einen Kommunisten Lippert aus Marktneukirchen zu verfolgen, der auS der Hast in Sachsen entflohen war. Leonard gab noch an, er habe sich LippertS bemöch- tigen und ihn mit Gewalt über die Grenze bringen wollen. Leonard wurde nach der Sicherstellung auf der kloNwachsielle nach Schönbach überführt,- wo er "euerdings bestätigte, mit fünf anderen Männern nach der Tschechoslowakei gekommen Eine morallsdie Ohrfeige, die ans Herrn Hilgenreiner znrücksällt! In ihrem Bericht über die kürzlichen Ans- einandersetzungeu bei der aggressiven Rede Hilgen- reiners im Senat hatte die christlichsoziale „Teutsche Presse" mit besonderer Genugkunng vermerkt, daß Genosse Nießner durch«n Ordnungsruf, den ihm der Vorsitzende wegen eines Zurufes au Hilgenreiner erteilte, eme „moralische Ohrfeige" erholen habe. Tie Freude darob war reichlich kurz, beim in der gestrigen Senaissitzung erklärte SenatSpräsident Tr. Soukup, er hab.- sich ans dem stenographischen SitznnßSProtoköll üoer enge daß auch Senator Hilgenreiner,>«»d zwar schon vordem Zuruf Nießners, in seiner Rede beleidigende Ausdrücke Nießner gegenüber gebraucht habe, die dem Vorsitzenden entgangen waren. Er rufe daher auch den Senator Hilgenreiner wegen dieser Ausdrücke nachträglich zur Ordnung. Damir ist offiziell festgestellt, daß Hilgenreiner eS war. der durch beleidigende Aenße- rungetl den Genossen Nießner erst provoziert hat. Damit fällt die„moralische Ohrfeige", von der die„Teutsche Presse" voreilig gesprochen l>at, auf den zurück, der zuerst angefangen bat, allo auf Herrn Hilgenreiner! Zeder, der damals seine marxistischen Wutausbrüche ange- hört hat, wird ihm und seinem Leibblai: diese Blamage von-Herzen gönnen! RcKhsdenlsdK Nazis wollten den Angeklagten entführen! Der Beschuldigte wollte in Güte erreichen, daß Lippert nach Deutschland zurückkehr«, nn Weigerungsfall« wollte er ihn mit Gewalt, und ztvar mit der Waffe in der Hand, dorthin entführen. Von den beiden geladenen Zeugen sogt« zunächst Finanzwachinspektor Karl S t a r£ auS, dessen Angaben sich mit seinen Aussagen in der Voruntersuchung decken. Sodann wurde als Kronzeuge Kurt Lippert, Erzeuger von Musikinstrumenten in Marktneukirchen, verhört, der das Opfer deS in der Anklage geschilderten Verbrechens werden sollte. Er sagt aus, daß er in seinem Wohnorte wegen Aufbewahrung von Waffen in-Haft gehalten wurde. Er sei auS der -Haft entflohen, als er erfuhr, daß er in ern Konzentrationslager gebracht werden sollte, da ihm daS Schicksal seiner Genossen gut bekannt war, die den Aufenthalt in diesem Milieu mit Gesund heil und Leben oe» zahlen nrußten. Er sei in die Tsck-echojlotvak« geflolren, fei jedoch mit seiner Gattin weiterhin in schriftlichem Verkehr gestanden. In Deulsey« land sei er insgesamt ziveinial verhaftet worden. DaS erste Mal sollt««r gegen Revers entlassen werden» in welchem er bestätigen sollte, dah man mit ihm gut umgegangen sei. Er habe die» abgelehnt und sei kurz daraus neuerlich verhaftet worden. Nach Beendigung der Zeugenaussagen wurden den Geschworene» zwei Haupt- und zwei Zusahsragen vorgelegt. Der Chef der Staatsanwaltschaft, P r 0 ku- ra t 0 r Dr. B u j t a, forderte in seinem Plädoyer die Verurteilung. Es handelt sich hier nicht um eine Person, es handelt sich direkt um die Integrität des Staates und um eine Verletzung feiner Hoheitsrecht«. Er verwies hierauf auf eine ganze Reihe von Vorfällen in der letzten Zeit, wobei. Versuche unternommen wurden, fremde Einflüsse auf unserem Gebiete zur Geltung zu bringen. Verteidiger Dr. Frank bezeichnete die Tat in seinen Ausführungen als eine ansgeiprochetre politische und stellte sie eher als ein« Art mittelalterlichen Raubes hin, der zu unser«» Zeiten überhaupt nicht mehr denkbar sei. Er war bestrebt, die Tat seines Klienten mit dessen Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen zu entschuldigen, und zitierte auch einige Punkt« 1 der Verträge zwischen Deutschland und < Tschechoslowakei betreffend die Verfolgung 1 schuldigter. Ter Prokurator wies in seiner Replik die ' Meinung des Verteidigers zurück, daß es sich hier - um einen politischen Prozeß handle, und durch ! Zitierung gesetzlicher Bestimmungen wies er nach, - daß eS sich hier um ein gemeines Ver- 1 brechen handle, das mit politische» Veweg- > gründen nichts gemein habe. Tie Geschtvorenen bejahten die erste Hauptfrage, die auf Versuch des Verbrechens deS Men- MnraubeS lautete, mit zwölf Stimmen. Mit gleicher Stimmenzahl bejahten sie auch die zweite -Hauptfrage hinsichtlich des Waffenpatentes und bejahten mit acht Stimmen die erste ftusatzfrage, ob sich Kurt Lippert in Lebensgefahr befand oder tzlefahr lies, die Freiheit zu verlieren. Tie ziveiie Zusatzfrage, die sich auf die Beweggründe bezog, wurde mit zwölf Stimmen bejaht. Tas Schwurgericht fällte hieraus aas Urten. womit der Angeklagte zu fünf Jahren schwere» Kerkers, vierteljährlich durch«inen Fasttag verschärft, zum Verlust des Wahlrechts und zur Ausweisung aus der Tfchechoslolvakischen Republik verurteilt wird. Die llniersuchungsl-afi ab 7. Mai wird ihm eingerechnet. In der Begründung heißt es, daß die- erschwerenden Umstände überwogen. Der Verteidiger meldete die Nichngkeits» > deS ! jetzt dafür, daß diese Politik der Verständigung der Völker di« einzige Politik sein kann, die in der JnnenpolitU in Frage kommen kann. Je mehr eS uns gelingt, eine vollkommene Versöhnung der diesen Stiaat bewohnenden Völker herbeizuführen, desto mehr wird die Politik des Außenministers gestützt nnd gefördert werden. Das ist di« Aufgabe, vor der wir olle stehe». Es muß auch im tschechischen Lager volles Verständnis dafür vorhanden sein, in welch schwieriger Situation wir unS alle befinden. Ich muß leider seststelleu, daß dieses Verständnis nicht immer vorhanden ist. Wenn mau da in manchen Blättern liest:„Stolrräto uv s Aämei zklntnali, ehtßjf s zkla- mal po slojendenkräle"*)(0 spricht daraus der alle Geist des ehemaligen Oesterreich und zeigt sich daß die Herren gar kein Verständnis hab.'i' für die Entwicklung, die wir seither durchgemach! haben. Ich glaube kaum, daß diese Herren von sich behaupten können, daß sie hundertprozentige tschechische Patrioten sind. Ten» ein wirklicher Patriot könnte in der gegenwärtigen Zeit zu keiner andere» Auffassung kommen, als daß die Tschechoslowakei r.n stimern die Bölkerversöhunng braucht! Wir sind für die Außenpolitik deS Herrn H Ministers Dr. Bene«, die den Frieden, die W Haltung und Stärkung der Demokratie und M mit die Ausrechterhaitung und Stärkung Q Tschechoslowakischen Republik will! Die Debatte, die sich' sehr interessant slaltete und auf einem hohen Niveau bewegte, wurde am späten Abend durch ein Schlußwort des Außenministers beendet. Ans deutscher Seite fehlten diesmal die üblichen Fanfaren des Herrn Kallina und seiner hakenkrcuzlerischcn Freunde. Außer dein Landbündler Z i e r h u t sprach noch der Christlichsoziale Dr. Luschka, mit dem später Genosse de Witte gründliche Abrechnung hielt. Wir werden auf diese Auseinandersetzung noch ausführlicher zurückkommen. tritt 4 Mittwoch, 8. November 1888 Nr. SSt Ernste Warnung aus Moskau an die japanischen Friedensstörer Die Gärung wächst Auf Leben und Tod verbunden Kundgebung des tschechischen Genossen Dr. Eßer auf der Brünner Kreiskonferenz uns jetzt besonders aktuell. Unsere Politik im Fernen Osten und gegenüber unseren fernöstlichen Nachbarn ist unentwegt friedlich. Wenn wir, fuhr Molotow fort, von den lächerlichen Plänen einiger angesehenen japanischen Staatsmänner lesen, die unsere ostasiatischen Küstengebiete erobern wollen, und wenn derartige Pläne und Betrachtungen immer osscner und frecher hcrvortrcten, dann sind wir gezwungen, ganz besonders aufmerksam zu werden. Solche Betrachtungen zwingen uns, auf ernste Uebcrfälle vorbereitet zu sein. Wenn die Sowjetunion überfallen wird, werden wir nur ein einziges Ziel kennen: Die völlige Zerschlagung des Gegners und den Sieg der Roten?lrmce. KricgSvorbereitungcn der Imperialisten sind nicht nur im Osten, sie sind auch im Weiten im Gange. Ihnen müssen wir alle unsere Aufmerksamkeit schenken. Gegenüber der SA und SS haben die Sonderbevollmächtigten die Aufgabe, den schärfsten Kampf gegen Spitzel und Provokateure zu führen, gegen SA- und SS-Männer anfzutreten, die Mißstimmung und Unruhe in den eigenen Reihen erregen, zu Gewalttätigkeiten auffordrrn, persönlich« Rache üben «sw. firofte DcrgaiDclIcr- StrelhDcwcgung in USA Washington, 7. November.(Reuter.) 20.000 streikende Bergarbeiter in den Asphaltgruben in Penn'ylvanien haben ot« Arbeit wieder ausgenommen, doch haben gleichzeitig 40.000 Bergarbeiter in den Anthrazitgrnben die Arbeit niedergelegt. Lnsammenslvve Im rarmerslrelh der USA New short, 7. November.(Reuter.) Der Streick der Farmer dauert an. Zwischen Streikenden und Farmern, die ihre Produkte verkaufen wollten, ereigneten sich zahlreiche Zusammenstöße, bei denen in den letzten 24 Stunden zwei Personen getötet und einige verletzt wurden. Strafanzeige gegen AuHger LuchvS-idler „ W8, 7- November. Die hiesige Polizeibehörde hat Strafanzeige gegen einige Aussiger Buchhändler wegen der Ucbertretung nach 4 18, Absatz 3, des neuen Pressegesetzes erstattet, weil fu für reichsdeutsche Zeitschriften, denen das Innenministerium die Postbcförde- rung und die Verbreitung verboten hat, E r- satzblätter verkauften. Die oslböhm'sdien Nazis hallen es mit Krebs Unerhörte Provokationen. DaS„Trautenauer Echo" berichtet aus M ä r z d o r, folgenden bezeichnenden Vorfall: Unser Genosse Roo. Sch. traf am 1. November int Gasthaus König die hakcnkrruzlcrischcn Ortsführer Rösler utrd König mit einem Dutzend ihrer Gefolgsleute. Er wurde gleich mit provozierenden Zurufen, wie„Nachtwächter", „Polizei" ufw. empfangen. Als sich Sch. nicht herausfordern ließ, fetzte sich Rösler zu ihm, zog «in Papier aus der Tasche und erllärte den anderen Hakenkreuzlern: DaS schick« ich morgen nach Neurod«, Krebs ist tüchtig, der arbeitet drüben für u nS, wenn sie auch die anderen Führer«in- grfperrt haben. Krebs arbeitet gut für US drüben, RambauSke und feine Genoffen können ja das wiffen. denn befchiffrn hat uns RambauSke alle..." Während eines Zwiegespräches zwischen den Nazis kam die Rede auf die Partcicnauflösung und da schrie RöSler wieder dazwischen' „Wir sind nicht machtlos. Jetzt arbeiten wir erst tüchtig!" Als dann noch nnser Lokalvertrauensmann Genosse Albin Drechsel dazu kam, nahmen die Herausforderungen von nationalsozialistischer Seite solche Formen an, daß Gendarmen herbeigerufen werden mußten. Sie konnten aber den an Krebs gerichteten Zettel nicht mehr finden. Später, nachdem sich Drechsel mit Sch. schon nach Hause begeben hatte, lief ihm der Nazi Kaufmann nach und rief in dessen Wohnung: „Drechsel Albin, du verfluchter Gauner, dir werden wir schon das Lebenslicht auslöschen!" Diese Drohung ist außer von den beiden Genossen auch von dem Gendarmen gehört worden. AuS ihr geht einwandfrei hervor, wie die Fascisten über die marxistisch eingestellten Arbeiter denken und was sie mit ihnen planen. Sehl die Entwldilung nach rechts? Beachtenswerte Stimme eines bürgerlichen Blatte». In den„Lidovü Novinh" kommt Peroutka auf die letzten Wahlen in England und den nordischen Staaten, welcher in der letzten Zeit stattfanden, zu sprechen. Die Wähler in England und den skandinavischen Staaten scheinen die Artikel des„Benkov" und der„Nckrodnl Listy" nicht zu lesen, denn sie führen sich in einer für diese unangenehmen Weise auf. Sie nehmen nämlich keine Rücksicht darauf, daß die neue Entwicklung nach rechts geht, wie man uns in beiden genannten Organen so oft sagt, mit der Absicht, damit wir erschrecken und brav bleiben. Die Wählerschaft dieser Länder lehnt in den Wahlen die Kandidatur der Rechten ab und zeigte eine große Neigung zu den Kandidaten der Linken. Aber das ist doch eine große Unordnung dieser linken Wähler im Nahmen der rechten Entwicklung. Den Propheten der rechten Richtung verblieb nicht einmal die Beruhigung zu sagen, daß es sich um unentwickelte Länder handelt, denn wenn sic dies zu wagen sagten, würden sie allgemcincS Gelächter erregen. Peroutka sagte dann, da man auf diesen Widerspruch keine Erklärung seitens deS„Benkov" nnd der„Lidove Novinh" erhalten werde, müsse man sich selbst um eine Erklärung bemühen. Diese Erklärung faßt nun Peroutka in drei Punkten zusammen: 1. Jeder glaubt das, was er wünscht, 2. man darf auS der Entwicklung eines halben Jahres nicht weitgehende Entschlüsse ziehen und 3. die Ursachen deS Sieges Hitlers wurden nicht genügend anSeinander- gesetzt. Zu dem leNten Punkt sagt Peroutka, daß Hitler unter den Schlagworten der Linken eine» Sieg der Rechten, das ist der Reaktion, herbei- geführt hat. Zum Schluß rät Peroutka den politischen Spekulanten von rechts, sie sollen sich erst in der Welt richtig umschauen, ob die Entwicklung wirk lich so geht, wie sie sie wünschen. SeWtfctes Todesurteil gegen den Gattenmörder Posselt. Brünn, 7. November. Das Oberste Gericht in Brünn verhandelte heute über die Nichtigkeitsbeschwerde, die der Bäckermeister Alfred Posselt auS G a b l o n z a. N. gegen das Urteil deS Egerer Schwurgerichtes erhoben hatte, daS ihn wegen Ermordung seiner Gattin am 8. Mai l. I. zum Tode durch den Strang verurteilt hatte. Als Posselt eine M> t» gift von 118.000 K«, die ihm seine Gattin im Jahre 1931 in die Ehe mitbrachte, verwirk- schaftet hatte, sucht« er sich seiner Frau zu entledigen tmd erschoß sie am 27. Feber d. I. im Bett. DaS Oberste Gericht verwarf di« Nichtigkeitsbeschwerde PosseltS und bestätigte das Urteil des Egerer Schwurgerichtes in vollem Umfang«. Moskau, 7. November.(TASS.) Zu Ehren des 16. Jahrestages der Oktoberrevolution wurde eine Sitzung deS Moskauer Sowjets abgehalten, bei der der Vorsitzende des Rates M s- l o t o w ein Referat hielt, in dem er u. a. aus- fnhrte: Die Sowjetunion betreibt eine Politik des Friedens und der Festigung der Beziehungen mit allen Ländern. Sie mobilisiert alle Kräfte gegen neue.Kriege für die Sache des Friedens. Die Fricdensvolitik der Sowjetunion und auch die an der Wirtschaft itiib Kulturfront errungenen Erfolge festigen die Lage der Sowjetunion im bedeutenden Maße. Für diese Tatsache ist dir Initiative des Präsidenten Roosevelts bezeichnend. Die Friedenspolitik, die die Sowjetunion nncntwcat betreibt, labt sich nicht von uns allein verwirklichen. Die Gefahr eines Krieges oder eines NeberfalleS ist für Sonderdelegierte sollen SA Im Zaum halten Berlin, 7. November. Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident Goering im Einvernehmen mit dem Chef des Stabes des Obersten SA> FührerS bei den preußischen Regierungsstellen SA- und SS-Führer als S o n d e r b e v o l l m ä ch t i g t c des Ober st en SA-FührerS ausgestellt. Die Arbeit der Sonderbevollmächtigten usw. soll lediglich beratend und anregend sein. Ein Eingreifen in den Dienstbereich der Behörden sei unzulässig. Der Aufgabrnkreis der Sondcrbevollmäch- tigten und Sonderbeauftragten bestehe in der Mitarbeit mit dem Leiter der Behörden zwecks Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung, Aufdeckung staatsfeindlicher Umtriebe, Schlichtung von Reibungen zwischen den Behörden und SA- und SS-Dienststellen, Berhinde- ritng deS Wiederauflebens der aufgelösten Parteien und Verbände, auch in getarnter Form. Eingriffe in die Wirtschaft, Absetzung von Beamten sind ihnen verboten. Bei der am Sonntag in Brünn abgehal- tcncn KreiSkonserenz unserer Partei überbracht« der Vertreter der tschechischen Sozial» demoktati«, Genosse Dr. Eier, die Grüß« der tschechischen Genossen und führte dann, deutsch fortfahrend, u. a. auS: Gestatten Sie mir, daß ich einigen Gedanken Ausdruck gebe, di« im Zusammenhang mit den Problemen stehen, die Ihre Konferenz heute zu lösen habet: wird. Die Zusammenarbeit der beiden sozialdemokratischen Parteien in diesem Lande ist infolge der Katastrophe in Deutschland und in- folge der österreichischen Krise zu einer wahren Schicksalsgemeinschaft geworden. Ich übertreibe nicht, wenn ich Ihnen sage, daß die beiden sozialdemokratischen Parteien des Staates wirklich auf Leben und Tod verbunden sind. Wir werden einen gemeinsamen Weg gehen. Ich höre schon jetzt fragende Stimmen, wohin denn dieser Weg führen ivird. Bor allen: die Kommunisten sind es, die sagen, daß der Fascismus ein notwendiges Uebergangsstadium zum Sozialismus ist. Wir sind uns ober klar, was für eine Bedeutung der menschliche Wille hat. Als Marxisten wissen wir, daß die wirtschaftlich« Entw'cklung Grundlage und Grenze des men'chlichen Willens ist. Daß mit dem menschlichen Willen nur das erreicht werden kann, tvas historisch begründet ist. Wir wissen, daß nnser Wille heute wirtschaftlich und historisch begründet ist und wir werden uns unsere Geschickte nicht von einem Hitler machen lassen. Der Wille zum Kampf und zur Macht lwt auch uns bei unserem letzten Parteitag in Prag beseelt, wo Genosse Meißner unsere Parole geprägt hat: S e l b st b e w u ß t s e i n nnd Mut! Eine Menge von Problemen taktischer und agitatorischer Art beschäftigt uns heute. Ich will nur das Zentralproblem der Gegenwart herauS- l^eben: den Schutz der Demokratie. Ich will hier deren nationalistische Begründung ablehnen. Wir lehnen diele ab, denn sie bedroht di« Existenz des Staates. Die alte chanvinistische Tradition ist wcggefegt worden durch die Tatsache, daß ein Teil der tschechischen Nation heute mit Hitler sympathisiert und Hitler-Methoden kopieren will, daß ein Teil der deutschen Nation, und hier vor allem die deutsche Arbeiterschaft, damals abseits stand, heute aber ein sicherer HortdcSStaates getvorden ist als mancher Bezirkshauptmann. Diese Veränderung zeigt uns die klassenmäßige Bedeutung der Demokratie. Wenn wir heute die Demokratie verteidigen, dann tun wir das, weil wir wissen, daß die Funktion der Demokratie sich geändert hat. Wir bill'gen die AuSnahmSgesetze als Instrument gegen den zerfetzenden Fascismus. Wenn aber die Kommun nisten sagen, daß die Gesetze gegen sie gerichtet sind, dann antworten wir: Wir haben keinen Grund, die Gotttvalds und Reimantts zu schützen, wenn sie im Namen der Revolution dem FaseiSmuS die Mauer machen. In Leipzig und Berlin sind die KarwabneS und Lebermanns aufmarschtert, ehemalige Führer des revolutionären Flügels der kommunistischen Partei, sind gegen Torgler aufgetreten und wir wissen nicht, ob nicht auch hier die tschechischen Karwah- neS in einem historischen Prozeß gegen uns auftreten werden. Wir l)aben leinen Grund, diese Führung zu schützen. Sie würden sich selbst schützen können, hätten sie sich auf den gemeinsamen Boden der Verteidigung jeder Position der Arbeiterschaft gestellt. Wenn Rußland mit dem kapitalistischen Frankreich Nichtangriffspakte abschlicßt, dann ist cs eine Anomalie, daß es nicht zu einem Nichtangriffspakt zwilchen den beiden Internationalen kom- >n e n kann. Trotzdem wollen wir dir Vertreter der gesamten Arbeiterklasse sein und bleiben, auch deS kommunistischen Teils. Wir müssen verhindern, daß auS dieser Parole nicht ein Angr lf gegen den Sozialismus, gegen die Arbeiterklasse gemacht wird. Die tschechische und dentlcke Bourgeoisie diefes Staates hat die größte Luft dazu. Wir können dieser Ge'abr trotzen, wenn wir Vertreter der gesamten Arbeiterklasse bleiben, wenn wir das sozialistische Programm der Arbeiterklasse hochhaften nnd den Kambs nm die sor'ale Demokratie verstärken. Wir Sozial sten wollen 'n der O'fenstve stehen nnd nicht in der Defensive. Diele Offensive bedenket das sozialistische Gesicht der Partei nicht verbergen, das Programm hock- halten! Es wurden uns Olarantien gegeben, daß diese AuSnabmSbestlmmnngen nickt gegen uns gerichtet werden, aber wir wissen, was wir von den Versprechungen nnd Derfassun"Seiden tn kritischen Zeiten zu halten haben. Wir haben in Deutschland gesehen, welchen Wert ein Vcrsas- sungscid haben kann. Wohl haben wir tn Masa- rhk ein« starkedemokratischcBosit'on. eine ganz anders zn wertende als es dir anderen mittelenropäischen Staaten in ihren Präsidenten hätten haben sollen. Aber gegen die VranyS und BeranS gibt eS keine andere Garantie als die Stärke der Partei und das Vertrauen der Masse. Die Stärkitng der sozialdemokratischen Parteien und daS Vertrauen der Arbeiterklasse ist die einzige Garantie deS Schutzes der Demokratie, die einzige Sicherheit, daß sie sich nicht in ein Jn- strument gegen die Arbeiterklasse verwandelt. Selbstbewußtsein und Mut, sozialistische Offensive, klare entscheidende Politik, das ist unser Programm für die Zukunft. „ZymdonsMc Zahlung" von 7,3 Millionen Doller London, 7. November. Im Unterhaus teilte der Schatzkanzler Neville Ehamberlrln mit, daß dl« britische Regierung den Bereinigten Staaten angeboten hat, am 15. Dezember 1988 eine„symbolische" Zahlung von 7.5 Millionen Dollar zu leist«». Präsident Roosevelt bat das Angebot angenommen nnd betrachtet die britisch« Regierung als nicht im Verzug geratend. Dolllul) wird immer dreister Ein Kriiistiier 12. November in Wien Wien, 7. November. Die Befürchtungen, daß der Staatsfeiertag am 12. November, dessen Feier die Regierttng verboten hat, sich wieder zu einem kritischen Tage gestalten wird, scheinen sich in vollem Ausmaß zu bestätigen. Di« Regierung ist allen Bemühungen zum Trotz bei dem verbot aller Festveranstaltungen geblieben. Di« Regierttng Dollfuß ist aber noch weiter gegangen und hat auch die Totenfeier anläßlich des 15. Sterbe tages Viktor Adlers, di« für den 11. November geplant war, verboten. Das dritte Verbot bezieht sich auf«ine Frier anläßlich des zehnjährigen AmtSjubilänmv des Bürgermeisters Seitz, das auf den 13. November fällt. Diese Maßnahmen haben di« ganz« Stadt in«inrn Alarmzustand versetzt. Die Regierung trifft groß« militärisch« Vorbereitungen, um ihre Verbote auch tatsächlich durchzusühren. Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei hat einen Aufruf erlasfen, dessen Veröffentlichung jedoch durch die Polizei verboten wurde. Konzentrationslager Wöllerstiorl eröffnet Nationalsozialisten und Kommunisten einge- liefert. Wie«, 7. November. Der Polizeipräsident als Sicherheitsdirektor von Wien hat mit Ermächtigung des Bundesamtes die Verhaltung von 12 nationalsozialistischen Parteigängern, die im Verdachte stehen, staatsfeindliche Handlungen vorzubereiten oder die Vorbereitung solcher Wandlungen zu fördern, zum Aufenthalte in Wollersdorf verfügt. Fm Zusammenhänge mit dem Anschlag aus die Klagenfurter Lichtleitung wurden bis jetzt 40 Personen verhaftet. Die Täterschaft der Nationalsozialisten steht bereits einwandfrei fest. Unter den Verhafteten befinden sich auch mehrere Kommunisten. Der Sicherheitsdirektor Oberst Berger hat die Abgabe von zehn besonders tätigen Nationalsozialisten zum Zwangsaufcnt- halte in Wollersdorf verfügt. Dollfuß stiitttzl Miller Graz, 7. November. Das hiesige sozialdemokratische Organ„Arbeiterwille" hat in seiner Nummer vom 12. Juli Kritik an Hitler geübt. In der Nummer vom 15. September veröffentlichte daS Blatt einen Artikel über das deutsche Braunbuch und nannte dabei auch den Namen deS Reichspräsidenten Hindenburg. Fn diesen zwei Artikeln hat die Behörde die Beleidigung cineS Mitgliedes der Negierung und des Staatsoberhauptes eines fremden Landes erblickt. Auf Grund der Presievcrordnung wurde nun der verantwortliche Redakteur des„Arbeiterwille" von der Polizeidirektion in Graz zu einer Geldstrafe von 200 Schilling nnd zum Ersätze der K' sten des Strafverfahrens verurteilt. Nadi den„Wahlen“! Umwandlung des neldisknbinetts Basel. 7. November.(Fnvreß.) Der Basler „National-Zeitnng" wird von ihrem Münchener Korrespondenten gemeldet:„Lebhaft sind hier in München die Gerüchte betre'send die weitgehende Umwandlung deS ReichSkabinettS nach dem 12. November. Nur persönlich ganz zuverlässige vertrante Hitlers sollen dann noch Minister kein können. Als Ersatzmann deS Reichswehrministers Blomberg wird mit Bestimmtheit General von Evp. der bayrische ReichSstattbalter, genannt. Die Gerüchte über die Unssimmiokeiten zwischen Hitler nnd Goering setzen sich kort. Die mit dem Ablauf der Leit immer weniger vermeidbare Neutvahl des Reichspräsidenten„wirft ihre Schatten voraus". Die Träaer der beiden Tenden»en fangen an, ihre Positionen zu begehen, dinier Goering, so beißt es, famml« sich die Großindustrie nnd die noch lan-e ni^t al-ich- gefchaltete Reichswehr, hinter Hitler aber diesen igen. denen besonders daS ein« eit. Greuel ist: di« Gefahr einer Restauration der Monarchie!" v!e NichlldKetlsbesüwcrde des„Jnngsiurm“ Brünn, 7. November. Die Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde der verurteilten Mitglieder der Organisation„Fungsturm" vor dem Obersten Gerichtshof in Brünn wurde heute beendet. Tas Urteil des Obersten Gerichts wird am Samstag verkündet werden. Nr. 261 Mittwoch, 8. November 1633 eite 6 mit nach * den Entschluß zur An« eine Ahimng von dieser August 1632 in dem Kurort Tomilino. Stunde von Mos-kau eirffernt, gewöhn' war dort zusammen mit ihrem Mann beiden Kindern, ferner mit Frau Weist Mann in einem Hause. I» einer aride- siir daS deutsche Bolt äußerst Verhängnis» war. Der Obcrrcichsanwalt fragte den Berlcidi- wie er zu einer solchen Feststellung komme. st das ein Goebbels lügt situ heule aus! Berlin, 7. November. Wie ein Nachrich- tenbiiro erfährt, wird Ncichspropagandaministcr Dr. Goebbels in der morgigen Sitzung im Reichstagsbrandprozeß als Zeuge vernommen werden. Die Vernehmung des Ministers soll gleich an erster Stelle nach der Eröffnung der Sitzung erfolgen.. Prag, 7. November. Der Kellner Helmer, dessen Aussage heute vor dem Reichsgericht besprochen wurde, ist an der Verhaftung der drei Bulgaren schuld. Er betätigte sich in dem Gasthos, in dem er beschäftigt war, als Spitzel der SA und setzt als Werkzeug seiner nationalsozialistischen Anstraggeber. Die Verhaftung derBul, garen erweist sich nun als fllr die Führung des Prozesses verhängnisvoll: ihre Unschuld ist, trotz den Meineiden, die nnter Billigung des Ae- richtshoseö von den Belastungszeugen geschworen dnirden, erwiesen und Dimitroff tritt nicht in der Rolle eines Angeklagten, sondern eines An- klägerS auf. Die Aussagen des Kellners Helmer, die di« einzige Grundlage für die Verhaftung der Bul- wcnn Sie aus denProzeßberichtcn staben, daß Timitrow an diesem Tage in Berlin war. Zeuge: Jawohl, wenn ich gesagt garen bildeten, erweisen sich aber schon bei flüchtigem Betrachten als unglaubwürdig. Denn wenn die Bulgaren, die sich so auffallend in einer sremden Sprache unterhalten haben,— weil sie die deutsche gar nicht oder nnr mangelhaft beherrschen— wirklich so dunkle Pläne hätten schmieden wollen, wie eS Helmer darzir- stellen versucht, dann wären sie wohl kaum in den„Bayernhos" gegangen, der alö Nazilokal bekannt war. ES scheint eher richtig zu sei», daß sie sich dorthin verirrten. Dieser Helmer, der nach fast nenn Monaten Lnbbe b e st i m m t als den Gast wiedererkennt, den er bei den Bulgaren im„Bauernhof" gesehen haben will, hatte diele Gewißheit kurz nach dem Neichstagsbrand noch nicht, sondern ließ sich durch einen Einwand seiner Fran, die ibn vor einem Irrtum warnte, znm Schweigen bestimmen. Jetzt aber sagt er mit der verblüssenden Sicherheit ans, die an allen nationalioeialiktilchen Prorrbbeteiliaten ans- söllt. Seine Arbeitskollegen bestätigen seine Angaben nicht. Wenn aber Helmer lügt— und das ist gewiß—, dann ersolate die Verhaftung der Bulgaren zu Anrecht. Wenn dir Verhaftung zu Unrecht«rkokgte, dann lauft die ganze Untersuchung in falscher Richtung— und dann ist dies allerdings der vollständige Znlammenbruch der An- klcme auch argen Torgler. Wenn man auch nicht weist, welchen Motiven die Stellungnahme'Dr. Teicherts entsprang: daS arroaante Wüten des OberreichSanwaliS ist begreistich und auch daS Verhalten deö Vorsibenden, der zwar den russischen Zeuginnen nicht glaubt, die LiigenanS- sagen deS Helmer jedoch>u decken und zn erläutern versucht. ES gebt ihnen, den Regisseuren, um das Aulrechterbasten der Fiktion, daß die Bulgaren und Toraker die Anaeklaaten stnd, während das Ausland schon vom ersten Taae der Nra-estküstrnnq an aewußt bat, daß dieser gan»e Browst nnr zur Verteidigung der wahren ReichStagsbrandstister inS Werk gesetzt wurde! rememSraer Hönes im Prozeß zur Verteidigung der lascistlsdien Reidistogsurandstuter. ren Villa gegenüber wohnt« Frau Bojkowa ihrem Mann und Popow mit seiner Frau. Vorsitzender: Ist Popow täglich Moskau zur Arbeit gefahren?, Zeugin: Manchesmal ist er gefahren, einige Zeit war er aber ganz dort. Vorsitzender: Was hat denn Popow für Arbeit gehabt?— Zengin: Das weiß ich nicht. Vorsitzender: DaS ist aber eigentümlich daß all« Zeugen darüber nicht- sagen können. Zeugin: Ich frage nie di« Lent«, waS sie arbeiten. Vorsitzender: Ich muß sagen, daS klingt nicht recht glaubwürdig. Zeugin: Ich sage ganz ehrlich, wrnn ich etwas nicht weiß und das weiß ich nicht. letzte russische Zeugin wird Frau Dr. med. vernommen. Sie gibk an, Popotv sei hän> Moskau gefahren, aber gewöhnlich abends ger,,........ Er müsse cs z n r ü ck w e i s e n, daß i Verhängnis für Deutschland gewesen sei. Dr. Teichert erwiderte, durch diese Zeugenaussage sei der Untersuchungsrichter veranlaßt worden, die Bulgaren in Haft zu nehmen ' und die Untersuchung in der bekannten Richtung zu führen. DaS sei znm Anlaß genommen worden, gegen Dentschland Vorwürfe im Auslande zu erheben, die unberechtigt sind, di» sich aber zuungunsten des deutschen Volkes auSgewirkt hätten. Der Obcrrcichsanwalt rief sodann nnter Beifallskundgebungen der Zuhörer mit erhobener Stimme:„Wenn irgend Dr.: sen, daß, wenn man die Aussagen des Zeugen Organistka als richtig unterstellt,»n Oktober 1932 van der Lnbbe in§ ü d d e n t sch l a n d gewesen sein mnß, in Baden und am Bodensee. Lnbbe müßte schon außerordentlich schnelle Füße haben, oder Bahn und Auto benützt habe», wenn er an den verschiedenen Orten gewesen sei» soll, an denen er gesehen worden ist. Die Annahme deS Zeugen Helmer ist unmöglich und ich bedauere, daß durch diesen Zeugen, der sich meiner Ueberzeugung nach absolut irrt, sich der Untersuchungsrichter hat aus ein Geleise führe» lasten, oaö voll den AuSIÜnsten der hol- sich van der Lnbbe im aber die Leute haben diese! Sommer 1832 mindestens zweieinhalb Monate lang in Holland aufgehalten. ES ist demnach gar nicht »cl- möglich, daß er in jener Zelt In Zwischenräumen I»„in hirt ttUrirfiit Tagen regelmäßig im habe, daß sie am Tage deS Reichstagsbrandes im Lokal waren, so stimmt das aus jeden Fall. Ich bleibe dabei. Dr. Teichert: Sie haben die Anzeige erst am März gemacht. Ich frage Sie jetzt unter Bezug- ie an diesem Tage der Art und Weise, wie Deutschland seine Justiz ausübt, so ist das noch lange nicht znm Verhängnis für Deutschland". Popow: Helmer hat mich niemals bedient: Ich bin zum erstenmal im Dezember m den„Bayernhos" gegangen und mit Dimitrow war ich nur ein c i» z i g c s in a l in dem Lokal, nämlich am Tage unserer Verhaftung. Ter Angeklagte van der Lnbbe wird nun dem Zeugen Helmer gegenübergestrllt. Auf die energische wiederholte Aufforderung des Vorsitzenden hebt er den Kops ein wenig. Der Zeuge Helmer erklärt, das sc« ganz b e st i m m t der Mann, den er im Lokal gesehen habe. Popow weist darauf hi«, aus den Aussagen der vier russischen Zeuginnen gehe klar hervor, daß der Zeuge Helmer ihn unmöglich in der angegebenen Zeit mit Lubbc zusaninicn gesehen haben könne. Die Wcitervcrhandlnng wurde sodann auf Mittwoch vertagt. Der Zeuge bleibt auch nach diesem Vorhalt bei seinen Bekundungen. ver Verteidiger gegen neuner Der Berreidigkr der Bulgaren, Rechtsanwalt Dr. Teichert, betont di« Wichtigkeit der Aussagen des Zeugen Helmer und sragt: Sie haben gesagt, sie hätten dir Bulgaren daS letztemal vor der Berhaslung am Tag« d«S Reichstagsbrandes im Lokal gesehen, auch Dimi trow. Bleiben Sie dabei, daß das richtig ist, auch erfahren gar nicht Berlin, 7. November(Wolff.) Dimitrow bleibt mich heute noch von der Verhandlung ausgeschlossen. ver ungläubige Vorsitzende Ms erste Zeugin wird Frcm JSkrowa aus Moskau vernonmien. Sie betont, daß JSkrowa ihr richtiger Name fei. Sie war früher in Bulgarien Lehrerin. In Moskau arbeitet sie jetzt als Bibliothekarin. Di« Zeugin leistete den Eid in der religiösen Form. Sie bekundet, daß sie vom 18. Mai bi- End« etwa eine hab«. Sie und ihren und deren Unterhaus ladit Ober Neurath Blamabler Rlidtzug In der panier Andre London, 7. November.(Reuter.) Auf eine I Anfrage im Unterhaus« über die Angelegenheit der Verhaftung des britischen Journalisten Panter in München antwortete der britische Außenminister Sir John Simon: Die britische Regierung hat in dieser Angelegenheit energische Schritte bei der deutschen Ncichsreaierung durch Vermittlung des f britischen Botschafters in Berlin und des deutschen Botschafters in London unternommen. Die britische Regierung drängte auf die Mitteilung, welche Anklage gegen Panter erhoben worden ist. Der NeichSaußenminister teilte dem britischen Botschafter in Berlin mit, daß Panter auS Deutschland nicht anSgewiesen worden sei, so daß«S ihm jederzeit möglich ist, srei nach Dentschland znrückzn« kehren.(Heiterkeit.) Panter sei anch wegen nichts anarklagt gewesen und es sei anch nicht irgendeine Strafe über Ihn verhängt worden(Gelächter). Rechtsanwalt Teichert:„Die Verhaftung der Bulgaren ist ein Verhängnis für Deutschland“— Heute„sagt“ Goebbels aus Die Zeugin erklärt weiter, daß sie Dimitrow schon auS Bulgarien kenne, während sie Popow erst in Moskau kennen gelernt habe, ebenso auch Tancw. Popow kennt sie seit 1981. Dr. Teichert: Misten Sie, wann Tancw nach Dcut-'chland gefahren ist? Zengin: Ich glaube im Feber. Er verabschiedete sich von mW und sagte, daß er nach Bulgarien sah«. AlS Bojkowa fig nach_.. wieder»ach Tomilino zurückgetommc»,»m dort zu schlafen. Es sei allerdings vorgckommcn, wenn er mit seiner lungenkranken Frau nach Moskau zur Behandlung fuhr, daß er dann über Nacht in Moskau blieb. Sie könne mit aller Bestimmtheit sage», daß Popow von Tomilino Ende Juli mit seiner Fran nach dem südrnsfischen Sanatorium gefahren sei. Nach der Rückkehr aus Südrußland habe er sic im September in Moskau besucht. Er sei daun auch häufig im September und Oktober mit ihr und ihren» Manne zusammen getroffen Vorsitzender: Haben Sie auch Tancw i» Moskau getroffen? Zeugin: Ja, Tancw war Ende 1932 und Anfang 1933 wiederholt bei uns. Ich habe ihn ein paar Monate lang in Moskau gesehen, zum letzten' Male Anfang Feber. Vie Verhaltung der Bulgaren Es folgen dann die Zeugenvernehmungen die die Verhaftung der drei bulgarischen Angeklagten berrcfsen. Zuerst wird Kriminalassistcni Holzhäuser gehört. Ter Zeuge bckilndcl, daß der Kellner Helmer vom„Bayernhos" am 7. März eine Anzeige machte, daß sich seit längerer Zeit im„Bayernhos" wiederholt einige Ausländer aufhielte», die ihn» verdächtig erschienen. Der Zcnge legte Helmer das Lichtbild von van der Lubbc vor. Helmer erklärte, daß vermutlich van der Lubbe mit in diesem Kreis gewesen sei. Der Zeuge trug Helmer auf, sofort anzurnfen, wenn die Lcilte ivieder da seien. Am 9. März erfolgte der Anruf von Helmer, daß drei dieser Personen im Lokal seien. Holzhäuser und Kriminalassistenr Gast machten sich sofort aus den Weg zum„Bayernhos" und nahmen am Tisch neben diesen drei Personen Platz. Unsere Nachbarschaft, so erklärte der Zeuge, schien den dreien nicht angenehm zu sei», denn sie»»achten sich schon nach kurzer Zeit zum Aufbruch fertig. Ich trat hinzu und forderte sie aus, sich auszuweisen. Dimitrolv und Tanelv reichten nrir beide einen Reisepaß, welcher bei Dimitrow ans den Namen Dr. Hclbiger und bei Tancw auf den Namen Pencw lautete, während Popow sich nicht ausweisen konnte. Wir nahinen dann eine Droschke. Alis der Fahrt nach dem Reichs- lagsgcbände merkte ich, wie Timitrow ctivas in das Sitzpolster versteckte. Ich fand dann in der i nähme ans Ihren Eid: Haben ! noch nicht die Berössentlichung des Berliner Pollzei- , Präsidenten gekannt, die am 3. März, in der 20.000 ' R.-M. Belohnung für die Ermittlung der Mittäter I ausgesetzt»ourdcn? H e l mer: Ich halte „Die Verhaftung der Bulgaren ein Verhängnis für Deutschland 66 Teichert: Ich möchte darauf hinwci- s j c m a n d tut Auslände nicht zusricdcn ist, mit Ecke einen Aufruf des Exekutivkomitees der kommunistischen Internationale vom 3. März. ES war somit klar, daß diese drei Leute mit der rus- fischen Internationale in engster Verbindung standen. Vorsitzender: Hat Dimitrow in Ab rede gestellt, diesen Aufruf da hincingestcckt zu haben. Zeuge: Ich selbst habe Dimitrolv nicht dazu vernommen, aber wenn ich nicht irre, hat er das zugcczcbcn. Die Prüfung der Pässe ergab dann, daß sie von der kommunistischen Paßsäl- schcrzentrale bergestcllt tvaren. Vorsitzender: Als Sic sich an den Ncbcntisch setzten, saßen da nur die drei Bulgaren am Tisch oder hielt sich»n der Nähe noch eine vierte Per son airf? Zeuge: ES waren nur di« drei Bulgaren. »le Lügen eines spitzelnden Kellners Der Kellner Helmer sagt u. a. aus: Als ich in der„Nachtausgabe" das Bild des Brandstifters Lubbe sah, habe ich es meinen Kollegen gezeigt. Die Kollegen sagten, daS Bild komme ihnen zwar ähnlich vor, aber sie könnten doch nicht behaupte», daß es derselbe Mann sei. Ich sagte sofort:„Für mich sicht fest, daß dieser Mann mit den Ausländern zusammen war." Diese Ausländer, unter denen sich Popow und Dimitrow befanden, waren mir von vornherein ausgefallen. I ch bi n N a t i o n at s o z ia l i st und mir ist ausgefallen, daß anSgerechnet in einem Lokal, wie dem „Bayernhos", in dem nur Nationalsozialisten verkehren, Leute sich einsanden, die schr geheimnisvoll taten und obwohl sie nicht deutsch sprachen sofort schwiegen, wenn ein Kellner vovbcikam. Vorsitzender: Sahen die Leute alle wie Ausländer ans? Zeuge: Ja. Dimilrotv und Popow waren immer dabei. Wenn ich Lubbe kommen sah, war er in Begleitung der anderen. Die Leute nuterhielten sich am Tisch schr lebhaft. Es wurden auch Schrift- zeige gefaßt, ohne daß ich stücke ausgelauscht, die manchmal zerristen wurden. Belohnung hatte. Ich hoffte immer, daß einmal so ein zerrissenes Dr. Teichert: Nach Schriftstück liegen bleiben würde, damit ich cs an! ländischen Behörden hat mich nehmen könnte.<'"'''“ Schriftstücke immer eingesteckt. Bei der Gegenüberstellung habe der Zeng« mer van der Lubbe sofort wiedererkannt,I von acht bis vierzehn u. a. auch an seiucm Augenzwinkern. Er habe so-'„Bayernhos" verkehrte, fort dem Kriminalbeamten gesagt, daß an dem erneu Auge etwas nicht in Ordnung lei. Bor fitze n der: Am Tage nach dem Brande haben Sie das Bild van der LubüeS gesehen, Ihre Anzeige ist aber erst am 7. März erfolgt. Zeuge: Meine Frau sagte, ich Irre mich viel leicht und solle mich da nicht rinmischen. Aus weitere Fragen erklärt der Zeuge, er misse nur, daß an diesem Tisch„ausländisch" gesprochen wurde. Er habe auch versucht, sich hinter eine dorr ausge stellte Wand zu stellen, um etwas zu hören, aber die Leute häilen auch dies bemerkt und zu sprechen aufgchört. Der Vorsitzende weist noch ans die, bei den; holländischen Behörden gemachten Feststelluugen hin, wonach zu gewissen Zeiten deS von dem Zeu gen slir die Anwesenheit LubbrS angegebenen Zeitraumes Lnbbe in Holland gewesen sein müsse. und zwar einmal im Gefängnis und ein andere? Mal im Krankcnhausr. Zeuge: Ich habe nur erklärt, daß ich van der Lubbe in der Ze:t von» Anfang Mai bis 3. Oktober drei- bis viermal im Lokal gesehen habe. SMlnger und ODerrelchsanwah „erläutern“ die Zeugenaussage Vorsitzender: In der Zeit vom 21. Juni bis 14. Juli und vom 2. Oktober bis 9. November 1932 steht der Aufenthalt van der Lübbes in Holland nicht fest. In dieser Zeit könnte er in Berlin gewesen feilt. Neichsanwalt Parisius: Zum ersten Male will der Zeuge van der Lubbc im Mai gesehen haben. Da hätte also Lubbe auch in Berlin sein können. Das letzte Mal will er ihn im Oktober gesellen haben. Auch das wäre nach den amtlichen Auskünften möglich. Der Aufenthalt , in der Zwischenzeit könnte Ende Juni bis Mille I Juli gewesen sein. Seite 8 Mittwoch. 8. November 1l>33 Nr. 261 Martin Luther, der deutsche Reformator wurde vor 450 Jahren am 10. November 1483) geboren. Tagesneuigkeiten Die„Unabhängigen"...! Wie fie drefflert find, diese deutschen Richter, Wohin ist sie, die„Ilnabhängigteit"—! Ra» bückt sich tief vor bräunlichem Gelichter, „Erwachte" Memmen— dar ist ihre Zeit! Zuerst beginnt der Morphinist zu kreischen. Und bläst den Präsidenten grimmig an. Der Held beginnt zu Tode zu erbleichen, Und stammelt hilflos— ein gebrochner Mann! Dann fängt der Femc-Heines an zu lümmeln, Mensch, Bänger, nehmen Sie die Brust heran»! Fast weinend fängt der Arme au zu mümmeln, Lin Trauerspiel au» einem Sklavenhaus—. Der Mörder herrscht! Wie elend fie flch ducken— Ein Angeklagter ist er, der es wagt, Ter oagebeugt den Richter— Mamelucken Und dem Gesindel selbst die Wahrheit sagt! Wu«. VMoriendelrin eines Ehepaares. Pardubitz, 7. November. Gestern abend» wurden in 2 o p r e c im Püelouöcr Bezirke der 42jährige Geschäftsmann Fran; BaLant und seine Frau Marie wegen eines Millionenbetruges verhaftet. Im Oktober d. I. wurden gegen die Firma Baiant von verschiedenen Firmen Exekutionen vorgenommen, wormif BaLant am 31. Oktober um die Einleitung eines Ausgleichsverfahrens ansuchte. Um die Gläubiger zu schädigen. hielt er eine große Menge von Waren verborgen. Ein Teil dieser Waren wurde in der Nacht bei dem Bruder BaLants, Wenzel, in der Scheune in Ostkctin bei Holitz, vorgefunden. Bei der Hausdurchsuchung wurden umfangreiche Lager von verborgenen Waren verschiedenster Art, darunter auch 40 Fahrräder, vorgesunden. Ein weiterer Teil von Waren wird noch gesucht. Es wird auch das ausführliche fingierte BuchhaltungS- s y st e m BaLants einem Studium unterzogen, welcher, um die Gläubiger noch mehr zu hintergehen, viele weitere, Schulden vorschühtc. Alle Buckchaltungsbüchcr wurden dem Kreisgerichte in Pkclouö übergeben, wohin auch das verhaftete Ehepaar BaLant gebracht wurde. Der Bruder BaLants Wenzel wird von den Sicherheiisorga- nen verfolgt. Die Untersuchung erfolgt durch die Gcndarmcricstationeu in Pardubitz, Rovna und Büln Rohovlüdova. Es werden weitere Verhaftungen erwartet. Ein Kurp'uMer und Fal chmünrer bei Teischen verhaftet. T e t s ch e n, 7. November. Bon der Titsch« «er Gendarmerie wurde bei dem Falkendorser Inwohner W. F i f ch e r, der unter dem Verdachte der Kurpfuscherei stand, eine Hausdurchsuchung vorgenommen, die ein überraschendes Ergebnis zeitigte. Neben Beweise» für die Tätig« leit des Fischer als Kurpfuscher faud die Gendarmerie bei dieser Hausdurchsuchung eine voll- ständige Falschmünzeneinrichtung, die, nach der Art der Auffindung zu schließen, schon«m Gebrauch gewesen sein muhte. Wie weit und ob eS Fischer wirklich geglückt war, falsche Münzen herzustellen, müssen erst die weiteren Nachsorschungen ergeben. Die Gendarmerie beschlagnahmte nie ganze Falschmünzeneiu- richtung, insgesamt 30 Gegenstände. Fischer wurde verhaftet und dem Bezirksgerichte in Tri« scheu eingeliesert. Nu Kommunist unterschlägt Lamme» gelder Mr eine hungernde LamMe. Aus Weichsel» bei B.-Krumau wird der „Zukunft" berichtet: Bor einigen Tagen starb der Arbeiter K r a t o ch v i l nach lägercr Krankheit. Seine Frau und vier kleine Kinder befinden sich in großer Notlage und müssen hnngern. Die Arbeiter beim Wasscrleituugsbau der Fa. Rumpel, bei welcher der verstorbene Kratochvil zuletzt gearbeitet hatte, veranstalteten sür die Familie eine Geldsammlung und beauftragten damit den Konimilnisten Bica ans Weichsel». Derselbe hat nun anstatt die Geldsammlung der Frau und den vier hungernden Kindern;u übergeben, das eingesammelte Geld verjubelt und erst als Frau Kratochvil sich beim Partieführer der Baufirma beschwerte, erhielt sie drei oder vier Taglöhne, die Bica noch bei der Firma stehen hatte. Dieses Vorgehen des Bica verdient die größte Verurteilung und jeder ehrliche Arbeiter wird mit Abschan ein solches Verhalten beurtei len! Die Erziehungsmethoden der Kommunistenhäuptlinge zeigen ihre Früchte... Sie Razi'Berhetzuug geht weiter! Während Henlein und andere Neupatrioten sich gegenüber dem Staat und der tschechischen Na tum an Unterwürfigkeit überbieten, wird von den Naziburschen die Hetze gegen das tsche- chischc Volk fortgesetzt. Dieser Tage wurden zu nächtlicher Stunde in der Stadt Krumau Raziflugzettel folgenden Inhaltes in die Haustüren gesteckt:' Boykott!! T« u:> di e kaust nur bei Deutschen! Gegen die ungeheueren Regierungsmaßnahmen gegen deuische Parteiangehörige, deutsche Vereine, deutsche Volksvertreter und deutsche Staatsbeamte! Deutsche kaust nur bei Deutschen!! Die nationalsozialistische Verhetzung von Volk zu Volk gehr also weiter! Cs sind also noch nicht genug Opfer für diese verbrecherische Politik der deutschen Nationalsozialisten gebracht worden. 5ine Frau in Deutschland Ungerichtet. Guben(Brandenburg), 7. November. Frau Else Z i e h m, die zusammen mit ihrer Mutter in der Bußtagsnacht 1931 in Fürstenberg an der Oder ihren Sohn Hon» Georg vergiftet hatte, wurde heute früh hingerichtet. Ziehung der Klasteniotterie 200.000 Kl: 65.019. 90.000 Kl: 5.214. 20.000 Kl: 60.136, 95.524. 10.000 Kl: 20.018, 52.798, 70.700, 85.628, 89.884. 5.000 Kl: 2.686, 12.053, 25.919, 31.741, 38.318, 48.620, 50.400, 54.743, 56.292, 66.890, 74.465 83.892, 95.415, 99.175. 2.000 Kl: 2.934, 4.159, 5.445, 5.673, 9.227, 10.187, 13.878, 19.091, 19.470, 20.070, 20.847, 21.569, 22.441, 22.466, 26.713, 26.721, 27.528, 31.117, 31.980, 84.677, 35.090, 38.052, 88.910, 39.117, 89.385, 40.543, 41.647, 42.432, 43.869, 46.378, 47.119, 47.970, 48.961, 52.161, 52.988, 54.275, 55.617, 57.128, 57.628, 58.185, 60.926, 64.754, 64.944, 65.325, 65.888, 67.654, 69.192, 69.291, 71.890, 73.015, 73.631, 73.712, 78.868, 79.351, 82.945, 83.544, 84.291, 89.373, 90.416, 90.887, 92.124, 96.322, 98.452, 98.589, 99.900, 101.462, 102.665, 102.811, 102.989, 103.196, 103.280. 1.200 Kl: 9.935, 15.165, 16.406, 23.999, 30.683, 33.637, 34.944, 43.330, 44.089, 45.982, 51.031, 52.497, 65.712, 70.260, 74.031, 89.764, 95.404, 101.791, 101.808, 103.459 usw. FRANZ MEHRING: Karl Han, Mi* seines lata Zur Literaturgeschichte, Bd. t. Von Caldermi bis Heine. Bd. 7. Von Hebbel bl* Gorlu. Zur preußischen Geschichte. 2 Bde. Zur deutschen Geschichte. Zur Geschichte der Philosophie. Unsere Organisations-Ausgabe. In Leinen gebunden, erstklassig ausgestaltet Jeder Band nur KC M.- Alle 7 B*nde KC 17S.— Ursprünglicher Ladenpreis ledes Bandes XL RO-—. er- miBIgter Preis des Buchhandels XL 40.—. unser Preis XL 25.—. Zu beziehen durch die: Zentralstelle für das Bildoimswesen, Prag II., NeMzanka 18. Braun« Kopfprämien. Die Pariser Zeitschrift„B oila" bringt aufsehenerregende Enthüllungen des Journalisten C a r r über «ine nationalsozialistische Feme in Frankreich. Herr Carr behauptet nicht mehr und nicht weniger, als daß die Hitler- regierung Femebanden nach Frankreich dirigiert habe, um dem Nationalsadismus besonders verhaßte, prominente Emigranten„um zu le gen". Carr hat, wie er mitteilt, sogar die schwarzen Listender Hakenkreuzverbrecher eingesehen, auf denen di«„Kopfprämie n" der braunen Menschenjäger eingezeichnet waren. Di« Arbeitgeber der mordlüsternen Hooligans zahlen danach für ein gelungenes Attentat Summen von 1000 bis 10.000 Mark. Als „Höchstbcwerteter" rangiert Georg Bernhard, der frühere Chefredakteur der „Bossischen Zeitung" und ehemalige staatsparteiliche Abgeordnete, der noch in letzter Minute emigrieren konnte und nun von Paris aus einen unerschrockenen Kampf gegen die braune Barbarei führt. Ans Bernhard ist eine Kopfprämie von 10.000 Mark ausgesetzt. Tie Enthüllungen des Pariser Journalisten haben allgemeines Aufsehen erregt und der Pariser Presse Anlaß zu lebhaften Kommentaren gegeben, Wir, die wir den Marienbader Fememord an Theodor Lessing erlebt haben, wissen nur zu gut, daß die Hitler- Terroristen vor keiner Untat, die zudem noch Geld einbringi, zurückschrecken. Der Prozeß gegen di« 53. Das Auftreten der 68 Jahre alten cmgeklagtcu Frau Rossel im Maikowski-Prozcß, die trotz ihres hohen Alters und monatelanger Haft ungebrochenen Kampfes- mut bezeugte, machte aus die gesamte Zuhörerschaft einen ungeheuren Eindruck: Das kommt auch in der Naziprcsse, natürlich auf ihre Weise, zum Ausdruck. So schreibt der„Tag":„Man ist erstaunt, erschüttert und angewidcrt von dem ab- grundtiefen fanatischen Haß, den diese Frau gegen die Nationalsozialisten hegt. Dieser Haß ist gepaart mit einem geradezu aufreizenden, unverschämten Auftreten vor Gericht... Alle ihre Aussagen waren nicht» als ein Vorwurf gegen da« Gericht und gegen dir Nationalsozialisten..." Selma Lagerlös. Selma Lagcrlöf, die am 20. November ihren sünfundsiebzigsten Geburtstag begeht, veröffentlicht in der schwedischen Presse folgende Erklärung:„Hiermit richte ich die inständlge Bitte an meine Freunde und Leser innerhalb und außerhalb Schwedens, meinen sünfundsiebzigsten Geburtstag in aller Stille vorübergehn zu lassen und mich weder mit Briefen, Telegrammen, Blumen, Geschenken, Besuchen noch mit andern Aufmerksamkeiten zu bedenken. Ich bitte darum, teil», weil meine geschwächte Gesundheit unter den großen Anstrengungen, die solche persönliche Huldigungen unvermeidlich mit sich führen, leiden könnte, und teils,.weil es mir im höchsten Maße w i d e r st r c b t, in dieser Zeit der allgemeinen Not ein Freudenfest zu feiern. Jeder Pfennig, der entbehrt werden kann, sollte zum Besten unglücklicher Mitmenschen verwendet werden." Inden boykottieren Deutschland. Wie Reuter meldet, haben am Sonntag über 800 Delegierte, die 150.000 Juden aus allen Teilen Englands vertreten, eine Entschließung zum offiziellen Boykott deutscher Waren ongenomme». Die Entschließung fordert die Juden aller Teile des britischen Reiches aus, keine deutschen Güter zu kauscn und keine deutschen Dienste zu benützen, „solange den Juden in Deutschland die volle bürgerliche Rechtsgleichheit vorenthalten" werde. Razi-Ueb«rfall auf ein Fleifcherfest. In einer Provinzstadt des Ostens Hitler-Deutschlands hatte die Fleischerinnnng ein Festessen wie alljährlich veranstaltet. Es hatten sich zirka 400 Personen mit ihren Damen cingefundcn. Plötzlich drangen 50 SA-Leute in den festlich geschmückten Saal«in. Der Führer der Nazileutc hielt eine Ansprache und verlangte, daß das Geld, das für das Fest von der Innung ausgegeben wird, an die Winterhilfe abgclicfert werde. Der Obermeister der Innung protestierte gegen das Eindringen und verwies daraus, daß cs sich um ein Privatfest handle. Die Fleischermeister hätten schon für die Winterhilfe abgclic- fcrt und seien auch weiterhin bereit, ihr« Pflicht zu erfüllen, aber dann sollten die Herren von der Nazi-Leitung in ihre Geschäfte kommen. Darauf gab der Führer seinen Leuten den Befehl zum Abrücken. Dem wurde aber nicht Folge geleistet, sondern die Söldner machten sich über oic tranchierten, gebratenen Gänse her; oic Flci- sck»er mit ihren Damen ergriffen die Flucht, und so hatte das Festessen ein jähes Ende. Die Fleischer-Innung beschwerte sich bei der Nazileitung. Erhielt aber die Antwort, daß die Leitung für diesen Vorgang keine Verantwortung tragen könne. Der Restaurateur verlangt nun von der Innung die Bezahlung des Essens. Die Innung lehnt es ab, so daß noch ein Prozeß bevorstcht. Dieser Uebersall hat unter sämtlichen Fleischern der Stadt große Erregung hervorgcnrfen. Biele von chnen bestellten sosort die Nazizcitung ab und erzählen öffentlich von diesem Uebersall in der Stadt. Nach Görings'Ausspruch ist in Deutschland alles in bester Ordnung. Dieser Uebersall aber, der nicht vereinzelt dastcht, beweist, wie es unter den S'A-Leuten bestellt ist. Jcdenfalss ein schöner„Sozialismus der Tat". Eine kannibalische Kobra. Das Reptilienhaus im Londoner Zoo hat wieder einige Königskobras aus den Malay-Staaten erhalten. Diese Schlangen, die über vier Meter lang werden, sind Kannibalen und frcsien mit Vorliebe ander« Schlangen aus. Mil diesen Königskobras, di« nicht nur die gistigstcn aller Schlangen, sondern auch die angriffslustigsten sind, hat der Londoner Zoo bereits unangenehme Erfahrungen gemacht. Ein« Königskobra, di« nach ihren« langen Transport und durch das damit verbundene Fasten besonders hungrig war. verschlang in einer Nacht alle ihr« Käfiggenosscu. Tas kostet« dem Zoo all«in rund viertausend Kronen. Ein Wiener Schnitzel. Ein findiger Reporter hat dieser Tage dem österreichischen Bundeskanzler Dollfuß ein eigenartige» Interview abgeluchst: Frage:„Wie stehen Sie zum Fascismus, Herr Bundeskanzler?" Antwort:„Einesteils ja, andcrnteils nein! Unser österreichischer Fascismus hat einen ausgeprägt demokratischen Anstrich. Er wahrt sogar die Volksrcchte, soweit sie nicht den Jnteresicn der die Regierung tragenden Parteien und Verbände zuwiderlaufen. Den Nationalsozialismus lehnen wir als landfrenid ab, wir machen uns unseren Nationalsozialismus allein! Was aber den Antisemitismus angeht, so möchte ich unsere Stellung zu ihm in die Worte kleiden:„Mögen sie uns furchten, wenn sic zahlen!" Frage:„Wie steht cs um dir Geschlossenheit des Kabinetts?" Antwort:„Wir ziehen alle an einem Strang, freilich ein jeder nach einer anderen Richtung. Diese einmütige Geschlossenheit aller gegen alle macht unsere Position so unüberwindlich, daß niemand weiß, was der morgige Tag- bringen wird. Unser Programm ist der österreichische Mensch, den wir erfunden haben und den uns niemand mehr rauben kann!" Frage:„Und wie denken Sic sich die Zukunft?" Antwort:„Das wissen die Götter! Aber davon abgesehen, wissen wir längst, waS wir nicht wollen—: uns hundertprozentig entscheiden! So haben wir cs bisher gehalten und so werden wir eS auch in Zukunft halten! Unser Kampf gegen die Hitlerleute wird weiter gehen, aber niemals zu weit gehen. Wir tvcrden die Tinge nicht auf die Spitze treibe», sondern mit den Dingen wei- Ans der Arbeiter-Turn end Sportbewegung. Fußball-Ergebnisse vom Sonntag 1. Grupp«: Kamnltz gegen Hirschberg 2:2, Warnsdorf gegen Haida 2:2, Runoburg gegen Schönlind« 6:9.— 2. Gruppe: Glashütte gegen Ladowih 1:1, Teplitz gegen Zuckmantel 1:4.— 3. Grupp e: Aussig Nord gegen Klei sch« g: 2, Weiskirchlitz gegen Neuhof kein B«richt«i»gelangt, Sobrusan gegen Prcdl-itz kein Ber'cht eingelangt.— 4. Gruppe: Eichwald gegen Tünnitz 1:2, Wo- hontsch gegen Langugest 1:2.— 5. Grupp«: Schönpriescn gegen UllgerSdorf 4:2, L ussig Ost gegen Plhanken 1:3, Settenz gegen Ä leinaugezd 9:3.— 6. Gruppe: Komotau I gegen Saaz 1:8, Komotau II gegen Tschern 4:2, Sporitz gegen Biür 3:2. * Das Wiedecholnngspiel Pi Hanken gegen Klein- augeK suchet am 12. November In Pihanken statt. Die Platzeinnahinen fallen zu je 59 Prozent den beiden Vereinen zu. Bauender Verein: Plhanken. Anstoß---3 Uhr. Ter Protest Warnsdorfs, der eigentlich drei Proteste beinhaltet, wurde zu zwei Drittel abgelehnt. D'e Sperre des Spieler» Rahm tritt daher sofort in Kraft. Das Serlenspicl Schönlinde gegen Warnsdorf ist zu wiederholen und wurde der Termin betreffs Nennnsetznirg der dortigen zuständigen IX. Bezirksspiclleituug zur Dnrchführniui übertragen Die Kreisleitung ist nachher zu verständigen Der Protest des Vereines Sporitz wurde abgelehnt nach 8 49 der Satzungen. Schiedsrichier Himmel 29 Ile Straf« wegen Nichtverständigen der Krei4schicd»r>cht«r-Ver«inigung. Dem Protest des Vereines Sobrusan wurde stattgegeben. Puicklverlust für Weiskirchlitz. Dieselben werden dem Verein Sobrusan zugesprochen. Der Protest des Vereines Nicder-Liebich wurde abgelchirt, die Sperren der Spieler, welch verlautbart waren, treten sonrit in Kraft. Der Protest des Vereines Böhm.-Kamnitz wurde abgelehnt, di« Sperr« des Spielers Hoffmann tritt sofort in Kraft. Schiedsrichter Spengler wurde au» der Schied;. richter-Verclnigung ausgeschlossen. Die Legitimation ist dem Kreis zu übermitteln. Ter Verein Trupichitz erhält 4 Wochen Platzfperrc, di« laufenden Spiele sind a>ff den gegnerischen Plätzen ausgutragcn. Fahrtentkchädigung an Komata» kotvic Sch'edorlchler sind innerhalb 14 Tagen der Kreisleitung einzusenden. Unter anderem Puicktverlust für Trupschitz. dieselben fallen dem Verein Komotau zu. Grund: mangechafter Orducrdicnft. Sperren: Der Verein Aussig Nord wird wegen lln- disgiplin bis aus weiteres gesperrt.— Weiters wurden gesperrt im Verein Tschern: Aechtner Anton, Paß 397, 8 Tage; T r u psch i h:, Slah! Alois, Paß 118, 4 Wochen; Trupschitz: Spieler Spengler 12 Wochen; Langugest: Wagner A., Paß 507, 8 Tage; Türmitz: Habcrzerrel 0-, Paß 677. 8 Tage; Krochwitz: Frühauf Peter, Paß 42 14 Tag«; Georgenthal: Weis Karl, Paß 24i, 4 Wochen; Rumburg: Jarcsch Anton, Paß 392. 8 Tage; Presch kau: Nittel Willi, Paß 151, 8 Tage. DI« Sperr« tritt mit heutigem Tage in Krasi. Die Bezirksleirer werden um Durchführung und zur Ilebcnvachung beauftragt. Ten Vereinen dien« zur Kenntnis, daß der Verein Nieder-LeutenSdovf aus der Serie ausgetreten ist. Die fälligen Spiele eni- sallen daher. Freiheit! Die Kreisleitung: Werner m. p. tertreiben. Uebcr den Kampf gegen rechts werden wir auch den Kampf gegen links nicht vergessen! Diese Leute, die die unredliche Absicht haben, die Republik ernsthaft zu verteidigen, scheinen uns fast noch gefährlicher als diejenigen, die der Rcpu- plik ernsthaft ans Leben wollen! Man muß cs verstehen, Maß zu halten. Wir legen uns niemals fest, wir sind eine Bewegung geworden, hinter der wir alle hilflos herlaufen. Und genau so wird cs in Zukunft sein!" Flip. Von» Rundfunk Mittwoch. Prag 11.99: Schallplatte», 15.39: Schallplatte» 18.30: DeutschcSendung: Arbeiterfunk: Lehrer Jofes Hudl-Aussig: Aufgabe» der deutschen Schule und dcS deutscheu Lehrer» in der Tschechoslowakei Bericht vom ArbcitSmarkl,’ 19.10: Französischer Sprachkurs, 29.99: Uebertragung aus der tschechischen Philharmonie.— Brün« 11.99: Schallplatten, 18.25 Deutsche Sendung: Dr. Schönfeld: DI« seelischen Grundlagen nervöser Störungen.— Kaschau 11.39: Orchcsterkonzert, 17.99: Kinderstube.— Wien 15.39: Für den Erzieher, 17.29: Vom östcrr. Musik schassen der Gegenwart, 18.35: AuS der Geschichte dcr ArbcitSvcrfassung, 29.15: Aus Operetten.— Breslau 18.09: Tänze für Cello und Klavier.— Leipzig 21.90: Stimmen der Völker. DonrrerStag. Prag 15.30: Schallplatten, 16.59: Musikstunde für die Jugend, 17.35: Französischer Sprachkurs, 18.30: Deutsche Sendung:: 19.29: Konzert der Militärmusik, 20.20 Klavierkonzert, 21.00: Orchesterkonzert.— Brünn 15.30: Schallplatten, 16.00: Konzert, 18.25: Deutsche Sendung: Von Prittwitz macht ins Gebirge, Hörspiel, 20.20: Russischer Kirchenchor.— Kaschau 17.09: Orchestcrkonzert.— Wien 15.85: Jugendstunde, 17.00: Mensch und Zeit. 17.39: Lieder und Arien, 20: Kabale und Liebe, Trauerspiel von Schiller.- Hellsberg 16.90: Nachmittags- kouzert.— Leipzig 18.00: Lieder ans aller Herren Länder. fit. 261 Mittwoch, F. November 1Ü33 Seite 7 Ein Prophet der Bwbwrei. Halt« während dcS Krieges die bürgerliche Jugend Deutschlands au8 Nietzsches Schriften zkrieasbegeistcritiig rind„Willen zur Macht" zu slböpscn gesucht, so fand sie, als bei Kriegsende ihre Illusionen in nichts zerrannen, einen Vcr- künder der in ihren Reihen einsetzenden Depression in den Schriften Oswald Spenglers, vor allem in dem ans einer Fülle oberflächlichen Dissens gespeisten dickleibigen Werk, das durch seinen Titel„Der Untergang des Abendlandes" jene Stimmung der zeitweilig abtrctenden Schichten nnterstrihle, die eine Art Trost darin sanden, das; der Untergang ihrer eigenen Vormachtstellung nur der Teil eines allgemein an brechenden Weltchaos sei und die so in ihrer Gefühlslage di« Kehrseite boten zu dem damals in vielen proletarischen Schichten herrschenden MessiaSglauben, das; die russische und die deutsche Revolution baldigst in eine sozialistische Weltrevolution übergeben würde. Als ruhigere Zeiten kamen, wurde eS nm die sozialen Propheten merkwürdig still. Aber in dem Masse, in dem die Millionenarbeitslosig- seit als Folge der politischen und wirtschaftlichen Weltkrise in Deutschland die ErlösungSsehnsucht steigerte, tauchten Heilslchrrn aller Art wieder auf und eine von ihnen mit besonderer Beharrlichkeit und Propagandakraft vorgetragen, der Nationalsozialismus, gewann die Gemüter, insbesondere die der psychisch labilsten Schichten: der verarmten Kleinbürger, der dauernd Erwerbslosen, der unversorgten Frauen und der freudlosen Jugend. fstach der Errichtung des von ihnen allen erhofften Dritten Reiches meldet sich Oswald Spengler wieder zum Wort. Wer geglaubt hat, in seinem Buch„Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung", das als erster Teil eines Werkes„Fahre der Entscheidung" gedacht ist, werde er eine tiefe Zufriedenheit kundtnn, das jene Gleichsetzung zwischen„Prellßentnnr und Sozialismus" nun zu einenr Allgemeingut des offiziellen Denkeiis gclvordcn sei, mußte sich täuschen. Denn für Spenglers Begriffe ist auch der Nationalsozialismus noch eine viel zu proletarisch gefärbte Bewegung. Zwar bekennt er in der Einseitling seiner neuen Schrift mit eindeutiger Offenheit:„Niemand konnte die nationale Umwälzung dieses Jahres mehr hcrbcisebnen als ich... Alles, was ich seitdem über Politik schrieb, war gegen die Mächte gerichtet, die sich auf drnr Berg unseres Elends und Unglücks mit Hilfe unserer Feinde verschanzt hatten, um diese Zukunft unmöglich zu inachen. Jede Zeile sollt« zu ihrem Sturze beitragen, und ich hoffe, das; das der Fall gewesen ist." Aber er fordert Klarheit darüber, daß der Umsturz von 1933 kein Sieg war, da ihm die Gegner fehlten. Spengler kritisiert die Fülle der Feiern und spricht bereits ahnend die Wort« aus:„Was als Ankaug Großes versprach, endet in Tragödie oder Komödie." Worauf will Spengler hinaus? Sein neues Buch ist gelegentlich als eine„Bibel der Ienncsse d'orvc" bezeichnet worden, und in der Tat ist es sicher kein Werk, das etwa jener antikavitalisti- schcn Sehnsucht, die einst Gregor Strasser für breite Schichten des Nationalsozialismus in An- spnich nahm, eutgegen'ukommeu vermag. Spenglers Welthetrachtung ist aristokratisch im Sinne des Acsthctentums, seine Gesühlsstimmung ist j der Hochmut jener Sorte von„Herrenmenschen", von der die Welt seit den Zeiten Wilhelms II. so viele bösartige Kostvrobcn erhalten hat. Dabei ist freilich Spengler kein Rassentheoretiker im Sinne der Hitlcrschcn Zuchtbullentheorie. Man hat seine Geschichtsauffassung zoo- logisch genannt. Er selbst würde gewiß das Wor: „biologisch" eher für sich gelten lassen. Aber tatsächlich hat er seit seinem ersten Werke eine verstärkte Hinneigung zu jener im Grunde darwi- nistischen Auffassung alten Stils gezeigt, nach der cs in dem unvermeidlichen Kampfe ums Dasein mir darauf ankomucc, der Stärkste zu sein. ,,M e n s ch e n g e s ck i ch t e i st Kriegsgeschichte", dieser Satz Spenglers könnte als Motto dem Buche vorausgeschickt werden. Er erläutert ihn in all seiner zoologischen Primitivität durch die Feststellungen:„Der Mensch ist ein Raubtier, Ich werd« es immer wieder sage». All die Tugendbolde und Sozialelhikcr, die darüber sein oder gelangen wollen,"sind nur Raubtiere mit ausgebrochenen Zähnen, die andere wegen der Angriffe hassen, die sie selbst weislich vermeiden... Die großen Raubtiere sind edle Geschöpfe in vollkommenster Art und ohne die Verlogenheit menschlicher Moral ans Schwäch« ... Nein, der Kampf ist die Urtatsachc des Lebens, ist das Leben selbst, und cs gelingt auch dem jämmerlichsten Pazifisten nicht, die Lust daran in seiner Seele ganz auszurottcn." Von dieser Grundanfsassnng ans ist cs also ein anerkennenswertes Beiwort, wenn er an anderer Stelle erklärt, daß die Staatsmänner und Eroberer„die wenigen großen, starken Raub- tiere" seien, die in Jahrhunderten geschaffen hör- ten, was von dem massenhaften„kleinen menschlichen Ungeziefer" in kurzer Zeit zernagt werden! kann. Spengler betet den Cäsaris-^ mn8 an, und erneuert die schon früher auSge-! sprochene BorauSsaar, die im Augenblick allerdings an vielen Orten Erfüllung zu finden scheint: daß wir in das Zeitalter der Diktatoren eingetr«ten seien. Oswald Spengler hält freilich diese Periode> gemäß seiner Theorie, die ähnlich wie in der! Pflanzen- und Tierwelt das Werden und Vergehen einzelner Kulturkreise für eine naturhaste Tatsache erklärt, dieses Zeitalter der Cäsaren für eine Spätperiode. Aber noch sieht er, insbesondere für Deutschland, große Chancen, wenn es gelüigt, die von ihm als sine Art„Unterwelt" charakterisiert« Arbeiterbewegung und den Gegenstoß, der zum Eigenleben erwachten farbigen Raffen attfzuhaltcn. Sein Kampf geht also gegen die farbige Revolution. Nicht auf die Nasse, zu der einer gehört, kommt c8 ihm sontit an, sondern auf die Rasse, die einer hat. Das„In Form Sein" ist sein Ideal für Volk und Staat. Er wünscht eine autoritär« Gliederung der Massen, denn„g l c i ch e R e ch t r sind w i d c r d i e N a t u r". Die G e s c l l s ch a s t besteht für ihn a n s Rangordnungen und nicht ans W i r t sch a f t S k l a s sc n.. Höh« der Form, der Tradition, Zucht und Sitte, angeborene Ueberlegenheit der leitenden Geschlechter entscheiden ihm das Schicksal des Ganzen. Ein Aufstieg von unten ist nur in Gestalt der Angleichung des einzelnen an die Formen der herrschenden Schicht möglich. Mit solchen Anschauungen, die peinlich an die exklusive Gesinnung eines voltsfremden Feudalismus oder an di« snobistische Ueberlegen- tncrei jener Hcrrenklubs erinnern, deren Mitglieder, Herr von Papen, Oswald Spengler und in gleicher Weise die Agrar- und Industriemagnaten Deutschlands sind, kann man freilich dem Dcilkcu der breiten VolkSiuasscn und ihren politischen Wünschen in keiner Weise gerecht werden. Für Lent« wie Spengler ist hohe Kultur mit Luxus und Reichtum untrennbar verbunden, sind.Herrschaft, Stand und Besitz— alle diese Worte im feudalen Sinne gebraucht—„urmenschliche" Tatsachen. Kein Wunder, daß er bereits die demokratischen Tendenzen d«S vorigen Jahrhunderts als Bolschewismus bezeichnet. Sein ganzer Haß gilt dem modernen Arbeiter, den er als ein Produkt der städtischen Hefe kennzeichnet, der seiner Auffassung nach heute übermäßig geachtet wird, obwohl doch durch ihn„die Ausraubung der Gesellschaft" durchgeführt wurde. So bringt cs Spengler tatsächlich fertig, zu erklären, di« Weltwirtschaftskrise sei nicht die Folge von Krieg, Revolution. Inflation und Schuldenzahlung, sondern„sie ist gewollt worden. Sie ist in aklcn wesentlichen Zügen das Ergebnis einer ziclbewußten Arbeit der Führer des Proletariats". Mit einem Manne, der im gleichen Atem erklärt,„Der Sozialismus ist nichts als der Kapitalismus der Unterklasse" und der zugleich behauptet, der Kapitalismus sei eine Art. die Dinge zu sehen, aber keine Form der Wirtschaft und alle Zweiteilung der Menschheit in Klassen sei künstlich, ist natürlich schwer zu diskutieren. Spenglers Angriff geht.nicht nur gegen den Marxismus oder gegen irgendeine Form des SozialisümS, er geht im Grunde gegen icgliche Form sozialer Politik. Er ist der 2suS- druck deS im technischen Zeitalter sich nicht genügend beachtet fühlenden Geistesarbeiter. Bekommt cS doch dieser deutsche Gelehrte fertig, in die- Form ciireS stillen Vorwurfs gekleidet zu sagen: „Kein Lohnarbeiter geht an Uebcranstrengunff oder durch Irrsinn zu Grunde". Als ob Hunger, Not und Massenelend in den Arbciterquartieren und in den Heeren der Arbeitslosen nicht in so entsetzlichem Umfange vorhanden feien, daß man nicht einmal Sozialist zu sein braucht, um zu wissen, daß die Arbeitersragc anders betrachtet werden muß, als cs von diesem dekadenten Aestheten geschieht, der sich als Gewaltmensch drapiert. Ucber seine ökonomischen Erkenntnisse kann man mit.Herrn Spengler nicht streiten, denn sic sind nicht da! Im Grunde ist es etwa die Theorie des l-anscatischcn Pscffcrsacks, die wir als Sozialerkenntnis vorgetragen bekommen, und es wirkt nur aufklärend, wenn.Herr Spengler endlich den „nordischen Sinn" des Lebens enthüllt, nämlich: den„Willen zum Eigentum". Bei dieser Grundeinstellung tut es ihm schon beinahe leid, daß er einmal ein Buch geschrieben hat„Preußentum und Sozialismus". Er bemüht sich seitenlang, nachzuweisen, daß preußisch ,chie aristokratische Ordnung des Lebens nach dem Rang der Sei» stuisti" fei. Also mit beut, was mein gemeinhin Sozialismus nennt, nichts zu tun l>at. Wenn nach Oswald Spenglers Meinung Rußland zwar keinen Bolschewismus mehr besitzt, aber dafür asiatisch geworden ist, die bolschewistische Gefahr ihm also wohl gebannt zu sein scheint, er dafür aber— sicherlich nicht zu Unrecht— den Anbeginn einer farbigen Wellrevolution verkündet, so ist man unwillkürlich gewillt zu fragen, tvas denn an einem Spenglerscheu Europa wirklich gegenüber den Angriffen anderer Kontinente noch verteidigenswert wäre? Dabei ist die Spenglersche Theorie von A bis Z eine Ideologie des kommenden Krieges und würde so in die Geisteshaltung des neuen Deutschland ausgezeichnet hineinpas- fen, wenn sie nicht selbst süc die Massen, die dieses Regime, zu mobilisieren sucht, zu exklusiv und zu reaktionär wäre. Im Grunde ist Spenglers Prophetie nichts anderes als die Borwegnahme eines tristen Bildes, das sich ergeben würde, wenn Europa nicht zu einer friedlichen Neuordnung seines Lebens gelänge. Spengler ist ein Prophet der Barbarei. und er w i s l cs auch fein.„Dieses Barbarentum ist das, was ich starke Nasse nenn«, das Ewig-Kriegerische im Typus des Raubtieres Mensch. Es scheint oft nicht mehr da IV 20 Pfennig 30 Rappt* 1*60 tK, Die f£röflfe illustrierte Wocftenscftri/i bMftdnl feden»Ä UbetoJI ctAdltiidk zu sein, aber cs liegt sprungbereit in der Seel«." Tie Welt hat das seit dem Februar 1933 zur Genüge erfahren. Das deutsche Barbarentum ist seit dem Sturze des Weimarer Staates erschreckend bekannt. Unbekannt war bisher vielfach die Nolle, die auch deutsche Prosesforen und Gelehrte bei dieser Wiedergeburt des M e n sche n h a sses gespielt haben. Spenglers Buch, und das ist sein großes, negatives Verdienst, wirkt in dieser Hinsicht außerordentlich anfklärend. Vom Standpunkt der Wissenschaft aus freilich wird eS auf wenig crnsthäst« Anhänger zählen können. Aber für gewisse Kreijc k ZEITUNG. ?KCEIE3tt3SE Mm M Des PlM DkMkN MtklS? Ler Ausweg: Eusemblekunft, Gefirnmngstijeater uns- Sparen! Das Prager deutsche Theater hat nach einer fchweren Krisenperlode, die vor allem durch ein« außergewöhnliche Senkung des künftteriichen Niveaus bedingt und gekennzeichnet war, im Vorjahr, nach der Uebcrnahnie der Leitung durch Dr. Paul Eger, einen fühlbaren und allgeniein anerkannten Aus- schwung genommen, der das Prager deutsche Theater als O pe r nbühn« vor allem durch die Verpflichtung einer Reihe außergewöhnlicher Künstler, durch solsstische, Regie- und Kaprllmeisterleistungen mit nettem Glan; umgab. Wir habe» in der Presse und auch sonst bei allen möglichen Gelegenheiten diese8 lo erworben« Verdienst Dr. Egers, das wir vor allem im Austandebringen einzelner hervorragender Ausführungen und in der Erweckung neuen Äntcr- csjes für das Theater erblickten, wiederholt nach Gebühr gewürdigt, aber von allem Anfang nicht verhehlt— mit Beweisen dafür köimrn wir ausgiebig dienen—, daß wir mit dcni künstlerisch und materiell auf die Dauer nicht dnrckshaltbar«» Star». Gastier« und Repräsentations-Theater Egerschcn Systems nicht einverstanden sein können. Die Geschichte hat uns mit Ablauf eines einzigen Jahres recht gegeben: das Theater befindet sich neuerd'ngS tn einer Krise. Diese Tatsache zwingt unS, offener zu sprechen, als wir«S bisher für gut fanden. Enttäuschungen und Befürchtungen. DaS Prager deutfche Theater hat, loaS wohl von keiner Seit« bestritten werden dürst«, den Standard des vorigen Jahres in künstlerischer Hinsicht nicht halten können. ES hat jetzt ein paar Monat« ohne TtarS des Vorjahres auskommen müssen, neu« TtatS haben die erhofft« Anz'ehungSkraft nur zum ■ Teil auSgoübt, die groß« Repräsentation der Oper hat nachgelassen, ohne daß di« andereü Spiclgat- tungen vollwertigen Ersatz> böten.' Di« üngewöhn- lichen Investitionen der vorigen Spielzeit, die sich, wie man fälschlich annahm, im zweiten und dritten Jahr hätten bezahlt machen sollen, erweisen sich als Mehrausgaben, denen auf dl« Dauer kein« Mehrc'n- uahmen gegenüber sichen und es macht den Eindruck, als ob das Publikum, das man erst an die große Repräsentation gewöhnte. bereits lei!« ent- täuscht wär«, da die großen Leistungen und Attraktionen keine hinre'chende Fortsetzung finden. M!t diesen Sorgen verknüpfen sich die Schwierigkeiten, die durch das Ausbleiben der Landessubvention eintreten. Kein Mensch vermag derzeit auszusagen, wie lange unter diesen Umständen das Theater in seiner lieutigen Gestalt wird erhalten werden können; w'eder gehen durch das Publikum Mutmaßungen, daß man nach dem Jahreswechsel nicht wissen werde, w'« eS mit der Erneuerung der Verträge bestellt sein wird, ob man nicht — ein beliebtes Thema— die Oper werde a u f- lassen müssen; und auch di« Ide« einer größeren A n s e i h e sickert allmählich durch. Bei d'efer Lage muß möglichst alles ausgesprochen werden, was als zweckdienlich erscheint, d. h. was dazu beitragen kann, an der Sicherung der Erhaltung des Theaters auf dem gewohnten Niveau und im normal empfundenen Umfang mitzuhelfen. NottveMZe Umkehr. Di« caste Richtschnur hiefür ist unseres. Erachtens d'e: Schluß mit dem kostspieligen und auch künstlerisch immer nur auf kurze Sicht ergiebigen Gastier- und Slarcheatcr, und R ü ck k e h r z u einem guten Ensemble-Theater, wie es noch aus der Aera Kramer in aller Erinnerung sicht;-keine Tenor-, Sängerinnen-, Regie- und D'rigeuten-Gastspiele, sondern kontinuierliches Theater ncit gebundenen wertvollen Krasten; gebunden auch in der Hinsicht, daß selbst bei außerordentlichen Verhältniss.-n im Reich es ni'chr Vorkommen mußte, daß innerhalb weniger Wochen drei oder vier Mitglieder es vor- zieheu können, hinüberznwcchleln. Dazu gehört aber auch die Schätzung und entsprechende Beschäftigung von Künstlern, die sahrelang Zierden des Hauses waren, die aber unter der Ein- Wirkiltig wtrkl'cher oder scheinbarer„Prominenter" in den Hintergrund gedrängt und uuznsricden wurden; dazu gehört tneiter auch, daß man, sofern es anerkanntc Fachvertretcr tscktechoslowakitchcr S.'.iats- rugehörigkeit gibt, deren Vcrpslichluna fördert an Stelle Plötzlich Zugereister, d'e ebenso schnell wieder Abgereiste sein können.! Wofür man Geld hat! . Derzeit„gastieren" an der Prager deuckchen Oper-re! Tenöre, io wie im Vorjahr, obpvar nur damals schon einwandlen, daß trotzdem kein Heldentrtior im Hanse'ft; der„Ring" allein erfordert drei Tenorgastspiele— wie sollen die Kosten hiefür hereinkommen? In der Operette gibt es zwar nur«inen Tenor— der aber hat in seinem Fach in den abgelaufene» zwölf Dpiellvochen noch keinen T o n in der Operette gesungen; man bezahlt ihn für— kleine Opernpartien! Einen neuen Operivbasjisteu hat man mit Emphase angekündigt gelesen— bis jetzt hat er eine kleine Parti«'gesungen! Und dabei bat man noch Geld für zwei Baßbusfi! Im Schauspiel gebt es rin Dutzend Frauen und dennoch Lücken, wohin, man schaut! Von Gastspielen wird auch in diestm Genre gezehrt! Das alles kostet mehr Geld, als es je bringen kann. Man sucht es auf andere Weise zu sparen, beispielsweise bei den Gagen und Honoraren sür die M i nde st b e m i t t« l t e n. Da da cf mau sich dann nicht wundern, wenn plötzlich> h eiterfeindliche Artikel auftauchcn, wie vor wenigen Tagen der in der„D e u t s ch e n Press e", der wohl verurteilen-evert ist schon wegen seiner antisemitischen Auszäumung, der aber doch andererseits aus einer steigenden Unzufriedenheit mit einem Theater er» fließt, das wenig b'etet, aber einzelnen Menschen Bezüge gibt, di« weder mit denen anderswo, noch mit der Notlage des Theaters in Einklang zu br'ngen sind. Die Direktoren'Aezüqe. Es ist einfach nicht und durch nichts;n rechtfertigen, daß«in T h« a t e r d i r e k t o r und sein Stellvertreter i» dieser Zeil jährlich, noch erfolgtem GchaltSabbau(!), Immer noch etwa dreihunderttausend Kronen beziehen, nnd daß, da sich zu diesen Heiden nun noch ein dritter „Direktor" gesellt hat, diese drei Köpse ällein ungefähr vierhundertiausend Kronen" kosten. Nimmt man dazu, daß auße.dem*e:t bettn LditnngSwechtel an?geschiedenen Tlrekto- re'n- nachträglich noch Remuncraiionen gewährt wurden, di« zusammen an zwe i y n nde r t t a u- send Kronen ausmachen, o ergibt sicki in dieser Hinsicht ein geradezu grotesk.'« Bild angesichts der Notlage des Instituts. Man kann nicht verhindern, daß aus all dem in der Oessentlichkeit Stunk entsteht nuS daß die Befürchtung auftanbk gerade dec als„Retter" des Theaters ins Land gekömMcre neue Mann weide die bisher groß!« Gefahr nicht verhindern können. Co geht's nlcht! Wenn man iveiter hört, daß eine gewisse Groß- tügigkeit im Vorjahr den H c t ne sa a l sür hundert Tage zu Proben mietete, von denen nur dort gehalten wurden, so daß also auch in d'esem Punkt« ein überflüssiger Mehraufwand von vielen Tanieti- den vertan wurde, so hat man um>o weniger V«r- ständniS dafür, daß man jetzt, nm zn„sparen", den Chorsängern Fünf-Krottcn-Hottorare streicht. Wenn der evste Kapellmeister krank wird, hat in einem Theater, dar sparen muß, der zweite e!n- zuspringen; bei uns gibt es da einen Gast. Urd wenn für denselben Abend noch die Sängerin krank ist, dann muß«in Theater, daS sparen soll, eine andere Vorsiellung ansetzen, nicht aber, well der Direktor von seinen Prinzipien wcht abgeht, ein«' teuere Gastvorstellung ncit magerem künstlerischen Erfolg und einem Loch in der Kassa absolvieren! Dies« Beispiele sind hierhergesetzt; um anz-u-- deuten, welche normalen finanziellen Wege unseres Erachtens einzickchlagen wären, nm das Theater mit den zur Verfügung stehenden Milleln so wie bisher zu erhalten. Die Aufnahme eines Darlehens könnt« wohl das Theater bis zum Ablauf des dreijährigen Vertrages Egers sichern, würde aber weiterhin eine unabsehbare Gefahr für daS Theater bedeuten. Der Cplelplan. Was den Ausfall allgemeiner Besprechuugeu mit den Pressevertretern als den Trägern der Publikums-meinuiig anlangt, so bedauern wir ihn besonders im Hinblick ans den S p i e l p l a n. Allenthalben macht sich di« Aufsassung gellend, daß der Tpielplan Heuer in allen Spielgattungen sehr viel zu wünschen übrig lasse, daß«S durchaus an der nötigen Abwechslung gebrech«. Wir pflichten dieser Auffassung bei uüd erklären uns dies« Er- 'cheiitttug nicht nur aus den nottveudigen Folgen des Gastier-Systems, das beifpielsweise Erfolge wie „Orpheus",„Macht des Schicksals' oder„Lulu" nicht in neue Spielzeiten hinüberzunehmen imstande ist und mit der Wied-ranfnahni« vieler Repertoirewerke immer auf die Rückkehr eines Prominenten warten muß, sondern auch aus der anscheinenden Ziellosigkeit der Führung int Geistig«», die aber gerade heut« mehr nottut denn je. Wir hallen c8 für unmöglich und auf die Dauer für schwer schädigend, wenn ein« Thealerleltuiig, so wie cs in Prag den Anschein hat, was de» Inhalt Seift 8 Mittwoch, 8. November 1938 Nr. SSI Donnerstag, den S.Rovenrvee, um Halv 8 ityr avenvs findet im groften Saale des«otksyaukes in Vrag, Vgveensrs eine gemeinsame Kundgevung der tschechoslowakischen und deutschen Sozialdemokratie stakt- Gegen die fnfcifttfGe MeEZsn, für demokrattfGen KsrtfGrttt, für den ttüernattonaken Goriatt-smudk Sprechen werden: Senatspräfldent Dr. Franttsek Soukup und Landesvertreter Dr. Emil Strauß. Tagesordnung: Volkswirtschaft und Sozialpolitik Vereinsnathridifen ver- Gerichtssaal Sport* Solei* Kornerpllege Kunst und Wissen lausen dem Und Uhr: Onzerkdori Der Film von vor um nur ja nirgends dringt das Theater, etwas zu bringen Und allen, die eine Bersatzschei- dem Senat Allgemeiner Angestellteu-Berband, Ortsgruppe Prag. Mitgliederversammlung am 10. November, um 8 Uhr abends im Odborovy dum, Perätyn. Es spricht Zentralsekretär Grünznrr-Reichcnberg. I I DreSdnerstraßc Nr. 26, 2. Stock, vormittags halb S Uhr-eine wichtige AuSschußfitzung statt. Bestimmtes Erscheinen erwünscht. Arbeiter-iurn- and Sportverein Prag Ausschußsitzung, heute Mittwoch, 8. d., u>u 7 Uhr abends im Restaurant„U lupcu", Ltöpairskü. Um bestimmtes und pünktliches Erscheinen aller Furcktlonäre wird ersucht. auf Gr. des baß als in diesen Bildern lebendig: das Gewimmel seltsamer Änfekten, der BlattfchnciderAme'se und Stab- Heuschrecken, die schaurige Welt der Reptilien, der Gdftfchlangcn, Eidechsen, Rieseivschildkröten und Krm kodile. Mit Mikro-Ausnahmen Hai Brückner di« Kriechtiere und die Vögel belauert, mit der Zeitlupe hat er die Zähmung von Steppcnpserden»nd Pampas-Rindern beobachtet, und mit einem Blick aus den toten Hafen der Gummistadt Manaos zeigt er schließlich den Einbruch der Zivilisation und der Kris« selbst in diele weglos« Erdcnzone, die Paradies und Höste zugleich ist. ES ist nur bedauerlich, daß man diese Bildsymphonie nachträglich mit einem Schwall geschwätziger Worte und aufdringlicher Musikillustrationen behängt hat.—elfi— Touristenverein„Die Naturfreunde" Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Volkskunde. Sonntag, den 12. November 1933, findet in Urwaldsymtzhoni«. Ter neue Kultur-Film der ..Urania" ist ein« schöne, sehenStvert« Arlreit des vor vier Kahren verstorbenen Rutschen Uttvaldforlchert August Brückner. DaS unendliche tropische ^'ckick>I an den Ufern des Amazonas-Stromes wird Anna KrLwSkovii-Aremar wird am 16. No. vember im Smetanasaal mit dem Orchester der Tschechischen Philharmonie Beethovens Klavierkonzert in ES zum Vortrag bringen. Dieses Konzert wird von der Mozartgemeinde zugunsten der Renovierung Mozarts hiesiger Wohnstätte„Bertramka" veranstaltet. Wochenspielplan deo Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch, 7tzi> Uhr:„Barbier von Sevilla" kB 2).— Donnerstag, 7% Uhr: Ensemblegastspiel deS Theaters in der Josefftadt:„Liebelei",„Ab» s ch i e d S s v u p e r", mit Paula Wesselv, Oskar Karlweiß, HanS Thimig(A. A.)— Freitag. 7>/l. Uhr: Ensemblegastspicl deS Theaters in der Zoscfstadt: „Ist Geraldine ein Eng«l?"(A. A).— SamStag, 7 Uhr:„A i d a"(B 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„Allez hopp!"— Donnerstag, 8 Uhr: „Allez hopp!"— Freitag, 8 Uhr:„Bezauberndes Fräulein".— Sam-tag, 8 „Allez hopp!" Wiener Arbeiterfußball. Di« am Sonntag ausgetragene siebente Runde der Liga bracht« auch keine definitive Entscheidung über die Führung. Rudolfshügel liegt nun an der Spitze, gefolgt von Phönix Schtvcchat und Hclsort; all« drei haben 10 Punkte. Der Meister Gaswerk wurde nun schon zum drittenmalc geschlagen und E-Werk holte sich di« evste Niederlage. Di« Ergebnisse: Helsort gegen Feuerwehr 2:1<2:1), Phönix Schwechat gegen E-Werk 6:2(2:11, Red Star gegen Ostbahn Simmering 2:0(1:0), Zentralverein gegen Neu. Kettenhof 3:1(2:1), Floridsdorf gegen Gaswerk 1:0(0:0), Rudolfshügel gegen Nord-Wien 5:0 <1:0).— Erst« Klasse: Gruppe Nord: Nußdors gegen WAC.-Stab 1:1(1:0), Kndustrieangeslellte gegen Landstraßer Sportfreunde 2: l(1:1). Co- lumbia gegen DIanabgd 3:2(2:1), Tonauseld gegen Auto 3:2(1:1), Nennweg gegen- Leopoldau 3:1(0:1), Simmering gegen Hochstädt ö: 0(2:0); Grupp« Süd: Straßenbahn gegen Neutral 5:8 (2:3), WAF.-Bakuum gegen Virtus 9:1(l: l), Ostbahn»HumanitaS gegen Hauptwerkstätte 1:0 (1:0), Phönizia gegen Germania Ankerbrotfabrik 2:1(1:1), Aspern gegen Fav. AC 2:1(0:1), Viktoria 10 gegen Union 11 3:2(2: l). Di« Meisterschaft der Wiener ArbeUerhandballer. der ersten Klasse liegt in der A Gruppe Stadlau drei Punkten, in der B-Gruppe Nord-Wien d«»ßg«d«i Sirgtrte» Sait.—(£ b«t r< 6 □ 11 e» t: OiHelm Ulttitt.—«er»nn»>»rtttch«r»edokuur- Dr«mit s I r o u fi. Viag. Prag.— DU ü«i--mg-marlk«trantaiiir»ur»r von»« Poft.». r,l«grapd«n»,r,lNo»«u Urtaft«r 13.H4M»IV11 IW dewiUig,•« tzgUijähr» U M.—, gaortihrig Hi tüt.—,— 3m»wu«er»«» lau« kauf tiUigw(Xttchael. o«t aller«, SlnIlhaUuog«, Preitnachiog. Arbeiter. «in großes in dessen Wien—Kira; im ' Di« m etwas. Grundgesinnung haben, könnte Bühne gerade jetzt etwas bieren, ihr« erhöhte Aufgabe ist, dem dem F o r t• zu dienen. Man muß „Moderne" denken: in der von ihr gebotenen Kunst anlangt, mir ängstlich zwischen allen möglichen politischen Richtungen hin und her zu lavieren pflegt, anzustoßen. Auf die.'« Weise das gerade in Prag allen hätte, niemand« demokratische dir Prager deutsch« gerade jetzt, da es MenschlichkeirSgedanken, schritt, der Freiheit da gar nicht nur an die dieser Hinsicht wurden kürzlich einige Vorschläge von uns gemacht; mit dem absolut vernachlässigten Nestroy, Raimund, Anzengruber, mit „Lear" und„Richard", mir Calderon, mit „Tanton r Tod" und GrableS„Napoleon" würden sich alle, ob bürgerlich-demokratisch, ob sozia- l-istlich, klerikal oder landbündlerisch oder ob parteilos.; ui rieben geben; hier wär« AlreS als neu zu erweöcn und viel besser als etwa mit einem schütter gewordenen Shaw oder einem sporadischen Ibsen. Und wenn man an Offenbach, Johann Strauß und Millöcker so viel Arbeit schwendet« wie an„Alle; hopp!", würde sich das künstlerisch und finanziell bezahlt machen und das Deutsche Theater hätte neuen Anspruch daraus, als zentral« sudetendentlchc K u l t u r st ä t t e angebrochen zu werden, sür die sich alle, ohne Unter« sch'ed der Partei, mit erneuter und erhöhter Kraft ein-'eben könnten und müßten. Und hätte man in der Oper das im Haus, was unter einem Ensemble zu verstehen ist, dann müßt« man jetzt nicht immer wieder mit denlelbcn Werten WagnerS, Verdis und Puecinjs das Auskommen suchen, son- Wirlschastsentwlcklung im Spiegel der Aktiengesellschaften. In einem Jndustrielande spielen die Aktiengesellschaften und die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, kurzum die Kapitalgesellschaften, eine nicht geringe Rolle. Man kann an deren Entwicklung den Lauf des Wirtschaftslebens verfolgen, Da die Entpersönlichung des Kapitals immer mehr fortschreitct, sind die Aktiengesellschaften die Unternehmungsform deS modernen Kapitaliünius überhaupt. Es dürfte sich lohnen, hiervon ausgehend, die Entwicklung der Aktiengesellschaften m der Tschechoslowakischen Republik zu betrachten. Man wird dann finden, daß sich seit Bestehen dieses Staates im Wirtschaftsleben sehr viel ge> äpdcrt hat. DaS beste AnschauunaSbild dürfte eine Tabelle sein, die einen Uebcrblick seit Bestehen der Republik gestattet: «<,uaSft!-'-mgangci>»«!"'-j.-ft?Ü>mg aMrV«“'«l^gE"A"A, monaSV“«®!«'°K« AE iliungen P,«1g»ach!ag.- Uuckftillung°°u M-uuIIrtpl»«rlalglmu d«,«nft«Ä>un, Zahl d. Aktiengesellschaften Aktienkapital in Mill, llr Zahl d. Aesellsch. m. b. H deren Ges.-Kap. in Mist, sie Nach uuserent Dafürhalten eine sehr anschau liche Zusammenstellung. Es handelt sich hier nicht um die Gesamtzahl der Aktiengesellschaften. Tic im Bankwesen bestehenden Kapitalgesellschaften werden vom Statistischen Staatsamt gesondert geführt. Was läßt obige Zusammenstellung den ersten Blick erkennen? Daß die Zahl der sellschaften sich seit 1919, also seit Bestehen Staates, mehr als verdoppelt hat. Ferner, sich das Aktienkapital in 13 Jahren mehr verdreifachte. Es dürste selten Staaten geben, wo eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen ist. Richt in dem stürmischen Tempo haben sich dir Gesell- schäften mit beschränkter Haftung verändert, sowohl dem Kapital, wie der Zahl nackt Ter Zahl nach fand eine Steigerung um ein Drittel und dem Gcscllschastskapital nach eine Brrdoppelung statt. Tie Entwicklung der Kapitalgcsell'ch ften geben erst einen Begriff davon, welche Umwälzungen in diesem Lande in den letzten 15 Fahren erfolgt sind. Man bedenke, daß m den anonymen Gesellschaften annähernd zehn Milliarden h> Kapital arbeiten. Es ist bezeichnend, daß selbst in der Zeit der schweren Krise noch eine Steigerung des Aktienkapitals erfolgen konnte. Seit deni Hochkonjunkturjahr 1929 bis Ende 1932 erhöhte sich das Gesamtkapital der Aktiengesellschaften um rund 1109 Millionen Ks. Ter Zahl nach befindet sich das Schwcr- gewicht der Aktiengesellschaften bei den kleineren Gesellschaften. Mit einem Aktienkapital bis 10 Millionen Kö bestanden Ende 1932 1143. Diese.verfügten über ein Gesamtkapital von 3065 Millionen sie. Anders ansgcdrückt: 88 Prozent der Aktiengesellschaften besaßen nur 35 Prozent des in den Ä.-G. konzentriertem Kapital. Oder umgekehrt: 12 Prozent de rGesellsih asten verfügten über zwei Drittel der Gesell schaftskapital S. Zsn der Tschechoslowakei bestanden am 31. Dezember 1932 5 Gesellschaften mit einem Aktienkapital über 100 Millionen sir oder insgesamt 888 Millionen Kb. Davon gehörten 3 zum Bergbau, 1 zur Metallindustrie und 1 zur Bekleidungsindustrie (Bata). Wucher au ven Verelendeten. Darlehen auf Versatzzettel.— 300 bi- 4ö0 Prozent Schuldjlnfen pro Jahr! Prag, 6. November. Tas Versatzamt bildet gewissermaßen eine Station auf dem Wege inS Elend, den Heu:« so viele gehen müssen. Wenn der letzte Noigroschen verbraucht und nirgends anders mehr Geld aufzutreiben Ist, dann wandert das bißchen Schmuck, Uhr, Ehering« u dgl. in die Leihanstalt, um wenigstens für zwei, drei Tage den Lebensunterhalt zu sichern. Ti« Bedürftigen reden sich rin, daß ja wieder besiere Zeiten komnren und sie eines Tages alles wieder auSlöscn würden. Dir besseren Zeiten kommen aber nicht und bald gehen auch die besseren Kleider, Schuhe und Möbel den Weg allez Verpfändbaren. Und schließlich ist«4 ilnveil, daß nichts mehr zu verpfänden da ist und Hunger und Kälte drohend vor der Türe stehen. In dieser Lag« erinnern sich dann die Verzweifelten an verlockend« ZriiuirgSinserate. in denen „kulantesie Belchnuirg aller Wertpapiere. Versatzzettel u. dgl." verheißen wird. ersten besten Agenten ins Garn. Wie es um diese Belehnungen neu bestellt tst, bewies die heule T r o st verhandelte Anklage gegen den 20 jährigen „Bankkounnissionär" Karl St p« r l i n k auS Holl«. Ichowitz wegen K r e d i t w u ch e r S. Dieser Bursche hatte sich auf das sein«„Darlehensgeschäft" geworfen und-konnte sicher sein, an Kunden keinen Mangel zu haben. Freilich machte er diel'« Geschäft« nicht auf eigene Rechnung, londern vermittelte sie im Austrag einer„V o r s ch u ß k a s s e", d« außer ihm noch sieben andere Agenten beschäftigte. DaS Geschäft ist risikoloS und äußerst ein- träglich. Da das Versatzamt Wertsachen nur mit «iy«m Bruchteil deS Wertes belehnt, kann der Darlehensgeber ruhig etwa die Hälfte deS ans dem Bersotzzettel auSgewieseuen Betrages borgen Löst-der Verpfänder in der vereinbarten Frist den Zettel nicht auS, io kann der Herr Kreditgeber sür billiges Geld die Wertsache für sich beim Versatzamt ouSzahlen, was der normale Fall zu sein Pflegt Will aber der arme Teufel sein Eigentumsrecht an der Pfandsachc nicht verlieren, muß er oft Zinsen zahlen, sür die der Ausdruck Wucher viel zu gelinde ist. Bei der heut« verhandelten Lach« wurde nach gewiesen, daß der Angeklagte für«in Darleben von 40 Ks nicht weniger a l s zehn und selbst fünfzehn Kronen pro Monat als Zinsen ge-fo'dert hat. was einer jährlichen Verzinsung von "9n mit vor Fünshans mit nur einem Punkt Vorsprung in Führung. Ti« Ergebnisse: Stadlau gegen Ankerbrotfabrik 7:7(1:1). Ottakring gegen Döbling 0:1(2:1), Straßenbahn gegen Red Star 5:3 (1:1), Feuerwehr gegen Nußdorf 1:3, FünfhauS gegen Fünshauscr TK. l>:3(3:0), Währing gegen -Hetzcndorf 7:3(8:0), Margareten gegen FloridS- darf 6:2(3:2), Gaswerk gegen Slraf-enbahn 0:6 (3: 4), Nord-Wicn gegen Schwimmvercin 8: Z (1:1), Me-idling gegen Alsergrund 6:2(3:2), Studenten gegen Lehrer 5:1. Gör gegen Wien 3:0. ASK Mc'dling gegen Hernals 6: t, gegen Scknvechat 8: 3. Städicwettkampf Graz—Wien der kraftfportlkr.(In Graz fand Sonntag Meeting der Arbcilerkraflfportler statt, Nahmen der Städtewettkamps i Stemmen und Ringen ausgclragcn wurde. Wiener siegten im Stemmen. mit 1109.52 Kilo- qramm. die Grazer erreichten 1209.5 Kilogramm. 9m Rin-en kchlng Graz Wien mit 35:55 Punkten dreihundert bis vierhundertfünfzig Prozent entspräche! Nebenbei waren di« auf die Versatzscheine gellohenen Betrüge lächerlich gering und außerdem ließ sich Lpettink zur„Sicherstellung" auch noch Wechsel unterschreib«». Er verteidigte sich vor Gericht mit der stolzen Be- rufuug auf seine Konzession als Bankmakler, die ihm derartig« Geschäft« angoblich erlaube. Die blutigen Wucherziirsen erklärte er damit. daß«S sich um verschiedene„V o r m e r k gebühren" u. dgl. handle, di« von der„Vorschuß- lasse', mit der er in Verbindung staiw, vorgeschrieben worden seien. Leider erfuhr man nicht, wie dieses-Institut heißt, doch scheint nach den Vorerhebungen dieses Vorbringen deS Angeklagten wenigstens teilweise unwahr zu sein. Der Gerichtshof schenkte der Verteidigung 8per- links keinen Glauben, sondern erkannt« ihn Im Sinne der Anklage schuldig nnd verurteilt« ihn zu drei Monaten Kerkers und 500 sie Geldstrafe, und ztvar unbedingt. rk Filme in Prnaer Lirtttsplelhansern bis einschließlich Donnerstag, den 0. November 193». Adria:„Fliegende Teufel."— Alfa:„Zunl aufgegessenen Laden."— Avion:„Die verkaufte Braut."— Fäniz;„Die Spionin."— Flora: „Zwölf Sesiel.'— Gaumont:„Zum heiligen An- lonius"— Hollywood:„Zum heiligen Antonius." — HvSzda:„Das.Haus in der Dorstadt.— KInema, B.«Th.: Hournal, Reportage, Grotesk«.%2~^>8.— Metro:„Mit der Kamera über der Erde u»rd"unter dem Meere."— Paffage:„Zum heiligen Antonius." — Staut:„Zwölf Sessel.'— Kapitol:„Das Mädel aus der Ziegelei."— Konvikt:„Zwölf Sesiel."— Lido;„Zwölf Sesiel."— Roxy:„Zwölf Sessel.«- „Feier des 28. Oktober."— valdek:„Zwölf Sesiel.' — Carlton:„Das Mädel au» der Ziegelei.«- Illusion:„Der Fall des Tyrannen" dern dann könnt« man lange nicht oder niemals hier gehörte Werke bringen. Wie lange war in Prag„R i e n z i" nicht zu hören? DaS ist mit Verdis„Macbeth",.„Don Carlos',„Erna ni"? Wo blekbt Meyer- beer? Wo Gounod und'M affen« t? Wer erinnert sich des„Oberon", der„E u r y a n t h«", da Weber selbst mit dem„Freischütz" im Spiel plan nicht zu finden ist! Warum bleiben Nicolai, Kreutzer, Kienzl, Flotow, Marschner, ja selbst L o r tz I» g begraben? Außerdem grbts noch einen Ander und Adam, einen Cherubini, M a i l l a r t, Thomas, einen Cornelius und Humperdinck einen Tschaikowsky, einen K r e n e k. Wir schütteln, ohne Blick In einen Opernführer, diese paar Namen aus dem A«rm«l. Wie ergiebig müßt« es doch sein, wenn Theater direktoren Ihn zur Hand nähmen! Noch ist es Seit! Wir sind überzeugt, daß«S immer noch Zeit ist, das Steuer herumzureißen, weil wir gesehen haben, daß Dr. Eger imstande ist, das Steuer zu führen. Wir dürfen nur Mcht schweigen, wenn wir immer denllicher innere Meinung bestätigt sehen, daß erst ein gefährlicher Kurs elngoschlagcn wurde und daß jetzt nur das Streben dahin geht, sich über Wasicr zu hallen und Hilfe von außen zu erwarten, wo sie nur von innen her geleistet werben müßt«; In Zusammenarb«it freilich mit allen Interessierten nnd Verständigen, zum Schutze«in«S der wertvoll-»der OrtSgruppenkanzlei der Naturfreunde in Aussig, sten sudetendeutschen Kulturgüter, hunderter male-~ riell Betroffener und Zchntausender, die geistig und ieelisch am Theater und besonders an diesem Theater hängen! 1010 1020 1931 10112 605 1306 1314 1835 2533 7682 81(iS 8721 1513 2070 2096 2057 117 066 1020 1