13. Jahrgang. Dienstag, 14. November ioss Nr 26S. Drei Millionen Helden 3*35 Millionen ungültige Stimmen zur Reichstagswahl/ 2’85-Millionen ungültige und „Neinstimmen bei der Volksbefragung/ Mehr als 95 Prozent Hitlerstimmen Berlin, 13. November. Im Reichsanzeiger wird heute nachmittags das vorläufige amtliche Endergebnis der gestrigen Reichstagswahl und der Volksabstimmung veröffentlicht. Es enthält die folgenden Zahlen: EBcräclBstfcigswaiMI 1. Zahl der für den Reichswahlvorschlag der NSDAP abgegebenen gültigen Stimmen.. 39,638.789= 92.2% 2. Zahl der u n g ü 11 i g e n Stimmen•... 3,349.363= 7.8% 3. Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen». 42,988.102— 95.2% Vo9k$abstimmun^ 4. Ja-Stimmen 40ßO 1.577— 95.1% 5. N ei n-Stimmen.•......... 2,100.765— 4.9% 6. Zahl der gültigen Stimmen...... 42,702.342 7. Zahl der ungültigen Stimmen.... 750.271 8. Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen.. 43,452.613= 96.3% Killer will gebeten werden! Eine ncrausiordernnit an die Hddilc Berlin, 13. November. Das Wolfsbüro ver- öffentlichtc nach Abschluß der Wahlen zun« Reichstag und der Volksabstimmung über die auswärtige■ Politik eine Auslassung, deren Schlußsätze lauten: Di« Reichsregierung erhält durch da» Plebiszit«ine starke moralische Unterstützung. Diejenigen Kreise im Ausland«, di« die Friedenskundgebungen der führenden Persönlich- leiten de» neuen Deutschland nicht so ernst genommen haben, wie fi« r» verdienen, müssen sich jetzt die Tatsache vor Augen halte«, daß dies« srirdlichr Tendenz der Ueberzeuguug de» gesamten deutschen Volke» entspricht. Entsprechend dem Stande der internationalen Diskus. - fbm ist c» aber n.ich t Sach« der deut, scheu Regierung, jetzt«in« neu« Initiativ« zu rrgreiseu. Der Wahl selbst ging, wir wir- bereits meldeten, der ungeheuerlichste Terror voraus. Jeder, der nicht mitwahlen wollte, wurde von vornherein als Landesverräter bezeichnet und mit den entsprechenden Strasen bedroht. Die Wahlleiler hatten die Bevölkerung wissen lassen, daß sic dir mit„Nein" Stimmenden anSsindig machen werden. In ganz Deutschland war be- könnt, daß die Stimmzettel insgeheim gekennzeichnet waren, um das Wahlgeheimnis auszuheben. Wie stark der Terror war, geht daraus hervor, daß jeder Teilnehmer an der Wahl ein Abzeichen bekam, mit dem er zum Ausdruck brachte, daß er mit„Ja" gestimmt habe. Wer das Abzeichen am Sonntag abend nicht ausweisen konnte, wurde aus der Straß« angehalten und bedroht. Dieses Schicksal widersuhr auch ausländischen Journalist««. Einig« der Mutigen, di« sich ohne Abzeichen ans die Straß« wagten, wurden von der SA mißhandelt oder verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht. Für den Wert der Wahl als freie Meinungsäußerung des Volk«» ist die Abstimmung in deu Konzentrationslagern symptomatisch: von den Opfern der Hitlerbarbarei hat ein Großteil nationalsozialistisch gestimmt, auö Furcht vor der Strafe. Um so heldenhafter ist das Verhalten jener Häftlinge, di«, trotzdem die Abstimmung in den Lagern natürlich genau kontrolliert werden kann, ein tapferes„Rem" sagten— Mißhandlungen und Tod vor Augen. Ganz Deutschland ist ein Konzentrationslager. Und so wie di« Häftling« für Hiller stimmten, so stimmt« di« Mehrheit des Volke» für ihn: di« Deutschen hatten nur die Wahl zwischen Henker und Hitler. Aus Angst vor dem Henker ivählten sie Hitler. Und darum haben di« Stimmen der drei Millionen Helden ein gewaltiges Gewicht. nie Welt ist nicht Qberrascht Paris, 13. November. Tas erwartete Ergebnis des deutschen Pleb'SzitS und der Wahlen hatte die französisch« Oeffentlichkeit und Presse nicht. überrascht. Zahlreiche Blätter verhehl«» nicht ihre. An- ltcht, daß di« gestrig« Abstimmung in Deutschland eine erirste iirvernationäl-politisch« Folg«' haben werde, da Hitler sich nunmehr bei seiner Politik auf di« Zustimmung der großen Mehrheil des deutschen Volles stützen werde. .„Die Ziffer 93 Prozent ist kolossal", da sie die Gesamtzahl der Abstimmenden.bei allen vorhergehenden Wahlen übersteigt, sagt„Petit Parisi«»" und fügt hinzu,, daß Ludwig Napoleon im Nähr« 1882 bei dem Plebiszit die gleiche Prozentzahl der Abstimmrnden erhalten hat. Tas radikale Blatt„R o p»b i q u e" sagt: Nach der neuen Autorität, nNche Silier soeben zuteil wurde, müssen die Völker, welche den Frieden und dir Annäherung wollen, einigen und D rutsch- land«inen entschiedenen Standpunkt zeigen. Pertinax schreibt im„E ch o d« P a r i s': Wir haben her eine Regierung, welche nicht als normal und zivilisiert erachtet werdcn kann. Wir haben es tatsächlich mit einem pathologischen Falle einer kollektiven Hallugination zu tun Der sozialistische„P o p u l a i r e" bezeichnet den gestrigen Tag als«in« neu« Komödi« und zollt den Millionen BÄvundening, welchc sich nicht fürchteten, ihre wahr« Meinung zum Ausdrucke zu bringen. MO Diatenempiftnger Berlin, 13. November. Nach den Berechnungen des WTB wird der neue Reichstag 660 Abgeordnete umfassen. Diese Zahl ergibt sich daraus, daß für die NSDAP 39,626.000 Stimmen abgegeben worden sind. Die Todesmutigen Karlsruhe, 12. November. Im Konzentrationslager K i s l a u(Staben) ist das Ergebnis der heutigen Volksabstimmung und Reichstagswahl folgendes: 32 Wahlberechtigte, B o l k s a b st i m m u n g 18 mit Ja, 11 Nein, 3 ungültig; Reichstag: 16 NSDAP, 16 ungültig. Herrn ültlcrs„Dohemia“ macht schon wieder von sich reden. Ein paar Wochen war sie jetzt lammfromm und Kurzsichtige konnten von den plötzlich aufgctauchten demokratischen Konturen der„Bohcmia" auf. eine entsprechend geänderte Gesinnung schließen. Nun aber scheint das Blatt schon wieder sich dem alten Kurs zu nähern; natürlich etwas vorsichtiger geworden. Die liebe- und verständnisvollen Kommentare für das Hitlerregimc. fehlen. Aber die Propaganda für H i tlc run dden Fasei sm ns wird wieder f ort g c s e tz t.■ Die letzte Sams- tagnummcr wird großartig mit H i t l e r s R« d e vor den SicinensarbeUrrn eröffnet, die dann mehr als drei Spalten des Blattes fußt. In der Sonntagnummer wird H i ndcnburgS Wahlappell kommentarlos auf die erste Seite gestellt. Aus dies« Weise briygt die ,)Vohemia" also wieder so viel nationalsozialistisches„Gedankengut" al» nur möglich an.ihre Leser heran. Ein paar Wochen hindurch.war das Ehrenmänner werden erledigt Düsseldorf, 13. Novenrber. Wie di«„Volksparole" berichtet, hat Gauleiter Staatsrat Flo- r i a n in der letzten Wahlkundgcbung in München-Gladbach am Samstag bekanntgcgcben, daß gegen veranNvortliche Leiter und Angestellte des „Volksvereins für das katholische Deutschland" Anklage erhoben und auch bereits zu Verhaftungen und steckbrieflicher Verfolgung geschritten worden sei. Wie der„Volksparole" hiezu mitgetrilt wird, wurde bei der Großen Strafkammer des Landgerichtes in München-Gladbach Anklage erhoben u. a. gegen den früheren Generaldirektor des Volksvereins, Geistlichen Rat Dr. Hohn, den früheren Reichskanzler Marx, den früheren Reichstagsabgeordneten Lammers, die früheren Reichsminister Dr. Braun und Stegerwald, den Univer- sitätsprofesior und früheren ReichStagSabgeord- neten Dr. Dessauer, dem Generaldirektor des BolkSvereins, Pfarrer van der Bei den, dem Rechtsanwalt Dr. Kohlen, den Buchhalter C o m m« r tz. .- Ihnen wird fortgesetzter Bctnlg zur Last gelegt. Nach der Anklage haben Kohlen und Com- mertz in München- Gladbach mehrere Firmen, darirnter eine Mittelstandsbank, um über zwei Millionen- RM. betrügerisch geschädigt. Den übrigen Beschuldigten werden gemeinschaftlicher Betrug an einer großen Anmhl von Firmen im Gesamtbeträge von 350.000 RW. zur Last gelegt. anders. Man kennt den Grund. Und während des Oktober war die„Bohemia" ja in Preußen verboten. Seit Anfang Novem- oer aber geht sie wieder ins Reich unds o läßt sich Wieder hübsch das Angenehme f a s c i st i- scher Propaganda mit"dem Nützlichen des Auslandsgeschäftes verbinden. Es ist Sache der„Bohcmia" selber, wie sic einerseits die wirklich noch demokratisch geblicbe- benen unter ihren Lesern und die tschechostowa- kische Oeffentlichkeit von einem Minimum an Ehrlichkeit der jetzt verzapften loyalen Gesinnung «bezeugen, andererseits aber auf dem notwendig 'gewordenen.Umweg• über Kanzler- und Feld- marschall-Rcden die unterstyndslos gewordenen Hakenkreuzler an den^Tag"-Ersatz, den die„Bo- homia" so bildet, zu binden versucht. Dagegen ist es Sache der tschechoslowakischen Domokratic, sich gegen die alte fascisierende>,Bohemia"-Mcthodc in Neuer Form in der entsprechenden Weise zu sichern. 3*7 Millionen- stahlliarf! Von Friedrich Stampfer An den Zahlen, die in der Nacht zum Montag aus Berlin gemeldet wurden, kann nicht» überraschen, wenn nicht die verhältnismäßig hohe Zahl der Nein. Bor fünf Jahren' bekamen die Nationalsozialisten 806.000 Stimmen, diesntal rund 40 Millionen. Vom Mär; d. I. bis znnr Novenibcr haben sie 23 Millionen Stimmen gewonnen. Sie haben in fünf Jahren ihre Zahl verfünfzigfacht. In den letzten neun Monaten haben sie 130 Prozent zugenommen. Die 23 Millionen seit März d. I. ge- tvonnenen Neo-Nationalsozialisten zerfallen m verschiedene Kategorien. Ein Teil mag sich wirklich innerlich umgeschaltet haben, er meint, nun gehe es eb« nicht mehr anders, und darum bleibe nichts anderes übrig als„mitzumachen". Ein anderer Teil hat sich durch Parolen wie„Gegen Kriegs- l>etze und Rüstungswahn" oder„Für Frieden und gleiches Recht" einfangen lassen. Ein dritter Teil hat ganz einfach aus Furcht vor Ucberlvachung gegen seine Ueberzeugung gestimmt. Und ein vierter ist wahrscheinlich dazu gefälscht worden, znmai eine Kontrolle der Auszählung nicht mehr existiert. Wie sich diese vier Teile des nationalsozialistischen Neunmonatsgewinns grüßenmäßig zueinander Verhalten/ wird sich tiicht fest stellen lassen. Ein Haufen, der aus solck«« Weise zu- sammenläuft oder zusanrmengetriebcn worden rst, kann in kurzer Zeit auch wieder au», einanderlaufen. Die wirklicl-c innere Kraft der NSDAP beruht nicht auf diesem zweifelhaften Gewinn, sondern auf der Zahl ihrer wirklichen überzeugten Anhänger, die in der Masse der Mitläufer verschwindet. Ter sogenannte Wahlausfall bctveist nur, tvas eine einmal etablierte Despotie, di« mit allen Mitteln der modernen Technik arbeitet, binnen kurzer Zeit aus ciirenl Volke mache» kann. Darüber hinaus beweist er höchstens nocl), daß die Masse des Volkes nicht aus unbeirrbaren politischen Denkern und nicht aus todesmutigen Helden besteht. Für uns alte Sozialdemokraten, die schon oft genug in ihrem Leben sogenannten„kompakten Majoritäten" gegenübergestan- dcn haben, ist das keine neue Erkenntnis. Die kompakte Majorität der 40.6 Millionen„Ja" bei der Volksabstimmung und der 30.6 Millionen Stimmen für Hitler überrascht uns nicht. Im höchsten Grade ermutigend wirkt jedoch die Tatsache, daß selbst nach der gefälschten Wahlstntistik nicht weniger als 3.7 Millionen Männer und Frauen dem furchtbaren Druck standgehallen und in der einen oder der anderen Form dem herrschenden System ihr unbesiegbares Mißtrauen bc-- kündet haben. Nach deni vorliegenden Endergebnis habcit 43,373.573 Wähler bei der Volksabstimmung mitgcstimint, bei den Wahlen aber nur 42,025.725. Das heißt 447.848 Wähler haben sich dem ausgeübten Ztvang zum Teil entzogen, indem sie in den Umschlag zwar den Volksentscheid-Zettel hincinsteckten, al>er keinen Wahlzettel. Weitere 3,288.423 machten ent- sprechend der Parole, die von der Sozialdemokratie und anderen Gruppen ausgegcbcn wurde, ihren Wahlzcttel ungültig^ 2,Ü66,06l> stimmten auch bei der, Volksabstimmung mit „Nein", 784.120 machten auch hier ihren Zettel ungültig, sei es,, tveil die sozialdensv-, kraiisck)e Parole sie nicht erreicht hatte, sei. es, weil sie damit ihrem Willen, sich zu enthalten,- Alisdruck geben-wollten. - Die von der Hitler-Rcgier>lng zugegebeneni 8.7 Millionen Männer und Frauen, die dein Druck widerstanden, die nicht mitmachten, sich nicht' umschalten lassen, sind«richt gleichzn-, werten irgendeiner„Opposition", wie sie sich sonst bei normalen Wahlen in zivilisier'cn Ländern, ergibt. Sie sind eine Elite von bewundernswerter Festigkeit der Ueberzeugung Seite 2 Dienstag, 14. November 1938 Nr. 266 und Charakterstärke, sie sind der Ansatzpunkt jeder kommenden lebendigen Entwicklung in Deutschland, sic sind die Führer in ein« neue Zeit. Trotz aller Bedrohung und Bespitzelung, trotz der Tatsache, daß cs ein Wahlgeheimnis kaum noch gab, haben sich diese 3.7 Millionen Männer und Frauen zu Auffassungen bekannt, die heute niemand in Deutschland öffentlich aussprechen kann, ohne augenblicklich zu Boden geschlagen und als Gefangener abgefnhrl zu werden. Während die„Regierungspartei" daS ganze Volk in einen technisch vollendeten Propagandaapparat einspannte, mußte die „Opposition" nnt kleinen Blättchen arbeiten, di« nur unier Lebensgefahr hergestellt oder verbreitet tvcrdcn konnten. Diese kleinen Blättchen haben nun zweifellos ihre Wirkung getan, die Wirkung ist jetzt zum ersten Rial sichtbar geworden: einige Millionen Männer und Frauen haben die Parole befolgt, die von ihnen ausgegeben wurde. Reichender a, 12. November. Der neue sudetendeutsche Messias alias Konrad Henlein hielt heut« in der Turnhalle in Reichenberg vor immerhin einigen Tausend Zuhörern seine Antrittsvorlesung als neugebackener Führer. Bei diesem ersten politischen Auftreten wurde er von einem würdigen älteren Herrn mit weißem Professorenbart eingeführt und bei dem feierlichen Einzug(mitten durch den Saal!) von den anwesenden Getreuen, die vorher durch fesche Militärmärsche in„Stimmung" gebracht worden waren, gleich begeistert begrüßt. Etliche der Anwesenden vergaßen vor lauter Begeisterung sogar, daß sie nicht mehr den Führer Jung vor sich haben, sondern den Führer Henlein, und streckten in alter Gewohnheit di« Hand»um Hitlergruß empor. Wie sich bald herauSstellt«, war dieser Nein« Irrtum leicht begreiflich, denn viel anders al» Henlein hätte auch der Führer Jung in der schönsten Blütezeit der hiesigen Hakenkreuzler nicht reden können. Die Kundgebung sollte, wie der würdig« Einbcrufer Jng. Weller ausdrücklich vorher betonte, nur der Aufklärung überZweck und Ziele der neuen Bewegung dienen; vorsichtshalber wurde eine Diskussion darüber gleich von vornherein abgelehnt. Zweck und Ziele pflegen im allgemeinen in dein Prograinm der Partei niedergclegt zu sein. Wie Henlein über sein Programm denkt, sei deshalb gleich an di« Spitze des Berichtes gestellt: „Ach sage Ihnen: Auch wir werden ein Programm ausstellen mit wenigen grundsätzlichen Punkten; in denen werden Recht, Gerechtigkeit, aufrichtiges soziale» Perstehen und sozial« Gerechtigkeit und einig« ander« Punkte drinnen sein. Aber ich sage Ihnen, daß e» mir und uns herzlich wenig auf ein gut auSgearbrl- tetes Programm ankommt, denn wenn wir all« Parteiprogramme feit 1S26 hernehmen und nur einen ganz kleinen Bruchteil dieser Programm« verwirklicht hätten, dann hätten wir heute schon das Paradies. Programm« allein mache» unsere Zukunft nicht; unser« Zukunft machen anständige Männer, di« vorantreten, und«ine Gefolgschaft, die ebenso anständig ist und dabest« will. Wichtig i ft der Geist, der unS erfüllen wird,„weil da» Volk di« ganze Geschichte satt hat". Mit diesem geistreichen Seitcnhieb aus die anderen Parteiprogramme hatte Henlein bei seinen alcichgcschaltctcn Zuhörern den gewünschten Lacheffckt erreicht, er, der kurz vorher mit Pathos versichert hatte, er lehne es ab, nach billigem Beifall zu streben.... Schon die Geschichte seiner Erwählung, die er gleich zu Anfang erzählte, wirkt wie ein Helles Wunder. EN hat sich mit Händen und Füßen gesträubt, seine geliebte Turnerei, sein Familicnalück usw. zu verlassen und seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. ER hat mit sich gerungen wie Moses in der Wüste mit seinem Gott, hat„seine alleinige Verantwortlichkeit vor der Geschichte und vor dein deutschen Volk" haargenau erkannt und ist dann zu dem Schluß gekommen, daß er di« Verantwortung für di« neue Parteibildung nur unter der BorauSsetzung übernimmt, daß sich mindestens vier Parteien auslösen und zu einem großen politischen Block zu« sammensinden, und daß sie ihm als dem Voll» machtsträger die entsprechenden Vollmachten geben.... Nun baben sich aber keine vier Parteien aufgelöst, sondern nur zwei, und die nicht ganz freiwillig, und politischer Vollmachten, die er von diesen beiden Parteien etwa bekommen hätte, würde sich Herr Henlein bestimmt nicht , öffentlich rühmen— aber was tut Gott in seinem unerforschl'.chen Ratschluß: er läßt den Henlein nunzumTrotzerstrechteineBar- 1 e i gründen! Nach dem Scheitern dieser Verhandlungen hat.Henlein nach seinen eigenen Worten bereits beschlossen, sich wie bisher von feder politischen Betätigung fern- »»halten, aber dann hat ER cs sich doch wieder überlegt. Der Grund: Sonst wäre da« Volk draußen bieder um eine Enttäuschung reicher und um Unter nornralen Umständen würde die „Opposition" immer noch mit 62 Mandaten in den neuen Reichstag einziehen. Sie würde die Möglichkeit haben, im Parlament, in Der- sanimlungen, in der Presse die Regierung zu kritisieren. Davon kann bei den heutigen Verhältnissen in Deutschland natürlich keine Rede sein. Der Sinn für Menschlichkeit und Gerechtigkeit, der in den 3.7 Millionen der Stahl» harten so lebcndigist, muß heute in die Katakomben fluchten. Aber mit ihm ist die Zukunft der deutschen Arbeiterklasse, des deutschen Volkes, ja ganz Europas. Jede Hoffnung auf eine Wendung zum Besseren nicht nur für das deutsche Volk, sondern für die ganze Menschheit knüpft fortab an die Tatsache an, daß 3.7 Millionen Deutsche, sozialistische Arbeiter, aufrechtstehen und der ganzen Hölle des Terrors trotzen. Von dem Maße des Verständnisses und der tatkräftigen Hilfe, die sie draußen sinden, hängt das Schicksal der Welt ab. eine Hoffnung ärmer geworden, und absolute Hoffnungslosigkeit ob der politischen Zerfahrenheit hätte über die armen Suoetendcut- schen hercinbrechen müssen! Darum hat ER also schweren Herzens„alles auf den Altar de» Vaterlandes gelegt" und„die Tat getan", daß er das Volk aufruft,„alles Trennende zurückzustellen und einig zu sein". (Den Beifall, der bei dem Worte„e i n i g" cinsctzte, hat jeder simple bürgerliche Versamm- lungSredner seit urdcnklichen Zeiten immer schon gehabt, sobald er beim Biertisch di« deutsche „Einigkeit^cheschwor. Patentieren kann sich.Herr Henlein diese Sache also nicht mehr lassen!) Daß man seinen kürzlichen Aufruf zur Bildung der neuen Partei nicht auf Men Seiten als göttlich« Offenbarung ausgenommen hat, sei nur «in Beweis dafür, „toi« wenig heute di« verantwortlichen Leute das empfinden, was das Volk empfindet". Mer er klagt trotzdem nicht an, sondern sei immer und jcdem gegenüber verhandlung-bereit. Mer er wird in einiger Zeit über diase Der- haMungen Rechenschaft geben, und dann soll daS Boll mit seinen vermeintlichen Führern „Wrechnung" halten. Er bettelt weiter- auch nicht um Wahlstimmen, er geizt nicht um Beifall, er wird kein Mandat anstreben. E r war immer nur fliehe die letzte Hitlerredc vor den Wahlen!) der„schlichte einfache Mann", der„Anwalt seine- Bolles". Mit der Bildung einer kleinen Partei gibt Et sich nicht zufrieden: Sein« Bewegung soll„alle Ausbmlwilligen und Anständigen"(diese» Wort kehrt immer wieder!) de» sudetendeutsche» Bereiche» erfüllen und über all« Bewegungen, Organisationen und Parteien hintveggehen; sie muß einfach daS ganze Sudetendeutschtum mit allen seinen Einrichtungen«rfassen. Billiger tut eS.Herr Henlein einfach nicht! Dieser„einheitliche Lebenswille" des Sud«- tendeutfchtumS>var leider nicht einheitlich geführt. Darum stünden wir heut« dort, wo wir stehen. Deshalb müsse man anfangen mit Selbst- d iszi pl i n i« r u ng, Selbstorganisierung, die es eines Tages möglich machen, die große Forderung nach außen zu tragen: ,Klare Mitbestim- ' mung an dem Staat, der auch der u n s« r e ist." (Tie sonst so beifallsfreudigen Zuhörer hüllen sich hier in eisiges Schweigen!) Nach einer Kritik der sudetendeutschen Politik seit 1818 tadelt Henlein die Standespartei sowohl wie die Volkspartei, die erstere, weil sie gewöhnlich neben der berufsmäßigen auch di« politische Vertretung übernehme und dann»^Interesse gegen Interesse, Klasse gegen Klasse" auSgcsPielt werde, die letzter«, weil sic alles erfassen wolle und deshalb auch alle Berufe nach Parteien spalte. Än gewissen LcibenSbe reichen aber, so verkündet Henlein, müsse daS Volk ganz einfach unpolitisch bleiben, nämlich„mir" in Erziehung, Religion, Kultur, vor allem aber auch in der Wirtschaft, In diesen LcbcnSbereichen müssen nur tüchtig« Berufsmenschen zur Führung kommen:„In den obersten Spitzen zukammengesühit", ergeben sie dann den politisch«».Führungsrat, in dem all« Berufs- interesscn' eudsprecheud geschützt werden müssen. Diese neue ständisch« Gliederung ist bereits do, sie muß nur ,^> u S g« r i ch t« t" werden, und diese„A« S r I ch t u n g" des gesamten Bolles toll in erster Linie-Herrn.Henleins neu« Partei besorgen. Ganz Herrn.Hitler» abgeguckt ist dann auch die folgende Anbiederung-Henlein- an die Arbeiterschaft: Seine Bewegung sei ein« Bewegung der schaffenden Stände, daher im besten Sinne dis Wortes auch eine Arbeiterbewegung. Er wird die Ehre der Arbeit wieder in den Vordergrund rücken. Und damit die Parallele mit Hitlers jüngster Rede noch offenkundiger sei, zitiert Henlein nun auch auch die Kameradschaftsgefühl« aus dem Schützengraben. Dünkel und Ueberheblichkrit, hinter denen oft nichts stecke, als große Hohlheit(da- sollte aber kein erste» Aufdämmern riner besseren Selbsterkenntnis sein!) müßten einmal aushörcn. Klassenkampf und Klassenhaß lehnt Er natürlich ab; daS Volk müsse, vielmehr in gcivissen Fragen„unlöslich geeint" dastehen. Er will nur „die Arbeit erlösen au- Ausbeutung und Elend". i... Herr Henlein wird aber gleich sehr vorsichtig, als er notgedrungen Harangeht, auch das Problem der A r b e i t S l o s i g-k e i t wenigstens zu streifen. Er will hier nicht mit billigen Schlagworten kommen, aber immerhin: Einen großen Teil der Not werde man durch planmäßige neue großzügige W i r t s ch a s t s- beratungen lindern können. Nach einem Exkurs über di« Ursachen der Arbeitslosigkeit kommt Redner(anscheinend im Rahmen des europäischen Wirtschaftsgebietes) zu dem Schluß: „Was uns fehlt, ist dir aufrichtige und ehrliche Aufteilung. Wir brauchten keinen Hunger, ivcnn hier eine neue einhcitiliche Aufteilung wäre. Die braven Zuhörer, meist flutbürgerlichen Ständen angehörig, zeigen unerhörte Disziplin, daß sie sich da kommunistische Thesen vom„Auf- teilen" in neuer Form vorsetzen lassen, ohne zu murren. Llbcr Beifall spenden sie an dieser Stelle nicht! In dem folgenden Kapitrl über Religion wiederholt ER, daß sich seine Partei auf den Boden christlicher Weltanschauung stelle. Religion solle aber nicht mit dem politischen TageSkampf verquickt werden, sondern müsse im besten Sinne des Wortes Seelsorge sein. Dir Bcrmengung von Religion mit Politik sei weder für da» Bolk noch für di« Religion von Nutzen. Die Jugenderziehung müsse frei sein von einem engen parteimäßigem Dogma. Die Jugend soll; vom politischen Tageskampf ferngehalten werden. Er wolle deshalb keine Jugendgemeinschaft gründen, sondern Jugendliche bis zu 18 Jahren für seine politische Arbeit a b l e h- neu: Die Jugend solle sich„körperlich, seelisch und stittlich ertüchtigen, an den heiligen Quellen unsrreS BolkrS Nahrung suche n", aber sie soll nicht frühzeitig in den „Schmutz" der Partei- und Tagespolitik hineingezogen(sondern offenbar nur in Turnvereinen gut völkisch erzogen!) werden! In einem innenpolitischen Schlußappell legt Henlein eine Art Bekenntnis zum Staa, ab: Berlin, 18. November. Di« plötzlich« Acnderung im Benehmen des Hauptangklagten im RelckStagöbrandstifter-Prozctz ist die Sensation der heutig» Verhandlung. Zum erstenmal seit Beginn des Prozesses ist es gelungen, von van ber Lubbe einigermaßen zusammenhängende Antwarten zu erhalten. Mit Spannung erwartet man, ob diese Besserung im Befinden des Holländer» andauern wird, denn dadurch würde Gelegenheit zur Aufrollung«in« ganzen Reihe von Fragen gegeben werden, die mit dem Brande in direktem Zusammenhang stehen und deren neuerliche Beantwortung den ganzen Charakter des Prozesse» andern könnte. Im übrigen sind schon di« heutigen Antworten van der Lubbe», wenn sie auch lakonisch kurz gehalten sind, in nicht bloß einer Richtung sehr wichtig. Zur heutigen Verhandlung des Prozesses zur Verteidigung der ReichstagSbrandstifter ist neben anderen Zeugen auch der Kommunist Kämpfer ersch'enen, bei dem nach verschiedenen Zeugeirbckun- düngen der Angeklagte Popoto verkehrt haben soll. Lubbe ohne Scopolamin Als«twaü später al» gewöhnlich dl« Angeklagten in den Anklagcraum geführt werden, erregt da- Aussehen des Angeklagten van der Lubbe allgemeine- Aussehen. Zum erstenmal während der ganzen Hauptverhandlung hält van der Lubbe den Kops aufrecht. Er blickt auch zum erstenmal« auk di« Zeuge» im Saal, während er an allen übrig«» SitzungStag«» vom Anfang bis zum End« Kopf und Auge» aus den Boden gerichtet hielt. Vander)ln= van Bergen? Chefredakteur Dr. Kereck« von der Telegrafen- Union klärt ,^ur Richtigstellung irriger Annahmen des internationalen UntersuchungSansschusseS" auf, wie in einer der ersten Brandmeldungen ein« Nanrensvertoechslui^ zustande kam. Der Berichterstatter der Trlcgrafeu-Umon halt« telephonisch mitgetcilt, eS sei ein holläiLrscher Kommunist namens Banderlin verhaftet worden. Der Zeug« habe den Nanien in zivei Worten geschrieben und durch einen weiteren Hörfehler beim„Völkischen Beobachter" sei dann der Nam« van Bergen ersch'enen. Gegen zwei Uhr nachts sei von der Amsterdamer Polizei der richtig« Name van der Lubbe mitgeteilt worden. Dimitrotv stellt«ine Reih« von Beto«iSan trägen, die vom Obcrre'chSantoalt zurückgewiesen werden. Der Senat wird über di« Anträge später beraten. Der Zeug« Müller erkennt van der Lubbe als den einen der Wanderburschen wieder, der Mitte Oktober 1932 bei einer Begegnung in der Nähe von Konstanz verschiedene politisch« Aenßerungen getan hat. Van«er Lubbe spricht- aber verworren Der Dorsitzeiw« richtet jetzt mehrere Fragen an van der Llöbibe, die dieser auch im stkgensatz zu seinem früheren Verhallen bereitwillig beantwortet. Allerdings widersprechen sich seine Antworten fast In diesem Raum, in den sie da» Schicksal gestellt hat, haben die Sudetendeutsche» ihr« Aufgabe zu erfüllen. Daß Böhmen wie durch Jahrhunderte„da- Herzland Europa»" bleib« und nicht vielleicht einmal au- unendlich geschürtem Haß zum Brandherd Europa- werde, das sei ebenso auch ihr« Aufgabe. Der Haß, der heute die einzelnen Böller in diesrm Staate innerlich bewege, müsse„in dieser Härte" nicht aufrecht erhalten bleiben. ER appellierte an das tschechische Bolk: Mr Slidetendcutschen sind heute zu einem würde- vollen, unser BolkStum vollständig bewahrenden, aber aufrichtigen Verständigung-Willen bereit.(Keine Hand rührt sich zum Beifall, der erst einsetzt, als Henlein hinzusügt): Ein« solch« Völkergemeinschist kann aber nur dann befruchtend ftin, wenn wir gleich gegen gleich stehen. Di« Sudctendeutschen wollen ein« ehrliche Mitarbeit, Mitbestimmung und Miwerantwor- tung haben, aber als Gleichberechtigte und Gleichrangige. Die Ensscheidung liege auf der Gegenseite. Gegen seine Bewegung seien viele aufgetreten, aber man müsse den Mut haben, neue Wege zu gehen.(Zwischenruf: auch wenn sie dornig sind!) ER ruf« nur die Starken und Entschlossenen auf, di« noch innere Begeisterung haben.(Wer würde sich da nicht geschmeichelt fühlen!) Da- Bolk marschiere überdies schon und lasse sich in diesem Marsch von niemandem hemmen. Und dieser Glaube treibe ihn, in entscheidender Stunde„vorzuspringen" für Bolk und Heimat. Mit dem Appell dcS Vorsitzenden, recht zahlreich die auSge eilten Mitgliedsanmeldungen zu unterzeichnen, wurde di« Kundflebung ganz wie bei Hitlers ebenfalls ohne jede Diskussion geichlos. sen.-Henlein wurde mich zum Schluß von den begeisterten Zuhörern durch.Händeklatschen und Heurufe stürmisch gefeiert. Man merkte der überwiegenden Mehrzahl der Applaudierenden die große Freude darüber an, sich imch lange» Wochen politischen Fasten»— seit der Einstellung der beiden„nationalen" Parteien— endlich wieder einmal in öffentlicher Volksversammlung nach H:r- jzenslust in Heilrufen auf die deutsche Einigkeit ergehen zu können. Wieviel von der Begeisterung tatsächlich nur auf diese» Konto zu buchen ist, dürft« Herr-Henlein vielleicht nur allzu bald erkennen.... durchwegs. Hat er gerade«ine Frage des Vorsitzenden bejaht, so verneint er sie einige Augenblicke später. Den Zeugen' Müller will van der Lubbe nicht kennen. Auch in Konstanz will er zu der angegebenen Zeit nicht gewesen sein. Dimitrow richtet dann zahlreiche Fragen an van der Livbb«, d!« dieser nur einsilbig beantwortet. Der Vorsitzende sieht sich schließlich gezwungen«inzugreifen und Dimitrow zu ersuchen, seine Fragen in ruhigem Ton« zu stellen, da sonst der Eindruck entsteh«, daß er f«n«n einschücht«rn wolle. er rettet romlllenpaplere Als Zeuge wird h'eraus der nationalsozialistische ReichStagSabgrordnete Dr. Albrecht vernommen. Vorsitzender: Der Zeug« Pförtner Wendt hat schon bekundet, daß während des Reichstagsbrandes noch jemand aus dem Portal V gelaufen und von der Polizei zuückgeholt worden ist. Sie haben schon früher gesagt, daß S i c dieser Mann gewesen sind. Was können Sie dazu noch sagen? Zeuge Dr. Albrecht: Ich wohnt« damals in einer Pension, d'e nur etwa 80 Meter vom Portal V des Reichstages entfernt war. Am Abend des 27. Feber lag ich wegen einer Grippe zu Bett. Das Hausmädchen der Pension rief durch die Tür:„Der Reichstag brennt!' Darauf bin ich trotz meiner Erkrankung sofort au- dem Bett gesprungen, weil in meinem Wandschrank in unserem Hingang neben dem Plenarsaal wichtige Familienpapiere von mir aufbetvahrt waren, die ich unbedingt retten wollt«. Am Portal V rief man mir zwar zu:„Halt! Hier kommt n'emand, mehr herein!" Slber als ich meine Abgeordnetrnkarte vorzeigt«, wurde ich eingelassen. Ich riß schnell die von mir gesuchten Papier« heraus und stürmt« in größter Eile denselben Weg zurück und aus dem Reichstag heraus So hab« ich tatsächlich, wie«S nachher in der Zeiwng hieß,„fluchtartig^' den Reichstag verlassen. Torgler: Sie haben doch sicher auch die Zei- tungSmeldung gelesen, daß Koenen und ich flucht« arttg den RoichStag verlassen hätten. Kam Ihnen da nicht der Gedanke, daß vielleicht ein« Ver- tvechslung mit Ihnen vorliege? Zeuge: Dialer Gedanke kam mir deshalb nicht, weil ich ja allein war»ich well ztvischen unS nicht nur politisch, sondern auch rein äußerlich ein großer Unterschied bestanden hatte. * Hierauf wird der Friseunneister Grawe aus .Hennigsdorf vernommen. Er hat am 27. Feber früh,im Flur seines Hause» Lubbe im Gespräch init der Schwester des Schmidt und drei dem Zeugen unbekannten Männern gesehen. Der fremde Typ Lübbes sei ihm ausgefallen und er habe sich die Gesichtszüge gcnait gemerkt. Der Vorsitzende richtet an Lubbe eine Reihe von Fragen, die dieser stockend int d widerspruchsvoll beantwortet. Aus den Antworten Lübbes geht schließlich hervor, daß er die Leute, die im Flur bei Grawe standen, nicht Henlein entwickelt sein»Programm* Nichts als Hitlergesten und Phrasen von deutscher Einigkeit Kein wort von Demokrane! Lobbe kommt langsam zu sich? Er antwortet anl gestellte Fragen Nr. SC« Dienstag, 14. November 1933 Seite 3 gekannt hatj er sei in das Hau» gegangen, weil er Essen haben wollte und habe eS auch bekommen. Dann stellt Dimitrow Fragen an Lubbe, die-Lubbe prompt beantwortet. Eins Antwort erfolgt manchmal, noch ehe die Frage beendet ist. Dimitrow: Meiner Ueberzeugung nach ist die Brücke zwischen Lubbe und dem Plenarsaal d« S Reichstages über Hennigsdorf gegangen... Vorsitzender unterbrechend: Das sollen Sie nicht sagen, denn dadurch könnte die objektive Aussage des Angeklagten Lubbe beeinflußt werden. Dimitrow: Ach frage den Angeklagten Lubbe, ist eS richtig, daß es k e i n Z u f a l l ist, daß er am 26. Feber in Hennigsdorf übernachtet hat? Vorsitzender: Sie sollen keine Suggc» st i v f r a g e n stellen— und das war eine! Ich frage Lubbe: Aus welchem Grunde sind Sie nach Hennigsdorf gegangen und haben dort übernachtet? Lubbe schweigt zunächst und der Dolmetscher übersetzt dann seine Antwort dahin: Weil ich dort gut schlafen konnte(Heiterkeit). Dimitrow: Dort konnte man also gut schlafen. Ist es richtig, daß er von dort nach Berlin gefahren ist, daß an diesem Abend ein Brand im Reichstage gewesen ist und daß er dieser Brandlegung persönlich beigewohnt hat? Vorsitzender: Ich will noch einmal fragen. Lubbe, haben Sie die Brand» stiftung ausgesührt? Lubbe: Ja. Vorsitzender: Das ist di« Quintessenz der ganzen Untersuchung. Ich muß es aber ablehne», Dimitrow, nun gewissermaßen unter Ihrer Direktive nochmals daS ganz« Verfahren aufzurollen. Dimitrow: Ich frage, ob es richtig ist, daß er daS n i ch t a l l c i n gemacht hat. Vorsitzender: Haben Sie die Brandostung allein gemacht, Lubbe. Lubbe: Ja. Vorsitzenoer: War niemanddabei. Lubbe: Nein. Vorsitzender: Und es hat Tie auch niemand dazu veranlaßt? Lubbe: Nein. AIS Dimitrow weitere Fragen stellt, ersucht ihn der Vorsitzende, ruhig zu bleiben. Die Art seiner Fragestellung wirke suggestiv und sei wahrscheinlich eine beabsichtigte Beeinflussung. Torgler: Ich bitte die Frage an Lubbe zu richten, woher er die flüssigen Brenn- stoffe hatte, und wie er sie in daS Haus gebracht hat? Lubbe: Die habe ich gekauft. Da van der Lubbe die Frage möglicherweise nicht richtig verstanden hat, wird sie ihm noch einmal überseht und darauf erklärt er: E s war nicht flüssig, sondern Pakete. (Der Angeklagte lacht.) Vorsitzender: Mit den Kohlenanzündern können Sie doch aber den Reichstag nicht angesteckt haben! Lubbe: ES waren aber nur die Pakete. Vorsitzender: Ich halre«S für bester, daß wir die Befragung nach den Einzelheiten jetzt nicht stattfinden lassen. Lubbe hat noch Zeit genug, sich darüber zu äußern. Wir werden doch noch einmal den Verlauf dcS Brandes mit ihm durchgehen niüsten. Dann wird die Verhandlung auf morgen vertagt. Demission Hendersons London, 18. November. Wie Reuter aus Gens meldet, verlautet dort, daß Henderson die Absicht habe, sich von seinem Posten als Vorsitzender der Abrüstungskonferenz zurückzuziehen. Ter Grund für diesen Schritt sei darin zu suchen, daß Henderson mit der Entwicklung der Ab- rüjtungssrage nicht einverstanden sei. HeolraisMM In Rumänien Bukarest, 18. November. Ter König kehrte Sonntag nach Bukarest zurück, wo er den Mim- sterpräsidenten Bajda Bojevod empfing, der ihm die Demission des gesamten Kabinetts unterbreitete. Der König nahm di« Demission an>md begann sofort die Beratungen mit verschiedenen führenden Politikern. Nach zwei Audienzen erklärte der Vorsitzende der liberalen Partei D u c a, daß er mit der Bildung der Negierung betraut wurde. Er tverde versuchen, Georg B r a t i a n u und G o g a, den Führer der nationalen Bauernpartei, zu gewinnen. D u c a behielt sich vor, die definitive Antwort morgen zu geben. Pressevertretern erflärtc Vajda Bojevod, daß eventuell ein neutrales Kabinett Neuwahlen durchführen sollte, worauf die definitive Regierimg gebildet werden könnte. Morgen mittags wiich Duca vom König neuerlich«mstkangen werden. Es verlautet, daß er ein rein liberales Kabinett bilden wird. Komplhandlungen im fernen Osten New fsork, 13. November. Meldungen amerikanischer Blätter zufolge, welche über Alaska kommen, wird, wie in eingewcihten Kreisen verlautet, behauptet, daß die Sowjetgarnisonen im Fernen Osten einige japanische Flugzeuge abgeschosten und zwei japanische Hilfs- kreuzer an den Sibirischen Ufer» in die Luft gesprengt haben. Die offirillen Sowjetkreise dementieren diese Vorfälle. IM Mol- rote Deiiionslralioneii! Mit Spannung hat die gesamte Oeffentlichkeit, insbesondere die sozialistische Oefsentlichkeit, dem 12. November in Oesterreich«ntgegengesehen. Die Regierung Dollfuß hatte jede Demonstration zur Feier des fünfzehnjährigen Bestandes der Republik verboten, di« Arbeiterschaft jedoch ließ es sich nicht nehmen, aus den Gassen der Hauptstadt zu zeigen daß sie da sei. Mit roten Nelken und dem Treipseilabzeichen erschienen Tausend« und aber Tausende von Sozialdemokraten Wiens, bekannten sich mutig zu Ihrer Gesinnung trotz Polizei und Militär, trotz den Revolvern und Gewehren der bewaffneten Macht, Ruhig, selbstbewußt und entschlossen hat die Wiener Arbeiterschaft am Sonntag demonstriert— trotz dem Verbot der Negierung. Die Polizei versuchte einigemal zu provozieren, gebrauchte den Gummiknüppel und ver, letzte u. a. auch den Wiener LandtagSprasidrnten Genossen T h a l l e r. Verhaftet wurden u. a. der Sekretär der Sozialistischen Internationale Genosse Fritz Adler, der in seine Heimat gekommen war, nm mitzudemonstrieren, und Genosse Julius B r a u n t h a l, der Chefredakteur des„Kleinen Blattes". Führer und Massen haben demonstriert und haben dadurch den Auktro- faseisten gezeigt, daß st« nicht gewillt sind, sich zu beugen. Die österreichische Sozialdemokratie ist da und sic wird das den Herren Dollfuß und Fey noch deutlicher zum Bewußtsein bringen. Die österreichische Arbeiterschaft ist kampfentschlossen, der Tag der Abrechnung wird kommen! Tie Sozialdemokratie Oesterreichs führt ihren Kamps tveiter unter der Parole, die einst Victor Adler auögab: Sich nicht einschüchtern lassen und nicht provozieren! 230.000 Arbeiter in den Straßen Wiens Zahlreiche verhaftete, darunter Fritz Adler Landtagspräsidenl maller verletzt Ueber den Verlauf der Demonstrationen erhalten wir aus Wien folgenden Bericht: Der gestrig« Tag der Republik hat in Wien «ine schwere Enttäuschung für die Regierung gebracht. Alle Versuch«, die Demonstrationen der Arbeiter zu verhindern, sind völlig fehl geschlagen. Die Regierung hatte schon während der Nacht zum Sonntag die ganze Stadt mit Polizei nnd HeimwehrhilfSpolizes besetzen lassen. Vom frühen Morgen an suhren durch alle Hauptstraßen der Bezirke Ueber- fallautoS mit Maschinengewehren. Sie hinderten die Wiener Arbeiter irdoch nicht daran, der Parole zur Feier der Republik in ungeheuerer Zahl Folge zu leisten. Da alle Umzüge untersagt waren, zogen 250.000 Arbeiter mit roten Nelken nnd Parteiabzeichen geschmückt in den Arbeiterbezirken auf die Straßen und demonstrierten angesichts der Maschinengewehre der Regierung durch Massenspaziergange sür die Republik. Brutales Vorgehen der Polizei Die Polizei ging gegen dl« Demonstranten mit einer Brutalität vor, di« man in Oesterreich bisher noch nicht gekannt hatte. Besonders im Dritten und im Zwanzigsten Bezirk kam«S zu schweren Zusammenstößen, die zahlreich« Verletzte forderten. Zwanzig Demonstranten wurden schwer ver- letzt; unter ihnen befindet sich auch der sozialdemokratisch« Präsident deS Wiener Landtages T h a l l e r, der von einem Polizisten einen Hieb mit dem Gummiknüppel über das Gesicht erhielt, so daß er eine schwere Wunde um daS Auge davontrug. Im Dritten Bezirk wurden übrigens auch drei Wachleute von der erbitterten Meng« niedergeschlagen. Die Demonstrationen dauerten bis in die Nachtstunden und erreichten ihren Höhepunkt in dem Augenblick, als viel« Hundert« kleiner BallonS mit roten Fahnen über Wien anfstiegen, die von der Menge mit Jubel und Freiheitrufen begrüßt wurden. Auch auf zahlreichen Häusern und Fabrikgebäuden hatten die Arbeiter rot« Fahnen ausgezogen, obwohl die rote Fahne in Oesterreich verboten ist. Alarmabteilunqen der Polizei bemühten sich vergeblich, all« die roten Fahnen«inzuziehen; kaum war«in««ingezogen, waren drei andere anSgehängt. Im Lause de» Vormittags wurden von der Polizei mehr als zweihundert Arbei- Pie Nazis Ignorieren Auf dem Nachen Land« haben die Haken, krenzler ihre Aktionen trotz dem Standrecht nur noch verstärkt. Polizei und Gendarmerie mußte gemeinsam an zahlreichen Stellen Hakenkreuzsah. ne» beseitigen. Zahlreiche brennend« Hakenkreuze erleuchteten die Umgebung vieler Städte des flachen Landes und die Städte selbst waren durch nationalsozialistisches Propagandamaterial überflutet. An einigen Stellen crplodierten neuerdings wieder Petarden und Gasbomben. So wurden in Linz fünf Petarden, I« Judenburg zehn zur Explosion gebracht. In Ried wurde ohne Rücksichtnahme auf die Verkündung des Standrechtes vorgestern sooar«in« Bombe gegen das Haus des christlichsoziale« Bürgermeisterstellvertreters Dr. König geschleudert, und am gestrigen Tage wurde eine zweite Bombe in den Garten desselben Hauses geworfen. Di« erste Erplosion hat keinerlei Schaden angerichtet, durch die ztveite gingen zahlreiche Fenster in Trümmer und es wurde das Haus und auch der Garten Dr. Königs leicht beschädigt. Zur gleichen Zeit hißten die Nationalsozialisten aus dem Dache der Bezirkshauptmannschaft in Ried ein« Hakenkrenzsahne, in die eine Dynamitpatrone ein- gewickelt war. Ter die Fahne beseitigende Polizeibeamte bemerkte zur rechten Zeit die Patrone mid verhinderte deren Explosion. Einige Stunden später explodierte«ine Petard« in der Druckerei des chrlstllchso^ialen Wochenblattes..Rieder Volksblatt". Hier wurde geringfügiger Schaden ang«. richtet. Auch gegen die elektrisch« Fernleitung wurde an einigen Stellen, so vor allem in Dorn. birn. {neue nationalsozialistische Anschläge verübt. Cs ter verhastet. Auch der Sekretär der International« Friedrich Adler und der Chefredakteur deS„Kleinen Blattes" Julius B r a u n t h a l befanden sich unter den Verhafteten. Friedrich Adler wurde das erstemal verhastet, weil er bei den Demonstrationen«in Parteiabzeichen trug; als er dann wieder freigelassen worden war, wurde er ein zwriteümal verhastet, weil er die Demonstranten mit Freiheitrufen begrüßte. Er und Braunthal wurden länger als zwei Stunden auf der Polizei zurückgehalten, «he man sie wieder in Freiheit setzte. Men ein üelmwelirlager Di« Demonstrationen haben in Kreisen der Regierung schwer« Enttäuschung hervorgeruscn und die Regierung zu nenen Maßnahmen veranlaßt, da sie sehen mußte, daß ihr« Exekutive nicht auöreicht, um der Wiener Arbeiter Herr zu werden. Im Laufe deü gestrigen Nachmittags wurde di« gesamte Heimwehr-Hilsüpolizei, die vor wenigen Tagen erst einberusen worden war, aufgeboten, um in Wien Dienst zu machen. Seither gleicht Wien einem wahren Heerlager der Heimwvhr. An allen Straßenkreuzungen und bei allen Brücken stehen Heimwehr. Patrouillen, di« Gewehrpyramiden vor sich errichtet haben. Beritten« Wachleute zeigen sich überall, auch Maschinengewehrautos durchfuhren sowohl gestern wie auch heut« die Stadt. Di« Unruh« ist besonders deshalb groß, weil die Gerücht« über Aktionspläne der Hakenkreuzler sich immer mehr verdichten, di« Polizei behauptet, sicher« Informationen zu haben, nach denen die Hakenkreuzler vor nnmittel» baren großen Aktionen in Wien stehen. Di« Staatspolizei will sogar Nachrichten erhalten haben, nach d«r diese Aktionen sür heut« nachts geplant seien. Unter den Arbeitern Wiens hat der gestrige Sieg über das Verbot der Negierung große Befriedigung auSgelöst unb einen Teil ber Erregung der letzten Tag« zur Entfpannnna gebracht. Nichtsdestoweniger herrscht« heute früh in den Betrieben große Unruh«. In einer Reibe von Betrieben waren bie Arbeiter erst gegen Mittag dazu zu bewegen, die Arbeit anszunehmen. In einer der größten Wiener Fabriken, in den Fiatautomobilwerken, wurde bis in den Nachmittag hinein gestreikt. das Slandredit! werden auch einige Nevolverangrifle aus Assistenzposten gemeldet, bei denen jedoch niemand zu Schaden gekommen ist. Revolversditisse gegen den Sohn lir. steldles Innsbruck, 13. November. In der Nacht auf Sonntag ereignete sich auf der Straße zwischen Seefeld und Scharnitz ein Mordanschlag geaen ein Auto, welches mit Innsbrucker Heimat- schlltzlern besetzt war. U. a. saßen in dem Kraftwagen auch der Sohn des Tiroler Sicherheitskommissärs Dr. S t«i d l« und der Kommandant dyc Innsbrucker Heimwehr Benz. Als das Auto den Schloßberg passiert«, fielen vlötzlich ans dem Hinterhalt mehrere Revolverschüsse. Die Hcimat- sthühler erwiderten das Feuer und nahmen die Verfolgung der Angreifer auf. Diesen ist es aber gelungen zu entkommen. Man nimmt an, daß die Attentäter es in erster Linie auf den Sohn Dr. SteidleS und auf. den Heimwehrkommandanten Prnz abgesehen hätten. Pensudel an die Internotloiiole Paris, 12. November. Abgeordneter Renan, bei richtete an sämtliche Mitolieder des Exekutiv, ausschufles der Sozialistischen Arbeiter-Inter, nationale ein Schreib«», worin er namens seiner Genossen an die Internationale appelliert. Er sagt, daß die Ausschließung aus der französischen sozialistische« Partei ohne vorherige Befragung ver Internationale erfolgt sei und ersucht, daß diese zu dieser Tatsache öffentlich Stellung nehme. Karr Henlein spielt Hitler! Sonntag hat-Herr Konrad Hc.nlein, der „Führer" der Sudeicndcutschen Heimatsfront, in Reichen berg seine erste öffentliche Versammlung abgehallen. Diese Versammlung muß aus mannigfachen Gründen als die erste K u n d- g e b u n g des deutschen städtischen Bürgertums in diescni Lande nach der Einstellung der nationalsozialistischen und dcutschnationalcn Partei angesprochen werden. Schon in der äußeren Aufmachung war die Kundgebung in der Rcichenberger Turnhalle eine getreue Kopie nationalsozialistischer Veranstaltungen im Reich. Ter autoritative Charakter der neuen Partei und die Führerrollc Heilleins wurden sehr aufdringlich betont, eine Debatte von allen: Anfang als unzulässig erklärt. Aufschriften wie„Konrad Hcnlctn macht Euch frei von Brudcrhaß und Zankpartei" oder„Mit Konrad Henlein sür Heimat und Volk, für Arbeit uird Brot" bewiesen ebensosehr wie die Ruhmes- worte, die Henlein persönlich für sich fand, daß hier eine Hitlerkopic entsteht. Preußische Militärmärschc bildeten die nmsikalische Um- rahniung des Aufmarsches. WaS Henlein sagte, ist eben, weil es s o unklar als irgendmöglich, ein Gefühlsgallert ohne jedes Gedankcngerüst war, eine typische Programm erklär u ng nach reichsdeutsche m M u st e r. Es fehlte in ihr nichts von den Phrasen, die man von Hitler uiid Goebbels tausendmal gehört hat und noch hört, aber es fehlten bezeichnenderweise jene K v m- plimente an die Deniokratic und den republikanischen Staat, mit denen Henlein sich am 8. Oktober den Journalisten v o r g e st e l l t hatte. Betonte er damals die unbedingte Gefolgschaft für Staat und demokratische Idee, so kommt in seiner Reichenbcrgcr Rede das Wort„Demokratie" nicht mehr vor. Es war bezeichnend, daß im übrigen seine Gcsolg- schaft frenetischen Beifall spendete, wenn er fast wortwörtlich Hitlerschc Phrasen zitierte, daß sie aber kein Zeichen der Zustimmung gab, wenn er, schüchtern und verklausuliert, von der Verständigung der Völker sprach. Das darf nicht Wunder nehmen, denn die Gefolgschaft des Herrn Henlein, das ist einfach die Mitgliedschaft der aufgelösten f a s e i st i s ch e n Parteien. In Rcichenberg ergab der Augenschein, daß die Besucher der Kundgebung in der übergroßen Zahl Mitglieder der Turnvereine und des DHV, also der zwei bedeutendsten hakcnkreuzlcrischcn Tarnverbände und selbstverständlich ehemalige Angehörige und Sympathisierende der Nationalpartri und der Jung-Partei waren. Das sudetcndeu Ische Volk war seit dem Frühjahr 1933 derart durchpolitisiert worden, daß cs sür eine neue Partei gar keine wirklich neutrale Schicht mehr gab, in der sie Boden fassen konnte. Auch heute stehen Landbündlcr, Christlichsoziale, Gcwcrbcpartci und selbstverständlich die Sozialdemokratie außer der Hcnleinfront und gegen den Versuch, eine getarnte Hitlerbcwcgung neu aufzubaucn. An>v e n wendet sich Henlein? Wer sind die Tausende, die er in seinen Versammlungen wahrscheinlich auch anderSwo haben wird? Es sind die Gefolgsleute der Jung, Krebs und Horpynka, die in der Heuleinfront eine neue Heimat suchen und finden. Charakteristisch ist die Arroganz, mit der Henlein eS ablehnt, seine„Bewegung" als Partei, die sie doch ist, anzukündigen. Nach bewahrtem Muster spricht er von der Abneigung des Volkes gegen die Parteien, von der Belastung durch die Sckretärgchälter, von den Parteiprogrammen, die nichts helfen. Da er aber wie die anderen Parteibeiträge einhrbt(2.50 ll? monatlich, von anderen „Spenden" einmal abgesehen!), da er heute schon über einen ansehnlichen Apparat zu verfügen scheint, wird eS klar, tvaS ihn allein von den verachteten und leidenschaftlich bekämpficn„Parteien" unterscheidet: sein Anspruch auf Totalität, den er vo>t Hitler übcrniniint. Er ivill gar nicht wie andere Parteien und mit ihnen uni Macht und Einfluß ringen, sondern wie jede echt fascistische Partei die übrigen Parteien vernichten, um allein herrschen, den Staatsapparat an sich reißen zii können. Daß er dabc« an eine größere m i t t c l e n r o p ä i s ch e Kombination denkt, verriet er in seiner These vo>i„Böhmen als dem Hcrzland Europas", von der notwendige» Gleichberechtigung in Europa(gesprochen am selben Tage, da Hitler seine Zivangsabstiiuniung durchführen und durch seinen Büttel Gerhart Hauptmann verkünden ließ, daß die Verweigerung der Aufrüstung den Krieg bedeute). Geist vom Geiste Hitlers sind Henleins pathetische- Wendungen von„Ehre, Würde, Recht» Heimat, Volkstum" und— er hat Hitlers Vokabular um dies neue Wort bereichert—„Bereitheit". Durch all diese Phrasen braust es wie Schwcrtgcklirr und Wogenprall. Wenn der Mann, der sie auvspricht, sich dann noch seiner persönlichen Vorzüge rühmt, seiner Tapferkeit, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, wenn er sich als „Arbeiter" und„Frontsoldat,! n" vorstellt, auf seine Kriegsauszeichnungen verweist, wenn er die„schaffenden Stände" aufruft, die„Arbeiter des Kopfes und der Hand", so hört man die nationalsozialistische Diktion aus jedem Sah, beinahe aus jedem 'Wort dieses neuen Heiligen, der das Rezept Hitlers doch nicht anwendet, um der Demokratie zu dienen, sondern um zu dem Ziel zu gelangen, an das Hitler gekommen ist. Wie Hitler geht er ztvar Klaffenkamps und Marxismus an, weiß aber, daß cs zunächst die Belle 4 Dienstag, 14. November 1933 Nr. 266 Sic denunzieren für Hitler! Ein unglaublicher Exzed der Cltrlstlldisozialen bürgerlichen Parteien zu überrennen gilt. Als die Parteiführer(nach früherem Geständnis die f a s c i st i s ch c n Führer) ihn an die Spitze der Hcimatsront riefen, habe er die Selbstauflösung von mindestens vier großen Parteien gefordert — also von allen suoelendcnlschcit Büraerpar- tcicn— und sich geweigert, aus anderer Grund» läge zu arbeiten. Faktisch repräsentiert er heute zwei aufgelöste Parteien und sein nächstes Kampfziel ist sichtlich die Tczinuc. rung der C h r i st l» ch s o z, a l c n. Nach ihnen dürfte der Landbund aus dem Programm stehen und die Herren Hilgenrcincr und Spina werden in den nächsten Monaten gut daran tun, recht nachdrücklich an Brüning, Held, Hugcuberg und Obcrfohrcn zu denken! Kein Zweifel, daß die sudctendcntschcn Fascisten dem neuen Heiland begeistert znströ- mcn werden. Er bringt alles mit, was sic brauchen: einen n a> v c n G l a u b c n an sich und seine göttliche Berufung, der sich wie in«n Betrag veruntreut zu haben. Erst später gab sie zu, daß sie gemeinsam mit dem Araber Abd e l Mira Malver- sationen begangen hab«, der im Zirkus die Funktion eines Billeteurs versah. Mira hat'« den Inhabern teuerer Plätze die Billette ganz abgenom- Schöne weiße Zähne sind bestimmend für den Erfolg eines Lächelns. Es ist so einfach, die Zähne in ihrer natürlichen Schönheit zu erhalten, wenn man es nur richt g macht. Benutzen Sie morgens und abends Chlorodont-Zahnpaste auf der trockenen Zahnbürste. Der mißfarbige Zahnbelng verschwindet, die Zähne erstrahlen im senünsten Elfenbeinglanz. Schöne weiße Zähne in einem lachenden Mund üben eine starke Anziehungskraft aus. Csl. Erzeugnis. Tube Ke 4.-, Reaktion in Lettland. Der Kampf um den lettischen Schutzbund. Von Abg. Riga, Ettde Oktober. Di« Bourgeoisie Lettlands ist unter dem Einfluß Hitler-Deutschlands und der saseistischen Erfolge im Ausland immer mehr nach rechts ms Lager der offenen Reaktion abgeschwenkt. Der erste Schlag galt dem Arbeiter-Sport- unü Schutzbund. Am 5. September hat daS KreiSgericht zu Riga bis zur Hauptverhaudlung die Tätigkeit des Bundes verboten. Als formelle Motive galten der militärische Charakter und die politiscke Betätigung des Bundes, obgleich die Organisation nicht di« Bestimmungen der lett- ländischen Gesetze übertreten hatte. Dl« ganze bürgerliche Presst schrie aber von geheimen Rüstungen und großen kotrsvirativen Lagern von Revolvern, Geivehren, Handgranaten, Maschinen- gewehren und Munition, di« angeblich im Besitz des Schutzbundes sich befinden sollten. Dies« Nachrichten, sowie der Wunsch die Abtvehrorga- nisation der Arbeiterschaft zu vernichteii, lvaren die wirklichen Gründe für dst Sistierung des Bundes. Es war das Klasiennrteil eines Gerichtes, tvelches aus reaktionären Richtern bestand, die bemüht waren die Geschäfte der Reaktion und des FastlSmus zu besorgen. DaS Urteil traf nicht nur di« Ordnerforntalionen, sondern den ganzen Bund mit all feinen Sportsektionen. Ja, sogar die Roten Pioniere, Kinderabteilungen, welche aus sechs bis vierzehn Jahve alten Ar- belterknaben und Mädeln bestanden, sind verboten worden! Der Terinin der Hauptverhandlung im Gericht ist noch nicht bekannt. Die sozialdemokratischen Arbeiter gaben aber nicht nach. An Stell« des verbotenen Verbandes strömten sie zu Taustiiden in den Arbeiter- Sport- und K r a f t b u n d, der seit 1928 bestand und fetzt die Aufgaben des aufgelösten Bundes übernahm. Es wurde aber sofort ein Gerichtsverfahren auch gegen dies« zweite Organisation eingelcitet. Am 26. September hat dasselbe Kreisgericht auch die Tätigkeit dieses Bundes eingestellt. Als Begründung galt dieses- mal der ganz merkwürdige Hinweis— der Sport- und Kraftbund hätte sich zu wenig betätigt! Durch dieses empörend« Urteil hatte di« reaktionäre Justiz Lettlands den zweiten Bund zu Fall gebracht. Zur gleichen Zeit behandelt« dasselbe rigasche Kveisgericht di« Anregung des Jnnenmlniste« riums die Fascistenorganisation„Perkon- krusts"(Donnerkren;) zu verbieten. TaS„gerechte" Gericht hat aber diesen Antrag a b gewiesen! Daher können ine lettischen Hitler- Leute, die die Errichtung einer fascistischen Diktatur erstreben, nunmehr unbehelligt ihre vcr- brccherische Tätigkeit weiterhin entfalten. Arbeiterorganisationen, tvelche die demokratisch)« Republik verteidigten, werden eiligst verboten, fasci- stische Putschisten können aber alles tun, um die Demokratie zu vernichten,— so sicht jetzt die „Rechtsordmmg" Lettlands aus! Die reaktionäre» Tendenzen haben sich noch weiter entwickelt. Am 28. September hat die Re- gstrung eiite Aenderung desBereins- g e s e tz e s dekretiert. ES sind voni 10. Oktober alle Schutz- und Ordnerformationen der politi- schen Parteien und Verbände, sowie di«,Uniformen lind Abzeichen für sämtliche Vereine ver- mcn, di« er dann der Koökovü zurückbracht-'. Auf die'e Weise wurden bedeutende Summen erbeutet. Außer der Koökovü wurden auch ihr S ch w a ge r Boldkich sowie einige weitere Personen verhaftet. Deutsches Wahlgeheimnis. Als Deutschland noch ein Rechtsstaat war, erzählte man sich bereits folgende ost preußische Wahlgc- schichte: Der Gutsbesitzer und Wahlvorsteher übergibt den Wählern das Wahlkouvert bereits verschlossen und mit dem Stimmzettel darin. Ein soüveräner Wähler muckt auf und fragt, wie er denn nl»r seine Liste ankreuzen soll«.„Aber Manntje," erwidert väterlich der Grundherr, „wo denken Sie denn hin? Es ist doch jehejm« WoahlI" Politischer Mord. AuS Gladbach. Rheydt wird gemeldet: In Hochneukirch kam eS Sonntag nachts zu einer Schießerei. Der 22jährige SA-Mann Heinrich Esstr aus Otzenrath wurde durch einen Bauchschuß so schwer verletzt, daß er in der Nach: im Krankenhaus st a r b. Der OrtSgruPPenlciter der NSDAP in Hochneukirch. Abels, wurde durch einen Schuß verletzt. Der Täter, ein Mann aus Otzenrath, wurde verhaftet. Er Ist geständig. Bruno Kalnin. boten tvordcn. Diese Verbote beziehen sich aber nicht auf die 28.000 bewaffneten Bauernbündler der Afzsargi(Schntzwrhr). DaS Verbot trifft also hauptsächlich nur die Organisationen der Arbeiterschaft— die Proletarischen Sport- und Jugrndvcrbände. Die Arbeiterschaft Lettlands befindet sich seit Wochen in größter Erregung und Empörung. Eine Reihe von Protestversammlungen fanden unter Beteiliguilg großer Aroeiternrasien im ganzen Lande statt. In Riga kam es nach einer Massenkundgebung zur spontanen Straßcndemon- stration vom BolkSyauS ins Zentrum der Stadt, wobei Zusammenstöße mit der Polizei entstanden. In Libau marschierten mehrere Bataillone des kurländischen Schutzbundes ob»« Erlaubnis der Behörden zur Trutzoemonslranon durch die Straßen der Stadt und die Polizei wagte nicht eiu- zugreistn. Die Verbote Huben aber ihren Ztveck nicht erreicht. Am 12. September mußte dc.S Gericht die Statuten eines neuen Arbeitersport« Verbandes„C i n a"(Der Kainps) registrieren. Der neue Verband hat unverzüglich ein« sehr rege Tätigkeit entfaltet. Am 1. Oktober fand in Riga schon der erste Kongreß dieses Verbandes statt. Des weiteren sind am 3. Oktober die Statuten auch einer Kinderorganisation„Arbeiter- Pionier"^ vorgelegt worden. In den nächstei» Tagen dürsten noch zwei weitere Verbände— die Arbeiter-Schützen und die Arbeiter Samariter ihre Tätigkeit beginnen. Diese verschiedenen Sportverbände sollen sich dann nach cinigeit Wochen in einen Arbeiter- Sport- Bund vereinigen. Di« Mitglieder- und BereinSzahl der neuen Verbände bcsiiidet sick in raschem Aufstieg. Es ist also" der lettländischcn Reaktion doch nicht gelungen der Arbeiterschaft die legalen Be- tätigungSmöglichkciten ihrer Sport- und Wehrorganisationen zu rauben! In neuer Organisa- tionSform und unter andrem Namen wird die proletarische Wehrhaftigkeit auch künftig gepflegt werden. Sozialistische Initiative Lettlands zusMnde^ekommen Die von der Sozialdemokratische» Partei organisierte Initiative für die Einführung der Alters-, Invaliden- und Arbeitslosenversicherung in Lettland ist zustandcgekonimen. Innerhalb kurzer Zeit sind rund 200.000 Unterschriften ac- santmcll worden. Berücksichtigt man, daß die Initiative nur von der Sozialdemokratischen Partei befürwortet war, so ist diese große Unterschriftenzahl ein durchschlagender Erfolg für die SP., besonders wenn man bedenkt, daß die Unterschriften in einem öffentlichen Lokal unter der Kontrolle eines Staatsbeamten abgegeben>v«r- den müssen. Die Initiative geht nun an daS Parlament; nimmt dieses den Vorschlag an, so wird die Initiative zum Gesetz. Erst für den Fall, daß sie abgelehnt würde, müßte das Volk in einer Abstimmung entscheiden. Das Organ der SP.,„Socialdcmokrats", ist der Meinung, daß es zur V o l k s a b st i m m u n g kommen wird. Knüppelhelden müssen natürlich verbleie», daß eines Viktor Adler Andenken gefeiert werde, der um die Jahrhundertwende, als einziger Sozialdemokrat im niederösterreichischen Landtag, den tobenden Antimarxisten zures:„Sie haben versucht, mich niederzubriillen, Sir haben mich auf Ihre Art begeifert und beschimpft. Das ist eine Ehre für mein« Sache und niich. Ich dank« Ihnen dafür. An dem Tage, da ich Ihren Beifall fände, kaufte ich mir einen S t r i cks" * Für seine Auffassung vom Führertum einer sozialistischen Partei ist sein Wort bezeichnend:„Lieber mit den Arbeitern untergehcn, als gegen sie recht behalten." * Wegen seiner Reden wurde Adler vor dem Schwurgericht Reiche»berg der Aufreizung etc. angeklagt. Der Staatsanwalt appellierte in keiner Schlußrede an die Geschworenen, sich der außerordentlichen Klugheit des Angeklagten bewußt zu sein, di« ihn aber auch als urteilsfähig genug erweist, um die ganze Gefährlichkeit und Strafbarkeit seiner Wort« zu erkennen. Adler erwidert«, der Ankläger hab« ihm besondere Klugheit nachgesagt, leider müsse er selbst so unhöslich sein, dieses Kompli ment nichiz» rückgeben zu können Und Sann folgt««in« Widerlegung, die selbst die bürgerlichen Geschworenen veranlaßte, den sozialistischen Agitator freizusprechen. 1803 sprach Adler in mehreren Versammlungen in R o r d b ö h m e n. In Schlag bei Gablonz a. N. glaubt« der Herr Oberlehrer den Referenten mit der Frag« in Verlegenheit zu setzen:„Ja, Herr Doktor, wer wird mir denn im Zukunststaat die Stiefel pupen?" Aber Adler erwidert«:„Na, so werd« halt ich Sie Ihnen putzen!" und halt« die Lacher auf seiner Seit«. Vom Prager Rundfunk Am Montag sprach Prof. Dr. Bernhard Brandt- Prag über Madrid, entwickelt« in einfach-sachlicher Darstellung aus dem geschichtlichen Werden daö Gegeuwarrsbild der Stadt, das uns recht anschaulich wurde. Leider blieb wieder das Sozial« und Wirtschaftliche als Untergrund d«S sichtbar Zugänglichen im Dunkel, wogegen der Vortrag etwa zehn Minuten vor dem Termin zn Ende und, da nichts vorgcsorgt war, die kostbar« Sendezeit verlorenging. Da sich die Sprechzeit nach dem voreingrsendeten Manuskript genau berechnen läßt, müssen wir in dieser Lück« mangelnde Vorsorge der Sendeleitung ankreiden. Wir haben schon recht« Sorgen mit dieser anonymen Dame Roch zwei Vorträge der Woche sind bemerkenswert. Han- R a n d l o s f sprach über die Menschen ohne Heimat, die ungefähr drei Millionen Europäer ohne Staatsangehörigkeit. Politische, verwaltungstechnische und persönliche Gründe haben sie ihrer SraatSbürgerschast beraubt und alS unselige Schlemihle ohne Schatten irren sie durch die Länder, nirgends ist ihre- Bleibens, nirgends dürfen sie richtig arbeiten, sie stehen außerhalb aller sozialen Gesetzgebung, dem nackten Elend preisgegeben. Biele von ihnen haben schon den Sprung ins Nicht- diesem ziellosen Nnrdaseln vorgezogen. Allein der Völkerbund könnte ihnen helfen: er müßt« sie mit einem international gültige» AuS- weiüpapier nach Art des RanstnpasieS begaben und eine international wirksame Arbeitsvermittlung kür sie einrichten. ES ist ja furchtbar und die Geschichtsschreiber späterer Zeiten werden eS gar nicht glauben wollen, welche grotesken Formen di« Verwirrung unserer Epoche angenommen hat In der A r b r i I r r s e n d u n g hörten wir den Genossen Fachlehrer Josef Hudl-Aussig, den Obmann der ReichSvcreinigung deutscher sozialdemokratischer Lehrer in der CIR. Er skizzierte die Aufgaben der deutschen Schule. Sir soll unsere Kinder befreien von der Barbarei des Döl- kerhasieS und hinanfsühren zu der Geistigkeit einer neuen Zeit, zu sozialem Empfinden, zn selbständigem Tenken und Urteilen, zum DcraniwortlichkcitS- gesühl dcS demokratischen Menscheu. Doppelt notwendig ist ihre Arbeit, da die Familie in der Not der Zeit ihre ErziehungSausgaben nicht mehr erfüllen kann. Der Lehrer muß von bürokratischer Bevormundung befreit, die Eltern sollen zu lebendiger Teilnahme am Leben und Streben der Schule gewonnen werden, Schul« muß Volkrsache und Jugend, Eltern und Lehrer müssen zn einer Gemeinschaft werden, in der keines der Glieder Objekt ist, alle z» freudiger Arbeit verbunden sind. Mit diesem schönen Vortrag hat di« Arbeitersendung, wie schon so ost, eine Lücke in unserer deutschen Sendung ansgefüllt,— da sind wir so beschäftigt, Hinz und Kunz mit ihren Steckenpferdchen Hohr Schule reiten zu lassen, daß uns für di« ernsten Frage» der gewöhnlichen Volksschule kein Rauni bleibt. Dieser Zusammenhang läßt u»S aber wieder einen weiteren Blick tun, »usrcm prophetischen Blick erscheint ein annoch nebelhafte- Zukunstsgebildc— der deutsche Sender in unserer Republik. Wir all« habe» deni Kcnossen Taub dankbaren Beifall gezollt für seine Worte unlängst in« AußenauSschuß dcS Parlaments, nnd gerade diese Frage eines regel- nläßigcn pädagogischen Funks beweist, wie dringend nölig dieser deutsch« Sender für uns hier ist. Vor einem Jahre noch gab eS die ausgezeichneten, meist erfreulich fortschrittlichen pädagogischen Sendungen aus Deutschland, aus denen wir viel Anregung erfuhren, wenn auch immer di« Einschränkung bestand, daß wir für unsere besonderen tschechoslowakischen Verhältnisse nichts einfach von draußenher übernehmen können Nun aber ist- damit aus,— dir Prügrlpädagogen des Dritten Reichs mit ihrer parieidilettanlischen Rasienkunde, ihrer heldenverchrendeu Geschichtsverfälschung und ihrem Hurradrill können nur noch als abschreckend« Gegenbeispiele vertvendct werden. Reichsdeutschen Funk kann man überhaupt nur noch in kleinen Dosen genießen, weil nicht-gleichgeschaltcic Nerven alSbald zu rebellieren beginnen. Indessen pflegen wir den Schulfunk, gerade kleine Landschulen sollen dcS Vorteils eines Empfängers teilhaftig sein Und alle diese Lehrer, vielfach stundenweit von jedem größeren Ort, von jeder kulturellen Anregung entfernt, durch daS Ausmaß ihrer Dienstbezüg« am Ankauf von Büchern und Zeitschriften verhindert, könnten durch das Radio ständig über di« pädagogischen Bestrebungen und Errungenschaften der Zeit, über dir besonderen Fragen des heimischen Schulwesen- unterrichtet werden,— daS geht natürlich nicht in der halben Tagesstunde unserer jetzigen deutschen Sendung Einer von den vielen Gründen, die es gerade den wärmsten tschechoflowakischen Patrioten nahelegen müßten, so schnell wie nur möglich den deutschen Sender einzurichten. Aller- dlngS müßte dieser Sender seine eigene, unabhän gig« Leitung bekommen, die Arbeit der bisheriger, ist— liehe oben— nicht danach angetan, daß man ihren Wirkungskreis erweitert sehen möchte Fürstenau. Altor Adlers Gellt. Veite 8 Dienstag, 14. November 1033 Nr. M PRAGER ZEITVNG Gerichtssaal Kunst und Wissen Sport' Spiel- KörnerDllene Der Film Aus der Partei Uhr Vereinsnadiriditen VERLANGET UEFERALl btt bem | I Per rb. ju bem u it b M a- gezeichneter bie f i n f o- iinfonisches Der Verband der Musiker-Organisationen heute abends im RepräentationShau» eine glieberversammlnng ab, in welcher über die der Der u s-5m u j i le r berichtet werden wird. Dor der letzte» Schwurgerlchtoperlode. Kurz nach Beendigung der dritten diesjährigen Schwurgerichtise'sion beginnt am Donnerstag, den 16. d M. bereits die vierte und letzte dieses Jahres, die nach dem vorlänf'gen Voranschlag bis zum 30. November dauern wird. Ans der Tagesordnung stehen einstweilen elf Fälle, darunter vier Anklagen wegen vollbrachten oder versuchten Mordet. Zwei Prozesse sind auf zweitägige Handlungsdauer berechnet. Schmerzen St r n« n s i ch 8 abendS: Deutsche Revolution und Konterrevolution. Rezitationen, Vorlesungen, Reserat, Schallplatte«. 2m Heim der S. I/ ll. benlscherseiis sollte und gesühlsechtr» ist der periöisttch, tschechischen Ton- seiner Toniprache A ugenvbewegunq. S. 3. 1. Dienstag, den 14. November, Die Deutsche Volkssinggemeinde veranstaltet meinsam mit dem A l n s am 18. November cbten Unterhalt nngSabend mit reichem Programm: Volkslieder im Männerchore. Bühnenschau- turnen und Mtlsik. ersckütlernber Tragik des musikalischen Ausdrucks, in dem Snk die Klage um die verlorene Gattin sing! und der. Tab seines grasten Schwiegervaters Anton Tvof-ük verherrlicht. Wenzel Ta l ich, der— stürmisch begrüsti— nach langer Zeit wieder am Diri- genienpulie der tschechischen Philharmoniker erjchie- neu war, war den Werken, namentlich der„Asrae."- Sinsonie, ein l.idenschasilich hingegebener Mittler, ber bas Orchester meisterlich znsamineichielt und zu groster Klangentsallnug'ührie. Die Begeisteruiig bei diesem Konzerte war im Auditorium ebenso grast wie aus dem Knustlerpobinm— Ein zweites O r- chesterkouzerl hatte die Tschechische Phil- Harmonie am Staatsfeierlag bestritten. Mu einer Gesamiansslihrnng des S i n so n i e n zy k l u r „Ri ein Ä a t e r l a ii d" von 2 m e t a ii a, diesem einzigartigen und grostarrigen musikalischen Te>ik- mal, das ein Musiker jeinem Vaterland, setze» konnie. Dirigent des Konzerte- war Ottokar Zereilt iai, ein Musiker, der weniger aus Einzelheiten der Partitur und mn-sikolischen Iiiterprelalioil bedach! ist als auk die grostzügige Art ihrer Ges am i- anlage Am eindrncksvoilsien geriet ihm die Teil- sinsonie„Molbaii", deren Schlustgradadtion er dhnamisch und rhuchmisch austerordeiltlich wirksam ailsgrbaut haue— Unter den konzertierenden 2 o- l i ste ii- hatte. der welllnrühmte polnische Meistergeiger Bronlslaiv Hubermaiin, wie nicht ander- ;» erwarte» war, einen sensationellen Erfolg. Denn diesmal kgm Hiwermaiin nicht nur al« der unerreichte gesi'chlsstarke, stiwolikommene uns technisch vollendete Mrisiergeiger, sonder» auch als der br- ruhmt geworden-- nrntige und»nerschrocleiie Kümp icr int Streite gegen bie Kunstbarbarei Hitler- Den tichlands. Leider war eS mir nur vergönnt, zuständigen Stelle l«n Betrag einzukassieren. ES war iür rin ganz hübsches Geschäft, das ichliestlich aufflog, dast die Anweisungen auf höhere lauteten, als üblich. Alle drei Angeklagten bekannte schuldig und wurden sämtlich zu schwerem Kerker verurteilt, und zwar P o s p i 8 i I aus sieben Monate, K» l h i ne f und Fan- ner ans je drei Monate. Bei Poipi'i! nnd Fans- »er wurde die Strafe bedingt ausgesprochen. - rb. hält Mit- Lage In der Lungenhellanstalt„Petschekstlftnng" kommt die Stelle eines am 1. Jänner 1084 zur Besetzung. Gefordert wit» Tschechoslowakische Staatsbürgerschaft, Kenntnis bei der Landessprachen und Praxis in der Perivaltung eines ähnlichen Anftaltsbetriebes. Alter bis 45 Jahre Familienstand, gesamte Ausbildung, Praxis, Spra chenkennlnisse, Staalszugehörigkeit sind bis 23. No vember 1033 einzusenben an den Zweigverein Anssis, des deiilschen Landeshilssvereiiier für Lungenkranlc in Böhmen, Aussig, Grosze Wallstraste 2l. ES wird ersucht, nicht Originaldolmnente, sondern Abschriste» beizulegen. Besuche ohne Aufforderung werden abgelehnt. 2173 Tabelle gelangte. Das Trossen war Veronika clecta, .„Komm zu mir so bald wie möglich, denn wir stehn uns doch so nah, und ich liebe dich unsäglich. Brust nnd Kust Veronika." Wer solche Ufa-Poesie in Deutschland als Kitsch bezeichnete, wurde von HugenbergS„Nachtausgabe" bis zu Goebbels„An- griff" als Kulturbolschewist und Asphaltliterar beschimpft. Wer eS schlicht und klar als Verlogenheit ablehnie, wenn in einem Film, der sich in übereleganten Wohnungen und übermondänen Nacht, lokalen bewegt, das Schicksal eines Ladenmädchens geschildert wird, der wurde als zersetzende Inlelli genzbestie begeifert. Und wer auch uiii ehrlich gestand, peinlich berührt und angeödet zu sein, wenn er sich zwei Stunden lang mit einem Spiel unterhallen sollle, daS Tanz, Gesang, Susf und schlechte Witze zusammensügi,»m schliestlich als lange vorhergeahnte Schlustpointe das kleine Mädchen tut Bett des grasten GeschäsiSmannes landen zn lassen, der mustte sich von den beflissenen Werbe- am den K o l i n. <1:1)., Ter den D F E. Prag, welcher int ersten i reich war und e>i Geiamtstore von 8 De „Die Meistersinger von Nürnberg", Sonntag, 6S Uhr, mir Prohaska als Sachs.(?(2.) Borverlegte Vorstellung vom Dienstag, den 21. November. Wochcnfplelplan des Neuen Deutschen Theaters, halb 8 Uhr:„P y g m a l i o n’(A 1).— halb 8 Uhr:„Die Zauberflöte" — Donnerstag, halb 8 Uhr:„Ta r me ii" Freitag, halb 8 Uhr, Gastspiel G sela irk:„Die fünf Frankfurter" SamStag, halb 8 Uhr:„Ball im Sa-- Filme i» bis einschliesslich Alfa:„Zum „Tie verlauste Braut — Flora:„Morgendämmerung hl. Antonius"— Hollywood: — Hvi-zda:„Das Verbrechen ril»»."— Kineana, B.-Th-: Report. Ab\—K8— Koruna: int New‘florier Aquarium."— Abenteuer be-S König Sessel."— Kapitol:, Konvikt:„Zwölf Sessel"— Lido:„Der Flust. - Macezka:„Der Flnst.'— Belvedere:„Ter Lie- derkänger."— Aeseda;„Tas Mädel aus der Ziegelei."— Tarlton:„Der Flust."— Sport Smichov: „Ter geheimnisvolle Jäger." Kettenhandel mit Lebensmittel' anwei ungen. Ungetreuer Magistratsbeamter mitzbrancht die Lebenom>ttelaktion für b.e Arbeitslosen. Prag, 13. November.' Bor dem Siraslenar des OGR. Dr. Bernület stand heute ein Dreiblatt geschäftstüchtiger Leute. Der Veriragsbeamte des Prager Magi st rate» Ulrich P o s p i s i l, der gleichfalls Lüjährige Privaibeauile Otto Kul- h ü n c k und der 34jähr'ge Kaufmann Viktor FaSner aus Smichov waren angeklagi des Verbrechens der Veruntreuung, bzw der Beihilfe dazu. Als Pelätigungsgebiet hatte sich da- Konsortium just die Lebensmittel- a k t i o u für die Arbeitslosen ausgesucht. Der Magistraksbeamle P o s p i ö i l, der es für angebracht sand, im Gerichtssaal mit dem Sokol» ob Zeichen zu erscheinen, war der Siikover A m i S st e l l e des Magistrates zugeteilt und besorgte die Agenda der Le be u s m i t te l a k t i o n für die Arbeitslosen. Er stellte ungerechtfertigter» weise Lebens mittelan w eis ungen für den Betrag von 13.208 Irr aus, die er dann dem zweiten Angeklagten, K u l h n n e k, übergab. Dieser zahlte ihm als Zwischenhändler 75 Prozent des Betrages aus, auf den sie lauteten, und gab sie au den Kaufmann F a u s- ner weiter, der wieder 0 0 Prozent des Nominalbetrages zahlte, um sie dann als Geschäftsmann der zu präsentieren und den v o l- alle drei dadurch Beträge Prager OlsnieliiauuHii Donnerstag, den 16. November, aufgegesjenen Laden"— Av on: ."— Fdnix:„Tie Spionin.' "— Gaumont:„Zum „Zilin hl Antonius." M New‘florker Aqna- Kouruale, Groteske. „DaS Verbrechen Lueerua:„Tie Pgiisole."— Skaut:„Ztvö.'t 'as Mädel ans der Ziegelei." esse!"— Lido:„Ter "der Z Dienstag. Mittwoch, (BI). (C2). W e r b«z (D1).- v o y"(C 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 8 Uhr:„Bezauberndes Fräulein'.— Mittwoch, M8 Uhr:„(Ein Strich geht durchs Zimmer"(Erstaufführung).— Donnerstag, 8 Uhr:„Allez hop p".— Freitag, 8 Uhr:„E i n Strich geht durchs Zimmer"(Kulturver» baudSsreuude und kreier Verkauf).— Samstag, 8 Uhr, Gastspiel Gisela We rbezi r k:„Die fünf Frankfurter". Träger Komerttaal. In den Prager Konzerlsäien herrscht wieder einmal Hochbetrieb. S o i i st e n a b e n d e, Orche- st e r k o n z e r t e und K a m m e r m n s i k v e r a n st a l t u n g e n jagen einander Neber einige letzteren konnte hier bereits besonders berichtet werden. Unter den Orchesterkonzerten must bei* tschechischen Tondichter Jose! Snk gewidmete Konzert der Tschechischen Philharmonie au erster Stelle genannt werden Es ivar das erste Konzert einer gröstereu Reihe von Koiizertveran» staltnugen zu Ehren des genannte» zeiigeuöiiijcheu tichechijcheii Me'sters. ber am I Jänner 1034 iei- nen sechzigsten Geburtstag feier» wird. Josef Snk und seine Tonkunst zu ehren, haben die Tscheche» allen Grund, nnd auch «lau sich dieses ausbriickrstaeken Komponisten erinnern: benn er leitsstärkste unter den ic-beaben setzern, der ieiden-schairlichsle in imd vielleicht auch der nationalste. In>einen Werken spiegel: sich sein Leben, kein Fühlen nnd Denken mit überzeugendster Denilichkeit. Wobei zn bemerken ist, dast Snk nicht nur ein ganz groster Könner in technischer Hinsicht, sondern auch ein ersindwng;- gesegneter wirklicher.'chöplerijcher Geist. Im ersten Festkonzert hörir man eine Orchestersuite „Märchen" nach der Begleitnnilik Zeyrrschen. Märchen-spiei„R ad» z h u l e n a" b:e. jii« einer Reihe fein lyrischer Siimmuugsbiiber besieht, und tiische Dichtung„A'rael", ein Werk von gröstiangelegter und wuchtiger Form, von fachleuten der Reaktion sagen lassen, dast er blasiert, verderbt nnd innerlich verkrüppelt sei. Die Filmfirma„Elekta", die sich hicr-nlande für den Schmarre» des Berliner Regisseurs Karl B o e s e(des Meisters der oben besch' iebenen Film- gattung) einfetzt, stimmt also mit derzeit Mächtige» überein—- und augenscheinlich auch mit einem gewissen„aiisgeflärien" Bnrgerpnbliknm, das die Grüste und Küsse der Veronika knr ergötzlich und föidernSweri hält. Nur eine Frage: Warum schämt sich die „Elekta", die-Herkunft der von ihr veririetenen Ware zu nennen? Warum verschweigt sie die Her- stellungssirme. des von ihr laneierlen Films? Hat sie Angst vor dem Boykott, empfindet sie Scham wegen der eigenen„minderen" Raste— oder hat sie am Ende gar wirklich ein schlechtes Gewisten? t>l,, i« d, V. Lneinid*'•**.- Ubtttteatie«»: sublim«" t,>>' r- ver-mw-'Mchkr«kd-tttur! Dr«m» S Irans,«ra,.— Druck: /„Rata-«..« für Srlluna. UI» Suckdruck, Vraa.- gür«en Druck»eraniworMid: Lila«oll! liuo.— Die 3(iuingtmailriitrunhitui wurde von«er Lag. reiegralid-no-reilio» MN itrias ,slr IltÜM.Vll na» denuil al- Beeua«deSmeu»«en: Sei AufirUuua in» haut ober del Bejuo durch di» Pol! monailich ne lü- oierieliäbrltch KS hi—' b»l»l»tzrle»«.»aunabri« iti net.—,— gnjerai» werbe» iau> Laut blUiatl derrchnec, vei apere» iiiutcholi»»»«» Dreteuachia»,— Aückllelluua»on Monirstritne» erfolg, nur del ltnifenbung brr iltriourmarlr». BOrgtrllchar Sport Tie Entscheidung in der Staatsmeisterschast fiel Sonntag in St o l i u im zweiten Spiel zwischen beiden Finalisten DFC. Prag und AFK- Das Tressen endete unentschieden 2:2 iitel fiel damit zum zweiienmale an ^piel erfolg- 2 erreichte. Befürchtungen der denischbürgerlichen Presse, die das Aergste für die Prager erwarteten, waren vollkommen überflüssig. Tie Zuschauer benahmen sich sehr mustergültig und der Schiedsrichter wurde auch feiner Aufgabe gerecht, zudem der Kampf von beiden Seiten in anständiger Form geführt würde. Die Steuerer.ekut.on gegen den DFC. Prag fortgesetzt. Der Anteil des DFC. vonl Koliner Spiel am Tonniag sollte ebenfalls von der Finanzbehörde mit Beschlag belegt werden. Seitens des DFC- ist aber dieser Airteil für einem Gläubiger— nach tschechischen Blättermeldungen einem Herrn Dr. B., der als führender Funktionär seinem Vereine 12.060 lü, vorstreckte— zediert worden. Der Koltner Sportklub hat angesichts dieser Tatsache das Geld bei dem Zivilgericht in Kotin deponiert.— s)n der Vorwoche wurden von Funktionären des DFC. sowie der Sporlbehörden Interventionen in dieser Angelegenheit durchgeführt, die aber e r• solglos gebl eben sind. Die Profiligameisterschast stand Sonntag im Zeichen der Begegnung der beiden Prager Rivalen Sparta und S la via, welche von der derzeit in keiner We'.fe hervorragend spielenden Slavia mit 2:1(0:0) gewonnen wurde, die dadurch an die Spitze der diesmal so zienrkich fair, das war auch der einzige Lichtblick in dieser sportlich wenig bemerkenstverten Begegnung.— C e di i e Karlin und BoHenri a n s bestrilte» daS Vorspiel; sie trennten sich mit einem gerechten Unentschieden 2:2(1:1).— In Kladno konnte sich der Teplitzer FK. gegen den dortigen S K. nicht durchsetzen, dast aber die Niederlage so hoch(5: 1) auSfallen würde, ist doch überraschend.— S K N a ch o d sorgte stir eine kleine Ueberraschling, indem er ans eigenem Platze die Pilsener V.I k t o r-i-a glatt mit 3:0(2:0) bezwang.— In Brün n spielten bis zur öö. Mi- nrute Lide nie« und Viktoria Likkov 2:2 (2:1), dann wurde der Kampf wogen des spiel- unfähig getvordeiien Piaves abgebrochen, tzieide Klubs haben sich auf eine Nenauslragnng geeinigt, so daß das sonntägige Spiel nicht zur Meisterschaft zählt.— In der zweiten Klasse wurden folgende Spiele absolviert: tchie Vlll gegen 6AFC. 6:4(2: 3), SK. lliakonitz gegen SK. Liberi 3:1 kl: 1), Llhmpia Pilsen gegen Slavoj Litikov 5:0 (L: 0), Nnselskp SK. gegen Meteor Vlll 2:1(2:0). Sonstige Fustballergeblltste. B u d w e I S: DFC. gegen AC. Stadion 5:4(1:1).— B r ü x: TFK- Dux gegen DTK. 3:2(2:2).— K a a d e n: TFK. Komotau gegen DFK. 8:0(2:0).— Saaz: DSV. gegen TFC. Graslitz 6:0(4:0).— Bodenbach: SpBg. gegen Karlsbader FK. 4:0(3:0).— B.- Leipa: DSV. gegen D2K. Gablon,; 4:0(3:0). — Reichen berg: RFK. gegen DFK. Rumburg 10:1(12:0).— Warnsdor f: WFK. gegen B2K Gablonz 5:1(2:1)!— Jraute»au: DSV. gegen SK. Grottau 13:2(7:2).— Budapest: Ferenovaros gegen Kispest 4:0(1:0), Huugaria gegen Budal 4:1(3:0), Ujpcst gegen Nemzeti 2:1 (1:0).— Wien: Anstria gegen Admira 2:1(2:1), Rapid gegen Flor. AC. 4:1(1:0), Hakoah gegen Liberias 1:1(0:0), FC. Wien gegen Wacker 8:0 (2:0), Sportklub gegen Donau 4:1(3: 0).-— Paris: Vienna Wien gegen Raeing Club 4:2 (2:0), All Paeifie gegen Club Fraueais 2:2(1:0). — Rouen: Attila Miskokrz gegen FC. 3:0.— Arras: Südungarn gegen Bezirksteam 2:1 Neue tschechoslowakische Schtvimmrekorde, Bei dem Schtvimm-Meeling in Königgrätz wurden am Sonntag folgende neue tfchechoslotvak'sche Rekorde ausgestellt: Bei deit Männern über 100 Meter Bruft von Evbert(Poseidon Gablonz) in 1::19.1 Mi», und bei den Frauen über 100 Meter Brust von Freund(Slavia Prestbnrg) in 1:26.6 M!n. sowie über 200 Meter Brust von Hanka(Bodenbach) in 3:170 Min. Eishockey. Im Prager Winlerstadion spielte Samstag und Sonntag EKE. Wien gegen LTC- und verlor— da mangelhaftes Training— beide- male, und zwar 3:0 und 3:1. Am Sonntag wurde der.Kampf teilweise sehr hart geführt und zeichnete sich besonders der LTC.-Star M a le Lek durch eine arge Roheit a-iis, die aber glücklichertvelse nicht so böse eirdete wie die vor Wochen von ih>n an einen Prager Spieler verübte, der ins Spital überführt werden mustte. Maleöek sprang nämlich einem Wiener mit voller Wucht und Absicht ans die Oberschenkel, so dast dieser vor schreiend auf dem Eise zu-sammenbrach!— kau: Prag gegen Krakau 2:2. älrveN8!v8eit-Attl8sktton unserer Jugend. Unsere erste groste Sainiitelaktion, die wir letzten Sonntag durchführten, war ein prächtiger Erfolg. Biele hundert Pakete, reiche Geldspenden lohnten die aufgewendeten Mühen. Trotzdem die Mtion Sonntag früh pünktlich um halb 10 Uhr einsetzte und unsere Jungens und Mädeln weit über die vorgesehene ,-)eit hinaus fleistig treppauf, treppab liefen, Pol-izisl-n wegen unklarer Adressen angingen, bis weit hinaus in die Prager Vororte eilten und dann mit vielen Paketen beladen sich zu den Saminelstellen schleppten, konnten nicht alle Adressen ausgesucht werden. Die Aktion geht weiter. Ta wir an vielen Stellen nienianden daheim antrafen, sehen wir nächsten Sonntag unsere Aktion fort. Helfen Sie mit! Propagieren Sie für unsere Aktion bei Ihren Bekannten! Veranlasten Sie alle, für uns Pakete vorzubereiten, und verständigen Sie uns durch Postkarte(Adresse: Rudolf Hübner, Prag VII-,„U vozovku" 1218 B), wo wir weitere Pakete abholen können! Wir danken allen, die unsere Sanimler freundlich'.ausnahmen und für die Aktion spendeten. Wir Jugendlichen freuen uns, dast unsere s. Marschbereitschaft so erfolgreich war. Tas Bewusttsein, den Arbeitslosen helfen zu können, ist uns der schönste Dank und beste Ansporn zu weiteren Hilfsaktionen. Sozialistische Jugend— Rote Falken Prag. «ine verltäInismästig kurze Weite am Altäre Huber» lnannkcher Kunst zu verweilen. Aber selbst die empfangene kleine Wabe— Tschaitvwjlys blühe.i- bes Violinkonzert— war wieder einmal in all dem Konzertlrii-bvl reinste Kunstossenbarnng. unvergeß- l-cheS Erlebnis und Ereignis. Denn bei Hubermanu ist auch der Kritiker mir begeisterter Zuhörer wie alle- anderen Konzertmeufchen. Auster dein Koii- zerte von Tschaitowfltz spielte Hirbermann laut Programm noch ei» Konzert von Delius und das G«dM<.'izert von W. A. Mozart. Tie inftru- nrentale Begleitung des Künstlers hatte die T s ch e- ch i s ch e P y i l h a r m o n i e unter der sorgfältigen und dttnamisch rücksichtsvolleu Stabführung Prof. Georg SzSlIS besorgt.— Einen selbständigen Klavierabend gab im ausverkauften Smetana- jaal der junge tschechische Pianist Ruba F i r k u S n p, den mau erst neulich in einem Phicharuwuischen Konzerte des Deiirschen Theaters hörte und schätzen lernte. Firtusmi zeigte sich auch diesmal als der lechnilch blendende, geistig reise und durch kultivier« testen Anschlag a»sgezeichne:e Pianist grasten Formates Aber Beethoven gegeiinber— er spielte unter anderem die gewa-llige„Watdstein"-Sonaie des Pleisters— ist sein Vortrag noch zu wenig frei und zu nieiiig leibcnschastlich-elementar.— Ein programmlich bedeutendes Orgelkonzert dankte man dem ausgezeichneten tschechischen Orgelmeister Wiederman», das der Künstler in eigener Sache seines 50. Geburtstages veransta-ltet halte und bei dem er in Wahrheit„alle Register seiner hohen Kunst zieh-n konnte". Aber wie wenig der Prophet im. eigenen Baterlande gilt, betvies der schmachvoll s-chwache Besuch dieses Konzertes. E. I.