9t tattlon a. Owwoituna: Lrskhrlnt mll Ausnahme des Montag täg'.ich früh. Bros ii. OttMianto ia ♦ teirpo. i M?95. mag. 9ta<0irrftMt. tab 31U9O> nut* BoMiOttfamt 1 ihh 13. Ladraana. Freitag, 17. November 1933 Nr- 269. Sivzelprels 70 Heller. 'Slnschließlich S Hiller Porto) '« Loka / I - r j tt p Hv.. afcHcieaiie Ein niederschmetterndes Dokument Machtvolle sozialistische Kundgebung in Teplitz « Der Chefredakteur des„Petit Parisicn" Al bert I u l l i e n bemerkt hiezu: Teplitz,Schönau, 16. November. Die von den beiden sozialdemokratischen Parteien sür heute abends angesetzt« Kundgebung in der Turnhalle nahm einen imposanten Verlauf. Punkt acht Uhr waren gut tausend Arbeiter und Ar- veitcrinncn versammelt, als die Sozialistische Jugend mit ihren Sturmsahnen unter den Klängen des SozialiftenmarscheS in den Saal marschierte. Hieraus begrüßten die deutschen und tschechischen Arbeitersängrr di« Versammelten, woraus unter dem Vorsitz der Genossen Seidel und I i- r o u t als erster Genosse Geißler einen Appell an die Jugend richtete, der mit brausendem Beifall entgrgengenommen wurde. Dann nahm für die tschechische Sozialdemokratie Genosse Dr. S v s- r a k-Prag das Wort, der in temperamentvoller Weise tschechisch und deutsch die Kampfziele der Arbeiterklasse zum Ausdruck brachte. Immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen, wurden dem Vertreter unserer tschechischen Bruderorganisation nicht enden wollende Ovationen zuteil, als er die Ber- Dr. Goebbels oder das deutsche Außenmini- sterium wird wahrscheinlich die Authentizität dieses überwältigenden Dokumentes, welches tatsächlich ein Licht aus die gegenwärtigen Herrscher Deutschlands wirft, in Abrede stellen. Wir erwarten rin solches Dementi. Wir zögern aber nicht, schon jetzt in der entschiedensten Weise nicht nicht bloß seine Authentizität, sondern auch die absolute Genauigkeit der verössentlichten Neber» schung zu verbürgen. Diese amtlichen Weisungen mit irgendwelchen Interpretationen zu begleite», würde sie nur abschwäch-n. Wir legen das Dokument der össentlichen Meinung der Welt zur Würdigung vor. Landbund gegen Starhemberg Dollfuß wird Farbe bekennen müssen bundenheit aus Tod und Leben in seinem Schlußwort als einzige Gewähr unseres Sieges betonte. Nach den Klängen der Roten Jahne nahm, von lebhaftestem Beifall begrüßt. Genoss« Abge. ordnete» Wenzel Falsch das Wort, der für unsere Partei in prachtvoller Weise und immer wieder von begeisterten ZnstimmungSrufen der Massen unterbrochen, die Forderungen der Ar- beiterklasse besprach und zu den Ausgaben unserer Zeit Stellung nahm. Mit einem in tschechischer Sprache vorgetragrnen Gruß an die tscheichschen Genossen und Genossinnen schloß er sein gehaltvolles Referat, das von den Versammelten stürmisch akklamiert wurde. Mit den Klängen der Marseillaise sand die von prachtvollem Kampfgeist erfüllte Manifestation, an der unsere Ordner und Jugendlichen sowie die Arbeiter nnd Arbeiterinnen in großer Zahl teilnahmen, um 10 Uhr nachts ihren Abschluß. Stellungnahme zog er eS gestern vor, ungeheuerliche Angriffe gegen die sozialdemokratische Partei zu richten. Heute erfolgte nun ein energischer BorstoßderLandbündler, um di« Klarstellung dirsS Konfliktes zu erzwingen. Im christlichsozialen Klub gab es daraufhin heute erregte Szenen und Dollfuß mußt« schließlich Farbe bekennen und die Existenz des geheim gehaltenen Abkommens zwischen ihm und den Landbündlern zugeben. Die Christlichsozialen wandten sich hieraus i« heftiger Weise gegen Starhemberg und sor- dcrten. daß Dollfuß nun assen von Slarhrm- berg abrücke. Wie man härt, hat Dollfuß auch zugrsagt, daß er die Konsequenzen ziehen nnd Starhemberg fallen lassen werde. Ob eS sich hier wiederum nur um eine der zahlreichen Versprechungen deS Kanzlers handelt, mit deren. Hilfe er über peinliche Situationen hinwegzukömmen trachtet, wird schon die allernächste Zukunft zeigen. Di« Lage ist nun. so weit gediehen, daß eS sich nicht mehr vermeiden läßt, die Situation zwischen Dollsuß und der Heimwehr einerseits und zwischen Dollsuß und den halbdemokratifchen Landbündlern andererseits zu kläre«. Ma» er- ter nicht ersichtlich ist, die Schaffung persönlichen Beziehungen zu Journalisten und Herausgebern von Blättern, um auf sie einen Einfluß behufs Gewährung persönlicher Begünstigungen usw. ausüben zu können. In dem Dokumente wird betont, daß die Frage der Auslagen für diese Propagandatätigkeit nicht ins Gewicht fällt. Diese Bestrebungen iniisien jedoch in einer Form verwirklicht werden, welche nicht den Verdacht aufkommen läßt, daß sie von deutschen Diensten stammen. Weiters muß eine möglichst große Zahl von Personen, welche nicht verdächtig sind, gewonnen werden. Damit aber diese Persönlichkeiten nicht kompromittiert werden, werden deutsche Amtspersonen mit ihnen keine äußeren gesellschaftlichen Beziehungen unterhalten. Von Wichtigkeit ist die Erlangung vollständiger Informationen über die französische und die englische Propaganda in Amerika, Nm sich derartige Toknutente ver- schassen zu kömten, werden den deutschen Repräsentanten im Budget nicht vorgesehene Beträge zur Verfügung stehen, über welche sic, ohne dies falls in Berlin ansragcn zu müssen, disponieren können. Konstrnktion eines Gcgenwaris- jozialismus u nd um die Tagespolitik, inwietveit die sozialistische Partei in eine Konkurrenz mit der sascistisäfen Bewegung iit der Betonung nationaler Belange treten soll und kann. Soweit es sich um die besonderen polt» tisch-wirtschasflichen Verhältnisse Frankreichs handelt, so tvar für Düat nnd Nenaudel bestimmend, daß die linksbürgcrliche Regierung gestürzt und durch eine nach faseistisclM®c» danken orientierte mehr„autoritäre" Regierung ersetzt werden könnte, wenn ihr die Sozialisten die Unterstützung versagen. Die politische Entsclzeidnng fällt bei der Budgetbcwil- ligung. Die Staatsfinanzen sind stark angespannt und bedürfen eines Ausgleichs. Die Parteimehrheit lehnt prinzipiell die Verantwortung für den Etat des bürgerlichen Regimes ab, während die Opposition Budgetbcwil- ligung nrit sozialer Reform vertreten zu nttts- SisNMelm- SA-Reserve I. Berlin, 16. November. Unter der-lieber- schrift„Stahlhelm— SA-Reserve 1" gibt das Conti-Nachrichtenbüro eine Mitteilung der Zeitschrift„Stahlhelm" wieder, ip welcher die am 11. November erfolgte Eingliederung des Stahlhelms in die SA unter dem Namen„SA- Reserve I" kekanntgegeben wird. Oss fällige Dementi: Berlin, 16. November. Amtlich wird mit- getcilt:„Petit Parificn" veröffentlicht eine an- gcbliche Instruktion über die deutschen außenpolitischen Ziele, die an alle Auslandsvertretungen von einer hiesigen Propagandastcllc gelangt sein soll. Diese angebliche» nstruktionen tragen so offensichtlich den. Stempel freier Erfindung, daß ein Dementi, wie es hieinit in aller Form und in jeder Richtung gegeben wird, für einen einigermaßen kritischen Leser kaum erforderlich erscheint. 99 Paris, 16. November.„Petit Parisien" vcr- Lüciulicht unter der Uebcrscyrift„Ein niederschmetterndes Dokument" ein sensationelles vertrauliches Schriftstück, das die Weisungen der P r o p a g a n d a z c n t r a l c der Deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei über die Tätigkeit der Vertrauensmänner dieser Partei in Nord- und Südamerila enthält. In deut Dokumente wird erklärt: 1. F r a n k r e i ch ist im Einklang mit dem Buche Hitlers,„Mein Kampf" der unversöhnliche Gegner Deutschlands. 2. England ist der stärkste und fstr Deutschland gefährlichste Verbündete Frank- reich-, und deshalb muss altes Streben dahin gerichtet sein, die Beziehnneen zwischen den beiden Staaten ständig zu trüben. .1. Desgleichen sind die Beziehungen zwischen allen politischen und militärischen Alliierten Frankreichs zu trüben. 4. Deutschland muß die Festigung der Lage ans dem Balkan verhüten. 5. Deutschland duldet nicht weiter das Versailler Diktat nnd wird dessen Revision zu» nächst durch Verhandlungen und jm Falle eines Mißlingen derselben, durch eine ander« Methode, die Gewalt, in Erwägung ziehen. 6. Tie Rückerstattung des Saargebietes au Deutschland steht im Vordergründe der Forderungen Deutschlands- Deutschland halt gleich- sallS trotz der FriedenSvertroge und trotz des Locarno-Paktes unerschütterlich an der Rückerstattung Elsaß-LothringenS fest. 7. Deutschland verzichtet nicht ans seine Recht« ans Gebiete im gegenwärtigen Polen. 8. DaS Endziel der nationalsozialistischen Außenpolitik ist die Erwerbung sämtlicher Nachbargcbiete Deutschlands, in welchen ein« deutsche Minderheit lebt. K. Unter den dentschen Forderungen befindet sich die direkte Rückerstattung— keineswegs Rückerstattung durch Vermittlung des Völkerbundes— sämtlicher deutschen Kolonien. 10. Deutschland fordert die absolute Gleichberechtigung mit Ausschluß einer selbst allgemeinen internationalen Kontrolle. Das Programm der deutschen Propagandatätigkeit umfaßt alle JnformalionsmittA, nämlich: Entwicklung des informatorischen Rundfunkdienstes, die Schaffung eines analogen Informationsdienstes, welcher sich als absolut neutral repräsentieren würde, die Organisierung einer geeigneten Radiopropoganda sür die Ueberfec, die direkte Gewinnung der Auslandspresse zur Veröffentlichung von Propagandaartikeln in einer Form, in welcher ihr Propaganda-Charak- Wien, 16. November. In der ästerreichi fchen Regierung ist wieder ein offener Konflikt auSgebrochen, der voraussichtlich in der allernächsten Zeit sein« Konsequenzen haben wird. Der Gegensatz zwischen der Landbundpartei und der Heimwehr, die beide in der Regierung vertreten sind, ist nunmehr friedlich nicht mehr beizulegen. Der Führer der Heim« tvehrsaseilten Starhemberg hat vor einigen Tagen in einer össentlichen Rede, die durch das Radio verbreitet wurde, behauptet, daß der Führer der Landbiindler, der ehemalige Vizekanzler Winkler, gelogen hab«, als er seststellte, daß Abmachungen zwischen ihm und Dollsuß über den politischen Kurs getrossen worden seien. Starhemberg sügte noch hinzu, kein, anständiger Mensch schließ« einen Vertrag mit einem Herrn Winkler. Daraufhin. ist der Landbund auS seiner Reserve hervorgetrcten und erklärt öfsrntlich, daß dieser politische Pakt vor Zeugen schrist- lich abgeschlossen wurde. Er fordert« den Kanzler aus, diese Tatsache zu bestätigen, und droht sonst, denÄertragzu veröffentlichen. Dollsuß hat es bis heut« vermieden, aus dies« Angelegenheit, die ihm ungeheuer peinlich ist, zu «agieren. Statt Lieser allgemein erwartete« Die Krise des Sozialismus io Frookreidi Nachdem wir ünS in. der letzten Zeit bereits mehrmals mit den Vorgängen innerhalb der französischen Sozialdemokratie besaßt haben, veröffentlichen wir heule den instruktiven Beitrag einet in der internationalen' Arbeiterbewegung bekannte» tyenossen, der vor kurzem aus Paris zurückgekehrt ist und dort an Ort und Stelle Gelegenheit hatte, die französischen allgemeinen politischen und Parieiverhältnisse aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Nach dem Ausschcidcit der etwa 28 Tepu- ticrtc umfassenden Gruppe Döat, Nenaudel, Marquct ans der sozialistischen Kammerfral non hatten sich die Mehrheitsverhältnissc der Fraktion derart verändert, daß der rechte Flügel unter der Fühning Frossards in die Minderheit geraten war. Die nächste Folge tvar jener offen« Brief von 32 Frcssard-An- hängern, wonach sich diese Gruppe für die Köalicrung mit den bürgerlichen Linksfwr- lcicn, für die Beteiligung der Sozialisten an der Negierung, für Organisierung der nationalen Verteidigung und Budgctbewilligung erklärt hat. Damit ist die SPF inmitten der politischen Irrungen und Wirrungen Europas einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt, die das Interesse der übrigen sozialistischen Parteien beansprucht. Es kamt nicht Aufgabe der Bruderparteien sein, die innerorgauisaiori- schen Vorgänge zu erörtern, die zur äußersten Zuspitzung geführt halten. Dagegen verdienen die politischen Streitfragen, um die es geht, unsere Pachtung. Einmal ist seit dem Ausscheiden der deutschen Sozialdemokratie aus der aktiven internationalen Betätigung das Schwergewicht der Sozialistisck)en Arbeiter-Internationale in den Westen verlegt und die französische Par.ei trägt eine besonders schtvere Vcranlwortnut. Zum anderen stehen in Frankreich die Fragen der Taktik und der Kampfmcthoden gegen den Fascismus auf der Tagesordnung, der zur europäischen Gefahr geworden ist. Die Exponenten der Nco Sozialisten, die bereits vor der Frossard-Aktion das Diskus- sionsthcma gestellt halten, Renandcl, Däät und Marquct tvaren bis zur Spaltung nicht in voller Ucbereinstimmung. Während Mar- qilct der Bürgcriucistcr von Bordeaux als der Verfechter einer Negier»ngsbctei l igutig um jeden Preis angesprochen tverden konnte, tvar für Nenaudel und Dc'-at die sozialistische Initiative ausschlaggebend für die von ihnen vorgeschlagenen Wege. Es faitit auch nich: unerwähnt bleiben, daß Nenaudel im l'-legensay zu seinen beiden Partnern sein« internationale Einstellung stark zu betonen wußte. Im ganzen ging es nm die Frage, wie der Fascismus wirk saut bekämpft tverden kann, wobei eigentlich auch noch darüber Einigkeit bestand, daß nur der Kampf für den Sozialis- wartet in politischen Kreisen, daß diese Klärung noch im Lause dieser oder der nächsten Woche erfolgen wird. Vaugolns Nadilolgcr- czermah Wien, 16. November. An Stelle des kürzlich.. zurückgotrelenen BundeSvbmannes der christlich- mus wirksamer Kampf gegen den ,ra>cismus sozialen Par«i B a u g o i n tvnrde der frültere seitt kattn. Die taktischen M e i u u n g s- Unterrichisminister C z e r m ak zum neuen Bnu- v c r s ch i e d c n h c i t e n g i it g e>t u m die deSobnrann bestimntit.“"--- ,..,° 0pp08llWN8de8MI»v aer Samuel Uveraien London, 16. November. Die von Sir Herbert Samuel geführte 3.1 Mann starke liberale Gruppe hat jetzt, wie verlautet, mit Mehrheit beschlossen, bei WIedererössnung des Parlaments zur Opposition überzugehen. Es ist nicht bekannt, ob alle Mitglieder dem Beschluß folgen werden. Die Zqhl der Regiernngöabgeordneten beträgt zur Zeit 656, die der Opposition 60. eeitc 2 Freitag, 17. November 1933 Sir. sag lung der Geschehnisse hintveg erwartet di« Arbeiterklasse eine Konkretisierung der sozialt- stischcn Idee. Daß die verschärften Klassenkämpfe von inneren/ Auseinandersetzungen über diese GcgeMvartSaufgabe der sozialisti- schen Bewegung begleitet sein müssen, ist einer der tieferen Gründe für die Meinungskänrpfe in der französischen Partei. Riehte^qnd Staat Dr. Meißner übetM&chterdisziplinierungen und richterliche Unabhängigkeit sen glaubte. Neben den grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten muß in Frankreich auch die völlig abweichende Struktur der Wahlkreise gesehen werden. Die unter Führung von Blum und Faure stehende Mehrheit basiert vortviegcnd in den von der Arbeiterschaft durchsetzten Wahlkreisen, die andere Gruppe hat in ihrer Wählerschaft stark mit mittelständischen Schichten zu rechnen oder ist bei den Stichwahlen ans Kompromisse mit den bürgerlichen Linksparteien angewiesen. Di« Gegensätze in der Stellung zur Tagespolitik sind aber verankert in den beibet' fettigen Meinungen über die Zukunft des Sozialismus und über die geeignete Kampfmethode gegen den FaseismuS. Hier hat:« Döat, dessen außerordentliche Begabung von allen Seiten anerkannt wird, schon vor längerer Zeit ein Buch„Perspectives socialistes" veröffentlicht, worin er im tvesentlichen drei Thesen vertritt: 1. Er verlangt, daß sich der Sozialismus der Mittelschichten annehme. 2. Er betrachtet es als fehlerhaft, die mittleren Klassen vor die Entscheidung zwischen der Diktatur des Proletariats und der Diktatur des Fascis- nntS zu stellen. 3. Der Kapitalismus ist an seiner i n- ternationalen Stelle verwundbar, also verlangt Döat von der So- zialdemokratic das nationale Bekenntnis. Nach dem Ausscheiden der D6atgruppe führt die Frossard-Gruppe die Auseinandersetzung um dieselben Streitpunkte insbesondere um den dritten weiter. Sotveit es sich um die Aufrollung der Mittelstandsfragen handelt, wird das geistige Ringen innerhalb aller sozialistischen Parteien weiter geführt werden, denn bei der im Monopolkapitalismus völlig veränderten Struktur der Pölker ist die Gewinnung der Bauern, der Handwerker,.Kaufleute, der Angestellten und Beamten für die sozialistische Bewegung zu einer Lebensfrage geworden. Di« Entscheidung über Diktatur oder Demo- kmtie wird sich nicht nach der etwas starren Formel, wie sie Döat aufstellt, entscheiden lassen. So wichtig es ist, in den Ländern, die über eine demokratische Verfassung verfügen, diese mit allen Mitteln zu verteidigen, so selbstverständlich muß es sein, daß die Länder in denen der Fasrismus an der Macht ist, seine Ucberwindung nur mit revolutionären Mitteln erreichen können. Es gilt dann besonders für die Demokratie zu kämpfen, wenn der.Kapitalismus in der Krise von der demokratischen Kraftentfaltung der Arbeiterschaft eine Schmälerung seines Profits befürchtet und darum zum leidenschaftlichen Gegner der Dentokratie wird, wie es die Beispiele Deutschland und Oesterreich aufzeigen. Vielleicht hätte die Parteikrise in Frankreich niemals die heutige Verschärfung erfahren, wenn D6at nicht gerade den dritten Punkt so sehr in den Vordergrund gestellt hätte. Denn so sehr sich über die anderen Thesen diskutieren läßt, so verfehlt erschein: der Glaube, die Sozialisten könnten den FaseismuS im nationalistischen Wettlanf bezwingen. Ter Sozialismns wird international sein oder er wird nicht sein. Der internationale Charakter des Kapitalismus sollte ein Grund mehr sein, ihn mit international verbundenen Kräften der Arbeiterschaft zu bekämpfen. Dagegen zeigt sich bereits heute in der Praxis der Sozialdemokratie in den verschiedenen Ländern, daß die Stellung zum Krieg mit dem Begriff„nationale Verteidigung" oder nicht, keineswegs vollständig be- antwortet werden kann. Die europäische Situaiton ist durch das Vordringen des FaseismuS zu kompliziert, als daß eine mechanische Entscheidung ob militaristisch oder pazifistisch noch auöreichen könnte. Heute ist die Prüfung entscheidend, wofür gekämpft werden soll. Es muß auch daran erinnert tverden, daß der Streit 1914 nicht lediglich um die Bewilligung von Kriegskrediten ging, soildcrn darum, ob sich sozialistische Parteien mit den KricgSzielcn der imperiali- ftisclscn Bourgeoisie identifizieren dürfen und ob sie sich der Diktatur der Bourgeoisie beugen kötmen, ohne wichtige Arbeiterinteressen preiSzugeben. Am Hintergrund der Auseinandersetzungen in Frankreich stehen die Auswirkungen der anhaltenden MelNvirtschasiskrise, die es nicht ntchr zulassen will, mit den Heilmitteln des herrschenden Wirtschaftssystems das Gleichgewicht zwischen Produktionskraft und Konsumkraft wiederherzustellen. Diese strukturelle Krise des kapitalistischen Systems stellt an die konstruktive Gestaltungskraft der Arbeiterparteien neue und hohe Anforderungen. Zu dieser großen Eiltschcidung über die planmäßige Organisierung einer gemeinwirtschaftlich gerichteten Regelung von Produktion und Absatz haben die beiderseitigen Auffassungen in der französischen Aussprache keine befriedigende Lösung zu zeigen' vermocht. ES genügt nicht, in dieser Zeit des UebergangS vom.Kapitalismus zum Sozialismus auf positive Vorschläge zu verzichten, denn wer den Sozialismus will, wird in einer Periode des Frühsozialismus nicht passiv bleiben können, sondern im Gegenteil für die werdende neue Ordnung höchste Aktivität entfalten müsien. Was auf der einen Seite dazu gesagt wurde, war wenig, was Däat versprach war aber sicher zu viel. Seine Hoffnungen auf das Eingreifen des bürgerlichen Staates in die Wirt schäft gingen zu weit. Er ertvartet von der bürgerlichen Staatswirtschaft mehr als sie zu halten vermag. Der Kapitalismus in seiner heutigen Form ist, wie die letzten fascistischen Experimente zeigen, unfähig eine nationale Wirtschaft zu organisieren. Die Unfähigkeit der Träger der kapitalistischen Wirtschaft, den Weg aus der Krise zu zeigen, sollte aber nicht dazu führen, daß die sozialistische Detvegung in Resignation verfällt, unt zu warten bis der Idrpitalismus dem Sozialismus das Feld geräumt haben wird. Die furchtbaren Leiden der Arbeitevmaf- sen, wie sie aus der Krise täglich lmd stündlich erwaMen, müssen uns veranlassen, heute mehr denn je konstruk.iven Sozialismus zu betreiben. Es genügt heute nicht mehr, auszusprechen tvas ist, sondern über die FeststelPrag, 16. November. Justizminister Dr. Meißner erklärte gestern im Budgetausschuß u. a. über die sogenannte Reinigungsaktion, er sei weit entfernt, Einzclfälle zu generalisieren und anzunehmen, daß alle deutschen Richter sich durch ihr politisches und gesellschaftliches Milieu zur Ausübung ihres Richtcramtes in einem antistaatlichen Sinne verleiten ließen und auch weit entfernt, über die juristische oder richterliche Qualifikation der Richter deutscher Nationalität Pauschalverdächtigungen aus- zusprcchen. Es gab aber einige Fälle, in denen bei Richtern die Zugehörigkeit zu einer Partei festgestellt wurde, deren Staatsfeindlichkeit durch Erkenntnis des Obersten Gerichtshofes ausgesprochen wurde, oder die durch bestimmte Handlungen bewiesen haben, daß sie nicht in ihrem Amt oder auf ihrem Dicnstposten bleiben können. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit muß di« Justizverwaltung von dem Standpunkt auSgehen, daß jeder, dem ein Richteramt anvertraut ist, nicht nur ein guter Jurist, sondern selbstverständlich auch«ine zuverlässige Stütze des Staates sein muß. Bor dem Exposee des Ministers hatte der Referent Dr. St r a n s k y in seinem Schlußwort sich mit der richterlichen Unabhängigkeit befaßt und auf gewisse Urleilssprüche der fitzten Zeit(Kasernenüberfall in Lidenitz!) verwiesen, dir Infolge des mangelnden Schutzes des Staates durch das Gericht allgemein Befremden erregten; in diesem Zusammenhang hatte Stransky auch einen Dortrag des ScnatSpräsidentcn beim Obersten Gericht Vacha kritisiert und ebenso einen Dortrag des Präsidenten des Obersten Gerichtes Fajnor, der im Brünner Jung. sturmprozcß von einem Verteidiger als Beweis Prag, 16. November. In der Schuldebatt«, di« im Lauf« d«S heutigen Tages im BudgetauS- schuß abgeführt wurde, sprach Genosse Hacken- b«r g neuerdings sein Bedauern darüber aus, daß die Schulverwaltung bei der Herstellung des Budgetgleichaewichts besonders in Mitleidenschaft gezogen wuroe. Bon den 54 Millionen, um dte das Schulbudget gekürzt wurde, entfallen 48.7 Millionen aus den Sachausivand. Diese Kürzungen wirken sich in den einzelnen Schulgattungen unstreitig schon in einer Herabdrückung deö Niveaus aus. Redner verlangt«in« Vereinheitlichung des BolkSschulwefenS im gesamten Staate, denn es ist für die Bevölkerung der historischen Länder untragbar, daß sie im BolkSschulwesen cm« Staatsmitteln auch nicht in annähernd demselben Maße unterstützt wird wie d'r Bevölkerung in der Slowakei ans Grund der übernommenen ungarischen Gesetze. dafür zitiert wurde, daß unsere Gericht« nicht unabhängig seien.' Dr. Meißner antwortete heute darauf, er sei nicht darauf vorbereitet gewesen, über diese Kundgebungen hoher Richter sprechen zu müssen. Er bezweifelt, daß der Vortrag Dr. Vachas auf dem Kongreß der stawischen Richter in Preßburg passend war. Der Vorwurf, daß die Richter paupcrisiert würden, um sie in Abhängigkeit zu erhalten, sei vor allem gegenüber'der heutigen Regierung nicht am Platz, die Richterzulagen einführtc und sie auch bei der heutigen Finanzmisere erhalten hat. Der Minister legt großen Wert aus di« richterlich« Unabhängigkeit, aber er stimmt nicht mit jenen hohen Richtern überein, da sie allein die richterliche Unabhängigkeit in den Vordergrund stellen, während er die richterliche Unparteilichkeit in den Vordergrund stelle. Die Verfassung konstituier« die richterlich« Unabhängigkeit nicht als ständiges Vorrecht, sondern zum Schutz der Bevölkerung vor parteiischen Richtersprüchen. Man müsse darauf achten, daß sich unter der richterlichen Unabhängigkeit nicht oft«in parteiischer Richterspruch verberge. Man sieht, wohin cs führt, wenn Ho'.,e Richter den Vorwurf erheben, daß die richterliche Unabhängigkeit angetastet werde; diese Aeuße- rungen geben dann Kreisen, die heute wegen Pu- litischer Delikte verfolgt werden, eine erwünschte Waffe in die Hand und ein Mittel zur Herabsetzung der tschechoslowakischen Justiz im Ausland. Er werde auf die erwähnten Aeußerungen nicht weiter reagieren, weil er das Gefühl habe, daß eine gewisse dienstliche Stellung zu einer gewissen Reserve nötige, auch wenn andere Faktoren sich diese nötige Reserve nicht auferlegen, Wenn wir auch den Standpunkt der Schurautonomie vertreten, so ist es doch selbstverständlich, daß es bei dem heutigen Stand der Ge- meindcsinanzen ein« Erlösung bedeuten würde, wenn der Staat in größerem Maße als bisher zur Erhaltung der Volksschulen bei, tragen könnte. Redner bemängelt tveiter, daß der Sachmt;- tvand bei den Miuderheitsschulen nicht so stark herabgesetzt wurde, wie bei den Volksschulen und spricht sich u. a. gegen die Sperrung der Fachschulen nr Freudenthal und Sternberg aus. Ein Schmerzenskind sind auch d.e Hochschule n. Hier gibt vor allem der Zustand vieler Klinikeir, speziell deutscher, die Ntchtde,etzung von Lehrstellen und die Hmausziehmlg notwendiger Bauten Anlaß zu berechtigter Klage. Tie Drosselung entschuldigt man durch oen Ueber- sluß an gristigem Proletariat, aber gibt es diesen Ueberfluß heute nicht in allen Ständen Zurücksetzung im Schulwesen Genosse Hackenberg über die Kürzungen des Schulbudgets 13 DergFuppenspieler WM Roman von Felix Fechenbach Haus gttig mit ihr in di« Küche und stand neben ihr, während sie den Kaffee brühte, dann kam Lene aus dem Laden und sie setzten sich zu dritt in der Stube an den Tisch. Die Tür zum Laden blieb offen, damit man hörte, tvenn Kundschaft kam. Die Großmutter wollt« gleich zehn Fragen ans einmal beantwortet haben: Wie es in Nürnberg war, ob sie die neue Drehorgel schon hätten, und vieles andere. „Die große Drehorgel(juni wir in Nürnberg zum ersten Mal g'habt. Und's G'schäft is gut gangen. Is doch cn< ander« Sach, so ein« große Orgel, als wie der alt« kleine Quietschkasten. Ta Höri man doch wenigstens tvas." .,Wi« viel Lieder sin denn drauf'?" will Lene wissen. „Sechs! Ta haut ivirAbwechslung genug." „Siu auch Walzer dabei?" „Ja. die allcrucu«sten. Aber auch Märsche." „Walzer mag ich am liebsten. Weißt, ich mach jetzt einen TanzkurS mit." „Einen TanzkurS? Zu ivaS soll denn das gut lein? Wenn d' mal später im Wohnwagen bist da is nit viel Zeit zum Tanzen." „Och, geh mir mit euerm Wohnwagen! Meinst, ich will auch mal so rumzigeunern?" „Wird dir wohl nix anders vorig bleiben!" „I möich aber nit! sagt der Dürrbacher Bauer." Tabei versucht« sie, den fränkischen Bauerndialekt nachzuahmen. „No, da wird wohl der Vatter noch« Wörtl« Vitzureden Ham." Jetzt mischte sich di« Großmutter ein: ,Lhr seid ja zu dritt, und mehr sind nit nötig zu«u«rm G'chäft. Di« Lene soll nur bei mir bleiben. Di« kann später einmal meinen Laden kriegen. Ta iS sie versorgt. Wenn sie auch nit reich draus werden kann, ihr Auskommen hat sie da immer." „Mir solls recht sein. Aber der Vatter wird nix davon wissen wolln. Ich muß aber jetzt wieder weiter. Wir wolln aufbau'n." „No, und zu der Gretl gehst nit erst nüber?" .Hans wurde über und über rot: „Nä der Alte zieht immer so e G'sicht, wenn :ch nach der Gretl frag, und überhaupt..." ,Hch muß nachher sowieso nüber zur Gretl", unterbricht ihn Lene.„Da sag ichs ihr, daß du drunten am Kranen bist." .HanS nickte ihr dankbar zu und gir^. Am Kranen wartete Vater Eorneltus schon aus HanS:. „Wird Zeit, daß d' kommst! IS alles in Ordnung drüben?" „Ja. sie sin alle zwei g'sund. No, und ohne Schal« Kaffe« kommt man bei der Großmutter doch mt durch. DaS weißt ja selber." „Allo, mach jetzt e btßle dalli! Wir ntüssen uns dranhalten!" Während di« beiden Männer di« Bude aufbauten. gitrg Frau Anna hinüber zur Großmutter. Bis zum Abendessen tvar schon«in gut Teil Arbeit geschafft. „Für heut reichts". stellt Vater Cornelius fest.„Wir machens morgen früh fertig." D« Mutter war mittlerweile auch wieder qekomnten und hatte das Abendessen hevgerichtet. Während sie alle drei beim Essen saßen, kam Gretl..Hans war mit einem Satz auS dem Wagen: „Hast e bißle Zeit, Gretl?" ,Lfa. ich hab daheim g'sagt, daß ich zu einer Freundin geh." „Ich geh mit h^r Gretl spazieren!" ruft .Hans In den Magen hinein. Dann erst gab er Gretl die Hand, „Ich hab nit rüber kommen wolln zu euch, dein Vatter..." Gretl unterbrach ihn: „Brauchst nix weiter sagen. Ich weiß schon. Der Vatter wills nit haben. Ich muß dcStvegen ja auch immer schwindeln." Sie tvaren in der Richtung zum Pletcher Glacis gegangen und bogen in die schönen Grünanlagen ein, die sich wie ein Gürtel um die ganze innere Stadt ziehen. „Kannst dich niorgen abend frei ntachen, Gretl? Wir spielen am ersten Tag nur nach- inittags, da könnten wir abends zusammen einen Messebummel machen." „Ich sag halt, daß ich auf di« Meß geh. Mit wem, das braucht dcr Vatter ja nit wissen." „Kommst dann nach'm?lbendessen rüber, ja?" Sie hatten sich beide ait den.Hättden gefaßt ttnd gingen ein« Weil« schweigend neben einander her. Hans sprach zuerst wieder: „Mir paßt das gar nit, daß du daheim immer schwindeln mußt. Kannst denn nit sagen, -aß d' zu mir gehst?" ,Zch kann schon, aber dann muß ich daheim bleiben. Der Vatter wills doch nnn mal nit, -aß Ich mit dir geh." „Was l>at er denn gegen mich?" „Gar nix. D» wärst ihm scho recht. Aber, weil ihr keine feste Wohnung habt, da sagt er immer, ihr wärt Zigeuner, und das wär kein Umgang für eine Bäckermeisterstochter." „DaS is nix weiter wie Spießbürgerhvch- mut! Ob einer Brot und Weck backt, oder Kasperl spielt, das iS doch gehüpft wie g'sprun- gen. Di«.Hauptfach iS, daß einer auf ehrliche WeiS sein Geld verdient." HanS hatte sich heftig in Acrgcr geredet. „Reg dich doch nit auf, HanS", begütigt die Gretl.„Der Vatter iS halt mal so. Und ich halt ja doch zu dir, da kann er irtacheu, tvas er will/ Sie hatten sich auf eine Bank gesetzt, und Gretl lehnte ihren Kops an-Hausens Schulter. Langsam schob er seinen Arm hinter ihren Rücken her und umfaßte sie. Dann strich er leise über thr volles, kastanienbraunes-Haar: »Ich weiß ja, Gretl, daß du nit so hoch- g'stochen bist. Aber deinem Vatter mußt du's noch beibringen, daß Puppenspieler genau so«in ehrliches-Haudtverk betreiben, wie Bäckermeister. Wenn er auch ein zweistöckiger-Hausbesitzer is, deswegen braucht er auf uns Mcßleut doch nit so von oben ntnter gucken." „Es wird sich ichon mal eine Gelegenheit finden, wo ichs chtn sag." Sie lenkte anf«in anderes Gesprächsthema: „Morgen abend komm ich runter zum Kranen. Dann schaun wir nns den ganzen Meßrummel an." „In jede Bude können wir gehn. Weißt, ich brauch nirgends was bezahlen. Die Meßleut nehmen keinen Eintritt voneinander. Kannst dir dann alles anfchaun." „Ich freu mich fei arg drauf,-Hans." Er drückte sie an sich, spürte unter seiner -Hand unversehens die feste, knospende Brust des Mädchens und eine heiße Welle schlug ihm durch den ganzen Körper. Gretl wurde von«wer ungekannten Bangigkeit befallen. Sie hätte sich gern aus dem umfassetrden Arm gelöst. Aber es ruhte sich auch wieder so wohlig darin, daß sie nicht recht wußte, sollte sie-HanS wehren oder nicht. Jetzt hörte sie ihn wieder sprechen, stok- keyd und so, als käme seine Stimme ans weiter Ferne: „Wenn ich fort bin, Gretl, dann, denk u. immer an dich und freu mich aufs Wiederkom- nten. Dann geht mir immer so viel durch den Kopf, waS ich dir alles sagen muß, und wenn ich dann mit dir allein so auf der Bank sitz, dann is alles wieder weg» und ich sitz da wie ein Maulaff und kann dir nit sagen, WaS ich sagen macht." (Fortsetzung folgt.) urw Frelkag, 17. WobcmBer 1933 Seit, 8 uitb Bemfcn? Auf dem flachen Lande könnten durch Ausgestaltung unseres Sanitätsdienstes noch Hunderte, ja Tausende Aerzte ohne weitere» unlcrgebracht werden. An speziellen Klagen der deutschen Devölkc- rung bringt Genosse Hackenbepg d:e Studentenfürsorge vor, von deren ohne dies gedrosselten Budget auf die deutschen Studenten nur ein Verschwindenoer Bruchteil entfällt. Auch bei der deutschen pädagogischen Akademie sehen wir eure arge Benachtenigung; sie ist im Gegensatz zu den tschechischen Üehrerakademien immer noch nicht verstaatlicht und die Zuwendungen von stattSwegen sind äußerst gering. Die Hochschulkurse für Bürgerschullehrer an der deutschen pädagogischen Akademie erhalten überhaupt keine Staatssubvention. Ebenso sieht cs m t der Unterstützung der deutschen Pestalozzi-Gefellschaft aus. Schwer« Klag« haben wir auch zu sichren über die Ungleichmäßigkeit der Behandlung der Deutschen in der Frag« dr» Min» derheitSschulwesenS. Für dir deutschen Minder. hritSschulrn ist der Aufwand im Verhältnis zu dem Aufwande für di« tschechisch«» viel zu gering. Ich wiederhole, daß wir selbstverständlich dafür sind, wen» die tschechische» Minderheit«» in deutsch«» Gebieten di« Möglichkeit bekommen, ihr« Kinder in der Muttersprache unterrichte» zu laste». Aber«S mutz aufreizend wirken, wett» für ost künstlich gezüchtet« Minderbeit«» von drei Kindern auswärts solch« Anstalten errichtet werden, und andererseits die ortsansässigen zahlreich«» deutschen Kinder in unbygieni chen Gebäuden untttgebracht werden. Wir bearüßrn cs, daß mau heut« schon dl«-ganze Sache ein biglben gerechter beurteilt. Aber«S ist notwendig, vast den Bedürfnissen der deutschen Bevölkerung mehr als bisher Rechnung getragen wird. AIS besonders krasten Fall erwähnt Relkner den Ort K ö n i g S l o s c n bei Mähr.-Ncustadt, die deutsche Bevölkerung seit 1926 vergeblich um eine deutsche Schule bemüht, obwohl in dem Ort-1t schulpflichtige Kinder vorhanden sind. Redner macht den Minister speziell aus diesen Fall aufmerksam und bittet iyn dringend, durch entsprechende Aufträge an den Landesschulrat in Brünn, den Bezirksschulrat in Sternberg Borsorge zu treffen, daß endlich dieser Fall erledigt werde. Wir all«, auch unser« Freund« auf tschechischer Seite und jeder, der will, daß Friede eintrete zwischen den Völkern dieses Staates, sind daran interessiert, daß sich da» deutsch« Volk in diesem Staat« nicht zurückgesetzt fühle gegenüber der tschechoslowakischen Nation. Keine Zunahme der Kriminalität Justizminisler Dr. Meißner befaßt« sich im Budgetausschuß u. a. mit der Mordstatistik der letzten Jahre. Er erklärte, daß man hiebei vielfach der Suggestion durch die ungenügend informierte Presse unterliege; Mordfälle sehen in der Presse anders aus, als bei der Beurteilung auf Gründ der Akten. Die Umwandlung der Todesstrafe in eine FreihcitSstrase geschieht in den historischen Ländern im Gnadenwege, ohne daß die Oesfentlichkcit die Gründe kennen lernen würde. Wäre letzteres der Fall, so würde die Beurteilung manches Falles durch die Oeffent« lichkeit eine andere sein. Die Morde an Familienangehörigen werde man auch durch die schärfste Ahndung n i« auS- rotten. In den Jahren 1924 bis 1931 wurde 100 Personen wegen solcher Morde die Todesstrafe im Gnadenwege umgcwandclt, weitere» 86 Personen wegen Mordes an Fremden. Die fleptische Ansicht, daß da« Verbrechertum nnd namentlich di« Angriffe ans Menschenleben im Ansteigen begriffen seien, ist durchaus unrichtig. In dem Zeitraum von 1924 bis 1982 nähern wir und hinsichtlich der Zahl der Todesurteil« den Verhältnissen, wie sie in den historischen Ländern in dem Jahrzehnt 1894—1903 herrschten. Seit 1930. wo 175 Falle von Mord nnd vorsätzlichem Totschlag zur Bestrasnng kamen, ist deren Zahl aus 168 im Jahr 1931 nnd aus 141 im Jahr« 1932 gesunken» Was die Morde an Sicherheitsorganen belrifft, müsse man leider zugebcn, daß sie tatsächlich namentlich unter der Gendarmerie viele Opfer fordern. Bei der Entschciduna über die Begnadigung eines Mörders nehme das. Ministerium immer Rücksicht aus den notwen-' diaen Schuh der Gendarmerie, dir ihre Di-nsi- pslicht auch um den Preis ihres Lebens erfülle. Sozialversidiarnngsablitmeii mH Deulsmiand Hestern in Prag unterzclffinet Prag, 16. November. Am 16. November bs. I. wurden im Außenministerium in Prag di« Ratifikationsurkunden des Abkommens zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland über die Kozialversicherung anSgetauscht, die am V. Marz 1931 in Bersin unterzeichnet Word«« sind. DaS Abkommen tritt am 1. Dezember in Kraft. Die JBicMIimen für die Ernennung von Selbstverwaüungsfunktionären Zur Frage der Ernennung von Mandatnachfolgern an Stell« der des Mandates ent. kleideten Vertreter der aufgelösten, bezw. eingestellten nationalsozialistischen, bepv. deutsch nationalen Partei in Gemeinde, Bezirk und Land, gab Innenminister 6erny im Budgetausschuß die an die BezirkShau-ptleute in dieesr Sache ergangenen Weisungen bekannt. Die Bezirkshauptleute wurden aufgefordert, in solchen Fällen, wo nicht die Ersatzleute nachrücken können(falls keine vorhanden sind, bezw. auch diese von der Mandatsnachfolge ausgeschlossen sind), nach dem Gesetz neue Funktionäre auS Angehörigen derselben Sprache zu ernennen. Dabei sei vor allem daraus zu achten, daß nicht nur in der nationalen Zusammensetzung keine Arnderuna eintrete, sondern daß dre Körperschaft na« ihrer Ergänzung auch in ihrer kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Struktur dem frühere« Stand« entsprech«. ES ist nichts dagegen einzuwcnden, daß die zu ernennenden Personen auch auS den Kandidatenlisten der übrigen Parteien derselben Nationalität genommen, bezw. dort, wo eS erforderlich ist, Personen ernannt werden, die keiner in dem BertretungSkörper vertretenen Parteien angehören, bezw. Überhaupt außerhalb jeder Par- tei"steh«n. Nicht ernannt werden dürfen Angehörig« der deutschen nationalsozialistischen, der deutschnationalen, der kommunistischen und der sasei- stischen Partei. Die neuen Funktionäre müssen Staatsbürger sein, die der Republik ergeben sind und bei denen nach ihrem bisherigen Verhalten auch nicht der geringste Zweifel darüber bestehen kann, daß sie zu jenen Staatsbürgern gehören, die weder die Selbständigkeit, verfassungsmäßige Selbstverwaltung— Ober 12 Milliarden Sdiulden Di« schwierig« finanzielle Situat ou der Selbstverwaltuogükörper, di« auch der Referent und zahlreich« Redner hervorgehobrn Haden, beleuchtet der Minister durch einig« Z sseru End« 1932 betrug dir Gesamtschuld der Länder 121» Millionen, die der sonstigen Selbswrr« 'waltuugskörper über 11 Milliarden. Davon entfallen aus Böhmen 8812, aus Mähren-Schlesien über 8391), aus di« Slowake. 966 und aus Kar« pathorußland 51 Millionen. ES werd« notwendig sein, sür di« autonome» Finanzen in ihrer schon unerträglichen Belastung «tue Erleichterung zu s»den, die auch Einheit, Integrität, demokratisch- republikanische StaatSform noch die Sicherheit der Tschechoflo- wakilchen Republik bedrohen. Selbstverständlich wüsten sie in dre betreffende Körperschaft wählbar jein. Wenn eS sich um di« Ernennung eines Gemeindevorstehers, von Stellvertretern oder Gemeinderäten oder— je nach den Umständen— eventuell auch von bloßen Mitgliedern der BertretungSkörperfchaft handelt, dann wird eS sich empfehlen, in wichtigeren Gemeinden vor ihrer Ernennung rin Uebereinkommen der in der Körperschaft vertretenen staatstreuen Parteien zu erreichen. 49 Prozent nldn bestätigte Bürgermeister In Mähren-Ichlisleu nur 2.9 Prozent. Bon Gemeindcvovstchern wurden, wie der Minister weiter ausführte, in Böhmen rund 4.9 Prozent, in Mähren-Schlesien* 2.9 Prozent nicht bestätigt; insgesamt mußten gegen 16.000 Fälle überprüft werden. Diese ausgedehnt« und heikle Mtion wurde in verhältnismäßig kurzer Zeit und im großen und ganzen zur Zufriedenheit der politi- lchcn Parteien durchgcführt. Er hofft, daß auch d'e Ernennungsaktion ziemlich reibungslos und ohne ablehnende Kritik der politischen Parteien, bqw. Korporationen durchgeführt werden ivird. Der Schuh der öffentlichen Ruhe und Ordnung gehört zu den Hauptaufgaben seines Restarts; auch wenn es in unserer Nachbavschaft zu Unruhen und Ausschreitungen kommt, werden wir nicht zulasten, daß sich irgendwelche Unzukömmlichkeiten aus unser Gebiet übertragen. Er wolle aber kein« Ruhe, die sich auf di« Sp'tzen der Bajonette stützt, sondern leg« bei allen Maßnahmen großes Gewicht auf das gut« Eiirvernehmcn mit der Bevölkerung. sicher gesunden werden wird, ohne daß di« Not» Wendigkeit einer welterea Belastung der Steuerträger durch eine allgemein« Erhöhung drr Zu» schlagSsätze eiutreten müßte. Än diesem Zusammenhang hob der M nister di« hohen Ziffern der Gemeindeschulden hervor, die allerdings bis auf vereinzelt« Fälle nicht in der schlechten Wirtschaft, sonder» in den Auswirkungen der allgemeinen Kris» ihre Ursache haben. AuS der Arbeitsanleihe haben die Selbst. veuwaltungSkövper ein« ziemlich hohe Quote, bisher über 265 Millionen erhallen Abschließend erklärte der Min'sier, daß die Administrative und der Sichevheitsapparat g u t funktionier«, auf alle Eventualitäten vorbereitet sei und unter allen Umstände» sein» Pflicht voll, einwandfrei und rasch erfüllen werde. kill gMesMeler Stellvertreter des Herrn Spina Landbundsenator Kahler sdiwärmt Ittr Hitler i B. d. 8. sehr schwer. Ihm imponier« das hitler- deutsche RegierungSsystem viel mehr, weil man in Hitlerdeutschland Gesetze ganz einfach über Nacht dekretiert, hingegen in der Tschechoslowakei Monate zur Beschlußsaffung eines.Gesetze» benötige. Ferner erklärte Senator Kahtzer, rin Mitglied einer Rrglr- rungSpartrl, daß ihm die Diktatur entschieden bester gefalle als di« Demokratie und«S sei sein Wunsch, daß auch hierzulande dir Diktatur anS Ruder gelange. Wenn der D. d. L. heute noch .aktivistisch« Politik mach«, so nur wegen der Grenzpsähle, die die Sudetrndeulschen von Hitlerdeutschland trennen. Diese Politik sei aber nur Mittel zum Zweck, denn der B. d. L. erklärt sich mit dem Shstem Hitler» einverstanden. Die Verläßlichkeit dieses Berichtes geht schon daraus hervor, daß unser Brnderblatt anschließend darüber referierte, Kahler habe bereits in der Rokitniher Rede seine Ernennung zum Stellvertreter Spinaü angekündigt. Tatsächlich wird nun unter den ernannten Unterführern des Landbundministers Senator Kahler in der Presse genannt. Demnach scheint der Bund der Landwirte trotz aller schiech- Nach einem Berichte deS„Trautenauer Echo" hielt der landbündlcrische Senator Kahler unlängst in Rokitnih im Adlergebirge eine Bersammlung ab, in welcher er aus seinem anti- demokratischen Herzen wahrlich keine Mörder- grübe machte. Das genannte Bruderblatt zitiert die Kernstellen seiner Rede wie folgt: Senator Kahler erklärte vor seinen Getreuen, daß der Austritt Deutschlands aus dem"Völker bund vom Bund der Landwirte gutgehcißen und begrüßt werde. Di« deutschen Ereignisse befriedi gen dir verantwortlichen Politiker d. B. d. L., der mit den Reden Hitler» vollkommen einverstandcrl sei. Der B. d. L. habe alle Ursache, dir heutigen Systeme io Deutschland und Oesterreich zu begrü ßen. Man mllst« sich besten bewußt sein, daß der B. d. L in der tschechoslowakischen Demokratie nur «in Mittel zur Beseitigung de» Marxismus sehe. Konrad Henlein mvstr man unterstützen, weil«S Aufgabe der»Sudetendeutscheu Heimatfront" ist, die durch dir Auflösung der beiden nationalistischen Parteien heimatlos gewordenen Parteimitglieder unter ein politisches Dach zu bringen. Nachdem Senator Kahler in demagogischer Weise gegen die Arbeiterschaft loszog, wobei er daraus verwies, daß, r der Bauer pro Stund« nur 5 Heller, der Arbeiter I ten Erfahrungen jene zwiespältige Politik fort- srdoch«ine Krone und der Beamte gar zwanzig setzen zu wollen, welche darin gipfelt, in Prag Kronen verdiene, betonte er mit erhobener Stimme, die demokratische Republik MasarykS und in der daß eS für den Bund der Landwirte schrecklich sei, j Provinz das Dritte Reich Hitlers zu preisen. Man mit den Sozialdemokraten in einer Regierung mit-' wird ja selicn, zu wessen Gunsten das Führerspiel sitzen zu mllffen, denn da» Regieren falle dem mit verteilten Rollen auSfällt. England für Fortsetzung der Abrüstungskonferenz Sir Simon reist nach Genf London, 16, November. Sir John Simon und Unterstaatssekretär Eden reisen morgen nach Gens zu einer Beratung mit dem Vorsitzen- den der Abrüftungskonserenz Henderson. Sie hoffen, daß sie dortselbst auch mit den Delegierten der übrigen interessierten Macht« zusammen- treffen werden nnd daß sie über eine Wiederaufnahme der Arbeiten der Abrüstungskonferenz werden verhandeln könne«. Der Berichterstatter stellte im britischen Außenamte fest, daß man büi den künftigen Genfer Unte-rerdungen wahrscheinlich über eine Initiative zu einer Zusammenkunft der Signatare des Diermachte. Paktes in Rom verhandeln werde. Reuter erfährt weiter»", daß di« Abreise Sir John Simons noch Genf ein Beweis dafür lei, daS England bestrebt sei, alles was in'einer Macht steht, zu unternehmen, damit die Arbeiten der Abriistungskonsevenj mit emem Erfolg ende.en. Parlament am 27. Prag, 16. November. Die nächste Planor- sitzuna des Abgeordnetenhauses wurde baute vom Präsidium auf Montag, den 27. November, 11 Uhr vormittags ein berufen. In dieser Sitzung soll bereits der Bericht des BudgetauS- I ch u s s c S über den Staatsvorairschlag für 1934 vorgelegt werden. Ost-Locarno? Warschau, 16. November.(Pat.) Wie bereits berichtet wurde, verbreitete das Berliner Wolff- Büro gestern die Meldung, daß bei den Berhand- lungen zwischen dem polnischen Gesandten in Berlin L o p s k i nnd dem Reichskanzler Hitler über die polnisch-deutschen Beziehungen eine absolute Uebcreinstimmung der beiden Regierungen in dem Bestreben zum Ausdruck kam, durch direkte Bcrhandlun- g c n die die beiden Länder betreffenden Fragen zu läsen, die Festigung des europäischen Friedens zu sichern und sich in den gegenseitigen Beziehungen der Anwendung von Gewalt zu enthalten. Die halbamtliche„G a z e r a P o l s k a" kommentiert die Meldung des Wolfs Büros folgendermaßen: Der Locarno-Pakt enthielt die gegenseitige Verpflichtung«ine« Richtangrissa zwischen Deutschland und Frankreich. Di« gestrige Erklärung bedeutet, daß hiezu die NichtangrissSverpflichtnng zwischen Deutschland und Polen tritt. Unverzüglich kann behauptet werden, daß die Wichtigkeit dr» AktrS vom 13. d». sür den Weltfrieden unleugbar ist. Die Lücke in den Locarno-Prinzi pien ist gestern a n» g e f ü l l t worden.' ch «ein denttM polnkMer NicMöngrlllspahi Berlin, 16. November.(Conti.) Gegenüber Behauptungen von französischer Seite, daß diese deutsch-polnischen Besprechungen den Abschluß eines Nichtangriffspaktes bezwecken, bezw. ans ein Ostlocarno hinauslaufe», wird in polnischen Kreisen auf das gestrige Kommunique? h»gewiesen, daS lediglich von der Erklärung der„Nicht- gcwaltanwenduna" spricht. Es handelt sich b.l den gestrigen Besprechungen überbau:» noch N'cht um irgend einen Brrir--» Die Hitlerrcgicrung hat alle Hände voll zu tun, um Ihre gewaltigen KrirgSrüstungen durch serienlvcisc produzierte FrirdcuSgcsten zu tarnen. Am Vorabend jener„Wahl", die diesem Zweck diente, nnißle der Reichspräsident tief ergriffen von den Schrecken des Krieges rundfiinken, als ob er ilicht 1914»achhaus geschrieben hätte, was amtlich veröffentlicht wurde:„Der Krieg b e k o m»l t m i r wir eine Badekur." Kaum sind die ersten Nichtwähler verhaftet, da bietet man durch einen mir zu Derartigem verwendeten hohen RegierungSmann nnd durch einen Abgesandten des braunen Außenministers Rosenberg der Tschechoslowakei einen Nichtangriffspakt an. Ihre Antwort, nur zugleich mit Polen ein solches Angebot anzunehmen, erregt in Polen Hellen Jubel, die Presse feiert die 6TR. als den treuesten Freund und nennt diese Antwort daS schönste Geschenk zur polnischen StaatS- grnndungsfeier. FlngS tritt Er selbst aus den Plan, der sclsensest überzeugt ist, daß sich seiner gottgesandten Erlöserpersönlichkeit nichts widersetzen kann. Ungeachtet allen SlawenhasseS nnd blutiger Polenfcindkchaft wickelt er den Gesandten in braune FreundsrhastSwattr ein. Es kann doch gar nicht ander- kommen, als daß nnn Polen sofort Frankreich nnd der Sowjetunion den Laufpaß aibt nnd den Herzcnsbund mit Hitlrrdeutsch l-'nd schließt. Ei. wär das fein, wenn sie alle ihre Waffen wcgwnrfen— da könnte man es ihnen ordentlich nnd risikolos geben mit Goerinas neuer Armee, vor der die Welt zittern soll. Aber ach, »igennerbafte Tücke umdüstcrt des Auslandes Geist, daß es all den Edelmut des Dritten R»' ches nicht nnd nicht erkennen will.. Vie Dauern sagen„Nein' Hamburg, 16. November. Im vorwiegend bäurischen Wahlkreis Schleswig-Holstein hat die Zahl der Neinstimmen die enorme Höhe von 110.628 erreicht. Dieses Resultat ist um so höher zu bewerten, als dieses Gebiet seit Jahren zu den stärksten und in den Augen der Nazis unerschütterlichsten Hochburgen der nationalsozialistisch-— Bewegung gehört. Im übrigen werden die stärksten Ersolv-. antifascistischcn Agitation in Berlin, Hamburg, Lcivzig und im rheinischen Industriegebiet Verzeichnet. Wenn in diesen Gebieten die Zahl der Neinstimmen und der ungültigen Stimmen, die als gegnerische Stimmen zu werten sind, bis zu 12 oder 15 und sogar bis zu 20 Prozent betra- grn, so ist das angesichts des ungeheuerlichsten Terrors ein erstaunlicher Erfolg. Uollvlanlsdie Regierung zurUffigeireien Buenos Aires, 16. November. Nach den au. Bolivien eingegangemn Meldungen ist das boli- Ivianrsche Kabinett zurückgetreten. Seite 4 Freitag, 17. November 1933 Nr. 269 Notverordnung Uber nlchthartelllertc Preise Prag, 10. November.(Amtlich.) In dem soeben erschienenen Teile der Sammlung der Gesetze und Verordnungen wurde unter der Nummer 207 eine Regierungsverordnung vom 21. Oktober 1933 über die Anwendung einiger Bestimmungen des KartellgefetzeS aus unverhältnismäßig hohe Preise(Tarife), die durch die Kartellabmachungen nicht bestimmt worden sind, verössentlicht. Nach dieser Verordnung wird das Lande s a m i, eventuell in seinem Namen das orts« zuständige Bezirksamt das Verfahren nach Analogie de» Kartellgesetzes durchführen, wenn die begründete Befürchtung besteht, daß das ösfent- liche Interesse durch die unverhältnismäßig hohen Warenpreise bedroht erscheint, die die Kartellabmachungen anbetreffen, weiters durch Kartellabmachungen der direkt nicht betroffenen Absatzgrade oder durch unverhältnismäßig hohe Preise oder Tarife von wichtigen, unentbehrlichen Gegenstände oder Leistungen deS Gebrauches. Für die Unternehmer, gegen die das Verfahren eingeleitet werden würde, kann durch die Behörde ein gemeinsamer Vertreter ernannt werden, dem die Ausübung der Prozeßrechte zusteht. In dem Verfahren können eventuell auch Konsumentenorgantsationen aufire- ten, deren Wirkungsbereich sich wenigsten» aus den Rayon eine» Landesamtes erstreckt. Durch Spruch der Behörde kann auch da« Fordern von Preisen, die eine gewisie Höhe übersteigen, für eine bestimmte Zeit verboten werden. Gegen diesen Spruch kann Berufung an daS zuständige Ministerium eingelegt, allenfalls noch Beschwerde beim Kartellgericht eingereicht werden. nerra Hitlers„Bohemia“ tut sehr ungehalten darüber, weil wir sie„plötzlich" also nennen. Nun zunächst: das geschieht unsererseits gar nicht„plötzlich", sondern schon seit mehr als einem halben Jahre, eben seit der Zeit, da die„Bohemia" anfing, für die Verbreitung nationalsozialistischer Gedankengänge und Absichten nach Kräften zu sorgen. Nach kurzer Pause tut sie es jetzt wieder, vor allem durch spaltenlangen Abdruck und entsprechende Plaeie- rung von Hitler- und Hindenburgreden. Minister Bene», dem die„Bohemia" sich jetzt anzubiedern versucht, wird ganz sicher herzlich lachen, wenn er liest, daß die„Bohemia" mit dieser Hitler-Propaganda nur ihrer„bericht- erstatterischen Pflicht" zu genügen vor- gibt und sich selber taxfrei das Verdienst einer „fairen Berichterstattung" zuspricht. Für wie dumm hält denn die„Bohemia" die Welt, wenn sie vermeint, man könnte ihr als„journalistische Courtoisie". anrechnen, was in Wahrheit doch nichts anderes ist als eine schlecht getarnte Liebedienerei für den deutschen FaseiSmuS, die sich durch den Absatz, den dadurch die„Bohemia" in Deutschland finden kann, bezahlt macht! Warum schweigt denn das„faire" und „eourtoise" Blatt unsere Feststellung in diesem Punkte völlig tot? Jedenfalls, weil sie den Nagel auf dem Kopf tr.s! Aber wir können auch mit weiteren Nachweisen dafür dienen, w e m gegenüber die„Bohemia" fair zu sein sich wiederum bemüht! Warum war sie am vergangenen Sonntag das einzige Prager deutsche Blatt, daS seinen Lesern die Schilderung der Zustände in den deutschen Konzentrationslagern, wie sie in dem Prager Prozeß gegen die Kom otauer Hakenkren zier gegeben wurde, v o l l k o m m e n verschwieg? Warum? Nun weil die„Bohemia" eben ihre Pflicht als demokratisches Blatt nicht erfüllt, wohl aber als sudetendentscheS Organ des deutschen Faseis- muS und weil daS Verbot der„Bohemia" in Deutschland, das mit 30. Oktober ablief, natürlich sofort erneuert würde, wenn sie so wie die übrige, demokratische Bresie offen über Dinae berichtete, die für Deutschland unangenehm sind! Die„Bohemia" nennt das, was w i r als unsere politische und journalistische Pflicht gegenüber der Demokratie ansehen,„Denunziation", und ist böse mit„GefR Slovo" und„Prüvo Lidu", weil diese beiden Blätter die„handgreiflichen Verleumdungen" von uns übernommen haben. Vor kurzem haben>vir mitgeteilt, daß wir die„Bohemia" wegen der Beschimpfungen gegen uns, mit denen sie sich vor der Oeffentlichkeit zu retten versucht, geklagt haben. Wegen dieser neuerlichen Beschimpfungen wird das„faire" und„eourtoise" Blatt nun abermals von uns geklagt. Und nichts kann und darf uns davon abhalten, die„Boheinia", solange sie daS Doppelspiel treibt, zugleich Herrn Hitlers „B o h e m i a" zu bleiben, aber Herrn Minister Dr. Benes demokratische Gesinnung einreden zu wollen, immer wieder anznprangern. Um so mehr, als sie die V o r r e i t e r i n für die übrige subetendentlche Presse ist. die sowie die„Bohemia" sich erst gleich sch a l- t c t e, dann umschaltete und nun eine Art DoppelschaltnNg eintühren möchte, die der Demokratie bewußt gefährlich und um so gefährlicher ist, als sie d e m o kratisch getarnten Fase iS mu s bedeutet. Das Winterlager des Polarforschers Barents nach 338 Jahren ausgesunden. Porträt oben links: Der holländische Forscher Barents. Zeitgenössische Darstellung der Hütte, die sich Barents 1597 zur Ueberwinterung auf der russischen EiSmeerinsel Nowaja Semlja errichtete. Auf der Insel wurden jetzt, nach 336 Jahren, die Ueberreste der acht Meter langen und fünf Meter breiten Hütte sowie die eines Booteü des holländischen Seefahrers entdeckt. Man will jetzt versuchen, das Grab Barents aufzufinden, der danials so wagemutig die erste arktische Ueberwinterung unternahm, und der seine Pioniertat mit dem Tode bezahlte. T agesneuigkeiten Englische Dampfer in Seenot. Mu Schiff gescheitert? London, 16. November. Die britischen Frachtdampfer„Saxilby" und„St. Ouen» tin" sind in einem schweren Sturm int Atlantischen Ozean, ungefähr 300 Seemeilen von der irischen Küste entfernt, in Seenot geraten. Beide baten dringendst nm Hilse. Die„Saxilby" funkte, daß die 27 M a n n starke Besatzung den Versuch unternehme, sich in die Rettungsboote zu begeben. Eine ganze Anzahl britischer Dampfer, weiter ein Kreuzer, der britische TranSatlantik- dampfer„Bercngaria" sowie zahlreiche holländische Flugzeuge sind nach den angegebenen Positionen der beiden Schisse, die etwa 00 Seemeilen voneinander entfernt sind, unterwegs. Wie spatere Meldungen besagen, ist die „Saxilby im Atlantischen Ozean etwa 400 Meilen westlich von Valentin(Insel an der Küste von Irland) gescheitert. Der Dampfer„Manche- ster Regiment" hat auf sunkielegraphischem Wege mitgeteilt, daß er aus wiederholte Funkruse von der„Saxilby" keine Antwort mehr erhal- ten habe. Ueber New?)ork sind aus drahtlosem Wege Meldungen eingegangen, denen zufolge es der Mannschaft der„Saxilty" gelungen sei, in die Rettungsboote zu gehen. Obgleich mehrere Schisse den Schiffbrüchigen zu Hilfe geeilt sind, hegt man doch lebhafte Besorgnisie um ihr Leben. Sine schwimmende Insel. Washington, 16. November. Die Verwaltung für öffentliche Arbeiten bewilligte 1.5 Millionen Dollar für den Bau einer schwimmenden Flug-Plattform zu Versuchszwecken. Diese schwimmende J»sel, die 500 Seemeilen von der atlantischen Küste entfernt verankert werden soll, wird zunächst nur ein Viertel der vorgeschlaaeneiz Größe erhalten. Vom Gelingen dieses Versuches wird es abhängen, ob der Bau einer ganzen Serie derartiger Stützpunkte in voller Größe von 280 Metern Länge in Angriff genommen werden wird, die dann in Abstanden von je 500 Seeniei- len als Flugbrücke über den Atlantischen Ozean verteilt werden sollen. Die Kosten des Gesamt- Projektes betragen 30 Millionen Dollar.' 8in Lfflrler wird hlngerlchlet. Belgrad, 16. November.(Avala.) In Belgrad wurde heute frühniorgens der ehemalig.' Osfizier der österreichisch-ungarischen Armee, Milkiü, hingerichtet, der westen Spionagetätigkeit zugunsten zweier ausländischer Ätächte durch den Gerichtshof zum Schutze des Staates in Belgrad am 6. ds. zum Tode verurteilt wurde. Ausschluß der deutschen Gruppe aus dem P8N'8lub. London, 16. November.(Jnpreß): Das Internationale Erekutiv-Komitee des PEN- ClubS hielt im Mayfair-Hotel in London eine Sitzung ab, nm die Lage der deutschen Gruppe zu prüfen. Ter deutsche Delegierte, Edgar von Schmidt-Pauli, bestätigte, daß an die Mitglieder des Pen-ClubS in Berlin ein Rundschreiben ver- -r.'a ilpin sgniD'ilostz xag ustsvjgunazg u.iq}|iu u.iqi.n(pjquit}(; g.ifpioj uia yvq'Vuujjvjlnzx mq Ivrp.iq 33iiuto]Q!iU].Vx3)'uoqunssoljvu uau -oiwjiuvörö urchizuhv rogo isirvsß üälpjissiunm -iiiozf aog oij iloq'zzvK urq inj'qinl uaQiocu pro -aoj.ivjnv))ii)gti]g mn?»tj uijQ in'sqinai zquoj einbar ist. Der Vorsitzende H. C. Dells schlug daher vor, daß die deutsche Gruppe des Pen-ClubS aus dem internationalen Pen-Club auszuschließen sei, sofern sie nicht bereit sei, jedes Mitglied ohne Ansehen der Rasse und politischen Ueverzeugung aufzunehmen. Sin ISjShriger erschlügt seine Mutter Budapest, 16. November. Die Budapester Polizei beschäftigt sich mit der Aufklärung eines abscheulichen Muttermordes. Die geschiedene Frau des Budapester Universitätsprofesiors Zemplin, Frau Johanna Zemplin, wurhe heute früh in ihrem Schlafzimmer mit bis zur Unkenntlichkeit zerschmettertem Kopse t o t aufgefunden. Neben der Leiche lag eine blutbefleckte Axt. Der Mord kam dadurch ans Tageslicht, daß der 15jährige Sohn der ermordeten Frau, Dionysius Zemplin, heute Vormittag in der Woh- »nng seines Vaters erschien und durch die Tür einen Zettel hineinwarf, auf den er geschrieben hatte:„Ich, Dionysius Zemplin, 15jahriger Gymnasialschüler, habe heute früh meine Mutter mit einer Axt ermordet. Dionysius Zemplin m. p. Seitdem ist der Schüler spurlos verschwunden. Man hat bis jetzt keinen Anhaltspunkt dafür, was den Jungen zu seiner grausigen Tat veranlaßt haben kann. _ Helft der Jugend! In einem Aufruf des Präsidenten der Deutschen Landeskommission für Kinderschuh und Jugendfürsorge heißt es:„Ich fühle mich in meiner Eigenschaft als Präsident der Deutschen Landeskommifsion für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Böhmen verpflichtet, mit allem Nachdrucke darauf hinzuweisen, daß sich auch die Ernährungs- und Pflegeverhältnisse der Jugend in bedrohlicher Weise verschlechtert haben. In unseren Sommererholungskolmnen haben wir Unterernährung und Erziehungsvernachlässigung von Kindern kennen lernen müssen, wie wir sie kaum siir möglich gehalten hätten. Schon werden uns Zustände gemeldet, die an die letzten Kriegsjahre erinnern, indem ganze Familien bettelnd über die Landstraßen ziehen. Das Ergebnis der Sammlungen anläßlich des Kinderschutzmonates ist weit hinter den Vorjahren zurückgeblieben. Die Deutsche Landeskommission für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Böhmen richtet deshalb nicht nur an alle niaß- gebenden Negierungsstellen sondern auch an die Ans Nom wird nnS geschrieben: Der Oberintendant der Ausgrabungen von Pompeji machte der Presse interessante Mitteilungen Über die neuesten Funde der Ausgrabungen, in Pompeji, welche die einerseits die äußerst interessanten, komplizierten Festungsmanern der Stadt in ihren Anfängen bloß legten, andererseits einen ganz neuen Häusertypus in der sogenannten Insiila des Meanderhaiises mifziistelien gestatteten und zum ersten Mal einen genauen Ueberblick über die.HanSgeräte und Topferzengnng des alten Pompeji gaben. In der südwestlichen Ecke der Meander-Insiila überraschte der Fund eines in seiner harmonischen Feinheit und Zartheit dastehenden Wohnhäuschen, dessen außerordentliche frische Wandmalereien und der Baustil darauf hindeuten, daß daS.Haus in allerletzter Zeit vor der Katastrophe gebaut wurde. Das einstöckige, einen zierlichen, schmalen Eingang auswcifende Wohnhäuschen zeigt einen von einem Steingestell(pluteno) abgeschlossenen Garten mit Resten von Pflanzen- und Banmcmlahen, versehen>uit einem förmlich nwdernen JrrigationS- ) gesamte deutsche Oeffentlichkeit den dringenden Ruf, in dieser Zeit der Not der be- drohten Jugend all« nur mögliche Hilfe angedeihen zu lassen." Ungarisch« Studenten verlangen den Numerus ElansnS. Die"Hörer der Technischen Hoch, schule in Budapest veranstalteteu gestern eine große Kundgebung, in der sie di« Wiedereinsüh- ruivg des vollständigen illumernS Clausus- Systems für die israelitischen Hörer forderten. Die Hörerschaft entsandt« ein« aus zehn Mit. gliedern bestehende Abordnung zum Rektor der Hochschule, dem sie ihr« Wünsche vorbracht«. Die Hörer der anderen ungarischen Universitäten und Hochschulen haben beschlossen, sich solidarisch mit den Hörern der Technischen Hochschule zu erklären, falls deren Wünsche keine Berücksichtigung finden sollten. Einbruch durch die Mauer. In der Gemeinde Ivanovee im Mukaöevoer Bezirk untergruben gestern nachts eurige unbekannte Täter die Mauer des KleinhäuSlers Samuel Berger und verschafften sich so Zutritt in daS Innere, wo sie dann Rauchmaterial und Bargeld entwendeten. Durch den Lärm, den die Einbrecher verursachten, wurde Berger geweckt und gab aus einem Revolver drei Schüsse ans die Diebe ob. Der vierte Schuß plieb in dem Revolver stecken. Die Täter flüchteten mit der Berit« in der Richtung gegen Mukaeevo. Einer der Diebe, der wahrscheinlich durch einen Schuß verletzt wurde, da man an der Einbrüchsstelle Blutspuren ent- dcckte, konnte sich auch durch die Flucht retten. Arbeiterentlassungen bei der Alpine-Gesell- schäft. Bon den 1700 bei der Alpinc-MoMan- gesellschaft im Hüfeirwerk Donaivih beschäftigten Arbeitern wurden mit Beginn dieser Woche 400 Mann entlassen. Die Direktion begründete die'« Maßnahme mit Arbeitsmangel. Tas bedeutet, daß auf die S oigcrung der Roheisenerzeugung im dritten Quartal dieses Jahres, die fast das Doppelt« der Produktion in der gleichen Zeil M Vorjahres betrug, nun ein neuer Tiefstand eintreten wird. Zeitungsverbot«. Das Innenministerium Hal den„Kladderadatsch" und die„Magdeburger Zeitring" bis 31. Oktober 1935 für die Tschechoslowakei verboten. Doppelsetbstmord. In Vebehrad erschoß in der Nacht auf Donnerstag der 22jäyrig« Angestellte des Zirkus Kludsky, Erwin Jäger, sein« 25jährige Geliebte Elsa Beranovä, die im Zirkusballett beschäftigt war, und verübte dann Selbstmord. In Briesen, die sie ihren Eliern hinterließen, teilen sie mit. daß sie die Tat wegen Bedrohung ihrer Erislenz begangen haben. T«n gewalttätigen Sohn abgeschlachtei. In Peterwardein stürzte der Handelsakademiker Iwan Dejcie, der Sohn eines Weinbauern, nach einem Streit wegen einer Geldforderung mit einem Küchemnesser auf den Vater. Die'er griff zur Verteidigung zu einem Hackmesser und sckmitt seinem Sohn vor den Augen der verzweifele» Mutter di« Kehle durch. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. SamStag. Prag 15.30: Schallplatten, 16.00: Konzert, 17.00: Rundfunk für erwachsene Jugend, 17.35: Tschech. Konversationskurs, 18.80: Deutsche Sendung: Leichte Muse, 19.00: Smetana: Libussa.— Brünn 12.35: Mittagskonzert, 18.25: Deutsche Sen- d u ng: Heitere Melodramen.— Mähr.-Ostrau 16.00: Nachmittagskonzert, 17.15: Marionettentheater für Kinder.— Wien 15.40: Bon der Iugendbühne, 16.20: Zitherkonzert, 16.50: In bulgarischen Dörfern, 22 40: Tanzmusik.— Breslau 16.00: Unterhaltungskonzert. — Leipzig 17.40: Gitarrenmusik.— Berlin 18.00: Ter Zupfgeigenhansi. DaS Prager Sendestudio betriebsbereit! Die Arbeiten im neuen Prager Funkhaus neigen dem Ende zu. Bis dahin wird ans dem I Weinberger Närodni dum gesendet. Mitte No- ! vember wird der Betrieb in den Studios des tteuen Funkhauses eröffnet werden.(PR) Deutsche Schulfnnkprogramm«. Am 28. November, ab 10.10 Uhr: Vit. Noväk, ein Lebensbild des Komponisten mit Liedereinlagen und Klavierstücken, zusammengestellt von L. Stuchlik- Dcutelmoser; ab 10.40 Uhr: Vit. Novnk schildert einen Besuch bei Johannes Brahms. system und all den Gefäßen, welche zur Reinigung und Pflege des Gartens und der Hausgeräte dienten. Während nian sich bemühte, das Inner« Pompejis anSzugraben, zielten die letzten Ausgrabungen darauf hin, die Pompeji seinerzeit umgebende p rach wolle„via Pomeriale" mit ihren werwollen FcstungSmauern zu isolieren, wovon nur noch einig« Turmreste und die kurze Gruftengasse die Großzügigkeit der damaligen Zeit erkennen lassen. Die neuesten Ausgrabungen haben auch ergeben, wanrm man nichis von den gewöhnlichen pompejischcn Hausgeräten, hauptsächlich von den bronzenen im Neavler Museum' untergebrachten Geräten, gefunden hat. Man fand diese zusammengeworsen auf dem Getreioefonlm, einem von Pfeilern umgebenen, mit eitlem Dach überdeckten Hofe,, auf. Ma» fand großbauchige Gefäße für Wein, Blumen- vascn, Trinkgefäße für Vögel, Lackbvhälter mir der Fabriksmarke, Kamingiebel, Sammelgesäße mit Ticrgesichtern und sonstigen MaSken versehen usw. Vompejß vor Vern Untergang. Neue Ausgrabungen. 91r. 26» Freitag, 17. IletoJtttbtt. iv?n Leite 6 24 Tote bei einem Autobus- ungkülk. Cordoba, IS. November. Sin Autobus, mit dem zahlreiche Personen heimkehren wollten, die an einer sozialistischen Versammlung teil- genommen hatten, stllrzte in der Nähe von Huetlear in eine Schlucht. 24 Insassen wurden ge- tötct, viele andere erlitten Verletzungen. Tank an brave Männer. Der Generalkom- mandant der Gendarmerie sprach sein« lobend« Anerkennung dein Wachtmeister Karl Kozlov für die aufopfernde Rettung von sieben Personen aus, deren Leben anläß- lich der katastrophalen Ueberschwemmung in Wok in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli d. I. bedroht war. Ter LandeSgeiidarmeriekonimandant in UShorvd hat weiter dem Bezirksgendarmcrie- kommandanten in Bcrehovo und dem Leutnant Karl Zahradka für die besonders eifrig«, aufopfernde und zstlbcwußst Leitung der RettungS- NIIÜ Sicherungsarbei:«« bei der katastrophalen lleberchwemmung in Bz'lok BelobungSzcugnisse ausgestellt. Ferner l>at der LandeSmilitärkonrmmr- dairt Belobungszeusnnsst für die besonders eifrige und aufopfernde Ta ngkeir bei den RettungSarbei- ten anläßlich dieser Ueberichlvemmuno und der Hilfeleistung für bedrohte Menschenleben ausgestellt: dem Obertvackstmeisstr Adolf Urbäsek, dem Fähnrich Josef Musil, dem Wachtmeister Peter Nezval, Josef PcSek, Fran; Chloupck, Ladislav Klima, Eduard Chum und Jaroslav Klin«eS. In der weiteren Folg« wurde neun Angehörigen der Gendarmerie eine belohnende Anerkennung des Laildesgendarmeriekomniandos und den anderen bei den Rettungsarbeiten beteilig en Gendarmen der Dank und die Anerkennung dafür ausgesprochen, daß sic durch ihre Opfcrwilligstit zur Linderung dieses katastrophalen Elementar« Ereignisses beitrugen. Ambulant« Trafiken aus Bahnhöfen. Die Tschechoslowakische Tabakregie beabsichtigt im Einvernehnren mit der StaatSbahnvcrwaltung, auf den Bahnhöfen zur Hebung des Verkaufs ihrer Fabrikate ambulant« Trafiken cinzurichten. Dir BahnhofStrafikcn sind bis jetzt nicht sehr vorteilhaft, zumeist in beträchtlicher Entfernung vom Bahnsteig untergebracht und für die Durchreisenden bei kurzer Aufenthaltsfrist oft unerreichbar, so daß man nur in größeren Bahnhöfen von den entlang der Waggonreihe gehenden Kellnern Zigaretten gegen einen entsprechenden Aufschlag erhalten kann. Die Tabakregie denkt nun daran, den Täbakverkanf zu normalen Preisen so zu organisieren, daß sic die Trafiken mit fahrbaren Glaskästen versieht, in denen die Ware in entsprechender Aufmachung zur Schau gestellt würde. In kleinen Stationen würde schließlich auch ein gewöhnlicher Traglasten denselben Dienst tun können. Mord. In Hartmannsdorf bei Gera fand der Händler Tolle, als er abends nach-Haus« zurückkehrte, sein« 32jährige Ehefrau in der Speisekammer ermordet auf. Sie war m i t einem Hammer niedergeschlagen worden und tvieS außerdem zwei Stichlvunden rn der Stirn auf. Als der Tat verdächtig wurde ein Schmied festgenommen, der früher bei de>r Eheleuten Toll« getvohnt batte und wegen Streitigkeiten zwangsweise aus der Wohnung entfernt worden war. Zugsentgleisung. Der Schnellzug Madrid —Leon entgleiste beim Bahnhof Robla. Ter Postwagen, ein Schlafwagen und drei andere Wagen stürzten um. Ein Bahnbeamter fand dabei deil Tod. Sechs Reisende wurden verletzt. Das Symbol. Ju der„Frankfurter Zeitung" wich die geistig« Rückentivicklung der Frau im drit en Reich von Viktoria Wolf wie folgt gestiert: „Deshalb, junge Mädchen, ist für euch di« Gelegenheit gekommen, so zu sein, wie ihr gern wäret. Schon darf man wieder in Gesellschaft Jumper stricken. DaS ist mehr als eine Tatsache, es ist ein Symbol." Morddrohungen der holländischen Faseisten. In einer Versammlung der Mussort-Fastlsten (mit denen van der Lübbe in Verbindung stand) m Oversakne, wurde ein« Liste inarxistischer Führer verlesen, die„nach der Machtübernahme" «r Fastisten beseitigt werden müsset:. Der FasciS- mus ist die International« des Mordes. Die Qualifikation. Alst Mitglieder des nalto- nalsonalistischen AntvaltSvereins sind verpflichtet, «ine Erklärung zu uuterichreibcu, in der sie feierlich versichert», daß sie das Buch Hitlers„Mein Kampf" gelesen und mit dem Inhalt vertrallt sind. Wei er verpflichten sie sich, weder in Waren- häustrn, noch in Eiul)«itsaeiäflcu, noch auch bei Mischen DetaAlisstn zu kaufen. Sie übernehmen die Garantie, daß kein Afitglied ihrer Familie Kunde dieser Geschäfte sein wird. DaS Nembrandt-Aemäld«, das. wie bereits ge- wkldet, von dem Metallarbeiter Blaich in Stockholm entwendet worden war und für das dem Besitzer bereits 600.000 Kronen angeboten worden sind, ist jetzt in einem Wald« außerhalb Stockholms an der Stell« aufgefundcn worden, die der Dieb angegeben hatte. BrHantenschicksal. Im Verlaufe eines über- «us heftigen Kampfes in der Umgebung der Stadt Nuoro auf der Insel Sardinien zwischen Carabinieri und den decken berüchtigten, seit dem Jahre 1930 von der Polizei gesuchten Briganten, auf deren Ergreifung dre Polizei eine Prämie von 100.000 Lire ausgesetzt hat, wurden beide Brigan- An durch Schüsse getötet. Auswanderung der Assyrier ans dem Irak, f Der Völkerbundausschuß, der vom Rat mit der Erledigung des Problems der assyrischen Bevölkerung im Irak betraut wurde, nahm Donners tag nach einem Einvernehmen mit der Regie- rung des Irak eine Resolution an, nach welcher eine lokale Kommission gebildet werden wird, die alle Vorbereitungen zur Auswanderung der Assyrer ailS den« Irak treffen wird. Der Vertreter des Nanscn-AmtcS für FlüchtlingSschny wird unter Mitarbeit der lokalen irakschcu Kommission eine Euqirötc über die Kolonisierung der assyrischen Familien, die ans „2c. Majestät Mohammad Nadir Schah, König von Afghanistan, starb durch V«r- räterhand am Mittwoch vor Sonnenunter- gang Er ist zum Heilgon seines Landes dadurch geworden. Das Land trauert lies nm den großen König und rief in Treue den Sohn des toten Königs, Prinz Mohammed Zahir Khan, zum neuen Herrscher aus." Die schwarz-rol-grüncu Fahnen sind auf den Masten des Rcgicruuasgebäickes in Kabul niedergesunken. Als die Bluttat bekannt wurde, zogen bald Hunderte von Klageweibern durch die alt« Stadt. Und in ihr Jammern stimmten auch die Männer ein... Mord über Afghanistan! Abgesehen von einigen kleinen Zwischenfällen, Puttchen tollge- wordener Räuber, war es seit der Proklamation des Mohammed Nadir Schah am 16. Oktober 1929 ruhig gewesen in dielen« Lande der Berge, und Wüsten, der Plantagen, der Orangcnhainc, der toten LaickeSmitte,— dem Land der Gegensätze. Man sagt, inan habe damals die Rebellen, di« vor Nadir Schah als König regieren wollten, vor die Geschütze gebunden. Eine etwas primitive Landessitt«, deren Widerhall aber ge- niigend war, um Wiederholungen zu vermeiden. Uick nun ein Mord! Hermetisch ist der KönigS- palast abgeschlossen. Die beidcii Regicrungsscn» der versichern immer wieder, daß das Land ruhig sei. Man preist den Toten und die Vorzüge des Lebeicken, der ihm folgt. Soviel weiß man jedenfalls: ein naher Freuick ist der Täter! Rache für eine Zurücksetzung?— Mörder im Dienst« eines Dritten?— Gerüchte durchzitstrn das Land. Und man spricht wieder von Amanullah, von den Schreckenstagen der wüsten.Herrschaft der Bergränber. Sein Weg zum Thron. Dem eben erst 19 Jahre alten neuen König, der sich über Nacht auf den Thron gesetzt sah, den man vor zlvei Jahren schon mit seiner Kusine verheirastte, berichten jetzt die Münster in großen Zügen von den Regierungsgeschäfstn, erinnern ihn daran, daß er das große Werk zu volleudeu habe, das sein Vater groß begann. Der eigentliche Weg zum Throne begann erst genau in dem Augenblick, als jener Amanus- lah, der heute noch in Rom lebt mit seiner Gattin Souraya, nach dem Abendland« fuhr, um sich hier mit allen. Modernismen europäischer Zivilisation infizieren und in seinem sonst gc« sunden Dlenschenverstaick verderben zu lassen. . Schließlich war es dieser Amanullah ge- ivefen, der dem Laicke die Unabhängigkeit gab, der den Frieden vom 8. August 1919 schloß und darin sogar England zur Anerkennung der Unabhängigkeit Afghanistan brachte. Er baute auf: dst Schulen, die Industrie, nahm Anleihen, reiste durch Europa— und wurde von dannen gejagt, als er den Muftis der islamitischen Slinniten zu schnell reformierte. Co dem Irak auSwandern sollen, durchführen nnv I die Liquidierung dcS assyrischen Vermögens, so- w-c die Beförderung der assyrische» Emigrantcn- samilien in die Gegenden, die für sie als neue! Heimat werden ausgesucht werden, vornehmen. Bor einiger Zeit war eS im Irak, anscheinend sogar durch halbreguläre Truppen, zu einem schrecklichen Assyrier Massakre gekommen, bei dem ganze Dörfer ausgcrottct wurden. Aus den Protest dcS Patriarchen der Assyrier hat dann der Völkerbund die Angelegenheit in die Hand genommen, die nun durch die Emigration der Assyrier aus ihrer Heimat gelöst werden soll. schnell, daß sie sich in ihrer Stellung bedroht sahen. Ta stürzten sie Amanullah! Und dieser Sturz trug ihn empor, den Nadir Schah, der als Kriegsminister die Revolution auffing, ehr sie zu toll geworden war. Durch Autarkie zum Wohlstand. Es war ein Glück für dieses Land, das an- derthalbmal so groß ist wie Deutschland und freilich nur zehn Millionen Einwohner zählt, daß Nadir Schah das Tempo des steilen Ausbaus mäßigst. Er lchus zum ersten Mal eine vollkom- inene Autarkie, bewies seinen Ministern, feinem Land uick der ganzen Welt, daß man autarkisch leben kann, wenn man— Afghanistan zu regieren hat. Auslandswaren wurden gesperrt oder so hoch verzollt, daß«in Import Irrsinn bedeutet hätte. Textiltvaren, Schub«, Fertigwaren aller Art durften nur im Lande hergestellt iverdcn. Kein Afghane durfte einen ausländischen Stofs tragen. Sogar die Arm«, di« sich jeweils auf drei Jahr« aus eiiiem Achtel der Bevölkerung zu- sainmensttzt, durfte mit wenigen Ausnahmen kein fremdes Material benutzen. Man ging langsam voran. Die neue Hauptstadt wuchs«nipor: Tar-ul Aman-Aman,— ganz recht, von Amanullah! Nadir Sehah scheute nicht di« Erinnerung au diesen Mann, der sür das Land seine Verdienst« hatte. Nichts wurde überstürzt, man ging an etwas Neues erst heran, wenn daS Geck da ivar, ivenn man das Projekt restlos finaiiziert hatte. So kam cs, daß Nadir Schah seinem Sohn ein Land hinterläßt, in dem eS keinen Erwerbslosen gibt, wo man keine Staatsschulden kennt, und wo kaum eine AuslandSanstih« ein« Belastung bedeutet. Schmeichler um einen jungen König. Junge Könige konrmen in den Schlüssel- Ländern des Orients an die Regierung: Ghazi im Irak,— nun Mohammed Zahir Khan in Asgha- nistan. Im Palast von Kabul gehen di« Jntrigan- stn schon um. Tas ist unvermeidlich im Orient! Man sagt dem neuen König, daß er der größer« und bessere sein werde von den Königen Afghanistans, wenn man ihn, den Minister Machin, wieder znm Premicrminisstr mache... „Das Land ist ruhig!" funken dst Regie- rungssender ins Land, um den Erdball, nach England, nach Moskau... Aber cs gibt Gefahren für dieses Laick, schwere Gefahren! Deren Zentren liegen in fernen Ländern. Es geht dann um Afghanistans Unabhängigkeit! Schließlich darf man nie vergessen. daß die 800.000 Quadratkilometer, die Afghanistan groß ist, einen Keil dicken, der spitz in di« asiatischen Interessensphären Englands uick Moskaus hineinstößt! Das darf nicht vergessen werden, wenn man in den kommenden Monaten wieder mehr von Afghanistan hören wird. I. W. Schieben als Schulfach ln gavan. Eine Mädchenklasse beim Schießunterricht. Japan will sich die politische und militärische Vorherrschaft im Fernen Osten sichern. So macht denn das„Land der ausgehenden Sonne" all« Anstrengungen, um alle Bewohner so wehrfähig wie nur irgend möglich für seinen Imperialismus zu machen. Selbst sür die Madchenklassen ist der Umgang mit dem Gewehr als obligatorisches Lehrfach eingesührt worden. IIttlttIt>tlItIItlltlIttIttlI!lltIt>IlltlllItlllIlI!tlltItll!!IIItlllItttlll>t!Il!tt!llttlIl!tIttIII!llIt»!llllI!>t!l!ltIttt>ilttiIIltIiI!!IIttIttItlIll!tItlIIllItI!II!IttItIlItIIlttItI!lI!llltItIltIIi!ttItIItlItItItII!lltIli!!t!llt>It!tIIIl!>IIIItIIt>IttlIl> Bom KmgsmiMer z«m König von Afghanistan. Die Hintergründe des afghanischen KSnigsmordes. (Nachdruck, auch anSzngÄveist verboten.) Der Schraubenaulomat. Hämisch schilurrcnd hockt ein schwarzes Untier da im Saal und stille ölverschmierten Kiefern knacken. ES frißt Metall! AuS seinem Maule tropft der heiße Lstifcn- schaum. Am scharfen Zahne krümmen sich die Späne und kräusclno steigt der weiße Dampf um glatte Backen. DaS Vieh spuckt Schrauben aus wie Apfclsincnkcrnc. ES schnurrt so hämisch, weil cs weiß, daß dieser magre Mann den Vicrtelmillimctcr nicht gesehen hat, als er die Schrauben prüfen kam. Nun spuckt eS sic wie Kerne aus den Zähnen, eS quietscht dabei: zu kurz, zu kurz— sräst hastig die Gewinde, Gang um Gang. Zehn— hundert— tausend Schrauben sind zu kurzs Schnell, tückisch eilend frißt das Ungetüm Metall und kichert leise vor sich her: siick hin— zu kurz— zu kurz— sind hin— Doch niemand hört den bösen Unterton in der Maschine dumpfen Schall. Kurt D o b c r e r. Krlegsprobe ln Warschau Warschau, 15, November.(PAT.) In War- chau wurde heu« eine Prob« der Verteidigung der Bevölkerung vor F l n g z e u g a n g r i f f« i» durchgcführt. Um 9 Uhr wurde die 2stvölkerung durch Signale uick Läuten auf den Flugangrisf aufmerksam gemacht. Sämtliche Fahrzeuge hstl- te>i, der Verkehr ruhte, di« Passanten juchten schnell die U n l«r st ä n d e ans, dst Abteilungen der aktiven Flugabwehr besetz en die bedrohten Stellen, tvähreick dir Retlungsmannichaftcn, ausgerüstet mit Gasmasken, dir Straßen durel-eilten. ES tvar daS Explodieren von Petarden zu hören, Dst Flugzeuge warfen Rauch, und Tränen- gaSbomben ab. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Aubenhauvelsbilanz für Oktober 1932 und Jänner-Oktober 1933. Das Statistische Staatsamt veröffentlicht das vorläufige Ergebnis feiner Erhebungen über den Außenhandel im Oktober d. I. und über das Verhältnis des Außenhandels in den ersten zehn Monaten d. I. int Vergleich zur selben Zeit des Vorjahrs. Danach war unsere G e f a in t Handelsbilanz im Oktober 1933 mit dem Betrage von Oktober 1933 hingegen war sic Heuer mit 75,231.000 Ke). In der Periode Jänner bis Oktober 1933 hingegen war die treuer mit 169,812.000 K« passiv, was jedoch einen Rückgang gegenüber derselben Zeit des Vorjahres bedeutet, wo das Passivum 668.3l-t.000 llr betrug. Dstse, wenn auch geringe Besserung, äußert sich stärker in der Bilanz des reinen Warenverkchrcs, welche i» der Periode Jänner bis Oktober 1933 mit dem Betrage von 33,703.000 lls aktiv ist. während sie im Vorjahre mit 64,179.000 Xs pasiiv ivar. Das Aktivum des reinen Warcrverkehrcs i>n Oktober 1933 beträgt 41,761.000 KS(int Vorjahre 75,392.000 Ke). Der Menge nach stieg int Vergleiche zum Vorjahre in de» ersten zehn Monaten die Ausfuhr von Kohlen, Eisenwaren. Papierivaren und Mehl, während ein Rückgang bei Hol« Getreide, Zucker und Tastlglas zu verzeichnen ist. Inder der VrohhandelsdreUe. Der vom Statistischen StaatSamte für den 1. November 1933 ermitstlst Index der Gr o ß h a n d c l 8 p r e i s e verzaichiiet ein Ni ä ß i g« s Sinken nm 0.5 Prozent von 96.2 auf 95.7. Der Index der Nahrungs- und Genußmittel sinkt von 94.8 ans 94.3 als nm 0.5 Prozent, der Futstrmittelindex stieg weiter von 61.6 aus 63.2, so daß der gesamte NahrungS-, Gennßmittel. und Futstrmitteliud-ex mir um 0.4 Prozent sinkt(von 93.0 auf 92.6). Der Index der Jndustriestofs« nick-Erzeugnisse sinkt von 99.7 auf 99.0, d. i. um 0.7 Prozeiit, Bon der allgemeinen Preiserhöhung der Nahrungsmittel bildet eine Ausnahme die Preisermäßigung von Gerste nn« 2.8 Prozent und von inländischem Weizenmehl nm 8.4 Prozen. Die Preiserhöhung beträgt bei Weizen 0.2 Prozent, j bei Roggen 11.9 Prozent, bei.Hafer 1.5 Prozent, bei ausländischem Weizenmehl 1.2 Prozent, bei Roggcnmehl 9 Pwzent und bei Kartoficlii 20.4 Prozent. Dagegen verzeick/nen die tierischen N a h r u n g s n» i t t«l eilir Preisermäßigung, und zwar Schivernefleisch uni 6.2 Prozent, Schöp'enfleisch unr 6.3 Prozent, Schinken>tm 3.1 Prozent, inländisches Schiveinesttt um 1.2 Prozent, ausländisches um 0.3 Prozent. Margarine um 1.2 Prozent. Eilte saison mäßig« Preiscr- Höhung verzeichnen: Butter nm 3.9 Prozent, Eier um 8.6 Prozeirt uick Kalbfleisch um 7.7 Prozent.— Bon den sonstigen RahrnugS- und lvenußmitteln v«r:cuerst sich bloß Rohzucker(um 7.3 Prozent), iväl^reick sich Rohkaffee, Tee, Hopfeir mck Rtalz verbilligst«. Seife 6 ftrcHaft, 17.-kovemLe» 1988 -lr. 2ß9 ^WJfJK^CT^^yCTBMWWÜMl!!4U 4 JWBaflCTCWI Kunst und Wissen Große Kundgebung tm Lepützer Stadttheater um dessen Schicki al. Am Dienstag, den 11. November, veranstalteten der deutsche Bezirksbildungsausschuß und der Theatervercin für 2ladt und Bezirk Teplitz int großen Theatersaale eine Knndgebnng für die Erhaltung des in seinem Bestände ernstlich bedrohten Stadnheaters. Troy der aneikannien künstlerischen Erfolg« der neuen Tirektion Lchcrler verlies das Abonnement so teilnahmslos, daß anj der gegebenen wirtschaftlichen Grundlage an eine Wetreiführuug nicht gedacht werden kann. Die Veranstaltung war in«inen künstleri'ch wertvollen und weihevollen Nahmen gekleidet, zeigte lin Progranim ungemein schöne, von dem Tanzinstitut Eppinger(Leiterin Franzi Lederer) gestellt« Lewegungschöre, die der Kunst huldigten, brachte Orchestervorirägc(„Egmoni" und„Leonore lll") und harte ihren Höhepunkt in einem Borrragc des Oberkirchenrates Tr. Z i l ch e r t Prag über „Theater und Gegenwart". An ihn schlossen an unter dem Gcsamttitel „Wir bekennen" die Ansprachen der Vertreter offizieller Körperschaften. An der Spitze sprach der Bezirkshauptmann Oberrak Hoprk. Ihm folgt« im Namen der Ztadigenieinde der Vizebürgcrmeistcr Genosse Rufs y. Für die wirtschaftlichen Organisationen sprach Herr Tr. Maycr-Erner. Für das Publikum ergriff das Wort Prof. Tr. Müller. Als Vertreter der tschechischen Bewohner erklärte Stadtverordneter Genosse I i r o u t, daß auch das tschechische Volk erfüllt ist von dem Verlangen, das Theater als Kulturstätte zu erhalten. Im Namen der Arbeiterschaft und der Angestellten sprach Sekretär Genosse Fran.; Seidel. Zum Schluß kennzeichnete Theaterdircktor Gerhart Stl-erler die ernste Lage des Theaters und betonte, daß nur eine Zahl von 3000 Abonnenten die Grundlage schaffen könne für einen gesicherten wirtschaftlichen Bestand. Alle Redner würdigten das Theater als den Mittelpunkt des geistigen und kulturellen Lebens und appellierten an die noch opsersähigc Bevölkerung, die unerschl'ch«, aus dem Leben der Stadt nicht mehr himvegizudeickende Stätte erhalten zu Helsen. Die Tirektion erklärte sich bereit zu einer Verlängerung der mit 15. November abgelanscnen Abonuementsfrist bis 1. Te.zember. Findet d'e-Stadl bis dahin nicht di« straft, das Theater wirtschaftlich zu stützen, dann müßten dir Bühnen geschlossen werden. Tie im Gesainwerlaufc ungemein schöne und würdig« Veranstaltung, d«r«n Regieführung uu-erem Gen. Fachl. Thön er aiweriraut war, hinterließ einen tiefen Eindruck auf alle Besucher. Es kann nur gehofft werden, daß sie beitragen wird, das Ziel zu erre'chen, dem sic dienen wollt«: das Gewissen der Stadt und ihrer Einwohner zu erwecken. Die Veranstalter gaben telegraphische Berichte von d«r Kundgebung, die ihre br-souderc Bedeutsamkeit auch darin hat, daß deutsch« und tschechisch-? Bewohner sich einmütig fanden in einem feierlichen Bekenntnis zu ihrer Kuliurgemeinschafl, an di« Kabineltskanzlei des Präsidenten Masaryk und an Minister Dr. T 6 r e r. E. Th. Kunstrevolnlionäre im„3 34** Seit einiger Zeit versucht in Prag«in« Gruppe funger tfchechijcl-er Schauspieler unter Führung E. F. Burians und unter begeisterter Zustimmung sehr vieler Liicksinielicktuelter ihre revolutionären Am-bitiouen szenisch zu gestalien. 3ii der Entwick lung einrr durchaus«ifreulichen und sauberen Gesinnung, die in diesem„T!!>" am Werte ist, gab es Mittwoch einen zweisprachigen Abend, an dem die sudetcudentfiite Linke durch di« urausgeführl« Kantate„:>i echenlck> aft über uns" repräsentiert werden sollte. T«r Tert der Kantate ist von LouiS Fürnberg, die Musik von H. W. Süßkind. Gerade de Gleichzeitigkeit dieses Theaierver- suchs mit der Bühne-es Tritten Reichs, auf der literarisch arrivierte Kommis der völkischen Branche mit dramatischen Effekten handeln, zwingt zur pc'n- lichften Plüsiing jeder Legitimation, mit der An spruch aus eine bessere und wahrere küiistlerisckw Geltung erhoben wird. Und zumal, wenn der Titel schon so prätentiös dalwrkommi und uns„Rechenschaft über unS" verabreichi, dürste die Hoffnung, die eben doch ein wenig an d:« Möglichkeit einer befreienden Gestaltung der ungeheuerlichen und täglich unfaßbareren Katastrophe und damit an die Rettung unserer seelischen Existenz glauben will, nicht allzu Hari enttäuscht werden. Mit welch subtiler Sorgfalt und wachsamer Kontrolle mir welcher Intensität de» Grieben» und Gestalien» müssen aus dem Zusammenbruch die Eleniente unserer Welt geborgen und gerade jepl vor jeder noch so geringen Verunreinigung gehütet werden. Nur der Künstler der unter den Realliät gewordenen Angslträumen der Zeit in tief leidet, daß ihm um dieses Leid auszudrücken, die letzte Gewalt der Sprach«, deS Gedankens, der Musik gerade noch genügt', nur der, der sich von der heillosen Angst vor dem ChaoS nur noch durch die Vollendung der kü istlerilche» Gestalt befreien kann, vermag dem revolutionären Bewußtsein die Gewißheit höchster Gwliung zu geben Als Dilettant von geradezu neudcutschcm Rang aber muß erschweren, wer umgekehrt sich der Geltung und propagandlslisckxn Wirkung seiner Meinung feines Arguments bloß durch das dekorative Arrangement seiner Worte zu vergeivissern sucht. In diesem Gesinnunaskrei« aber har nun jeglcher Tilclianiis- muS zu schweigen. Tenn das Maß, mit dem hier jede Leistung gcntessen werden muß, ist unendlich größer geworden; größer um die ganze Tiefe unseres SlbsturzeS. An dieser„Rechenschaft über uns" ließe sich geradezu ein« Rechenschaft über den Dilettantismus in der revolulionärcu Kunst erarbeiten. Mit Ausnahme sehr u>eniger Stellen ist sprachlich alles Klischee»ich geoauklich dal>er Banalität geblieben. Das Klifckwe ist vom Expressionismus, die Banalität von roten Kaleuüersprüchen bezogen. Die Originalität der Jugend, die behauptet wird, wird nicht zuletzt durch diese Behauptung, der nichts Ursprüngliches folgt, widerlegt. Das trotz'gr happy end eines p'eudorevolnlionärcn Optimismus, während doch nur aus tieister Bestürzung und Verzweiflung d>« dann erst völlig entschlackten Kräfte einer neuen sozialistischen Aktion erstellen können, wirkt nur depressiv; das„Fragment", das„unsre Zukunft" nicht sein wird, eröffnet nur den Aspekt der Per« uichtung. der uni solcher Kunst kein« Gegenkraft zu sehen ist. Dies« Kunstgattung erschleicht die künstlerische Wirkung durch Pathos, Rhetorik, Musik, magisch« Beleuchtung; durch Attrappen, dir der Wortgualität viel zu groß sind. DaS eben ist Kit-'ch, der in d'eser Form seit jeher der neudenlschcn„Kunst", der siegreichen Durchsetzung der(Idiotie durch ästhetisch« Korruption Vorschub leistete. Tenn ein Publikum, das sich einnial daran gewöhnt hat, vor der Banalität, nur tveil sic rhetorisch und musikalisch behängt ist. in Ehrfurcht zu erschauern, wird alsbald auch den letzten BavbarismuS willig, wenn sie nur entsprechend drapiert siird. Hat einmal das Ornament die Substanz verdrängt, vormag auch di« geistige Subsianzlosigkeit durch daS Ornament zu wirken. iDie gleichen prinzipiellen Einwände gellen ebenso und vielleicht noch mehr für die tschechischen Dar- bier,ingcii des Abends.) Georg Lipp mann war der sympathische Sprecher der Kantate. Süßkinds Musik, die an der Erlebnisarmut des sprachlichen Anlasses ihre natürlichen Grenzen findet, wurde von einem Quartett der Musikakademic sauber gespielt. Tas Publikum, da» dieses Theater ja schon mit der einheitlichen und gewogenen Sthnmung betritt, zu der«s sonst immer erst von der Bühne her gezwungen werden muß, dankte begeistert für die Heroisierung und akustische Steigerung der linken Oedermannsjormulicrungen und Plattheiten. Erich Heller. Sowjelru'ssches LuWkel in der Kleinen Bühne. „Ein-Strich geht durchs Zimmer" von Valentin Katajew. Tas leider nur ausnahmsweise Erinnern der Kleinen Bühn« an eine bessere Bestimmung, als es die für„Allez hopp!" ist, verzeichnen wir mit Freude und Tankbarkeit. Aber wenn man aus halbem Weg stehen bleibt, kann mait zu keinem Ziel gelangen. Das satirische Lnstspiel Katajews hat aus dem Um wegen von Moskau bis Prag sich so viele Beschneidungen und Aendcrungcn gefallen lassen müssen, daß wohl nur der Eingeiveihte, alio neben dem Soz'ali- stcn der politische intellektuelle und der-Schriftsteller, kraft der Borslellui»g des revolutionären Hintergrunds dies« Satire aus Moskauer Wohnungsnot, auf die Neberspitzung der Formenverändernngcu von Liebe und Ehe richtig verstehen und genießen kann. Ter Durchbruch des Eivigmensäilichen, wie Katajew ihn darstellen will, muß so bei einem vorwiegend bürgerlichen Publikum ins Leere stoßen und d'e cigentlick)« Ausgabe des Theawrs bleibt deshalb gerade auch in diesem Falle, der sich bei anderer Behandlung wunderbar dazu eignet, unerfüllt. Die Regie(Gellner) hat es mit einem solchen Torso nicht leicht, zumal das zur Verfügung gestellt« Schauspieler-Material, an ganz andere Stosse gewöhnt, zur llmslellnng für die sotvjeirussi- sche Atmosphäre nicht sehr prädestiniert ist. Daß hier Arbeiter(und gar sowjetrussische) dargestellt werden, wird nur sehr wenig offenbar. Das sind sehr intellektualisierte Proleten, die man da zu scheu bekoinnit. Kn diesem Punkte gelang di« Regielei stung unseres Erachtens selbst im Rahmen des Möglichen daneben. Erlck Frey als Wasja ist eher ein klotziger süddeutsck-er Bauernbursch denn ein russischer Fabrikarbeiter;«r hat wohl ein paar sehr wirkungsvolle Augcnbl'ckc, aber man merkt doch zu deutlich, daß ihm di« Luft fremd ist, dle er wiederspiegelu soll. Jan« Tilden ist sehr nett und sympathisch kleinbürgerlich und erzielt bekannte Wirkungen mit Verniedlichung. Mäulchenziehen und groteskem Geflenne; aber in Rußland würde sie so sehr als erratisches Blöckchen wirken wie etwa ein i'udelcndeuisches Kleinstädtchcn als Vorort Moskaus. Man müßte gerade solche Stück«, die zum Teil leider gegen das Publikum durchzusetzen sind, anders, liebevoller, sorgfältiger schon In den Bcsetznngsfrageu betreuen! Wir spielen nicht gerne Darsteller gegen Tarsteller aus. Aber es scheint aus der Hand zu liegen, daß wir in den Tamen Warnholtz und Motz Schauspielerinnen besitzen, di« Eignung für solche Aufgaben besitzen. Frau Behrens, dl« wir als aus- gczeichnetc Schauspielerin schätzen, bleibt beachtlich, auch wenn sie auf falschen Platz gestellt ist; aber ihre Tanja trägt die Züge einer Hamburger und Berliner kommunistischen Intellektuellen, russisch Ist auch sie nicht. Hie und da ist eS Walter Taub als Owan, in seinem Gesicht leuchtet zuweilen di« Kind- ltchkclt, die Primitivität, die Unvcrbildetheit des russischen Menschen auk; übrigens ist er geistesgegen wärtig und schlagfertig, wenn ein Partner versagt; a-ber urwüchsig wirkt auch er nicht durchwegs. Herr Renner reprä'cnliert in einer Gogol-Gestalt das älter« Rußland in eindeutiger Charakteristik; das Penüan-l des Revolutionärs von 1017 fehlt und des- halb kann weder dies« Episode noch daS ganze Spiel genügend Fleuch ausetzen. Ein Parkgtt von Arbeitern könnt« sich aber auch an d-csem Katajeiv-Extrakl sehr vergnügen, so sehr gerade sie cs bedauern würden, den Hintergrund verstellt zu sehen:«in Parkett von Bürgern kann nur wenig damit anfangen, weshalb zu befürchten ist, daß der gewünschte Publikumserfolg ausbleiben wird. Aber gerade mit solch einer Komödie ihn zu erzielen, müßt« die mit besseren M-tteln.zu verfolgende Aufgabe deS TbcaterS fein. L. G- Die Prager Sezession eröffnet Samstag in den Räumen des KunstvcreineS für Böhmen(II., Pstroßova 12) ihre fünfte FahreSansstellnng. Neben de» heimischen Künstlern sind wieder die Sudclen- dentschcn im Ausland« und auch Gäste ans der Ausstellung vertreten. Die morgige Eröffnung findet um 3 Uhr nachmittags statt. Spielplan d«s Reuen Deutschen Theater-, Freitag, halb 8 Uhr, Gastlp'el Gisela Werbeziel: „Die fünf Fra n k s u rier"(D 1).— Samstag, halb 8 Uhr:„Ball im Sav oy"(C 1). Spielplan der Kleinen Bühne, Freitag, 8 Uhr: „Ein Strich geht durchs Zimmer"(Kni- tnvverbandsfreund« und freier Verkauf).— Sanis- tag. 8 Uhr, Gastspiel Gisela Wer bezirk:„Tic fünf F r a n k f u r r c r". Gertcftfssaal zehnstündige Verhandlung um einen Brandstiitungs-rozetz. Eröffnung der letzten Schwurgerichtoperiod« des Jahres 1933. Prag, lll. November..Heul« wurde die viert« und letzte Tchwurgerichisperiodc dieses Äahre» mit einer Anklage wegen Brandstiftung eingeleiiet. Ten Vorsitz führt« OGR. D i t l a, die Anklage vertrat Staatsanwalt Tr. Svoboda. Es ist ein ausgesprochener H il ü i; i e n P r o ze ß. Angeklagt war ein junges Ehepaar, der 25- jährige Torfkrämer Karl KaLena und sein« 24- jährige Frau Rosa aus K o no j e dy. Äm Hinter- gruird der Dache soll«in geplanter Versicherungsbetrug an der Versichern ngSbank „S l a n i a" stelzen, bei weliyer Kakena seil 1031 mit 30.000 K» auf die Einrichtung der Wohnung und nnt 10.000 K» auf di« im Magazin lagernden Waren versichert war. DenK-aöenas ging cs schlecht, sie hatten verschicdene größere und kleiner Schulden, ein« Meng« Klagen wären gegen sie anhängig und der Exekutor war so häufiger Gast-bei ihnen, daß er bei der brütigen Verhandlung als gut informierter Zeuge Über den Wert des Warenlagers einver» noMmen wurde. Am 31. Mai ging KaLena auf Geschäftsreisen und seine Frau blieb allein zurück. In der Nacht daraus brach«In Feuer aus, das einen Teil der Wohnungseinrichtung und alle Warenvorräte vernichtet«. Der Brand wuvde durch einen dumpfen Krach eingeleitet, der wie«ine Explosion klang Diese Tatsache, sowie der Umstand, daß die Möbel nur auf der Obcrse'l« augeseugt waren, brachte die untersuchenden Gendarmen zu der Meinung, daß das Feuer mittels Benzin od«r Spiritus gelegt worden sei. Auch erklären di« FeueNvehrlcut«, di« das Feuer erst nach s a st zweistündiger Arbeit lö'chen konnten, sie hätten Benzingcruch wahrgenommen. Di« Angeklagte Kakena bestreit«! dies« Beschuldigung und behauptet, das Feuer sei wohl dadurch ausgebrochen, daß ans dem Ofen, der wegen der Feuchtigkeit der Wohnung auch im Sommer b's spät abends geheizt werdcn mußt«, ein Stück Glut herausgefallen fei und so den Brand verursacht habe. Di« Möglichkeit einer Spiritusexplosion gibt sie zwar zu, erklärt aber, daß dies so zu erklären sei, daß die Flammen erst später ein in der Nähe stehendes Spiritusdeinijon erfaßt hätten. Demgegenüber betont wieder der'Sachverständige Ong. il hc r, daß di« Brandspuren auf die Wirksamkeit brennender Gas« Hinweisen, vermutlich 2 p i r i t u s d ä m P s e. Tic Behauptung, daß der Brand durch ein Stück Kohlcnglnt verursacht worden sei, sei ganz unwahrscheinlich, weil«in Stoß Säcke, die in nächster Nähe des Ofens lagen, ganz unversehrt blieben. Alles deute auf Brandlegung. Außerdem soll der Angeklagte Kakena, dem zur Last gelegt wird, sich mit seiner Frau zu der Tat verabredet zu haben, gelegentlich der Um«r- fuchungShaft zu einem Zellengenossen geäußert haben, daß ihm bei seiner Notlage nichts anderes übrig geblieben sei, als anzuzündcn. Kakena bestreit«! dies« Aeußerung freilich. Als wichtigsten Erschwerungsgrund betont die Anklage d!« Bedrohung fremder Häuser und de» verursachten großen Schaden. Was diesen betrifft, so beziffert Kakena dielen mit 30.000 K» für die Wohnungseinrichtung und 50.000 iü für das Warenlager. Ter Exekutor Bomäüka aber, der sich in den Vermögcnsverhältnisscn des Ehepaares sehr gut auskennt, ist der Meinung, daß der Schaden im Warenlager 500 Jö nicht übersteigen dürfte. Die Verhandlung gestaltet« sich sehr langwierig, so daß das Urteil erst gegen 7 Uhr abends erfolgte. Der Vorsitzende sah sich schließlich veranlaßt, dem Verteidiger Dr. S l t t n a nahezulegen, Fragewiederholungen zu vermeiden, die keinen anderen Zweck hätten, als den Prozeß in die Läng« zu ziehen ArbeltsloseN'Hllfsattiou Der Jugend Wir setzen Sonntag vormittags die Sammlung fort. Sollten Sie ein Palet vorberciten und die Verständigung wegen der zweiten Sammlung nicht erhalten haben, bitten wir um Ihre Adresse. Biele Genossinnen haben bei ihren Bekannten Pakete gesammelt und lasten sie durch uns in ihrer Wohnung auf einmal abholen. So erleichtern Sie uns die Arbeit. Unsere Anschrift; R. Hübner, Prag VH„ lt vozovsky 1218 B E« ist Ihre Pflicht, mit allen Kräften mitzuhelsen! und kein« andere Wirkung haben könnten, als die Geschworenen zu ermüden. Ta4 Berd'kt der Geschworenen lautete auf alle Schuldfragen— verneinend, so daß der Ge- richtshos nach zehnstündiger Verhandlung den F r e i s p r u ch verkündete. j-b. MWe null Veranslalliinneii „Die Notwendigkeit geregelter Beziehungen und eines Handelsvertrages mit Rußland" ist Gegenstand einer von der Gesellschaft für wirtschaftliche unkulturelle Veziehungeii zu Sowjetrußland veranstalteten Vcrsammluirg. die heute um 7W Uhr abends in der Produktenbörse stattfindet und in der Prof. N c j«d l y und Dr. Gallas sprech«» werden. Vereinsnachrichten O Ortsgruppe Prag. Wanderung aui Sonntag, den lll. November, Zusammenkunft um 0 llhr bei der Endstation der 2ler Elektrischen in Branik. Führt W mernitz.— Am Samülag. den 18. Norembcr, veranstaltet die Proletarische Sing« gemeinde in den Heincsälcn einen llnterholtungl- abend. Morgen UnlerhaltungSabend-er Bolkssing- ge in ei n de und des A I ii» int Hcinesaal«. Beginn Punkt 8 Uhr. Das abwechslungsre ckie Programm wirb allen Besuckiern für ihre Unterstützung der proletarisck-en Verein« entschädigen! Der Film Leise flehen meine Liever. Die alten Römer sollen gesagt haben: cke gusli- btis non cst disputflnduni— was bedeutet, daß man mit Leuten, die keinen Geschmack haben, nicht über den Geschmack streiten soll. Und so wollen wir angesichts dieses Wiener F lmS, der den großen Franz Schubert versüßlicht, verniedlicht und verjuxt, ein« altrömische Haltuirg einnehmen, zumal di« Lcuie nrit Geschmack alles Notwendige bere is gesagt haben, als man Schmbert zum Tenor der„Drcimädcrl- Haus"-Operclte und Goethe zum schmachtenden Star der„Friederike" erniedrigt«. Wir wollen allo zugesleheu, daß in diesem Film das allcrschlimmste venu«Len wird: Franz Schubert braucht kein« Strien zu singen, kein Menuett zu tanzen und kein happy end beifallheischend auszustrahlen. Er braucht nur(welche Gnade der Manuskriptfabrikanten!) pvci Liebesaffären über sich ergehen zu lassen und«ine besonders gc'flreiche Deutung seiner unvollendeten Symphonie hinznnehinen (die in Wirtlichkeit uiwollendel blieb, weil dieser gem'ß venräumic, aber hart vom Elend gefesselte Schönheitsspcnder den verzweiselten Kamps um Dasein und Werk nicht beenden konnte). Wir wollen weiterhin zugestehen, daß Willy F o r st als Regisseur weder Mühe noch Kosten gescheut hat, daß Hans Äaray(der das Theaterpublikum mit ter Frage beschäftigt Hai, ob Geraldne «in Engel ist) dem Schubert, den er darstellt, noch ein Rostchen Würde läßt, und daß die Schanspieleria Luis« Ullrich al» Wiener Mädel ystlten im Kitsch ergreifend echt und einfach ist(so daß Martha Eggert neben ihr nur als routinierte Soubrette wirkt) Schuberts h-moll.Symphonie w.rg hier al» Filmbegleitmnsik benützt und dementsprechend zerstückelt, und mit etlichen Schubert Liedern wird niedlicher Unfug getrieben,— aber da die Wiener Philhannoniker, der SS'citcr Knabenchor und da» Orchester der Wiener Ttaatsoper musizieren, wird es bei allem Kammer fast doch noch«in Genuß. —cis— Wran-Uranla-Xino 'nrifjes üeoKchc< n>’n KllmenüM 4. Iloulo 9 Uhr: Dolly Kats, reizendes Provlnzmdde), als Pariser Revuestar In Großsifidinttdife Tonfilm-Premiere. Samstag Z, Sonntag M»lI, Montag 8*4 Uhr: Der neue Kulturfilm: Tiere in Gefangen»chatt. Wo verkehren wir? I Caio jnnHnenlar, Pran. Graften I ttmlgtbtt: giettfeiet last.—<£b«frt»atteac: SiHelm Kl(knet.—«rr-niworilichrr SlebaHe'jt; St. EmU etr«ik. Bia,.— Dr-«:.Rata-«.-« tttr ZeUun» UN» Buchdruck, Vraa.— Nur de« Druck»rramwartttch! Oria doUI. -Kia.— DI« ü«uun,»marlrnlrantai», wurde vo»»er vaft- i. reltgrapbrnoiretnon au Uriah Nr 18.800IV1I.1930 drwmiai- Bezü,«bedm,u«,e»: Bei Zuslrlluu, In« Hau« ober bei Br,ug durch die Voll monatlich Ui 16— vterieltädrltch K« 48—, haldiatzr» Ht 06.—. gannabtt« U wr.—,— grrserale»erde» taue Zactf ditliglt berechnet. Bei allere» tli»lchallu»,er> Bret«»achlatz<— ttzückgelluu,»0» Manuslrchu» ersolgi»u, der Buyeud»», der Steiourmarte»,