Slvzeldrels 70 Heller. Einschließlich 6 Heller Por«o> Erscheint mit Ausnahme des Montag tüg-ich früh. St Sanio» B. atmollunai Drag n.TtthUania ta* relevd-1 iöjoj. 11409. SkaqneedoN.«ad 31 Ujt) I 33&M ♦PoRldtdamti 37544 13. Jahrgang. Gamstag, iS. November 1933 Nr. 270. rrleUenssMalmelen gegenOser Polen Drohung«» gegen die Tschechoslowakei Berlin, 17. November.(Conti.). In einer Versammlung des Bundes„Deutscher Osten" sprach gestern abends der Leiter der außenpolitischen Sektion der nationalsozialistischen Partei Alfred Rosenberg über„Die großen Probleme der Ostpolitik". Dem Bortrage wohnten alich die in Berlin akkreditierten diplomatischen Vertreter der Oststaaten bei. In Bezug auf die polnische Frage sagt« der Redner: Hoffentlich werben unsere Nachbarn jenseits der Grenzen endlich begreifen, daß, wenn wir dir Polen nicht germanisieren wollen, auch die Polen die Deutschen nicht entgermanisiercn dürfen. Wenn in der nächsten Zeit die brennenden Probleme der Minderheit, der deutschen Schulen und die Wirt» schaftsfragcn unmittelbar vom Staatsmann zu Staatsmann geregelt würden, dann bestände durchaus die Lebensmöglichkeit für beide Völker. Zu den Verhältnissen in der Tschechoslowakei betonte Rosenberg, daß man offenbar in Prag noch immer nicht den Ernst der europäischen Lage begriffen habe. * ' Die Rede Rosenbergs zeigt, was schon die gestrigen Nachrichten über Hitlers Freundschaftsangebot an Polen dargctan haben, daß das Dritte Reich auS seiner vollkommen außenpolitischen Isolierung dadurch herauszukommen sucht, daß eS Friedensschalmeien ertönen läßt. Der Frie- dcnsruf, den Rosenberg Polen gegenüber auS- stößt, soll dir Aufrüstung verdecken, welche zn einer außcnvolitischcn Offensive Frankreichs gegen Deutschland in der nächsten Zeit kübren wird. Wie nyreal und romantisch diese Außenpolitik di? Dritten Reiches ist: dafür ist ein Beweis, daß Rosenberg die Tschechoslowakei und Polen auseinander zn bringen versucht. Meidende Arbeitslosigkeit in Wien Wien, 16. November. kAN.l Ter Stand der unterstützten Arbeitslosen in Wien in der ersten Hälfte des MonateS November ist um 1443 auf 120.439 gestiegen. Damit ist der Stand um 4643 höher als im Vorjahre, in welchem in der gleichen Periode ein Steigen um 33$1 zu verzeichnen war. Verhandlungen Im Oslrauer Bergbau Mähr..Ost ran, 17. November. Deut« trat di« Konferenz der Vertreter der Gew:rkschaftsorga. nisationen der Bergarbeiter und der Vertreter des Revierrates des Ostrau-Karviner Steiickohlen- reviers mit den Vertretern der Direktorenkonfe- renz zusammen. In den Beratungen wurde eingehend über die wichtigsten gegenseitig unterbreiteten Forderungen verhandelt. Im Hinblick aus die Wichtigkeit und den Umfang der zu behandelnden Fragen erbaten stch die Vertreter der Gewerkschaftsorganisationen einen Aufschub der Verhandlungen, so daß die Beratungen Donnerstag, den 23. November, vormittags fortgesetzt werden. Die Vertreter der Gewerkschaftsorganstationcl« werden inzwischen Konferenzen ihrer verantwortlichen Funktionäre einberusen, in welchen sic Bericht erstatten und Vollmachten zur Beendigung der Verhandlungen verlangen werden. Es bandelt üch hier vor allem nm die Erneuerung der Wechselurlaube im Bergwesen und um Zusahmhlunqen für erhöhte Leistungen. Samt- liche Anzeichen sprech'«» dafür, daß die strittigen Fragen auf Grund«i«r«S Ucbereinkommens werden gelöst werden. Aus dem Budgetausschuß Am Freitag führte der Budgetausschuß die Debatte stwer die Kapitel.Landwirtschaft.. Staatliches Bvdenaznt, Handel'und öffentliche Arbeiten ab. Die.Referat« nahmen den ganzen Vormittag in Anspruch, Die Debatte wurde.gegen 7' Uhr abends zu Ende-geführt; für- unsere. Fraktion sprach Genoss«'Kremser, dessen Ausführungen wir morgen in der.Hanvt'ache Nachträgen wer. den. Die Erposees der Minister—> Dr. Hodra hatte sich heute Mit Krankheit entschuldigt.— werden erst in der nächsten Sitzung am Montag nachmittag- erstattet'werden. „Pellt Parteien“ setzt seine Enthüllungen fort Pari-, 17. November. Gegenüber dem gestern abends auSgegrbenen deutschen Dementi beharrt der heutige„Petit Parisien" mit aller Entschiedenheit auf seiner Behauptung, daß das veröffentlichte Dokument betreffs der Weisungen des deutsche» Propagandaamtes wahr ist, und seht'heute die Veröffentlichung weiterer Teil« de» Dokumentes fort, namentlich, bezüglich der Methode der Annahme und Verbreitung von Pressemrldun- n in Süd- und Nordamerika. In einem weiteren Teile der Dokumente wird angeführt:„Tic deutsche Propaganda soll zumindest einen Teil der öffentlichen Mei- ming des Auslandes überzeugen, daß, wenn die FriedcnSbedingungen scheitern würden, Deutschland nur ein Weg übrig bleibe, nämlich sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen." Weiters werden in dem Texte des Dokuments di« Methoden der Transmission der Infonnationen auseinaiz- dergefetzt und daS Bedauern darüber geäußert, daß der„Deutsche Nachrichtendienst" als zu offiziell erachtet wird. Alls wichtige Punkte der Propagmidatätig- kcit werden angeführt: Bor allem gut« Radioverbindungen; den ausländischen Blättern wcrden die gesandten Telegramme bezahlt, in welchen sic Informationen über die technischen Bedingungen der drahtlosen Verbindung nrie ihrem Land« erteilen. In gleicher Weise werden ihnen Sonderforderungcn und Informationen bezahlt werden. In den Städten mit einer größeren Zahl von Blättern ist es notwendig, ein« Radiozentrale mit technischen Beamten aus den Reihen der Nationalsozialisten in der deut- schen Handelsflottr zu errichten. Besonder« Begünstigungen sind jenen Blättern zu gewahren, welche die deutschen Radiomeldungen im vollen Wortlaute und ungekürzt veröffentlichen. ES ist Vorsorge zu treffen, daß die deutschen Statistiken veröfsentlickii werden. Es ist«in Radiodirnst für wichtige Blatter und zwar unter neutraler Flagge ins Leben zu rufen. Den Blättern ist ein« Sondrrberlchtrrstattung, namentlich über Frankreich, England und Oester- «■■■■nDHniiaBBnn reich, anzubieten. Sämtlich« Auslagen und Kosten dieser Berichterstattung bezahlt die Propa- gandazentralr. Ferner sind jenen Blättern Begünstigungen zn gewähren, welch« im Sinn« der deutschen Regierung oder im Sinne der faseisti- schen Tendenzen schreiben. Erforderlichenfalls sind nicht bloß der Ersatz der Analogen und nnent- aeltlich« Bericht« zn getvähren, sondern anch ein in Form eines Inserates maskierter finanzieller Gewinn. Die Blätter sind aufzufordcrn, ihr« Sonde r w ü n s ch e zu äußern und ihnen Rcchnmig zu tragen, aber bei einer derartigen Sonocrbe- richterstattung müssen.10 Prozent des Nachrichtendienstes für Informationen im Interesse Deutschlands Vorbehalten werde»,«velche soweit als möglich in der AuslandSprcssc veröffentlicht werden, um den Verdacht abznlenken. Bei den Blättern. Ivelch« diesen Bestrebungen Widerstand entgegensetzen Zverden, muß auf die Leiter derselben durch Personen eingeivirckt werden, welche als Gegner der Nationalsozialisten austreten, und bei denselben ein Korrespondent eingesetzt werden, von welchem bekannt ist, daß er keine Beziehungen mit der deutschen Propaganda unterhält. Bei mchtdeittfchen AgenMren sind herzliche Beziehungen, nicht bloß mit de» einzelne» Region,aldircktorrn, smzdern mich mit den niederen Beamten berzustellen, damit der deutsche Dienst rechtzeitig Informationen erlange und aus Grund derselben vorgehen könne. Immer wieder ist auf die finanziellen Begünstigungen aufmerksam zn machen, welche die Blätter erhalten können, wenn sie den deutschen Dienst benützen. Auf roter Grenzwacht gegen die braune Barbarei Gewaltige Kundgebung der Bodenbacher Arbeiterschaft Bodenbach, 17. November. Die Welle antlsascistischer Kundgebungen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft erreichte heute t» Bodenbach ihren eindrucksvollen Höhepunkt. Schon lauge vor Beginn der für 8 Uhr angesoglen großen Bersaniurlung setzte der Zustrom der sozialdemokratischen Arbeiterschaft ei». Eine Halbs Stunde vor Beginn der Versammlung waren nicht nur der Saal, die Galerie und sämtlich« Nebenräume der„Volk-Halle" überfüllt, sondern auch die Parterrelokale bis aus daü letzte Plätzchen besetzt. Einige Hundertschaften der RW und der Iugeudorouer saudeu überhaupt keinen Platz mehr und mußten im Garten der „Volkshalle" und auf der Straße Aufstellung nehmen. Punkt 8 Uhr eröffnet« Genosse R e i tz n e r die Versammlung. Flankiert von einer Abteilung der RW, wurde die Slurmfahne der Dresdner Genossen in den Saal getragen. Ei» Genosse trug wirkungsvoll ein politischsatirisches Gedicht vor. Anschlag auf die innshrucher„Volkszeitung“ Innsbruck, 17. November. Um den üblen Eindruck, den dir tägliche Berichterstattung über die Naziexzeffe und-Attentate hervorruft, zu verwischen, hat Steidle den Zeitungen verboten, in Zukunft über NaziauSfchreitungeu zn berichten. Gestattet werden nur solche Berichte, die amtlich mitgeteilt werden. Diese Maßnahme beantworteten heut« die Hakenkreuzler in allen Bundesländern, besonders aber in T i r o l, mit neuen Exzessen. In Innsbruck explodierten an zehn Stelle» Sprenglör. per, von denen einer im Gebäude der sozialdemokratische«„Volkszeitung" großes, Schaden anrichtet«. Eine Mauer würde'teilweise zerstört Daun ergriff Genosse I a k s ch, der an Stelle deS verhinderten Genosse» Taub als Redner erschienen war, daS Wort. In ost von stürmischem Beifall unterbrochener Rede, die mittels Lautsprecheralllage in alle Räum« übertragen wurde, hielt er eine scharfe Abrechnung mit dem FaseismuS und keunzcichnete die charalter- und ziellose Wahnsinn-Politik des sudetendeutschen Bürgertums. Mit überzeugenden Argumenten begründete er di« gemeinsame Politik der sozialdemokratischen Parteien, die in einer geschichtlich entscheidenden Situation die gesamte deutsche Minderheit der Tschechoslowakei vor einer unheilvollen Katastrophe bewahrt haben. Anschließend an die Rede des Genossen Iaksch gab der tschechische Genosie K o w a r i t, von der Versammlung stürmisch begrüßt, eine Solidaritätserklärung ab. Rach einem kampsbegeisterten Appell des Genossen R e l tz n e r und dem Absingen der „Internationale" sand die eindrucksvolle Kundgebung ihren Abschluß. und zahlreiche Druckmaschinen beschädigt. In weitem Umkreis sind alle Fensterscheiben zertrümmert. Ausgehobenes Nazinest Wien, 17. November. Jin Gasthaus Schmidt im VIII- Bezirk kamen in letzter Zeit die Nationalsozialisten zu geheimen Sitzungen zusammen. Die Polizei- drang gestern in das Gasthaus rin, doch wurde» die Nationalsozialisten vorher bc- nachrchtigt, so daß die Mehrzahl von ihnen entkam. Nur wenige Personen konnten verhafte! werden. Im Gasthaus sowie in der Wohnung des GasthansbesitzcrS wurde eine Hausdurchsuchung vorgeiiammcn, bei welcher eine Menge Propagandamaterial beschlagnahmt wurde. Der Gastwirt wurde gleichfalls verhaftet. Ihm wird di« Konzession entzogen werden. SW IM« der Nation WaS braucht heute das Dndetendcutjch- tum? Um dies« Frage zu bcantlvvrlen, muß man von der wirtschaftlichen Lage der Deutschen in der Tschechoslotvakei ausgehcn. Ztvei? fcllos sind die Schichte, der es an« schlechte- sten geht, die Arbeitslosen. Wir wissen, daß unter den Arbeitslosen des ganzen Staates di« Deutschen einen größererr Prozentsatz auSmachen, als ihren« Anteil an der GcsaN;>t- bevölkcning entspricht. Deswegen ist die Hilfe für die Arbeitslosen ein nationaler Problein für die Sndeiendeutsck)cn: diese Menschen muß man a«n Leben erhalte««, man kann sie nicht dem Hunger, der Entkräftung und der geistiger« Verelendung anheimfallc«« lassen. Wer hat aber in der« letzten Jahren sich dieser wirklich n atio- nalen Aufgabe unterzogen? Habe» vielleicht di« bürgerlichen Parteien, ob sie fn der Negierung sind oder in der Opposition, sich um die"Arbeitslose«« gekümmert? Was haben die Nationalsozialisten, was die Kom- umnisten, die Christlichsozialen, was hat der Bu««d der Landtvirte für jene Teile des deutschen Volkes getan, die arbeitösos sind? Mai« bedenk« doch wohl, tvelckw Zerstörung der Volkskraft es bedeutet,»vcrn« nian für die Arbeitslosen«richt sorgt! Man denke an die Jugend des Sudetendeulschtums! Welch große nationale Aufgabe ist cs doch, der«« Deutschtum dies« Juge««d zn retten. J«i einzelnen Bezirken hat man festgestellt, daß 20 his 2.'« Prozent aller Arbeitslosen, junge-Leute bis zn 25, Jahren si««d. Wo soll eine" Mtiön hin- kommen, deren Jugend keine Beschäftigung hat, tvas soll aus einer Natioi« werden, deren Jllgcird jahrelairg«üch« im Berufe sieht? Für diese arbeitslos« Jugend zu sorge» ist, so glauben wir, eine viel größere nationale Ausgabe, als'den« Sndeteudcutschtun«,.wie es die „Bohcinia" tut, alle Kundgebungen Hindenburgs und Hitlers bis auf das letzte Won mif dem Teller zu präsentieren. Und wie steht es mit jener Masse von Arbeitern nnd Angestellten, die noch nicht arbeitslos sind, die nocl) das Glück haben, arbeiten zu können? Das Denke«« des Bürgertums ist n««r darauf gerichtet, die Krise zu Lohlcherabsetzungen, znn« Abbau der sozialen Laste««, zur Verschlechterung der Krankender' sichernng, zur Unterhöhlung der Sozialversicherung auszunützen. Will man die paar Menschen, die nock) heute arl«eiten, an d«>« Bettelstab bringen, soll der größte Teil des deutschen Volkes wirtschaftlich vollkon«>««en ver elenden? Wer schützt die Arbeitslosen und die noch arbeitenden Massen des deutschen Volkes? Sorg««« die n i ch r n« a r x i st is ch c n Parteien für sie oder käinpft für sie nicht Tag um Tag die deutsche Sozialdemokratie? Di« letzten Monate Ixibcit aber auch politisch gezeigt, wer die Interessen des Sude- tendeutschtums veriretei« hat, ob die Anhänger oder die Gegner der Demokratie. Wen«« es so ««ach den Wünschen der Nationalsozialisten «»der Kommunisten gegangen wäre und das deutsche Volk in den Lagern dieser beiden Partei««« vereinigt getvescn wäre, wem« n«a>« den fascistischei« Gelüsten der Deutschnationalen und Ehristlichsozialen freien Lauf gelas- sen hätte, wenn es so gegangen wäre, lv«e es sich selbst einzelite Lanabnlldführer vorgcstcllt haben, wo stünde das sudeiendeutselx Volk heute? Wei«>« es sich ganz dein. Fascismus und dem KoznmuniSmuS verschrieben hätte, dann wäre der demokratische Staat gegci« das Volk als Ganzes vorgegangen, das Deutschtum wäre heute unterdrückt wie««och nie, er wäre eine Katastrophe ohnegleichen über das deutsche'Volk hcreingebrochen. Es ist das groß« geschichtliche Verdien st dec d c n t s ch« n S v z«a l d c in v k r a t i c in der Tschechoslowakei, die demokratisch.' Ehr« des S ude te nde ut sch t u«n s Sette 2 Samvtag, 18. November 1883 Nr. 27g gerettet zu haben, da ein Teil des Bürgertums und des Kleiltbürgermms vollkommen im Lager des F-ascisinns geskinden hat und ein Teil nach der zivcifelhiftett Demokratie etwa des Herrn Abgeordneten Nasche oder des Herrn Professors Hilgenreiner oder des Senators Kahler geschielt hat, welche Herren es glänzend verstanden haben, in den lebten Monaten sich nach dem Wind zu drehen und denen man schon die Fähigkeit zntranen muh, auch weiter zu rotieren. Die deutschen Soztaldemvkraten in diesen: Lande sind in den Stürmen der lebten Zeit festgeblieben. Wir Prag, 17. November. Im Budgetausschuh besagte sich gestern Schulnnnister Tr. Dürer mit oen Sparmaßnahmen im Schulbudget. Die parlamentarische Sparkommission hat bestimmte Sparmaßnahmen vorgeschlagen und das Ministerium hat im Rahmen dieser Anregungen Anträge ausgearbeitet und sie der Regierung vorgelegt. TaS Schui-budget ist bereits mit Rücksicht auf diese Anträge ausgearbeitet; nur dann, wenn sie tatsächlich verwirklicht werden, wird eS möglich sein, mit den veranschlagten Beträgen auSzukom- men. Andernfalls müßte die Schulverwaltung mit einem Nachtragsbudget kommen. Kein OeberUuD an Flittclsdiulenl Was die Mittelschulen betrifft, so kann man von einem Ueberfluß eigentlich nicht reden. Bei unS entfällt aus 49.470 Einwohner eine Mittelschule, in Deutschland auf 25L90, in Frankreich auf 25.4.10, in Oesterreich auf 40.500, in Rumänien aus 40.750 und In Polen auf 43.030 Einwohner. Trotz- dein glaubt der Minister, daß man in einigen Orten, wo sich mehrere Mittelschule« mit einer geringeren Schülerzahl befinden, an ihre Zusammenlegung schreiten kann, ohite daß dies eine kulturelle Einbuße zur Folge hätte. Schon seit zwei Jahren sucht das Ministerium beim Mittelschulwesen Ersparnisse zu erzielen. So wurde die Zahl der Parallelklassen zu den ersten Mittelschulklassen Im Vorjahr um 46 und Heuer um weitere 29 Klassen reduziert; diese Maßnahme soll weiter fortgesetzt werden. Der Andrang in die erste Mittolschulklasse läßt bereit- nach. Reiorm des radisdiulwesens Im Fachschulwesen hebt die Schulverwal- ttrng seit einigen Jahren allgemeine gewerbliche Fortbildungsschulen aus nnd errichtet an ihrer Stelle fachliche Fortbildungsschulen, die sich sehr gut bewähren. In den letzten Jahren wurden 269 gerverb- liche Fortbildungsschulen aufgehoben und an ihrer Stelle fachliche Fortb'ldungSschulen in freilich weit geringerer Zahl. Dadurch wurden nicht nur Er« spaningen erzielt, sondern auch den Bedürfnissen der Fachkreise entsprochen. Vie Svarmavnabmen Im Hodistfuilbetrleb Der Andrang an die Hochschulen ist bereits zum Stillstand gekommen; es zeigt sich bereits eine absteigende Tendenz. Im Wintersemester 1931/32 waren an allen Hochschulen insgesamt 33.872 Hörer eingeschrieben, im Vorjahr 33.110 und heuer nach den vorläufigen Ergebnissen nur niehr 80 341. Tie Zahl der ausländischen Studierenden ist in derselben Zeit von 52l0 auf 8470 ttnd Heuer ans 2155 zurückgegangen. sind trotz des Hasses, der trnS umbrandet, keinen Schrill vom Boden der Demokratie ad- (Kfliutflctt und wir werden diesen einzige n B o d c n, a u f d c m das d e u t s ch e Volk in der Tschechoslowakei stehen kann, auch lv e i t c r e r h a l t e n. Die stidctcndcmscl)en Sozialdcmokraleit haben, >vie so oft, attch diesmal die Lebensintercssen des Sudetendenlschlintts wirksam gewahrt und haben es vor einer Katastrophe gerettet. Sie haben sich als wahre B o l k s p a r t e i erwiesen, in deren Händen einzig die Zukunft des Sude;endeutschtums sichcrgestellt ist. Auch auf deut Gebiete des Hochschulwesens hat das Ministerium im Rahmen der Vorschläge der Ersparungskommission der Regierung besttmmte Anträge vorgelegt. Eine Einschränkung des Hochschulwesens kann nicht mechanisch erfolgen, sondern es müssen dabei die pädagogischen und wissenschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Nach deut Umsturz wurden die ftnanziellen Mittel im Hochschulwesen nicht immer ökonomisch verwendet. Der Zwang zum Sparen nötigt das Ministerium, den Hochschulbetr'eb zu ökonomisieren und im Rahmen der Sparmaßnahmen Vorkehrungen durchzuführen, die auch in normalen Zeiten nötig und gesuitd wären. Der Min'ster versichert, daß diese gestellten Anträge auf die kulturellen Bedürfnisse und Jnteresien Rücksicht nehmen. vle Versetzungen Zur Derfetzung von Lehrern aus DiensteSrücksichten erinnert Dr. TSrer, daß diese Verletzungen gegenüber der Gesamtzahl von 62.671 Lehrern minimal sind Die dienstliche Versetzung Ohne auf die Ziele der nazistischen „Strafrechtsreform" hier näher ein« zugehe»(wir haben schon einmal dieses Thema gestreift), reproduzieren wir die folgende ReNamemeldung des WolsfbiiroS nnd überlasten es den Lesern, die verschiedenen bekannten kriminellen Typen‘ der nazistischen„Führergarde" unter dem Gesichtspunkt dieser Strafrechtsreform■ inS Auge zu fasten. Berlin, 16. November.(Wolff.) Die deutsche NeichSrcglcrung hat ein Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher und über Maßregel» der Sicherung und Besserung beschlossen. Die neuen Strasvorschriften drohen den gefährlichen G e- w o h n h e i t s v e r b r c ch e r n Zuchthausstrafen bis zit fünfzehn Jahren an, erklären schon den Besitz von Diebs Werkzeug in der Hand vorbestrafter Verbrecher und ihres Anhanges für strafbar und verschärfen die Strafen gegen Zuhälter. Die geplanten Maßregeln der Sicherung und Besserung setzen dann ein, wen» wegen Geisteskrankheit des Täters keine Strafe verhängt werden kann oder wenn der Täter zwar durch die von Profestoven und Lehrern erweist sich als nod- wendig, Lehrer, die an Schulen der Republik wirken, müssen sich nicht nur Innerhalb der Schule, sonder« auch außerhalb besten eingedenk sein, daß sie nicht nur Bürger der Republik sind, sondern daß sie auch Lehrer dieses Staates sind und daß es ihre Pflicht ist, in den Schulen den Kindern L'ebe und Achtung zur Tschechoslowakischen Republik einzu- prageu. Es ist undenkbar, daß sich ein Lehrer politisch so weit expnn'eri, daß sein Verhalten als nicht vereinbar mit den Interessen der Tschecho- llowakischen Republik bezeichnet werden könnte. AuS diesem Grunde mußten In eln'gen Fällen Lehrer aus ihrer bisherigen Umgebung, in der sie sich in einer mit den Jnteresten der Republik nicht zu vereinbarenden Meise exponiert hatten entfernt und in andere Orte vcrstzt werden, wo sie auf die ihnen anvertraute Jugend nicht schädlich eiuwirken können Eine solche Versetzung ist keine Persekution, sondern dient den Bedürfn'sten des Staates und der Schule. Dia D'sziplinicrung geschieht auf Grund einer ordnungsgemäßen Disziplinarverfahrens. bas Flinderfteltssdiuiwesen Zum Minderheitenschukwesen erklärte Dsrer, daß er auf diesem Gebiet möglichst alle Streitfragen auszuschließen suchte; eS ist da» eine schwere Aufgabe, aber er glaubt, daß keine besondere Ursache zu Beschwerden vorliegt. Er werde auch tve terhin diese Linie einhalten. Hinsichtlich d«r deutschen pädagogischen Akademie stelle sich die Schulverwaltung nicht gegen ihr« Verstaatlichung, wenn dies die Finanzen gestatten würden. Er bemüht sich jedoch, sie im Rahmen der gegebenen sinauziellen Mögt chkeiten zu unterstützen. Der Minister hofft, daß die Herabsetzung der Posten für die Studer.tensürsorge, für Theater, Musik, bildende Künste ustv. doch nur eine vorübergehende Erscheinung sein wird; das Ministerium bemüht sich, auch hier im Rohmen der finanziellen Möglichkeiten wenigstens die dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen. Er meint, daß das in einem gewissen Maß in der Studentenfürsorge auch gelungen ist. Strafe seine Schttld gebüßt hat, aber aller Voraussicht nach wiederum rückfällig werden wird. Tas Gesetz steht vor: Die Unterbringung in einer Heil- oder Pflegeanstalt, in einer Trinkerheilanstalt, einer Entrie« hungSan stakt oder in einem Arbeitshaus, die S i ch e r u n as v e r w a h r u n g, die Entmannung gefährlicher Sittlichkeitsver- brccher, die Untersagung der Berufsausübung und die Ncichsverweisung. Geisteskranke und geistig Minderwertige, die eine mit Strafe bedrohte Handlung im Zustande der Zitrechnungsunfähig- kcit oder der verminderte» Zurechnungsfähigkeit begangen haben, können durch Anordnung des Strafrichters künftig auf unbegrenzte Zeit in einer Heil- oder Pflcgeanstalt untergebracht werden, wenn die öffentliche Sicherheit es erforoert. L a n d st r e i ch e r, Bettler und ähnliche soziale Elemente können im Arbeitshaus untergebracht werden, und zwar vom zweiten Mal an auf nn- bestimmte Zeit. Gefährliche GewohnheitSver» brecher werden nach Verbüßung ihrer Strafen in einer Anstalt itntcr Arbeitszwang so lange Washington mit Moskau einig Washington, 17. November. Präsident Roosevelt und Litwinow habe« heut« die normalen diplomatischen Beziehungen zwischen den von ihnen vertretenen Ländern wieder ausgenommen. Zwischen den beiden Staatsmännern hat ein Briefwechsel stattgesundem in dem die russische Regierung sich bereit-erklärt, alle An. spräche Rußlands gegen all« amerikanischen Fir. men und Privatpersonen, al» auch der Regierung der Vereinigten Staaten wegen der Sibirien- erpedition fallen zu lasten. Die russische Regie- rung verspricht den amerikanischen Staatsbürgern in der Sowjetunion entsprechend den Bestimmungen des Rapallo-BertrageS den normalen gesetzlichen Schutz, sowie di« Freiheit de» B:- kenntnisteö zu gewähren. festgehalten, als sie eine Gefahr für die öfscnt- liche Sicherheit bilden, also unter Umstanden auf Lebenszeit. Das Gesetz sieht die Sicherungsverwahrung nicht nur für künftig abzuurteilende Gewohnheitsverbrecher vor. Zur Zeit befinden sich in den Strafanstalten eine große Zahl von Verbrechern, deren Gefährlichkeit bekannt ist und von denen mit Sicherheit vorauSzusehen ist, daß sie wieder rückfällig werden. Sie müßten nach der Strafverbüßung der Freiheit wiedergegeben werden. DaS neue Gesetz macht es den Staatsanwaltschaften und Strafanstalten zur Pflicht, die Gewohnheitsverbrecher, die zur Zeit bte Strafanstalten bevölkern, daraufhin durchzusieben, ob sie auch nach der Verbüßung der Strafe eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen und bejahendenfalls sic in Sicherungsverwahrung zu bringen. Gegen gefährliche Sittlichkeitsvcrbrechcr kann der Richter künftig die E n t m a n n u n g(Kastration) anordnen. Bei dieser Maßnahme, die in der Entfernung der Keimdrüsen besteht und die nach ärztlicher Erfahrung geeignet sein soll, den krankhaften Trieb anszulöschen oder tvcitigstens so zu schwächen, daß er keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr darstellt, beruft sich di« ReichSrcgicrung darauf, daß sie atlf Grund verschiedener Gesetze der Bereinigten Staa- t e n von Nordamerika als Zwangsmaßnahme gegen Sittlichkeitsverbrecher seit vielen Jahren geübt wird und vor einigen Jahren auch in Dänemark als gesetzliche Maßnahme eingeführt worden ist. Das Gericht kann künftig die Ent- mannnng eines ManncS, der das 21. Lebensjahr vollendet hat, anordncn, wenn er wegen L u st- mordcs verurteilt ist oder wenigstens zweimal ein Verbrechen der Nötigung zur Unzucht, der Schändung, der Unzucht mit Kindern, der Notzucht oder gewisse sadistisch« Akte begangen oder unsittliche Handlungen öffentlich vorgenommen und deswegen Frechciis- strafe von gewisser Höhe verwirkt hat. Sie ist ferner gegen gefährliche SittlichkeitZverbcechcr zugelassen, die zur Zeit in Strafanstalten einsitzen. Der Strafrichter kann ferner künftig Leute, die unter Mißbrauch ihres Berufes oder Gewerbes oder unter grober Vcrletznng der ihnen kraft ihres Beruscs oder Gewerbes obliegenden Pflichten ein Verbrechen oder Vergehen begangen haben nnd deswegen zu Freiheitsstrafe vou mindestens drei Monaten verurteilt worden sind, auf die Dauer von mindestens einem und höchstens fünf Jahren die Ausübung des Berufes(Gewerbes) untersagen, wenn oics erforderlich ist. Endlich erweitert das Gesetz die schon bisher vorgesehene Möglichkeit, Ausl ä n- der aus dcni Reichsgebiet zn verweisen, Wirtschaftliche Gestaltung des Schulwesens Genosse Dörer über die Sparmaßnahmen im Schulvoranschlag Hitlerregierung will das„gemeinschadliche Verbrechertum“ bekämpfen! Was wird aus den SA-Führern 1 13 Roman von Felix Fechenbach Der Bi penspieler MM! „Mir iS schon genug, wenn dit so heben mir sitzst. Brauchst gar nix sagen. Ich weiß auch so, daß d' mir gut bist." In leidenschaftlicher Aufwallung zog.Hans sie ganz eng zu sich lzeran. beugte seinen Kops über ihr Gesicht, und dann versanken sie in einen langen, innigen Kuß. Sie hallen sich vorher noch nie geküßt nud saßen jetzt eine ganz« Weile schweigend auf der Bank, jeder mit seinen eigenen ansgeivühlten Empfindungen beschäftigt, bis Grell etwas verlegen daran erinnerte, daß sie nach Hause müfsr. Langsam und verwirrt gingen sie Hand in-Hand wieder zum Main und dann bis zur Ecke der Kärrnersgaste. Mit eitlem Händedruck verabschiedeten sie sich: „Bis morgen abend. Grell!" „Ja, ich komm ganz sicher!" * Trübe und regnerisch begann der erste Messetag. Beim Aufbau«« der Bude machte Frau Cornelius ein mürrisches Gesicht. Sie dachte an die unangenehnien Folgen, die der Regen für ch« Kasse haben würde. Aber langsam hellte eS sich wieder aus. und mit der Sonne kam nachmittags auch Leben auf den Kranenplatz. Die ersten Kasperlvorstellungen waren mich schwach besucht, aber dann wurde es bester, und mit-en sich nlehrcnden Füniptennigstücken in der schwarzen Ledertasche die Frau Anna an einem Riemen um deu Leib geschnallt trug, wurde auch die Laune der Mutter Cornelius besser. Während 'ic die groß«, neu« Orgel dreht« und Hans neben ihr das Kalbfell rührte, ries sie ihm zu: „Das Wetter hat sich aber doch noch gemacht!" „Mußt dich bei mir dafür bedanken, Mutter. Ich hab dem Petrus beut mittag ein dringendes Telegramm g'schickt." Er war heute besonders froher Stimmung, und dann konnte er recht ausgelassen sein. Die Mittler ging auf seinen Scherz ein: „So! Was hast ihm denn depeschiert?" „Seltdct sofort gutes Wetter, sonst macht Mutter ihr Brozzelg'sicht!" „Und da hat er gleich die Sonne scheinen lasten?" „Freilich! Wenn du so grimmig drein- schanst, da kriegt ja sogar der Teufel Angst, vom Petrus gar nit zu reden." Die Mutter lachte herzlich und gab Hans einen leichten Klapps ans den Buckel: „Du Lauser!" Ter Marsch, den sie gespielt hatten, war zu Ende,>tnd die Bänke schienen Fran Cornelius genügend besetzt. Sie gab das Glockenzeichen und HanS verschwand in der Spielbude. Ter Vater ließ ihn jetzt schon dann und wann den Kasperl spielen. Auch heute.-Hans nahm di« alt« Kasperlsigur, deren Kops der Großvater noch geschnitzt hatte und ließ den lustigen Kauz mit einem ausgelassenen Hopser auf di« Latte springen. Di« übliche Begrüßung folgte, das ,,Jaaa" der Kinder und auch das„Hur- raaa!", nachdem Kasperl sic dazu aufgefordert hatte. In seiner frohen Stimmung macht« es HanS Spaß, sich mit den Kindern herumzuulken, und er setzte ganz programmwidrig seine Unterhaltung mit dem kleinen Bölkchen auf den Bänken vor der Spicllatt« fort. Vater Cornelius ließ ihn gewähren itud zog den August wieder von der Spicllatt« zurück, wohin er ihn schon hochgehobcn hatte, weil jetzt eigentlich der August schon hätte onftrcten müssen, wenn HanS das Vorspiel wie üblich durchgesührt hätte. Kasperl fragte di« Kinder: „.Habt ihr schon Hurra gerufen?" ,^Jaaa!" kanis von draußen zurück. „Js ja gar nix wahr! Ich hab kci Puzzele .zehört. Das mußt ihr beller machen! Also, ich zähl jetzt bis drei, und dann schreit ihr nochemal Hurra. Aber so laut, daß ich auch was hören kann." Kasperl zählte nun itnd schlug dabei zu jeder Zahl mit seiner rechten-Hand drollig gegen die Spicllatt«: „Eins, zwei. zweieinhalb, zweidreiviertel, und cinS iS..." „Hurraaa!" brüllten die Kinder, so laut sie nur konnten. ,,-Haaalt! Ich hab ja noch gar nit drei gezählt!" Die Kinder qnicckten vor Vergnügen. „Wir faitgen nochemal an. Jetzt müßt ihr aber bester auspassen..Also: Eins, zwei, zweieinhalb, zweidreiviertel... noch e Zwinkerl«, und eins iS... drei!" „Hurraaa!" Man hörte es über den ganzen Kranenplatz, so laut schrien die Kinder. Aber Kasperl hielt mit einer Putzigen Bewegung eine-Hand htrtters Ohr und fragte: „Warum schreit ihr denn nit Hurra? Ich hab vvch jetzt bis drei gezählt." „Wir habe» doch gerufen!" kam Anttoort von den Bänken. „Och, ihr wollt nrich wohl zum Narren halten! Wen» ich fei sowaS merk, dann hol ich meine Pritsche und kontm runter. Dann gibtS aber was aus den Popolopopooo!" Di« Kinder versicherten unter andauerndem vergnügten Lachen dnrcheinanderrufend, daß sic ganz laut geschrien hätten. „Sapperlot nochemal! Wie kommt denn daS. daß ich nix hör? Ah, jetzt l)ab ichS! Meine Brilln hab ich vergessen! Gleich kommt ich wie der!" Kasperl verschwand einen Augenblick von der Sptellalte und kam dann wieder mit einer unförmig großen Brille auf seiner langen Nai«. Tas kribbelige Völkchen auf den Bänken wälzte sich fast vor Lachen und rief dem Kasperl alles mögliche zu. „WaS sagst du Dreikäsehoch da unten? Mit einer Brill« könnt man nit hören? Ter Onkel Dcklor hat sic mir extra verschrieben, weil ich aus dem linken Auge taub bin. Jetzt wolln wirs gleich ausprobiern, obs mit der Brilln uit besser acht. Aber ihr müßt so laut schrei», daß die Wetterfahne auf dem Grasen-Eckarts-Turm wak- kclr! So, jetzt fängts los: EinS, zwei und eins iS... dreu" „Hurraaa!" schrien di« Kinder. ,Hetzt hab ichS g'bört! IS doch besser gegangen mit der Brilln! Uitd weil ihr so schön laut gerufen habt, sangen wir jetzt gleich an mit unserm Spiel. Juchuh!" Und weg war der Kasperl. „Tas hast sein gemacht,.HanS", sagt Baier Cornelius.„Jetzt können wir unS aber das Vorspiel mit dem August schenken."» Und sie fingen gleich mit dem eigentlichen Stück an. Kurz vor sieben Uhr war die letzte Vorstellung zu Ende. Hans räumt« noch die Figuren und Requisiten auf, während Bater Cornelius mit der Mutter zum Wohnwagen ging. Dabei kam er auf HanS zu sprechen: „Der Bub hat heut aber Leben In die Bud« gebracht. So lustig und ausgelassen hat er noch nie g'spielt." „Ja, da kommt der Schmitt mit seinem Kaspeö nit mit! E jungS Blut iS halt doch lebervdiger und lustiger. Solltest den Hans öfter den Kasperl spielen lassen. Der hatS in sich! Und daß«rs gut macht, hast ja heut wieder nterke» können. Hätt'st«mal di« Kinder sehen sollen, wie die vergnügt waren!" (Fortsetzungfolgt.^ «r. 270 SamStag, 18. November 1233 D E LI KATE SS- M ARG AR IN E et' Pnposs aus, sich Oestcrrclcb- Italienische Kolonie s Er erklärte, eS sei absurd, zu Dauben, das;i mußten neun Monaten, Führung durch Staatsmänner vor sich h i n- senkt, als ob ir ! di« Tas haben Tie bet Leute: Dann haben Sic angegeben: 7. Feber, I I Uhr nachts, war Alarmbereitschasl. Schätzungsweise Ware» im Besitze der Kommu» grsagt. an Ein Auf früheren.,___ weiter. Kempncr' habe ihm erzählt, daß in einer Sitzung am 28. Feber l. I. mit den Brandstiftern gesprochen worden sei, die die Sache machen sollten. Vorsitzender: Hat Kempncr gesagt, die Brandstiftung habe in den Händen von T o r g l c r gelegen? Zeuge: Jawohl! Vorsitzender: Auf welche Stunde sollte denn nach KemPnerS Angaben die Vorbereitung des Brandes verlegt werden? Zeuge: Er hat wörtlich gesagt, daß um halb 8 Uhr abends der Brand vollständig angelegt sein sollte. Ich weiß auch ganz genau, daß diese Stunde angegeben wurde. das Brandmaterial nach dem Reichstage befördert hat. Auf Fragen und Vorhalte erklärt der Zeuge weiter, daß das Brandmaletial nach den Worten Kemp- ners in der Beteranenstraßc hcrgcstcllt war und daß eres in einer Reisetasche am Reichstagsporiak dem Abgeordneten Torgler abgegeben habe. Vorsitzender: Tie habeu früher«ine ganz andere Person genannt. Hat Kempner dann gesagt, daß er das Brandmaterial Torgler abgegeben habe? Auf weitere Fragen erklärt der Zeuge schließlich, daß hier eine Verwechslung vorliege, und daß er sich setzt gerade erinnere, Kempner habe damals gesagt, er hab« die Tasche an den großen Schwarzen abgegeben, den er einmal in der Roten Hilfe getroffen hatte. Damit habe er den Bulgaren V o p o f f bezeichnet. Di« Sache mit Torgler sei erst bei dem zweiten Besprach gewesen, ln dessen Verlaufe Kempner gesagt habe, Torgler und Ä o«- neu hätten di« Brandstifter hineingelassen und gedeckt. Vorsitzender: Worauf führen Sie es denn zurück, daß der große Schwarze Popoff gewesen sein soll? Zeuge: Weil ich mit Kempner und Popoff in der Roten Hilfe zusammengetroflen bin. Kempncr sprach mit Popoff; ich konnte es jedoch nicht verstehen, da Kempner Esperanto gelernt hatte. Kempncr erzählte mir auch damals, daß der große Schwarze der Mann ■ sei, mit dem er in der Roten Hilfe schon zusammen war. Auf eine weitere Frage erklärt der Zeuge, daß Popofs auf der Roten Hilfe den Namen Jimmy hatte. die künftige staatliche Gestaltung Oesterreichs s aus Grund von Wahlen vollzogen werden wird. Di« Schaffung der neuen Verfassung werde einzig und allein Aufgabe des Staatüslihrcrö und seiner Beratung sein. Vielleicht werde sich spater einmal die Möglichkeit ergeben, daS neue BersassnngSwerk auch irgendeiner Form dem bodenständigen Volke vorzulegen. Stcidle kündigt damit nichts anderes an als den nackten, gewaltsamen S t a a t s st r e i ch. Wer hinter diesen Staatsstreichpläncn steht, konnte man ans einer Interpellation erfahren, die heute die sozialdeniokratischen Bundesräte an den Kanzler richteten. Aus dieser Anfrage erfähri man, daß vor wenigen Wochen die amtliche Zei- Dlcblcr spricht mehrere Vorhaltungen aus seineli Vernehmungen erklärt der Zeuge dann Stcidle verbündet den Staatstrcidi/ Der Italienische Gesandte Kommandiert Wien, 17. November.(Eigenbericht.) Der| neue amtliche Propaganda-Kommissär, den sich die Regierung Dollfuß als österreichischen Goeb bels bcigelegt hat, führte sich heute mit einer Rede ein, die schlaglichtartig zeigt, wohin der Kurs der „autoritären" Regierung führt. Der Propaganda- Kominissär, der Tiroler Fascist Dr. Stcidle, hat in dieser Rede die künftige Verfas sung O e st e r r c i ch s mit einer Offenherzigkeit formuliert, die sich bisher noch kein österreichisches Regierungsmitglied geleistet hat. scheid wußten und di« zuverlässig waren. In den sogenannten Lehrzügen waren diejenigen, die noch s nicht„wetlerfeft" waren. Die Ausbildung hatte der; Zugsführer. Waffen, Munition und Zugehör wur< i den m der Hauptsache aus den Uebcrschüsien gr< l kaust, di« bei Veranstaltungen der Zellen und| Kameradschaften erzielt wurden. Ter zweite Weg I der Wasfenbeschaffung bestand darin, daß wir auch i mit den Arbeitern in den Waffenfabriken in Verbindung traten, damit sie uns Waffen verschaffen. Wenn hier Zeugen ouftreten, di« bekunden, daß das Wort„Schlagt die Falcisten, wo ihr si« trefft!" geistig gemeint gewesen sei, so kann ich aus meiner eigenen Praxis den Beweis unbedingt dafür antrctcn, daß diese Parole auch in die Tat umgesctzt worden ist. Der„Drand-Knrler“ Vorsitzender: Sic haben bei Ihrer Vernehmung etwas über eine Besprechung gesagt, wobei der Singer«ine Roll« gespielt hat, sowie die Funktionäre Kempner und Bierbrauer. Zeug«: Singer war auch im Rot- Front- kämpserbund und hat verschiedene Funktionen gehabt. Ich muß aber sagen, baß Singer«in«ehr großer Ausschneider und«in Schwindler allererster Klass« ist. In unseren kommunistischen Parteikreisrn war viel davon di« Red« daß Singer nicht waschecht gewrsen sei, und daß er vieles in die eigen« Tasche gesteckt habe. Rach meinem Austritt aus der KPD, sagt Grote, hate Grothe bis zu dieser Verhandlung niemals gesehen. Er sei auch niemals in der Roten Hilf: gewesen und habe überhaupt nichts mit dieser Organisation zu tun. Alles, was der Zeuge Grothe von ihm erzählte, sei eine ungeheure Unwahrheit. Es fällt auf, daß der Angeklagte Ban der Lubbe während der daraussolgendcn Ausführungen des ObcrreichsanwallS wiederholt lacht und dann den Kopf wieder schliefe. , Ter Vorsitzende fordert nun zu erheben. Ter Zeuge sieht aber nicht hin und Berlin, 17. November. Di« heutige Zeu- aknaussoge dcS ehemaligen Kommunisten Grothe im ReichStagSbranbstisterprozeß wurde mit u«. gewöhnlichem Juteresse erwartet, da schon rin« Reihe von Wochen hindurch bekannt war, daß Grothe von der Staatsanwaltschaft als«ine der Hauptstützen der ganzen Anklage angesehen wird. DI« AuSfaae Grothrö ries tatsächlich Sensation hervor, gletchzeitia erweckte sic aber auch große Unsicherheit darüber, wa» von seinen Enthüllungen als wahr angesehen werden kann. Vielleicht wird aus dies« Frag« dir ärztliche Untersuchung deS GeisteSzustandea dcS Zeugen, die von der Verteidigung beantragt wurde,„Licht Wersen. Der Zeuge selbst sagte, daß er während des Krieges einen schweren Unfall erlitt, durch den sein Stottern verstärkt wurde. Aus die Frage welches die ursprüngliche Ursache seines Stotterns ist, lehnte der Zeng« die Antwort ab. Zwrisrl über den Wert der Zeugenaussage KrotheS riesen auch verschiedene Mitteilungen dcS zweiten heutigen Zeugen Singer hervor, nach dem Grothe von den übrigen Kommuni st«n als verdächtig angesehen wurde. Zum Beweis dessen führte Singer an, daß dl« Polizei im März d. I. Grothes Ber- vielsältigungSapparate beschlagnahmte, sie ihm aber kurz daraus wieder zurück st eilt«. Singer ist überzeugt, daß an dieser Sach« rtwaS nicht in Ordnung war» da«S nach feinrr Ansicht völlig ausgeschlossen ist, daß die Polizei in einer Zeit revolutionärer Garung einem wirklichen Kommunisten die beschlagnahmten Berviel- sältigungöapparat« zurückstellen wurde. Nicht minder verdächtig war eS Singer, daß Grothe nach Riickerhalt der BervielsältigungS- apparate von der Polizei durch ein Zirkular den illegalen kommunistischen Organisationen Der- vielsaltiaungsarbeiten anbot. Singer verhinderte die Verbreitung dieses ZirkularS unter den Kommunisten. Schließlich gab Singer, der aus der Untersuchungshaft vorgesührt wurde, seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß sich Grothe, der als ehemaliger Funktionär der kommunistische« Organisation bekannt ist, heut« aus freiem Fuß befindet. Bei der Konfrontierung mit Singer antwortete der Zeuge Grothe nicht aus den sor- mulierten Verdacht, sondern ging zum Augrlss über und beschuldigt« Singer unehrenhafter Handlungen, die er aber nicht näher beweisen konnte. Auch bestritt Grothe nicht die Behauptung, daß er den individuelle« Terror propagiert hab« und daß Singer einigemal« gegen diese sein« Bestrebungen ausgetreten sei. Heiterkeit ries im Gerichtssaal die Frage dcS Advokaten Dr. Teichert hervor, warum Grothe der Aufforderung deS Richters, sich Popow anzusehen, nicht gleich nachkommen wollt« und warum äxÄÄÄSSÄÄ darauTum’h* De r. h? Ib achten Sie»tets darauf, um beim Einkauf sicherzugehen I VTTKLLO A"»st mal beschreiben. Er tut XnÄ? häfi P dann Popofs an, um fest- zustellen, daß er derclbe war. Popofs fetzt sich Wied« und ruft dem Zeugen zu: LVmutziger Singer entlarvt den LocKspltzel h« bCm ö°"S°n Grothe wird der Kraftfahrer Singer vernommen, den Groih« als seinen Gcwährs- “' hat. Der 28jährige Singer wird 'N« d e r U n t e r s u ch u n g s h a s l vorgeführi. E- n iÄ"« 11« Ringer, aus Agram gebürtig, ist 19.o nach Berlin gekommen und hat sich hier den Kommunisten angeschlossen. Auf eine Frage des Borsitzenden erklärt er, mit kommunistischen Führern sei. er niemals zusammengekonnnen. Er sei nur ein kleiner Funktionär gewesen. An der von Grothe angegebenen Besprechung in der Wohnung des Bartz habe er n i ch t t e i l g c n o m m c n. Er kenne auch Bartz gar nicht. Grothe kenne er, da er mit ihm in derselben Straße wohne. Auf weitere Fragen des Vorsitzenden erklärt Singer, er habe nie an einer Sitzung der Roten Hilfe tei.l- genommen und auch niemals die Aeuße- rungen getan, die ihm von Grothe nachgefagt werden. Der Zeuge Singer bestreitet wcttcr enr» schieden, am Tage des Reichstagsbrandes Kurier der Zentrale gewesen zu sein. Grothe als Kommunist umsie wissen, daß«r, Singer, als kleiner Funktionär aar nicht einen solchen Knricrposlcn bekleiden konnte. Auch mit Terrorgruppcn habe er niematz« zu tun aebabt. Im übrigen, erklärt Si"- aer. sei Grotbe von der Partei für H zuverlässig gehalten wrdcn. Grothe bab« immer ausgeschnitten und alles darum gegeben, irgendwo gedruckt*« erscheinen. Der Zeuge Singer wird dann dem Zeugen Grothe gegenüber gestellt. Bride Zeugen überhäufen sich mit Vorwürfen und Singer erklärt schließlich, Groth« habe in der Partei überhaupt keine F ü h r e r st c l l u n g inne gehabt, sondern die niedrigste Funktion die eS gebe: Kassierer einer Gruppe von wenigen Personen. Auf eine Frage des Angeklagten Dimitrow erklärt Singer, es sei ausgeschlossen, daß in den Konferenzen der unteren Parteiorgane über den Reichstagsbrand und geplante cnhnliche Aktionen in Warschau oder Prag iu der Weis« gesprochen worden sei, wie cs Grothe dargestellt habe. Auf eine weitere Frage sagt der Zeuge, daß im Feber bei der KPD. kein A l a rm z n st a n d bestanden habe. I tung der österreichischen Rundsunkögesellschaft ini , Auftrage der italienischen Gesandtschaft lonsis- ziert wurde, weil darin ein Bericht über die Weltkricgsschlacht von Fritsch-Dolmein stand, bei der die Italiener eine Niederlage erlitten hatten. Die Abhängigkeit der österreichischen Regierung vom italienischen Diktat geht aber noch viel wei- ter. Man ließ es bei der Konfiskation eines amtlichen Organes nicht bewenden, sondern leistcitc darüber hinaus Italien noch eine Sühne, die sonst nur bci K o l o n i a l v ö l k e r n üblist ist. !Auf ausdrücklicher Forderung der italienischen ....'i zur Buße int österreichi schen Äundfunk zweimal hintereinander Mussolini verherrlichende Vortrage unter dem Titel „Ein Volk und seine Stadt Rom" gehalten werden. Aber auch damit begnügte sich die italienische Regierung nicht und die Regierung Rollsuß nahm willig eine neue Demütigung aus sich. Sic crlicsz einen Befehl au die österreichische Wehr- nwcht, in dem die Teilnahme an allen Feiern, die der Erinnerung an die Kämpfe mit Italien gewidmet sind, verboten wird. Schließlich wurde sogar aus dem offiziellen Radiovortrag über die Geschichte Oesterreichs, der am 12. November nu Rundfunk gehalten wurde, ,enc Stellen gestri- I chen, in denen von Radetzky und Teggethosf I dic Rede war. «v°rher belchreiben wolltr. wi« Povow aus-««M- W-nn ich gewnß. hätte, daß di- Sache mit seh«. Groth«: Weil ich Popow von Verschiedenen I d°"> Brande em Fiasko wird, dann hatte ich niemals Gelegenheiten her kenne. Teichert: Haben Sie.Hand dazu hergegcbcn Ich, erklärte der vielleicht in den Zeitungen gelesen, daß hin von 3r»gc fragte Kempner, ob er selbst dabei war, und den Zeugen ost ein« Beschreibung der einzelnen daraiif antwortete er: Jawohl, ich war derjenige, der Angeklagten verlangt wurde? Grothe: Allerdings. Mit siegesbewußten Lächeln quittierte Doktor Teichert dies« unvorsichtige Bejahung Grothes. *> Berlin, 17. November.(Wolff.) Als erster Zeuge im Prozeß zur Verteidigung der Reichstags brandstifter wird heute der Maurer Otto Grote aus Zepernick bei Bernau vernonnnen. Er erklärt, daß er Ka m«radschaftsführor im„Rot- Front- Kämpferband" war. Er wolle zu- nächst die Gründe angeben, die ihn zu seiner frei mütigen Zeugenaussage veranlaßt haben. Er sei Funktionär in der lommuniftifchen Partei gewesen, der er seil dem 10 Oktober 1921 angchörte, um dem Proletariat mit feiner ganzen Kraft zu helfen. Die Wirklichkeit hatte aber bewiesen, daß diese Partei einen unverschämten Schwindel trieb. Deshalb habe er sich von dieser Partei abgcwandt. Der zweit« Grund sei, daß nn Bolksanunde immer gesagt wordeu fei, Hitler und die National- loziaUsten hätten den Reichstag angesteckt. Als deutscher Arbeiter hab« er nicht zugeben können, daß derartige Angriff« gegen dielen Staatsmann erhoben würden, denn heut«, nach lei bewiesen, daß in der heutigen den Nationalsozialismus wirkliche sind. Vorsitzender: Mitt« Juni Ihrer Vernehmung gesagt. Sie kennen di« nicht, di« hier iu Frage komme«. „Enthüllungen“ Uber den Roten FrontKdmplerbund Zeuge: Bei meinen ersten Vernehmungen habe ich noch nicht angegeben, welche Funliionät- slelluugen ich Haire, weil ich befürchtete, daß mir selbst daraus Schaden erwachsen könnte. Ich wu- Kauleradschastsführer im Bezirk Gesundbrunnen der Roten FronlkämpkerbundeS. Nach dem Verbot die-1 I«S Bundes als er illegal weiter bestand, hatte dir i Abteilung Gesundbrunnen sechs Kameradschaften, in der lega.en Zeit nur fünf. In der legalen Zeit hatte ein« Kameradschaft ISO Mann, jetzt in der illegalen Zeit waren eS zeitweise nur 18 bis 80 Mann. In der Kameradschaft gab es einen A k t i v- J. u 9 und einen Lehr; ug. Im Aktivzug waren die Leut«, die selbst Waffe» hatten oder damit Br« Sell, 9 Samvtag, 18. November 1938 Nr. 270 Notwehr gegen nendeutschen Ungeist. Hans Reimanns Prager Dortrag verhindert. XktMpk§6§6N die Grippe! Bester Grippeschutz durch gründliche Desinfektion der Mund- und Nasenhöhle, der Kehle, sowie aller Atmungsorgane durch Menthol-Franzbranntwein A L P A Gurgeln und spülen Sie oft den Mund mit verdünntem Alpa. Einige Tropfen genügen für ein Wasserglas. Auch das Einatmen des unverdünnten Alpa wirkt ausgezeichnet. Zerstäuben Sie Alpa in Wohn- und Gesellschaftsräumen. Hiedurch gründliche Luftdesinfektion. Fragen Sie Ihren Arztl Nur nodi die Alte Garde Jüngere TA unzuverlässig. Der Londoner„Daily Herald" erhalt von seinem diplomatischen Korrespondenten die Mitteilung, daß Goering seinen„Führer" vor der wachsenden Auflehnung und daraus folgenden Unzuverlässigleit der jüngeren SA- Massen eindringlich gewarnt und sofortige Abhilfe gefordert habe. Der gottgesandte Erlöser hält es aber in seiner StaatSmännlid)keit für zweckmäßiger, dem roten SA-Hund den Schwanz stückweise abzuhacken. Der erste Schritt auf dieser Bahn sei bereits getan. Der Berliner braune General E r n st hat eine besondere Parade der „Wien Garde" abgehalten und sie zur argwöhnischen Beobachtung der Jungen, ihrer eigenen Kameraden und selbst ihrer Vorgesetzten ausgefordert. Nach einiger Zeit werde man die Alte Garde herauSziehen, sie besonders uniformieren— das behandelt vielleicht der neue röhmische UniformierungSerlaß!— und dann werde die braune, unzuverlässige SA dem Abbau verfallen. Die Regierung werde sich künftig„nur" auf Reichswehr, Polizei und Alte Garde stutzen, während die übrige Soldateska in die Reserve überführt werde. Nebenbei wurde ja eine derartige Verminderung der deutschen Faseistenmiliz die schönste Gelegenheit bieten, einem hochzuverehrenden und grandios zu beschwindelnden Ausland den u n- übertrefflichen Friedenswillen des Dritten Reiches im hellsten Licht vorzuführen! „Ven Wahlgeheimnis keine Rede!“ Saarbrücken, 16. November.(Jnpreß.) Der „Arbeiterzeitung" ist folgender Brief eines Arbeiters aus Kaiserslautern zugegangrn: „Zwischen 9 und 1ü Uhr begab ich mich zur Wahlurne und mußte dabei feststellen, daß von einem Wahlgeheimnis keine Rede war. Die Abstimmungszellen waren von drei bei früheren Wahlen auf eine verringert worden, und diese rin« Zelle war so gestellt, daß jedermann sehen konnte, was der Abstimmende aus den Schein schrieb. Damit aber nicht genug, war ausdrücklich hinter der AbstimmungS' ' zelle«in Posten in Slahlhelmunisorm postiert, der sich ganz assen und ungeniert über alle diejenigen, < die sich in die Zelle zum Abstiminen begaben, Notizen machte. Dadurch, daß nur«ine Zell« da war, so daß all«„Ja"-Wähl«r ihr Kreuz gleich öffentlich machien, geriet von vornherein jeder in Verdacht, der sich in di« Zelle begab. Als der Stahlhelmann sich auch über mich Notizen machte, sagte ich ihm. daß es doch nicht angängig sei, das Wahlgeheimnis so;» verleben. Ich erhielt überhaupt keine Antwort. ES blieb mir nichts anderes übrig, als unter den Augen dieses Postens mein Kreuz in das„Nein"-Feld;» machen. Um einer erneuten Brrhaslnng oder sonstigen Verfolgung aus dem Wege zu gehen, habe ich es vorgezogen, das deulschc Reichsgebiet noch an demselben Tage zu verlassen." Vom Rundfunk Empfehlenswertes ans den Programmen. Sonntag. Prag 8.15: Gymnastik, 8.86: Schallplatten, 9.10: > Dioloncellokonzevt, 9.55: Stund« lustiger Trios, 18.00: t Deutsche Sendung: Musikvorschau lür die 'V kommende Woche, 22.20: Nachtkonzert des kleinen ? Salonorchesters.— Brünn: 16.00: NachmittagSkon- zert, 17.80: Konzert, 18.00: Deutsche Sendung: Arien und Gesänge, 20,10: Jugoslawisch« Volkslieder.— Wie» 12.10: Orchesterkonzert, 15.30: Kam- |»j mermustk, 18.80: Richard Dehmel zum 70. GrburtS- j“ tag, 19.00: Chorkonzert, 20.00: Volksmusik.— Heils- S**. berg 20 35: Konzert.- Breslau 22.80: Nachtkonzert. SS;.~ Leipzig 14.85: Kinder und Tiere vor dem Mikro- Phon, Gestern sollte in der Prager Urania HanS Neiman n, der sächsische Humorist, seine Humoresken lesen. Eine halbe Stunde nach dem angesagten Beginn wurde dem schon ungeduldigen Publikum verkündet, daß der Vortrag im letzten Augenblick„verschoben" werden mußt«. Einer der sozialistischen Akademiker, die sich sehr zahlreich eittgefundcit hatten, erklärte unter dem stür- ! mischen Beifall des vollen SäaleS den Grund dic- ! scr„Verschiebung". Hans Reimann, ehemals mehr auf die sächsische Anekdote eingestellt, hatte sich nach dem ÄuS- nnd Ausbruch des Drillen Reiches zur mehr preu- j gisch pointierten Litcratnr bekehrt und in der ; Berliner„Morgenpost" an leitender Stelle einen Artikel veröffentlicht, in dem sich, eine subtile ueudeutsche Sprachkritik einleitend, folgende Stellen finden: jegliche unangebrachte Mitleidlgkeit beiseite." „Freilich, mit behutsamer Stümperei und sanftem Jäten ist's nicht getan— hier muß ganz« Arbeit geleistet werden, ohne Zimperlichkeit auSge- mistcl werden!" „Seit Hitler am Ruder ist, hat sich manches geändert, wovon man ehedem geglaubt hatte, eß fei unmöglich, und doch ging eS zu ändern." DaS hat HanS Reimann nicht vielleicht polemisch gemeint, sondern im Gegenteil so: Tagesneuigkeiten Totichlag beim tza'ordUel. Prag, 17. November. In der Gemsengasse in der Prager Altstadt kam gestern um sieben Uhr in einem Kaffeehaus der Riemer Josef U h l i k aus Podol mit dem Schlosier B. Bon. druSka aus Rusle und dem Arbeiter Wenzel Berkovsky aus Michle beim Hasardspiel in Streit. Die Beiden warfen in dem entstandenen Handgemenge N h l i k zu Boden, wobei U h l i k einen Messer st ich in die Lendengegend erhielt. Durch den Stich wurde dem Uhlik eine Hauptader durchtrennt, so daß er im Laufe des Abends im Allgemeinen Krankenhause infolge des großen Blutverlustes starb. VondruSka und Berkovsky wurden um 23 Uhr nachts von der Polizei In ihren Wohnungen verhaftet. Hunderttausende deutsche Juden in die Türkei- Ei» englischer KolonislerungS- Plan. Aus Konstantinopel wird berichtet: Die Gesellschaft für Kolonisi«» rungderJuden mit dem Sitz in London verhandelt mit der türkischen Regierung wegen Erteilung der Bewilligung an etwa 300.000 Juden zur Einwanderung in di« Türkei. Falls den Türken diese Zahl doch zu hoch erscheine, ist die Kolonisierungsgesellschast bereit, sie auf 100.000 herabzufetzen. Bor allem handelt es sich um die Juden aus Deutschland, unter denen sich eine Reihe von Kapitalisten und Gelehrten befindet. Tie definitiv« Antwort der Türkei wird Ende November erwartet. Die Indiskretion. Im Lande der Nazi-Barbarei ist eine peinliche Indiskretion passiert. Eine Indiskretion, deren Inhalt trotz aller Gleichschaltung schmunzelnd von Muud zu Mund geht. Unter den vielen und merkwürdigen„Ja"-Stimmen, die bei der kuriosen„Wahl" vom 12. November„errechnet" wurden, befand sich auch eine, die nicht ohne Kommentar war. Sic zeigt in so unübertrefflicher Klarheit den inneren„Wert" dieser Terror- Abstimmung auf, daß sie, beziehungsweise der angeführte Kommentar, die größten Chancen hat, in die geflügelten Worte der Menschheit einzugehen. Auf einem Zettel zur Volksabstimmung fand man diese Worte: „Dies Ja, das Ihr mir abge- stohlen, WaS heißtS? der Teufel soll Euch hole n!" Ein Zähler, der nicht dicht gehalten hat, wisperte diesen bedeutsamen Splitter der wahren Volksabstimmung einem Bekannten ins Ohr. Auf dem trotz allem Roten Berliner Wedding wurde dieser Wahlspruch in die Urne geworfen. Bald wußte eS ganz Berlin. Bald wußte eS ganz Deutschland. Und das Echo, millionenfach, war so nachhaltig, daß eS auch den braunen Bonzen zu Ohren kam. Indiskretionen können manchmal recht nützlich sein! Po. TeMch ff'Maftrophe. Tokio» 17. November.(Reuter.) Vermißt wird das japanische Segelschiff„Seiten Maru". Es werden Desürchtunen gehegt, daß das Schiff während eines Sturmes untergegangen ist. Von der dreißigköpfigen SchiffSbesahnng wurde durch den Dampfer„Mitzuho Maru" bloß ein einziger Mann gerettet. Im Meere selbst wurd« der Leichnam eines anderen Mitgliedes der Besatzung aufgefunden. „Planvoll wurden Vereinfachungen vorgenom- men, tatkräftig wurd« durchgegriffen, schonungslos und gründlich wurde gesäubert." Hans Rcimamt wurde vor dem Vortrag von ztveien der sozialistischen Akademiker über die Hintergründe solcher Gleichschaltung befragt. Weniger die Antwort Reimanns, di« eine völlig eindeutige Verteidigung nicht etwa seines Jehltrittes sondern vielmehr des Dritten Reichs tvar, als der Eindruck, den man von diesem einst radikalen Republikaner hatte, war ein geradezu» unheimlicher Beweis der Zuchthausatmosphäre im neuen Deutschland. Soin Mut, vor rin Publikum zu treten, daö„seit Hitler am Ruder ist und sich manches geändert hat" tief bestürzt ist und das wenigstens teilweise sich mit jenen solidarisch fühlt, die drüben„ohne Zimperlichkeit ausgemistet" wurden, und dem Reimann nach eigenem Geständnis auch mit einem wahrscheinlich weniger humoristischen Vortrag über Deutschland gekommen war«, hätte er nur einen Auftrag und eine Subvention des Herrn Goebbels gehabt, grenzt an Frivolität. Jedenfalls war es ein« der besten und, nach dem ApplauS deS Publikums zu schließen, erfolgreichsten Unternehmungen der Prager Urama, dies« Darbietung neudeutscher Geistigkeit unter dem Druck des sozialistischen Protests abzusagen. Auto-Katastrophen. Lützen, 17. November. Ein Personenkraftwagen stieß mit einem Zug der Privatersenbahn der Lützener Zuckerfabrik zusammen. Der Benzintank explodierte. DaS Auto brannte vollständig auS. Z w e i Frauen kamen in den Flammen»ms Leben, vier Personen und der Sohn einer der getöteten Frauen erlitten schwere Brandwunden. Der Führer deS sehr schnell fahrenden Kraftwagens hatte die Warnungssignale deS Zugspersonals falsch verstanden. * Köln a. Rh., 17. November. Auf der Bonner- Autostraße ist heute bei Hochkirch em Personenkraftwagen verunglückt. Drei Personen wurden t o t auS den Trümmern geborgen. Nn MuttermSrder. Budapest, 17. November.(MTJ.) Der 18- jährige Gymnasialschüler Zemplen, der seine Mutter ermordete, ist nach seiner Flucht auS Budapest gestern in Oedcnbuvg eingetroffen. Er ging abenoS in ein Kino und stieg sodann in einem Hotel unter seinem richtigen Namen ab. Dort wurde er von der Polizei verhaftet. Bei seinem ersten Verhör leugnete er die Tat, später aber gestand er, seine Mutter ermordet zu haben. Er gab an, daß er in der Nacht vor dem Morde mit seiner Mutter wegen„alter Zwistigkeiten" in Streit geraten sei, in dessen Verlauf er von der Mutter zweimal geohrfeigt wurde. SRwrm legten sie sich nieder. Arn Morgen stand er um halb acht Uhr auf und sprach mit seiner Mutter, die noch zu Bett« lag. Auf einmal, er wisse nicht wantm, ergriff er die im Zimmer befindliche Axl und schsug dreimal auf den Kopf der Mutter ein. Als er sah, daß die Mutter starb, ergriff er die Flucht. Im weiteren Verlauf seines Verhörs gab Zemplen noch an, daß zwischen ihm und seiner Mutter schon seit langem Zwistigkeiten bestanden wegen der gegen die guten Sitten verstoßenden Lebensführung seiner Mutter. Er habe der Mutter darüber Vorwürfe gemacht, worauf di« Mutter ihn geohrfeigt habe. AlS am Morgen die Sach« wieder zur Sprache kam, hab««r die Geduld verloren und die furchtbare Tat verübt. Sen Katayama gestorben. Als 1904 der Amsterdamer Kongreß der noch nicht durch den Weltkrieg gespaltenen Sozialistischen Internationale zusammentrat, tobte in der fernen Mandschurei der russisch-japanische Krieg, in Amsterdam aber umarmten sich vor jubelnden Massen ein Rüste und ein Japaner zum Zeichen der internationalen Verbundenheit des kämpfenden Proletariats, mochten auch die Herrscher eS in gegenseitige Zerreißung treiben: Plechanow und Katayama. Nun ist auch der Japaner dem schon lange dahingegangenen rustischen Sozialisten in den Tod gefolgt. 74 Jahre alt ist er in Moskau gestorben, wo er im Präsidium der Kommunistischen Internationale laß. Als junger Mensch hat er in Amerika studiert und daheim als erstes sozialistisches Blatt in Japan „Die Arbeiterwelt" gegründet. Die erste Gewerkschaft war die der Metallarbeiter und Katayama war ihr Sekretär. 1903 organisierte er die erste autimilitaristische Demonstration in Tokio. Von Amsterdam kehrte er nach Japan zurück, erst 1914 verließ er es und emigrierte nach Amerika. Der Krieg und die Errichtung SowjetrußlandS brachten ihn, der immer zur Linken gehört hatte, ins kommunistische Lager. Wegen seiner Agitation mußte er die USA. verlosten, ging zuerst nach Mexiko, lebte aber nun schon seit 1921 in Moskau, wo seine Urne nun mit großen Ehren beigesetzt worden ist. Tod wahrend einer Theatervorstellung. Donnerstag abends starb plötzlich auf der Galerie des S1LndetheaterS in Prag Anna Nova« kova, Werkmeistersgattin aus Prag-Bkevnov. Während der Vorstellung wurde die Frau von plötzlichem Unwohlsein befallen. Ihr Ehegatte Ans der Arheltcr4nrn* und Sportbewegung. Sport am Somitag de« 19. November 1. Klaffe, Gruppe NI. WeiSkirchlitz— Aussig-Nord findet nicht statt. BcreinSspcrr« deS Vereins Aussig-Nord weiter- belasten. DaS Spiel Dux— Sobrusan findet am 20. November statt. Grupp« VL Komata» I— Tschern in Komotau; Anstoß halb 3 Uhr. Komotau N— Saaz in Saaz; Anstoß 10 Uhr vormittags. Trnpschitz— Brüx in Brüx; Anstoß halb 8 Uhr. ührte si« auf den Gang, wo sie aber zu Boden änk und verschied. DaS neue Zahntechiiikeracsetz. DaS vor' einiger Zeit nomimerte Sublonntee des Ge- wcrbeausschusses für die Reform des Zahntech- nikergesetzeS hat im Einvernehmen mit den zu- tändrgen Ministerien über die Reform des Deetzes Nr. 303 Slg. d. G. u. V. vom Jahre 1920 eine Uebereinkunit getroffen. Diese löst die Frage der geschädigten drei Jahrgänge, welch« am Tage des Inkrafttretens des Gesetzes Nr. 303, am 8. Mai 1920 bereits in der Lehre waren, günstig, so daß diese Jahrgänge imstande ein werden, den Zahntechnikerberuf gewerbsmäßig auSzuüben. Den jüngeren Jahrgängen, welche nach dem 8. Mai 1920 in die Lehr« getreten sind, wird auch die Möglichkeit gegeben zum gewerbsmäßig» Betreiben des Zahntechnikerberufes, und wird diesbezüglich noch ein« Regierungsverordnung herauskommen. Für die «lbständtgen Zahntechniker wird der Titel „D e n t i st" eingeführt. Prag-Reise mit Hlndernisten. Der französische Luftfahrtmimnister Pierre Eot trat ge- tern vormittags auf dem Flughafen von Le Bourget seine Reis« im Flugzeug nach Prag an. Wegen Nebels mußt« jedoch die Maschine deS Ministers znrückkehren und landete wieder auf dem Flugha'engelände von Le Bourget. Der Minister Pierre Eot trat um 10 Uhr 25 Minuten neuerdings di« Reise im Flugzeug nach Prag an. versuchter Uebersall auf Scvering. Aus die Wohnung des früheren preußischen Jnnenmini- ters Severing, der sich noch in Bielefeld anihält, st in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November, gegen 4 Uhr morgens, ein Ueberfall verübt worden. Die Scheiben der Haustür seiner Woh- nung und der zweiten Derbindnnasiür wurden vollständig zertrümmert. ArF der Diel« wurden zehn große Pflastersteine gezählt. Nach Anruf beim lebersallkommando sielen noch vier bis sechs scharfe Schüsse. Die„Ermittlungen" der Polizei nach den Tätern haben kein Ergebnis gezeitigt. Kopffclgerel auf Formosa? Die„Times" melden aus Formosa: Am Mittwoch haben im Bezirk von O'Takc Eingeborene einen japanischen Polizisten enthauptet und fr" drei Kinder ermordet. Man glaubt, d? eS sich um einen Racheakt für die Verhaftung von Dorfbewohnern handelt, die Salpeter geschmuggelt hatten, um Schießpulver herzustellen. Die Behörden fürchten aber einen erneuten Ausbruch von Kopsjägerei. Zwischen den einzelnen Dörfern wurden Polizeiposten errichtet, um gemeinschaftliche Ausstände zu verhindern. Gestohlenes Rembrandt-Gemälde in einem Reiflghauseu wiedergefunden. „JeremiaS betrmiert di« Zerstörung Jerusalems", ein berühmtes Rembrandt-Gemälde, das sich in Stockholmer Privatbesih befand und vor kurzem gestohlen wurde, konnte jetzt, nach Ergreifung deS DiebcS, in einem Reisigversteck im Walde wieder cmfgefunden werden. Der Dieb, ein Deutscher, gehört offenbar einer Verbrecherorganisation an, auf deren Konto mehrere aufsehenerregende Kunstdiebstähl« in zahlreichen Städten Europas kommen. yir. 270 SamStag, 1P. November 1033 Seilt 5 Gedenktafel für Jean Jaares Die Sozialisten von Pari- demonstrieren im Gedenken an ihren Führer Jean Jaurs- vor dem Pantheon gegen FasciSmu- und Krieg. MAMMMMMMMMMMMAMMMMMMWWMMMmMMWWMWWW Sowjetspionage in den SKodawerken. Geheimer HonstreprozeO beendet.— Vierzehn Angeklagte, zweiwöchige Verhandlung.— schwere Kerhersiraien. Arthur Schnlttlart Der Reigen Lurusauznabo. statt Kd 297.50 nur K< 70.— Oeorn H. Trappt Der Reigen 12 Lithographien In Mappe, nur Ki 60— Buch and Mappe zusammen nur Kd 120.—. Cln Juwel für jeden Bacherfreund! Zentralstelle für das Bildunoswesen, Prag II., Nekiianka 18. Der griine Platz Sine Geschichte vom Arbeitersport. Von Bruno Brandy. Draußen im Vorort, wo die düsteren Reihen der Mietskasernen so grau und plötzlich abbr«- chen, liegt der Platz, desscn Schicksal heute tausender seiner Art erleiden. Einst war er öd« und struppig, wie alle« ringsum. In der Mitt« trauert« zertreten« Wiese, an den Rändern starrten Schutthausen. Regnete eS. so wurde die Wildnis zum Sumpf«. Dann standen dunkle Wasserlachen zwischen den Schmutzhaufen. Die Mütter schalten, wenn die Kinder dort spielten, so schmutzig kamen ste stets zurück. Faulige Luft stieg auS dem Gemülle empor. Traurig und unfreundlich dehnt« sich die OedniS am Rande der Häuserwände. Selbst die Hund« gingen nur ungern darüber hinweg, weil sie sich an Scherben und Gerümsxl wund ritzten. Am Rande ragten verlassen einige Birken als letzter armseliger Rest einer ehemaligen Wäldchens. Dann geschah etwas, das der verwilderten Flur neue, unerhörte Gestalt gab. Eine Kolonne Männer kam mit Hacken, Schaufeln und Schubkarren und trug die Wildnis ab. Erwerbslose Arbeitersportler. Die Stadtverwaltung hatte chnen den Platz zur eigenen Verwendung überlassen. Ein mühevolles Aufräumen begann. ES waren nur drei Dutzend Männer und jung« Burschen, di« da tagauS, taaein schaufelten, karrten, hämmerten, walzten, aber jeden Tag wurde ei» n«u«8 Stück geglättet. Menschen, dle unter Untätigkeit litten, hatten ein Feld der Gemeinschaftsarbeit gesund««. Sommer und Herbst strichen darüber hin, der Winter legte Schnee und Eis über den werdenden Plan, aber sowie der Frühling die hart« Kruste wieder lockert«, ging die Arbeit weiter, eroberte ein Stück Boden nach dem andern. Allen voran der Sportwart Heidrich. An seinen Schläfen graut« schon das Haar, aber wenn di« Jungen erlahmen wollten, riß er sie durch seinen Arbeits- rifer mit fort. Vormittags der Erst« am Platze, abends der Letzte, der chn verließ. * Die Sommersonne stand schon hoch, als das letzt« Stück Wildnis verschwand. Die Vorstadtwiese war wieder erstanden. An ihren Rändern liefen sandige Wege. Im Schatten der Birken streckte sich ein Sporthaus. Leichtes Gitter lief um den riesigen Plan. Ueber dem Eingang ein Schill»: Arbeitersportverein Freiheit. Selbst auf di« Mietskasernen d«S Stadtrandes strahlte der Sportplatz etwas von seinem Glanze und seiner Freud« aus. Täglich nachmittags tummelt« sich junges Volk mit Bällen, Pritschen, Fähnchen auf grünem Plane. Kinder spielten dort neben Großen; aus den Mietskasernen kamen ft«, aus den Dachkammern, wo sie sich früher zu viert uiid fünft in eng« Zimmer gebannt fühlten. Hier auf ihrem Sportplatz war Sonn«, Luft, Kameradschaft. Hier stand ein Haus mit Duschen für die vom Bewegen erhitzten nackten Körper, hier gab es Spiele aller Art, hier konnten sie ihre Mahlzeiten im Freien unter Bicken halten, di« Kinder lagen nicht mehr au der Straßeherum, hier lebte Gemeinschaft gleichstrebender Menschen. Diesen Platz an der Sonne hatten sie sich kameradschaftlich erarbeitet, erobert. Es lvar«in Zuhauf« für viele geworden, die keins hatten; hier erwuchs den arbeitslosen Kameraden ein« Aufgabe. Der Platz wurde erweitert; Sportwart Heidrich war' unermüdlich. Bald prangten daneben zwei Tennisplätze rotsandig»ntcr freiem Himmel. Die Männer und Frauen des Vereins konnten sich ihr Dasein sehr bald ohne ihren grünen ultd satldigen Plan nicht mehr denken. So vergingen di« Jahr«. Knaben wurden zu Männern, und Mädchen wurden Frauen, die hier in Sport, Spiel und Gemeinschaft hinein- äewachlen waren. Ein Traum der Armen hatte sich erfüllt. ch Und wieder pflügte das Schicksal über den Platz hinweg. Ein Tag kam, da standen Kinder vor seinen Gittern und durften nicht hinein. Das Schild war heruntergerifsen, die Fensterscheiben des SporthauscS, seine Tische und Schränke lagen in Trümmern. Haussuchung nannte sich das. Vorm Tor« lümmelten Burschen in brauner Uniform, Revolver im Gürtel. Lächerlich anznschatien auf diesem Platz friedlicher Spiele, fuchtelten sie mit dem Schießzeug, jagten die Kinder davon:„Schert euch heim, verfluchte Marxistenbrut!" Und kaum ein« Woche später sah das langgestreckte Holzhaus mit zerschlagenen Augen«in ganz neues Spiel: Militärisch« Kommandos schnarrten über den Platz, und junge Menschen Außtey exerzieren. ,Laufschritt marsch marsch! Prag, 17. November. Seit vierzehn sagen wurde in dem großen Verhandlungssaal ur besondere SenatSverhaiidlungen ein großer Spionageprozeß gegen vierzehn Angeklagte wegen Militärsptonage(8 8 Schutzgesetz),, bzw. Unterlassung der pflichtgemäßen Anzeige staatsgefährlicher Umtriebe(8 12 Schutzgesetz) verhandelt, der tr«ng geheim war uiid dessen Sachverhalt man erst aus der heutigen öffentlichen Ur eils- verkündigung in großen Zügen erfuhr. Bezeich- n«i«d für den Umfang der Anklage ist, daß dar Gerichtshof(Bors. OGR. Dr. Hrava) eineinhalb Tage über das Urteil beriet, das heute gegen elf Uhr verkündet wurde. Es hatte ich mre stattliche Zuhörerschaft«ingefunden— meist Angehörige und Parteigenossen der Angeklagten, me durchwegs K o m m n n i st r n sind. Natürlich waren Sicherhei:Svorkel-vungen getroffen worden. Durch das Urteil erfuhr man zunächst, daß von den vierzehn Angeklagten z w ö l f f ch u l d i g erkannt und zu folgenden Strafen vertrrterlt worden sind: Der Reichsdeutsche Rudolf Richter (unter falschem Namen Wilhelm v o g«l s i n- g e r) zu s i e b e n I a h r e n schweren und verschärften Kerkers und 5888 Ks Geldstrafe; die Angeklagten Jaroslav Neliba und Jar. Keszlür zu je sechs Jahren und 5888 Ke Geldstrafe; die Angeklagten Franz Käbela, Franz Svoboda, Rudolf Bach und Karl 8 t e k l zu je drei Jahren; der Angeklagte Josef Hrdlikka zu vier Jahren; der Angeklagte Karl Pa8ek zu sechs Monaten, und die weiteren Angeklagten Antonie H o l« L«k, Anton S o j I a und Franz Teich mann zu je drei Monaten. Dagegen wurden die Angeklagten Franz H o 8 e k und Joses 8 u l a sreigrsprochen. ES handelt sich um Verrat militärischer Geheimnisse, nämlich wichtige Konstruk- tionsdetails voit Geschützen, Tanks, Maschinengewehren u. dgl., und zwar direkt aus der ErzeugungSftätte Vieler Artikel, nämlich aus den Skodawerken. Die Sache flog am 7. Jänner 1932 auf, als der Erstangeklagte Richter ans Frankfurt mit einem falschen Paß auf den Namen Vogelsinger di« Grenze nbrr- fchreiten wollte. Man fand Material bet ihm, daS ihn einerseits als Mitglied der kommu- Hinwerfen! Auf— nieder, auf— nieder!" Dann hielten sie irgetckein Stielaeschoß in den Häiid«n. Wo vor kurzem noch fröhliches Volk hintcrm Ball drein fegt«, flogen hundert imitiert«.Handgranaten du«h die Luft, stand bewaffnete SA. stumpfsinnig Wach«. Dieselbe» jungen Sportler, deren Brüder diesen Platz der Vor- stadtödniS abgerungen batten, wurden hier zwangsweise im Töten gedrillt. Nicht alle waren dabei. Manche wurden vom Konzentrationslager verschluckt. Darunter Heidrich. Denn sie waren ja— wie man täglich im Rundfunk hören konnte— rote Untermenschen, töteten jeden Gemeinschaftsgeist, ermangelten jeden Gefühls für di« Heimat und die Arbeit an der Heimat. Aber wenn di« Nächte über ihm dunkeln, dann träumt der Platz von denen, die ihn schufen. di« ihm Leben gamm und ihn hegten. Dann träumt er von der Heiterkeit spielender snnger Menschen, träumt von den Vätern und Müttern, di« sich in seinem Birkenrande lagerten. Und wenn Heidrich und s«in« Kameraden geschunden und gedemütigt auf ibr Lager sinken, träumen sie von zu Haus«, von ihren Angehörigen. von ihrem Sportplatz, den sie der Borstadt- wildniS abrangen und der ihnen von Banditen gestohlen wurde, träumen von seinem Rasen, seinen Bänken, seinem Sande und d«nken des Spruches, der an der Wand des SPorthauieS prangte: „Im Spiel« ehrlich, im Kampfe treu, im Glauben ohne Wanken!" niftifchen Spionagezentral« in Berkin kennzeich- n«te und anderseits seine Verbindung mu Jaroslav N e l i b a bewies. Di« Untersuchung gestattete sich sehr langwierig, so daß Richter feit Ieiner Verhafnng fast zwei Jahre in Untersuchungshaft sitzen mußt«. Auch di« übrigen Angeklagten, samt den Frei gesprochenen haben durchwegs über(in Jahr in Untersuchungshaft verbracht. Die Verbindung zwischen den einzelnen Angeklagten wurde im werteren Verlauf« Schritt für Schritt ausgedeckt. Durch Notizen und ?ldr«si«nvermerke wurde bei der Äjährigen Wäscherin Antonic Holeöek in Nu sie«in dem Angeklagten Keizlar gehöriger Koffer mifgefunden, oer mit Kopien von Konstruktionsentwürfen für verschiedene Waffen angesüllt war. Jin weiteren Verlauf wurde der Konstrukteur der Skodawerke Kübele verbaflat, der sich um eine Anstellung in der Sowjetunion beworben hat!« und zum Beweis seiner Tüchtigkeit diese Zeichnungen beilegt«, die von den militärischen Sachverständigen als außerordentlich b«d«utungS. voll und streng vertraulich bezeichnet wurden. Bei dem Angeklagten Hole L e k, der in diesem Zu'ammenhang ein« Rolle spielt, wurde ein C h i f f r e s ch l ü sscl gestinden, der mit einem bei Neliba beschlagiiahmten übereinstimmt, der wieder auf die ehemalige Berliner kommunistische Nachrichtenzentrale hinwoist. DaS Gericht hat als erwiesen angenommen, daß Richter(alias Vogelsing«r) als Kurier dies« Aktion inspiriert hat.(Er wurde beroi s 1928 in Leitmeritz wegen einer ähnlichen Sache zu vier Monaten Kerker verurteilt.) Die Angeklagten S v o b o da, 8 t e k l und Pach stellen woitere Mittelsmänner dar. Der letztere sollteSkodaarbeiter fürähnliche Zwecke gewinrren und so wurden di« übrigen Angeklagten in Veit Fall htneingezogen, die nicht der direkten DetviligrtNg, sondern nur der versäumt«» Anzeige baschuldigt sind. Sie haben dies« Versäumnis mit mehr als einjähriger Untev'uchuilgShaft büßen müssen. lllach der Verlesunz der Urdeusoegriindutig versuchten einige Zuhörerinnen den Angeklagten ein« lallte Ovation zu bereiten, waS zur beschleunigten Räumitng deS ZuhövorvaumS führt«. Die UrteilSverkündigung datterte gute z w e i, Stunden. Sowohl Staatsanwalt als Verteidigung meldete die entsprechend«! Rechtsmittel an. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Gewerkschaftsbewegung der Welt Das Jahrbuch 1932 des Internationalen Arbeitsamtes gibt in verschicdenen Tabellen einen intrr- effanten Ucbcrblick der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt. Die Ausstellungen sind geordnet nach gewerkschaftlichen Richtungen und nach Ländern (unter Angabe des jeweiligen Sitzes der betreffenden Landeszentralen). International zufammengefaßt sind sechs Richtungen: di« freigewerkschastliche Richtung im Internationalen Gewerkschaftsbund in Paris, di« christliche Bewegung in der Christlichen Gewerkschafts-Internationale in Utrecht, die kommunistisch« Richtung in der Roten Ge- ioerkschafls-Jnlernationale in Moskau, die anarchistische Bewegung in der Internationalen Arbeiter-Association in Madrid(früher Berlin), die International« der unabhängigen Gewerkschaften in Utrecht und die Gewerkschaftsbewegung der beiden amerikanischen Kontinente im Pan-Amerikanischen GewerkschaftSbnnd in Washington. Di« Tabelle der Internationalen zeigt mit aller Deutlichkeit, waS von den verschiedenen Richtungen übrig bleibt, wenn man di« betreffenden Organisationen um genaue Zahlen bittet: viel« Fragezeichen! Bon den für daS Jahr 1931 gemeldeten, insgesamt 27,9 Millionen organisierten Gewerkschaftlern der Welt entfallen auf den Internationalen Gewerk- | schaftSbund(JGB) 13,5 Millionen, auf die christ liche Internationale 1,4 Millionen, und auf die Rote Geivrrkfchafls-Jnternationale 12,9 Millionen. Im Jahre 1932— für das nur noch zwei Zahlen vorliegen!— beträgt dt« Gesamtzahl 15,1 Millionen, wovon 13,S Millionen auf den JAB und 1,5 Millionen auf di« Christen entfallen. Für die Rot« Gewerkschafts-International« sind in diesem Jahr« keine Zahlen mehr angegeben, sondern diese ganz« Internationale ist nur noch— was der Wirklichkeit wohl sehr nahe kommt— mit einem Fragezeichen vertreten. Jnteresiant ist, daß in. den Tabellen für di« einzelnen Länder für Rußland für daS Jahr 1932 18 Millionen Gewerkschafter angegeben sind. Die Role Gewerkschafts-Internationale (R. G. I.) meldet« im Jahr« 1981 12 Millionen Mitglieder. Wir haben schon früher im Zusammenhang mit den Zahlen der R. G. I. di« Feststellung gemacht, daß der größte Teil ihrer Mitglieder logischerweis« auf Rußland entfällt..Heule liegen die Ding« offenbar so, daß die Gcsamtmitglirderzahl Rußlands höher ist als jene der R. G. I. Mit ande. ren Worten: dir R. G I. ist nicht nur nichts anderes als Rußland, sondern sogar noch weniger. Immer noch schwach vertreten ist di« außereuropäisch« Gewerkschaftsbewegung. Don den insgesamt 15 Millionen Mitgliedern der JahreS 1932 entfallen, wenn man den Amerikanischen Gewerkschaftsbund mit seinen 2,5 Millionen Mitgliedern außer Betracht läßt, ea. 1,5 Millionen auf außereuropäisch« Länder: Südafrika 20.000, Argentinien 255.000, Australien 369.000, Brasilien 419.000, Kanada 235.000, Kuba 20.000, Britisch-Jndirn 66.000, Riederländisch-Jndien 82.000, Japan 383.000, Mexiko 500.000, Neuseeland 41.000, Palästina 30.000, Tunis 11.0000, Venezuela 36.000. Der Streit um den Gefreiten Anton Büttler. Der Streit um den Gefreiten Anton Düttler Begann ganz klein und wurde zum Skandal. Da gab«S Freunde, Feinde und— Vermittler. Di« Letzteren sind meistens sehr neutral. Sie sind bekannt als kluge Wcchselschrlttler Und finden Meinungfragrn sehr fatal. Wenn man sie fragt« In entscheidender Stunde, Dann feilscht« di« Rund« Und sagte: — War bst zu verlieren, waS zu gewinnen? Immer sachlich und konsequent. WaS heißt Ueberzeugung! Sind wir von Sinnen? Dir Thanee steht unter sündig Prozent. Also vorläufig: Rieder mit Büttler!— * Die Wettersahuen dreh» sich in den Achsen. Di« Makler rechnen liobstenS gegen bar. Drum schrien sie für entsprechend hohe Taxen: — Der Anton Büttler, der ist säkular!— Sie ließen ihm Dikiatorst>ebel wachsen, Weil das für ihr Geschäft am besten war Als man ste wieder fragt« In entscheidender Stunde, Da feilschte die Ruirde, Uiid sagt«: — WaS ist zu verlicren, waS zu gewinnen? Imnier ehrbar und konsequent. WaS heißt hier Freiheit! Sind wir von Sännen? Di« Chance steht über fünfzig Prozent. Also vorläufig: Heil Büttler!— * Nun spielt«in Narr die Rolle eines Zaren. Die Knute saust, di« Nilpserdpcitisch« knallt. Ein Volk von Träumern wurd« zu Barbaren. Und orgiastisch bäumt sich die Gewalt. Die Barbarei fvißt di«, die für sic waren. So blind wi« jene, deren Tod«S gatt. Als man sie nun wieder fragte ttn stiller Stunde, Da bibbert« die Runde Und klagt«:. — Alles veckoren, nichts zu gewinnen! Wer dacht« sich das so konsequent? Wir gehen Pleite, wir waren von Sinnen, Wir sind verloren zu hundert Prozent! Weh uns! Heil Büttler!— * Was jammern di« ekelhaften Flenner? Dies heuchlerische Krämerelgsschlecht! ES kommt noch besser: unter«inen Renner Bringt st« der Zukunft n«u«rstandeneS Recht, Das«inst gesprochen wird durch harte Männer; Auch der Neutrale war ein Büttlerknecht! Man wird nicht fragen In dieser Stund«, Sondern die Hund« Zum Teufel jagen! Nichts zu verlieren, alles zu gewinnen. Drauf, Brüder, eisern und konsequent! Gnade für Recht? Sind wir von Sinnen? Wir rechnen ab mit hundert Prozent! Nun und für immer: weh« den Bütklern! * Und ist dann Friede nach den Schändlichkeitcn, Die uns ein Untermensch als Menschtum preist• Dann herrscht in aller Welt zu allen Zeiten Anstatt der Stiefel- die Vernunft, der Geist! Dann stogt der Mensch im Streit um den Gefreite Der vielleicht gar nicht Anton Büttler heißt. Der Rote Han« MMiWIMMMWWIMMMVMMMWmMMMMWMMMMMMMMMAMM Seift S „®n|iöth«notraf* SamStag, 18. November IWg Nr. 27V Der Film 7W Geriditssaal Kunst und Wissen [ Mitteilungen aas Dem Publikum. Msr«rsfere MVsMKsMessZ? AeujOrs-SolleitiMÄerÄ Unterschrift: Sic Dertommas* im Lande der Dichter und damals, als es noch eine Reich, gab, hatte Fallada zu iverden— zumal sein GIB!ÄN& Co.. Praj. St6p4nsk4 32 Ola Prlvat-Schielb- maschine Heute Unterhaltungsabend der V o l k S s i n g« gemeinde und des AtuS im Heinesaale. Beginn Punkt 8 Uhr. Das abtvechslungSre'ch« Programm wivd allen Besuchern für ihre Unterstützung der proletarischen Vereine entschädigen! FrSulein Iosette, meine Frau. Nicht wegen seiner Handlung, die wenig vom berühmten französischen Esprit ausweist, und auch nicht seiner Regie wegen, die nicht allzuviel von der gallischen Grazie hat, ist dieser Film sehenswert. Ein altertümlicher schwank, der damil beginnt, daß zwei zum Schein heiraten und der damit endet, daß aus der platonischen Ehe eine richtige wird. Mir ein paar schönen GebirgSausnahmrn, mit ein bißchen Sport und Scherz, aber leider auch mit unbeholfenen Monologen, vielen leeren Strecke», und mit einer Häufung von tollen Zufällen. Sehenswert ist dieser Film nur wegen seiner Hauptdarstellerin Annabe l l a. Diese Schauspiele!» ohne Zunamen, die ein Wunder anmutigster Kunst(oder richtiger: anmutig- ster Natur) ist, könnte auch einen noch schlechteren Film zu einem Erlebnis niachcn. Jede ihrer Bewegungen, jedes ihrer zärtlich oder traurig ausgesprochenen Worte, feder ihrer fragend-lockenden Blick« ist mehr wert als der Rest des Films und tausendmal mehr als die billige Koketterie der Scheingrößcn, die vom Mannequingcschmack der Filmkonfektionär« zu StarS erhoben worden sind.—eis— kreuzbcsudelten Berlin getan hat, ist doch schon wieder«in Meisterstück, zu dem man der braunen Filmindustrie schadenfroh gratulieren könnt«, wenn man dazu in Stimmung wäre. Daß der Herr Dr. Wendhausen(der früher als Regisseur dritter Garnitur mit Recht im Verborgenen blühte) dem Fallada-Ronian alle„Giftzähne" auSbrechen würde, war zu erwarten. Daß aber in seinem Film nicht nur dir Gestalt des Nazi- Denunzianten fehlt, daß er auch noch mit sicherem Znstinkt alle Höhepunkte der Erzählung auSradirrt hat(die unbefangenen LiebeSszcnen, die Geburt beS Kindes, die Verzweiflung des Stellungslosen) und daß er nichts übrig gelassen hat, als«ine komisch wirkende Kelte idyllischer Eheszenen, matt drohender Konflikte und rettender Zufälle und das alles mit Vereinsnadtfiditen Leiden Eie an Rheumatismus? Alpa-Massagc verschafft Ihnen Linderung, belebt den Blutkreis- laus, gewährt dem Körper die erforderliche Nahrung, stärkt di« Muskeln und wirkt wohltuend aus die Nerven. 100 Tchwurgerkchtsverhanvlung vertagt- weil di« Kronzeugin nicht zum Gericht fand. Prag, 17. November. Tas hent'ge Schwurgericht verhandelte unter Vorsitz deS OGR. H e l l- riegel eine Anklage wegen versuchten Mordes. Dr Llfährige Anton Petrkilka hat am 28. August d. I. sein« Geliebt« Josefine B a I i k unter der öechbrück« in die Moldau geworfen und sollte sich heut« für diese Tat ver» onliworten. Di« Verhandlung mußt« aber vertagt werden, weil sich di« Hauptzeugin nicht eingestellt hatte. Als der Gerichtssaal sich schon längst geleert hatte, erschien auf einmal die Vermißt« und entschuldigte ihr Fernbleiben damit, daß sie daS neue Kreisgericht in Pankraz nicht hak'« finden können. Die für haute iällige Verhandlung wird nach Jkbschluß der Session nachgetragen werden. ß a t b 11: Sleained Laub.— tt b e f r e b< • fit 3tiiunj4niar!enftantatur wurde von der tzawzatzr^ Kö M, gautzsahrl« L4 — SamS- 2.) SamStag, — Sonn- Fr ä n l e i n" — Montag, 8 Uhr: aufnehmen zu lassen und den entfallenden Betrag von 10 llr mir der TezemberabonnemeniS- gebühr einzusenden. Wir sind überzeugt, daß auch Sie, der heutigen Zeit Rechnung tragend, uns Zhr« Unterstützung nicht versagen, und danken bestens sür Ihr« freundliche Förderung unteres Blattet. einem verblüffend plumpen happy end gekrönt hat, daS ist, wie gesagt, ein Meisterwerk der Stümperei. Die wenig beneidenswerten Hauptdarsteller Hertha Thiele und Hernzann Thimig, haben allen Grund, sich sichtlich in ihren Rollen unwohl zu fühlen, und nur so nebenbei gibt rS«in paar schauspielerische Leistungen. Z d a W ü st und Fritz KamperS zeigen sich noch in alter Virtuosität, und Victor de K o w a markiert tresslich eine„Berkaufskanone" aus dem Warenhans. Kein Wunder, daß in Berlin die Kinos verödet sind. Feuerwerk und Blechmusik sind sicher noch lockender als diese Wendhansiaden und Böseleicn. Und die nicht zum Feuerwerk gehen, gedenken mit Wehmut der Zeiten, als es noch(neben dem Schund, den man auch damals fabrizierte),„Niemandsland" und„Mädchen in Uniform", als es noch Bergner» Filme, Dreigroschenoper und blauen Engel gab. Hier in Prag aber ist man nicht so empfindlich. Hier darf Schutt abgeladen werdet....—eis— Winterhilfsaktion des DezlrKsverelnes Arbeiteriarsortfe Prag Groß ist die Not der Arbeitslosen, sie sind die ärmsten und hilflosesten Opfer der Krise. Alle, di« heut« noch Arbeit und Verdienst haben, haben die unabweisliche Pflicht hier zu Helsen; ihren notlc. denden Brüdern beizustel-en. So wertvoll die materielle Hilfe ist, die jeder mit seiner Spende leistet, so wertvoll ist auch die Bekundung der menschlichen Solidarität nnd Verbundenheit der arbeitenden Menschen, die in dieser Hilfe zum Ausdruck kommt.- Wir wenden uns an Sie, Geirossen und Genossinnen! Geben Sie selb st und werben Sie in Ihrem Bekanntenkreis um Gaben sür unsere Winterhilfsaktion' für Arbeitslose. Wir sammeln getragen« Wäsche und Kleider, Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände. Ein telephonischer Anruf genügt und unsere Helfer kommen nnd holen die Sachen ab.(Telephon 744.2V, Maria Deutsch.) Desgleichen ersuchen wir unser« G e n o s s i n n e n, a n den N a ch m i t t a g e n der nach st en Woche sich uns zur Verfügung zu stellen. Biele der Sachen, die wir bekommen haben, müssen instand gesetzt werden. Wir bitten die Genossinnen, uns bei dieser Näharbeit zu helfen. Nächste Woche täglich von 2 bis 4 Uhr tvird diese Näharbeit in Proq VIL, Slnherskygasse Nr. 14. vorgenommen. Nehmen Sie sich Zeit, Genossinnen, und kommen Sie bestimmt. Auch diese Arbeit ist ein wichtiger Teil unseres Sammelwerkes. Warschau gegen Danzig der ArbeiterfußbaUer. Am 19. November findet in Danzig«in Fustball- wcttsptel der beiden Städte statt. Ti« Danziger Mannschaft war vor einiger Zeit in Polen und verlor beide Spiele mit 2:1 und 5:1.— Bei den Leichtathletikmeisterschastcn des polnischen Avbcitrr- sportvevbandes konnten die Danziger zehn erste Plätze belegen. Di« belgische Arbeiter-Fußballmeisterschaft. Nach der achten Runde ergibt sich in den einzelnen Provinzen folgend« Situation: Brabant: Avenir siegte über Bilvovde 2: v verdient. An der Spitz« stehen Avenir und US. Uccle. Travail et Sport konnte gegen Anderlecht nur Unentschieden»sp'elcn nnd hat jetzt drei Punkte weniger als die zcvei Ersten und«inen Punkt weniger als Bilvorde.— Hainaü t: Hier hat Ach durch di« Niederlage von Ouaregnon, das van Peruwelz geschlagen wurde, gewonnen. Ach ist di« Mannschaft, di« am Anfang der Saison als gefährlich bezeichnet wund«. Ach siegt« g«gen CuemeS leicht mit 3:0. WaSmue! gelang«S, Bernissart 2:1 zu schlagen.— Flandern: DaS überraschendste Resultat ist das von Eendrachl Gand, das BaarwaertS Gand mit 16:8 schlug. Wetteren und BDB. Gand zeigen sich weiter gefährlich. Aienin hat durch Wetteren weite« zwei Punkt« und dadurch viel« Chance« für den ersten Platz verloren.— Lüttich: MonS, Flsron und AnS, di« drei Spitzenmanirschaften, haben ihr« Spiele normal gewonnen. Grace Berleur nähert sich den Führenden. Kleiner Monn, was nun? Hans F a l l a d a ist einer der bedeutendsten unter den jüngeren deutschen Erzählern der Nachkriegszeit. Sein Buch„Bauern, Bonzen, Bomben" war mit seiner lcidrnschastlichcn Wirklichkeitstreue, jener hinreißenden Gestaltungskraft und seiner Bc- obachtungSschärfe, die gerade, weil sie tendcnzloS war, di« aussleigende Woge deS Stumpfsinns, der Niedertracht und dcr Ratlosigkeit am überzeugendsten spüren ließ, in dcr deutschen Literatur ohnegleichen. Und eh« Hitlers Babarenbibrl zur zwangS- verordncten Bolkslektür« Denker geworden war, deutsch« Literatur im sogar Aussicht, populär ztveilcs Buch zur Fülle dcr WirklichkeitSschildernngen den seltsam reinen Klang einer durch Elend, Angst nnd Enge des Alltags unzerstörbaren Liebe fügt«. Dieses Buch„Kleiner Mann, w a S n u n?" gut zu versilmen, ist eine schwierig« Sache, weil Uinwclt, Stimmung und ZuslandSmalerei sein Wichtigstes sind. ES schlecht zu versilmen, ist weniger schiver— aber cS so schlecht zu machen, wie«S der Herr Dr. Wend hausen anno 10M im haken- mäßigten Preis beziehen. AbonnementSPreis« für den ganzen Zyklus(vier Vorstellungen) 24—160 Kk. Vorverkauf täglich. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Samstag, 7)4 Uhr:„Ball im Eavoy."— Sonntag, 2!4 Uhr:„Pension Schöller." 6)$ Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg."(A 2.)— Montag, 7'- Uhr:„Pygmalion."(A. A.)— DienSiag, 7% Uhr:„W«m Gott«in Amt gibt." Ensemblegastspicl Ma x Pallenbcrg.(A. A.)— Mittwoch, 7W Uhr: „Tie fünf Frankfurter" Gastspiel Gisela Wer bezirk.(B 2.)— Donnerstag, 7M Uhr: „D re i m ä d e r I h a u s.'(C 1.)— Freitag. halb 8 Uhr:„DaS Rheingold."(D 2.) tag, Uhr:„Dir Walküre."(C Wochenspielplan der Kleinen Biihne. 8 Uhr:„Die fünf Frankfurter." lag, 3 Uhr:»^Bezauberndes~ 8 Uhr:„Allez hopp." „Bezauberndes F r ä n l e i n."'(Bankbeamten und freier Verkauf.)— Dienstag, 8 Uhr:„Ten Minute a l i b i." Ensemblegastspiel der English Players.— Mittwoch, 8 Uhr:„The grecn bay tree." Gastspiel der Engl'sh Players.— Donnerstag, 8 Uhr:„Ein Strich geht durchs Zim- >n e r."— Freitag, 8 Uhr:„D re i m a I Ho chz«i t." Gastspiel Wcvbezirk.— SamSIag, 8 Uhr: s,D r e i- mal Hochzeit." Gastspiel Werbeztrk Prager Zeitung Mtte lesen! Und uns bis 10. Dezember den Abschnitt einsenden! Wir zweifeln nicht daran, daß auch Sie die Gelegenheit benützen werden, an Siellc der teueren NeufahrSgratulatiouökarteu unserer Aktion Unterstützung zu gewähren, die dcr finanziellen Stärkung d«S Blattes dient und weiterS den hohen ideellen Zweck erfüllt, daß di« Zusammengehörigkeit unserer Genossen und Genosiinnen sichtbar vor Augen geführt wird Wir bitten Sie daher, Ihren Namen gegen«ine Gebühr von 10 lle in unser ArbellslosenhlllsaKtlon der Jugend Alle Sammler sind heute abend« um halb siebe« Uhr im Verein deutscher Arbeiter, wo die Sammlerbezirke u»ch die Listen verteilt werden. Die Aktion setzt Sonntag pünktlich nm halb zehn Uhr vormittags ei«. Beweiset durch eifrige Mitarbeit eure Solidarität mit den Arbeitslose»! Die Teilnehmer an der S p e z i a l a k t i o n versammeln sich Sonntag früh um neun Uhr im Letnaheim(Kame- nick» 1). für„Sozialdemokrat". Ich bestell« hiemit unter dem Namen:-—■, Ort:—— «ine NeuiahrSenthebung zum Betrag« von 10 Ke und send« Ihnen diesen Betrag gleichzeitig mit der AbonnementSgebühr pro Dezember ein. vis richtige Me Optiker Deutsch Prag II., Pflkopy, Palais Koruna. r. WUdelm 51t«kn et.— eetaBt»at(Itfat«rtatteut:®t.«aiB Btt««I.»ta«.- Dr««.-Rate» N.-A, tür 8«»una. und«uchdtuck, Ptaa.- gut den Druck»etaniiratilich. c,!° vf.it. «. Itl«ata»»«nairekNan mtt ffitlaj St 1S.800/VII 1830 bemlUfai.- St»u«,dtdivertür«, P r o k a s s i e w S Orchesterfuite „Porträ'S". DebussyS„Nachmittag eines Faun" und als solislifchrs Werk Johannes B r a h M s' wundervolles Violinkonzert, das der N'chcchische Gei- ger BaSa Pkihoda mit ausfallender aeistiger Reit'«, schönem Ton und ausgeglichener Technik spielte. E. A. „Der Ring de» Nibelungen": Rbeingold(24. November, D—2). Walikürc(23. November, C—2), Siegfried(28. November, A—1), Götterdämmerung (2. Dezember, 93—2). Für den„Ring" liegt ein blonderes Abonnement auf(Ermäßigung bis 40 Prozent). Hahvesabonnenten können di« drei nicht auf ihr« Serie entfallenden Vorstellungen zum er-