13. Jahrgang. Dienstag, 21. November 1933 Nr. 272. Krisenwahlen in Spanien Gewinne der klerikal-monarchistischen Reaktion/ Verluste der bürgerlichen Linken und der Sozialisten Entscheidung erst In der Stichwahl Madrid, 20. November. Der erst« Wahlgang der allgemeinen Wahlen in die spanischen EorteS brach!«, wie übrigens erwartet worden war, kein vollständiges Bild ihrer künstigen Zu- sanimensetzung. Die Entscheidung wird erst in d«n«n g«r e» W a h l e n sallen. Doch bestätigt sich bereits seht der erste Eindruck von gestern, daß bereits das erste Tkrutinium unstreitig ein Anwachsen der Rechten und der rechten Mitte gebracht hat. Wenn man die Parteigruppen von der Rech« ten über die Mitte bis zur Linken vergleicht, wo. bei sich allerdings nicht immer eine feste Grenze bilden läßt, ergeben die einstweiligen Ergebnisse der gestrigen Wahlen folgendes Bild: Monarchisten und Nationalisten 11 Mandat«, Rechtsliga 7, baskische Rcgionalisten 7, Agrarier 61, DollSaktiou(Katholiken) 20, Radikali« Führer Lerrouxs 55. Konservative Republikaner 14, Sozialisten 25, republikanisch« Aktion 8, Union der katalanisch«« Sozialsten 7, Unabhängige 5 Mandat«. In das zweite Skrutinium gehen fast all« Parteien, wie aus kurzen Erklärungen ihrer Führer hervorgeht, mit großen Hoffnungen. Die Rechtsparteien, die einen Wahlblock bildeten, wollen in der künftigen Nationalversammlung an 200 Abgeordnete erzielen. Demgegenüber er« klärte heute nachmittags der Führer der Radikalen Lerrouh dass die Radikalen schon seht 80 Abgeordnete gesichert haben. Nach Ansicht von Kennern der Berhältnisie wird es bei den engeren Wahlen zu neuen Wahlvereinigungen kommen, die daS gegenwärtig« Bild noch wesentlich ändern können. Wie der Innenminister erklärte, kverden von insgesamt 55 Provinzen in fast 80 engere Wahlen stattsiud«». Den bisherigen Ergebnissen zufolge erzielten die Rechtsparteien in 25 Provinzen die Mehrbeit. ES ist dies insbesondere der Fall in Granada, Va» leneia, Valladolid, Cadix, Toledo und Navarra. Die Gruppe dcS ehemaligen Ministerpräsidenten Azana trug in Bilbao den Sieg davon. Der gegenwärtige Ministerpräsident B a r r i o S würde in Sevilla geschlagen. Die Sozialisten haben in Madrid gesiegt. Die Teilnahme an der Wahl war überall sehr groß, insbesondere di« der Frauen, deren Wähler«ine Dreiviertelmillion mehr sind als männliche Die Nonnen au» den Klöstern nahmen überall an den Wahlen teil. Nach Mitternacht kursierten in Madrid Gerücht«, dafz«in M i l i t a r a u s st a n d bevor, stehe. Der Minister deS Innern und der össent- lichen Arbeite» dementiert« zwar um vier Uhr diese Gerücht«, doch waren trotz dieser Erklärung eine große Bewegung in der Umgebung der Ka« sexneu und weitreichende Polizei- und Sicherheitsmaßnahmen zu beobachte«. Dös spanische Wahlsystem Von der Gesamtanzahl der wahlberechtigten 'panischen Wähler sind 52 Prozent Frauen. Tas Wahlrecht besitzt jeder, der daS 23. Lebensjahr erreicht hat. Im Ganzen gibt«S 00 Wahlkreis«. Besetzt werden etwa-179 Mandate, wobei für dc Mchrheilü- parteien Wahlprämien cingesührt sind. Als Mehrheilspariei wird jene Partei angesehen, die mindestens-10 Prozent der Stimmen erreicht. Von der liwsamtzahl der Mandate von 170 sind für d!« Mehr- heitSparteirn 311 Mandate bestimmt. Ter Rest von ltlö Mandaten gehört den übrigen Parteien an. Ein ! Abgeordneter entfällt hiebei auf 50.000 Bewohner. WaS die Parteienschattierung anbetrisft, steht auf der Rechen neben den Royalisten und Fascisten die Volksaktion, di« mit der Partei der Landwirte vielerorts«in« Wahlgemeinschaft«ingegangen ist. Das Zentrum nehmen die Radikalen als mächtigste Partei«in; ihnen gehört auch der jetzige Minister- Präsident der- spanischen Republik, Barrias an. Auf der Linken stehen dann die Sozialisten. Republikanischer DM bei der Stichwahl? HavaS meldet aus Madrid: In gewöhnlich gut informierten Kreisen wird behauptet, daß der Führer der Radikalen, L e r r o u x, der Regierung vorgeschkagen hat, mit den Sozialisten und den übrigen republikanischen Gruppen in Berhandlungen über die Ausstellung einer einheitlichen gemeinsamen Kandidatenliste einzutreten, mit der man im zweiten Wahlgang gegen die Rechtsfront auftreten würde. Die Regierung soll den Vorschlag angenommen und bereits die Verhandlungen mit den Sozialisten ausgenommen haben. Sdiwe’zCT(icwerhsaiaMen lOr DouKoiilerund nnier(icuts(hiands Bern, 20. November. Die Schweizer Depr- schen-Agentur meldet: Der alle drei Jahre statt- snidcnde große Kongreß des schweizerischen G c w e r k s ch a f t s b u n d c s der Zentralorga- nisatwn der linksgerichteten Arbeilcrsyndikate in der Schtoeiz tagte in Biel in Anwesenheit eines Vertreters des Internationalen Arbeitsamtes in Genf und anderen Gästen. Die von verschiedenen Lund: taten eingereichten Anträge wurden dem BundeSkomitee überwiesen. Unter den Anträgen befand sich u. a. ein Antrag zur Boykottierung deutscher Waren, zur Wiederaufnahme von Handelsbeziehungen mit dem Auslände und zur Fortsetzung des Kampfes für die B i e r; i g st n n d e n- Woche. Nach einem Referat des Nationalrates Bratsch! wurde die Zustimmung zum eidgenössischen F i n an zprog ra m m erteilt, wenn auch einzelne Forderungen nicht im Sinne der Ar- beitcrsyndikatr geregelt worden seien. Die Krisen- reit verlange aber eine einheitliche Maßnahme des Staates. Die seit einiger Zeit ausgetretenen Bewegungen und Fronten, sowie die Bestrebungen für die Einführung eines Korporations- mstcnls, wurden in scharfer Weise abgrlehnt. Eventuelle wirtschaftliche und Politische Bcrände- rungen müßten aus demokratische m Woge organisch erfolgen und dürften nicht zu einer Gleichschaltung führen, die die Selbständigkeit der Arbeiterbewegung beeinträchtigen würde. GosWs Ml In Fräste! Ji sl> „Petit Parisien" beharrt auf seinen Enthüllungen.. Paris, 10. November. Die französische Presse weist die angckündigtc diplomatische Demarche der deutschen Negierung wegen des Artikels des „Petit Parisien" über die deutsche Propaganda im Ausland zurück. Die Blätter verweisen einmütig darauf, daß die Presse in Frankreich frei sei und daß in Frankreich die Regierung kein Rcchtsniittel habe, um den Journalisten die Art der Schreibweise zu diktieren. „Petit Parisien" beharrt auf seinen Enthüllungen. Er schreibt, daß Donnerstag nach der Enthüllung des vertraulichen Zirkulars die deutsche Propägandazentrale an alle Zweigstellen kabelte, wahrscheinlich um in Erfahrung zu bringen, wo das Geheimnis verraten wurde. Tie Berliner Berichterstatter der Pariser Blätter bemerken, daß die deutsche Presse nichts von den enthüllten Dokumenten veröffentlichen darf. „Petit Parisien" veröffentlicht heute übri gens den Inhalt einer öffentlichen Broschüre, die den Titel hat„Programm der deutschen National sozialistischen Partei und ihre Grundideen." Autor des Buches, das im Jahre 1933 in München herauskam, ist Jng. Gottfried Feder, gegenwärtig Unterstaatssekrctär im Ministerium des Aenßcru. Auf Seite 41 und 42 heißt es darin wörtlich: „Deutschland verzichtet auf keinen einzigen Deutschen im tschechoslowakischen Sudctcndeutschland, in Elsaß-Lothringen, in Polen, in der Kolonie des Völkerbundes, die Oesterreich ist, und in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Oestcrreichisch- ungarischen Monarchie." ScletzhlllrtcU bestätigt Bukarest, 20. November. Die letzte Verhandlung lm Berufungsverfahrcn gegen Seletzki wurde heute beendet. Nach vierstündiger Beratung fällte der Gerichtshof das Urteil, wornach das Gericht alle 54 Motive des lliekurses verworfen hat und das.erstinstanzlich« Urteil, das bekanntlich aus fünf Jahre Zuchthaus lautet«, de- stätigt. Neuwahlen In Rumänien am 20. und 28. Dezember. Bukarest, 20. November.(AN.) Das heutige Amtsblatt veröffentlicht das Dekret betreffend die Auslösung der Kammer. Die Neuwahlen für die Abgeordnetenkammer werden für den 20. Dezember, jene für den Senat für den 28. Dezember festgesetzt. Das neue Parlament wird für 10. Jänner ernberuferi werden. Blutige Zwlsdicnlfiilc Ein Zwischenfall ereignete sich in Sevilla. Dort überfielen etwa zwanzig Personen ein Wahlbüro nnd im Verlauf einer sich entwickelnden Ncvolverschlacht wurden sechs Angehörige der Rechtsparteien getötet. In der Ortschaft A l j u c'e n geriet ein Sozialist mit dem Bürgermeister der Ortschast in Streit, in dessen Verlauf der Bürgermeister, mehrere Revolverschüsse auf den Sozialisten abgab, wodurch dessen Bruder schwer verletzt wurde. Daraus erwiderten Freunde des Sozialisten das Feuer, wobei eine fünfjährige Nichte ocs Bürger- Meisters einen Kopfschuß erhielt. Ebenso wurde die Mutter des Kindes schwer verletzt. Ein Mitglied der radikalen Partei wurde durch tincn Rcvolverschuß getötet. Die Wahlen hatten im großen und ganzen einen ruhigen Verlauf und die Ausschreitungen waren eher nur vereinzelt und saft insgesamt leicht. Blutige Zusammenstöße werden nur aus Sevilla gemeldet. In einem Madrider Wahlbezirk nahm die Menge eine drohende Haltung gegenüber einem in eine Apotheke geflüchteten Manu ein, der beschuldigt wurde, zugunsten der Rechtsparteien Stiinmen gekauft uud jede Stimme mit zehn Peseten bezahlt zu habe». Die Volksmenge wollte ihn lynchen. Der Betreffende sowie sechs andere Personen, die ebenfalls des S t i m m e n k a u f s beschuldigt worden waren, wurden scstgeuommen. Wegen Slimmcnkaufs wurden in Sevilla mehrere Personen in Haft genommen. Die Menge versuchte die Verhafteten zu lynchen, nnd die elf Mann starke Gendarmerie mußte sich in ihre Kaserne zurückziehcn, wo sic von der Volksmenge belagert wurde. Die bisherige Zahl der Toten in ganz Spanien beträgt sechs, die der Verwundeten insgesamt fünfzehn. Zahlreiche Personen wurden verhaftet. Tie genauen Ergebnisse der am Sonntag stattgefundenen Wahlen in Spanien sind noch nicht bekannt, aber so viel ist sicher, daß ein Ruck nach rechts erfolgt ist und die Träger ter spanischen Revolution, die b ü r g c r- 1 i cf) c Linke und die S o z i a l d c m o k r a> t i c, eine S ch l a p p c erlitten haben. Will man dieses Wahlergebnis verstehen, muß man von der spanischen Revolution ausgehen, die seit 1931 das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politisckte Leben Spaniens voll- kominen umgestaltci hat. Durch die Abschaffung der Monarchie sind zwei Gesellsclyifts- llajsen besonders betroffen worden, die fahr- hundertelang die Stützen des spanischen Königtums gewesen sind: Großgrundbesitz und K'!rck>e. Deswegen hat auch die spanische Rcvo- lution am schärfsten gegen diese zwei Klassen S ellnng genommen. Durch eine großzügige Agrargesetzgebung ist der Großgrundbesitz zum Teil enteignet und seine wirtschaftliclx' Riacht geschwächt worden, durch die Einschränkung der geistlichen Orden nnd die Beseitigung der Vormachtstellung der katholischen Religion der Kirche ein schwerer Schlag versetzt worden. Gleichzeitig hat die spanische Regierung ein großzügiges Wer! der Sozialreform geschaffen, die Volksbildung kräftig gefördert, wodurch die soziale Lage ebenso wie das geistige Niveau der tief im Fcndalisnins steckenden Massen geholfen tmirde. Allerdings konnte die spanische Regierung trotz aller Tatkraft nicht die Zahrhnndcrtc alten Sünden eines schmachvollen mvnarchisti- schen Regimes wctlmachen. Was sich die Massen in den Blütenträumcn der Revolution versprochen haben, konnte nicht so rasch durchgeführt tvevden und infolgedessen kehrte sich die Enttänschung vieler gegen die junge Republik und jene Parteien, die sie geschaffen haben. Die Durchführung der Agrargesetzgebung er folgte zu langsam, wodlirch die Kleinbauern ungeduldig wurden. Die Arbeitslosigkeit konnte angesichiS der kritischen Lage der Weltwirtschaft nicht beseitigt werden nnd auch die kulturelle Hebung der spanischen Bevölkerung kann nur das Werk von vielen Fahren sein. Diese Umstände hat das spanische Bürgertum, haben all« reaktionären Klassen, die Granden ebenso wie die Geistlichen, dazu benützt, um einen Teil ihrer durch die Revolution verloren gegangenen Anhänger wieder einzufangen. Die reaktionären Kräfte einschließlich der Kirche— lvclchc die Nonnen sogar zu den Wahlurnen trieb— haben einen en.schcidenden Stoß fuhren wollen, der die spanische Revolution mitten ins Her; treffen sollte. Die sozialdemokratischen Parteien, die an dem Werke der Revolution einen so bedeutsamen Anteil genommen haben, verfügen über noch keine so festgefügte, in alle Orte eingedrungcne Organisation, nm diesen Stoß der Reaktion erfolgreich abzuwehren. Das Entscheidende ist aber, daß bei diesen Wahlen zum ersten Mal die Franc n ihr Wahlrecht ausübtcn, Frauen, die noch niemals gewählt hatten, warfen diesmal ihren Stimmzettel in die Urne. Wie gering die politische Bildung der spailischen Frauen sein kann, mag daraus ersehen tverden, daß noch im Jahre 1920 die Mehrheit der Frauen, genau 55 Prozent, weder lesen noch schreiben konnte. Spaniens Frauen stehen vor allem unter dem Einfluß der Kirche, der(Geistliche auf der Kanzel und im Beichtstuhl übt auf sie den stärksten Einfluß Mis. Die Frauen haben für den Kleriki lismns, für die Reaktion entschieden. Diese Erscheinung, daß di« Frauen, wenn sie zum ersten Male das Wahlrecht ausüben, zu Gunsten der Reaktion wählen, hat man auch in anderen Ländern beobachtet. Aber die ses vorübergehende Opfer muß die Demokra tic bringen, denn es gibt kein hervorragenderes Mittel, die Frauen zur politischen Betätigung hevanzuziehen und ihre politische Bil- Seite 2 Dienstag, 21. November 1933. Rr. 272 düng zu heben als eben die Ausübung des Wahlrechte«. Die grauen werden schon ihr Wahlrecht zu gebrauchen lernen und tausende von ihnen tverden vielleicht schon in der nächsten Legislaturperiode des spanischen Parlamentes merken, das) sie jene gewählt haben, welche den Frauen zu ihren Rechten niemals helfen tverden. Die Entwicklung zum Sozialismus ist keine gradlinige und wir können gerade in der Gegenwart die Beobachtung machen, Mi dem Vordringen des SozialiSnmS in einzelnen Ländern Rückschläge, ja katastrophale Niederlagen in anderen Ländern entsprechen. Wie i>n Weltkriege lokal« E r f o l g e a n einzelnen Stellen der Schützengraben- front, die sich durch ganz Europa zog, den Krieg nicht entschieden haben, so entscheiden die Schlachten, die in einzelnen Ländcrir um deit Sozialismus geschlagen tver- dcn, nicht das Schicksal des gesamten Wclt- proletariatS. An der deutschen Front des internationalen Sozialismus ist der Feind tief eingebrockten, an der österreichischen kämpft das Proletariat einen harten Kampf um jedes Stückchen Boden, an der spanischen Front sind die Sozialisten soeben ein lvcnig zurückgedrängt worden. Aber in der Schtveiz und in Finnland, England und Däncniark, Schtvedcn und Norwegen haben wir neues Gelände erobert. Wohl sammeln sich alle Kräfte des Rückschrittes, des Eigennutzes, und der Brutalität gegen den Sozialismus, lieber das Schicksal der Welt aber wird letzten Endes die große Linie der ökonomischen und sozialen Entwicklung und die zähe und ausdauernde Bereitschaft eines proletarischen Geschlechtes entscheiden, das weiß, daß die Stunde der Entscheidung naht. Beraiungen der„Ariteifeflilrsorge“ Der Verband„Arbeitcrfürsorge" veran- staltc le zur Beratung einiger wichtiger organi- saiorischer und grundsätzlicher Fragen für die mährisch-schlesischen Bezirksvereine am Sonntag, den 19. November in O l ni ü tz eine L a n> desto nferenz mit der Tagesordnung. 1. Bericht über die bisherige Tätigkeit des Verbandes„Arbeilcrfürsorge"; 2.„Die Ausgaben der Arbeilcrfürsorge in der Krise" und 3.„Ge- gcnivartSanfgaben der Gesundhcitsfürsorgr", Eine Konferenz gleicher Art war am 12. November in Prag versammelt. Die Beschickung der böhmischen Konferenz ließ vieles zu wünschen übrig(21 Bezirksvereine waren durch 48 Delegierte vertreten), wogegen Nordmähren und Schlesien durch 27 Delegierte aus 15 Be- zirksvereincn vertreten waren und nur die süd- mährischcn Bezirksvereine hallen infolge finanzieller Schwierigkeiten keine Vertreter entsendet. Zum ersten Puirkle der Tagesordnung lag ein ausführlicher gedruckter Bericht des Ver- bandSsckrctariateS vor. der vom Vorsitzenden beider Konferenzen, dem Genossen Hacken- b e r g, durch eine Darstellung oer bisherigen erfreulichen AuSnützuna deS Erholungsheimes Hirschberg und einem Hinweis auf die Notwendigkeit der besonderen Förderung der zweiten Sachlottcrie des Verbandes Arbcitcrfürsorge ergänzt wurde. In seinem Vortrag über„Die Aufgaben der Arbeitersürsorge in der Krise stellte Genosse Kogler(Bodenbach) fest, daß>ich dic Tätigkeit der Arbcitcrfürsorge nicht in der Fürsorge für dic Opfer der Wirtschaftskrise erschöpfen dürfe. Tas Augenmerk der Funktionäre der Arbeilcrfürsorge müsse auch darauf gerichtet sein, die bestehenden Einrichtungen auf dem Gebiete der sozialen und Ge- sundheltSfürsorge gegen die Angriffe des Bürger- und Bürokratentums zu verteidigen, ja weiter auSzubaucn. Die enger« Zusammenarbeit Fritz Ebert muß seinen Vater besdiimuien Greneimeidnng aus dem Konzentrationslager London, 15. November.(Inpreß.) Die nationalsozialistische„Lügcnabweh rze n t ra le" hat kürzlich die Veröffentlichung des„Manchester Guardian" dementiert, wonach der frühere sozialdemo- kratischc Führer Heilmann rind der Sohn deS früheren Reichspräsidenten, Fritz Ebcrt, im Konzentrationslager bei Papenburg mißhandelt worden sind. DaS englische Blatt publiziert mnnnehr ein Interview mit dem jüdischen Tanzkünstler Silber mann, der am 21. April durch SS in Essen verhaftet und so zugerichtet wurde, daß er zunächst ins Krankenhaus gebracht werden mußt«. Silbermann ist später nrS Konzentrationslager bei Papenburg überführt worden. Unter 18 Häftlingen, die cm September ebenfalls dorthin gebracht wurden und die vordem im Konzentrationslager Oranienburg interniert waren, befanden sich H c i l nc a n n, Ebert und der Schriftsteller Armin T. Wegener. Als beim Appell der Nam« Ebert ausgeru- scn wurde, schlugen zwei SS-Leut« den Sohn des früheren Reichspräsidenten so heftig ins Gesicht, daß das Blut buchstäblich berausfpritzte. Ebert wurde so lange geschlagen, bw er sich bereit fand, zu sagen:„Mein Pater war ein VoUS- verrater". Bon Hellmann verlangt« man, daß er sag«: „Ich bin ein Feigling und Gauner. Ich habe auf Kosten d«S armen Volkes von Kaviar und Champagner gelebt." Am Abend wurden dir beiden Männer gezwungen, aus allen Bieren zu gehen; Heilmann mußt« bellen wie«in Hund und Ebert miauen wie ein« Katz«. Dann wurde Ebert in«ine Schubkarre gelegt, Heilmann mußte ihn fahren, und auf Kommando:„Abladen" mußt« er ihn in eine Abfallgrub« kippe». HeilmannS.Haar wurde abrasiert bis auf einen Büschel, um den ein Band geschlungen wurde. Am 18. September wurde Silbcrmann entlassen. Er verabschiedete sich von Hcilmaim..Heilmann weint«. Silbermann hatte den Eindruck, daß Hcilmann sein« Gefangenschaft nicht überleben werde. Silbermann, der inzwischen inS Ausland geflüchtet ist, hat sich bereit erklärt, vor einem Komitee als Zeuge zu erscheinen und über die in den fascistischcn Konzentrationslagern bestechenden Zustände auSzusagen. 206 Wvstböhmen abgeschlossen. 92 Vereinen erfaßt. Im Vereine das 6000 Kinder für alle Ad- scinci» Bortrage über„Gegenwartsanf-! teimngen ein neuer Antrieb für weiter« Arbeiten gaben der G esu n d h c i t s s ü r sorg e" 1 sein. Die Kurse wurden pvvirügig durchgeführt und ein Bild der gesundheitlichen Schäden, die durch von den zwei ZentraAursteilnehmern in jedem Be- die Not hcrvorgerufcn werden und sich in be- geleitet. Außerdem stellt die Kreisleitung zu stimmtcr Form bei Kindern, Jugendlichen und' jedem BezirkSkurS einen Leiter vom Kreis« bei. Erwachsenen anStvirkcn. Er besprach die Metho-j All« Teilnehmer erhalten dir Verpflegung kostenlos den der Abwehr dieser Gesnndheitsschäden, die j Vurch^die Bezirke, sich durch ärztliche Uebcrwachung und tatkräs-! tigc Hilfe verschiedener bestehender nnd zu er-' richtender Beratungsstellen ergeben. Die vom Vortragenden ausgestellten Mindestforderungen ans dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge in der Gegenwart sind in bestimmten Leitsätzen zu-, sammengefaßt, die den Funktionären der Ar-, bciterfürsorge eingehändigt wurden. In den ausführlichen Debatten kamen die Schwierigkeiten der Arbeit besonders in unseren Notstandsgebieten zum Ausdruck. ES wurde 1 aber auch der Wille betont, durch eine zentrale Hilfsakiion Solidarität gegenüber schwächeren Bezirken zu üben. Die Anregungen der Bericht erstatter und einzelner Debattenredner werden. in der Arbeit der nächsten Zeit angewendet! werden, womit auch der Zweck der Konferenzen' erfüllt ist. I lieber Beschluß der beiden Konferenzen wird der Vorstand deS Verbandes mit der Vorbereitung und Durchführung einer ein heitlichen zentralen Hilfsaktion für Arbeitslose betraut. Ter 4. B^irk im 6. Kreis hat«inen neuen Spihenführer. Der langjährig« Bezirks meister in Cholöschau des Pilsener Fußballbezirkes hat nun- mehr einen Meister gefunden. Die Hevbsbseri« sührt T ach au mit sechs Punkten vor Chotöschau. Es folgen Stankau mit Kvei nnd Auherzen mit 0 Punkten. Die zweite Klasse führt überlegen Maniau mit acht Punkten. * Die letzten Fußballspiele. DaS Erzgebirge scheidet langsam aus dem westböhmischen Fußballbetrieb aus. Der Winter« spart wird in Kürze Sieger sein. Die Ferien sind in allen Bezirken beendet. Aich gegen Schlackeuwerch 20:2, Fischern gegen Schankau ö: 0, BundeSmei- ster GraSlitz gegen FranzenSbad 7: 8, Unterreichenau gegen Rapid Karlsbad 5:2, Neudek gegen Meierhöfen 2:1, Eibenberg gegen Mrohlau 5:2. Die Kinderturnkurse wurden in ,( mit vergangenem Sonntag bereits bandeS bestimmte Vorschläge, die die Notwen- Iu sechs Bezirkskursen wurden aus " 2",““ Kinderflirnwarte und Helfer zirkc gegenüber den ElciidSgcbictcn des Örgani- sechsten Kreis betreiben derzeit 111 '...^.5„‘“..21“" I Kinderturnen und beschäftigen übe» Genosse'®r.“ G rusch ka(Aussig) gab in in allen Abteilungen. Der Kurs wird eoztaldemolratlsche Kundgebung in Slmlltz Kommunistische Stärungvversuche verhindert. In Olmüh fand am Sonntag eine Rkoni- sesto wnSkundgebung der Sozialdemokratie statt,.... auf der Genosse S t i v i n über Demokratie und! im allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch enthalten Diktatur sprach. Niemaiidem wäre«S, erklärte er,'— fT'*° m-tu. r.n bei Beendignng des Krieges auch nur eingefallen, 1 daß am 15. Jahrestage des Kriegsendes neue Gefahren kriegerischer Verwicklungen auftauchcn könnten. Die sozialdemokratische Partei kst vom ideellen Gesichtspunkt gegen jeden Feind der Demokratie. Im Interesse der Behauptung demo- kratischcr Grundsätze lehnt die sozialdemokratische j Partei auch weiterhin die Mitarbeit demokraüschcr Element« nicht ab und sie wird weiterhin alle I die Aufrcchterhaluug der Demokratie sind. Im Rainen der deutschen Sozialdemokratie sprach sodann Genoss« Z i s ch k a, der erklärte, daß sich seine Partei voll und unter allen Umständen für di« demokratische Einrichtung der Republik einfetz« und bereit fei, alles zu unternehmen, um die umstürzlerische Tätigkeil antistaatlicher El«. mente unmöglich zu machen. In der Nackt auf heut« wurden in Olmütz mit Maschine geschriebene Flugblätter ver streut, in welchen die Kommunisten zu einer Ndassenbet«iligung an der Versammlung aufge fordert wurden. Tatsächlich hatten sich zu der Versamntlmrg zahlreich« Kommunisten ei»gefun den und versuchten sie zu st ö r«n. Die Rede S t i v i n s wurde stellemveis« durch Rufe unter brochen. Nach der Rede S t i v i n S wurden die Ruhestörer von den Veranstaltern aus dem | Versammlungssaal entfernt. Das neue HaMungsgehUfengeseh Der Entwurf fertiggesteNt. Di« Kommission, welch« die Novellierung des.Handlungsgehufengesetzes auSzuarbeitrn hakt«, hat nunmehr ihren Entwurf fertiggestellt. Danach sollen einerseits Vorschriften für das ganze Gebiet des Staates erlassen, andererseits di« Vorschriften, welch« bisher im-Handlungs- s gehilfen-, im Güterbeamten-, im Berggesetz und 1 waren," vereinheitlicht werden. DaS Gesetz^ soll 1 sich nunmehr auch auf die Berg- und Hütten- Bcamten, die Angestellten von Organisationen und Beamten öffentlicher Korporationen, soweit sie in einem privatrechtlichen Dienstverhältnis stehen, beziehen. In Kraft bleiben sollen die günstigeren Bestimmungen der landwirtschast- i liehen Beamten. Vorbereitet wird ein Gcsctz 'übet Redakteure. .... Genauer geregelt wird durch den Entwurf WÄch« für Arbeitsantritt. Der Gehalt darf nicht in län- ' gcr als einmonatlichen Terminen ausgezahlt werden. An dem bisherigen Bertragscharakter der Remunerationen wird fcstgchaltcn. Verbes- scnlnaen enthält der Entwurf hinsichtlich des GehaltSansPruchs im Krankheitsfall(bei mehr als zehnjähriger Beschäftigung bei einem Arbeitgeber, sowie für Frauen im Fall« der Sckwan- gerschaft) tmd hinsichtlich) der Uvlaubsdauer (vierzehn Tage bis zu fünfjähriger, drei Wochen bis zu fünfzehnjähriger und vier Wochen nach fünfzehnjähriger Beschäftigung). Bei Auflösung des Arbeitsvcrhältnisses durch den Arbeitnehmer stehen diesem ein Anspruch aus den entsprecheirden Teil des Urlaubes zu, hingegen ist er entsprechend ersatzpflichtig, wenn er seinen Urlaub bereits genommen hatte. Aendevunaen enthält der Entwurf schließlich auch in den Kündiaungs- vorschriften rnid SicherungSvorschriftcn sirr erlegte Kautionen. KLSLü?er»rveiler rnni an« angcstrebt werden. Für dic Durchführung einer SjBOriuCWCgUng, zentralen und einheitlichen Hilfsaktion für die■ Opfer der Wirtschaftskrise macht der Bericht-' erstatter int Rauten deS Vorstandes des Ver- l i i' W M WH,"""' digkcit der Solidawsät» siiianziell stärkerer Bc- sationsbcrcichcS zum Ausdruck bringen. Silva beantwortete noch«ine ganze Reihe von Fragen nach dem Prägungsjahr von Geldstücken, die jemand in der Hand hielt und ähn- j-ches. In der Panse verkaufte sie Postkarten, auf denen sie abgebildet war. Im zweiten Teil war dann die Dame ohne Unterleib zu scheit. Auf dcr schwarz ausgeschla- genen Bühne tvurde auf entern Sockel ruhend eine weibliche Gestalt sichtbac. Sie hatte Kops, Arme und Oberkörper ganz normal wie jede andere Frau. Bei den Hüften hörte cs plötzlich aus.. Da war überhaupt nichts mehr. Alles schaut« und staunte. Ti« nnterleibslose Dame sprach auch, crzähste, wie sie heiße und wann und wo sie geboren sei. Das war alles. Man konnte sie nur noch«ine Weile bestaunen. D>« Vorstellung war zu Ende, und HanS und Gretl verließen mit den übrigen Besuchern die Bilde. „Wie hat denn di« Silva das alles wissen können, was sie gefragt worden ist, Hani?" „Dos tst gornit schwer. Der Mann, der die Fragen stellt, sagt ihr in der Art der Fragestellung schon di« Antwort." „DaS versteh ich nit." „Zum Beispiel, iveun der fragt: Kannst du mir sagen, welche Stunde di« Uhr zeigt, dann heißt das„welche Stunde" zwölf Uhr. Wenn er aber fragt,„tvelch« Stunde die Uhr jetzt zeigt", dann bedeutet das zehn Minuten nach zwölf. Das »jetzt" hat die zehn Minuten auSgcürückt. Und so lsts mit allen Fragen. Die zwei haben genau miteinander vereinbart, was jedes Wort bei den Fragen bedeutet." „Dann iS daS mit der Silva ja alles Schwindel!" „Ro, Schwindel grat nit. Halt Geschicklichkeit. Und allerleihattd Uebung«hört schon dazu, daß sich die Silva nit verhaut? „Ja,.Hans, das kann ich niir jetzt schon vorstellen. wie daS geht. Aber die Dame ohne Unler- lcib! Wie kann denn die überhaupt leben? Herz und Lmtge hat sie ja im Oberkörper, nnd den Magen znr Not anch noch. Aber das andere?" .Hans amüsierte sich. Er wußte schon, wo die Gretl hinaus wollte, tat aber mit dem unschuldigsten Gesicht von der Welt, als verstehe er sie nicht. „Welches aiidere meinst denn, Gretl?" „Web, stell dich nit so dumm! Wenn ein Meu'ch ißt und trinkt, das bleibt doch nit alles im Körper. Was nit verdaut wird, muß doch wieder naus, u>td... nnd..." Gretl kam inS Stocken, tvurde verlegen und' brach psötzlich ab. Hans wollte aber wissen, was Gretl meinte: „WaS denn,»tid... nick...?" „No, tvenn die mal muß! Du weißls ja, was ich mein! Oder wenn sie sich setzen will und so.. HanS konnte nicht mehr länger an sich halten uttd platzte in ein lautes Lachen aus: „Gell, daS war schwierig, bis du daS rausgebracht hast?" „Du bist aber auch einer! Mußt mich so in Berleaetcheit bringen!" Dabei gab sie ihm einen freundschaftlichen Rippenstoß..Hans erzählte letzt was er wußte: „Natürlich hat die Dame ohne Unterleib auch Stuhlgang. Die kanns auch nit durch die Rippen schwitzen!" „Wie geht denn das zu?" „Genau so wie bei dir. Die Dame, ohne Unterleib is nämlich garnit ohne Unterleib. Die hat einen schönen, runden Popo, wie du auch. Ich hab sie heute früh noch am Kranen g'sehn." „Also doch Schwindel!" „Nä, nur optische Täuschung durch geschickte Spiegelung." Sie waren inzwischen auf die andere Seite des Platzes gckomnten. Bor dem Gasthaus„Zum Ochsen" stand ein dichter Knäuel Menschen um eine Verkaufsbude. Der billige Spihenjakob hatte hier sein Quartier aufgcschlagen. Auf runden Hölzern waren die verschiedenartigsten Spitzen aufgerollt, weiße und bunte, für Damenwäsche, Küchenbordüren und Kopfkissen, und wer weiß, wofür noch sonst alles. Der Spitzenjakob hatte ein gelchlificnes Mundwerk. „Bleibeit Sie noch eineit Augenblick stehen, meine Herrschaften! Sie können sich bei mir in zwei Minuten eine bare Mark verdienen.. Ich Iprcche Ihnen einen Sah vor, und wenn Sie ihn ebenso schnell und ohne zu stolpern zehnmal rasch hintereinatrder hersagen, zahle ich Ihnen auf dcr Stelle ein« Mark in Silber anS. Also, anfgcpaßt! DaS sollen Sic nachsagen: Wenn mancher Mann wüßte, wer mancher Mann wär, Tät mancher Mann manchem Mann manchmal Ni ehr Ehr'. Da mancher Mann nicht weiß, Wer mancher Mann ist, Gar mancher Mann manchen Mann Manchmal vergißt. Wer probierts einmal? Rur keine falsche Schüch- tericheit. Zehnmal heruntergeschntettert, und ein« Mark ist verdient!" Verschiedene Mutige versuchten cs, blieben aber gleich be'm ersten Anlauf stecken, stolperten und ernteten stürmisches Gelächter. Zudem hatte der Spitzenjakob die Schnellsprechübung so blitzschnell lxrvorgesprudclt, daß nicht die geringste Gefahr bestand, daß er lein« Mark-Prämie hätte bezahlen müssen. Dieses Tempo konnte kein« frän kisch« Zunge leisten. Aber der Spitzenjakob hatte seinen Zweck erreicht. Die Leute amüsierten sich, erhofften sich noch mehr Unterhaltung und blieben stehen, lind jetzt Pries der billige Jakob sein« Spitzen an: „Um meine Ware einzuführen, sollen Sie heut« etwas geschenkt bekommen! Hier, diese Pickfeine Wäschestütze. einmal für den keuschen Busen, einmal um die zarten Beinchen, und weil auch das schönste Würzburger Mädchen nicht auf einem Bein sichen kann, noch einmal um daS zarte Beinchen." Dabei legte er die Spitze erst quer über die Brust, maß dann ein Stück um seinen Oberschenkel ab und noch eins, dann schnitt er die Spitze ab: „Wer will sie geschenkt haben?" „Ich!"—„Hier!"—„Da, geben Sie her!" Alles rief durcheinander, tmd der Spiheit- iakob warf das Päckchen Spitze mitten unter die Menge. Irgend jemand fing«S auf. „Das kann ich aber nicht den ganzen Abend so forlsetzeit, sonst mach ich ja Pleite. WaS ich Ihnen jetzt anbiete, bekommen Sie zwar nicht geschenkt, aber so billig, daß eS so gut wie geschenkt ist. Also passen Sie auf: Diese Spitze hier ist zum Besetzen oer Kopfkissen. Sehen Sie, da siebt draus „Gute Nacht!" Die ganze Kopfkissengarnitur für vier Kissen kostet Sie heute nicht eine Mark, nicht fünfzig, vierzig, dreißig Pfennig, das kostet Ei« heute nur zwanzig Pfennige, zwei Groschen! Wer will daS haben?" Es rührte sich noch nichts, ,,Scheit Sie bitte noch einmal her. ES sieh! wirklich„Gute Nacht" auf den Spitzen. Eine gut« Nacht, zwei gute Nächte, drei gute Nächte und noch eine vierte dazu! Ich war jüngst in Berlin, da habe ich eine einzige gute Nacht verbracht, die hat mich zehn Mark aekostct. Und hier bekommen Sie vier gute Nächte für die zwanzig Pfennig! Tas ist doch geschenkt! Also, wer Hai noch nicht? Wer will nochmal?" (Fortflvung tvtaO Nr. 972 Dienstag, 21. November 1988. Seite 8 Neue Unruhen auf Kuba Havanna. Etwa 1300 Arbeiter versuchten zwei Arbeiter, die in einer Zuckerfabrik gefangen gehalten wurde», zu befreien. Gegen dir Arbeiter wurde Militär eingesetzt, Zwei Demonstranten wurden getötet. Einige hundert Soldaten wurden aus Havanna nach Santiago de Cuba zur Brkäinpsung eines revolutionäre» Komplotts entsandt. In Havanna explodierten fünf Bomben vor den Wohnungen der Freunde Gran Sau Martins. Bei den Schießereien wurden sechs Personen verletzt und'zwei getötet. Herr Abgeordneter Veters, Sie loiteu abtreten! Die Genfer Diplomaten ES liegt schon wieder, als Leitartikel in der „Bohemia", eine jener PcterS'schei» Sonntagspredigten vor, die früher von Liebe utw Per- ltändni- für das fascistische Deutschland troffen, jetzt aber bei den Tschechen um Liebe und Ber- standniS dafür werben, daß Herr Peters, durch fremdes Zutun energisch aus den Boden der Republik gestellt, nun erst richtig daS Muster eines aufrecht-demokratischen judctcndentschcn Bürgers geworden sei. ES ist ergötzlich, ihn über jene Tatsachen reden zu hören, die noch seiner Meinung ,Hie geistige Entfernung zwischen Deutschen und Tschechen vergrößern", wobei er die jetzt von deutscher Seite gesetzte entscheidende Tatsache verschweigt, daß nämlich der SudetenfasciSmuS, an dem Herr Peters ein gerüttelt Maß Schuld tragt, neuestens am meisten zu dieser Entfernung beiactragen hat. Vollends aber droht einem der Gcduldfäden zu reißen, wenn Herr Peters nun eine„gewisse Presse" für das Nichtznsam- menwirken der sudetendeutschen Demokraten verantwortlich macht und darunter nicht etwa die „Bohemia", sondern die sozialdemokratische Presse meint. Aber wir denken wirklich nicht daran, unS ausgerechnet mit Herrn PeterS über Demokratie auScinailderzusetzen. ES ist traurig genug, daß gewisse diploniatischc Rücksichten, mit denen wir bestimmt nichts zu tun haben, cS zu verhindern scheinen, daß Herr Peters schleunigst in der Versenkung verschwinde. Ter Mann ist dickfellig und vermutlich wird er auch den wohlqezielten Pfeil abzuschütteln wissen, den Dr. Georg Mannheimer vom Standort der„Wahrheit" anS gegen seinen ehemaligen Cher und politischen Direktor der„Bohemia" abgeschosscn bat. Herr Peters verlangt im letzten Satz seines letzten Sonn- tagSartikelS„S e l b st k r i t i k". ES wäre dringend, daß e r sie übe. Solern aber daniit kaum m rechnen ist. wird man sich auf die Einsicht der Wähler verlassen müssen. LhrWch'oz*ales Tohuwlrdohu Für und gegen Henlein.— Heimatsront, Volksfront und VolkSrat zugleich? Die Christlichsozialen geben jetzt öfters Thcatervorstellungeii, in denen sie den Sudetendeutschen die gewagtesten Eiertänze vorsühren. Die Hauptlinie ihrer Politik besteht darin, aus dem herrenlos gewordenen Strandgut der Nationalsozialisten und Teutfchnationalvn möglichst viel hcrauszufifcheu. Sie wollen zugleich den bisherigen Wählemr der aufgelösten Parteien Schlagen auf die nationale Tronnncl gefallen, jene, die von Heuldin begeistert sind, nicht ab- stoßen, andererseits aber dem Henlein nicht alles überlassen. So hat der ehemalige christlichsozialc Senator M e d i n g e r, der übrigen? ursprüng- lich ein österreichischer verfassungstreuer Großgrundbesitzer, dann ein Deutschnationaler geworden mid später einen Unterschlupf bei den Christ- lichsozialen gefunden hat, in einer Bersanimliing in Gabloirz erst scstgcslellt, daß es Konrad Henleins Verdienst«st,„einen kleinen Hoffnungsstrahl in mrser Dunkel aebracht zu haben", um aber sofort darauf den Ascher Tiirnlehrer damit zu frotzeln, daß man„Oberbefehlshaber... nicht Plötzlich, sondern nur durch jahrelange Arbeit und Erprobung" werden könne. Ebenso hat Senator Hilgenreiner, der in derselben Versammlung sprach, gesagt, daß„uns" Henlein .die Jugend brachte"— hat sie der.Henlein den Christlichsozialc»» gebracht?— aber„bi« neue Bewegung" müsse„sorgsam geprüft werden, denn bereits einmal lebte ein Begeistcrungstau- mel unter der Führung Lodgmans aus, der bald verrauschte". Das einzig Positive, dos in der Versammlung vorgeschlagen wurde, war seitens MedinaerL die Gründung eines Volksrates, seitens Hllgenrciners die Schassung einer sudetendeutschen Einheitsfront. Man eriinrcrt sich an die Reihenfolge der Schlagworte der dentschbür- «rlichen Politik im letzten.Halbjahr: Volksrat, Volksfront, Heimatfront. Jetzt will es das sude- tendeutsche Bürgertum zur Abwechslung wieder in umgekehrter Reihenfolge probieren: Heimatsront, Volksfront, Volksrat, Viel Glück auf den Weg zurück! Gegen das sttindlsdie Prinzip Beachtenswerte Stimme der „Lidovü Noviny". In den„Lidovs Noviny" vom 20. No veinber schreibt der bekannte Publizist Ferdiiuuid Peroutla: An die ständische Lösung, welche jetzt große Mode zu werden beginnt, haben wir niemals geglaubt. Niemand wird uns davon überzeugen, daß die Stände eNvas Edleres sind als die Parteien. Me Erfahrung lehrt im Gegenteil, daß sie noch weniger edel u>td noch egoistischer sind als die politischen Parteien. Es wurde also nur bedeuten, einen Egoismus durch den anderen zu verdrängen, und zwar einen kleineren durch emen größeren. Das ständische System setzt die Errichtung der Diktatur, welche eine unbegrenzte Besehlsgewalt haben wird, vorails. Tonst würden sich die Stände durch einen vergeblichen Kamps zwstchen einander aufreibcn. Gewöhnlich ist die Sländcvcrfassung nichts anderes als der Mantel, in den die Diktatur die Nacktheit ihres Absolutismus hüllt. Ter Ruf nach der Siändc- regierung bedeutet'den Rui nach dem Diktator als dem unerläßlichen Mittler ztvischen den Stauden. verlangen Aufschub bis Mitte Jänner Genf, 20. November.(6PB.H Die heute nachmittags in der Villa des Generalsekretärs des Völkerbundes A v r n o l stattgefundrnen Beratungen des Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz Henderson mit den Ministern Simon, Paul Boncour und Dr. Benes, mit Bot- sckwftcr Wilson und dem italienischen Delegierten di So rag na nahmen im Wesen«inen ruhigen Verlauf. Vorläufig wurde beschlossen, die Sitzung des Büros der Abrüstungskonferenz für Mittwoch Nachmittag einzuberufen. Ten verbleibenden Tag werden einige Delegierte benützen, um sich mit ihren Regierungen zur eventuellen Vorbereitung wichtiger Entscheidungen in Verbindung zu Atzen. ES wird«ine Verschiebung der Sitzung des HauptauSschusseS der Abrüstungskonferenz bis nach der Mitt« Jänner nächsten JahreS stattsi»»- denden Tagung des VölkerbundratcS erwogen. Unterdessen würde«in Meinungsaustausch.zwischen den einzelnen Außenministerien stattflnden und Gelegenheit zu einer größeren Beruhigung gegeben werden, ohne die mit einer baldigen Rückkehr Deutschlands zur Abrüstungskonferenz nicht gerechnet werden kann. Es handelt sich demnach um eine nur provisorische Entscheidung und man hasst, daß nach der Stabilisierung der innerpolitischru Verhältnisse in einigen größeren Staaten eine diplomatische Aktion mit größerer Aussicht aus Erfolg als heute wird unternommen werden können. Km demenUert AnMsabsIdilen Rom, 20. November. Die vom„Corriere della Serra" nud anderen Blälterit gebvachie Meldung, derzufolge der fascistische Groß« Ra: am 5. Dezember nach dem Austritt TeutMands und Japans ans der Abrüsttlngskonfercnz sotvie angesichts der Ilbsentierung Amerika? und Rußland? «ine negative Stellung Genf gegen- üb«r einnehruen werd«, wurde heute amtlich als den Direktiven Italiens nick)t«ntiperchcnd erklärt, und das insbesondere nach der am Samstag stattgefundenen Besprechung Mussolinis mit dem fran- zösischen Botschafter de Chambrun. Kabinett Sarrani kämpft am seinen Bestand Heute Finanzdebatte In der Kammer Paris, 20. November. Morgen nachmittags wird in der Kammer ein Kamps um die Finanzvorlage und um daS Schicksal der Regierung Tarrant entbrennen. Die Lage, die gestern für die Regierung noch hoffnungslos aussah, hat sich heilte in Verhandlungen hinter den Kulissen gebessert. Der Finanzausschuß zog die Regierungsvorlagen, die nur 2^ Milliarden Francs einbringen sollten, nicht in Beratung, sondern arbeitete eigene Vorlagen aus, die über 3 Milliarden Francs einbringen. Zahlreiche Vorschläge des genannten Ausschusses enthalten Maßnahmen, auf die sich die Linksparteien unter der Reaicrnng Daladier geeinigt haben. Die größte Acnderung bildet eine geringere Kürrnng der StaatSanqc- stclltenbezüge, als sic die Regierung vorschlägt. Tie Regierung, die cs anfangs abgelchnt hat, die erwähnte Vorlage des Finanzausschusses in Betracht zu ziehen, ließ in der heute abends stattgefundenen Kabinettssitzung von diesem ihrem Standpunkt ab. Im letzten Augenblick scheint es, daß die Regierung diesmal in der Kammer eine Mehrheit erhalten kann, besonders wenn sich die Gruppe der Mitte der Abstimmung enthalten wird. In diesem Falle tvürde aber die Regierung auf den unerbittlichen Widerstand des Senates stoßen, der heute durch den Mund des Vorsitzenden seines Finanzausschusses Caillaux neuerlich erklärte, daß der Senat auf der Notwendigkeit eines ordentlich ansgcalichenen Budgets besteht und jede parteiische Lösung ablebnt. Die Hitler-Wahlen gefälscht! Unwiderlegliche Beweise Saarbrücken. Die„Bolksstimmc" berichtet: In einem Grenzort an der saardrutschen Grenze — wir müssen seinen Namen aus naheliegenden Gründen vorläufig verschtoeigen— haben wir eine ganz bestimmt festgelcgt« Zahl absolut zuverlässiger und einwandfreier Anlifascistcn zu der von jedem von ihnen genau cinachallcncn Ab- machung zusammengebracht, daß sic sämtlich und genau in der gleichen Weise bei der Abstimmung sich verhielten und zwar das eine Mal, beim Plebiszit, mit„ja" stimmten, während sie daS andere Mal, bei der sogenannten ReichStagswahl, die Liste ungültig machten. Was wir erwarteten, ist cingetrcten: In diesem betreffenden Ort sind die sämtlich ungültig gemachten Stimmen dieses Kreises von Antisascisten, wie das amtlich sestgestellte EraebniS beweist, als gültige Stimmen mit- grzähkt worden. ES wird»ms aus einer Reihe anderer Grenzorte berichtet, daß man dort ähnliche Ber- einbarnngcn mit den gleichen biirterhcrigen Feststellungen getroffen hat,— Fälle, die wir bis jetzt im Einzelnen noch nicht untersuchen konnten, während der oben von uns mitgctcilte Fall Von den Gewerbetreibenden. Die einstige gesicherte Existenz des Gewerbetreibenden und des kleinen Kaufmannes wurde von der Krise vernichtet. Tic Gewerbetreibenden und Kaufleute sind proletarisiert. Sorgen ganz gewöhnlicher Art beschäftigen heute diese Mensche»» u»»d eine der größten Sorge ist: wovon leben? Regie, Steuern und sonstige Ausgaben lausen tveiter und nnr acrinae Einnahmen, die kaum reichen, um für sich selbst und für die Familie die Magcnsrage zu lösen. Will der Gewerbetreibende heute»»och Gehilfen beschäftigen, so muß an den Lohntagen um den notwendigen Arbeitslohn gelaufen werden. Biel« haben ihr Gewerbe abgcnicldet und sind auf der Jagd»»ach Lohriarbeit und sogar bei Notstandsarbeiten zu finden. Die Gewerbetreibc>»dc>» sind Opfer der Krise gleich dem Arbeiter. Di« Arbeiterschaft, vollbeschäftigt, ist Kundschaft des Gewerbetreibenden und Kaufmannes, doch gab es früher außer dem geschäftlichen Verkehr>n»r wenige oder gar kein« Berührungspunkt«. Diese beiden Schichten standen oft gegeneinander. Dadurch kamen die Gewerbetreibenden oft in Widerspruch zu sich selbst, stellt doch die Arbeiterschaft das Hanptkontingcnt des Gc- werbetreibendcn, Kaufmannes oder Hä»»dlers. Aus dieser Erkenntnis heraus kam cs zur Gründung des Verbandes der Gewerbetreibenden und Kaufleute. Die Schwierigkeiten waren ain Anfänge groß, die Gewerbetreibenden waren nicht eine geschlossene Vereinigung, außer dene»»!>» der Gcwerbcpartci, welche aus eigenem reaktionär handelten, so»»dern sie waren und sind cs ja noch heute aufgeteilt auf verschiede»»? bürgerliche Parteien. Eine jede dieser Parteien hatte icdock' ganz andere Ziele als die Vcwcrbetrei- | benden. durch kein Deinenti irgendwie erschüttert werden kann. Er läßt den ztvingendrn Schluß zu. daß in ähnlicher Weise tausendfach geschwindelt und gefälscht worden»st. Aus anderen Orten wird uns von Auaen- zeugen berichtet, wie der Charakter der„geheimen" Wahlen bei ihnen gcivahrt wurde: Im Wahllokal gab cs keine der bei den früheren Ab- stiminungen vorgeschriebe»»en verschlossenen W,»hl»ellen, durch die jeder Abstimmunasbcrech- tigte hindurch muß,>nn innerhalb der Wahlzelle sein Votum rinznreichen, sondern in einer Ecke des Saales war die Schultafel schräg gegen die Wand gestellt und das galt als die„geheime Abstiinmunaszelle"! Zunächst konnten die zahllosen Spitzel beobachten, was jemand hinter den Tafeln machte— aber die meisten riskierten überhaupt nicht, hinter die Tafel zu treten, um sich nicht verdächtig zu»nachen, sondern die meisten kamen kund ganz besonders die, die schon unter»rarndcincm Verdacht der nicht absoluten Zuverlässigkeit gegenüber den» Hitlcrreaimc stchenll nur an den Wahltisch,»nachten ostentativ ihr Zeichen und überaaben diese ihre„gc- heiine" Entscheidr»»»g de»n Wahlvorsteher. T«r Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute, Saaz, bat das Ziel, die Gewcrbetrei- be»»den z»l samn»cln und z»» vereinige»» znn» ge- meinsamen Kampfe für eine Besserstellung der Gewerbetreibenden unter Anlehnung an die Arbeiterschaft, die der natürliche Bundesgenosse d.r Gewerbetreibenden und Kaufleute ist. Diese Erkenntnis bricht sich imincr mehr Bahn in den Reihen der Gewerbetreibenden, immer mehr schließen sich in»»»rsercm Verbände zusammen« Die Vcrsamnilungen in Falkenau, Königsberg, Karlsbad und Komolau, die i>» der letzten Woche stattfanden, zeugten davon, daß die Gcwcrbetrci- bendon entschlossen sind, mit ihren Irrtümern zu brechen und sich in einem Verbände zu vereinigen, der mit den Arbeiter»» für gleiche Ziele und gleiche Ideale kämpft. Z. Etwaige Anfragen sind zn richten an: Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute in Saaz, Nikolcigasse. ver Boykott Segen niticr-Dcutsdilanci Vorbildliche Organisation des Boykotts gegen Hitler-Deutschland in Belgien. Der Belgische GcwerkschaftSbnnd(B. G. B.) gehört zu dei» Landeszcntraleu, die der internationalen Aufforderung zum Boykott von Hitler-Deutschland vom allererste»» Augenblick an Gehör schenkte»» u»»d sofort emgchend prüfte»», »vic ihr Folge geleistet werden könnte. Kaum »lütte der Ausschuß des Internationale»» Gewerk- sthaflsbundcs in seiner am 0. April ii» Zürich abgchaltcncn Sitzung zum Kampf gegen Gitter- Deutschland„inil jede»»» geeignete»» wirtschaftlichen und politischen Mittel" ansgcfordcrt, so trat auch schon der Vorstand des B. G. B. zu einer Sitzung zusammen, um dem Appell Folge zu leisten. Als später gemeinsame Beschlüsse des I. G. B. und der Sozialistischen Arbeiter Internationale gefaßt wurden, folgte»» in Belgtcn Besprechungen»nit der Partei und de»» Genossen- schaslen,»vic denn überhaupt der B. G. B. belgischer Tradition gemäß gleich zu Beginn bestrebt war, die Aktiv»» in dei»»vcitcrcn Rahmen der gemeinsamen Jnstitutioilen der Gewerkschaften, der Partei und der Genossenschaften zu dringen. Schon an» 1. Juli, also noch bevor der Internationale Gewerkschaftskongreß den Boykott auf eine breitere Basis brachte, schlug der B. G. B. der Partei»nid den Genosienschaftcn — die ihrerseits bereits eine Erhebung über die praktischen Möglichkeiten des Boykotts uuter- nomlne»» hatte»»— die Bildung eines gcmein- sanici» Komi»ces vor. Am 12. Juli trat dieses Konlilrc, in dem De V l ae inynck(Sekretär des B. G. B.) die Geschäfte des Sekretariats auf sich nahm, bereits in Aktion. Scho»» in der erste»» Sitznng wurde beschlossen, überall in» Lande örtliche und B c z i r k- K o»n i t e c S zu gründen,»in» die Propaganda direkt in den Haushalt drS Arbeiters(Hausbesuche, Aktion der Jugendliche»» und der Frauen« tragen und so jene Maßnahmen treffe»» zu können, die allein gute Resultate gewährleiste»» können. Nebenher ging eine Pressekampagne, ferner befaßte man sich mit der Ausgabe voi» Plakate»» und gliederte dein genannten Komitee eine»» Rechtsbcistand und einen Vertreter der Sozialistischen Presse an. Endlich stellte der Vorstand des B. G. B. dem Boykottkoinitec auch die nötigen finanziellen Mittel zur Organisatio»» seiner Arbeit zur Bcr- fÜgllNg. Neuen Antrieb erhielt die Bctvegung>n Belgien—»vic in UTA. und in a»»dercn Ländern— durch das Verlassen der Abrüstungskonferenz seitens Deutschlands und die Gewißheit seiner Ausrüstung. Diese Entwicklung wird ohne Zweifel viel dazu beitragen, der Boykottaktion eine breitere Basis z»> geben, wie denn der B. G. B. überhaupt voi» allem Anfang an zum Ausdruck brachte, daß„die Boykottaktion nicht allein unter dei» Arbeitern, sondern»inlcr der ganzen Bevölkerung geführt tvcrden muß, und ztvar unter sorgfältiger Vermeidung jeglicher nationalistischen A»»s»vüch s c." Schon vor geraumer Zeit hat der B. G. B. ausführliche Listen der zu boykottierende»» Artikel hcrausgegebeu, in dcncu zirka-100 leicht erkennbare Markenartikel aufgeführt sind. Neucr- dings werden, wie dies auch seitens des Schwci- zcrischen Gclvcrkschastsbuudrs geschieht. Ersatz- artikcl für die zu boykottierenden deutschen Wa- rcn angegeben. Sclaloia gestorben Rom, Ist. November. Der langjährige Vertreter Italiens im DölkerbundSrat V i t t o- r i o Scialoja ist am Sonntag abends nach kurzer Krankheit in Roin im Alter von 7s Jahren g e st o r b e n. Scialoja wurde K>t> in Turin geboren. 1883 wurde er als Professor des römischen Rechts nach Rom berufen. Politisch ist Scialoja verhältnismäßig spät hervorgetvcten.-0m Kabinett Sonnino Halle er seit 1010 und nachher auch unter Salandra und Voselli das 2 u st I z»n i n i st e r i um inn«. Während des Krieges»var er im Senat Präsiden» des Fafcio, der aus'Angehörigen verichiedener Parteien sich znsainmenc'etzcnden KricgSpartei. Während der Friedcnsverhandlungen vertrat er Italien zusammen in Versailles. Nach den Novembcrwahlcn von 1019 übernahm Scialoja das A>»ß« n m i»»> st« r»u m n»»d die Bertretung Italiens in» Völkerbünde, die er auch nach seinen» Rücktritt als Außenminister behielt. Unter dem Standredit Innsbruck, 20. November. In Lenzing bei Bludenz schlenderten gestern abends unbekannte Täter eine Ekrasitbomvc gegen das Gebäude der dortigen Gcndarincricstativn. Die Explosion verursachte großen Materialschaden nnd führte zn einer Panik in der Gemeinde. Die Täter sind entkommen. Drohbriefe gegen den ameribanlsdien Gesandten Wien, 20. November. Der amerikanische Gesandte in Wien, Carle, der jüngst eine Studienfahrt durch Oesterreich unternahm u»»d nach seiner Rückkehr nach Wien bei einer Pressekonferenz einen scharfen Standpunkt gegen die Nationalsozialisten, besonders gegen deren Antiscinitismus eingenommen hatte, erhielt in den letzten Tagen zahlreiche anonyme Drohbriefe, wahrscheinlich >auü nationalsozialistischen Kreisen. Seit« 4 Dienstag, 21. November 1988. Nr. 27" Die schwimmenden Lzeaninseln werden Wirklichkeit. Modellzcichnung eines schwimmenden Flughafens im Atlantischen Ozean. DaS Ministerium für öffentliche Arbeiten in Washington gibt einen großzügigen Plan bekannt, der für den Flugverkehr von Amerika nach Europa von allerwichtigster Bedeutung 'st. Es soll ein regelmäßiger Flugverkehr von der Küste des amerikanischen Staates Vir« 9'n i a nach Span ie n eingerichtet werden, und auf der Flugstrecke sollen in Abständen von >e 500 Seemeilen(900 Kilometer) schwimmende Inseln aus Stahl stationiert werden. Jede der Inseln lvird eine Länge von 380 Metern haken. Ter Bau würde insgesamt 30 Millionen Dollar kosteir. Tagesneuigkeiten 15 tote Ber proleten. London, 19. November. In einem Kohlenbergwerk in der Nähe von Chesterfield ereignete sich heute in den frühen Morgenstunden aus bisher noch unbekannter Ursache ein« heftige Explosion. Achtzehn Bergleute wurden von der Außenwelt abgeschnitten. Trotz sieberhafter RettungS- orbeiten konnten nur drei Bergleute lebend geborgen werden. Die anderen fünfzehn fanden den Tod. Wilderer beschießt Gendarmen. Böhm.-BudweiS, 19. November. Heule nacht bemerkte der Gendarincricwachtmcistcr Jarcö in einem Walde einen Mann mit einem Gewehr. Als ihn Iarcü aufsordcrtc, stehen zu bleiben, wurde von einem anderen Mann, der hinter einem Baum versteckt war, rin Schuß abgegeben. DaS Projekt blieb in der linken Hand des Gcn- darmericwachtmeistcrs stecken. Die Gendarmerie verhaftete noch heute zwei verdächtige Wilderer. Jarcö wurde in das Budweiser Krankenhaus zum operativen Eingriff cingelicfert. Großer Brand in Prag. ' Am Sonntag nachmittag wurde die Prager Feuerwelle verständig:, daß auS dein Objekt der vrrofy-Büssim>'Jikrle Rauch aufsteig«. Es wurden aik den Braudort einige Löschzüge geschickt, welche nur mit großer Mül)« das syeuer eindämmen konnten. Wie festgcstrllk wurde, waren in allen Stockwerken die Holzträger der Decken infolge der Beschädigung eines Kamins in Braicd geraten. Es mußten"daher iin ersten, ztveiten und drrt.'an Stockwerk die gefährdeten Stellen herausgel-ackt werden, da sonst das ganze Gebäude dem Brand zum Opfer gefallen wäre. Erst an« 8 Uhr abeitd war die Gefahr beteiligt. Der Schaden ist beträchtlich, aber durch Versicherung gedeckt. Verunglücktes Feuerwehrauto. Ein Feuerwehrmann getötet. In der Nacht auf gestern brach in der Dampfmühle B r ü n a in Öci6 bei Brünn ein Bmnd aus, dem die ganze Mühle zuni Opfer fiel. Der Schaden geht in die Millionen. Die Mühle war jedoch hoch versichert. Auf dem Brandplatz Hatton sich sämtliche Feucrlvehren der Umgehung und auch einige Brünner Feuerwehren ein» gefunden. Auf der Fahrt zum Brand wurde ein Auto der Sebrowitzcr freiwilligen Feucnvchr von einem schweren Unglück betroffen. Bor diesem Auto fuhren einige andere Feuerwehrautos, die bei Holubic vor einem geschlossenen Bahnschranke» an hielten. Der Chauffeur des Sebrowitzer Autos iah die Bahm'chvankcn nicht, wich den vor ihm stehenden Autos aus und fuhr mit voller Wucht gegen di« Schranken, die zertrümmert wurden. Ter Chauffeur neigte im letzten Augenblick dei« Kops, so daß er nur leicht verletzt lvurde. Hingegen schlug der neben ihm sitzende Wehrman» Fran; Vybiral mit dem Kops gegen den Schranken. Hiebei wurde ihm der Vorder.eil des Holmes in den Kopf getrieben. Bald nach dem Unfall kam die Brünner Ret tungsabterlung, die Vybiral, der bei Bewußtsein war, ins Brünner Krankenhaus bringen wollte. Auf dem Weg ist er aber gestorben. Er Ivar verheiratet und Vater eines Kindes. An dem Unfallort wurde konstatiert, daß die Bahnschranken mangelhaft beleuchtet waren. Tas übliche rote Licht in der Mitt« der Schranken fehl:«. An dieser Stelle ereigneten sich bereits nrehrerc Unfälle. Auch der steile Abhang vor dem Bahnübergang ist sehr gefährlich. BrandMungen in der Slowakei. Neuhaus, 20. Nvvenibcr. Auf dem Großgrundbesitz I. Chytrys in Kostelni Radoun brach ein Ferrcr aus, das in kurzer Zeit die Wirtsckfafts- gebäude, die Vorräte uird das Wirstchaftsinventar vernichten. Die Ursache des Brandes ist bisher noch nicht fcstgcstelli. Der durch den Brand ent- stairüene Schaden ist durch Versicherung gedeckt. In der Gegend von Kamenice wütet ein Brandstifter, vor dem die Eintvohner keinen Tag vor ähnlichen Verbrechen sicher sind. Schiffsuntersiang. Rotterdam, 19. November. Im Rotterdamer Hafen lief heute Mittag der 810 Tonnen große deutsche Dampfer„Egcria" von der Neptun- Linie mit einem geretteten Schiffbrüchigen ein. Dieser Schiffsbrüchigc, der beinahe 24 Stunden in einem offenen Rettungsboot auf der Nordsee iimhergetricbelt war, gehörte zur Besatzung des 1500 Tonnen großen deutschen Motorschiffes „Krcuhsec". Tas Schiff ist nach seinem Bericht am Freitag abends aus der Fahrt von Hamburg nach London aus der Nordsee in einen Sturm geraten und untergegangen. Es steht so gut wie fest, daß der von der Besatzung der„Egeria" gerettete Seemann der einzige Uebcrlebcnde der elsköpfigen Besatzung der„Krcutzsee" ist. Gin«euer StratosphLrenflug. Aeron(USAFloridah 20. November. Ma- rincleutnant S e a t l e und Major F o r d n e y sind heute um 9 Uhr 27 Ostnormalzcit zu einem Ctratosphärcnfluge gestartet. Der Ballon erreichte um 14 Uhr 30 Ortszeit eine Höhe von 16.000 Metern. Der Ballon steigt weiter und erreichte nach einer späteren Meldung bereits 17.000 Meter. Morgen früh fpird er den Abstieg vornehmen. Ein guter Richter. Es gibt noch viele Richter, die das-Herz auf dem rechten Fleck haben und niemals vergessen, daß sie ja auch imr aus Fleisch und Blut sind, obwohl sic die Fäden vor« vielen Schicksalen zeitweise in der Hand hakten. .Herr Jen Rasmussen, Kopenhagen, ist beispielsweise solch ein Richter, der genannt.zu werden verdient. Er hatte einmal einen armen Schlucker abzuurteilen, der sich irgendeine Kleinigkeit hatte zuschulden komnien lassen.„Einen Tag Gefängms oder fünf Kronen Geldstrafe", lautete das Ur- toik, das Richter Jen Rasnmsscn aussprach. Mit Kennerblick sah er, daß dieser gute Mann, der vor ihm staud, leere Taschen hatte und darum auch nicht in der Lage war, die geringen Kosten zil^bc zahlen. Mit sehnsüchtigen Augen sah der „Sünder" zum Fenster hinaus, in das Grün der Bäume, in die weißet« Wolken, die über den blauen Himinel zogen. Ter Richter wußte, ivas der Angeklagte in diesem Augenblick fühlte. Ta griff er in die Westentasche«rnd zog eine Fünf- kroncnnote heraus, überreichte sie lächelnd dem Verurteilten und meinte:„Der Tag ist zu schön, um ihn in dunkler Jelle zu verlieren!"— Hingegen werden Menschen in einem Teil Europas ohne jedes Verschulden und Urteil in Konzentrationslagern Ztlgrundcgcrichtet. Eifersuchtsattentat eines Wachmannes. Ter 52jährige Oberwachmann der Stadtgcmcinde Alt- Rohlau, Anton G ü n z l, feuerte am Sonntag aus seiner Tienslwaffe gegen die 27jährige, im gleichen Hanse wie Günzl wohnhafte Witwe Eli- äbeth Seger aus der Straße zwei Schüsse ab. Tas Projektil verletzte die Frau an der Hüfte und drang in den linken Oberarm, während sie von dem zweiten Schuß in die Brust getroffen wurde. Günzl richtete sodann die Waffe gegen ich und brachte sich einen Schuß in die rechte Schläfe bei. Die beiden Verletzten wurden ins Karlsbader Krankenhaus eingeliefcrt. Ter Zu- ’tmib Günzls ist hoffnungslos. Das Motiv der Bluttat dürste darin zu suchen sein, daß Günzl, der sich in die hübsche junge Witwe verliebt hatte, von dieser mit seinen Heiratsanträgen abgewiesen wurde.— Obcrwachmann Günzl ist verheiratet und Vater mehrerer erwachsener Kinder: er steht seit 27 Jähren im Dienste der Stadtgcmeinde und genießt den besten Ruf. Den Vater erstochen. In N k m k i c e bei Prewv(Slowakei) geriet der Bauer A. TüraS, ' reicher als großer Geizhals bekannt war, mit einem Sohne in Streit, welchem er vorwarf, ibm Kartoffeln zu stehlen. Währcitd des heftigen Streites ergriff der Sohn ein Hackmesser und verletzte mit demselben seinen Vater so schwer, daß dieser während des Transportes zum Arzte tarb. Ter Vatermörder wurde verhaftet. Ein origineller Diebstahl. In den berühmten Kathedrale von Chartres und Bourges sowie in der Stiftskirche von Fccamp sollen Teile der wundervollen Glasfcnstcr, Meisterwerke ans dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert bei Reparaturen entwendet und durch Kopien ersetzt worden seien. Es wird vermutet, daß die Originale von französischen Antiquitätenhändlern an den amerikanischen Presirkönig Hearst verkauft worden sind. Auf Veranlassung des Unterrichtsministers hat dir Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingelcitet. Schachweltmeister Aljechin in Tabor. Weltmeister Tr. Aljechin veranstaltete bei überaus zahlreichem Besuch in« Grandhotcl eine Simul- tanproduktion an 50 Brettern. Obwohl Aljechin sehr rasch spielte, konnte er doch nach sechsstündigem Kampf 47 von den 50 Partien gewinnen und drei remisieren. Drei Fischer ertrunken. Beim Bergen von Netzen im Kurischen Haff stürzte ein Fischer mit seiner Frau und seinem Bruder aus dem Kahn. Alle drei ertranken. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden. Das Fischcrrhepaar hinterläßt vier Kinder im Alter von 14 bis 19 Jahren. Auto stürzt in den Schlamm. Aus I i ä i n wird uns mitgcteilt: Heute früh stürzte infolge Schleuderns ein Viersitzcr-Äagcn aus Prag, Marke„Tatra" aus einer Höhe von etwa zwei Meter» in den sogenannten Fürstenteich, aus dem gerade Schlamin gebagger- wird. Das Auto fiel auf eine Stelle, an der der Schlamm bereits fast vollständig trocken war. Die sechs Insassen kamen mit dem bloßen Schrecken davon, der Wagen wurde nur unbedeutend beschädigt. „Sieg" über Schisss-KuliS. Auf einem briti- schen Dampfer, der aus dem Fernen Osten in San Pedro(Kalifornien) ankam, brach in der Nacht auf Sonntag ein Aufruhr aus, der jedoch nach kaun« einer halben Stunde unterdrückt war. 33 chinesische Seeleute der Besatzung des Dampfers, die höhere Löhne verlangten, unternahmen einen Angriff gegen die Kommandobrücke, aber der Kapitän und eine kleine Gruppe britischer Seeleute hielten die Aufrührer mit geladenen Revolvern in Schach. Durch herbeigceilte Polizei wurde der Zwischenfall liquidiert und die Aufrührer fcstgcnommen. Stillegung deö Hochofens Donawitz. Wie die Blätter melden, sollen der Hochofen in Donawitz mit Beginn des nächsten MonalS auSgeblasen und in« Zusammenhänge damit auch die Arbeiten am Erzbcrg eingestellt werden. Diese Maßnahme würde die Arbeitslosigkeit von rund 500 Arbeitern bedeuten. Bereits vorgestern erhielten die dort beschäftigten KricgSinvalidcn die vierwöchige Kündigung. Alle übrigen Arbeiter werden acht- tägig gekündigt werden. Flugzeug gegen Großsender. Ein polnisches Militärflugzeug geriet bei dichtem Nebel in die Antcnncnvcrspannilng des Warschauer Großsenders. Ein Flügel des Flugzeuges wurde abgerissen. Die beiden Flieger sanden den Tod. Kraftwagen gegen Fußgänger. Ein Kinobesitzer suhr in Homburg mit seinem Kraftwagen in eine Gruppe von Fußgängern. Etwa zehn Personen, darunter mehrere Kinder, wurden verletzt. Der Kinobesitzer wurde von der erregten Menge aus dem Auto geholt und schwer verprügelt. KludskyS Kassiert»—«in Jahr bedingt. Die beim Zirkus Kludsky als Kassierin angestelllc KoS- kevü hatte sich vor dem Kreisgericht in Uugarisch- Hradstch wegen Veruntreuung zu vcraniworlen. Die von ihr begangenen Defrandaiionen betrugen über 200.000 Auf Ersuchen der Zirkusdirektoren, und weil daS Gericht die Zeuge» nicht verhören konnte. d"e von Ort zn Ort wanden«, wurde der Fall KoSkovü im beschleunigten Verfahren selbständig verhandelt. Die KoSkovü hatte sich zu den Veruntreuungen bekannt. Sie wurde vom Senat d«S Kreisstrafgerichtes zu Kerker von einem Jahr bedingt verurteilt. Das Strafveriahrcn gegen die verhasteten Eheleute Albrecht, gegen M Vystavülovti und Rudolf Kludsky, einen Cousin der gegenwärtigen Direktoren, die der Mitschuld angeklagZ sind, w'rd weilergesührt. Fußgänger als Opfer eines Autozusammenstoßes. Als Montag früh auS dem Hof der Masaryk- Jubiläunisgrubc in Zbuch bei Pilsen ein mit Kohle beladenes Lastauto auf die Staatsstraße herausfuhr, stieß cS mit einem leichten Lastauto zusammen. Von den Jwässrn der beiden Wagen wurde niemand verletzt. Dagegen erlitten durch das zur Seite geschleuderte leichte Lastauto der 32jährige Arbeiter LadiSl. 8tdp»nck aus Zbuch eine«« Bruch des SchädellnoclienS uud des Brustkorbes, der Hausierer Paul Poläk aus der Slowakei«inen Bruch des linke» Beines,«in dritter Fußgänger wurde leicht verletzt. D'e beide«« Dchwernerletzlen wurden inS Pilsner Krankenhaus gebracht, wo der schwerverletzt« Stäpi'mel aus der Bewußtlosigkeit bisher nicht erwuchr ist. Kinder ohne Aussicht. In der Gemeinde Prst- Evzsebet bei Budapest lieh ein« Arbeiterin ihre beiden kleinen Kinder allein in der Wohnung zurück. Die Kinder spielten mit Zündhölzchen und a!S di« Mutter eine Stunde später zurückkehrie, stand die Wohnung bereits in Flammen. Di« Mutter stürzte sich in daS brennende Ziurmer und es gc> lang ihr, eine- der Kinder, einen dreijährigen Jungen ins Freie zu bringen, doch erlitten beide so schwere Verletzungen, daß sie beide ins Spital gebracht werden mußten. Das zweite Kind, rin zweijähriger Knabe, ist vollkommen ver b r a n n t. Wahrscheinliches Wetter heut«: Im Westen deS Staates strichweise etwas stärkere Bewölkung, sonst Andauern des im ganzen fchönen un!' relativ warmen Wetters, Südostwind. Sternschnuppen vom Flugzeug ans Im heuviacu Jahve erwarten die Astro- nmnen die Rückkehr des Kerns des matcvritischen Schwarms dar Laoariden, di« die Sonn« in drei- «mddveißig Jahren umkreisen. Auf Gründ einer internationalen Aufforderung hat sich di« Drrek- tion der staatlichem Sternwarte in Zusammenarbeit mit der meteoritischen Sektion der tschechischen Astronomischen Gesellschaft entschloßen, eine Exkursion m die Hohe Tatra zu entsenden, wo die klare Luft und die verhältnismäßig niedrige Be- wölkumg im November die.Hoffnung aufkommcn ließ, daß die Beobachtung gelingen werde. Die gesamte und allgemeine Wetterlage war aber so ungünstig, daß man im letzten Moment auf dc>« Gedanken kam, dos Flugzeug als Beobach, tungsstation über den Wölket« zu benützen. In der Zeit des«rtvorteteu Maximums, in der Nach« vom 16.---------- Webers„Freischütz" und„Oberon". Ter Mozart- Zyklus anläßlich des Jubiläums mit Ausführungen der g-moll-Symphonie nnd des Rcqu'ems waren Feiern, wie wir sie mit solcher Wärme und Erhebung selten erlebt haben. Die Fortführung dieser Linie sollt« der Wagner-JubiläumSzyklus sein, als dessen Vorbereitung„S'egfricd" anfgcführt wnrde Leider nuierbrachcn diese systemalische Entivicklung I wirtfchastliche Einschränkungen!, So ist ersichtlich, wie die In den großen Werken I sondern schon der deutschen Meister verkörperten künstlerischen wurden.’Z'.. Ideale auch den künstlerischen Bestrebungen gemein»isse In Deutschland wurde aber nicht richtig in§ waren. Durch die Anifassung des Theaters als einer Kalkül gezogen. Hoffentlich ist die eingelrcten« Justitution der Erziehung, Erbauung und des Dien- Entivicklung eine Lehre für später. stes an den Gemeinschaslsinlercsscn, war das Ische- l chische Theater am nächsten der Form des denlschcn BolksiheaterS. Nicht zufällig stehen Mozart und Smetana durch ihren Frohsinn und ihre sonnige Lcbensaussaffung einander als Meister am nächsten nnd ihnen beiden gehört Prag, das Prag Mozarts und das Prag Smetanas. Daher wäre es beim Jubilänm deS Nationaltheaters, bei der Rundschau auf di« vollbrachte Theaierarbeit, nicht ungerecht, nicht auch daran zu denken, was die Werk« dieser seutschen Meister für das Nationalthcaler bedeutet haben und was das Nationaltheatcr wieder für ihre Pflege geleistet hat. Hier, auf dem Feld« künstleri- scher Zusammenarbeit und Solidarität, erweisen sich am schönsten di« positiven Ergebnisse gegenseitigen Verständnisses und kultureller Bereicherung. * ~ Die Feiern-es Nationaltheaters wurden am Samstag mit einer Aufführung von Smeianas „L i b u S a"«ingcleitet. Am Sonntag fand«in« Fest- Seife ß „Tozialdemokrat* DkenSkag, 21. November 1983. Nr. 27!?. Warme Füsse- warmer Körper. Unsere warm gefütterten Gabardine- Überschuhe halten Ihre Füsse selbst in der grössten Kälte warm. EBREKmnaK r •//// vram Zeitung Ein Freundschaslsavend, toerauitaltet von unserer Deutschen Volks- j i n g g e in c i n d e und unserem A t u s, versam- ntelte ZamStcg Hunderte von Genossinnen und Genossen, von Freunden der Partei und der sozial!- Nischen Kulturorganisatlonen int-Heine-Saale. Die säst überraschende Größe der Besucherzahl und die freudige, gelöste Stimmung während dieser Stunden waren neuerdings bester Beweis dasür, daß solche Abende eine vordem fühlbare Lücke im Partei« genössischen Leben Prags auszufüllen berufen und imstande sind, daß solche kulturell unterbaute Massen- Geselligkeit auch und gerade bei uns möglich, erwünscht, begrüßt und pveckvoll ist. Es ist ganz erstaunlich, wie verhältnismäßig rasch und hosfnuugsvoll unser junger Gesangverein, der den größten Teil des Programms bestritt, sich entwickelt hat. Er hat kaum sein erstes Lebensjahr hinter sich und schon tritten ihnen gegeben. Gegen Mittag wiederholten sich die Szenen tn einem solchen-Ausmaß, daß daS aus der Scl-rrle heimkehrende Töchterchen der Angeklagten nicht wagte, die Wohnung zu betreten, sondern zur Nachbarin Pavlik lies, die sich aber lieber von einer solchen, nicht mehr ungetvohnten, Auseinandersetzung zwischen Diutter und Tochter sern- halten wollte. Sie konnte sich auch dann nicht zum Einschreiten entschließen, als sie den Aufschrei der Mutter vernahm: Macht die Türe auf, sonst erschlägt sie mich! Erst als eS still geworden war, getraute sie sich nach einer gerauuten Weile in die Wohnung der Angeklagten. Sie sand diese allein vor, ohne daß an ihr irgend ein Zeichen von Erregung be- merkbar gewesen wäre. Eine halbe Stunde später' machte sie dann den furchtbaren Fund im Brunnen- schacht.'Rach dem Sektionsprotokoll ist der Tod der alten Frau durch Ersticken im Wasser eingetreten, nachdem sie vorher scheuere Körperverletzungen erlitten halte. Vor dem heutigen Schwurgericht(Bors. LGR. Tr. H r a b a), bekannte sich die-Angeklagte lediglich zu einer s ch w e r c tt Rauferei mit ihrer M utter, wobei sie zngab, diese in Notwehr niedergeschlagen zu haben. Tie Muller habe sie ihrerseits in die Wade g e b i s s e n, worauf sie sie durch einen Fußtritt in den Magen bewußtlos gemacht habe. Ten Tod der Mutter im Brunnen suchte sie als Selb st mord hinzuftelleu To aber bei der Hausdurchsuchung Blutflecke an der Mauer und ein Büschel auö- gerissener grauer Haare iu dem ungeheizten Ofen festgestellt wurden, die zweifellos von der Toten stammlen, kommt die Anklage zu dem Schluß, daß die Angeklagte ihre Mutter zuerst betäubt und dann in den Brunnen geworfen habe. Die Angeklagte hat seinerzeit den Gendarmen ein volles G e st ä n d u i s abgelegt, das sie dann später wieüerrief, so daß die Richter auf Indizien angewiesen waren. Tie-Anklage beruft sich darauf, daß die Tote nach dem ersten Streit mit ihrer Tochter das H a u S verlassen wollte und auch ihre im Brunnen ausgssundene Leiche z u m AuSgang a n g e z o g e n war, was bei einem Selvstmord im Affekt nicht recht zu erklären wäre. In die Waagschale fällt, daß daS Einsamilien- h ä u s ch e n, welches die Familie der Angeklagten bewohnte, mit dem Geld der Toten erbaut worden war und diese sich geäußert hatte, sie werde ihrer Wege gehen und ihr Hauö lieber fremden Leuten überlasieu, als der eigenen Tochter. Vielleicht hat die Tote mit diesen Worten ihr Schicksal besiegelt. Tie Verhandlung dauerte bis in die späten Rachmittageftunden. Da sich der ex»ofso-Berteidiger mit Krankheit entschuldigt hatte, wurde im letzten Augenblick GR. Tr. Kitzler als Verteidiger bestellt. Tie Geschworenen hitllen sich an die belastenden Indizien und bejahten die Hauptfragen auf Mo rd und auf schwere Körperverletzung mit großer Stimntenmehrheit. Aufgrund dieses Wahrspruches fällte der Schwur- gerichtshof das Todesurteil. Tie Verurteilte bedeckte das Gesicht mit den Händen und begann zu weinen. Ter Verteidiger meldete Nichtigkeitsbeschwerde an. rb. derb gutmütigen, menschlich echten Auffassung de§ Schusterpoeten, in der musterhaften gesaugSdeklama- torischen Behandlung der Partie, in ihrer Prachtvollen stimmlichen Ausstattung. Dabei war der Künstler diesmal durch eine leichte Indisposition in der vollen Entfaltung se'ncr imponierenden stimm lickten Mittel gehemmt. Trotzdem war der Erfolg, den er davontrug, groß und echt, wie der spontane Beifall auf offener Szene der Festwiese bekundete. Ueberhaupt hatte die unter Pros. Szälls sorgfältiger und rhythmisch straffer Stabführung bewirkte Aufführung— von kleinen Unstimm gleiten abgesehen— beachtliches künstleri'ches Niveau und zeichnete sich durch begeisternden Schwung uird festliche Stimmung aus. Alle neben Prohaska mitwirkenden Solisten hatten redlichen Anteil daran: Fischer als stimmlich bedeutender und darstellerisch vornehmer Walter Stolzing. Bäudler als gallig drastischer Beckmesser, Frt. Rohne als liebliches, stimmfrisches Evchen, Fr. K i n d e r m a n n zu wenig freier! Pogner, Hagen als Kothner, Hey t e m e r als munterer Tavid, Andersen als warmhevziger(nur in der oberen Stimmlage noch zu wenig freier) Pog ne, Hagen als Kothner, H e y als-Nachtwächter ustv. Sehr schön klangen auch d'e Chöre(bis auf jene in der Prügelszene, die man eigentlich nie so hört, wie sie sein sollen in rhythmi- lchester Exaktheit), sehr brav und passioniert sp'elte das Orchester und lebensechter Bewegung voll waren die großen Bolksszenen der Johannisnacht und Festwiese. 8. 6. Wochenspielpla« des Neuen Deutschen Theaters. Tienstag, 714 Uhr:„Wem Golt ein Amt gib I." Ensemblegastspiel Max P a l l e n b e r g. (A.?(.)— Mittwoch, 71Z> Uhr:„Die fünf Frankfurter". Gastspiel'Gisela Werbezirk. kB 2.)— Donnerstag, 7>/st Uhr:„Treimäderl- h a u s".(C 1.)‘— Freitag, 7hk> Uhr:„T a s Rheingold(D 2.)— Samstag, 6t/, Uhr: „Die Walküre".(C 2.) Wocheuspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 8 Uhr:„Ten Minute alibi".— Ensemblegastspiel der Euglish Players.— Mittwoch, 8 Uhr: „The green bay tree". Gastspiel der Euglish Players.— Donnerstag, 8 Uhr:„(Ein Strich geht durchs Zimmer".— Freitag, 8 Uhr: „Dreimal Hochzeit." Gastspiel Werbezirk.— Samstag, 8 Uhr:„Dreimal Hochzeit." Gastspiel Werbezirk. Aus der Partei 2. I. I. Heute im Heim der 2er Gruppe um 8 Uhr abends: Vortrag über Balkanreise. Warschau gegen Danzig 2:0(1:0). TaL am Sonntag in Danzig anSgekrägene Städtespiel der Arbeiters» ß baller ging vor zahlreichen Zuschauern vor sich und war, trotz des Nazi-Terrors, unter dem speziell die deutsche Arbeiterschaft dort sehr zu leiden hat, eine prächtige Kundgebung für die Internationale Arbeitersportbewegung. Den Ouerfeldeinlauf der tschechischen Arbeiter- Wintersportler, welcher am-Sonntag in der Prager Umgebung durchgeführt wurde, gewann bei den Männern Stanök(Skisektion Prag des Verbandes der lschecbsscheu Arbeitertouristen), der d'e über sechs Kilometer lange Strecke in der guten Zeit von 25:20 Min. zurücklegte. Bei den Frauen siegte über 1.5 Kilometer Hoffmaimorä lDTJ. StraSnice) in i): 22 Min. Im ganzen be-.e'ligten sich an diesem Lauf 30 Männer und Frauen. Oesterretchische Arbe tersußballer iu der Schweiz. Vergangene Woche trat in Zürich eine Auswahlmannschaft der Arbeitersuschaller von Vorarlberg gegen die dortige S t ä d t e m a n n- schäft an. Ter Kamvs end.-te 1:1 unentschieden. Beide Tore fielen aus Elfmetern.