Erschrink mit Tlusnihme des Montag täg'lch früh. sr baNIo» a. vnwallua-! vrog»,IS» Iklkvd.-30703 3I3OS. Jtatbirtbati. oi> 31 u,r)i 33333 ♦ Oofl|t®»damt!37344 Freltag, 24. November 1033 Nr. 275. 13. Jahrgang. Skzelprek 70 Heller. Einschließlich fi Heller Porto) Das amtliche Ergebnis des Terror-Rekords Berlin, 83. November. DaS amtliche Ergebnis der BolkSabstimnnlng nnd der Reichstags- Wahl liegt nunmehr endgültig vor. Reichs- tagSwahl: Das endgültige Ergebnis für die ReichStagSwahl enthält 43,053.616 abgegebene Etinnnen, von denen 3,398.404 ungültig Waren. A»cf den Kreiswahlvorschlag entfielen 39,655.212 gültige Stimmen. Die Zahl der ails den Kreiswahlvorschlag gewählten Abgeordneten beträgt demnach 645. Es verblieb ein Rest bei der Teilung durch 60.000 der einzelnen Krcis- wahlvorschlage* von 955.212, so daß auf dem Rcichswahlvorschlag sechzehn Sitze entfallen. Die Gesamtzahl der Abgeordneten ist »unmehr endgültig auf 661 festgesetzt worden. B o l k S a b st i m m u n g: Für die Volksabstimmung sind 43,491.575 Stimmen abgegeben worden, wobei 757.756 als ungültig erklärt werden mußten. Als gültige Ja-Stimmen wurden festgestcllt 40,632.628; gegen den Volksentscheid 2,101.191 Wähle r. In Prozenten errechnet wurden für Ja 95.1 Prozent, für Nein 4.9 Prozent der Stimmen abgegeben. Proltsdi aus Manchen geflüchtet? Wien, 23. November. Wie die„R-ichspost" aus München meldet, ist infolge eines schweren Konfliktes mit dem N.'ichstagsabacordnetcn Habicht, der frühere nationalsozialistische Bundesrat Proksch, begleitet von dem ehemaligen obcröstcrrcichischcn Gauleiter Bote k, ouS München geflüchtet." Ihr Aufenthalt ist oerzcit noch unbekannt."Ein an der Flucht beteiligter Ehauf- feur wurde verhaftete Landhund Ittr Beendigung der Parlamentsltrise m Oesterreich Wien, 23. November. Heute fanden sich beim großdeutschen Abgeordnetenklub'Abgeordnete des Landbundes ein, und teilten ihm ihre bekannten Vorschläge betreffend di« Beendigung der Parlamentskrise und die beschleunig e Erledigung der Verfassungsrevision auf legalem Weg« mit, die sie bekanntlich in den letzten Tagen dem Regierungschef, dem Bundespräsidenten und dem christlichsozialen Klub vorgelegt hatten. Di« großdeict- schen Abgeordneten sagten eine Un crstiitzung dzr Vorschläge des LandbundcS zu. Vor den engeren Wahlen in Spanien Madrid, 23. November.(HavaS.) Ter Vorsitzende der Regierung erklärte, daß er bei den engeren Wahlen, die Sonntag in einer Woche stattfinden werden, ein geringeres Anwachsen der Rechtsparteien als bei den ersten Wahlen erwarte. Er schätzt sic aut 20 bis. 40 Mandate. Im neuen Parlament werde. das Zentrum das Urberge wicht haben und die Hauptsache werden die Radikalen bilden. Die Cortes würden einige gesetzliche UebergangSbestimmungcn mildern, aber aufrichtig republikanisch sein. Ein VlcrerpaM aal dem Dämon? Istanbul, 23. November.(Reuter.) Ter türkische Außenminister ist über Athen nach Belgrad abgereist, um den Nichtangrifss- pakt mit I u g o.s l a w i e n zu ratifizieren. Man glaubt.>edoch, daß der tatsächliche Zweck seiner Reise die Anbahnung einer Diskussion über einen. Biererpakt zwischen Griechen- land, Rumänien, Jugoslawien und der T ü r k e i ist.. Vor iranzöstsfh-engHsdiem Handelskrieg? London, 23, November.„Daily Herald" will wissen, daß der Präsident des Handelsamtes in der Zolltariffrage gestern ein Ultimatum an Frankreich gestellt, habe. Großbritannien verlange, die. Aufhebung per läprozentlgen Sonder- abfzab« und der 6prozcntigcn LandungSabgabe auf britische Waren. Wenn Frankreich sich unzugänglich zeige, werde die britische Regierung mit Bcr- gcltungsmaßnahmen in Form einer 21 prozen« tige» Abgabe auf- französische Waren antworten. i i I Ministerium dar, daß sich dieser Fürsorgezweig aufs beste entwickelt hat und daß di« ihm angrglie- dcrten 210 Hilfsstellen gute Arbeit geleistet haben. Zum" Beweis dieser Behauptung sei angeführt, daß das Teplitzer Hilfskomitee binnen einem Zeitraum von bloß 8 Monaten 4206 Rezepte, das Durer 1111, das Komitee für den Bazrk Prag-Umgebung 1100 Rezepte auSgegeben hat, woraus allein ersichtlich ist, welche rege Tätigkeit entfaltet wird. Das Für- sorgeministcriilm wird den am stärksten in Anspruch genommenen.Hilfskomitees auch materiell beispring« n. Ter Fürsorgeminister beannvortet« nun«in« ganze Reih« von auf daS Gebiet der Arbeitslosenfürsorge sowie der Sozialversicherung fallenden Fragen und reagierte dann auf gewisse Darlegungen i einest der Vorredner, der die Notwendigkeit des rasche st en Abbaues des Mieterschutzes ganz besonders unterstrich. Wieder beleuchtet« der Fürsorgeminister die soziale Seit« des Mieterschutzproblems wie. in feinem Expose, ggb«ine kurz« Darstellung der Ergebnisse" der im Jahre 1930 durchgeführten.Wohnungszählung und verwies neuerlich darauf, daß di« Verhandlungen über den Mieterschutz in einen parlamentarischen Ausschuß verlegt sind, der schon in den nächsten Tagen zur Beratung Zusammentritt. Nachdem der Fürsorgeminister auch noch über die von fast allen Rednern behandelte Regreß- srag« erschöpfenden Aufschluß gegeben hatte, faßte er feine" Schlußdarlegiiisgen dahin zusammen, daß sich daS Fürsorgeministerium der großen Schwierigkeiten, vor denen es auf Schritt und Tritt steht, voll bewußt sei, daß cs aber trotzdem auf dem Wege, den ihm die ■ Betreuung des Schicksales der wirtschaftlich schwachen I Bevölkerungsschichlen vorge^ichnct hat, fortschreitcn s werde. Ohne Arbeitszeitverkürzung kein Ausweg aus der Krise Das Schlußwort des Fürsorgeministers Prag, 23. November. In seinem gestrigen dieser Auffassung nur zuzustimmen. Seit vielen Schlußworte zur sozialpolitischen Debatte' im i Monaten war es um die Bewilligung eines aus- Budgctausschuß ging der Fürsorgeminister von I giebigcn Kredite» für die produktive Arbeiislofenfür- den in der Debatte vorgebrachlcn Bemerkungen s sorge bemüht, um den sich auf viel« Tausende betau« zum Rationalisier»ngsproblcm aus. senden Ansuchen um Gewährung von Lohnzuschüssen Nochmals setzte er die großen Gefahren der Rechnung zu tragen und wie im Vorjahr« wieder planlosen Rationalisierung für die Arbeiterschaft Zehntausrndc von^ Arbeilslo.en an di« Arbeit und den C krassen Beispiele bi« heillosen Folgen der--- ,. Fehlrationalisierung auf. Acht>mr, daß allen« Bemerkungcn b-tr« send di« Heil ü-r- in diesem Falle die erhofften Auswirkungen der bis ,s-"r Ar-beits-lo.se legt das Fursorgc- an die Grenze der technischen Vollkommenheit heran reichenden Rationalisierung d«S Betriebes anSblie- ben, kam«s schließlich infolge der durch den Ratio- nalisierungSaustvand heilreigeführten Verschuldung des Unternehmens zu seiner Einstellung, die die Entlassung vieler Hunderter von Arbeitern im Gefolge hatte. Wenn nun daS Fürsorgeministerium solchen Katastrophen Vorbeugen will und die staatliche Reglementierung der Rationalisie rung des Produktionsprozesses ver langt, dann liegt ihm nichts so fern, als auch nur der leiseste Versuch einer-Hemmung des technischen Fortschrittes, der— in den Wirtschaftsprozeß plan voll eingebaut— allen Interessenten zum Segen werden kann, der aber allen zum Verderben wird, wenn er sich von den mit ihm aus», innigste verbun denen sozialen Vorsorgen IvSlöst und eS nicht ver sucht, sie in seinen Dienst zu stellen. Hier sind wir aber schon bei der 40-Stun- - denwoche angelangt, die sich als natürliche Folge der Intensivierung des Produktions prozesses und insbesondere seiner gesteigerten Rentabilität von selbst ergibt. Ohne die 40- Stundenwoch« gibt«S angesichts der rücksichts losen Fortführung der planlos überhitzten Rationalisierung aus der Massenarbeitslosig keit keinen Ausweg und ebenso keine Möglicb- keit einer Linderung des MasienelendS der nach vielen Hunderttausenden zählenden Rationa» lisierungSopser! Wenn einer der Vorredner die Notwendigkeit der schleunigsten neuerlichen Inangriffnahme der produktiven Arbeitslose»für sorge als eine Entspannung gegenüber der Arbeitslosigkeit b»- zcichnet hat, so vermag daS Fürsorgeministerium Staat auseinander und zeigte an einem heranbringen zu können. -------- i.itr.r..--------<--1. In Anknüpfung an gewiße in dec Tebatte gr- noch MUUW Paris, 23. November. Heute wird in der Kammer der endgültige Kampf um die Finanzvorlagen und um daS Schicksal des Kabinett» Sarraut geführt werden. Der heikelste Artikel ist der Artikel 6, welcher die Herabsetzung der Gehälter der Staatsangrstellten zum Gegenstände hat. Eine große Mehrheit der Sozialisten ist entschlossen, gegen die Finanzvorlage zu stimmen. Auch die Neosozialisten sind gegen die Finanzvorlagen, dürsten sich aber der Abstimmung ent. halten. Von den übrigen Linksgruppen sind einstweilen nur 160 Radikale entschlossen, für die Regierung ihr« Stimmen abzugeben. Die Regierung hofft aber trotzdem, daß es ihr ohne Rücksicht ans die Rivalitäten der Parteien gelingen wird, eine Mehrheit zu erzielen, namentlich nach dem dringenden Appell d«S Ministerpräsidciiten, des Finanzministers und namentlich des Obmannes der radikalen Partei Herriot, welcher nach mehrmonatiger Abwesenheit in der Kammer daS Wort ergreifen wird. DI« Linkspresse glaubt, daß die Regierung ein« knappe Majorität erlangen könne, insbesondere wenn sich zahlreiche Grnpven der Abstimmung enthalten werden. Die Rechtspresse erwartet hingegen den Sturz der Regierung. Paris, 23. November. Nach ganztägiger Verhandlung vertagte sich die Kammer auf 22 Uhr und wird irt einer. Nachtsitzung definitiv iiber die Finanzvorlagen und über das Schicksal der Negierung Sarraut entscheiden. Die Regierung" hat bisher bloß die 160 Deputierten für sich, die der Klub der Radikalen zählt» der seine« Mitglieder» unter Androhung von Disziplinarstrafen aufer. legte, für die Regierung zu stimme«. Die übrigen MehrhelJ^ Gruppen werde» ihre Entscheidungen im letzien Augenblick treffen. Tie Sozialisten werden gegen die Negierung stimmen. Das Schicksal der Regierung haben wiederum die Gruppen der Mitte in der Ha»b. I» den Abendstunden ist eine Mehrheit für die Negierung nicht zu ersehen. Sozialistischer Antrag ahdelehnt Paris, 23. November. Die französische Depu-- tiertenkamnier beschloß nrit 410 gegen 138 Stiui- men, auf den sozialistischen Gegenantrag in Angelegenheit der Finanzvorlagen der Regierung nicht einzugehcn. Wcrriot gegen Herabsetzung des MlllWrlmdgets Paris, 23. November. Tie Zeitschrift ,^L«s AunaleS" bringt einen Artikel des Vorsitzenden der radikalen Partei, Deputierten-Hervlot, über dl« finanzielle und Ivirt'chaf»siche Lag« Fraick- reichs. Herriot erklärt darin, daß man zum Gleich- gewicht in der Staatswirtichast bloß durch Budget, deflativn gelangen könne. Hinsichtlich einer eventuellen.Herabsetzung der Ausgaben für die nationale Verteidigung schreibt Herriot:.„Niemand Wird behaupt«», daß neue Ersparungen im Einzelnen nicht" möglich sind,"soweit es aber daS Ganze betrifft, begreif« ich nicht, wir irgendein französischer Ministerpräsident bei der gegenwärtigen Lage Europas und der ganzen Well seine Einwilligung zu einer wesentlichen» Herabsetzung der Ausgabe» für die Armee geben lärmte. Lebt der bürgerliche Freisinn? Nach dem Zusanunenbruch der deutschen nationalistischen Politik suchen die verbliebenen deutschbürgerlichcm Parteien die Trümmer der aufgelösten Parteien aufzulescn und zur Auswar tiernng ihrer eigenen Reilzen zu vertven- dcn.'Auch die der Dcutsclzen Avbefts- irnd Wirtschaftsgemeinschaft angeschlossene Gruppe der De u t s ch d c m o k ra tis che n Freiheit s p a r t e i möchte dabei nicht ganz in di« Hinterhand geraten und gib: nun ein Lebenszeichen von sich. Es ist bezeichnend, daß sic, um ihren Wcrlxwuf in enriger- 'maßen weitere Kreise dringen zu lassen, dazu keinen anderen Weg als den eiimK Flugblattes findet, das sie als wahrscheinlich bezahlte Beilage der nickst gerade deutschdemokratisclzen Tagespresse zulegt. Diese einst im alten Oesterreich führende und dominierende Partei verfügt im ganzen S.aatc über keine einzige Zeitung mehr, die ausgesprochen den Ideen der Dcuifchdemo-kra- tischcn Freihcitsparlei dienen und ihre Kund- gebungen sreilvillig abdrucken würde. Es gibt einfach keine deutschdemokratische Presse nrehr — seit dein Tode Dr. Kafkas hat mich di« „Bohemia" aufgehört es zu sein— der politische Geist des bürgerlichen Freisinns, der an- gcststich noch in der Dcu.tschdemokra tischen Frechei'lspartei eine Heimstätte hat, sicht sich daher gezwungen, wenn er überhaupt noch zu einer größeren Oeffentlichkcit sprechen will, dies in der Form eines losen Blattes zu tun. Was in dem Flugblatt« steht, es ist in dieser Zeit, da der tollste Radikalismus sein Unwesen treibt, da von der durch die Wirtschaftskrise verwirrten Menge die seichtesten und verlogensten Schlagworte gläubig nachgebetet nnd Talun-Messiasse vergöttert tverden, nur weil sie laut nnd ungehemmt zu schreien verstehen— cs ist also in dieser Zeit, da Trugbilder zu Idolen werden, Rechtlosigkeit, Kncchtsclwft und fascistisclze Barbarei Bcsvun- derung finden, immerhin beachtenswert. Es sind di« Ideen des alten, von den„erwachen- den" Iungdeutschcn tausendemal versemtcn und verlästerten LibcraliSm»ns, die hier— vorläufig allerdings nur hier— ihre Auferstehung feiern. Derwerfurrg jeden Rassenlzas- scs, Bekenntnis zur Demokratie, Ablehnung aller Bestrebungen, die auf Einsetzung von Usurpatoren und Diktatoren hinauslausen, Freiheit der Meinungsäußerung, Ablehnung aller ncuartigcic Schlagworte wie Ständestaat und Parteimüdigkeit, mit denen die Henleins und auch andere Rattenfänger krebsen gehen. Es gibt, wie es in dem Flugblatt heißt, mcr ein Entweder-Oder: Ständestaat oder Parteienstaat:„Da wir im Ständestaat keine Bürgschaft für eine durclzgreifende Besserung der Verhältnisse sehen, so wollen wir an dem festhälten, was wir haben. Nicht die Parteien sind an dem Unglück schuld, an dem wir leiden. Neben der Weltlage, die wir nicht entscheidend beeinflussen können, sind es die Men- schen selbst, die Gerechtigkeit, Wahrheitsliebe ncrd Bienschlichleit so leichtfertig über Bord tvcrfen und nicht begreifen wollen, daß Politik die Kunst deü Möglichen bedeute:". Daneben kann sich das deutschdemokra tische Flrigblatt allerdings auch nicht verkneifen, ein wenig von „anti marxistischer" Phraseologie anzutvenden und den„zerwühlenden Klasscnkampf", den antimarxistisclze Weisheit natürlich für eine böswillige Erfindung der Sozialisten hält, zn vcrdomrern. Augenblicklich ist es. nicht gerade ein be- sorrderes Verdienst, von Demokratie zu reden und sich zu ihr zu bekennen. Das tun' jetzt alle dcutschbürgcrlichcn Parteien, mtmerhin darf man annehmen, daß es nicht di« Msicht der Tarnung ist, welche die Deutschdemokratische Partei veranlaßt, zur Zeit ihre Gcsin- nungsgrnndsätze schärfer hervorzukehren. Eine offene Frage bleibt vorlättfig freilich, ob der Schritt m die Oesjentttchkeit, den die Deutsch- Sette 2 Nr. 275 Freitag, 24. November 1083 hcmofwrttfdje Freiheitsportei mit ihrem Flug- blatte unternimmt, der Ausdruck des Willens ist, fortan nach diesen Grundsätzen zu leben und zu wirken, oder ob es ihr lediglich darum geht, bei der Aukäon nach den aufgelösten nationalen Parteien etliche Wählerstimmen und Anhänger einzufangen, wobei die schönen Grundsätze als Köder dienen. Es ist niemandes anderen Schuld als die der deutschbürger- lichen Demokraten, wenn der Verdacht auf- taticht, atich sie wollten nur einige Stimmen fangen, denn tvas an demokratischen Erkenntnissen und Enrsich.cn aus dem Werbcflugblatt spricht, es wurde bislang nur in verflucht geringem Maße von ihnen in der politischen Tätigkeit praktiziert. Schon vorher, besoitders aber zur Zeit, da die Hakenkreuzfaseistische Hochflut die deutschen Siedelungsgebiete am stärksten überschwetnntte und die Durchschnitts- büvger in Dtassen trunken vor Hitlerbegeiste- rung waren, hatte kein einziger der bürgerlichen Deutschdemokraten soviel Mttt und®e» sinnungStreue, für jene Werte einzutveten, die in dem Flrtgblaite angeführt werden und die damals von der berauschten Menge in Bausch und Bogen verdammt wurden, während sie gleichzeitig aus verstiegenen, irregeleiteten Ge- fühlSmomenten heraus falsche Götzen auf das Piedestal erhob. Dieser Hochflut des Mas- senwahnS sich entgegen zu stemmen überließen damakÄ die Deutschdemokraten allein der Sozialdemokratie. Zur Einsicht und Umkehr mühte eS darum dennoch nicht zu spät sein. Im deutschen Bürgertum ist freilich zur Zeit der politische Geist des Freisinns, der einsttnals dort führend gewesen ist, arg in Verruf. Aber nicht deshalb, weil es heute ausgeschlossen erscheint, größere Teile des Bürgertums mit demokratischen Gedankengängen zu erfüllen, sondern weil die Deutschdemokratische Freiheilspartei und alle ihre Vorgängerinnen, von denen sich die einzeliten nur deut Namen nach von einander unterschieden, es selber längst aufgegeben hoben, jene Prinzipien, die fein säuberlich in edm Flugblatte aufgezählt werden, zu betätigen und für sie auch zu kämpfen. Wer will, daß er Gefolgschaft finde, der muh selber seine Grundsätze ernst nehmen und sie »richt bloß zur gelegentlichen Anbetung für die Anhängerschaft auf den Parteialter stellen. Niemand wird verkennen, daß sich insbesondere seit dem Antvachsen der Arbeiterbewegung im politischen Denken und Fühlen des Bür- gertums weitgehende Veränderungen vollzogen haben, aber für eine ehrliche, aufrichtige, niannhaste demokratische Partei wäre selbst noch in dieser Zeit der Verwirrung aller Begriffe Ratnn im pölitisckzen Leben. Vovaussct- zung wäre allerdings nicht nur ein platonisches Bekenntnis zu all den schönen Dingen, von denen daS Flugblatt zu erzählen weiß, sondern das ernste Bestreiten, sie lebendig zu machen. Daß solche Kräfte innerhalb der Deutschdemokratischen Freiheitspav'.ei am Werke wären, ist indessen trotz ihres Werbeflugblattes nicht zu sehen und so wird sich wohl an dem Schicksale, dem sie seit Jahrzehnten anscheinend utrrettbar entgegengeht, nicht das geringste äitdern. für Erhöhung de Genosse Hackenberg über d Sozialversicherungsnovelle Genosse Hackenberg befaßte sich am Mittwoch in der sozialpolitischen Debatte im Budgetausschuß vorwiegend mit Problemen der Sozialversicherung, wobei er den Standpunkt vertrat, daß inan den alten Arbeitern es durch eine entsprechende Erhöhung ihrer Altersrente ermöglichen müsse, aus dem Produktionsprozeß auszuscheiden und so Platz für jüngere Kräfte zu schaffen. Die heutigen Renten der Sozialvevsichermig sind aber so niedrig, daß die Rentner davon nicht leben können. Sie müssen also weiterarbeiten und nehmen dadurch Jüngeren den Arbeit»- platz tvvg. Die geplante Novelle zur Sozialversicherung sieht eine Erhöhung der Altersrenten vor, die heute kaum 1200 bis 1500 Kc jährlich betragen. Für d e Erhöhung der Altersrenten einzutreten ist nicht nur Sache der Humanität, sondern«S liegt dn Interesse der ganzen Arbeiterklasse, daß durch das Ausscheiden der Rentenbezieher aus dem Arbeitsverhältnis neue Arbeitsplätze für Jüngere geschasfen werden. Eine große Gefahr für die geplante Erhöhung der Renten liegt irun darin, daß im Budget für den StaatKzuschuß zu den Renten nur 53 Millionen ein- gssetzt sind, obwohl der tatsächliche Aufwand 70 Mil» Honett betragen wird. Wenn die restlichen 17 Millionen die Sozialversicherungsanstalt aus eigenem decken sollte, dann wäre daS ganze Kompromiß bedroht, das auf der Basis beruht, daß als Kompensation für die beabsichtigten Kürzungen bei der Krankenversicherung, die zu ihrer Sanierung notwendig sind, die Altersrenten erhöht werden sollen Für diese Erhöhung sind 14 Millionen nmwendig; wenn die Sozialversicherung aber die 17 Millionen tragen soll, die der Staat bezahlen sollte, dann Ist die Rentemrhöhung in dem beabsichtigten Ausmaß nicht durchführbar. Die Novelle soll aber auch einer Gefährdung der Krankenversicherung Vorbeugen, die eimr Sanierung dringend bedarf. D'e Angriffe aus die hohen Verwaltungskosten der Kasten sind nicht begründet, ebenso sind die Daten über daS angebliche Durchschnittseinkommen der Kastenangestellten von 36.000 Ke völlig unrichtig. Einen Durchschnitt von 30.000 ldem Schritt ans die Fußspitzen. Solange man nur einem-Herrn daraus trat, war daS weiter nicht schlimm. Die konniens schon eher vertragen. Für Dienstag abend nach der Kilianiincsse war der erst« gemeinsame Unterricht festgesetzt. Franz, der an den Tanzabenden erst unt li Uhr tit der Backstube sein mußte, ging Mit Lene gemeinsam nach der Sanderstraße. „Mo, heut abend wer'» wir zum erstenmal aufeinander lvsgelaffen, Len«! Kannst denn schon was?" „Das bißle, was du weniger kannst, wie ich, daS wird nit viel antreffen, Franz. Da brauchst dich wohl»tit großtun damit." „Wolln wir erst mal sehn, wer sich tollpatschiger anstellt, du oder ich." „E bißle Angst hab ich doch, Franz. Weißt, wenn so viele Herrn da sin, die ich alle nit kenn. Am g'scheitsten is, Int tanzt bloß mit mir, bis ich die andern kenn." Kortsitzung svlgt.) 9Jt. 275 Freitag, 24. JtobentBcr 1033 Seite 8 Van der Lübbes Geheimnis: Das Wirt- MMkUMkil! Der Wahrheit naher als jemals zuvor kamen die Aussagen Lubbe» während des gestrige« ProzeßtageS.- Hätte der Vorsitzende nicht einmal die Verhandlung unterbrochen und später der LberreichSanwalt das Interesse von dem wesentlichen Punkt abgelenkt, so wär« der-estrige Tag zu einer Katastrophe der Anklage gegen Lubbe und die anderen Sngellagteu geworden. Schon der Beginn des Tages, der eine weitere Widerlegung der Aussagen des Kronzeugen Grothe brachte, war eiu Schlag gegen den Oberreichsanwalt. Als dann Lubbe durch «wen Angriss ans das Gericht überraschte und schließlich andeutete, daß nicht die Brandstiftung itlbst daS Interessant« sei, sondern„d a S, was »rum rumgeschah"» wußte der Vorsitzende keine andere Rettung, als schnell eine Pause «iozuschleben,„damit der Angeklagte sich die Sache noch einmal überlegen könne". Der Eindruck, den Lubbe nach der Pause machte, recht- nt die Ueberzengung, daß seine Wärter luterbrechuug gut auSgenützt haben. Trotzdem kam«S zum Schluß noch einmal zu einer halben Enthüllung LubbeS, di« um fo sensationeller wirkt, weil Lubbe im entscheidende« Augenblick mit den Worten„daS kann ich nicht sagen" zusammenbricht und schweigt. DaS Wolfs- Büro meldet: Leipzig, 23. November. Im NeichStagSbrandstrsterprozrß begann Donnerstag in Leipzig di« letzt« Phase. Zunächst handelt es sich allerdings darum, noch «iirig« restlich« Berliner Zeugen zu vernehmen. Diese Vernehmungen werden aber höchstens noch diese Woche in Anspruch nehmen, so daß späte- steuS Montag die Politischen Fragen behandelt Nnrden können. AlS erster Zeuge wird der Fahrstuhlführer dom Reichstag D ü st e r h ö s t vernommen. Ter Zeuge war am Brandabend zusannnen mit dem Gardcrobrndien«: Kohls in der Garderobe dos Portals ll und bat di« verschiedenen Anruse des Zeugen KohlS zum kommunistischen FrattionSzim- E» kommt bau« zu der seusattonelle« Wendung. Van der Lubbe erhebt sich plötzlich und fragt: Ich möchte wissen, wann daS Urteil gesprochen und vollstreikt wird. Vorsitzender: DaS kann ich heute noch nicht sagen. ES liegt mit an Ihnen, wen« Sie mit der Sprach« herauükommen, wer Ihre Mittäter sind. Ban der Lubbe: DaS ist doch auige« klärt. Ich hab« zu verstehen gegeben, daß i ch de« Reichstag angestellt hab«. Verteidiger Dr. S e u s f« r t fragt den Au- gellagten: Hat Ihne« niemand geholfen? Lubbe: Di« Entwicklung deS Prozesses wird zu umständlich. Ich verlang« vom Präsidenten, daß daS anders wird. B o r s i tze n d e r: Sagen Sie doch einmal, mit wem Sie den Reichstag in Brand gesteckt haben? Lubbe: Die anderen Augeklagteu bestätigen doch selbst, daß sie nichts mit dem Prozeß zu tun und den Reichstag nicht angezündet haben und nicht drin gewesen sind. Vorsitzender: Darüber aber gerade muß Beweis erhoben werden. Van der Lubbe antwortet laut und in großer Erregung, daß er mit der Entwicklung der letzten acht Monate gar nicht einverstau- d r n s e i. Das ist mein Prozeß: Borsitzender: Ich habe Ihnen schon wiederholt getagt, daß das Gericht Ihre Angabe, daß Ei« eS allein gemacht haben, nicht glauben kann. Run sagen Sie uns doch, mit wem Sie cs gemacht haben und wer Sie dabei unterstützt hat. Aus der längeren Erwiderung Lübbes überseht der Tolmctsckxr: Ich kann nur immer wieder sagen, daß ich den Reichstag ganz allein angesteckt habe. Die anderen Angeklagten stehen zwar mit in dem Prozeß, «der sie haben damit nichts zu tun. Das ist mein Prozeß. Ich bin der Angeklagte und ich will mein ist die Veränderung, die mit Lubbe vorgeht, so aussallend, daß sogar daS amtliche Wolss-Büro zugeben mutz, daß Lubbe wieder nur zögernd, undeutlich und zurückhaltend auSsaat und sich «u kurze bejahend« Antworten beschränkt. Jetzt sind sein« Aussagen«ine Wiederholung seiner bekannten Behauptungen, daß er den Brand allein gelegt habe und mit niemand über seinen Plan gesprochen habe. Erst als ihn der Vorsitzende an die Aussagen der Sachverständigen erinnert, läßt er sich unerwartet zu der Erklärung hinreißen, daß er nur die Gardine, aber nicht die andern Gegenstände in Braud gesteckt »rer beobachtet. Düsterhöst kann nicht genau sagen, wie oft KohlS zu telephonieren versuchte. Er weiß nur, daß es nnhrmals war, und daß dann, während Kohls den Hörer noch in der Hand hatte, von oben aus dem Nobenapparat angerusen wurde, daß die Garderobe des Abgeordneten To r g- l« r heraufgebracht werden sollt«. von widerlegt Grothe WS Zeuge wird dann der Bügler Otto Barz vernommen, in dessrn Wohnung die kmumunistische Konferenz stattgefunden haben soll, von der der Zeug« Groth« in seiner AuSfag« berichtet hat. B a r z erklärt, er sei nicht K o m m u u i st, aber von 1!>Sl) bis November 1882 Mitglied der Roten Hilf« gewesen. Er kenn« weder Siuger noch Krmpuer, aber Grothe sei ihm belauut als Mitglied der Roten Hilfe. Vorsitzender: Groth« hat gesagt, in Ihrer Wohnung hab« im Frühjahr 1833 eine Sitzung stattgesuuden, an der Singer und andere Kommunisten teilgenommeu haben. Zeug«: DaS kann nicht stimmen. Ich diu am IS. April t»S Krankenhaus gekommen»ud habe drei Wochen vorher zu Hause fast immer im Bett gelegen. Trotz nmsa»gleicher Befragung und zahlreicher Vorhalte bleibt der Zeuge vapz dabei, daß i« seiner Wohnung kein« Koaserenz stattgesunden hab«. Er sei mit Grothe nicht verfeindet, und könne nicht verstehen, daß Grothe solche Angaben gemacht Hal. Der Angeklagte gibt fetzt nur zögernd und kurz bejahende Antworten auf die Fragen. Trotz der Aufforderung, sich zusammenhängend zu äußern, beschränkt er sich aus kurze Antworten aus die Vorhalte. DaS ändert sich erst, als der Vorsitzende ihn fragt, ob di« Neuköllner, mit denen er mehrere Tage verkehrte, Ko m m u n i st« n gewesen sein. Lubbe sagt darauf erregt: DaS kann ich doch nicht sagen, ob eS Komnmnisten waren. Vorsitzender: Haden Sie dann nicht mit den Leuten darüber gesprochen? Haben Sie nicht gefragt, ob sic Kommunisten stich? Ban der Lubbe: Man fragt so etwas nicht. Vorsitzender: Wenn Sie jetzt sagen, Sie wüßten nicht, ob es Kommunisten waren, fo glauben wir Ihnen nicht. Ban der Lubbe: Ich antworte auf die Fragen das, was ich weih. Dorsitzeicher: Wann heckun Sic die Absicht gefaßt, den Reichstag anzustecken? Dan der Lubbe: In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend. Ich kann mich daran erinnern, daß ich am Sonn>rbend morgens den Entschluß gefaßt hab«. Darüber habe ich aber mit keinem gesprochen. Borsitzender: Warum nicht? Dan der Lubbe: Weil ich das als meine eigen« An- geloganhert anfche. Ich habe das doch alles schon angeführt. Wenn es so wichtig erscheint, dann kann ich es ja wiederholen. Der Vorsitzende fragt weiter, warum Ban der Lubbe nach Deutschland gckomnten sei. Er erwidert darauf, wegen der neuen Berichte aus Deutschland, verneint aber, daß er damit die Regierung meiiue. Lübbes alte Leier Lubbe: Die Brandstiftungen waren mein eigener Entschluß. Auf weiter« Fragen erklärt Lubbe, als er den Entschluß faßte, das Wohlfahrtsamt, das Schloß usw. in Brand zu setzen, habe er an den Reichstag noch nicht gedacht. Dieser Entschluß sei ihm erst am Montag nwrgenS gekommen. Auch in Hennigsdorf habe er daran noch nicht gedacht. Vorsitzender: Das ist sehr unwahrscheinlich und ich glaub« Ihnen daS nicht. Lubbr: Aus dem Dege von Hennigsdorf nach Berlin kam mir morganS der Gedanke,«in Gebäude anzu- slacken und in der Müllerstraß« habe ich dann, nachdem ich überlegt hatte, welches Gebäude in Frag: kommt, mich entschlossen, den Reichstag anzuzünden. Vorsitzender: DaS wird Ihnen eklncr glauben I« übrigen habe« die Gelehrten sestgestellt und auch der gesund« Meufchenverstand sagt eS, daß sie den Reichstagsbrand nicht allem gemacht haben können, van der Lubbe: Ich hab« den Lraud angelegt und der Brand hat sich selber anSgebreitet. Vorsitzender: Und wer hat daS ander« gemacht, die Vorbereitungen? Ban der Lubbe: Weiter keiner. Lubbe schildert nochmals kurz di« Brandlegung im Reichstag und behauptet, im Plenarsaal habe er zuerst die Gardine angesteckt. Vorsitzender: DaS stimmt aller nicht, denn die Sachverständigen sagen, die Gardine brennt gar nicht, oder doch sehr schwer. Lubbe: Sie hat aber doch gebrannt. In der entscheidenden Sehende: „Das Kann Ich nicht sagen.. Vorsitzender: Wir glauben Ihnen das nicht, weil datz Feuer, da» nachher gesehen worden ist, ganz anders auSsah, als daß Sie es nach der Art Saarbrücken.(Eigenbericht.) Auf dem sonntägigen außerordentlichen Parteitag der Saarländischen Sozialdeinokratie, verbunden mit dem ersten sozialistischen Freiheitstag, hat der Führer der Freiheitsfront des Saargebietes Max Braun im Einverständnis mit dem Vorstand der deutschen Sozialdemokratie in Prag und deni Generalsekretanat der Sozialistischen Arbeiter-Internationale in Zürich die Sozialdemokratische Landes Partei des Saargebietes ausgerusen, die Mitglied der Internationale mit eigener Vertrettutg werden wird. Zu diesem Akt und zur Teilnahme am ersten sozialistischen Frcihcilstag des Saar- gebieteS waren außer dem Vorsitzenden der deutschen Sozialdemokratie Otto Wels die Vertreter verschiedener Ländersektionen der Internationale erschienen, während ander«, die an der Teilnahme verhindert waren, der saarländischen Sozialdemokratie zu ihrein FreiheitSkaniPs ihre kameradschaftlichen Grüße_ mit dem Versprechen ihrer solidarischen Hilfe übersandt hatten. Don der französischen sozialistischen Partei lvaren anwesend G r u m b a ch(Paris) und der Führer der elsässischen Sozialdemokratie Chefredakteur Wagner(Mühlhausen), di« belgische Arbeiterpartei hatte den Senator W a u t e r s und deit Außenpolitiker des„Peuple" Sachse entsandt. Die luxemburgische Sozialdcnwkratie war durch den Direktor des„Escher Tageblatts" Clement und den Advokaten Dr. Blum vertreten. Die englische Labour Party, die schweizer Partei und die tschrchoslotvakischen beiden Lruderparteien Hutten dem außerorderrt- Jhrer Schilderung angesteckt habe« könnten. ES »vor auf dem Präsidium«ine lang« Flamme und auf den Stühlen Ware« einzeln« Flammen ohne Zusammenhang miteinander. Wollen Sie behattpten, daß Sie aus jedem einzelnen Sitz die Flammen angesteckt haben? Lubbe: Ich stabe nicht behauptet, vast ich das gemacht stabe. Vorsitzender: Wer hat es denn gemacht? Lubbe: Ich stabe nur gesagt, vast ich ve« Vorhang angesteckt stabe. Vorsitzender: Wer hat daS andere gentacht? Lubbe: Das kann ich nicht fugen, vast sollen... Vorsitzender: Was wollt«« Sie weiter sagen? Ban der Lubbe schweigt. * Oberrelchsanwalt lenht ab Sie hoben haute wieder dasselbe gesagt wie srüher. Ztvci Punkte können wir Ihnen aber nicht glauben. 1. glauben wir nicht, daß Si« erst ont Montag morgen den Entschluß gefaßt haben, den Reichstag anzustecken; 2. können wir Ihnen nicht glauben, daß Sie daS allein gemacht haben. Wenn Sie nicht dazu beitragen, daß hier auf den Grund gesehen wird, dann muß ich das Bewahren noch länger hinzichen. OberreichSanwatt: Hat der Angeklagte flüssige Drandmittet gehabt? Da« der Lubbe: Ich h<ü>e als Brandmaterial nur die Kohlenanzünder gehabt. Ich hab« auch nichts auf die Kohlenanzünder ausgeschüttet, sondern ich habe sie mit Streichhölzern angesteckt. Der Oberreichsanwalt fragt, ob er sich mit Absicht im Reichstag« habe sestnehmen las- s e n ober wie er sich das Entkommen aus dein Reich«lag gedacht habe. Lubbe erwidert, er habe abge wartet, bis di« Sach« zn end« war. ObcrreichSanwalt: Sie haben srüher gesagt, daß Si« gar nicht flüchten wollten. Lubbe gibt das zu. Vorsitzender: Hat Ihnen jemand gesagt, daß Sie sich sestnehmen lassen sollten^ Lubbe: Ich habe mit niemandem darüber gesprochen. Woin-SQro wird einsilbig Wortentzug rar Dimitrow — warum? Bisher hat der amtlich« Bericht di« Verhandlung recht ausführlich wiedergegebeu, jetzt wird er lakonisch und vermeidet«s, dir Fragen Dimitrow» anzuführen. Der Angeklagte Dimitrow meldet sich zur Fragestellung. Trotz der Ermahnung des Vorsitzenden, sich auf Fragen zu beschränken, gleitet Dimitrow wieder aal politische- Gebiet, so daß sich der Borsitzende schließlich gezwungen sieht, Dimitrow daS Mort zu entziehen.. Aus weitere Fragen de» Vorsitzenden bestätigt Lubbe, daß er zuletzt bei der Brandlegung Stimmen gehört und gerade deswegen noch schnell im Umgang Feuer angelegt hab«. Er hab« eben so viel wie möglich Brandstellen anlegen wollen, ch« er gefaßt wurde. ES sei nichts vorher im Plenarsaal gewesen. Er habe den Plenarsaal selbst angesteckt. Dimitrow: Ich glaube, daß Ban der Lubbe persönlich der Uebevzeugung gewesen ist, daß er es allein war. Vielleicht hat er aber mit jemandem vorher darüber gesprochen und ist ein mißbrauchtes Werkzeug geworden. Lubbe verneint dies. Nach weiteren Fragen—(wessen Fragen, intb welchen Fragen?)— wich di« Verhandlung auf Freitag vertagt. liche» Parteitag, verbunden mit dem ersten Sozialistischen Freiheitstag, ihre Glückwünsckje und das Gelöbnis steter Hilfsbereitschaft übrr- sandt. Die demonstrative Kundaebung nahm einen glänzenden Verlauf. Der Delegierten sowohl wie der Gäste wie der übrigen Besucher bemächtigte sich eine steigende Ergriffenheit nnd tvachscndc Begeisterung. Die oratorisch wie inhaltlich gleich ausgezeichneten Attsprack)cit der ausländischen Vertreter an den Parteitag, die flammenden Rcserale von Georg Decker nnd Max Brau n, der seiner Rede die PerikleS-Wort« „Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut" voran« stellte, der Treu schwur der Jugend uud des Schutzbundes auf die Partei, auf di« Frriheits- front und den Fiihrcr rind endlich der feierliche symbolische Akt der Auflegung d«S Freiheitsbuches der Saar, in das sich zunächst der Vorstand der Partei und davanschlicßcned die gesamten Teilnehmer emtrugen und in dem an diesem Morgen in einer halben Stunde der Einzeichnung bereits über 5000 Franken freiwilliger Spenden niedergelegt wurden, wickelten ein Programm ab, das allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Storker denn je hat sich an diesem ersten Sozialistischen FreiheitStag der Saar der s i e g- entschlossene Kampfwill« der saarländischen Freiheitskämpfer manifestiert— stärker aber auch denn je di« internationale Solidarität des Sozialismus und der europäische Charakter des Saarproblems seit der Errichtung der Hitlerdospatre iu Deutschland! „Ich will mein Urteil haben!* „Die andern Angeklagten haben mit dem Brand nichts zu tun!" Rloräi der E&rause Urteil habe», damit ich 20 Jahre Grsöagni» bekomme oder dem Tod oder ich will jedenfalls, daß «twaS geschieht. Die ganz« Entwicklung ist so ge- wordeu, weil«au iu den Reichstagsbrand den Symbolismus hioeingcbracht hat. OberreichSauwolt: Was meint der Auglklagte mit dem Wort Symbolismus? Dr. S«usf«rt: Er wendet sich dagegen, daß der Reichstagsbrand die Bedeutung«tue» Symbol», eines Fanal»,.habe» fall. Da» der Lubbe: Was ist denn da» für ein« Tat, diese RrichStagSürandstistung? Da» ist eine Tat von 10 Miauten oder höchsten» einer Viertelstunde gewesen. Da» hab« ich ganz allein gemacht. Borsitzenver:.Haden Sie denn die Aussagen der Sachverständigen verstanden, di« das für unmöglich erklärten? Ban der Lubbe: Ja. Die sagen immer, es sei ausgeschlossen, daß eine Person das gemach! hat. Tas ist der persönlich« Glaub« der Sachverständigen. Ich habe es aber doch allein gemacht. Ich habe mit meiner Jacke allein den Plenarsaal angesteckt. Lubbe spricht auch weitevhin fließend und laßt den Dolmetscher kaum zum Wort kommen. Er spricht teilweise erregt und laut und begleitet sein« Ausführungen mit lebhaften Handbcwegungcn. lubbe: Der Drand Ist gar nicht Kompliziert aber... Dimitrow, zu Lubbe gewendet: Stach meiner Meinung hat der Präsident recht, wenn er es als unglaubhaft bezeichnet, daß nur eine Person diesen komplizierten Brand angelegt hat. Lubbe wendet sich zu Dimitrow mtt dem Einwurf: Der Brand ist gar nicht kompliziert. Er ist ganz einfach zu erklären. Aber waS drum rum geschieht ist etwas anderes gewesen. Die Brandstiftung selbst ist sehr einfach. Der Borsitzend« legt«ine Pause ein itnb ersucht den Angeklagten, sich die Sache noch einmal zu überlegen. habe. Doch als da»« die Frage kommt, wer di« andern Brandherde gelegt hat, schweigt er und der Oberreichsanwalt beeilt sich, von etwa» anderem zu sprechen. Der Borsitzcnd« läßt Lubbe vor den Richter- lisch treten und erklärt, daß er ihn jetzt nochnmli gründlichst über di« Dorgänge vor dem RciKs- tagsbrand vernehmen wolle. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten in derselben Weife wie in den ersten Bechandlungstagen aus den verschiedenen Protokollen di« Aussagen LubbeS über seine Ge- Ipräche mit den Neuköllner Kommunisten und die darauf folgenden Ding« vor, SozialdcmoKratlsdie landcspartel des Saargebletes- Mitglied der SAL „Das Geheimnis der Freiheit Ist der Mut!“ Seite 4 Freitag, 24. November 198b Nr. 275 Sogar die„Bohcmia" anerkennt die Arbeit des Fvrforgeministers Wie sehr sich Genosse Dr. Czcch durch seine im Interesse der wirtschaftlich Schwächsten geleistete hingebungsvolle Arbeit Anerkennung weit ü ber die sozial st ischen Kreise hinaus erringt, dafür ist charakteristisch die Stimme der„Bohemia", der doch niemand Sozialistensrenndlichkeit Vorwersen kann und die in ihrem Leitaussatz vom Donnerstag schreibt: „Ist es dem Fürsorgeministerium mit seinen geringen Mitteln auch nicht gelungen, die Not rn jeder Form zu bannen, so muß doch anerkannt werden, daß dieses schwierige und überaus undankbare Ressort alles Menschenmögliche geleistet hat. Niemand kann behaupten, daß hier öffentliche Gelder verschleudert worden wären. Wohl hat die Presse der tschechischen Agrarier »einige Fälle von unberechtigtem Bezug der Ar- beitslosenunterstütznng veröffentlicht, und es mag sich auch sonst noch einer oder der andere Fall dieser Art ereignet haben. Aber was bedeuten diese Einzelfälle bei der Armee von 600.000 Arbeitslosen? Eine Kontrolle, die jeden einzelnen Fall von Mißbrauch aufspüren wollte, müßte mit den dainit verbundenen Kosten Tausenden von Bedürftigen die karge Unterstützung rauben. Indem wir diese Feststellungen machen und mit dem Wunsche verbinden, daß die soziale Fürsorge nie zum Stiefkind der staatlichen Finanzwirtschaft herabsinken nröge, müssen wir den Ausführungen des Ministers beipflichten, die dieser an den Schluß seines Exposes gesetzt hat."(Es wird nun der Schluß der Rede des Ministers zitiert, in welchem er darlegt, daß Sozialpolitik Gesundung des Volkskörpers bedeutet.) Wahlniederlage des D. H. B. in B-Bud- weis. Bei der am 10. November stattgefundenen Gehilfenwahl beim Handelsgremium in B.» Budweis erlitt der D. H. B., der den Wahlkampf im Geiste des„Dritten Reiches" führte, eine schwere Niederlage. Während die Liste 1, geführt vom Einhcitsverband der P r i v a t a n g e st e l l t e n, auf sich 498 Stimmen vereinigte, erzielte die D. H. B.-Liste 2 nur I 9 Stimmen gegen 80 Stimmen bei der letzten Wahl. Damit gingen dem D. H. B. die bisher innegehabten zwei Mandate verloren. Fn allen Bcvölkerungsschichten, nicht zuletzt in Angestelltenkreisen herrscht lebhafte Befriedigung darüber, daß die Hakenkreuzler ans dem Gehilsenaüsschuß hinausgewählt wurden. Es ist zu hoffen, daß auch anderenorts die Handelsangestellten bei den künftigen GehilsenauSschuß- wahlen alles daransetzen werden, den D. H. B. dorthin zu weisen, wohin er gehört. Fortsetzung der Abrüstungs- Verhandlungen an der italienischen Riviera Paris, 23. November. Außenminister Paül- Boncour ist heilte früh hieher znrückgckchrt. Die Pariser Blätter billigen es, daß der Ausschuß der allgemeinen Abrüstungskonferenz in seiner gestrigen Sitzung das Prinzip des weiteren Andanerns der Konferenz ausgesprochen und die technischen Ausschüsse damit betraut hat, ihre Arbeiten fort- znsetzen. Tie Regelung der Schwierigkeiten politischen EliarakterS wird auf dem üblichen diplomatischen Wege, und nicht durch irgendeine rivalisierende neue Konferenz, wie„Petit Parisien" schreibt, gesucht werden. Tas Blatt fügt hinzu, selbst wenn die Staatsmänner später dazu gebracht würden, anderswo zu konferieren, werden die Einladungen zu einer derartigen Beratung nicht bloß aus die Signatare des Viererpaktes beschränkt tverden, sondern es werden hiebei sämtliche interessierten Staaten ihr Wort zur Geltung bringen können. Bor den Schlußverhand- lungen werde man aber wieder nach Genf zurückkehren müssen. Außenminister D>r. DeneS von Gen! abgereist Gens, 23. November. Außenminister Doktor Benes ist Heu e um sechs Uhr abends von Genf nach Prag abgeveist. Bor seiner Abreise hatte Tr. Venen eine längere Unterredung mit dem Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz Henderson im Hotel„Te la Pa ix". Außerdem empfing T-r. Bellen hellte ztveimal den Botschafter der Vereinigten Staaten Wition. Gestern abends besuche den tschnhoslowaki'chen Außenminister der russische Botschafter in Paris Dowgalewski. ISO Hllltonenanleihe der Schweiz Bern, 23. November. Die schweizerische Regierung hat beschlossen, eine Anleihe im Betrage von 180 Millionen Schweizer Franken aufzunehmen, die durch Koitversion der im Fahre 1924 getätigten und im April 1934 fälligen Anleihe Zustandekommen wird. Die neue Anleihe wird mit 4 Prozent verzinslich sein. Der Um- lausch der Dollarobligationen für neue Obligationen in Schweizer Franken wird aus Goldbasis »uni Kurs von 5 Franken 12 Centimes pro Dollar durchgeführt werden. Ter Emissionskurs der Neuen Anleihe wird 99.75 Prozent betragen. Die Amortisierung der Anleihe wird am 15. Dezember 1948 beginnen und am 15. Dezember 1953 Alden. T agesneuigkeiten Sie Kataltrovlie des russischen Riesenflugzeuges. Pari«, 23. November. Die Blatter befassen sich mit offensichtlicher Teilnahme mit der Katastrophe, von welcher gestern das Sowjetslugwesen betroffen wurde nnd bei welchem 13 Personen darunter auch der hervorragende Sowjetflieger Micheal S n e g i r o w, ums Leben kamen. Da« Flugzeug, welche« bei dem Sturze zertrümmert wurde, war der Stolz de« Sowjetflugwesens. Obwohl e« erst vor kurzem fertig gestellt worden war, hatte e« bereits 20 Probeslüge erfolgreich bestanden. ES war ganz an« Metall heraestelll. 128 Passagiere konnten in 18 Kabinen mit je vier Schlafstätten untergebracht werden. Unter de» umS Leben Gekommenen be» finden sich auch einige Ingenieur«, welche an dem Bau des Flugzeuges beteiligt waren. Vierfacher Räuber hingerichlet. Paris, 23. November. In Bordeaux wurde heute früh ein 32jähriger Mann, der im Feber feine Mutter, feine Frau und feine zwei Kinder ermordet hatte, durch die Guillotine hingerichtet. ES ist dies im Laufe des November die dritte Hinrichtung in Frankreich. 400.000 Sterilisationen. Berlin, 23. November. fInpreß.) Das Nazigesetz über die Sterilisation Minderwertiger soll am 1. Jänner 1934 in Kraft treten. Man rechnet damit, daß etwa 400.000 Deutsche in den nächste« zwei Jahre» sterilisiert werden. In er, ster Linie sollen die rund 100.000 Epileptiker, di« Deutschland zählt, von der Maßnahme ersaßt werden. Biel wichtiger ist, daß bei den weiteren 300.000 Menschen den Nazi« die Bestimmung überlassen bleibt, wer„minderwer. iig" ist. Di« Durchführung deS neuen Gesetze« wird einen Kostenauswand von etwa 10 Millionen Reichsmark erfordern. Bis zum Wahnfinn gefoltert. Dem Wiener„Morgen" ist e« gelungen, Nachrichten aus dem Polizeigefängni« bei der Frauenkirche in M ü n ch« n zu erlangen, die wieder einmal den ganzen Schrecken der deutschen Gefängnisse ossenbaren. „Alle Gefangenen", schreibt der „Morgen",„weisen zum Teil entsetzlich« Verletzungen auf, di« ihnen durch Prügeleien der SA zugefügt worden sind... Am ärgsten sind wohl die Verletzungen, di« der Ber- lagSbuchhändler H r u tz I h aus Innsbruck davongetragen hat. Der Mann» der ein i n d u st r i e l» leS Handbuch vertreibt, war mit seinem Sohu nach München gekommen. Dort wurde er aus der Straß« als angeblicher Freund de« Sicherheitsdirektors von Tirol, Dr. S t e i d l«, erkannt und, obwohl er Steidl« nur flüchtig kennt, von der österreichischen SA in da« Standquartier dieser Truppen, dem„Hotel Römischer Kaiser" gebracht. Im Hotel mußte sich Hrutzkh auSziehen und wurde von den SA-Leuten mit Gummiknüppeln verprügelt. Man schlug ihn besonder« aus di« Handrücken und auf den Kopf, so daß er schwere Schwellungen und assen«, blutende Wunden davontrug... Ein grauenhafte« Bild deS Jammer« bietet«iu Tiroler, der schon seit dem 19. März in Einzelhaft im PolizeigesangenenhauS gehalten wird. Der Mann ist von den a u«- gestandenen Qualen wahnsinnig geworden. Mit stierem Blick schaut er aus die Wand«, struvpig wachsen ihm Bart und Kopfhaare... Obwohl man«S fetzt mit einem offensichtlich Geisteskranken zu tun hat. wird der Unglücklich« nicht aus der Haft entlassen... Dies« SA-Männer kennen in ihrer Grausamkeit kein« Grenzen..." ArliulenkaffeN'Aerzle und Arier! Berlin, 23. November. Eine soeben erlassene Verordnung des ReichsarbeitSministers über die Zuilaslir-ng von Aerzten, Zahnärzten und Zahn- technikern zur Tätigkeit bei den Krankemassen trifft neue, für Krankenkassen und Aerzte bedeut- sanre Bestimmungen, Hernach tverden bis auf weiteres in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern Aerzte nichtarischer Abftam- nrung sowie Aerzte, deren Ehegatten nichtarilcher Abstammung sind, zur Tätigkeit bei den Krankenkassen nicht zugelassen. Gröbere Strenge negen leichtsinnige Chauffeure! Das Landesamt in Prag teilt mit: In der letzten Zeit wurden zahlreiche Verkehrsunsäile dadurch hervorgevusen, daß einige Chauffeure in leichtsinniger Weise die Vorschriften mißachten nnd daß Motorfahrzeuge, besonders schwer». Automobile, in rücksichtsloser Weise außerhalb geschlossener Siedlingen die Lenker entgegenkommender Fahrzeuge blenden, beztv. mit voller Beleuchtung die Lenker der vor ihnen fahrenden Fahrzeuge belästigen. Auch die ungenügende Beleuchtung von Fahrrädern ist oft die Ursache von Unfällen und bedroht besonders die Sicherheit auf den Landstraßen. Den ansführenden Organen des Sicherheitsdienstes und den Behörden, die in erster Instanz die diesbezügliche strafrechtliche Verwaltungs- Vollmacht durchführen, haben die Anweisung erhalten, solche Uebertretungen strenge zu verfolgen. Ein Wochenbericht. A,l t o n a, 10.11. Die Staatspolizei verhaftet ein« große Anzahl Personen, d-i« sich in ntarxistischem Sinne betätigten. Rahlstedt bei Hainburg, 11. 11. Hier tnnrden die Wahlplakate mit hitlerfeindlichen Parolen beklebt. Eine Anzahl Verdächtiger wurde verhaftet. Flensburg, 11. 11. Der Arbeiter Konrad wurde beim Flugblattverteilen„auf der Flucht erschossen". Königsberg, 12. 11. Die Staatspolizei beschlog- nahnite eine Sendeanlage des Reichsbanners. L n b e ck, 12. 11. Die Todestrrteile gegen die Reichsbannerleute Fick und Kähding wurden rechtskräftig. Kähding hat sich erhängt. Göttingen, 13. 11. In der Nachbargemeinde Bischhausen wurden zahlreiche WohlfahrtSer- werbslose verhaftet, weil sie schlechte Rodungsarbeiten verrichtet haben sollen. Hameln, 14. 11. Hier wurden neun Arbeiter tvegen marxistischer Betätigung festgenmnmen und teils dein Untersuchungsrichter, teils dem Kon- zemrationslager zugeführt. Wesselburen. Am Sonntag haben in einer Gastwirtschaft sieben Gäste und der Wirt Klassenkanipflieder gesutrgen. Sie wurden verhaftet. Heide. Zwei Einwohner machten vor einer Gastwirt- schaft abfällige Bemerkungen über die Führer des deutschen Volkes. Sie wurden festgenom- men. Breitenberg, Kreis Äeinburg, 15. 11. Der frühere Gemeindevorsteher Rover tvurde wegen Verächtlichmachung der nationalsozialistischen Bewegung in das Kmizentro- tionslager Glückstadt gebracht. Bremen. Fünf Arbeiter erhielten fünf bis neun Monate Gefängnis, weil sie Flugblätter an SA-Leute verteilt hatten.' R ü h l e.(Weser.) Der Zimmermann Erich Hahlbrock hat auf die SA ge« chimpst. Er erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Langelsheim.(Harz.) 16. 11. Der Hüttenarbeiter Schalles wurde wegen Vergehens gegen das Spvengstoffgesetz zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Seesen. Ter Dachdecker Liebschwager hatte Sprengkapseln in seinem Besitz und lieferte sie noch dem Hit« lersieg an die Behörden ab. Er wurde zu«irrem Jahr Zuchthaus verurteilt. Lübeck, 17. 11. Der Reichsbannermann Lühr war 1931 an einem politischen Raufhandel beteiligt, bei dem ein SA-Mann umS Leben kam. Er erhielt zehn Jahre Zuchchaus. Braun- ch w c ig. Der Lehrer Adolf Seiger hatte mehrere Hefte in seinem Besitz, in denen„Fragen des sozialistischen Aufbaues der Sowjetunion" behandelt wurden. Das Oberlandes- gericht verurteilt ihn zu zwei Jahren Gefängnis. Ernst Toller und Lion Feuchtwanger— Ehrenmitglieder des englischen PenklubS. Der englische Penklub hat demonstrativ zwei von Hitler-Deutschland geächtete Schriftsteller zu Ehrenmitgliedern ernannt: Ernst Toller und Lion Feuchtwanger. Tas Präsidium des Londoner Penklubs hat den beiden Schriftstellent die Ehremtrkunden übersandt, um gegen di« Berfol- gung der deutschen Schriftsteller zu protestieren. Diese Geste ehrt den englischen Penklub, wie es die deutschen Schriftsteller geehrt hat, von den Liternturlakaien des Dritten Reiches geächtet zu werden. Schachweltmeister Aljechin spielt« am 22. November abends in Rakovnik gegen 49 Gegner simultan. Er verlor drei Partien(die Sieger sind Mizera, Tolar und Dokoupils. Sechs Partien endeten retnis. Die Zahl der Zuschauer >var sehr groß. Sensation der französischen Siaatülotterie. DaS Interesse des größten Teiles der französischen Oeffentlichkeit und der Poesie ist aus die Millionengewinner der Staatslotterie konzentriert. Don den neuen 15 Millionären ist einer ein Träger in der Zentralmarkthall« von Paris, ein anderer Gewinner ist«in M a r i n e u n t c r o f f i z i e r beim U-Boot-Dienst. Seinen Gewinn erfuhr er durch den Rundfunk, als er sich auf der Reise im U- Boote nach Korsika befand. Er wollte sofort nach Toulon zurückkehren. Für die Lose der dritten Tranche zeigt sich in den breiten Schichten ein derartiges Interesse, daß sie im privaten Kettenhandel bis um 50 Prozent ihres 100-Franrwertes überzahlt werden. Eisenbahnerstreik in USA. Bier gewerkschaftlich« Organisationen von Angestellten der südlichen Pazisikbahn in den Staaten Texas und Louisiana erklärten, daß 3000 den genannten Organisationen angehörende Eisenbahner am Samstag den Streik proklami«. ren werden. Ein glücklicher und«in tödlicher Fallschirmabsprung. Ein dänisches Marineflugzeug wurde auf dem Fluge von Skagen nach Kopenhagen in der Nähe von Göteborg infolge Benzinmangels von seinen beiden Insassen durch Fallschirmabsprung verlassen. Der Pilot kam unversehrt auf dem Boden an; der Mechaniker, dessen Fallschirm sich an der abstürzeuden Maschine verfing, kam n m S Leben. Di« Maschine wurde zertrümmert. Arbeitslosenlager durch Waldbrand bedroht. Zahlreiche Wald- und Gestrüppbrände in der illähe von Los Angeles bädi'ohen mehrere Siedlungen. Besonders hegt man Befürchtungen für das Schicksal von 190 Arbeitslosen, die an den Brandstellen ei» Lager aufgeschlagen hatten. Bis- I h«r konnten sich erst 20 Bewohner dieses Lagers I m Sicherheit bringen. Schweres Unglück bei Besichtigung eines I Heilquelle. In Karlsbad stürzte gestern nach, mittags bei der Besichtigung der Quellenfassung einer Heilquelle in Konstantinsbad ein Gerüst ein. Durch einen herabstürzenden schweren Bal- ken erlitten der staatliche Quelleninspektor Oberrat Ing. Päckert aus Karlsbad und Vorstand des Karlsbader Quellenamtes Universitätsdozent Prof. Kampe Knochenbrüche und eine leichte Ge. Hirnerschütterung. Leichte Verletzungen erlitt auch Ing. Patzelt. Die Verletzten wurden teils noch Karlsbad, teils nach Marienbad in Spitalspflege gebracht. Dergiftung«ine« jungen Menschen. Karlsbad, 23. November. In Petschau wurde ein zwanzigjähriger junger Mann in schwerkrankem Zustande auf der Straße aufgefunden. Nach der Einlieferung in das Karlsbader Krankenhaus ist derselbe gestorben. Wie festgestellt wurde, handelt eS sich um den körperlich beschädigten Sohn eines Karlsbader Hoteliers. Da es sich nach der ärztlichen Untersuchung um eine Vergiftung handelte, ist noch aufzuklaren, ob es sich um einen unglückllchen Zufall, ein Verbrechen oder vielleicht einen Selbstmord hatchelt. Angestellte tot ausgefunden. Karlsbad, 23. November. Heute wurde in den frühen Morgenstunden unweit des Karlsbader Bahnhofes neben dem Geleise die Angestellte Marianne Zettl auS Falkenau tot aufgefundcn. Es konnte noch nicht festgestellt werden, ob die Zettl, die eine schwere Kopfwunde hat, aus dem Zuge gestürzt ist oder sich in selbstmörderischer Absicht vor den Zug geworfen hat. Erdbeben in den Abruzzen. R o m, 23. November. Heute nachts um 2 Uhr wurde in der Provinz Abruzzen ein heftiges, etwa zehn Sekunden dauerndes Erdbeben verspürt, desien Epizentrum sich in Sulmona befindet. Am heftigsten war dos Erdbeben in Orten Ebicti, Aauila, AveMno, Cassino und Caserta fühlbar. Bisher wurden keine Opfer oder größere Schäden gemeldet, doch herrschte in den betroffenen Orten Panikstimmung. Ei« Riesenbrand von ausgebre-itotom Buschwerk, der sich rasch ausbveitete, obzwar rund 3000 Leute, von denen viele Verbrennungen erlitten, bestreb! waren, den Brand einzudäwmen, bat sich bis hort an den Rand der Stadt Tukunga(Los Angeles) ansgebreiwt, wo viele Häuser eilends geräumt werden Mllßten. Einige Häuser haben bereits zu brennen begonnen, doch bot der Wind sein« Richtinrg geändert, so daß di« S'adt gerettet werden konnte. Der bisher angerichtete Schaden wird auf drei Millionen Dollar beziffert. Schiffszufammenstoß. Ans New Aork wird meldet: Der Danrpfer„Tschioan' stieß in der Amtbrose-Meerenge mit dem Dampfer„Liberty" um Mitternacht zusanmien. Der Dampfer„Dchioan"!it gesunken, die Mannschaft wurde gerettet. „Trolleybusse." In der gegenwärtigen Parlamentstagung in London wird eine Gesetzesnovell« zur Vorlage gelangen, derzufolge an der Londoner Peripherie 480 Kilometer Tramwayftrek- ken durch Trolleybußstrecken ersetzt werden sollen. 0n den südwestlichen. Vororten Londons stehen Trolley- busie bereits auf einer Gesamtstrecke von 30 Kilometern'n Betrieb. Schlecht ergangen ist öS, wie die Lütticher Leitungen berichten, zwei Hakenkreuzagitatoren, di«, angetrunken, die Frechheit befaßen, im Lütticher Stadtzen rum„Herl Hitler" zu brüllen und den Neulichen Gruß" anszüpvohieren. Die maßlos erregten Passanten ergriffen die Burschen und klärten sie derart gründlich über ihre abweichende Einstellung auf, daß die Natianalsodrsten anichließend einem Lazarett zugeführt werden muhten. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Samstag: Prag: 10.10 Schallplatte». 13.45 Schallplatte«. 16.50 Ruichfunk für erwachsene Jugend. 17.35 Tschechischer.gonversationSkurs. 18.30 Deutsche Sendung: Dr. Koltufli: Musikinstrumente er- rählen von fremden Ländern. 19.10 Prof. Brdlik: Einiges über die Diphterie.— Brünn: 16.00 Orchesterkonzert. 18.25 Deutsche Sendung: Aus Operetten und Tonfilmen. 19.10 Orchesterkonzert. 21.00 Rovue-Kabarett.— Kaschau: 11.30 Orchesterkonzcrt. 13.35 Russische Nachrichten.— Miiln.-Ostrau: 18.25 Beethoven: Quintett für Oboe — Wien: 11.30 Mittagskonzert. 15.45 Mandolinenkonzert. 18.30 Orchesterkongert. 20.00„Der Kellermeister". Operette von Zeller.— Heilrberg: 2010 Abendkonzert.— Leipzig:. 23.00 Nochtkonzcrt.— Berlin: 16.00 OrchesterLonzert. Jlr. 278 Freitag, 24. November 1 933 Seite 6 i 0 alftßkftMiiHei« »uw i O«m»u»«ch sehr vor Eißerwotz! «ine salü I. Arveitspag wortlos alles unterschrieb, waS sie ihm vorlegte, die tollsten Vcrsolgungcn ihrer persönlichen und politischen Gegner, unter anderem auch den Haftbefehl gegen den Erbprinzen Vikram Ling und seine junge Gemahlin, welche die indische Pompadour aus ihrer Machtstellung hcrauSwersen wollten. ES kam schließlich zum offenen Konflikt. Die Bajadere lieg einen ihr unbequemen Brahmans» und einige hohe Beamte hinrichtcn. Da explodierte doch die Wut des Volkes und unter dem Eindruck der revoltierenden Massen zog sich der Maharadscha mit seiner Bajadere im Flugzeug nach der französische» Kolonie Pondicherry zuruck. Auf die Aufforderung deS indischen Vizc- königS, ohne seine kompromittierte Geliebte zu- rückzukehren, verzichtete der verliebte Maha- radschah auf seinen Thron. Die Bajadere hatte allerdings den in Gold gemünzten Staatsschatz im Flugzeug mitgenommen. Der Räuber Abdnr Rahman. Im fernen Osten pflegt man die Fürsten, Generale, Banditen und Räuber in einem Atemzug zu nennen und so kann man lediglich registrieren, daß ein Räuberhauptmann namens Abdur Rahman einer der populärsten Persönlichkeiten Indiens geworden ist. Dieser Muster- Räuber hat kürzlich das Dorf Miranpur in der Provinz Sind mit fünfzehn Angehörigen seiner Baude mitten in der Rächt überfallen und nach folgender Methode ausgeplündcrt. Er hat einen ! Schlosser Wecken lassen und diesen mit erhobenem Revolver gezwungen, zunächst den Kassenschrank des Finanzamts zu erbrechen, die Steuerlisten herauszunehmen und daun sämtliche Türen und ! etwaige Kassenschränke der Dorfbewohner zu der dreihundert Stammgäste— und keiner meidet den Anblick der Wandtafel, auf der die Rumiucril derer verzeichnet lind, die sich am kommenden Tage zum K ü ch c n d i c n st einzn- findcn haben. Es ist keine leichte und für viele eine recht ungewohnte Arbeit, für einen solchen Masscnbetrieb Kartoffeln zu schälen oder aus einem freundlich gespendeten Sack Erbsen die ungenießbaren auszusondern. Aber cs ist immerhin Arbeit— und es nehmen Tag für Tag viele an ihr teil, die garnicht an der Reihe sind.„Man hat doch etivas zu tun" sagen sie — und man sitzt beisammen und summt die alten Kanlpfmclodicn, die drüben in der zertretenen Heimat von den braunen Banditen für ihre Mörderverse gestohlen worden sind, die aber doch eines Tages wieder mit den allen Worten und mit neuer Wucht erklingen werden. —ois.—- CS gärt in Indien. Oteue Vrofii? aus dem ostindiffGen Vöirermeer. Von Surendranath DaSgupta. Meine Bilder au$ dem Drillen ßeldi Wir«ntnehuien dies« Blütenles« reichsdeutschen Zeitungen: FUr Staalslelnde Lidl cs Keine Arbeit LandeShut, 16. November. Bei einer BetriebS- vcrsammlnng in einem hiesigen Tcx.tlivcrk airläßlich der Uebertraguug der Fühverred« aus dem Berliner Siemenöiverk wurde das Hör st- Wessel-Lied gesungen. Ein älterer Aufseher weigerte sich, die Hand zu erheben. Weyen Mißachtung des neuen Reiches wurde er voll seincr Firma e n t l a s s« n. »le„Gtwissensbedenlten“ der Blbcilorsaier Ein Wahlkuriosum wird aus dein sächsischen Ort diiederschleina bei Zwickau gemeldet. In diesem Ort haben alle Wahlberechtigten ihrer Wahlpflicht genügt mit Ausnahme von einigen Schioerkraitken— und von sechs„Bibelforschern"; die letzteren erklärten, sie hätten sich wegen„G<- tvisieuSbedeirken" der Volksabstimmung und Wahl fevngc hallen. Auch in Lichtenstein-Eallnberg, in der gleichen Gegend, haben mehrere Bibelforsck'er nicht gewählt. Sie wurden von SA-Männern mit Fackeln in der Hand durch die S'raßcn der Stadt geführt und trugeir dabei Schilder mit einer gebührenden Kennzeichnung ihrer HandlnngS- wei'e. Ta die Bevölkerung eine sehr erregte Hal- trnrg gegelt dies«„Bibelforscher"— es tvaren sieben— rinnahm, mußten sie zii ihrer eigenen Sicherheit durch die Polizei in Schutzhast g« n o m m e n werden. HVlrd gerdstei? Ernennungen und Beförderungen von SanitatSführern innerhalb der SA. Di« Oberste SA-Filhruug hat innerhalb der SA in den letzten Wochen folgende Erneiuurtkgen und Beförderungen von SainlätSsührern vor- gewomnven: Gruppe Schlesien: Zum Sanitäts- Brigade-Führcr wurde befördert der Brigadcarzt der Bria. 18, Sanitätsobcrführer Tr. F. T a h m S. ernannt zum Brigaäearzt der Brig. 44, Sanität S- sturnibannfühvcr Dr. K. Hör n. Ju wenig Geld für das starke Angebot Im freiwilligen Arbeitsdienst Di« RaichSleitnng deS Freiwilligen ArbeitS- Idienstcs weist daraus hin daß der'Arbeitsdienst erstrebter Zukunft nicht unterzugehen. Prf tmM«:’... (Mwuug unkjojti. W'ibnunj: ■ ■ x Der Arbclispaß lm Dritten Deich Feder dclltsche Arbeitnehmer wird zukünftig einen Arbcitspaß als amtlichen Ausweis erhalten, der den Behörden wie auch deut Arbeitgeber gegelmder als Lcgitimatwn gilt. Der Meuschenozean deS asiatischen Kontinents ist durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im fernen Osten, durch die Revolution in Siam und durch den jüngsten Aufstand in Holländisch-Judicn in Bewegung geraten. Japan, China, Hintcrindicn, daS russische Sibirien und das chinesische Turkestan haben in den letzten Monaten unzweideutige Zeichen von sich gegeben,'daß der gelb-braune Erdteil nicht gewillt ist, die staatlichen Grenzen und ökonomischen Sammelbecken der Gegenwart und Vergangenheit in die Zukunft mit hinüber zu nehmen. Kein Wunder, daß auch in Britisch-Jndicn, dem volkreichsten Land des fernen Asien neben dem Reich der Mitte, die politische Gärung in rasche- rcin Tempo als bisher zur Entladung drängt. Mahatma Gandhi. Nach den letzten Berichten aus Britisch- Jndien muß man die sich immer deutlicher abzeichnende Tatsache verbuchen, daß der Stern deS Mahatma Gandhi immer mehr im Schwänden begriffen ist, um einem ncnen politischen Führer und einer neuen Massendoktrin Platz zu machen. Gandhi erzog seit etwa zwei Jahrzehnten die über dreihundert Millionen betragenden Inder zu dem politischen Kampfmittel der passiven Resistenz und der stnmmen Ergebenheit in den unabänderlichen Ablauf der politischen Realitäten. Durch die Verschärfung der Gegensätze zwischen den Kasten und den religiösen Glaubensbekenntnissen sowie durch die Abwanderung der landlos gewordene» Kulimassen in die Fabrikzentren entstand in den letzten Monaten eine Radikalisierung deS politischen Lebens, die über die Zugkraft des alten Mahatma hinweg ging und nach neuen politischen Lösungen strebte. Dazu hatte sich Gandhi zu sehr in das Problem der„Unberührbaren" verbissen und sich selbst durch das am 3. August 1934 ablaufende„Opferjahr" die Hände gebunden. JamnadaS Mehta. So ist es weiter kein Wunder, daß in letzter Zeit ein ganz neuer Mann riesigen Zulanf finden konnte, ein enger Freund und Kampfgenosse Gandhis, namens Jamnadas Metha, der unter seinen engeren Anhängern aus den Proletariervierteln des ständig gärenden Bombay einen Kongreß einberufcn hat, den sowohl die britr- sche Regierung, als auch Gandhi als„Rebellenkongreß in Acht und Bann getan haben. Trotzdem haben sich über siebenhundert Abgeordnete der Bezirke eingcfundcn, die eine neue Partei, 'die„Democratic Swäraj Party" aus der Taufe hoben. Selbstverständlich handelt cs sich hier nicht um eine demokratische Partei, die sich eine Lösung der indischen Frage auf dem Parkett irgendeines Parlanients erhofft, sondern um eine Massenbewegung mit der aktiven Tendenz, die britische Oberherrschaft eines Tages mit allen Mitteln abzuschüttcln und die indischen Kulimassen aus der Gandhischen passiven Resistenz zu bestimmten politischen Aktionen mit vorwärts zu reißen. Der Chef von Mitnapor«. Besonders macht sich die neue aktivistische Bewegung unter den indischen Massen in der Provinz Bengalen bemerkbar, die in der Tiefebene des Ganges zwischen Kalkutta, Takka und Benares die Kulis in Fabrik- und Plantagenzentren zusammenballt, von denen der ver- rufenste der Bezirk von Mitnapore ist. Indische Studenten und Gandhi-Jünger schlagen sich dort mit der Polizei und Militärkommandos herum und nirgends in ganz Indien prallt der Kampf zwischen Mohammedanern nud Hindus derart schroff aufeinander, wie gerade in dieser Provinz. So gilt der Poste» eines Berwaltungschefs von Mitnapore geradezu als eine Selbstmordstation, auf der man den Revolvern der Terroristen unmöglich entgehen kann. Nachdem bereits drei„Magistrates" in den letzten Jahren erschossen worden sind, wundert man sich in ganz Indien, daß ein tüchtiger Polizeichef und Ber- waltungsmann namens Percy I. Griffiths den Posten überhaupt angcnomnicn hat. Der„Magistrate" einer indischen Provinz ist nämlich zu gleicher Zeit Oberster Richter, Oberste Gnädeninstanz, Oberster Polizcichcf und Oberster Militärkommandant. Kein Wunder, daß sich die gänze Wut der zum„aktiven Widerstand" übergehenden Arbeiter und Studenten gegen diesen Mann richtet, jener etwa dreitausend Terroristen seines Bezirkes, die sich in dcr.sogcnann- tcn„Indischen Republikanischen Armee" zusam- mengcschlossen haben. Der Vizekönig von Indien hat deshalb die Aufstellung einer eigenen Schutzwache.für Herrn Griffiths in Stärke von zivci Offizieren, zwölf Mann und zwei persöitlichcn Leibwächtern angeordnct. Der Maharadscha von Nepal. Durch die Versuche einer englischen Militärkommission, den Mount Everest zu überfliegen, ist der Maharadscha von Nepal in der letzten Zeit wieder in den Vordergrund getreten, da er bekanntlich allen englischen Panzerschiffen und Kolonialregimentern zum Trotz die Erlaubnis zum Betreten des„Verbotenen Landes" zu geben hat. Dieser Maharadscha herrscht zweifellos Uber den Teil Ostindiens, der seme Unabhängigkeit von England äußerlich am meisten zum Ausdruck zu bringen vermag. Er kommandiert eine eigene Armee seiner Gurkhas, der Kriegcrkaste, die militärisch erzogen und durch eine Art voll Landwehrsystcm zusammengchalten wird. Von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zieht sich ein Netz von Nachrichtcnstationen, di« durch Leucht- und Trommelzcichen die Mitteilungen des Maharadschas und seiner Militärkommandos an die örtlichen Garnisonen wcilerzugcben habe». Die politische und militärische Zentrale des „Verbotenen Landes" befindet sich im Palast deS Maharadscha, von wo auS die ziemlich gut be waffnete Armee und Gendarmerie geleitet wird. Natürlich gibt eS neben den militärisch erfaßten „Gurkhas" noch die Kasten der Newars, der Handwerker, Bauern und Geschäftsleute, die durch ihre Arbeit den Unterhalt des Maha radscha, seines Hofstaates und seiner Armee be- Preiten. Ob ein indischer Befreiungskampf je mals von dem Hochland von Nepal aus einen besonderen Anstoß erhalten wird, dürste die Zu kunft zeigen. Die indisch« Pompadour. Eine höchst unrühmliche Nolle spielte kürz lich der Maharadscha deS in Zcntralindien ge legenen Landes von Dewas nanrens T u k o, c R a o P u o r, der sich von einer sechzehnjährigen Bajadere I a n k i derart umgarnen ließ, daß er zum völligen Werkzeug seiner Geliebten herab sank und angesichts eines drohenden Aufstandes sein Land verlassen miißte. Der bereits in hohen... Jahren stehende indische Fürst überließ Janki 1 öffnen. Nach den Steuerlisten wurde daun jeder wichtige Entscheidungen in VerwaltungSgcschäf- Einwohner zur Hergabe eines bestimmten Beten, ja sogar das Begnadigungsrecht. Er war der» IragS gezwungen. So viel Gerechtigkeit hat eS in art in die blutjunge Bajadere verliebt, daß er Indien schon lange nitch mehr gegeben! Emlgranten-Küche in Prag Der Herd der Heimatlosen Nicht weit vom KarlSplatz in der Prager Neustadt kann man täglich um die Mittagszeit einen langen Mcnschenstrom durch ein Hoftor wandern^chcn, Frauen und Männer, Alte und Junge, durstig Gekleidete ohne Mantel rmd Hut neben anderen, die solche Ausrüstungsstücke noch auszuweisen haben. In einem düsteren, schmuck losen Saal erwartet sie ein einfaches Mittags mahl. Di« Dreihundert, die sich hier täglich versammeln, um ihren Eßnapf in Empfang zu nehmen, sind ein Teil jener Tausende, die der braune T«ft o r auS Heimat und.Familie, aus Wirkung^- und Freundeskreis, auS Arbeit und Wohnung vertrieben hat. Ein Teil jener Tausende, die der Führer ihrer mordsüchtigen Verfolger, die der Ehrenmann Adolf Hitler in seinen Rundfunkdarbietungen als„skrupellose Geschäftemacher", als„ehrlose Defraudanten" und„internationale Clique" beschimpft— mit unverhohlener Wut darüber, daß ihm und sei nen Räuberbanden diese Opfer entgangen und als lebendige Zeugen gegen Betrug und Lüge der Hakenkreuztyrannen vorhanden sind. Es wäre leicht, einen wirksamen Vergleich anzustellen zwischen dem Leben im Braunen Haus, in der oberbayrischen Sommerresidenz, im Reichskanzlerpalais, im Luxuszug, im be wimpelten Mercedes— und dem Schicksal dieser Menschen, die in einer fremden Stadt oft zu fünft«In ungeheiztes Zimmer bewohnen und in langer Reihe austchen, um die Schüs sel zu erhallen, die sie auf ein paar Stunden satt machen soll. Es wäre leicht, den Flüchtling Hermann Goering, der nach dem Münchener Putschabenteuer vor zehn Jahren über die Tiroler Grenze verschwand, um in Innsbruck und später in Stockholm das Leben eines verschwenderischen Weltmannes zu führe», mit diesen Flüchtlingen zu vergleichen, die daukbar für eine geliehene Zeitung und für eine gespendete Zigarette sind. Aber solch ein Vergleich ivürde nur etwas Selbstverständliches beweisen: daß Bestochene besser leben als Beraubte. Die dreihundert Schützlinge der Prager Hilfskomitees(die diese Einig ran» tenküche cingcrichtcl haben), wissen sich in ihr Schicksal zu fügen. Sie sprechen ohne Neid von den anderen Emigranten, die ihre Verpfle gung selbst bezahlen können, weil sie etwas Besitz gerettet haben, weil sie Unterstützung bei Freunden oder Verwandten fanden, weil sie als tschechoslowakische Staatsbürger Arbeitsmöalich- keit hatten oder als Ausländer auf dem schma len Feld der freien Berufe ein Fußbreit Bodens erobern konnten. Gewiß erzählen sic alle oft von dem, was sie verloren haben(bei manchen war es nur noch die Arbeitslosenunterstützung, bei anderen war cs ein Amt, ein Haus oder ein großer Wirkungskreis und bei allen war es die Heimat, die sie noch heute lieben, und heute sehnsüchtiger und entschlossener' als je). Aber immer wieder weisen sie sich auf das hin, was sie gerettet haben: das Leben, das man ihnen in SA.-Kasernen aus dem Leibe prügeln oder in Konzentrationslagern znr Hölle machen wollte, und die Ehr e, die nrit Freiheit und Gesinnuugstreue gleichbedeutend ist und von der die Nazibonzen alle Tage aufgeregt im Laut sprecher zu dem Volke reden, daS sie durch Versklavung, Mißhaudluug und Gleichschaltung so abgrundtief vor aller Welt geschändet haben. Man sieht den heimatlosen Menschen, die sich liier zur Essenszeit ziisammenfindcn, wohl secli'che und körperliche Entbehrungen am— aber es ist kein Hausen Hoffnungsloser, es ist sind, und widersvr«l>e damit dem" Gnmdgedairken der Freiwilligkeit des ;'Arbeitsdienstes. SA. ss und Stabllieün dürfen niffit in die Arbeiterorganisationen Der Stahlhelm Pressedienst teil' mit, daß e4 für irden deutschen Arbeiter schwer sei, auch nur die Beiträge für die Organisation aufzubrnigen, in deren Roiyen er Dienst tut. Mehr als seine j volle Pflicht in jeder dienstfreien.Stunde für den .Staat zrt erfülle», könne der Arbeiter nicht. Dienst i könne er mir au einer Stelle und nicht au zwei l Stellen zugleich tun. In voller Erkenntnis der ! bedrückt«» wirtschaftlichen Lage der Arbeiter- ikainerade» habe Stabschef Röhm de» ma ßgeb- j k i ch« n Wunsch a» S g e s p r o ch e», daß sie jiiicht Mitglied einer Arbeiterorga^. n i s a t i o n w c r d e n. Wie für SA und SS gelt« daS auch für den Stahlhelm. ButpiMIt«eui; Hilfe und Gastfreundschaft zu sein. Und es ist! Aber auch wenn dieser Hiuderuugsgrund isichl ihnen ein Trost, daß wenigstens der Betrieb bestände, so seien doch grnndsätzl.el^e Bedenken dieser HinlcrhauSküche ein Produkt eigener Ar- gcaon eine derartige Androhung des Entzuges der beit ist Stolz zeigen die unermüdlichen Köche!Unberstützung geltend zu machen. Denn sie wirke d:e Brandwunden, die sie sich bei ihrem Wert! sich als ein einseitiger Zwang gegen, öic ärmeren am Suppenkessel geholt haben, ernst und pflicht- Bevölkcruugsschichtcn aus, die auf eine solche bewußt führt der Vorsitzende Buch über jeden Versorgung augLwiescn si'^.“ Gemeinschaft, die den Sinn ihres Schick- kennt und entschlossen ist, in dem düste ren Raum zwischen zerstörter Vergangenheit'Unter Äefördenlilg zum Sanitäisobcrführer wurde und Und wenn ihre Gedanken und Gespräche z» den Freunden in der Heimat wandern, die heute in Kerkern stöhnen, die gehetzt und umlauert sind bei icdem Schritt, die mit zusammengebissenen Zähnen die eine Hand emporstrecken und die andere zum Racheschwur ballen, dann wissen sie, daß sie von dem Volke, dem sie angehören uns Thwn^ficn’G»«’ nicht''einmal in kur dessen Freiheit,« kämpfen, zwac eutscrnt,^.^ wi,das vorhandene Angebot an ArboitS- °b°r nickt, getrennt sind. Uird daß ihr. freud- aufzunehmen, daß eS daher uniun- lojeS Tafem m der Fremde nicht, ohne Ziel nni) stündlichen llnterstübnngScinpsän- otync Zukunft ist. gern un er 25 Jahren als Boraus'etznng für den Am schwersten fällt es den meisten von weiteren UiiterstiitzuiNgSbezug den Eintritt in den ihnen, ausgcsperrt von jeder regel- Arbeitsdienst zu fordern, da der Arbeitsdienst mäßigen Arbeit, angewiesen auf fremde> zurzeit di«'« Forderung nicht verwirklicheu könne. et»» ff Freitag, 24. WottemBer IMS rir. 275 »RAOER ZEITEN». Kunst und Wissen III—Illi——Illi!■■!■ irnm EaqlWes Gast viel in der Klemen Bü me. Theaterabende in fremder Sprache haben immer etwas von einer besseren Berlitz School-Stunde an sich, ivenn sie»ich! durch ein«, besonder- hohe ober besonder- spezsische Art des Theaterspiekens legitimiert sind. Tas ist den„English Players" nur in bescheidenen Grenzen nachznrühmcn. S'e sind eine Truppe von englischen Gciitlcnien(auch «'n« Lady ist darunter), die sehr korrekte» Tl-eaier machen, aber selten den genialen Funke» durchschnittlichen KomödianicillnmS verraten. ES ist ein gutes, ein bißchen hausbackenes Enscmblespicl. Auch die Auswahl der hier gezeigten Komödien kann dar Gastspiel in einem höheren künstlerischen«inne nicht rechtfertigen. Beide Stücke sind zwar typisch englisch uns geben so den Schauspielern Gelegenheit zu manch charakteristischer Ausdrucksform, aber das olles aus einem subalternen Niveau: am ersten Abend in den Verwicklungen eines ueuenglischen Telektivstückes, am zweiten in der blassen Psychologie eines Oscar Wilde-Epigonen. Man spielte zuerst den Kriminalreißer„Zehn Minuten Alibi"(„Ten Minute Alibis von Anthony A r m st r o n g. TaS Stück ist ein geschickt gemachter Wallace Bilderbogen Es ist nicht ohne spannenden Theaterrciz, die bekannten Gesichter aus dem Schmöker au stauchen zu sehen: den dämonischen Mädci>eiihäudlcr, d'e verführte junge Frau, den heroischen Berbrecher und vor allem unseren lieben alten Freund von Scotland Bars mit dem gntmütig- grimmigen Gesicht und der Shag-Pseise. Dieser wird von Frank Reynolds auserordentlich wirksam dargestellt und nianchmal an die Grenzen feiner Parodie gehoben. Sonst bewegt sich das Spiel der Herren Stirling, Carew, Trevor.Reid und Frau Brunner sehr sicher in dem komödiantischen Realismus des Stückes. Die Tragikomöd'e„Der Lorbeerbaum" („The Green Bay Tree"), die unter dem Titel„Die Orchideen von Schloß Silvergatc" vor kurzem in Wien deutsch gespielt wuide, wäre ohne Oscar Wilde nicht denkbar. Dorian Grayer heißt in die'em Stück Mr. Dulcimer— ist alt geworden und lebt nun in unserer Zeit, ohne daß sic ihm hätte etwas anhaben können. Er berauscht sich inimcr noch am Orchideendust des subtilsten Aeslhetizismus, schreibt noch immer nicht mir der Schreibmaschine, sondern mit einer blutroten Gänsckiclfcdcr und verachtet wie eh und je das profane Bolk, besoirders wenn es weiblichen Yieschlechts ist. Er hat sich im unbeschränkten Lupus seines Geldes und dem etwas beschränkteren feiner Ideen einen Adoptivsohn namens Julian her» ängezogen, den er als einziges Wert seines Lobens (sonst stickt er nur manchmal Sofakissen) über alles liebt. Zu Beginn des Stückes ist der Jung« in Gefahr, ihm von einer Frau— man denke, von einer Frau— geraubt zu werden. Äm dramatischen Verlauf dieses Kampfes, in den später noch der wirk- lichixVater Julians, ein fanatischer Laienprediger, mit Bibel und Revolver«ingrcisi, wird der alte Dulcimer erschossen: trotzdem siegt er über den Tod hinaus: Julian wird den Typus der hochgezüchteten Aristokraten auch in der kommenden Generation repräsentieren. Das alles könnte eines geistigen Interesses wert sein, wenn tatsächlich lebendige Kräfte des Nolles mit solcher Degeneration konfrontiert würden. Leider bie'bt alles schemenhafte Konstruktion und das Stück erhält seine theatralisch« Existenzberechtigung nur durch die außerordentlich« Rolle des alten Dulcimer. Ihn spielt der Star der Truppe Edward Stirling. Tein Format, das eines Interessanten mittleren Schauspieler-, reicht trotz aller Hingabe und aller schauspielerischen Hilfsmittel nicht aus, um in der F'gnr jene dämonische Suggestivkrast glaubhaft zu machen, niit der das Stück steht und fällt. Auch Fraick Reynolds in der Rolle des fanatischen Bibelforschers fühlt sich in dieser stilisierten Gestalt weit tveniger wohl als im Naturalismus des vorigen Abends. Bleibt als Posttivum des Abends die an- ständige schauspielerische Leistung des Liebespaares Avis Brunner und Gilbert Trevor-Reid, di« reizende Charge eines herrschaftlichen Dieners, gespielt von Charles Carew, und mancher atmosphärische Reiz der sehr diskreten Regie. Beide Abende hatten kaum«inen, anderen Wert als den einer exklusiven gesellschaftlichen Reprä'cnta- tion„unter dem Protektorat des Herrn Gesandten von Großbritannien". Fraglich, ob das«in Ensemble- Gastspiel hinreichend legitimiert. H. Fischer. Wochcnspiclplan des Renen Deutschen Theaters. Freitag, 7?» Uhr:„TaS Rheingold"(D 2.) — Samstag, k>!4 Uhr:„Die Walküre".(C 2.) Wochenspielpkan der Kleinen Bühn«. Freitag, 8 Uhr:„D r e i ni a l H o ch z e i t". Gastspiel Derbezirk.— Samstag, 8 Uhr:„Dreimal Hochzei l". Gastspiel Werbezirk. Gerichtssaal Zwei Schwurger;chtsv?rhandlimgen an einem Tag. Borm'ttag: Aehcime Verhandlung abgebrochen. Prag, 23. November. Heute ereignet« sich dc- selten« Fall, daß an einem Tag« zwei Schwur- gerichtsverhandlungen vorgesehen waren Vormittags sollt« sich der 20jährige Josej Z r u b c c k>> in geheimer Verhandlung wegen des Verbrechens der N o t z u ch t, begangen durch Geschlechtsverkehr mit einer Person unter vierzehn Jahren, verantworten. Der Fall mußt« vertagt werden, weck sich di« L a u p t; e u g i n nicht ein- gefunden hatte. Ta eS nicht zum Urteil kam, ist über den Sachverhalt nichts näheres zu berichten Nachmittag: Fortgesetzt« Verhandlung wegen Mordversuch«- an der Geliebten— abermals vertagt. Um 8 Uhr nachmittags versammelten sich di« Geschworenen neuerlich, um den am 17. d. M. v e r- tagten Prozcß gegen den 23jährigen Anton PetrLilka wegen Mordversuches an seiner Geliebten Jofofine B a l i k zu Ende zu führen. Der Angeklagte ist bcschnldigt, seine um sechs Jahre ältere Geliebte am Abend des 28. August d. I. unterhalb der Lechbrücke in die Moldau geworfen zu haben, um sich ihrer zu entledigen. Tie Klag« unterstellt dem Angeklagten rein materielle Motive. Pctrrilka hat» mit der Balik während seiner Militärzeit ein Verhältnis unterhalten. Als«r nach. An unsere Monnententt Mtte lesen! Und uns bis 10. Dezember den Abschnitt einsenden! Wir zweifeln nicht daran, daß auch Sie die Gelegenheit benützen iverden, an Stelle der teueren Neujahrsgratulationskarten unserer Aktion Unterstützung zu gewähren, die der finanziellen Stärkung des Blatt«ü dient und weiter- den hohen ideellen Zweck erfüllt, daß di« Zusammengehörigkeit unserer Genosien und Genossinnen sichtbar vor Augen geführt wird., Wir bitten Sie daher, Ihren Namen gegen«ine Gebühr von 10 lkd in unser Neuichrs-KolieMMseral aufnehmen zu lassen und d«n entfallenden Betrag von 10 K2 mit der DezemberabonnrwentS. gebühr rinzusenden. Wir sind überzeugt, daß auch Sie, der heutigen Zeit Rechnung tragend, unS Ihre Unterstützung nicht versagen, und danken bestens für Ihr« freundliche Förderung unsere- Blatte-, Die DertoaNttUQ. wnwmuHiw feier aBtrennen l feier abtrennen I Reujayrs-Entyevung für„GosialOemotrat". Ich bestell« hiemit unter dem Namen:.■-- Ort: «ine NeusabrSenthebung zum Betrag« von 1v llr und send« Ihnen diesen Betrag gleichzeitig mit der Abonnementsgebühr pro Dezember ein. Unterschrift: seiner Entlastung im Jänner d. I.• feilte Stellung finden konnte, zog der Arbeitslose zu seiner Geliebten. die ihn durch mehrere M o n a t« i n. i h r c r Wohnung beherbergte und erhielt. Im Sommer kam«S oster zu Zwistigkeiten. MS PctrLlka mit der Erklärung, sein« Geliebt« sei zu alt s ü r ihn, die Beziehungen lösen wolle, präsentiert« sie ihm«ine Rechnung aus 1000 Kronen als Verpfleg-kosten, die seine Erhaltung gekostet habe. Petriilka weigerte sich, dies« Forde» niing aiczuerkcnnen, denn„geschenkt sei ge« schenkt", zog«S aber doch vor, es auf keinen Bruch ankommen zu lassen. Schließlich ging beiden das Geld aus und die Balik suchte einen kleinen Nebenverdienst, indem sic sich als H o p f« n p flü cke r i n verdingt«. Nach ihrer Rückkehr suchte sie wieder den Petrrilka auf. Die Notlage der beiden muß sehr groß gewesen sein, denn am Abend des frStifdjcit Tages wollten sie ins Nachtasyl schlafen gehen. Vermutlich hat die Balik auch ihre Forderung an den Angeklagten zur Sprache gebracht. Jedenfalls hat er ihr nach ihrer Aussage zugeredel, di« warme Nacht lieber im Freien zu verbringen. Er führte sie gegen 8 Uhr ak'irds zum Moldauquai und schließlich gelangten sie unter di« üechbrück«. Die. Gegend war menschenleer. Hier soll der Angeklagte plötzlich hinter di« Bal'k getreten sein und ihr zugerufen haben:.„Wie wärS, wenn du jetzt da hi n-- e i nsp ringen würde st?" Gleichzeitig packt« er sie bei den Hüften, hob sic empor und warf sic in den Fluß. En zufälliger Pastant namens HaSmuk hörte ein verdächtiges Plätschern und sah in der einbrechenden Dunkelheit«inen Mann flüchIen. Es gelang ihm, die bereits Bewußtlos«, die eben zum letztenmal« an die Oberfläche kam, an den Haaren zu fasten und aus dein Wasser zu z'ohen. Es gelang, sie in« Leben zurückzurufen. Der Angeklagte.wurde alsbald in Hast genommen. Er stellte bei seinen Vernehmungen die Tat in verschiedener Weise dar. Er sprach von«nem ge- planten gemeinsamen Selbstmord, zu -em die Balik selb st geraten hab«, dann erklärt« er wieder, es habe sich imr um einen „Spaß" gehandelt und er habe die Dalik keinesfalls töten wollen. Wie seine Geliebt«, von der cr wußte, daß sie nicht schwimmen konnte, sich hätte retten sollen, zumal n'emand in der Nähe war, konnte cr freilich nicht erklären. Ti« erst« Verhandlung ist vertagt worden, weil die Hauptzeugin sich zu spät einstellt«. Da sie unter st andslos ist und keine Adrest«»ach- wesen konnte, unter welcher di« nouerliche Vorladung hätte zugestellt werden können, wurde sie dem Gewahrsam der Prager Schubstation übergeben und der neue Verhandlungstermin mit größter Dcschlcnnigung angesetzt, um sie nicht allzu lange an diesem, unangenehmen Ort aufzuhaltcn. Heut« bestritt sie als Zeugin vor dem Schwisvg«richt-hof-es. OAR. Dr. Hellrieqel nachdrücklichst alle Behauptungen über angebliche Selbstmordabsichten. Sie bestätigt« zwar, -aß Petrlsilka sie nicht nur gestoßen, sondern empor- gehöben und geradezu ins Wasser geschleudert habe. Troy allem aber war das Bestreben ersichtlich, den Angeklagten nicht allzu sehr zu belasten. Doch gelangte da« Verfahren auch bei der heutigen Verhandlung nicht zum Abschluß. Dem Gericht war ein Brief der Mutter zugegangen, in welchem diese erklärt, ihr Sohn habe als Junge ein« schwer« Mittelohrentzündung mit Hirnkomplikationen übevstanden und lei geistig nicht normal. Auch seien sein Vater, wie sein« Großmutter im Irrenhaus« gestorben. Der Verteidiger Dc. Walter Lustig stellt« auf Grund diese- Briefes dm Antrag auf Untersuchung des Geisteszustandes-es Angeklagten. Der Gerichtshof gab dem Antrag statt und vertagte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit. rb. Der Film Die Bettlerin von Notre-Dame. Der französisch« Film, den man im„FSnix" einem geladenen Publikum vorsührl«, ist sehr geeignet, zur Weihnachtszeit di« Tascheittücher leicht gerührter Zuschauer zu feuchten. Der Regisseur Pujol hat einen historisch-sentimentalen Roman pomphaft und cdelkitfchig inszeniert, ganz im Stil der■ literarischen Vorlage,\ die Glanz und Elend, Trübsal und Wonne, Verworfenheit und Opfermut pathetisch und schmachtend aneinanderfügt, bis am Ende di« beiden Waisenkinder, deren eines zur blinden Bettlerin und deren anderes zur unschuldigen Ärasgefangenen wurde, gar kein« Waisenkinder mehr sind, sondern wunderbar errettet der totgeglaubten Mutter in die Arme sinken. An diesem Film gibt es also nichts zu kritisieren. Er lebt im unsterblichen Geiste des Alexander Dumas, und er kleidet gleich ihm das Unwahrscheinlich« ins historisch« Kostüm, er stellt das Welmut- triefende in ein Museum von Zöpfen und Perücken, und er rückt cS in jene Zeit, in der Duell und tödliche Rache angeblich zunl guten Ton gohörten. Erstaunlich ist der Ernst, die Selbstverständlichkeit und die vornehm« Artistik, mit der die französischen Schauspieler' ihre Kostüme, Ihr Schurkenlum und ihren HerzcnSadel zur Schau stellen. Erstaunlich aber wohl nur für den, der ni« die Pariser „Comüdie sranyaise" gesehen hat, in der, glaubwürdigen Berichten zufolge, noch heute der pathetischsentimental-heroisch« Stil liebcwoll gepflegt wird. Und so Interessant es ist, die große Bvett« Guil- bert tm Film zu sehen(sie spielt die Titelrolle der Bettlerin mit ihrer unvergleichlichen Kunst der sprechenden Gebärde und des gestikulierenden Worte«) srauwrai Hum ui KtnderfrsuKDe Wag. Heute, Freitag nachm. um halb 4 Uhr Ita Letuaheinl(Kamenickö 1) Kinder, nackmittag. Genossinnen! Bringe« Sie bitte alle erreichbaren Kinder zwischen 6 und 1V Jahren! so unverkennbar ist es, daß sie aus dem Rahmen des FilmS fällt, obwohl auch sic heute schon beinahe historisch geworden ist. Wenn sie an der Leiche des Lohnes ihr schauriges Wiegenlied singt, weckt sie die unvergängliche Erinnerung an ihre halbgcsun- gencn Vorträge ans vergangener Zeit. Vor dem srauzösischcu Film wurde»och etwa« Weihnachtliches gezeigt: ein tschechischer Märchenfilm, das„P fe f f« r k u che n h ä u schc n", der, wie schon der Titel verrät, das auch den deutschen Kin. der» durchaus nicht unbekannte Märchen von Hänsel und Gretel als Ballett mit allerhand dichterischen und tänzerischen Zutaten versilmt hat. Der Regisseur Knlinek hat daS ganz nett, wenn auch«in bißchen überladen gemacht— und besonders mit den Engeln hätte er etwas sparsamer sein können, -^is— Sport' Spiel»Körnerplleae Di« Sozialistische Arbeiter-Sport-Jnternationale hat mit dem Avbeiter-Tnrn- und Sportbund der Saargebietes Verhandlungen ausgenommen, um ihn zum Anschluß an di« SATJ. zu gewinnen. Towjetrußland soll, nach den Meldungen bürgerlicher Blätter, in der nächsten Zeit den Sportverkehr mit Polen aufnehmen. Allerdings n'cht mit den volnischcn Arbcitevfportlern, soirdern mit den bürgerlichen Verbänden. Russische Boxer sollen in der nächsten Zeit auch in Schiveden antreten. Die langsährigen Beziehungen Rußlands zu den türkischen bürgerlichen Sportverbänden sind ja- bekannt. Der Prager DFC. löst sich nicht auf. Tas ist das Ergebnis der außerordentlichen Generalver- sammlun-g. Der Abgeordnete der DAWG. Dr. F. Bacher halt« die großartige Idee,«ine Baustein- Aktion zu beantragen und sich selbst für Interventionen usw. in Erinnerung zu bringen. Der Kapitän der ersten Mannschaft sprach von Treue usw. Selbstvcrständl'ch wurden auch die Schulden besprochen und mit Ucbcrraschung festgestellt, daß zu den angenommenen Plötzlich noch eine unbekannt« Schuld ausgetaucht sei Die„Lasten" betragen demnach nicht 70.000 lü, sondern 171.000 lü! Es sprachen sehr viel«, jeder mit einer anderen Variante— aber nur nicht auslöien, weil dadurch angeblich dem Dcutsch- tum und dem deutschen Sport ein unermeßlicher Schaden erwüchse! Außerdem soll eine Sanunlung bei Industrie, Banken und sonstigen Jinanzmagna- ten inner- und außerhalb Prags durchgeführt werden urrd somit die Ex'stenz des Vereine eine feste Grundlage erhalte. Sehr böse ist man jenen Aufrechten, die aus Anlaß der Deutschlandreis« eine .»innere Zersetzung" verursacht hätten, deni Verein dem Rücken kehrten und sogar seine Tennisplätze so entvölkerten, daß sie brach liegen. Wie wir hören, werden di« Spieler des DFC. von nun an völlig uneigennützig den geliebten Fußballsport betreiben— als ob das nicht auch früher schon der Fall gewesen wäre... Schon wieder deutsch« Nazi-Ei-Hockeyspiele in Prag. Nach dem LTC. haben sich fürs Wochenende Sparta und S la via ein Nazi-Team, diesmal aus Berlin, verschrieben. Man hat anscheinend im tschechischen Sporrlager noch nicht genug von dem an SA.-Manieren erinnernden Auftreten der letzten Mannschaft?! Vertvunderlich ist nur, daß auch di« Prager Sparta den Kreis der Nazi-Freunde hierzulande mit erweitert. Den Uneingeweihten wollen wir damit sagen, daß di« Anhängerschaft dieses Klubs zum großen Te'l aus Arbeiterkreisen rekrutiert. Ob dies« daS billigen, ist freilich«ine andere Frässe. Jmnierhin: Boykott auch diesen Spielen! Vereinsnadiriditen Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 2t>. November: Zusammenkunft um halb 10 Uhr bei der Endstation der 23er-El«k- Irischen in Voleviee. Führer: Platz n das Selm des llaffenbewutzlen Arbeiters gehört b. Zenlralorgan Deutschen lozlaivcmokr. Arbeiterpartei „Sozialdemokrat"— Wran-Urania-Klno® 'tnzides deutsche*«Ono tfra’H. HllnenttM 4 VLASTA BURIAN mit Grell Theimer. Werner Fuettercr. Hans Götz, Else Lord, Emmy Carpentier, Leopold Dudek, Otto Ströblin. In der Premiere der deutschen Version; „Der Adfutaiit Seiner Hoheit“ Musik: Flala. Liedertexte: H. R. Nack. Wo verkeiiren wir? | Call„Coniinenlal“, Pim Kranen■ 1i• e• I• c eteofrtu Tuud— titel«tttttt: ft H fc n 11.— Brramwortllchrr Redakteur: Dr. Bmll vtr««h, Prag.— Druck:-fttta* A..G. für Zeitung und Buchdruck, Prag.— yür den Druck verantwortlich: Otto HoliL — ib Leituugsmorkenirankotur wurde von der Poft- u. relegraphendtrektton mit erlaß ftr. lS.BOü/VH'lOSü bewilligt.— Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Polt monatlich Kd 16 vierteljährlich Kd Cd,—, tzüHitzrig Ci gauzjahrtg Ki— Ju|exau werden laut Lartf bMtgft berechnet. Bei oitereu ciujchLltunge» Prrtinachiytz.— ftückstelluug vou Mckuufkripte» erfolgt uur bei Einjenduuo der«etourmartea,-