Kvzelprek 70 Heller. Nklnschließlich S Heller Porto) 13. Zahfgana. Samstag, 25. November 1933 — 111'-g".si 1”'•■--r-j-.-•TT L_- I aaa Rk. 276. Sorrautf iteslürzi Ungewißheit über den Nachfolger* Auch außenpolitische Gründe? Paris, 24. November. Die Regierung Tarrant blieb nach einer bewegten Sitzung der Kammer in der Nacht auf heute bei der Abstimmung über die Kürzung der Beamtengehiilter i n d e r Minderheit. Tarrant, der die BcrtranenSfrage gestellt hatte, begab sich sofort zum Präsidenten der Republik, deui er die Demission des Gesamtkabinetts überreichte. Monalsberldit der Nallonalbank in einzelnen Industriezweigen mäßige Besserung Der Bailkrcit der Tschechoslowakischen Nationalbank hielt gestern feine ordentliche MonatSsitzung ab. Dcni vorgebrachlcn®t' schästsbcrichte entnehmen wir folgendes: Die mäßige Besserung dcr intcriiationalcil wirtschaftlichen Bcrhältniste, von dcr letzthin die Rede war, behauptete sich vor allem in den lvährungsfcsten Landern. Dcr rascheren Nebcr- windung der Depression steht die Kursunsichcrhcit dcr Lauptwährnnge» des Welthandels, hauptsächlich ocS Dollars, sehr im Wege. Die Preise der Rohstoffe des Welthandels wiesen in dem verflossenen Monate eine unregel- mäißae Entwicklung auf. Die Beschäftigung dec Industrie bcfaud sich in zahlreichen Staaten auch weiter im Steigen; cs wird auch eine kort schreitende Tendenz nach Auffüllung der Detaillager beobachtet. Die saisonbedingte Erhöhung der Arbeitslosigkeit zu Winteranfang weist überall einen weniger raschen Verlauf als in den Vorjahren auf. In dcr Tschechoslowakei erfuhr die Lage seit dem vergangenen Monate keine g r o ß e n A e n d e r u n g e n! Saisoncinflüsie sind vorherrschend. Das Niveau der Inlandspreise verzeichne» bei den einzelnen Wareugattungcn kleine Verschiebungen nach beiden Richtungeu und weist analog mit dem AuSl.mdc einen Rückgang der durchschnittlichen Preisindices auf. Trotz des Sa'.ioncinslnsses dec Herbstmonate kann auf dem Arbci'smarkte eine mäßigt Besserung der lÄrundtendenz beobachtet werden. In einzelnen Industriezweigen erfährt der Bcschäftigungsstaud eine zwar sehr allmähliche und unaleich'.iiäßige, aber doch anhaltende mäßige Besserung. Nicht geringe Klagen sind auch weiter ans den E^porlbranchen zu vernehnlen, gegenwärtig hauptsächlich wegen der v a l»t a r l s ch c n D u m v i n g k o n k u r- re nz einiger Staaten auf den AsnlandSmärkten. Die gesamte Wirtschaftslage der Tschechoslowakei bleibt weiterhin schtvicrig, der Konsol-die- rungsprozcß schreitet aber trotzdem allmählich fort. Prohsdi der Ml er? Innsbruck, 2 t. November. Zum Konflikt Habicht—Proksch melden die„Innsbrucker Nach- richten" aus München: Ein Teil der österreichischen Flüchtlinge ist enttäuscht uird von Heiniweh gequält und habe in Erkenntnis dessen zur Erleichterung einer österreichisch- deutschen Ber ständigung verhindern wollen, daß die österreichisch-deutschen Beziehungen durch Habicht weiter verschärft würden. Sie wirkten dahin, daß in den Münchener Rnndfunkvorträgen die österreichische Regierung nicht mehr beleidigt werde und daß diese Vorträge allmählich ganz eingestellt werden. Habicht stehe aber aus dem Standpunkt, daß der Kamps mit nnvcrmindcrtcr Schärfe wei- tergeführt werden niüssc. Die Auseinandersetzungen zwischen Proksch und Habicht haben schließlich Formen angenommen, die das Eingreifen der Schlichtungsstelle notwendig machten. Proksch ist nun bestrebt, Hitler direkt über die österreichische. Frage zu unterrichten, und hat am Dienstag München verlassen, um eine Besprechung mir dem Reichskanzler herbeiztlsühren. Es ist bisher nicht bekannt, ob ihm dies gelungen sei. voerlns vrovaganda Ittr die Kommunisten Das Conti- Nachrichtenbüro, das im Dienste dcr Geheimen Staatspolizei steht, ver össentlicht eine Meldung über die ungeheuren Ausmaße, die die illegale k o m zu u n i st i s ch e Propaganda angenommen habe. Es seien in der letzten Zeit 23.000 Zentner„kommunistischer" Druckschriften eingezogen worden. Die Staatspolizei gibt diese Meldungen aus, um dcr deutschen Oesscntlichkeit und dem Ans land die Größe dcr„kommunistischen Gefahr" plausibel zu machen. Dies aber dient zur Recht- sertigung der BersolguugSmaßnahmcn, von denen selbstverständlich nicht nur Kommunisten, sondern alle Republikaner betroffen werden. Der Einfachheit halber und weil die Staatspolizei weiß, daß der deutsche Durchschnittsbürger beim Wort Kommunismus von Angst geschüttelt wird, bezeichnen die amtlichen deutschen Stellen die illegale Tätigkeit der gesamten unterdrückten Opposition als„kommunistisch." Ebenso wie vor einem Monat D a l a d i« r, sah sich auch S a r r a u t einer Opposition gegen, über die sich hauptsächlich aus der Linken— Sozialisten und Kommunisten— und den Grup- pen der Rechten zusammensrbte, während die Redakilen und anfangs auch die Zentrumsgrup. Pen bis F l a n d i u bereit waren, dir Regierung zu unterstützen. Tas Ueberraschend« an der ent« scheidenden Sitzung ist, daß es gerade die 91eo. sozialisten Renaudcls waren, die durch ihren Gegenantrag Sarrautö Rücktritt herbeisührten, obwohl sie als Grund ihrer Abspaltung von der sozialistischen Partei eben die Notwendigkeit, die Regierung zu unterstützen, bezeichnet hatten. Das Zentrum nützte diese Situation sofort aus, indem es trotz der knapp vorher abgegebenen Erklärung F l a n d i n s durch Stimmenthaltung und„Ncin"-Stimmcn die anjängliche Mehrheit SarrautS in«in« Minderheit verwandelte. Die Gründ« dieser Haltung dürsten ebenso aus innen, wie auf außenpolitischem Gebiet liegen und auf daS Bestreben der Rechten zurückzuführen sein, an Stell« der zurückhaltenden Außenpolitik dec Radikalsozialisten eine schärfere Haltung zu sehen. Wieweit dies« Tendenz im Augenblick Aussicht auf Erfolg hat, ist ungewiß, es schein» jedoch, daß auch diesmal noch«ine Linksregie« rung, möglicherweise unter Zuziehung eines Teiles des Zentrums, gebildet werden wird. * Die Nachtsitzung, in welcher Sarrant gestürzt wurde, nahm einen äußerst dramatischen Verlauf. Die Kammer hatte schon mit 326 gegen 237 Stimmen, nachdem die Negierung vorher die BertrauenSfrage gestellt hatte, den Antrag ans Streichung des Artikels betreffend die Her« absetznng der Gehälter der Staalüangestellten abgelehnt. Der der n c o s o z i a l i st i s ch e n Gruppe angehörende Deputierte G o u n i n brachte hierauf plötzlich einen A b ä n d e r u n g s a n t r a g ein, in welchem er forderte, daß als Freigrenze Belgrad, 24. November.(Avala.) Nach der heutigen ersten Sitzung dcr Wirtschastccxper, ten der Staaten der Kleinen Entente wurde folgendes Kommunique ausgcgcbcn: Der Minister für auswärtige Angelegenheiten Jevtie eröffnete heute um 17 Uhr die Konferenz der Experten der Staaten der Kleinen Entente, die nach Belgrad gekommen waren, um die Grundlage für die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Kleinen Entente vorzubereiten. Zu seiner Eröffnungsrede dankt« Minister Jevtie den Regierungen, di« hervorragend« Experten entsendet haben, und legte di« grcße Bedeutung ihrer Belgrader Arbeiten dar. Er sagte, ihr« Ausgabe sei, alle die verschiedenen Beschlüsse zu verwirk- lichen. die bereits früher in einigen Tagungen der Minister für austvärtige Angelegenheiten der Staat«» der Kleinen Entente gefaßt worden sind. London, 24. November. Im Unterhaus« ist heute die Debatte über die Thronrede fortgesetzt worden. Der Staatssekre är für auswärtige An- gelegeirheitep Sir John Simon erklärte u. a.: Großbritannien sei entschlosicn, alles, was möglich sei, zu versuchen, um Drntschland von nun an wieder als Partner für die Besprechungen anzusehen. Die britische Regierung habe bereits Maßnahmen ergriffen, um diese diplomati- s ch e F ii h l n n g n a h m e in die Wege zu leit««. Sie sei über diesen Gegenstand bereits mit der französisch«« und der deutsch«,, Regierung in Verbindung getreten. für die l.öprozentige Herabsetzung dcr Gehälter der Ttaatsangestelltcn an Stelle der von der Nie- gierung vorgcschlagcnen 10.000 Franken 12.000 Franken jährlich gelten sollten. Ministerpräsident Saraut sprach sich dagegen aus, desgleichen auch die Radikalen. Schließlich trat der Kabinettöchef für eine vermittelnde Lösung, nämlich 11.000 Franken, ein. Die Neosozialisten lehnten aber diesen Vorschlag ab. Unter großer Erregung dcr Kammer warfen die Radikalen und'Neosozialisten einander Verrat vor. Sarrant stellte gegen den Antrag G o«- n i» wiederum die Vertrauensfrage. Die Entscheidung brachte die Gruppe F l a n d i n, welche entgegen dcr Zusage ihres Führers die Regierung nicht unterstützte, sondern teils gegen sie stimmte, teils sich dcr Abstimmung enthielt. Der Antrag Gonnin wurde mit 321 gegen 247 Stimmen angenommen und führte daher mit einer Mehrheit von 74 Stimmen den Sturz der Regierung herbei. * Nm 8 Uhr früh begab sich Sarraut mit den Mitgliedern seines Kabinetts in daS Palais Elvsöc und überreichte dcnc Präsidenten der Republik die Demission dcr Regierung. Das Kabinett Sarraut, das 03. m der dritten Republik und daS vierte seit den vorjährigen Wahlen, hatte eine Tauer von 28 Tagen. **’ Paris, 24. November. Ti« Negiermigskrisc nimmt den üblichen Verlauf. Der Präsident der Republik hatte den gaii'cn Tag mit d-an politischen und parlamentarischen Führern Besprechungen und wird diese morgen fori setzen. Mau glaubt, daß der Präsident morgen am frühen Nachmittag di« Entscheidung treffen wird, tvenn er mir der Bildung des neuen Kabinetts betraut. Genannt werden C h a u t e m p s, Bo n n e t u. H c r r i o t. Er sprach weiter dl« Hoffnung aus, daß die Experten ihre Arbeiten beschleunigen werden und daß rS ihnen gelingen werde, eine günstige Grundlage für die engste wirtschaftliche Zusammenarbeit der orei Staaten de« Kleinen Entente zu finden. Er wies auch aus die Bedeutung hin, welche die Grundlage des Wirtschoftsprogrammes haben wird, dcsien Ausgabe es sein werde, den Nationalausschüssen der einzelnen Länder der Kleinen Entente und dem Wirtschaftsrate, der längstens innerhalb dreier Wochen in Prag zusammentreten soll, bei ihren Arbeiten zu dienen. Nach der Ansprache des Ministers nahmen di« Experten ihre Arbeiten aus, und zwar so, daß sie sich gcaenseitig alle Fragen mitteilten, welche das Arbeitsprogramm bilden. Die Beratungen werden morgen fortgesetzt. Die britische Regierung begrüße die Versicherung dcü Reichskanzlers, daß Deuts ch- lands einziger Wunsch der Friede sei und daß eü keine aggressiven Absichten habe. Die britisch« Negierung fei der Ansicht, daß Deutschland auch beitragen müsse, um die allgemein« Abrüstung Praktisch möglich zu machen, und sie Hoss«, daß das Ergebnis des nun beginnenden Meinungsaustausches Zusicherungen in einer konkreten Form ermögliche, die zum Aufbau der internationalen Sicherheit beitragt, einer unerläßlichen Vorbedingung für bi« Abrüstung. Lus einem snäsren Lands 15 Jahre unabhängiges Lettland Der mit großen Festlichkeiten gesoiert« 18. Jahrestag der UnabhängigleitSerklärmig Lettlands hat nicht wie im Jahre 1018„ein einig Volk von Brüdern" gesundet. Ein Mission der Zerrissenheit schrillt« als Dissonanz mitten in die Jubelslinrmung der breiten VolkSinasjen. Die Arkiterschasl verhielt sich kühl. Begreiflich, denn die McHekrankhert des Halbsascis- nulS hat sich von Polen und Litauen ans Estland übertragen und bedroht nun auch Lettland. Ter Führer des Bauernbundes, Ulmanls, hat in die Saeima einen Gesetzentwurf eingc- bracht, dcr dein Staatspräsidenten die größten Machtbefugnisse znteilt, ihm die Auflösung des Parlaments, die En.Iassung der Minister gestattet, durch ein Beto das Inkrafttreten der von der Saeima angenomnrenen Gesetze hintertreibt und ihm die Möglichkeit gewährt, ge- meiirsam n:i: dem Ministerpräsidenten lelwns- wichtige Gesetze zn erlassen und die bürgerlichen Freiheiten aufzuheben. Es ist derselbe Nlmaniü, der am Tage der Unabhängigkeitserklärung Lettlands, am 18. November 1918, als erster Ministerpräsident in seiner Regie- ruugscrklärung u. a. gesagt hat:„Tie sozialen Refornien und die sozial« Gesetzgebung der Negierung werden weil und tiefgründig sein, damit die Rechte und die LebenSverhältirisje des Arbet.ervolkes gesickert werden.., Lettland wird ein wirklich demokratischer Staat sein, in dein es tveder Unterdrückung noch Ungerechtigkeit geben darf."— So vor fünfzehn Jahren. Wenn das Zeulralorgnn der sozialdemo- kratischen Partei Lettlands„Socialdenivkrats" mit Bitternis dieses Uluiam's'schen Ausspruches gedenkt, tvenn es daran erinnert, daß dcr Bauernbund, dessen Führer dieser Staatsmann ist, noch im Fahre 1920 auf dessen.Kongresse Versicherung gegen Alter uird Krankheit forderte>lnd jctzt di« von der Sozialdemokratie in dieser Frage geforderte Volksabstimmung als politisclw Tcmagogie bezeichnet, so ist das Blast nur konsequent, wenn es erklärt, daß di« Parole dcr sozialdenwkratischcu Partei am Tage deS 16jährigen Bestehens der lcttlcindi- schcn Republik nur di« sein kann, die Arbeiter- schaft zum Kampf aufzurufen gegen die fasci- stischen Pläne der Bourgeoisie, gegen die Gefahr der Diktatur. So war es auch nicht weiter verwunder- lich, daß der Saeima Präsident, Dr. Paul Kalnin, der lairgjährigc Führer der letländi- schen Sozialdemokratie, auf der Festsitzung dvr Saeima in Anwesenheit des lettländischen Staatspräsidenten uird des estnischen Staatsältesten in seine Rede auch einige Sätze voll Bitternis und Warnung cinflocht. Er kam ans die wirtschaftliche Kris« in Lettland zu spre- ck)en, ging dann zur Wirtschaftskrise in den anderen demokratischen Ländern über und stellte nut ganz besonderer Betonung fest, daß inan in keinem dieser Läirdcr daran deute, in die geszmniltc Aimosphärc dcr Wirtsclstiftslage noch den Funken der Politiscl)en Unruhe, der Verfassungsänderung zu tverfen. Ganz verfehlt wär« es, sagte er, für di« politischen Fehler dcr Vergangenheit und Gegenwart unsere Verfassung vemntwortlich zu niachen. Heute möchte ich all diejenigen, denen Lettlands Unabhängigkeit teuer ist, anfrufcn, für unsere Verfassung und für die in ihr verkörperten Ideale Unserer Freiheitskämpfer einzutrcten. Hüten wir das, tvas uns bis jetzt geeinigt hat. Und wenn Dr. Pmil Kalnin auf das Grab der Freiheitskämpfer einen Kranz nic- derlegte, so konnte dies nur den tieferen Sinn haben, die Solidarität der Arbeitcrsclstift nut den gefallenen Arbeiter-Brüdern zu nianifc- stieren, die vor 16 Jahren Schulter an Schulter mit den Söhnen des Bürgertums für. clu 1 freies und. unabhängiges Lettland ihr Leben Expertenkonferenz in Belgrad Wirtschaftsberatungen der Kleinen Entente Sir Simon gebt out den Leim für direkte Verhandlungen mit Deutschland Seite 2 SamStag, 25. November 1903 Nr. 270 Päpstlicher Legat km Saargchtet Rom, 21. November.(Wolsf.) Ter P a p ft hat den Hauptnuntiaturrat Prälat Testa zu einer von politischen Sondertendenzen unabhängigen Beurteilung der Lage nach dem Saarge b i e t entsandt. hingegcbcn hatten. Bruno Kalnin>var eS, der damals im Kampfe gegen die Tenischen mit die ersten Arbeitcrba.aillone organisierte; sein Arbeiter-schütz- und Sportbund ist aber vor kurzem aufgelöst worden. ES folgte das Verbot der Uniformen und Abzeichen, es folgte der Versuch, die Presse zu knebeln, es droht eine Welle weiterer Maßnahmen gegen die Arbeiterschaft. Die Festtage in Lettland fordern auch eine andere Betrachtung heraus. Rang vor 15 Jahren das lettländische Volk um seine Unabhängigkeit, so wird der lettländische Staat jetzt aufs nette von ganz realen Mächten bedroht. Damals waren es die Barone, das deutsche Bürgertum u. die Pastoren, die im vereinigten Landesrar von Livland, Estland und Oesel ein» stimmig den Wunsch aussprachen, daß aus diesen Gebieten ein monarchistisch-konstitutioneller Staat als Bestandteil des deutschen Reiches geschaffen würde. Und wieder war es in erster Linie die Sozialdemokratie, die sich gemeinsam mit dem demokratischen Bürgertum gegen diese Gelüste zur Wehr setzte. Schon am 27. November 1917 hake das Zentralkomitee der sozial- demokratischen Partei Lettlands für das lettische Volk Selbstbestinmningsrecht gefordert. Gegenwärtig rühren sich hier dieselben deutsch-baltischen Kräfte wie damals vor 15 Jahren. Die Barone gibt eS zwar nicht mehr, ihr Land gehört den lettländischen Banern. Sie sitzen aber in Deutschland und intrigieren gegen Lettland. Sie schicken dorthin Emissäre. Hitlers Auslandschef Rosenberg ist ihr Exponent, die Kolonisierung der Ostländer gehört mit zum Progvanim des Hitlerschen Buches ,.Mein Kampf". Die Deutsch-Balten im Lande selbst sind zu vorsichtig, um ihre Karten ganz mtfzndecken. In Wirklichkeit sehnen sie aber den Augenblick herbei, wo das deutsche Haken- kreuz auch über Lettland wehen würde. Ihr Organ, die„Rigasche Rundschau", predigt den Nationalsozialismus, wenn altch in versteckter Form; ein jeder Deutsch-Balte, der anders denkt, wird unter gesellschaftlichen Druck gesetzt, gegen Hitler darf nichts geschrieben werden. Das neue deutschsprachige Blatt in Riga, „Europa-Ost", das den Fascismus außerhalb und innerhalb Lettlands bekämpft, wird geächtet, der deutsche Iournalistenverband hat seinen Mitgliedern die Mitarbeit an diesem Matt verboten. Durch den deutschen HitleriS- nnis infiziert, reckt sich und streckt sich neben diesem auch der urwüchsige lettische FaseiSmuS. Den lettländischen Fascismus aber, gleichviel ob deutscher oder lettischer Abart, entscheidend zu bekämpfen, ist bloß die lettländische Sozial- demokra geführten„N a t to nal e n L i g a", tvegen audererBrutalt» täten dingfest gemacht und vor Gericht gestellt. Die erste Verhandlung am 9. August wurde zur Ladung weiterer Zeugen vertagt und heute im großen Derhandlnngvsaal fortgesetzt. Ange- klagt sind: der 20jährige Privatbeamte Wenzel M o r a v e e, der Istiahrige Monteur Franz IedliLka, der 2üjahrige Bäcker. gehilfe Josef Kolin, der 25jahrige Ge. schäftödiener Johann Brynda, der 29jöhrioe Vertreter Hieronymus Frank, der 23jährioe Typograph Johann KuliS und der 30jährige Vertreter Franz Kafka. Die Anklage lautet bei sämtlichen AngeAaaten auf das Verbrechen der öffentlichen Ge. w a l t t a t i g l e i t, bei den zwei Erstgenannten außerdem auf schwere Körperverlet. zung. Der Anaeklaate Kolin ist außerdem beschuldigt der E i n s ch r ä n k n n g d e r P e r. sönlichen Freiheit und des mehr. fachen Diebstahls und der Verun treuung. Der letztere Punkt hängt mit der Hauptsache nicht zusammen, sondern ist eine— immerhin bezeichnende— Privatangelegenheit dieses nationalen Vorkämpfers. Bei der ersten Verhandlung hatten sich die Sieben sämtlich für unschuldig erklärt und natürlich auch Zeugen zur Stelle gebracht, die diese„Unschuld" bestätigten. Der heu'ige Derhaudluugvtag bracht« ver schiedene Details von der Tätigkeit der sieben An» geklagten au jenem Llbend. Der größte Teil der heute gehörten 30 Zeugen be- st ä t i g t e in einzelnen Zügen das Bild, das die Anklage von dem Wüten der„Ordner" eu wirft. Natürlich gab eS auch Entlastungszeugen, die ge sehen haben wollen, daß die Stühle keineswegs vom Podium in den Saal flogen, sondern umge kehrt, was freilich schwer zu begreifen ist, da in dem Saal ein solches Gedränge herrschte, daß schwerlich Raum zum AtiSholen gewe'en sein kann. Bemerkenswert unter den Zeugen sind aber die folgenden: Johann Drachaäek stand bei keinem Kol legen. dem Hörer der Technik Mosteeky, der den Antrag auf Vertretung de« Opposition im Präsidium stellte. Brachaüek wurde zum Saal hinauSgedrängt. AIS er schon vor dent Gebäude stand und di« Versammlung aufgelöst war. stürzten sich zehn bis fünfzehn Jung- l i g i st e n auf ihn, schleppten ihn in die Veranda, schlugen ihn ins Gesicht nnd mißhandelten ihn furchtbar, bis ihn d'e Polizei erlöst«. Unter den SA-Imita toren erkannte er mit Sicherheit de>» Angeklagten K o l i n, der ihm F a u st s ch l ä g e i n s G e s i ch t verseh! fjottc. Vladimir Mosteeky, der Wortführer der sozialistischen Opposition, kam schlimmer tveg. Als er den Antrag gestellt hatte, der Opposition di« gebührende Teilnahme an der VersammlungS- leitung einzuräuinen, fielen mehrere„Ordner" über ihn her und traktierten ihn mit Fan st- sch läg e n g«ge nde n K ops. Er sah Moravce, wie er einen Stutz'! in der Hand hielt. WaS er mit diesem tat, konnte er infolge der auf ihn niederprasselnden Hiebe nicht erkennen. Wie er als Zeuge heute erklär e. hat er ganz« vier, zehn Tage aus dem Krankenlager verbringen müssen. Unter deit Zeuge« befand sich auch der Herr Chef der„Nationalen Liga", Abg. Stbibrn^, der an dem verhängnisvollen Albend zu„seiner" Jugend sprechen sollte. Ergötzlich wirkte, daß.Herr Stribrn^ nach seiner Aussage seine frisch uniformierten„Ordner"(rosa Hemd mit roter Krawat e — man beachte di« Kopierung der SA!) zuerst als Kommuni st«n ansah, wegen der roten Binder. Im übrigen hat Herr StribrnF nach seiner Aussage keinerlei Angriffe seiner Ordner bemerkt. Dagegen hat er gesellen, daß.zuerst ein, dann drei und schließlich an zwanzig Stühle" von der Opposition gegen das Podiutn geschleudert Raman von Felix Fechenbach „Vielleicht sin aber schüttere Mädli dabei," neckte Franz,„die mir besser g'salln" „Wirst nit viel Rechtes finden!" Lene war leicht eingeschnappt. „Spiegelein, Spiegelein an der Wand, wer ist die Schönste im Frankenland?", neckt Franz weiter. „Du kannst dock; tvirklich nix weiter, wie die Leut aufzichn." Sie tvaren mittlerweile zur Tanzschule gekommen, die im ersten Stock gegenüber der Renererkirche eingerichtet war. Zunächst waren die Mädels noch allein, die Herren warett in vin anderes Zimmer eingetreten. Die Mädchen waren alle ein wenig erregt, hatten sich in Kleidung und Frisur besondere Mühe gegebeit, einen günstigen Eindruck zu tnachen. Auf einer Stuhlreihe, die an der Wand entlang aufgestellt war, niußten sie Platz nehmen. Dann kam der große Augenblick. Die Tür zum Nebenzimmer ging atts, und im Gänsemarsch kamen die tanzbcflissenen Jünglinge herein. Steif und ein wenig verlegen blieben sie dett Mädchen gegenüber in einer Reihe stehen. Der Tanzlehrer stellte vor. Es gab ungelenke Verbeugungen ttitd rote Köpfe. Aber viel Zeit zunt verlegen sein wurde nicht gelassen. Die Klavierspielerin schlug auf einem verstimmten Klavier die ersten Takte eines Schottisch an, und der Tanzlehrer klatschte in die Hände: „Engagieren, meine Herren!" ;• Franz beeilte sich, Lene als Tänzerin zu be« : kommen und stieß dabei mit einem schlanken jungen Mann zusannnen, der auch im Begriff war, Len« zu engagieren. Gegenseitiges Ent- schuldignngSgrstatnmcl, dann tanzte Franz mit Lene los. „Es geht ja ganz gut," meinte er, als er mit Lene einmal tmt den kleinen Saal herumge- kommen war. „Der Schottisch, das is ja e Kinderspiel, aber der Walzer...!" „IS ja noch kei Meister vont Himmel g'salln. Mit'm Walzer Wern wir aber attch fertig werden." „Du, Franz," fragte Lene beim Weitertanten,„wer war denn der Herr, nut dent du vorhin zusammeng'stoßen bist?" „Groß heißt er. Ich glaub, er iS Verkäufer im Kaufhaus Seißer." Die Tour tvar jetzt zu Ende uttd die Herrett geleiteten die Damen an ihre Plätze. Rach einer kleinen Pattse kam ein Walzer dran. Franz holte sich wieder di« Lene als Partnerin. Leise sumntte sie deit Teyt zu der gespielten Melodie vor sich hin: „Wiener Blut, daS ist gut, voller Kraft, voller Saft, voller Mut..." Daun unterbrach sie fick plötzlich:„Kennst du den.Herrn Groß näher?", „Nä, dett hab ich erst int TonzkurS kennen gelernt." Der Tanzlehrer bemängelte bei den einzelnen Paaren dies und jenes. Die Musik brach ab. Allgemeine Belehrung folgte, wie die Dame zu führen sei, wie mau den Fuß setzen müsse, nm der Datne nicht auf die Schuhe zu treten, und WaS dergleichen Ratschläge mehr sind. Daun 'onnte die Tour zu Ende getanzt werden. Beim tiächsten Walzer ivar Franz nicht schnell genug zur Hand, und Groß tanzte mit Leu«. Es war der einzige tmter den jungen Leuten, der sich nicht steif und linkisch benahm, und er batte attch einen flotten Tanzschritt. „Ich hatte mir daS alles viel schwieriger vorgestellt, gnädiges Fräulein," sagte er nach einer Weile.„Aber tvenn man eine Tänzerin hat, die so leicht über den Boden schwebt wie Sie, gnädiges Fräulein, da ist daS Tanzenlernen ein wahres Vergnügen." Lene bekam einen roten Kopf tmd wußte nicht, waS sie aus das Kompliment sagen sollte. Aber sie wollte auch nicht schweigen, wie eine dumme Pute. Schließlich faßte sie sich ein Herz und meinte: „Ick) hab mich immer schon atifs Tanzen «'freut. Uttd ich glattb, tvenn man die richtige Freud«im Tanzen tnitbringt, dann lernt manS auch leichter." Wieder war die Tour zu Ende, und Groß brachte Lene an ihren Platz. Fast den ganzen Abend tanzte sie nur mit Franz und Groß, wer eben von den beiden gerade zuerst bei der Hand war, bis schließlich der Tanzlehrer erklärte, die .Herren dürften trickst immer mit den gleichen Damen tanzen. Lene zog eine Schnute, aber sie wurde den Rest der Tanzstunde von Franz und Groß nicht mehr engagiert. Um zehn Uhr war Schluß. Man verabschiedete sich mit steifen Bücklingen, und Franz ging mit Lene nach der KärrnerSgassc. „Der gemeinsame Tanzabend is doch schöner, Franz, als tvenn di« Herren tmd die Damen immer für sich sind." „Ja, wenn nur nit so fürchterliche Vogelscheuchen unter den Mädels wären. Da sin ja e paar dabei, direkt zum Abgewöhnen! Du bist wirÄich di« Einzige, die passabel is." /.Hast Wohl kein schöners Madie g'fnndcn, weil d' immer wieder mit mir getanzt hast?" fragte Len« mit schelmischem Lachen. „Du wirst ja noch größenivahnsinnig! Da muß ich dir gleich einen Dämpfer aufsetzen. Du weißt ja, unter den Blinden iS der Einäugige Kömg!" „Du kannst einem doch kei liebS Wort gönnen, Franz! Und wenn d' tvirklich ans Versehen mal eins g'sagt hast, dann ttits dir gleich nachher leid." „Ich red halt, wie mir der Schnabel ge- wachsen is. Und e bißl Spaß mußt scho verstehn, wenn d' dich mit mir vertragen willst." Unter Necken und Scherzen kamen sie in die Karrnersgassc. Vor dem Milchladeii der Groß- nnttter gab Franz der Len« die Hand: „Also, bis übermorgen! Und träum nit soviel von dem Ladenschwengel Groß!" Am Donnerstag holte Franz die Lette nicht zum Tanzknrs ab. Er mußte in die Backstube, weil der Geselle plötzlich krank geworden war. Groß nahm diesen Umstand wahr und tanzte mit Lene, so ost es ging, ohne aufzusallen. Nach Schluß des Abends wartet« er unten auf der Straße, bis Lene kam und sprach sic an: „Gestatten Sie, gnädiges Fräulein, daß ich Sie begleite?" Lene errötete leicht, sagte aber, ohne langes Besinnen: „Bitte schön, Wenns Ihnen Vergnügen macht." „Das allergrößte Vergnügen, gnädiges Fräulein! Ich würde schon am Dienstag meine Begleitung angeboten haben, aber Sie hatten bereits Gesellschaft." Groß sah sic mit einem lauernden Blick von der Seite an. Er wollte wissen, welcher Art ihre Beziehungen zu Franz Hein seien. „Ja, Franz Hein war dabei. Wir wohnen in einer Straße, und mein Bruder iS mit ibm in die Schul« gegangen. Er hat heut nit kommen können." Mit dieser Anttvort vermochte Groß nicht viel anzusangen. Da konnte eine gewöhnliche Nachbarssreundschgft dahinterstecken, aber vielleicht auch mehr. Er wollte das schon herausbekommen. „So! Na, da kennen Sie sich ja Wohl sehr gttt tmd schon recht lauge?" (Fortsetzung folgt.) Jte S78 SamSkag, 25. Notzeml>«r 1238 Seit* 3 Ein Belastungszeuge aus der Strafhaft In der heutigen Verhandlung des Prozesses zur Verteidigung der Reichstagsbrandstifter wurden die Zeugenvernehmungen sortgesetzt. Zu der Aussage des Zeugen Barz wird Frau -eher vernommen, die damals als Pflegerin bei Barz wohnte und für dessen Kinder sorgte. Di« Zeugin bezeichnet eS unter ihrem Eid ausdrücklich als ausgeschlossen, daß ein« solch« Besprechung, wie sie der Zeuge Grothe behauptet hatte, in der Wohnung von Barz statlgefundcn habe. Zur gleichen Frage wird als Zeugin Fräulein Macke vernommen, die in jener Zeit Untermieterin bei Barz war. Sie weiß cb« n falls von keiner solchen Besprechung. Der nächst« Zeuge, der Elektromonteur Mcver war kommunistischer Lileratnrobmann in derselben Organisationszrll« wie Grothe. Zu der ihm vor- hchaltenen Aussage GrothcS, daß Meyer in einem Lokal des Rotrn Fronlkämpscrbnndes Im Feber d. I. sich in Alarmzustand befunden habe, sagt der Zeuge: Denn Grothe das gesagt hat, dann har erbte Unwahrheit gesagt. Die„Parole“ Auf eine Frag« des vberreichSanwaltes bestätigt der Zeuge, daß ihm die Parole„Schlagt die Fascistcn, wo ihr sie trefft," bekannt Ivar. Dimitrow: Wie hat der Zeuge diese Parole verstanden? Zeug« Meyer: Wir haben in unserer Zell« darüber diskutiert und haben gesagt, daß diese Parole sehr unglücklich gehalten sei. Wir haben darüber diskutiert, daß der Herausgeber dieser Parole schließlich die Bearbeitung der Nationalsozialisten meint. Vorsitzender: Haben Sic sonst im Leben schon einmal gehört, daß man unter„Schlagen,, ein Bearbeiten durch überzeugende Worte versteht? Der Zeuge schüttelt den Kopf ud der Vorsitzende erklärt: Ich auch nicht. Dimitrow: Ich möchte z. B. die Anklage kaput schlagen, und das bedeutet für mich auch nicht, daß Ich den Obrrreichsanwalt totschlagen will. (Heiterkeit.) Der Vorsitzende erwidert dem Angeklagten, daß er ja«ine so eigentümlich« Ausdrucksweise haben möge. Ter Koch KrauS von der Aschinger Filiale am Bahnhof FricdrichSstraße sagte als Zenge, daß Torgler und Koenen am Brandabend zunächst allein gewesen seien, n. zw. zwischen 8.15 Uhr und 8.80 Uhr. Auf den Vorhalt, dack es nich onrrn Zeugenaussagen später gewesen sein müsse, erklärt Zeuge, er hab« um halb 9 Uhr bereits Tieslschluß gehabt. Wieder ein Zeuge aus der Strafhaft Nach der Pause wird der Zeuge Weinberger aus der Strafhaft vorgcführt, der wegen B e- st« ch» n g zu ztvei Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Ter Zeuge hatte sein« Zelle in Berlin neben der des Angeklagten Popotv. Mährend der Haft hat er wiederholt Gelegenheit gehabt, mit Popow zu spreche». Popow habe ihm gegenüber seine Unschuld beteuert und wiederholt geäußert, daß er mit der Brandstiftung im Reichstage nichts zu tun habe. Er habe aber di« Befürchtung geäußert, daß er wogen PaßvergehenS, wegen Devisenvergehens und vielleicht auch wegen Hochverrates dostraft werden könnte. Auf die Frage des Zeugen, was er in Deutschland tue, habe Popotv erklärt, er studiere hier die WirlschastSlage. Im übrigen sei er nichts ive'ter als oKmmunist. Neber das Dev'seiwerffehen soll Popotv gesagt haben, daß er einig« tausend Dollar ins Ausland geschickt habe Woher Popotv das Geld hatte und wohin er es schickte und zu welchem Zwecke, danach habe der Zenge nicht gefragt. Der Vorsitzende hält dann di« Aussagen Weinbergers dem Angeklagten Popotv vor. Popow erklärt erregt, er habe nichts ähnl'ches zu Weinberger g« sagt. In dessen AnSsage kein wahres Wort. Vorsitzender: Dann ist cS auch wohl nicht wahr, daß er ihn gebeten hat, seine Papier« und Notizen vernichten zu lasten.— Popow: Auch das ist vollständig unwahr. Als der Angeklagte Dimitrow halblaut wiederholt Bemerkungen macht, verbietet sich der Vorsitzende di«S energisch und drcht Dimitrow erneut schärfste Maßnahinen an. ver Hann bei Portal n. Als nächste Zeugin wird Frau Kühner vernommen. Tie Zeugin hat am 27. Feber abends einem Vortrage im Nationalen Klub gegenüber dem Rcichs- tagSgcbände beigewohnt. Ter Vortrag begann um 8.45 Uhr, Die Zeugin ist«NvaS verspätet«ingetros- fen und gegen 9 Uhr oben im Klub gelvesen.„Ich war ungefähr"— so erklärt sie,„vom Portal II etwa»0 Meter entfernt, als ich bemerkt«, daß dir Tür geöffnet wurde. An dem Portal war ein weißes Schild angebracht. Ich konnte deutlich sehen, wir dieses Schild nach innen schwenkte, als der eine Türflügel anfging. Mir fiel auf, daß ein.Herr aus dem Reichstag hcrauSkam, seins chncll die Stufen hernntersprang und im schnellen Tempo in der Richtung nach der Krolloper ging,''r ging hastig und mit großen Schritten. An di« Figur d«S Mann«S kann ich mich nicht genau erinnern. Als ich dann beobachtete, wir van der Lubbe abgeführt wurde, glaub!« ich, das sei der Mann gelvesen. Ich glaube aber, daS sei nur eine Ideenverbindung von mir und die Bemerkung stützte sich nicht auf die genaue Beobachtung seiner Person." Auf Aufforderung des Vorsitzenden steht Popow aus, dir Zeugin sieht ihn an und sagt, sie könne nicht umer ihrem Eid lagert, daß der von ihr gesehene Mann di« Figur von Popow gehabt habe. Nach einer kurzen Vernehnning der Stenotypistin Kirst, dir in der sozialdemokratischen ReichstagS- fraktivn tätig war, wird die Verhandlung auf Samstag vertagt. Das Schlußwort des Finanzministers Die Voraussetzunsen für die Wiederbelebung unseres Exportes Prag, 24. Nove:r. Finanzminister Trapl verwies in seiner gestrigen Rede im Budgctausschuh auf die Notwendigkeit, das Bud- act auch wirklich einzuhaltcn, da wir uns nicht so wie die Staaten mit alter Wirtschaftstradition auf den Kredittvcg verlassen dürfen. Besonders hcrvorzuheben sei, daß sich alle Sprecher in der Debatte gegen eine Inflation gewendet haben. In Besprechung des Pcrsonalproblcms wies der Minister daraus hin, daß von den 3-115 Million:», um die das Budget gegenüber dem letzten normalen Budget reduziert wurde(die 799 Millionen für die Arbeitslosen schon abgerechnet), anf die Personal- sparmaßnahme» nur 9-15 Millionen entfallen. Die Herabsetzung der Gehälter bedeutet zwar eine Beschränkung der Erwerbsmöglichkciten und der Konsumkraft; diese würde jedoch auch in annähernd gleicher Höhe cintretcn, falls das Tcsizit aus andere Weise gedeckt würde. Auf dem Gebiet des Steucrwesens kündigt Trapl die Neuregelung der Umsatzsteuer bei Landwirten an, die im Zusammenhang mit der Grundsteuer ein- gchoben werden soll; das wird für den technischen Apparat eine große Vereinfachung bedeuten. Hinsichtlich der S t c u e r r ü ck st ä n d e tue das Ministerium angesichts der Krise, was e8 nur tun könne. Durch die Steuerbegünstigungen der Arbeitsanleihc wurden 197.999 Posten von rückständigen Steuern liquidiert; es sei also nicht wahr, daß nur die Reichen einen Vorteil davon gehabt hätten. Tie getilgten Steucrrückstände betrugen 715 Millionen, worauf 536 Millionen eingezahlt wurden. TtaatSpaviere wurden im Gcsolgc dieser Transaktion für 339 Millionen eingezogen. Der schwierigen Loge der Selbstverwaltungskörper bringe daS Ministerium Verständnis entgegen. Nach dem Stand vom 39. Juni d. I. wurden ihnen 355 Millionen an Ueberzahlungen und Vorschllsten bewilligt; aus dem Ergebnis der Ar- beitSankeih« erhielten sie 295 Millionen für ren table Investitionen. DaS Finanzministerium erwägt eine Hilfe hauptsächlich für die am meisten betroffenen Bezirke durch Erleichterung ihrer Schuldenlast. Die Selbstverwaltung müst« freilich auch«insehrn, daß der Staat nur tun kann, waS in seinen Kräften steht. Die nächste Ausgabe wird«S sein, die Beratungen des Bera- tungSkörperS für die SelbstvrrwaltungSfinanzen fortzusetzen. Die Ergebnisse der Zinsfußregelung bezeichnet der Minister als nicht befriedigend; allerdings müsse man berücksichtigen, was für ein Chaos vor der heurigen Regelung auf diesem Gebiet herrschte. Man müsse sich deshalb um eine weitere Senkung des Zinsfußes bemühen. Daß das Preisproblem ohne Neuorientierung vieler Produktionszweige nicht gelöst werden kann, fei begreiflich. Diese Neuorientierung sei auch notwendig mit Rücksicht aus die ungeheueren Verschiebungen in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Was wir im Außenhandel durch die Verelendung der ganze» Welt verloren haben, werden wir schwer aus eigener Krast ersetzen können; vielleicht im Laufe einer allmählichen Erneuerung der WelNvirtschaftskräfte, aber sicher auf einer geänderten Grundlage, weil inzwischen in der Produktion der übrigen Staaten große Umschich- tungcn eingetrelen sind. Das alles werden wir zu berücksichtigen haben, wenn wir die Möglichkeit der Erneuerung unseres Exportes erwägen, in der allein die Hilfe für unsere Wirtschaft liegt. Für die Hebung des Exportes ist das erste Problem die Ueberschreitung der Preisbarriere, die in manchen Zweigen unseren Export hemmt. Wir wüsten die Preise der Exportwaren den Exportmöglichkeiten anpassen. Ta wird vorher eine Einigung zwischen Industrie und Landwirtschaft not- tvendlg sein, weil es sich hier um den Export nach Ländern handelt, die unsere Waren nur durch eigene Waren bezahlen können. 66N0886 Kremser in der Budgetdebatte: Die Not M M den WelMl Prag, 24. November. In der Debatte über die finanzielle Gruppe des Tlaatsvoranschlages verlangte Genoste Kremser eine gründliche Reform der Steuervvrschrcibung und Sleuercin- hcbung. Wenn heut« die Selbstverwaltungskörper so schlecht stehen, so sind daran zum großen Teil dir Sleuerabschreibungen schuld, dl« bei den zuschlogspslichiigen Steuern im Fahr« 1931 rund 40 und 1932 bereits 56 Millionen betrugen; bei durchschnittlich 560 Prozent Zuschlägen macht dies für di« Eelbstverwaltungskörper eine» Abgang von 224, hezw. 308 Millionen aus. Tiefe Abschreibungen betreffen säst durchtvegs Fälle aus der Zeit v o r der krisc. Im Gefolge ter Steuerreform ist di« Steuermoral nur noch weiter gesunken. Gerade hier müßt« das Finanzministerium mit allem Ernst und mit aller Eewistenhaftigkeit einsetzcn. Wie die Buchführung in den Acmtern aussieht, und welchen Leidensweg«in Steuerträger durchzumachen hat, bevor offensichtlich« Irrtümer in der Buchung richtig gestellt werden, zeigt« Genost« Kremser an einigen, besonders krassen Beispielen auf. Er verlangte weiters, daß die Abzugsfähigkeit von Spenden für die Arbeitslosrnfürsorge ausgesprochen werd«, da doch der Staat durch solchen Spenden entlastet wird Die ganze Arbeit uzm Ausgleich des Staatsbudgets müßt« aber bald zur Halft« vergeblich sein, wenn map den Gem,rinden nicht Hilst und sw Parteitag der KPR einberufen Moskau, 24. November.(Taß.) Die Mitteilung über di« Einberufung des 17. Parteitages der kommunistischen Partei der Sowjetunion zum 25. Jänner 193-1 wurde nun veröffentlicht. Aus der Tagesordnung steht der Tätigkeitsbericht des Zentralkomitees der Partei, den Stalin obgeben wird, lieber den Bericht der Zentralkontrollkom- misfion wird Rudsutak referieren. Für dir Zcn- tralrevisionskommission wurde Wladimarski zum Berichterstatter ernannt, lieber den zweiten Fünffahrplan werden Molotow und Kusbischcw berichten, während über Organisationsfragen Ka- aanowitsch sprechen wird. Hierauf folgen die Wahlen der Zentralorgane der Partei. so über kurz oder lang In den Konkurs treibt. Der Schuldenstand der SelbftvertoaltungSkörp« ersucht bereits di« Grenze des Möglichen. Di« 19.7 Milliarden Selbvcnvaltuiigsschnldcn, von denen unlängst der Innenminister sprach, slaivmen zum großen Teil aus den Bolksgeldanstalten und den Trögern der Soizalversichening: di« Einstellung des Zinsendienstes der Kommunaldarlehen durch die Gemeinden würde eine ungeheuere Gefahr für*>le Geldanstalten bedeuten. Die Gemeinden berechnen ihr« Umlagen nur grünt von falschen Ziffern der Steuerbehörden, si.- habc» aber kein« Kontroll« und sic werden nicht pe- sragi, wenn die Zuschläge abgeschrirben werden; darüber entscheiden ganz ander« Faktoren. Tas ist natürlich unhaltbar. Die Verzugszinsen bei den direkten Steuern, die im Jahr« 1932 156 Millionen ausgcmacht haben, gehören eigentlich nicht dem Finanzministerium, sondern das sind zu vier Fünfteln Verzugszinsen für autonom« Zuschläge; di« Gemeinden bekommen aber keinen Heller davon! Dann müssen natürlich die Haushalt« oer öffentlichen Köiperschaslen vollständig svauSg». glichen bleiben. Furchtbar ist auch der Leidensweg, den die 61«. meinden mit den Uinlagenüberzahlnngrn mitmachen müssen. Gesuche haben meist kein Ergebnis. Ei« besonders krastes Bei spick gibt die Gemeind« R>«• g« rSdors: Dort wurden 1932 überhaupt kein» Umlagen«ingehoben, weil sich di« dortigen Unternehmungen verpflichteten, die Kosten des Voranschlages zu bestreiten. Trotzdem wurde ter Gemeind« sve 1932 ein Umlagenübergenuß von 32.000 Kronen rur Ersatzleistung vorgeschrieben! Solchen Zuständen müßt« schleunigst«in End« gemacht werden; zumindest müßt« ein« Stabilisierung der Umlagenzuweisnngen etn- treten. Schließlich bespricht Genoste Kremser den in letzter Zeit diskutierten Vorschlag Dr. Franks, 511* Regelung der Eemeiiidcschulden einen Fonds von zwei Milliarden zu gründen, der Schuldverschreibungen ausgcben soll, deren Verzinsung und Amortr« sierung durch die Wertzuwachsabgaben der Gemeinden gedeckt werden soll. Dieser Entwurf ist«in gangabarer Weg: der Beralungskörper für die Gemeindesinanzen sollte sich sofort nach Abschluß de« Budgolverhandinngcn mir diesem Vorschlag beschältk. gen und all« Weg« zu seiner Verwirklichung ebnen. Das’SS&i untrügliche Zeichen* der DATUMSTEMPELN Gibt es wohl ein einfacheres Mittel, um auch Margarine beim Einkauf cu prüfen? Jeder Wflrfel trügt ein Datum. Ein Blick genügt, und Sie wissen, bis wann Vliello zu verbrauchen ist. VITELLC DELIKATESS-MARGARINE Abschluß der AussdHcßberaüingcu Prag, 24. November. Ter BudgetanSschnß nahm heule gegen Mittag die Abstimmung über den Staatsvoranschlag für 1931 vor, wobei alle oppositionellen Abändernngsanträge abgrlchnt und daS Budget in der Fassung der.Negierung«> Vorlage angenommen wurde. Tann wurde noch das Finanzgesetz für 1934 in Berhandlung gezogen. Der Referent R e in e g konstatierte, daß die Konstruktion deo Finanzgesetzes gegenüber den früheren Jahren keine grundlegenden A e n d e r n n g e» aiisloeist. Sie betreffen lediglich die Reduzierung der Zuweisungen an einzelne Fonds. Auch das Finanzgesetz wurde unverändert angenommen und zum Gcnr- ralreserrnten für das Plenum Ab-"-ordneter R e m e 8 bestellt. Angenommen wurden ferner zwei Resolutionen der Koalitionsparteien. Dir eine verlangt die Sicherung der im Gefolge der Liquidierung aus den Diensten de- Vodenamtrs ausscheidenden Angestellten durch Zuweisung in andere StoatSämter, durch Zuteilung von billigem Boden oder durch entsprechende Abfertigung. In der zweiten Resolution wird die Regierung aufgesordert, ans radikale Bieise die Diüparität zwischen den Preisen beim Erzeuger und den Preisen beim Verbraucher zu beseitigen, in Konsequenz besten in kürzester Zeit für den Konsumenten den Preis der Lebensmittel. Kohle und anderer 91 0 h st 0 s s e hcrabzusetzen und auch zu einer Senkung des Zinsfußes zu schreiten. Alle übrigen Resolutionen wurden a b g e l e h n t mit Ausnahme einer einzigen oppositionellen Resolution wegen dcS Neubaues einer Mittelschule in R a s e n b er q. Die AuSschußvrrhandlungen dauerten diesmal nur zwei Wochen und wurden in zwölf ganztägigen Sitzungen, die ost bis spät nachts andauerten, erledigt. Bon den 135 Rednern in der Debatte waren 17 Mitglieder der Regierung, bzw. Vertreter der obersten Behörden,<14 Abgeordnete der Koalition und 54 oppositionell« vtbaeordnete. Tie Redesrift war in keiner Weis« beschränkt. Deutsche und tschechisch« Schulen. Im „Prnvo Lidu" schreibt Fr. K 0 v a r 1 k über den 28. Oktober und die Deutschen und gelangt zu folgenden Schlußfolgerungen:„Der heurige 28. Oktober brachte eine gewisse Klärung, denn er hat alle demokratischen Kräfte konzentriert. Hoffen wir, daß die heurige Aitnähcruug der Deutschen an den Staat ein Anfang war und eine positive Fortsetzung erfahren wird. Wir würden wünschen, daß diese Annäherung auch praktische Folgen habe. Beachte» wir die Schulfragei In manchen Gemeinden ist sowohl die tschechische als auch die deutsche Schule schlecht unterste bracht. Die tschechische Schill« baut der Staat, di« deutsche die Gemeinde, heut« ist die Mehrzahl der Gemeinden arg daran. Jeder wird begreifen, daß cS leicktcr wäre ein gemein- s a>n c s Schulgebäude zu bauen als zwei selbständige, weil einerseits der Aufwand niedriger wäre, und dieser von Staat uno Gr- nteinde getragen werden könnte, so daß der Bau eher vertvirklicht werden könnte und manche Arbeitslose Arbeit hätten. Durch ähnliche Dinge könnte auch mehr geschehen und gleichzeitig würden die nationalen Reibereien beseitigt und der StaatSgedanke bei den deutschen Mitbürgern gestärkt werden. Die eiserne Stirne der Hunnen Berlin, 23. November. Der„Berliner Lokalanzeiger" setzte für„Aufklärung der Fäl schnngcn" und Herbeischassung der Beweise für die angeblichen Dokumente des„Petit Parisien" eine Belohnung von 50.000 Mark anS. Der Nachweis muß durch Vorlage des O> ginaldokunients und des dazu gehörigen Me terials erfolgen. Die Nachprüfung des angeb lichen Dokuments, des Materials und der An gäbe von angeblichen Quellen soll durch eine neutrale Kommission erfolgen, deren Entschei- düng rechtsverbindlich ist. Celle 4 SamStag, SS. November 1938 Nr. 278 1 l HOUXNQUAIEN\ X. bereiten rheumatische» und neuralgische Schmenen. besonders B bei feuchtem und Kai 1 rem Wetten | Daher eine sc''”' er’ • zensllndernde Mas 1«a s e mit... \ Alpa-Franabranntwcln l.—--- I-* -\ I strtbrno lobt Hitler meldeten einige Blätter, in der -Nahrisch-OItrau«r Aegeich sei man fascistifcher Literatur auf die Spur gekommen, di« sich nicht '^ On^ tn deutscher, sondern auch tsche. chlscher Fascisteu befand. Lieferant dieser Litera, bar war das Dritte Reich. Die innige Ber» " r 5'.der deutschen und tschechischen t J- durch diese Entdeckung unserer ^^^7?^Eyvrden ertviesen wurde, ist aller« durgs schon einige Monate alt. Sie war schon in « SooeMbntnen zu erkennen, die Herr Kahä» nek, Störbrichs Lcibjournalist, unter dem Beifall dr»»Tag dem Dritten Reich sang und in der flwn die deutschen Emigranten, bei der sich die deutschen mit den tschechischen Fascisten eben, falls trafen. Diese-Hetze gegen die deutsche Emigration wurde nn gestrigen„Expreß" fortgesetzt. Man m*“* direkt, wie der„Erpreß" nach einem i^dmden Blick Hitlers auSjrycrut, wenn er die elende Mar in die Welt setzt, die 700 Emigvan« len, die eS angeblich in Prag gibt, hälfen eine glamende(skvölou) Existenz und hätten ein durchschnittliches Monatseinkommen von etwa 2000 Ks._ Die hungernden Emigranten, über freien mühevollen Kampf um daS tägliche Stückchen Brot wir erst gestern einen erschütternden Bericht veröffentlichten, werden gerne bereit sein, Herrn Striornh an ihren schwelgerischen Gast» Wählern teilnehmen zu lassen. Daß es diesem aber tatsächlich darum geht, Hitlern zu gefallen, beweist ein in der gleichen Nummer deS„Expreß" veröffentlichter Artikel, in dem Stellung genommen wird zu dem im gestrigen„Tagblatt" enthaltenen„Gespräch mit einem Deutschen". Dort äußerte sich einer, von dem das„Tagblatt" behauptet, daß er einigen Mäimern aus der Umgebung Hitlers kritisch gegenüberstehe, sozusagen„objektiv" über Hitler selbst, indem er ihm ein gutes Gefühl für Volkstimmungen und taktisches Können nachsagt und den Sieg den nationalen Sozialismus über den Verrat und die-Halbheiten der jetzt in Deutschland Herrschenden prophezeit. ES kann sich bei einem Manne, der der Hitler-Clique w i r k- l i ch Kindlich gegenübersteht, doch nur nut jemanden handeln, dessen Meinung im jetzigen Deutschland nicht maßgeblich ist oder der, wen» er ein Mann von Charakter ist, in der Emigra- tion leben dürfte. Indem das„Tagblatt" die Meinungen dieser Unbekannten kritiklos wiedergab, erzielte es die wahrscheinlich von ihm gar nicht gewollte Wirkung, daß es nun vom„Erpreß" als Kronzeugen für Hitler angerufen werden kann. Nach der ganzen Haltung, die das„Tagblatt" in der lebten Zeit gegen Hitlerdeutschland einnahm, ist die Annahme berechtigt, daß es das freudig« Anschnappen der Stkibrny-Kahünek-Cliaue weder gewollt Hai, noch als angemhm empfindet. Es sollte nicht zögern, daS den tschechischen Fascisten in aller Deutlichkeit zu sagen. Die Arbeitskommission der öffentlichen Ange- stellten-Organisationen bei den koalierten Par. Wien wurde am Freitag, den 24. November, nachmittags vom Ministerpräsidenten Malypeir einp fangen. Gegenstand der Verhandlungen waren Details der strittigen Personalinoßnahmen. Triste Finanzlage deS Landes Mäbrcn-Scble- sien. In der gestern abgehalteneu Sitzung deS mährisch* schlesischen Landesnusschusses wurde über die Finanzlage des Landes Mähren- Schlesien berichtet.-Mit Rücksicht darauf, daß die Eingang« weit hinter den prällminierten Posten zuruckbleiben, wurde beschlossen, die SubventionS- posten des Budgets für daS Jahr 1933 nur zu 60 Prozent auszuzahlen. Weiters wurde die V«r- aebung der Pflichthaftversicherung des Landes beschlossen. Der LandesanSschuß genehmigte weiters 22 Bezirlevoran^chläge und verhandelte 92 Ge- zntzutdevoranschläge. Und das Weltsewissen schweigt... Die Schande der Konzentrationslager London. Die Revue„Nineteenth Century" veröffentlicht einen sensationellen Artikel deS bekannten englischen Journalisten W. Arnold F o r st e r über die grauenhaften Anstände in den deutschen Konzentrationslagern. Forster schreibt, es sei nicht leicht, über diese Dinge zu schreiben, aber man müsse endlich die Wahrheit sagen, denn nicht mir das Ansland, sondern anch das deutsche Volk selbst wisse zumeist nicht, welche furchtbaren Dinge sich innerhalb dieser Konzentrationslager abspielen. Er wundere sich, daß das Weltgewissen immer noch schweigt und daß der englische Premierminister nicht im Namen des englischen Volkes das Wort erhebe. Deutschland besitzt, nach den Angaben Forsters, gegenwärtig 68 Konzentrationslager, außerdem noch zahlreiche SA Gefängnisse, die zumeist in zerfallenen alten FabrikSgebäuden, alten Schlössern usw. nntergebracht sind. In den Konzentrationslagern allein werden etwa 60.000 Menschen gefangengehalten, die ohne jegliches Ge- richtsverfahren, ohne Anklage oder Verurteilung eingeliefert wurden uird zumeist selbst nicht wis- sen, warum sie eigentlich verhaftet worden sind. Bas Grauen von vornan Die furchtbarsten Eindrücke gewann Forster im Konzentrationslager von Dachau, wo sich zur. zeit rund 2500 Häftlinge befinden, zumeist Juden, Sozialisten und Kommunisten. Er sah dort alte Männer und siebzehnjährige Burschen, Abgeordnete. Journalisten, Arbeiter usw. Die Erinnerurtg an die Verpflegung dieser Leute erweckt in ihm auch heut« Grauen und Ekel. Die Häftlinge erhalten täglich eine kleine Ration Schwarzbrot, Wurst Tagesneuigheiten IamllierittagSdle Aussig, 24. November. In den Nachtitun- den starb in seiner Wohnung der hiesige Arzt MUDr. Ignaz Sassower nach einer lang« andauernden schweren Krankheit. AuS Gram über seinen Tod nahmen seine Gattin und feine Mutter Gift. Die behandelnden Aerzte fanden um halb 5 Uhr ihren Patienten tot vor. Die Gattin und die Mutter Dr. Sasso- wers wiesen starke Bergiftungserlchelnungen auf und wurde» mittels eines SanitätSautos ins Krankenhaus gebracht. Selbstmord mit dem Ilugzeug. Jacksonville. Aus Gram über den kürzlich erfolgten Tod ihres Gatten mietete eine Frau namens Luise S t a»t o n ein Flugzeug, das sie selbst steuerte und mit dem sie weit über daS Meer hinausflog. Als der lebte Tropfen Benzin verbraucht war, stürzte das Flugzeug ab und versank in den Fluten. Vor dem Start gab Miß Stanton bei der Tankstelle einen Brief an den Kommandanten des Flugplatzes ab, der später, als Befürchtungen über den Verbleib der Frau wach wurden, geöffnet ivurde. In dem Brief hieß«S:„Ich fliege in das dlll hinaus, um herauszusinden, was der Smn des Lebens ist. Ich will nicht, daß nach dem Wrack der Maschine und nach mir gesucht wird. Ich will vermeiden, daß bei der Sache jemand zu Schaden kommt." Dem Brief sag ein Scheck bei, der den Verlust der Maschine deckt. Liebeödrama zweier Kinder. Budapest. In einem Hotel in der Nähe des Westbahnhoses l-aben sich heute nacht ein sechzehnjähriger Knabe und ein vierzehnjähriges Mädchen mit Langenessenz vergiftet. Sie wurden mit schweren inneren Verätzungen ins Krankenhaus gebracht. Tas Motiv der Tat ist unglückliche Liebe. Nazi'lleberfall auf dänischer Schiff. Kopenhagen, 23. November. Das dänische Schiff„Kong Haakon" wurde im Hafen von Stettin von der Hitlerpolizei überfallen. Diese durchsuchte das ganze Schiss, tvährend di« Besatzung, auch der Kapitän, auf Deck festgehalten wurde. Awei Seeleute, die sich im Besitze von ailtifascistischen Schriften befanden, wurden von der Polizei verhaftet. Als sich der Kapitän später an das Polizeipräsidium ivandt«, um die beiden Verhafteten wieder freizubekommen, wurde ihm erklärt, daß sie wegen Hochverrats angellagt werden sollen. Es handelt sich bei dem Ueberfall der Nazis auf ein ausländisches Schiff um ein schweres völkerrechtswidriges Vergehen, da bekanntlich jedes Schiff als Boden feines Herkunftslandes gilt und de» Hoheitsrechten dieses Landes untersteht. Einer der Verhafteten ist Vorstandsmitglied des .HeizerverbandeS, dessen Vorstand sich unmittelbar a>r das dänische Außenministerium gewandt hat, um die Freilassung der beiden zu erwirken. Schulrundsunk über Parlamentarismus. Im Rahmen deS tschechischen Schulrundfunks wurde gestern aus dem Gebäude der Abgeordne'enlaur- wer eine halbstüMge Reportage ausaesandt, mit dem Zwecke, die Schuljugend in die Arbeiten der Nationalversammlung einzuweihen. Der Sekretär der Abgeordnetenkammer, Sektionschef Dr. Kiha, legt« den jmrgen Hörern den Begriff der gesetzgebenden Körperschaft und ihre CnNvicklung oar. Er führ'« auch anschaulich aus, was eigentlich ein Gesetz ist, wie cs entsteht und wi« die und Kartoffelbrei, der deil Eindruck eines grauen Klebestoffes macht. Forster hat von diesem Brei gekostet, mußte aber das Genossene sofort wieder von sich geben, da er einen heftigen Brechreiz verspürte. Er meint, daß dieser Kartoffelbrei aus minderwertigen, verdorbenen Kartoffeln zubereitet wurde. Wir werden gemartert! Dem Artikelschreiber wurde gestattet, nut einigell der Lagcrin'assen zu sprcckM. Als er sie aber fragte, ob sie körperlich gezüchtigt werden, antwortete jeder von ihnen:„W i r dürfen nichts sagen!" Nur einer der Häftlinge rief ihm in einem unbewachten Augenblick zu: „Wir werden gemartert wie im tiefsten Mittelalter. Dor kurzem wurden vierzehn Menschen auf furchtbare Welse getötet!" Forster erklärt, er würde irrsinnig werden oder sterben, wenn er genötigt lväre, die Nahrnng zu sich zu nehmen, die den.Häftlingen täglich verabreicht wurde. Er werde das Grauen niemals vergessen, das in den Augen eines jeden einzelnen flackerte. Zitm Schluß führt er einige Beispiele voll furchtbaren Folterungen an, die in vielen Fällen mit dem Tode des Gemarterten«ndeterl. Zahlreiche der Lager'Uiassen entzogen sich durch Selbstmord weiteren Folterungen. Auf geheimnisvolle Weise sind im Lager von Dachau ums Leben gekommen der ehemalige Polizeidirektor von München Fritz Dresse!, der kommunistische Abgeordnete Sevp Götz, der Kommunistenführer Bäumle und mehr als vierzig andre Häftlinge. Abgeordnetenkammer an ihm arbeitet. Sektionsrat Dr. M i k y 8 k a führte di« Rnndfunkhörer durch die Parlalnentsgebände. Di« Reportage schloß mit einer Ansprache des Präsidenten der Abgeordnetenkammer Dr. S t a n ö k, der in kurzen Worten über di« Entstehung der demokra» tischeli Tschechoslowakischen Republik sprach. Er verwies auch auf di« verantwortliche Arbeit der Politiker und schloß mit«mein warmen Appell an di« Jugend, sich durch eil« vcrnünf ige Lebens, weise und eine gute Vorbereitung in geistiger und körperlicher Beziehmtg für di« Zeit zu vervollständigen, in der sw bestimmt fein wird, zur Ent- saltung deS Staates beizulragen und seine Geschicke zu leiten. Als Nachfolger Prof. Biedls wurde vom Profesiorenkollegium der medizinischen Fakultät der außerordentliche Professor der experimentellen Pathologie an der Deutschen Universität in Prag Dr. Julius R i h l dem Mimsterium einstimmig vorgeschlagen. Prof. Julius Rihl ist 1879 in Prag geboren. 1920 wurde«r wirklicher außerordentlicher Professor. An den Laboratoriumsarbeiten Biedls nahm«r tätigen Anteil. Rihls Hauptarbeiten sind Studien über die Funktion des gesunden und des kranken.Herzens. Während der schweren Krankheit Biedls leitete Prof. Rihl sowohl die Klinik als auch das Institut und hielt Vorlesungen und Uebungen ab. Die Stratosphäre. Das Studium des beim Stratosphärenflug des russischen Bal- lous„DDSR" gewonnenen Materials dürfte bald beendet sein. Prof. Wangenheim erklärte, daß, wenn anch die wissenschaftlichen Beobachtungen nicht umsangreich seien, ihr wissen- schaftlicher Wert dennoch ungewöhnlich groß sei. Es lasse sich aus ihnen eine Reihe von Ergeb- nifsen ableiten, die das Geheimnis der Stratosphäre erschließen werden, so z. B. eine Reihe von Beobachtungen über die Zusammensetzung der Atmosphäre. Die Analyse der Luft, die dort aufgefangen wurde, hat bewiesen, daß in diesen Höhenzonen die Lust in ihrer Zusammensetzung sich der Luft auf der Erdoberfläche nähert. Brand in der„Arbelter-Zeitung*. In den RedaktionSräumen der Wiener„Arbeiter- Zeitung" brach Freitag in den sruhen Morgenstunden durch btc Unvorsichtigkeit einer Reinmachefrau ei» Braud aus, der große Ausdehnung annahm und die ganze Redaktion in Mitleidenschaft zog. Drei Raume der Redaktion sind vollkommen ausgebrannt: die übrigen Redaktionsräume sind schwer beschädigt worden. Da auch die Telephonamage des ganzen Hauses gestört wurde, entstanden in der Stadt sofort wilde Gerüchte, die von einer Brandlegung sprachen. Der Brand hat einen Schaden von mindestens 150.000 Schilling verursacht. Massenverhaftungen von Arbeitern in Japan. Die„United Preß" nreldet aus Tokio, daß bei einer großangelegten Razzia gegen„radikale Arbeiterführer" die Polizei 1681 Verhaftungen vorgeuoiumeu hat, darunter 68 Frauen. Von den Verhafteten sind 926 Koreaner, denen di« Vorbereitung einer Erhebung in Korea und Formosa iliid deren LoStrennnng von Japan, sowie„landesverräterische Beziehungen zu Rußland" vorgeworfen werden. Ein Bauernwaqen unterm Schnellzug. Lus der Eisenbahnlinie B«lg r ad—Zagreb ereignete sich unweit der Station Putinci ein schwerer Unfall. Der Belgrader Schnellzug überfuhr«inen Bauernwagen, wobei«in Bauer und zwei Bäuerinnen getötet wurden. Das Unglück wurde durch den Bahnwächter verursacht, der es versäumt«, den Bahroschranken rechtzeitig;u schließen. Francois Albert gestorben. Im Alter von 56 Jahren ist Donnerstag abend in Paris der Minister des vorigen Kabinetts Daladier, der radikale Abgeordnete Francois Mbert gestorben. Francois Mbert, aus dem Lehrerstande hervorgegangen, gehörte als Journalist zu den Mitarbeitern Elemenesaus bei der Zeitung„La Ju- stice", die in der DreyfuS-Affär« eine große Rolle gespielt hat. Nach dem Kriege trat er zur radikalen Partei über und gehör!« ihrem linken Flügel an. Er war im.Kabinett Herriot Unterrichtsminister und im letzten Kabinett Daladier Minister für soziale Fürsorge. Das Ehepaar Lindbergh ist von den Azoren- Inseln nach Madeira gestartet. Donaupiraten. Wie aus B r a I l a(Rumänien) berichtet wird, überfielen Sonntaa Flußpiraten einig« Kähne und Schiffe. Zwischen den SchiffSinannschaf.en und den Banditen entwickelte sich ein Kampf, in den auch die Flußpolizei ein- grrff. Eine Dampfpinass« machte sich au die Der- folgung der Räuber, die das Fetter erwiderten. Schließlich gelang es, sämtlich« Räuber, bis auf ztvei, zu verhaften. Die Hafenbehörden haben mit Rücksicht auf di« sich immer mehrenden Uebersälle im Donoudelta beschlossen, auf der Donau ständig Dampfbarkassen mit Gendarmeriebemammng ver- kehren zu lassen, di« jede verdächtige Barke anhalten und, wenn notwendig, beschießen und versenken werden. Vom Rundlank Empfehlenswertes aus den Programmen. Sonntag: Prag: 645 Gymnastik. 11.00 Konzert des OudriLek-Quartetts. 18.00 Deutsch« Sendung: Edwin Jauetschck: Musikvorschau. 10.80 Uebertra- gung aus dem Nationalthealer. 21.00 Orchesterkonzert.— Brünn: 16.00 Nachmitlagskonzen. 17.80 Klavierkonzert. 1800 Deutsche Sendung: Konzertstunde. 20.20 Slowakisch« Volkslieder.— Kascha»; 17.80 Lustige Stunde. 18.10 Orchester- koirzert.— Wien: 9.50 Klavier- und Orgelwerke von Bach. 12 00 Orchesterkonzert. 15.80 Kammermusik. 19.00 Unterhaltungskoiizert. 20.00„Pension Schöller", Posse.— Frankfurt: 19.15 Mendkonzert. — Breslau: 15.25 Ernste und nachdenkliche Märchen. 20.00 Geschichte einer Mutter nach Andersen.— Hamburg: Requiem von Seb. Bach.— Leipzig: 16.00 Nachmiltagskoitzert. 15 rote hei englischer vrubeilklltastrophe Die Angehörigen der verschütteten Bergleute warten auf Nachricht von der Unglücks- stell«.— Auf einer Stelnkohleilgrnbe bet Chesterfield(England) stürzte ein Stollen ein, wodurch fünfzehn Bergleute getötet wurden. J!r. 276 SamStag, 23. November 1983 Seite 3 Httler und der alte Fritz. Herr Hitler hat durch seine weisen Sprüche über geschichtliche Vorgänge und Persönlichkeiten schon oft staunendes Lächeln hervorgerufen. Vermutlich hat er seine historischen Kenntnisse auch MI« einer Braunalter Kittdcrfibcl geschöpft. Doch wir wollen uns nicht lange bei der Vorrede aufholten. Mit den fünf Meuchelmördern in Po- tcmpa hat Hitler sich bekanntlich solidarisch erklärt. Er rcklaniicrtc sie telegraphisch als seine „Kameraden" und versicherte, daß ihre— der Meuchelmörder!— Freiheit„unsere Ehre" sei. Tas zeigt, wie seine Helden beschaffen sein müssen. Horst Wessel, der von einer freundlichen Jungfrau dauernd unterstützt worden ist, und Schlageten, der nach dem von der französischen Regierung veröffentlichten Material für mindestens zwei Staaten wertvolle Dienste geleistet hat, wurde» zu Nationalhelden befördert. Otto Kcbiihr, ein Berliner Schauspieler, dem der alte Fritz immer mehr angepasst wird, soll, wie vcr- -autct, demnächst zum Nationalheiligen ernannt werden. Und zwar mit dem Recht, zu Hitlers Geburtstag und des alten Fritzen Sterbetag die braune llniform mit dem friderizianischen Blech- hell» zu tragen. So also steht es mit den fünf Mördern, den beiden Studenten und dem Schauspieler, lauter Kameraden des Herrn Hitler. Was aber soll mit dem alten Fritzen selbst geschehen? Mehr als Hitler kann er natürlich nicht werden. Da Hitler längst zum Halbgott der Hysteriker aller drei Geschlechter seines Dritten Reichs befördert worden ist, bleibt dem alten Fritz nichts übrig, als sich mit der Rolle eines Viertel- oder Drittclgottcs abzufindcn. Einigen wir uns wie folgt: Hitler selbst Halbgott, Friedrich der Zweite Drittels- und Hauptmann Röhm Biertelsgvtt. So geht's. Hitler hat Herrn Otto Gebühr längst abgcguckt, wie er sich räuspert und wie er spuckt. Was schrie er doch, nachdem er geräuschvoll dem Völkerbund davongelaufen war? Hitler: Ich werde niemals einen Vertrag unterschreiben, der sich nickt mit der nationalen Ehre verträgt: Niemals wird meine Hand einen schimpflichen Frieden nnterzeichncn. Ich werde eher sterben... Tas erinnert sehr an Briefe, die Voltaire und d'Argens von dem königlichen Philosophen und Kriegömann(1757) empfingen. Friedrich ll. an Voltaire: Ich werde nichts anderes nnterzeichncn,(und eingehen), als auf Bedingungen, die sich mit der Ehre meiner Nation vertragen. Friedrich IT. an d'Argens: Ich habe cs Ihnen gesagt und ich wiederhole es: Nie wird meine Hand einen schimpflichen Frieden unterzeichnen... Hitler, der lieber tot sein will(immer natürlich nur auf dem Papier) als schlechte Verträge unterzeichnen, kennt keinen schimpflicheren Vertrag, als den von Versailles, deshalb seine Schimpfereien auf die„Novcmbcrverbrcchcr und Landesverräter". Aber: während diese Novenc- bcrvcrbrrcher Versailles 1918 in größter Not akzeptierten, hat Hitler in dem von feinen Mamelucken sehr gerühmten Vicrniächtepakt Versailles erneut auf zehn Jahre an- e r k a n n t! Dabei herrscht setzt keine Not an Nahrungsmitteln, cs droht auch keine Invasion! Friedrich II. handelte mit seinen Briefen übrigens genau so, wie sein Verehrer Hitler in der Tat, denn zu derselben Zeit(September 1757) wie an Voltaire und d'Argens schrieb er seiner Schwester: er m n s s e auch die schmählichsten Bedingungen, die die Franzosen stellen könnten, a n n c h m c n. Wie Hitler aus Liebedienerei vor Mussolini die Südtiroler glatt preisgibt, so wollte Friedrich II. Landsleute im Westen und Osten Prcisgebcn. 1759 war es Friedrich II. noch schlimmer ergangen als zwei Jahre zuvor. Nach Reinhold Koser machte er selbst damals eine» Friedensvorschlag, in denr er sich bereit erklärte, cm Westen und Osten Land und Leute a b z u t r e t e n, und zwar an die Franzosen und Russen. Seine Hoffnung war, für die offerierten Landesteile Sachsen eintanschcn zu können. Ganz wie Herr Hitler behandelte er die Völker wie H a m m e l h e r d e n. Daß der alte Fritz, das Ideal der Nazi, nicht nur die Franzosen, sondern auch die Däne n und T ü r k en a u f g e r u f e n hat, znni Kamps gegen das deutsche Kaisertu m, steht geschichtlich so fest, daß nicht einmal das Lügenministerium dcü Herrn Goebbels Tatsachen ans der Welt streiten könnte. 1776 verweigerten ihm die Franzosen die Hilfe gegen den deutschen Kaiser, obwohl er(der alte Fritz) ihnen versichert hatte, daß„ihr Rnbm", die Teilnahme verlange und daß„nur leichte Operationen seitens der Franzosen" notwendig sein würden. 1782 empfahl Friedrich II. in seinem Testament seinen'. Nachfolger schon— er befürchtete ein Erstarken des deutschen Kaisers!—„den Hoffnungen auf Frankreich zu entsagen und auf einen Dreibund zwischen Preußen, den Türken und England hinznarbeitcn." Je mehr man sich in ernstere Forschungsarbeiten über den alten Fritzen vertieft, ui» so mehr schwindet die ideale Figur, die man aus den Schulfibeln kennt. So berichtet Georg Künzel, wie Hcgerinaun in seiner fesselnden Arbeit über Friedrich den Großen erwähnt, daß Fric- drich wiederholt, so 1762 und 1782, seine Hoffnungen auf einen Bund Preuße n—T li r- k e i—D ä n e m a r k setzte. Küntzcl sagt, Frie, drich sei bereit gewesen, sich PcterS Gunst durch Preisgabe Dänemarks an Rußland zu erkaufen. Er wollte sich dann, obwohl bewußt gegen das Interesse Preußen-, dazu verstehen, dem Zaren den Besitz Holsteins, allenfalls sogar Schleswig... zu gewährleisten. Der Rhein war dem alten Fritzen nicht mehr wert, als dem Hitler Südtirou Ju feiner „Histoire de mon tcnips"—(„Geschichte meiner Zeit"), er sprach und schrieb fast nur französisch; weil er seine deutsche Muttersprache nur ganz fämmerlich beherrschte,— versicherte er, daß der Rhein die natürliche Grenze zwischen Deutschland und Frankreich sei:„Sic brauchen nur eine Landkarte zur Hand zu nehmen, um sich zu überzeugen." E. M. Arndt hat seinen alten Fritzen besser gekannt, als die Hitler und Goering, denn er sagte schon 1805:„Wir Deutschen haben uns dieses Königs wenig zu erfreuen gehabt, ja keiner hat uns so sehr geschadet, nicht bloß scheinbar, sondern wirklich!"— Natürlich soll nicht bestritten werden, daß Friedrich II. im Gegensatz zu Hitler und seinen Freilnden, ein geistreicher Mann gewesen ist. Im Vergleich mit dem geist- und humorlosen Hitler steht Friedrich turmhoch da— man verzeihe die Nennung beider Namen in einem Atemzuge. DaS Wort von den„Gazetten, die nicht genieret werden dürfen", sollte Dr. Goebbels interessieren, obwohl der „Weise von Sanssouci", in Wirklichkeit alles andere war, als ein Anhänger der Pressefreiheit. Auch in dieser Beziehung handelte er, wie Hitler oft zu handeln pflegt, er sprach das Gegenteil von dem, was er dachte! Auf der Anfel Seit, im kleinsten, letzte», reinen Feudalstaat der Welt, wird zur Zeit«ine Mordaffäre untersucht. Aber weniger dieser Mord, als vielmehr di« unumschränkte Hervschergcwalt, die bei diesen Ermittlungen zutage tritt, lenkt das Interesse der Welt aus die Insel und ihr« Herrscherin. Wäre nicht vor einigen Tagen in einem verlassenen Felsenkcller an der steinigen Küste der Insel Serk der Körper dieser toten, bis heute unbekannten jungen Frau gesunden worden, dann hätte man diese Inseln in der englischen Oeffentlichkeit ganz und gar vergessen. Obwohl sie gewiß der interessanteste Bestandteil des britischen Imperiums ist, so interessant in der soziologischen und wirtfchastlicken Struktur, daß man wohl behaupten kann, in der Welt gäbe cs etwas Derartiges nicht zum zweiten Mal. Di« Geschichte mit der toten Frau ist schnell erzählt: ein Mann, der seine Fisckie für einiae Zeit in dem Keller unterbringe» wollte, um sie später abzuüolen, fand hier die Leiche. Man alarmierte den Polizeibeamten der Insel, man rief die„Dame" herbei. Tie Welt aber erfuhr erst von dem Leichenfund, als«in Telephonanpuf in Gillingham die dortigen Behörden ersucht«, die Frauenleiche zu untersuchen, die man herüberschicken werde. Was geschehen sei? Das gehe niemanden«Uvas an. Rian bitte nur um einen Untersuchungsbefund. Der Besimd besagt, daß die Frau vermutlich ertrunken ist, daß die Verletzungen an ihrem Körper, bis auf eine(die aber vielleicht die ausschlaggebende ist) nach dem Tode erfolgt sind. Mit diesem Befund schickt« man die tote Fron auf die Insel zurück, wo sie auf Anordnung der„Dame" begraben wird. Während die Ermittlungen nach dem Schicksal der Toten wei- tcrgchen— und wobei die„Dance" sesbst Detektiv spielt. „Nur der Herzog der Normandie..." Wer in aller Welt ist die„Dame", die die Polizei in Gillingham, an der englischen Küste, ablehnen kann? Wer gab ihr die Macht, selbst über di« Untersuchung, die Beisetzung, di« weitere Regelung dieser dunklen Angelegenheit zu befinden? DaS kann mir eine Frau: die„Dame von Serk". Sie hat chre eigenen Gesetze, sic zieht ihre eigenen Steuern ein und faßt ihre Verantwortlichkeit gegenüber dem englischen Weltreich in folgende Worte zusammen: „675 Untertanen habe ich, die Dame von Serk, auf meiner Insel, die ich von meinen Ahnen erbte. Die Gesetze des Britischen Reiches haben für mich keine Gültigkeit, es sei denn, daß niein Lehnsherr, der König von England als Herzog der Normandie, cs in einem besonderen Erlaß bestimmen würde. Nur der Herzog der Normandie hat mir etwas zil sagen. Nur ihm bin ich verantwortlich!" Früher: ein Seeräuberstllhpunkt! Man muß schon eine gut« Kart« zur Hand nehmen, um die Insel Serk im Kanal zwischen Frankreich und England zu finden. Sie ist allerdings die viertgrößte unter den Kanalinseln und liegt etwa 35 Kilometer von der Küste Frankreichs und 105 Kilometer von England, südlich gerechnet, entfernt. Eine klein«, eigene Welt, kaum 5.5 Kiloinc- ter i» der Länge und 2.5 Kilometer in der Breite weist sie auf. Jedoch ist dir Küste scharf zerrissen und zersplittert, wodurch sich die eigentliche Knltenlinie sehr erheblich vergrößert und saft 50 Kilometer lang wird. Jetzt, im Herbst wird eß ein wenig unfreundlich auf Serk, aber im Sommer lachen bunte farbige Blumen den Besucher an. Eine ertragreiche Insel: am Strand findet man Ametyste, Mondsteine. und andere Halbedelsteine, der Ackergrund trägt, was man braucht, wenn man nach Edelmetallen bohrt, findet man Silber auf Serk, und sonst können Blei, Kupfer und Antimon entdeckt werden. So erklärt cs sich, daß jeder, der die Insel einmal in der Hand hatte, sie nicht so schnell Am meisten Interesse dürfte der Hitler- frennd Röhm an Friedrich 11. nehmen, weniger an dem Heerführer und Philosophen, als an dein doch lassen wir das ocn Preußenkönig selbst klar machen. Zu den ernst zu nehnccndcn„Fri- dcricnS"-Forschcrn gehört Prcnß. Dieser bcrich tet über die Schlacht bei Roßbach:„Friedrich verlor 165 Mann und wurde plötzlich ein deutscher Held." Die Schlacht hatte, wie nebenbei bemerkt werden soll, insgesamt nur zwanzig Minuten gedauert. Das berichtete Friedrich 11. selbst an Lnchesesini. Dieser macht dar über solgende Mitteilung:„Er dichtete gleich die mit homoscrnellen und schmutzigen Anspielungen gespickten Verherrlichungen der feindlichen Hintern." Nun ivisscn wir, warum der alte Fritz die ideale Figur der Nazi ist. Aber wenn die sonderbaren Heiligen um Hitler eingehendere Studien über ihn machen sollten, dann werden sie auch auf einen beschämenden Vergleich stoßen, den er„wie von Ekel erfüllt" zwischen dem „Freien England und Preußen" anstellte:„Ich bin cs müde, über Sklaven zu Herr- s ch e nl"— Mehr Sklaverei herrschte zur Zeit Friedrichs des Großen in Preußen auch nicht, als jetzt, zur Zeit Hitlers, in ganz Deutschland. Aber das Wort bleibt bestehen: Bor dem Sklaven, wcnn er die Ketten bricht, Vor dem freien Mann erzitter« nicht. wieder abgeben wollt«. Man hat Funde gemacht, die beweisen, daß schon zur Steinzeit Menschen auf der Insel tätig waren. Um 500 lebten Mönche dort. Aus Schottland kamen Seeräuber und benutzten die Insel als Stützpunkt bei ihren zahlreichen Angriffen auf die französische Küste. Bis die Franzosen die Insel eroberten— und die Engländer sie ihnen wieder abnahmcn. Damals zählte man 1565, als Königin Elisabeth das Jnselreich einem Sir Heller de Carterct os Saint Ouen als Lehen gab, sofern er die Jnstl zu verteidigen verstünde. Jeder Einwohner ist Soldat! 300 Jahre später wurde die Insel aus dem Besitz der CartcretS, ebenfalls als Lehen, in daS Eigentum der.tzathaways überführt, die noch heute hier herrschen. Aber die alten Bestimmungen bestehen noch immer. Und das geht so weit, daß noch heute, wie im Jahre 1565, die Insel sich dem Worte nach selbst verteidigen können muß. Jeder Mann hat sein Gewehr im-Hanse, jeder Einwohner ist, praktisch genommen, Soldat der Arme« von Serk. Obwohl ein Glied des Britischen Reiches, spricht man aus der Insel amtlich nur französisch. Und unter sich unterhalten sich die Einwvh- ner in einem Dialekt, der aus der Zeit Wilhelm detz Eroberers stammt. Diese Sprache wird auch bei den Gerichts- sitzungen gebraucht, die nian im„.Herrenhaus" abhält, d. i. die Wohnung der„Dame von Serk", die man auf der Insel„Seigncnri«" nemit. Hier kann man außer der Zeit in Sondersitzungen oder sonst zu den Tagungen des Obersten Tribunals, das drcinial im Jahre Zusammentritt, seine Angelegenheiten vorbringen. Keine Schnlden, unverkäufliche Höfe, niedrige Steuern... NnS kriscngeplagten Menschen muß die Insel>vie ein Paradies erschciiicn, wcnn wir hören, daß man hier nicht nur keine öffentlichen Schulden hat, sondern sogar noch einen Kasscnüberschuß. Und das ist der Fall, obwohl man keine Einkommensteuer erhebt und die Vermögenssteuer ganz niedrig gehalten wird. Aber: wer auf der Insel landen will, der muß pro Person 1 Schilling bezahlen, wer auf der Insel Bier trinkt und Tabak raucht, der muß hier Steuern zahlen. So kommt man vorzüglich mii den Erträgnissen der Juscl aus. Die Höfe, cs gibt seit 1565 nur 40 Lebens- höse, sind unverkäuflich. Wo kein Erbe, bis ins fünfte Glied, vorhanden ist, fällt der Besitz wieder an di«„Dame von Serk" zurück. Sie läßt ihre Aufträge durch den„Senr- schal" ausfuhren, der immer auf drei Jahre tätig ist und von einem Polizisten unterstützt wird, der ein Jahr sein Amt ansübt. Jeder gesunde Mann muß dem Alphabet nach einmal Schutzmann werden. Weshalb auch keiner dem anderen zuviel Kummer bereitet. Der„Prinzgemahl". Man stiehlt und raubt nicht auf der Insel. Jeder Erlvachscne hat im Jahr zwei Stunden Pflichtarbeit zu leisten, damit die Straßen auch gut in Ordnunp gehalten werden. Alles klappt friedlich und wie am Schnürchen. Nicht einmal Hündinnen gibt cS auf der Insel, seit man feststellte, daß dadurch erheblicher Unfrieden zwischen den Höfen und Rasscnvrrschandelungen hervorgernfcn werden können,.. So geht alles seinen friedlichen Gang. Die „Dame von Serk" ist keineswegs eine herrische Jungfer, sondern mit einem Amerikaner verheiratet. der sich naturalisieren lassen mußte, ehe er„.Herr von S«rk" wurde, denn seit 1565 darf nur ein Engländer auf der Insel wohnen. Im Sommer, bei dem großen Königs- empfang im Bnckinghampalast in London, erschien auch die„Dame von Serk". Man sagt, sie hahe für ihr« beiden Töchter Ausschau nach einem Gatten gehalten. Im übrigen aber fühlt« sie sich als das, was sie ist: die„Dame von Serk", die Königin im kleinsten Feudalstaat der WKi. K. M. Warum Gpetfefada r Wenn Sic natürliches Mineralwasser trinken, ersparen Sie sich das Einnchmen der schweren Spcisesoda, welche auf dir Magenschleimhaut drückt. Besonders„Krondorser Sauerbrunn" enthält in feinster Verteilung Natrium und Calcium in natürlicher Bindung. Seine Verdauung«, sördernde und appetitanregende Wirkung ist bekannt. 2172 Volkswirtschaft and Sozialpolitik Der Handel mit der öchwe'z. Neber den Rückgang des Außenhandels m r der Schweiz geben die nachstehenden Zahlen Aufschluß. Die Einfuhr der Schweiz aus der Tschechoslowakei betrug im Jahre 1928 95.3 Mill. Franken, 1932 noch 56.3 Mill. Franken. Tie Tschechosloivakei war mit diesen Zahlen an der Gesamteinfuhr der Schweiz beteiligt 1928 mit 3.5 Prozent. 1932 mit 3.2 Prozent. Die Ausfuhr der Schweiz nach der Tschechoslowakei sank von 53 Mill. Franken im Jahre 1928 auf 25.6 Mill, Franken 1932. Bon der Schlvcizer Grsamtaus- fuhr waren das 1928 2.5 Prozent, 1932 aber 3.2 Prozent. Ter Ausfuhrrückgang noch der Tschechoslowakei ist also geringer als der allgemeine Rückgang des Schweizer Außenhandels. Der Ueberschuß der Tschechoslowakei aus dem gegenseitigen Handel ist in diesen vier Jahren von 12.3 Mill, Franken aus 30.7 Mill. Franken gc- funken. Ungünstiger steht er um die Bilanz des österreichischen Außenhandels mit der Schweiz. 1928 führt« die Schweiz aus Oesterreich für 57.1 Mill. Franken«i n, 1932 noch für 28.3 Mill. Franken. Der prozentuale Anteil Oesterreichs an her Gcsan»»fuhr der Schweiz bctrua 2.1 Prozent, bezw. 1.6 Prozent. Die Ausfuhr der Schlvciz nach Oesteneich fiel von 70.8 auf 23.8 Mill. Franken. Damit lieferte die Schweiz 1928 3.3 Prozent, 1932 immer noch 3 Prozent ihrer GesamtanSsuhr nach Oesterreich! Die österreichische Handelsbilanz mit der Schweiz war 1928 mit 13.7 Mill. Franken, 1932 noch mit 5.5 Mill. Franken passiv. Die Arbeitslosigkeit der 8«'end. Erhebungen des Internationalen Arbeitsamtes. AuS Genf wird uns geschrieben: Zu den ernsten Folge» der Wirtschaftskrise gehört die lanaa»dauernd^ ArbeitSlosig- leit Jugendlich er, ein Problem, der das internationale Arbeitsamt erhöhte Aufmerksamkeit widmet. Nach verschiedenen Schätzungen und Statistiken gab es von 7 Millionen Arbeitslosen in Deutschland im Jahre 1932 1,750.000, d. i. mehr als ein Viertel der Arbeitslosen, höchstens 25jährige Leute. In Dänemark entfielen im Mai>933 auf 129.307 Arbeitslose über 36.000 Arbeitslose unter 25 und 19.000 Arbeitslose von 18 bis 22 Jahren. In den D e r e i» i g- t c n Staaten sank die Zahl der beschäiligtcn Männer»nd Frauen im Aller von 18 Jahren von 2,700.00t) jm Jahre 1920 ans 2,100 000 im Jahre 1930. In England wurde im Mcü 1983 die Zahl der Arbeitslosen im Aller von 14 bis 18 Jahren aus 140.000 geschätzt. I» Italien«ab es im Jahre 1932 250.000 Arbeitslose unter >8 Jahren. In Norwegen entlielcn zu Beginn des Jahre» 1933 aus 75.000 Arlvitsloi-- 20.000 Personen unter 24 Jahren, von denen 7000 bis dahin nir,zends gearbeitet hatten. In Schweden waren im Feber 1933 von der Gelamlzahl von 179.507 Arbeitslosen 59.317 unter 25 Jahren. ES ist nickt nötig zu betonen, daß die Arbeit?, losigkeit vo» Jugendlichen viel verderblicker ist, als die Arbeitslosigkeit Erivacklener. Deshalb wird ernstlich über dir Notwendigkeit erwcgen, der arbeilslolen Jugend entsprechende Interessen zu schassen, sobald sie die Schule verläßt. Das Internationale Arbeitsamt hat bereits in der lcv- ten ArbcitSkom'ercn; einen enllpreckeiiden Bericht darüber erstattet, welche Anfniersiaiukeit dieser Frage in den verschiedenen Ländern gewidmet wird. Russische GrMadie. In dem Blatt„Sa Jiidustriju" wird in der dem Gedanken der Oktoberrevolution gewidmeten Nummer«in« Uebcrficht über die Entwicklung der russischen Großstädte gegeben. Danach haben sich die Einwohnerzahlen der nachstehenden Städte wie folgt vermehrt: Moskau von 1,700.000- ans 3,572.01h) Leningrad 2,165.000 „ 2.889.000 Kiew 467.000 „ 538.00(1 Charkow 313.000 „ 646.000 Baku 245.000 „ 709.000 Rostow a. D. 210.000 „ 520.001) Gorki(fr. Nischni- Nowgorod) 126.000 „ 477.00) Swerdlowsk ft 65.000 „ 481.000 Die beiden durch die Ansiedlung der Schwerindustrie neu entstandenen Großstädte Magnitogorsk und Stalinlk sollen eine Einwohnerzahl vrn 230.000, bezw. 249-000 habe». Odcsia. früher eine für die russisch« Wirtschaft bedeutende Dtadl, felili in dieser Statistik, wohl, weil mit ihrer Bedeutung auch ihre Einwohnerzahl erheblich zurückge ist. , IG vtn Vie Dame von Gert!" Der kleinste und letzte Feudalstaat im englischen Kanal. (Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Seite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 28. Novemver 1933. Nr. Z7g m Vereinsnadhridden zweiten Mordversuch «WMMMAMMWWIMAMMMMAMMWmwWWIMMIWlMmiMMM Kunst und Wissen D. Sport*Spiel- UWWW WIW Die Dertvaltuug! •In aMnaiml Mitteilungen aas dem Publikum rkt der und mit die kam. In den Morgenstunden dieser Nacht hielten die Gendarmeriewachtmeister Adam und B r n n a unweit von Hrdlokez einen Mann an, der ihnen ver- aufnehmen zu lassen und den entfallenden Betrag von 10 Ke mit der Dezemberadonnementt- gebühr einzusenden. Wir sind überzeugt, daß auch Sie, der heutigen Zeit Rechnung tragend. unS Ihre Unterstützung nicht versagen, und danken bestens für Ihre Ireuudliche Förderung unteres Blattes. Bei rauhem, kühlem und veränderlichem Wetter entsteht den Rheumatiker» große Pein. Durch Massage mit Franzbranntwein Alpa erreichen Sie große Erleichterung. Ter BlutkreiSlaus wird äußerst lebhaft, gewährt eine entsprechende Körperernährung, wodurch MuSkelstärkung und günstige Rervenbeein- flnssung erzielt wird. Beraten Sie sich mit Ihrem Arzte über die Art der Masiage. 100 Unentgeltliche st« n v e n l... leben■ Verein deutscher Arbeiter, Nr. 27, statt. E»Haltung. Te„Internationale" wurde begeistert von allen Anwesenden mibgefungen. Die Gründungsfeier hinterließ einen tiefen Eindruck. Äm Arbeiter-E Shockey Oesterreichs wurde eine neue zklasseneinteilung vorgenommen, u. zw. spielen in der 1. Klasse neun, in der 2. acht und in der 3. Klasse sieben Mannschaften. Zu den Winter« sportkämpsen im Feber 1931 in Großhammer, die aus Anlaß der 8. Tschechoslowakischen Arbeiter- Olympiade slattfinden, wind Oester rech ebenfalls eine Eishockey Auswahlmannschaft entsenden. D e Schweizer Arbcsterstisahrer haben auf ihrer in Olten stattgefundenen Versammlung di« Bildung eines Unterverbandes im Rahmen des Salus Mu!» im So!. Das blanke Rohr der Blechtrompete blitzt und hellauf quietscht die Ziehharmonika. Die Melodie sie Ningt und spritzt nnd dann sind anch d.e Lauscher da Der dumpfe Takt der Baßvlgnetteu, er wiegt sich zwischen Wand und Wand. Er stößt die blinden Scheiben an nnd setzt sich auf den Fensterrand. Mit klammem Finger drückt die Hinterhoskapelle die Taften nnd es seufzt die Melod'e: Wir sind wie ihr, ihr seid wie wir. Nnd alle wissens und drum zahlen sie. K. da N'.l Jahrbuch der Berussirasisahrer. Ter dem Der« bände der Transport- und LebenSmittelarbeiier in Aussig angeschlossene Verband Deutscher Berufstrast- kahrer hat wiederum sein Jahrbuch in der üblichen gediegenen Form herauSgegeben. Aus dem Inhalte dieses wichtigen Behelfes für alle Chauffeure heben wir besonders hervor:„Was soll der Kraftfahrer bei jeder Fahrt mit sich führen?", ferner den Artikel von der Behandlung der Kraftfahrzeugbatterien, die Bestimmungen über die Motorfahrzeugsteuer, die Ttrafsätze im Organ-ManüatSverfahren und noch verschiedenes Wissenswertes, dessen Kenntnis der Chauffeur unbedingt haben muß. Das Jahrbuch ist 222 Seilen stark und kann Infolge seines guten Inhaltes allgemein empfohlen werden. Es ist zum Preise von 6 Ku bei allen HaupivertrauenSmännern oder in der Zentrale des Verbandes Deutscher Berufskraftfahrer mit dem Sitze in Aussig, Langegosse Nr. 42, erhältlich. «»» Itzuchdruck. Pra«.— glir den Druck veranlworiltih e.11» evllt, vierteljährlich US UI,—, Heule halb 3 Uhr Arbeitervorstellung:„T e r Barbier von Sevilla." Karten an der Theaterkasse.— Nächste Arbeilervorstellung:„Das T r e I m ä d e r l h a u s", Singspiel von Schubert, am Sonntag, den 10. Dezember, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karle» ab Dienstag bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Wochenspielplan des Neuen deutschen Theaters. Samstag Gi/ a Uhr:„Die Walküre."(C 2.)— Sonntag 2i/,~UI)t: Arbeiter-Vorstellung:„Der Barbier von Sevilla." 7>/> Uhr:„Die fün f Fra nk- f u r t e r."(A a.)— Montag 8 Uhr: Bezauberndes Fräulein."(A a.)— Dienstag 0t/n Uhr: „2 iegfrie d."(A 1.)— Mittwoch 7>^ Uhr: „Dreimal Hochzeit."(B 1.1— Domcerstag 7t^ Uhr:„Die fünf Frankfurter."(C 2.) —"Freitag 7^k> Uhr:„Ter Widerspenstigen Zähmung."(D 1.) Samstag ßi/> Uhr:„Götterdämmerung."(L 2.) Wochenspielplan der Kleinen Bühne. SamStag 8 Uhr:„Dreimal H o ch zei t." Gastspiel Wer- bezirk.— Sonntag 8 Uhr:„John Gabriel B or kmann." 8 Uhr:„Alle; hopp."— Montag 8 Uhr:„Ein Strich geht durchs Zim- m e t." Bankbeamten und freier Verkauf.— Tiens-! tag 8 Uhr:„Dreimal H o ch z e i t."— Mittwoch I 7y„ Uhr:„Tesir 6 e, Erstausführung.— Ton-1 nerStag 8 Uhr:„Höchste Eisenbahn."— Freitag 8 Uhr:„D e si rüe."— Samstag 8 Uhr: I „Dreimal H o ch z e i t." Joses Bunzl liest Traven. In der„Urania" lass Josef Bunzl, eins der unzähligen Opfer der natio- nai'ozialistischen Barbarei, ans Trauens Mexiko Büchern. Traven, dessen Schaffen die Schleier undurchdringlicher Anonymität umgeben— auch der Verleger tappt über seinen großen Autor vöil'g im Dunkeln—, hat in meisterlich Plastischen Bildern die Welt der Indianer gestaltet, die gehetzt und bedrängt von der raffsüchtigen Intensität der öl- bohrenden und dollarmachenden Weißen, als Parias d-e letzten Positionen der glücklicheren Naturmenschen verteidigen. Josef Bunzl ist ein etwas spröder, nicht allzu»toüulationSsähiger Sprecher, der aber bei dramatischen Akzenten sehr wirksam und eindringl'ch zu sonnen weiß. Sehr sympathisch wirkt die Sparsamkeit der Geste und eine rezitatorrche Besche'den- hcit, die auf alle theatralischen Effekte verzichtet Bunzl las ein erschütterndes Kapitel aus der.Drücke am Dschungel", eine Milieustudie von ergreifender Wucht, deren knappe, strichähnliche Zeichnung fast holz'chnittartigen Charakter trägt. Szenen aus der „Weißen Rose", den„Baumwollpflückern" und dem „Karren" folgten. Zu bemängeln ist, daß die ausgewählten Stücke dem aggressiven, unerbittlichen sozialen Ankläger B. Traven so wenig Rechnung trugen und mehr den humorigen und nuancenreichen Milieuschilderer zu Worte kommen liefen. Tie Tendenz, das Idyllische hervorzukehren, machte sich besonders beim Vorirag aus der„Weißen Rose", dies«« vehencenken Sturmangriff ani den mörderischen amerikanischen Oelkapitalismus, bemerkbar. Herrliche mexikanische Schallplatten umrahmten den leider nur mäßig besuchten Vortrag. Pierre. wo er sich einer Gestalt gegenubersah, die ihm einen 'Revolver e n t g e g e n h i e l t. Ter Pol'zist stieß einen Warnungsruf aus. um seine zwei Helfer aufmerksam zu machen und duckte sich gleichzeitig blitzschnell nieder. Das war sein Glück, denn int gleichen Moment krachte ein Schuß knapp über feinem geduckten Kopf, so daß sein Haar von der Kugel gestreift wurde. Der Einbrecher benützte den Moment und verschwand blitzschnell durch die Tür. Im Lichte der zwei Schritte vor deut Laden brennenden elektrischen Lampe vermochten die drei ihm Nacheilenden sein Aeußeres wahrzunehmen und identifizierten ihn einige Stunden später mit aller Sicherheit. Denn der Täter, dem vorläufig zwar d'e Flucht gelang, wurde noch in der gleichen Nacht an anderem Orte und aus anderer Ursache festgenommen, wobei es zum dächtig vorkam. Er gab sich füx einen gewissen R o v»k ans Blevnov aus, fand aber leinen Glau- ben und wurde auf die Gendarmeriestation gebrach«. Er ging ohne Widerstand mit, wobei er die Arnic über der Brust g.krcnzt und die Hände in die Aermel gesteckt hielt, scheinbar, um sich in der kalte» Nacht warmzuhalten. Als die Gendarmen die Haus- iure geösinet hatten und ihn ausforderten einyulreten, riß er plötzlich die bisher i ui linken Aermel verborgene Hand hervor, in der er einen Revolver hielt und richtete die Waffe gegen die Schläfe des dicht vor ihm stehenden Stabswachtmrister Bri'ina, dem es aber gelang, ihm die Hand niederznsthlagen, ehe der Verbrecher die Sichcrnng lösen konnte. Ans der Wachstube erkannte man in dem Verhafteten den bekannten gefährlichen Einbrecher Josef Hartmann. Die Waffe, die er bei sich hatte, w eS P u l v e r r a n ch s p u r e n auf, ein Beweis, daß sic gebraucht worden war. Anch die im Laden der„VSela" aufgeiundene Patronenhülse stimnit mit den noch im Magazin der Pistole steckenden überein. Außerdem erkannten, wie erwähnt, d'e Zeugen des ersten Mordversuches mit Die Gründungsfeier des lettischen Arbeitersportverbandes„Eina" fand am 11 November In Riga statt. Tas Arbeitertheater Hai selten eine so gute Veranstaltung gesehen, denn eS wurde ein ausge- wählles tnrnisportliches Programm geboten. Die Arbeitersänger trugen eine Reihe Kampflieder vor Der BundeSvorjitzende Genosse Bruno K a l n c n hielt eile Ansprache, in der er die Haltung der Regierung und der Gerichte geißelte, die den früheren Arbeitersport-und Schutzbund wegen angeblicher StaalSgefährlichkeit verboten haben, und hob er hervor, daß das Verbot gerade das Gegenteil gebracht habe: Keine Schwäch n n g, sondern der Arbeiter- Port sei aus dieser Regierungsmaßnahme g e st ä Iiervorgegangen. Zielbewusster als zuvor wird neue Verband„Cina" die körperliche Schulung die Ausklärung der Mitglieder betreiben und der sozialdemokratischen Partei für Befreiung der Arbeiterklasse kämpfen. Namens der Partei überbrachte Genosse Dr. MenderS dem Dportbund die besten Wünsche zu einer kraftvollen Unter Anttage doppelten MrdverMes. Gemeingefährlicher Schwerverbrecher vor de» Geschworene«, zweitägiger Prozess vor dem Schwurgericht. Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 23. ',* l,Vl’ 1,t- er: Zusammenkunft um halb 10 **• der Endstation der 23er Elek- xgjjjSjZ-ri'chen in Bokovice. Führer: Platz. „.t L-‘. i Beratung»- ver Ärbeitersürsorge finden 2 n m S t.,u munoilich Ui 18—, viertel! palbt-tzri» M Mu-, ,«ttätz0» Hi— 3«I«WU w«r»e» Um iUlif biUigjt berechuez, v«t Atm» lbtzychsüm«, KreUMachla»,— RUfuU»*t In« Ui bei Ituijenduu, btt jftllvuimallt». beschlossen und für den kommenden Winter ein reich, halliges Programm sestgelegt. Vom belgischen Arbeitersport. Das Zeniral- komitee des beig ichcn ArbeitersporwerbandeL hat sich n. a. inil einer Einladung der Worker-Sport'Union zu einem Sportfest in Dorchester im August IM besaßt. Es ist beabsichtigt, eine Turner- svivie c ne Fußballmann'chaft zu eniscnten. Ter Pcloie Ball- Verband setzt seine Propaganda nun anch in den Nachbarländern fort. In Luxemburg kam es zur Biloung von sechs neuen Mannschaften. In Ro.d- frankreich entstand eine Sektion mit mehreren Mann- schäften. Mit Holland ist der Spielverlehr siwiS dort andere Regeln gelten. Für l sind bereits internationale Spiele Beztrksoraanisatton Prag der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei Partel'Mttgllederversammlung am DonuerStaa, den 30. November, um 8 Uhr abends nn großen Saale des Gewerkschastshausca Prag k.(Perlitefni. Referent: Genosse Abgeordneter I a k s ch. Politische Perspektiv««, ■ososansraa Prag, 2t November. Bor dem Schwurgerichts- des SGN. Svambera begann Heine der ans z iv e i Tage lu-rechneie Prozeß gegen den höchst g.-sährliche» Einbrecher, Dieb und Gewalttäter Josef Hartmann, der des versuchten Mordei. der ö s f e n i l i cki e n Gewalttätigkeit, deS vielfachen E i n b r n ch S d l e b st a h l e S, der Uebcrtretung gegen das Waffenpatent nnd der per- botencn Rückkehr angeklagt ist. Hartmann, der heute 33 Jahre alt ist, ha! zahlreiche Boiftrafen. U. a. wurde er 1916 vor dem Prager Gericht zu zehn Jahren schweren Kerkers wegen versuchten Mordes an einem Gendarmen verurteilt, der ihn bei c'nem Einbrüche ertappte nnd von ihm schwer angeichossen wurde. Anch die heutige Auklage dreht sich um Mordrersnche bei seiner Verhaftung. Am 26. Jänner d. I. bemerkte der Rayon- iirspcktor Josef Cynk gegen Mitternacht bei seinem Ttrefgaug in Hrdlobez, daß der Rolladen deS Konsninvereines„B kel a" geöffnet war. Er drang, von zwei Männern aus der Nachbarschaft begleitet, mit stichbereitem Säbel in das dunkle VerkausSlokal, l I Für Jeden der schreibt MI 1 GIB’AN& CO., Prag. Stypinski 32