ylvzefprels 70 Heller. Nkinschlleßltch 6 Heller Porto) 13. Ladrgona. Sonntag, 26. November igzz Nr 277. 1M8SRRL ssM? Lausanne, 2-1. November.(Insa.) Am Donnerstag abend sand dcr zweite Wahlgang für die Bestellung des Stadtratcs von Lausanne, bestehend aus IVO Mitglied!», statt. Im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag waren, nachdem man eine Serie NcchnungSsehler zugunsten der Bürgerlichen entdeckt hatte, 8'.) Bürgerliche gewählt worden. CS blieben noch 61 Stadtrats. Mitglieder zu wählen. Im zweiten Wahlgang ging nun die sozialistische Liste mit 65 Kandidaten durch, da nach Majorz gewählt wird, womit das Eladlparlamcnt von Lausanne zum erstenmal eine rote Mehrheit answeist. Bedcutnuasvoll ist die Tatsache, daß der Gcmeinderat, die Exekutive, vom Stadtrat bestellt wird, so daß auch diese eine rot« Mehrheit auswciscn wird. In den bürgerlichen Kreisen Lansanncs ist man ob der Eroberung der ehemals srcisinnigcn Hochburg Lausanne direkt bestürzt. Vis»m I Uhr früh heute morgen wurde daS Urnencrgcbnis immer wieder nachgezählt und dann mußte doch angenindigt werden: 8717 sozialistische und 8621 insgesamt bürgerliche Stimmen! Lausanne sozialistisch! Eine weitere schweizerisch« Groß- und KautonLhauPlstadt rot! Vvlssrstter NssrÄ bei HHicr B« rlin, 25. November. fWolff.) Ter franzö- nsche Botschafter Irancoiö Poncet wurde gestern vom Reichskanzler ASols Hitler empfangen. Diese trockene amtliche Mitteilung hat in Berliner politischen Kreisen Ucbcrraschung verursache Ursprünglich selUe der Oessentlichkeit überhaupt nichts davon mitgeteilt werden, daß die Unterredung stattfand, und erst als die Sache gestern nachts durch eine Indiskretion aufkam, entschlossen sich die amtlichen Stellen zu einer einfachen Bestätigung dcr Unterredung. In informierten Kreisen bezweifelt man, daß die Unterredung irgend eine Anknnpfung allgemeiner französisch deutscher politischer Beratungen bedeute, vor allem schon deshalb, weil die neue französische Regierung noch nicht gebildet ist. Nach einer Meldung Les„Paris Midi" soll jedoch Poncet mit Hitler nicht nur über die künftigen fvcrnzösisch-Äeutsch-cn Berhandlmigen, sondern auch über die prakti'.he Organisierung einer «vontuollen Konferenz gesprochen haben. park lehnt Jeflc YcnnjK’isnü ad Paris, 25. November.„Teinps" legt feine Stellungnahme zu dcr alincllen Außenpolitik Frankreichs folgendermaßen dar: Der britische Außenminister Sir John Simon ist sicher von gutem Willen geleitet, wenn er erklärt, daß die Londoner Negierung zur Verwirklichung engerer Beziehungen zwischen Paris und Berlin beitragen will. Dieses Angebot kann Frankreich nur angenehm berühren. Aber die Methode dcr zweiseitigen Unterredungen bedarf nicht der Vermittlung eines Tritten, weil jede Regierung Herr der geführten Verhandlungen und chr einziger Beurteiler bleiben muß. Eine Vermittlung Englands könnte nur dem einen oder dem anderen Staate hinderlich sein. Frankreich kann an einen Mnnungsaustausch mit Deutschland vermittels der Methode der d i- rekten Besprechungen Herangehen, um die Lage zu klären und den Frieden Europas in Wurde zu erhalte««. Sdiadii als luMMsusSmiucr Eine Warnung an die herrschenden Kreise? Wuppertal, 25.November. Jleichsbankpräsi- dent Dr. S ch a ch t hielt gestern abends in der Industrie- und Handelskammer in Wuppertal- Elberfeld eine Rede, in der er u. a. ausführte: In der Oessentlichkeit werde vielfach der Plan erörtert, de deutsche Währung mit dem Schicksal des Psund zu-verbinden. Deutschland könne aber niemals eine Währungspolitik betrci- ben, di-r von der Bank. von England gemacht wird. Es sei auch unmöglich, eine schwankende Währung änzunehmen, ohne dadurch Kräfte lebendig-u machen, bie man ni cht mehr beschwören könne. Deutschland habe die Folgen der Zerrüttung einer Inflation schon gekostet und die'« Tatsache zwinge aus staatspolili- schen Gründen, eine Inflation oder schwankende Währung von vornherein mit aller Deutlichkeit zurückzuweijen. wiener bleimwehrbesatLunA mu6 äurek Polizei entwaffnet werden Wien, 25. November.(Eigenbericht.) Dir völlige Demoralisierung der sascistischen Henn- wehr-Assistenztruppen, di« die Regierung Dollfuß gegen die republikanische Arbeiterschaft«in- gesetzt hat, hat heute zu einer offenen Me> geführt. Kurz vor dem 12. November, dem Tag d«r Republik, hatte die Regierung 8666 Heimwehrmänner als staatliche Hilsspolizei einberufen und bewaffnet. In Wien wurde als Kaserne für diese Hilfspolizei u. a. das riesige blebäude der ehemaligen Bodenkreditanstalt gegenüber dem Wiener Rathaus adaptiert. Die Zustände innerhalb dieses sascistischen Hilfskorps lourden aber von Tag zu Tag uner. träglicher. Obwohl sich di« Behörden bemühten, die skandalösen Borfälle, di« dort an der Tagesordnung waren, geheimzuholtrn, wurden in den letzten Tagen Dinge bekannt, die zur raschen Auflösung der Heimwehr-HilsSpo. lizei zwangen. Dir Auslösung sollte heut« vollzogen werden. TS kam aber dabei zu stürmischen Zwischenfall««. Der Großteil der Heimwehrleutr setzte Widerstand entgegen und weigert« sich, die Waffen abzuliefern und die Kaserne zu verlassen. In zahlreichen MannschastSränmen der ehemaligen Bodenkreditanstalt verbarrikadierten sich die Heimwehrleute. Es mußt« aus der Polizeikaserne und den Wachstuben reguläre Polizei requiriert werden, die unter großem Aussehen in daS frühere Bankgcbände ein- drang. t e r e i unter der Wiener Heimwehrbesatzung Nach l)«ftigen Zusammenstößen gelang es schließlich der Polizei, den Widerstand der meuternden Heimwehrlrnte zu brechen und sie zu entwaffnen. Inzwischen waren PolizriantoS vorgesahren, um die Waffen und Stahlhelme der zwangsweise abgerüsteten Heimwrhrmannschasten in Sicherheit zu bringen. Aehnliche Vorfälle haben sich, wie man hört, auch in einigen Provinzorten ereignet, in denen di« Zustände innerhalb der Heimwehr- Hilf^vlizei ebenfalls zu deren Auslösung zwangen. Der amt'khe Bericht weift von nichts! Wien, 25. November. Ter Sicherhcitsdirel- tor für Wen Polizeipräsident Tr. Seh dl hat heut« nachmittags den Deinobilisierungsbefehl für jene SchuhkorpSabtcilimgrn, die anläßlich des 12. November einrückend gemacht wurden, gege- l»en. In dcr Schutzkorps-Kaserne, dcr ehemaligen Bodeukrcdilaustali, hat die Abrüstung der dort beguarticrtcn Abteilungen bereits begonnen. GewaHgteiten in riroa gegen friedliche Bürger Aber auch über diese Vorfälle hinaus wird die Frage der Hcimwehr-Hilsspolizei zu einem brennenden Problem, das der Regierung große Nngelegenheitcn bereitet. Vor einig«» Tagen ereignete sich in mehreren Städten Tirols, besonders in Innsbruck, Ausschreitungen der Heim Wehr-Assi st enztr nppen gleichen suchen. Tiroler Blatter berichteten, daß Heimwehrleutr in drn Straßen Jagd aus friedlich« Bürger machten, die sie nach deutschem Muster in entlegene Gegenden und Häuser schleppten und dort blutig mißhandelten. Man erfuhr aus diesen Berichten auch, daß in Tirol die Heimwrhr mißliebige Gegner nach italienischem Vorbild dazu zwang, große Mengen Ma- s ch i n«n ö l zu trinken. Die„Arbeiter-Zeitung", die ea als einziges Wiener Blatt gewagt hatte, über diese Exzesse zu berichte», wurde beschlagnahmt. egen di« Bevölkerung, die ihres- Sdiwcrvcrbrcdicr als ifflispolizlstcn Inzwischen hat man gestern aus einer sozialdemokratischen Interpellation im Wiener Landtag erfahren, daß unter den zum niederöstcrrei- chischen Heimwehr-Assistenzlörper einberufenen Mannschaften zahlreiche abge st raste Schwerverbrecher sich befinden. Wie man hört, wird der Regierung nichts übrig bleiben, als sich in den nächsten Tagen von der Belastung durch diese sascistischen Banden zu befreien. Die Blutlache auf österreichischem Boden behauptet der amtliche österreichische Bericht Wien, 25. November. Amtlich wird gemeldet: Die anläßlich des Zwischenfalles an dcr österreichisch-bayrischen Grenze nördlich von Kitzbühcl sofort ei nae leite teil Erhebungen haben vorlänsig zll nachstehenden Ergebnissen geführt: Eine aus drei Mann bestehende Gendar- me"i«assisten»-Patrouill«, die aus der Eggen- a»p e im Grenzdienst stand, nahm eine Abteilung von Reichswehrmännern oder SA-Männern wahr, die unter„H eil H i t l e r"- R n» fen österreichisches Gebiet beim Grenzstein Nr. 6 betraten. Da gerade in diesem Gebiet wiederholt Fenerübersälle nnd Angriffe auf im Grenzdienst ste- hende österreichische Organe erfolgt sind, gab dir österreichische Patronille ' in der begründeten Annahme, daß es sich wieder um eiurn derartigen Ucbrrsall handle, Schüsse ab. Einer dieser Schüsse tras einen Reichswchrmann am Kops. Roch dem Ergebnis des Lokalaugenscheins steht fest, daß sich der Erschossene aus ö st e r- rrichischem Territorium besnnden hat, da eine Blutlache aus österreichischem Boden vorgesunde» wurde. Zwecks genauer Uebcrprüsnng des Vorfalles befinden sich eine Gerichtskommission und Or- ganc dcr politischen Verwaltung am Tatort. Ztvrcks Mitwirkung wurden anch Geometer und Photographen herangezogen. Zu dem von reichsdcutscher Muckte veröffentlichtem Ergebnis dcr Untersuchung des Vorfalles, wonach sich der erschossene Reichswehrmann aus reiched-cutscheni Boden befunden hat, ist zu bemerken, daß diese Mitteilung auf eine nicht genaue Kenntnis des Grcuzverlaujes zurückzusüh ran sein dürfte. kiri Efsstturvolh im„Pandiircnkcllcr 1. Das Miller-Vorspiel von Zobern „Pandurenkeller"? Bor zwanzig Jahren war das Wort in aller Munde, acht Monate vor Anspruch des Weltkrieges. Es kam anü Za Hern im damals muh deutschen Elsa ß, lvo dcr junkerlich-niilitaristiscl-e Prc» ßengcist durcki ständige Provokation der Bevöl- kcruug eine blöde lHeunauisierungspolitik be» trieb. In dein kleinen Vvgcseirstädtchen l-atle ein blutjunger schneidiger Leutnant dreißig friedliche Bürger, weil sie über Albcrnl-eiten eines andern Leutnants gelacht haben sollten, durch Soldaten mit aufgepflanzten« Bajonett ans der Slrnße wie eine Hairimelherde zusam» mentreiben und ein« Nacht in den„PaA* durenkeller", den Kohlepkeller der Kaserne, e i n s p e r r e n lassen. Der„P a ndu- r e n k e l l e r von Z a h e r n" wnrdU damals in der ganzen Kulturwelt zum geflügeltea Wort, znm Inbegriff und Symbol der preußisch-deutschen Militättoillkür ülvr Bürgerund Menfchc.irechte. Der Geist des„Pniwureukeller von Za- bem", der Geist junkerlich-miliwristisck-er Zwangs- Germanisieruug triumphiert heute wieder in Deutscksiand. Was am 28. Notwn«- der llll.'l nur dwißig Bürgen« von Zabern für eine Nacht smsfierte, ist seit fast zehn Monaten d a s S ch i ck s a l d e S g a n z c n d e u t- s ch e n Volkes. Ein großes.Kulturvolk von (>5 Millionen Menschen ist ein gesperrt i n d e n„P a n d n r e n k e k l e r" d e s D r i t- ten Reiches, wird zwaugsnvise„völkisch gereinig:" uird„germanisiert", ist sckpitzlos ausgeliefert der Willkür und Barbarei der „Pailduven"-Banden Hitlers, die ihr histori- schzes Vorbild, das l>e nicht igle Paudure««korps des n««garischen Oberst Trenck, an Grausamkeit, Raub- und Mvrdlust längst erreicht hal>en. Das Staunen und Berlvundern ül»cr diesen Rückfall in die Barbarei hört auf, ja, es fällt einem wie Schuppen v o n d e n A nge n, wenn sich die alle Rätzel lösende Er- kenntuis aufdrängt, daß Hitlers Landsknechls- horden venvilderte Sprößlinge der preußischen Soldateska von 1913 sind, daß die Germani- sierungS-Orgie von Zabern schon das Vorspiel der Hitler-Barbarei war, deren cl)arakteristiscl)e Merkmale bereits damals in die Augen sprangen. Naticnalistische Schimpf- und Droh-Reden, Mordaufsordenin» gen, Zwang zur Selbstentwürdigung, rohe und brutale Mißlpindliingen und Willkürakte, Bei- seiteschiebung der Zivilgewali durch) die Soldateska, Amtsanmaßung, Verletzung von Recht und Gesetz, Verachtung der Kultur und der Persönlichkeit, militaristisch)« Anarchie nnd schließlich Deckung aller Ungeheuerlichkeiten durch die Justiz, die hohen und höchsten mili- tärischen und zivilen Machthaber, durch Kanzler und Kaiser, völlige Kapitulation des Staates vor der Säbeldiktatur unter dein Jubel der Junker- und Schlotbarone, kurzum, alle Wesens Merkmale des Hitler- Kurses traten bereits bei der Zabern-Affäre scharf hervor. Lassen wir die Dinge im Telegrammstil einnial Revue passieren: Der 2l)jährig« Leutnant I r ei Herr v. I o r st n e r beschimpft in der Jnstruktions- slnndc die Elsässer unter den Rekruten als „Wackes"(RowdhS), setz! 16 Mark Prämie für das Nicderstechcn eines„Wackes" aus, zwingt elsässische Rekruten zu der Meldung„Ich b i n ein W a ck e S", fordert zur Beschmutzung der fran;osisch)en Jahne auf, wird deshalb in Anspielung auf eine ihm im Manöver passierte Vettbeschiuutznug auf der Straße von Schuljungen und-Halbwüchsigen gehänselt, fühlt sich bedroht, ninunt beini Schokoladeeinkauf zu seinem Schutze vier Soldaten nrit aufgepflanz- !cnt Bajonett mit, verursacht dadurch einen Auflauf und wird von den Neugierigen verhöhnt und Verbacht. Der Regimen ts komm an- Seite 2 Sonntag, 26. November 1936 Nr. 277 vonkv» dckrenert Wclhnachtslrledcn Wien, 25. November. Tcr gestrige Ministerrat genehmigte eine Weisung an die Sicherheitsdirektoren, der znfolge in der Zeit vom 5. Dezember bis zmn 15. Jänner 1934 Persainmlun- gen aller Art solvie öffentliche Aufzüge ausnahmslos zu unterbleiben haben. Bon dieser Verfügung sind alle jene Veranstaltungen in geschlossene» Räumen nicht betroffen, die nach- tvcisbar wohltätigen Zwecken dienen oder sich als rein gesellige Zusammenkünfte beschränkten llnt- fangs darstellen. Diese Verfügung erscheint voin Standpunkte der wirtschaftlichen und gesellschafr- lichen Interessen und zur Förderung des Fremdenverkehrs geboten. deur,-Oberst v. R e u t t e r, läßt darauf fünfzig Soldaten mit aufgepflanztoui Bajonett und scharfen Patronen vor der Kaserne ausschwärmen und unter Trommelwirbel zum Auseiivandergehen der Neugierigen auffordern, lockt dadurch aber riur noch mehr Ncngicrigc an. Nun läßt der ebenfalls blutjunge Leutnant Schadt alle Leute, di« lachen oder auch nur lächeln, von den Soldaten mit Kolbenstoßen und Fußtritten zusammcntreibcn itnd wahllos jeden verhaften, der ihnen in den Weg kommt, danrnter auch einen Staatsanwalt und einen Landgerichtsrat, sperrt die Verhafteten in den Kohlenkeller der Kaserne, den„Pandurcnkeller", die Nacht über ein und läßt sie arn andern Morgeir einzeln von vier Soldaten aufs Amtsgericht bringen. Einige Tage später läßt Leutnant von F o r st n e r rin bermchbarten Dell Weiler einen Zug Soldaten mit aufgepflanzteni Bajonett gegen eine Schar höhnender Jungen und halbwüchsiger ausschwärmen, wobei aber nur ein unbeteiligter junger Schuhmacher mit einem lahmen Fuß erwischt wird, den der Leutnant mit dem Säbel so über den Kopf schlägt» daß eine klaffende Wunde entsteht. Diese Vorgänge rufen im Elsaß und in ganz Deutschland eine gewaltige Aufregung hervor. Die elsässischen Zivilbehörden sind entsetzt über die Zügellosigkeit der Soldateska. Arwcrs die Militärbehörden im Elsaß und im Reich, die„der Zivilkanaille Respekt beibringen" und die„schlappe" Zivilregierung im Elsaß bloßstellen wollen. Oberst v. Reuther lobt seine schneidigen Leutnants und di« von diesein mißbrauchten Soldaten, der Kommandeur des 18. Armeekorps in Straßburg, General von Deimling, stellt sich hinter Oberst v. Reutter, K r i e g s- m i n i st e r v. F a l k e n h a y n sagt im Reichstage bei der Zabern-Interpellation am 3. und 4. Dezember,„Hetzer" hät:en die Sach« aufgebauscht, ein Offizier, der beschimpft tverde, müsse unter Umständen dem Beleidiger„den Degen in den Leib rennen", der Reichskanzler v. B« t h in a n n- H o l l w e g, durch die Mili- tärkmnarilla und die Junker eingeschüchtert, stammelt eine lahme Verlegenheitsrede. Es kommt zu dramatischen Szenen, als neben den Sozialdemokraten Peiro:es und Weill und den Elsässern Röser und Hauß, besonders der Z c n t r u m s f ü h r e r F e h- renbach der Empörung des Reichstages leidenschaftlichen Ausdruck leiht, und schließlich erteilt der Reichstag dem Reichskanzler mit 293 gegen 54 Stimmen cinMißtrauens- 20 Roman von Felix Fechenbach Solang ich denken kann. Wir Hain als Kinder schon zusammen g'spiclt." „Allerdings, dann hat Herr.Hein ältere Rechte. Und wenn er beim nächsten Tanzabend wieder da ist, werde ich wohl ans dem.Heimweg Ihre Gesellschaft entbehren müssen?" „Rechte hat überhaupt niemand auf mich," gab Lene stolz zurück. „Das freut mich," verschtc Groß. „Warum freut Sie das?" „Weil ich dann wohl darauf rechnen darf, daß Tie meine Begleitung auch i« Zukunst nicht vblchnen werden." „Ach so! Sic Ham wohl gar gemeint, der !?ranz Hein wär mein Bräutigam?" Und sie achte hellauf. „Wenn auch nit gerade Bräutigam... Nun, ich meine, es gibt ja auch Bindungen ohne offizielle Verlobung." „Ta bin ich ja noch viel zu jung dazu. Bin ja noch nit emal achtzehn Fahr alt." „Aber wenn man so schön ist wie Sie, gnädiges Fräulein, dann läßt ein Bräutigam nicht gar lang auf sich warten." „Sie sind mir ein Süßholzraspler!" _„Das ist mein heiliger Ernst, gnädiges Fräulein!" beteuert er mit gemachter Offen- hcri'gkeil.„Und ich meine nicht mir Ihr hübsches Gesicht, sondern auch Ihre schlanke, geschmeidige Gestalt." „Ach. gehn Sie! Solche Schmeicheleien mag sch iwt Horen!" Im Grunde Ihres Herzens aber war sie Vch^chl ruipsänglich für die plumpen Kompli« v o t u in, das erste in der deutschen Parla- men-.Sgeschichte. Aber der Kaiser beläßt den Kanzler dem Reichstage zum Trotz int Amte und der.Kriegsminister v. Falkenhayn prägt einige Monate später im Reichstage, am 6. Mai 1914, also kurz vor Kriegsausbruch, das für die Geistesverfassung der Zabern-Hel- den kennzeichnende Wort:„Wenn die Kulturfortschritte es dahin brächten, daß wir nicht mehr mit dem Vertrauen auf unser Heer in den Krieg ziehen könnten, dann kann mir die ganze Kultur g e stöhlen bleiben!" Der Kronprinz hatte bei Bckanntwcr- den der Zabern- Vcrgänge sofort ein „B r a v o!"-Tclegraunn an Oberst v. Reutter geschickt und ein zweites Telegramm „I m m e r f e st e d r a u f!" hinterhergesandt. Die Mente der Junker und Militaristen tobt, als Leutnant v. F o r st n e r zunächst vom Straßburger Kriegsgericht wegen Körperverletzung zu 4 3 Tagen Gefängnis verurteilt wird. Der junkerliche Berliner Polizeipräsident v. I a g o w„beweist" in der„Kreuz- Zeitung", dem Berliner Junkerblatt,„juristisch" die„Unschuld" der Zabern-Offiziere, und der ganze Druck der Junker- und Militärkamarilla wird aufgeboten, ihre Freisprechung zu erzielen. O b e r st v. R e u t t e r, der«s als ein„G l ü ck" bezeichnet hatte, wenn„Blut fließen" tverde und mit Schießen gedroht hatte, wird dann auch gemeinsam nut Leutnant Schadt von der Anklage der Amtsanmaßung, Freiheitsberaubung und des Miß- brvnchs der Dienftgewalt niit Pauken und Trompeten durch das Straßburger Kriegsgericht freigesprochen und dessen Vorsitzender, Generalnivjor von Pelet- Nar- bounc, schickt sofort an v. I a g o w und an den alten Junkerhäuptling v. Oldenburg- Ja n u s ch a u, der den Reichstag durch einen „Leutnant mit zehn Mann" hatte auseinandertreiben lassen wollen, ein Telegramm„F r e i s p r u ch. B e st e Grüße." Am selben Tage wird auch Leutnant von F o r st n e r in der Berufungsverhandlung freigesprochen, nachdem der Vorsitzende des Berufungsgerichtes,.Kriegsgerichtsrat Medicus, schon vorher«Äärt hatte „Erst sprechen wir den Oberst Reutter frei und dann auch den Forstner". So schamlos sprang die Militarjustiz nrit Recht und Gesetz um und proklamierte den Militärabsolutisnius über die Zivilgewalt. Nur die drei Rekruten, die v. Forstners Beleidigungen erzählt hatten, wurden mit insgesamt 14 Wochen Mit:elarrest bestraft. Der Zivilstallhalter von Elsaß-Loth- ringen, GrafWcdel und seine Staatssekretäre nmßtSn demissionieren. Der Sieg der Junker-undMilitär-Kaniarilla war ein vollständiger. Damals, am 11. Jänner 1914, schrieb der„M e s s a g g e r o" in Rom: „Gleich w!« die Flutwelle der Ostsee neulich Däinmc zerrissen und ganz« Dörfer uiNer Wasser gesctzl hat, so steht heute die preußische Reaktion im Begriffe, das Deutsche Reich mit noch tvrit größerer Heftigkeit zu überschwemmen als b’e Ostsee, und die armen Einwohner können llch vor dieser Gefahr nicht einmal retten." Bald nach ihrer Zabern-Orgie har di« preußische Reaktion tatsächlich das deutsch« Reich„überschwemmt", das Volk in das Blutbad des Weltkrieges hincingetrieban und eS vier grauenvolle Jahre darin dezimiert und zermürbt. Diese preußische Reaktion blieb ihm im Nacken sitzen iin Zusammenbruch und selbst noch in der Revolution. In der Hit- ler-Dik.atur hat sie sich wieder enrporgerichtct, brutaler denn je steht sic da. In ihr triumphiert der Preußische Militarismus über Kultur und Menschlichkeit, die dem deutschen Volke nach Falkenhahns Wunsch gestohlen und ausgetrieben tverdcn. Oldenburg- Ja t I t »re Aussöhnung auf der Balkan Belgrad, 25. November. Wie verlautet, wird im Lause d:s nächsten Monates das bulgarische König-Paar in Belgrad zu einem Besuche«in- iresscn, Ausgabe der neuen Negierung werd« cs sein, ohne jeden Berzu» und unerschütterlich da- Budgctglrichgewicht wieder herzustellen und das demokratische Regime zu wahren, und zwar derart, daß es eine ordentliche Wirksamkeit der parlamentarischen Institutionen sichert. Weiter wird die Regierung strenge über die äußere Sicherheit des Staates wachen. So schwere Ausgaben erfordern die Schaffung einer republikanischen Union. Am morgigen Sonntag wird er dem Präsidenten der Republik definitiv mitteilen, ob er die Betrauung mit der Kabinettsbildung annimml. Noch eine Widerlegung Grolhes Es folgt dann die letzte Zeugenvernehmung zum Tatkomplex, die Vernehmung des Maurers Schmidt, in dessen Wohnung nach der Bekundung drS Zeugen Grothe in der Nach, vom 2g. zum 27. Feber Mitglieder des RolfronllämpferbunLes in Alarmzusta'std gelogen haben sollen. Der Zeuge n'mmt auf seinen Eid, daß das nicht der Fall gewesen ist. Er kenne den Grothe gar nicht Der Zeuge bezeichnet im übrigen die Aussagen Grothes als Phantasien Paris, 25. November. Nachdem Herrlot es abgrlehnt hat,«inen Auftrag zur Kabinettsbildung anzunehmen, hat der Präsident der Republik den bisherigen Innenminister C haute m p S mit d«r Kabinettsbildung beauftragt. Chautemps erklärte Journalisten, er würde wi« alle Republikaner und französischen Patrioten wünschen, daß H« r r i o t mit der Aulgabe der Kabinettsbildung betraut würde. Chautemps ist sich aber auch sicher, daß Hcrriot ihn« seine volle Unterstützung gewähren und ihm dadurch seine Arbeit erleichtern wird. Es war keine revolutionäre Situation Dimitrow: Sollt« ein bewaffneter Aufstand gemacht wenden, wenn die Nalionalsoz'alislen au die Macht kämen? Hirsch: Solch« Bestrebungen kamen nach der Gewinnung der Parteiführung Ende 19.12 und Anfang 1233 nicht iu Frage. Nach d«r gesamten Theorie und Praxis der Kommunisten ist für einen solchen Ausstand notwend g eine revolutionär« Situation, in der dl« kommunistisch« Partei bereit- die Mehrheit der Arbeiterschaft hinter sich hat und die übr gen zum größten Teil neutralisiert tverden könnten. De Zest um die Jahreswende 1832/33 stellte geradezu das Gegenteil einer solchen Situation dar. Nun wird der Schriftsteller Bruno Peterson als Zeuge vernommen. Er gehört seil 1919 zur kommunistischen Partei und«rklärt, daß er auch heute noch ihren Zielen anhänge, stn den Tagen vor dem Reichstagsbrand Ist er oft bei Torgler im Reichstag gewesen. Der Zeuge war auch am Abend des Brande- mit Torgler und Koenen bei Aschinqer, ist aber von dort schon früher meggeqangcn und hat von dem Brande erst am nächsten Tage aus den Zeitungen erfahren. N e w D o r k. 25. November. Der sowjelrus« stsche Volkskommissär für auswärtige Angelegenheiten Litwinow hat heute an Bord dcS italienischen Dampfers„Tonte di Savoia" di« Rückreise nach Europa angetreten. Der Außenminister wird in Nom dem Ministerpräsidenten Mussolini einen Besuch abstatten. Litwinow lehnte es ab, Prestevertrctern Interviews zu geben, und erklärt lediglich, er gehe nach der italienischen Hauptstadt und werde dem italienischen Regierungschef«inen Besuch abstatten. Vox der Abreise Litwinows aus Amerika wurden zwilchen ihm und dem Präsidenten Roosevelt Abschiedskundgebungen aucgetauscht, in Nach K 18 deS Gesetzes 201/33 verlieren sämtliche Personen, fo weit sie nicht aufgehört haben, wenigstens sechs Monate vor Auflösung der Partei deren Mitglieder zu sein, ihre Mandate. Der Um» stand, daß die Partei vor dem amtlichen Verbot zu existieren aufgehört hat, ändert nach K 22 an der Sache nichts. Ten Verlust des Mandates aus- zusprechcn ist der MandatSsenat aus Amtspflicht vechalten und sein« Kompetenz in dieser Richtung ist genau und eng gezogen. Ter Beschluß der Regie rung vom 11. November l. I. über di« Auflösung der nalionaisoziaiistischen Partei wurde im Sinne der Bestimmung des Gesetzes dem Erste» Präsiden- Chaaiemps betfrauf Er will eine republikanische Union schaffen „ch lein Ersatzmann einberuf«« worden. I Vorsitzender des Scnatsmandats ist der erste 1 Präsident des Obersten VerwaltungsgerichtShofeS | Dr. Hscha und Mitglieder die Räte des Ober« | stw BerwaltungSgerichteS Dr. Koschin, Dr. H u f- | regel, Karsay und Dr. Mrazik, Schristsüh- |«r Sekretär Dr. P e l i n k a. Der Verhandlung wohnten die genannten I Abgeordneten und Senatoren bis auf den(kran» I töt) Abgeordneten Geyer und die Senatoren 1 2r. Iesser und Köhler bei. Die Abg. Jng. I Jung, Schubert und Kasper, die sich der- I uit in Untersuchungshaft beim Kreisgericht in Pankrotz befinden, wurden aus der Hast vorge- fuhrt und erschienen in Begleitung des Untersuchungsrichters Dr. FaltyS und von Gefängnis- Wärtern. WeiterS waren anwesend ihre Rechts- «Nieter Dr. K r c i ß l, Tr. A l t h a m m e r und Dr, S ch ü r e r sowie zahlreiche Journalisten. * Die Verhandlung eröffnete um neun Uhr Präsident Dr. Hück-a, worauf nach Aufruf der Angelegenheit der Referent Rat Dr. Koschin das Wort ergriff, um die Mitteilung des Vorsitzenden der Regierung, des Ministeriums deS Innern und die Erklärung der Abgeordneten und Senatoren der delltschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und andere Schriftstücke zu deckejen. Tie betroffenen Parlamentarier machen vorerst zcktend, daß das Gesetz über die Einstellung der lätigkeit und Auflösung politischer Parteien d«r Aufastung zuwiderlause und daß es nicht auf ihre tzartei ongewendrt werden könne, da sie sich selbst v>r der Znkrasttretung des Gesetzes auflöste. Senator Köhler verlangt, daß bei ihm nicht der Verlust des Mandates ausgesprochen werde, weil er, wenn er auch auS der Partei nicht aus« Metin sei, seit Juli 1932 in der Partei wegen einer ernsten Lungenerkrankung überhaupt nicht tätig war. Abg. Jng. Jung sucht in seiner Erklärung zu beweisen, daß die Partei der deutschen National- sqialisten, deren Vorsitzender er war, nicht staatS- femUich gewesen sei. Das Dolksspovturteik habe eine kleine Gruppe ihrer Mitglieder hervorgcrusen, die ihre Aktion hinter dem Rücken der übrigen Mit- glieder und ohne Misten der Partei unternahm. Abg. Simm führt in sriner Erklärung aus, daß er gemeinsam mit den Abg. Kasper, Köhler und Geyer am 2. Oktober aus der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei ausgetreten sei und einen parlamentarischen Sonderklub„2u> detendrutschc parlamentarische Bereinigung" gegründet hätte, dessen Bildung das Abgeordnetenpräsidium zur Kenntnis genominen habe. Abg. Jng. Jung ergänzte sein« schriftliche Er- klämna durch eine Mitteilung, in der er neuerlich wiederholte, daß seine Partei nicht staatsfeindlich und ehrlich bestrebt gewesen sei, eine positive Lösung' der Frage deS Zusammenlebens der Tschechen und der Deutschen herbcizuführen. Er sagt« schließlich, daß di« dänisch« nationalsozialistisch« Arbeiterpartei gegen ihre Auslösung die Beschwerde beim Obersten Derwaltungs- gerichtShof ergriffen habe. Weitere Erklärungen gaben ab: Abg. Knirsch und Advokat Dr. 2 ch ü re r. welcher ouSführte, daß Senator Köhler«ährend der letzten sechs Mo- nate in der Partei nicht tätig gewesen sei und daher der Mandatsverlust nicht ausgesprochen werden soll«. Widerstand gegen Roosevelts inliailonspolUik 2k c w'York, 25. November.(Reuter.) „Nationaler Ausschuß für Währungspolitik" ist der Name der Organisation, welche 44 hervorragende Bolkswirtsrhastler unter dem Vorsitze deS bekannten Kenners der füd- und zentralamerikanischen Finanzen Kemmerer und dcö Professors für Nationalökonomie W e st erst e l d ins Leben gerufen haben. Der Ausschuß hat eine Erklärung veröffentlicht, in welcher die Inflation verurteilt und die Rückkehr zum Goldstandard sowie zur internationalen Znsamnienarbcit empfohlen.wird. ten des Obersten VerwallungsgerichiShoscs übermittelt. Nach Mitteilung der Ministeriums des Innern waren die genannte» Abgeorducicn und Senatoren sämtlich aus die Kandidatenliste der Partei gewählt. Keiner von ihnen erhob den Einwand, daß er sechs Monate vor Auflösung der Partei aufgehört hätte, Mitglied der Partei zu sein, nicht einmal Köhler, wrlchcr behauptete, seit Juli 1932 nicht in der Partei tätig gewesen zu sein. Bei allen sind daher alle Voraussetzungen des Gesetzes gegeben, unter denen der Verlust des Man- dates«intritt. Die Verfastungsmäßigkrit dcs Gesetzes 201/33 hat der Mandarsienat als Teil des Obersten Ber- waltungSgerichtshofes nach der BerfassungSurkundc nicht zu prüfen Ebenso entzieht sich seiner Kompetenz di« Beurteilung, ob der Beschluß der Regie- rung über die Auslösung der nationalsozialistischen Partei gesetzlich war. Das steht bloß dem Ober, slen Berwaltungsgerich tshos bei Brr- Handlung der entsprechenden Beschwerde zu. Schließlich ist der Einwaird nicht am Platze, daß die Partei sich vor der Herausgabe des Gesetze» aufgelöst hat, da im Gesetz« an diesen Umstand direkt gedacht wird. Bei diesem Stand der Dinge war der MandatSscnat verpflichtet, zu ent- icheiden, daß der Verlust der Mandate eingetre- ten ist. Hierauf gab Präsident Tr. Hücha eine kurze Begründung der Entscheidung in deutscher Sprache. Grundlage der Beziehungen zwischen den beiden Staaten die Aufrechterhaltung des Friedens sein soll. In seiner Ab'cksiedskundgebnng erklärte Litwinow, daß die Genfer Konferenz«ine Leiche sei und daß keine Bemühungen sie zu neuem Leben erivecken könnten. Wenn keine Todesanzeige erfolgt sei, sei dies einzig und allein deKlMb geschehen, tveil die Aerzt« sürchlcn, das H.rz, welches zu schlagen aufgehört hat, zu untersuchen. Heber Einladung Mussolinis Rom, 25. November.(Reuter.) Minister. Präsident Mussolini hat den DolkSkommistär für Auswärtige Angelegenheiten L i t>v i n o w offiziell zu«inem Besuch«Ingelad«n. Litwinow Staatsvisite Litwinows bei Mussolini Von New York nach Rom unterwegs Ostrauer Revlerkonierenz genehmigt Pert rogöverlängerung. Mcihr.-Ostra», 2.">. November. Tie Revier, korrfercnz des Ostrau-Karwiner Reviers nahm Henle mit großer Mehrheit(von 300 Delegierten stimmten nur 27'dagegen) die neuen Abmachungen mit den Gewerken an, die die Verlängerung der Wech'elnrlaube bis Ende Juni 1834, die Herabsetzung der Zuschläge für die Häuer und die Einstellung der Einzelentlassnngen von Bergleuten bis Ende März 1834 vorsehcn. nie Belgrader Bergungen Belgrad, 25. November. Heute vormittags wurden di« sachlichen Beratungen der wirtschaftlichen Vorkonferenz der Kleinen Entente cnrf- arnomen. Tic erste Sitzung, in welcher der jugo slawische Delegierte Pelcvanoviö den Vorsitz führte, dauerte von 10 bis 18 Uhr. Die Polilik im DettlagsMpzeE Ende 1932- Anlang 1933 war keine revolutionäre Situation Neue Widerlegung Grothes Prag, 25. November. Auch I» der heutige» Verhandlung hat d«r Vorsitzende Bunger an Luvb« kein« Fragen gestellt, obzwar dieser doch inzwischen genügend Zeit zu jenen Ueberlegungeu hatte, zu denen ihm Bunger, als Lübbes Aussagen unan genehm tvurden, Gelegenheit geben wollte. CS scheint sich freilich daS Gerücht zu bestätigen, daß die Wärter drü van der Lubbe vorgestern v e r, g«s s e n hatten, dem Häftling Scopolamin einzugeben.— Grothe, der auch heut« durch einen Zeugen d«S Meineides überführt wurde, befindet sich noch immer in Freiheit; Entlastungszeugen tverden aber in der Regel aus dem Konzentrations lager vorgeführl. Was Wunder auch! Meineidig« gelten im heutigen Deutschland viel und Groth« hat Charaktergenosten in der Spitz« dcs Reiches. — Bemerkenswert ist die heute vorgetragene Er kenntnis der KPD, daß Ende 1832—Anfang 1933 in Deutschland keine revolutionäre Situation vor handen war. Wär« dieses Eingeständnis schon früher gekommen, dann hätte der Weg der Ver ständigung zwischen den beiden Gruppen viel erfolgreicher beschriten tverden, dann hätte diese Situation durch die Einigkeit der Proletarier wohl geschaffen werden können. Leipzig, 25. November. 2n dem Prozeß zur Verteidigung der!>ie:cbstagSbrci«dst!-fler wurde alS erster Zeuge der Schriftsteller Werner Hirsch aus dem Konzentrationslager vorge'ührt. Hirsch war bis 1930 Redakteur bei der Roten Fahne und von 1930 bis 1932 Mitarbeiter beim Zentralkomitee der Partei. Die Einvernahm« des Zengen erfolgt, um nachzuweisen, daß er jener„Peter" ist, testen Name auf den bei Popos? gefundenen EmpfangS- befläliguugen unterschrieben ist Di« Befragung des Zeugen ergibt, daß er während seiner österreichischen Tätigkeit den Decknamen Peter angenomnien hat und unter diesem Namen auch innerhalb der KPD. bekannt war. Ten Behörden gegenüber tst er jedoch Deutscher Protest in Wien Berlin, 25. November.(Wolff.).Heute mittags stalicle der deutsche Gesandte Tr. Ried dem Bundeskanzler Tr. T o l l s n sz einen Besucht ab, bei dem er dem Kanzler daS Ergebnis der deutschen Erhebungen über de» Zwischenfall an der bayrisch-österreichischen Grenze zur Kenntnis brachte. Zu gleicher Zeit stellte er die Frage, was die österreichische Regierung in dieser Angelegenheit zu veranlassen gedenke. Bundeskanzler Tr. Dollfuß erklävtc, daß di« sogleich cingclcilcte Untersuchung im Zuge sei, und daß er eine Antwort erst erteilen könne, sobald über diesen jedenfalls bedauerlichen Zwischenfall di« Unlersuchuilgsiiialerialicn vollständig vorlicgcn. Tas Ergebnis der mit aller Sorgfalt geführten Untersuchungen werde samt den Unterlagen dem deutschen Gesandten zur Verfügung gestellt werden. Alle hakenlw cuzltrisclicn Mandate anerkannt Die erste Verhandlung vor dem Mandatssenal Peter geschrieben und unterschrieben worden sind. Die Beträge wurden zur Deckung der Ausgaben verwendet, die dieser Peter bei der Beschaffung von Druckschriften für Popow gemacht hat. Ter Zeuge Hirsch erklärt auf die konkrete Frag« Popows, daß er nicht mit Destimmthe t sagen könne, die Beleg« seren von ihm geschrieben, aber die Handschrisl wei'e täuschende Aehnlichkeiten mit der se'nen aus. Auf die Frage an Popow, wer dieier Peter eigentlich sei, antwortet Popow, daß er dessen Familiennamen nicht kenn«. Hirsch sagt, cS'ft aus- ^schlossen, daß die Zahlungen, di« er quittierte, von Popow gekommen sind. Bei einer dem Zeugen Hiv'ch abgenommenen Schriftprobe vrnvest Dr. Teichcrt auf Unterschied« in der Schrift des Hirsch und der auf den Ouittungen. Teichert beantragt die Eiiwernahme eines Sachversläudigeii. * Nach fast zweistündiger Beratung verkündet der Präsident Dr. Hücha folgende Entscheidung des Mandatssenats: Die Abgeordneten Josef Geyer, Jng. Rudolf Jung, Rudolf Kasper, Hans Knirsch, Richard Köhler, Hugo Simm und Leo-S ch u b e r t und dir Senatoren Dr. Jesse r, Franz Köhler, Ernst Teschner und Le» Wenzel haben mit 11. November 1933 ihr« Mandat« verloren. Der Mandatssenal hat nach den Ausführungen seines Vorsitzenden folgendermaßen erwägen: Glcictigeschalleie* Unverschämihelien Tas ausführliche Etzposü, das Fürsorgeminister Genosse Tr. Czcch am Mittwoch im BudgclanSschnsse des Abgeordnetenhauses erstattet hat, hat in der Presse aller Richtungen großes Interesse und eine eingehende Würdigung gesunden. Tic Fülle von Leistungen, die das Ministerium unter Leitung eines deutschen Sozialdemokraten unter den allerschwierigsten Verhältnissen vollbracht hat und die klare Vorzcichnung der Aufgaben unserer Sozialpolitik für die Zukunft haben sogar, wie wir bereits verzeichneten, der „Bohemia" Worte der Anerkennung abgenöligt. Ei» Kapitel für sich aber ist die„Sudeten- deutsche TaqcSzeitung", der der Schreck über die Auslosung der Hokenkreuzlcr nutz Deutschnationalen derart in die Glieder gcsabren ist, daß sie sich peinlichst vor jeder direkten Kritik hütet und sich jetzt im allgemeinen als eine Art balboffizielleS Amtsblatt der tschechoslowakischeit Regierung liest. Bei aller Feigheit gegenüber den tschechischen Parteien kann sie cs doch nicht unterlassen, durch kleine Giftigkeiten zu beweisen, daß ihr Haß gegen die Sozialdemokratie unvermindert anhält. Aus der großen Anzahl von Aktionen und Programmen, die Genosse Tr. Czcch in seinem Etzposü angesüstrt ha», hat sic keinen Passenden Titel für istrcn Bericht finden können. Daher hat sie diesen Rechenschaftsbericht über eine Unsumme sozialer Arbeit— also, was glaubt man wie?— betitelt. Man wird cS nicht erraten! Nämlich so: „Keine Kohlen- und Vrotaktiv» sür Arbeitslose." Ter aufmerksame Leser wird zwar finden, daß selbst in dem sehr knappen Berichte der„Sn- detendentscheii Tageszeitung" absolut nichts darüber darin steht, daß keine Brot» und Kohlenaktion sür Arbeitslose mehr diirchgesührt werden soll und daß sich also daS Blatt selbst a»f sei» Lügenmaul schlägt. Aber beim flüchtigen Leser mag schon der Eindruck entstehen, daß Fürsorgeminister Tr. Czcch im Bndgelausschnssc nichts anderes zu sagen wußte, als daß die Arbeitslosen keine Kohle und kein Brot mehr erhalten werden! Diese journalistischen Manieren mögen iin Amtsbereiche deS LügenministerS Tr. Goebbels üblich sein, aber wir können die„Sudetendeutsche Tageszeitung" versichern, daß wir uns hierzulande diese gleichgcschaltetcu llnverschämtheiten keineswegs ans die Dauer bieten lasten werden! Prag, 25. November. Der aus Grund d«S Gesetzes 201-1933 beim Obersten Berwal. luitgSgerichl errichtet« Mandatssenat hat heute auf Gruud der Mitteilung deö Vorsitzenden der Regierung vom 11. November d. I. über die Auflösung der deutschen nationalsoztalistt- schcn Arbeiterpartei in ökseutlicher Sitzung entschieden, daß alle Parlamentarier dieser ausgelösten Partei ibreS Mandates verlustig gehen. ES sind dies die Abgeordneten Ina. Rudolf I u n g, Leo Sch u b e r 1, Rudolf Kasper, gaoS Knirsch, Joses Geyer, Hugo Simm und Richard Köhler sowie die Senatoren Lr. Franz Jrsser, Ernst Teschner, Franz Kähler und Leo Wenzel. Abg. HanS KredS hat vor seiner Flucht nach Deutschloird das Mandat niedergelegt; an seiner Statt war Seite 4 Forderungen der tschechischen Agrarier Die tschechisch« Agrarpartei hat in den letzten Tags» eine Beratung abgehal-en, an der alle füh. renoen Fuicklionär« der Partei, auch der Minister. Präsident, teilgenonimen haben. In dieser Bcra- tung wurde eine Reihe von Resolutionen gefaßt. Tie erste betrifft die Stellung der Agrarier zu verschiedenen W i r t sch a f t s p r o b l e mc n. ES wird darauf hingewiesen,-aß die Preise der land, wirtschaftlichen Produkte auf dein Weltmarkt noch immer rückgängig sind und daß sich die Verhält. uisse für die Landwirte in-ex letzten Zeit insofern verschlechtert haben, als auch die Preise-cS ViehS und-er tierischen Produkte zurückgcheir. Dies« kritische Situation der Bauernsa>aft sei eine Gefahr vom gesamtwirtschaftlichen Stau-punkt, denn „jede Verbesserung-er Lage-er Landwirtschaft wirk: sich auch aus die anderen Stände aus und übrigens sind die Landwirte stets bereit, an der Sicherung der-ringenden Bedürfnisse der anderen Acvölkenings''chichten mitzuwirken". Es werden dann eine Reihe von Forderungen aus dieser Darstellung-er Situation abgeleitet. Bor ollem wird verlangt ein«'Sicherung-er Geireideivirt. schäft, und zwar durch ein Gctrei-emonopol. Solange dieses Aionopol nickt wirksam ist, sind Jnterventioitsaklionen auf-em Markte zu fordern. Ferner werden verlangt ein« Reorganisation -es Piehsyn-ika S, Beschränkung der Einfuhr aus -en notivendigen Bedarf, Sicherung der Milch» wirtschaft, Ane-aleicksabgab« auf Margarine und Kunstfettc, Herabsetzung-es Zinsfußes, Entschuldung-er Lan-wirtschaft und„Steigerung des Konsums durch direkte NahrungSmittelzuweisun- gen an Arbeitslose". In einer Zweiten Ent. sch^ießung. in-er di« Finanzkris« der Selb st ver wal tungSkörPer behandelt wird, wird vor allem die Einführung von Gemcindezuschlagen zur Einkommensteuer verlangt. Eine dritte Env'ckließung befaßt sich mit sozialpolitischen Fragrn.es werden da Andeutungen über-en Abbau der sozialen Lasten geltend gemacht,„Ersetzung der unproduktiven ArbeitSlosensürsorge durch eine produktive und strenge Kontrolle" sowie schließlich die Aufhebung -es Mieterschutzes gefordert. Wie man sieht, kann manchen(allerdings wenigen) diese Forderungen der Agrarier, wie z. B. Steigerung des Konsums durch NahrungS- mitrel,Zuweisungen an Arbeitslose, zugestimmt werden, über manches läßt sich diskutieren, eine Reihe, von Forderungen ist dagegen obznlehncn. So muß immer wieder darauf hiugewiescn werden, daß die Bauern von-er Aufhebung des Mieterschutzes gar nichts haben, ja im Gegenteil, da die breiten Masten der Bevölkerung dadurch belastet würden, könnten sie weniger landwirtschaftliche Produkte kaufen, so daß die Krise der Landwirtschaft nock) verschärft wurde. Angesich's -er Bedeutung des inneren Marktes für die Landwirtschaft müßten sich die Agrarier endlich einmal sagen, daß gerade die Bauer» ein Lebens- intcrestc an der Hebung des ErnährungSnivrauS der Bevölkerung haben u>td danach handeln, statt sich in Schlagworten vom Abbau der iozialen Lasten zu ergehen, eine Forderung, deren Per» wi Eichung nur den Kapitalisten, tricht aber den Bauern nutzen würde. Di« Agrarier sollten endlich einmal Ba u e r n P ol i ti k machen, st a t t K a P i t a l i st e n P o l i t i k. llcbrigenS bemerkt doS„Prävo Lidu" in der Kritik der Fordcrimgen der Agrarier mit Recht, -aß in den Resolutionen der agrarischen Konferenz nichts gesagt wird über den Standpunkt der Agrarier zur gegentvärligen Regierung und zum Regierung-Programm der gegenwärtigen Koalition. Notwendig ist nicht nur ein« Verständigung über die Bedürfnisse der Bauern, sondern auch der Konsumenten, der Arbeiterschaft, der Industrie, das Verhältnis von innerer und auswärtiger Wirrschiftspo'li ik. Darüber aber wird man in den agrarisck)en Resolutionen vergebens ctlvaS suchen. ßesuchsspcrre hei allen Ministern Prag, 25. November. Die Mitglieder der Regierung empfangen in der Woche vom 27. November bis 2. Dezember kein« Besuche. Treuhänder Dr. PeterS. Unter diesem Titel antwortet Dr. Mannheimer in der„Wahrheit" aus die Erklärung dcS Abgeordneten Dr. Peters „In eigener Sache", welche die„Bohemia" vom 21. November veröffentlicht hat, Mannheimer sagt, daß.Herr Dr. PeterS„nm geschickte Formulierungen... nicht nur in persönlichen Dingen, sondern auch in der Politik nie verlegen" war und daß die Vornehmheit, welche sich Herr Doktor Peters in der Erklärung zu geben versucht, nur vorgetänscht ist. Herr Dr. Mannheimer erklärt, er habe in der Zeit, da er dem Redaktionsstab der„Bohemia" angehörte, nie„rin Hehl draus gemacht," daß„er die Politik eines zweierlei Maßes Demokratie für falsch, verwerflich, ja für rin Unglück für das Sudeicndrutschtum halte." Die Tätigkeit des Herkn Dr. Peters in der Bohemia war durchaus geeignet, Mißtrauen gegen ihn brrvorzurusen. Zum Schlüsse bezeichnet Dr. Mannheimer das Borgehen des Dr. Peters mit einem Ausdruck, der wohl den genannten Abgeordneten zwingen wird, mit einer Klage vorzugehen. Der Senat wurde für Dienstag, den 28. d., nm 16 Uhr zu einer Plenarsitzung einbernfen. Auf der Tagesordnung der Sitzung steht der— vom An-schuß abgeänderte— Regiernngscnt- tvürf über Maßnahmen für die Angestellten eingestellter Zeitungen, die Verlängerung der Bestimmungen der Gerichtsentlastungsnovelle und «ine Immunität. ' Sonntag, 26. November 1688 Nr. 277 Spuren verschollener Volarsorscher. U gähn nach»er«{Petition«mnndlens. Leningrad, 25. November.(Taß.) Die Uebcr- wintercr auf der Station Kap Tscheljuskin sind nach Leningrad zurückgekehrt. Sie überbrachten dem„Arktischen Institut der Sowjetunion" das Tagebuch Peter L. T e s s« m, des Teilnehmers der Expedition Amundsens auf der„Maud". Testem war im September 1919 zusammen mit dem Expeditionsteilnehmer Knudsen am Ufer des Hafens Maud zurückgelassen worden. Sobald sich eine feste, gangbare Schneedecke gebildet hatte, sollten sich beide zu Fuß auf- machen, um die von der Expedition gesammelten wistenschastlichcn Materialien nach der Insel D i ck s o n zu bringen. Die Insel Dickson ist ungefähr 000 Kilometer vom Hafen Maud entfernt, weshalb Amunden annahm, daß Testem und Knudsen die Strecke mit Leichtigkeit zurücklegcn würden. Allein während der beiden folgenden Jahre gelangte keinerlei Kunde vom Derbleib der beiden Forscher nach Europa; sie waren verschollen. Erst im Jahre 1921 wurde beim Kap„Pri- mctnvj" eine verbrannte menschliche Leiche gefunden. Es wurde festgestellt, daß dies die Ueberrestc Knudsens waren. Im Sommer 1922 fanden die auf Initiativ« des„Komitss des nördlichen Sectveges" für die Polarreise ausgc- rüstelen Geologen Urwanzow und Bcgitschow in einer tiesen Mulde am Festlandsufer gegenüber der Insel Dickson, ein menschliche- Skelett, das von halbverwcster Kleidung bedeckt war. In der Tasche der gestrickten Weste sand man eine golden« Taschenuhr, auf deren Innenseite der Vorname T e s s e m s eingraviert tvar. Von den 900 Kilometern, die Testem zu Fuß durch di« Tundra hätte zurücklegen müssen, waren ihm nur noch vier Kilometer bis zum Ort« seiner Rettung geblieben. In das Notizbuch, daß die Ueberwinterer im Jahr« 1083 fanden, war ein Päckchen eingelegt, das die Rohschrift des ersten Teiles des Berichtes Amundsens vom 17. April 1910 enthielt. Das Buch enthält außerdem noch die Beschreibung der Schlittenfahrt nach der Insel„Alexej" und auch einen Bericht über die Schlittenfahrt nach Kap Tscheljuskin vom 11. bis 13. Mai 1019, Notizen über Wetterver- hältniste, Beschreibungen der Jagdzüg« der Expeditionsteilnehmer usw. Alle diese Notizen waren im Buche auf einzelnen Blättern und Kärtchen mit Bleistift in norwegischer Sprache vermerkt und haben sich ausgezeichnet erhalten. Das Notizbuch wurde dem Museum des „Arktischen Institutes" übergeben. Tagesneuigkeiten Tragödie der Arbeit. Neustrelitz, 25. November. Im Städtischen Gaswerk ereignete sich gestern beim Abbruch einer Ofenanlage ein schwerer Unglücksfall. Während der Arbeiten löste sich ein schwerer Anker, wodurch der Ofenblock zusammenbrach und vier Ar- beiter unter sich begrub. Aerztlichc Hilfe war sofort zur Stelle. Die verletzten Arbeiter wurden ins Krankenhaus gebracht, wo einer von ihnen gc st o r b e n ist. Bon den drei anderen hatte» sich ein 20- und ein Äjähriger Arbeiter schwer« Schädelbrüche zugezogen, während der vierte Verunglückte mit leichten Verletzungen davonkam. Der Unglücksfall ist um so tragischer, als di« vier Verunglückten, erst gestern früh nach längerer Arbeitslosigkeit ihre Arbeit angetreten hatten. * Hern«(Westfalen), 25. November. In der Schaltanlage II der Zeche„Mont Kenis" in Hern e->Todingen, in der vor kurzem«in Grubenbrand ausgcbrochcn war, fand die Ablösung die beiden an der Brandstätte auf Wache ausgestellten Häuer tot vor. Der Befund ergab, daß die beiden Leute trotz den Gasschutzgeräten erstickt waren. * Pari-, 25. November. Auf der Strecke Besan^on—Belfort fuhr gestern abends ein Arbeiterzug auf einen anderen, plötzlich abstoppcnden Arbeiterzug aus. Bei dem Zusammenprall wurden mehrere-Wagen zertrümmert. 30 Arbeiter wurden verletzt, darunter fünf schwer. Wasserflugzeug überquert Atlantik. Rio b« Janeiro, 25. November. Wie aus Natal berichtet wird, ist dort ein deutsches Wasserflugzeug nach glücklicher Ucbcrqucrung des Atlantik gelandet. * Berlin, 25. November. Zu der bereits gemeldeten Landung eines deutschen Wasserflugzeuge- in Natal erfährt das Wolff-Büro folgende Einzelheiten: Der Dornier BMN-Wal„Taifun" der Deutschen Lufthansa startete gestern von Bathurst(Britisch-Gambicn) an der afrikanischen Westküste zu einem Fluge nach dem mitten im Atlantik befindlichen Flugstützpunkt„Westfalen". In 7 Stunden 40 Minuten war nach Zurücklegung von 1320 Kilometer das Ziel erreicht und das Flugboot konnte bei hoher Dünung auf das Schleppsegel des Dampfers„Westfalen" genommen werden. Der Dornier-BMN-Wal„Passant" der Deutschen Lufthansa, der sich bereits auf der „Westfalen" befand, wurde sodann mittels des Hcinckel-Groß-KatapnltS gestartet und flog nach Natal in Brasilien. Der Ang über 1680 Kilometer vom Flugstützpunkt„Westfalen" bis nach Südamerika dauerte 9 Stunden 40 Minuten. Die ganze lleberquerung des Atlantik von Westafrika bis Südamerika hat also insgesamt siebzehn Stunden zwanzig Minuten in Anspruch genommen. Für 350.000 Kronen Fische gestohlen Prehburg, 25. November. Di« Fischhandcls- A.-G. in Preßburg hatte die Strafanzeige wegen fortgesetzten Diebstahls von Fischen aus der Fischbarke„Marie" erstattet und die Scha- denSsumm« mit 350.000 Ks angegeben. Den polizeilichen Nachforschungen ist es nunmehr gelungen, den 39jährigen Arbeiter der genannten Firma Josef MatoSoviö, der auf der Barke wohnte, als den Täter zu eruieren. Er gestand aus der Polizei ein, seit dem Jahre 1925 systematisch Fische, meistens Karpfen, ekitwendet und dem Fischhändler Andrea- Spetka verkauft zu haben, der auf der gleichen Barke einen Fischbehälter gemietet hatte. Einmal hatte Spetka bis 200 Kilogramm Fische in den Fischbehälter SpetkaS geschüttet und vor den Weihnachtsfeiertagen pflegte er sogar einige Meterzentner Fisch« spetka zu übergeben. Für ein Kilogramm Zahlte ihm dieser fünf bis zehn Kronen, so daß Mato- Koviö insgesamt 50.000 flr erhalten hat. TaS Gelhat er, wre-er weiter zugab, verbraucht. Andreas Spetka WieS dies« Beschuldigung zurück und will von der ganzen Sache nichts wissen. Beide wurden in Berwahrungshaft genommen. Die Nachforschungen dauern an. Alpine entläßt 700 Arbeiter Wien, 25. November. Die die„Neue Freie Presse" meldet, wird die Alpine-Montangesell-- schaft am 2. Dezember die Fördening auf dem Erzberg einstellen und am 5. Dezember den Hochofen in Donawitz ausblasen. Bon diesen Maßnahmen tvcrdcn rund 680 Arbeiter betroffen. Der heitere Herr Pat.... Da hat sich dieser Tage ein tragikomischer Zwischenfall ereignet. Pal, der heitere Herr Pat, hieß es, sei plötzlich wahnsinnig geworden und für immer in einer geschloffenen Anstalt interniert. Der Mime so vieler komischer oder komisch sein sollender Szenen war angeblich in die Nacht geistiger Bewußtlosigkeit gesunken. Das gab eine herrliche Point«. Das gab Anlaß zu sentimental- philosophischen Stimmungsbildern, zu Feuilletons, die mit viel Seele garniert waren und manche litevarische Zähre fiel auf das vermeiutliche geistig« Grab des heiteren Herrn Pot... Und nun ist das alles ganz überflüssig gewesen... Bon den Honoraren abgesehen —. Herr Pat ist weder schwermütig nock) verrückt geworden; er hatte nur eine kleine Ner- VendcPression, die er in einem behaglicheit Sanatorium schnell beschwichtigen ließ und nun filmt er bereits wiü>er munter darauf los! Die Spezialisten für tragisch-innerliche Stimmungsbilder müssen sich, Gottlob, nach anderen Themen umsehen. Sie werden lange vergeblich suchen. Die Pointen, die am Wege liegen, di« Tragik des Alltags, di« Tragik des Lebenskantpfes der breiten Massen, liegt ihnen nicht. Sie ist ihnen nicht interessant genttg. Was die Pointe ang«ht, nämlich. Denn nur um die Point« gehl es ihnen ja. Und wir bedauern das auch nicht! Weil sie ja doch ständig vorbeikalkulieren. Herr Pat, der heitere Herr Pat, wird es uns lachend bestätigen können!. Schneesturm in den Karpathen. In den höheren Lagen der Karpathen wütete vorgestern und gestern ein Schncesturm. Bisher fielen etwa 30 Zentimeter Schnee, der bei dem starken Winde Schneewehen bildet.> Die Temperatur beträgt — 3 Grad Celsius. 3.5 am Granate auf dem Bahndamm. Auf der Böschung der Eisenbahnstreck« Brünn—Lun- denburg, unweit der Station Rakvice, wurde Freitag nachmittag eine Artilleriegranate von 35 Millimeter Kaliber gesunden, wie sie bei den öslerveichischen Schnellfeuergeschützon verwendet worden waren. Bisher wurde nicht fcstgestellt, ob die Granate geladen ist und wie sie auf den Fundort kam. Die Anna hin«, daß es sich um' ein Verbrechen handelt, schließt die Gendarmerie mis. Di« alarmierenden Gerüchte, daß die Granate von einem unbekannten Flugzeug abgeworfcn worden sei, sind vollkommen unsinnig. Man nimmt an, daß irgendein Reisender, der sich des unbequemen Geschosses entledigen wollte, es ans dem Zuge hinauÄvarf. Ei» polnisches Militärflugzeug, das sich aus einem NachtübungSslug befand, stürzte in der Nacht etwa 60 Kilometer von Warfchau aus geringer Höhe ab und wurde zertrümmert. Bon der dreigliedrigen Besatzung wurde ein Mann tödlich und die anderen zwei schwer verletzt. 15, Millionen Türken. Nach dem jetzt bekanntgegebenen Ergebnis der Volkszählung beträgt die Einwohnerzahl der Türkei 15,401824 Personen. FRANZ MEHRINOt Karl Nara, Mitt seines Lcheis Zur Literaturgeschichte. Bd. I. Von Caldornn ht< Heino. Bd. 2. Von Hebbel bis Gorki. Zur preußischen Geschichte. 2 Bdc. Zur deutschen Geschichte. Zur Geschichte der Philosophie. Unsere Organisations-Ausgabe, In Leinen gebunden, ent. klessli ausgutatlel Jeder Band nur Kf 25.— Alle 7 Blinde KC 175.- UrsprOntllcher Ladenpreis Indes Bandes KJ 80.— er- mitunter Preis den Buchhandels Ki 40.—. unser Preis Kt 25,—. Zu beziehen durch die: Zentralstelle für das Blidunaswesen, Prag II., NekAsanka 11, Horst.Wesscl.Film unter anderer Flagge. Die Filnrprüfstell« Berlin hat den Bildstreifen„Hans W e st m a r, einer von vielen. Ein deutsches Schick, sal aus dem Jahre 1929" zugelassen. Das Manu, flript dieses FilmS ist„frei" nach dem Roma» „Horst Wessel" von Hans-Heinz EwcrS bearbeitet, Mit dem kürzlich verbotenen Horst-Wessel-Film hat der zuaelassenc Bildstreifen nach der amtlichen Wolff-Meldung angeblich nur diejenigen Bud- folgen und Ter:e gemcinisam, die sich aus die„Er- oberung" des Roten Berlin durch die SA, nicht nicht aber unmittelbar auf das Leben und Sterben Horst Wessels beziehen. In der Reklame und bei der Vorführung dieses Filnts werde jede Bezug, nahm« auf die Person Horst Wessels und den verbotenen Film unterbleiben. Knapp dem Tode entronnen. Bet einem der letzten llebungSflüge stieß einem Flugzeug des Ojt- böhmischen Aeroklubs in Pardubitz ein eigenartiger Unfall zu. Bei voller Geschwindigkeit lockerte sich , eine Schraube; die Schraubenmutter flog in den Benzinbchälter und verstopfte die Benzinzufuhr. Zum Unglück funktioniert« der Hilfsbehälter nicht und das Flugzeug begann durch den Geschwind'«- keitsverlust stark abzusacken. Als der Pilot unweit des Pardubitzer Flugplatzes landen wollt«, geriet das Fahrgestell bei 60 Kilometer Geschtvindigleit In den schweren Ackerboden. Der Hinterteil del Flugzeuges flog in die Höhe, bis da- Flugzeug umkippt« und völlig umgekehrt liegen blieb. Die Br- fatzung, di« einige Zentimeter vom Erdboden m i t d«m Kopf nach unten hängen blieb, wurde durch die Zertrümmerung der oberen Tragfläche des nmgestürzten Doppeldecker- vor dem Tote gerettet. Der Pilot und ein Passagier, der dal erstemal in einem Fluzqeug saß, kamen ohne Per» letzungen davon. Das Flugzeug wurde beschädigt. Ein Epileptiker in einer Wasserlache erstickt. Der Häusler Franz Trejan aus Hrbov bei Delkö Mezikiöi stürzte in einem Anfall von Epilepsie zur Erde und kam mit dem Gesicht in eine kleine Wasserlache zu liegen. Bevor ihm Hilfe zuteil wurde, erstickte Trojan. Ter Verunglückte litt bereit- seit längerer Zeit an der Krankheit. Freimarke mit Hakenkreuz Die deutsch« Reichspost wird demnächst eine Freimarke im Werl« von einem Pfennig mit dem Kopf des Reich-Präsidenten und Hakenkrenz-Wallerzei- chen herau-gebcn. D.«. Mißhandlung von Frauen. Hitler hat sich öfter gerühmt, daß Frauen im Dritten Reich nicht mißhandelt werden. Entgegen diesen Behauptungen ist festgestellt worden, daß neuer- dings in Hamburg von der dortigen Kommission zur besonderen Verwendung auch Frauen verprügelt und mißhandelt werden, um Aussagen von chnen zu erpressen. „Sic Wahl ist geheim," In Wendlingen (Württemberg) wurde ein Mann verhaftet, der «inen Wahlzettel abgegeben hatte, auf dem sich einige„schmeichelhafte" Bemerkungen für die Hrtlerregierung befanden. Der Stimmzettel war photographiert und der Urheber durch Schrifwcr- gleich« ermittelt worden. Heirate oder hungere! Der Oberbürger^ meister der Stadt Frankfurt a. M. hat den 1600 unverheirateten städtischen Beamten und Arbeitern angekündigt, daß sie entlassen werden, wenn sie nicht unverzüglich heiraten. Vom Rundhmk Empfehlenswertes aus den Programmen. Montag. Prag: 16.50 Kindereck«. 17.05 Dr. Matouöeti Geist und Praxis der amerikanischen Schule. 18.86 Deutsche Sendung: Dr. Schmidt: Winterhilfe. 19.25 Ködert für Fagott und Klavier. 2025 Ton Quichotte in Musik und Literatur. 22.15 Deutsch« Nachrichten.— Brünn: 10.10 VormiitagSkon- zert. 15.40 Wie beschäftigen wir das Kind in der Familie? 18.00 Körpererziehung. 18.25 Deutsch« Sendung: Deutsch: Berühmte Monologe. 19.10 Prof. Helfert: Ilmnufikalische Jugend?— Preßburg: 18.25 Orchesterkontzert.— Men: 1525 Jugendstunde. 15.80 Au- neuen Tonfilmen. 17.25 Konzertstunde. 20.30 Volksmusik in Oesterreich.— Heil-berg: 2010 Musik und Wein. 21.35 Neue Klaviermusik Bre-kan: 20.10 DolkSsinfomekonzert Dirn-tag. Prag: 10.10 Deutscher Schulfunk. 10.45 Schau platten. 12.35 Mittagskonzert. 17.25 Schallplattten 18.30 Deutsche Sendung: Wiener Ächtung von heute. 10.30 Lustige Stunde d«S Prager Bläser- quintettS.— Brünn: 16.55 Jugendfunk. 18L> Deutsch« Sendung: Werner: Kuba in Ver gangenheit und Gegenwart. 19.30 Saxophonkonzen — Kaschau; 12.30 Orchefterkonzerl. 18 40 Hygiene sendung.— Wien: 15.55 Au- deutschen Opern. 17.25 Kongertstunde. 18.15 Mensch und Wirtschaft. 21.55 Abendkowzert.— Heil-berg: 21.00 Abendkonzert.— Leipzig: 18.15 Loew«-Balladen.— Berlin: 16.00 Franz Schubert. Rt. 277 Sonntag, 28. November 1938 Seite& .‘»«n™ o v“ iwirj ausgennyt,— io:t uiyer Piatztyen am iauie> «s halte sich noch manches zum Thema sagen lassen: düngen voll auSnützen können. Kunst und Wissen na> Vom Prager Rundfunk Vereinsnadhriditen an Der Film MW tsoferg 3ie TZortzvnltung Sirr aoirrnnrn! Sirr aBtrrnnrn, 9 MWW Sonn, Bork- Mon- :„U r a n i a" Dr. Fürst will völlig neue Methoden wesen, zu selbst ausnehmen zu lassen und den entfallenden Betrag von kV kle mit der DczemderabonnementS- gcbiihr einzusendcn. Wir sind überzeugt, dasz auch Sie, der heutigen Zeit Rechnung tragend, uns Ihre Unterstützung nicht versagen, und danken bestens für Ihre freundliche Förderung unseres Blattes. fernen Zukunft. Leider wurde wieder die ohnedies M'fcrabel„ knappe Zeit nicht ganz auSgenützl,— eezlrksoraanisaiion Prao der Deutschen sozialdemotratischcn Arbeiterpartei Par!ei-M,tglieÄervrr amminng am Donnerstag, den 30. November, nm 8 Uhr abendü int großen«aale des Gewerkschaftohaufes Prag I. sPcrütcjnl. Neserent: Genosse Abgeordneter I a k s ch. Politische Perspektiven. BROT „Ueberntl zu haben*.—„RoggkaHol** Lebensmittelwarke A. O. Trautenau. schäft! R. F. Prochazkaö, des vorjährigen deutschen und I MnsikstaatSpretsträgerS Mysterium„C h r i st u S", .isdas im Herbst dieses Lahres im Prager Rundfunk - TienS- Miltwoch — Ton« Eisenbah n."— — LamStag 8 Uhr: Bei Stuhlvcrhaltung, Untcrleibblutübersüllung, .Kongestionen, Hüstennervenweh, Krcuzschmrrzcn, Atemnot, Hirzklopsen, Migräne, Ohrensausen, Schwindel, Gcmülsverslimmung, bewirkt das natürliche„Franj-Iosef"-Vitterwasf«r ausgiebige Darmentleerung, freien Kopf und ruhigen Schlaf. 2>l>6 zur Uraufführung gelang-ie, Prager Musikverlag Ba.rvitins ssentlich- keil im Druck Übergeben worden. Vorläufig wurde der erste Teil des Werkes als K l a v i c r a n r z u g tzrrgestellt. Die Ausstellung der Prager Secession im Kunstverein snr Böhmen(ll., Pstroßova 12) ist täglich von 9 bis 8 Uhr geöffnet. Dochenspiclplan des Neuen deutschen Theaters. Toniilag 2>s, Uhr: Arbeiter-Borstellung:„Der Barbier von Sevilla." 7i/_> Uhr:„D i c s ü ns Fran k- " nrte r."(A a.)— Montag 8 Uhr: Bezauberndes Fräulein."(A a.)— Dienstag 6>!. Uhr: „Siegfried."(?l 1.)— Mittwoch• tyÖ Uhr: „Drei m a l H o ch z c i t."(B 1.)— Donnerstag 7i/j Uhr:„DIe fünf Frankfurter."(C 2.) —'Freitag 7XA Uhr:„De r Widerspenstigen Zähmung."'(D 1.) SamStag ßi/> Uhr:„G öt- t«r d ä m m e r u n g."(A 2.) Wochenspielplan der Kleinen Biihne, tag 3 Uhr:„John Gabriel mann." 8 Uhr:„Allez hopp."— tag 8 Uhr:„Ein Strich geht durchs Zi m- m c r." Bankbeamten und freier Berkans, tag 8 Uhr:„Drei in al H o ch; c i t."- 7is, Uhr:„Desiräc, Erstausführung nerStag 8 Uhr:„H ö ch st e Freitag 8 Uhr:„D e s i r 6 e." „Drei m a l H o ch z e i t." Lamas wechsluugs- und 2luny Sudra als hat und der jeht ohne Aufwand ein humorvoller Könner ist m dioer ganz nnerlwblichcu spießigen Beauileu, der ein gewinnt und auf der Jagd „Schinakel" in allerltaud ot.- riuer uetieu B aufgespürl hat, zu beob mit Arbeitsteilung,— Zauberbi-Iü einer scheinbar noch dieser Technik der Sendung müssen wir besondere ‘" Sorgfalt widmeit Hier heißtS rationalisieren, damit wir unser Plätzchen am laufenden Band der Sen- Fürstenau immer dem Charakter der Wotanögemahlln entspricht; die Erda mit Fr. Schilp; der Fafner mit dem Gastsänger Karl Ludvik, stimmlich und in der Erscheinung impo'ant, aber noch tonveredlnngs- fäh'g Aber auch die von früher her im Besitze ihrer Rollen verbliebenen Sänger vermochten nicht ungetrübten Genuß zn bereiten: MasakS stimmlich unausgeglichener Log«, Fuchsens sprachlich allzu harter Alberich. Frl. Rohnes stimmforzicrl« Freya usw. Künstlerisch durchaus überzeugend und stimmlich sowie darstellerisch von ganz großem Formate war dagegen Prohaskas Wotan. Das Theater war schlecht besucht.-l. „Dreimal Hochzeit." Den amerikanischen Schivanl von Anne Nichols, der neben jüdischem M lieu- kolorit und Javgonwitz leider auch sehr viel Rühr- scligkeit und oberflächliche Lehrhaftigkeit bringt, sah man in Prag vor Jahren mit der Werbezirk »ich mit Ria Thiele. Auch die Neueinstudierung dürfte Frau W e r b e z i r k zuliebe erfolgt sein, die auch das wirklich Sehenswerte daran'st. Wie immer in ihre>t an sich gleichgültigen Rollen wachst sic über das Format einer komischen Alten hinaus, läßt menschliche Töne aicklingen und einen dann freilich um so peinlicher den Kontrast empfinden, der zwischen den Szenen, da sie nicht aus der Bühne und diese wie leer ist, und jenen, in denen sie Theater spielt, durch die Kulissen den Blick ins tragische Leben freigibt, In dem sich di« HPterischr Schwatz- i Hastigkeit einer jüdischen Kleinbürgerin um ihren Blinddarm doch als die Verdrängung eines tieferen Leids entpuppt. Meisterhaft wie di« Wer bezirk, wo der Wortbestand dünn ist und auch für das Jargon-Extempore der Raum zu eng wird, mit Blick und klein-.'r Geste die Bühne bereichert! Indem sie die Mitmenschen mit de>n Blick'chätzt und mißt, durch eine leis« Kopfivendung wertet, meist sie ihnen den Platz in einer Welt an, die sie ans dem dürst'gen Material einer sehr mittelmäßigen Schwankautorin baut— An der Seite des Gastes hielt sich mit einer I i«hr seinen und wohlgclungenen Studie des gedrück- I ten, besser lchon des ganz zerknetschten jüdischen ! Simandls Walter Taub ans hohem Niveau. Bei Dudek blieb die Charakteristik des jüdischen Baiers schon mehr im äußerlichen. Die Herren I H a r v r e ch t, Stadler, Janisch und Schm er zenreich hatten an wenig plastische ! Gestalten ihre Kraft zu verschwenden. Die Rose« I christine irisch-katholisch« Braut des Samuel' Lewy I und Anlaß des gewaltigen Zorns beider eifernden Väter, spielt« Frau C a r p e n t i e r. Nicht mit der herzlichen Ursprünglichkeit der Thiele, aber im ganzen recht nett. Nur muß man fragen, waruni eine Bühne, an der eine ganz« Serie blonder Damen I engagiert ist lso daß der andere Typ auf Schritt und Tritt merkbar zu fehlen kommt) just dann eine dunkle Dame gastweise beschästigen und mit "... Iblonder Perücke ausstatten muß, wenn einmal '-Damit sind wir mitten im Elend unserer'3eit, 003 blonde Mädel schlechthin gebraucht wird. Eines von dem uns Genosse Franz Rohwald«inen scharfen der vielen kleine» Symptome für eine planlose Wirt- Ausschnftt zeigte in der Krise unserer deul-1 fibaft! E- F. schen T ex ti l! n d u st r ie lArbeiteisendung). Er schildert« Entstehen und Wirken der Krise> K zeigte als einziges Hilfsmittel zwischenstaatlich: bürgerlich komischen Lebcn der grvßstadtslüchtigen Tramps hat keiner gedacht. Nun hat Karl L a m a k«S nachgcholt, derselbe der sich in so vielen Verkleidung»-, Ver- Verlobimgskomödien des Stars nie verlegener Routinier erwiesen zeigt, daß er auch ohne Star und Wie er VScschichl« von dem Hausboot als Preis nach dem gestohlenen r!egenl)eileii und nm Schluß zu einer netten Braut kommt, die vielen Möglich!« len aufgespürt hat, de» Soiuuiersonnlag der GroßsläSicr zu beobachten, zu vcrullcn und zu verklären, wie er mit lauter hübsche«, kleinen Pointen und mit abivechslungoreichvii Freiluftfteucn das Einsach« nie langweilig werden läßt, das ist erfrischend und erfreulich, gerade iveil es weder aufregend noch großartig ist, Lama» spielt selbst die sp'elerischcn freudig Jugend Jiklna decknng WMs And uns bis 10. Dezember den Abschnitt einsenden! Dir zweifeln nicht daran, daß auch Li« die Gcleaeuheu benutzen werden, an Stelle der teueren NenjahrSgraNilationSkarlen unserer Aktion Unterstützung zu gewähren, die der finanziellen Stärkung des Blattes dient und wcilerS den hohen ideellen Zweck erfüllt, daß die Zufamincngchörigkeit unserer Genoffen und Genoffiunen sichtbar vor Augen geführt wird Wir bitten Sie daher, Ihren Namen gegen«ine Gebühr von 10 Ks in unser Gedächtnisausbildung. Am Donnerstag, den 80. d. M., wird Dr. Bruno Fürst im Bühuen- Saal der„Urania" über Gedächtnisausbildung sprechen. um daS menschliche Gedächtn'S zu stärken und bisher ungeahnten Leistungen zu befähigen. Wirksamkeit seiner Methode will Dr. Fürst Hand von Experintentcn erweisen. Titelrolle— ohne schau- Aufwand, aber mit einer sichtliche» am harmlos satirischen Ulk. Und ebenso spielen di« andere», Unter denen sehr viel ist, wobei man di« hübsche und eitrige Stcimarovü als hoffnungsvolle Ent- amncrkrn darf.—cis— Deutsche Bolkosinggemeinde. Die nächste Probe (Singstunde) fiiüet ausnahmsweise am Freitag, den l. Dezember, statt.— Miitwo ch, den 20. November, uni 7 Uhr abends tvichtige Ausschuß« s'tzung im Sdborovy dum. fälschlicherweise in der Demokratie maßgebend feil, die Schüler in ein Schema zwinge und dadurch die Entfaltung der Begabungseigenarten verhindere daß di« Kinder kritischer, entscheidungsfähigcr wer den müßten usw. Wenn aber Autor meint, nicht in erster Linie die Aenderung der Methoden, sondern die Aenderung der Gesinnung, der Ethik sei entschei dend, so erweist er die Oberflächlichkeit seiner Be- 5'^.^ d-e in ihrer neuen Zusammenstellung(Fr. Walter, daß die Methode den Geist bezwingl. und bestimmt, g t Nied- Fr. Schilp) übrigens auch rei» einengl und ersttckt, und wenn em starker Padago- stlmnlich nicht zusammenklingen wollten. Einige «engetst sich frei«chalt, dann hat er schon Werkes waren neu-l-csetzi, nicht all« zu N°d° zerbrochen d. h., wen»- di« vorgesetzte„ Vorteile: di« Fricka mit Frau Kinder- Sehörde gestattet! Und wenn Wir eudltch Horen,dunkle und unruhige Stimme nicht ^«Demokratie könne sich erst aus einem Pan-^mer dem Charakter der Wotansgemahlln ent- idealisttzchen Gewissen entwickeln, dann geht uns emlr,•■-—---—- leises Grauen an und wir bekennen srei, daß wir! dieses nicht verstehen,, weil.wir zu ditntm dazu sind! I Wie aber stehls mit der Kunst? Da sprach, Helmut Kronrmer aus Troppau über alte und! neue Motiv« in der Malerei. Von derj Feststellung auch daß der Geist der Zeit auch bte, Kunst bestimm«, und nach Streisblicken auf alt-| ägyptische, griechische und röniische Kunst faßte er. zunächst das Christentum als Dienstgeber der Kunst, ins Auge, ntit den Niederländern(Rembrandt) käme das psychologisch« Moment hinein, und am< ausführlichsten verweilte er dann beiin technischen Zeitalter, nannte Künstler, denen das technische I Werk zum Gegenstand ocr Darstellung wurde, und andere, di« den von der Technik bezwungenen Men schen malen,— die sozialen.Künstler Käte Koll-1 tvitz und Georg« Groß. Endlich gabs noch einen Hinweis auf technische Frage.« der Malerei, einen I Bersuch, die Begriffe Impressionismus und Expres-1 sionismuS zu bestimmen, und die Feststellung, daß es den Künstlern heute schlicht gehe, sie aber ihr Feuer gerade in dunkler Zeit inüßten leuchten las-1 sen. Das war alles recht brav und gut und man I kann auch nicht viel mehr verlangen,— gerade die-1 sem Gebiet ist der historische Materialismus noch sehr wenig genaht, selbst so links eingestellte Kunst» I wisicnschaftier wie Max Dcri sind da noch ganz unsicher Aber bestehen bleibt der Einwand gegen I diesen wie jeden Vortrag über Ding« der bilden de» Kunst: daß sie immer, weil das Bildbeifpiel fehlt, so wenig wirklich fördern, wie uns die ge lehrteste Analyse den Genuß einer BeethovLnsym-1 Phon:« verschaffen kann. Nur der Fachmann oder Kenner, der sich jedesmal die Erscheinung des I Genannten wenigstens vorstcllen kann, yal etwas davon und gerade er ist wieder nicht angewiesen auf diese Art Belehrung. Höchstens ein Dichter könnte aus diesem Thema etwas machen, waS zwar wieder keine Malerei, aber ein adäquates Erlebnis der Wortkunst wäre. Da lob ich mir die reine Sachlichkeit, mit der Pros. Dr. Friedrich Breinl fein« Aufgabe bewäl tigte: uns Hygiene als Gebot gesunder Lebensführung vegreiflich zu machen. Klar und«'»fach, faßlich auch dem ungeübten Hörer. ward daS Wichtigste zusammengefaßt und auch der krasseste Late wird danach begriffen haben, daß er sich selbst und sein« Nachkomnienschaft viel gesünder erhalten kann durch tägliche mäßige Körperübun- gen, durch vernünftig gemischte Kost, durch Enthalt samkeit von Rauschgiften, durch gesunde Lebensge wohnheiten in v elerlri Form. Aber wie machis der Arbeiter, der spät abgeichunden hcimkommi und früh kaum erholt wieder wcggcht? Wie der Arbeits lose, in dessen„Heim" die Eiszapfen von der Decke heruntergrüßen? Allo: Hygiene lehren ist gut, Hygiene möglich machen ist besser und wichtiger! Der gute Tramp DeniäSeh. Dieser neu« Tfchechenftlm ist wie das Ei deS Kolumbus: so naheliegend das Thema, so unkomp!'- zeri die lustige» Einfäll« und so ohne Answa'id die Darstellung, daß man sich wundert, warum das ganze nicht schon längst gemacht worden ist. Ta hat man die filmfch unmöglichste Grafenschloß' und Vorstadthaus-Literatur mühselig»nd ratlos aus di« Leinwand gezerrt, da hat man alte Roman«, matte Operetten und verstiegen« Phantasien zum Objekt der Kamera gemacht— und an so«inen Sommer- lonntagssilm aus dem jugendlich heitere» und klein \Chhl>k hoissl nWW I^Wheissl: gesund unef hrflFhG sojnl Roaa ßkol, das reine Natur- produhj W en für fettleibig© und rimm Hon« sehen: zurüchturuhfen auf soc,tde Tat unseres Deutschen Theaters anzn- Selrnksschnierzc». Sie lösen die Harnsäure, gehe» scheu. Aber sie tvärc überzeugender, lvenn sie auS dchr direkt an die Wurzel des Nebels und sind voll- eigener Kraft vollbracht würde; denn nur in diesem Immen srei von allen Nebenwirkungen. Fragen Tie Falle könnte sie als Bkaßstäb kunstler-ischer LeislungS- ghren Arzt. Togal-Tabletten erhalten Sie in allen!tnr dann möglich ist, wenn uns ein halbes Dutzend Sängergäste zu Hilf« kommen, ist«beit ein Beweis für di« verfehlte Per- s o n a l w i r t s ch a f t unseres Theaters, daS allen ---..... finanziellen Nöten zum Trotz einen großeit Personal- Womit beginn«h dtcsmal? Di« Wahl wird tKlbt 0^ K dabei di« wichtigsten l^'angS- schwer. M-t der individitellen Kwistbctrachtung odet^^,^ z>veckcn:ipr«chcnd besetzt z» haben. BeiveiS: ml der rndwiduellen Erziehung? Ich will mtch für^ei acht verpfl-ichteten Sopranstimmen fehlt uns letzter« entscheiden, der Titel hat mirS angetan: I btiipielÄveise noch immer di« erst« Koloratur- .Erziehung und Demokratie" nannte der Brünnhllden sind auf zwei Schweizer Schnftstellcr Dr. HanS Zbinden seinen[ä)lfl£rittncu aufgeteilt, wir haben fünf Vertrag. Er brachte«igenttich die Lehre des«o--^ftverpflichtete Tenöre und müssen trotz- palpsychologen R Maria.Holzapfel und ich kann I den Mime und Siegfried mit Gästen nicht sagen, daß diese Frucht sehr schmackhaft gcwe-1 besetzen; snr Fafner brauchen wir«inen Gast, sen sei. Bon Demokratie hört« man wenig, von trotzdem wir Bassisten genug im eigenen viel, intb$var viele richtige und ferne! ha'berl, wir ntüffen sopar einen W a ft* Beobachtungen, die aber doch nicht niehr ganz neu zba pell meist er für den„Siegfried" in Anspruch enimiten, wie d-e Forderung, daß das Individuelle I»thnien. obgleich di« eigenen Kapellmeister liicht berücksichtigt werden^ müsse, daß die Schul«, auf die I^«it übermäßig ost am Pult beichäst'gt sind, usw. Nedürsnisse^ der Mittelimäßigkeit zugeschuitten(die dies« Tat'acheu offenbaren nicht itur etwa bloße Fehler, sondern sie dokumentieren«in ganzes verfehltes 2 y st« m. Int besonderen ist über di« freitägige„Rhein- gol.d"-Aufsührung unter Prof. Georg SzöllS l«l>endig«r Stabführung zu berichten, daß sie musi- " I kalasch anständig war, aber iit manchen Einzelheiten '' sorgfältigere Durchführung erfordert hätte. Ties gilt insbesondere von der Szene der Rheintöchter, Seift S „Tozlakdemolral" Sonntag, 28. November Iggg. Nr. 277 Leichte und warme Ganz- Engels unii die Frauen. Mit dem Verhältnis des geistig Schafscn- den zur Frau berührt man die tiefsten und verschwiegensten Schichten des menschlichen Wesens. Es erfordert sehr viel Einfühlungssähig- keit und Taktgefühl, gleichsam hinter dem Werk des geistig Schaffenden zurückzuaehen und die Wurzeln seiner Entstehung blogzulegen. Tenn die Wurzeln des geistigen Schaffens gehen mittelbar oder unmittelbar auf das Verhältnis des geistigen Menschen zur Frau zurück. Tas Werk selbst ist objektiv; abgeschlossen und abgerundet wirkt cs in seiner Zeit und ans die kommenden Generationen. Die menschlichen Quellen hingegen, ans denen cs entstanden ist, sind verborgen und kommen selten an das Licht des TageS. TaS Lebenswerk von Friedrich Engels, des groszen Weggenosien von Karl Marr, ist in die Geschichte der sozialistischen Bewegung eingegangen. Seine Bücher, seine Schriften, seine Briefe siird lebendes Ideengut der proletarischen Bewegung geworden, mit dem sich jede Generation erncnt auseinanderschen must. Der Weg zu diesem Werke ist nicht immer leicht, und nicht;eder kann ihn gehen, für manche ist cs notwendig, dah die Entstehung des Lebenswerkes von Friedrich Engels aus der Verlebendigung seiner menschlichen Persönlichkeit erschlossen wird: denn wenn es wirklich gelingt, ihn lebendig zu gestalten, kann dieser Friedrich Engels anschaulich, intuitiv verstanden werden, und von diesem anschaulichen Verstehen des Menschen ist der Weg zum Verständnis des Werkes leicht. Walther B i c t o r hat in einen« Buche„General und die Frauen"(Vnchcrgilde Gutenberg) diesen Versuch unternommen.(„General" wurde Engels in Freundeskreisen wegen seiner überragenden militärisch-strategischen Kenntnisse genannt.) Victor geht nicht mit dem Handwerkszeug des Wisien- fchastlers an seine Aufgabe heran; er skizziert die Lebenssphäre von Engels mit den Mitteln künstlerischer Gestaltung. In der scheinbar skizzenhaften Komposition des Buches wird jedoch die Dynamik, die innere Bewegtheit, das Atmosphärische dieses Lebens ausgezeichnet getroffen. Ich bin sicher, daß dieses Buch viele Frcilndc finden wird: auch werden die kritischen Einwände, die der Wissenschaftler zu machen hat, diesen Erfolg kaum be- einträchtiaen. Als Engels sich im Sommer 18t-l in Paris mit Marx zusammensand, hatte er seinen Lebensbund mit der irischen Arbeiterin MarhBurns schon geschlossen. Mit Recht betont Victor, wie Engels durch Mary Burns das Schicksal der weiblichen Industricarbcitcrinncn im beginnenden Hochkapitalismus nahe gebracht wurde. Als ihr der Freund äustere llnabhängigkeit garantieren wollte, weigerte sich Mary Burns, die Fabrikarbeit anszugcbcn. Sic gab erst dann ihre Arbeit auf, nachdem cs die Pflege von Engels' vielseitiger Beschäftigung sachlich notwendig niachte. Engels hat jedoch den englischen IndnstrialismnS der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht iinr praktisch erfahren; vielmehr zeigt seine „geniale Skizze" über die„Umrisse einer Kritik der Nationalökonomie" den jungen Meister attch schon im Vollbesitz der theoretischen ökonomischen Erkenntnisie seiner Heil. Hier war er Marx in diesen Jahren weit überlegen; Victor lästt dies unberücksichtigt. In Brüssel arbeitet Engels gemeinsam mit Marx an ihrem grostcn theoretischen Frühwcrk, der„Deutschen Ideologie". Engels lästt Mary iit die belgische Hauptstadt kommen. Frau Jenny Marx lehnt es jedoch ab, mit Engels„Maitrcsse" znsantmcnzntreffcn. Stefan Born, ans den Victor sich hier beruft, schreibt in diesem Zusammenhänge über Frau Marx:„In Fragen der Ehre urid Reinheit der Sitten war die edle Fraic intransigent. Dir Zumutung, auf diesem Gebiet ein ZngeständniS zu machen, weint eine solche ait sic gestellt worden wäre, hätte sic mit Entrüstung znrnckgewicscn." Es ist richtig, dast Mary Brüssel sehr bald wieder verlassen hat. Dennoch glaube ich. dast Victor Jenny Marx den Vorwnrf der Spießerin zu Unrecht macht, denn zur gleichen Zeit war die Familie Marx der Frau von Moses H c st. die gleichfalls in„lvildrr Ehe" lebte, sehr frcnndlchaft- lich zugetan. Wahrscheinlich konnte Jenny Marx, die in erotischen Beziehungen eine sehr strenge Norm anlegtc, das VerhältnS von Engels zn Mary nicht eritst nehmen; zweifellos nicht ohne Engels' Schule, wenn man an dessen Pariser Erlebnisse denkt, dir für Außenstehende die Beziehung zn Mary damals keineswegs als Bindung erscheinen ließen.(In diesem Abschnitt sei- ncs Buches nennt Victor Marr„einen jüdischen Literaten". Ich nehme an, daß die bloße Festlung genügen wird, um diese Bezeichnung in der zweiten Auflage zu beseitigen. Und da wir gerade beim Ankrcidcn sind, darf bemerkt werden, daß Marx 1837 in Berlin keine Vorlesungen mehr bei Hegel hat hören können, da Hegel bereits 1831 gestorben war.) mtnem Verlanget überall in die Berge zum Wintersport bequemste, AS AP- Werk Ml. Esleslav- Tel. 37, 73, 373, 374 Nach dem Versacken der deutschen Revolution von 1848/49 kehrte Engels nach Manchester zurück, vor allem, um seinem Freunde Marx durch seine kaufmännische Tätigkeit die wissenschaftliche Forschung zn ermöglichen. Mary starb im Jahre 1803. Engels überträgt seine Liebe zu Mary auf deren jüngere Schwester Lissie. An dieser Stelle wollen wir dem Dichter das Wort geben: Lisste, die schon mehrere Jahre in dem gemeinsamen Haushalte gelebt hatte, fühlt sich bedrückt:„Ich bin dach nur die Köchin hier." General ist bös...„Nein, das bist du nicht!"... „Ja, was denn sonst?"„Du bist die Schwester meiner Mary und—"„Und?"„— außerdem hab ich dich sehr gern." Jetzt lästt sie sich den Kopf streicheln, legt da? Nähzeug weg, steht ans. Er nimmt sic um die Schulter, sie gehen gemeinsam ins andere Zimmer und plaudern von Mart). Das andere hat dann diese unvergleichliche Fran gemacht, die freie und liebende, die General und sein Leben als der verstehendste Kamerad begleitet hat: Mary Burns, Textilarbeiterin m Manchester. Sic gab ihm der Schwester, die Schwester ihm. Ihr ganzes Geschlecht hat sie um ein Jahrhundert vorweg geadelt. Im Glück gelebt, geliebt, gestorben, vierzig Jahre alt: Mary BnrnS." So wurde Lisiie die neue und alte Lebensgefährtin von'Engels. Kann ihre Beziehung zu dem Meister tiefer charakterisiert werden als dadurch, dast Engels sich mit Lisiie an ihrem Sterbebette kirchlich trauen liest! Er gab der Sterbcndeit innere Ruhe, und der große Freigeist, dem Kirche und Religion bürgerliches Vorurteil waren, übcrtvand sich selbst! I. P. Mayer. > vucuaaucs Selchwaren asr Fe. HEGNCR A Qe„ PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I Führer. Mauscron konnte mit 2:1 ge- direkten Konkiirrentcn von Mouscron und Ecndracht, konnten nur Uncntschie- 4:4 gegen SN. Kand und 0:0 gegen Antwerpen: Marianne schlägt Verlangen Sie in leder Verkaufsstelle du Konsumvereines SELCHWAREN der Rrme "EGNER& Cie.. PILSEN Tie sinnischcn Arbcitcrsportler in Amerika zeigen ein sehr beachtliches Können. In F i t s ch- bürg fanden zugleich mit dem sozialistischen Herbst- fest die Leichtathletilmeisterschasten der finnischen Arbeitersportler i>i Amerika statt. Ti« erzielten Leistungen sind um so beachtenswerter, als die Zahl der finnischen Arbeiter-Leichtathleten in Amerika ja nicht sehr groß ist. T ie Ergebnisse waren: 100 Meter: Iäroi 11.5; 400 Meter: Gowing 53.2; 1500 Meter: Wiciy 4:42; 5000 Meter: Wirkt) 17:35.1; Weilsprung: Teiltitten 6.88; Freisprung: Teinttinen 13.31; Hochsprung: Lathinen 1 70; Stabhochsprung: Lassila 3.54; Sperr: Mäkelä 51.59; TiSkns: Tosferi 40.12; Kugel: 13.21: leichter Hammer: Tosferi 47.46; 4mal 100 Meter Qninsy Karhu 47.8. Belgischer Arbeitcrsnßball. Aus Anlaß der großen T«monstratio)> gegen den Fascismus und den Krieg, die von der sozialistischen Partei organisiert wurde und in Verviers stattsand, wurden in den Provinzen Lüttich, Haniant und Brabant die Fnß- ballspicle nicht ausgetragen. ES wurde nur in tzvei Provinzen gespielt, und zwar: Flandern: Tas Hanptlpicl des Tages MouScron gegen Menin. Beide waren schon winnen. Die BDBt Gand den spielen: Lokeren.— Boom 4:2. Ter Führer Groen-Wit hat Manirs mit 5:0 besiegt. Das Klassement sicht Groen-Wit an der Spitze mit 19 Punkten vor Borgeshout mit 18 Punkten, Sekres 16 Punkte nsw. DaS Komitee von Antwerpen hat di« Mannschaft Oxford von Hemixen wegen Undisziplin von der Meisterschaft ausschließen I i mühen. Es war gut so, eine Mannschaft zu opfern, uin die Ehre des Arbeitersportes zn schützen. Tir Tchwe.er Arbeiterleichtathleten schlosien ihre Tätigkeit mit der Vcröfsentlichung der Bestleistungs- list« und der Nominierung der zehn Besten ab. Das Ergebnis kann als sehr befriedigend ango'ehcn werden; d'e Best sowie auch die DurchschnittSleestungen hckben in fast allen Disziplinen eine Besserung erfahren. In dieser Saison wurden 14n«u«Best- ! eistungen au'gesleltt. 3 in Frühjahr 1934 ist ein VerbaN'dSichngang für Leichtathletik geplatu. Eine Ra.i-L^art.citung erscheint nicht mehr. Das Zei.ungssterten im Dr'ttcn Reich geht weiter und macht sogar vor Nazi-Produkten nicht Halt. Der„Te u> sch c Spor l" Hai sein Erscheinen auS „vcrlagS'.echnischen Gründen" eingestellt. Dein Heransg.ber, Major Breiihaupt, der frühere Vorsitzende d-:s De»'scheu Schwimmverba«des, der wegen nal onalsozialbstischer Propaganda scincrzcit den Vorsitz Niederlagen mutzt«, gründete nach frei„-deutschen Erhebung" dies« Sportzei- l tung, mit der Annahme, in der Nazi Sportbewegung eine besondere Noll« spielen zu können. Dio« Spe- s kniation klapp!« nicht, denn es sind eben zu viel«, denen man Vonzenpöstchen versprochen Hai. Die „Verlagstechnische» Gründe" aber bestehen in 4 0.00 0 Al a r 1 Schulde n, die Pg, Breiihaupt gemacht Eine Einsanisieliung in Prag. Gestern wurde im Kunstgewerbemuseum in Prag die Ausstellung von Glascrzeugnisscu aus der ganzen Republik— veranstaltet von der Anstalt für Glas- «rzeuguisse in Königgrätz und vom Wirtschastsver- band der Glasindustrie in Prag— erössnct. Tie Erzeugnisse der tschechoslowakischen Glas- industrie sind in der ganzen Welt bclaum und bildeten, so lange unser Land noch nicht von der Krise ersaßt war, einen wesentlichen Bestandteil unseres Exportes. Es ist um so erfreulicher, daß man trotz der schweren Krise der Glasindustrie in West- und Nordböhmen ihren technischen und künstlerischen Aufschwung seststcllen kann: ja, inan tönnle iasl behaupten, daß der erste Eindruck von der Fülle und Mannigfaltigkeit alles dessen, was dem Beschauer geboten wird, überwältigend ist Leider stellt sich dann bei eingehender und kritischer Betrachtung heraus, daß nebst hochtverligen, künstlerischen Arbeiten auch Erzeugnisse von Firmen ausgestellt sind, die wohl in den Auslagen eines Natnschgeichästes zur Not erträglich sind, aber sicher nicht in eine Ausstellung gehören, die vorbildlich dafür sein soll, was moderne Kunst und Technik leisten kann Es ist daher anzn- raten, erst die Parterre-Räumlichkeiten zu besuchen, di«, wie gesagt, stiesinütterlich behandelt wurden und nur die Ausstellung von Durchichnittswaren zeigen und dann erst die oberen Räume zu besichtigen, so daß sich jede Enlläuschung und Ernüchterung über das zuerst Gesehen« in Staunen und Bewunderung verwandeln wird. Wir wollen»ns aber das Schon« vorwrg nehmen und betreten den Empfangssaal, an dessen Stirnseite sich ein großer Plan der Republik befindet, wo übersichtlich alle Trie, in denen es Glasindustrie gibt(Gablonz, Königgrätz, E i s c n b r o d, Ha>da, Münchengrätz usw.) bezeichnet sind. Wir betreten nuu einen kleinen Raum, dessen Bitrinen uns fast durchweg? erlesene, vollendet" schöne Arbeiten darbictcn, wie Kelche, Basen, Schalen. Be- svnders erwähnenswert sind die sogenannten Rauchgläser(Architekt Metclak, Lippert usw).; die schön geschwungenen Gläser sind leicht gesärbt, was ihnen einen besonderen Reiz gibt. Wirklich überraschend Und die Arbeiten der Prager Kunstgewerbeschule. Die Formell dieser Schaustücke sind so rein, sachlich und originell, daß man sich gar nicht vorstcllen kann, daß diese Arbeiten von noch lernenden Menschen geschaffen wurden. Dann kommt eine Abteilung, die sicher für de» Fachmann großes Interesse hat, optische Erzeugnisse, chemische Gläser, Retorten, bruchsicheres Glas sür Auto- und Auslageschriben. Im nächsten Raum lwird an Hand großer Photographien gezeigt, was für eine große Rolle das Glas heule schon in der I Architektur lpielt und wirklich imponierend präsen tiert sich uns das Fnstitnt für Glaserzeugnisse inl Königgrätz mit gläsernen Fasiaden und einer gläscr-j neu Fontäne. Gan; eigenartig muten uns drei Interieurs an: ein festlich, aber doch einfach und gc. schmau. ll gedeckter Speisetisch, in dessen schwarz unterlegter Glasscheibe sich daS gläserne Speiseservice reizvoll spiegelt. Tann wird uns«ine eingebaute Toileltennischc mit Glaswänden und gläsernen Fächern, und ein sehr einladendes Badezimmer, dessen Fußboden aus schweren Glasplatten besteht, gezeigt. Wie weit das in Zukunft praktisch verwertet werden wird, kann nur ein Fachmann beurteilen. vnn großer, bunter WeihnachtSbaum strahlt uns entgegen und ringsherum sind die einzelnen Stücke des Ehristbaumschmuckes ausgestellt. Dieser wird von Heimarbeitern ans dem Gablonzer Oiebiet hcrgcstell! und cs tvird von den Tschechen besonderer Wert darauf gelegt, daß sich die daselbst angewandte Ornamentik an die slowakischen Muster anlehnt und nicht, wie bisher, an die deutschen. Diese Art Weih- uachtüschntuck wird angeblich erst daS zweit« Jahr aus den Markt gebracht. Man beschäftigt damit die unter »er Krise schwer leidenden.Heimarbeiter und hofft daß sich diese Erzeugnisse zu einem guten Ausfuhrartikel entwickeln werden. Dann gib! cs ein Paar Schaustücke, die. besvndccs das Herz der Weiblichkeit erfreuen werden, Broschen, Ketten, Schnallen und Knöpfe in bnnlem Durchein ander. In einigen Vitrinen befinden sich, spielerischzierlich und durchgeistigt, geblasene tztgürchen von Prof. Brychta, die ein Aquarium darstcllen; u. a. auch zwei badende Mädchen, ein Skiläufer, di« alle ihre besondere Note haben. Brychta ist der Schöpfer dieser künstlerischen Spielerei, die heute schon große Mode geworden ist und in der Industrie oft äus«ine Art nachgeahmt wird, daß einem jede Freude daran vergehen kann. Bon den Dingen, die ebenerdig ausgestellt sind, ist kaum etwas anderes zu betrachten, als daß«S teils gute, teils ganz gewöhnliche DurckschnittSwar« ist; Wein- und Likör-Service, die keinen besonderen praktischen Werl haben. Das Hauptgewicht wäre wohl darauf zu lege», daß tägliche Gebrauchsgegen- stände,>vic Trinkgläser, Krüge, Obstschalen etc. in gesälligen, sachlichen Formen hergestellt lverden, die so preiswert sind, daß sie jeder kaufen kann und die ausgesprochenen Luxusgegenstände. die da sind, um das Auge zu erfreuen, in zweiter Reihe kommen. Unschön wirken die Erzeugnisse einzelner Firmen, die modern und apart;ein wollen und dabei zu ganz verstiegener und schwulstigen Formen kommen. Wenn matt einige uua-tgenehm« Eindrücke vergißt, ist das Resultat der Ausstellung sehr erfreulich und wir sollten alle bemüht sein, diese Industrie zu fördern und zu uttterstützen, zum Wohle unserer Wirtschaft und der schtvcr leidenden Glasarbeiter. ömn-i«° 1.0- llb.i..d-I.-°r: SJ.Ibelm 9>« d n ,t- v-r°m».-r,n»er»«dakteur- Dr°mll" s' r- u tz. Prag.- Dru^ Nrl°- ee-Kkür ZrNung. und«achd-uck Prag r-uv. c>>>° d-m. Prag.— Du L«iu,>,a»martru,,0»t°i>>, muiM non oe< Paft. u. r«tr,rapd«ii»'rrtnan Mi,«Hatz-Ar wMUVtt nm dewMitzi«e,»ait>r»>»aunaen»ri«I'«»O*Zu in fei»™ ta?' Kd. batb,,tzri« Hl er.—, ,a«nahr>« Hl Nr!.—,— I,urrau wer»«» laut Laut billig» beircharr. ivei otitktll«liilchaUitiigrn Prettnachlall.— Aulllulluug»o» Manllgribieli ertöte, nur bei«liurnbun, brr nrwurmorlcir.