Erscheint mit Ausnahme des Montag tüg'lch früh. 9t:tafttMa. TBtttoattaatis Brag n, at tM janta t ft* r«I«vd.> 00701 mag.07a4)trt&att(ab 01 Uni) i 33A5A ♦ BoMtotdomh 37 3M 13. Zahraana. Dienstag. 28. November 1933 Nr- 278. Sivzeldrek 78 Hellet clrinschlteßllch b Heller Port»! W2«l0M a Neue Differenzen im Dollinß-Lagcr uinuinniiuuuiunuiiDiniiiii!iiiiniiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiui)ii!i!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiniinuuiunniiiimiuniiiiiiiiiiiiiuniuiuumuiiiiiiuiiinuiinuiiuinnniiiiiiiiniiniiitninmf(fffiii(((iimiftiiii den Rasse-Professoren selbst diese These als Unsinn erklärt. Dann proklamierte in Kiel einer der Bevlreter der Deutschen Stndcntensclmft ganz offenherzig di« Abkehr von einer Kirche, deren Gründer— also Jesus Christus—„im neuen Deutschland doch nicht einnial eine Pastoren- stelle erhalten" würde, weil er Jude war. Rian ivar also folgerichtig und ehrlicher als die Führer bei der jüdischen Großmutter Jesu Christi angelaitgt und in den studentischen Vereinigungen, die vor Monaten die eigentlichen Veranstalter der Büchcrvcrbreiinnngcn waren, verkündet man seit Wochen den Grundsatz, daß Deutschtum und C h r i st c u- t u m unvereinbar seien. Es ist die logische Fortsetzung einer Denkart, der Adolf Hitler als Werkzeug Gottes (Bischof Müller), ja sogar als Messias in Person, Fortsetzer, Vollender Jesu und Luther, Aktion gegen Gewerkschaften als Ablenkungsmanöver? Klar ist es jedenfalls, daß sich Dollfuß durch seine alte Taktik, all-:n möglichen Faktoren einander widersprechende Zusagen zu gebe», in eine unhaltbare Lage hineinmanövriert hat, auS der er, wie schon so oft, sich durch eine Gewaltaktion gegen dir Sozialdemokraten zu befreien hofft. Hitler und Blomberg beim Staatsbegräbnis des ersdiossenen Reldisweltrsoldalcn Sette 2 Dienstag, 28. November 1988 Nr. 278 oder aber größer als diese(•eiten erscheint. Schon Int April konnte man ans Partezetteln lesen:„Er starb int Glattben an seinen Erlöser Adolf Hitler". Jin„Kalender der dcut- schen Arbeit" sind die SA-Helden in die Rubrik der.Heiligen eingereiht. Dort liest man in der Namensliste des Kalendariums z. B.: Edgard 28. Sonntag Roland 29. Montag HanS Mastowski, SA Sturms. Gärtner(1933 von Kommunisten erschossen b. Fackelzug, BIu.-Charl.) 80 Dienstag und so fori alle Monate hindurch. Die erstochenen Zuhälter, verunglückten Fememörder, auf frischer Tat ertappten und erschlagenen Raubgesellen aus der SA sind die offi- zieklen Hetligen des Nazikalenders. Auf ihre Minen werden Kinder getauft. In denrselben Kalender bekennt nran sich der Christianisierungspoliik Karls des Großen gegenüber, dem man den seit einem Jahrtausend üblichen Bettranten„Der Große"(bei den Franzosen ist er zunt Namensbestandteil geworden: Charle m a g n e) nur noch in Klammer zuerkennt, zu dem Wotansglauben der alten Sachsen. Da heißt es: Karl(der Große) führt während seiner Regierung 768—811 sein Reich äußerlich zu großer Macht und Blüte. Er, der schon zum Christentum übergetreten war, sieht seine Aufgabe darin, auch Germanien zu diesem neuen Glauben zu bekehren. Mit Feuer und Schwert, Folterung und TodeS- sttafe, Zertrümmerung und Verschleppung der Heiligtümer wird der alte WotanSglaube, das Erbe der Väter, auSgerottet. Wild und fanatisch verteidigt der Germane seinen Glauben, seine Götter. BomfacinS, der Missionär des Papstes, wird erschlagen. Widukind sammelt noch einmal seine Sachsen zu einem bedrohlichen Aufstande, der aber in den anderen Gauen keinen rechten Widerhall mehr findet und wird geschlagen. Er m u ß z u „Kreuze kriechen". Karl aber wird vom Papste aus Dankbarkeit für seine„überzeugenden" Leistungen 800 in Rom zum Deutschen Kaiser gekrönt. 'Abgesehen von den geschichtlichen Irrtümern, die dem analphabetischen Verfasser dieser Betrachtung nidft weiter Übelzunehmen sind, haben wir hier also das Bekenntnis zu Widu- kind, zu Wotau, zu den alten Germanen. Dieses Bekenntnis bedeutet natürlich nichteine Neberwindung des Christentums durch den Humanismus, des Kirchenglaubens durch eine freisinnige Wcltanschattung, sondern das Bekenntnis zur Barbarei, zu einer vor-cttropäischcn Entwicklttngsstttfe. Wir stehen sicher nicht im Verdacht, die Anwälte der Kirche im Kampf gegen irgendwelche antichriskliche Philosophie zu sein. Aber es muß ausgesprochen werden, daß die antichristliche Kampagne des Nationalsozialismus das Bild vervollständigt, das man sich von ihm und seiner geschichtlichen Funktion gebildet hat: er ist die B a r b a r i s i e r u n g Europas uird seine Ideologie ist not- lvendig die des germanischen Urwalds, der Menschenopfer, des Wo:ans- kults; eines Heidentums, das nichts Freies, Sckzönes, Beglückendes an sich hat, sonderit der düster-blutige Ausdruck einer unmenschlichen Gesinnung sein soll. Der Nationalsozialismus verleugnet nicht ein- facki den Marxismus, das 19. Jahrhundert, die klassische Philosophie und die Neuzeit. Ihm ist die abendländische Geschichte von Widukind attfwärts als Ganzes ein« Greuel. Zurück zu Wotan! ist seine Parole. Gegen diese Heidinsch-barbarischc Strömung hat sich merkwürdigerweise nicht d i c katholische Kirche gewehrt. Sie scheint sich im Rückhalt an Rom geborgen zu fühlen, auf lange Sicht hinaus vielleicht auch vom Zusammenbruch der lutherischen Konkurrenzfirma Zuwachs zu erhoffen. So stand sie ja auch der Auflösung der russisch-orthodoxen Kirche anfänglich kühl gegenüber. Die evangelische Kirche aber weiß, daß cs nm ihr Sein rar die Anerkennung Rußlands Eine Rede des Genosse» Dr. Meißner. Mahr.»Ostrau, 26. November. Im BolkS- haus in Mähr.-Ostrau tagte heute der ordentliche Gaukongreß der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu Mähr.-Ostrau in Anwesenheit von 652 Delegierten, 29 Vertretern verschiedener Gruppen der Bewegung und von 250 Gästen. Den Mittelpunkt des Kongresses bildete eine große Rede des Justizministers Genosten Dr. Meißner über die politische Lage in der Republik und die internationale Lage. Genosse Meißner verwies darauf, daß es nach der Erledigung des Staatshaushaltes, der vielen Bevölkerungsschichten schwere Opfer auserlegt, sehr wicht'g sei, daß eS bei uns— zwar spät, aber doch— zu Verhandlungen über Einvernehmen zwischen Landwirtschaft und Industrie kommen werde Man werde auch prüfen müssen, in welchem Maße unsere Industrie lebensfähig ist und auf welche Weise ihr geholfen werden kann Sollte sich ze'gen, daß sich ei» Teil der Industrie nicht erhallen läßt, dann müsie die Frage gelöst werden, was mit den Arbeitern zu geschehen hat, die nicht mehr in der Industrieproduktion Ausnahme finden können. Das sei oder Nichtsein geht. Sie hat den«Kampf aufgenommen. Er ist tvahrscheinlich aussichislos. Aber er hat ungeheure Bedeutung deshalb, weil er wie jede Opposition in einem diktatorischen Staate, zum Mittelpunkt der a l l g e in e i n§ n ll n z» fr i c d e n h e i t wird. Wer immer gegen-HjMi steht, wird den Anschluß an die«Ktrchenopposidon suchen, um in dieser Maske für seine Sache kämpfen zu können. Umfang und Stärke des W i d e r st a n d e s, den das evangelische C h r i st e n t u m der Barbarisierung Deutschlands entgegensehen, werden so zum P r ü f- stein und Gradmesser der Rebellion gegen Hitler überhaupt. keineswegs nur«ine Frage der Industrie, sondern auch eine Frage des Staates. Hinsichtlich der Anerkennung Sowjetrußlands erklärte Meißner, daß selbstverständlich das Bestreben vorherrsche, nicht di« Letzten zu sein, die mit der Sowjetunion normale Beziehungen anknüpfen. W'chtig sei, die Kaustraft der breiten BovölkerungSschizhten bei unS zu erhöhen Der Minister erwähnte sodann die Bemühungen der Regierung, eine Herabsetzung d e r K oh- len p re i s e zu erzielen und sprach seine Verwunderung darüber aus, daß>m Ostrauer Gebiet nunmehr die Löhne der Bergarbeiter doch herabgesetzt wurden, ohne daß eine Verbilligung der Kohle erfolgte, da doch bei den Verhandlungen über diese Verbilligung betont worden war, daß eine.Herabsetzung der Preise nicht auf Kosten der Bergarbeiterlöhne gehen dürf«. In dem außenpolitischen Teil seines Referates beschäftigte sich Dr. Meißner mit den Rüstungen Deutschlands und sprach zum Schluß die Zuversicht aus, daß in der Welt schließlich doch die Achtung vor dem Menschentum siegen werde. Bei der Wahl des neuen Gauausschusies fanden die jüngeren Parteimitglieder größere Berücksichtigung. Nazi-ticwlisfliaftszcntralc und drei unttrvcrltändc aufgelöst Prag, 27. November. DaS morgige Amtsblatt veröffentlicht vier Erlässe deS Innenministeriums vom 24. d. M., wornach auf Grund der 88 3 und 14 des Gesetzes 201-1938 über die Auslösung politischer Parteien die nationalsozialistische OtewerkschaftSzentrale„Verband deutscher Gewerkschaften" mit dem Sitze in Aussig sowie die ihr angeschlossenen Verbände „Deutschsozialistischer Bergarbei» ter-Verban d", Sitz Brüx, ,,G ewerk- schaft»verband deutscher Arbeiter", Sitz Aussig, und„Gewerkschaft deutscher Eisenbahnei", Sitz Aussig, aufgelöst werden. Im Gefolge dieser Maßnahme hören auch aste ans dem Gebiet der Tschechoslowakei bestehenden Ortsgruppen dieser Verbände zu existieren auf. Den Verbänden, die in Aussig ihren Sih haben, hat das Polizeikommissariat in Aussig bereits heute früh die amtlichen Bescheide eingehändigt und das Vermögen sowie die Schriftstücke dieser Vereine sichergestestt. Der Leitung der ausgelösten Zentrale, deren Obmann der frühere deutschnationale Gemeinderat Franz Ritter in Aussig war, gehörten die nationalsozialistischen Abgeordneten Kasper und«Köhler sowie Senator Köhler und der frühere nationalsozialistische Vizebürgermeister von Aussig T i s ch l e r an, der auch Obmann des nationalsozialistischen Eisenbahnerverbandes war. Ter Gewerkschaflsverband deutscher Arbeiter wiirde bis vor kurzenr von dein nationalsozialistischen Abgeordneten Kasper geführt, während der Obmann des aufgelösten Berg- arbeiterverbandeS der nationalsozialistische Ge- meindevat von Graupen Karl Hübner war. Ter aufgelösten Gewerkschaftszentrale gehörten außer den drei aufgelösten Verbänden weitere acht Gewerkschaften an, von denen der DHV die größte ist. Der DHV wird von der Auflösung nicht betroffen, sost jedoch, wie die„Landpost" meldet, einen RegierungSkommissar erhalten. 21 Roman von Felix Fechenbach ,^Hör«mal Michel, du bist jetzt bald fünfundzwanzig Jahr all. Wie lang meinst denn, daß d' noch so allein auf der Welt ruinlausen kannst?" „Ich bin doch gar nit allein. Di« und die Mutter, ihr seid doch auch noch da!" „So mein ich das ja auch nit. Du sollst doch später emal die Bäckerei übernehmen; da mußt doch auch e Frau Hain. Kannst doch nit selber den ganzen Tag im Laden stehn, wenn d' nachts in der Backstube bist." »Ja, so!«Heiraten soll ich?" „Nit glei vom Platz weg. Aber die Augen könntest scho e bißle aufmachen, daß d' dich um e ordentlichs Madie umschaust. Presslern tuts ja nit, aber wenn sich emal e Gelegenheit gibt, dann darfst nit blöd sein. Die Mädli wolln hofiert sein, mußt halt e bißle den Kavalier spielen. No, das brauch ich dir ja nit im einzelnen sagen, das wirst scho selber wissen. Bist ja fei heurigs Häsle mehr." Michel verzog sein volles Gesicht zu einem breiten Grinsen: „In dene Sachen weiß ich scho Bescheid." Karl Spieß meinte, er habe seinem Sohn jetzt genug gesagt. Am Sonntag würde sich das weitere dann schon ergeben. Kilian Hein hatte einen schönen offenen Wagen m:t Sonnendach bestellt. Der wartete am Sonntag nm halb drei Uhr vor dem Alten Gymnasium. Dieser Treffpunkt war vereinbart worden. Die drei Familien waren ziemlich pünktlich. Ein gemeinsamer Familienausflug per Wagen, das kam nicht alle Tage vor. Man hatte sich allseitig darauf gefreut. Schorsch Fischer kam mit Frau Marie und mit seiner Tochter Karoline, Karl Spieß brachte Frau Jofesine und seinen Michel mit, und auch die Familie«Hein war vollzählig, vier Köpfe hoch, erschienen. Man begrüßte sich fröhlich und stieg ein. Der Wagen hatte für zwölf Personen Platz. Es wurde aber doch etwas eng, obwohl nur zehn Personen einsticgen. Karl Spieß brauchte Platz für zwei. Michel, der seinen Ehrgeir darein gesetzt zu haben schien, an Leibesfülle möglichst seinem Erzeuger nachmeifern, benötigte für seine breite Sitzfläche auch erheblichen Raum. Da Kilian.Hein auch nicht gerade zu den Magersten zählte, wurde der Platz knapp. Da erklärte Franz Hein, er setzte sich vorne neben dem Kutscher ans den Bock. Damit waren alle Schwierigkeiten behoben, und jeder konnte seinen Corpus in gehöriger Beguemlichkeit verstauen. Michel Spieß hatte sich neben seinen Vater gesetzt. Der gab ihm einen Rippenstoß und meinte, wenn auf einer Seite des Wagens die beiden Schwergewichte säßen, dann könnte er zu leicht umkippen. Alles lachte über diese Selbst- veräppclung, und Michel wurde ans die andere Seite zwischen Karoline Fischer und Gretl«Hein placiert. Die jungen Leute, deren Eltern so eng befreundet waren, kannten sich schon von früheren geselligen Gelegenheiten her. In fröhlicher Unterhaltung verstrich die Zeit, und ehe man sichS recht versah, war man am Gutenberger Wald. „Znr Waldesruh!" rief Karl Spieß dem Kutscher zu.„Ich muß erst einen Schluck trinken." Bor der Gartenwirtschaft„Waldesrich" hielt der Wagen, und alles stieg aus. „Erst mal eine kleine Stärkung!" entschied Kilian Hein. Man suchte sich einen freien Tisch aus, der auch groß genug war, daß zehn Personen daran Platz finden können. Unter schattigen Kastanienbäumen ließ sich die Gesellschaft nieder. Die Tische und Bänke waren aus glattgehobelten Brettern gezimmert und die Tische wurden erst mit rotgewürfelten Decken belegt, wenn Gäste daran Platz genommen hatten. „Wir machen bunte Reihe", schlug Karl Spieß vor, und gebärdete sich als eine Art maitro de plaisir, indem er die Plätze fo anwies, daß Männlein und Weiblein je abwechselnd nebeneinander zu sitzen kamen. Dabei nahm er daraus Bedacht, daß sein Michel sich neben Gretl Hem setzte. Michel hatte nun rechts neben sich die Gretl mit ihren» frischen, niun- teren Gesichtchen und ihrer adretten Figur, während links neben ihm die Karoline Fischer saß, die nach ihrem Vater geartet war: lang und dürr und mit einem bleichen, hageren Gesicht. Links von Karoline saß Franz Hein. Während die Väter Bier bestellten, betrachtete Michel die beiden Mädchen ungeniert. Er schätzte sie mit den Augen ab und entschied sich für Gretl Hein. Eine Weile verstrich in munterer Unterhaltung. Die Frauen saßen beisammen und besprachen Dinge, die sie als«Hausfrauen und Bäckermeistersgaitinnen besonders interessierten, und die Männer waren schon wieder bei der neuen Preistafel-Verordnung des Magistrats. Franz erzählte der«Karoline etwas vom Tanz- knrs, und Michel meinte, das Tanzen wäre doch eine unnötige Sache. Man käme nur ins Schwitzen und könne sich nachher die schönste Erkältung holen. „Für dich wär das freilich nix!" rief ihm Franz z«.„Wenn ich mir das vorstcll, wie du deinen dicke» Bauch im Saal hernnischwenkst, da kommt mich das Lachen an." Franz lachte ans vollem«Halse. „Aber nix für. ungut, Michel. Prost!" Und er streckte ihm versöhnlich sein Bierglas entgegen. Michel stieß mit ihm an. Oderberger RaKenhrcuzler verurteilt Mähr.-Ostrau, 27. November. Nach viertägiger geheimer Verhandlung fällte der Senat des Mähr.-Ostrauer Kreisgerichtes das Urteil im Prozeß gegen die Oderberger«Hakenkreuzler. Wegen Vergehen« nach 8 17 des Gesetze« zum Schuhe der Republik wurde Johann K e l l e r zu fünf Monaten Kerkers nnd zu einer Geldstrafe von 1000 Ku, Walter Beschel zu vier Monaten und gleichfalls zu einer Geldstrafe von 1000 Ks und Leopold«H u r n i a g zu sechs Monaten und zu einer Geldstrafe von 1000 Kr verurteilt. Sämtliche wurden unbedingt verurteilt und sind verpflichtet, die Kosten des Gerichtsvcrsah- renS zu tragen. Der Angeklagte Ernst Weißer wurde freigesprochen. Der Staatsanwalt brachte gegen das Urteil bezüglich aller Angeklagten die Berufung bezw. die Nichtigkeitsbeschwerde ein. Das Gericht Vev- warf den Antrag, die Verurteilten auf freien Fuß zu setzen, Nur der freigesprochene Weißer tvurde nach der Urteilsfällung in Freiheit gesetzt. Kundgebung der Oderberger Arbeiter gegen den FaseiSmuS. Am 23. d. M. demonstrierte die Oderberger Arbeiterschaft im Saal des„Orpheum" in Neu-Oderberg gegen den FaseiSmuS und für den Weltfrieden. Vor über 500 Teilnehmern sprachen die Genossin Poskerovä und die Genosien Kreutz und Beiter. Die Erstere sprach zu den Frauen. In eindruckvollster Weise schilderte sie die Stellung der Frau zum FaseiSmuS. Aller Rechte entkleidet, habe diese im fascistischen Staate nur Kinder zu gebären und Kanonenfutter zu liefern. Die Frauen müssen daher den FasciS- mus am leidenschaftlichsten bekämpfen, denn die fer ist der Mörder ihrer Kinder und Gatten.— Auch die Ausführungen der Genossen Kreutz und Veiter fanden die einmütige Zustimmung der Versammlung. Beide Redner zeigten den innigen Zusammenhang zwischen dem zusammenbrechenden Kapitalismus uind dem FaseiSmuS auf. Fas» eismus bedeutet Kriegsgefahr und Knechtung aller arbeitenden Menschen. Dem Vorherrschaftsbestre- ben der Bourgeoisie sehen wir den geeinten und entschlossenen Kampf um die Demokratie entgegen. Eine in diesem Sinne verfaßte Resolution wurde unter großem Beifall einmütig ausgenommen. Nach beyerzigenden Worten der beiden Vorsitzenden fand die machtvolle Versammlung mit dem Absingen deS LiedeS der Arbeit ihren würdigen Abschluß. Der Mann mit der Elefantenhaut. Wir haben Sonntag den Inhalt der Replik Mannheimers gegen Peters wiedergegeben und darauf hin- gewiesen, daß dieser nunmehr zur Klage gegen Mannheimer gezwungen sei. Kavaliere lassen sich aber nicht zwingen. Und so spöttelt seit Sonntag alles, was politisches Interesse hat, über folgende in der„Bohemia" abgedruckte Erklärung: Nochmal- in eigener Sache. Herr Dr. Georg Mannheimer setzt in der Wochenschrift„Tie Wahrheit" die Kampagne gegen mich fort. Di« in seinem Aufsatz enthaltene Bemerkung, daß ich meine Erklärung vom 21. ds. unter dem Schutz« der Immunität vorgebracht habe, veranlaßt mich, den erfahrenen Parlamentsjournalisten zu erinnern, wie leicht der Schutz der Immunität zu unterbrechen ist. Abg. Dr. Gustav Peters. Im Vergleich mit Herrn Peters war die selige Sphynx ein Muster an Klarheit und Offenheit. Aber nun weiß man erst recht Bescheid! Gretl besah sich die rundliche Fülle ihre» Tischnachbarn und mußte bei dem Gedanken, sich ihn als Tänzer vorznstellen, innerlich Franz zu- stimmen. Dann fragte sie ihren Bater: „Wollt ihr denn den ganzen Nachmittag vor euren Biergläsern sitzen bleiben? Dazu hatten wir die Fahrt nit machen brauchen" „Die jungen Leut können ja e bißle im Wald drüben spazieren gehen," meinte Vater Spieß und blinzelte dem Kilian Hein zu. Franz war auch einverstanden und ging mit «Karoline Fischer über die Straße hinüber in den Wald. Bei Michel dauerte das Aufstehen etwas länger. Dann ging er mit Gretl hinter dem ersten Paar drein. „Wir bleiben immer auf'm Weg, Gretl," ruft Franz zurück, der mit Karoline schon em Stück voraus war.„Wenns dem Michel zuviel wird, dann soll er uns rufen." Michel wollte nicht so schnell laufen wie Franz, und außerdem warö ihm auch lieber mit der Gretl allein. Der Franz frozzelte ihn ja doch nur. Sic gingen unter dem kühlen Laubdach nebeneinander her. Gretl nahm ihren breitrandigen Panamahnt ab, nm sich die frische Waldluft nm die Stirn wehen zu lassen. „DaS tut gut!" „Darf ich Ihnen den«Hut tragen, Fräulein Gretl?" fragte Michel dienstbeflissen. „Danke, das is nit nötig. Der is ja so federleicht, und ich hab gern was in der Hand." „Der Franz scheints aber eilig zu ham. Den sieht man ja schon gar nimmer," versuchte Michel von neuem ein Gespräch anzuknüpfen. „O, da tät ich schon mithalten. Aber Ihnen wirds Wohl keinen Spaß machen," gab sie mit rincm abschähcnden Blick auf Michels ansehnliche Leibesfülle zurück und konnte ein Lächeln nicht ganz unetrdrückcn. Sie deutete jetzt links in den Wald hinein: Kortfetzung folgt.)» Nr. 278 Dienstag, SS. November ISSN Seite S »cr K*Mc zweiter Teil Erftilnnng des nodivcrratsverfahrens Letzen Torglcr ond Genossen Leipzig, 27. November. Der Prozeß zur Verteidigung der Reichstagsbrandstifter hat seit heute ein völlig neue» Gepräge. ES wird nicht mchr über die Brandstiftung verhandelt, sondern üb« die politisch« Arbeit der Kommunistischen Partei. Was hat die Tätigkeit der KPD mit der Brandstiftung eigentlich zu tun? ES ist doch lediglich zu beweisen, daß Torgler und di« Bulgaren den Reichstag anzundrten. Nun, die kommende„Beweisaufnahme" soll dem Gericht die Lerurteilung der Angeklagten wegen„Hochver- ratS" gestatten, wenn«ine Verurteilung wegen der Brandstiftiing nicht möglich sei» sollte. DaS deutsch« Publikum, daü die beiden Dinge infolge der Schreibweise der gleichgeschalteten Presse nicht gut auSeinanderhalten kann, soll glauben, daß die Schuld TorglerS an der Brandstiftung im Reichstag durch seine Berurteilung wegen hochverräterischer Umtriebe" erwiese» ist. Für dies«„hochverräterischen Umtriebe", dir sich unter den Augen der Polizeibehörde» vollzogen, gibt«S ganz eigentümliches Material: so wird behauptet, Torgler habe in einer Versammlung Anweisungen für di« illegale Arbeit gegeben— aber Torgler ist in der betreffenden Versammlung gar nicht gewesen. ES handelt sich bei den Beweisstücken um Material der Geheime» Staatspolizei, dessen Beweiskraft naturgemäß sehr schwach ist. Wurde doch schon bewiesen, daß bei der Gestapo Akten„auS dem LiebkuechthauS" gefälscht wurde». Die neue Phase deü Prozesses, die stift in dem Augenblicke beginnt, da van der Lübbe gesprächig wurde, läßt die Niedertracht der Än- Nage und derer, die sie verantworten, noch llarer erkennen als alles, was bisher geschah. Bar die Verhandlung bisher als Komödie klar zu erkennen, so wird sie jetzt den Anschein der Objcktiviät bekommen— und alles nur deshalb, weil nicht Torgler, sondern Goering den Reichstag ongrzündet hat. Leipzig, 27. November.(Wolf f.) Im Reichs» togrbrandprozetz begann der letzte Teil der B« w e i S> ausnah me(!), die Erörterung des politischen Teiles. Ter Vorsitzende erklärte zu Beginn der Ber» Handlung, daß sich die Beweisaufnahme jetzt der Frage zuwende, ob die kommunistisch« Partei in Teulschland zur Zeit der Brandstiftung«inen be- wasfnelen Aufstand betrieben hab«. Ter Vorsitzende ersuchte den Kriminalrat Heller-Berlin— der heute als einziger Zeug« geladen ist, zu zusammenhängenden Ausführungen das Wort zu nehmen. Kriminalrat Heller legt« dann in langen Ausführungen die Tätigkeit und politisch« Linie der KPD dar, deren wichtigster Teil die Eiirwafsnung der Bourgeoisie und die Bewaffnung des Proletariats gewesen sei. Heller breitet sich auS über Weltrevolution und Einheitsfront, verweist dann aus di« Bemühungen der KPD, durch die Erfahrungen der Tageskämpf« die Massen auf den politischen Generalstreik vorzubeveiten und kommt dann auf den Bezirks. Parteitag für den Mittelrbein in Köln zu sprechen, aus dem Torgler ein Referat über daS bevorstehend« Verbot der KPD gehalten habe. Nach TorglerS Referat und dem Ausschluß der Gastdelegierten habe ein auswärtiger Kommunist über di« ZersetzungS- arbeit in der staatlichen Erekutive gesprochen. ES seien in der kommunistischen Partei«in« legale und ein« illegale Richtung vorhanden getvescn. Ter Schwerpunkt der kommunistischen Arbeit habe jedoch auf EhautempS erfreut sich in der Kammer breiter Sympathien, doch wird in"zahlreichen Kreisen, insbesondere in Zentrums- und Linkskreisen, darauf verwiesen, daß EhautempS nicht ein Kabinett gebildet hat, wie eS der Ernst der Zeit fordert, sondern ein MinderhettSkabi- nett, welches sich der Kammer ohne eine gesicherte fest« Mehrheit vorstellen wird. DaS neue Kabinett wird zwar bei der Vorstellung im Parlament die Majorität erlangen, werde jedoch bei der erste» Schwierigkeit scheitern. Chautenlps ist sich drS UebergangScharakterS seiner Mission bewußt Er erklärte Journalisten gegenüber, er werd« wahrscheinlich Wiedern« am Fiuanzplan scheitern, sein Opfer dem Gebiet« der illegalen Arbeit gelegen. Di« B«r- bindung mir dem Reichstagsbrand stellt dieser feine Kriminalrat dadurch her, daß er den Reichstagsbrand als«in« zwangSläusige Auswirkung dieser illegalen Arbeit bezeichnet. Tonn spricht er über di« Vorbereitungen der KPD zum bewaffnet«» Ausstand, di« nach den Novemberwahlen 1932 verstärkt worden seien. Im Jänner 1933 habe in einem Kurs für die kommunistischen Parteisoldaten der chenralige ReichStagSabgeordnet« Gross« gesagt, End« Feber werd« dir bewassnete Auseinandersetzung«intreten und das Zeichen des Ausstandes werde allen Beteiligten durch ein weithin sichtbares Zeichen gegeben werden.— Cr wird wohl kaum einen kommunistischen Reichstagsabgeordneten gegeben haben, der über ein solches Maß von Dummheit verfügt«. Im Jänner 1933 war di« politische Situation Deutschlands vollkommen ungellärt. Don einem Machtantritt der Fasoisten war überhaupt noch nicht die Rede und«s ist ganz offensichtlich, daß sich dieser Teil der Zeugenaussagen aus gefälschtes Material stützt. Der Kriminalrat Heller kommt dann auf die Die Prager Polizeikorrcspondenz meldet: „3m Zusammenhang mit der antistaatlichen Tätigkeit der aufgelösten Partei der deutsche» Nationalsozialisten in der Tschecho- slowakei wurde Dr. Walter Braud, wohn, haft in Prag XU, Rimskä»litt, verhaftet und am 25. November in dir Hast deS Kreiüstras. gerichtet tu Prag unter dem Verdacht von Straftaten«ach gß 2 und 17 de» Gesetze« zum Schutz« der Republik eingeliesrrt. DaS beschlagnahmt« Material wird geprüft uud die Untersuchung fortgesetzt." Wie hiezu ergänzend berichtet wirt», wurde die Meldung über diese Verhaftung verspätet auSgegeben, um den Gang der Untersuchung nicht zu erschweren. Dr. Brand studierte>n Wien und war dort rin eifriger Schüler des bekannten Ständestaats- Fascisten Professor Spann und des aus B.-Leipa stammenden Heimwehr- Sekretärs Dozenten Heinrich. Noch Prag zurückgekebrt, schuf er hier den so- genannten„Kamerabschaslsbund", wo er, ebenso wie in der Zeitschrift„Junge Front" den StändestaatSfasciSmuS propagierte. Henlein mochte ihn im hakvnkreuzlerischen Turnverband zum Jugenderzreher und noch der Gründung der Heimatfront spielte Brand dort die Rolle eines Generalstabschefs. Ist Henlein wonbrüdilg? Henlein gibt sich in seinen Versammlungen sehr biederutännifth, doch scheinen in der praktischen Wirksamkeit der Hetmatsront nicht immer die laut hinauSposounten Begriffe von„Ehre und Würde" daü LeUmotiv zu sein. Davon lieserten die Vorgänge in Reichenberg eine» Beweis, wo Henlein in seiner werde aber nicht vergeblich sein, daß eS seinem Nachfolger de» Weg bahnen werde. DaS neu« Kabinett will erhebliche Streichungen uud Ersparungen im Budget durchführen. Bezüglich der delikaten Frag« der Herabsetzung der StaatSangestellten-Gehälter, über welche bekanntlich die zwei letzten Kabinette gefallen sind, scheint iS, daß das Kabinett Chan« trmpS vom Parlamente di« Annahme einer Pauschalherabsetzung vo» eineinviertel Milliarden, nicht aber der Gehälter, sondern ver- schtedener Zulage» und die Zustimmung erfordern wird, die Verteilung dies«« Betrage» ans außer« parlamcntarischen administrative» Weg« durch, zusühren. kommunistisch« Terrortätigkeit zu sprechen, ohne selbstverständlich zu sagen, daß der individuell« Terror ein wesentlicher Programmspunkt der N a I i o n a l- sazialisten Ist und daß die Zahl der Opfer, di« durch nationalsozialistische llrbcrsäll« verursacht wurde, weitaus größer ist als jene, die durch kommunistisch« Terrorakt« sielen, von denen di« meisten übrigens unter den Begriff der Notwehr fallen. Bei einer Besprechung im Karl Liebknecht-Haus, die Mitt« Dezember 1932 stattgesunden Hobe, habe Torgler genau« Weisungen über den bewaffneten Aufstand gegeben. Torgler erklärt dazu, daß er au dieser Versammlung weder tetkgruommen, noch iu ihr gesprochen hab«. Nach der Mittagspause trägt Kriminalrat Heller sogenannt« Beweise auS dem Material der Staatspolizei vor, auS denen hervorgehen soll, daß in der Zeil von Anfang Jänner bis Mitte März 1933 der Ausbruch(!) der proletarischen Revolution unter der Führung der Kommunisten aus des Messers Schneide stand. ES seien auch beim Berliner Polizeipräsidium Meldungen über geplante Anschläge aus lebenswichtige Betriebe eingegangen und man habe festgcstcllt, daß die Kommunisten i>n Falle einer Aktion hätten mit leichter Mühe alle Machtmittel des Staates lahmlegen können.■ CS ist seltsam, daß der Zeuge nur von geheimnisvollen Plänen, nie jedoch von einer wirklichen Terrorhandlung der Kommunisten in dem den Materialien angedeuteten Sinn« sprechen kann. Kundgebung den persönlichen Kampf abschwor, um dann in einem Flugblatt der „Heimatsront" den deutschdemokrattschen Bürgermeister Kostka auSgiebig persönlich besiegeln zu lasse«. Nun scheint auch di« aus ständische Grundlage umgebaute Gewerbepartei von den„ständischen", aber kaum an-ständigen Methoden der Heimatsront die 3iase voll zu haben. Sie ver- öfsentlicht in der deutschböhmischen Provinzpresse solgcttde Kriegserklärung an Henlein: „Henlein hat sein gegebenes Wort dem Führer der Deutsch»» Gewerbepartei nicht gehalten. Henlein bemühte sich vergeblich, mit der Regierung in Fühlung zu kommen und erst der Vermittlung Stenzl-, des Vorsitzenden der Deutsche» Gewerbepartei, hatte er«ü zu verdanken, daß Henlein mit Minister Prof. Spina zusammenkaur. Bei dieser Aussprache am 23. Oktober zwischen Spina. Stenzl und Henlein wurde» folgende Vereinbarungen ge- trosseu: „Bezüglich de» gegenseitigen Arbeitsbereiches ist festgelrgt, daß von der organisatorischen Erfassung durch di» Sudrteudcutsche Heimatsront ausgenommen find:») die Angehörigen des LandstaudeS, b) dir Angehörigen von Gewerbe und Handel, und baß bei Grenzfällen daS Einvernehmen herzustelleu ist." Dir erst« Gruppengrlloduog der Heimatsront in Karlsbad, sowie auch der Inhalt der Rede Heulriu» iu Rrichenberg zeigte», daß Henlein nicht di» Absicht hab«, sein gegebenes Wort eiazuhalten. Wenn wir die Hintergründe dieser Verlautbarung recht verstehen, wollten die Herren Stenzl und Spina besonders schlau sein. Sie verlangten von Henlein das Versprechen, daß cr ihnen unter den Bauern und Gewerbetreibenden keine Konkurrenz mache. Er sollte also seine Anhänger hauptsächlich aus Arbeiter- und Ange- steUlenkreisln rekrutieren und seinen Vorstoß gegen die Arbeiterbewegung richten. Henlein, der grimnuge Gegner der politischen Parteien hat demnach zuerst bei Spina und Stenzl um gut Wetter gebettelt, doch es scheint ihm»ich tut« zufallen, auf den Zulauf aus den Reihen der Gewerbetreibenden und in zweiter Linie natürlich auch der Bauern;u verzichten. Dir Deutsch- demokraten und die Gewerbcständler haben schon ihre Erfahrringen mit Henlein. Die anderen bürgerlichen Parteien werden sie noch machen. Hinter den Kulissen der üelmotlront Das gewöhnlich antinformierte„Montags- blatt" weiß auch zu berichten, daß bei der Abfassung der ersten Kundgebungen der Heimat- sront der Chefredakteur oes inzwischen verbotenen„Tag" Dr. V i e r e r b l, der übrigeils:n- zwischen nach Deutschland„verzogen" ist und ber deutschnationale Abgeordnete K a l l i n a dreingepfulcht haben. Ter Leiter des Teulsch- volitischen Arbeitsamtes Dr. K u n d t soll sogar diese Aufdringlichkeit als so ungehörig empfunden hoben, daß er aus Gründen der politischeik Vorsicht dagegen Einspruch erhob. Wenn diese peinlichen Feststellungen über die Gründungsgeheimnisse der Heimatsront nicht einwandfrei widerlegt werden können— wem will der Herr Henlein weiterhin glaubhaft machen, daß er nicht der KonkurSmassevcrwalter der aufgelösten völkischen Parteien ist? VeragBt me Arhellslnsen nMMl Dort, wo Sozialdemokraten Einfluß im öffentlichen Leben besitzen, in den Städten und Jndustnegemcinden, wird die Fürsorge für die Arbeitslos«» keine Stunde außer Acht gelassen, werden jetzt zu Beginn des Winters»leist große Aktionen cingeleitct, die dem Hunger und Elend unter den Arbeitslosen und deren Kindern einen Damm entgegensetzen sollen. Aber abseits dieser Wohnzentren, in den Kleinstädten und Landgemeinden, scheint man vielfach der Fürsorge für die Arbeitslosen überdrüssig geworden zu sein und überläßt die Armen sich fernst. Man glaubt ossen- bar die Not anszuschalten, wenn man von ihr zil reden unterläßt, so nm der Strauß der Gefahr zil entgehen meiut, wenn er den Kops in dcir Sand steckt. Weil aber mit dem Totschweigen weder der Hunger selbst, noch die mit demselben für die Gesellschaft verbundenen Gefahren beseitigt tvcrdcn, deshalb muß über den Versuch, di« Not zu verschweigen, gesprochen werden. Einmal, weil es unmenschlich ist, cm den Qualen der Arbeitslosen gleichgültig vorbcizuschen und zum andern, weil diese Rücksichtslosigkeit gegenüber den Arbeitslosen zu schlvercn Gefahren für die Gemeinschaft der Menschen führen kann. Warum wird diese Methode, die Not der Arbeitslosen zu verschweigen, geübt? In der Hauptsache wohl nur um den Folgerungen zu entgehen, die naturgemäß cintreten, wenn das Ausmaß des Elends unter den Arbeitslosen ausgczeigt wird, also auS Geiz und Habgier. Vielleicht auch um der Selbstanklage zu entgegen, bisher so wenig oder gar nichts für di« Opfer der W>rtschasis- katastrophc getan zu haben. Möglich auch, nm sich der mit der Fürsorge verbundenen Arbeit zu entziehen, lauter Grunde, di« auf niedersten Egoismus schließen lassen und denen der entschiedenste Kampf entgegengesetzt werden muß. Dieser Kamps, er kann nur aus den Reihen der Sozialdemokraten kommen. Sie dürsen die Taktik des Verschweigens weder mitmachen noch dulden. Sie haben, wo immer sic auf öffentlichen Posten stehen, in diesen Tagen, da der Winter mit seinen schrecklichen Begleiterscheinungen für die Arbeitslosen naht, als Sprecher und Anwälte der Llr« beitslosen anfzutrctcn, über das Schicksal der Hungernden zu reden und den Weg für die Hilfe- lei» ,g auszuzetgcn. Der berufenste Faktor, Hilfsaktionen für die Arbeitslosen einzulciten, ist nach wie vor der Bezirk. Aktionen, die draußen auf dem Lande von Gemeinden dnrchgeführt werden, versanden zumeist oder führen zu großen Ungerechtigkeiten an den Arbeitslosen der Nachbargrmeiuden, zudem geben sic keine Gewähr, alle zur Verfügung stehenden Geldquellen auszuschöpsen und alle Notleidenden zu erfassen. Dies« Aktionen müssen sowohl ans die Versorgung der Arbeitslosen mit Lebensmitteln als auch Kleidung und Brennmaterial gerichtet sein. Ebenso wichtig aber bleiben die Ausspeiscaktionen für die Kiiwcr der Arbeitslosen, die oft mit verhältnismäßig geringen Mitteln zu einer segensreichen Einrichtung werden. Man wird vielleicht da und dort auf den Einwand der schlechten Erfahrungen mit ähnlichen Aktionen vergangener Jahre stoßen. Man wird immer und immer wieder zu hören bekommen, daß die Not inzwischen überall so groß geworden sei, daß niemand mehr iu der Lage j'ei, den Arbeitslosen etwas zu geben. Man wird nicht zuletzt den wie blutiger Hohn klingenden Vorschlag entgeaennehmen müssen, dort anzuklopfen, wo das Gold in Haufen liege. Aber all das darf uns nicht entuittligcn, für die Arbeitslosen zu fordern. Wenn inan Helsen will, kann man nicht über theoretisch« Möglichkeiten diskutieren, dann muß man Brot, Kleidung und Kohle vcrschasscn. Das ist nur bei aufopfernder Arbeit Einzelner und der durch kluge Bcrcdtsamkeit hcrbeigcsühricn Opfer der Bevölkerung möglich. Tort wo man es versteht, in der Ocssenilichkcit die Not der Arbeitslose» und die mit derselben verbundenen Gc- fahrcir zu schildern, wird man im Nahmen der Bezirke und Gemeinden auch imstande sein, Hilfs- aklwnen für die Arbeitslosen in die Wege z» leiten; wo man ständig bestrebt ist, die große Für- soracarbeit einiger fortgeschrittener Gemeinden und Bezirke bekannt zu machen, wird niemand den Mui finden, ench diesen Aktionen in den Weg zu stellen. Deshalb nicht schweigen, nicht vergessen, sondern aufrufcn und Mitarbeiten an der Verringerung der Not nnd des Elends unter den Arbeitslosen! G Neue Verlängerung des provisorischen Aulo- mobilgcscpcü. Dem Senat wurde von der Regierung ein Gesetzentwurf betreffs der weiteren Verlängerung der Wirksamkeit des Gesetzes von» 16. Juli 1931 unterbreitet, durch welches daS internationale Abkommen über das Fahren m:t Motorfahrzeugen vom 26. April 1926 durchgeführt wird, und ein'ge einstweilige Vorschriften über das Fahren mit Motorfahrzeugen crlasseii werden. Die Vcrläicgerung erfolgt bis zum 30. Juni 1931, da ertvartct wird, daß bis zu diesem Zeitpunkt« der vorbereitete Entwurf deS deslnitivcn Gesetzes betreffend das Fahren mit Motorfahrzeugen verfassungsmäßig burchbcratrn sein und Wirksamkeit erlangen wird. „Dank Vom Hause Henlein." In den Untertitel unseres so überschriebenen sonntäaig'n Zweispalters• über den Angriff der„Hcimat- fronr" gegen Kostka, hat sich ein sinnstörender Trucksehler cingeschlichcn. Es wird wohl jeder Politische Leser von selbst darauf gekommen sein, daß wir die deutsckchemokratischen Blätter nicht als„Führer", sotwern als Förderer der„Heimatfront" bezeichne» wollte». kMderNcllslMiiictt Chaulcinps Paris, 27. November. fHavaS.) Dem mit der Kabinetssbilduog betrauten Minlster- präsidenten C h a»t e m p e ist eS gelungen, gegen 3 Uhr früh die neue französische Regierung zu bilden, die sich wie folgt zusammensetzt: Ministerpräsident und Inneres: Camille EhautempS; Justizministerium: R a y n a l d y; Außenministerium: Paul-Boncour; Finanzen: Georges Bonnet; Budget: Marchandeau; Krieg: Daladler; Marinewesen: Tarrant; Flugwesen: Pierre Lot; Leffentliche Arbeiten: P a g a« o n; Schulwesen und BolkSausklarung: de Monzi«; Handel und Industrie: Laurent-Eynae; Landwirtschaft: Q u« i l l c; Kolonien: Dalimier; Soziale Fürsorge: Lamoureux; Pensionen: D u c o s; Post: Mistler; Oesfcntliches Gesundheitswesen: Israel; Handelsmarine: F r o t. EhautempS bot gestern zwei Portefeuilles den Neusozialistrn uud zwei ander« der Zen- trumsgruppe der LinkSrepMikaner an. Im letzten Moment ergaben sich aus beiden Seiten Schwierigkeiten, weshalb EhautempS ein Kabinett bildete, welches bis auf vier Mitglieder ausschließlich auS Radikalen besteht. Von den 18 Ministern gehörten vierzehn bereits dem gestürzten Kabinett Tarrant an. Kleine„Betriebsunfälle“ bei der Heimatfront Henleins Schildknappe Dr. Brand verhaftet/ Die deutsche Gewerbe* partel bezichtigt den politischen Tnrner des Wortbruchs Dr. Vlererbl und Kalllna als geistige Väter der Heimatfront Seife 4 Dienstag, 28. November 1838 Nr. 278 Des nordens ist kein Ende! Grenelherlchte aus Konzentrationslagern Aus der Praxis der deutschen „Wahlen“ W. Ein Genosse auü Zwickau schreibt uns: Die Wahlergebnisse in unserem Gebiet sind teilweise weit über dem Reichsdurchschnitt günstig für die Opposition. Es sind Orte vorhan- den, in denen die Reinstiininen über 20 Prozent und mit den ungültigen über 30 Prozent betra- gen. Bemerkenswert ist, daß zum Teil erhebliche Differenzen zwischen Ja- Stimmen beim „Volksentscheid" und Stimmen für die NSDAP vorhanden sind, vor allem in den ehemaligen Hochburgen der KPD. Wir führen das auf Auswirkungen nationalbolschewistischer Propaganda zurück. Allgemeines Bild ist: in ehemaligen Hochburgen der SPD hohe Neinstimmen• zahl, der KPD niedrigste Neinstimmenzahl. Tas Verhältnis schwankt zwischen 30 bis 5 Prozent. Auffallend ist in den Orten, in denen die Zahl der abgegebenen Wahlscheine veröffentlicht wurde, deren große Steigerung. Sie betrug bis zu 700 Prozent. Wir konnten beobachten, daß Nazis von auswärts in großer Anzahl bei den Wahllokalen angefahren wurden. Die Wahl selbst war in den meisten Orten nicht geheim, liebereinstimmend wird berichtet, daß Späher an den Berschlägen ausgestellt waren, um zu kontrollieren. Bei der Auszählung wurden viele Neinstimmen als ungültig erklärt. In den Grenzorten unseres Bezirkes waren einige Tage vor der Wahl große Razzien mit Massenverhaftungen vorgenommen worden. Diese Aktionen schüchterten die Bevölkerung weiter ein und zeitigten eine sehr hohe Zahl von Ja- und NSDAP-Stimmen. Putschversuch in Spanien unterdrückt Madrid, 26. November. Wie aus Huesea am Südabhang der Pyrenäen gemeldet wird, ist die Polizei dort einer Personengruppe auf die Spur gekommen, die Vorbereitungen zum Umsturz der staakliehen Ordnung trafen. Sie planten Durch- schneid»ng-er elektrischen Kabel, Zerstörung'der Brücken und Besckwdigrmg der Straßen, um jeden Verkehr zu unterbinden. Die Polini beschlagnahmte-16 Bomben, zahlreiche Schußwaffen mit Mnütion, sowie Tynamitvorräte. Fünf Personen, darunter drei Frauen, wurde» verhaftet. Kriegsgeiahr in Arahien Streit um die Stadt Nejram. Bagdad, 27. November. lReuter.) Wie verlautet, Hat sich die Kriegsgefahr in Arabien durch die Erklärung des diplomatischen Vertreters Neida, daß Truppen des Iman von Jemens auf Nejram, ein Gebiet, das Gegenstand eines Strittes zwischen dem Iman von Jemen und dem König Ibn Saud ist, im Vormarsch begrif- sen sind, erhöht. Nichtsdestoweniger hat Ibn Saud noch nicht den Krieg erklärt, tveil sich seine Armee mit dem Heere des Imans von Jemen nicht messen kann. Ibn Saud sucht den Streit in freundschaftlicher Weise beizulegen. Rumänisch« Fasclsten verüben Gewalttaten. Bukarest, 27. November. Agitatoren der epiremistischen Rechtsorganisation, der sogenannten„Eisernen Garde", ließen sich in verschiedenen Öiemeinden gewalttätige-Handlungen zuschulden kommen. To z. B. machten sie in dem Dorfe Ekibaba in der Dobrudscha bei einem Zusammenstoß mit politischen Gegnern von der Waffe Gebrauch und verwundeten den Bürgernreister, den Gemeindesekretär und sechs Dorfbewohner. Hierauf flüchteten sie in einem Automobil. In Jassy errichteten 50 Mitglieder der Eisernen Garde Barrikaden und werden von Polizei und Gendarmerie belagert. Der Unterstaatssekretär des Inneren erklärte, daß die Regierung die Ruhe mit allen Mitteln Herstellen werde. Neber die Unsinnigkeit der kommunistischen Politik schreibt treffend der bekannte Publizist F. P e r o u t k a in den„Lidopü Noviny". Er sagt da: Die Hauptbedeutung der kommunistischen Partei beruht darin, daß sie die Demokratie schtvächl. Es ist dies ihr Ziel, gut. Aber wie sich überall zeigt, unterliegt die geschwächte Demokratie dem Faseismus, nicht dem Kommunismus. Das müssen sich die Anhänger des Kom- munismnS überlegen. Es kommt nicht darauf an, welches subjektive Streben sie in ihre Tätigkeit legen, sondern daraus, welche objektiven Ergebnisse ihre Tätigkeit hat. Und die sind solche, daß der Faseismus im Kommunismus den stärksten Heiser hat, denn die Demokratie muß sich nach ztvei Seiten hin wehren." Sleuerverwaltnngen auch in der Slowakei. Die Regierung hat dem Senat einen Gesetzentwurf über die Errichtung von Steuerverwaltungen in der Slowakei und Karpathorußland vorgelegt. Ter Entwurf schlägt für die Slowakei und Kar- Pathornßland eine analoge Organisation der Finanzbehörden erster Instanz vor, wie sie in den Ländern Böhmen und Mähren-Schlesien besteht, d. h., daß die Berwastung der direkten Steuern und der Umsatzsteuer in Hinkunst die St euer Verwaltungen besorgen würden, während die übrige Agenda bei den Bezirks» Uinanzdirektionen verbleiben würden. W. Berlin, im November. Schon vor einiger Zeit ist die Nachricht von dem schrecklichen Ende des Genossen Eugen Fritsch, des frü- heren Redakteurs der Plauener„Volkszeitung für das Bogtland", ins Ausland gedrungen. Jetzt sind wir in der Lage, einige zuverlässige Einzelheiten über seinen Tod zu berichten. Fritsch war zuerst monatelang in dem besonders schlimmen Konzentrationslager O st e r st e i» bei Zwickau. Tort wurde er entsetzlich mißhandelt, West er bestimmte Dinge aus seiner Redaktionszeit verraten sollte. Trotz der schrecklichen Qualen blieb unser Genosse standhaft und sagte nichts. Dar- aushin wurde er in das Lager H o h n st e in in der Sächsischen Schweiz gebracht. Dort wurde in seine Zelle ein Lockspitzel gelegt, der es verstand, das Vertrauen unseres völlig verzweiselten Freundes zu gewinnen und ihn zu einer gemeinsamen Flucht zu überreden. Dabei wurde er dann natürlich gefaßt und von den Wachmannschaften buchstäblich zertrampelt, totgetreten! Niemand durfte nachher die Leiche sehen, wie schon in so vielen Fällen braunen Mordes. Ganz allgemein ist es in den Konzentrationslagern so schlimm wie nur je. In Oster- stein haben die Mißhandlungen, besonders an den Neueingelieferten, in letzter Zeit wieder furchtbar zugenommen. Wenn die Geschlagenen nach dem großen Blutverlust, den sie oft bei den Mißhandlungen erleiden, starken Durst empfinden, dann werden ihnen Wasser und Zigaretten bingestellt— ober wenn sie danach grerfen, werden sie daran gehindert und unter Hohngelächter erneut gepeinigt. Wenn die Verwandten ihre Angehörigen besuchen wollen, werden sie mit Lügen abgewiesen— man kann die furchtbar Zugerichteten nicht zeigen. Im Filzteich bei Schneeberg im Erzgebirge wurden, Ivie zum Teil schon der Auslandpresse gemeldet wurde, kürzlich drei Leichen, die mit Stricken und Steinen beschwert waren, ge- T agesneuigkeiten 3u den Waffeuübungeu 1834 werden einberufen die Offiziere und Rottmeister der Assentjahrgange 1930, 1928, 1926 und 1924, von der Mannschaft die Afsentjahrgänge 1929 und 1927 der Qualifikation A(Dienst mit der Waffe), 8s(Wachdienst) und 8(Kanzleidienst), vom Assentjahrgang 1925 nur die mit der Qualifikation A, von der Ersatzreserve die Astentjahr- gänge 1931, 1929, 1927, 1925 und 1923 ohne Rücksicht auf die Qualifikation. Die Crsatzreserve des Assentjahrganges 1931 wird vier Wochen, alle übrigen drei Wochen Reserveübungen machen. Lynchjustiz an zwei Entführern vom Gouverneur gutgeheißen. San Jostz(Kalifornien), 27. November. Unter dem Verdacht, Brooke Hart, den Sohn eines wohlhabenden Kaufmannes, entführt und ermordet zu haben, wurden zwei Männer verhaftet. Die Bevölkerung geriet über die Tat in eine derartige Erregung, daß sie sich der beiden Gefangenen bemächtigte und sie kurzer Hand an einen Baum in der Nähe des Gefängnisses auf- knüpste. Der Gefängniswächter erlitt bei dem Angriff auf das Gefängnis leichtere Verletzungen und mußte dem Krankenhaus zugeführt werden. Als dem Gouverneur von Kalifornien die Nachricht von dem Vorgehen der Bevölkerung gegen die beiden Mörder Brook Harts übermittelt wurde, erklärte er, damit habe die Bevölkerung den übrigen Amerikanern eine Lehre erteilt, wie man mit solchen Leuten umgehen solle. Einfache Propaganda. Der große Propagandafeldzug der britischen Arbeiterpartei bringt nun jeden Tag zahlreiche Versammlungen, in denen die bekanntesten Parlamentarier der Partei sprechen. Lord Ponsonby sagte u. o., die sozia. listische Propaganda müsse einfacher und sinnfälliger gestaltet werden. Da Zeichen wie Hammer und Sichel und das Hakenkreuz so populär geworden, wähle er den fünszackigen Stern zu seinem Zeichen. Die fünf Spitzen sollten bedeuten: Abschaffung der Armut, deö Krieges, des Kapitalismus, der Vorrechte und der Unwissenheit. Lord Ponsonby fügte hinzu, er hätte gern auch noch die Abschaffung der Dummheit dazugenommen, aber er müsse gestehen, daß dies bedeuten würde, zuviel zu verlangen. Die Jugend im Schweizer Wahlkamps. Mir uns zum roten Wahlsieg gemeldet wird, hat die Arbeiterjugend von Lausanne glänzende Arbeit geleistet. Zu den zahlreichen Mitgliedern der sozialistischen Jugend stießen ganze Kolonnen junger Arbeiter, die eine äußerst aktive Propagandatätigkeit überall, wo sie auch nur hinkamen, entfalteten. Dieser Elan der jungen Garde ist um so bemerkenswerter in jenem Augenblick, wo sich gewisse„Erneuerer" anmaßen, die Schweizerjugend hinter sich zu haben oder„wek- ken" zu wollen. Bete zu Gott, aber rufe:„Heil Hitler". Der Kongreß der nationalsozialistischen Kirchenvertretungen Schleswig-Holstein hat allen evangelischen Pfarrern Anweisung erteilt, den Gottesdienst mit dem Ruf:„Heil Hitler" zu beginnen und zu beenden. funden. Einer der Toten war der frühere kommunistische Unterberirkssekretär H o o b, der vorher Tag für Tag furchtbar»nißhandelt worden war. Nach der allgemeinen Meinung der Bevölkerung dieser Gegend sollen in diesem Teich noch zahlreiche Leichen proletarischer Funktionäre, die spurlos verschwunden sind, verborgen sein. Die Verwaltung weigert sich das Wasser abzulassen, was an sich nach den Leichenfunden selbstverständlich wäre— man kann sich leicht denken, warum es nicht geschieht. Kommt in ein Lager wirklich einmal irgendeine Kommission von Journalisten, so werden vorher Potemkinsche Dörfer errichtet. Daü wissen wir ganz konkret ans Sonnenburg und Brandenburg, und in den änderet« Lagern ist eS natürlich nicht anders. In Brandenburg wurden eines Morgens olle Gefangenen zum Rasieren kommandiert, dann erhielt feder einen Strohsack, während sonst mehrere zusammen auf einem Strohsack schlafen inußten, und dann gab es ein festliches Mittagessen. Des Rätsels Lösung: eine Besichtigung. Nachher mußten die Strohsäcke sofort wieder abgegeben werden, und es gab wieder den alten Fraß. DaS furchtbare Schicksal dieser Konzentrationslager, dieser SA Kasernen, dieser Mißhandlungen, Martern und Todesqualen hängt dauernd über allen, die in Deutschland leben, ohne sich gleichgeschaltet zu haben. Es ist in höchstem Maße bewundernswert, daß trotzdem Millionen der Sache des Marxismus treu bleiben und Taufende und aber lausende in Hinderten von Städten unter stündlicher Lebensgefahr weiter für die Arbeiterbewegung tätig sind. Ein Proletariat, das solchen Mutes und solcher Opfer fähig ist, wird auch diese furchtbarste oller proletarischen Niederlagen überwinden und den Weg frei machen zum Siege der Arbeiterklasie in Dentschland und in der ganzen Welt. Uebersiedlung des Gesundheit-minifteriumS. DaS Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung ist mit allen.Ressorts sowie mit der Direktion der Staatsbäder in das neu adaptierte Gebäude des ehemaligen Armenhauses beim Hl. Dartolomäus in Prag ij., Vyöehrodskä, übersiedelt. Die Amtsstunden und Besuchsstunden beim Gesundheitsminister bleiben unverändert. Schwere Jungen. Di« von den tschechosio- wakischen Behörden wegen zahlreicher Kasseneinbrüche verfolgten berüchtigten internationalen Einbrecher, der 44jährige TischlergHilfe Wenzel L e y y, genannt der„böhmische Breitwiesrr" und der 38jahrige Hilfsarbeiter Rudolf L i b e r k a sind vom Wiener Sicherheitsbüro eruiert, verhaftet und dem Wiener Landesgericht eingeliefert worden. Chinesische Piraten überfielen einen französischen Dampfer, der aus dem.Hafen von Hongkong ausgelaufen war. Es gelang ihnen, vier reiche Chinesen zu entführen und 1000 Pfund in bar mitzunehmen. Der Anschlag glückte, obwohl die Polizei im Rundsttnk vorher eine Warnung hatte ergehen lasten, daß eine chine- fische Bande offensichtlich einen Airschlag im Schilde führe. Der 2615 Tonnen große Dampfer war sogar vor feiner Abreise von.Hongkong von der Polizei gründlich durchsucht worden. Trotz oller Vorsichtsmaßnahme« sah sich der zweite Offizier, der sich am Steuer befand, plötzlich von mehreren Piraten umringt, die ihn überwältigten und bald den ganPN Dampfer unter ihre Kontrolle brachten. Sie steuerten ihn nach Chi- lang, wo sie sich in den Besitz von Dschungken setzten, um auf ihnen mit ihren Gefangenen und ihrer Beut« das Weit« zu suchen.— Banditen brachten den sibirischen Ex, preßzug 70 Kilometer östlich von Tschitschikar zum Entgleisen. In dem Zuge befanden sich 600 Reisende. Tie mit einer Schnelligkeit von 80 Kilometer Per Stunde fahrenden Waggons stürzten vom Damme ab. In der allgemeinen Verwirrung, als die Reisenden sich aus den Trümmern des Zuges zu'befreien suchten, begannen die Banditen auf sie zu schießen. Man glaubt, daß viele Reisende getötet wurden währeird andere von den Banditen als Geiseln verschlept worden sein sollen. Ter Zug fuhr in der Richtung von Ost gegen West. Deckeneinsturz in einem mexikanischen Theater. In M« x i e o City stürzte Sonntag abends während einer Vorstellung die Decke eines Theaters ein. Zwölf Personen, größtenteils Frauen und Kinder, wurden ernstlich verseht, 60 bis 80 Personen leicht, Schlangen überfallen einen Flieger. Der Postflieger, der täglich die Verbindung zwischen der Küste und den: Innern von Nen-Guinea herzustellen hat, verspürte vor kurzem, als er sich gerade halbweyS über einer felsigen Gebirgsgegend befand, eine rätselhafte Berührung, dreht« sich um und sah neben sich einen riesenhaften Schlangenkopf. Da eine Notlandung unmöglich war, ergriff er einen schweren Schranbenschlüstel, den er dem Ungeheuer auf den Kops schmetterte. Während die Schlange getroffen zurücksank, mußte der Flieger feststellen, daß das Flugzeug noch drei oder vier weitere riesige Schlangen enthielt, die sich aber gar nicht weiter um ihn kümmerten, sondern vergnügt auf den Postsäcken und Paketen uncherkrochen. Es blieb dem Flieger nichts anderes übrig, als die Reise mit seinen unheimlichen Fahrgästen zu vollenden. Am Ziele angekommen, verständigte er durch das Fenster die Landemannschaften, die vorsichtig die Tür des Achtung! Mcherwartel Reu eingelangt: Levy.Lenz: Die Technik der Schwan, gerschastsunterbrechung, statt llr 45.— nur Ile 10.—.(Bestellnummer 102.) Max Sodann: Geschlecht und Liebe, statt Ke 64.— nur Ke 25.—.(Bestellnummer 108.) Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag II, Nekäzanka 18. Flugzeuges öffneten und die Schlangen— es waren nicht weniger als fünf Stück— nacheinander erschlugen. Todesurteil gegen eine Kindesmörderin. In Esten wurde die Ehefrau K o n z y l i a, die am 9. Dezember vorigen Jahres ihre drei Kinder im Rhe>n-Herne-Kanal ertränkt hatte, wegen Mordes in drei Fällen zum Tode verurteilt. Schachwettkampf Flohr: Botwinnik in Moskau. Die Moskauer Presse befaßt sich ausführlich mit dem bevorstehenden Schachwettkamps des Prager Schachmeisters Flohr mit dem Vorkämpfer der Sowjet-Union, Botwinnik. In einem Interview mit einem Pressevertreter erklärte Flohr, er schätze die Spielstärke der sowjetrussischen Schachmeister hoch ein. Der Wettkampf könne eventuell remis oder mit dem unbedeutenden Siege eines der beiden Partner enden. Botwinnik bezeichnete Flohr als einen der stärksten Schachmeister der Welt. Er betrachtet für seinen Teil den Wettkampf als einen Prüfstein. Dem Wettkampf wird ein außerordentliches Interesse entgegengebracht. Die Eintrittskarten für sämtliche Spieltage find vergriffen. Schachweltmeister Aljechln spielte am Sonntag in S ch l a n an 50 Brettern bei zahlreichem Besuch aus der gesamten Umgebung. Das ganze achtstündige Spiel wurde mit ungeheuerem Interesse verfolgt. Aljechin gewann 37 Partien, verlor vier und remi- sierte neun. Ein Schloß verbrannt. Am SamStag nachmittag brack im Schloßgebäude Lähn bei Hirschberg (Riesengebirge) ein Brand aus, der sich so schnell ausbreitete, daß das geräumige Schloß bis auf die Umfassungsmauern niederbrannte. Tas Schloß war etwa 300 Jahre alt und besaß historischen Wert. Die ganzstaatliche Meisterschaft im Maschinenschreiben fand- am 28. November in Olmüh unter Leitung der Handels- und Schulbehörden statt. Es veleiligten sich 59 Konkurrenten, die auf unbezeichneten Klaviaturen schrieben. Die ersten acht Preisträger erhielten Preise im Gesamtbetrag von 10.000 Xö. Im Final:, in das 16 der an dem Wettkampf Beteiligten kamen, die mit verbundenen Augen schrieben, siegte Thomas Zbokil mir 7,98 Anschlägen in der Sekunde und A. Schneeweis mit 7.01 Anschlägen. Zbokil ist unausgesetzt Meister der Republik seit dem Jahre 1930. Die Schallgeschwindigkeit im Gestein. Dr. L e e t von der seismographifchen.Harvardstation in Massachusetts hat festgestellt, daß der Schall gewisse Gesteine mit einer viel höheren Geschwindigkeit durcheilt als die Luft. Dr. Leet stellte Schallversuche mit Tynamite^plosionen an einem Granitselsen bei Rockport Massachusetts) und an einem Noritfeksen bei Sudbury(Ohio) an, nm die Elastizität und die Druckeigenschaften dieser Gesteine nachzuprüfen. Er gelangte zu dem Resultat, daß die Schallgeschwindigkeit im Granit annähernd sechstausend Meter und im Norit(einem Eruptivgestein) über siebentausend Meter in der Sekunde beträgt; sie ist also beim Granit fast sechzehnmal beim Norit sogar fast neunzehmnal so hoch wie in der Luft bei Windstille. FliegerSgattin mit Papiermachsslügeln. Eine französische Filmgesellschaft hotte May Co st es, die Gatin des weltberühmten französischen Fliegers, für die Aufnahme des„Erlkönig" in der französischen Fassung verpflichtet. Sie sollte Erlkönigs Tochter darstellen, doch gab ihr im letzten Augenblick der Regisseur eine weitere Rolle, die der.Häuptels«. Frau CosteS bekam ein phantastisches Kostüm und ein Paar prächtige silber- tvciße Flügel. Die- Flügel brachten Unglück. Madame Costes fand es unmöglich, daß sie, die fliegende Frau, die Gattin eines Lufthelden, mit lächerlichen Papiermachöe-Flügeln vor Millionen Kinobesuchern auf der Leinwand erscheinen sollte, und wies diese unwürdige Rolle mit großer Entrüstung zurück. Nun ist sie von der Filmgesellschaft auf 12.000 Franken Schadenersatz verklagt worden, da diese die Auslagen für daS Kostüm, daS soviel gekostet hat, zurückhaben will. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Mittwoch. Prag: 12.10: Schallplatte». 13.15: Schallplatte». 16,50: Kindertheater. 18.30: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Abgeordneter Wenzel I a k s ch und Kleiübauernselrelär Adolf Schmidt: Zwiegespräch:„Warum sind Arbeiter und Bauern berufen, gemeinsam die Kris« zu lösen?" Bericht vom A r b c i t s m a r k t. 1910: Französisch. 2005: Sinfoniekonzert.— Brünn: 1805: Aktualitäten der Woche. 18.25: Deutsche Sendung: Arbeitersendung: Dr. Lampl: Kamps um die Volksgesundheit. 19.10: Große Lieve, Funkspiel.— Kaschau: 18: Orchesterkonzert, frantzösische klassische Musik.— Wien: 18.10: Hygiene am Krankenbet:. 19: Unterhaltungskonzert. 20.15: Der Br'ef, Spiel von Maugham. 22.25: Tanzmusik.— Heilsberg: 1.8.25: Die Kunst des Klavierspielens.— Leipzig: 20.30: Wir musizieren. Jlr. 278 Seite 6 LkenSlag, 23. November 1CS3 Mitteilungen aus dem Publttum. lmbcn nachgewicsen, daß Kaffec- genul.l das Hungergefühl herabsetzt. Wer Kaffee trinkt, spart an anderer Nahrung und fühlt sich dabei immer frisch und wohl. Julius Wleinl Kntlcc- Import Gegr. ISO! rmwirii'iinarwrni—TntfMLp jjMarawwMwpimB in W eine Reihe anderer Senatoren und die Spitzen der Justizbehörden, u. a. auch der Gerichtspräsident, zugegen. Es ist ganz selbstverständlich, daß bei dieser Einstellung der obersten Behörden alle untergeordneten Behörden, vor allem aber die Polizei, entsprechend arbeiten. Hierfür nur ein Beispiel aus den letzten Tagen: In Christinenhos, einem Borort von Danzig, würde am 21. November ein Arbeiter in einer Ki.Sgrnbe liegend schwer ver letzt aufgefunden. Nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb er. Der Polizeibericht, der zwei Tage später ausgegeben wurde, bemerkte dazu, daß dieser Arbeiter, namens Bartsch, ein „Kommunist" sei.(Kommunisten sind nicht etwa Mitglieder der Kommunistischen Partei, sondern in dem neuen Sprachgebrauch alle diejenigen, die nicht nationalsozialistisch eingestellt sind.) Weiter wurde gesagt, daß dieser Kommunist" mit fei» von 20 Jahren wegen Verteilung von Flugblättern zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Daß unter diese» Umständen jede politische Tätigkeit der nichtnationalsozialistische» Parteien in stärkster, Weise behindert oder sogar völlig unterbunden^ wird, ist selbstverständlich. Die Danziger Verfassung billigt jedem Staatsbürger die freie politische! Betätigung in Schrift und Wart zu. Wer sich| jedoch nach dieser BerfassungSbestlmmung richtet,, wird ass Verbrecher behandelt. Bon einer freien Meinungsäußerung ist in Danzig überhaupt keine Rede mehr. Bekanntlich wurden das Organ der Zentrumspartei, btc[ „Danziger Landeszeitung" aus 8 Tage, und die, „Danziger Volksstimme" ans 2 Monate verboten, weis sie eine Rede des Persasiungssenators Greiser aus regierungstreuen Blättern übernommen! batte». Als daraus eine Petition von den betrof-l senen Verlagen beim Hohen Kommissär des Völkerbundes eingereicht wurde, wurden diejenigen, die die Bittschriften unterschrieben hatten, ins Schutzhaft genommen. Tie beiden Petenten vom, Verlag der Zentrumszeitung, der Verlagsdirektor- Kilian und der Chefredakteur Dr. Teipel.s die nicht Danziger Staatsbürger sind, stnd jetzt, aus Danzig auSgewiefen worden und sollen nach! Deutschland auSgeliefert worden sein. Das alles erlaubt man sich in einem Staate, der unter dem Protektorat des Völkerbundes steht. Am Sonnabend, den 18. November, gab die „Lodzer Volkszeitung" in Danzig eine Ausgabe ihrer Zeitung für Pomerellen heraus. Tie „Lodzer Volkszeitung" wollte von Danzig aus ein neues Verbreitungsgebiet für ihr Blatt schaffen. Ter Polizeipräsident ließ jedoch die Zeitung beschlagnahmen. Begründung: sie sei als Ersatzzeitung der„Danziger Bolksstimme" anzusehen. Diese Behauptung läßt sich jedoch durch keinen Beweis erhärten. Tie„Lodzer Volkszeitung" hat mit der„Danziger Volksstimme" absolut nichts zu tun. Da die„Lodzer Volkszeitung" ein polnisches Unternehmen ist, das von der Maßnahme Das Bertrauen zur Marke. Einer Glühlampe können Sie es als Laie nicht ansehen, ob sie gut ist. Sie haben auch nicht zu Haus« die Meßinstrumente, mit denen man sesistellen kann, ob die Lichtleistung der Lampe im Vergleich zu ihrem Wattverbrauch, den Sie laufend bezahlen müssen, so hoch ist, wie es der heutige Stand der Technik möglich macht. Der Kans von Glühlampen ist deshalb BertrauenSsache. Wenn Sie aber Lampen kaufen, die den Markennamen „Osram" trage«, dann haben Sie auch ohne eigene Messungen die Gewißheit, daß diese Lampen dem Höchststand der Technik vollauf entsprechen. 2105 Wer will unter die PhllipS-Rundfunkhörrr? Sicher jeder, denn die hören am beste». Philips- Apparate stehen immer an der Spitze! Beim Kauf eines Philips-Gerätes haben Sie die Gewähr, einen Sladioempfänger zu erhalten, der sich durch modernste Konstruktion, durch solide Ausführung und durch elegantes, geschmackvolles Aeußere auszeichnet. Sie bekommen sür Ihr Geld den größten Gegenwert! Tas diesjährige Philips-Programm umfaßt Empfänger in jeder Preisklasse, in verschiedener Ausführung — aber alle in Philips-Qualität. Hören Sie sich diese Geräte einmal an und treffen Sie schon jetzt .Ihre Wahl für Weihnachten. Jeder PhilipS-Radio- bändler kübrt Ihnen die Geräte gerne und zwanglos vor. 13S3 hervorgeht, nach dem deutschen Muster eine ‘„Volksabstimmung" inszenieren. Daß man dabei i zu denselben Mitteln wie in Deutschland, auch in I dem verfassungsmäßig immer noch demokratischen | Danzig greisen würde, ist nicht zu bezweifeln, i Um so notwendiger ist es, daß der Völkerbund in Danzig Wandel schafft und sein Prestige wie- i der herstellt, daS von einer Regierung, die einen 1 seinem Schutz unterstellten Staat verwaltet, täglich in der provozierendsten Weise mit Füßen getreten wird. »le Lage in Danzig. Die neateruna provoziert weiter den vöiherouno Der Konflikt zwischen dem Hohen Kommissär des Völkerbundes in Danzig, Rostiug, und der nationalsozialistischen Regierung ist noch nicht beigelegt, aber dessen ungeachtet glaubt die Regierung sich stark genug, sich weitere Provvka- tionen des Völkerbundes leisten zu können, der bekanntlich die Berfafsung der Freien Stadt garantiert hat. Ganz offen tvird von Mitgliedern der Regierung oder von offiziellen Vertretern nationalsozialistischer Organisationen in Versammlungen davon gesprochen, daß die Regierung tun und lassen Knute, was ihr beliebe, da der Völkerbund und dessen Vertreter in Danzig ja doch nicht eingreisen würden. So hat der Senator Hohnseldt bei einer Sitzung der RegisrungS- beamten erklärt, daß die Verfassung der Freien Stadt ein Stück Pavier sei, und niemand werde den Senat daran hindern, das zu tun, was er für gut befinde, ganz gleich, ob die Maßnahmen des Senats gegen die Verfassung verstoßen oder nicht. Dadurch, daß der Völkerbundsrat sich erst auf seiner Tagung am 15. Jänner mit den Danziger Fragen zu beschäftigen gedenkt, ist bei der Regierung und in der nationalsozialistischen Partei der Eindruck entstanden, daß der Bölker- bundsrat die vom Hohen Kommissär eingereichten Beschwerden bagatellisieren werde: Deshalb sei eS gar nicht notwendig, fick um den Garanten der Danziger Verfassung zu kümmern. Viel wichtiger sei es— so sind wenigstens die Gesichtspunkte der Nationalsozialisten in- und außerhalb der Regierung— zu zeigen, daß der Völkerbund nach dem Austritt Deutschlands absolut aktionsunfähig geworden sei. In einer Versammlung der„Fachschaft" Schnhfirmen, die sich zu 80 Prozent aus Polen und Juden zusammensetzt, sagte der Fachschaftsleiter ganz unumwunden, daß alle Schuhfirmen sich nach den Richtlinien zu orientieren hätten, die von den Nationalsozialisten herausgegeben würden. Wer das nicht tue, der habe zu erwarten, daß er die Machtmittel des nationalsozialistischen Staates zu spüren bekäme. Und wer etwa wagen sollte, sich an den Völkerbund zu wenden, der werde doppelt bestraft werden: Tenn der Völkerbund werde sich völlig passiv verhalten, und die Danziger Regierung werde es sich nicht gefallen lassen, daß man sie oennnziere. Es ist ganz selbstverständlich, daß sich ob dieser Drohungen unter der verfasfnngstreuen Bevölkerung in Danzig eine große Empörung und Erregung bemerkbar macht. Auch der VerfassungDsena t or,G reifer, hat .sich in diesen Tagen einmal wieder hören lassen, und zwar auf einem sogenannten„Kameradschaftsabend der. Fachgruppe Justiz". Bei dieser Gelegenheit sichen le sich der Verfasstingssenator nicht, ebenfalls Ausführungen zu machen, die in direktem Widerspruch zur Verfassung stehen. Er führte folgendes ans: „Trotzdem der Nationalsozialismus heute die Macht ergriffen hat, ist das Recht, um das wir Nationalsozialisten kämpfen, noch nicht geschaffen. Unser Kampf hört nicht aus bei der Abänderung des römischen Rechts, sondern kann erst beendet sein, wenn an dessen Stelle ein germanisches Recht getreten ist. Schon jetzt gibt es eine Reihe von Richtern(!), die. Verständnis für dieses Gefühl der jungen Generation haben. Der augenblickliche Kamps geht darum, ob die Unabhängigkeit des Richters bestehen soll oder nicht, o. h., ob die Objektivität des Richters oberstes Gesetz bleiben soll. Im parlamentarischen und Parteisystem ver- langte man mit Grund Objektivität. Im totalen aaionalsozialistischen Staat muß an Stelle des objektiven Rechts das subjektive Recht des nationalsozialistischen Staates tre- t e n(!), denn die nationalsozialistische Weltanschau- nng ist nicht auf objektiver Betrachtung ausgebant, sondern auf subjektiver Bejahung. Es muß im nationalsozialistischen Staate auch ein nationalsozialistisches Recht geben." Der Verfassungssenator nimmt sich also heraus, im Gegensatz zu der vom Völkerbund garan- «erten demokratischen Versasiung des Freistaats den totalen nationalsozialistischen Staat ohne weiteres und ganz öffentlich proklamieren zu kön- nett. Daß damit eine Verhöhnung des Völker- bnudes vorgenommen werden soll, braucht wohl bei der ganzen Mentalität dieses Versassungs- senators, der sich immer mehr oder minder offener zynischer Bemerkungen über die Genfer Institution bediente, nicht noch besonders hervorgehoben zu werden. UebrigenS waren bei diesem „Kameradschaftsabend der Fachgruppe Justiz" IS4 ttiiouicter in der Müiiüc Das erste Flugzeug mit einem Landegestell, das während des Fluges zur Verminderung des Luflwiderstaiwes eingezogen werden kann, wurde in den Dienst der Holländischen Luftfahrt gestellt. Volkswirtschaft und Sozialpolitik x*.•• gg• J l•« r>|i r j..,. II•*»lill h u n g im Odborovy dmn. T.. I. l. Di- nStag, den 28. November 1933, Bumer Abend im Heim der L. I. n. Beginn 8'.ihr zweite»Riug^-Abeud zeigte unser Orchester auf voller Höhe, zu grandiosen Aufschivüngen geführt. PHILIPS Beifchnaen Sie die Schaufenster der Radi jöndlerl Grotte- Rad io-Ausstellung Im Phlllps'Pavillon auf der Prager HstmlmeH». >, unsere Ansichten über das Theater helfen. L. A. Der am Samstag von A z 611 Großartig Prohaskas Wotan, stimmlich, gesanglich und darstellerisch ideal zu nennen. Alles andere in weitem Abstand: Frau Kinder m a n n, eine schauspielerisch eindrucksvolle Fricka, Frau Merker, eine Brünhilde mit sauberer GcsangSlinie, aber ohne tiefere Wirkung, Fräulein K o n e tz n i, erstmals als Sieglinde, trotz einzelnen schön gesungenen Stellen und trotz dem imposanten„hehrsten Wunder",, noch unfertig, Herr Fischer als Siegmund über- dellamierend, reißend und stoßend. In Ton und Geste überzeugend der Hunding An d e r s e n s. Am Walküren-Enscmble gab eS trotz musikalischer Sicher- heit keine Harmonie, sondern eine Art Minderheitsregierung dreier guter Soprane(Walter, Rohne, Rid>) gegen fünf teilweise unzulängliche Altistinnen. Darunter befanden sich zwei Gäste. Dafür waren zwei Sopranistinnen des Ensembles unbeschäftigt. Obzwar wir an fünfzehn(9 Regisseur« und Herren mit Rcgieverpslichtungcn haben, war laut Theaterzettel niemand für die etlichen szenischen Verstöße verantwortlich. Unerforschliche Ratschlüsse... Ter reiche Beifall galt vor allem Prohaska und dem Dirigenten. L. G. Die Brünner sind sind Kämpfer, mit und so was behagl TaS Unentschieden arezusehen, di« ihre ■krgefMMr Sport. DSV. Brünn gegen DFL. Prag 1:1(1:1). Nach all den Jammcrberichien über den Staats- amateurmeister in der letzten Zeit ob s:iuer Mißerfolg«—„unerhörte Nervenprobe" u. dgl. m.—, hätte man nun erwartet, daß nach der„so spontanen" Sicherstellung deS Klubs«In etwas besseres Spiel gezeigt werde. War in Brünn der Platz auch noch mit daS Uebel, so fiel daS in Prag ja weg. Tas diesmalige OberNasse^Spiel der„Meisters" erweck!« aber den Eindruck, als ob der Gegner der Titelhalter wäre. Bel den Brünnern Agilität, Kampf um den Ball, geiviß hart, aber doch nicht roh— und beim DFC.: Lethargie, als ob man schon froh wär«, wenn die 90 Minuten vorbei sind. Die großen Hoffnungen, die Brünner so im Spazierengehen„erlediget zu können, erfüllten sich nicht.~~ kein« großen Techniker, aber sie einem frischem Zug nach vorn den elf Stars vom THE. nicht, ist als«in Erfolg der Brünner besten Leute im Tormann und der rechten Angriffsseit« hatten. DaS einzig« Prosi-Ligaspitl der erstenKlasse fand Sonntag in Brünn statt. ES war das Wiederholungsspiel zwischen Lidentee und Viktoria Lirkov, das einem knappen, aber vrbdienten 2:1« (1:1)-S:eg der Brünner brachte.— In der zweiten Ligaklasic schlug 6AFC. mit 6:3(4:2) Slavoj 2ikkov. Sonstig« Fußballergebniss«. Prag: SK. Libeü gegen AFK. Kölln 4:4(8:2), Sportbrüder gegen Union 2ikkav ü: 1(2:1).— K l a d n o: BohemianS gegen TK. 8:0(0:0).— Pilsen: Slavko Prag gegen Viktoria 3:0(1:0), Olvmpia gegen 8K. 6:1(1:1).— Budw« iS: DFC. gegen Meteor 5:2(8:2).— Karlsbad: KFK. gegen Sparta 4:2(1:1).— Komotau: DFK. gegen Schwalb« Brüx 2:1(1:0).— T«plitz: DSV. Saaz gegen TFK. Profi 1:1(1:0).— Gablonz: BSK. gegen Fortuna 1:1(0:0)!— Reichen berg: DSV. gegen DFK. Rumburg 2:1(l:0).— Warnsdo(f: WFK. gegen TSV. B.-Leipa 5:8 (3:1).— Budapest: FerencvaroS gegen PhöbuS 4:3, Hungaria gegen FC Szeged 3: 2, Ujpest gegen Kispest 4:1.— Wien: Adnrira gegen AÄK. Stockholm 8:0(0:0), Rapid gegen 2. Liga-Team 8:1 (8:0). Wacker gegen Libertas 2:1(1:1), Donau gegen Fav. SK. 2,: 1(1:0), Sportklub gegen Ha- koah 2:1(1:0).— Brüssel: Dänemark gegen Belgien 2:2(2: l). stuleS Romains „T r. Knock oder Triumph der (in der dei«Ischen Ucbersctzung Big» nt ist eine zeitlose glänzende nur aus die Medizin, sondern aus die Ter Gegensatz und schlan- Bcreinstheater. Zeit das Prager DereinS- thca le r seine Zelte im neuen„Uran a"Hause oufgelchlagen Hal. ist es sichtlich doppelt bemüht, Gutes zu bieten: in der Wahl der Stücke sowohl als auch in ihrer Darstellung Das bewies der letzte Theaterabend am Sonntag, dem man gut gespieltes gutes Theater dankte Tenn Lustspiel Medizin" von Benno Satire nicht dünkelhafte Wissenschaft überhaupt, zwilchen ehrlich beschränkter Theorie raffinierter Praxis kann kaum überzeugender, aufgezeigt werden als in di ei em Stück, das so erheiteritd echt wirkt, weil es uns das wirkliche Leben im Spiegel des Spottes zeigt. Der Wahlspruch ,,Tir Welt will Täuschung, also werdc sie getäuscht" paßt auf olle Berufs- und Lebensfragen, in denen tvenigcr die Tat als de'' Erfolg maßgebend ist. Das Lustspiel auf den richtigen satirischen Ton gestimmt zu haben, war das besondere Verdienst seiner Aufführung Gleich das erste Szeneubild entsprach in seiner von Ewald Schindler bewirkten naiven Ausmachung dieser Ausfasiung. Und auch die Darsteller fanden alle die entsprechende Haltung: Egon T o r n als überlegener Dr. Knock, Anion Beck als einfältigehrlicher Dorfarzt, Franz Bäumel als witzblattechter Dorstchulmcifter, ferner Dr Weichert Beppo 2er Adjutant seiner Hoheit. Daß man in Prag einen de u tschspra chi- gen Film h e r g e st«l l t hat, ist gründ ytzl'ch un) nachdrücklich zu begrüßen Und gerade heute Zeichen des BohkottS gegen den reichsdeutschen Film ttnd der Ausfuhrbemühungeu unserer beimstche» Filmindustrie darf man wünschen: daß sich des«» Vorgatrg noch oft wiederholen möge. Daß mar, einen tschechischen Film verdeutscht und dem:rof aller UebertreibungSsucht immer• wieder iesjciud-v Vlasta B u r i a n di« Mögk'chkeit gegeben hat, leint verhaspelten Reden in unserer(auch dazu vorzr-plich geeigneten) Sprache zu führen, kaitn gleichfalls Zu- stimmung siirden. Zu bedauern ist Nur, daß man einen keineswegs geistreichen, mangelhaft ausgebau- ten,'' an Unwahrscheinlichkeiten überreichen und im gatrzen recht wertlosen Film zum Gegenstand der Verdeutschung gemacht hat— und daß die(ehe- maligen und derzeitigen) Mitglieder des Prager deutschen Theaters, die neben Burian und dem süßlichen Liebespaar F u e t t« r e r—T Heimer dat Ensemble bilden, auch im Film thcaterhast bleiben, so daß ihr Erscheinen auf der Leinwand des Urania- KinoS kaum mehr als ein LokalevoigniS bedeutet. —eis— Lederer, Dr. Bing. Hans Wolter, Irma Fleischer Margot Schneider-Sling. E. I. Gputier gestorben. In Paris starb plötzlich infolge eines Herzschlages im Alter von 64 Jahrs« einer der bekanntesten französischen Schauspieler und Regisseure Firmin Gämier. Er mar seit dem Fahre 1908 Schauspieler und schuf zahlreich« Rollen des klassischen und des modernen Theaters. Im Fahre l!>06 war er Direktor des Antoine-Theaters und leitete in den Jahren 1921 bis 1030 daS zweite staatliche Schauspielthcatrr Odeon. Gämier war Vorsitzender der internationalen Schauspieler-Federation.. Konsequenz des christlichsozialen Antisemitismus. Di«„Deutsche Presse" rieb sich vor kurzem in einem antiscinatischen Hetzartikel über das Prager deutsche Theater auch an dem„jüdischen Wiener Glasermeislcr" im„Dreimä-derlhauS'. Den spielt Herr Dudek. Von ebendiesem behauptet die „Deutsche Presse" am Sonntag in einer Kritik über „Dreimal Hochzeit", daß«r„d en G o,y d o ch.'n i ch t pcrleugueu kann". Herr Dudek wir- zweifellos m't Humor zur Kenntnis irehmen,.dass er. e§, also der„Deutschen Presse" auf keine Weise recht machet; kann. NnS geht es ähnlich mit. dem ehemaligen christlichsozialen Minister M a y r- H a r 1 i n g: für «inen klerikalen Führer ist er.uns zu jüdisch, für einen Juden zu katholisch. Wochenspielplan des Neue» Deutschen Theater-. Dienstag 6i/> Uhr:„Siegfried"(A. 1.)— Mittwoch 7t/ 2"U^r:„Dreimal Hoch;«! t."(B 1.) — Tonnerstäg 7h(, Uhr:„D i« f ü n s F ra n k fu r- t er."(C 2.)— Freitag 7t/, Uhr:„D« r Wider- s p e n st i g e n Zähmung""(D 1.)— SaMStag 6t^k, Uhr:„G ö 11 e r d L m m e r u n g."(B 2.). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. TienStag 8 Uhr:„Dreimal Hochzeit."— Mittwoch 71ft, Uhr:„D«si räe", Erstaufführung:— T0N7 nerstag 8 Uhr:„H ö ch st e E i s e n b a h n."—Freitag 8 Uhr:„Trsirär."— TamStag 8 Uhr: ^.Dreimal Hochzeit." Eishockey. Wie n: LTC. Prag gegen WED. 2: l> (samstag). MaNand: HC. St. Moritz gegen 2- 2; Schweizern spielen die„ausge- ichalleten Bruder Ball(ehemals Berliner Schlitt- schuhklub). Poris: Frankreich gegen Deutschland 2:1.■' zehn Jahre schweren Kerkers für Hartmann. Di« gesetzlich« Höchststrafe verhängt. Prag, 22. November. Das Bsweisper. fahren, das gestern begonnen und heute fortgesetzt wurde, brachte so eindeutig« und«rdrül- kende Beweise gegen den Angeklagten, daß mgn von einem so gewiegten Kriminellen eigentlich ein, wenigstens teilweises, Geständnis, hätte erwarten sollen. Aber Hartmann, der alS Kenner des Strafgesetze- wohl wußte, daß es hier im Sinne der einschlägigen Paragraphen um einen Strafsatz von fünf bis zehn Äabr« n geht ünd er also verhältnismäßig nicht allzu viel riskiert«, hatte sich offenbar entschlossen, alles auf eine Kart« zu setzen und leugnet« konsequent alle ihm zur Last gelegten Straftaten. Er mußt« also Punkt für Punkt durch Zeugen und ander« Beweismittel überführt werden. So wiesen z. B. die Sachverständigen au- dem Waffenfach die im Hrdlokezer Konsum aufgefundene Patronenhülse dadurch als zum Revolver des Angeklagten gehörig nach, daß sie di« Spuren des Schlagbolzens auf dem Boden der Patron« durch ein starkes Vergrößerungsglas genau untersuchten. Da jeder Schlagbolzen charaktertfffche Merkmal« am Patronenbvdcn hinterläßt, konnte einwandfrei nachgewiesen werden, daß tatsächlich der Revolver he- Angeklagtem zu dem Hrdlolezer Mordversuch ge- braucht wurde, ganz abgesehen davon, daß ihn drei Zeugen mit vollster Bestimmtheit indcntlfizleren. So wurde Punkt für Punkt da- ganze Beweis- thenra abgewickelt. Nach Abschluß des BaweiSver- 'ahrens legte der Gerichtshof den Geschworenen nach längerer Beratung insgesamt 28 Schuldsragen vor. Zwei Hauptfragen betrafen daS Verbrechen des versuchten Mordes, zwei weiter« daS Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit, iechS Hauptfragen hatten di« verschiedenen Einbrüche zum Gegenstand und die letzten zivei di« ll« b« r tr c t u ng gegen daS Waffenpatent und die der verbotenen Rückkehr, denn der Angeklagte ist auf immer a u S Prag ausgewiesen. Dazu kommen di« entsprechenden Neben fragen, welche die Qualifikation, der einzelnen Delikte betreffen. AuS dem PevsonalauS- weiS des Angeklagten ergab sich, daß dieser 27 schwer« Vorstrafe» hat, darunter eine zehnjährige Kerkerst ras« wegen Mordversuches. Welchen Eindruck die Geschworenen von dem Betveisversahren gewonnen haben ergibt sich aus,der 'ektcnen. E>"he i t li chl« i t deS Wa h rspr u.- ches. Sämtliche 28 Fragen wurden mit allen zwölf Stimmen bejaht. Der Gerichtshof verkündete gegen zwei Uhr daS Urteil, durch welches Josef Hartmann in allen Punkten der Anklage Ichuldig erkannt und zu zehn Jahre» schwere» und verschärft«» Kerkerverurteilt wurde. DaS Gericht hat also in Ansehung 1 der zahlreichen erschwerenden und des abso- 1 luten Mangels mildernder Umstände über 1 den Angeklagten die höchste nach dem Gesetze zu» 1 lässige Strafe verhängt. Ter Verurteilte geriet - keineSwgS außer Fassung, sondern meldet« sogleich - mit großer Sicherheit NichtigkeitS- > belchwerde und Berufung an rd. NUR EUROPAS GRÖSSTES RADIOUNTER NEHMEN KANN EINEN WERTIGEN EMPFÄNGER Ausgedehnte Forschungen und durchgreifende organisatorische Vorbereitungen waren erforder lich. Es bedurfte einer dreijährigen Planarbeit, um . die hohe Qualitätsstufe des neuen„PHILIPS 834 A" zu erreichen. Aber der Erfolg des„Super-Induetance"-Prln- zipes hat sich auch neuerdings und noch Oberzeugender bestätigt. Und ebenso ist der Beweis dafür erbracht, daß wir mit der Entwicklung der„Super-lnductance'’-Apparate gegen alle übrigen Konstruktionsprinzipien das Richtige getroffen haben. So konnten wir einen Empfänger schaffen, wie er in dieser Gediegenheit zu so niedrigem Preise bisher noch nie geboten wurde. Zwei Knöpfe genügen für die ganze Bedienung! der eine für die Abstimmung, und der andere ist der Lautstärkeregler und Netzschal, ter. Eine einfachere Bedienung Ist überhaupt nicht denkbar. Der hörbqre Beweis der Leistungsfähigkeit des„PHILIPS 834 A" ist seine tadellose Wiedergabe durch den vorzüglichen elektrodynamischen Lautsprecher. Sitnitüit: eicgftiet Inl- l»t f 1110! 1 e• t: Cilbelm S t e k s«t.— SmewsstHA«'MfbaHeuzr 9t M etssiji.»w«.- Dank! JUtt*«.3». Ht H-It»«- mb Buchdr»«. Vms?- gür ten»ruck wuntvotlllä: Otts ö°M. Bus- Lu AdiuxgSmorl'nlianlsMr evtOt wn tn Pos-» Idroropbenstteltiim ml,«tlak»r a.HmvilMM®«ju|Sbi»m«iuisea: Bd 8»mllu», t*S«au«: obet^kd durch du«»uuUlch Li l».-. ulendtädltich U U.-, kaU|<4ti4 K< 96.—.«onsiitds U UB.—*— I«|e«u wtcXi laut Xatif bifliak dartchius. Cd Stur,» Ciufifealtuaau Vutsmachlatz.— SiLcklltlluu,»au RauustriptSH sqalcht tu tut Emjeuduu, der Retoucmatlc«. Un tre Ardeitervorstellunzen galten heuer bisher durchwegs gut gewählten Stücken von künstlerischem Niveau: sowohl mit der Wahl von Speyers wert- und wirkungsvollem Schauspiel „Ein Mantel,«in Hut, ein Handschuh", als auch mit Shaws satirischer Komödie„Pvgmalton", hat man die bestmöglichen Griffe in das zur Verfügung stehende Schauspiel-Repertoire getan: und„Mamsell Nitouche" ist bisher zweifellos die einzige gediegene Operette der Spielzeit. Erfreulicherweise reihte sich diesem Programm am letzten Sonntag eine ganz ausgezeichnete Aufsührung des„B a r b t c r v o n Sevilla" an, der das volle Haus musikalisch entzückte und durch den lebendigen Junior auf der Szene in die allerbeste Stimmung versetzte. Das O r ch c si c r musizierte ilrov zweier vorausgegangc- ner anstrengender„Ring"-Abende!) unter Kapellmeister Schicks sicherer, ambitionierter und einfühl, samer Stabführung prachwoll— es geht also auch ohne Gastdirigenten und ohne dessen ganz antibusso- neSken Tempi-Bcrschleppungcn... Frau E t s! n g c r enthusiasmierte durch die Süße und Kultur ihrer Stimme und durch den Charme ihrer kleinen Persönlichkeit, Hagen konnte sich wiederum als Liebling auch unseres Publikums bestätigt finden und Band!er trug am mristen zu einer Lustigkeit bei, die selbst seine Kollegen ergrisj. R i a w e c setzt sich allerdings trotz seinem kunstvollen Gesang kaum durch: zu vorsichtig und fühlbar auf die Tonbildung bedacht, läßt er seine darstellerischen Mängel noch stärker hervortrctcn. Stimmlich kräftig der Basilio des Herrn Andersen;(aber vor allem darstellerisch war Herr Reiter weit bester für diese Partie geeignet, die er jahrelang mit unumstrittenem Erfolg sang; jetzt geht er spazieren, und mit ihm Herr Bender, der in einem Wc«be(!)-Konzert mit der Berleumdungsarie hcrausgcstcllt wurde, bisher aber weder, den Basilio noch sonst etwas(mit Ausnahme einer einzigen kleinen Parti«) sang! Allen, einschließlich des Chors, gebührt herzlicher Tank jür diesen Nachmittag schöner und guter Heiterkeit. An Ort und Stelle gab es BeifallSsalvcn. Tie so erhöhte Werbekraft der Arbeitervorstcl- lungen wird demnächst dem„Treimäderlhaus" zugute kommen; das ist nun gewiß nicht nach unserem Gc- schmack, aber cs erübrigt sich jede Auseinandersetzung darüber, da derzeit der Spielplan in allen drei Genres die Wahl einer einigermaßen wcrwvllcn und zugkräftigen Vorstellung unnröglich macht. So daß eS also auch im Interesse unserer Arbeitervorstellungen und im Ausgabenkreis ihrer unmittelbaren Veranstalter-liegt,~ MMM durchsetzen zu assss^