13. Sobrqano. Dienstag, 5. Dezember 1033 Nr 284. Englands Arbeltsiosen- riner: r.rsooii Sine halbe Million weniger als vor einem Jahr. London. 4. Dezember.(Meuter.) Nach dem letzten Ausweis wurden in Großbritannien 2,288.817 Arbeitslose gezählt, d. i. um 18.736 weniger, al» am 23. Oktober und um 519.789 weniger, als in der gleichen Zeit des Borjahres. vormMürlsdie krrlelmmz in Dculsditond Röhn,„l o ck t" mit Abzeichen. Berlin, 3. Dezember.(Wolss.) Der Ches des Stabe» der AS.. Minister Röhm, erlägt unter dem 2. Dezember 1933 folgende Anordnung:„Der neue Staat verlangt ein wider» ftandsfahigeS harte» Geschlecht. Neben der weltanschaulichen Schulung deS Geistes mutz eine kämpferische Schulung des Leibe», durch einfache, nützliche und natürliche Körperübungen gefördert werden. Um dem Streben der Jugend vermehrten Anreiz und Richtung zu geben, verfüge ich für die gesamte SA. einschlietzlich aller unterstellten Gliederungen die Schaffung eine» SA.-Sportabzeichen», welche« nach Ab- schlutz einer gewissenhaft dnrchgesüftrten AnSbil- dunaSzeit durch Ablegung einer Leistung»- Prüfung erworben wird. Um der Verantwortung der SA. als Garant des neuen Staate» für die Pssege wehrhaften Geiste» der Jugend in allen Teilen de» deutschen Volke» bewußten Ausdruck zu verleiben, bestimme ich ferner, datz diese» SA.-2nori-Abteichen auch von Nichtangehörigen der SA. erworben und aetraaen werden darf, sofern sie rassisch und weltanschaulich den M-mastigen DorauSsetzitnaen entsprechen. D»e Erlaubnis zum Tranen wird nur von besonder» bestimmten SA.-Führern erteilt werden." «eine ttcditemchrhcit in Spanien llliiHM Erganzungswahien bringen der Linken bisher 32, der nilte 26 und der Rcditen 23 neue Mandate Madrid, 4. Dezember. Die engeren Mahlen in das spanische Parlament fanden gestern unter verhältnismäßig schwacher Beteiligung der Bevölkerung statt. I Heute nachmittags gab daö Innenministerium die bisher bekannten 81 Resultate— von insgesamt 95— bekannt. Demnach erhielten die RechiSgrupPen 23, die Gruppe der Mitte 26 und die Linksgruppen 32 Mandate. Bon den letzteren entfallen 29 Ma ndate aus die Sozialisten, zwei ans die Radikalsozialisten und eins auf die Kommunisten. Bon den 26 Mandaten der Mitte entfallen 28 ans die Radikalen, fünf ans die Konservativen Republikaner und eins aus die Unabhängigen Republikaner. In Madrid wurden 13 Sozialisten und vier Kandidaten der Rechten gewählt, demgegenüber siegten in den Provinzen die Rech!» Parteien. Nach diesen Resultaten haben die engeren Wahlen den Erfolg der Rechten bestätigt, doch ist eö den reaktionären Gruppen nicht gelungen, die von ihnen angestrebte und ertvartcte Mehrheit im Parlament zn gewinnen. Zusammenstötze wurden bisher nur aus den i explodierten in der Wahlnacht vor zwei grotzen Provinzen Burgos und Mureia gemeldet. Kafseehänsern Bomben, welche grotzen Sach- Dori gab e» zwei Tote und sechs Verletzte. In schaden anrichteten. Im Madrider Kasino wurden Bareelona und Umgebung ist das Militär durch SteinwÜrse zahlreiche Fensterscheiben zer« in Bereitschaft; in Sevilla und Granada trümmert. In einem Vororte wurde aus einen beschlagnahmte die Polizei Massen in Geschäften Auto:" ein Anschlag verübt und der Eigentümer und bei zahlreichen Privaten. In M a d r i d s de» Magens erschossen. Sonntag abends wurde in ganz Spanien der Ausnahmezustand verhängt, wodurch die Regierung insbesondere der anarchistischen Bewegung u. a. in Barcelona begegnen will. Dort sind die Verhandlungen über, die Bei, legung de» Transportarbeiterstreiks sehtgcschlagen. Im Stadtteil Hogta explodierte eine Bombe in einem Elektrizitätswerk. Ein A u t o b u ü, der trotz des Streiks ausgefahren war. tourde von den Streikenden Überfallen und in Brand gesteckt. In Tarrafa hat die Polizei eine geheime Zusammenkunft von Extremisten our- gehoben und 46 Personen, darunter bekannte Anarchisten, verhaftet. Ter Generalgouver« neur hat die Berhaftung der Anarchisten und die Schließung der roten Getoerkschaften angeordnet. Die Befürchtungen, datz in der Nacht aus heute große Unruhen und Ausschreitungen sich ereignen würden, haben sich nicht bestätigt. Tie Situation hat sich vielmehr im Lause des Tages nicht nur in Madrid, sondern auch in den Übrigen Städten Spaniens weitgehend beruhigt. Der Arbeitet amerad Berlin, 4. Dezember. Wie bad BDZiBurö meldet, hat der Leiter der Werke in Essen, Tr. Krupp von Bohlen und H a l l b a ch, seine Anmeldung als Emzelmitglied in der Deutschen Arbeitsfront vollzogen. Lhwlnow-FHassoMnl „sehr herzlich“ R o m, 3. Dezember. lStesani.) Der italienische Regierungschef empfing heute mittag im Palazzo Venezia den sowsetrussischen Volkskommissar sllr Auswärtige Angelegenheiten Litwinow und hatte mit ihm eine längere, sehr herzliche Unterredung. Mussolini und Litwinow erörterten gemeinsam die Fragen der internationalen Volitik und im besonderen diejenigen, die beide Länder, Sowjetrufland und Italien, unmittelbar berübren. Sie erwogen weiterhin die Möalichkeiten einer Beklernng der allgemeinen politischen Laoe im Geiste de» kürzlich gefchlos- scncn italienisch-sow'etrnssischen Freundschaft»« vertrage» und beschlossen, möglichst bald den Austausch der Ratifikatiousnrknnden vornehmen zu lassen. Mussolini gab gestern zu Ehren seine» Gaste» ein festliche» A b e n d e s s e n, an welchem der sowseirtissische Botschafter mit seinen Beamten, d«r SenatSprasident, einige Minister und Unterssaat»- sekretäre sowie andere hervorragende Persönlich-! leiten teilnahmen. »allen entlädt weibliche Staateongestcllic Rom, 4. Dezember. Durch ein in der„Gazette Osficiole" veröffentlichtes amtliches Dekret werden alle Zweige der Staatsverwaltung ermächtigt, die grauen au» den Wettbewerben für Staatsanstellmigen nach dem Gutdünken der be- treffende» Amtsleitnng auSzitschalien/ bczw. die Anzahl der weiblichen Angestellten en'sprechend einzuschrönken. Sc' zntirteden Wed An» der Stadt de» Vatikan», 4. Dezember. Papst PiuS Xl. erklärte gestern. Pflicht eines leben sei, die Bürden, welche die Wirtschaftskrise auferlegt, geduldig zu tragen.| Koalition zwischen Wanern und Radikalen? Die Repräsentanten der Partei der republikanischen Linken haben beschlossen,.ihre Vertreter in der Regierung abzubernsen. Die Demission dieser Minister— es handelt sich um die Minister für Handel, Verkehr, Marine, öffentliche Arbeiten und AeutzereS— würde den Eintritt einer vollständigen Kabinettskrise bedeuten. Ministerpräsident Martinez Barrio» erllärie nachmittag« zu Journalisten, datz die Re- gierung nicht zurücktreten werde, sich vielmehr Freitag der neuen Nationalversammlung vorstellen wird. Erst dann werde sie demissionieren. In Parlamentskreisen und in der spanischen Oessentlichkeii wird allgemein der Führer der radikalen Partei und Hauptrepräsentani der Mitte L e r r o u x al« zukünftiger Ministerpräsident bezeichnet. Er wird, wie es heitzt, die bedeutendste Partei, die der gemäßigten Rechten angehörige Agrarpartei, dessen Führer Martinez de Velaseo ist, um ihre Mit- .arbeit ersuchen. Chautemps’ Finanzvorlage wird zusammengestrichen Leon Blum kündigt Gegenvorschläge an Pari», 4. Dezember. Der Finanzausschuß setzte heute den ganzen Tag die Behandlung der Regierungsvorlage fort und nahm an ihnen vielfach Acnderunaen vor. Er nahm insbesondere an zahlreichen indirekten Steuern Str ei chungen vor. Der Vorsitzende des sozialistischen Klub« Leon Blum kündigte an, datz die Sozialisten der Kammer eigene Gegenvorschläge auf dem Gebiet der Finanzen vorlegen werden. Renaudel-Partel gegründet Union Jean JaureS. Paris, 3. Dezember. Heute sand die eigentliche GründungSkonserenz der Ncusozialisten statt. Die Partei hat definitiv die Bezeichnung „Partie socialiste de France Union Jean I a u r e s" angenontmen. Der Kongreß genehmigte die Parteistatuten und definierte die hauptsächlichsten politischen Prinzipien sowie die Eine Deputation der ZeutralgewerkschaftS- verbände der Staatsbeamten überreichte der sozialistischen Partei ein Ultimatum, in welchem sie fordert, daß die Staatsbeamtengehälter unberührt bleiben und daß keine Staatsbeamtenentlassungen vorgenommen werden. Die Sozialisten beabsichtigen, wie es heitzt, diese Forderungen neuerlich im Kammerplenum zu vertreten. Taktik. Er erklärte: Die Sozialisten in Frankreich dürfen bei der. gegenwärtigen inneren und auswärtigen Situation nicht gleichgültig bleiben, sondern müssen mit den fortschrittlichen Parteien der finanziellen, wirfschastlicheÜ,Ünd militärischen Sicherung Frankreichs zusammrnarbeiten. R e.- naubei berief sich auf das Beispiel Jaure» und in letzter Zeit aus das Beispiel de» Vorsitzenden der II. Internationale Vandervelde, die beide die Notwendigkeit der Sicherung der Verteidigung des Staates betont haben. 8« tite Textilarbeiter! Wir haben erst vor einigen Tagen auf die schwere Krise unserer Export« i u d u st r i e hingewiesen, die uns als deutsches sozial dem olra tisches Blatt insofern besonders interessiert, als die deutschen Arbeiter dieses Landes am meisten leiden. Mit dieser entsetzlichen Not der deutschen Art»c!tersci)ast dieses Landes muß man die politische Oefsent« lichkeit immer wieder bekannt machen, tveil die Schlvere der Krise, unter der die int deutschen Gebie: befindliche Industrie leidet, noch imnter viel zu wenig gewürdigt wird. Heute wollen wir aus dem düsteren Gemälde deutscher Arbeiternot in der Tschechoslowakei einett Ausschnitt zeichnen, der sich auf die Textil- arbeitet' bezieht. Bon dem Umfang der Krise in der Tex tilindnstrie empfängt mau vielleicht aut besten dadurch einen Eindruck, wenn man be- rücksich.igt, daß im Durchschnitt der Jahre 1924 bis 1930, also nicht nur von Konjunktur-, sondern auch von Krisenjahren, monatlich Textilwaren im Wert von rund 543 Mil' linnen Kß ausgeführt worden sind. Diese monatliche Ausfuhr sank im Jahre 1931 auf 416 Millionen, im Jahre 1932 auf 208 Millionen, nttd ist im Jahve 1933(Jänner bis Oktober) auf 136 Millionen gesunken. Unsere Textilansfuhr macht also im Monat nur 23 Prozent der Durchschnit.sauasnhr von 1924 bis 1930 aus, mehr als drei Viertel unserer Textilansfuhr sind verloren gegangen. Die Folgen dieser furchtbare» Entwicklung für die Textilarbeiterschaft sind katastrophal. In der gesamten Textilindustrie der Tschechoslowaki scheu Republik gab es Ende Oktober d. I. 117.675 vollarbeitslose Menschen. Leider nmß man feststellen, daß nicht einmal diese Zahl der Wirklichkeit entspricht, weil sich vielfach Textilarbeiter, die schon seit Jahren arbeitslos sind, sticht mehr in den Arbeitsvernüttlungsämcrn melden, nttd weil darin nicht die.Kurzarbeiter berücksichtigt sind. Die(legenden, in denen ein Großteil der Bevölkerung bisher von der Textilinditskrie gelebt hat, sind vollständig verarmt. So gab es Ende Oktober im Bezirk Riährisch-Schönberg 611.0 arbeitslose Textilarbeiter, im Bezirk Hohenelbe 4860, im Bezirk Rumburg 4155, wozu noch 2613.Kurzarbeiter treten. Im Ascher Bezirk gab es 4016 Arbeitslose, im Bezirk Kratzau-Grottau 3558 vollständig Arbeitslose und 1742 abwechselnd aussetzende Textilarbeiter. In Traiitenau gab es 3605 Arbeitslose, im Schluckenauer Bezirk 3079 Vollarbeitslose neben 872 Kurzarbeitern. Der Reichenberger Bezirk hatte Ende Oktober 2984 Bollarbeitslose, der Bezirk Zwittau 2335, der Bezirk Jägerndorf 2118. Es ist ein erschütterndes Bild, das nran aus diesen trok- kenen Ziffern gewinnt, ein Bild, das von namenlosem Elend, Hunger»nd Verzweiflung spricht, vom fürchterlichsten Unglück von Männern, Frauen und Kindern, einer entsetzlichen Katastrophe für die Bevölkerung, für die deutsche Volkskraft, für die deutsckte Volksgesundheit. Unsere Gewerkschaften sind mit aller Kraft bestrel't, der furchtbaren Not zu steuern. So hat die„Union der Textilarbeiter" im Jahre 1931 über 37 Millionen, im Iah« 1932 fast 65^Millionen nttd im Iah« 1933 bis zum 30. September schon fast 62 Millionen Kronen an Arbeitslvsenumerstutzungen ausbezahlt. Im Iah« 1931 l>ezogen über 31 Prozent der Mitglieder der Union die Arbeitslosenunterstützung, 1932 54 Prozent und in den ersten acht Monaten des Jahres 1933 schon 6 6 P r o z e n t aller'Mitglieder. So großartig baö Unterstützungswerk unserer Gewerkschaften ist, ist es doch nicht imstande, der riesengroßen Not zu steuer». Unserer Textilindustrie ist— das geht aus den eingangs erwähnten Ziffern tnit zwingender Deutlichkeit hervor— nicht anders zu l-elfen, als durch eine Belebung des Ex- Seit« 3. DlenStag» 8. Dezember 1983 Vie neuen Führer t der deutschen Gewerkschaften Nachdem die selbsternannten„Führer" drS Deutschen Metallarbeiterverbandes den Metallarbeitern überhaupt unbekannt sind; da kaum einer von ihnen jemals etwas mit der Metallindustrie zu tun hatte, verspüren sie naturgemäß das Bedürfnis, stch einer breiteren Oeffentlichkeit vorzustellcn. So haben denn die deutschen Mc tallarbeiter seit Mitte Oktober daS zweifelhafte Vergnügen, sich an den mehr oder minder gcist' losen Gesichtern und an den Lebensbeschreibungen der ihnen anfgeztvungcnen Enteigner(auf gut deutsch Diebe) dcS GcwerkschaftSvermögenS zu ergötzen. ES ist immerhin nicht uninteressant, sich an- zuschen, welche„bewährte" Gewerkschafter sich nun da in den Speck gesetzt haben. Der„Ber- bandSlciter", irgendein Wilhelm Iäzosch, der einen unzweifelhaften rein germanischen Namen trägt, scheint stch seiner Vergangenheit zu schämen und so finden wir kurioserweife seinen Lebenslauf in den Annylen der„Deutschen Metall- arbeiter-Zeitung" nicht verewigt. Dafür wird unS'in Nummer 41 der„stellvertretende Ver- bandSlcitcr" Heinz-LotharBeck vorgestellt. Dieser„Metallarbeiter" steht im 26. Lebensjahr und hatte mit der Metallindustrie insofern etwas zu tun, als er in einem Eisenkurzwaren-Geschäft als Stift tätig war. Dann wurde er Werkstatt- schreibcr„und ging schließlich zum Eisengroß- handel über", wie eS kurz und lapidar in seiner Personalbeschreibung lautet. Bon irgendeiner Beschäftigung in der Metallindustrie»st also überhaupt keine Rede. Dafür aber war er in den verschiedenen Terrorvrganisationen der Nazi tätig, so tm Kamcradschastübnnd, im Frontbann, in der SA. Damit hatte er auch schon die Qualifikation zum stellvertretenden Leiter der größten deutschen GewerkschaftSorganisation, die nach der zwangsweisen Verschmelzung mit den übrigen Metallarbeiterverbänden(Christen und Hirsch- Duncker sowie mit den Maschinisten) über eine Million Mitglieder zählt. Die nächste Nummer bringt ein Lebensbild von Johannes Müller, der zum Bezirksleiter des Metallarbeiterverbandes in Sachsen ernannt wurde. Dieser unsympathische Zeitgenosse dürfte etwa 28 Jahre alt sein und war in seiner Jugend angeblich Sozialdemokrat. Aber schon mit etwa 16 Jahren erkannte er, wie falsch die Marxisten sind und besonder- die Juden haben eS ihm gleich damals angetan. So ging er zuzn Bund „Oberland", wobei er aber als heldenmütiger Charakter anscheinend immer noch in der sozialdemokratischen Gewerkschaft verblieb, um sich dort die UnterstühungSansprilche zu sichern. Erst in Chemnitz gingen ihm 19A8 endgültig die Augen auf und er ging zu den Nazi. Der Münchner Hitlervutsch verkrachte, obwohl dar Müller mit dem LA Regiment„Siegfried" zu Hilfe eilte. Und nun geht er„mit Gottvertrauen an das Derk, nachdem zweihundertfünfzigtausend Menschen ihr Schicksal in seine Hand gelegt haben." Arme Menschen! Eine ganz feine Nummer ist der„Ber- bandS-Finanzwart" Kurt Fredrich, der anscheinend überhaupt»och keinen Streich ehrlicher Arbeit geleistet hat. Nach der Personalbeschreibung ist er 27 Jahre alt, mit 17 Jähren war er beim Bund Oberland, nach besten Auflösung ging er zum Stahlhelm und dann zu den Nazi. Bon irgendeiner bürgerlichen Beschäftigung findet man kein Wort. Und diesem Landsknecht ist di« Kaste des Deutschen Metallarbeiterverbandes anvertraut! Der„Verbands- GeschäftSwart" John MannS ist 41 Jahre alt und war Bankbeamter, später Mitglied der Einwohnerwehr, dann wurde er selbständiger Börsenbesucher, Teilhaber eines Bankgeschäfte» sind Mitarbeiter eines KurSmaklcrS an der Börse"— also ein ganz gewöhnlicher Börsenschieber. Er scheint aber schlecht geschoben zu haben, weil ihn sein Kompagnon hinauSwarf, tvorauf er anscheinend 1836 di« Notwendigkeit der Bekämpfung der Zinsknechtschaft und der jüdischen Börsenspekulation erkannte und Nazi wurde. Seitdem scheint er keinem ehrlichen Beruf mehr nachgegangen zu sein, sondern wurde SA-Mann, womit er sich für einen der leitenden Posten im Metallarbeiterver, band vollauf qualifiziert«. Zur Abwrchfiung konnten sich dit bedauernS- Wertrn deutschen Metallarbeiter in Nummer 43 ihrer Zeitung an dem Bild des inzwischen die Trevpe hinaufgefallenen ursprünglichen„Ver- bandSleiterS" Wilhelm Börger erfreuen, wie er nach erfolgter Trauung nut seiner Frau die Alte Garnisonskirche in Berlin verläßt. Zweifellos ein wichtiges Stück Gewerkschaftsarbeit. In der Nummer 44 kommt neben schwülstigen Aufrufen zur„Reichstagswahl" der literarische Zweig der Verbandsleitung zu Worte. Vorgestellt wird der„VerbandS-Preste- und Pro- pagandawart" Werner Pingel, der nun 38 Jahre alt ist und anscheinend m allen seinen bisycrigen Berufen verkrachte. Zunächst Abiturient, wurde er Kriegsfreiwilliger, dann Anti- Spartakist und später Mitglied des Oberkommandos Lüttwitz. AlS die schöne Zeit de» Herum- treibcnS und Arbeitermordens aufhörte, war er in der Landwirtschaft tätig, doch scheint ihm diese Arbeit keineswegs geschmeckt zu haben, so daß er sich dem Holzhandel widmete. Doch auch da verkrachte er und gelangte über den Verband nationalgesinnter Soldaten, den Wiking, die Organisation Consul und die Deutschvölkische Freiheit-Partei zu den Nazi. Diese Vorbildung be- fähigte ihn, daS Blatt der deutschen Metallarbeiter, da» gegenwärtig über eine Million Auflage hat, zu redigieren— und eS schaut auch darnach aus. Der„DerbandS-OrgantsationSwart" Richard Haase ist Diplomingenieur und scheint den Nazis bei der Verseuchung deS AEG-Deamten- körper» sehr wirksam geholfen zu haben. Auch er hat ein Condottiere-Leben hinter sich. Ueber di« anderen diversen Warte liegen vorläufig noch keine näheren Nachrichten vor; die bisherigen Kostproben dürften indessen genügen. Betrachtet man sich überdies noch die Galerie der braunen Bonzen von der letzten„Derbands- BezirkSleiter- Tagung" in Berlin, so hat man auch so schon genug. DaS meiste sind die Uniformen und die Hakenkreuze, Geist wird man in diesen Gesichtern vergeblich suchen. Und daS hat sich nun zum Herren über die disziplinierten Masten der deutschen Metallarbeiter aufgeworfen Und darf in ihre»» Namen reden! Wahrlich, bei diesem Gedanken kann einem schon der Menschheit gauzer Jammer erfasten. Die Kapitulation vor der Mlrdie Berlin, 4. Dezember.(Wolff.) DaS geistliche Ministerium der deutschen evangelischen Kirche hat folgendes Gesetz beschlossen: „8 1: Den Mitgliedern deS geistlichen Mini- steriumS sowie den Beamten und Hilfsarbeitern der ReichSkirchenregierung wird die Zugehörigkeit zu kirchenpolitischen Parteien, Bünden, Gruppe» und Betvcgungen untersagt. Die Mitgliedschaft in den kirchlichen Körperschaften und Synoden wird hierdurch nicht berührt. 8 2: Dieses Gesetz tritt mit seiner Verkündigung in Kraft. Berlin, 4. Dezenrber 1933. gez. Der Reichsbischof." Portes. Deswegen fand kürzlich in der Pra- ger Handelskammer eine Enquete statt, die von den Unternehmern und den Gewerkschaf' len beschickt und die von einer Vorspache bei der Regierung gefolgt war. In der Enquete schildert« der Obmann der Union der Textilarbeiter, Genosse Ilbgeordneter Roscher, in ergreifenden Worten die Notlage der Textilarbeiter. Er sprach zunächst zu jenen, die für unser« Handelspolitik verantwortlich sind, ilird denen gegenüber er die Not« Wendigkeit von-Handelsverträgcir klarlegte, die unseren Textilwaren den versperrten Weg inS Ausland wieder öffnen sollet!. Genosse Roscher sprach aber auch an die Adresse der Unterneh- mer, welche seit 1931 die Löhne wiederholt herabgesetzt haben, so daß diese lwute einen«vschüttenwen Tiefstand erreich: haben. Di« Utlternehnter, so sagt« Genosse Roscher, müssen sich darüber klar sein, daß die bestqualifiziert« Arbeiterschaft nicht imstande ist, Qualitätsware zu erzeugen, wenn sie nicht mehr mit ihrem Verdienst die no.wendigsten Lebensbedürfnisse bestreiten kann. Die Geschicklichkeit und das Können der deutschen Arbeitersthaft in der Tschechoslowakei war bisher ein wertvoller Faktor für die deutsche Industrie und damit für die tschechoslowakische Volkswirtschaft und für den lschcchoflowaki- schen Staat. Unsere aktive Handelsbilanz hat mis der Ausfuhr auch unserer Textilindustrie Ivvuht. Was das bedeutet, sei noch an einigen Ziffern klargelegt. Der Ueberschuß der Textilausfuhr über die Einsithr betrug noch 1930 über 1600, 1981 noch über 1300, 1932 nur inxl) etwa 370 Millionen und wird Heuer noch geringer sein. In einzelnen Zweigen der Baumwollindustrie deckt di« Ausfuhr gerade nur noch die Einfuhr von Rohstoffen. An dem Gedeihen unserer Textilindustrie häng« also nicht«mr das Wohl der Texlilarbeiterschaft, sondern auch das Wohl der ganzen Wirtschaft unseres Landes. Deswegen ist es höchste Zeit, daß auf dem Gebiete der Handelspoli.ik endlich schöpferische Initiativ« enthaltet werde, und die Tschechoslowakei bei dem Rennen um die Absatzmärkte nicht den letzten Platz belegt. ES geht mn das Wohl deS Ganzen, aber insbesondere um das Wohl und Weh« der deutschen Arbeiterschaft dieses Landes! 27 Der IIFiippeiispieter Roman von Felix Fechenbach Der TanzkurS war längst zu Ende. Lene lagt« der Großmutter offen, daß sie mit einem Herrn ans dem TanzkurS ausgehe, und die Großmutter hatte nichts dagegen, als sie hörte, der Herr sei im Kaufhaus Seiher. Sie mahnte nur, Lene soll« nicht zu lange ausvleiben. Auch Sonntag nachmittags gingen sie oft zusammen aus. bei schönem Wetter nach auswärts. Manchmal saßen sie auch im Kino. Einmal waren sie nachmittags im Stadttheater. Während der Sommerferien war eine auswärtige Opcrettentruppe für acht Tage verpflichtet worden. Man gab in der Nachmittagsvorstellung„Ter fidele Bauer", und Lene war noch wochenlang ganz erfüllt von diesem, ihrem ersten Theatererlebnis. Ueberall summte sie die Melodien, di« ihr im Ohr geblieben waren, und wiederholt sagte si« zu Groß, er müsse im Herbst und Wiirter, tvenn wieder ständig gespielt würde, öfter mit ihr inS Theater geh«». Dasagte er auch zu. S«in Vater, der vermögend sei. schick« ihm jeden Monat ein«» Zuschuß, lo daß sich daS leicht ermöglichen laste. Len« schwamm in Seligkeit, wenn sie daran dachte, wie schön das werden soll«, tvenn sie im.Herbst so oft ins Th«at«r könn«. An einem Sonntag nachmittag tvar sie m't Groß' nach Beitshöcheim gefahren. Sie besuchten den schönen Park b«'m Schlößchen, der im Rokokostil erhalten ist. In d«n Gängen d«S Schloß- gartens waren da und dort noch alt« Steinfiguren aufaestellt, Pusten und llaun«, teilweise schon von Epheu umrankt. Sie ergingen sich, «ine zeitlang in dem alten Park und tranken dann im Schloßrestaurant W«in. Auf der Heimfahrt war Len« lustiger als sonst. Sie hatte zwar nur zwei Schoppen getrunken. aber sie war Wein nicht gewohnt, und er machte ihr heiß im Kopf. Anr liebsten hätte sie singen mögen, dvch Groß unterbrach ihren ersten Versuch da;«. Er meinte, das schicke sich nicht in der Bahn, aber sie könnten ja noch aus sein Zinnn«r gehen, da waren sie ganz ungestört. „Ich kann doch nit zu einem Herrn aufs Zimmer, Rudi!" „Warum denn nicht? Ob wir zusamnien in den Anlagen allein spazieren gehen und uns auf«in« Baus setzen, oder ob wir in einem Zimmer allein sind, daS ist doch kein großer Unterschied!" Aber Lene wollt« nicht. Sie hab« Angst, cs könne etwas geschehen. Groß sagte nichts weiter, gab aber sein Vorhaben nicht auf. AlS der Zug in Würzburg ankam gingen sie direkt zur Eichhornstraße, wo Groß wohnte. Unterwegs sprach er leise aus si««in. „Lene, sei doch vernünftig, und komme mit hinauf zu mir. Ich verstehe dich einfach nicht. Wir kennen uns doch setzt lang« genug, da brauchst du dich doch nicht mehr jju zieren." „Wenn noch jemand dabei tvar, ging ich mft, aber allein..." Sie waren seht vor dem HauS angelangt, in welchem Groß wohnt«. Er macht« die.Haustür auf: .Komm wenigsten- mit in den Hausflur. Len«", bat er. Sie gingen hinein, und Groß schloß die Tür« wieder ab. Drinnen zog er Lene eng an sich und bettelte: „Du brauchst jo nicht lange mitkommen. Nur ein halbes Stündchen. L«n«! Jq?" Groß kühlt«, daß ihr Widerstand schwächer wurde. Er küßt« st«, und«S bedurfte nur noch geringen UeberrcdenS, bis si« einwilligt«, mitzukommen. Sein Zimmer hatte einen direkten Eingang von der Treppe au-.. Lene sah sich darin um. Es war eines jener möblierten Zimmer, wie eS sie in Würzburg zu Dutzenden gibt, mit Bett. Schrank, einer Chaiselongue, davor ein Tisch mit einigen Stühlen. .„Wir könnten unS eigentlich«inen Kaffe« kochen", schlug Groß vor.„Ich habe einen deinen SpirituSapparat da." „Laß mich daS machen, Rudi! Gib mal den Kocher her und was dazu gehört!" Es macht« ihr Spaß, ein bißchen die HauS- srau zu spieien. „Hast du auch was zum Knabbern da, Plätzl«, oder Kuchen oder sowas?" Nein. eS war nichts mehr da. Aber vielleicht bekäme man drüben in den« Äonditorei- Eafs etwas. Groß wollte eS einmal versuchen. Er ging weg und kam bald datauf mit einem Päckchen Kuchen wieder. Den Kuchen mußten si« ohne Milch trinken. Aber«r schmeckt« gut, denn Lene halt« nicht an Bohnen gespart. „Na, siehst du, Lene, wie gemütlich es noch geworden ist? Und singen kannst dn hier, so viel es dir Spaß macht! Und erst wolltest du nicht mitkommen." „Weil ich halt noch nie bei einem Herrn allein auf dem Zimmer war, und weil stch daS doch eigentlich für ein Modle auch nit schickt." „Ach waS! Alke Weiber sagen, da» schickt sich nicht. Wenn man immer auf di« Tugendtanten hören wollte, wo käme man denn da hin? Da schickt eS sich nicht, daß du mit mir nach Veitshöchheim fährst, da schickt es sich nicht, daß wir abends zusammen in den Anlagen spazieren gehen, und da schickt es sich vor allem nicht, daß wir unS küssen." Dabei gab er ihr«inen Kuß. Lene lacht« Ar. 284 „Deutscher Sozialismus“ „ES ist Nicht wahr, daß Löhn«, Kollektivver- trag« und Stundenzeit allein schon den seelischen Bedürfnissen der Arbeiter genügen", erklärte vor kurzem Dollfuß vor einer Versammlung von Industriellen und„führenden Persönlichkeiten der österreichischen Wirtschaft." Der Sinn dieser überraschenden, geradezu rührenden Besorgnis um das seelische Wohl der Arbeiterschaft ist natürlich nur zu eindeutig: dem österreichischen Unternehmertum wurde da die Zustimmung der Dollfuß-Regierung zu Lohnraub Maßnahmen und zur Durchbrechung des Tarifwesen» und des Achtstundentages ausgesprochen. Es ist allerdings bezeichnend, daß diese reaktionäre Politik unter der heuchlerischen MaSke der Fürsorge um die seelischen Bedürfnisse dtS Proletariats durchgeführt werden soll. Im übrigen handelt eS stch dabei um eine UebetNahme„sozialpolitischer" Methoden deS Dritten Reichs. Auf dem Kongreß der„Arbeitsfront" erklärte deren berüchtigter Oberleiter Dr. Ley; die Arbeiter„werden begreifen, daß die Arbeit nicht allein das Mittel zum Zweck des LyhnverdienenS und der Tarife an sich fein soll." Die Wirtschaftspolitik der Nazi hat denn auch systematisch dazu geführt, daß während die Lebenshaltungskosten infolge des Agrarwuchers ungeheuer gestiegen sind, das Einkommen der Arbeuerfchaft sich— vermindert Hai. In den ersten sieben Monaten de« Jahre« 1933 betrug daS Lohnsteueraufkommen 786.4 Millionen Mark gegen 876.6 Millionen Mark im gleichen Zeitraum des Vorjahres. AuS diesen(amtlichen!) Zahlen ergibt sich ein Rückgang der Lohnsumme um fast 10 Prozent— dirS trotz aller„Arbeit-- bcschaffungs"inaßnahinen. NeüerdingS geht man imDrittenReich zu einer Politik des Lohnraubes über, die den Anspruch darauf erheben kann, alle bisher bekannten Unternehmermethoden in den Schatten zu stellen. Wie dir„Neue Zürcher Zeitung" berichtet, beabsichtigt der Friedrich Krupp- Konzern,„zur Entlastung deS Arbeitsmarkte» arbeitslosen Facharbeitern und angelernten Arbeitern, die durch die lange Dauer ihrer Arbeitslosigkeit ihre Beweglichkeit und Geschicklichkeit verloren hätten. Gelegenheit zu geben, durch SchulungSarbetten die frühere Leistungsfähigkeit in ihrem alten Beruf wieder zu erreichen. Hierzu richtet Krupp auf seiner Gußstahlfabrik eine besondere Werkstatt»in, in der diese Arbeiter, wie erklärt wird, nicht mit produktiven Arbeiten beschäftigt, sondern lediglich geschult werden. Dieser Versuch ist lohnpolitisch besonders bemerkenswert, als diese Arbeiter für eine tägliche Arbeitszeit von fünf Stunden außer der Arbeit-- losenunterstützung, die, ebenso wie die Krankenkassen- und JnvalidenversichernugSbeträge vom Arbeitsamt weitergczahlt wird, von Krupp lediglich ein Mittagessen als Ent- schädigung erhalten sollen. Außerdem wird Krupp nur noch di« Pflichtbeiträge für die Be- rufSgenossenschaft bezahlen." Im Dritten Reich geht bekanntlich„Genieinnutz vor Eigennutz". WaS Wunder also, daß die neueste Maßnahme der Krupp A.-G. al» Akt de» — puren Altruismus im Dienste der ArbeitS- markt-Entlastung ausposaunt wird. Allerdings mutet eS reichlich sonderbar an, daß für Facharbeiter und angelernte Kräfte, die bereit- im Produktionsprozeß tätig waren, Werkstätten errichtet werden, in denen sie angeblich nur ihre verloren gegangene„Beweglichkeit und Geschick- lichkeit" wieder erlangen sollen— und dies ohne mit produktiven Arbeiten beschäftigt zu werden. Die einzelnen Arbeit-Manipulationen sind näm- und trällert« vor sich hin:„Küssen ist kein« Sünd, bei einem schonen Kind..." Sie saßen beide aus der Chaiselongue. Groß legte leinen Arm um Lene: „So gemütlich hätten wir e» schon seit Wochen Haven können, wenn du nicht so«in dummes Gänschen gewesen wärst." Und wieder küßte er sie. Len« schmiegte sich eng an ihn: Ich bin halt emal so! Mußt mich scho so nehmen, wie ich gewachsen bin." Nick sie lochte vergnügt. Groß fühlt« den jungen Mädchenkörper dicht neben sich. Da» Blut jagte ihm heiß durch d!« Adern, sein«-Hand ruht« auf LeneS fester Brust, und das Begehr«» stieg heiß in ihm auf. Sachte zog er L«n« aus ihrer sitzenden Stellung nieder. Sie streckte sich behaglich auf der Charselongue aus. „O, da liegt man aber fein!" „Wenn du'etwa» nach hinten rückst, ist für inich auch noch Platz." .Muß aber ganz brav sein, Rudi! Gell?" Er legte sich neben sie. „Lene", ftüsterte er heiß,„ich möchte dich nicht nur küssen. Ganz möchte ich dich haben, alles mußt du mir geben!" Und er überdeckt« sie mit wilden Küssen auf den Mund, auf die Augen, auf di« nackten Arme, in den BlusenanSschnitt. Ueberall, wo ihre Haut nicht bekleidet war, küßte er sie. Sein« wilde Ltidenschast erregt« Len« seltsam. Sie bekam plötzlich Angst. So war«r sonst nie. Groß küßt« sie immer wieder mit steigend«» Leidenschaft. Ein Zittern lief durch seinen erregten Körper und sein« Glut übertrug sich ans Len«. Er warf sich über si« hin. Sie wehrte ihn erschreckt ab. „Rudi, bitte, laß mich! TuS«»♦»"• (Fortsetzung folgt.) Nr. 234 Dirnstag, 5. Tejcmttt 1033 Seite 3. am ©efflitpcnctt den einen Strick in Tape nach der Er solle sich des der sehr und ein. der An- Fllr Herabsitzung de» AerztetariseS. Ter Gc- sundhcitsausschuß nahm dir vom Senat bereits beschlossene Novelle zum Gesetz über die Aerztekammern ohne'Aendcruutz an und beschloß eine Resolution, in der die Regierung ausgefordert wird, so bald wie möglich die Tarife der ärztlichen Honorare herabzuletzcn. ES soll ferner eine eigene Sitzung der Ausschusses sich demnächst mit den Verhältnissen in den Krankenhäusern befassen; über Antrag deS Genossen Taub soll diese Sitzung gemeinsam mit dem sozialpolitischen Ausschuß des Senats abgehallen werden. Himmler. Unten warten Gefangene mit Gummi« knüppeln. Die müssen ihre eigenen LridcnSgenos- sen aus Befehl verprügeln; denn chintcr ihnen stehen Nazis mit dem Karabiner bereit. Hatten di« Nacis einem Tod gewünscht, warfen sie ihm den Keller, indem er noch drei Prüaelprv'cdur bleiben mußte, aufhängen! Einmal wurde eS bekannt. Bei den österreichischen Bundesbahnen wurden zu Beginn dieses Monates wiederum einige hundert Angestellte oder Beamte entlassen, bczw. pensioniert. Die Ncstriktioitsmaßnahmen werden fortgesetzt. N. a. werden die bisherigen Direktionen in Linz, Innsbruck und Villach in Inspektorate umgewandelt. sich gerade in der«isenerzeugenden Industrie infolge der Rationalisierung so sehr vereinfacht und gegliedert, daß ein gelernter Facharbeiter stets im- stand« ist, auch ohne Zuhilfenahme besonderer Repetitorien, seine Tätigkeit auf-iinchmcn und auSzuÜbcn. Andererseits ist cS geradezu unmöglich- sich vorzustellen, wie die Arbeiter über Haupt in Wiedergewinnung ihrer manuellen Fertigkeit geschult werden können, ohne daß sic produktive Arbeit leisten. In Wirklichkeit bestätigt die M ldnng, daß die Industriellen im Dritten Reich nnninehr daran gehen, ein glänzendes Geschäft zu niachew— auf Kosten der Steuerzahler und der qualifizierten Arbeiter, die für die Krupp& Co. zu„Alu"(Arbeitslosennn'orstützung) Sähen beschäftigt werden sollen. Die Unternehmer kommen auf diese Weise— für ein Magariuebrot— zu dem Produkt der sünsstündigen Arbeitszeit, die wohl bald auf acht Stunden verlängert werden wird. Diese M'ßnahme Krupps wird bald Schule machen. Denn die Arbeiter, vor die Wahl gestellt zwischen Alu-Entziehung oder gar Konzentrationslager und Zwangsarbeit, müssen sich fügen. Und den Unternehmern ein Wohlgefallen... Da hing auch tatsächlich eine Leiche in dem Keller. Aber die Nazis hatten sie hinaebänat, nachdem sie ihn, einen Gefangenen, buchstäblich rn Tode geprügelt hatten, weil— weil er sich nicht freiwillig aufhängen wollte. ES war ein älterer Arbeiter.— Ein anderer aefangencr Genosse, der eine leitende Kommunalstelle bckl-'dete, enlgina dieser Entsetzlichkeit: er stürrtc sich in den Tod.. Ein weiterer Fall: C-ne Hlllcrwache kam in einen Gekanäenenraum. E'n Gcfanaener batte in G'dankcn statt„Heil Hitler!" rn rufen„Guten Tag!" gerufen. Darum wurde ihm von einem rasend gewordenen Nazi mit dem Karab'nerkol» ben zweimal daS linke Schienbein zerschlagen, itzoloe: dovpeltcr, kompl'nerter Schienbeinbruch. Krüpvel kür das o-in-e Leben. In dos oleiche Laaer wurde auch ei» 10- jährigcs Mädchen e'naeliefrrt. Nach v'rr Wochen mußte eS drinokschst in e'n Kran^enbaus über- kührt werden. Warum? Es bat in der kurzen Zeit ei» schweres G schlech'skciden erlitten. Der Nachlwind hat cS dem ärmsten Wesen anoeblalen. Ein Fall, der an Schweinerei und Gemeinheit kaum übertrollrn werden kann: Dommertag. Zwei junae Raris holen eine oesanaene Frau zu üch. Nehmen sie mit. Bor ihren Augen verrichten sie auk den Aborts ihre aroße Notdurst. WaS die b-'deu Saukerle mit Papier kolbst hätten tun müssen, verlangten sic unter höhnischen Drohungen von der in den vierziaer Jahren stehenden Fran. Was blieb der Weh>-1osen anderes übrig, als eS zu tun? Ein Gefanarner der diesen Vorfall mit ankalt. berichtete diese Schweineaeschichte nach'» im Schlafsaal. Das wurde den Nazis ruchbar. Man holte den Verbreiter der„Greuelnachrichten" in die besonders einaerichtete Prstaeskammor. Nur mit Hemd lind Hose b-stoib-o. mtible er sich über «Wei zusammengektellte Tisch« legen, ,die immer so bereit sieben. Dann wurde er mit Gummiknüppeln möderisch verprügelt. Leser, reiße Deine Nerven zusammen, damit Tu den Verstand behälft! Sendung: Iugendluick. 20.00 Blasmusik Konzert.— Kafchau: 11.30 Orchestcrkonqcrl. 17 00 Kinderstuude. 21.00 Orchesterkou^rt— W en: 18.10 Berühmt« Künstler, Schallplanen. 1525 K»verstünde. 16.85 Jugendstunde. 17.25 Moderne österreichische Musik. 18 35 NerukSgefchichte d«: deutschen Intelligenz. 20.45„Ter Nachbar", Slettsch. den, daß ein solcher Fall in Bad Kissingen bereits vorgekoin-ineii ist. Dort ist durch da» Heraussoll:» einet Kohlcnstückcs aus dem Ofen in kürzester Frist «in Raum schlagartig in Flammen mifgegangen. Ter Vorsitzende teilt später mir, daß der Hautinspektor Schramowitz und der Sachverständige Dr. Tackt idber die Verwendung des Piitzmitt«'» Sauagan als Zeuge geladen werden sollen. .Zeugen“ aus dem Zudithaus Ter nächste Zeuge, Kriminalsekretär Kalke- d a u m-Torlinund hat seinerzeit die polizeilichen Ermittlungen in der Strafsache RoSnert in Hamm geführt, in der die Verhandlung gegen 3t Angeklagte staitgüfnnden hat. Von diesen Angeklagten find der Bauarbeiter Zerweis und der Jn- slallatcnr Brand, die zu fünf und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden find, heule alt Zeuge» vorgeführt worden. Kajfebaum bekundet, er habe sestgcstcllt, daß die Gruppen det Roisroni- länrpserbunseS aus Veranlassung der Partei gebildet waren, und daß die Partei Gelder für Wasien- beschaffung zur Verfügung stellte. Für die Wayl- nacht war höchster Alarm angeordnei und„dir Nacht der langen Messer" vorbereitet worden. Ma,, habe nur auf den Befehl zum LoSfchlagcn gewartet Der Zeuge ZcUveiS bestätigt, daß im Feber Alarmbereitschaft bestand. Ter cndgülciz. Befehl sei aber nicht gekommen, ko daß in Kreise.. des NolfrontkänrpfcrbundeS die Meinung herrscht« man müße selbst losschlagen. Die Frage ob der Reichstagsbrand daS Fanal zum bewaffneten Auf stand fein sollte, verneint der Zeug«. Der Zeuge Brand a«S Hamm bekundet, daß der ganze Rotfrontkämpferbund im Feber neu organisiert worden war. Weiter macht der Zeuge Bekundungen über eine Unterredung, in der davon gesprochen wurde, daß in Düsseldorf b c a b s i ch t i g t fei, die Gaswerke zur Explosion zu bringen, Kabel zu sprengen nsw., um dadurch Verwirrung zu stiften uud den Boden fiir den Ausstand(?) vorzubercitcn. | Die Wciterverhandlung wird dann auf I Dienstag vertagt. Amnestie liir die öilerreähisdien Haftenkreezlei? Wien, 4. Dezember. Die Korrespondenz Herzog meldet, daß zu Weihnachten eine umfassende A m n«st i e bevorsteht. Eie soll allen jenen zugute kommen, die sich wegen politischer Delikt« in Hast befinden oder bereits verurteilt worden sind. Man erwartet von diesem Gedanken Bundespräsidenten eine weitere Bernhigung politischen Atmosphäre. Frauenfeld verhaltet Wien, 4. November.(AN.) Bei einem 2. dv. zur AnvweiSleistung angehaltenen Manne wurden 800 Exemplare eines nationaifozialistl- schen Flugblattes beschlagnahmt. AuS einer schriftlichen Anweisung, dir bei den Flugblättern gefunden wurde, war zu entnehmen, daß eS sich um einen Ausruf de» Wiener Gauleiters der ehemaligen NSDAP. Frauenfeld handelt. Frauenfeld wurde deshalb heute verhaftet. Er wird nach Abschluß der polizeiliche» Erhebungen dem Lan» drögerichte eingeliesert werden. 2 Sthllling Bomben steuer Innsbruck, 4. Dezember. Ter Gemeindrrat von Wörgl beschloß, seden dortige» Nätional- fozialistcn für jede in der Stadl explodierende oder im Stadtbercich aufgefundene Petarde— unbeschadet weiserer polizeilicher oder gerichtlichen Strafe»— mit zwei Schilling zu besteuern. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Mittwoch: Prag: 1010 Konzert. 13.45 Schallplatten. 18 30 Deutsch« Sendung: Arbvitersunk: K. H. Bühren, Aussig: Die Frau im Sport; Bericht vom ArbritS- markt. 10.10 Französischer Sprachkurs für Forl- geschriitene. 1825 Zwei Einakter, U 12. 20 05 Konzert in der tschechischen Philharmonie.— Brünn: 10.50 Szenen für di« singend 18,25 Deutsche W---—-g--—" 21.00 Wo sind die Denunzianten? Wir haben seinerzeit berichtet, daß dir „Deutsche Presse" für Hitler denunziert hat, in- dcm sie die Nachricht brachte, daß vom Atus- Heim in Zmmvald Kindcrballone abgelasscn wurden, an denen hitlerseindliche Wahlparolen befestigt waren. Die„Deutsche Prcsie" hat nach dieser Denunziation noch ein übriges getan: sie registrierte den Protest des Vertreters der Ge- werbepartei und die Einaabe— der mehrheii- lich christlichsozialen— Zinnwaldcr Gemeinde- vcrtretung an Vie Tepliher Bczirksbchörde, in der die Schließung des AtuSheimS verlangt wurde. Nun erfahren wir, daß diese Entschließung der Zinnwaldcr Gemeindevertretung schon am nächsten Tage jenseits der Grenze bekannt war. Tie hakenkrcuzlerifchc Presse druckte sie sogar ab. Selbstverständlich wurde anch der betreffende Artikel der„Deutschen Presse" von der sächsischen lltaziprefse mit dem größten Behagen nachgedruckt. Wie der„DolkSwillc" meldete, haben einzelne Gewerbetreibende und andere Leut« ans der Umgebung deS Gottesogber TurncrhauseS bei der zuständigen Bezirksbehörde daS Aulltei- gcnlassen von DallonS angczeigt, ja, ans emem Haus« unweit vom Gottesgaber AinS-Heim wurde nach Sachsen knnüber genau«. Meldung über die geplante Ballonaktion gemacht. . Die„Deutsche Prcsie", die so gern von Denunzianten schreibt, möge sich an die wirklichen Denunzianten wenden. Zu einigen hat sic nicht weit. Der Jmmun'tätSanSlchuß beschloß gestern u. a. die Auslieferung der Abgeordneten Tr. H a k l o l d und N a j m a n. DaS Ersuchen der Genosien T i c t l, dem Abgeordneten Dr. Schollich ivegen des beleidigenden Zurufes„Hornochse" im Sinne der Ge- fchäftsordnung«ine Rüge zu erteilen, wird vom AuS- fchuß Dienstag nach dem Plenum verhandelt werden. Der Minister kür ökkenllkches GesundßeitS- Mtuig! BMerwarte' Ne« ringelangt: Levy-Lenz: Di« Technik der Schwan- gerschastSunterbrechung, statt lü 45.— nur Kt 10.—.(Bestellnummer 102.) Max Ho daun: Geschlecht und Lieb«, statt Jtt 64.— nur Ke 25.—.(Bestell- nummrr 108.) Zentralstelle kür bas BildungSwefen, Prag H, Nrkazaaka 18. Neuerllftier Auisthub des Steuerllherwdlzuiigsverhotes Bor einigen Wochen hatten, die beiden sozialdemokratischen Parteien und auch die tschechischen'Nationalsozialisten im Parlament den Antrag cingebracht, das sogenannte Steuer- ü b e r w ä l z u n g S v e r b o t nach Artikel X VI, Abs. 1 b des Gesetzes über die direkten Steuern, das schon vor zwei Jahren bis Ende 1983 ausgeschoben worden war, neuerdings aus mehrere Jahre ansznschicben, Dre Stvnerresorm vom Jahre 1827 hatte u. a. den Grundsatz ausgestellt, daß jeder Staaisbürgcr seine Steuern p e r s ö n l i ch bezahlen solle. Man wollte daher dir seinerzeit vielfach übliche Bezahlung, der Steucrn und sozialen Lasten der Angestellten durch den Unternehmer dadurch«-.schweren, daß mau Hirse Ausgaben im SteuerrinbelvimtmS des Unter» uchmerS nickt! mehr als Abzugsposlen(wir Gehälter etc. gelten lassen wollte, und nahm an, daß es rn der b'.S Ende 183t seflgesktzlen Ucbergangszeil den Angestellten gelingen werde, den Ausfall in Form von Gehaltserhöhungen weilzuniacheu. Schon vor zwei Jahren hatte man das Inkrafttreten dieses Steuerüberwälzuugsverbo'.cs. auf- geschoben, well schon damals die Situation der An- gestellien so ungünstig war, daß sic nicht daraus '.vchnen konnten, diese Mehrausgaben für S-teurrn etc., die ja der Unternehmer sicher in ihren Gehalt einkalkittierl halte, durch ein« Gehallserhöhung wett- zu machen. Ter Esfeli wäre>mr der gewesen, daß dies« Poften von dem Arbeitgeber aus den Aigcsttll- ten überwälzt worden wären, der in der Kris« ohnehin nreist schon groß« Gehaltskürzungen hnrnehmen mußte. Seit 1931 haben sich di« Verhältnisse für die Angtstellten ober nur noch vc-ichlechlert, so daß die Argumentation von damals nm so mehr auch aus die heutige Krisenzcit zutrisfl. In Würdigung dieser Einwände hat auch, wie wir erfahren, die Negierung bereits einen Gesetzentwurf ausgrarbeilet, wonach daS Sleuer- überwälzungsvcrbot neuerdings auf zwei Ja h r c, d, i. bis Eirde 1935, hinausgrschobei: werden soll. leipziger Prozeß vor dem Ende Dr. Sadt will Luhnes„AUelniätersdioh“ beweisen Sadisten und Schweine In einem deutschen Konzentrationslager Reute Brntgelabstimmung Prag, 4. Dezember. DaS Abgeordnetenhaus setzte heute nachmittags die Aussprache über dir wirtschaftlich« Gruppe des Budgets fort. Morgen soll die Debatte zu Ende geführt werden und die Abstimmung erfolgen. Falls sich nicht einige. Redner streichen lasten, dürfte sich die Abstimmung wohl in die späten NachinittagSstunden hinaiisziehen und der für 4 Uhr ei» berufene Senat noch etliche Zeit auf die Zuweisung de« Budgets lvarten müssen. Heute sprachen in der Debatte u. a. Scharnagel(D. Chr.-Soz.) vorwiegend über Bodenreform und SlaaiSgütcr, und Petrovicky(Nai.° Dem.), der bedauert, daß die Sparkommission nicht schon gleich nach de» Parkaiiiciiislvahlen int Jahre 1829 errichtet wurde, und in schonen Versprech»»- gen an die Gclvrrbctrcibcndrn der Partei des Herrn Najman arge Konkurrenz macht. Dr. Goldstein(jüd. Part.) befaßt sich mit den Berhällnifsen aus den» Fllmmarkt und protestiert gegen die Einfiihrnng von Hakenkrcnzfilmcn. Die Tatsache, daß in der letzten Zelt von 130 cin- gesührlen Filmen 07 aus Dcutfchland slamnien, ist unerlräglich. In den deutschen Gefielen der Republik haben die reichsdeutschen Filme direkt eine Monopoldstcllnng. Hier müsse die Staats- ve.rtvaktilng einschreiten, denn der Film greife lies in die Erziehung der breiten BollSmasten in die Entwicklung der Pokilikchen Meinungen Später sprach Genast« Kremser, hauptsächlich die in der Debatte erhobenen würfe gegen die Konsumvereine an Hand eines anSsührlichcu ZisscrnmaterialS als unberechtigt zurückwies, eine energische Reorganisation des Stmierwesens verlangte und sich dann mit dem Problem der Tau'ernng der SelbstvcrwaltungS- sinanzen befaßte.(Wir werden einen Auszug aus seiner Rede morgen veröffentlichen.) Leipzig, 4. Dezember. DaS Wolff- Büro meldet zu dem heutigen 50. BerhandlungSkag im Prozeß zur Verteidigung der NcichStagSbrand- stifter: 'Nunmehr steht die Beweisaufnahme dicht Vor dem Abschluß, es sind nurmehr wenig« Zeugen zu vernehmen. Dann ist auch der volitikche Teil deS Prozeste» erledigt. Voraussichtlich wird am Mittwoch dir Beweisaufnahme geschlossen werden. Dann ist beabsichtigt, eine längere Pause zur Vorbereitung der Plai- doyerS cinznlcgen.. In der heutigen Verhandlung wurden p» nächst die Zeugen auS Sem Gerichtsgcfängnis Guben vo.- geführt. D«r erste Zeuge ist der Invalide Wilhelm N' ck c l, der in einer Ortschaft bei Frankfurt' a. d. Oder wohnt. Nicket hat in einer früheren polizeilichen Vernehmung zugegeben, daß in seinem Hause kommunistische Geheimveriammlungcn stattgesunden haben. Der Zeuge erklärt, trotz aller Vorhaltungen des Vorsitzenden, da sei weiter nichts besprochen worden. Auch die Vernehmung der nächsten Zeugen des Arbeiters Jäschke aus Zinzendorf bei Frankfurt a d. O., des Arbeiters HinSke und der Landarbeiters R o s k e führt zu kcincm Ergebnis. A lelntQCrsdiolt luvve? RechkSanwal: Dr Zcuffert stellt dann im Einvernehmen mit Dr. Sack einen neuen Bcwei^- antrag, der sich mit der Möglichkeit der Inbrandsetzung des Plenarsaales allein durch van der Lübbe beschäftigt. Dr. Seussert siihrt auS, eS sei festgestellt worden, daß zur Reinigung des Plcnar- saateS rin Kunstmittei verwendet worden ist, da,' nach AuSiage des Sachverständigen Schwerbenzin enthält. Es ist behauptet worden, daß durch die häufige Verwendung diese» Putzmittcl» sich an de» Holzstühlen ein« derartige Schicht-bildete, di« zur Gasbildung neigt, so bald diese Räum« auskühlen, und daS eben wegen dieser Gasbildung über dem Gestühl eine plötzlich« Entflammung möglich ist wenn an irgend einer Stelle ein Feuerbrand hinrm- gcbrachr wird. In der Zuschrift ist behauptet wor Der Prager Rundfunk berichtete am Mittwochabend über die Verhaftung mehrerer katholischer Pfarrer durch die Münchener Polizei. Die Pfarrer sollen Greuelnachrichten über das Konzentrationslager Dachast verbreitet haben. Weil diese Nachrichten den Nazioten nicht m de» Kram Pasten, nennen sie wahre Begebenheiten ..Greuelnachrichten", um so nach außen hin das Recht auf ihrer Seite tu haben, diese mißliebigen Staatsbürger vorerst einmal durch da- Konzentrationslager mundtot zu machen.. Wir furchtbar eS aber tatsächlich mit den Schandtaten der Nazis in den Konzentrationslagern sein muß, beweist sehr eindentiq die von den Nazis selbst bestätiate Tatsache, daß selbst katholische Pfarrer, die alles andere al- Freunde der Marxisten sind, den Mut fanden, in Den'sch- land über Greueltaten der Na>iS in einem Kon- zentrationslag-'r zu sprechen. Bisher wagten es fast nur die Marxisten. Wir wissen nicht, WaS die katholischen Pfarrer über das Konzentrationslager Dachau, be- stimmt nach bestem Wissen nnd Gewissen, wohl d'ktiert durch ihr religiöse- Empfind-n. and-ren Menschen vor Empöruna berichtet haben. Das dark weder die Well noch dir deutsche Oefsent- sichkrit erfahren. Drum verkündet man der Welt: weoen Greuelnachrichten katbolische Pfarrer verhaftet. Aber man schweigt über die tat- Gchlichen Greueltaten der braunen-Henkers- knechte. Würde man die tausende Hilferufe nnd Schm-rzcnsschreic, di« läalich und stündlich ans den Konzentrationslagern in Deutschland in einen Sender leiten können,. würde die Welt s-it Mona.z D-ontkchland nicht— darf nur vcrborrlichen, was die sadistischen Blut- berrschcr in Deutschland aillz„Wohlgestalten". Di« Anfaabe der deuts-ben Emiaration und aller Menschenkrennde im Anstande ist es daher, soweit die Kräfte reichen, d-m arentenlosen Ver- brechersviel der Nazis in Deutschland wi^kunas- vols e"'a>'<,cnrnt'-cten. denn die Na»ig in Deutschland sind die Schänder der M-nschkichkelt. Wieder ist cS ein-m deutschen Genossen gr- lnnaen. g"s cin^m Kon'entrationssaaer zu ent- ko-nmen. Ein halbes si'abr bat er in dieser Naci» Höll- leben nnd seelisch sterben müssen. Wie okt er Scbsäae bekommen bot, dos weiß er nicht mehr, w oll o-schah es. Der Ranm ist in knapp, nm alles schildern ru können, wo- er selbst erlebte bezw. miterlebo» mußte. AuS den Lesern leicht beareillichen Gründen ist es leider nicht ! möglich, Namen«u nennen. ES mnß darum ae- nüaen, wenn sestqestellt-wird, daß alles nach- siehend Geschilderte in der Keit von Anlang April bis Anlang Oktober 1933 geschoben ist: Ein besonder- einoerichteter Folterkekker: Piodriae Tür führt zur Kell-rtrcppr. Dnnk-lheit oähnt dort. Unsichtbar,>m Rahmen der Tür, ist aner ein Stück Eisentröaer anaebrächt. Der Ge- fangen«, der in dem Keller sein« Follrrgual er- wefen nnd körperliche we-'e^nng Dr. Spina halten koll, erhält einen Tritt oder Stoß, stiegt emvfänat M'lNvoch, den 6. d. M. nicht>><«'"«rr» unweigerlich mit d»m K»vf bellig aeaen üblichen Besuche.|baä Eisen, und dann die steinerne Treppe^ MDLlL Seite 4. Dienstag, 5. Dezember 1883 Nr. 284 Tagesneuigkeiten Schrecklicher Tov einer Greisin. Teplitz-Schönau, 4. Dezember. Hinte gegen halb 5 Ubr wallte die im städtischen Ärmenyause in Turn wohnende drciundsicbzigsährige Fran Pauline F a st m a n n in der Konsumfuiale Brot einkaufcn. Sie überquerte hinter der elektrischen Stratzcnbahn die Weiskirchliher Straste und wurde von einem auö entgegengesetzter Richtung koinmenden Lastauto des Bergwerksbesitzers K h z l erfastt, zu Boden gestohen und so schwer 4 verletzt, daß sie binnen wenigen Minuten verschied Die Muller der Braut erschlagen. Kaschau, 4. Dezember. In der Gemeinde Za höre bei Sobrance in der Ostslowakei wohnte der 27jährige Landwirt Bali-Balint im gemeinsamen Haushalt mit seiner Berlobten, der 17jährigc» Anna Pozadinova. In letzter Zeit bau« es zwischen beiden zu Streitigkeiten, in die gestern auch die Mutter der Podzadi- nova cingriff. Hiebei geriet Bali Balint in eine derartige Aufregung, dast er eine Hacke ergriff und die Mutter der Veiloblen mit einem Schlag ans den Kopf tötete. Außerdem versetzte er der Unglücklich.n noch 22 S t i ch w u n d e n. Der Mörder wurde verhaftet und in die GcrichtShaft von Michalovice gebracht. Den tschechoslowakischen Tegelflug' relord geschlagen hot Sonntag nachmittags in Rana bei Louny der Pilot S. Rodovsky mit dem Flugzeug „Praha" in bezug aus die Zeit mit drei Stunden 04 Minuten. Gleichzeitig brach er den Höhenrekord, indem er die Höhe von 250 Meter über dem Startplatz erreichte. Rodovsky startete bei frostigem Ostwind um 11 Uhr 40 Minuten und landete um 15 Uhr 54 Minuten. Nach dem Flug war der Pilot so durchfroren, daß er von seinen Kameraden aus dem Flugzeug hervor, gezogen werden mußte.— Ten offizielle» Rekord hielt seit dem Jahre 1024 Oberst Skala mit der Zeit von 2 Stunden 21 Minuten und der Höhe von 204 Meter. Schueeklllrme über dem Balkan und dem schwarzen Meer. Der ganze Balkan wurde dieser Tage von einer heftigen Kältewelle heimgesucht. Fast in ganz Bulgarien gab cs ausgiebige Schneefälle. Der Eintritt des Winters war begleitet von starken Stürmen, insbesondere in Rusä an der Donau, wo der Wind so stark war, daß sich niemand auf die Straße zu gehen traute. Auch das Schwarze Meer war sehr stürmisch. Die Dampfer konnten die Häfen nicht verlassen, noch vor Anker gehen. Im Hasen von Varna stieß der deutsche Dampfer„Andros" mit dem bulgarischen Dampfer„Ferdinand" zusammen, wobei auch ein griechischer und ein italienischer Dampfer beschädigt wurden. Im -Hasen von Samsun an der Schwarzen Meerküste von Kleinasien ergossen sich die Meereswellen über eine Anzahl von Hänsern, die zum größten Teil einstürzten. Hiebei sind ungefähr 20 Personen»nis Leben gekommen. Etwa 150 Personen werden vermißt. Tort gingen auch 30 Fischdampscr in den Wellen unter. In der Dobrudscha liegt der Schnee bisweilen zwei Meter hoch. An vielen Orten sind die Telephon- und Telegraphenverbindungen unterbrochen. Der Eisenbahnverkehr wird nur mit großen Schwierigkeiten aufrcchtcrhalten. Aus Bessarabien treffen Meldungen ein, daß doü zahlreiche Rudel hungriger Wölfe ausgetaucht sind, die große Schäden unter dem Vieh verursacht haben. Erdbeben in den Abruzzen. Rom, 4. Dezember. In der Nacht auf Sonntag rtcf in der Llbriizzen-Provinz ein Erdbeben, dessen Epizentrum.in der Ortschaft Castel San- gro lag unter der Bevölkerung der Gegend eine Panik hervor. Neber dem Tyrrhenischen Meer und insbesondere an der Küste von Kalabrien und Messina wütete ein heftiger S e e- st u r m. Te.'r Schiffsverkehr erlitt Unterbrechungen und auch mehrere Telegraphenlinien waren gestört. Die Ebene von Catanien steht vollkom- men unter Wasser und einige Landhäuser sind von der Umwelt abgeschlossen. In Avnlien sind zahlreiche Landhäuser infolge Uebcrschwem- rnnng eingcstü r z t. Bei Reggio Calabria fanden der Kapitän und zwei Matrosen eines Segelschiffes in den Wellen den Tod. Die Regierung hat für die betroffenen Gegenden umfassende Hilfsmaßnahmen angeordnct. Der Arbeiterdichter Karl Bröger aus Dackau entlasten. Mit vielen zehntausenden Parteigenossen wurde auch der in Weiten Kreisen der deutschen Arbeiterschaft bekannte Tichter Karl Bröger von den Nazi verhaftet und nach Dachau gebracht. Diesem prachtvollen Menschen wurde airläßlich der „feierlichen Stadtratseröffniing" ein Auge ausgeschlagen, um nachher mit Peitschen aus dem RarhauS gejagt zu werden. Trotze Versuchen des neuen Kulturmachers Iohst, Bröger ins Nazilager herüberzubringen, blieb er trotz 23 Wochen Lagerhaft dem Sozialismus treu. Nun wurde Bröger aus dem Konzentralionslaaer Dachau in den letzten Tagen entlassen. John' intervenierte — ohne Verlangen BrögerS— in München. Von diversen Zeitschriften und Tageszeitungen wurde er zur Mitarbeit aufgefordert, doch lehnte Bröger jeglicke Mitarbeit ab. Pom Schnellzug getötet. Sonntag wurde auf der Ueberfahrt der zweigleisigen Strecke zwischen den Stationen Blansko und Rüjec der 25jährige Josef K o p e c k£ aus Speöov vom Schnellzuge Nr. 16 überfahren und getötet. Kopeckv wartete nicht die Oeffnung der Schranken ab, sondern lief, nachdem ein Lastzug, tvelcher auf dem näheren Geleise nach Bohm.-Budweis fuhr, vorübergefahren war, rasch zur Ueberfahrt direkt unter den Schnellzug. welcher gerade auf dem zweiten Geleise in der Richtung nach Brünn fuhr. Tschechoslowakische Eisenwerke liefern nach Italien. Wien, 3. Dezember. Die Alpine Montangesellschaft verhandelt mit italienischen Interessenten über Eisenlieferungen, die gemeinsam mit tschechoslowakischen Eisentverken durchgefuhrt werden sollen. Die Verhandlungen nehmen einen günstigen Verlaus. Es handelt sich hauptsächlich um Liescrungen für die Firma Cosulich, die in letzter Zeit Schiffe für Polen herstellt. Mörder SAkohol. Wahrend der Fahrt zwischen den Stationen S a i tz und Brünn starb in einem Wagenabteil der schwerverletzte 36jährige B a umeister Pyls aus Mähr.-Ostrau. Der ihn begleitende I. Nekuda aus Saitz erklärte in Brünn, Pyls habe in Gesellschaft von etwa 15 Personen im Keller des Tischlermeisters Alois Vesely Wein getrunken, wobei eS ztvischen Beselv und PylS zu einem Streit kam, in dessen Verlauf Vesely aus einem Revolver den Pyls in den Bauch schoß. Die Leiche Pyls, der verheiratet und Vater zweier Kinder Ivar, wurde in das gerichtsärztliche Institut überführt.. Die Geschästsreisenden und Vertreter verlangen Erfüllung ihrer Forderungen. Die Erbitterung der Geschäftsreisenden und Vertreter über ihre gegnwärtige soziale und rechtliche Stellung, die ir letzter Zeit durch einige Entscheidungen des O.V.G. noch eine weitere Verschlechterung erfahren hat, wächst von Tag zu Tag. Die Union der Geschäftsreisenden und Vertreter hatte daher für Sonntag eine große Demonstrationsversammlung in das Gewerlschastshauz in Prag einberufen. Vor überfülltem Saale sprach Abg. Genosse Robert Klein über die unhaltbaren Zustände. Der Vertreter aus Provision verdient kaum für seinen Lebensunterhalt. Er muß aus eigenem die Aufwendungen für Reise-. Nächtigungsspesen etc. tragen, er leist.« auf diese Weise nicht nur Dienste für seine Firma nmsonst, sondern er zahlt, solange er eS kann, noch zu. Durch die Entscheidungen des O.V.G. wird ober den Provisionsvertre- lern auch der Angestelltencharakler streitig gemacht, sie verlieren das Recht auf Pension-- und Krankenversicherung. Gerade den Vertretern, die im Krankheitsfalle keine Einkünfte habeniind meh: als alle anderen sozialen Schutz benötigen Würden, wird jeder Schutz genommen. Dafür schreiben ihnen aber die Steuerbehörden untragbare Unternehmersteuern vor, verfolgen sie mit Exekutionen und machen ihnen häufig ledeS Arbeiten unmöglich. Tie Vertreter fordern daher auf das energischeste die sofortige Anerkennung deS Angestelltencharakters, damit unbestritten auch für sie die soziale Gesetzgebung Geltung hat und sie von unnötigen Schikanislerungen durch die Steuerbehörden befreit werden. In der einst mmig ange. nommenen Resolution werden dies« Forderungen den maßgebenden Stellen neuerdings zur Kennt- nis gebracht. Die älteste Aussigerin gestorben. Frau Theresia Weigel aus Lerchenfeld, an deren hundertstem Geburtstag die ganze Stadt freudigen Anteil nahm, ist gestern an den Folgen einer Lunaen- entzündnng gestorben. Es war ein arbeitsreiches, hartes Leben, dem der Tod nach hundertjähriger Dauer ein sanftes Ende bereitete. Tas Begräbnis findet Donnerstag nachmittao? um 3 Uhr statt.— Tie Greisin stammte aus Nieder-Ebers- dorf, kam aber frühzeitig als kleines Kind nach Aussig, wo sie ein hartes Dasein fristete. Sie war zweimal verheiratet, aber beidemal« nur sehr kurze Zeit, so daß sie selbst für ihr« Kinder sorgen mußt«. Sie arbeitete bei einem Bauern, tvar Handlangerin bei Bauten und führte dann bis zu ihrem 73. Lebensjahr einen-Handel mit Milch, die ie selbst nach Aussig zu tragen pflegte. Ter Start des Lindbergh-Flngzeuges zum Fluge von-Hafen Guine über den Südatlantik nach Brasilien ist Ivegen Ueberlastung des Flug- zrugcs nicht gelungen. Aljechin in Sitlein hart bedrängt. Weltmeister Dr. Aljechin hat sein« Tournäe im Simultan» yiel in der Slowakei am Donnerstag mit einer Simultanproduktion in H a n d l o v a begonnen wo er von 40 Parteien 36 gewann, 2 remisierti und 2 verlor. Am Freitag spielte Dr. Aljechin ir Banska Dystrica, wo er von 28 Partien 25 gewann, 2 remisierte und 2 verlor. Am Tämstaq spielte Aljechin in Sillein an 50 Brettern simultan. Hier begegnete der Weltmeister einem ungemein zähen Wider st and. Aljechin konnte von den 50 Partien nur 28 Gewinnen, 11 endeten unentschieden und in 11 Partien mußte der Weltmeister kapitulieren. Demonstrationen für den Nazi- Professor GleiSpach. Das Conti-Nachrichten-Büro meldet auS Wien, daß der frühere Rektor der Wiener Universität GleiSpach Montag abends nach Berlin abgereist sei, wo er an der Universität als Strafrechtslehrer wirken wird. Als der Zug auS dem Bahnhof fuhr, sangen, nach dem Bericht deS Conti-BüroS, die Studenten mit erhobenem Arm das Deutschlandlied. Brand. In der Nacht von Sonntag auf Montag brach in der südböhmischen Gemeinde Lede- nie« ein großer Brand auS, welcher infolge des herrschenden starkem W iideS sich rasch auSb^eilete und von welchem vier Gebäude«rgrisfen wurden. Telephonisch konnten die benachbarten Feuerwehren nicht herbeigerufen werden und deshalb begaben sich einige Bürger noch in der Nacht mittel« AutoS und Fahrrädern in die Umgovung, um Hilfe herbezurufew ES wurde befürchtet, daß die Gemeinde vollständig abbrennen würde. In den Nach- mittogSstunden gelang eS aber den zahlreichen Feuerwehren aus der galten Umgebung, den Brand zu lokalisieren, so daß er nicht auf weitere Ge- hönde Übergriff. Di« Gemeinde Lcdenice ist durch 'hrc Möbolfabrikakion bekannt. Bon der Gendarmerie wird di« Ursache des Brande« untersucht und di« Höhe des Schadens festgestellt werden. Der schivecfte Ausbruch des Vulkans Manna Loa auf den S a n d>v i ch-I n f« l n feit 1003 ist beobachtet worden. Die glühend« Lava hat sich über ein Gebiet von etwa einer Ouadratmeilc ergossen. la Stefan Georges Tod. Vorgestern nacht ist der Dichter Stefan George in einer Klinik in Locarno plötzlich gestorben. Im Juli diese« IahreS, als der Dichter d«S „Siebenten Ringes" und des„JahveS der Seele" seinen 65. Geburtstag feierte, wurde hier die Bedeutung seine- Schaffen- kritisch gewertet. ES wurde daoei von der seltsam späten„Aktualität" diese- Manne- gesprochen, der fein- Leben lang ängstlich daraus oedacht war, unaktuell zu bleiben, ein aristokratisch-einsamer„Meister" schwer zu enträtselnder, kultischer und klängereicher DerS- kunst, die nichts so sehr verachtete wie die Masse und keinen anderen Ehrgeiz hatte, als die Ber- ehruug eine- auserlesenen Kr-eiseS geliebter „Jün^r" zu finden. Kein Wunder, daß die heutigen Beherrscher des Deutschen Reiche-, die zum Zwecke ihres diktatorischen Terror- die Heldenromantik und den Führerkult benötigten und di« zu ihren Verwirrung-Phrasen einen Schatz halb- dunkler und hochtönender Worte suchten, reichliche Anleihen bei der Terminologie deS Meistermachten: Wir wollen hellte angesichts des Todes Stefan George- die Tatsache feststellen, daß er trotz der Lockungen der neuen Machthaber in seiner individualistisch- aristokratischen Absonderung vom Tagesgeschehen konsequent geblieben ist— daß er trotz seiner geistigen Verwandtschaft mit allen mystisch-reaktionären Bestrebungen, trotz feiner Mitautorschaft am Schlagwort vom „Neuen Reich", nicht den Weg gegangen ist, den mit einem-Haufen konjunkturlusteruer Literaten auch der vergreiste und seine Vergangenheit verleugnende Gerhart Hauptmann beschritt. Und so schillernd und eitel uns da- priesterlich-drapiert« Artistentum des Dichter- George immer erschienen ist— dieser letzten Konsequenz seiner Haltung «vollen wir die Achtung nicht versagen. ES gab— kurz nach dem Kriege— eine Zeit, in der daS Werk Georges in weiten Kreisen der bürgerlichen deutschen Jugend große Verehrung fand. AuS der spielevischcn Liebe zur klingenden Form hervorgewachsen, die am Ende des vorigen Jahrhunderts in der französischen Lyrik dominierte, und zu einem die Wirklichkeit verachtenden, geziert-erhabenen, den auSerwählten Menschen„vergottenden" Kultus geworden, vermochte diese Kunst, die an ihren Lebensbedingungen und an den ererbten Idealen irre gewordene Bürgerjugend mit der Macht einer neuen Romantik in ihren Bann zu ziehen. Aber die vielen Rach. ahmungSversucye der„Jünger" erwiesen, daß die Kunst deS Meisters kein veredelndes Erlebnis, sondern nur«ine privat« Ofstnbarung war. Und so fiel die bürgerliche deutsche Jugend sehr bald jenen„Führern" zu, die„Edelmenschentum" al« Vorwand zu barbarischem Macht- lind Unter- drückungSstveben deuteten, und an die Stelle worteschmiedender.Kunst die geistloS-rvhe Reaktion setzten. Und von Stefan George» Bedeutung wird nichts bleiben als die historische Erinnerung an einen Dichter, der die Bewertung klanglicher Wortnuancen auS der französischen Lyrik in die deutsche übertvug und sich vergebens bemühte, daraus eine Priesterliche Kunst zu machen und darauf das Gebäude einer mystischen Welt- anschauung zu errichten.—eis— Polizist bim Eisenbahnräubern erschossen. Auf der polnischen Bahnstation Hohensolza hat eine DiebSband« einen Kohlenzug überfallen und auS- zuplündern versucht. Zwischen der TiebSbande und einer Polizeipatrouill« kam cS zu einem Feuer- gefccht, bei welchem«In Polizeifunktionär getötet wurde. Dir Mitglieder der Bande konnten entkommen. Zwei Kinder erstickt. An der Peripherie von Budapest sind zwei Kinder im Alter von drei und von fünf Jahren, die von ihren Eltern in der von außen zugesperrten Wohnung belassen wurden, infolge deS auS dem Ofen auSströmenden Rauches erstickt. Sie wurden von den heimkehrenden Eltern nurmehr al» Leichen au/gefunden. Ar Licht muh kälter werden. Bon Kurt Doberer. Wenn ich Sie fragen würde, warum Sie neunzig Prozent Ihrer Stromrechnung für die teure elektrische Heizung ausgeben uiid tvarum Sic diese Heizkörper zumindest nicht den Sommer über auSschailen, dann würden Sie mit Recht darauf Hinweisen, daß Sie nur Glühlampen brennen, also Ihr Geld nur für Licht ausgeben. Leider rede ich aber von diesen Glühlampen und es nützt nichts, wen» Sie auch nur solche besitzen, von denen die Reklameabteilung des Weltglüh lampenkartells erzählt: Der Lichtdieb ist ausgetrieben. Sie bekommen bei uns nur das, was Sie wollen— Licht! Sie bekommen leider trotzdem nur zehn Pro zent Licht>ind die anderen neunzig Prozent Hei zung. Alle Reden von schlechten und guten Glüh lampen sind relativ. Gute Glühlainpen sind eigentlich nur— weniger schlecht als die schlech ten. Alle Glühlanipen leiden unter dem gleichen technischen Prinzip. Sie sind Temperaturstrahler. Ein fester Körper muß aus hohe Temperatur gebracht werden, dann wird er weißglllhend und leuchtet. Es ist ein kleiner Trost zu wissen, daß die ersten Kohlensalnnlampen, die mit einer Temperatur von 1800 Grad brannten, saft zehnmal weniger Licht gaben als eine moderne Wolfram- Wendeldrahtlampe. Die ganze Entwicklung der Glühlampe war in erster Linie eine Jagd nach seltenen, schwerer schmelzbaren ultd damit stärker zu erhitzenden Elementen. Mit der Schmelztem Peratur des Wolframs von 3200 Grad scheint diese Aufwärtsentwicklung im wesentlichen abge schlossen. Selbst wenn wir einen Körper finden würden, den wir auf die wahnsinnige Hitze von tailsend Grad über Sonnentemperatur, auf 7000 Grad treiben könnten, würde sich noch nicht, die Hälfte der hineingesteckten Energie in Licht verwandeln. Dabei erscheinen solche Temperaturen in Glühlampen dem Techniker aussichtsloser als eine Steife zum Mars. Der gerne mit hohen Wirkungsgraden prunkende moderne Mensch ist also aus der Glühlampensront an der ganzen Linie geschlagen. Was macht der Mensch in einer solchen Situation? Er schaut sich etwas hilflos und beschämt in der Natur um. Zu seinem Aerger sin- det er da Leuchtmoos, Leuchtfische, Leuchtwür- mer und Leuchtkäfer. In Südamerika gibt es deren so große, daß man sie beinahe als Schluß licht an den Motorrädern verwenden könnte. Eifrig hat die Wissenschaft die Temperaturerhöhungen an diesen Leuchtorganen gemessen und hat feststellen müssen, daß uns ein Käfer turmhoch überlegen ist. Er hat das große Geheimnis und fabriziert kaltes Licht. Die Techniker könnten höchstens die Zoologen bitten, sie möchten Riesenleuchtkäfer züchten, die man dann als Bollmonde in die Zimmer hängen könnte. Glücklicherweise hat sich nun in den letzten Jahren ein erfolgversprechender Ausweg aus diesem Dilemma gezeigt. Wir kennen aus der Physikstnndc in der Schule her die schön auf- leuchsendcn Geißlerschen Röhrest. Zu wissen, daß elektrisch aufgeladene GaSatome leuchten, das war damals noch eine Platonisch- spielerische Angelegenheit. Erst die Reklametechnik hat sich neu an die Entwicklung der prächtig leuchtenden Gasentladungsröhren gemacht. Heute beherrschen die rot, gelb, grün und blau flackernden Blichstaben das Stadtbild in der Nacht. Es ist kaltes Licht, dahier strahlt. Die Temperatur der rot leuchtenden Neonröhre steigt nicht über die Temperatur kochenden Wassers. Gegenüber den Glühlampen müssen sich hier theoretisch phantastische Wirkungsgrade erzielen lassen. Wenn eS trotzdem noch gute Weile hat, bis auch der kleine Mann in seinem Zimmer diese Wirkungsgrade zu spüren bekommt, so hat das triftige Gründe. Zu Anfang der neuen Entwicklung war man froh, wenn man dicke Leucht- uöhren, mit den hohen Spannungen mit tausend Bolt für den Meter und der geringen Leuchtkraft für Reklamezwecke verwende» konnte. Erst weitere Erfolge haben daran denken lassen, diese Gasentladung auch für Leuchtzwecke zu verwenden. ES gelang, Lampen für gewöhnliche Wechscl- strömnetzspannungen zu' konstruieren. Dann erhöhte man die Leuchtkraft und fand auch ein Glas, das den Natriumdämpfen standhielt. Mit der Quecksilbcrdampfröhre und der Natriumdampfröhre, mit blau und gelb und einem Zu sahlicht wird man früher oder später die neue Arbeitsbeleuchtung, konstruieren können. Eine SiegeSzüg wird vorerst der einfarbige Gelbstrahler, mit seiner auf daS Auge wirksamsten Wellenlänge, in der Straßenbeleuchtung an treten. Nachdem Holland mit einer von den Philips- Glühlampenwerken eingerichteten Ber- suchSstrecke die besten Erfahrungen gemacht hatte, richteten auch die Amerikaner eine gclbfarbig mit Natriumdampflampen beleuchtete Autostraße ein. Die Anlage wurde von der General- Elektrie- Company zwischen New Aork und Scheneetady auSgeführl. Man ist über diese Beleuchtung begeistert. Zeitschriften schildern, wie man mit diesem vietmal billigeren Licht die Konturen der Dinge sünfzehnmal besser»interscheiden könne. Autofahrer fahren bei ausgeschaltcten eigenen Scheinwerfern mit einer Stundengeschwindigkeit von hundert Kilometern so sicher wie am Tage. Die breite Oeffentlichkeit wurde zum ersten Male auf diese neue Straßenbeleuchtung bei Eröffnung des Schcldctunnels von Antwerpen ayf- merkfam. Die europäische Presse schilderte dl« erstklassige Beleuchtung des 1768 Meter langen Fahrtunnels mit Natriumdampflampen. Die Stadt Antwerpen hat beschlossen, die Straßen vom Scheldetunnel bis zum Zentrum der Stadt auch mit Natriumröhren zu beleuchten. So schreitet die Zeit vielleicht bald allgemein über die altmodischen Glühfadenlampen hinweg. Wir müssen uns bei den Gasentladungslampen allerdings vorerst mit den Glimmlampen genügen, die wir in llnsere Fassungen schrauben unv als Nachtlellchten verwenden können. Dabei dürfen wir unS aber einbilden, das einzige Leuchtgerät mit einem Wirkungsgrad von über hundert Prozent zu besitzen, den» bei gutgebau ten Glimmlampen setzt sich der Stromzähler.gar nicht in Bewegung.- „Arabella" Tschechoslowakische Erstaufführung in Reichenberg .Herr Dr. Richard Strauß, d»dst du nl t"— in sein Herz geschlosien hat! Jene Ber- räter■ aber, die meineidig ihr« Pflicht gegen das Dritte Reich mit Füßen getreten haben, jene erbärmlichen acht Kellner, die ihrem Kollegen mit ihren falschen Aussagen in den Rücken gefallen sind, zu deut gemeinsam verabredeten Aveck, die, von Minister Goerinq schon vor dem Reichstagsbrand als Brandstifter erkannten Derbrecher der verdienten Strafe zu entziehen, werden— und das hat Minister Aoerlng dan deutschen Volk« feierlich versprochen— ihrem verdienten Schicksal nicht entgehen, auch wenn uns«in« alt«, v«rrotlet« Gerichtsordnung zwingen sollt«, sie freizusprechen! Sollten sie auf ihrer„Flucht in die Oefsentl'chkeit" ron den Kugeln der SA. getroffen werden, so sind es, von unlerer „Teutschen Kirche" geweiht« Kugeln, deren sich der Vertreter der arischen göttlichen Gerechtigkeit auf Erden, unser Führer, bedient, und denen er allein die Richtung zu geben berecht'gt ist! (Beifallsklatschen im Zuhöverraum; der Präsident nimmt Platz.) Und nun zu Ihnen. Erzählen Si« uns also wahrheitsgemäß— denn nur um die Wahrheit i-st's uns zu tun, wann Sie den Be klagten Timitroff kennen gelernt haben, was Sie Kar Eintopfgericht I-- In Berlin betrug bi« Winter- iilfsspttcke aus den Erfparnifftn M ersten SintppftageS" mehr all eine Million Mark, juch in unserer Stadt werden heute Sammler von-Sau» zu Hau» gehen. Sie dürfen kein« verfchlosienen Türen und Herzen finden. Jeder mu ß geben!" Diese Sätze liest der Arbeiter Gustav Loh. mann in seiner gleichgeschalteten„Arbeiterzei. "^Er haut mit der Faust auf den Tisch unüberlegt.‘. Nebtrlegt krampfhaft, m einer Stinkwut. Erst gestern haben sie ihm wieder 5.60 Mark rl-i. BolkSnxis«, kunstvoll verarbeite^ ist auch Arabelleits beglückender Gesang tm zweiten Akt:„Tu wirst mein Geliebter jein." Dies« Stellen und dann der schmelzend« Schluß- gesang der Oper, der, mozortisch-schuberlisch, doch'o deutlich die eigene Handschrift des„Rosenkavalier"- -Komponisten offenbart, werden vermittlich di« Oper selbst überleben Dagegen wird man sich noch der Flokvrmilli und ihnen Koloraturen kaum zurhckseh- nen. Und auch dos stürmische Vorspiel zum dritten Akt, prachtvoll gekonnt, aber so gor nicht gewußt und von keinem Einfall lebend, wird schwerlich den Ruhm Straußen« weilentrogen. Wo einem Theater blühende und kultiviert« Stimmen, vor allem Soprane, zur Verfügung stehen, dort wi-rd auch„Arabella" zumindest vorüber« - gehend eine Stätte finden. Im!>i e i ch e n be r g«r Stadttheater, das jedenfalls mit dieser Erst» ' aufführung ungavähniichr Leistungtsähigkeit erwies, j rechtfertigt sich dieses Unternehnten vor allem durch ! den Besitz einer außergewöhnlich begabten Säugen» der Titel Parti«: Fron Maria P e tz e l b a n e r tst dieser schön« umd gwß« jugendlich-dramatisch« Sopran, dem siir di« Arabella die restlose Ausgeglichenheit der Register, hohe Kunst d«S Legato, ! noble Phrasierung gegeben sind. Ihr vor allent ist neben dem nnisikaleschen Leiter, Direktor 2 o m- -mer, dem eine peinlich saubere Einstudierung und , ein« tadellose Pullieistung zu danken ist, der starke i Erfolg bei der Premier« im ansverkauften-Hause zu- I zuschreiben Respektabel am Werke waren aber auch I der Oberfpiellefter Emil Schlegel, der siir schmucke und überzeugend« Bühnenbilder und— mit Ausnahnt« eitriger Anachronismen— auch für eine gute Darstellung gesorgt Hane. Fermer der dramatt- schen wi« lyrischen Ausdntcks fähige, im lenoalen Logen besonders wirksame Bariton des Herrn Ernt! Okto Richter(Mamdryka), Herr Joachim Heinz als zum Unglück vemrteilter Tenor mit heldischen Tönen, Fräuleim Tausche(Zden'a) mit sympathischem lyrischen Sopran ynd di« Kvkoratursönper.n Berta Stoor mit einer vielleicht weiteren Aufstieg versprechenden Höhenskola. Verdient um dies« Aufführung auch alle di« vielen anderen, die pauschal zu nenmen wären. Es gab spontanen Applaus nach dem Lied> Arabella und deut nachfolgenden Duett im ersk"' Akt, großen Beifall nach jedem Borhong, Blumen jponden in Füll«. Ein Abend, dessen nur» sich Imm.r gart« euinmern wird; schon deswegen, weil er zeig'« welche künstlerische Kraft in dizrser Bühne der grüß :rn sudetendeutscheu Stadl arbeitet und wirkt . L. Goldschmidt. Statftag, S. Duember 1988 PRAGER ZEITUNG Gerichtssaal Sport- Spiel> KBinerBBeiie Aus der Partei Kunst und Wissen Vereinsnadiriditen DB I Der Film ES(jibt da bekannte Meister Schrrldsrage lautete aus und ver- rd. Titzunq der BezirtSvertretung Prag. Mittwoch. 6. Dezember 8 Uhr abend» Sitzung der Biber Deutschen sozialdemokratische» mit. S l a v i a schlug-« ganz aus geratenen Bohemians glatt 8: l Pilsen gewann Viktoria gegen sicher mit 4:1(3:1). D'e Tcpliycr den zirksvertretung BezirkSvrganisation Prag, Öbborod^ T»im. zu-Hause fein müssen, cS sich also um«in' „Schwarzfahrt" Handl«. Er wurde daher,.ungeachtet seiner Beschöni- guugSvevsuche bei der heutigen Hauptverhandlung schuldig erkannt und zu zehn Monaten strengen Arreste», und zwar unbedingt verurteilt. Damit ist natürlich auch seine Existenz ein-» für allemal vernichtet. rb. Uttüeschre.ülich mir dir Qualität der Dar unter denen der Berliner BarieiS Komik,: Jabo wie ein Genie der Sthauspicltii:-- Das Lied der Gonue. Seit der polnische Tenor Kiepura seinen L-c schmait an den Berliner Filmgagen entdeckt Hal. sind Sängerfilme in Neubabelsberg die große Mode. Besser sind-sie im Lause drr Zeil nicht geworden— und dieser L-'uri Bolpi»Film ist nichts als die fade Nachahmung aller vvrangcgoi^enen Fadheiten. Di« Stimm« des berühmten italienische» Operutcn-or» klingt übrigens im Tonfilm nur halb so schön wie in Wirklichkeit, und auch diese Halm Schönheit bietet»ns der Film nur als Zugabe an, Anfang und am End«. Ansonsten levl er von dem rokgehetzten Witz, daß einer, der nicht siitgen kann sich zu amurösen Zwecken für den beriihnnen Tenor ausgibt Um ganz sicher zu gehen, haben sich drr He» strlter diese« Film» auch noch des Namens Mai ragni bedient. Ter erfolgreich,' Komponist Hal a.so ei» Liedchen beigesteuert, ein Liedchen, mit dem:: schwerlich jemals berühml geworden wäre. Der Regisseur,-Herr Neu feid, ergeht sich.. römisch-vineziantschen Bildern, di« in kleineren- Format aus Ansichtskarten in beliebiger Mengvorrätig sind. War er um den MarkuSplatz Und da» Kolosseum herum an Albenrhciien aufsühri, h t^enso steiler. Oscar wirkt. Daß der Film reich-deutscher He k u n f t ist, wird van der Bevleihfirma, wir übii.- Versehwiegen.—«la- zwelelnhalb Jahre für einen Notzucht?' Verbrecher. Geheim« Verhandlung vor dem Schwurgericht. Prag, 4. Dezember. Par dem Schwurgerichthos des OÄR. Novotny war heute der SVjährizc Karl ZSrybniekzf wegen Vergewaltigung einer Sttjährigen Hirtin an geklagt. Es ist ein brutaler offenkundiger Notzuchtsakt in» vollsten Sinne des Wortes. Ter Angeklagte hat das Mädchen über- fallen, ihr das Kopstuch über den Kops gezogen und ihr, als sie mn Hilf« rief, mit Erstechen gedroht. Sonderbar nruter nur der Unistand an, daß der Sechsundzwanzigjährige behauptete, bis dahin nie in seinem Leben etwa» mit Frauen zu tun gehabt zu haben. Er habe nur gehört, daß jir sich zu wehren pflegen und man daher Gewalt anwenden müsse. Er hab« es sonst nicht böS genieint. Die Gcschivorrnen schenkten dieser Verteidigung keinen Glauben und b e j a h t« n di«~' mir zehn Stimmen. Das Urteil zweirinhalb Jahre schweren schärften Kerker». Herr Kurt Robitschek inszeniert derzeit am Prag« Deutschen Theater«in« Revue. Da dieser H«rr einerseits durch stin«n freilich mißlungenen 4t nie fall vor Hitler auf sich aufmerksam gemacht hot, andererseits als Leiter und Consereneier eine» Bunten Abends in drr vorigen Spielzeit M fraget Deutschen Theaters in recht peinlicher Erinnerung bei uns steht, dürste solgrnder Bries, den wir au» Wien erhalten und der einige» Reue über diese» neuesten üiastregiffeur auSsagr. allgemeine» Interest« finden. Sic sind fest entschlossen, das Wiener Theater- »vescn zu reformieren, neues Leber» in die Bude in bringen, wie sie so schön sagen, die-Herren Theaterdirektoren. Denn sic haben gttte Zeiten. Nicht etwa, daß es ihnen gelänge, durch künstlerische Leistungen aufzufallen oder daß die wirr- schafliichcn Verhältnisse dem Publikum den Theaterbesuch besonders leicht machtcn. Nein, aber die Direktoren haben herausgebracht, daß man die wirtschaftlich« Notlage der Angestellten, die Arbeitslosigkeit in allen Kategorien des Theaterpersonals, zur Durchlöcherung des Kollcktivvcrtrages, zur Mißachtung der in Oesterreich geltenden Thcaiergesetzgcbung benützen kann. Einrr dieser zielbcwußien Reformatoren ist Her» Kurt Robitschek. Ein gebürtiger Oestcrreichcr, gehört er zu jener Sorte Wienflüchiigrr, die Berlin erst zeigten, was ein richtiger Berliner ist. Bekanntlich stammt das Berliner Tempo! Tempo!! hauptsächlich von diesen Leuten, denen Wien nicht groß und nicht geschwind genug für ihr« Geschäi- tigkeii war. Auch.Herr Robitschek har sich solcherart in Wien schon in ganz jungen Jahren über- nomnlen; er zeigte schon damals, noch halb ein Knabe, die Veranlagung und Fähigkeit, Verpflichtungen sagen wir zu„lösen". Er ging nach Berlin,>»nd dort auf dein Asphalt blühte sein Weizen. Ter Umsturz int März traf einen nn- erschrockcnen Mann. Robitschek verzieh sich selber seinen veburtk- iehlrr, sein« rassisch« Minderwertigkeit, und bekannt« sich tapfer zum Dritten Reich. Nichts nutzte. Er mußt« Berlin verlassen unv kehrte nach Wien zurück. Hier übernahm er die a m me rsp iele", rin kleittes Unternehmen, das eigentlich nur eine Singspielhallenkonzession GStterdSmineraag. Am Sanistag fand die zyklisch« Ausführung der „Nibelung«»"Tetralogie von Richard Wagner ihren Abschluß. Großartig wirkt« der Abschluß nur durch das geioalrig« Werk selbst: denn seine Aufführung war weder glücklich»och großartig zu nennen. Selbstverständlich gab es auch in der„Götterdämmerung" eine» Gast zu sehen und z»l hören: Herrn Gott hrif P i ft o r, den Bayreuther Sänger, als Siegfried, der aber einig« Enttäuschung bereiter«. Zwar sind Erscheinung und Format des Künstlers noch inrmrr imponierend und sein« Darst«llu>»g des tragischen Siegfried-Sckucksal» ist von bedeutender geistiger Kraft getragen, aber der Sänger Pistor läßt die einstige Größe u»rb Schönheit der Stimm« nur ahnen, wenn er im Affekt mehr als notwendige, unschöne offene Torrgebung zu Hilfe nehmen muh, um sich durchzusetzen, und durch artikulierieste Deklamation stimmlich« Mängel ersetzen muß. Mehr Befriedigung als Freude bereitet« Fran M«rkrr al» Brünhilde. Sic ist sicher c'ne ganz ausgezeichnete Gesangsküristlerl», di« ökonomi'ch mit ihrer Stimme hauszuhalten versteht, di« auch inimer di« auf Schönheit des Gcsaugsioues bedachte Sängerin bleibt; ober d«n große» stimmlichen Anforderungen der Brüntzild»' Parti« wrb sie nicht mehr voll gerecht, und die Illusion, die sie vermitteln soll, bleibt Schein. Neu besetzt waren sie drei Nornen mir den Tarnen Kone hui, Ried und Kinder mann; klanglich nicht ichlechi, aber so wortundeutlich. daß Sinn und Zweck des Rornen-Vorspieles verloren gebt. Sehr ichön und ausdrucksvoll samt Frau Kinder mann di« kleine Szene der Daltraut« Ausgepnchm'i wie immer Hagen ols Gnnther Durchaus den» Wagnerltil entsprech«»»- auch Frl Rohne als Gulrun« Al»«in« lehr tüchiig« Leistung wäre» ferner die ebenso eraki w-« sauber singenden Chöre des vveilrn Aktes z»i werten. Alles andere dagegen wirkt« wie früher— unbc- deutend oder unzureichend Pra° Georg S z S l l dirigirri«: mit sichtlicher Begcistcrung und'rhythmischer Bcschw'nglheit mit ansgczeichnrter plastischer Gliederung, aber doch ohne di« erforderliche Lelden- schaftlichkkii b«e Ausdruck«» in den dramatischen Hauptmomenten des Werkes k. J. Arbeiter-Törn- ond Sportverein Prad Die Auslchußfitzung finde» diesmal ansnahms weise am Dienstag, de»» 5. d., statt, und zwar im Gewerkschafishaus, Blaue» Zimmer. Beginn 7 Uhr abends. Tie Funktionär« werde»» ersucht, diese Aenderuiig zu beachten und l>esti»nm! zu erscheinen.. Wochenspirlplan der Kleinen Bühne. Dienstag um 8 Uhr:„T« s i r ü"— Munvoch um i 8 Uhr abends:„B e z o» b e r nde» F r 8 u- .Prager Illustrierte." Erstausführung. Dochenspielplau de» Reurn Deutschen Theater». Dienstag 714:„Der Wirerspenstigen Zähmung."(A 2.)— Mittwoch 7 Uhr: Tannhäu- s e r."(B 2.)— Donnerstag 71Z> Uhr:„D r«imal Hochzeit."(C 1.)— Freitag 6*4» Uhr:„Der Widerspenstigen Zähmung?" Schülervorstellung gemeinsam mit der Urania, beschränkt» öffentlicher Verkauf.— Samstag 7 Uhr:„Lohrn- grin." tD 1.) Grnosir Gustav Kahler gestorben. Im Alter klein"— Donnerstag 8 Uhr:„Desirs, von 38 Jahren ist am 2. Dezember 1933 im JFreitag 8 Uhr:„Desirs."— Samstag 71/. Uhr: Krankenhaus lÄenosi« Gustav Kahler gestorben. Er war jahrelang Mitglied unserer Organisation und hat sich insbesondere im Verein deutscher Arbeiter aktiv als Bibliothekar betätigt. Di« Prager Genossen werden den Heimgang diese» braven und gesinilungstreuei» Menschen lebhaft beklagen und seiner Frau, der Genossin Mizz» Kahler, welche im Sekretariat des Klubs unserer Abgeordneten beschäftigt ist, wendet sich die allge meine Teilnahme zu. Das Leichenbegängnis findet Mittwoch, den 6. Dezember um Halo 3 Uhr nach mittag von der Bubcneöer Friedhosskapelle aus statt.(Zn erreichen mit- der sieben» Elektrischen bis zur Koinenslngasse.) Ter deutsche Verein zur Pflege von Jugend- fpielen in Prag hielt jein« 82. Haupivcrseunmlung ab. Der Jahresbericht»oeisi aus dir Bedeutung de: Zugendspiel-, und ihr« erzieherische Wirkung hin, wie sie auch der neue Lehrplan für Turn» sordert. An 12.733 Spieltagen wurde von 1,388.322 Kinder» gespielt, 998.102 Ke wurden für Jugendspiel, Wan dern, Gartenbau, Schwimmen und Wintersport auf- gewendet. Heuer»vnrde vom l.'April bis 23. Okto ber an 62 t Spieltage»» von 33.779 Spickieilneh- nicrn gespielt. Tank der v«rständnisvoll«i» Unter- stützung durch Gönner und Mitglieder, koim»« das Jahres«rforüernis trotz der schweren wirtschast-lich«»» Lag« eben noch ain'gebracht»»erden(41.296 K->. Weltsplele der Mittelschüler in den großen Kampf- spielen belebten den Spieleifer ungemein. Als LeistungSprüfuiigen wurden durchgeführt:«in Geräteturnen am 18. März von den Prager deutschen Proscssoren für Turnen nii-t 320 Mittelschülern, ein Wettschwimmen der Mittelschuljugcnd am 2. Apri! mir 138 Nennungen. Dem Winiersport bient das Gebirgsheim des Vereine» in der Schule in Schüssvlbau-sen, wo zu Weihnachten 25 Kind» unter Leitung Prof. Gössinger» zehn Tag«. Ski-lau s betrieben. Sich» Kinder erhielten Unterstützungen dazu. Der Verein stellt« 73 Paar Ski leihweise zur Verfügung. Don Sevtenrb» bi» April hielt der Geschäftsletter-veimal wöchentlich Schwiimn- übungsabende ab, die gut besucht waren. Schwere Strafe für betrunkenen ßhauffeur. Prag, 4. Dezember. Bor dem„Autos«not" (Bors. OGR. Sikora) war heute der 31fährige Chauffeur Karl S«j k wegen des Vergehens der mehrfachen fahrlässigen schweren Kör perverletzung, und zwar mir t ö d l! ch« m Aulgang in einem Fall au geklagt. Am 22. Juli d. I. fuhr der Angeklagte in den Abendstunden mit dem Lastauto seines Dienftgebcrs durch die BYse tz r a d j k ü ulice in der Richtung gegen Nus le. Er wollte«inen» am Gehsteig haltenden Motorrad auNveichen und Icirkte so weit nach rcchi», daß er aus da» Trottoir fuhr, wo der Wagen zw.ü dort stehende Personen erfaßte. Ein gewisser Anton B e l s S n erlitt einen Schienbein- und Knöchelbruch, wogegen Robrrt BorskS an di« Mauer der Häuserfront gepreßt und buchstäblich erdrückt wurde. Der Polizeiarzt stellt« an Ort und Stelle fest, daß der Chauffeur sich in a l k ö- ho 1 isirr:« m Z u st a n d besiude.' Durch Z> ugrn wurde sestgejtelll, daß der Angeirunkcnc schon vor her um«in Haar in«ine'Gruppe spielender Kin der gesahren wär«. Außerdem wurde fistgestrllt, daß er in der kritischen Zeit eigentlich schon Lugst hätte MMMMMAMMMMMMMMMMIWMIWMIHIWMIMIWWWVWWWWMMI Porträt des Herrn Kurt Robitschek eine« der Gastregisseure am Prager Deutschen Theater sp«ltechuisch» Hinsicht ist interessant, daß der DFP. angeregt habe, die Amoleiir.bcstimmun,zcn dahiii- gohcnd„zu lockern", daß die Vereine die Pjlicht höi lei», Spieler, welche unter der Kris« leiden, maXriel! zu unlerstützcn! D» grv ßeZ Hindernis und konnte demzufolge nach der Paus« nicht mehr den Fugen (3:1). Sn Liden ice Hollen sich im Kampfe gegen Viktoria Lirkov beide Punkt« durch«inen 2:0(2:0)-Sieg. Slavia »st demnach Herbstmeister geworden m't einem Punk: Vorsprung vor Sparta. Das Tabcllcnde zieren Vil toria Likkov und Tidrnice. Ein« katastrophale Niederlage hat der Karl» hader FK. in Saaz äbbrkommen. Er verlor gegen bett DSV mit n'chl we»»ig«r als 11:0 6:0). Sonstig« Futzballergebniss«. Budwei»: kSK gegen DFC. 7:1(1:1).— Warn»darf: TFK. Aussig gegen WFK. 5:3(1:1).— Proßnitz: §K. gegen DSV. Brünn 6: l(3: l).— Budapest: Ujpest gegen Attila 3: l(1:0), Bocskai gegen Hungaria 2:1(0:0).— Wien: FC Wen gegen Sportklub 4:1(3:1), Wecker gegen Hakoab 3:2 >0:2), Rapid geg. Amarenrteam.20:ü.— Basel: Ferenovaros Budapest gegen FC. Basel 0:3(4:0). — Lugano: SchtoeizB gegen Ital'enB 0:7 fy: 1t.— Florenz: Jtal'en gegen Schweiz 5:2 (2:2).— Berlin: Deutschland gegen Polen 1:Ü. Wiener Eiskunstlaufer gallierien Samsiag und Sonntag im Prager Dinierstadion. Allen voran stand im Können, S cherheir und Schwierigke't der Weltmeister Karl Schäfer. Bei den Fronen entrauscht« Fritzi Burg», während.an beiten Tagen die junge Hedi Srenuf mit ihren Vorführungen wirklich einer» Genuß bot. All« übr'gcn boten zum Teil ansprechend:. aber auch kitschige Schau nummern- Guten Geschmack verriet diesmal die Diener Schule wenig. MBBM—wwvnn—iii ti orwp Mrg«rHth«r Xpert. Ein« Bautagung mit Et)re»gcschenkrn! Ter Desrgau de» DFV.(unter einem andern Romen mehr bekannt) hielt Sonntag in Asch«ine Tagung ab. Tas. wäre an und für sich belanglos; wichtiger jedo^ erscheint uns. daß die A s ch e r I n d u st r-i e l- len jedem Teilnehmer ein Ehrengeschenk ver- machten.-In welcher Form, da» allerdings mitzuteilen, sind wir nicht in der Lage. Aber genügt es nicht, daß die Ascher industriellen gegenüber' einer solch smrplen Tagung offen« Hände haben?! in Direktionen mit dauerndem Mißerfolg als Theater geführt wird. Bevor jedoch Herr Robitschek di«. Konzcffion als Bühnciileilcr erhielt, sah er sich genötigt, sein Bckenninis zu Hitler zu erläutern, das heißt abruleugnen. Also beteuert« er. er hab« jene Erklärung damals nur abgegeben, nur phlreichcn Künstlern zu helfen. Zn der Tat, »vann hatte ein T-hearerunternchnrcr je an sich und nicht an seine Angestellte gedacht! Sic sind durch- wegs Wohltäter der Meirschheir, die als solche nicht genügend gewürdigt werden. Wie dem immer, Kurt Robitschek eröffnete also die Kammerspiele und man muß ehrlich bestätigen, daß er sich viel Mühe mit den Aufführungen gab. Wenn der Erfolg hinter den Er- Wartungen zurückblicb, so liegt dies an der allgemeinen Krise, ebenso an dein Umstand, daß der neue Direktor Wien mit Barlin verwechselt«. In der Geschmacksrichliing. Jetzt aber auch in der Thca:«rgcs«bgebung. Zu seinem letzten Bunten Abend,„Lieb« klein« Bosheiten" genanni, probierte er Ta^c und Nächt« durch— und lai plötzlich sehr erftaunl, daß er Ueberstunden bezahle« müsse? Diese bösen Bühnenarbeiter! Kurzerhand entließ er sie, auch die Betriebsräte, »vas nach dem Gesetz schon erheblichere Schwierigkeilen bereitet. Cs gibt genug Arbeitslos«, denkt «r, Gelbe, die sich hohen Schuhes erfreuen; dir werden g«rn die Arbeit übernehm«»». Und tvaS sein« Schuldigkeit gegen die entlassenen Arbeiter betrifft, nun, zum gerichtlichen Urteil braucht«S eine gewisse Zeit; bis dahin können die Arbeit«: verhungern. Und schließlich, wann hätte sich«in Theatechirekror Sorgen tivgen Gagen- und^Lohnrückstände gemacht? im Nichtzahlen. Und so stehen merspiel« da und die Thealerarbeiter der Kam- ..., sollen verhandeln unter dem Druck, daß sie ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn sie nicht auf ihre sachlich und rechtlich begründeten Ansprüche verzichten.-Herr Direktor Robitschek sährt inzwischen in». Ausland herum, engagiert, disponiert und zeigt auch, wie man hört, seine Kunst als Regisseur. Auch seine Künste als ___, o_ i„>Dheaterleiter, der die- Angestellten um ihre Ap- besiht," aber'schön seit Jahren von wechselnden i sprüche bringen will? D. B. ttuaiaibn- etHlnit lail_ tkiltili t- Bilkile«»»I■ 11.— 8tta«imattl»Aet«ttefttav Dl«mll»«>,.— Dr*«: k^ Beltnne» unfc Sochdru«, kui— gül»an Tru«»era»»i>»,>Iich. 0t>» b»lU, »i«.-*k>ü^L-'iun-tmaUinU-nk-ia, matb*»'<"» M l».-. MaittliiWu» Kl it.~, ® tz.,a,atz„4 u M.—. Kl— Sn’twa MtMt larvi lat» btOi«* bauAatt. Val ilmu*ia»