13. Iabraang. f I I■—■•■-■■■■" Mittwoch. 13. Dezember 1933 Otr. 29t, Erst im Informattonsstadlom Verhandlungen mit Berlin Pariser Ninlsterrat über die Paris, 12. Dezember. Außenminister Paul Honcour erstattet« in der heutigen Ätzung deS Ministcrratcs miSfühvlichen Bericht über die mit Deutschland im diplomatischen Wege geführten Besprechungen und über den Meinungsaustausch mit den übrige» Ländern, von dem diese Besprechungen begleitet waren. Der Ministerrat traf kein« Entscheidung über den Standpunkt Frankreichs zu den Fragen, dir nach Ansicht der deutschen Regierung Gegenstand direkter Verhandlungen zwilchen Paris und Berlin bilden sollten,.da sich diese Angelegenheit noch immer im Infor- mationS st avium befindet. Wirtliche Verhandlungen können zwischen Frankreich und Deutschland nur dann aus. genommen werden, wenn die in Berlin und bei den befreundeten Regierungen erlangten Informationen derart sind, daß man jene Atmo- ■ sphäre erhoffen kann, dir unerläßlich« Voraus- sttzung für. jede derartige Verhandlung bildet. Die mformlerten Kreise halten, wie es I scheint, die ztveile Zusammenkunft des fran- ■ zösischen Botschafters Francois Poncet mit ' Reichskanzler Hitler für weniger bedeutsam, da der Reichskanzler bereits bei der ersten Zusam- menkunft seine Ansichten und di« deutschen For- derrliigen hinsichtlich des SaavgcbieteS und der neuen Rüstungen Deutschlands bekannt gegeben -hat. Bei dem gestrigen Zusammentreffen mit dem Reichskanzler beschränkte sich der Botschafter nur lauf den Austausch von Information Inen und ersuchte den Reichskanzler, ihm einige Gedanken auszuklären, die der Reichskanzler beim ersten Besuch ausgesprochen hatte. Außerdem brachte«rgowiss« Vorbehalt« vor» di« die französische Regierung zu einer bestimmten Zahl von Fragen macht. vlc spanischen Unruhen dauern an Zttge und Kirchen In Brand gesteckt Madrid, 12. Dezember. Den letzt«» Roch- richten von heute nachts zufolge herrscht noch in einigen Provinzen, insbesondere im Süden Spaniens, Unruhe. Genaue Nachrichten können nicht erlangt werden, da an zahlreichen Stellen telephonische und telegraphische Verbindungen neuerdings unterbrochen worden sind. 'Die Anarchisten werfen auf die fahrenden Züge Explosivfackcln. Hiedurch gelang eS ihn«», zwei Waggons des Schnellzuges Madrid—Barcelona in Brand zu stecken. Der Brand konnte jedoch bald gelöscht werden. In Alicante unternahmen die Anarchisten einen Angriff auf die Kaserne der Zivilgarde und gegen das Ratyaus. Es kam zu eine: Schießerei. Tic genaue Zahl der Opfer ist unbekannt. Den ersten Meldungen zufolge soll sich die Zahl der Toten und Verwundeten auf zwölf belaufen. Um zwei Uhr nachts erklärte der Innenminister Journalisten gegenüber, er hoffe, daß die anarchistische Bewegung ihrem Ende entgegengehe, und daß am heutigen Tage die Loge m ganz Spanien oereirS ruhiger sein werde. Der ExekutivauSschutz der sozialistischen Partei erklärt«, dl« Partei hätte mit dem anarchistischen Ausstand nichts gemein und lehne die Verantwortung sür ihn ab. 400 Milo Dynamit entwendet Aus verschiedenen Gegenden Spanien- werden neue Unruhen gemeldet. Bei La Coruna ist von Extremisten eine Kirch« in Brand gesteckt worden, um die Aufmerksamkeit der vor einem Pulverschuppen stehenden Schutzwache azulenken. ES gelang den Tätern, vierhundert Kilogramm Dynamit auf einen Kraftwagen zu laden und zu entkommen. Nachsetzeirde Polizei wurde durch Sperrfeuer agewehrt. 0er..Reichstag“ eröffnet Berlin, 12. Dezember. Heute fand die Eröffnungssitzung des ersten nationalsozialistische» Reichstages statt, des ersten Reichstage-, in dem es kein« Parteien mehr gibt. Kurz nach drei Uhr eröffnet« G o e r i n g die Sitzung. Er stellte di«„Beschlußfähigkeit" des Hauses fest. Unter den entschuld'gt fehlenden Abgeordneten befinde'! sich H u g e n b e r g. Aus Antrag des Abg. Dr. Frick werden G o c r i n g zum Reichstagspräsidurteu und der bisherige Präsident des preußischen Landtages Abg. K e r r l, dcr bisherige Präsident de» bayrischen Landtages Abg. Esser und Abg. von S t a u ß zu Stellvertretern gewählt". Zur„Abkürzung des Verfahrens" erhält der Präsident di« Ermächtigung, di« Ausschüsse im Einvcrnchnlcn mit dein Fraktionsvorsitzendep Minister Tr. Frick zu konstituieren und ebenso di« Beiräte bei den einzelnen Ministerien zu bestimmen. Ferner wird der Präsident«rrnächtiat, alle beim Reichstag eingegangenen oder in Zukunft eingehenden Petitionen den zuständigen Ministerien zur Prüfung zu überweise». Schließlich erhält Präsident Goering noch die Ermächtigung, daß er den Zeitpunkt und die Tagesordnlcng der nächsten Sitzung selbst bestimnien kann. hn ro en Gent wird r csäuhen Genf, 11. Dezember.(Insa.) In ihrer Sitzung vom Samstag hat die Regierung des Kantons Genf beschlossen: Den am 3. November von der alten Regierung ernannten G e n d a r m e- riekomMandanten Henri Müller mit sofortiger Wirkung z>l cittlassen. Di« Entlassung dieses fast isti scheu Gendarmevie-Kvmmqndanbm wird damit begründet, daß er für diesen Posten nicht die„notwendigen nwralischen Garcnttien" bietet. Schließlich hat die Regierung mehrheitlich beschlossen, dem Großen Rat ein« verfass»ngs- äNdrrnde^ Vorlage zu>micrbrciit«n, wonach die bisher übliche Eidesformel ,^Jch schwöre vor Gott«.durch ein Gelübde crjctzt werden soll. Angriff am die Arbeiter* hämmern? Wien, 12. Dezember. Wir di« Abendblät- ter Mitteilen, wird m kurzer Zeit«in Regie- rung-kommissär für die Arbeitrrkammeru in Oesterreich eingesetzt werden, während in di« einzelnen Arbeiterkammrrn Verwaltungskommissionen der Regierung entsandt werden. ES ist dies der erst« Schritt zur beabsichtiaten Reform der Arbeiterkammern, resp. ihrer Bereinigung mit den Handels- und Gewerbekammern. Nädisdnb für Wöllersdorf Wien, 12. Dezember. Heute tvurden zehn weiter« bekannt« nationalsozialistische Führer in daü Konzentrationslager in Wollersdorf ringe- liefert. Eine fasclslisdrc Gesthworenenbanh Graz, 12. Dezember. Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich heute der Nationalsozialist Gottfried Prath zu verantworten, weil er das am 3. Oktober aus den Bundes- kcnnlcr Dr. Dollfuß verübte Revolverattentat gebilligt u.iid im Gespräch mit zwei Bekannten das Bedauern ausgesprochen hatte, daß dcr Attentäter nicht genug energisch war und schlecht traf. Bei der heutigen Verhandlung stellte dcr Angeklagte diese Aussprüche in Abrede, woraus sein Rechtsvertreter, der bekannt« nationalsozialistisch?ldvolat Dr. Köpper, ein« scharst Red« zur Verteidigung der nationalsozialistischen Partei hielt. Di« Geschworene« beantworteten dann die Schuldsrag« mit vier Stimmen„Rein" und zwei Stimme»„Ja", woraus da- Gericht beschloß, von einer UrteilSfällnng abzusehen und den Akt dem Oberste» Gericht zwecks eventueller.Delegierung '«ine» anderen Gerichte» abzutreten. /Inton Svehla gestorben Prag, 12. Dezember. Heul« um 16 Uhr ist auf feinem Gut in Hostivgb der frühere Ministerprästveut Dr. Ttnton Svehla, der vovstheude der tfthecha- flowakifchen Agrarpartei, im 01. Lebensjahr« gestorben. Die«»mittelbare ToveSurfackz« SvehlaS, der feit dem Herbst des Wahres 1027■ schwer erkrankt war und sich nach jahrelangem Krankenlager im Stadium der Rekonvaleszenz befand, war eine Lungenentzündung, di« sich im Gefolge einer Grippe eingestektl hatte. Dcr Kranke schlummerte lzeute mit Unterbrechungen den gauzen Tag; der. 'Tod ereilte ihn im Schlafe. Mit ävehla scheidet eine der hervorra-l gendstcn politischen Begabungen des tschechischen Volkes und inan darf wohl sagen des Saales überhaupt aus dem Leben. Diese Anerkennung sei bei allem, was gegen Kvchla zu sagen ist, gegen den unsere Partei lange Jahr« in scharstm Kanrpst gestairden ist, vor- angestellt. Nicht allein weil es sich um einen! Verstorbenen hcnrdelt— denn övehla stand zu| sehr im Vordergrund« des öffentlichen« Lebens, als daß eine Beschönigung gerechtfertigt! erschiene— sondern weil ihn wirklich eine ungewöhnlich« Beweglichkeit, Anpassungsgabe und eine ausgezeichnete Geschicklichkeit im Ausgleichen von Gegensätzen innerhalb der von ihm geführten politischen Regierung-- gemeinschaft auszeichnet«. Obtvohl tzvehla seit einer Reihe von Jahren an einem schweren Leiden laborierte, das auch der Grund seines Ausscheidens aus dem politischen Leoben gewesen ist, kommt die Nachricht von seinem Ableben doch überraschend. Erst vor kurzen; ging die Meldung durch di« Presse, die langjährige Heilkur, dcr er sich un- terworstn hatte, habe seinen Gesundheitszustand soweit gebessert, daß er daran denke, sich wieder in erhöhtem Maße aktiv an der Politik zu beteiligen, der er vollständig ja niemals untreu geworden ist. Wenn diese Absicht wirklich bestand, so wurde sie nun durch seinen Kvehba ergriff tust fester Hand die Zügel der Regierung und vevsdmd es, in den Ruf des Besitzes einer „starken Hand" zu kommen. Er wurde nicht nur innerhalb seiner Partei eine unbedingt« Autorität, sondern genoß auch bei allen Koalitionspartnern ein hohes Ansehen. Je schwieriger sich die Lage dcr allnationalen Koalition infolge dcr sich im tschechischen Volke immer stärker herauSbildenben Klaffen gsgenisähe gestaltete, desto größer wurden die Anforderungen an Kvehstrs diplomatisches Geschick, die entstehenden Difstrenzen auSzu gleichen, die brüchigen S.ellen des Koalitionsgefüges neu zu festigen. Er bewies später, daß er nicht nur auf einem Klavier zu spielen vcr. stand. Ms die tschechische Regie- rungskoalitton trotz seiner Benni- hungen sic am Leben zu erhalten dock) zerfiel, bewies er Verständnis sirr die Notwendigkeit der Heroin- ziehung dcr Deutschen zur Wit regierung im Staate, dock) gab er dieser. Mitregierung eine Forin, die eine» ,großen Teil der deutschen Bevölkerung, vor allem die deutsche sozial- dcmolratisck)e Anbei tcrsckw ft in listige Oppv- sitionsstellung brachte. So wie svehla der llvhebcr der l)art umstrittenen Spracksen Verordnungen war, so wurde er auch der Vater der Bürgerdlockregierung, di« er wit I der Verheißung, die Deutschen würden'm der Regierung als„Gleiche unter Glci ! chen" gelten, einbcgloitete, ohne daß den | Worten die Tat gefolgt wäre. Auch wenn man ' der Meinung ist, daß er an der lvenigstens teiltveisen Erfüllung seiner Verheißung durch seine infolge des Ausbruchs seines Leidens erzwungenen Zurückziehung aus dem politi sck)en Leben gehindert worden ist, so sah man auch nichs von Vorbcreitungcn dazu. Unleugbar ist, daß er in dieser Zeit seine Euer- j gie daraus verwandt«, mit Hilfe dcr rein bür- . geglichen Regierungsmehrheit die Stellung der Besitzklasse im Staate auf feste Grundlagen zu stellen, wie er überhaupt ein ausgeprägtes bürgerliches Klassenbetvußtsein besaß und ihm auch in den gesetzgeberischen Maßnahmen des Staates Ausdruck zu geben trmßtc. Zugegeben sei, daß die parlamentarischen und politischen Schwierigkeiten während seiner Ministcrpräsi- [ dentenschaft keine geringen»varcn, aber sein s System tvar leider dock) oft, obwohl ihm eine unbodingte demokvatisck)« Gesinnung nachgc- ! rühmt wurde, doch ein solches, daß cs den persönlich keine breite Angriffsfläche zu bie- Tod, infolge einer außerhalb seines alten Leidens ausgebrochenen Krankheit herbeigcführt, verhindert. Als tzvehla im Jahre 1922 an die Spitz« der damaligen alluationalen Regierung trat, waren seine Fähigkeiten trotz der hervorragen den Rolle, di« er bis dahin innerhalb der tschechisch-agrarischen Bewegung, ihrer politischen und wir.sckxlftlichen Organisationen und innerhalb des„Nürodni vybor", das ist des tschechischen Nationastmsschusseö spielt«, nach außenhin wenig bekannt, sn daß die Meinung^ihm freilich seine Geschicklichkeit^dem Feinde auftauchen konnte, man habe nach dem Der- Respekt vor dein Parlanientarisnms nicht zu steigern vermochte. Sich iin offenen Haus seinen Gegnern zu stellen, wie das in den alten i parlamentarisch regier en Ländern als Selbst- I Verständlichkeit gilt, wich er geflissentlich aus, er regiert«.mehr hinter den Kulissen und war | im Parlamente sogar nur selten Gast. Unsere Partei hat mit Kvchla manchen harten Strauß auSgekämpst, doch kann dem Verstorbene» imchgcsagt werden, daß er alles in ollem ein vornehmer Gegner Mir, wobei bvmrch der ersten zur„ztveitcn Garnitur" zu len, sehr zu statten kam. Für seine Partei greifen sich gezwungen gesehen. Während sei- bedeutet sein Tod, obwohl er nur als ihr ner AmtSwirlsamkcit»-achte die!« Auffassung..gelegentlicher Ratgeber ausi.reteu konnte, eine». allerdings bald einer anderen Platz. Derrn! harten Schlag. Di« republikanische Partei, Ht Seite S. Mittwoch, 18. Dezember 1988 Nr. LSI die stärkst« Partei rm Parlamente und sie bei ihrer inneren Zerrissenheit aus einer einheitlichen Linie zu halten, war gewiß eine Leistung. Wie es nun werden wird, da KvehlaS Autorität in entscheidenden Augenblicken nicht mehr wird angerufen werdeit können, ist höchst fraglich. Wenn auch der Dahingegangene nicht von jenem überragenden Format war, wie ihm offiziöse Parteistellen nachrühmten, so war er doch eine staatSmännrschc Potenz, ein persönlich ehrenhafter Mensch und im Verkehr konziliant, ein geschickter Ausgleicher, wie es kaum einen zweiten gebe» dürfte. * Svehlas Leben In KvehlaS Leben widerspiegelt sich der Aufstieg der tschechischen Bauernklasse. Bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die tschechischen Bauern von der städtischen und kleinbürgerlichen Intelligenz geführt: Alttschechen und Jungtfckcchcn waren die politischen Vertreter der tschechischen Bauern, t'lber schon in den achtziger Jahren traten innerltolb der tschechischen Bauernschaft Mämrer auf, welche eine selbständige politische Bcrtre- tung ihres Standes anstrcbten. Dazu gehörte neben dem Begrmcker der tschechischen agrarischen Bewegung Alfons ätaskny auch KmhlaS Vater, der einen bäuerlichen Dcsth in Hostivak bei Prag besaß. Tort wurde Kpchla am 15. Avril 1873 geboren und durch seinen Vater frühzeitig für dir agrarischen Ideen getvonnen. Ungefähr seit Beginn des Jahrhunderts tvar Kvehla in den agrarische» Organisationen tätig, stärkeren Einfluß gewann er 1903, da er zum Vorsitzen, de« dcS PreßarrsschnfseS der Partei gewählt wurde und so einen großen Einfluß auf die Parteipresse errang. Er war es auch, der inner' Kaiib seiner Partei für den energischesten Kamps nm das allgemeine gleiche Wahlrecht cintrat, weil er vovausfah, daß dies den Einfluß der Bauern auf die Gestaltung der politisck)eu Ber- hältnifse stärken müsse. Diese Voraussicht hat sich auch erfüllt. 1007 erobert« seine Partei nicht zuletzt wegen ihrer Haltung im Wahlrechtskamps 27 Mandate, deren Anzahl rm Jahre 1911 sogar auf 36 stieg, so daß sie zur stärksten tschechischen Partei im Wiener Parlament wurde und allmählich in der Führung der tschechisch-bürgerlichen Politik den Jungtschechen und damit Kramük das Heft aus der Hand zu nehmen begann. Bezeichnend ist für KvehlaS Verhalten in der Vorkriegszeit, daß er, obzwar eS ihm rin Leichtes oetvescn wäre, ein Mandat im österreichischen RcichSra! zu erlangen, daraus verzichtete und eS vorzog, von Prag aus, hinter den Kulissen, aber um so nachhaltiger die Politik seiner Partei zu beeinflussen. 1008 nahm er ein Mandat im Böhmischen Laicklag an, weil er da nicht vom Mittelpunkt der tschechischen Politik sich entfenrle, der ihm mehr in Prag als in Wien zu liegen schien, Schon in der Vorkriegszeit wuchs auch sein Einfluß über den Rahmen seiner Partei hinaus, was auf sein konziliantes Wesen, sein« reale Beurteilung jeder Situation und seine scharfe Erfassung in der Wahl der geeigneten Mittel zurückzuführen tvar. Im Krieg wurde ßvehla olllnählich zum Mittelpunkte der tschechischen Politik. Anfangs zählte er zum opportunistischen Flügel der tschechischen Politiker, zu Beginn,des Krieges hatte er di« Auffassung, daß sich die' tschechische Nation weder viel für Oesterreich engagieren, noch sich allzu sehr komprmnittieren solle, letzteres für den Fall, daß die Zentralmächte auS dem Krieg siegreich hervörgehen sollten. Sein Bestreben ging immer wieder dahin, eine Einheitsfront der tschechischen Parteien zustande zu bringen, in seiner Wohnung trafen sich Politiker wer verschiedensten Richtungen, jo daß er als einer der Begründer der oiicheitlichen Zusammenfassung der tschechischen Abgeordneten nn„Hesky Svaz" (November,19161 ttnd der politischen Einheitsfront der tschechischen Parteien, im„Niirodui Bhbor" wnwe, dessen erster Geschäftsführer er tvar. Seit 1917 trat er auch mit Entschiedenheit für die Einheit der Tschechen und Slowakei em. Auch an der Umbildung dcS„Niirodui vpbor öofkoflovenskv"(Juli 1918), der dann der Träger der tschechischen Revolution im Jnlande wurde, hat er ein Hauptverdienst. Er war einer der sogenannten„Männer des 28. Oktober", die an der Spitze des Prager Umsturzes standen, er salbst tvar c§, der am Dormittag des 28. Oktober die Staatsgetreideaustalt für den„Närodni Vpbor" übernahm und der mittags in der Statt- Iwilctei dem diensttuenden Vizepräsidenten die Mtregieruuq des„Närodni Vpbor" aufzwa-ng. In der ersten Regierung Krauui?(14. November 1918 his 8. Juli 1919) fiel ihm das wichtige Ressort des Ministers des Innern zu, .rußerdem vertrat er den Ministerpräsidenten, der bei der Friedenskonferenz in Paris weilte. Auch nach dem Rücktritt Kramär, m der ersten Regierung Tusar behielt er das Ministerium ves Innern und war rin Anhänger der Regie- nmg der„Arbeiter und Bauern", wir dies ins- besondere die zweite Regierung Tnsar darstellte. Während der ersten Beamtenregiening 6ernh (15. Dezember 1920 bis 26. November 1921) war er der führende Mann des FünferauSschuf« seS, der alle politischen Entscheidungen traf und übernahm nach dem Rücktritt des Mimstervräsi- deuten Tr. Bene» die Neubildung der Regierung(5. Oktober 19221. Er führte sowohl die sechste Regierung bis 15. November 1925 und die siebente Regierung bis zum 18. März 1926. Nach einer zweiten Zwistbenregierunq 6erny wurde er am 12. Oktober 1926 neuerlich Ministerpräsident einer Regierung, die ans den tschechischen und deutschen bürgerlichen Parteien zusammengesetzt war. Ebenso wie er in der Regie- rtmg der Arbeiter und Dauern saß. machte er seit 1926 die Politik des Vürgerblocks. Ende 1927 erkrankte er und schied auS der aktiven Politik auS. Dem Namen nach blieb er noch bis ztmr 1. Feber 1929 Ministerpräsident. In den letzten Jahren war er durch seine 'schwere Krankheit verhindert, aktiv in die Politik einzugreifen. Immerhin haben seine Parteifreunde seinen Rat öfter eingeholt. Auch bei der Bildung der Regierung Malhpeir im Herbst 1932 übte er seinen Einfluß in der Richtung der Erhaltung der gegenwärtigen Koalition auS. * veneisskvna-edvnüen Ter Präsident der Republik sandte Fxau tzvehla folgende telegraphische BeileidSkund- gebung: Geehrt« Frau Svehlovs, ich erhall« soeben di« unerwartete Rachrcht von dem Heimgang meines befreundeten politischen Mitarbeiters. Svehla hat ausgelitten und die Republik hat«ine« führende« Staatsmann verloren. Ihnen und der ganze» Familie kann es rin gewisser Trost fe n, daß dl« politisch« OefsenUich- lcit der Republik ohne Unterschied mit Ihnen suhlen wird und daß sie dos Andenken nicht nur an den der Republik musterhaft ergebenen Staats-, mann, sondern auch an den guten Menschen be- tvahren wird. T. v. Masacyk. Ministerpräsident Molhpetr sandte namen? I der Regierung folgende« Telegramm: I Gnädige Frau! Ich bitte, daß aufrichtig« und i tief« Beileid zu dem hart«« Schicksalgschlag ent- gegennehmen zu wollen, der Ihr« Familie und de» Staat durch das Ableben deS Vorsitzenden Sbehka getroffen hat. Die Republik und die Ration benagen schmerzlich diesen unersetzlichen Verlust. Für die Regierung der Republik: Malypetr, Vorsitzender der Regierung. * Natfiriil im ninisterrat Der Vorsitzeltdc der Regierung Malypetr berief auf 9 Uhr abends in das Präsidium des MinisterrateS eine außerordentliche Sitzung deS Ministcrratss ein, in der er anläßlich des Ablebens Dr. Svehlas eine Trauerrede hielt. Malypetr sagte in dieser Rede u. a.: Die Schwere des Schmerzes über diesen harte« Schicksalsschlag ist so vernichtend, daß er sich nickst in Worten ausdrücken läßt. Alle, die nur dieses edle, von Liebe zur Republik und chrem ganzen Doll erfülltes.Herz, seine tiefe und empstnd- liche Seele, seinen scharfen Vevstaiw, seine Lpfer- wMiglcit und seinen festen Willen in der ehrlichen und anspruchslosen Arbeit für den Staat und sie Nation kannten, sind ries überzeugt, daß sein Hinscheiden für die Republik einen umrsetzllchan Der- lust bedeutet. Die Geschichte des erneuerten Staates wird davon erzählen, daß in Anionin Kvehla dem Staate em vorbildlicher und hervorragender Staatsmann sein Leben widmete, daß ein edler und großer Mensch gestorben ist." Die Regierungsmitglieder hörten die Trauerkundgebung stehend an. kW Staatsbegräbnis Der Ministerpräsident wurde von der Regierung damit betraut, zusammen mit seinem Stellvertreter, dem Eisenbahnminister Bechyn«, mit der Familie de« Verstorbenen di« Details des Begräbnisses zu besprechen, daS ein Staatsbegräbnis sein wird. Di« Details werden nachträglich amtlich milgeteilt werden. • Attssfhoßstfzungen abgebrochen Die Nachricht vom Tode K v e h l a S traf gegen 5 Uhr im Senatsgebäude ein. Der Vorsitzende des Budgetausschusses K r o i h e r ersuchte den.Kommunisten Mikuliüek, der gerade zum Landwirtschaftsbudget Stellung nahm, seine Rede zu unterbrochen, und hielt dem Toten einen kur- zen Nachruf, worauf di« Sitzung unterbrochen wurde. Inzwischen traf auch Senatspräsident Dr. Soukup im Sitzungszimmer ein. Nach kurzer Beratung wurde die Sitzung zum Zeichen der Trauer geschlossen. Im Parlamentsgebäude tagten lediglich die KoafttionsauSschüsse für den Mieterschutz und für die SozialverstchcrungSnovellcn. Nach Eintreffen der Trauernachricht hielten die Vorsitzenden ebenfalls kurze Nackpmfe; der Wohnnngsausschuß wurde hierauf vertagt. Auch die Sitzung der böhmischen Landesver. tretung wurde zum Zeichen der Trauer vorzeitig geschlossen. »er ObcrDttrgcr»r. Samer und seine Sorgen um di« Gemelndemandatr. Herr F. B., also der von«ns seit langem richtio geschätzte DAWG Abgeordnete Dr. Bacher, lcttartikeite gestern in seiner hundertmal al- nur demokratisch getarnt obgeurtcilten„B o h e m i a" über die Nenbcsetzung der Gemeindemandate und gab seinem— nicht lachen!— demokratischen Unmut darüber Ausdruck, daß die deutschen Sozialdemokraten auch auf frei geworoene nationalsozialistische Sitze Anspruch erheben, obwohl sich doch eigentlich— meint Herr Dr. Bacher— an dem Kräfteverhältnis zwischen Marxisten und Nichtmarxisten nicht- andern dürfe; wer seinerzeit nationalsozialistisch wählte, würde jetzt gewiß jede andere deutsche Partei eher als die deutschen Sozialdemokraten tvählcn; und so liege denn seitens der deutschen Sozialdemokraten„krassester Parteiegoismus" und„Mißbrauch" der Macht auf Kosten deS Bürgertums vor. Zunächst wollen wir Herrn Dr. Bacher fragen, woher er denn so bestimmt weiß, daß die obdachlosen Nazis just nnS nicht wählen würden? Will Dr. Bacher irgendjemanden glauben machen, daß die von den Nazis verführten Menschen sich etwa in Masten den Christlichsozialen zuwenden würden, die seit Jahren die frag« würdigsten Kunststücke machen, um nicht aus ihrer Schaukel herauSzusallen? Oder etwa der Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, die man im überwiegenden Teil deS sudetendeutschen Gebietes mit Recht als eine Gesellschaft ansicht, die an dem etwas auSge- zogenen Tisch im Prager Deutschen Haus Platz hat und sich dort den Kopf darüber zerbricht, wie man auf gut jüdisch fascistischc Unternehmerpolitik macht? Oder will Herr Dr. Bacher jemandem einreden, daß die ehemals nationalsozialistischen Arbeiter und Angestellten in den fuvetcndcutschcn Städtep und Jndustriedörfern den Landbündlern ihre Stimmen gäben, die ihr Lebtag noch kein anderes Interesse als daS der Großgrundbesitzer und der Mittelbauern vertraten? Es besteht doch kein Zweifel darüber, daß der weitans größte Teil der nationalsozialistischen Wählerschaft sich auS den unbemittelten BolkSkreisen rekrutierte und d'aß deren Votum eben auch sozial begründet war; daß sie von den Nationalsozialisten sozial und national enttäuscht wurden, ändert nicht? an den Tatsachen. Und ist Herrn Dr. Bacher unter diesen Tatsacken nicht auch jene bekannt, daß die Nationalsozialisten gerade in jenen Gebieten, in denen vorher die Kommunisten die größte Anziehungskraft entwickelt hatten, das beste Agitationsfcld vorfanden und auszunützen vermochten? Vielleicht würden heute viel-- wieder zurück wechseln— jedenfalls aber würde nur ein Bruchteil zu den allen Bürgerparteien übergehen, die übrigens— Herr Dr. Bacher soll nur die„Bohemia" nachlesen!— früher bei gewissen Gelegenheiten einen nicht bürgerlichen Charakter der Nationalsozialisten fcstzustcllen bemüht waren, beispielsweise wenn die nationalsozialistischen Mandatare, meist sehr gegen den eigenen Willen, aber unter dem Druck ihrer proletarischen Wähler, in den Gemeindest» den die sozialdemokratische Politik zu unterstlitzen, für fozialdcmokratifche Einträge zu stimmen sich gezwungen sahen! Alle diese proletarischen Wähler, die sich seinerzeit Von den Nazis verlocken ließen, würden jetzt, wenn sic durch Mandatare der altbürgerlichen Parteien vertreten wären, in sozialer Hinsicht erst recht um die Wahrnehmung dieser ihrer Interessen kommen. Dagegen fanden sie natürlich, soweit sic nach wie Roman von Felix Fechenbach Lene ließ ihren Kopf auf daS Deckbett der Mutter sinken»nd lveinte. ,Lch bin nit schlecht, Mutter..-!" schluchzte sic auf. Die Mutier hatte sie ruhig aiigehörr mit einem jchmcrzlwsten Zug um den Mund. Jetzt streichelte sie ihr das.Haar und hatte eine ganz gütige Stimme, als sie sagte: „Wein dich nur auS, Lene, wein dich nur auS..." Und nach einer Weile.„Ich werd's dem Patter erzählen, wie s gewesen is. und er darf dich nit schnupfen, Ich sag's ihm schon." „Und bist mir nit bös, Mutter?" „Lieber ivär mir's Icko, ivenn d' nit schwanger wärst. Bist haU iu viel allein gewesen, und die Großmutler>» icho bald siebzig. Wen« d' mit uns im Wohnwagen g'fahren ivärst, dann wär's nit io komm«». Und wenn du daun dort einen juügen Burschen g'suuden häll'st, von d^r SchifsSschaukcl oder von einer anderen Bude, dc» du gern g'habt häst, der hält dich nil sitzen lasse« mis'm Kind, der hält dich g'hciart. Aber g'sckehn is g'schehn. Jetzt iß scho. wie's emal iS. Wen« halt so c junger Herr kommt und tut schön, da geht'S manchmal schnell, und dann is cs halt Paj- siert... Ich werd morgen mit der Regina reden. Wenn's dann soweit is, dann kommst zu ihr. Und was weiter wird, tver'n wir dann sehn. Aber jetzt hör«mal aus zu weinen. Lene. ES tut dir jo niemand was." „Und ich hob so Angst q'habt, Mutter, und jetzt bist du so gut zu mir und schimpfst gar nit." Sw küßte die Mutter unter Tränen aus die Waugeu. Heute nacht schtief Lene ruhig. ES war ihr. als w-rc eine Zentnerlast von ihr genomnren. Tante Regina machte am andern Tag große Augen, als sie von Mutter Cornelius alle- erfuhr. Aber sie wollte der Lene beistehn, so gut sie konnte. Lene könne im Frühjahr zu ihr kommen; wenn sie wolle, auch schon früher. Und daS Kind werde sie in Pflege nahmen. Mit der Großmutter könne nran ja am Sonntag alles bespreche». Nur ein Bedenken hatte Tonte Regina. Ob's die Großmutter allein machen könne in Würzburg. Sir sei doch nicht mehr die Jüngste. Aber Lene meinte, es werde schon für ein Paar Äock>en gel>en, die Großmutter schasse eS ja jetzt auch allein. Am Bahnhof in Nothcuburg wartete-Hans Corneliu» am Sonntag ans den Frühzug. Lene hotte ihm zwar nicht mit Bestimmtheit lagen können, ob Grell komme» wich, aber er war überzeugt davon, auf irgendein« Weise würde sie cü schon möglich gemacht haben. Der Zug lief ein. Grctl winkte auS einem Fechter und HanS lies hinüber zuni Zug. Als di« Gr'lchwistcr-Hein auSstiegen fragte er lacherid: „No, hat'euch der Bullcbeißer doch fortgelassen?" Er gab Gretl und Franz die Hand. „Ganz leicht war's ja nit", sagte Gretl und erzählte ihm, wie Franz die Sache gefingert hatte.„Ter Franz iS immer mei Nothelfer, wenn's kritisch's. Dafür kriegt er heut zum Nachtisch auch einen Kuß von mir." „Nä, dadrauf is ja oer HanS bei dir abonniert", wehrte Franz heiter ab. „Auf einen kommt's ja nit an", lacht« HanS. „Der iS dir neidlos gegönnt." Sie gingen dem Städtchen zu, daS ein ganzes Stück vom Bahnhof abliegt. Bor den alten Stadtmauern, auf einer großen Wies«, ivaren schon alle Buden ailfgebaut. Nachmittogi sollte der Jahrmarkt beginnen. „ir gehn zuerst zir unserm Wohnwagen", schlug HanS vor.„Die Lene is auch hier, daS werdet ihr ja scho wissen." Die große Kasperlbude stand fix und fertig da. Vater Cornelius nahm gerade die Schutzhülle von der Drehorgel heninter. „Da sin ja die Würzburger!" begrüßte er die Ankommenden.„Steht's Käppele noch auf fei'm alten Fleck?" „Freilich", gab Franz zurück,„meinen Sic vielleicht, wir hatten das Neumünster auf'n NikolauSbera getragen nnd's Käppele liebe» den Dom g stellt?" Sie gingen hinter die Bude zum Wagen. Dort hantierte Lene, die das Arbeitsgebiet der Mutter bereits übernommen hatte. Sie kam auS dem Wagen heraus und begrüßte Gretl und Franz. Als ihr Franz die Hand reichte, wurde sie verlegen. Er merkte aber nichts davon. „Bist jetzt doch in den Wohnwagen gezogen", fragte er sich mit leichtem Anflug seines gurmütigcn Spotts. „Ja, aber bloß aushilfsweise, bis die Mutter wieder g'sund is. Mit meiner Arbeit bin ich schon fertig. Der Vater kocht sich sei Essen heul selber. Ich hab ihm alles hcrgcrichrci, er braucht's nur noch auf's Feuer stelln. Da könnt ick jetzt, bis mittags der Betrieb hier angchr, mit euch gehn. Wir vier essen dann in der Stadt." „Schau» wir uns zuerst das alte Städlle emal an", schlug Franz vor. Da HanS schon wiederholt in Rochenburg war, übernahm er die Führung. Er ging mit Gretl voraus, und Fran; folgte mit Lene. Durch ein altes, epheuumranktes Tor kamen sie ins Städtle und gingen an der Jnncnscitc der noch fast vollständig erhaltenen Stadtmauer entlang. Grau und moosbewachsen zog sich der Mauerring um alte Häuser. Da und dort ragten Wehrtürme mit Zinnen iind Schießscharten darüber hinaus, als hätten sie heute noch erne kriegerische Aufgabe. Die Vier kamen an eine HoHtrePpe, die zum Wehrgang führt, stiegen hinauf und gingen«in ganze- Stück auf dem Wehrgang, der noch gut erhalten war. Die Mauer ist auf der Hohe des WchrgangeS mit Märtel beworfen und glatt. Biele Besucher haben da, weil sie wunder meinen, wie wichtig das sei, ihren Namen eingekritzelt und das Datum des Tages, an dem sie da waren, Fran; schimpfe derb auf diese Mandbekritzler. Aber plötzlich blieb er stehen und machte die audcren auf ein paar Rötelzcichmlngen aufmerksam» einen Reiter nick einen Soldaten mit Hellebarde. Die mochten noch ans älter Zeit stammen von den Bürgern Rothenburgs, wenn sie in Wehr und Waffen hier oben Wacht hielten gegen den Feind. , Die Schießscharten gaben de» Blick frei in das weite, herbstliche Land. Bei der nächsten Treppe stiegen die vier Spaziergänger wieder herunter und schlenderten durch die Stadt mit ihren alten Fachwerkhäusern und den alterö- arauen Steinbauten. Die Gasthäuser trugen zum Teil noch althandwcrkliche. lchmicdecilerne WAls- hauSschilder, die we't in die Straße hineinragten. Schöne, lauschig« Winkel wurden ausgestöbert in den engen Gassen mit kleinen Häuschen d'c nockt mit Buhechcheibcn auSgcstattet waren. Es gab viel zu sehen uitd zu bestaunen kür die Würzburger. Gairz Rothenburg schien wie ein Stück Mittelalter, an dem die Zeit vorübergegangen ist, da- sich mitten IN der modern gewordenen Umwelt in alter Schönheit erhalten hatte. .Hans wollte mit Grctl noch ein Stückchen vor die Stadt hinaus gehen und vereinbarte mit Franz einen Gasthof, in dem sie fick alle vier um zwölf Uhr treffen wollten. „Wir ham uns garnimmer g'lehn seit der T-qnzckurs zu Ende is". wandte sich Franz an Lene.„.Host wohl bellche op'elltchaft g'funden in Würzburg?" (Fortjetzruig solgk.) Jlt 291 Mittwoch, IX Dezember 1933 Seit« 3. Hitlerterror vor de Weltgericht des Untersuchungsausschusses vor na t i on a l s oz ia l i st i s ch-fa sc i st is ch e Gelüste hegen, bei den Parteien, für die Dr. Bacher ex osfo auftritt, weitestes Berständnis ES ist aber wahrhaftig nicht unsere Aufgabe, mitzuhclfen, das; die Christlichsozialen und „Deutschbcmokratcn" und alle jene, die in den anderen sudetendeutschen Blättern ähnlich wie in der„Bohemia" für den Antritt dieses ErbeS plädieren, Gelegenheit zuin Nachweis solcher Absichten erhalten! Herr Dr. Bacher, der da die deutsch« sozialdemokratische Politik deS Mischrauchs der Macht zu zeihen sich uirterfängt und„unter dem roten Frack den Pferdefuß krossesten ParteicgoiüinilS" Wahrnehmen will, weih sehr gut, wie es sinan- jiell in den sudetendeutschen Gemeinden au£> sicht und daß unsere Vertrauensmänner und unsere Partei Opfer bringen, wenn sie sich der wahrhaft undankbaren Aufgabe der Gemeindeverwaltung in dieser Zeit noch stärker als bisher zur Verfügung stellen. Er weiß aber auch sehr gut, daß sein weiterer Angriff gegen Einzel- källe, in denen deutsche Sozialdemokraten ehemals deutschnationale Sitze für sich beanspruchen, in dieser Form an Perfidie grenzt, weil es sich dabet um solche Sitze handelt, die von den Dentschnationalen auf Grund einer Arbeiter- liste besetzt wurden. Herrn Dr. Bocher geht es bei alldem— und daraus macht er erfreulicherweise kein Hehl — nur um die Interessen der Besitzklasse, für die er die Neubesetzung der Gemeinde- Mandate gerade in der fürchterlichsten Notzeit der arbeitenden Menschen auSnützen möchte. So schaut seine„Demokratie" aus! Immer wieder zeigt eS sich, daß er zu den unverhüllte- st«n Fetnden der Arbeiterschaft gebärt. Aber wenn wieder einmal Wahlen kommen werden, dann wird er sich auch wieder darin zu tarnen versuchen und die„Bohemia" wird wiederum ihr Herz für Angcstclltcninter- essen entdecken. Wir werden eS dann leicht haben, solchen Mißbrauch aufzudecke», well insbesondere die ganze„Bohe»lia"-Politik überhaupt nur aitS einem Pferdefuß besteht! ver widerstand gegen die SdiuivoriaCeu Prag, 12. Derember. Im BudgctanSschuß deS Parlaments wurde heute vormittag die Schuldebatte abgeführt, an der sich eine große An,zahl von Rednern beteiligt«. Schulm niftcr Dr. Dürer befaßte sich in seinem Schlußwort tnit seinen Schulreformvorschlägen und gab zu verstehen, daß der Widerstand gegen dies« Reformen notwen- diaertveise einen gewissen Stillstand in der Schul- gefetzgebung überhaupt nach sich zielen müll«; dadurch würden auch Maßnahmen blockiert, die die Gegner der Reform anstveben. Dr. Dürer begegnete einzelnen Vorhalten, daß in der Schulgesetzgebung im letzten Jahre nichts geschehen sei, mit dem Hinweis darauf, daß die seinerzeitigen Gesetzentwürfe über di« Organisation und Verwaltung der Schule in mancher Hinsicht bei einigen Parteien aus grundsätzlichen Widerstand stoßen, ohne besten Ueberwindung man nicht weitergchen kann. Auch die Errichtung eines Landesschulrates sür die Slowakei sei dadurch gehemmt. Diejenigen, die auf die Errichtung diese- Landes» Ichulrates drängen, müsten ihren politischen Einfluß geltend machen, um die Hinderniste, dir sich der Neuorganisation des Schulwesens in den Weg stellen, zu beseitigen. Tic Vorlage über die Distriktsbürger schulen stößt im Kulturausschuß des Abgeordnetenhauses auf finanzielle Schwierigkeiten, weil man bezweifelt, daß eS angesichts der heutigen Verhält« niste möglich wäre, di« Gemeinden in der Nm» gebung einer solchen Bürgerschule zu einer Bei- tragSleistung zu vrrhalten. psaagosisme Akademien obligatorisch? In der Frage der Lehrerbildung sprach sich der Minister sür die Errichtung von pädagogischen Akademien aus. Das Ministerium hat einen dies- bezüglichen Antrag bereits ausgearbeitet. Die Frage der Neuregelung der Lehrerbildung wird in der nächsten Zeit gelöst werden müssen, da sich die Berhältniste des Lehrernachwuchses immer unerfreulicher gestalten. Heute gibt es bereits über 2600 stellenlose Junglehrer; da ihre Zahl noch ständig wächst, wird eS zu einer gewissen R e- striktion der Lehrerbildungsan st alte» kommen müsten. Es wird aber weder der Bevölkerung und noch weniger dem Bildungsniveau zum Schaden gereichen, wenn man von der Lehrcr- schäft mehr als die Absowierung einer Lehrer- bildungSanstalt fordern wird. Einjährige pädagogi, sche Akademien können mit den Mittelschulen lo kombiniert werden, daß die künftigen Lehrer sich bereits in den beiden obersten Mittellchulklosten für den Lehrcrberuf vorbereiten können. Tie Absolventen der bestehenden Lehrerakadcmien bewähren sich in der Praxis. Der Minister befaßt« sich dann u. a. mit Ho ch s ch u l f r a g e n; der Errichtung einer slowakischen Technik gegenüber verhält er sich nach wie vor ablehnend, da hiesür weder die finanziellen, noch di« wistenschaftlichen Voraussetzungen derzeit gegeben seien. * Am Nachmittag wurde das Kapitel Land- Wirtschaft in Verhandlung gezogen, jedoch nicht beendet, da mittlerweile die Nachricht vom Tod« bvehlaS«ine Unterbrechung und schließlich den Schluß der Sitzung herbeikührt«. Da« Kapit«l wird erst nach Abschluß der übrig«» Budgetkapites nachträglich zu Ende geführt werden. Oefffentliche Sitzung Paris, lt). Dezember.(Anpreß.) Der Untersuchungsausschuß zur Aufklärurrg und Verhinderung deS Terrors in Hitler-Deutschland trat im Saal der Sociätä de l'Encourageinent pour I'Andustrie unter dem Vorsitz von Frau Professor Lahv der Pariser Universität und Lord Marlen, dem Vlze-Präsidenten des englischen Oberhauses, zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammen. An der Untersuchung nahmen teil Ivor Montague, R. I. Buckingham (Delegierte aus Englarrd), Dr. Jean Dalsace, Dr. Weißmann-Netter, die Advokaten Sasia Erlich, Dr. Rosenselder und der Herausgeber der„Revue Juive", Josua I e h u d a. Der Saal ist von Persönlichkeiten des öffentlichen, politischen und kulturellen Lobens Frankreichs dicht besetzt. Zur Rechten des Ti'ches, an dem der Untersuchungsausschuß Platz genominen hak, sitzen die Zeugen, die vernommen werden sollen; man sieht Köpfe, die so verbunden sind, daß sie nur daS Gesicht freilasten. In ihrer Eröffnungsrede erklärt Frau Prof. Lahy, daß Goebbels in Gens die deutschen Verhältnisse gt rühmt habe; die Zeugen, die vor dem Untersuchungsausschuß auftreten würde», gäben dem Propagandaminister eine schreckliche Antwort. Lord Marleh erinnerte an das Blutgericht, daü erst vor wenigen Tagen an sechs Kölner Arbeitern vollzogen wurde und daS in der gesamten Oeffentlichkeit Entsetzen hervorries. ver Bericht Tsdioppiks Als erster Zeuge erschien der frühere Ehesredakteur der„Münchner SonntagSzeitung", Walter T s ch u p p i l, der von März bis November 1033 im Münchner Pol'zeigrfängnis Ettstraße e:»gekerkert war. Tschuppik wurde auf der Station für kriminell« Verbrecher, Diebe und Mörder unlergvbracht; sechs Monat« lang faß er in Einzelhaft. Er fei behairdelt worden wie der letzte Rekrut; Anklage gegen ihn habe man nicht erhoben, erst am Tage se'ner Entlassung. wurde ihm mitgereilt, daß man ihn wegen HochverratSverdacht verhaftet hab«. Einen Mitgefangenen, Dr. Fritz Gerlich, holten nachts zwei SS-Leut« zum„Verhör", stießen ihn d'e Trepp« hinunter, führten ihn in den als Folterraum bcrnch- liglen„Weißen Saal", warfen ihm ein Tuch ül>er den Kopf und schlugen eine Stunde lang derart aus khn«in, daß er am nächsten Tag, di« Arm««'n- gebunden, den Kops mit Pflastern bedeckt, das Zimmer des Arztes verließ, wo Tschuppik selbst ihn sah. Berner, Konzentrationslager, Mord Die nächste Zeugin, Emma Stenzer, Frau eines ermordeten kommunist'fchen Abgeordneirn. Mutter dreier Knder, gab«inen der furchtbarsten und«richütt«rndsten Bericht«, di« bisher zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gekommen sind. Sie wurde am 19 April, um 8 Uhr früh, ron fünf Nazis verhaktet und ins Polizeigrfängnis Stadelhcim abgeführt. Man sucht« ihren Mann, und man kerkert« sie ein. da man den Mann nicht fand. Am fünften Tag ihrer Hast stellt« fl« beim Spaziergang im Gesäirgn'Shof fest, daß von den drei Frauen, di« gleichzeitig mit ihr verhaftet worden waren, eine fehlt«: sie hatte sich« r h ä n q t. Sie hinterließ zwei kleine Kinder, ihr Mann befand sich im Konzentrationslager. Von diesem Tag« an wurden di« Frauen schlimmer als kriminell« Verbrecher behandelt. Mitt« Juni erfuhr Frau Stenzer, daß ihr Mann verhaftet fei. S'e schrieb an ihn mehrmals, sie erhielt keine Antwort. Bier Monat« lang wurde sie in Einzelhaft festgohalten. Am 92. August teilt« ihr die GefängniSlcitung mit. daß ihr Mann, der sich im Konzentrat'onSlager Dachau befunden hab«, auf der Flucht«richostrn worden’ci. Frau Stenzer brach ohnniöchtig zusammen. Nachdem sie das Bewußtsein wieder erlangt hatte, erklärt« sie. daß ihr Mann nicht geflohen,'andern ennordet worden sei; sie werde jede Nahrung verweigern, wenn man sie zur Beerdigung ihres Mannes nicht freilastc. Dir. Platter ernennt Ihren Sohn nicht „Ich war so schwach/ erzählt« Frau Stenzer .m>r tränenerstickter Stimme. ,chaß ich nicht mehr gehen kannte, als man mich am dritten Tag nach dem Tode meines Mannes entließ. Der GcfängniS- arzt gab mir Modikament«. Ich hatte kein Geld, nm zu fahran. Ich brach auf der Straße nochmals zusammen und wurde von Arbeitern' auf einem Kohlenwagen nach Hauke gebracht. Meine Bekannten bereisten m'ch auf den Augenblick vor, da ich meinen getöteten Mann Wiedersehen würde: den, den ^ch sehen werd«, würde ich nicht erkennen als meinen Mann, sondern als einen, der mir frenid sei. Ich war auf daS schlimmst« gesaßt, aber so entsetzlich w e da», was ich sah, kann kein Mensch sich daS vorstellrn. Selb st feine Mutter hat ihren Sohn nicht wirdererkannt Immer wieder riet di« alt« Frau den Toren an: Bist du es od«r bist du es nicht? DaS Gesicht war voller Striemen, d'e Nase war zerfetzt, im Gesicht war«in kleine», am Hinterkops«in großes Loch sichtbar Mein Mann wog 171 Pfund, als wir auseinanderkamen: der Tot« wog 85 Nur an einer verwachsenen Narbe des kleinen Fingers erkannt« ich. daß es mein Mann war..." Der vorder: Minister Rudolf HcB Der Bericht der Zeugin wurde von de» An- wesenden mit einer ungeheueren Erregung ausgenommen Sechs Wochen, ergänz» Frau Stenzer ihr« grauenerregenden Mitteilungen, saß ihr Man» im Dunkelarrest des Konzentrationslagers Dachau. Er erh'elt nur jeden dritten Tag«inen Krug Master und Brot. Decken verweigerte man ihm. die Kleider hatte man ihm abgcnommen. Am linken Arm und rechten Fuß war er gefestelt. Zn den ersten drei Tagen wurde er Stunde um Stunde furchtbar mißhandelt, vom vierten Tage ab regelmäßig jeden Abend um 10 Uhr. Noch sechs Wochen erlaubte man ihm jeden Tag einen halbstündigen Spaziergang; man mußte ihn führen, er konnte kaum noch gehen und sehen Dios« Einzelheiten einer teuflischen Behandlung im Koirzentrationslager Dachau erfuhr Frau Stenzer von Nazis, mit denen sie sich später in Vcrbindung setzte und di« sie zum Roden bewog. Sie erfuhr weiter, daß der Kommistar Mitzauer von ihrem Manu verlangt bat», Protokoll« zu unterzeichnen, die von Nazis aufgesetzt worden waren, und auf di« De'gerung des Gefolterten zynisch erklärte:„Sie werden ja alles mit ins Grab nehinen." Am nächsten Tag«ar Stenzer erschossen: Einschuß im Gesicht, Austritt der Kugel am Hinterkvpf— di« Meldung hieß:«rschosten aus der Flucht. Das Mordkommando bestand aus den Nazis Hofmann und Bettrey aus Pasing und Steinbrenner aus München; der Führer des Kommandos war der Nationalsozial st Kannschuster aus Pasing. Den Befehl zum Nlord gab der dauralig, Parteiführer Nazis in München, d«r heutig« Stellvertreter Hitlers und Minister ohne Portefeuille, Rudolf Heg. In der„Landpost" wechseln Berichte über landständische Kundgebungen mit einer ausgesprochenen Klassenkampf-Nachricht ab. Sie bestätigt nun in ihrer gestrigen Ausgabe die Gründung eines„GcwerkschaslSverbandes deutscher Arbeiter und Angestellter" durch die deutschen Agrarier. Sitz dieses Verbandes ist Bodenbach, fein Obmann der kürzlich abgesagte Generalsekretär deS B. d. L., Herrn I a n n a u s ch. Es kann nur der Mut der Verzweiflung sein, der die Führung des„LandstandeS" veranlaßt, sich in solche Abenteuer zu stürzen. Daß sie ihre tönenden ständischen Schlagworte so rasch Lüg« strafen wurde, wagten rhre optimistischen Gegner nicht anzunehmen. Konstituierung des Landstandes uiid gleichzeitige Zerreißung der Arbeiterschaft in«in rotes, in_ ein schwarze» und zum Ueberfluß noch in ein grüne- Lager— zu durchsichtig wird, da der reaktwnärr Sinn der Ständepolitik! ES bleibt das traurige Verdienst der Nazisührcr, den Mißbrauch eines Teiles der Arbeiterschaft für bürgerliche Parteizwecke zu einer geheiligten Einrichtung gemacht zu haben, auf die unser Stadt- und Landbürgcrtum auch nach der Auslösung der hakenkreuzlerische» Organisationen nicht verzichten will. Die Laiidständler wollen offenbar das gewerkschaftliche Erbe der Nazis nicht de» Christlichsozialen und schon gar nicht den Sozialdemokraten überlassen. So greifen sie zu cmem Experiment, daS selbst oei Ben Akiba nicht dagewese» ist, zur Gründung einer agrarischen Arbeiter'- und Angestelltengewerkschaft. Wie weit dabei daS unvermiicherte Geltungsbedürfnis eines abgctackelten grünen Parteisekretärs eine Rolle gespielt hat, sei dahtn gestellt. DaS Trauerspiel kann beginnen! Wie wir unsere sturmerprobten Gewerkschaften kennen, werden sie vor dieser neuesten Konkurrenz kaum erzittern. Uns geht es, was den Mitgliederstand der früh, ren Nazigemcrkschaften unlangt, nicht um Zwangsbeirritte, sondern»m die Eroberung der Gesinnung. Wcrwoll vom Standpunkte der sozialistischen Bewegung ist«S, daß nun viele tausende klasscnbewußter Arbeiter inl die freien Gewerkschaften zurückkchren dürfen, I die sie unier dem Drucke des Unternehmerterrors! verloste» mußte. Ob sich indes die ringe-1 fleischten Hakenkreuzler unter der schwarzen oder I NflsarvK über Krieg and Demokratie Eine Unterredung Warschau, 12. Dezember.(Pat.) Drr „Kurjer Codzienny" veröffentlicht in seiner heurigen Ausgabe eine Unterredung feines Mitarbeiters Wrzos mit den» Präsidenten T. G. M a s a r y k. Die Polnische Telegraphen- Agentur gibt dieses Interview folgender» uiaßen wieder: Auf die Frage, ob in kurzer Zeit ein Krieg zu erwarten sei, antwortete Präsident T. G. Mafaryk verneinend. Wer„Krieg" sage, sage „Geld". Die Welt hat aber kein Geld. Die Er- ßrungen auS dem letzten Kriege sind»och endig. Es existieren vernünftige Pazifisten, welche lagen, daß der Krieg nicht notwendig ist. Ich glaube, daß es möglich ist, sämtliche Fragen auf friedlichem Wege auSzmzleichen. Auf eine di« Minderheiten betreffende Frage antwortete Präsident Mafaryk, dies« Frage lasse sich in einer Werse lösen, die für alle Ein Auge uusgesthlagen Der dritte Zeug«, der seinen Namen öffentlich nicht nennen kann, well Angehörige von ihm sich noch in Deutschland befinden, der sich jedoch vor einer Kommission von Juristen legitim'ert«, war im Kon- zrnrrationslaizer Dachau selbst interniert. Heber die Ernährung erklärte er, daß ausländische Hourna- listen, d'.e bei einer Besichtigung davon zu kosten versuchten,«S als Schtveinefulter bezeichneten. I h m selb st haben di« Nazis das rechte Auge ausgeschlagen; man hat ihn mit Stieseltritten und Gcwchrkolbenichlägen traktiert. Er berichtete furchtbare Einzelheiten über die Mißhandlung von Juden und Kouiinuuislen. Er teilt« weiter mit, daß in Dachau sich 600 gefangene Nazis befunden hätten, daß ein Fre'herr von Hahn und andere früher führend« Nationalkazialisten dort interniert seien und daß alle Mißhandlungen an Gefangenen mit Wissen und Willen der Regierung geschehen. Der letzte Zeuge der ersten Sitzung erklärte, daß er verhaftet wurde, weil er gehört haben sollte, daß ein anderer Hitler beleidigt habe. Die SA.„verhörte" ihn während einer ganzen Nacht, schlug iinmer wieder auf ihn ein und entließ ihn an» nächsten Morgen mit der Bemerkung des DA.-LriterS: Krieg ist Krieg. AIS alter Soldat müssen Sie wissen, daß man nichts dagegen niachen kann." der grüne» Fahne zum Weiterkänrpfen gegen den Marxismus sammel», ist höchstens aus dem Gesichtspunkte interessant, bis zu welchem Maß: der Charakterlostgkeir die Hakenkreuzlehre ihr« Anhänger erziehen konnte. Die Politischen Konsequenzen dieses Fisch« znges des Herrn Jannausch werden eher für den Landstand, denn für uns unangenehm sein. Soll sich die nette Gewerkschaft aus den Boden acS agrarkapitalistischen Programms der Landstänv- ler stellen, oder witch der Landbund künftig stramme Arbeiterpolitik machen? Das ist die sehr intercstante Frage. Dir sind schon riesig neugierig, wie sich die grüne Gewerkschaft zu den agrarischen Forderungen auf Abbau der Sozialpolitik stellen wird. Auch der Herr Jannausch wird sich wieder einmal gründlich umstellen müsten! Biel« der neuen Mitglieder durften noch den donnernden Klang keiner großagrarischen Bersanunlungsreden in den Ohren haben, wobei er verkündete, daß man die Interessen der Landwirte und der Konsumenten nicht gleichzeitig vertreten kann. ES wird ein heiteres Vergnügen für sozialdemokra- tische Zuhörer sein, ihn nun daS G^zenteil verkünden zu hören! Auf die Auseinandersetzung mit einer deutschagrarischen Gewerkschaft werden sich die freien Gewerkschaften gewiß aus ganzem .Herzen freuen. Aus eznem solchen Zwitter- gebilde werden sie die abtrünnigen Klassengenossen auch am leichtesten in ihre Reihen zurückholen können. Einen Augenblick sah es so aus, als ob die Partei deS Herrn Minister Spina den Weg zur Konsolidierung suchen würde, indem sie die grünen Hakenkreuzler hinauswirft. Nun macht sie es umgekehrt: der Latchstand will ein politisches Obdachlosenasyl für die Nazis werden. Das llebergewicht seiner demokratischen Anhänger wäre wohl sonst zu groß gewesen. Man wird ja sehen, ob sich eine Nikotinvergiftung durch Kettenrauchen heilen läßt. Soviel s e t gesagt:• Der da glaubt, mit den Mitgliedern der Nazis auch dir Funktion drr nationql- sozialistischen Führer übernehme» z» können, der wird an den nnerschütterten Fels der Sozialdemokratie anprallen nnd dort landen, wo Krebs und Jung gelandet sind! annehmbar sei. Sämtliche Staaten haben Minderheiten. Ein neuer Krieg würde nur weitere Minderheiten schaffen. Der Interviewer richtete dann an den Präsidenten die Frage, oo er in dem Wachsen des Nationalismus eine Gefahr für die Demokratie erblicke. Präsident Mafaryk antivorlete auf diese Frage: Die Demokratie ist kein unberuhrbarcS System und kann, wie andere Rcgicrungssor- me», vorübergehend zur Diktatur greifen, um sich zu wehren. Die Mehrheit der europäischen Staaten ist demokratisch. Die Tschechoslowaken sind Demokraten, weil sic keine Dynastie, keine- Armee und keine nationale Aristokratie, diefe drei konservativen Elemente, hatte». Ich glaube, daß die Demokratie nicht in Gefahr ist. Sie leidet an einer gewissen Krise, befindet sich aber keineswegs im Niedergang. Es handelt sich nur um eine Krise der Gehirne. Mit einem kurzen»Keineswegs" beantwortete Präsident Mafaryk dir Frage, oh der Tschechoslowakei eine itnmittelbare Gefahr drohe. Er betonte, daß kein Grund zur Beunruhigung vorhanden sei. Aus Nationalsozialisten werden Agrarkapitalisten? Der„Landstand“ macht einen gewerkschaftlichen Laden auf Seite 4. Mittwoch. 13. Dezember 1933 Nr. 291 68Konzentrationslager, 100.000 Elngchcrhcrtc j*® s u j l®“‘ r” h r®, Ku,t‘" i Tagesneuigkeiten 'N, Zieimag Ver Maflenlotterie hatte in der Nacht auf Dienstag di« Berschüttumg i eines vor längerer Zeit wegen Unrentabilität ge ren. dur ev i v i n c i vvwvuunu vijuipnip' L*« 0.'7” 7.;.., heg«, di« einfach die Kopierung einer auslän- Belegschaft auSmachen und die Polizei diese difch-n Bewegung dorstelle.' Sirelkbrechergesellschast au« dem Dritten Reich Sicher- Arbeit- ichrver, 31.685. 163.631. 51.16«, 17.126, 69.834. 1861, 20.664, 66.462. 7142, 80.496, 58.630, 60.057, 60.706, Nach Schluß der Konferenz der Negierungs-\ mit einem starken Mannschaftsausgebot schützte, Partei erklärt« Graf Festetics daraufhin seinen, war der Ausgang des Kampfes entschieden. Austritt aus der Partei,' BöhnMe Landesvertretung. Die böhinifchc Landrsvertretung ist gestern zu einer ktlrzen Tagung zusammengetreten. Auf der Tagesordnung befinden fick) meist admini strative Angelegenheiten, von denen nur einig, von allgemeiner Bedeutung sind. Dazu gehören eine Inter natSord- n u n g für die landwirtschaftlichen Schulen, ein Antrag aus Ausarbeitung emes Boran- s ch ha g s r e g u l a t i v s für dir Gemeindewirtschaft durch die Regierung, ein Gutachten des Landes zum Entwurf der neuen Bauord nung und ein Antrag auf Herausgabe eines Gesetzes betrefsend die ist e k n l t i v i e r u n g des durch den Bergbau beschädigten Bodens. Die Sitzung wurde dann vorzeitig wegen des Ableben» des ehemaligen Miniltrrpräsiden ten ttitlerbrochen, nachdem der LandeSpräsidrn dem Verstorbenen einen Nachruf gehalten hat. i blökende Nazi-Herde, die einige Stunden vorher dem Streikbefehl der NSBO tollen Beifall gezollt hotte, bückte sich unter das Hakenkreuz des Oberbonzrn in Berlin oder sonstwo. Nachdem nun diese Grenzjäger mehr als Zweidrittel der --.» f Es Ist sehr Formulierung zu finden, d>« den Angestellten Man denkt jetzt daran, Dottsadstimmung in Basel. Basel, 11. Dezember.(Insa.) Am SamSiog und Sonntag fand im Halbkanton Basel-Stadt die Volksabstimmung über die umstrittenen Sleucrzuschläge statt, die von den Kommunisten und der rechtsradikalen BürgerHartei bestritten waren. Mit 10.972 Ja gegen 6542 Nein find die Stcuerzuschläge angenommen worden. Davon betroffen werden die Einkommen von 4000 Franken an und der Ertrag wird für soziale Ausgaben, insbesondere Arbenslosenfürsorge verwendet. lingarisdwr HahenKrcuz- innrer ans dem RegierungSlager ausgcschiedcn. Budapest, 12. Dezember. In einer heute abgehalleiicn Konferenz der Regierungspartei forderte Ministerpräsident G ö m b ö s den Grasen Alexander Festetics. von dem es in letzter Zett I)icji, er wolle sich an die Spitze einer ungarischen nationalsozialistischen Ve wegung stellen, aus.< Bewegung fernhalic». I ein Mitglied der Regierungspartei den Anschein erwecken könnte, als ob der Ministerpräsident selbst mit einer derartigen Bewegung spmpathi- siere. Der Ministerpräsident stellte von neuem fest, daß er;u keiner Bewegung Sympathie Vom Rundiun DonuerStag: Prag: 12.10 Schallplatte«. 15.30 Schallplatten. 17 35 Französischer Sprachkurs für Anfänger. 18.30 Deutsche Sendung: Dr. Manchs: Jugendbücher auf den Weihnachtstisch. 19.50 Orchester- konzerl. 22.25 Smetana: Tschechische Tänze für Klavier— Brün«: 1540 Frauensunl. 16.50 Kinder- musizicreu 1825 Deutsch« Sendung:„Der Protzenbauer kaust«in Klavier", Hörspiel. 20.30 Alfred d« Müsset:„Man spiel« nicht mit der Lieb«'. Komödie.— Kauschau: 17.00 OrchesterLmzert.— Heilsberg: 18.25 Unterhaltungsmusik.- Wen: 15.55 Aus Operetten. 17.50 Musik für Cembalo und Cello. 19.00 Aus der Zett der jungen Lieche. 21.00 Orchesterkonzert. hat die Frag« ter Nazi'Bonzen verraten einen Streit. Am Freitag ist in einem feit zehn Tagen dauernden zähen Kampf der Zwirnereiarbeitcr der Kunstseidcnfabrik Sicckborn, Schweiz, eine tincrwartcle Wendung eingetretcn: Zur Abcndschicht erschien plötzlich die ganze Nacht schicht der deutschen Grenzjäger in Steckborn und wurde itnler polizeilicher Begleitung, wobei die Angestellten der Fabrik so etwas wie Hilfspolizeidienst leisteten, in die Fabrik eingeführt. Tags zuvor hatte der Redner dar Naziarbciter an einer Betriebsversammlung noch starke und ganz unerwartet revolutionäre Töne angeschlagen, indem er darauf hinwies, daß seine Leute streiken niüssen und dass darüber gar nichi abgestimmt zu werden brauche. Großer Beifall seiner Schafherde. Abends nachdem die Herren ! Gauleiter beim Direktor Schibler im Auto vorgefahren waren, gastlich empfangen wurden, war die Judasrolle zum tragischen Ende für die Dchifferlos. Oslo, 12. Dezember. Auf der Höhe von Tromfoe ertranken gestern vier Fischer und eine Frau, deven kleines Boot bei schwerer See vom Wasser umgeschlagen wurde um» unterging. Sechs Arbeitslose in Gefahr, lebendig begraben zu werden. Die Verwaltung der polnischen Kohlengrube„Mortimer" in Zagorzc er möge sich von einer'chweizerischen Arbeiter gespielt. Noch ehe der deren Unterstützung durch Hahn gekräht hatte, war der Verrat perfekt. D.e Berlin, 12. Dezember, i^nprcß.) Der Schauspieler-Haus Otto,-Mtglicd des Staats- theaters und Funktionär der RGO, wurde am 15. November von einem SA-Sturniführer und drei Zivilisten verhaftet und verschleppt. Rach zehn Tagen wurde er mit einem Schadeibruch in einem Spitnl cingelicfert, wo er starb. Den MlOhniullungen erlegen München, 12. Dezember.(Jnpvcß.) Die bayerische Politische Polizei teilt mit, daß ein Maurer den.Hurch sein renitentes Benehmen bedingten Verhetzungen in' der Chirurgischen Klinik(Münchens erlegen ist". Er sollte die SS beleidigt- haben, wurde von Leuten des SS-Kommandos und der Poli. bischen Polizei verhaftet nmd so zugcrichtrt, daß er in die Klinik befördert werden»rußte, wo er starb. Legaler Mord Dortmund, 11. Dezember.(Jnpreß.) Nach zweitägigen Verhandlungen verurteilte vaS Dortmunder Schwurgericht den kommunistischen Arbeiter Stephan Kartun zum Tode, weil« r i m Jahre 1930 bei einem Zusammenstoß mit SS-Leuten einen SS-Führer tödlich verletzt haben soll. Der wegen„Mordversuchs" Mitangeklagte Arbeiter Hermann Kaulisch erhielt acht Jahve Zuchthaus. Erst di« Nazijustiz war unbk denklich genug, di« Urteile zu konstruieren. Mit diosom Todesurteil ist di« Zahl der zum Tode Verurteilten innerhalb von 10 Tage» von 42 Lief 54 emporgeschnelli; die Zahl der Hingerichteten von 8 auf 15 gestiegen. Mora Breslau, 11. De.zember.(Jnpreß.) Ter Jungarbeiter Wilhelm Laxa wurde von Angehörigen des Mordsturms 38 aus Gleiwitz Petersdorf ermordet. Di« Leiche wieS mehrere Stichwunden, Spuren von Schlägen, anscheinend von Totschlägern, und einen Bauchschuß auf. Erst zwei Stunden vor der Beerdigung wurde der Tot« freigegcdrn. ten folgte ihm, so daß cs einen ziemlichen Aufkauf gab. In seiner vermeintlichen Bedrängnis schwang der ZugSführer gelegentlich die erbeutete Trophäe kricgercsch über dem Kopf. Er nahm seine Zuflucht in die Kaserne, wo ein Protokoll ausgenommen wurde. Bier der Passanten meldeten sich als Zeugen. Bor dem Kasernentor gab eS eine Ansammlung, wobei man über das Borgehen de» Zugsführers nicht immer gerade schmeichelhafte Worte hörte. Do» Ministerium für öffentliche» Gesundheitswesen und körperlich« Ausbildung ist mit allen seinen Sektionen und mit der Zentraldirektion der staatlichen Bäder in die neu adaptierten Baulichkeiten in Prag II, Vyäehradflä 16, übrrgesiedelt. Telephon: 344-55 f':'f 344-58, 277-78 und 216-22. Abflauen der Kälte. Außerordentlich strenge Fröste wurden gestern nurmehr au» der Ost- stowakei und au» Karpathorußland gemeldet. Die tieflten Tcnnperaturmwima verzeichneten SpiSfls Novä Des—24 Grad und Chust—21 Grad Celsius. Unter der Einwirkung kleiner Truckstörungen hat sich der Himmel gestern früh nahezu im ganzen Staatsgebiete umzogen. Infolgedessen tritt allmählich Frostmiloerung ein, und an zahlreichen Orten ist etwas Schnee gefallen. Die größte» Niederschläge, ein bis zwei Millimeter Wasserwevt, sind in Nordostböhmen verzeichnet Wochen. Für heute kamt eine weitere Ettvänmmg erwartet werden. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Vorwiegend bis wechselnd be wollt, stellenweise Schneefall, wärnter. Tauchboot 83 Meter tief. DaS italienische Unterseeboot„Jalca" erreichte bei Touchver- suchen eine Tiefe von 83 Metern. Alamnvorrichtung schützt«inen Dieb vor Verfolgung. Ein humoristischer Vorfall, der di« Schatten- leit« der praktischen Ausübung von SichvrheitSvor- kehrungen auszeigte, ereignet^ sich dieser Tage auf dem Postamt in Essen. Dieses Amt blitzt, ein« Vorrichtung, mit der automatisch aus den ersten Alarm sich all« Ausgänge schließen. ES ereignet« sich nun, daß«>n junger Mann einer Frau Banknoten. di« sie soeben auf dem Postamt in Empfang genommen hatte, aus der Haich riß und Reißaus nahm. Di« Frau begann zu schreien, woraus die Sicherhe'tsvottchrungen sofort in Mtion trat«« und sich all« Türen des Postamtes automatisch schlossen Unglücklclgermeis« hatte der Täter noch rechtzeitig vor dem Alarm die Türe ver» lassen, so daß seinen Verfolgern nichts übrig blieb, als hinter den verschlossenen Glastüren mit an- zufehen,^vie d«r Tät.-r n n a e ll ö r t vom Tatort sich entfernt«. AMueiie fragen des Jusllzressorfs Aus dem gestrigen Schlußwort des Justiz ministers Dr. M c i ß n e r im Budgetausfchutz des Senats heben wir■ folgende Stellen hervoz, die durchwegs aktuelle, auch die Oesfenilichkett interessant« Fragen seines Ressorts betressen: Konliskailonspraiis Bezüglich der Konsiskalionsprar.is erklärt« der Minister, daß es sehr schwer sei, alten Wünschen zu «ntiprechen. Es kann vorkommen daß ein Artikel hier konsiSzievt wird und irgendwo anders nicht; ebenso saun eine konfiszierte Stelle später frei gegeben werden, wenn das öffentliche Interesse schon n'cht mehr die Ausrechierballung der Konfiskation verlangt. Auch bei t-estem Willen kann man eine völlig gleickx Praris nicht erzielen, da verschied«»« Beamte ül-er di« Konfiskation entscheden. s«heran( der Kautionen Das Ministerium stellung der Kautionen, die Angestellte ihren gebern stellen müssen, erwogen“ «ine£" HI i„ i auf jeden Fall voll sichert daß die Kaution aus«in vinknlierte- Spar« lass»buch erlegt iverden soll; auch dann bleibt die Frage offen, ob der Angcstellic immer den Muk haben w'rd, die Bestätigung über dl« durchgeführte Pintulierung zu fordern. Der RKtitermsngcl< ist erst in der jüngsten Zeit so weit gemildert wor den, daß iast alle Stellen loenigstenL mit Anwärtern besetzt sind. Aber immer noch sind wir— vor allem bei den Bezirksgerichten— nicht bei normalen Per- hältmssen angclangt. Bor allem macht sich der Mangel an Kanzleipersonal bemerkbar; do« hat zur Folge, daß di« AuSsertigung der Er kenntnisse stockt, auch wenn di« Richter ihr« Pflicht erfüllen. Die Zahk der nistemisierten Kanzle'ftellen ist leider zu gering, so daß sich auch bei voller Be» 'etzung Schwierigkeiten ergeben- Teilweise entstehen Schwierigkeiten auch durch überflüssig« Vertagung von Verhand lungen.-Hier ist aber das Justizministerium in ciixr schw'erigen Lage: auf der einen Seit« verlangt die Bevölkerung Abhilfe und wendet sich an das Ministerium, auf der anderen Seite fällt di« Ent- icheiduyg darüber, ob ein Beweis zugelasscn, bzw die Verhandlung vertagt werden soll, InS Gebiet der freien richterlichen Entt'cheidung. Soweit cs möglich ist. wird das Ministerium daraus sehen, daß Streit« lalle nicht überflüssig verschleppt werden. Aufhebung von ßezlrhsgerhhfen V D e beabsichtigte Aufhebung einzelner kleinerer Bezirksgerichte gebt auf ein« Anregung der Spar- kontmissio» zurück; sie wär« sicher ökonomisch und würde Ersparnisse ermöglichen Man muß aber auch die wirtschaftlich« Seite einer solchen Maßnahme für den betreffenden Ort in Betracht ziehen E» wind derzeit geprüft, welche Ersparnisse in den Personal aufgaben dadurch erzielt werden könnten und welch« Mehrausgaben(an Zettgengebühren uiw) auf der anderen Seit« erwachsen würden. Endlich müßt« man auch in Betracht ziehen, ob die Gericht«, dir di« Agenden der ausgelassenen Gerichte übernehmen sollen, genügend Räumlichkeiten haben Ter Minister ist entschlossen, all« diele Umstände mit der größten Objektivität zu prüfen. Rur dort, wo der finanzielle Effekt für den Staat of-fcnsichtlich wär« und wo das KommunikationSgesctz lo ausgebaut tst, daß man von allzu großen Entfernungen nicht sprechen kann, wird es möglich sein, an die Verlegung eines Gerichtes zu schreiten. Nach einer als zuverlässig bezeichneten Sta tistik des Vorstandes der Sozialdemokratische» Parket Deutschlands, Sitz Prag, bestehen, in Hiller-Deutschland gegenwärtig nicht weniger als 68 Konzentrationslager mit etwa 50.000 Internierten. Genannt werden die folgenden Lager: Ostpreußen: Gruuvaus bei Königsberg, Sotdin. Brandenburg: Bernau, Beernickc bei Rauen, Buctzvw, Braird-niburg-Havel(früheres Zuchthaus, das wegen Baufälligkeit und GosunVhcitSgefähr- duiig geräumi war— 1600 Gefangene), Jüterbog, Oranienburg«dient jetzt im wesentlichen der Unter- bringung rebellierender SA.-Männer— 1000 Ge fangene), Sonnenburg«ebneßills längst abbruchreifes und daher geschlossenes Zuchthaus— 600 Gesän gen«). Schlesien: Frankeiikai, Münsterberg, Leschwitz bei Görlitz. Provinz Sachsen: Erfurt, Lichtenberg bei Tor gau(etwa 1000 Gefangene), Gräscuhaintchen, Zörbig. Schleswig-Holstein: Eutin, Glückstadt, Rickling. Hannover: Merringen, Wilsede(1300 Gesa», gen«, und zwar revolutionär« SA. Männer), Bör germoor(etwa 2000 Gefangene). Westfale»; Bergkamen, Esterwegen, Nensustrum bei Lathen a. d. Ems, Scnnelagcr, Wanne-Eickel. Hessen-Nasfau: Ginsheim. Fechenbach, Kassel, Rödolsheim, Wetzlar. Rheinprovinz: Batzcnburg bei Wuppertal, Brauweiler, Cabtenz-Karthause(300 Gefangene),_ Eoblenz-Kaimerüa(700 Gefangene), Düren, Fulich, sbrecher behandelt, und Kemna bei Wuppertei, Sieabura(2500 Gelanoened. I ilt»oao» N» />, 73.382, 79.459, 91.162, 101.482. 2906 Kii: 32.938, 37.875, 40.430, 48.983, 53.285, 56.145, 57.566, 66.763, 93.178, 108.300, 103.696. 480 K«: 491, 3887, 3926, 4678, 5485, 8129, 15.252, 24.287, 29.578, 30.354, 31.406, 35.326, 36.773, 40.883, 42.268, 45.716, 56.244, 58.618, 67.274, 67285, 69.051, 76.055, 75.474, 85.896, 94.669, 97.228, 100.657, 104.554. Endlich Vrozetz gegen Zajiöek! Noch Neujahr Derhavdlong in Müstr..Ostrau. Mäh r.-O strau, 12. Dezember. In Bälde, etwa im Jänner nächsten Jahres, wird beim Kreiüg,richt in Dttihr.. Ostrau di« Affäre Dr. Karl Zajiöek», dessen gewesene» Zentral. direktorS Dr. Lariseh-Monnich» in Kar- win verhandelt stoerden. Bekanntlich hat Doktor Zajiöek als Prokurist Larischs in der Böhmischen Jndustrialbank m Mähr.-Oftrou sLcska Pru- myslova Banka)«in Sonderkonto errichtet, von dem er für sich etwa sieben M i I l i o n en behob. Sodann flüchtet« er in» Ausland, wurde in Amerika ftelltg gemacht, und von dort nach der Tschechoslowakei gebracht, wo er seit 1. November 1932 sich i n H a f t de» Kreis- gerichteü von MLHr.-Ostrau befindet. Dr. Zajiöek wurde bereit» die Anklage eingehändigt, tn der er des Verbrechens dr» Betrüge» nach ßtz 197, 200 und 201 de» Strafgesetze» beschuldigt wird. Di« Anklage beantragt, daß die Angelegenheit vor einem Strafsenat verhandelt werde. Der Rechtsanwalt Dr. Zajiöek», Dr. Goliat, kündigt an, daß er gegen die Anklage Einwendungen erheben wird. Vor allem wird er«inwenden, daß Dr. Zajiöek angeklagt ist, die Leska Prumhflova Banka geschädigt zu haben, während er wegen Veruntreuung an Dr. Lorisch auügeliesert wurde. Ferner wird er sich gegen die Verfolgung wegen Betrüge» verwahren, weil Zajiöek wegen Veruntreuungen auSgelicsert wurde. Schließlich wird sich Dr. Goliat dagegen verwahren, daß die Angelegenheit Zajiöek« von einem Senat verhandelt werde und wird aus Verhandlung vor den Geschworenen beharren. Die Anklage hat Staatsanwalt Dr. Joses Stanök eingeoracht. Den Angeklagten verteidigt Advokat Dr. Emil Goliat. Die Untersuchung der Angelegenheit führte Bezirksrichter Dr. Rudolf Schwarz. Wenn die Angelegenheit vor einen Senat kommt, wird dessen Vorsitzender wahrscheinlich Dr. Rudolf Hahn sein. sperrten Schachtes angeordnet, die auch zur! Durchführung gelangte. Wie sich im Laufe des, Vormittags herauSstclltc, befanden sich in diesem Schachte in einer Tiefe von zwanzig Meter sechs. Arbeitslose, die auf eigene Hand in dein Schachte Kohle förderten. Die Verwaltung der Grube leitete sofort eine energische Rettungsaktion ein, die den ganzen Tag andauerte und der es schließlich gelang, die sechs Arbeitslosen, die bereits dem Erstickungstodc nahe waren, zu retten. Drei. der Verschütteten haben bei dieser außergewöhn- lichen Katastrophe nur leicht- B- rletzungen. "mvongetragrn. Der Führer der englischen Arbeiterpartei George LanSburh, der am vergangenen SamS- ag stürzte und sich den Schcnkclknochen brach, unterzog sich Montag im Krankenhaus van Hampstead einer Operation. Obwohl die Bein Verletzung verhältnismäßig schwer war, geht es dem Patienten gut Die Nacht auf Dienstag verbrachte er ruhig. Unter den TeilnahmSkund- gcbungen, die LanSburh zugingen, befand sich auch ein Telegramm von Gandhi. Der ZugSführer mit dem Bajonett. Gestern um halb 9 Uhr abends stellte der ZugSführer R c m e k von den zweiten Kompagnie des 28er I Regimentes am Brücke! in Prag einen gewöhnlichen Soldaten, weil er ihn nicht gegrüßt habe. Auf die Antwort„Ich habe Sie nicht gesehen, Herr ZugSführer" wurde dieser wütend(er ist > außerordentlich klein) und, von seiner ihn begleitenden Mutter noch mehr angeseuert, nahm . er dem Soldaten schließlich da» Bajonett weg. i Passanten, die die Szene zufällig beobachtet bat i ten, entrklsstetcn sich über das allzu stramme Verhalten des Herrn Zugsflrhrers, namentlich als dieser ihr Ersuchen, vem Soldaten nicht zu schaden, nicht zur Kenntnis nahm, sondern mit dem konfiszierten Bajonett über den ganzen Graben gegen die Kaserne auf dem Republikplatz davonzulaufen begann. Eine größere Zahl von Pafsan- Bahern: Tachau(3000 Gefangene, iwch immer> die Stätte graujanrster Folterungen). Sachse«: Bautzen, Colbitz(900 Gesängen«), Crimmitzfchau, Dresden(MathildenschlSßchen), Grünenhainichcn, Hainichen bei Döbeln, Heinüvald bei Zittau(380 Gefangene), Burg Hohnstein(60t) Gesängen«), Sachfendurg bei Flöha(1600 Gefan gene), Sonneburg bei Chemnitz, Oslerstein bei Zwickau. Württemberg: Gotteszell bet Gunins. Bade»; Ankenbuk bei Billmgen, Bad Dürkheim (öüv Gefallene) Heubcrg, gemeinsames Lager von Baden und Württemberg trotz Entlassungen noch 1600 Gesänge»«), Kißlau bei Bruchsal, Rastatt(300 Gelangen«). Thüringen: Blankenhain bei Weimar, Jena, Ohrdruf(1000 Gefangen«), Untermaßfeld. tzessen: Osthofen, Langen. Oldenburg: Vechta. Braunschweig; Wolfenbüttot(600 Gefangene). Hamburg: Fühtbüttol, Wittmorr. Bremen: Haftet! sftir rebellierende SA.) Jafei Laugkueltgen, MieÄer(400 Gefangen«), Bremen'hat außerdem ein Konzentrationslager auf einem stillgelegten Schiff. Anhalt: Dornburg. Mindestens die gleiche Zahl der Gefangenen befindet sich in den Polizei« und GerichtSgefäng- nissen. Hunderttausend Menschen in Hitler-Teurschland werden schlimmer als Der- "", M.> lein Gerichtsverfahren iegburg(2500 Gefangen«), l ist gegen sie eröffnet, geschweige durchgeführt. 120.000 Ke: 50.000 Kr: 20.000 Ke: 10.000 Ke: 5000 Ke: Rl 991 Mittwoch, IS. Dezember 1SSS Seite 5. 1 u. s. w. *S 119- seoR KLEIDUNG MIT GARANTIESCHEIN e< DIESJÄHRIGEN WINTER-RAGLANS ■ W»W»W BESICHTIGET UNSERE WARE UND VERGLEICHET! An bar L-U/kLLei». LtUzULL Ußl'v vu» IUM ciiv itxtuij* Jl'lU’IUA l/unf|en•vaaT’luncn urm&lvVCP|pit| UVV| nuitflcn breitet sich wie«in Gletscher abwärts. IHasen, In geschützten Mulden zwischen den Fel-| cS für un», daß und Presse über bei uns trotz Goebbels' Koni» h i t l e r d e u t» Prager Peripherie. Ein unwiderstehlicher Ausdchnnngsdrang in über die Stadt gekommen, seit sie sich auschickle, als.Hauptstadt des neuen Staates zu reprälen.- tiercn. An der Peripherie ist die Verwandlung in immerwährendem Gang«. Alte Dorfkerne werden von großstädtischem Wache tun» umflossen und aufgesaugt. Es erinnert an Bilder mikroskopischer Lebewesen— wie diese Protoplasma-Klümpchen noch kleinere We'cn mit ihrer Masse umschließen, einschließen, anf'augen und sich assimilieren, so tut es die Großstadt mit solchen ländlichen Orten, die einmal weit entfernt gelegen haben. Noch scharren Hühner in der, Straßenspreu, aber ein Kruzifix, an dem einst ein Feldweg vorüberführte, steht nun deplaziert zwischen Bauschutt und Bretterwänden. Auf dem einstigen Dorffriedhof verwittern alte Grabmäler; die hohen Fronten neuer Wohn- blocks, Architekturen internationaler Modernttät schauen hinein. Neben dem bröckelnden Gemäuer einer verlassenen Ziegelei hallt der Lärm eines proletarischen Fußballplatzes. Lehmgruben klaffen als verwildert« Abgründe. Klettcnstauden wuchern im" Schutt. Rostendes Emailgeschirr, Blechbüchsen, Scherben, Abfall und Trümmer aus tausend Woh- griffcn, die siebzehn Jahr« lang so tapfer auf ihrem Posten anSgehalten hott«. Ich muß fort, so rief es in ihr. Der Fritz, mein Junge, er ist jetzt groß, er ist erwachsen, er wird seinen Weg gehen, oyn« mich. Ich muß ihn» allein lasten! .Habe ich nicht meine Pflicht erfüllt?.Habe ich nicht an der Maschine gesessen, bet Tag und Nacht, für ihn, nur für ihn? Siebzehn Jahre Laben, nur für ihn, meinen Fritz. Jetzt gehe ich fort. Leise ganz leise, bannt er es nicht m«rkt... * Sehr ftYtl werde ich sein m«d gar nicht weinen... Und tvcnn ich tot bin, will ich an ihn denken, ibn, immer an ihn... Aber weshalb haben wir Armen es so furcht- schtver in unserem Dasein? WeShalb rackern wir UNS so ab,>«m doch am Ende zu scheitern? Ich versteh' nichts davon, aber cS stimmt etwas nicht in dieser Welt... Es stimmt etwas nicht! DaS weiß ich jetzt ganz sicher. ♦ Und dann ging die siebenunddreißigjährige Näherin, mit rin«m Lächeln der Erlösung im zerkämpslen Gesicht, zum Ofen und heizte ein.. führung eines aus Wochenschauen und Privataufnahmen zusammengestellten politischen Film» bcrichtS besuchen wollten, mußten sie seststcllen, daß die Aufführung im letzten Augenblick von der Zensur verhindert worden war. Der Film, um den«S sich handelt«, hieß„W o h i n geht Deutschland?" und zeigte die Entivickluug dcS deutschen Nationalismus, Monarchismus und Militarismus nach dem Kriege in filmischen Dokumenten, die der Berichterstatter des„Ta ily Herald"(der sie in einer Geheimvorstellung gesehen hat) für echt und lehrreich erklärt. Die Linksparteien sind nun ihrerseits entschkos. srn, gegen die Zensur zu protestieren... Dir politische Brdeutnng des Films wird also in England nicht mehr verkannt. Während die Reaktion sic dadurch anerkennt, daß sie sich gegen das Aufzeigen der barbarischen und gefährlichen Wirklichkeit im Film wehrt, wird di« Opposition bemüht sein, die Zensur in ihre Schranken zu weisen und dem sehr vernünftigen englischen Gesetz, daz Tatsachenfilme für zensurfrei erklärt, zur Geltung zu verhelfen. DaS alles wird in England vermutlich ohne besolidere Vehemenz geschehen. Denn wenn auch durch den Vormarsch der Arbeiterpartei und die, spannt ist— in der Außenpolitik fühlt sich Eng» laud trotz aller Rüstung-- und Dölkerbuuddebatten noch immer als insulare Festung, die von der Kriegssurie und der.Haßpropaganda des braunen Terrors nicht so unmittelbar bedroht ist wie i, j i. t..'Idadurch entstandene Erregung der„Nationalen S.« heizte ihn so stark, daß er zum Weiß- Bürgerblocks die inncrpolitischc La^ sehr glühen kam. Für die letzten zwei Bettdecken hatte sie Kohlen gekauft. Die Damasten«, ihr ganzer Stolz war dabei... Und als sie so vor dem Ofen stand und ihr Werk besah, flüsterte ft«:„DaS ist kein schönes Ende l Armer Fritz!" der» nisten primitive Notbaracken. Hinter Bretter- wänden und Drahtgchegen gedeihen ganze Menagerien von-Hunden, Katzen, Ziegen, Kaninchen, Gänsen,-Hühnern und Tauben. Ter-Hrad- schin steht am Horizont.-Hoch in der Lust donner» Flugzeuge in dreigliedr'ger Staffel. Im Ta'e dröbnt ein Motorentverk; oben Hansen Obdachlose in Felsenhöhlen. Alle Frauen führen Ziegen auf abgccrnteten Feldern zur Weide. Im Tunkte scheinbar schwebend, flimmert die riesige Silber-» kugel eines lNisbehälters von weither. Ans Schritt und Tritt fliegen Rebhühner hoeb. In der Tämnierung laufen sie auf der Feldkante argen den fahlen-Himnicl wie kleine erschreckte Männerchen entlang, wie Kobolde dieser bronnc.it Erde, die die Stadt erobert. Deutlich lesbar glültt die rote Lichtschrift eines Kinos durch die Borstadtnacht. Und unten liegt Prag, raunend brausend, mit hunderttausend Lichtern, mit L'chler- ketten an Straßen und Brücken, mit Lichtspieoc- lungen am Moldauuser, mit roten, blauen, grüne» Lichtsanalen der Reklame über einem steinerne» Meer, die große Stadt mit achthunderttausend Menschetischicksalen in ihren Mauern. Und über alle und alles fällt gleichmäßig und aleichnmchend ein schwärzender Schleier ans Milliarden fettiger Flocken: der Prager Ruß. Manfred. i Darüber prangen abcnds die Lichtreklamen nagel» neuer Geschäfte in einer eben erst angelegten Straße, in der es noch nach frischem Bauholz und Slraßentecr riecht. Die senkrecht«» Wände elrcma- ligcr Kiesgruben und Steinbrüche stehen ans den Höhen wie steile Fcstungsivälle. An» Rande des Plateaus dahinter ragen die kubischen Baukörpcr eines modernen Schulneubaues. Uebcrall schlän- gellt sich schmale Feldtvcge über die Hügel; manch- mal sind ez nur fußbreit durch Felder getretene Pfade, von denen der Stadtplan nichts weiß. Neben den kahlen Brandmauern schlägt ein Zirkus sein Zelt aus. Elefant und Dromedar geizen gravitätisch zwischen den Zuschauern umher; eine Fran birgt erschrocken die eingekonften Möhren vor de,, prüfenden Augen des Kamels; ihr ist unheimlich vor diesem Schrägblick von oben unter gewölbten Lidern hervor. Die Szene spiegelt sich in den Schaufenstern eines modernen Schuhgeschäftes. Um die Mauerecke eines noch Vvrhande- nen bäuerlichen Gehöftes schwankt rasselnd ein Autobus. Ein Gänseschar marschiert im letzten - Augenblick mit ängstlich gereckten Hälsen beiseite. Aus Gastwirtschafteu kliiigt Radiomusik. Hinter de» gepflegten L-iebhabergarten einer Villensiedlung mündet«ine Schlucht; in ibrer Weißdornwildnis hängen-Haarslöcken vom Liebesspiel der I Sie Näherin von Wien. Skizze von Pierre. In Wien beging die 87jährigc Näherin 9.«inen Selbstmordversuch durch Einatmen van KohlengaS. Di« Lebensmüde, di« in einem feuchten Kellerrnum wohnt«, Halle all ihr-Hab und Gut verkauft, um das Gelb für das Studium ihres begabten Sohnes aufbringen zu können. SlIS die Polizei in den Kellerraum eindrang, um die Bewußtlos« zu bergen, fand sie nur zwei hart« Pritsck^n ohn« jede» Betczeug vor. Zeitungsmeldung. Mit müdem, langsamen« Schritt ging die I Näherin di« ausgetretenen Stufe«« zu ihrer Kel» I lnwohnung herunter. Ei,« modriger, stickiger I Tunst schlug ihr eutgegcn, der ihr fast den Alein I tmähm. Unten airgelangt, entzüdet« sie ein Pc» | iwleumlrcht. Dem trüben, ständig im Damnier» I licht liegende»! Raum gab das fahle Flackern der' I Petroleumlampse einen unheimlich düsteren, hofs- I liimgsloscn Schimmer.- Da- Gesicht der Sicbenliiiddrcißigjährigen, I d» sich jctz»«nit einem leisen Seufze» auf einer I Wen, unbezogcnen Pritsche niederlirß, mochte I munal schön getvesen sein. Die großen duukcl- I braunen Augen, die ein weher Schleier vcrzwci- jclichcr Resignation beschattet«, gaben den« abge- xhrten Gesicht der Näherin enoas TiefgüligeS,, ikschütternd Menschliches; der herbe Mund,»nr den ein harter Zug von Bitterkeit lief, war edel «ich ausdrucksvoll geschnitten, die Stirn, vom Snm sorgendurchwachter Nächte zerrüttet, zeigte stoßen und«richt alltäglichen Schnitt, lliuso erschreckender war das Bild der Ber- ßna, das die knappe Siebenuirddreißigjährige bcharf und kantig sprangen di« Backenknochen I Icwor, di« krankhaft gelbe.Hautfarbe hatten einen I»ichserne» Ton und aus den verhangenen Auge«, I schrie«rackter Hunger rn diese«nilleidslose Welt.. * Die Näherin schlug die jrühverwelkten.Hande m ihr Gesicht««nd dacht« nach... Di« Petro- kumlampe blakt« auf und erlosch. Die Fra»« auf ter Pritsche benrerkte es nicht. Träume stiegen in - ihr auf, Erinnerungen... Ei«« bohreirdeS Zie- beir und Stechen zerriß ihr« Brust uird di« er- loschciieu Augen füllien sich mit erlösenden Tränen. 18 Jahre«vor der Junge nun alt. 18 Jahre hatte sie für ihn gekämpft und geblutet und nun lag sie erschöpft am Boden und konnte nicht mehr. War das nicht alles wie ein gespenstisches, iinentrimrbares Schicksal gewesen, ein Kismet, dunkler Borbcstitnmilirg voll, aus dem Helt und schlackcnrein die Liebe zu ihren« Fritz, ihrem Ein, zigen emportvuchs? Der Barer. Welche Erinnerungen an ihn. hatte sie noch? Wie war das alles verweht und vergessen, wie fern und blaß klangen d« Konturen jenes Spätsoinmerabends vor 18 Jahren in ihr auf... Grinziirg. eil« hochgcwach- scner, schwärmerischer, dunkelblonder Mann... Der süße, verzehrende Wein, die verhaltene Glut der fchmeichlerifchen Musik... Sie war so romantisch gcwcsei« und aufgeschlvstc«,... Naw, beseligt und hingegeben... Aus dem bcschwing- im Liederabend in Grinzing wurde die bleierne Schwere ihres engen Alltags... Der Mann war verschwunden... Nie wieder hörte sie von ihm... Und dann nach Monaten namenloser Einsamkeit, in denen sie das Leid ihrer ausge- wühltcn Natur«n die Kiffen schluchzte, kam der ssritz... Alimente? Wer sollte sic wohl zahlen?... Aber als sie ihn zur«: ersten Mal sah, dies etwas Mensch, mit dem hilflos blinden Blick der kaum geweckte»' Natur, da brach ihr das Herz aus... Eine tief« Rührung kam über sie und ein« übcrströinende Zärtlichkeit... * Die leiddurchfurchrcn Züge der Näherin hatten sich gelöst. Ein leiser Schimmer von Glück brach ans den müden Augen... Um den Mut juckte es. Weh und doch glücklich... Und dann kam der Kampf gegen die Ber- inchtung, dir Ne und den Fritz zu verschlingen drohte... Ihre Arbeit galt dem Kinde, nur dem Kinde! Und wie sie arbeitete. Tag und Nacht stichelte sic sich die arme«» schnralcn Finger wund, sie arbeitete für Stücklohn und die Bezahlung war jämmerlich sckilecht—— Der Junge wuchs. Er brauchte-Hemden, einen Anzug, er schrie, wenn er Hunger hatte, er verlangte naiv und»»bekümmert seinen kleinen Anteil an diescin Leben. Die Mutter aß sicb selten satt, ivas ich mir abspare, kommt>hm zugute, so sagte sie sich. Man konnte nicht sagen, daß der Fritz seiner Mutter dir anfopscrnngsvoltc Liebe mit überströmender Zärtlichkeit dankte... Er hatte sie sehr gern, gewiß... Aber«nanchmal wurde ihm d»se rührende, ängstliche Sorgfalt, dies tn die ml"» schauen und aste Schritt« behüten, fast lästig. Dann sehnte er sich nach Freiheit und FttmpoMtlli— In London und In Prag Das englische Unterhaus hat sich in dieser Woche zweimal mit Filmfrage» beschäftigt, und beidemas« nicht aus künstlerischer Neigung, sondern aus politische,, Gründen. Ein konservativer Augcordncicr hat Kritik an der Nachgiebigkeit der Filmzensur geübt, weil sie die öffentlich« Aii/füh- I rung einer Filmreportag« von den Lynch-Exzessen in Kalifornien zugetaffen hat, einer Reportage, die nach Meinung deS Abgeordneten verrohend wirkt, weil sie auS purer Sensationslust di« kraffe Abscheulichkeit der(vom kalifornischen Gouverneur bekanntlich gebilligten) Vorgänge realistisch wiedergibt. Ter konservative Abgeordnete forderte mit moralischer Entrüstung das Ver. bot dieses Films in England— und die Regierung sagt« ihm die Erfüllung seines Wunsct.es zu. Aber damit nicht zufrieden, erhob sich der Frage« steller noch einmal: er begehrte zu imfsen, ob etwa der historische Film„Das Privatleben Heinrichs des Achten"(der unter dem Titel ,^lönig Blaubarts Frauen" deninächst auch nach Prag kom- «nen soll) die Aussuhrerlaubnis nach Indien erhalte» werde. Di« Antwort der Regiernng war in diesem Falle ausweichend— und die englischen Monarchisten werden vermutlich schlaflose Nächte bei dem Gedanken verbringen, daß die filmische Darstellung eines engliscl'«» Königs, der sieben Frauen besaß und sechs davon umbringen ließ, den indischen Untertanen eitriges von ihrem Respekt vor der Gottähnlichkeit der englischen Herrscher rauben könnte. Der Zufall fügte es, daß die Mitglieder deS Unterhauses am Tage nach dieser Debatte über die fehlende Strenge der Zensur dicker Strenge I selbst zum Opfer fielen. Denn als sie auf Einladung einer englischen Filmgesellschaft die Auf- di« kontinentale»« Nachbarländer der faseiftischen Mächte. Um so bcmerkenswerler ist man in London in Parlament Filinpotitst diskutiert, wahrend der dauernd wachsenden, unter mando stehenden Invasion scher Film« fast völlige Stille um dieses Pro- ble«n herrscht, von dem im Parlament nur einmal ohne Widerhall geredet wurde. Der Versuch, eine«« warnenden Tatsachenfilm von de,« Zuständen und Vorgängen in Deutschland zu zeigen, wird hier kaum gewagt werden, da er keine Aussicht auf Ausführungsmöglichkeit hätte. Inzwisckjen wird das Publikum(im Einverständnis mit Einsuhr- behörde und Zensur) mit den vcrlogen-idyllifeben und getarnt-bendenziösen Singsangfilmen der Berliner Exportindustrie(ohne Ouellenangabc!) unterhalten und der Rcinertrag komuit den wohltätigen Zwecken des Dritten Brich«» zugute— und wahrscheinlich auch jenen« Propagandafonds, der nach glaubwürdigen Angaben schon fünf Millionen zur„Werbung" in der Tkchecho- slvtvakei verwandt hat. Die hiesigen Verbündeten des Berliner Films scheinen übrigens sehr gut zu wissen, was Filmpolitik ist. Die eine«, sind«isrig im Verschweigen, die anderen im Anpveisen. Wenn man zum Bespiel hin und wieder einen Blick in d'e „D e u t s che P r c s s e" wirst, dann wird man entdecken, daß dieses Blatt(das nur das Vorgehen der braunen Horden gegen latholische Priester mißbilligt, im übrigen aber jede Gelegenheit Ix» nützt, um sich im Zeichen des Marxisten Hasses bei den Hakenkrcuzlern beliebt zu macken) ganz konsegnent für hitlerdentschrFiIn»e Reklame macht, daß es die Propagandatexte der braunen Filmindustrie jederzeit bereitwilligst ousnimmt, auch wenn sie sich aus Filme beziehen, die noch gar nicht über die Gren'e ge- fommen sind. Im Filmteil stellt man sich unter Goebbels Protektorat— und im Filmtest sicht es am harmlosesten aus. »««bekümmertem Austoben, nach Kameraden, mit denen er spielen, nach Freunden, mit denen er sich prügeln kormtc... ch Di« Schulzeit kam. Der Junge war aufgeweckt und hellhörig, er lernte gut und seine Fä- lugkeiten lagen entschieden über dem Turchschnut. Er soll es bester haben als ich, sagte sich di« Näherin in jenen Nächten, in bcncit sic schlaflos vor sich hingrübelte und di« Zukunft ihres Jungen mit all ihrer Liebe, ast ihrer hinaegcvenen Mütterlichkeit überspann, er sost ein Studierter werden! Und Fritz kam auf die höhere Schul«. Di« Näherirr verfiel und welkte«roch in ihrer Jugend dahin, so erbarmungslos mußte sie sich cnS Zeug legen. Früh nin fünf staind sie leise auf, unr der« Fritz»ich« zu wecken und schlich sich wie ein« heimliche Sünderin an die Arbeit... Tic Auge»« brannten, der Rücken schmenzt«... Die Sorgen wuchsen der kämpfeilden Mutter über den Kops. Aber, sie hielt durch! Mit zujammcngebissc- ticit Zähnen, wenn sie auch von Zeit zu Zeit eine dumpfe Hoffnungslosigkeit und ein Grauen vor der Zukunft erschütterte. Doch der Junge bestand die Matura und ging an oie Universität... Jurist sollte er weiten, ein richtiger Jurist... Ein« leise, gläubige Ehrfurcht trat in di« ermatteten Augen der Mutter, wenn dies Wort über ihre wellen Lippen kam. Sie sprach eS leise, unendlich behutsam aus, als befürcht« sie, daß ein allzu unbekümmerter Tonfall diese Hoffnung, die sic unendlich beseligte, zerstören könnt«. * I» beklemmender Dunkelheit lag der modrige Wohnkeller. Nur daS leise, fast stöhnende Atmen der Näherin wurde hörbar, die sich Plötzlich erhob, und wie taumelnd einige taste ick» Schritt« zur Tür macht«. Darm blieb sie stehen, di« Hände ivi« abwehrend nach vorn gestreckt, die verdunkelten Augen zu Boden gerichtet, als sollte ihr von dort Hilfe kommen. Der Zusammeirbruch kam. DaS Ende, von dem sie geahnt uwd gegen daS sie sich immer mit soviel Lewenschaft gewährt hatte, gewehrt bis zum letzten BlutStropfeiu Bi« Aufträge gingen zurück. Kein Mensch, hatte mehr Geld, ihr etwa- zum Nähen zu geben. Ganz« Tage war sie arbeitslos. Sie lief sich die Füße wuiw, sie bettelt« um Arbeit, sie erzählt« vor« ihrem Jungen und von ihren-Hoffnungen, rin fluchtiges, mitleidiges Kopfschütteln war dir Antwort. Jetzt bcgarmen di« entsetzlichen Wege zum Lcihamt.-Heimlich, damit der Junge es nicht incrkte. Zuerst mit dem bißchen Schmuck, den sie von ihren Eltern geerbt hatte und den eigentlich der Fritz bekommen sollte. Aber es reichte nicht, es war zu wenig. Der HauSrat, zwei Kleider, selbst Leib» und Bettwäsche folgten. In Lumpen gehüllt, schlich di« Näherin umher, ein Schatten ihrer selbst, ratlos, in ein« Wolke unnennbarer Pein gehüllt. Denn ihr Juiige hatte es doch gemerkt. U-nd hatte sie angesehn mit einem traurigen, resignierten Blick, aus den» viel Zärtlichkeit und ein wenig Verwunderung über die Mutter und über dies ganze Leben lag, wobei er sagte:„Mnt- rel, haben wir aber ein Pech." Mehr sagte er nicht. Und die Mutter hatte nur genickt und ein wemg zu lächeln versucht... Sprechen konnte sie nicht, so zerriß es ihr das-Herz. * Aber nun ging eS nicht mehr. Sie war am E:ide. Jeder Weg zur Rettung schien verschlossen. Eine unendliche Müdigkeit hatte die Frau er» Seift n. ÄoVnTbftnnlrof* Mktkwoch, 18. Dezember 1VSS Jh. 201 Prager Leitung Kirnst und Wissen organi- Geridifssaat r der Leitung der«wünschen übrig, di« Tschechische! musik gehörte MMettnngen aas vem Buvlttum. Sporl- Spiel* KOraernliene eit einem ( ine eigen« LcbenSreis« ntusikalisch zum Ausdruck tliinsig läßt die rhythmische Präzision und dynamische ringt.— Einen Konzertabend französischer!Gleichmäßigkeit der Orchesters noch manches»zu viel seltener geworden sind?! Und kennen wir nicht alle die furchtbarste des Trunkes, den ElcndsalkoholismuS, den Wlassak in seiner erschütternden Darstellung Zustände in Mähr.-Ostrau so drastisch ge- Deutschland heute durch sächsische Lindem mit mit Art uns der schildert hat? Wie, scheu wir nicht heute Tag für Tag die bettelnden Menschen durch die Strafen wanken, die den kärglichen Erlös ihres„Ge- werbes" sofort in Schnaps umsetzen? Niemand von uns verdammt diese durch die Gebrechen der kapitalistischen Gesellschaft verkommenen Mitmenschen, sie sind die bemitleidenswerten Opfer des Systems; aber ist cs deshalb nicht immer noch uitd um so mehr unsere Pflicht, die Schwachen unter uns vor diesem traurigen Lose «inen originellen Zufall ding- beiden„Bräute", die einander vor. batten, begegneten einander bei Anlaß, kamen ins Gespräch, er» mit weibliicher Gesprächigkeit ihr« Handschuh« „D t g o" CeletnL v Lettland erwartet Oesterreich- Wiuteisportler. Am vorletzten Sonntag sanden in Riga die ersten Probekämpf« der Arbeiterwintersportler für das groß« Fest im Feber statt. Sport und Besuch übertrafen alle Erwartungen. Tas Fest im Feber, an dem voraussichtlich auch Oest«rreich«r teil» Kund» M auch Dinsoni« musik hatte unter der Leitung deS gleichen Dirigenten T a l i ch l Philharmonie ins Werk gesetzt. Um einen Gesamtüberblick über die französische Binfoitiemusik im vorigen Jahrhundert zu geben, war daS Programm deS Konzertes zu wenig erschöpfend und um» fassend, da es von B r r l i o z, dem großen und genialen französischen Sinfoniker des romantischen Musilzeitalters, gleich zu Vinc d'Jndy, dem Wagnersrind und dennoch unter WagnerS Einfluß stehendem neuzeitlichen Meister sowie zu den moder- neu Sinsonikrrn Ravel und R o u s I e k gelangte. Aber auch die einzelnen Komponisten waren nicht durchwegs mit repräsentativen Werken vertreten. Das überzeugendste Stück des Abends war«ine 2 i n s o n i e von R o u s s e l, rin von reicher Invention ersülltes und von energischein Rhythmus getragenes Werk, das in seinem sormalcn Ausbau auch innere musikalisch« Zusammenhänge offenbart. T a l i ch dirigierte die Werke mit überlegener Beherrschtheit im Technischen und mit eindringlicher Gestaltungskraft. Ti« Sopranstimmr im Ravel- schen Opus sang die. ausgezeichnete tschechisch« Konzertsängerin Andulka Pekirkovä.— DaS im vorigen Jahre neu gegründete Prager Sinfo- nieorchester, ein ans stellungslosen Musikern gebildeter Justrumentalkörper, der bereits unter" mehreren Dirigenten sei» Glück versucht«, gab sein erstes Konzert in dieser Saison als Smetana- Abend, bei dem der sechsteilige Sinsoniezyklus des tschechischen Meisters„Mein Vaterland" zur Aufführung gelangte. Der neue Dirigent des Orchesters ist Anton B c d n ü k, ein gediegener und auch als Dirigent erprobter Musiker, dem«S sicher bald gelingen wird, seinen Jnstrumcntalappa- rat zu einheitlichster Klangwirkung zu schulen. Bor- Sport», Stadt-, Chauffeur.Pelze, Weihnachtsverkauf Nachlaß Siriinsk«. Prag, Hybernskü. S201 Wenn wir heute bei Leuten, die sich nicht eingehender mit der Alkoholfrage beschäftigt haben und den Bestrebungen der orgariisierten Alkoholgegncr zwar mit einiger Sympathie, aber doch nut zientlich viel Mißtrauen gegen unsere „Uebertreiv.lngen" gegeiiüberstonden— und das ist die übergroße Mehrheit der Menschen, auch der Parteigenossen— um Unterstützung moralischer oder gar materieller Natur werben, so stoßen wir dabei fast immer auf Abweisung und Ulwerständnis. Was, heißt es da, habt ihr jetzt keine anderen Sorgen? Die Wirtschaft ist in ihren Grundfesten erschüttert,«S gibt Millionen von Menschen, die schutzlos dem Hunger lind der Kälte PrctSgegeben sind, die Menschheit ist zerrissen, Katastrophen hängen drohend über unS; es wird ja ohnehin fast nichts mehr getrunken, die Leute müssen ja am notwendigsten sparen, da bleibt ihnen kein Geld für berauschende Getränke. Und ihr sch" ja, wie weit man mit euren Lehren und Grundsätzen kommt. Amerika, Finnland, Island haben das Verbot wieder aufgegeben, eS Hal sich gezeigt, daß euer Ideal, die Verbannung des Alkohols auS der menschlichen Gesellschaft, unerreichbar ist. Wir sind uns der außerordentlichen Schwierigkeiten, die llnscrcr Bewegung aus den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Gegenwart erwachsen, durchaus bewußt; es leidet nicht nur die Enthaltsamkeitsbewcgung durch sie, alle kulturellen und erziehlichen Strebungen werden in den Schatten gerückt durch die Sorge um das Stück Brot, um daS nackte Dasein. Jeder von uns empfindet daS selbst; wir begreifen sehr wohl, daß andere Sorgen und Leiden die Teilnahme für unsere Arbeit verdrängen. Mer dürfen deshalb auch wir den Kamps aufgeben? Dürfen wir unS von dem falschen Selbsttroste einlullen lassen, daß in diesen Elendszeiten die Menschen ohnedies kein Geld zum Trinken oder gar zum Saufen haben, so daß der Kampf gegen den Alkohol so gut wie überflüssig geworden ist? Ist denn das wahr? Nein, es ist nicht wahr. Gewiß, der Verbrauch ist zurückgcgangen, cs wird weniger Bier und Branntwein getriinkcn als in bcsieren Zeiten, gar manche Familie hat den täglichen halben oder ganzen Liter aufgegeben, gar mancher hat das tägliche Abendquantum herabgesetzt, verzichtet auf den Bitteren beim Hcimgchen, Aber es ist nicht wahr, daß es nicht auch jetzt noch zahlreiche Opfer des Alkohols gibt; wer von uns hört nicht immer wieder von dem und jenem, der ein recht brauchbarer Mensch, Genosse, Funktionär wäre, wenn er nicht immer wieder im WirtShause säße, ein oder mehrere Gläser zu viel tränke, deshalb seine Pflichten vernachlässigt, dummes Zeug daher redet, dadurch die Partei schädigt, sie und sich vor Feinden bloßstellt? Ich kann nicht finden, daß solche Fälle sehr Eine WohttättgkritSvorstcllung im Neuen Deutsch«» Theater zugunsten d«S österreichischen HllfSvcreins bracht« im gesprengt«» Rahmen deS ganz u»österreichischen„Ball im Savoy" die zu verzech»«»-« Bekanntschaft mit den Schwestern Schwarz, die als Klavier-, Gesangs- und Tanz- Humoristinnen durch originell« Porod'en, durch beispiellos fortreißcndeS Temperament und durch ein« zwischen Halbweltcharakter und Naivität schwebende Note daS Publikum enthusiasmierten und Beifallsstürme hervorrefen. Bon ba'onderem.Interesse scheint mir dieses Zwischenspiel der Schwestern Schwarz gerade jetzt zu sein, da es bewies, daß di« sogenannt« Kleinkunst aus der Bühn« nicht nur erst dann wirkt, wenn sie, wie in der Robitschek-Revur, hemmungslos zur Schweinerei abgleitet, sondern daß vielmehr das Pusblilmsi ganz anders und ehrlich freudig gelöst ist, wenn Witz, Satire, llnversroren- he't und Pikanter!« eben mit wirklich künstlerischen Mitteln geboten werden. Herr Fritz Wiesenthal, der sich auch an diesem Abend solo in Szene seht«, zeigt« sich pvor etwas gebändigt; aber mit dem Gechmack,■ Witz« kennzeichnen zu wollen, müht« dennoch gestrit len werden.— Än einem Kunterbunt we'terer lagen figurierte.Herr Prohaska mit „Bajazzo"-Prolog, Frau Kinder ntanrt Richard Strauß-Liedern. Frau Ci finger dem Hauptwalzer a»S„Zwei Herzen int Dreiviertel- takt" und Herr Adolf Fischer mit«iner sehr gelungenen und durch sympathisch« Prosa eingeleiteten Slezak-Parodt« Walter Taub als Conföreneier steuerte ei» paar geistreiche Bemerkungen bei. I. g. Wochenspirlplan deS Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch, 7-4 Nhr:„Der Widerspenstigen Zähmung.' iT II— Donnerstag, 7-4 Uhr: „Dir verkaufte Braut" Neu'nszeniert.((£ 2.) -r Freitag, 7 J4 Uhr:„Garten Ede n." Neuinszeniert.. Jänner 1934 seinen 60. Geburtstag feiert, veranstaltet halt«: die Prager Tschechische Philharmonie, das Orchester des Nationaltheaters und das Radioiournalorchesler. Diesen 1A auserlesenen Orchesterntusikern hatte sich noch der stattliche Chor der Prager tschechischen Lehrerinnen beigescllt, um nuier ilüenzel Tausch- begeisterter und begeisternder Stabführung ausschließlich Luk'sche Tonschöpsungen zur Aussüh- tmng zu bringen: dir Meditationen über den alttschechischen St.-WenzelS Choral, die„Legende von den toten 2iegern" und die große sinfonische Dichtung„DaS Reisen", in der 2nk gewissermaßen nehmen werden, wird«ine machtvolle gebung für den Arbeitersport werden andere Länder Delegationen entsendet! Wen« der 2chußstiefel mitfltegt holländrschen Fußballspiel flog mit dem Ball auch der Stiefel des Schützen aus das Tor, und Ball und Stiefel passierten den verblüfften Tormann Der Verein, der dieses„Srieseltar' bekam, legte Protest«in. dem nun auch st a t t g e g e b«n wurde. kein« weiteren Prämien zu bezahlen brauche. Und da» Opfer glaubte und zahlt« und der gelungen«„Bräul'gam" bekam 1-iOO Ks Provision von der Anstalt, der«r den Versicherungsantrag überre chte. Nach diesem Schlager lockt« er ein Sparkassabuch heraus und'behob den gesamten Betrag von JO 000 K«— gleichfalls schwer erdarbt« nnb crstiart« Nolgroschcn. Hier benützte er den rührseligen Bonwand, daß ihm eine sehr geliebte Tante gestorben sei uns er kein Geld für di« Bestreitung eines würdigen Begräbnisses habe. Der Gauner wurde durch«inen originellen Zufall dingfest gemacht. Die her»"« gekannt einem zufälligen zählten einander Schicksale. Aussichten und Hoffnungen und mußten endlich zu chrem beiderseitigen Schmerz erkennen, dap sie beide e.n und denselben Bräutigam hatten. Als-er Banner merkt«, daß sein Spiel ZU Ende sei, benützte er di« letzte 1.20 Kf. die ihm von den herausgelockten Tausendern vetPlieben war, um nach Pankraz zu fahren und sich selbst der Staats- anwaktschaft zu stellen. Er macht« kein-behl daraus, daß'hm di« Sache im Grund« genommen ganz lieb sei, denn der Winker steh« vor der Türe un-«in GratiSuntrrkommen im Gefängnis fei nicht zu verachten. Dieser Wunsch fand ausgiebigst Erfüllung, denn dar Gerichtshof verurwM den Angeklagten, der zum größten Teil geständig war, zu zehn Monaten schweren und verschärft«n Kerkers. nk». M Bet M MN Kto MW« MM MM Bon Dr. A. Hotitscher. ErtoltS. »«««»««»« eittftiu I•■ k- Uh»l«»»»li«»i: Silbtlm ft 11 k■ 11.— vMamn'orNIchM Stibottenv Tt#«U 9 11•■ k. Bros-— Druck!-Sefa* A-G tSr gtliung- uw Vordruck, Vrea— gür etn£cuilli(tt- Srt«e4drdmeiing«n Btl jjallcuun« IN« Han« oder bet inktiiq dort dir Pan monailtid üd 18— airri-ltädrNiI, ic« w 11 tzatbtbtzri« Kl M,—, KÜ IW—,— g»t»ra»»MM» laut lauf btQigll berrchner. SfiM«» Umtchalinnarn'B