Srschelnl mit Ausnahme des Montag täg'lcy früh. «-am»» a. DeNoalttlOL- Vraa N.JIcläzanka»6» Zt\tBt».i 16793. 3H69. Naq»r,vaN. lab 11 Ujl), 33636 ♦ Doüläitfamtl 37331 Avzelprels 70 Heller. Mnschltrßlich 6 Heller Borte' ««WM Mül 13. Jahrgang. Frettog. 15. Dezember 1033 Rr 293. Der Oberreldisamvall beantragt: * Tod Ifir lorKcr nnd von der Lobbe Freispruch Dimitrows, Tanews und Popows Prag, 14. Dezember. Der Obcrreichsanwalt des Herrn Goering hat bei der heutigen Ber- Handlung vor■ dem Reichsgericht für van der Lubbe und Torgler den Tod und für die drei Bulgaren den Freispruch gefordert. Daß er Torgler bmlen lassen will, ist nicht weiter verwunderlich. Merkwürdig ist höchstens, daß er es wagt, die Todesstrafe nach dieser Anllageredc zu vcrlan-1 gen, die in ihrer Oberflächlichkeit und Dürftigkeit nicht die Opfer der Brandstifter, sondern diese selbst und die ihnen willfährige Justiz anklagt. Dem Oberreichsanwalt ist ans der Fülle der gleichgcschaltcten Zeugenaussagen und der übrigen „Tatbeweise" nur die Bekundung der drei nationalsozialistischen Abgeordneten Karwahne, Kroyer und Frey, also der voreingenommensten und darum bedenklichsten„Zeugen", geblieben. Ter öffentlich« Ankläger hatte die Stirn, aus ihren Aussage» die Behauptung abzuleiten, Torgler sei am Tage des Brandes mit van der Lubbe «sehen worden. Dabei will jeder dieser drei Patentzeugen, deren abnorm gutes Gedächtnis sogar Herrn Dr. Sack in ungläubiges Staunen versetzt«, eine andere Person mit van der Lubbe «sehen haben. Auf solche Kleinigkeiten muh ein Mann wie Dr. Werner natürlich nicht eingehen; es könnte doch sonst sein, daß von der Anklage überhaupt nichts übrig bleibt. Bor wenigen Tagen lwt Herr Goering die Köpfe der Angeklagten gefordert. Der. Obcrrcichs- anwalt mahnte ihn zur Geduld. Goering hat nicht lange warten müssen. Der Angeklagte, der ihm am lostvarsten ist, wird gehenkt werden. Es ist Torgler, es m u ß Torgler sein, weil mit seinem Freispruch das Urteil über die heutigen Herren Deutschlands gesprochen wär« und über die Methoden, die sie zur Macht führten. Denn die Behauptung, der Reichstagsbrand sei ein Werk der-Kommunisten, war Grundlage und Entschuldigung für die ungeheuerlichen Verfolgungen, die am 28. Feber gegen die marxistische Arbeiterbewegung einsetzten. Sie diente zur Rechtfertigung der Zei- tmigsverbote, sie öffnete die Schleusen, aus denen sich der nationalsozialistische Unflat über ganz Deutschland ergoß und die Wehrlosen erstickte. Tie Hunderte, die seit der Machtübernahme Hitlers ermorde« wurden, die Zehntausend«, die sich in den AonzenrraüonSlagern befinden— sie alle werden unter Bezugnahme aus die Reichstagsbrandstiftung als gefährliche Hochverräter und Ausrührer bezeichnet; ihr Leiden und Sterben wird mit dem Hinweis auf die„nrarxisti scheu Schrecken", die der Reichstagsbrand offenbart habe, mit Hohn abgetan. Wie könnten es da die Goerings und Hitlers ertragen, daß Torgler, der führende Firnktionär der KPD etwa mangels an Bciveiscn sveigesprachen wird? Di« drei Bulgaren sollen freigesprochen werden. Gegen sie gibt es nicht weniger„Beweise" als gegen Torgler. Aber nur« benötigt sie nicht für das Alibi, nach dem die Verdreckten der Hunnen rufen. Und wenn sie das Gericht auch freisprechen sollte, so wird Goering d>is Wort cinlösen, das er dem Holden Dimitrow gab: er wird ihn außerhalb dos Gerichtes Wiedersehn uitd man wird dann Dimitrow kaum tviedererkenneu. Vorher freilich wird der Tapfere das Ohr der Welt gewinnen— wenn er Gelegenheit linden wird, sich mit der Kreatur zu beschäftigen, die sich Staatsanwalt nennt. Wird er die T a t der Welt getvinnen? Millionen Proletarier sagen ein kämpferisches I a! -* Leipzig, 14.' Dezember. Di« heutige Perhaud- lunq im Prozeß zur Verteidigung der Reichstagsbrandstifter wurde durch die- Fortsetzung der Rede der Oberreichsaawaits eröfsnel, in deren Verlauf er die Strafanträge stellte. Er sagte, er gelte darüber zu reden, ob die Annahme per Anklage' berechtigt ist, daß di« Mir- täter des van der Lubbe die übrigen vier Angeklagten sind. Ihre Schuld könn« freilich, da sie am Ta:orr nicht gelehen wurden, nur durch dir Umstände nachgewlesen werden, dir darauf h i n d e n- t«n(!), daß sie mst der Tat in Verbindung stehen müssen. Philosophische Gaukelei Es komm« der politisch« Vorteil der Tat für«in« politische Gruppe in Frage. Die Frage, ob di« Kommunistische Partei ein Interesse an der Tat gehabt habe, sei unbrdingt zu bejahen. „Wenn der Kommunistischen Partei ihre Absicht gelungen wär«, hätte sie zweifellos einen ganz«r. hcblichen Vortril von der Sache gehabt, sie wäre an die Macht gelang!.. So sagt« der Ober- rcichSanwalt wörtlich. Beim Mißlingen der Tat habe di« KPD. noch unmer die Möglichkeit gehabt, sie ihren politischen Gegnern, den Nationalsozialisten,„anzudichten". Daß die kommunistischen Erwägungen fchlschlugen, ändere nicht- an der Tat fache, daß sie an gestellt worden seien und Er- solgsmöglichteiten in sich bargrn.„Tie Täter müssen also in der Kommunistischen Partei und in den Personen gesucht werden, die mit den Zielen der KPD. synrpathisicrten." Die„schuldbewelse" Segen Torgler Torgler sei der Tat verdächtig, weil er sich kurz vor dem Brande im Reichstag aufgehalten habe. Cs sei besonders ausfallend, daß nicht habe nachgewirsen werden könuen, Torgler sei in den kritischen Stunden in seinem Zimmer gewesen. DaS Hauptargument erblickt der Obcrreichsanwalt aber in der Bekundung der Zeugen Karwahne, Krotzer und Frey— der drei nationalsozialistischen M>ge ordneten—, di« Torgler am Brandtage mit van der Ln-bbe gesehen haben wollen. Auch daß Torgler mit Popow zusammen am Tatort gesehen wurde, sei durch dies« drei Zeugen bestätigt worden. Torglers Alfteniasdien und sein Abendessen Verdächtig sei, daß Torgler am Dormlttag« de» Branotages mit dicken Aktentaschen gesehen worden sei, nicht minder verdächtig sei Torglers Verhakten am Abend des BrandtageS im Restaurant Aschin gcr gewesen. Er habe sich nämlich znm Unterschied von d«n anderen Gästen bei dem Bernehmen der Prandnachricht vollkommen ruhig verhalten. ES könne also kein Zweifel daran bestehen, daß Torgler als Täter in Betracht komme und di« Tat begangen habe, um di« Mitglieder der KPD. zum Losschlagen aufzureizen.(Wie verdächtig wär« er erst gewesen, wenn er Aufregung gezeigt hält«! D. R.) Es handle sich um„Brandstiftung iu Tat einheit mit hochverräterischen Handlungen." Der ObereeichSanwalt scheut« sich nicht, auch die Aussagen des gekauften Subjektes Lebernrann als Beweis gegen Torgler zu bezeichnen. Dimiirow tächeit Der Vorsitzende eröffnet die NachmittagSv«r- handlungen mir einer Zurechtweisung Dimitrows, weil dieser während der Ausführungen deS Ob«r- reichsaiiwalts wiederholt gelächelt hat. DaS Verhalten Dimitrows sei„unehrcrbietig"— waS die Schurken alles verlangen! D. Red.— und eine Provokation und Dimitrow würde im Wiederholungsfälle aus der Sitzung auSgrschlosirn. Der Ankläger Uber die drei vulgaren Dr. Werner schildert zunächst den Lebenslauf der dr-' angcktugten Bulgarin. Es sei wenig wahrscheinlich, daß sich Dimitrow in Deutschland nur mit bulgarischen Angelegenheiten befaßt habe,«S sei jedoch kern Nachweis über seine andere Tätigkeit zu«rbringen. Jedenfalls habe Dimitrow mit «iitem Führer der KPD. Verkehr gehabt. Keiner der drei Bulgaren habe«inen glaubhaften Grund für ihren Au,enthalt in Deutschland anführen können. Si« hätten sich gerade in jener Zeil in Deutschland eingefunden, in der«in kommunistischer Ausstand geplant gewesen sei. ES sei nicht glaubhaft, daß sie sich für die deutschen Verhältnisse nicht interessiert haben. Tie eigentliche Brücke, fuhr der Obcrreichsanwalt fort, di« vom Reichstagsbrand zu den ange- klagtcn Bulgaren führte, fei die Aussage des Kellners Helmer vom„Bayernhos', die allerdings durch andere Zeugenaussagen bis zu einem nicht unerheblichen Grade als zweifelhaft zu bezeichnen sei. Man werde demnach ans die Aussage Helmers kein ausschlaggebendes Gewicht legen dürfen. Der Oberreichsanwalt erklärt zum Schluß,«s bestehe ein erheblicher Verdacht, daß die drei angcklagten Bulgaren unerlaubte Dinge in Deutschland getrieben haben, die mit der Vorbereitung einer deutschen Revolution im Zusammenhang stehen. Daß sic aber gerade mit dem Reichstagsbrand in Beziehung stehen, sei nicht mi t Bestimmtheit zu erweisen, obwohl ein starker Verdacht nach dieser Richtung bestehen bleibe. Die siraianirage Der Obcrreichsanwalt beantragte gegen die Angeklagten Marinus van ver Lubbe unv Torgler Vie Toveostrasc, für Vie vrei bulgarischen Angeklagten Timitroff, Popofs unv Taneff beantragte er Freispruch. Die Strafanträge haben folgenden Worblaut: Ich beantrage 1. den Angeklagte». Bon der Lubbe schuldig zu sprechen eines sorigesetzien Verbrechens des Hochverrates nach 8 88 Rr. 2 und 8 82 des Strafgesetzbuches iu Tateinheit mit drei Verbrechen der schweren Brandstiftung nach 8 30fi Rr. 3 und 8 307 Nr. 2 des Strafgesetzbuches nnd eines Versuches der einfachen Brandstiftung nach 8 308 deü Strafgesetzbuches. Ich beantrag« deshalb in Antvendung des 8'> Abs. 1 der Verordnung des Reichopräsioenten zum Schutze von Volk uitd Staat vom 28. Feber 1933 in Verbindung mit dem Gesetz über die Verhängung und Vollstreckung der Todesstrafe voin 29. März 1933, ihn zur Straf« des Todes zu verurteilen. Zugleich beantrage Ich, dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrecht« auf Lebenszeit abzuerkenneu. Ich beantrage zweitens den Angeklagten Torgler schuldig zu sprechen eines fortgesetzten Vertun MS des Hochverrats nach 8 81 Nr. 2 und 82 des Strafgesetzbuches in Tateinheit mit einem i Verbrechen der schweren Brandstiftung nach 8 308 Nr 3 nnd 307 Nr. 2 des Strafgesetzbuches und in Anwendung der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Volk und Staat vom 28. Feber in Verbindung mit dem Gesetz über die Verhängung ünd Vollstreckung der Todeöstrase vom 29. März ihn zum Tod« zu verurteilen. Zugleich bcantrage ich, ihm di« bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit abzuerkeuuen. Ferner beantrage ich, d«u Angeklagten van der Lnbbe und Torgler dir Kosten des Verfahren» aufzuerlegen, soweit st« nicht durch dir Verfolgung der Angeklagten Dimitrow, Popow und Tonrw entstanden sind. Endlich beantrage ich, die Angeklagte» Dimitrow, Tanew und Popow von der Anklage de» fortgesetzten Hochverrates in Tateinheit mit einem Verbrechen d«r schweren Brandstistung mangelausreichenden Beweise- freizusprechen. Dir durch ihre Verfolgung entstandenen Kost«» beantrage ich, der Staatskaste auszuerlegen. PlddoQcr Dr. Tcldierts Nach der Pause beginnt Rechtsanwalt Dr. T e i- ch e r t sein Plädoyer für die drei bulgarischen Angeklagten. Ter Alibibeweis für Popofs und Ta- neff sei zwar nicht schlüssig gelungen, aber die Beweisaufnahme habe doch die Angaben der beiden über ihren Anfcnthalt im Landtage unterstützt und jedenfalls nichts für ihre Schuld ergeben. Ban Timitroff stehe ja fest, daß rr am Brandtage nicht in Berlin war. Der Angelpunkt der ganzen Anklage gegen die Bulgaren, die Aussage des Zeugen HelmerS, enthalten eine ganze Reihe von Irrtümern. Um dreiviertel 8 Uhr abends wird die Verhandlung geschlossen. Freitag vormittags wird Dr Teichert sein Plädoyer sortsetzeu. Erbschleicher des Fasdsmus Wie schon bcspvochen, hat der Bund der Landwirt«, der denxm geht, den„Landstand" zu konstituieren wird gleichzeitig aus dem. Geschäft der Zerreißung des Standes der Arbeiter Beute zu erraffen, als nerioste Attraktion einen„Gewcrkschaftsverband deutsckwr Arbeiter uitd Angestellter" gegründet und den Herrn Josef Jananfch, der sich bislang einen blauen Teufel um Gewerkschaftsproblemc kümmerte, an die Spitze dieser neuen„antimar- xistischcn" Organisation gestellt. Er und seine Auftraggeber sind natückbich nicht von einem plötzlich erwachten Wohlwollen uitd der Absicht getrieben, den Arbeitern>lnd Angestellten zu helfen, sie wittern einfach eine politische Konjunktur und suchen sich aus den Mitgliedern der aufgelösten hakeickreuzsascistischen „Gotvevkslhasten" eine„antimarxlstische Prätorianergarde zu schaffen. Daß dies ganz auf der seit längerer Zeit eingehaltenen Linie der landbündlerischcn Politik liegt, dafür sprechen die Tatsachen deutlich geimg. Als nach dem Staatsstreich Hitlers der Pegel der hiesigen Nazi in di« Höhe schnellte, bezog die„Landpost", deren Verantwortlicher Schriftleiter der Herr Janausch ist, eine Linie, daß ihre Schreibweise kaum von jener der Nazipresse zu unterscheiden war. Als dann die gefährlichen Experimente der Nazi zu energischem Einschreiten der Regierung führten, fand es die„Landpost" durchaus nicht nötig, zwischen sich, bezw.donr Bund der Landwirte und den Nazis einen Trennungsstrich zu zielten, obwohl der Bund der Landwirte seinen Bertre.vr in der Regieritng sitzen und somit auch Anteil und die Pflicht der Verantwortung ftir deren Maßnahmen hat. Noch in guter Erinnerung ist ferner die Stzm- pathickundgcbuilg der Saazer Landjugend für die Nazis und der Nedcexzeß des landbünd- lerischen Abgeovdneten Toni Köhler. Wenn es auch durchaus keiner besonderen Betonung bedarf, daß der„Än.imarxis- mus" der stiazi dir Sympathien des Bundes der Landwirte fand, so lagen dem Bund der Landwirte und seiner Presse dock) ganz bestimmte, sehr reale, reine parteipolitische?l!b- sichten und Kalkulationen vor, als es zil den angeführten ilur sclstvach verschleieren fasci- stischen Exzessen kam. Bis dahin ging es dem Bund der Landwirte darum, die anschweft Icrtt-c Hitlerbegeiztevung namentlich in der jungen Generation der Landbevölkerung dec Partei des Bundes der Landtvirte nutzbar zu machen und das konnte nur geschehen, indem man in der Presse des Bundes der Laniwirie di« Hitlerei beläbhirdelte uitd nntmachte. Mittlerweile kam die Auflösung der Nazi und der Nationalpartei und einiger„Gewerkschaften" dieser beiden Parteien und damit die günstigst« Gelegenheit zu einem großen parteipolitischen Ftschzuy des Bundes der Landwirte. Die Mitglieder und Anhänger der beiden aufgelösten Parteien für den Bund der Landtvirte aufzufangen, bestand nicht viel Aussicht; da hatte Henlein schon vorgear- beftet, In seiner Naivität aber hatte Henlein der Gewerkschaften der mlfgelösten Parteien nicht geachtet und dort hängt sich nun der geftirkelte-Organisator des Bundes der Landwirte ein und hat nicht einmal besondere Schwierigkeiten zu übcrwindon. Die Mitglieder der aufgelösten Gewerl- schäften hängen in der Luft, ihre erworbenen Rechte sind verloren gegangen(Arbeitslosenunterstützung) überdies sind sie verängstigt. Meist dem schwersten Drllcke der Unternehmer ausgesetzt, durften sie sich zwar zutrauen, einer Nazigewerlschaft oder einer solchen der Nationalpartei, nicht aber einer freien Gewerkschaft anzugehören. Das Los der Arbeitslosigkeit droht jedem und da bleibt die staatliche Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter System für si««ine große Hoffnung. Seite 2. Freitag, 18. Dezember 1888 Nr. SV8 Demokratie braucht Wahlrecht) schon au« dieser Erkenntnis wird eü notwendig, daß de» Wählerverzeichnissen, die In der Zeit vom 18. bis 22. Dezember zur ö s j c» t. l i ch t it Einsichtnahme in den Gemeinden aufgelegt werde», dir größte Aufmerksam» leit geschenkt wird. Jeder TtaatSbiirger, der bis zum 1K. Dezember d. I. da- 21. Levrnssahr erreicht hat und an diesem Tage mindestens drei Monate in der Gemeind« wohnt, muß, wenn er nicht aus Grund der Bestimmungen des Gesetzes ausdrücklich von der Eintragung in do» ständige Wählerverzeichnis ausgeschlossen wurde, dar»» verzeichnet sein. Einsprüche gegen die ansgekegtcn Wählerverzeichnisse müssen innerhalb der achttägigen Frist ersolgen und können von jedem Wahlberechtigten, für sich selbst oder siir andere Wähler, schriftlich beim Äemeindeamte eingcbracht werden. Den noch bestehenden völkischen Gewerkschaften aber Kinn das Schicksal der aufgelösten ebenfalls widerfahren. Eine solche Konjunktur ergibt sich nicht so bald wieder und.daraus baut der Bund der Landwirte und der Herr Ianausch den ganzen Plan. Inwieweit er dabei unter deir Funklio- ^näre» der aufgelösten GcN'erkschaflcil und Parteien Eirtgegenloiiunen fand, ist nicht schwer fju erraten. Schon die Tatsache, daß sich die Kanzlei dieses famosen„GcwerksclrastS- tirbandes" im selben Lokale in Titschen a. E. befindet, in tvelchem bis vor kurzem die Funktionäre der Deutschen Na» r i onaI pa rtei und des„Gewerkschaftsverbandes deutscher Arbeiter" minierten, so daß sogar die alten Schilder verwendet werden konnten, gibt hierüber hinreichend Aufschluß. Welcher Art die gewerkschaftliche Tätigkeit dieses„GewwrkschafiSverbandeZ" sein wird, kann man sich ja vorstellen. Mari braucht sich nur zu vergegenwärtigen, daß der Bund der Landwirte seitJahr und Tag eine schamlos« Hetze gegen die Arbeitslosenunterstützung und gegen eine jegliche Sozialpolitik überhaupt führt. Seine Einstellung zum 8-Stntidentog und gar erst zur 40- Stundenwoche ist bekannt. Lohn- und Kollektivverträge such den Herrschaften ein Greuel, das Arbeitsrecht interessiert sie nur vom Standpunkte der Unternchmer und die Zwangsarbeit nach reichsdcutschem Muster ist das Ziel ihrer Sehnsucht. Diese Probleme werden auch di«„Gewerkschaft" nicht beschweren. Sie hat keinen anderen Zweck, als den« Bund der Landwirte Wähler zuzutreiben. Diese Aussichten sind ja nicht ungünstig. Die Konkurrenz der Nazi und der Nationaipartci fällt weg, Henlein ist problematisch und wenn die Regierungspartei des Bundes der Laird- wirte ihr«„Gewerkschaft" unter einen gelinden Druck seht, werden deren Mitglieder schon kandbündlerisch tvählert. Man darf also mit Fug und Recht sagen, waS der Bund der Larwwirte da treibt, ist politische Erb- schleicherei ärgster Art. E. A. Das Vorweihnachtsprogramm Neues Mieterschutzprovisorium bis Ende Feber 1984 Keine neuen Einheitspreisgeschäfte Prag, 14. Dezember. Nach der vormittägigen T r a u e r s i tz u n a dcS Parlaments wurde aut Nachmittag eine kurze zweite Sitzung abgehalten, in der eine Reihe von Regierungsvorlagen den Ausschüssen mit Frist bis TienStag, den 1!)., 10 Uhr früh zugewiesen wurden. Für diese Zeit ist die nächste Plenarsitzung deS Abgeordnetenhauses einberufen, welches bas umfangreiche Borweihnachtsprogramm in dieser und in zwei weiteren Sitzungen am kommenden Mittwoch und Donnerstag bewältigen soll. Dieses Borweihnachlsprogrannn umfaßt folgende Punkt«: Aufschub deS sogenannten Steuerüberwäl- zungsverbotes um ein weiteres Jahr; die vom Arbeitgeber über feine gesetzliche Verpflichtung hinaus für den Angestellten bezahlten sozialen Lasten und Steuern können also weiterhin als AbzngSpost bei der Steuerbemessnng für den Unternehmer behandelt werden. * Verlängerung der vorübergehenden Zuschläge zur Einkommen und Tantiemensteuer um weitere zwei Jahre, wofür der Motivenbericht als Grund den unalnvcislichcn Bedarf der Staatskasse anführt. Verlängerung deS Gesetze» 47/1930 über die Verpflichtung staatlicher Acmter und Anstalten zur Abnahme gewisser inländischer landwirtschaftlicher Produkte auf unbestimmte Zeit. • e Verlängerung deS landwirtschaftlichen Doll strcckungSschuyeS(schuh vor Exekutionen) bis zum 28. Feber 1934. Der Motivenbericht kündigt an, daß bi» zu dieser Zeit diese Materie überhaupt durch ein Gesetz neu geregelt werden soll. und Angcsirlltciikategorien; in individuellen Lohnverträgen dürfen die Bedingungen nicht ungünstiger sein als die in Kollekiivvei träge», bzw. di« ortsüblichen Usancen. Endlich wird auch das BetrlebS- rälcgefetz auf diese Geschäfte erstreckt. * Unvsränderte Verlängerung der bestehen« dci« W o h i« u ii g s g c f c tz c bis Ende Feber 1934. Ter Motivenbericht führt an, daß di« Borberei- »iiigcn zur gesetzlichen Neuregelung dir Wohnungsfragen bisher nicht so weil fortgeschritten sind, als daß dies« Neuregelung bereits mit Ende d. I., das heißt mit Ablauf der bisherigen Wohnungsgesetze, in Kraft treten könnt«. Dir Notwendigkeit der Erhaltung der Kontinuität der Rechtsordnung in Wohnungsfrage» führt« di« Regierung dazu, dem Haufe die unveränderte Verlängerung der bestehenden WohnungSgcsetz« um zwei Monat« Vorzuschlag««; di« Steuer- und Gebühreubegünstigungen sub. Art. I, 8 5, Abs. I«) d«S Gesetzes 104/1032 und sub.§ 10, Abs. 2 des Gesetzes 14/1028 werden um ein ganze» Jahr verlängert. • Initiativantrag der Koalition auf weitere Herabsetzung der Diäten der Parlamentarier zwecks Anpassung an die Kürzung der Staats- angestelltenbezüge. Demnach werden di« Bezüge der Mitglieder der Nationalversammlung, der beiden Vorsitzenden und- der Vizepräsidenten in Anpassung an die neuerlichen f Gehaltskürzungen bei den AtaatSangestellten für 1034 um weiter« 4 Prozent herabgesetzt. Die Abzüge be« -tragen bei den Bezügen der Parlamentarier und der Vizepräsidenten nunmehr 14 Prozent, bei den Bezügen dir beiden Vorsitzenden 10 Prozent * Nack der HauSsihung wurden einzeln« dieser Vorlagen bereit» vom Bndgetausschuß und vom sozialpolitischen Ausschuß genehmigt. Gesetzentwurf über die Einheitspreisgeschäft«. Der Entwurf steht vor, baß EinheitSpre'Sgeschiste ab 1. Dezember d. I. nur mit Bewilligiing bei LandeSomte», da» an Richtlinie» deS Handelsministerium» gebunden>ft, errichtet wrrden dürfen; für dir nächsten zwei Jahve darf dies« Bewilligung nicht erteilt werden. Der Bitrieb von Einheit»- pre'Sgeschäfte«, di« nach dem SO. November d. 8. errichtet wurden, wird untersagt. Di« besehenden Einheitspreisgeschäft« dürfen weder bezüglich der Warengattungen noch bezüglich der Anzahl der Räumlichkeiten vergrößert noch in andere Gcme'ndeu verlegt wevden; auch die Errichtung von Zweiggeschäften ist unzulässig Der Batrteb von Gast- und Ichankkonzesstonen in diesen Geschäfte» ist verboten bere'ts erteilt« Konzessionen erlöschen. Aes« Ge- ichäsl« dürfen ferner weder in der Firma, noch in d«r äußeren Bezeichnung, aus Ankündigungen, Ge schästspapieren usw. di« Bezeichnung„Einheitspreisgeschäft' usw. verwenden. Sie unterliegen fern«, dein K 54 der Gewerbeordnung. Wichtig sind namentlich die 2 ch u tz b«st i m mung«n für da» Personal in sozialpolitischer Hinsicht. Die Angestellten dieser Bctrickbe(mit AuSiwhm« derjenigen, di« nur Hitfs- dienstc leiste») unterliege» den Bestimmungen übel die Handlungsgehilfen; für ihr« Löhne gellen dir Kollcltwverträg«, bzw. dort, wo solch« nicht bestehen, dir ortsüblichen Usancen für die b«treff«nden Zir-e^ge Trauersllzung des Parlaments Prag, 14. Dezember. Die Parlamentssitzung am heutigen Bormittag war au-schließ« lich dem Andenken deS verstorbenen Minister- Präsidenten 8 v e h l a gewidmet, dessen Sitz in der Kammer, dir«r seit seiner Erkrankung vor sechs Jahren nicht wieder betreten hatte, mit einem umflorten Strauß von Weißen und roten Blüten geschmückt war. Kurz vor Beginn der Sitzung erschien Ministerpräsident Malypetr mit allen Mitgliedern der Regierung bis auf Dr. Benes, der oorzeit in Paris weilt. Nicht nur die Ministerbank, sondern auch der Sitzungssaal und ein Teil der Galerie war dicht besetzt. Der Vorsitzende Dr. S t a n ä k hielt dem Verstorbenen einen herzlichen Nachruf, in dem er tzvehla als Staatsmann, aber auch al» den Mann mit dem guten Herzen feierte, der gerade fetzt nach Jahren übermenschlichen Duldens vorzeitig dahingcgangen sei, wo das allgemeine Vertrauen des ganzen Volkes ihn spontan zu schöpferischer Arbeit gerufen habe. Darin liege di« Tragik seines Schicksals. Nach einem Ueberblick über den Werdegang SvchlaS und seine Arbeit für seine Partei würdigte DianLI namentlich d!« Verdienste deS Toten in der Zeit d«S Weltkrieges al-„GenrralftabSchef der tschechische» Revolution", bei dem all« Fäden l RektiswlrtsdiQitsminlster ! hei FlocdontHd Berlin, 14, Dezember. Der deutsche Reichs. >uirtschaft»minist«r Schmidt stattet« heute in Begleitung deS deutschen Botschafters in London von Hoesch einen Besuch im Unterhause ab. Dort hatte er mit Premierminister Macdonald und dem Staatssekretär de» Auswärtigen Sir John Simon kurze Unterredungen, die in sehr herzlichem Tone verliefen. der tschechischen Innenpolitik zusammenliefen, und sein« hervorragend« Anteilnahme am Aufbau des jungen Staates und seiner Verfassung. Besonders hob Stand! hervor, daß c» SvchlaS außerockent- sicher politischer Gewandtheit auch gelungen sei, Vertreter der deutschen Mitbürger zur aktiven Mitarbeit für den Staat heranzuziehen. Er war, erklärte StanSk, em gewandter Taktiker und ein nüchterner Realpolitiker und di« Gewandtheit, mit der«i ehrenvolle Vereinbarungen der verschiedenen Parteien und Gruppen abschjoß, hab« ihm den Titel„Meist«r de» Kompromiss«»" eingetragen. Stanick zitierte weiter» einig« Stellen au» der letzten Kundgebung 8vch!a» Vom 28. Okwber d. I. vor den Vertretern seiner Partei, di« al» sein politisches Testament angesehen werden müsse und in der er von den Führern in der heutigen Zeit vor allem verlangt habe, daß st« da» Herz am rechten Fleck haben niüßten. Seine unstcMichen Verdienste, schloß Stanöl die Trauerrede, werden dauernd ein Ruhmesblatt in der national»» Geschichte bleiben, in die der Nam« dieses Hostivaker Bauern mit unauslöschlichen Buchstaben eingeschrieben bleibt. Zum Zeichen der Trauer wurde die Sitzung sofort nach Standks Trauerrede, die vom ganzen Hau» stehend in tiefem Schweigen angehört wurde, geschlossen. Svehlas Aufbahrung Vostivar, 14. Dezember. Auf dem Gute 8 v e y l a» erschienen heute die Mitglieder der Negierung sowie zahlreiche Abgeordnete und Senatoren, svehla ruht in einem offenen Sarg auf einem einfachen, von Kerzen umgebenen Katafalk, der von einer Ehrenwache umgeben ist. Am Katafalk befindet sich bis jetzt ein einziger .Kranz, und zwar der de» Präsidenten der Republik, der di« Aufschrift trägt:„Seinem Mitarbeiter— T. G. Masaryk". Bei den morgigen Trauerfeierlichkeiten werden auf dem Gutshof, wo bereit» ein Katafalk und eine Rednertribüne aufgestellt ist, Mnrifter- präsidcirt Malypetr und der amtierende Vize- Vorsitzende der Agrarpartei Beran sprechen. Aus dem Friedhöfe sind Trauerreden des Scnats- präsidrnten Dr. Soukup und des Obmannc» der SoLolgemeinde Bukov fky vorgesehen. Tie Reden werden auch durch den Rundfunk ver- breetet werden. Di« kirchlichen Zeremonien wird Senator und Dechant K r o i h e r vornehmen. Di« Trausrsererlichleiten beginnen um 11 Uhr. Budget im SenaisausstM* angenommen Prag, 11. Dezember. Der Bndgetausschuß des Senates hat heute die Ictzlen Budgetkapitel beoddet und das Budget»ach einem Exposee des Finanzministers Dr. T r a p l unverändert angenommen. DaS Budget wird in der nächsten Sc- natüsitzung am Montag, de» 18. d., um 16 Uhr aufgelegt und ab Dienstag im Plenum verhandelt werden. An di« Orgel gelehnt, schaute er Kasperls tollen Kapriolen zu, wahrend Lene unter den Stehgästen herumging, Geld einzukafsiereu. Bon seinem Platz an der Drehorgel ließ er sich den ganzen Nachmittag nicht verdrängen. Er konnte kaum erwarten, bis Kasperl von der Spiellatte heruntergernsen hatte, daß es jetzt auS und vorbei wäre und in fünf Minuten wieder aufs neue beginne. Gleich sing er wieder an zu orgeln. Als Äretl und Hans um halb sechs Uhr zurückkamcn, drehte Franz immer noch unermüdlich die Orgel. „Schau", niachte HanS die Gre/l auf ihren Bruder aufmerkjam.„der Franz hat umg'fatlelt und geht jetzt unter'» fahrende Boll!" Cie lachten herzlich über de» Eifer, de» Fram bei feinem neuen Metier entivickelte. Nachdem Sie nächste Walz« durchgedreht war. machte .r-ans darauf aufnierkiam, Saß es jetzt höchste Eisenbahn wäre, wenn er den Zug nicht ver- 'äumen wolle. Beim Abschiednehmen drückte Lene dem Fran; lange ui>d herzlich di«-Hand. Ter sagt« leise zu tyv „Wird alles wieder gut. Lene, Nur den Kopf uit verlieren!" Dann gingen sie zum Bahnhof. In fröhlicher Stimmung stieg Grell ein. Franz stand beim Ab- sahren neben ihr qm Fenster, und sie winkten HanS noch lange zu, der auf dem Bahnsteig seine Mütze lchlvenkl«, solange er den Zug noch sahen konnte. 6. Im Wogen des Vater Corneliu» ging alles seinen gewohnten Gang, nur daß an Stelle der Frau Anna di« Lene getreten Ivar. Sie besorgte gewissenhaft ihr« Obliegenheiten, luchte in der Arbeit Vergessen. Sie war nicht mehr so lebhaft und munter wie früher und saß zuweilen still in sich versunken da, als lausche sie in sich hinein. Hans sprach«ine» Tage» darüber mit dem Vater: „Die Len« iS so ganz anders wie früher. So still!s sie geworden. Was iS denn lo» mit ihr?" „Was soll denn los sein? E Mädle mit achtzehn is anders wie eins mit vierzehn Jahr. No, und gern hat die Lene ja nie in unfern Wagen gewollt." Damit war die Sache zunächst abgetan, und Ende Oktober kam die Mutter wieder. Sie fühlte sich so weit hergestelll, daß sic meinte, ihren Platz im Wohnwagen wieder einnehmen zu können. Ta» Kranksein und Nichtstun in Kitzingen hatte ihr ohnehin nicht belegt, so gerne sie auch sonst bei ihrer Schwester tvar. Ihr arbeitsames Wese» ertrug dos Feiern nicht. Sie mußte Beschäftigung traben. So kam sie eines Tages wieder an, als Baler Cornelius und Hans i» Schweinfurt Vr Xtaspcrlbude aufschlugen. Bist wieder auf'm Damm?" begrüßt« sie HanS, der sie an der Bahn abgeholt hatte. „Es wird scho wieder gehn!" meinte sie und erkundigte sich, wie sich die Lene dvcingesunden hätte, und ob das Geschäft gut gewesen wäre in der Zeit ihrer Krankheit. Vater Corneliu- unterbrach seine Arbeit, al» Hans mit der Mutter zur Kalperlbude kam. Man ging in de» Wagen. Len« hatte das Esten etwas früher gerichtet, so daß man sich gleich zu Tisch letzen tonnt«!. Während des Estens wurde Hann beschlosst«, daß L«Ne nrch am Nachmittag nach Würzburg zurückfahren soll«, zur Großmutter. Man plauderte noch«in Weilchen gemutlich, dann mußten di« beiden Männer wieder an die Arbeit, die Bude fertig aufzubauen. „Mutter, sagt'» aber erst, ivenn ich fort bin. wie'» mit mir steht. Gell?" ,^Heul abend will ich mit'm Vater drüber reden. Brauchst dir ja jetzt lei Sorg mehr machen, Lene. Weißt ja, daß d' zur Tante Regina kannst, und daß die dann auch bei Kindle nimmt. Also, sei nur jetzt vernünftig und mach mir kei Dumm, s-eiten in Würzburg." „Kannst ganz rnhig sein, Mutter. Das war bloß zuerst, wo ich so arg Angst g'habt hab. Jetzt is alles anders, feit ich mit dir drüber g'sprocheu hab und du so gut zu mir warst. Und im Frühjahr geh ich dann zur Tante..." Am Nachmittag fuhr Lene nach Würzburg. Abends, als alle drei im Wohnwagen saßen, erzählte Mutter Anna tvaS die Lene ihr in Kitzin- gcn gebeichtet hat. Vater Cornelius brauste heftig aus, als er hörte, wie cS um Lene stand. „Der Wohnwaaen war ihr immer nil gut genug, sie hat's bester Ham woll'n. feiner! Jetzt hat sie'- mit ihr'm feinen, jungen Herrn!" „Darfst uit hart zu ihr lein, Peter," begütigte Fran Anna.„Tie tut sich stmst noch war an. Es war scho nah dabei, und'S hatte itit viel g'fehlt. dann war die Lene ins Master g'sprungen, Solvas wird immer erst dann ganz schlimm, wenn di« Eltern zu hart sin zu ihr'm Kind. Schlecht is die Lene deswegen uit. Sie s» e gut'S Kind..." Dann erzählt« sie, was mit der Tante RtgiNa abgeredet sei. und vorläufig solle man erst mal abwarten. Mit der Lene würde schon alles wieder in Ordnung kommen. Hans faß still dabei. Jetzt konnte er sich auch erklären, warum die Len« soviel ruhiger war als fönst, so gebrüht und still. Und ihm hat' sie gar Nix g'iagt davon. Sie wird sich halt geniert haben. Da» war ja zu verstehen. Noch ein paar Tage beschäftigt« di« Sacke mit Lene die Leut« im Wohnwagen, dann trnt sie wieder in den Hintergrund, und nur dann und wann wurde sie von Vater od-r Mutter Cor--- liu»«rwäh-t. Die letzten Messen und Jahrmärkte des Jahres 1913.wurden besucht, und dann mußte man sich wieder um einen Ort zum Ileberwintcrn umtun. Mit der Mutter Cornelius war es seit ihrec letzten Krankheit nicht mehr ganz das Richtige, sie klagte oft über Schmerzen. Schließlich wurde es wieder so schlimm, daß>ie im Bett blc'cken mußt«. Sie Ivar wohs dock? wieder zu früh an die Arbeit gegangen, hätte sich in Kitzingen länger Pflegen lasten sollen. Vater Cornelius beriet mit Hans, wa» nun zu tun wäre, und sie kamen überein, diesmal in Würzburg zu überwintern. Die Mutter müsse inS JuliuSsPital und sich einmal gründlich ans- kurieren. Davon wollte die Mutter aber nicht» wisten. Nein, in» Spital wollte sie nicht. Bei der Großmutter in der Kärrnersgaste wäre ja Platz, und die Lene sei ja auch da, die könne sie Pflegen. Menn dann der Doktor sich«in paar Mal nach ihr umschaue, wär« da» genug. Di« Hauptsache lei ja. daß sie wann im Äett liege. DaS Spital kost« auch zuviel Geld. Sie war unter keinen Umständen zu bewegen, dorthin zu gehen. Vater Cornelius mußte sich schließlich damit abfinden. Hans kutschiert« nun den Wohnwagen mit dem Awhänger wieder Würzburg zu. Bon unterwegs hatte sich Vater Cornelius schon an den Magistrat gewandt und di« Erlaubnis erhallen, mit seinem Wagen auf dem kleinen Platz vor dem Kranentor zu überwinter«. (Fortsetzung folgt) Jlr. 293 Fvestag, 18. Dezember 1933 vc»e s. BsilrHt der Vereinigten Staaten rum Internationalen Melkm? Genf. 11. Dezember.(Insa.) I» de« Intet* nationalen Kreisen Genfs verlautet, daß Präsident Roosevelt die Absicht hege, den Beitritt der vereinigten Staaten zym Internationalen Arbeitsamt zu vollziehen. Diesbezüglich« Besprechungen haben zwischen dem Direktor de» I. A. A. vutler und Präsident Roosevelt vor wenigen Tagen In Washington stattgesunden. Roosevelt legt auf den Beitritt der U. S. A. deshalb besonders Gewicht, weil sich sein« Bestrebungen zur Verkürzung der Arbeitszeit mit senen des Arbeitsamtes deck«»». Roosevelt glaubt damit seinen Forderungen grützeren Nachdruck zu verleihen. Er scheint allerdings vorläufig noch aus sehr großen Widerstand zu stoßen. Ein letzter Vcrsudi Simons zur Rettung der Abrüstungskonferenz. Loudon, 14. Dezember.(Reuter.) illach der gestrigen Kabinettssitzung wurde Blättermeldun- gen ürfolg« beschlossen, daß der britisch« Außen- minister Srr John Simon di« Weihnachtsferien ju einer Rmse nach Paris, Rom und Genf und wahrscheinlich auch nach Berlin benützen solle, nm den letzten Versuch zur Rettung der WelwbrüstungSkonferenz zu unternehmen. Bene Partei Roosevelts? Washington, 14. Dezember.(Reuter.) Der republikanische Senator Johnson kündigt« die Gründung einer neuen politischen Partei an, Vie die Politik Roosevelts unterstützen wird. Johnson sagte bei dieser Gelegenheit: Entweder muh das Land auf di« Berwirk- lichung deb Programmes Roosevelts hin- orbeitrn oder„es wird wirtschaftlich zum Teufel gehen". Andauernde Unrune In Spanien Eisenbahnattentäler verhaftet. Madrid, 14. Dezember. Der Innenminister «klärt, daß in der Stadt Liria 14 Personen verhaftet wurden, di« die Bomben hergestellt hotten, mit denen sie die Eisenbahnkatastrophe lei Pnzal verursachten. AuS dem Gefangenenhaus in Bareelona sind 58 Verhaftet« geflüchtet. Die Poli- M hat 30 wietder verhaftet und verfolgt die übrigen. Auch 20 auf dem Dampfer„Uruguay" feftachaltene Häftlinge entkamen. In Pam- peluna wurde im letzten Augenbltck di« Ent- akeifung eines Zuges verhindert. Demgegenüber Hot fast überall der Streik versagt und di« Arbei- wfchast kehrt wieder zur Arbeit zurück. Eine Gruppe unbekannter Personen steckte dm Neubau einer Kirche in Brand. Der herbeigerufenen Feuerwehr gelang es, den Brand bald zu Lschen. Schweizer Bundespräsidenten- wähl Vern, 14. Dezember. Di« vereinigt« Bun- deSdersammluna hat heut« zum BundeSpräsiden- tm für 1934 den Bundesrat Piket Golaz und zum Vizepräsidenten Bundeürat Minger gewählt. Zmn Präsidenten des Eidgenössischen Versiche» rungSgerichteS wurde Werner Lomber ernannt. Der neue schweizerisch« Bundespräsident Marcel Eduard Pilet wurde am 31. Dezember 1869 in siossonay als Sohn eines Richters geboren. Er studierte Jurisprudenz Im Jahre 1921 wurde er tit den Großen Rat seines HeimatSkantonS gewählt. 8m Jahr« 1926 wurde«r in den Nationalrat ge- wählt, wo er in den Kommissionen sein« hohen Fähigkeiten zur Geltung bracht«. Am 14. Dezember 1928 wurde«r in den- Bundesrat gewählt. Der neu« schweizerisch« Vizepräsident Rudolf Minger wurde am 13. November 1881 in Mükch' sKairton Bern) geboren. Sein« Vorfahren sind seit 8ahchunderten in Mülchi als Landwirte ansässig. Im Jahr« 1918 wurde er Präsident der Bernischen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei und kam im Jahr« 1919 in den Nat'onalrat, dessen Präsident er im Jahr« 1928 wurde. Seit dem Jahre 1922 gehörte et auch dem Großrat d«S Kantons Bern an, welchen er auch im BundeSrat« vertritt. Neue finanziere Einbuße Iflr Wien Wien, 14. Dezember.(AN.) Durch ein« heut« liindgemachve Verordnung per Bundesregierung auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes, wird das Ausmaß der Luftbar- kertSabgabe von Lichtspielbühnen in Wien mit zeitlicher Geltung bis zum 30. Juni 1934 aus vier Fünftel der gvgenivärtlg zur Einhebung gelangenden Abgabensätze herabgesetzt werden. Einstellung der Alpine? Wien, 14. Dezember. Wie die„Neue Freie Presse" erfährt, dürfte sich bei der Alpinen Montangesellschaft eine kurzfristige Einstellung der Erzförderung und de» Hütten- betriebeS in Donawitz trotz aller Hilfsmaßnahmen der Regierung al» notwendig erweisen. Diese Betviebseinstellung soll aber erst nach den Fe>er» tagen, und zwar vom IS. Jänner bis IS. Feber, vorgenommen werden. fflclmwclir-lNlmatiiin an Dollfuß? Drohung mit Rcgicningsaustritt und Annäherung i an die Nazis Wien, 14. Dezember.(Eigenbericht.) Heute traten die Führer der Heimwehr zu einer Sitzung zusammen, in der sie«in neues Forderungsprogramm a>t die Regierung beschlossen, da» morgen dem Bundeskanzler überreicht werden soll. In diesem Programm verlangen die Herrschaften Ausschaltung aller Politik und deS Einflusses der Politiker(was sich offenbar gegen die unbeliebten christlichsozialen Führer richtet); Verbot der sozialdemokratische» Partei analog dem Verbot der Nationalsozialisten; Einsetzung eines RegieruuaSkommissärS für die Gemeinde Wien(für diesen Posten wird der jetzige Handelsminister Stockiuger vorgeschlagen); Betrauung des Vizekanzler» Feh mit dem gesamten Slcherheitswesen und der Landesverteidigung; Paris. Die zweite Sitzung de» Untersuchungsausschusses zur Untersuchung und Verhinderung deS Hitlerterro» wurde durch einen Bericht Kurt Großmann», Prag, Sekretär der deutschen Liga für Menschenrechte, eingeleitet. Großmann teilte mit, daß er 267 bestätigte und unwiderlegbare Protokolle über schwere Terrorfälle besitzt. WeltlSufe mit Ohnmächtigen. Der nächst« Zeug«, dessen Namen wegen dsv Verwandten m Deutschland geheimgehalten werden muß, gab an, daß er am 28. Feber verhaftet wurde. Er wurde bei der Verhaftung derart geschlagen, daß er wochenlang Nierenschmerzen hatte. So erging«S übrigens auch den vielen Mitgefangenen. Nach der Ankunft im Lager mußten sie Stroh für ihr Lager heran schaffen. DaS geschah so, daß sie«ine Doppel, kette von SA-Leuten passieren mußten, di« mit Stahlruten, Kolben und Gummiknüppeln auf sie ernschbugrn. Man zwingt Gefangen«, auf allen B'eren zu kriechen, und belädt sie dabei mit Ohnmächtigen. ES wurden„Wettläufe" veranstaltet; wer zuerst mit dem Ohnmächtigen bei der Umfassungsmauer waw, wurde von weiterem Exerzieren entbunden. Neuangekommene wurden zunächst in di« Folterkammern des Westsiügels geworfen. Dl« Gefangenen hielten sich, um das Schroten der Opfer nicht zu hören, die Ohren zu. Ungebrannte Hakenkreuze. Der Zeuge sah Gefangen«, denen aus di« Arm« Hakenkreuz eingebrannt und ein geschnitten waren. Ab» der Kommandant der Sonnenburger SÄ-Wach- mamrschaft abbe'usen werden sollt«, wollte er seine Nützlichkeit beweisen. Er ließ«ine oppositionelle Parole von einem SA-Mann an ein Tor schreiben und dann die Gefangenen zur Strafe exerzieren. <4 wurden ohnmächtig. Bei der Einlieferung sozl.ll- demokrvtischor Arbeiter am 11 August ereigneten sich furchtbar« Mißhandlungen. Ein sozialdemokratischer Funktionär aus Frankfurt-Oder erhängte sich noch am Tage der Einlieferung. Karl v. Ossietzky. lieber das Schicksal Karl v Ossietzkys, de» früheren Herausgebers der„Wrltbühne" und repräsentativen pazifistischen Schriftstellers, erfuhr man aus dem Munde des Zeugen erschütternd« Eimel- he'ten. Der Zeuge war fast täglich mit Ossietzky in der Freistunde zusammen. Ossietzky ist körperlich außerordentlich geschwächt, er ist abgeniagert, geht gekrümmt und wird trotz seine» schweren Herzleidens„wie ein Hund über den Hof des Lagers gesagt". Der Arzt erklärt zynisch, daß er den Dienst mitmachen könne. Die schmutz'gsten Arbe'ten, wie Nlllförlsihe Beratungen Itanen—Deutsfhland Paris, 14. Dezember. Der Berliner Korrespondent des Blatte»„Le Journal" meldet, daß sich in Begleitung des italienischen Staatssekretärs S u v t ch auf seiner Reise nach Deutschland der bekannte italienische Militärsachmann Oberst'Bianchi befindet. DaS Blatt berichtet weiter, daß di« Anwesenheit Bianchi» in Deutschland den Aiislandsournalisten v e r h e t m. licht worden sei. Ycrsammlonüsslurni In Frankreich Paris, 14. Dezember.(Jnprcß.) 21 Der- samnüungen werden zum 14. Dezember vom Komitee zur Befreiung DimitrofsS, Torgler», PopoffS und TaneffS in Pari» einberufen. Sonntag, den 17. Dezember, ist der zweit» Tag der nationalen Petition für die Befreiung der uit> schuldig Angeklagten. Für Dienstag, den IS. Dezember, ist eine Riesenkundgebung im Krähten Saal von Daris vorgesehen, auf dem führende Persönlichkeuen de» öffentlichen Leben» da» Wort gegen das Justizverbrechen in Leipzig nehmen werden. Gleichschaltung aller Länderregierungen mit der Bundesregierung. Ferner erklären die Heimwehren, daß sie nuumehr zum Endstoh gegen Christlichsoziale und Landbund antreten wollen, und kündigen für den Fall, dah Dollfuß ihre Forderungen nicht akzep. tiere, ihren Austritt aus der Regierung und Fühlungnahme mit den Rational- kozialisten zwecks Herbeiführung einer Berstän- olgung an. Wie verlautet, ist in der Sitzung davon die Rede gewesen, diesem Programm eine ultimative Form zu geben. Morgen abends wird der BundeSsübrer S t a r h e m b e r g, der erst kürzlich von einer längeren(nicht ganz sreiwil- (igelt!) Auslandsreise zurÜckgekehrt ist, bei Doll» suh vorsprechen, um ihm diese Forverungen zu überreichen. Morgen abend» findet ein Ministerrat statt. Latrinenreinigen und dergleichen werden ihm zugewiesen. Ossietzky wird verspottet und verhöhnt. Wenn ihm, erklärt der Zeuge, und dem kommunistischen Abgeordneten Kasper keine Rettung von außen komm«, würden sie elend zugrunde gehen. Die Regierung Ist schuldI Der Zeug« gibt an, daß di« Regierung von den Mißhandlungen weiß. Durch Kompelenzftreiligkeiten ist folgender Fall zum Inspektor der Kehenken Staatspolizei, Diehl», gelangt: Ein jüdischer Vater wurde mit seinen zwei Söhnen«ingeliefert. Nach dem Verhör waren die Gesichter aufgequollen, der Vater war ohnmächl'g. Dann wurden sie unter di« Pumpe geschleppt. In der Nacht machten all« drei Sekbstmordvevstiche. Der Jüngste wurde homosexuell vergewaltigt. Diehl» schritt nicht«in. aü wurde vielmehr später noch mehr und entsetzlicher gefoltert. Betrug an Sauerwein. Bei d«m Besuche Sauerweinü, des bekannten französischen Journalisten, im Lager Sonnenburg, halt« mair de offiziellen Arrest- und Folterzcllen geräumt, die Schilder umgedreht, damit di« Zellen als unbesetzt erschienen und alle Mißhandelten und Perwurdeten aus den gveiten Stock tzc» Westflügels gebracht. Sauerwein besuchte dieses Stockwerk nicht und hat von den Mißhandelten nicht« gesehen und 'hr Stöhnen nicht gehört. Am ersten Taget drei Morde. Der letzte Zeuge de» zweiten SitzungStageS befand sich im Kon^ntrationSlager Nenfüstrum bei Papenburg. Auf dem vierstündigen Marsch von d«r Station zum Lager hatte di« Gruppe der neu Internierten den ersten Toten: ein Zwanz'gjähr'ger wurde von der SA erschossen. Am ersten Tag des Lageraufenthaltes wurde gemeldet, daß der sozialdemokratisch« Poli'eimeister Guhse aus Bochum- Gerthe sich auf der Toilette„erhängt' habe. Der Tot« hing am Fensterkretrz, di« Toilette war voller Blitt... Am flle'chen Tag« wurde der Jude B a- r u ch von dem SS-Mann Nolte erschossen. Banich «rh'elr von Nolt« den Be'chl, sich al» Kurier für irgendwelchen Zweck zu entkernen; ans kurze Entfernung schoß di« SS-Kanaill« hinter ihm her und traf ihn in» Dein. Baruch brach zusammen. Nolt« lief hin und schr'e:„Willst du d'ch wohl umdrehen!" .. und schoß den Gefangenen in den Rücken. Baruch war sofort tot. Sech» Häftlinge wurden ge- gvungen, ein Protokoll zu unterschreiben, daß Baruch aus der Flucht erschossen woiden sei. Die Juden des Lagers sind SamStag regelmäßig 'besonders furchtbar mißhandelt worden S'e mußten strafezerzieren, man schlug ihnen die Zähne ein und zwang sie, faule Kartoffeln zu essen Die Nazi Mache erklärt« dazu: Di« Juden haben Sabbat... Lum mit uniformiertem Nazi gesehen Paris, 14. Dezember.(Jnprcß.) Da» Sekretariat des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes hat an den vierten Strafsenat de» Reichsgerichts folgendes Telegramm abgesandt: Zuverlässige Zeugenaussagen bekunden, daß van der Lubbe an einem der letzten Tage vor dem Reichstagsbrand im Postamt Ecke Heilig- geiststraßc—KönkgSstraße einen Geldbetrag abgehoben hat. Er wurde auf der im Zuge der Königsstraße liegenden Brücke von einem uniformierten Nationalsozialisten erwartet, mit dem er sich dann lebhaft unterhielt. Dadurch ist abermals der Beweis für Beziehungen van der Lubbe» zu den Nationalsozialisten erbracht. Wir beantragen deshalb, Nachforschungen bei dem betreffenden Postamt darüber vorzunehmen, ob die Geldabhebung erfolgte sowie Einvermrhme 8ub- beS zu dresem Punkte und zu der Frage, wer der uniformierte Nationalsozialist gewesen ist und worüber daS Gespräch geführt wurde." Dr. BcncS in Paris Pari s, 14. Dezember. Austenmini, fier Dr. EvuatD Beneii ist heute vor IS Uhr in Pari»«ingetroffen. Um 17 Uhr fuhr Dr. BeueS in daü französische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten am Quai d'Orsay, wo er mit Außen- Minister Paitl-Boneour eine erste Unterredung hatte. Für de» Abend wird Dr. Benez eine erste kurze Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Ehautemps Haden. Abend» gibt dann Paul- Boneour am Quai d'Orsay ein Diner zu Ehren de» tschechoslowakischen Gaste». Dem Chefredakteur deS Abendblattes„In- t r a n s i g e a n t" erklärte Dr. Benci im Verlaufe einer freundschaftlichen Unterredung, daß seine heutige Reise dem zweiten offiziellen Besuche in Paris gelte. Zum ersten Male habe er Paris in offizieller Eigenschaft gerade von zehn Jahren bei seiner unvergeßlichen Reise mit dem Präsidenten Masarhk besucht. Die Beziehungen zwischen Paris und Prag waven derartig, daß es nicht notwendig war, nach Außen hin unsere enge Zusammenarbeit durch zahlreiche offizielle Beziehungen luiidzutun. Die Tschechoslowakei wisse, daß sie auf Frankreich rechnen könne und Frankreich könne der treuen Freundschaft der Tschechoslowakei unter allen Umständen absolut sicher fern. Der Hauptzweck meiner gegenwärtigen Pariser Reise, sagte Dr. BeneS weiter, ist der gegenseitige Austausch der Meinungen über die Zukunft der großen aktuellen Pläne und Probleme. Er konime nicht nur als Außenminister der Tschechoslowakischen Republik, sondern auch a l S Sprecher der Klein en Entente. Moralische Verlotterung Amtlich bestätigte Greuelmeldungen. Die deutsche Regierung und ihr Propagandachef Goebbels sind bekanntlich eifrig bemüht, der Welt weis zu niachen, daß alle Berichte über barbarische Berfolgungen und Mißhandlung Andersdenkender im»Dritten Reich" böswillig« Erfin- dungett,„Greuelmärcheu" sind. _ In den dem Ausland« lveniger bekannte» Blättern aber kann man inimer wieder Meldungen und Mitteilungen finden, die di« Wahrheit über Hitler-Deutschland in Form amtlich bestätigter„Greuelmeldungen" verbreiten. Jin Wochenblatt„Der Stürm«?' des berüchtigten Naziführers Streicher ist in der Nr. 41«in Brief des SS-Scharsührers Herbert Hoyer aus Dortmund, Schwonenwoll 4, an den ehemaligen sozialdemokratischen La n dra t Hans m a n n als Antwort auf«ine Rede, die Herr Hausmann angeblich über den Straßburger Sender gehalten haben soll, erschienen: Der Brief beginnt:«Herr Land rat a. D., ich habe Sie einmal in einer schwachen Stund« gesehen. Sie erinnern sich vielleicht noch jener denk- würdigen Nacht, al» wir Ihnen mittel» einer Hundepeitsche „Wasserwellen" in Ihr verlängertes.Rückgrat legten." (Bon der Redaktion des Stürmers gesperrt!) Einige Sätze weiter heißt es mit zynischer Offen- heit:„Wenn bei dieser Gelegenheit Ihr infolge Sekt und Kaviar aufgeschwemmier Bonzenkörper etwas ramponniert wurde, dann ist das Ihre Persönlich« Schuld." Und um das Bild zu vervollständigen» sei noch di« unmißverständliche Drohung am Schlüsse des Briefes zitiert: ,?Hätte ich allerdings damals schon gewußt, daß Sie e» mit Ihrer Versicherung:„sich infolge geistiger Unterernährung niemals wieder politisch zu betätigen", nicht ernst meinten, dann dürfen Sie versichert sein, daß Sie dann heut« kein« Gelegenheit hätten, gegen unseren Führer, bezw. gegen sie deutsche Arbeiterschaft auch über einen feindlichen Sender, Ihrer Kinderstube entsprechend, zu pöbeln." In diesem Brief spiegelt fid> nicht nur die moralasche Verlotterung Hitler-Deutschlands, es offenbart sich auch die hemmungslose Genugtuung über Geschehnisse, die abzuleugnen der Dementierapparat des denk schen Propagandamini'steriums sich wochenlang bemüht hat. Der Autor dieses Briefes aber ist einer der Kameraden des deutschen Reichskanzlers, und einer der intimsten Freunde des Reichskanzlers billigte ihn, indem er ihn im seiner Zeitung veröffentlichte. Die Spannung iHller-Gocrlng Berlin, 14. Dezember.(Jnstreß.) Dem Affront gegen Goering bei Eröffnung des Preußischen StaatSrats hat Hitler einen zweiten hinzugefügt: er blieb, wie damals dem Staatsrat, zetzt der Eröffnung des„Reichstags" fern. In hiesigen politischen Kreisen wird die Reise Hitlers nach Wilhelmshaven, zur Begrüßung der Besatzung des Kreuzers Köln, einheit- lich als Vorwand betrachtet. Die wahre Ursache sei, daß Hitler es abgelehnt habe, dtw Eröffnung deS„Reichstages" beizuwohnen, die von Goring präsidiert werde. Auf der Regierungsbank saß bekanntlich kein einziger Minister. Die Abreise Hitlers kam selbst eingeweihten politischen Kreisen so überraschend, daß die„Deutsche Allgemeine Zeitung" noch anr Tage der„Neichstagü"eröfsnung nur den ReichS- wehrministcr von Blomberg erwähnte, der mit seinem Stab nach Wilhelmshaven fahre, dagegen von Hitler mit keinem Wort sprach. URKnsKHsaumasHBmsamamBumnssmiamuBmamBRMumaamBumBumMSHmai Hitlers Opfer klagen an. Seife 4. Freitag, 15. Dezember 1938 Nr. 293 Kältewelle über Europa. Seywerer Frost tu der ganjen«epuvlt»/ 3n DeutfGlaud dtp- 24 israd Prag, 14. Dezember. Unter dem Einflüsse einer tieft» Störung mit dem Zentrum über Italien ist bei uns in der Mittwoch. Nacht namentlich in dem südlichen Teil de» Staates Schnee gesallen. Im Zusammenhänge mit der genannten Störung haben sich die Froste in der Slowakei gemildert; Donnerstag srüh fiel dort an vielen Orten Schnee bei Temperaturen zwischen— 5 bis— 7 Grad Celsius. Im Nordteile Böhmens und in Schlesien macht sich dagegen die Kältewelle, welche sich aus Deutschland ausbreitete, geltend. Dabei ist in diesem Gebiete AuSheiterung und vielfach Ab. kiihluna aus 15 Grad Celsius eingetreten. Die Schneekoppe hatte gestern — 18 Grad Celsius bei Nordsturm. Aus Deutschland werden gestern F r ö st e von— 20 b i S— 24 Grad Celsius gemeldet. Die Temperatur in Prag betrug gestern früh:—13.2 Grad CelsiuS, da» Minimum der Nacht betrug—13.8 Grad CelsiuS. Wahrscheinliche» Wetter heute: In der Westhälfte de» Staates vorwiegend heiter bi» wechselnd bewölkt. Starker Frost, abflauender Wind. Im Karvathenaebiete Abnahme der Bewölkung und oer Niederschläge, Kälter werde, Wind aus nördlichen Richtungen. Biel Lis. Aus T r e b i t s ch schreibt man unS: Im Böhmisch- Mährischen Hügellande herrscht starker Frost. Es schneit bereits seit vielen Tagen. In den Teichen hat daS Eis eine Dicke von 21) bis 30 Zentimeter erreicht. An vielen Stellen hat man bereits mit dem Eishanen begonnen. Zum Skifahren ist jedoch einstweilen wenig Schnee. 2m Storm gescheitert. Bukarest, 14. Dezember.(Rador.l Seit gestern wütet ans rumänischem Gebiete ein heftiger Schneesturm. Alle Züge treffen mit großen Verspätungen ein, der Verkehr in den Städten ist sehr erschwert. Blättermeldungen zufolge wü- T agesneuigkeiten Der Gutsbesitzer und Gemeinderat als kinbrechert B ö h m.» B u d w e i S, 14. Dezember. Gestern abends wurde der Gutsbesitzer und Gemeinderat Franz H r y z a k in Kameny Malikov, Gerichtsbezirk ReuhauS, verhaftet, da er eine ganze Reihe kühner Einbrüche verübt hatte. Ein unbekannter Tater hatte dem Bauern I. Oapek vierzel/n Sack Hafer und landwirtichaftiiche Geräte, dem B. Fenel, der Besitzer eine» Installa- tionsgefchäfteS ist, wertvolle Maschinen zum Schneiden von Betonröhren, Armaturen usw. entwendet. Der kühne Diebstahl wurde auüge- sührt, als die Zentrisugalpumpe einer öffentlichen Wasserleitung gestohlen wurde, so daß die Halste der Bevölkerung in Jaromök ohne Wasser war. Die Gendarmerie kam mit Hilfe eine» Polizeihundes aus die Spur, die zu dem Großgrundbesitzer führte, der sich des besten Rufes erfreute. Bei der Haussuchung wurden einige der gestohlenen Saqen gesunden. Hryzak wurde dadurch überführt und nach feiner Verhaftung in da» GerichtSgesängniS in ReuhauS eskortiert. Die Verhaftung und Ueberführung des reichen Bauern rief in der Umgebung große Sensation hervor. Lrganisierte Srpresiimg. Pardubitz, 14. Dezember. In Pardubitz wurde soeben ein Fall organisierter Erpressung ausgcdcckt. Im Sommer diese» Jahres weilte im Bad Bvhdaneä eine Frau mit ihrer Tochter aus Brünn zur Kur. In den letzten Tagen erhielt sie einen Bries aus Pardubitz, in dem ein unbekannter Schreiber die Einsendung von st« 1500.— nach Pardubitz post restante fordert, widrigenfalls er ihre Liebesbeziehungen während ihres BohdaneLcr Aufenthaltes verraten würde. Die Frau, die sich ihrer Unbeschol» 1 e n h e tt bewußt war, übergab den Bries sofort der Pardubitzcr Gendarmerie zur Untersuchung. An die angegebene Chiffre sandte sie dann einen Brief ohne Geld. Die ganze Woche hindurch beobachtete die Gendarmerie bei starkem Frost das Pardnbitzer Postaebäude. Gestern nachmittags wurde ein Mädchen gesehen, das den unter der Chiffre ausbewahrten Brief b e- h o b; als sie die Gendarmen erblickte, ergriff sie die Fluch t. Sie wurde eingeholt, f c st g e n o m- m e n und in die Grrichtshast cingeliesert. Es wurde sicher^zestellt, daß die Briefe ein bestimmter Geschäftsmann aus Brünn schrieb und daß das MAnben von Brünn nach Pardubitz reiste, nm die Briefe aufzugeben. ES wurde weiter durch die Untersuchung frstqestellt. daß die Erpressungen in großem Maß- st a b e organisiert waren. Auch gestern warf das Mädchen einige weitere Drohbriefe in den Briefkasten. Gegen den Geschäftsmann wurde Haftbefehl erlasicn. Die Namen der Erpres- -(et werden noch geheim gehalten. tete am Schwarzen Meere ein äußerst heftiger Stilrm. Das spanische Petroleum s ch i f f„Zarofa" scheiterte hiebei achtzehn Meilen von Stambul. Die Mannschaft verließ rechtzeitig das Schiff, daS mit der ganzen Ladung u n t e r g i n g. Galizien:- 38 Grad Italien lies in Schnee. Berlin, 14. Dezember. Rach Meldungen au« Ost- und Nord-Europa sowie au« Italien hat die Kälte seit DienStag stark zngenom- men. In Wolhynien und Ostgalizien wurden(wie bereit« gestern von anderer Seite gemeldet wurde), 35 G r a d gemessen; in den Dörfern frieren die Brunne« ein. Der Frost fordert zahlreiche Opfer. Auch Italien ist in den Bereich der Kältewelle gelangt. In Genua liegt der Schnee 20 Zentimeter hoch. In Triest ist der ganze Straßen» und Wagenverkehr durch Schneefall lahmgelegt. In Süditalien haben neue Regengüsse großen Schaden angerichtet. Ein großer Teil de» mittelalterlichen Schlosses von Cosenza ist eingestürzt. 4V zentimeter Schnee in Venedig. Heftige Schneestürme über dem Mittelmeer. In ganz Ober- und Mittelitalien dauern die von eisiger bis minus 18 Grad erreichenden Kälte begleiteten heftigen Schneestürme fort. Im Adriatischcn und Tyrrhenischen Meer wüten heftige Secstünne. In Triest verhindert die Bora, die eine Geschtvirrdigkeit von 135 Stundenkilometern erreicht, die Abfahrt mw Ankunft der Dampfer. Bei Genua blieben 20 Autobusse und Züge in Schneewehen stecken. In Venedig ist der Verkehr durch eine 40 Zentimeter hohe Schneeschichte unterbunden. Auch in Neapel wird die Ankunft der Dampfer durch den herrschenden Sturm verhindert. Mehrere Segelboote werden vermißt. In der Umgebung von Livorno und Florenz sind durch starke Regengüsse Ueder- schwemmungen eingetreten. 880 km in der Stunde 7 Pari», 14. Dezember. sHavaü.) Die Sportzeitung„8* Auto" meldet, daß in der nächste« Zeit aus de« Flugplatz in Jstre» ein neue» Schnellflugzeug landen wirb, da» in einer Fabrik in der Umgebung von Pari» hergestellt wurde. ES ist dies der. Hydroaviou„vernarb" mit 1600 Np, vom TLp feuer Flugzeuge, die an de« Schneider»Pokal»Wettbewerb teilnahmen. Die Schwimmer de« Hydroavion» wurde« durch ein fahrbares Gestell zur Landung auf der Erde auSgetauscht. Pilot Doumere wird Anfang de» Jahre» 1934 DersuchSflüae mit der neue« Maschine anstelle« und er glaubt eine Geschwiudig- leit von 500 Kilometer« erziele« zu könne«. Bergarbeiter km Kampf. London, 13. Dezember.(Insa.) In der Grube Millhall in Stirling sind siebenhundert Bergarbeiter gegen den Versuch der Grubenlei- tung, Arbeiter zu entlasten, in den Streik getreten. Die Grubenleitung lehnte Verhandlungen vor Wiederaufnahme der Arbeit ab, doch beschlos. sen die Bergarbeiter die Weiterführung des Streiks. In der nahegelegenen und der gleichen Gesellschaft gehörenden Grube Fallin sind gleich, falls fünfhundert Bergarbeiter in den Streik getreten, weil ein Teil von ihnen unter den üblichen Lohnsätzen bezahlt wird. * Auch in Bulgarien. Sofia, 13. Dezember.(Insa.) Zum dritten Mal streiken die Bergarbeiter der Kohlengrube "Tvardizza". Der Grund des Streik« ist die Nichtauszahlung der Löhne. Den vierhundert Arbeitern schuldet die Grube über eine Million Leva. Es gibt Arbeiter, die wochenlang kein Geld, sondern nur Naturalabgaben bekommen haben. Moderne vankrikuber. Chicago, 14. Dezember. Sieben schwerbewaffnete Banditen überfielen gestern die Chica- goger Unity Trust Sparbank, überwältig« ten fünf Bankbeamte, verbanden ihnen die Augen, sprengten 335 Stahlkammern auf und entkamen mit einer reichen Beute an Schmucksachen, Wertpapieren und Bargeld. Die Verbrecher hatten einen tragbaren Rnndfunkapparat bei sich, mit dessen Hilfe sie während der Plünderung den Polizeirundsunk überwachten, um festzustellen, ob Alarm geschlagen wird. ZeitungStod durch Gleichschaltung. Wi« wir aus Berlin erfahren,. wird der früher demokratische, seit dem März dieses Jahres gleichgeschaltete„Berliner Börsen- Courier" zu Neujahr sein Erscheinen e i n st«l l e n. Seit Hitler« Regierungsantritt ist das die siebente Berliner Tageszeitung, die zy existieren aufhprt. Die Ursache des Bankrotts durste im Falle des„Börsen-Cou- rir" vor allem der„Gesinnungswandel" des .Herrn Herbert I h« r i n g sein, der in diesem Blatt früher seine betont linkürvdikolen Theaterkritiken schrieb und seit Ausbruch des Hit- ler-TerrorS sich so aufdringlich zum Anwalt der bvaunen Literatur-„Erneu«rung" gemacht hat, daß die Leser den Boykott über ihn und sein Blatt verhängten. Der Postverkehr in der Weihnacht», und Neujahrüperiode 1983/34. Sount>r g, den i7. Dezember wird im Post«, Telegraphen- und Telephonverkehr wie an Sonntagen amlicrt. Sonntag, den 24. Dezember wird wie an Feiertagen amtir** und die Post wird sowobl im Orts- als auch im Landbriefträderbestellbezrcke bis 18 Uhr zugestellt. Montagden25. Dezember, Sonntag, den 31. Dezember und Montag, den 1. Jänner wird toie an Sonntagen amtiert. DienStag, den 26. Dezember wird im Post- und Telephonverkehr wie an Feiertagen amtiert; die Post wird im Ortsbestellbezirke nur bis 12 Uhr, dafür aber im ganzen Landbriefträgerbestellbezirke zugestellt. SamStag, den 6. Jänner wird wie an Feiertagen amtiert und die Post wird im Ortü- und auch im Landbriefträgerbestellbezirke zugestellt. Knickerbocker bei Mafaryk. Der Präsident der Republik empfing am Donnerstag den 14. Dezember, den amerikanischen Journalisten Hubert R. Knickerbocker. Sieben Tote. Die Zahl der Opfer de« Flugzeugunglücks im Flughafen Fuhlsbüttel hat sich auf sieben erhöht. Der schwer verletzt in» Krankenhaus eingelieftrte zweite Flugzeugführer Gabbert ist in der vergangenen Nacht verstorben. Wegen der Mütze in den Tod. Mittwoch in den Abendstunden kehrte der 24jährige Werk- meister Felix DlaSk, von der Slowakei kommend, auf einem Motorrad nach Lunden- b u r g zurück. Währerü» der Fahrt verlor er die Mütze und wollte sie rofch fangen. Als er aber die linke.Hand von der Lenkstange hob, kam die Maschine ins Schleudern, rannte an einen kleinen Stein an und DlaSk wurde vom Sitze geschleudert. Unglücklicherweise fiel er mit dem Kops auf einen spitzen Gegenstand und durchschlug sich die Schlafe. Er war auf der Stelle tot. Ein Berliner Pfarrer vermißt. Die Berliner Bermißtenzentral« stellt zur Zeit Nachforschungen nach oem Verbleib des 30 Jahre alten Pfarrers Werner Kümmel an, der ftit dem 12. Dezember vermißt wird. Die erschrockenen Journalisten. Dor kurzem traf in Berlin eine Delegation bulgarischer fasci- stischer Journalisten ein, die von der Naziregie- rüng äußerst gnädig ausgenommen wurde und für ihre Kampagne gegen die drei im Reichstagsbrandprozeß ongeklagten Bulgaren ein hohe» Lob erhielten. Ein Vorfall verdarb jedoch den Gästen die Freude. Die Bulgaren nahmen neben andern Journalisten an ernem Empfang zu Ehren der AuSlandSpressevertreter Berlin» tecl. Ein bekannter amerikanischer Journalist wandte sich öffentlich mit folgendem Toast an sie: begrüßte in Ihnen das kleine und doch so tapfere bulgarische Volk, da« der Welt solche Heiden gab wie Georg Dimitrow, an dem sich heute die ganze Welt begeistert."— Die bulgarischen fascistischen Gäste erstarrten vor Schreck. Da» Ehepaar Lindbergh ist gestern vom Flugplätze in Port of Spain(Trinidad) ab- geflogcn, ohne daS Ziel de» Fluges anzugeben. Eine werwolle Orgel verbrannt. Die Orgel der Jesuitenkirche in Landshut geriet Mittwoch abends durch Kurzschluß in Brand. D'e Orgel, ein Barockwerk aus der Mitte de« XVII. Jahrhunderts, wurde vollständig vernichte». Auch am Hochaltar ent. stand ein Brarä, der jedoch rasch gelöscht werden konnte und verhältnismäßig wenig Schaden an- »ichrete. Mittwoch, den 13. d. M. gegen taeibiecteT 6 Uhr abends wurde in Tatschen am Bahnhof ein verwegener Ranbüberfall verübt, bei welchem den Räubern 39.410 Xr in die Hände fielen. Zu der angegebenen Zeit ging der Kassier für Eilgutabfertigung am Tetschencr Bahnhof, Otto Bure sch, von seiner Kanzlei zum Stationsgebäude der illord-Wostbahn, um wre üblich, die Tageseinnahmen bei der.Hauptkasse ab- znführen. Das Gold, einen Betrag von 39.410 lü und die dazu gehörigen Belege hatte er in einer Aktentasche vorwahrt, die er unter den» Arm trug. Als er sich dem Stiegcnaufgang zum Stationsgebäude näherte, sprang ein Mann von rückwärts auf ihn zu, entriß ihm die Aktentasche und sprang im selben Augenblicke in ei« bereites mrgekurbelteS Auto, in wÄchem schon ein anderer Mann saß. Ehe sich Buresch von seinem Säpoecken erholt hatte, fuhr daS Auw los, und zwar in der Richtung gegen die Stadt. Buresch versuchte zwar, sich rückwärts an dem Auto ftstzichalten, doch mußte er, al» das Auw anfuhr, loÄassen. Er stürzte dabei aus das Pflaster und verletzte sich, am Köpft. Die Gendarmerie von Tatschen kam, da die Nummer deS Autos bekannt war, den Räubern sehr rasch auf die Spur. Da» Auw trug die Num- mer C 72.024. DananS wurde ermittelt, daß eS aus Saubernih. Bezirk Aussig war. Der Chauffeur wurde«ach in der Nacht ermittelt und ebenso wie der Besitzer in Haft genommen. Die Gendarmerie fttzte ihre Nachforschungen weiter Hitler« getreue Judennazi. Da«„Neue Wiener Journal", daS Organ der österreich:- schen Menschen Mischer Konfession, meldet aus Berlin; „Deutschjuben und Fremdfuden." Berlin, 11. Dezenrber.(TP.Z Der Verband nottonaldeuischcr Juden, der unter der Leitung Dr. Max Neumann» steht, hat an die deutsche Regierung dir Forderung gestellt, daß die Inden in Teuisch- tand in Deutschjuden und Fremdjudrn geteilt werden sollen. Die Deutschjuden dürfen , nicht so behandelt werden wie die Fremdjudrn. Die Fremdjuden gehören unter das Fremdenrecht in die Stellung der Staatenlosen. Sie müi- ftn zu einem bestimmten Termin da« Staat-, gebiet Deutschlands verlassen. Dagegen müssen die Deutschjuden, die mit den Ideen Hitler« ein- verstanden sind, genau so behandelt werden wie die bodenständige deutsche Bevölkerung. Ter Verband nationaldeutscher Juden erklärt wörtlich: SA.-Geist muß in un< hinein, di: flammenden Takte de»^Hohen-Friedbergcr-Mar- scheS" müssen unserer Jugend Herzen entzünden, nicht näselnde Musikloute. Keine Schwäche darf es mehr geben." Kurz i»nd gut: der FasciSmuS ist interkonfti- sionell. Die deutschnationalen Juden übertrumpfen die Hakenkreuzler, SA.-Geist fährt in sie hinein, zum Takte preußischer Miütärmärschc assimiliere» sie sich an dem herrschenden Anti- semitiSinuS. Mögen arische Proleten und Mische Intellektuelle in den Konzentrationslagern zu Tode gefoltert werden— Geschäft ist Geschäft für die arische wie für die jüdischen Profitmacher. Laßt sie zehn Prozent verdienen — und diese„DeutschMen" werden hundertprozentige Hiller-Bestien. Hitler» Dank an die Geldgeber. Unter den neuen Vizepräsidente»» de« deutschen„Reichstags" befindet sich der Direktor der Deutschen Bank, von Stauß, der die Hitlerbewegung früher mit großen Geldmitteln unterstützt hat. Hitler dankt— und die Finanzier- kassieren die Zinsen. Der photographische Teekessel. Zum Photographieren braucht man Licht. Und doch ist cs möglich, auch im Dunkeln zu photographieren. Zur Belichtung photographischer Platte»» sind nämlich nicht nur die für daS menschliche Ange wahrnehmbaren Lichtstrahlen befähigt. Bei- genügender Empfindlichkeit der Platte— das ist allerdings unerläßliche Voraussetzung— kann die Belichtung auch durch unsichtbare infrarote Strahlen erfolgen. Diese, auch duirlle Wärmestrahlen genannt, gehen von jedem erwärmten Körper auS. ES wäre demnach möglich,' in einem völlig dunllen Raum euren brodelnden Teekessel im Lichte feinet eigenen Wärmeausstrahlung zu photographieren. Derartige Aus. nahmen sind einer amerikanischen Gesellschaft tatsächlich gelnnzftn. Es wurden dabei gewöhnliche Bromsilberplatten verwendet, die durch Zusatz de» FarbswfftS Neoehanin für Wärmestrahlung empfindlich gemacht waren. Vom Rundhmk Empfehlenswertes au« den Programmen. SamStag: Prag: 12.10 Schallplatte« 15.30 Schallplatten. 16.80 Die Frau in der Kunst und im Loben. 17.95• Tschechischer KonversationskurS für deutsche Hörer. 18 30 Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik. 21.30 Orchesterkonzert.— Brünn: 11:00 VornnttagSkonzeit. 17.25 Schallplatte». 1825 Deutsche Sendung: Lieder zur Gitarre. 22.15 Nachtkorqert.— Kascha«; 17.00 Rundfunk für Kinder und Erwachsene. 18.00 Lachmann: Skivortrag.— Preßburg: 16.00 Nachmittagskonzert. 17.15 Marionettentheater für Kinder.— Wien: 13.10 Berühmte Künstler, Schallplatte». 16.00 Mandolinenkoiyert. 19.00 Chorkonzer». 20.00 Franz Lehar.— Leipzig: 17.50 Cembalomusik.— Berlin: 18 00 Sportsreuden im Winter fort und ist einem der noch nicht ermittelten Räuber bereits aus der Spur. Die Verwegenheit und die genaue Planmäßigkeit, mit der der Raub ausgeführt»r-urde, lassen darauf schließen, daß Personen mitgewirkt haben, die mit den Verhältnissen genau vertraut waren und gewußt haben, um welche Zeit der Kassier da» Geld zur Hauptkasse bringt. Dem Umstand, daß der Raub zu einer Stunde aüS- aefühvt wurde, da am Tetschener Bahnhof ziem- nch viel Verkehr herrscht— um diese Zeit sind die Arberterzüge in der Richtung gegen Bensen fällig — wurde aber den Räubern zum Verhängnis. Einige Personen beobachteten nämlich den Por- gang und am Man« stellt« sich dem anfahrenden Auto in den Weg. Er mußte zwar, um nicht niedergcsahren zu werden, rasch zur Seite springen, doch besaß" er Geistesgegenwart genug, die Nummer de» Auto» sicherzustellen, wodurch du Ermittlung der Täter kolossal erleichtert wurde. * Großer Stmtrnchsdievftahl in Teplitz. In der Nacht zum 13. Dezember brachen unbekannte Täter in das Geschäft der in Teplitz, Mariengasse 10, wohnhaften Ida Bauer-Hermann ein und entwendeten daraus Stoffe verschiedenster Art für Kleider, Mäntel und Anzüge, Felle, Kleider, Mäntel, Krügen u. a. m. im Gesamtwerte von 82.188 Ur. Die Polizei hat die notwendig;» Nachforschungen Levert»«ngÄertet. G« vrrwrgener RaMberkall in Telsche«. 39 000 Kronen geraubt ft. 293 Gin Sohu Tolstois gestorben. Flja Tolstoi, ein Sohn des«roßen russischen Ächters Leo Tolstoi, starb in Newhaven(Con- Mkncut) im Alter von 68 Jahren. Ilja Tolstoi machte zuletzt von sich reden, als er bei der Ver- silmung des Romans„Auserstehung" seines BaterS in Hollywood als Berater mitwirkte. Winter im Hinterhaus. Im Hinterhaus Glimmt trüb das Licht, Der Winterhtmmel Sieht«S nicht. Wir schwer es blakt, So kalt und leer— Ein Windstoß treibt kks vor sich her—. • En Kind spielt müd In Schutt und Staub, Am Wege liegt Ein weites Laub—. * Eisnelken blühn An wilder Pracht, Und schott NM drei_ Kourmt schwer vir Stocht Pierre. LanLstreHrrWiSsale. Ein Leser unseres Blattes, der durch seinen Beruf sehr häufig mit Landstreichern tat Gefängnis zu tun Hai, schildert uns einige Schicksal« dieser iLpjer der kapitalistischen Wellordnung. Ein Mann über 60 Jahre, der schon Jahre .it unserem Gefängnisse verbrach« hatte und bei uns Hausmcisterorbelten verrichtet«, sollte am anderen Tage entlassen werden. Als er wie immer, seine Sachen abgab, sagte er, wir sollen sie nicht erst aufräumetl, er konctne gegen Abend wieder. Wirklich, abends gegen 6 Uhr brachte ihn ein Gettdarm. Er hatte es wieder so gemacht wie immer. Ist er entlassen worden, geht er betteln, das Geld, welches er znsammengcbettclt hat, vertrinkt er, geht dann zur Gendarmerie und bettelt dort. Am anderen Tage erhielt er, wie gewöhnlich, drei Monate. * Ein alter Mann wurde eingeliefert. Da seine Zellengenossen sich wiederholt beschwerten, daß er stinke, erstattete ich, nachdem ich mich selbst von der Berechtigung der Beschwerden überzeugt hatte, dem Untcrsuchungsrichler Meldung. Untersuchungsrichter: Fehlt Ihnen etwas? Landstreicher: Bcsosfen bin ich, geschlechtskrank bin ich a. Der Anblick, der sich unS bei der Untersuchung bot, läßt sich kaum schildern. Die Geschlechtsorgane dieses Menschen sind nur noch ein Klumpen eitrigen nnd blutigen Fleisches. U.-R.:„Sie waren ja erst vor drei Tagen beim KreiSgericht in X. eingcspert, hat man eS dort nicht gesehen?" L.: ,,'Ä'sehn hams dir schn, ober wie dies g'sehn Hom, Homs mich glei rausgr- s ch m i s s n." U.-R. zu mir:„48 Stunden, morgen früh lassen Sie ihn rau§!" Den« Landstreicher bedeutete er, daß er sich aber so schnell wie möglich aus unserem Bezirk entfernen soll. Als ich den Landstreicher In die Zelle zurückführte, sagte er mir:„Sehens Herr, so gehts mir überall, wo die meine Krankheit seh'», schmeissns mich immer glei raus. Der Herr Richter da ist ja noch gut, er läßt mich zuwenigsienS noch über Nacht da." *. Ein Mann. 40 Jahre alt, schlank mit Zwicker, von Beruf Gärtner, erhielt wegen Freitag, 18. Dezember 193b Seite 5. Schon und praktisch. Ein Schmuckstück für jedes Heim. Prächtig« Farben in Schleiflack, hochmoderne Form und allerbeste Ausführung. Kaffee, Tee, Kakao, Keks, Pralinen, alles kann man darin aufbewahren. Gefüllt ist die Dose mit allerfeinstem Kaffee HAG. Der duftende, aromatische und gesunde Inhalt, das Beste für die Festtage. Überall fOr Kt 17-50 erhältlich. Dia Kaffee HAG-Wurfeidose. MordprozH vor dem IiWNdgerW. Der Mord in der Wochenendhlltte.- kln seltsamer Krlmknalsall. Prag, 14. Dezember. Dor dem hiesigen I u- gendgericht kam heute ein Prozeß zur Austragung, dessen Anlaß seinerzeit größtes Aussehen erregt hat und der vor dem Schwurgericht verhandel« worden wär«, wenn nicht der Täter erst siebzehn Jahre alt wär«. Ende September berichteten die Blätter über di« gräßliche und zunächst rätselhaft« Ermordung des beschäftigungslosen Arbeiters Eduard Leiste aus Rakonitz, der am 86. September d. I. in seinem, in besseren Zeiten erbauten Wochenendhäuschen durch fünf furchtbare Axthiebe gegen Kops und Hals umgebracht worden war. Der Täter wurde bald aus- geforscht. Es ist ein siebzehnjähriger Fri-> seurgehilf«, der, d«r Lehre entlaufen, durch mehrere Tage«in unstetes Bagabuickenleben führt« und am kritisch«« Tage von dein Ermordeten auf- genomnren und beherbergt worden war, der ihn nicht näher kannte, ihm aber aus Mitleid ein« Gastfreundschaft gewährt«, di« ihm dos Leben kosten sollt«. Aus einem schauerlichnichtigen Anlaß. ES kam nämlich zu einem Streit, als der Beherbergte am nächsten Morgen «ine weiter« Portion Kasse« verlangt« und mit dieser Forderung abgewiesen wurde. Di« Folge war«in Wortwechsel und schl'eßlich eine Rauferei, in deren Verlauf der angcklagt« Jugendliche nach eigener Darstellung eia Beil, da- in der Näh« lag, seinem Gastgeber an den Kopf warf und ihn so schwer verletzte, daß der Verletzt« zusammenbrach. Nach eigener Angabe hat dann der Jugendliche dem Röchelnden mit vi«r weiteren Axthieben den KarauS gemacht, „damit er ihn nicht verraten könne-. Sein« AuSsag« enthält innere Widersprüche, denn obwohl«r dieses Vorbringen auch bei der Hauptverhandlung aufrecht erhielt, bestritt er doch a.y her sei iS di« Tö tu ngS a blich t und erklärte, in blinder Aufregung und GeisteSabw^enheit zugeschlagen zu haben, während er sich anderseits auf geringe Details sehr deutlich zu erinnern weiß. So weiß«r z. B., daß er dem Sterbenden mit der Axt in der Hand durch etwa zehn Sekunden geaen- übergestanden sei und weiß auf Verlangen d«S Vor- litzenden den ungefähren Zeitablaus durch lairgsame und ziemlich exakt« Sekundenabzählung von eins bis zehn zu reproduzieren. Da» Jugendgericht tagt. Nach deut Gesetz über Jugendgerichtsbarkeit ist d'e Namensnennung des jugendlichen Täter» verboten, desgleichen alle Hinweise aus sein« P r iv a t>ve rh ä l t n-i s s«, die ihn irgendwie^ charakterisieren würden. Der Gerichtshof seht sich aus einem Vier- ri chters«nat zusammen: zwei BerufSrich- ter, zwei Laien. Richter nnd Staatsanwalt sind ohne Talar und Barett, ohne di« Ornament« der strafenden Staatsgewalt. Dafür tr>tt als neuer Faktor neben Ankläger, Verteidiger und Richter der Soziolbeamt«, der neben dem Verteidiger fitzt. Der Leiter de» Jugendgerichtes OGR. Hellriegel eröffnet« mit Angelobung der La'«nb«isitzer di« Verhandlung. Di« Anklage gegen Jugendliche kennt nicht den Begriff des„Verbrechens", sondern Bettelei acht Wochen. Während dieser Zeit verrichtet« er Hausarbeiten. Als ich mich einmal mit ihm unterhielt und ihn fragte, wieso er mit dem Leben, daS er jetzt führt, noch so zufrieden fei, schilderte er mir sein bisheriges Leben wie folgt: „Ich bin schon lange Zeit verheiratet, habe zwei Kinder, einen Buben und ein Mädel. Bis vor einem Jahr war ich bei der Firnla L.?)., Ieifenfahrik beschäftigt, verdiente gcnng, um mit meiner Familie ein anständiges, wenn auch nicht sorgenfreies, Leben zu führen. Eines Tages wurden mehrere Arbeiter infolge Absatzmangel entlassen, darunter war auch ich. Einige Zeit lebten wir von den geringen Ersparnissen, die wir uns machen konnten. Jedoch die Mahlzeiten wurden immer schmäler, wir konnten den Mietzins und das Licht nicht mehr bezahlen, es kam die Not. Es blieb unS nichts anderes übrig, als zu unseren Schwiegereltern zu ziehe» und dort zu wohnen. Täglich ging ich wieder auf Arbeitssuche; außer einigen kleinen Gelegenheitsarbeiten war es vergeblich, eine Arbeit zu finden. Wieder ging es kurze Zeit. Ich sah, wie meine Schwiegereltern, die selbst nicht» hatten, mit uns litten, von meiner Familie will ich gar nicht sprechen. Ich war verzweifelt und wollte Schluß machen, doch die Rücksicht auf Frau und Kinder hielt mich davon ab und die Hoffnung auf baldige Besserung. Ich hoffte vergeben» und eine» Tages sagte ich meiner Frau, daß ich nach Deutschland auf Arbeitssuche gehe: widerstrebend war sie ein« yersta»rden. So mußte ich meine Frau und Kinder verlassen. Es war vor einem Jahr, seitdem spricht mir von„Verschulden". Di« Strafe ist auch iveder Kerker noch Arrest, sondern ,^Ver- schließung an«inem abgesonderten O r t". Natürlich sind besondere Sirassähe vorgesehen. D«r Angeklagte, c'n schmächtiger junger Bursche von nicht unsympathischem Aussehen bekannte sich schuldig, bestritt aber die M o r d a b s s ch t. Seinen Vater hat er in seinem sechsten Lebensjahr verloren. Dieser, ein Bergmann, wurv« das Opfer eines 18 r n b e n u n g l ü ck s. Der Jngendl'äp! kam zu einem Friseur in di« Lel)re, der sich von der Mutter nach seiner eigenen Aussage„das Recht der körperlichen Züchtigung"«inräumen ließ. Bei seinem Lehrherrn soll er sich mehrere D i« b st ä h l e haben zuschulden kommen lassen, dann lief er eines Tage? davon, trieb sich längere Zeit herum, verübt« kleinere Diebstähle in> Wochen«ndHntten und schließlich den bereits kurz därgestellten Mord. Er antwortet airf die Fragen de» Gerichtes ruhig, ohne Erregung mit l«is«r und höflicher Stimme. Warum? — Niemand weiß eS und auch da» Beweisverfahren kann die Baveggründe der Bluttat nicht aufhellen. War«S«in« Tötung im Jähzorn? War eS wirklich so, daß er nach erbitterter Rauferei seinem Gastgeber in blinder Wui üb«r d'« verweigerte tsiaffeeportion während eine» RaufhandekS di« Axt an den Kopf schleudert« und ihn dann, halib aus Mitleid, halb aus Furcht«rschlug? Wer weiß«s?! Der GerichtShiss tat sein Bestes, In daS Seelenleben dies«» Jugendlichen«inzudringen. Beisitzer GR. Sonka erregt« insbesondere durch eine wirklich geistvoll« Diskussion über daS psychiatrisch« Sachverständigengutachten(Prof. Hersort) Aufnrerkfanrkeit, daS d«n Angeklagten in ziemlich snminarischer Art als normal, strafrechtlich zurechnungsfähig und verantwort- l i ch im Sinne des Gesetzes hstrstellt« Hier kamen Tagkbuchaufzeichnungen d«S jugendlichen Täters zur Sprache. Aus ihnen geht hervor, daß der Angeklagte in jugendlichem Alter bereit» eine Wanderschaft nach dem Balkan unternontmeu hat und schl°eßl'rh durch Rot gezwungen. bei einer Wiener Fürsorgestelle Hilf« gesucht hat, wo er nach einem Liebesabenteuer mit einer Nonne wieder Reißaus genommen hat und endlich in Graz cingefangen und über di« Grenze gebracht wurde. Das Gericht erkannte nach durchgeführter Verhandlung der eingeklagten Tatbestände(Verschulden de» Morde? und Diebstahls) für schuldig und erkannte aus sechs Jahr« Verschließung. Das bodeutet, daß der jugendliche Täter in der ..Staatlichen Erziehungsanstalt" in si a s ch a n Intern«rt, dort in einem ihm angemessenen Beruf ausgebildet und hierauf unter Beob- hab« ich meta« Frau und Kinder nicht wieder gesehen. Ich kam nach Deutschland, dort arbeitete ich bis vor kurzer Zeit bei einem Bauern, dann wurde ich ausgewiesen. Ich mußte zurück. Auf der Suche nach Arbeit kam ich auch in diesen Bezirk, Zch hatte Hunger und kein Geld. In einem Bäckerladen erhielt ich Essen und als ich den Laden verließ, lies ich einem Gendarmen in die Hände und wurde verkästet. Man brachte mich hierher tmb gab mir statt Arbeit acht Woche» Gefängnis. Was ich beim Bauer verdient hatte, schickte ich heim, jetzt habe ich keinen Heller,' aber ich konnte meiner Familie helfen, wann auch nicht viel, so doch genug, um die größte Not zu lindern." Dieser Mann erhielt also zwe« Monate Gefängnis, weil er Hunger hatte, ehrlich bleiben und nicht stehlen wollte. Die zwei Monate waren t um, der Frühling kam, ich wünschte dem Man» Glück für die Zukunft, er ging, wie er sagte, wieder»ach Deutschland zu feinem Bauer. ES kam der Winter und mit ihm der Mann. Im Winter ließ er sich einsperren wegen Bettelei, im Sommer ging er zu seinem Bauer arbeiten. DaS ging durch drei Winter, dann kam der Mann nicht mehr. Ich hoffe, daß er Arbeit bekam. * Wi« sagt doch Anatole France?:„DaS Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit verbietet eS Reichen wie Arme», aus de» Straßen zu betteln, unter Brücken zu schlafen und Brot ver Mcrcntc. Die Bekehrung deS allen Steinsetzer» Stenzel. P. Der 70jährige Steinsetzer Stenzel n Hamburg gehörte zu den Arbeitern, die man vor dem Kriege als„mdiffevcnt" bezeichnete. Mochten die anderen lärmen und toben, vor Lust jubeln oder vor Leid heulen, mochten sie wäh len, streiken oder nicht— ihm war c8 gleichgültig! So hatte eS Stenzel 70 lange Jahre hindurch gehalten. Freunde hatte er nie besessen, allenfalls Bekannte gehabt. Und trotzdem saß im August de» Jahre» 1933 der 70lährige Steinsetzer in einer Zelle des Polizeigefängnisses von Hamburg. Mne« Morgens waren in seiner Wohnung eine Anzahl Polizeibeamte mit S. A.-Leuten erschienen. Ein Kriminalkommtssär erklärt« ihn für verhaftet, und während Polizei und S. A. begannen, die Wohkiung zu durchsuchen, durfte St«»- ,el von seiner ebenso bestürzten wie jammernden Frau Abschied nehmen. Nach den ersten Verhören wußte der Verhaftete, weshalb ihm das Mißgeschick widersah. reu war: Man beschuldigt« ibn, daß in seiner Wohnung geheime Versammlungen stattgefun- dcii hatten, daß er ein ganz gefährlicher Hetzer ei, und daß er Flugblätter gegen Hitler herge- teilt und verbreitet babe. Erschwerend war die Tatsache, daß Stenzel in keiner nationalsozialr- tischen Versammlung erschienen war, an keiner Deiuoilstratio» leilgenommen und sich auch systematisch geweigert hatte, zu den zahlreichen Spenden beizutrageu, für die in den Wohnungen gesammelt worden war. Der Beschuldigung staatsgesährlicher Umtriebe setzte Stenzel zunächst nur«in staunerwe« Schweige» entgegen, was die Polizei als einen iveiteren Beweis für feine Schuld ansah. „Gestehen Sie Stenzel" riet ihm der Kommissär," sagen Sie unS Ihre Hintermänner! Sie sind doch liur ein Verführter, Uiid«S würde mir wirklich leid tun, Sie alten Mann in ein Konzentrationslager schicken zu müssen. Sogen Sie un» Ihre Führer, und Sie dürfen wieder nach Hause gehen!" Stenzel hotte nichts zu gestehen.„Wo ist der Mann, mit dem ich auch nur«in Wort über Politik gesprochen habe, wo ist der Mensch, der in meiner Wohnung war, wo ist daS Flugblatt, das ich verbreitet habe, bas ich gelesen habe?" Die Verhandlung drehte sich im Kreise, und vermutlich würde trotz allein Leugnen der alte Steinsetzer sein Ende in einem Konzentrationslager gefunden haben, wenn nicht wider allem Ertvarten einige seiner Bekannten der alten Frau des Beschuldigten zur Hilfe gekom- , men wären. Sie konnten feststellen, daß Stenzel mit einem früheren. Arbeitskollegen in Streit gekommen mrd von ihm denunziert worden war. Gocrings beste Leute, die Denunzianten, erfreuen sich bei der Polizei besonderer Gunst, und jeder Angabe wird sofort mit der ganzen Energie des Dritten Reiches nachgegangen. Diesmal konnte die Unschuld des Denuiiziertei» nachgewiesen werden.— Der Denunziant ist inzwischen z>i fünf Monaten Gefängnis verur- teilt worden. Er war kein großes Pferd au» dem Stalle der„nationalen Revolution", nur ein alter Klepper. Daher! Als Stenzel zum letzten Mair vor dem Kommissär erschien— die sieben Tag« Schutz, hast konnte» ihm allerdings nicht mehr abgenommen werden— ermahnte ihn der Beamte, in Zukunst vorsichtiger zu sein! „Vorsichtiger?" begehrte der Alte aus,„vor- sichtiger? Wie»»einen Sie das?" „Besuchen Sie die Versammlungen wen» Sie aufgesordert werden, speiiden Sie, wenn »»»an eö von Ihnen verlangt, rufe» Sir de» nationalen Gruß, benehmen Sie sich als ein vollwertiger Bürger de» neuen Staate»!" „DaS will ich! Bürger des neuen Staates! Ich will Ihnen mal was sagen, Herr Kommissar: Ich bin ein alter Mann, und ich habe mich weiß Gott noch niemals um daS aeküm- inert, was Sie Politik nennen! Di« Zeit ist vorbei! Ich werde anfanaen damit. Aber ander» als Sie meinen! Ich will den neuen Staat noch erleben» in dem ich richig leben darf, den neuen Staat! And nun Adschüß." Seitdem hat Stenzel Freund«! Seitdem debattiert und liest er Zeitungen. Illegale sogar! Und in seine Wohnung kommen Freund«, die gleich ihm auf den Tag des neuen Staate» warten. Mit 70 Jahren hat Stenzel aufaehört gleichgültig zu sein. Wie verdorben er bereits ist, mag vir Tatsache beweisen, daß er weder dem Denunzianten flucht, noch die Schutzhaft betrauert. Sonst wäre er, so meint er, noch immer — indifferent! achtung aller angebrachten Vorkehrungen zur Sicherung keiner Existenz in ein neue» Leben entlasten wird. rs». VVVWWVMMWVMM/WmW/VVWVVVWWmwnWa’VVVMMMWWVM Sette 6. „Sozkalbemokrak^ Frettaft 18. Dezember 1888 Nr. 283 PR4OER ZEiniNQ Mitteilungen aus vem Publikum Kunst und Wissen Aus der Partei Sport- Spiel• MmvllM M verkehren wir? | CafO..Continental“. Prag, Drallen vom unsagbarem Schmerz gebeugt, geben wir bekannt, daß am 12. Dezember 1933 unser teuerer und Bruder leiben vor allem Arbeiterschaft die Satns-Sportbeive- gegen das vielfach Von Latte, Vater genossen H. Grogg und P. Riefen, di« imS für die Jahre 1832 und 1883 im Hoihfprung die Ehr« des ersten Platzes in der International««invänmten, besitzen wir Kräfte, um di« uns wohl wette Kreise der Sportwelt beneiden. Dies« ersreulichen Tatsachen den Zweck, der organisierten hohe Lei stu ngSstuf« der gung vor Augen zu führen und verbreitet« grundfalsche Argument, der Sattrs sei »irl»t lei st ii ii gS- und koukuereiizfähig, mit Beweisen auszulrcten. Wenn wir diese Stufe trotz unserer zahlenmäßigen Minderheit im Vergleiche zum bürgerlichen Verband erreicht haben, so erklärt sich die« aus den Tatsachen, daß einmal unser Kurs- wesen glänzend organisiert ist, und daß andererseits bei uns der Sport mit dem richtigen Ernst und der nötigen Sorgfalt gepflegt wird. King, König der Winterröck«, K* 875.—. Weihnacht«verkauf Slränffy, Prag, HybcriiskS. 2201 da§ ein stimmige Urteil:„Ter Salus ist ruiniert.* Wir denken dabei an«in« Einsendung der„Neuen Basler Zeitung", die sich über die Durchführung der Sportplatz.Tombola SatuSgrund in geiiieinster- Wcise auÄicß, und di« von einer Massenstucht aus den« Salus zu erzählen wußte. Dies ist aber eine Behauptung, die wohl nur in der Phantasie eine» jener besonders.chegabten" Redakteur« entstehen konnte. Glücklicherweise wissen wir gerade das Gogen- teil zu berichten. Abgesehen von dem stetigen Zuwachs an neurn Vereinen, sind auch die Leistungen in einem Maße gestiegen, wie dies nur im Zusammenhang einer vermehrten Aktin'.. I ä t denkbar ist. Diese Feststellung bezieht sich nicht nur aus die Leichtathletik, sondern sie gilt in gleichem Maße für di« Qualität' d«4 Geräteturnens sowie der Fußball- und Handballbewegung. Es erfüllt uns mit ganz besonderer Genugtuung, diese Feststellung gerade in einen« Zeitpunkt« machen zu können, wo man dem Latus mir einem Gewaltstreich das Lebenslicht aus- zublaien beabsichtigt. DaS die Leichtathletik im besonderen betrifft, so haben alle llebungSarten wi« Laufen, Wersen, Stoßen und Springen«in« Verbesserung erfahren. Don den in der Statistik enthaltenen 28 Uebungen ist zu konstatieren, daß im-Jahre 1933 14 Bestleistungen«rziolt wurden. Jrr- ner sind die D u r ch s ch n i t t S l«i st u n g e n der zehn Vesten jeder Hebung bei 13 hon 16 Disziplinen verbessert worden. Mit unseren Sport- Inycndbcwegung. Stunnsallen, Prag. Samstag nachmittags !44 Uhr im Letnohe'm Basteln Laubsägeholz, Pappendeckel, Werkzeug mitbriirgen— Sonntag nachmittaaS 2 Uhr mit Schlitten bei Endstation der ler-EIektrifchen in Brevnov; bei schlechtem Wetter 544 Uhr Letnahelm. Bohumila SveMa, Gattin im Namen sämtlicher Hinterbliebenen. „Pünktchen und Anton", Kinderstück von K ä st- «er, M rttvoch, den 20. d., Erstausführung Wochrnspielplan de» Neuen D«utsck>«n Theater-, Freitag, 754 Uhr:„Garren Ed«n." Neuinszeniert. (D 1.)— SamSiag, 714 Uhr:„Don CrrloS." Gastspiel Durieur, Bassermann, Deutsch, Moissi, Martin Än Revn« 754 Uhr:„Garren Ed«n.' — SamSiag, 754 Uhr:„D Durieur, Bassermann, T kA. A.s der Kleinen Bühn« täglich dir Rob'tschek. Kaffe« Hag in der WeihnachtS-Dofe. Gut und praktisch schenken, das möchte jeder, der seinen An- gehörigerr oder Freunden«ine, wenn auch kleine Weihnachtsfreude bereiten will. Da hat Kasse« Hag mit der wundkrschönen Würfeldos« dar Richtig« getroffen. Hochmodern und vornehm In Ausführung und Form präsentiert sich di« neue Würfeldos« als ein wahres, handwerklich hergestcllteS Slhmuckstück. Dazu ist sie mit feinstem Kaffee Hag gefüllt, also cosfeinsrei und vollkommen unschädlich. Kein Wunder, daß dies« schöne Dose mit ihrem duftenden Zn-- halt«in großer Erfolg geworden ist. 2203 Leenvigung Der Buvgelvebatte in der Prager Stadtvertretung. Die Beratung dcS Voranschlages der.Haupt- stadt Prag dauerte Heuer infolge stundenlanger Obstruktionsreden der Stiibrny-Lentc m«d der Kommunisten am Montag von früh bis spät abends, am Dienstag nachmittag und von M«tt- woch vormittags bis Donnerstag sechs Uhr früh. In der Nachtsitzung von Mittwoch auf Don- verstag kamen u. a. der Sanitätsreferent der Stadt Prag, Genoss« Dr. I e k ü b 11, der technische Referent Genosse Kellner sowie der Referent für soziale Fürsorge, Siadtrat Doktor Z r n k l z«i Wort. Bon deutscher Seite sprachen kurz Hornig(?. A. Ä. G.) und Schneider(christl. soz.i.'stach etwa zwciunddrcißig. stündiger Verhandlung wurde das Budget am Donnerstag morgen mit den Stimmen der Parteien der Rathauskoalition, vermehrt um diejenige des Vertreters unserer Partei und^ der Teutscktt>ürgcrlichen angenommen. Die A bände- rungs«rnträgc der Ligisten und Kommunisten wurden abgelrhnt. versehieden Das Trauerhause Nr. 45 in Hostivar aus auf dem Ortsfriedhof statt Hostivar, den 13. Dezember 1933. Der Arbeitersport in der Schweiz. Aus Zürich wird uns geschrieben: ES ist«meressanr und sehr lohneu-Ävrrr, die Entwicklungsgeschichte der Leichtathletik in« 2a«us von Jahr zu Jahr zu versolgeu. Dies ist m»s heul« um so besser möglich, als seil 1025 alljährlich die Berban-smeistevjthaslrn ausgctrogen umvden, und daneben aus den Mchrkampjineisterjchajren, wie aus den periodischen Kreis- und BerbanLSfesten genügend Zahlenmairrial zujammengetragen werden kann, um die Dlatislik inhaltsreich zu gestalten. Di« Vergleiche der diesjährige«« Sasso«« sind aus ganz besonderen Gründen für unS wichtig, gelt es doch die Avbeilerjcha'l wie auch einem kritischen bürgerlichen Spl'rtpublikum zu zeigen, wie sich die Folgen des Raubes der BundeSstebventton ausge- wirkt haben. Würde man di« Beurteilung einigen bürgerlichen Hetzblättern überlassen, so lautste wohl Wran-Urania-Kino-« rlullten«leoiuhe in«’m» KlImenttM 4. Von Freilas an: Die blonde Christi. Samstag, 10 Uhr abend»: Zwei Herzen im dreiviertel Taht Achtung! Einmalige und letzte Vorführung des berühmten Tonfilm» mit Irene Elslnger Theimer Willi For» KnrlweiO. Jansen, Szakall. Regie: Bnlvary. Musik: Stolz. Nur zwei Preise: 3 und 5 Kt. Veranstaltet für die Notleidenden de» Erzgebirge». frostdurchsetzt—— Si« lief, um ihr erstarrtes Blut ein wenig in Bewegung zu bringen, ohne Ermatten und Erbarmen um«inen Sandkasten der Straßenbahn herum. Stundenlang... Antwort gab sie nicht. Aus dringliches Zureden ließ st« em schrille-, höhnische» Lachen hören... Eigentlich war es mehr ein Kichern... Unheimlich kontrastierte dies.Kichern mit dem unsäglichen Elend ihres Zustandes. Dieses Zustande», der ihr wohl de>r Verstand getrübt hatte— * Am traurigsten, am erschütterndsten war der dritte Fall. Ein ganz junger, vielleicht zlvanzig- jähriger Alen sch. Ohne Mantol, nur mit einer zerrissenen Jacke bekleidet. Er fror offeilsichtlich fürchterlich. Als er mich sah, floh er wie am gehetzter .Hase davon. Ich hatte ihn schon eine Weile vorher beobachtet. Er lief ziellos mnher, er war sicher arbeitslos... Witterte er in mir das Ende, die Polizei—? Aber, tvaS er auch tat, er hat cs vollauf gebüßt rn diefer fressenden Winternacht « Drei Leben, die keine Leben sind, bei—15°! Staat und Stadt tuen gewiß Manches, hetl- sen, stützen und mildern an allen Ecken und Enden... Aber wie unverschuldet machtlos sind sie einer Entwicklung gegenüber, di« Menschen von Fleisch und Blut schutzlos b«'—15° in eine Mitternacht stellt—?! Pierre. btuilaibtr eteofne» Itnb- ibtirtii t: CJilbelm S t e k»• t.— 8e«o«t»oTt»d>er Stt»aftt«f Dk. ElXtl ett«»k. Pr»,.— 9nd: JAtW 1.4k Br Ätllu««- und Buchdruck, Swj..— Für den Druck»eeanlworlltch! V«I» bolu, iua, D>. Riliiiaaiwatlintunliuiit miot aas btt«■ ZtHtufbinbtttltll* all«rfoi Nr. UÄ»/VHj1«S0 bewillig.- vee>ia«i>ed>n-u»,«u. Del guiiellun» In» b»u,»dttdp»«II, durch»I««»8--U-Itich KJ 18.—, dlerielj-hrUch Kt ö.-, _ g»I««U«rewi, taiü l«lj lutifD taiitort.»I ifie»» VrÄln-»«"«,.- ssitcklirL»,»o» BUau h'Ha 4t|djt nut de!«bisendun, btt RtMUMdM, Leven— Schwer und bleiern liegt der eiskalte ltkebcl der swstdirrchklirrten De,zemberi:ach: über Prag. Di« Gassen sind wie ausgeswrben, nur der Re.» nigungStvage» fährt, wie ein gespenstisches Unae- tiun auS der Unwirklichkeit, durch di« Innenstadt. Wolken von Staub und Schmutz hinter sich aufwirbelnd... Rur selten huscht, stapfend oder auch trippelnd, ein Mensch vorüber... In eiligem, fast fliehendem Schritt. Den Rockkragen hochgekvem« pelt, die Hände in den Taschen vergraben t ,. Sitrd Menschen ht diefer mörderischen Frostnacht länger als unbedingt notwendig auf der Straße? Neben den Würstolhändlcrn, d:e, frierend und sich die klammen Finger reibend, unablässig vor ihren Ständen aus und ab laufen, nebelt jenen andern weiblichen und männlichen Requisiten des nächtlichen Daseins, di« ein kläglicher und beklagenswerter„Beruf" auf bic eisige Straße treib:? Drei Menschen habe ich in dieser stacht erlebt, drei Menschen, die die Frostnacht im Freien durchlitten, drei Menschen, die kein, wie«mtner gearteter, Berits dazu trieb; Menschen, die einfach obdachlos tvaren. Der sine war ein alter, zittriger, völlig heruntergekommener Bettler. Er saß, teilnahmslos gegen alles, aus einer vom Rauhreif übersäten Bank, an seinem schmutzige», verwilderten Bart hing«« kleine Eiszapfen und di« erloschenen, cnt- | riindeten Augen erzählten von der namenlosen Angst vor der Kälte, dieser größten, unbarmherzigsten Feindin des Obdachlosen... „Wenn cs kalt ist, ist es fürchterlich" sagte der Bettler»md schüttelte sich vor Entsetzen, „wie ist doch der Sommer so schön—!" „Und warum gehen Sie nicht ins Asyl?" stiem, ins Asyl wollte er auf feilten Fall. Nähe« n dar üelm des flalsenbewuklen Arbeiters«ehörld. Zenlralorgmi tralMm(ojlaibcmofr. Arbeiterpartei „Soiialbemotraf”.— Sei-13° t Anton Svehla .. landwlrt Im Hoaflvat, Begräbnis des teueren Verblichenen findet am Freitag, den 15. Dezember, um 11Uhr vormittags Aufklärung gab er nicht. Er hatte wohl einmal etwas auSgef«ssen... * Der ztveitc Mensch ohne QNach, den ich traf, j,-. ,,-.— Mütterchen... Verhutzelt, verschrumpelt, völlig' tung deutscher Bazillcukultur in der ganzen Wcl! '"" ,»geführt. j Prin'ipiell nicht bel-andelt werden die«in Dritten Reich staatsnotwendigen Krankheiten wie Hysterie, Gehirnerweichung, Jngcndirrsinn, Größenwahn, Rückgratverkrümmung und Maul, diarrhöe..... Karo. Schach der Systemmed zln! Professor Oehmmger aus München hat an- gekündigt daß Deutschland mit der überlieferten inarxi stisch-ma l er ja li st i ichen Syst«mn«edizin, die sich nicht scheut, nordische Edelmenschen mit Sera aus Tierblut, Leichenteilcn und Urin zu behandeln, endgültig Schluß machen werde. Eine neue deutsche Heilkunde wird an ihre Stelle treten, die nur mit arteigenen Mitteln und Mittclchen arbeiten wird. Wir wollen einiges aus der Praxis des völkischen Musterarztes verraten. Masern. Bei dieser Systemkrankheit rufe man nicht den Arzt, sondern die Geheinie Staats- Polizei, welche di« roten Flecken durch Unischläge mit Nilpferdpeitschen zum Verschwinden bringt. Ms schweißtreibendes Mittel verwende man Drohungen mit der Enthüllung des Stammbau» wes. Wenn das Fieber trotzdem nicht fällt, gebe man dem Patienten ein kräftiges Abführmittel ins Konzentrationslager, damit ihm das volksvcr. räterische Simulieren ein sür allemal vergeht. M a g e n v« r st i m in u n g. Man stellt einen Kübel vor das Bett des Kranken und zeigt ihm die ZinSlnechtschaft und die Ketten von Versailles. Wenn er dann noch immer nicht bricht, lese man ihm aus dem Drama„Der Wanderer" von Goebbels vor. Empfindliche Naturen sind vorher zu narkotisieren. Wenn sich der Patient dann übergeben hat, muß der Magen durch Eintopfgerichte aus Wrucken und Dörrgemüse wie. der völkisch ertüchtigt werden. Rheumatismus, G i cht us>v. Man bindet einen Lautsprecher an die schmerzenden Glieder und läßt die Führcrrcdon als heilsames Schwefelbad einwirken. In manchen Fällen hilft auch eine Bestrahlung mit Röhmtgenstrahlen, die sich durch besondere Wärme auszcichncu. Di p h t h e r i e. Dieser Krankheit, die nian bisher mit einem jüdisch-materialistischen Serum behandelt hat, ist aus viel einfachere und deutschere Art beizukommen. Die Krankheitserreger werden durch Verordnung des Rcichswchrministeriums für ärarische Zwecke requiriert und der Bcrbrci-