13. Jahrgang. Donnerstag, 21. Dezember 1933 Nr 298. Deutschlands Forderungen I FurchtbareWaffedesDrittenReichs: Benes Der französische erwiderte das Be- tschechoslowakischcn mit folgender am Qual d'Orsay abgegeben Paris, 20. Dezember. Sämtliche Blätter widmen große Aufmerksamkeit dem Inhalt der Note, welch« gestern der Rat der Berliner Botschaft am Quai d'Orsay überreicht hat. Darin führt der französische Botschafter FranroiS Poncet die Forderungen der deutschen Regierung an, dir durch die persönliche Unterredung mit dem Reichs, lanzlrr Hitler seftgelegt wurden. Die deutschen Forderungen sind nach einer Information der ngence HavaS: 1. Umwandlung der gegenwärti» gen Reichswehr in eine aktive Armer von 300.000 Mann mit einer kurzen Dienstzeit. 2. Das Recht, die neue Armee mit den sogenann- tcn defensiven Massen gemäß der Genfer Definition und zwar in unbeschränkter Menge auüzustattcn. 3. Beitritt Deutschlands zu einer Kontrolle welch« sich ans die betreffenden nationalsozialistischen Abteilungen beziehen würde, Wenn auch in allen anderen Staaten alle halbmilitärisch organisierten Formationen dieser Kontrolle unterliegen Werden. 4. DaS Deutsche Reich ist bereit, Nichtangriffspakte für die Dauer von zehn Jahren mit seinen Nachbarn zu unterfertigen. DaS Dokument der deutschen Regierung bildete heute den Gegenstand eines eingehenden Studiums der zuständigen Fachleute im französischen Außenministerium. ES wird bestätigt, daß eS sich um k e i n e o s s i z i«l l e N o t e der deutschen Regierung, sondern um die Bestätigung und die Punktation der mündlichen Unterredung des sranzösische» Botschafters in Berlin, Francois Poncet, mit Reichskanzler Hitler handelt. ES wird aber hervorgehoben, daß die deutsche Regierung dem Dokument große Bedeutung deimißt, da sie gestern je eine Kopie davon dem italienischen und dem britischen Botschafter überreicht hat. trow:„Man verurteile sie-(Dimitrow, Popow, Tanew) oder spreche sic frei. Das ist Sache des Gerichts unddas weitere wieder Sache der staatlich en Gewal t." Panl-Doncour an Prag, 20. Dezember. Außenminister Panl-Boneour grüßnngstclcgrannn des Außenministers Dr. E. Bene» Depesche: „Ich danke Ihnen für das freundliche Telegramm und beeile mich, Ihnen neuerlich zu sagen, wie die Regierung der Republik und ich selbst glücklich waren, daß wir Sie in Paris bc^ grüßen konnten. Ihr Besuch ermöglichte cs Ihnen, sich neuerlich zu überzeugen, wie fest die Bande sind, die unsere beiden Länder verbinden. Unsere Unterredungen, die in einer Atmosphäre frcnndschaftlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der tsche. choslonrakischen Republik und mit der Kleinen Entente stattgcfimdcn haben und edensv die internationale Zusammenarbeit mit allen dem Irrcden ergebenen"Ländern, haben die v v l l* kam m e ttc U e b e r e i n st i ni m u n g sowohl hinsichtlich der Grundsätze des Vorgehens als auch der Gefühle bestätigt, die uns vcr^ binden." Paul-Boncour. Neue Florddrohung gegen Dimitrow Berlin, 20. Dezember.(Inprcß.) Im gleich» geschalteten„Tag" veröffentlicht Dr. Otto Kriegk folgende neue offene Morddrohung gegen Dimi- Vm den Exehutivschutz Mir Arbeitslose Genosse Schweichhart meldet unsere Forde rungen au Anläßlich der Debatte über die Bc r l ä n g ern nades Exekutionsschutzcs für die Landwirtschaft verwies Gen. Schwei ch» bar t am Dienstag abend im Parlamcntsplenum darauf, daß di« Anregung zu der Vorlage gerade von sozialdemokratischer Seile ausging. Wir sind vor allem aber auch dafür, daß der Exekutionsschutz ausgebaut und ver bessert wird, und zwar in dem Sinne, daß auch die arbeitslosen Häusler und Kurzarbeiter, die Mitteilimg, er habe ungeordnet, daß Rechls» die ein Häuschen und rin wenig Grund haben, 1 anwalt Dr. Thor in a n n, der Verteidiger der mit in den Schutz des Gesetzes einbezogeu Angeklagten in diesem Prozeß in Schutzhast zu werden......... Diese Häusler und kleinen Hausbesitzer sind ja noch gewöhnlich im Nebenberuf Fabrik- oder Bergarbeiter. Wenn sie arbeitslos werden und die Unterstützung nach dem Genier System abge laufen ist, erhalten sic keine Lebensmit telkarten, weil sic einen„Besitz" haben, der natürlich meist verschuldet ist. Sic können dann weder die Zinsen, noch die Annuitäten ihrer Hypothekarschuldcn zahlen nnd laufen Gefahr, daß sie ihr Häuschcii, ihren einzigen Besitz, ver lieren. Daß diese Kreise einen besonderen Schutz verdienen, ist tvohl klar. Hoffentlich ge- lingt es, bis zum Ablauf des Provisoriums diese Fordcnlng zu verwirklichen, zumal sich auch der Justizministcr dafür einsetzt! 400.000 Sterilisierungen Innerhalb kurzer Zelt! Berlin, 20. Dezember. Am 1. Jänner tritt das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses in Kraft. Wie das VDZ-Büro meldet, werden im ganzen Reichsgebiet bis zum 1. Jänner annähernd 1700 Erbgesundheitsgerichte, davon allein rund 10 0 0 in Preußen, ferner 27 ErbgesundheitS-Obergerichte entstehen, die sofort ihre Arbeit ausnehmen. Die Wissenschaft habe sich bemüht, einen vorläufigen Anhaltspunkt über die Zahl der Personen zu finden, die innerhalb kurzer Zeit einer Sterilisation unterzogen werden müsien. Sie schätzt disr Zahl aus rund 40 0.0 00 Menschen. Sie verteile^ sich aus alle n e u n K r a n k h e i t e n, die das Gesetz als Erbkrankheiten auszählt. Der größte Teil jedoch, die Hälfte, leidet an an geborenem Schwachsinn. Die rund 400.000 Kranken bestehen etwa je zur Hätstc aus Männern und Frauen. nehmen sei, und zwar wegen landesverrä- sterischer Umtriebe im Verein mit Professor Foerstcr in Paris, die bis in die jüngste Zeit andauerten. Es sei bereits ein Steckbrief gegen Dr. Thormanu ergangen. Mau habe den Verdacht, daß er flüchtig ist. Voraussichtlich würden noch weitere Maßnahmen zur I» s ch u tz h a s t n a h m e anderer Persönlichkeiten aus hochstehenden intellektuelle» Kreisen erforderlich. Ole rumänischen Wahlen Bukarest, 20. Dezember.(OR.) Die Wahlen in das Abgeordnetenhaus nahmen im ganzen Lande einen im Ganzen ruhigen Verlauf. Die Negierung hatte alle Maßnahmen zur Gewährleistung der vollen Wahlfreihcit getroffen. Die ersten dem Innenministerium zugcgangcnen Nachrichten melden keinen Zwischenfall. Wie es scheint, war die Wahlbeteiligung geringer als bei den letzten Wahlen, u. zw. infolge der heftigen Fröste und der starken Schneeverwehungen, die in den letzten Tagen den Verkehr erschwerten. Nach den ersten Ergebnissen erlangte die 91 e- gierung eine starke Majorität. Die Zahl der abgegebenen Stimmen hat bereits 4 0 Prozent zu ihren Gunsten überschritten, so daß die Regierung die sogenannte W a h l p r ä- m i e erhält und im neuen Abgeordnetenhaus die absolute Mehrheit gesichert haben wird. „Freisnrliihe“ 1m ProzeB Dessauer Schutzhastbesehl gegen den Verteidiger. München-Gladbach, 20. Dezember. Im Prozeß gegen Professor Dessauer und Dr. Knecht verkündete das Gericht heute: Tic Angeklagten werden kostenlos frcigcsprochcn. Nach der Urtcilsvcrkündigung machte der hiesige Polizeipräsident in einer Pressekonferenz Dollfuß-Bürokratie in Verbindung mit Nazis! Grenzschutzführer nach Bayern übergelaufen Die„ Flucht“ des Prinzen Sachsen-Meiningen Wie«, 20. Dezember.(Eigenbericht.) Als in der Vorwoche dir Heimwehren dem Bundeskanzler ihr« ultimativen Forderungen überreichten, versuchten sie die Erfüllung ihrer Wunsch« durch die Drohung zu erpressen, sie würden im Falle der Ablehnung ihre Minister auv der Regierung zurückzichen und sich mit den Nazis vereinigen. Den Heimwrhrsascisten war eS sehr peinlich, als diese, nur für eine» internen Kreis bestimmte Erpressung in. die Oelsentlichkrit und in di« Weltpresse gelangte. Sie setzte» cd durch, daß die Veröffentlichung ihrer Drohung in Oesterreich den Zeitungen Verbote« wurde und daß die Regierung im Ausland di« Sache offiziell ableugnen ließ. In der heutigen Sitzung drö Bundesrats in Wien aber wurden unwiderleglich« Beweise für die Verbindung zwischen Heimwehren und Nazis erbracht. In einer Anfrage der sozialdemokratischen BundeSrät« wird nämlich daraus hingewiesen, daß schon vor Monaten im Bundesrat die Regierung aus die höchst verräterischen Umtriebe der Heimwehren an der Tiroler Grenze aufmerksam gemacht wurde; die Regierung hat damals geleugnet, daß eine Verbindung zwischen österreichischen Heimwehrleutrn und reichsdeutschen Nazis bestehe. In der heutigen Sitzung konnten aber, die sozialdemokratischen Bundesräte Lichtbilder vorlegen, die in letzter Zeit von Nazis in Oesterreich massenhaft verbreitet werden; auf diesen Lichtbildern ist der Kommandant der österreichischen Grenz» schutzabteilnng gegen Deutschland und der Kommandant der Heimwehrab» t«i l u n g des Grenzschutz-Departements Niederndorf bei Kufstein ArminArmmitden Führern der SA aus Bayern dargestellt, wohin die beiden Grenzschühler in voller Ausrüstung Lbergclausen sind! Sü läßt sich nun nicht länger leugnen,«rNäreu di« sozialdemokratischen Bundesräte, daß zwischen Heimwrhr nnd Nazis Verbindungen bestehen, die sogar so weit gediehen sind, daß die Führer deS staatlichen Heimwehr-Grenzschntzeü in Oesterreich nach Deutschland überlaufen. Gleichzeitig erfährt man aber auch aus dieser Sitzung, daß sich solche Fäden auch von der h ö ch st e n Bürokratie der österreichischen Regierung zum Nazilager spinnen! Vor kurzem ist der bekannte Nazisührer Prinz Bernhard von Sachsen. Meiningen, der wegen seiner Betätigung für di« Nazi» zu Konzentrationslager verurteilt war, bevor er noch dahin gebracht werden konnte, auü Oesterreich geflüchtet. Es konnte nun scstgestellt werden, daß die Flucht dieses Nazisührcrs aus Interventionen hoher Regierungsfunktionäre erfolgt ist, die den Polizei st eilen einen Wink erteilten, mau solle den Prinzen über die Grenze lausen lasten! Die sozialdemokratischen Bundesräte verlangen in ihrer Anfrage sofortig« Aufklärung Über diese offenbare Verbindung zwischen Heimwehren und anderen Regierungsstellen einerseits und den Nationalsozialisten anderseits. Dr. Spinas organisierte Demokratie Der Herr Gcsundheitsminister Professor Dr. S p i n a hat als„Bevollmächtigter de« Sudetendeutschen Landstandcs", der eine Art Dachorganisation für das gesamte Landvolk sein soll, bekanntlich kürzlich eine programmatische Rede in Böhm.-Leipa gehalten, die er kurz darauf in Iägerndorf wiederholte. Hiebei begründete er in allerdings nicht sehr eingehender Weise den sogenannten S t ä n d e g e d a n k e». Der ständische Gedanke, so sagte.Herr Dr. Spina wörtlich, negiere nnd bedrolze die demokratische Ordnung nicht. Stände, wie er sie auffasse, hätten mit Faschismus nichts zu tu n, ja sie schließen ihn geradezu au«. Ja, die ständische Organisation ist nach der Meinung Dr. Spinas— organ i.f ierte Deniokratie. Wir wissen natürlich nicht, was sich die Führer der Landjugend bei diesen Worten gedacht haben. Dagegen wissen wir, daß der prominenteste wissenschaftliche Vertreter des Ständewesens Prof. Spann(„Der wahre Staat") str i k t e r A n t i d e m o- k r a t ist. Bon Mussolini und Hitler, die den Korporativ-, bezw. den Ständestaat praktisch aufznbauen versuchen, wird Wohl niemand behaupten, daß sie Demotraien sind. Daß der ständische Gedanke ein Schritt zurück ins— Mittelalter ist, der vom aufstrebenden Kapitalismus überholt und beseitigt wurde, ist Wohl auch nicht unbekannt. Weniger bekannt ist allerdings, wie der praktische Aufbau der ständischen Organisation in einer Zeit, wo alles viel rascher fließt als zu Goethes Zeiten, eigentlich ausschaucn soll. Nach Minister Dr. Spina gehört alles, was irgendwie mit der Landwirtschaft zusammenhängt, wenn auch nur ideell, zum Landstand. ES gehört demnach alles, was am„flachen" Lande fleucht und kreucht, in einen Topf: der Großgrundbesitzer, der Bauer, H ä u S l e r und landwirtschaftliche Arbeiter, aber auch sonst alles, was von der Landwirtschaft wirtschaftlich abhängt: der Gewerbetreibende, Krämer und Händler. Der Herr Minister Dr. Spina ist jo gütig, auch einem„S t a d 1 sta n de" das Wort zu reden, wo nach seiner Ansicht die Angestellten und Beamten sowie die Angehörigen der freien Berufe den Ton angeben würden. Bon einem ständisch ausgebautcn„Arbeite r st a n d e" spricht er eigentlich nicht. Er sagt auch nicht, was mit den I n d u st r i c l- l e n geschehen soll. Hier klafft eine bcdenk- liche Lücke. Dafür haben wir an der„D e u t- s ch c n Arbeit s f r o n t" im Hitlerreich, wo Arbeiter, Angestellte und Industrielle in einem Pferch beisammen sind, ein für uns allerdings wenig lockendes Beispiel. Wie Herr Minister Dr. Spina darüber denkt, hat er bisher direkt noch nicht verraten; er lehnt nur im allgemeinen den ständischen Aufbau von oben ob, er soll von unten herauf kommen. Für die klassenbetvußte Arbeiterschaft hat er das Argument angeführt, daß der Bauer nichts habe vom Niedergänge der I n d u st r i e u ti d d e r m a t c r i e l l e n Sch w ä ch u n g oder Vernichtung de r Arbeiterschaft. Das ist ebenso richtig, wie die anschließende Bemerkung des Olenann- tcn, daß der Arbeiter nichts hat von der Verelendung der Bauern. Ständestaat soll die ll c b c r w i n d u n g des Klasscnkampfgedankcn6 sein. So saßt es ja auch die„Deutsche Landpost", das Sprachrohr Minister Spinas auf, die cs ja tvisscn muß. Wie soll die„Ständcordnung" eigentlich beschaffen sein? Darüber zerbricht man sich auch in— Unternehmcrkreijen Oesterreichs, wo mit dem ständischen Gedanken ebenfalls gespielt wird, die Köpfe. Dort ist sogar ein„parteiloses" Stäudeparla- Seite 2. Donnerstag, 21. Dezemb« 1-88 -K. 288 vemonslraNon vor der deutschen Botschaft in Brüssel Brüssel, 20. Dezember. Eine Gruppe von etwa 200 Studenten versucht« heut« vor dem Gebäude der deutschen Botschaft zu demonstrieren, wo sie«ine Petition, in der der Dreispruch T o r g I c r s verlangt wird, überreichen wollt«. Di« Demonstranten stießen aber ans starke Polizeiabtcilnngen. Es kam zu einem Zusam- m e n st ost, wobei die Polizei von dem Gummiknüppel Gebrauch machte. ES wurde aber nie- mand ernstlicher verletzt. Gegen abend wiederholten sich die Demonstrationen. Einige Siu- denten wurden verhaftet. m e n t neben dem rein politischen Bundesrat geplant. Man weiß nur, daß di« Beratungen des Ständeparlaments nicht mehr aus Grund eiltet parteipolitischen Konstellation und zufälliger MchrheitSbildung erfolgen sollen, sondern nur auf Grund sachlicher Beratung von Persönlichkeiten, die sich nur von den Interessen der von ihnen vertretenen Berufsgruppen und nicht von parteipolitische» Bindungen beeinflussen lassen. Schön, aber nun kommt die Schwierigkeit der Zusammensetzung eines solchen Ständcparlaments. Es ist für Minister Dr. Spina und alle übrigen Anhänger der ständischen Ordnung vielleicht von einigem Interesse, näheres darüber zu erfahren. Ta hat im„Neuen Wiener Ionrrtal" vorn 20. September 193!) Herr Dr. Lothar Weiß, der Präsident des„Allgemeinen Grossisten Verbandes" seine Zweifel über die ständische Gliederung, bczw. über die Zusammensetzung des„parteilosen" Ständcparlaments in folgender prägnanten Weise Aiisdrnck verliehen: „Da die als gefährlich bekannten Zufall;- abstlmmuiigsergel'klisse vo» bisher unbedingt vermieden werden müsse», ist vor ollem di« Auswahl der Personen, di« es zusammeiretzen sollen, besonders sorgfältig zu treffe». Daß es sich dabei nur nm absolut«inwaiidftcir, selbstlose Persönlichkciien handeln kann, braucht wohl nicht«lugeHeilder behandelt tverden— ober es muß von ihnen noch viel mehr gefordert wer- den. Sic müssen neben der genauen Kenntnis der Dünsche ihrer StaudeSgrupsv bei ollen zu beratenden Fragen genau wissen, ivelches Ausmaß von Beden iung die im einzelnen daran» folgenden Maßnahmen für ihre Mondomen hoben. Denn es ist selbstverständlich. daß leine Gruppe in allen Beratungsgegenständcn di« Erfüllung aller, ihrer Dünsche restlos erreichen wird und daß sic oft zur Erzielung einer raschen, richtigen und rinhsrtlichen Beschlußfassung Opfer bringen müsseu wird. Ob aber und inwieweit sie dazu im einzelnen Falle gehen darf, ohne di« Interessen ihres Standes allzu erheblich zu verletzen, das zu enticl>eideii müssen diese Bertrcier jeweils rasch in der Lag« sein. Die zweit« Schwierigkeit der Standevcrtretuvg ist aber daS Verhältnis thr«r Zusammensetzung. Denn«» gibt zahlrcick>e Berufs- stände und in ihnen viele vcrtreluugsbcrechiigte Untergruppen und doch soll dieses Parlament nicht zu groß»-erden, um gute, rasche und praktische Arbeit zu leisten. Dabei sollen di« Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in richtiger Relation zueinander stehen. Die Grundlage für die Verteilung der Mandate wird wohl di« Statistik der Berufszählung bilden, aber auch hiebei darf noch nicht nach dem reinen Zahlenverhältnis vorgegangen werden, sondern muß auf di« Bedeutung der Gruppen im Hinblick auf das StaatLganj« Rücksicht genommen werden. Aber noch eine drltk« Frage ist ebenso wichtig wie schwierig zu beantworten, das ist di« Umgrenzung der Kompetenzkreisc dieses neuen Vertretiingskörpers und sein Verhältnis znm allen politischen Parlament. Es scheint ziemlich klar, daß rein« Kulturproblein« diesem weiter Vorbehalten bleiben, ebenso wie dessen unbedingte Ausschaltung aus den ausgesprochenen Wirtschasis- sragen. Da wird«s nun darauf anknmmen, die richtigen S o n- e r b e r a 1 u n g S a u S s ch ü s s« zu schassen, di« mit enlsprkchcnder Expeditivität jeweils das Richtig« treffen. Mit den hier angeführten Punkten schelirt natürlich der Komplez der hier aufgetauchicn Fragen keineswegs erschöpft. An» dem AuSgejühr- ,«in Streben nach nachweisbarem Erfolg, an dem sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer interessiert lehen. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit K-ciW miteinander arbeitenden Teile muß geweckt werden, eng verbunden mit einem richtigen Slandes- bewußisein." Das ungefähr will wohl auch Herr Minister Spina?! Unseres Erachtens bedarf die Sache aber dringend einer Ergänzung» wenn das demokratische Prinzip gewahrt werden soll, durch eine Art Wirtschaftsdemokratie: gleiche Rechte bei der Verwaltung jedes Zweiges der Volkswirtschaft. In der Landlvirtfchaft begänne das mit der Demokratisierung der Landes» ku ltu rräte, führte über geregelte Lohn- und Arbeitsbedingungen und eines ordentliche» sozialen Schutz zu Betriebsräten, iveuigstens in den größeren landwirtschaftlichen Unternchinnn- gcn. Ist Herr Minister Dr. Spina samt seinen Getreuen hiefiir zu haben?? Dann könnte mau über das ganze Problem zuniindestciiü diskutieren. Auf jeden Fall ist die Frage der ständi- scheu Ordnung bislang noch reichlich u n- k l a r. Es wird gut fern, wenn Herr Minister Spina als„Bevollmächtigter des Sudetendeut- schcn LandstandcS" sich darüber äußert, wie die„agrarische Demokratie" innerhalb des Landstandes eigentlich beschaffen fein soll. Da er vom FasciLmus abrückt, müßte er konfequcnterwcise als Demokrat bis zur—. Wirt fchaftsdcmokratie gelangen. Ist das sein letztes Ziel? Kaum! Was aber daun?? Fleur Brot für die Arbeitslosen! Genosse Sdiweldihort zur Denaturierung von Getreide In feiner Parlamentsrede befaßte sich Ge- iiofse Schweichhart am Dienstag abends n. a. euch mit den Pressemeldungen über die Denaturierung kleinerer Getreidemengen, die in den Kreisen der proletarischen Ber- vraucher berechtigte Aufregung hervorgerufen haben. Das ist, erklärte Redner u. a., ja auch begreiflich. Man niuß sich nur in die Lage eines Arbeitslosen versetzen, der bestenfalls ein bis zwei Lebens- miiielkarien wöchentlich bckonnnt und in desfen Familie Verzweiflung herrscht. Dieser Mann liest nun, daß in Tctschen 200 Waggons Roggen mir Holzkohle vermischt und so für den menschlichen Gebrauch ungenießbar gemacht werden, damit man sie akS Vichfukier verwenden kann. Das verstehen die hungernden Menschen absolut nicht! Vom rein volkswirtfchastlichen Standpunkt aus sieht die Sache so ans: Die Tschechoslowakei hak große Roggcnübcrschüsie, die nicht w den Mann gebracht werden können; etwa 30.000'bis-10.000 Waggons wurden im Gefolge einer PrciSstühnngS- oktion aus dem Verkehr gezogen. Die 200 zur Denaturierung bestimmten Waggons sind also nur rin kleiner Bruchteil dessen, was zur Verfügung steht. Ihre Denaturierung erfolgt, um der Landwirtschaft billigere Futtermittel zu verschaffen. Denaturierter Roggen kostet den Landwirt 68 Kronen, Mais dagegen, der au» dem Ausland bezogen werden mnß, 95 Kronen. Bon diesem Standpunkt ist cS begreiflich, daß man lieber heimisch« Produkte verwendet alS teuere ausländische. Schließlich muß man in Betracht ziehen, daß auch in normalen Zeiten inuner Getreide verschrotet wird. Auf die Arbeitslosen muß diese Maßnahme allerdings böse wirken, da st« die Zusammenhänge nicht kennen und nicht wissen, daß noch genügend« Vorräte an Getreide vorhanden sind und niemand zu hungern brauchte. Was der Staat tun kann, besteht darin, daß die Roggcnaktion entsprechend erweitert und er mehr als bisher an Brot usw. für die Arbeitslosen zur Verfügung stellt. Ja einem Staate, wo henke effektive Uebrrschüste an Getreide, Fleisch, Milch und Zucker bestehen, ist es absolut nicht notwendig, daß Zehntausend« von Erwachsenen und Kindern hungern müsien. Wir appellieren nochmals an die Einsicht der anderen Seite der RcgierungSkoalition, diesen zwingenden Tatsachen endlich einmal Rechnung zu tragen. Allen, die arbeiten wollen, muß Brot, Arbeit und Freiheit verbürgt werden. Auf die Erfüllung dieses Zieles werden tvir mit allen unseren Kräften hinarbeiten! I(B e i f a l l.) Gegen fede Inflation Zum Problem der Verschuldung der. Landwirtschaft erklärte Genosse S ch w c i ch h a r t, daß man vorläufig die kurzfristigen Schulden in möglichst lauasrift i a e umwandeln und den Zinsfuß herabsehen muffe. Dagegen wäre auch die von gewisser Seite gepredigte„g«mäßigt e" Inflationspolitik ein sehr gefährliches Experiment, dem besonders die Gehalts- und Lohnempfänger unmöglich zustimmen können. Für die großen Schuldner wäre die Abblir- dung hochwertiger Verpflichtungen mit schlechtem Geld allerdings ein lukratives Geschäft, aber damit wäre auch die Verarmung der breiten Bolksmasten und namentlich de» Mittelstandes und der Beamten verknüpft. Dir Erfahrungen von früher— Deutschland, Oesterreich— sind sicher«ine eindringliche Warnung vor einer solchen fragwürdigen Finanzpolitik, selbst wenn man auch nur «Ine gemäßigte Inflation-Politik wir in England versuchen wollte. Im Geldwesen muß besonders jetzt Ruhe herrschen, um das Vertrauen der Einleger zu stärken und zu erreichen, daß die vielfach versteckten Geldvorräte wieder in Umlauf kommen. Sehr notwendig wäre es, endlich einmal die tatsächliche Höhe der Schulden der Landwirtschaft fcstzustclleii. Aus der einen Seite wird von 2g und. 30, ja von 50 Milliarde» gesprochen, während Ein- i geweihte behaupten, daß die Verschuldung eigentlich geringer sei als in der Vorkriegszeit. Um an eine UmschuldungSaktion gehen zu können, zu der es auch nach unserer Ausfassung unbedingt kommen muß, müssen wir sichere Grundlagen haben. Redner befaßt sich dann anSführlich mit dein Problem der Planwirtschaft, zu der sich neben industriellen Kreisen kürzlich anch Dr. H o d z a' bekannt hat. Das ist ein Fortschritt, den wir Sozialdemokraten begrüßen. Die führenden Kreise der Landwirtschaft mögen nur mit einem Plan kommen, über den man sprechen kann. Wenn es gilt, in Produktion und Absatz Ordnung hinein zu bringen, sind wir zum größten Entgegenkommen bereit. Allerdings darf man auch nicht vergesten, daß neben der Landwirtschast noch die Industrie da ist, die bei un» eine sehr große Rolle spielt. Die Hunderttausend« und Millionen, die in Handel und Gewerbe tätig sind, sind dir Hauptabnehmer landwirtschaftlicher Produkte. Da muß man das Wort Batas voin„Dienst am Kun- d e n" auch der Landwirtschaft in empfehlende Erinnerung bringen. Roman von Felix Fechenbach „Was red'st denn vom Zuchthaus, Vatter? Her Hans muß ja freig'sprochen wcr'u.' Und wenn er auch wirklich« kleine Straf kriegt, deswegen bleibt er doch wer er.iS. Ta wird ihn kci vernünftiger Mensch schief drum anschau'n..." „Ich werd nür's aber von meinem Herrn Sohu uit Verwehr'n lassen, anders drüber zu denken.. Damit war die Angelegenheit im Hause Hein vorerst erledigt. Hans war inzwischen vom llntersnchnngS- richter vernommen worden, hatte alles wahr- lnntsgemäß geschildert, die Beziehungen seiner Schwester zu Groß die Schwangerschaft und di« Weigerung des Groß, Lene zu heiraten. Er habe nur mit ihm wegen der finanziellen Fragen sprechen wollen. Dabei habe Groß seine Schwester so schwer beschimpft,-aß er die Selbstbeherrschung verloren habe. So wäre es dann gekommen,-aß er auf ihn cingccschlagen habe. „Warum haben Sie denn einen Stock mitgenommen, wenn Sie nur ein« friedliche Unterhaltung Vorhallen?" wollt« der Untersuchungsrichter wissen. „Ten Stock hat-er Groß g'habt", erklärte Hans darauf. „Das müßte ja erst noch sestgcstellt werden." Hans mußte noch aus«ine ganz« Reil)« Fragen Antwort geben, dann wurde er wieder in seine Zelle geführt.' Erst nach süns Tagen gelang es dem wiederbvlten Ansuchen des Vaters, di« Freilassung seines Sohnes zu erreichen. Bald daraus bekam Hans eine Anklage zu gestellt. Sie lautete aus schwere Körperverletzung, begangen an dem Verkäufer Rudolph Groß. Vierzehn Tag« darauf sollte di« Verhandlung sein. .HanS beriet sich mit feinem Vater, ob man einen Rechtsanwalt nehmen solle. Vielleicht gehe es auch ohne einen Anwalt. Ter koste dock) sicher viel Geld. Aber Vater Cornelius war trotzdem dafür, daß man einen Verteidiger nehme. Er ging dann auch mit Hans zur Kanzlei des Dr. Baier. Dort wurde der ganst Sachverhalt ausführlich geschildert. Ter Rechtsanwalt macht« ein bedenkliches Gesicht. „Wenn da8 Gericht der Anklage folgt und auf schwere Körperverletzung erkennt, dann ist die Mindeftstraf« ein Jahr Gefängnis. Ta wird es darauf ankommen, ob bei Herrn Groß schwere gesundheitliche Schädigungen eingetreten sind. Die'Anklage behauptet das ü»._ Aber, da müssen wir erst das Gutachten des ärztlichen Sachverständigen abwarten." „Schwer« Schädigungen können doch da nit eingetreten sein", meinte.Hans.„Es war ja nur e eiusachcr Spazierstock, mit dem ich zug'schlagen hab." „Na, wir wollen das beste hoffen. Mildernd« Umstände stehen Ihnen ja auch zur Seite. Ta können Sie vielleicht mit ein oder zwei Monaten davonkoinmen. Ob wir so viel Glück haben, daß es zu einem Freispruch reicht, kann man heute natürlich noch»licht lagen." Nachdem in der Kanzle- noch der Kostenvor- schuß bezahlt war, meint« Dr. Baier noch, daß rin« weitere Besprechung vor der Verhandlung nicht mehr nötig sei. Kurz vor Bevhandlungs- bcginn sehe>nan sich ja noch im Gerichtsflur. „Das iS ja e bös« Kiste!" sagte Vater Cornelius, als sie die Amvaltskanzlei verlasicn hatten..„Js nur gut, daß die Bevhondlung im Winter iS, da versäumst nit so viel." ,/Ja, schon. Mer daS bißle, was wir jetzt mit der Schnitzerei verdienen, geht jetzt auf den Prozeß drauf."' „Hätt'ft dich um di« ganze Sach nit kümmern soll'«! Aber jetzt läßt sich's ja nimmer ändern, und dci Schwester kannst ja auch nit be- ichimpsen lasten wie e Straßenmädle. Jetzt muß es halt ausg'srcsten n-er'n." Am Samstag besprach-Hans seine Prozeßangelegenheit mit Grell und Fran; und sagte ihnen auch die tvenig erfreuliche Meinung des Rechtsanwalts. Grell weinte schon im voraus. Sie fürchtete,-Hans würde z» einer längeren Ge- fängitisstrafe rerurteilt. „Und an allem bin ich schuld, weil ich dir geraten hab, du sollst mit dem Groß reden." Sie machte sich die bittersten Vorwürfe, und Hans lmtte zu tun, sie darüber zu beruhige«. „Wär ja alles ganz glatt gangen, wenn der Groß nit so fri-ch geworden wär. Jetzt sei nur ruhig,'s wird scho nit so schlimm wer'n." Unruhige und erwartungsvoll« Spannung blieb aber trotz allein auch in-Hans selbst jebcndig. ch Am Perhandlungslag ging-Hans mit Vater Cornelius und, Franz hinaus in die Ottostraße zum Jnstizgcbäude. Fran; erzählte, daß Vater -Hein die Zeugenladnng gelesen hatte. Er wisse jetzt, wann die Verhandlung sei und werde woyl im Zuhörerraum sitzen. Das paßte nun.HanS ganz und gar nicht. Aber es war Wohl nichts dagegen zu machen. Auf dem GerichtSflur standen ein paar Augenzeugen des Zusammenstoßes mit Groß. .Hans wartete auf den Ausruf seiner Sache. Für seine aufgeregt« Ungeduld dauerte es ihn» viel zu lang«. RechtSantvalt Dr. Bai«r kam eilig vorüber, in schwarzer Robe und mit Akten unterm Arm, sprach noch ein paar Minuten mit-HanS und mit scincin Vater, hatte cs aber dann gleich wieder eilig, wegzukorumen, da er noch«inen anderen Termin wahrzunehmen hatte, ehe er sich der Sache Cornelius widmen konnte. Man wartet« und wartete, und die Minuten schlichen sich gar langsam hin. Endlich steckte ei» Justizwachtmeister sein schnauzbärtiges Gesicht durch die Tür eines Berhandlungssaalcs und rief ans den Flur hinaus: „Strafsache-Hans Cornelius!" Hans trat in den Gerichtssaal. Der Justi;- ivachtntcister verständigte Dr. Baier, der gleich darauf erschien. Tann wurden die Zeugen aus- gerusen, über die Bedeutung des Eides belehrt und ivieder ins Zeugenzimmer entlass«'!. .Hans stand zum ersten Mal in seinem Leden vor Gericht. Es kam ihm alles so feierlich vor, zugleich aber auch so beengend. An dem laugen Richtertisch saßen«in paar-Herren in schwarzer Räbe, einer davon ganz allein, ein tvenig seitwärts an einem kleineren Tisch. Dann saßen neben den Herren in Robe noch Männer in bür- gcrlicher Kleidung. Aber auch sie machten ernste (Hesichtcr und saßen steif und würdevoll auf ihren Stühlen. Hans mußte auf einer Bank Platz nehmen, die hinter einer Holzbarriere stand. Tas ist wohl das Arnwsündcrbänkl«, dachte er sich. Bor ihm, an einem Tisch, saß sein Verteidiger. Hinten im Zuhörerraum drängte sich auf langen Bänken allerhand neugieriges Publikum. Ter Bäckermeister Kilian Hein saß breit vorne auf der ersten Bank. Jetzt verlas der Gerichtsvorsitzende etwas aus einem Aktenband, eine kurze Darstellung des Sachverhalts, um den es in diesem Prozeß ging. Hans wurde über seine Personalien vernommen, und dann sollte er den ganzen Vorfall mit Groß noch einmal schildern. Aber ehe er noch damit anfangen konnte, erhob sich plötzlich der Mann in schwarzer Robe, der allein an einem seitlichen Tisch saß und sagte: „Ich beeantraqe den Ausschluß, der Oeffenl- lichkeit wegen Gefährdung der Sittlichkeit!" Darauf erhoben sich olle übrigen am N'ch- tcrtisch und gingen durch die hinter ihnen liegende Tür hinaus in ein anderes Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Nr. 298 Donnerstag, 21. Dezember 1938 Seite 3. Ocnossin Schack im Senat: von de-« au«. Der ftaCt Neugebauer ist um so bemerkenswerter, als hier firm ersten Mal die organisierte Opposition der sozialistisch eingestellten Haken- krcu«ler zu schwer wiegenden Konflikten nvit der aroßkapitalistisch und reaktionär eingestellten Partei- und Staatsleiwng geführt hat. Später sprachen in der Budgetdebatte unserem Senatsklub noch die Genossen Goth und Just, deren Reden wir mit Rücksicht auf den beschränkten Raum erst morgen werden Nachträgen können. Knnflcntang in Her Tschechoslowakei durch reldisdenßdie Verleger Tr. Emil Strauß Leopold Goldschni id t Franz Krumme l Karl Kern Zdenko N e u w i r t h Joses Hofbauer Franz K r e j v i Abg. Wenzel I a k s ch Berta Blaha Joses Hell mich Telephone: Administration 83076 Redaktion 63077 Freier Nadiobund Jnferatciibüro der Arbeitcrpresie Gewcindeberaiungsftelle * Chefredakteur Wilhelm Nießner Redakteur Kinderschuh« und Jugendfürsorge enthalten ist, kann nicht durchgeführt werden, weil es ganz ausgeschlossen erscheint, daß bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen die Fehlbeträge aus der privaten Wohltätigkeit gedeckt werden. Ein allmähliches Versiegen der privaten Wohltätigkeit tritt ein, während die Notlage der Jugend-immer größer wird. ES ist im Interesse des Staate-, für die Ausrechterhaltung all der Institutionen zu sorgen, die der Fürsorge um die Jugend dienen, und damit zu bewirken, daß die nächste Generation sittlich und geistig hochwertig emporwächst. Ans ihrer' engeren Heimat Eger zitiert Rednerin ein« Statistik über den Gcfundheilszuftand der Heranwachsenden Jugend, die für das Schul, fahr 1932/33 bei 89 Prozent«aller untersuchten Kinder auffallend« Schwächeerschei- nu»gen feststellt; Sä Prozent aller Kinder waren in der Entwicklung zurückgeblieben! Von 18 Kindern in den Kindergärten waren 20 nur mangel, hast bekleidet; einige hallen gar kein Hemd'Tic meisten Kinder kommen ohne F r ü h st ü ck in Sie Schule! Diese Zisseru, erklärte Rednerin abschließend, sprechen eine erschreckend« Sprache und sie zeigen, wie groß noch di» Lücken sind, die unsere össeot» lichr Fürsorge auszuweifen hat. Wir wissen aber auch, daß der Fürsorgeminister bemüht ist, überall helfend einzugreisen, und wir sprechen ihm halb auch unser volle- Vertrauen (Beifall.) Jugendfürsorge anf breitester Basis mehr denn|e notwendig! Ab 1. Jänner 1934 befinden sich nachfolgende Kanzleien in präg XII., SlezsKd Nr. 13 (Telephon Nr. 63.919) An diese Adresse sind daher Auschristen für folgende Stellen und Genossen zu richten: Sekretariat der deutschen sozialdemokratische» Arbeiterpartei Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Zentralstelle für das Bildungswesen' Abg. Siegfried Taub Ernst Paul, Dr. Emil Franzet Rätselraten um die Arbelts- losMheit in USA Washington, 20. Dezember.(Reuter.) Einem amtlichen Ausweis zufolge wurde ein Sinken der Arbeitslosigkeit um 287.000 verzeichnet, das sind 3.5 Prozent. Diese'Angabe bezieht sich auf den Zeitabschnitt vom 15. Oktober bis 15. November d. F. Sachverständige sind der Ansicht, daß seit März d. I. die Zahl der Arbeitslosen um 2,500.000 Personen gesunken ist. Rebcrion der Enttäuschten Es gärt ha„Dritten Reich" Aus Bre-lau kommt eine unacmein interessante und ausschlußreiche Nachricht. Dort sind der bisher nur„beurlaubt" gewesene Kreisbe- triebSzellenleiter Neugebauer und der frühere RrchtSsckmtzberatcr der NSDAP BreSlau-Stadt, Alfred Zalewski, wegen, wie es in der braunen AmtSterminologie so schön heißt,„verschiedener Vorgänge" in„Schutzhaft" genommen worden. Die Diskretion der amtlichen reichsdeutschen Stellen zwingt u»S, den braunen Bonzen»ach- zuhelfen und ein wenig deutlicher zu werden. Es handelt sich nämlich hier um nichts weniger als um den offenen Ausbruch dcS schon lange schwelenden Konflikts zwischen dem ehrlich sozialistisch eingestellten Flügel der Hitlerpartei und den großkapitalistischen Machthabern, die bereits hundertprozentig daS Heft in der Hand haben. Neugebauer war in der Breslauer nationalsozialistischen Arbeiterschaft sehr beliebt; es war seit langem bekamst, daß er zu den wenigen nationalsozialistischen Vertrauensleuten gehörte, die eS ehrlich nrit dem von Hitler längst schmäh, lich verratenen deutschen Sozialismus meinen. Neugebauer hatte sich in der letzten Zeit sehr unbequem gemacht, weil er seiner Enttäuschung über den antisozialistischen Kurs seiner Regierung sehr drastisch Ausdruck gegeben hatte. Neugebauer hatte auch mehrfach versucht, bei Lohnkonflikten gegen die immer frecher auftretenden gleichgeschalteten Unternehmer tatkräftig für die Rechte der Arbeitnehmer einzutreten. Der oppositionell und sehend gewordene KreiSbetviebSzel- lenseiter würde daraufhin aufs imgeheuerlichstc schikaniert und schließlich beurlaubt. Al« er jetzt bemüht war, in Parteikreisen gegen die immer unerträglicher werdende Bonzokratie anzukämp- scn, wurde die„Schutzhaft" gegen ihn angeordnet. In einigen BreSlauer Betrieben soll es im Anschluß an die Verhaftung NeuqehauerS zu spontanen Protestdemonstrationen gekommen sein, die zu zahlreichen Verhaftungen von GesinnungS- sreunden Neugebauers führten. Grenze mit dem waschechten„heroischen LebenS- aefühl" zu erfüllen... Merkwürdig ist nur, daß sich einzelne h e im ische Berlagsfirmen und Buchhandlunge n dazu hergebcn, hiebei H a n d l a n g,e r d i e n st e zu leisten. Da läßt z. B. Trowitzsch und Sohn-Berlin eine „Weltgeschichte für das deutsche HanS" erscheinen, die den schmockisch-gcrmanischen Titel führt:„Am Ariadnefaden der Geschichte der K rlturvölker" und von der der Verlag behauptet„Daß der Stolz auf unser Deutschtum überall, hi-rauüleuch- tet, bis eS zu einem jubelnden Bekenntnis für unfern Führer Adolf Hitler wird, sichert dem anziehenden Buche eine freundliche Aufnahme im deutschen-Hause". Den Vertrieb die- ser Ariadnefaden in der Tschechoslowakei hat die Buchhandlung Franz Kraus in Reichenberg übernommen. Welche freundliche Behänd- lung hätte drüben ein Verleger zu gewärtigen, der den Schuldirektionen die Prospekte eines ausländischen Verlegers zuschicken würde, um Lehrer und Schüler auf andersgerichtete Gc- schichtSliteratur aufmerksam zu machen? Ein Mittelsckullehrer schreibt unS: Den aleichgeschalteten Berlagsfirmen scheint gar nicht gut zu gehen— trotz der Millionen ,MolkSsreund" .Lukunft" „VoblSstiinine" Warnsdorf „Bolkswille" Brünn „AolkSstinime" Prcßbn r,z Freigeist" „Tribüne" „Freie Gemeinde" „Gleichheit" „Kuckuck" „Unzufriedene" „Bunte Woche" „Rundfunk" llcbcrsicdlungsanzclgc Ab I. Jänner 1934 befinden sich unsere Kanzleien und die Druckerei in präg X»., rodiovd tr. vr v An diese Adresse sind daher alle Zuschriften für solgende Blätter, Bereinigungen und Ge« »offen zu richten: Verwaltung u. Redaktion„Sozialdemokral" Die französische Spionage* allflrc Paris, 20. Dezember. Zur Aufdeckung der Spionagcoffäre in Frankreich, über die>vir gestern berichteten, wird weiter gemeldet: Fünf Polizeikommissäre deS SpionaacoicnstcS verhafteten bisher, wie bereits gemeldet wurde, 18 Personen. Unter den Verhafteten befinden sich hauptsächlich Angehörige fremder Nationalitäten, u. zw. polnische Juden, Russen, Amerikaner, Italiener und Skandinavier. Auch Franzosen wurden verhaftet. Die näheren Einzelheiten wurden bisher der Ocffcntlichkeit nicht bckanntgegeben, damit die Mitglieder der internationalen Maffia nicht even- tncll aus Frankreich flüchten. Die Polizei hat nur erklärt, daß es sich»m eine internationale Spionage«mcr neuen Art handelt und daß die Afsäre eine Spionage bezüglich der Nationalvcrtcidigung betrifft. Bei den Verhafteten wurden einige wichtige Dokumente beschlagnahmt. Spanische Kirdiengesetze »leiben Madrid, 20, Dezember. Tic neue Regierung Lcrroi»: stellte sich am gestrigen Nachmittag dem spanischen Parlamente vor. In der Debatte, die sich bis in die späten Nachtstunden hinzog, erklärte der neue Regicrnnaschcf, die gesetzgebenden Bestimmungen iiZ kirchlichen Angelegenheiten würden belassen werden, doch müßte die religiöse Uebcrzcugung eines jeden Einzelnen streng geachtet werden. Ter Führer der Agrarier, Gil Nobles, forderte die Negierung auf, die unerläßliche Verwaltungsresorm schleunigst durchzusüh- ren. Der sozialistische Redner P r i t o forderte, die Regierung möge genau darlegen, wie sic sich das Konkordat mit dem Vatikan vorstclle. Die Debatte wird heute fortgeführt werden. Eine amirche Oreuelmeldnng h. b. Wie viele Deutsche mögen wohl in Gefängnissen und Konzentrationslagern sitzen, weil sie behauptet haben, daß die Nanonalsozialisten Wehrlose mit Gewalttätigkeiten behandelt, öffent- lich beleidigt oder an ihnen Erpressung und Nötigung verübt hätten? Und wievielc Urteile mögen in Zukunft noch wegen derartiger„Greuelmärchen" verhängt werden, trotzdem der Terror offiziell durchaus, zugegeben werden muß? Erst am 30 November sah sich das^ächsisckie Innenministerium gezwungen, die folgende Bekanntmachung hcrauszugeben: „In letzter Zeit(!) ist beckbachtet worden, daß von verschiedenen Stellen Anprangerungen von Personen und Firmen auf Prangertafeln, in Zeitungen oder an sogenannten Schandpfählen erfolgen. ES muß darauf hingewicsen weiden, daß in einer derartigen Anprangerung ein« öffentliche Beleidigung,«ine versuchte Nötigung oder gar«ine versuchte Erpressung gesehen werden kann(!). Außerdem besteht di« Gefahr, daß der Angeprangerte zivilrcchtl'che UnterlassNngSklage und unter Umständen Schadenersatzklage erheben kann. Derartige Airprangerungen können nicht gebilligt werden und siird zu unterlassen. Desgleichen ist das zwangsweise Herumführen einer Person au Straßen und Plätzen zum Zwecke der Anprangerung strafbar und deshalb zu unterlass«»»." Dies« Bekanntmachung wirft ein grelles Licht auf die wahren Zustände in Hitler- deutschland. Das Parlament geht In die Wedinnditslerlen Prag, 20. Dezember. DaS Abgeordnetenhaus beendete heute vormitlag die gestern begonnene Debatte über die Einheitspreisgeschäfte, deren Neucrrichtnng ab>. Dezember i>. I. auf die Dauer von zwei Jahren verboten wird. Di« Vorlage hatte schon gestern im Gewerbeausschuß eine lebhafte Debatte hervorgerufei«, in deren Verlauf es nicht an Vorwürfen fehlte, daß die Regierung nicht schon früher zu dem Verbot dieser Art von Geschäften gegriffen habe. Herr Dr. Rosche verstieg sich sogar so weit, die sozialistischen Parteien mit der Verzögerung m Verbindung zu bringen und hämisch zu fragen, welche finanziellen Moment« dabei woh' mitgespielt haben mögen. Wir müssen diese— dem Herrn Dr. Rosche wirklich ähnlich sehende— Verdächtigung auf das schärfste zurückweisen und verurteilen. Seine Antwort erhielt er überdies gleich von dem Vertreter des Handelsminvste- riums, Tr. B r e j ch a, der erklärte, daß die Der- zögerung durch die Verhandlungen mit den Fachorganisationen des Handels und den zuständigen Mmist-trien herbeigesührt wurde. Auch im Plenum tr.it Dr. Rosche alü Vorkämpfer für.Handel und Gewerbe auf. Er und Eckert(Gew-Part.) erklärten diese Vor. läge für unzureichend; immerhin wollten sie da. für stimmen. Heute enrpfahl der Referent int Schlußwort einen AbänderungSantrag oer Koalition, der auch angenommen wurde. Er bezieht sich in der.Haupt, fache auf die Definierung des Begriffes„Ber. laufsstclle". -» DaS Haus genehmigt: außer dieser Vorlage noch die von der Koalition beantragte Diätenkürzung der Parlamentarier um weitere vier Prozent, ferner die Verlängerung des ExekutionsschutzcS und des Auiomo- oilgesetzeS und die Errichtung von Steuerv^rwal- tungen in her Slowakei. Damit war die Tagesordnung erschöpft und der Vorsitzende schloß kurz vor Mittag die Sit- zwtg mit den üblichen Feiertagswünschen. Brot genug iar alle Nach den bei der Tetschner Speditionsfirma Meck(„Transporta") eingeholtcn Erkundigungen stellt sich die vom chriftlichsozialen Abgeordneten K r u m p e so maßlos ausgcbauschte Denaturierung von angeblich 200 Waggon Roggen in Wahrheit folgendermaßen dar: Es handelt sich um 50 Waggons für menschlichen Genuß unbrauchbaren Roggens aus dein Jahre 19 31. Krumpe behauptete dagegen in der Interpellation, daß eS sich nm herrlichen aefundcn Roggen handle! Und das„Prager Tagblatt" gab fernen Senf dazu, indem eS von„z«r- trelenem Brot" schrieb. Ter denaturrertc Roggen wird an die Landwirte um 88 Ke per Meterzentner verkauft.(Tie Denaturierung erfolgte durch Beigabe von 10 Kilo HolzkolHe bei der Verschrotung per Tonne Roggen.) Ta F u t t e r m a i S 95 Ke per Meterzentner kostet, kommt dem Landwirt das denaturierte Korn bedeutend billiger, obendrein stießt kein Geld unnötig ins Ausland ab. Ter einfache Berkaus dcS überschüssigen Roggens auf den: Weltmärkte wäre ein ausgesprochenes großes Verlustgeschäft, denn in Holland kostet heute bester Roggen nur 28 Ks per Meterzentner, während er bei unS rund das dreifache beträgt, wobei unsere Landwirtschaft aber noch nicht auf ihre Kosten komm». Früher stand der heimische Kornprcis bis auf 2-10 Ke. Um den drohenden Preisverfall des Getreides zu verhüten, wurden feit Beginn der staatlichen Stützungsaktion über 30.000 Waggons Getreide(je zur Hälfte Korn und Weizen) aus dem Markt gezogen. Für die Arbeitslosen bleibt demnach genug Getreide übrig. Es brauchte kein Mensch zu hungern und zu frieren, wenn in der Welt T-rdnnng und Gerechtigkeit herrschen würde. Dies herbeizuführen, ist unser ständiges Ziel. Ein Zwischenfall im Senat. Ter tschechischagrarische Senator S e ch t r, der seine mangelnden Kenntnisse durch großen Stimmaufwand zu verdecken sucht, leistete sich anläßlich der Debatte über das Budget gestern ein« grobe Ungehörigkeit. In sehr scharfen Worten beklagte er sich darüber, daß der Minister Dr. Beneü nach Paris fuhr und. nicht am Begräbnis ävchlaS teilnahm. Seine Parteigenossen quittierten diese Taktlosigkeit und Ungerechtigkeit damit, daß sich, als er seine Rede beendet hatte, nicht eine.Hand zuni Beifall rührte und daß sie, wie wir hören, diesetl Teil seiner Rede aus dem Protokoll elemime- rcn wollen. Auch soll diese Rede noch Weiterungen nach sich ziehen. Dr. Schollich erhält die verdiente Rüge. Gegen Schluß der gestrigen Parlamentssitzung erhielt der Deutschnationale Dr. S ch o l l: ch auf Antrag des Berichterstatters Richter ein» ösfentliche Rüge wegen des beleidigenden Zurufes„Sie Ho rno chse", mit dem er in der Sitzung vom 30. November den Genossen Dietl apostrophier» hatte. Der Referent erklärte, daß der Beschuldigte di« Beschimpfung zugegeben und sie mit seiner Erregung im Laufe eines Wortgefechtes entschuldigt habe; gleichzeitig habe Schollich erklärt, daß er n:cht die Absich, gehabt habe, den Abg. Dietl zu beleidigen. Da der Ausdruck„Sie Hornochse" erwiesen ist und_ den Tatbestand einer Ehrenbeleidigung begründet, beantragte der Referent eine öffentliche Rüge, der das Haus auch zu- stMMte. ca„ von neuen, rassekundlichen und kriegScrzichlichcn Büchern, die sie„der deutschen Nation" auf den Weihnachtstisch legen— möchten, trotz der Dutzende von Neuerscheinungen, in denen die baldige„Befreiung" deS Saargebietes und der Sudetendeutschen prophezeit wird, trotz der fünf- undbreißig verschiedenen Hltlerbioaraphien, die in den letzten Monaten entstanden sind. Der inländische Absatzmarkt ist trotz deS Kaufzwanges, der auf die öffentlichen und privaten Bibliotheken auSgeübt wird, nicht aufnahmefähig genug. Man sucht daher im Ausland« Kunden zu werben iind üb e r s ch w e m m t auch die deutschenSchu- len der Tschechoslowakei mit Katalogen und Prospekten. Bekannte Verlagsfirmen, di« schon seit längerer Zeit im bakenkreuzlerisiben Fahrwasser segeln, wie Albert Langen— Gg. Müller- München, wenden sich mit ihrer verlorenen LiebeSmüh an uns. um durch ihre Veröffentlichungen auf die Brüder jenseits der . Prag, 20. Dezember, Hn der Budgetdebatte f int Senat, di« heuts ganztägig fortgesetzt wurde und morgen zum Abschluß gebracht werden soll, beschäftigte sich Genossin Schack mit dem Kapitel SozialeFürsorge, wobei sie ihrem tiefsten» Bedauern Ausdruck gab, daß man un vierten Krisenwinter die Dotierung des Ministeriums um 58 Millionen herabgesetzt hat. Genossin Schack setzte sich weiter» für die B e r- kürzung der Arbeitszeit ein und unterstrich nachdrücklichst die Forderung»ach Herabsetzung der Altersgrenze für den Anfall der Rente in der Sozialversicherung von W aus 60 Jahre. Diese Forderung hat nicht nur sozialpolitische»;, sondern auch sozialhqgieNische» Charakrer, denn die Arbeit am lau-endcn Band nützi das Nervcirfhstem de? Menschen außerordentlich rasch ab. In diesen» Zusamnienhang erhebt Genossin Schack auch dir Forderung nach Erweiterung der Schulpflicht auf ein neuntes Jahr. Dabei ist iie sich vollkommen bewußt, daß es jetzt über die Kraft bei Arbeiters geht, ein Kind noch«in Jahr länger zu erhalten. Es ist«ine Tragödie unserer Zeit, daß die Jugend, die di« Schule verläßt, nicht in der Lage ist, irgendeine Arbeit zu finden. Daraus erwachsen den proletarischen Familien nicht nur materiell« Gefahren, denn langandaurrnde Arbeitslosigkeit wirkt auf junge Menschen ganz anders ein als aus gefestigt« erwachsene Menschen und führt dazu, den jungen Menschen au» dem seelischen Gleichgewicht zu schleudern. Mit Genugtuung können wir konstatieren, daß beim Kapitel Jugendfürsorge kein» Einschränkung de» Budget-«ingetreten ist. Allerdings entspricht di« präliminiert« Summe keineswegs den Bedürfnissen. Vieles von dem, was im Programm der LandeStommisfion für Seite 4. Donnerstag, 21. Dezember 1933 Nr. 298 Ein Narr, der ßch zn Helsen weih. Erst Wzler, dann Militärarzt, später Geistlicher und Gendarmeriewrchlmeister. Nalypclr sechzig Jahre Heule wird der gegenwärtige Ministcrprä sidenl Jan Mali) Petr sechzig Jahre alt. Malypetr ist a»i 21. Dezember 1373 in de»! Orte Klobuky bei Schlan geboren. Er studierle am Realgynmasium in Prag und an der dcut- scheu landwirtschaftliche» Schule i» Kaade» und übernahm sodann die Familicnwirtschast in Klobuky, auf der seine Vorfahren bereits etwa 25t) Jahre gewirtschastel halte». Frühzeitig wandte er sich der politischen Tätigkeit zu, war schon mit 27 Jahren Gemeindevcrtreter und bc- kleidete von 1911 bis 191!) das Amt eines Gemeindevorstehers seines Heimatortes. Seit 1900 war er auch Mitglied der BezirkSvcrtrclnng Schlan, int November 1918 wurde Malypetr von der tschechischen Agrarpartei in die Nationalvcr- sammlnng berufen. 1920, 1925 uud 1929 wurde «■ nn Wahlkreis Lau» zu»n Abgeordtrelen ge wählt. Seine Umsicht t>nd Ruhe ebenso wie seine rasche Erfassung jeder Situation lenkten bald die Allgemeine Aufmerksamkeit feiner Par- tei aus ihn und so wurde er im Oktober 1922 im ersten Kabinett 8vchla Minister des Innern, was er bis Dezember 1925 blieb. Bom Dezember 1925 bis zum Oktober 1932 war Malypetr Präsident des Abgeordnetenhauses und hat diese Funktion zu allgemeiner Zufriedenheit auSgc übt. Er hat die Parlamcntssitzungcn ruhig uud sicher geleitet. Am 29. Oktober 1932 wurde er als Nachfolger lldr/als znm Minifterprästdentcn ernannt. Malypetr gehört zu jenem Flügel der Agrarpartei, der bei ganz energischer Vertretung der agrarischen Interessen doch immer den Weg des Kompromisses innerhalb der Koalition sucht. Beratungskörper für Selbstverwaltungsfinanzen. Ter Bcrerti'ingskörpcr für finanzielle Selbstverwaltung beim Finanzministerium hielt dieser Tage unter dem Borsitz deS Finanzmini stcrs Tr. T r a P l eine Sitzung ab. Der Sitzung wurden Elaborate einzelner Kommissionen des Bcratungskörpcrs vorgelcgl, zu denen der Finanzminister Stellung nahm. Er'sprach sich entschieden gegen den Antrag ans Ein- f ü h r n n g von Umlagen z u r E i n ko m- m c n st c il c r ans. Dagegen bezeichnet der Minister den Antrag ans Einführung von Landes r c v i s i o n S k a n z l c i c n, tvelchc die Wirtschaft der Selbstvertvallungskörper genau revidiere« sollen, als annehmbar. Der Antrag wird genau geprüft werden. Ebenso sprach sich der- Minister günstig der Anregung gegenüber aus, die Landcszuweisnngen aus dem Ausgleichsfvnds, die bisher zum Ausgleich der Bndgeldcfizitc verwende» wurden, zur Bezahlung der Zinsen und Annuitäten ans den Schulden der Selbstverwaltung zu verwenden. Ter Minister hofft, daß aus diesem Wege der e r st e Schritt zur Entschuldung der S c l b st v c r w a l- tung wird getan werden können. Ebenso vcr-. sprach der Minister, alles zu tun, damit aus dem Ausgleichssonds mit größeren Quoten die n i ch t st a a t l i ch e n Straßen bedacht werden. Schließlich hofft der Minister, cä werde möglich sein, ohne qualifizierte M c h r- h c i t die Umlagen bis zur Höchstgrenze zu erhöhen. Nach abgesührter Debatte wurde beschlossen, das Material, welches vom Bcratnngskörper srrliggestellt worden ist, cinein parlamentarischen Siebene eausschnß zu überweisen, welcher sich mit der Frage der Sclbstvrrivaltunqsfinanzrn beschäftigen wird. Tie Tätigkeit des Abgeordnetenhauses im Jahre 1983. Zum Schluß der gestrigen Parlaincntsjipung gab der Vorsitzende Ttanök eine liederlich! über die Tätigkeit des AbgrorSncrenhanies in dem Jahre 1933. Es landen 75 Plenarsihungen statt tebrnso viel wie UN Jahre vorher!, ferner 134 Ausschuß schlingen und 12 Sizuuigen von Sudkomilccs Tas Präsidium hielt 60 Sitzungen ab, neun writere Präsiknal-Siyungen worin gemeinsam mit dem Senolspräiidium: Klubodmännerkonsrrcnzcn wurden drei obgchaiien. Im Truck verteilt wuroen: 38 Negicrungsvorlagcn, 16 Acnoisbcichlnsje, 73 Jnitiotivanträge, Ausichußberichic 116 in 95 Drucken und ein mündlicher Bericht, scrnrr 21 dringende und 353 gewöhnliche Interventionen in 37 Drucken. Iilierpcllalionsbconnvvrtungcn gab es 355, die in 48 Drucken zusauiütengefaßt waren. Im Plenum gab cs 169 Anfragen, Antworten sogar 216. Im Plenum verhandelt wurden 42 Regierungsvorlagen und fünf Regicrungserklärunzen, wobei insgesamt 417 Redner sprachen. Bor kurzer Zeit wurde F. Pochylx aus dem Dorfe Dcrsle bei Ung. Hradisch in das Institut für Geisteskranke cingelicfcrt. Pochyl>- war wäh- « reud des Krieges von der Front geflüchtet, entwendete irgcndivo die Uniform eines Husaren- o f s i z i e r s und lebte einige Zeit in Pkcrov. Später verschaffte er sich die llniform eines Oberstabsarztes(Oberst) und nahm in den militärischen Kraukeirbararkeu in llng.-Hra- di sch Inspektionen vor. Bei diesen Inspektionen war er gegen Personal, Aerzte nnd Pflegepersonal sehr streng, den Patienten gegenüber 'zeigte er sich sehr nachsichtig. AIS Pochyl>' die Krankenbarackrn verließ, erkannte ihn ein Poli- zeiinspcktor, der zufällig dort in der Nähe weilte. Pochyl.v wurde verhaftet und vor das Kriegsgericht gestellt, nach den Gutachten der Aerzte aber dem Irrenhaus überstellt. AIS er aus T a gesneuigkeiten Auto vom Zui zertrümmert, zwei Verwundete. Prag, 20. Dezember. Die Staatsbahndirek- tion in Königgrätz verlautbart: Am 19. Dezember durchstieß um 17 Nhr 20 Minuten das Personenautomobil I' 5118 den Pfosten der Eisenbahnschranken in Kilometer 25.800 zwischen Iung- Bun; lau Hauptbahnhof und Dobrovice, worauf eS mit dem Zuge Nr. 316 zusammenstirß. Der Kraftwagen wurde zertrümmert und die in ihm sitzenden Personen, der Elektrotechniker Josef Kutina aus Prag Vlll, Ziitory 1033, und der Direktor einer Prager BerkansSstelle, Anton S i m m e, wurden verwundet und Ino Krankenhaus nach Jung- Bunzlau gebracht. Ter Perfonenzug Nr. 316 erlitt eine Verspätung von zehn Minuten. Ein Prager Laboratorium explodiert. Am DienStag ereignete sich im Laboratorium der Apotheke Josef Dittrich, Prag-Kleinseite, cm« schwere Explosion. Der Ingenieur Partl, der ein Präparat herstellte, wurde an ein Eifengitter geworfen und schwer verletzt. Die Laboratoriiun- fcnstcr wurden zertrümmert, die Einrichtung teilweise vernichtet. Die Flammen schlugen zu den Fenstern hinaus. ES stellt sich heraus, daß sich der erst em- uuddrcißigjährige Ingenieur Partl der Gefähr- lichkcü seines Versuchs betvußt war. Er arbeitete erst im ebenerdig gelegenen Laboratorium, begab sich aber auf die Bitten der Gehilfinnen in di« Räume des zweiten Stockwerkes. Das Experiment beaufsichtigte er von der Veranda aus. Als er sich ins Zimmer beugte, erfolgte di« Explosion. Partl schlug auf dos Gitter der Veranda auf. Partl wurde von der Rettungswache geborgen. Er schrie vor Scknnerzen nnd bat, ih>n die zersetzte .Hand sofort abzunehmen, bei er mit starken Gifte» gearbeitet habe. Zunächst wurde Partl in di« Augenklinik geschafft, da er schwere Verletzungen a» den Augen erlitten halte. Es bestehl di« Hoffnung, daß er das Augenlicht behalten wird. Di« rechte Hand wurde ihw beim Knöchel amputier!. BestAlgtes Todesurteil. Brünn, 20. Dezember. Heuer im Mär; hatte in T r o p p a u Johann Schwarz den Bäcker Frenh crschosicn, mit dessen Fran er ein Liebesverhältnis unterhielt. Bon dem Schwurgericht tn Troppan war Schwarz am 17. Ium d. I. zunl Tode durch den Strang verurteilt worden: die Gattin Frentzs Julie erhielt wegen Teilnahme drei Jahre Kerker. Gegen das Urteil brachten die beiden Verurteilten die Nichtigkeitsbeschwerde rin, über die heute das Oberste Gericht in Brünn verhandelte, daN die Nich tigkeiisl'i schwerdc Schwartzens verwars nnd das Tod-'siilteil in volleni Umfang bcstätiqre. Ter Richtigkc'tsbesch werde von Fran Frenh gab aber das Oberste Gericht statt und verwies die Angelegenheit a» das Schwurgericht in Troppan zur neuerlichen V c r h a n d l u n g zurück. Selbstmord e'ner MnttSplloen Kamille. Ess«». 20. Dezember. I» der Wohnung der Familie Wilhelm Fischer in Milsipe in Westfalen fand man den Ehemann Fisckier und die ältere Tochter tot auf, während di« Mutter und zwei weitere Kinder noch Lebenszeichen von sich gaben. Die Mutter wurde mit den Kindern sofort ins Krankenhaus gebracht, wo inzwischen eines g e st o r b c n ist- Man hofft, dir Mutter durchbringen zu können. Der Zustand des anderen Kindes ist besorgniserregend. Es tpird angenommen, daß sich die Familie vergiftet ha«, doch konnte die genaue Todesursache bisher noch nicht festgestcllt werden. Schwere Schneeschllven in Italien Rom, 20. Dezember. Die in ganz Norditalien niedergcgangcncn Schncemassen haben in einzelnen Städten große Schäden an den Ban lichkcitrn verursacht. In der Stadt Adria wurde durch die Schncemassen das Gebäude deS Stadttheaters vollkommen zerstört. Der älteste P a l a st in der Stadt B e l l u n o mußte infolge der gewaltigen Schuccniasscn einer der Irrenanstalt cnllasscn wurde, stahl er irgend- ,wo ein P r i c st c r g c w a n d und gab sich als Geistlicher, besonders in der Zeit der Wallfahrten zum hl. Anton, aus. Nach dem Umsturz bekam Pochyl;' eine alte Gcndarmericuniform. Er nähte sich die Distinktion eines Gendarmerie w a ch t m c i st e r 8 an, verschaffte sich dazu eine Grndarmeriediensttasche und einen Be- stätignngSblock, mit dem er an Straßenkreuzungen 5 lls-2trafen für schnelles Fahren von den Automobilisten einkassicrtc. In den letzten Jahren ließ sich Pvchylv aber eine ganze Reihe von Diebstählen zuschulden kommen, wobei er auf seine Strassreiheit baute. Tein stille» Narrentum verwandelte sich zeitweise in gefährliche W.utauS- brüchr, weshalb er wieder dem Irrenhaus überstellt wurde. Fcucrsbrunst überlassen werden, durch d> er vollkommen vernichtet wurde. Ein heftiger Schneesturm zerstörte in der Stadt Bari die berühmte dortige Krypta. Yin Schacht unter« Hammer... Brüx, 20. Dezeinber. Die der Union G. m. b. H. in Prag gehörige Grube ,,A n n a" bei T r u p s ch i h gelangt am 30. d. M. zur gerichtlichen Versteigerung. Der Schätzwert der Gründe, Gebäude und des Inventars beträgt 5,009.625 llk, der AuSnifSpreis 3,339.750 Kc. . Weitere Frostmilderung. In Böhmen stiegen gestern die Temperaturen stellenweise bereits etwas über den Gefrierpunkt. In der Ostslowakei und in Karpathorußland dauern noch st r e n g e F r ö st e an. Die Temperatur in Prag betrug g c st c r n früh: plus 1.0 Grad, das Miuimum der letzten Nacht betrug—3.4 Grad Celsius. Wahrscheinliches Wetter morgen Donnerstag: Vorwiegend bewölkt, ohne bedeutende Niederschläge, in den Sudclcnländern Temperatur nahe dem Gefrierpunkte, im Karpathcngebictc vom Westen her fortschreitende Frostmildcrung. Ernennung. Der Minister für Schulwesen und Volksknltnr hat mit der Inspektion der gewerblichen Fortbildungsschulen im Inspektionsbereich Aussig den Genossen Professor Paul F ü r st c n a n, Reichcnbcrg, betraut. Der Jn- spektionsbereich umfaßt die deutschen griverb- lichrn Fortbildungsschulen in dem Gebiete zwischen den Bezirken Tetschen und Karlsbad. Der tschechische Sprachunterricht in ben deutschen Volksschulen Böhmens soll laut Beschluß des Landesschulrates iiu nächsten Schuljahre(1934—l935). in der dritten Klasse beginnen.— Der Deutschunterricht in den tschechischen Volksschule» Böhmens wird in der vierten Klasse beginnen nnd in drei Wochenstundcn erteilt werden. Eckte Ausnahme kann nach lokalen Bedarfsfälle» erteilt werden. Ebenso soll der Lokalbcdarf im llntcrricht selbst berücksichtigt werde», wobei— wie beim Tschechischunterricht in den deutschen Schulen— das Lehrziel dahin bestimmt ist, dem Schüler das Sprechen über die Dinge und Personen seiner Umgebung in kurzen Sätzen beiznbringen und sic befähigt machen, solche Sätze richtig zu lesen und zu schreiben. Ebenso soll mit den tschechischen Schülern die deutsche Kurrentichrist geübt werden. Derhostung eines Prager deutschen Hoch- schülerS. Tie Prager Polizeikorrcsponven; teilt mit: Im Zusammenhang mit der Untersuchung der gesetzwidrigen Tätigkeit der Angehörigen der aufgelösten deutschen nationalsozialistischen'Arbeiterpartei wurde in der Wohnung deS Hörers der deutschen Technik in Prag, Walte r H o r n s ch i l d, eine.Haussuchung vorgcnom- men. Ter Genannte wurde nach Prüfung deS belchlagnahnnen Materials und nach einem Verhöre unter dem Berdachte von Straftaten nach 8 2 und 17 deS Repiiblikschutzgesetzes verhaftet und in die Hast deS Kreisstrasgerichtcs in Prag eingeliesert. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Die Lage der Hochschulassistenten. Mittwoch sand im Ministerium für Schulwesen und Volks- aiesklärung ein« Enquete über die Regelung der rechtlichen und materiellen Stellung der Hoch- schulassistentcn statt. Die Enquete batte Minister Dr. Dörcr cinberufcn. Allgemein wurde die unhaltbare materielle Stellung des jungen wissen-, schaftlick)cn Nachwuchses festgestellt und in der vierstündigen Debatte die Richtlinien der künftigen Regelung vereinbart. Nach Neujahr wer- drn ähnliche Verhandlungen in B r ü n n nnd Prcßburg stattfinden. Vermißt. Ter im Jahre 1003 geboren« Elektrotechniker Franz Kunz, wohnhaft in Drahowitz, ca. 184 Zentimeter groß, ovaler Gesicht, graue Augen, dunkelblond, im linken Unterkiefer einen Goldzahn, ionst gesunde Zähn«, gekleidet n blauem Ueberzlcher, braunem Anzug mit langen Hosen, Pnllovenveste nut Reißverschluß und Mnter- jchuhen,.ging am 18 Dezember vom Haus« weg. angeblich, um zu einem Arzt zu gehen. Er ist seil dieser Zeit verschollen. Zweckdienl'ch« Angaben sind ar- da» staatliche Polizeikommissarial Karlsbad zn richten.■, Batermord. Der 18jährigc Sohu des Bürgermeisters von Rodl)ei>n, Robert F a u l ft r o h, hat am Dienstag nachmittag nach ciüer Auseinandersetzung mit seiner Mutter den herbeieilenden Baler mit einer Arinccpistvle erschossen. Der Mörder wurde sestgenommen. Baler und Tochter. Wie die Blätter an» Mrskolcz melden, wurden in der Gemeinde der Landwirt Miknyoci und seine 10jährige Tochter'tvt aufgefunden. Ter Schädel des Mädchen- war mit einer A x t zertrümmert, der Landwirt hat sich selbst mit einen« K ü ch e n in e s s c r den Hals durchschnitten. Miknyoci sollte sich übermorgen vor dem Gerichte woge» einer Anzeige seiner eigenen Söhne vor dem Gericht verantworten, weis er die eigene Tochter mit Liebcsanträgen vcfolgle und ihr gegenüber Gewalt a n g c w c u de t haben soll. Miknoyci ist seinerzeit schon verhaftet worden und erst seit einigen Tagen ans der Untersuchungshaft entlassen worden. Keine Ruhe in der Kirch«. Dec Führer der „Deutschen Christen" in Berlin, Dr. Kraule, einer der extremsten Vertreter seiner Gruppe, Veranstaltet große Kundgebungen in den verschiedensten Bezirken Deutschlands. Er will eine „Bewegung für die Kirche des Deutschen Bol- kcs", deren Devise sei:„Eine Nation, ein Reich, ein Gesetz." Postlerstreik in Griechenland. Die griech'- schen Postangestellten haben den Streik ousge- rnfen. Sic fordern eine Erhöhung der Löhne und der Gel-älter. Die Telephon verbin- düngen sind unterbrochen; die telegraphischen Verbindungen hält eine Privatgesellschaft aufrecht. Die Regierung wird sämtlich« griechischen Post- und Telegraphen, angestclltcn auffordcrn, die Arbeit sofort wieder aufzu nehmen. Ein SA-Mann überfallen. Ter SA-Mann Ewald Zeitz wurde am Dienstag Abend auf einem Feldwege Meschen Rotthausen und Ueckel- dorf überfallen und durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt. Drama im Hotel. Eine blutige Tragödie spielte sich Dienstag Mitternacht in einem Hotel in Berlin ab. Dort hatte der nach Berlin zugereiste 25jährige Fritz Baum zusammen mit einen« Straßenmädchen ein Zimmer gemietet nnd dann dem Mädchen mit einem Messer eine schwere Schnittwunde am .Halse beigebracht, an der cs kurz darauf vcr. st a r b. Als der Mörder sah, was er angerichtci hatte, schnitt er sich mit dem Messer die Kehl« durch. Sin Mesner schändet dreißig Schulknaben. Die Gendarmerie in Tragöß(Steiermark) vcr.. hastctc den 53 Jahre alten Mesner Josef Anncr ivegen Schändung und Notzucht wider die Natur. Anncr verging sich an nicht tvenigcr als dreißig schulpflichtigen Knaben im Alter von neun bis vierzehn Jahren. Wie die Erhebungen der Gendarmerie ergaben, reicht sein Treiben auf drei Jahre zurück. Nlehrere der von Anncr mißbauch- len Kinder sind erkrankt. Er verging sich an den Kindern teils in seiner Wohnung, teils in der Sakristei, wohin er sie lockte. Die Kinder scheinen aus Angst, der Mesner könnte sic an» zeigen, b>A)er geschwiegen zu l>abcn. In der Bevölkerung s)erri Die Kataloge schon bestellender oder schleunigst ucttgegrün- deter Konjunktur Verlage kundigen zu Weihnachten 35 neue O Bücher über die Geschichte der als 100 Biographien über die andere Parteiführer an. Als crscl-einen„Gcländesport und Schule lesen und Entferiiungsschätzen für 2 Jugend",„Der deutschen Jugend „Der deutsche Sturmtrtipp",„Tic junge tion",„Kalender des Hilfsbundcs für den Wehrsport",„Tie bündijchc Erziehung". Der„Fog genreitcr Verlag" empfiehlt zu Weihnachtctt auch den Erwerb feiner kleineren Jugendbroschnren, betitelt:„Wchrsporttascl",„Schicßlistcn",„Befehls- und Kommandotafeln"(„amtlicher Wortlaut der Kommaildos"i. Für die Erwachsenen gibt cs aitdcre Wehr- büchcr zu Weihnachten:„Das deutsche Heer (ein Buch des Stolzes, ein Buch der Hoffnung!", „Gaskantpf und Luftschutz",„Giftgas! Und wir?",„Wehr Geo Politik",„Lnsigrsahr und , o Luftschutz",„Wehrwende". Der Verlag Tiestcr- bewirkren, daß di« Pest in Europa immer seltenerjwcg setzt sich für eine Serie ein, betitelt„Deutsch- laud fordert Gleichberechtigung". Herausgeber ist Major Wcbcrstädt— berüchtigt als Zeuge im Leipziger Prozeß—, Präsident eines„Reichs bundeS für deutsche Sicherheit". Die Schriften der Serie tragen folgende Titel:„Der Frciveits- kampf dcS deutschen Saarlandes",„Der Kamps um den Rhein",„Lustgcsahr und Luftschutz". „Das Grenz- und Auslands Deutschtum". Die Hanseatische VcrlagSanstalt zeigt au: „Wchrgcdanken",„Grundzügr der Wehrpolitik", „Deutschland zwischen West und Ost" Der Georg Stalling Verlag— in „Wchrwisscnschafl von Pros. Bens« ist—, schenkt zu Weihnachten eine „Geschichte der deutschen Regimenter bisher-100 Bände erschienen sind. zeigt er das Buch an: Grundlage der Nation". Verlag in Breslau preist sein schcnkbuch„Krieg als Saat" von nant Horst v. Metzsch so an:„Mit stilistischer Feinheit wird entwickelt, nationalsozialistische Bewegung ein Erbe aller Kricgsbcwährung ist" Außerdem erscheinen Dutzende von Büchern über die künftige Befreiung der Saar und der Sndetrndrutschen, auch eilt Buch„Deutschland und der Korridor", von dem es in der Ankündigung heißt:„Der- Korridor muß fallen, damit neues Recht nnd ein neues Gesetz der Ordnung den Osten befreit." An besonders literarischen Leckerbissen kündigt der Wcihnachtsmarkt eine völlige Neubearbeitung der„Protokolle der Weisen von Zion" an, die der Chef des Außenpolitischen Amtes der NSDAP und Chefredakteur des„Völkischen Beobachters", Alsrcd Rosenberg, persönlich vorge- nommen hat. lieber die„Rassen" erscheint eine Flut von Büchern:„Kunst und Rasse",„Musik und Rasse",„Kultur und Rasse",„Seele nnd Rasse",„Stil und Rasse",„Vererbung und Rasse" und so fort. All das bedeutet nur einen kleinen Ausschnitt aus dein Litcraturwahn dcS Tritten Rri- ches. Wägungen machen es verständlich, warum in Indien di« Pest noch immer nicht auszurotlcn ist. Die Entdeckung des PostbazilluS war aber nur ein kleiner Schritt vorwärts. Im Jahre 1913 macht« bann der Direktor des Hamburger Hghien'schen Institute?, Professor Dum dar, eine weiter« bedeu- tende Entdeckung. Dem Gelehrt«« gelang es in Java seslzustellcn, daß Pestbazillcn nicht nur die Körper der Kranken, sondern auch verschieden« Lebensmittel enthalten. Die Uobertragung der Pest geschieht also nicht nur vonc Krairkcn zum Krank««, sondern mittels der Tchiinmelpilzc auch durch gewiss« Sorten von Lebensmitteln, besonders von Reis. Dieser Umstand ist auch«in Grund-dafür, daß in China immer und imnrcr wiAxr Peslepideinicn wüt«n. Innerhalb sieben Tageir nach d«r Ansteckung pflegt di« Pest auSzubrechen. Diese Jnkubiiiationszelt dauerc oft irur zwei bis siiirf Tage, selten bis 15 Tage. Die ersten Au Zeichen der Pest sind: hohes Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen und«in hoher Grad von Apathie. Die Pestbeule-,(angeschwollene Lvurphdrüsen) cr- scheinen an den verschiedeirstcu Körperteilen, schwellen an und erreichen selbst die Größe eine» Taubeneies. So die Beulenpest. W« Lungen pest, die auch durch Husten nnd Niesen verbreitet wird, ist weit gefährlicher. In der Regel verläuf, die Krankheit innerhalb ein biö pve! Tagen tödlich. Interessant Ist es auch, daß di« Beulenpest fast imncer in den Sommermonaten austrat. Die ärztlich« Wisfen'chaft kennt noch keine sicheren Mittel gegen dies« Gefahr. ES gibt zwar ein« Art Impfung, aber bei der Lungenpest ist auch diele Impfung ergebnislos. Di« einzige Möglichkeit ist die streng durchgesührt« Ouarantäne. Die Pest bat übr'gens nach Europa zwei Dege- Der«ine führt durch den Suezkanal und das Niltal, der andere ist der Weg der Karawanen aus Asien bis zum Schwarzen Meer. Man muß also dies« Knotenpunkte, di« EinsallStor« sorgsam überwachen, um auf diese Weise der Pestgefahr zu steuern. Um dies zu erreichen, wurden zahlreich« internationale Pe stko n fe re nze n abgehalten. Eine der ersten tagte im Jahre 1897 in Venedig. Tie Regierungen aller europäischen Länder de- sprachen dort die notwendigen Slbtoehrniaßnahmen. Es wurde ein« Pestkonvcntion beschlosien, der sämtliche europäischen Staaten beitraten. Zur Durch- liihrung dieser Konvention wurde in Konstantinopel cin„Conle'l supsrieur de santö" gegründet. Die Aufgabe dieses Rates ist, die bruchspforte ans Indien nach Im Jahre 1911 wurde nach internationale Pestkonferenz hauptsächlich mit der chincsi-chcn Pest befaßte. Die streng durchgeführten Abwehrmaßnahmen ©elfe it. ftoitttttffaft ff. LezemSer 1088 jfr. 298 Literatur eine UJeihnachtsbüchef* Kunst und Wissen prominenter gegen Rote Düna neue -Rus der Partei uni II „Eozlaldemolrai" UN- I»«»««« ZEITlNfi. Schweiz. Für die Schwimmer und Statistik der Methusalem«, Ltach vme-m Bericht des Londoner„Daily Hevald" ans Sofia leben in Bulgarien 158 Menschen, die das Alter von hutldert Jahren bereits überschritten haben. Man hat gründliche Erhebungen über diese Personen angestellt, von denen 85 männlich und 72 weiblich sind. Noch ihren Berufen geordnet sind 69 Schäfer und Schäferinnen, 48 andere Landarbeiter, 18 gehören zum Gesinde und 15 sindHausfrauen. Biele von diesen uralten Leuten haben nodj in hohen Jahren Nachkoinmen erhalten. 41' waren über 65, 2f über 70, 9 über 75 und zwei sogar über 80 Jahre, als ihnen noch Kindersegen zuteil loirrde. Eine Anzahl der so alten Ivanen haben Viole Kinder geboren: 8 Fronen je 9, dvoi je 10, 4 je 13 und 2 je 16 Kürdcr. lieber die Lebensweise ist festgestellt worden, daß 33 dieser Senioren nur Tee, aber keinen Alkohol trinken, 125 jedoch auch Alkohol»n inäßigen Mengen zu sich nehnren, 48 rauchen. Die Gemütsart dieser alten Leute wird begreiflicher tvoise als durchtvegs ausgeglichen bezeichnet. Sie leben sänrtlich einfach, essen sollen Fleisch, dagegen in der Hauptsache Pflanzliche Kost, Käse und Brot. Auch ihre Eltern und Großeltern haben die durchschnittliche Lebensdauer ihrer Landsleute weit überschritten. ihren Veranstaltungen endlich wach E. I. italienische Schauspielerin, die seiner- Ausloiid berühmte Venetianerin die im 83. Lebens- in Dr. Zeigt am Hung- WOS,„Das immer dank- des sich und Der Kamps einer Republik. Das große historisch- ' dokumentarische Werk Wilhelm Herzog-, dal er in mehr als dreijähriger Arbeit vollendete, zeichnet die politische, soziale, geistige und kulturelle Bewegung, die durch die DreyfuS-Affäre vor dreißig Jahren in Frairkreich ausgelöst wurde. Aus einer urrgeheuren Fülle von Geschäsuissen, Kämpfen, Prozessen, diplomatischen Akten, Briefen, Tagebüchern, Gehoimtelograiitmeu, GerichtSprotokollen und Zeitungsaufsätzen ersteht das einzigartige Bild einer Epoche, ihrer politischen, geistigen und sozialen Kämpfe. Es ist die heroische Periode der dritten französischen Republik. Ei» ganzes Voll ist der.Held dieses ungeheuren Dramas, das über sich hi nauS- ivuchs und ganz Europa aufhorchen machte. W'lhelm Herzog gibt in diesem Buch auf Grund wissenschaftlicher Erforschung des gesantten Materials, der Quellen und der Dokumente sowohl wie mündlicher Berichte von noch lebenden Zeitgenossen, die Geschichte aller dieser Kämpf« dergestalt, daß ein getreues Abbild jener heroischen Periode entsteht, die ein Kampf um die Republik war und mit dem Sieg der Republikamr gegen die Feinde der Republik endete. Ungewöhnlich fesselnde Zeichnungen, Porträts und Karikaturen, die Herzog in den Zeitschriften und satirischen Blättern der danialigen Epoche aufgestöbert hat, Bildern von Steinten, Forain, Caran d'Ache n. v. a, geben dem Buch einen besonderen Reiz. Mit diesem Werk glaubt die B ü ch e r- gilde Gutenberg, Zürich, Wien, Prag II., Smeöky 27, nach einer kaum mehr Überblickboren Dreyfus-Literatur die abschließende Darstellung der „Affäre" zu geben. Darüber hinaus ist Wilhelm Herzogs historische Arbeit ein Buch von verblüffender Aktualität. Obwohl oder gerade weil Herzog es vermeidet, die zahllosen Parallelen zu unserer Zeit zu unterstreiche». Angesichts der Bedeutung des Buches legte die Büchergilde Wert darauf, es möglichst breiten Schichten zugänglich zu machen und hat trotz dem Riesenumfang von fast 1006 Seiten de» Verkaufspreis für das in Leinen gebunderre Exemplar für Mitglieder auf nur Kt 37.50 festgesetzt. Palästina-Bericht eine- Richtjuden. Von Kurt Stechert. Verlag E. Prager, Wen 1. 826 Seiten Preis Ms. 2.—, geb. Mk. 3.—. Kun Stechen har als Sozialist uird Nichtjude Palästina, auf dessen Boden Engländer, Araber und Juden ringen, bereist und war bemüht, es mit„unparteiischen" Augen zu ehe«, es ohne leidenschaftliche Einstellung, die so viele Berichte über das„heilige Land" aufweisen, zu erleben. Was er in dem Buche gibt, ist kein bloßer Reisebericht, keine äußerliche Schilderung von Eindrücken und Erlebnissen, sondern der Derlosskr sucht die Seele des Landes und seiner verschiedenartigen Bewohner zu erforschen, die Triebkräfte der Kämpfe, von denen es erfüllt ist, die Gegensätze, d'e das Land in ständiger Gärung hallen, zu ergründen. Frisch und anregend geschrieben enthält das Buch, das wirklich objektiv zu sein bestrebt ist, viele wertvolle Beobachtungen und kluge Gedanken. Es berichte! vom Kampfe der„vier Fronten", das ist vom Kampf der Engländer um Palästina, von der Raiio- nalbewegung-er Araber, vom Hader und Kampf unter den Zionisten und von der Klassenbewegung des jüdischen Proletariats. ES schildert auch die Ansätze zu einer Arbeiter» und Bauernkollekrive, die genossenschaftlichen Ansiedlungen und weiß auch v'el des Bemerkenswerten über das Leben der arabischen Bevölkerung und der jüdischen Ansiedler zu erzählen. In der Palästina-Literatur wird das Buch durch seine guten Beobachtungen, durch seine Objektivität, aber auch durch sein Eindringen in'die Fülle der äußeren Erscheinungen einen hervorragenden Platz einnvhnien.—r. Bon der Prager Deutschen Musikakademie. Während die Prager Teulsche Musikakademie ihre öffentlichen Musikabende bisher gemeinsam mit dem BolkS- bildungsiustitui„Urania" veranstaltet, hat sie diese Heuer in eigener Regie ins Werk gesetzt. Der e r st e öffentliche M u s i k a b e n i> in der heurigen Saison sand Montag abends im Saale des LyeeuniS statt. Er diente der folistischen Konzerllunst, und zwar sowohl der vokalen, alS auch der instrumentalen. TaS stilvolle klassische Programm deS Abends enthielt Rlavierkompositionen von Franz Schubert und Ludwig van Beethoven, ein Geigen-Duo und«ine Flöten-Svnate von Jos Haydn, eine Arie aus desselben Tonklassikers Oratorium„Die Jahreszeiten", Lieder von Schubert und feiten gehörte Lieder und Gesäuge der beiden, ganz in Vergessenheit geratenen, einst hochbedeutenden deutschen Licderlomponisten aus der Goethe-Zeit Joh. F. Reichardt und Joh. R. Z u m st e e g. Die durchaus saubere und passionierte Ausführung des Programmes— besonders rühmend hervorzuheben sind diesmal die ausdruckssichere und gesühlsreiche Sopranistin Liest K a d L r a und der technisch gewandte Pianist.Heinrich Berg— legte neuerdings Zeugnis ab von der ausgezeichneten pädagogischen und künstlerischen Tätigkeit der Deutschen Musikakademi« und der an ihr wirkenden Lehrkräfte, Bleibt nur zu wünschen, daß auch das Interesse der Prager deutschen Oefsentlichkeit an der Akademie und werden würde. Die älteste zeit auch lm Elektra Brunini, jähre steht, hat minmehr in Bari di« Hauptrolle ihres seinerzeitigen LiebkingsstücktzS,„Der Schuldner Indre WS HAVIH9KA3 Ausstellung: Oskar Kokoschka, lGalerie Dr. Feigl.) Anläßlich der Anwesenheit OSkar Kokoschkas Prag veranstaltet die Galerie~* mannplatz eilte Ausstellung von 14 Bildern, Zeichnungen und Lithos des bekannten Künstlers, der auch in unserem Staat eine Reihe Persönlichkeiten porträtieren will. Das erste Bild aus dem 2ahre neugeborene Kind", bringt die bare Jdoe des Jungen, Werdenden, seines Lebens noch nicht bewußten Wesens, das alle Geheimnisse um sich, noch in sich schlumniern fühlt, ein zerbrechliches Etwas, nur erhallen und geschützt von zwei Händen: Sen Händen der Eltern, Sie in wunderbarer Kontrastierung denselben Grundgedanken wiederspiegeln: liebend zu beschützen. Es ist kein bloßer Zufall, daß Kokoschka in der früheren Zeit seines Schaffens solche Ädern sucht. Dieser Vor- waird ist nichts weiter als der Ausdruck seiner damaligen Kunst, einer etwas fragilen, zarten, in Pinsekführung, Farben und Formen,«ebung durchaus fraulichen und wenn man fo lagen darf „leichten" Kunst. Schon das nächste Bild, zeitlich aus dem folgenden Hahr stammend und ein Männerporträt darstellend, zeigt die Vermännlichung der Stils von Kokoschka Altes wirkt düsterer, herber, vielleicht auch ettvas verinnerlichter. Ein Frauenporträt, in demselben kraftvollen Stil gehalten, wenn auch nicht ganz so ansprechend— Frauenporträts lagen Kokoschka in dieser»ach Konturierthe!« und Klarheit ringenden Zeit natur- gemäß nicht so sehr—, bildet den UeHergang zum stärksten Erlebnis dieser ganzen Ausstellung, jun« Gemälde vom„Irrenden Ritter"(1015). Ein Remarque der Malerei: die Figur des durch Krieg verdorbenen, enttvurzelten Menschen, des Menschen, dem seine Ideale einstürzen, dem keine Hofsnung aus ein besseres Morgen bleibt. Und Sehnsucht, viel Sehnsucht liegt in jedem Pinselstrich: ein Befreitwerde nw oll en mit den« Unterbewußtsein der Uir- möglichkeit. Soll man diesen und den nächsten'Abschnitt Kokoschkas, der mit einem Fachausdruck als„figuraler Erpressiouisnius' bezeichnet wird, als feinen Höhepunkt hinstelle» oder soll man die seit 1020 eintretende färben« und motivprächtigere Periode als solchen ansprechen'? Heute Sitzung des BezlrksbildungSauSschusseo 19 Uhr in der Redaktion des„Sozialdemokrat" Attgenvbewegnn«. S. 3. II und lll. Heute, 8 Uhr, im.He'm der A. I. II: Vortrag über de» Reichstagsbrandprozeß, Eigentlich eine müßige Frage oder besser Frage der persönlichen Einstellung deS Beschauers. Die in der Prager Ausstellurig gezeigte««-Gemälde aus Sen Fahre«« 1930—< V3:.„Konstantinopel",„Rapallo",„St. Margarita",„London" und„Men" strömen über vor Farlvnpracht, vor Leben, vor Raturenrpsinden und Weligesühl Hier wird dem Beschauer truickeneS, nnbeküminerles Leben geboten; vielleicht bringt Kokoschka ans bervnßter Auflehnung gegen die drückenden Sorgen deS Alltags diese Kunst deS unbedingten Hasagens zur Welt, in« Gegensatz zu feiner frühenen, etwas problematischeren und gedanklich ernsteren. ES ist, jedenfalls AufsassungS- und Tenrperauwnlssache, hier««« oder dort den Höhe» punkt des Künstlers zu sehen. Der Lithos„Bier Schwestern" und die großen Röielzeichnu>«gen„Göttinnen Griechenlands" bilde» den Abschluß dieser ungemein sehenSiverten Ausstellung, die nicht nur starke Eindrücke zu gaben imstande ist, so,«der«« auch lehrreich den fchritnveiseii Ilebergang eines Künstlers vom figuralen Expressionismus zum reinen Farbenbild deinonftriert. Wie denn Kokoschka überhaupt einer der Dandlnngsfähigsten unserer Zeit ist, einer, der sich in keine Jett uird Farn« dränge«« läßt, dem ma>« leinen Fachausdruck zu Unrecht und keinen zu Recht geben kann. Kokoschka ist sowohl Expressionist alS auch Impressionist; er»«acht alle diese.„Kunstrichtungen" irgendwie mit und läßt ihren Eiirftuß in seinen Werten deutlich erkennen, aber er bleibt — und da- ist seine größte Stärke— nie bei einem einmal gefaßten Leisten. Er wairdvlt sich daueriw, er muß sich jo wandeln, da er Kürrstler ist und alS solcher nur keinen«, Wandlungen unterworfenen, Gefühl gehorche«« muß. R- F. Im Borlibergehen..- Von Ludwig Spitzer. Braver Drahtbinderjunge. Hernrichsgasse, Spätnachinittag. Kalter wirscher Tag, der die Passanten zu„Tchnelläuserir werden läßt. Sehr viele in warmer, winterlicher Kleidung, die inlnierhin die Kälte ein wenig abzuhalten vermag. Sehr viele i» warmer Kleidung... fo manch armer Teufel aber iin dünnen, fadenscheinigen Rock, bibbernd vor Kälte. Ai« einer Ecke ein altes Mütterchen mit weißem Haar. Zusammengekauert lehnt sie an der Mauer— und stiert. Ihr' schüchteri« ausgestreckte magere Kreifenhand— vielleicht die Hand einer Muller, die von früh bis spät abends für ihre Kinder gearbeitet und nun, schwach und«niidr geworden, ein das Mitleid hilfswilliger Menschen appellieren muß,«veil das Schicksal ihr nicht den Trost sorgender Angehöriger vergönnt«— ihre schüchtern ausgestreckte Hand empfängt selten nur ein paar Heller. Ta— ein Drahtbinderjunge naht— auf seinem jungen Gesicht jenen Zug der Frühreife, mit dem die Rot des Lebens die Züge armer Kinder gar ost zu zeichnen pflegt. Auch er friert in seiner nichts«veniger als wintergemäßen Kleidung. Aber noch ist er jung und so leidet er unter der Kälte doch nickit so wie jenes alt« Mütterchei« da an der Ecke. Jetzt steht er sie auch. Und, was so viele Passanten nicht taten, er der Großnrutter" von Galli«w, gespielt. Die greise Künstlerin stand bereits volle 17 Jahre nicht mehr auf den Brettern. Wochensp«lplan deS Reuen Deutschen Theater-. Donnerstag, 7% Uhr:„Garten Eden."(E 1.) — Freitag, 6% Uhr:„P ünklch« n und A n t o n."(D 2.)— Montag, 2% Uhr;„P ünkt- che» und Anton." 7'A Uhr: Erstaufführung: „Zwei Herzen im Dreivierteltakt."— Dienstag, 11 Uhr vorn«.:„Pünktchen und An i o ii," 2% Uhr:„Ball i m Sa v o y." 71/., Uhr: Eusemblegastspiel Durieux, Basser,nann, Deutsch, Moissi:„Don Carlos."(Abonn. ausgech.) Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Donnerstag, 8 Uhr„Illustrierte Zeitung."(Bankbeamte und freier Berkaus.)— Freitag, 8 Uhr: Illustrierte Zeitung." Kukttirvevbandssreuriöe— Montag, 3 Uhr:„All«z hopp." 7'A Uhr: Erstaufführung: „Die R e g i in e n t s t o ch t e r."— Dienstag, 3 Uhr:„Der Garten Eden." 7'A Uhr: Urauf, sührung:„Die schönste Ehe." 'L z.T"' Dr.«zeinber abgefertigt werden, gelöst wurden, bis einschließlich 6. Hanner verlängert ha«. Ties« Fahrkarten gelten für die Rückfahrt in den Tage», an denen keine Sportzüge verkehren, auch für die Fahrt mft den regelmäßigen Zügen nach dem Fahrplan über Turnau als auch über Ehlumetz jvon Polaun nur über Turnau), und zwar für Personenzüge ohne Zuschlag, für Schnellzüge oder beschleunig«« Züge nur dann, wenn für die niit dem Schnellzug oder rnit dem beschleunigten Zug durchfahrene Strecke ein entsprechender Zuschlag si"tr die genannten Züge bezahlt wird. AM" MI- Körpernnene Der Bundestag des lettischen Arbeitersportbundes findet am 4. Feber 1034 statt. Eine Reihe organisatorischer Fragen und die Stellung der Regierung zum Arbeitersport werde«« den Hauptteilt der Tagung«innehmen.— Der Arbeitersamariterbund jst begründet worden. Als Vorsitzender wurde Dr. 2. Lietvieti gewählt. Ter Antrag um die A u s n a h u« e in die 3 A S I.«st an das Büro der Internationale gestellt worden.— Der Eis- Hockeys Port ist im vollen Gange. Sonntag, den 17. Dezember, begannen die Serienspiele um die lettische Meisterschaft.— Die K o r bba 11 uie i- sterschasten werden schon den 5. Sonntag ausgespielt. Sie werden bis Ende Jänner die Mannschaften beschäftigen. Die Korbballmeistevschaft der Frauen begann au« 10. Dezember. Das erste Tressen gewann Riga Zentrum mit 9:8. Reg« Kurotätigkeit in der Schwerathleten, Wassersahrer, Boxer sind ebenfalls ein- und zweitägige Kurse für Vereinssporlwarte vorgesehen. Der Schulung von Schiedsrichtern im Fußball und Handball werden eintägige Kurse in jeder Region dienen. Die Leiter der Altersriegen und Kiuderriegen sollen in eintägige«« Kursen für ihre Arbeit gerüstet werden. Die Krönung des ganzen Kurswesens bringe«« die fünftägige«« Ausbildungskurse für Oberturner und Oberturnerinnen, Der Arbeitersport in Palästina. Die Judenverfolgungen ii« Deutschland und der Generalstreik der Araber haben die Welt wieder auf Palästina aufmerksam gemacht. Weit von Europa, abgeschnitlen von den Arbeitersportlern der Welt, kämpfen die Arbeilersportler von Palästina für die sozialistisch« Körpererziehung. Tapfer, wie sie ihre Heimat verteidigen, sind sie auch bestrebt, den Arbeitersport iu ihrem Land« zu verbreiten. Es ist bewu««dernswert, mit welchem Eifer die Genossen bei ihrer Arbeit st««d. Bei der 2. Arbeiter-Olympiade in Wien waren sie mit über 100 Teilnehmern vertreten. Regelniäßige Kurs« sorgen für die technische und geistige Ans- bildung der Funktionäre. Das letzte Bundesfest war von über 10.000 Zuschauern besucht. Cs war«ii« Volksfest der Arbeiter von Palästina. Seit kurzer Zeit gibt der Verband eine Sportzeitung in jüdischer Sprache heraus. Durch di« Einwanderung der deutschen Flüchtlinge sind dem Verband« Mitstrefter beigetreten. tut-, er greift mit seinen starren Kuabenfingern in ein« seiner unergründlichen Hosentaschen, holt ein 20>Hellerstück(für ihn doch ein kleines Vermögenl heraus und gibt es der Alten mit einem lieben Lächeln. Tann pfeift er sich eins und geht tveiter, während die Beschenkte«hin mit zärtliche«« Mutteraugen nachsieht. Alter Mann vor warmen Hausschuhen. Seitenstraße de« Fochova. Ein großes Schuhgeschäft, vor dein Eingang eine Auslage mit warmen Hausschuhen. Ein armer, alter Mann mit verwitterten Züge«« steht davor. Blickt sehnsüchtig-begehrlich daraufhin. Ach ja, nach einem Leben voll harter Arbeit ist man nun alt geworden. Alt und— wunschlos Aber so ein Paar warme Hausschuhe, so ein ganz kleines bißchen Behaglichkeit, das hätte man schon noch ganz gern. ES ist ja auch so bitter kalt. Und wenn nian alt ist, dann sehnt inan sich um so mehr nach ein wenig Wärme. Aber Kohlen kosten Geld. Und man hat grad so viel, daß«nai« nicht verhungert. Heizen? Dazu reichts nicht mehr. Aber, so ein Paar schön«,«vorn«« Hausschuhe, di« können doch eigentlich nicht so teuer— m«d der arme, alte Mann, dem solche Gedanken wohl durch den Kopf gehen nlögen, tritt noch etwas näher an die Auslage heran:„12 Ke", seufzt er enttäuscht aus.. doch zu teuer," niurmelt er dann bitter vor sich hin. Und geht mit schweren, müden Schritten fort.