13. Jahrgang. Samstag, 23. Dezember 1933 Nr. 300. WcllmadHs-Hlrlenbrlel in Oesterreich: Ablehnungzip. verurteilt werden auch di« Ideen und Bestrebungen, di« folgerichtig zu einer Rationalkirch« und letzten Ende» zum off«, nen Bruch mit der katholischen Kirche führen müssen. „Dclchsposr-Sensationcn werden von Belgrad energisch dementiert Wien, 22. Dezember.(Eigenbericht.; Ti« heutige christtichfozial«„Reichspo st" brachte in deutlicher Absicht der Giftmischerei eine angeblich sensationelle Enthüllung, in der nichts tveni- ger behauptet winche, als daß zwischen Ingo- flawicn und Hitler Abmachungen bestehen, nach denen Jugoslawien seine Meinung in der Re- visionSfra« ändern wolle und sich bereit erkläre, Hitlers Ansprüche auf Oesterreich zu unterstützen, wenn dafür Kroatien an Jugoslawien abgetreten würde. AuS Belgrad wird am Abend zu diesen Nachrichten gemeldet, daß di« Belgrader Regierung offiziell erklärt, an dieser Meldung sei nicht das gering st e Wahre daran. Irgendwelche Beratungen in dieser Richtung hätten niemals stattgesunden und es fei über- flüsiig, sie zu dementieren, denn dir Politik Jugoslawiens sei vom Anfang an bestimmt durch die Unantastbarkeit der Friedensverträge und die Achtung der Bündnisverträge mit den Staaten der Kleinen Entente un Frankreich. Tamil ist der Versuch der österreichischen Christlichsozia len, die Front der Kleinen Entente Kn die Pläne des Herrn Dollfuß zu spalten, it am ersten Tage jämmerlich mißlungen. RIKMrlft Sfeldles al» Sicherheitsdirektor von Tirol. Wien, 22. Dezember.(AN.Z Der Sicherheitsdirektor für Pa» Bundesland Tirol Dr. Tleidl« bat in einem an den Bundeskanzler gerichteten Schreiben mit Rücksicht auf seine Uebcrbürdung durch die Geschäfte al» BuudeSkommissär für Propaamtda um Enthebung vom Posten des Sicheryeitsdirektors ersucht. Der Bundeskanzler hat diesen« Wunscli« willfahrt. Z»un Sicherhcits- direktor für das Bundesland Tirol trat der Bundeskanzler den bisherigen Bezirkshauptmann in Reutte Dr. Anton M ö r l bestellt. V ölkerbund-Autorität soll intakt bleiben! Da$ heutige leipziger Urteil nnier und Goering sdion bekannt! Berlin, 22. Dezember. Das Wolff Büro dementiert kategorisch die Meldung des Reuter- Büros, dcrzufolge das Urteil des Reichsgerichirs im Reichstagsbrandprozeß vor seiner Verkündung Mitgliedern der Rcichsrcgierung, nämlich Hitler und G o c r i n g, Vorgelegen habe. Das Reuter-Büro wollte„aus aut informierten, aber nicht offizielle» Kreisen" erfahren haben: Ban der Lubbe würde zum Tode vernr- teilt, Torgler und di« drei angeklagten Bulgaren würde« sreigesprochen, doch würde Torgler mit einigen anderen kommunistischen Führer« des Hochverrate» angeklagt werden. Dimitrow, Popow und Tanew würden sofort au» Deutschland auSge- wicsen werd«»!. Obwohl einig« extreme Nationalsozialisten der Ansicht seien, daß man nicht erlauben sollte, daß Dimitrow da» Land lebend verlast«, würden Hitler und Aoering den strikten Befehl geben, daß da» Urteil de» Leipziger Gerichte» unbedingt durchgesührt werde: sie seien entschlossen, dafür zu sorgen, daß Dimitrow und seine zwei Gefährten unversehrt über die Grenze gelange». Demgegenüber ließ heute Senatspräsident Büngcr durch das Wolff-Büro erklären, daß entsprechend der deutschen Strafprozeßordnung das Urteil vor der morgigen öffentlichen Verkündung niemandem bckanntgegcben werden darf und auch nicht bekanntacgebcn worden ist. Im übrigen sei noch festzustellen, daß zur Zeit der Verbreitung der Reuter-Meldung der ReichsgerichtS- lenat nochmitteninderBeHatung war. Dos menende Christkind in drei Tageft von Holland in Batavia. Batavia, 22. Dezember.(Reuter.) Ein Post- siugzeug der Gesellschaft Rohal Dntch.mit 82.000 Weihnachtspaketen nach Holländisch-Jndien traf in einer alle bisherigen Rekorde übertreffenden kurzen Zeit in Batavia ein. Tas Flugzeug legt« die von Amsterdam nach Batavia 9.580 Meilen betragende Streck« in 74 Stunden, 42 Minuten zuauk, indem es Tag und Rächt über flog. Ergebnis der Konferenz zwiscl Paris, 22. Dezember. Der englische Außenminister Sir JohnSimon traf in Begleitung des Botschafters Großbritanniens in Paris, Lord Tyrrell, um 11 Uhr 40 auf dem Quai d Orsay ei«, wo di« beiden Diplomaten von Außenminister Paul-Boneour empfangen wurden, woraus sofort eine Aussprach« begann, di« mit Unterbrechungen bi» in die Abendstunden währt«. Ueber den Meinungsaustausch wurde am Abend folgendes offizielles Kommuniquee ver- Lssentlicht: Sir John Simon, der nach llapri reist, um dort Vie WeihnachtStage zu verbringe», hat seinen'Aufenthalt in Paris dazu benützt, den Ministerpräsidenten und dem Außenminister einen Besuch abzustatten, mit denen er in Gesellschaft verschiedener Mitglieder des französischen Kabinetts gefrühstückt hat. Die englischen und französischen Minister haben einen eingehenden freund- schastlichen Meinungsaustausch über die aktuelle» internationalen Fragen gepflogen. Sie haben insbesondere die VerständigungSauSsichten im Hinblick aus die Wiederaufnahme der Slrbeiten der Tlbrüstungskonferenz geprüft und anerkannt, datz es von Wichtigkeit wäre, die Slutori- tät des Völkerbundes intakt zu halten. * In maßgebenden französischen Kreisen wird erklärt, der Völkerbund müsse sowohl sür die Allgemeine Abrüstungskonferenz als auch sür di« übrigen internationalen diplomatischen Verhandlungen das Endziel und der Abschluß dieser Verhandlungen bleiben. Die französisch« Prrst« ist fast einmütig der Anschauung, daß die allgemein« Abrüstnngskonse- renz in Genf abgeschlossen werden müßte und die Frage«, di« ihre Arbeiten betresst«, unter Teilnahm« aller interessierten Staaten durchberaten werden müßten. Di« französischen Blätter fügen noch hinzu, daß auch di« Behandlung der deutschen Forderungen bezüglich der Ausrüstung Deutfchlauds in die Kompetenz Genf» falle. i Paul-Boncour und Sir Simon Außenpolitische Erklärung mit Rücksicht aus diplomatische Verhandlungen vertagt. Paris, 22. Dezember..Heut« wurde allaenrein eine öffentliche Erklärung der Regieriu^z über di« aktuellen Fragen der internationalen Politik, insbesondere über die Frag« der frairzösischdeutschen Abmachungen erwartet. Am Abend wurde von den Regierungsstellen in den Kammer-CouloirS [ anacdcuie», daß sich diese Fragen durchtveg» mr ' vollen Zuge der diplomatischen Verhandlungen befinden und daß ie Regierungserklärung daher aus ein« später« Zeit vertagt wird. Sir Simon konferiert mit Osushy Uber den Standpunkt der Kleinen Entente Paris, 22. Te^ember. Der britische Außen- Minister Sir John Simon lud heute gegen Abend den tschechosloivakischen Gesandten Dr. O f u f k y auf die britische Botschaft und verblieb mit«hm in einen» mehr als eine Stunde dauernd«« Gespräch. Gesandter Dr. Ofuskh nahm mit Sir John Simm: die verschiedenen Hypothesen der Lösungen der Fragen betreffend die Reform des Völkerbundes und di« A b r ü st u n g durch. Sie beschäftigten sich hauptsächlich mit den Wirkungen dieser verschiedenen Lösungen ans die Grundsätze, auf denen die notwendige international« Zusammenarbeit beruht. Beide stimmten darin überein, daß. wenn es wichtig sei, ein Einvernvhurcn über verkrchedenc aktuell« Fragen der internationalen Politik zu erzielen, es nicht weniger wichtig st!, daß ein solches eventuelles Abkommen nicht alle Grundsätze zunichte mache, auf denen die notwendige Zusammenarbeit zwischen den Stationen beruht. Di« Unterredung wurde in ftauzösischeu politischen und parlamentarischen Kreisen lebhaft kommentiert. Insbesondere wurde di« Bedeutung dessen betont, daß der britische Außenminister das Verlangen hatte, genau über den Stand- PunktderKlcinenEntcnte zu den wichtigen aktuellen Fragen der internationalen Politik informiert zu jein. Russische Außenpolitik Litwinow, der russische Volkskommissar für das Auswärtige, ist von seiner großen diplomatischen Reise wieder nach Moskau zu- rückgckchrt, wo er sich von den Anstrengungen des vielen Händcdrückens mit den Repräsentanten des Fasci sinus und des Imperialismus erholt. Er hat in den letzten Wochen in Rom und in Berlin die blutbefleckten Hände man- ck)es fascistischen Arbeitermörders mit lächelnder Höflichkeit geschüttelt, so daß die Versuche verständlich sind, diese bolsck-cwistische Diplomatie vor der Arbeiterschaft mit besonderen Erfolgen zu rechtfertigen. Gewiß, die Sowjetunion hat in der letzten Zeit mit einer ganzen Anzahl Staaten, mit dem Dritten Reich Hitlers, mit Polen, Rumänien, Lettland, Estland, Afghanistan, Persien»nd zuletzt mit den Bereinigten Staaten von Nordamerika Verträge l>e;w. Nichtangriffspakte abgeschlossen; es hat die„bestehenden Beziehungen und die bestehenden Formten der Zusammenarbeit" mit anderen Staaten, so dem Italien Mussolinis fortgeführt und ge- stärkt. Mit Mussolini waren sie freilich bisher schon so einig, daß Litwinow in seiner Erklärung vor der Presse in Rom sagen konnte: „Ich bin glücklich zu konstatieren, daß in den dreizehn Jahren unserer faktischen Beziehungen und in den zehn Jahren unserer diplomatischen Beziehungen ztvischen der So- wjctunion und Italien keinerlei Konflikt« und beinahe' keine Streitigkeiten entstanden sind. Beide Länder haben aus ihrer wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit nur Vorteile für sich gezogen? Der Bolschewik Litwinow atlestierte in der gleichen Erklärung dem fascistischen Regierungschef Italiens, daß auch er ausgehe von dem Bestreben,„den allgenieinen Frieden zu erhalten und von der Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit zur Beseitigung oder wenigstens Schwächung jener Faktoren, die diesen Frieden bedrohen können." Das steht zlvar im schärfsten Widerspruch zur nüchternen Wirklichkeit, in der sich die fascistischen Regierungen als starke Faktoren zur Häufung und Steigerung der Kriegsgefahren erweisen, aber es fugt sich besser in die Illusionen ein, die di« Bolschewisten mit ihrer Außenpolitik im internationalen Proletariat Hervorrufen wollen. Jede neue Unterschrift, die unter einem Vertrag gesetzt wird, wird von ihnen mit lautem Siegesgeschrei gefeiert, als em gelungenes Stück Arbeit zur Sicherung des Friedens. Hätte die russische Regierung damit Recht, so müßte die Welt heute angesichts der vielen Unterschriften, die im Laufe dieses Jahres unter von Rußland mit anderen Ländern abgeschlossenen Verträgen gesetzt wurden, den allgemeinen Frieden ein gut Stück ncel)r gesichert sehen, als vor einem Jahre. Will sie das behaupten? Sie kann es nicht, denn die tatsächliche weltpolitische Loge ist von Kriegsgefahren angchäufl, mehr noch als vor einem Jahre! Wenn aber die Bolschewisten mit der alten Phraseologie der kapitalistischen Politik den Zweck ihrer Diplomatie verhüllen, so machen sie sich mitschuldig an dem Gelingen der kapitalistischen Kriegspolitik! Wir Sozialisten werden nicht müde, den Völkern immer von neuem aufzuzeigen, daß der Fascismns den Krieg bedeutet, daß feine Staatsmänner den Krieg meinen, wenn sie vom Frieden sprechen, und daß eben darum überall die soziali- stisck)«« Arbeiter die Kräfte der Völker gegen den Fajcismus und gegen den Krieg mobilisieren müssen. Die Bolschewisten aber versichern, daß die Unterschrift eines Fascisten- häuptlings, tvenn sie unter einen Vertrag mit Rußland gesetzt wird, ein Beitrag zur Sicherung des Friedens sei. Diese Verwirrung durch die russische Politik darf nicht gelingen: Mussolini, Hitler, Pilsudski, und die aweritLftischeu Imperials-, Samstag, 28. Dezember 1888 Nr. 800 sten und ihre Beauftragte« sind auch als Bundesgenossen der Sowjetunion keine Friedensgaran- t e n! Wir möchte» auiiohmo», das; entgegen den offiziellen Erklärungen des bolschewistischen Diplomaten, die Herrschenden int Moskauer Kreml davon ebenso überzeugt sind. Nicht, weil sie an eine Stabilisierung des Friedens glauben, sondern weil sie so eher die lieber Windung der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten erwarten, darum juchten sie Erfolge ihrer Außcnpvliuk zu erzialen. Wenn ihnen die ainerikanijchen Äupitalistet» helfen, wenn die Kapitalisten anderer Länder Kredite geben sollen, so sind sic eher zu haben, wenn Sowjetrnftland nicht isoliert, sondern mit im betriebe der kapitalistischen Mächte steht. Außerdem scheinen sie sich von einer umfang- reichen BertragStätigkeit mit anderen Staaten günstige psychologische Wirkungen auf die russischen Völker und auf die kolonialen und halbkolonialen Völker zu verspreckten, deren poli tische Auswertung ihnen bei Gelegenheit möglich erscheint. Bei Lichte besehen zeigt sich die russische Außenpolitik als ein Mittel der herrschenden Sowjetbürokratie, ihre Herrschaft zu festigen, selbst wenn sie dabei die Kräfte des kämpfenden sozialistischen Proletariats binden und gegen seine Interessen handeln muß. Opfer nationalsozialistischen Denunziantentums berichten: GcrichtSbezirkcn und werben durch Verhältnis-1 zahlen für das Fahr 1910 und 1921 ergänzt. j Jede Frage über den Verbleib der Post, jedes Ersuchen, den Generalkonsul verständigen zu können, wurde mit der stereotypen Antwort abgetan:„Wir geben Sie nach Dachau." Montag, Dienstag, Mittwoch gehen die regelmäßigen Transporte um halb 10 Uhr vormittags nach Dachau. Jeder Häftling zittert vor dieser Stunde. Keiner weiß, ob er nicht niit muß. Wahrend ihrer Haft haben mindestens 8000 Mcn- schon das Gefängnis in der Ettstraße vorübergehend bezogen. Gefangene ailS allen Teilen Deutschlands, aus allen Gefängnissen und Konzentrationslagern wurden in der Ettstraße eingebracht. Sie kommen dorthin, um dem Sondergericht in Stadelheim oder dem Schnellrichter oder dem Konzentrationslager Dachau zugesuhrt zu werden. L. und T. haben Schutzhäftlinge gesehen, deren Gesicht und Mund aufgerisscn, deren Körper eine einzige dunkelblau angclaufene und ausgeschlagene Masse war, die bis vor kurzer Zeit tagelang ohne ärztliche Behandlung in den Zellen lagen. Einer kam in die Zelle L'S, in der er drei Tag ohne eine Wort zu sprechen lag. Auch auf die Gefahr des Verrats hin, der vorkommt, sagt jeder seine Meinung. Und diese Meinungen sind vernichtende Urteile über das gegenwärtige Regime und über den Nationalsozialismus. Außerhalb deS Gefängnisses wagt ' sich keiner zu einer ähnlichen Aeußerung, auS Furcht vor Verrat und dem folgenden Konzentrationslager. Ein Marienbader, der mit L. einige Zeit zusammen war, wurde entlassen. Er versprach, den Generalkonsul und seine Mutter in N. aufzusuchen und der Bczirksbehördc in Marienbad zu berichten. Der Marienbader war weder beim Konsiih noch bej seiner Mutter. Er hat von ihm nichts mehr gehört. Nach den übereinstimmenden Erzählungen der ständig wechselnden Mitgefangenen besteht berechtigte Befürchtung, daß der Mensch nie mehr zum Vorschein kommt. Die Baracken des LagerS in Dachau sind schon sehr schadhaft, haben nur einfache Bretterwände. Um die Baracken zieht sich eine Umfassungsmauer mit Wchrtürmen, von denen jeder mit 2 MG. bewehrt ist. Beim Eingang befindet sich 1 MG., bei der Küche auch eines. Tie Gefangenen müssen beim Cssenholen knapp an dem MG. bei der Küche vorbei, hinter dem die Wache schußbereit liegt. Für die Wachen sind feste Gebäude vorhanden, ein neues großes wurde gebaut und mit Zentralheizung versehen, i Die alte Pulverfabrik befindet sich innerhalb deS , Lagers. In den Kellern dieser alten Fabrik läuft Zwei Böhmerwäldler im MMner Polizeigelänsnis „Greuelberichte“— von bekehrten Wir sind in der Lage, heute einen Sonderberlcht zu verösseutlichen, welcher zwei Tatsachen kraß beleuchtet. Erstens: daß der Spionagedienst unserer pakenkreuzler trotz aller Loya- litätSbeteuerungen mit der.Polizei des Dritten Reiches zusauimeuarbeitet und nicht einmal davor zurückschreckt, durch niedrig st e Denunziation mißliebige Parteigenosse» inS Unglück zu stürzen. Zweiten«: daß in den deutschen Gefängnissen Ding« geschehen, die allen Begriffen von Recht und Menschlichkeit Hohnsprechen, daß unschuldige Menschen gequält und gefoltert werden, daß Menschen spurlos verschwinden. Diese Schilderung empfehlen wir vor allem den„Objektiven" zum Studium, welche bisher die Schreckensnachrichten aus de» nendeutfchen Folterkammer» als„marxistische Heue" abtnn wollten. Nu» mögen sie wenigstens zur Kenntnis nehmen, was Zeugen, die als begeisterte Anhänger Hitler» Über di« Grenze gin gen, nach ihrer Heimkehr zu erzähle» wissen. Lasse» wir die Tatsachen sprechen: Der 21jährige L. und der 22jährige T., beide I Söhne bürgerlicher Familie». Der eine der Sohn eines Schneidermeisters, der andere der Sohn einer BeamtenSwitwe, beide ihrer politischen An- fchaiiung nach verläßliche Nationalsozialisten, haben Ende September l. I. ihre Heunat, ein bekanntes Böhmerwaldstädtchen, verlassen. Als Arbeitslose sind sie ins Dritte Reich aus Stellen suche gegangen. Der eine wollte in den bayrischen Alpeil als Sportlehrer untcrkoinmeu, der er dort schon war. Ter andere ist Schlossergchilfe und hoffte wohl aus ein Unterkommen in seinem Be rufe. Endlose 10 Wochen dauerte ihr unfreiwil liger Aufenthalt im Dritten Reich, nachdem sie mit Hoffnungen im Herzen die Grenze freiwillig überschritten hatten. In L a m, 2 Wegstunden von der Reichs- grenze, wurden sie bereits Von der Gendarmerie verhaftet und ihnen vorgeworfen, daß sie die 6 Burschen, die in N. verhaftet wurden, ongezcigt hätten. Seit einer Woche löge gegen sie dir An zeige aus der Tschechoslowakei schon da. Dort erreichten sie jedoch ihre Freiheit wieder. Bei ihrer Ankunft in K ö tz t i n g wurden, sie über Anzeige eines SA-Mannes von der dortigen Gen darmerie wieder verhaftet. Auch dort hörten sie, daß sie schon seit acht Tagen erwartet würden: seit dieser Zeit läge gegen sic eine Anzeige aus der Tschechoslowakei vor, in der sie beschuldigt würden, die 6 in N. verhafteten Burschen angc- zeigt, in jüdischer Gesellschaft verkehrt zu haben, daß sic Spione aus der Tschechoslowakei seien. Den» T. wurde noch vorgeworzen, daß er in einen» jüdischen Fußballklub in N. gespielt habe. Don Katztina aus wurden sie in das Polizei gefängnis in München, Ettstraße- als Schutz- Häftlinge eingeliefert. In der Ausnahmskanzlei stand ein. älterer weißhaariger. Mai»»,-der oäs Taschentuch gegen die Stirn preßte,.unter dem Blut über'das Ge sicht lief und der sagte:„Das lasse ich mir nicht gefallen, im Gefängnis wird man ununter- ' brachen geschlagen." Darauf die Beamten:„DaS ‘ geht unS nichts an, absühren." Ter Mann war ' ein Jude. Die zwei ersten Tage waren sic gemeinsam . in einer Zelle. Diese Zelle»var für 14 Mann ! bestimmt, 3-1 waren drinnen. Alle i>» diesem i GesängniS vorhandenen 19 Zellen waren wäh- j rend ihres Aufenthaltes ständig überfüllt. Am i dritten Tage entdeckte ein Polizeigewaltiger, daß sie zusammen ii» einer Zelle saßen. Sie wurden sofort getrennt. Einmal während der 10 Wochen wäre»» sie nochmals eine Woche in einer Zelle bei sammen. 6 Wochen lang schrieb der L. jeden Tag an seine Angehörigen. Eine Antwort bekam er nie. Die Slowohel 1921-1930 Zunahm« der Tschechoslowaken und Deutschen, Abnahme der Magyaren und Juden. Neu« N a t i on a li tä t s d a t e n über dieSlowokci bringt aus Grundlage der e»d- aültigen VolkschhlungKcrgcbuisfe vorn Jahre 1930 Nr. 159 der„Mitteilungen des Stalistrschcn I Staat Samtes". Don der Gesamtzahl der in der Slowakei anwesenden tschechoslowakischen Staats- angehörigen waren tschechoslowakischer Nationalität 2,345.909, russischer 91.079, deutscher 117.50.1, madjarischcr 571.988, jüdischer 65.385, Zigeuner 30.626, sonstige 1701. Seit den» Jahre»921 hat die Zahl der Inländischen Einwohner tsck-ccho- sloroakischer Nationalität um 16.5 Prozent, der russischer nur 6.4 Prozent, der dcittfck-er um 5.5 Pro.sent zugcnonnncn, dagegen hat die Zahl der inländischen Einwohner madjarisckrer Nationalität uni 9.9 Prozent und der jüdischer Nationalität nm 7.3 Prozent abgenommen. Von dei» nationale»» Minderl>eiten ist in der Slowakei die größte die madjarische. Aller Madjaren(tschechoslowakischer und fremder Staatsangehörigkeit) wurden int Jahre 1921 im ganzen 648.180 gezahlt, in» Jahre 1930 592.337. I» Böhmen und Mähren-Schle. sie» hat die Zahl der Madjaren infolge Zuwanderung um 4359 zugenomnten. In» ganzen hat die Zahl der Madjaren(tschechoslowakischer und fremder Staatsangehörigkeit) in der gatten Republik um 41.483 angenommen, d. i. um a.8 Prozent; berücksichtigen wir jedoch die genauere Ermittlung der Zigeuner und die angeführte Verschiebung der jüdischen Rationalität, beträgt diese Abnahme nur 15.637 Personen, d. i. nicht ganz 2 Prozent. In Ungarn ist gleichzeitig die Zahl der Slowaken nach der amtlichen Statistik von 141.918 aus 104.819, d. i. um 26.1 Prozettt gefunkelt. Tie erwähnten Mitteilungen enthalten auch Datei» über daS Religionsbekenntnis nach politischen und Hakenkreuzlern das Wasser von den Wänden auf den Stein- boden. In diesen Kellern werden SchutzhäftliNgc »nil Kette»» an die Mauern angeschmtedet» gefangen gehalten. Schlafen müssen sie aus den blanken und nassen Steinfltehen in de»» Kleidern, die sic am Leibe haben. Der Häftling, der auf der Flucht erschosseit werden soll, wird aus der Baracke gerufen. In dem Moment, wo er die Baracke verläßt, wird er niedergeschossen. Nach einer anderen Methode wird dem Gerufenen ein Marschziel angegeben. Wenn er einige Schritte gegangen»st, knallen ihn die Wachleute von hinten nievcr. Alle mtf der Flucht erschossenen weisen Stirn- und Brustschüsse oder Kops- und Rückenschüsse aus. An zwei Seiten vom Lager gibt es kleine Wäldchen. Das eine beißt das Toves-, das andere das Folterwäldchen. Bis vor kltrzcm gab eS im Dachauer Lager für den von 2600 bis M)00 Häftlinge schwankenden stäudigcn Belag keinel» Arzt. Für dreißig Erschießungen„auf der Flucht" gibt es Zeugen. Ein Gefangener, der sich mit T. angefreundet hatte, kam frei. Er versprach, dem tschechoslowakischen Generalkonsul von ihnen zu unterrichten. Bon dieser Zeit an erhielten sie Post und auch der Generalkonsul kam und sie wurden ihm vorgeführt. Sprechen durften sie ihn allerdings nur vor Wachleuten als Zeugen. Der Generalkonsul nahm sich ihrer an und nach weiteren Wochen wurden sie von der GesängniSverwaltung verständigt, daß sie am Schub kamen. Zwei der berüch- tigsten Wachtmeister, Schuftner und Stern bewarben sich u»n de»» Schub t»nd bekamen ihn auch. Sie ließen den beiden gleich wissen, was ihnen am Schub bevorstand. Nun begann der Kampf nm ihr Leben. Ein Zufall fügte«S, daß sie den Generalkonsul darüber unterrichten konnten und dieser Zufall rettete ihnen das Leben. Auf Intervention von» Generalkonsul brauchten sie nicht per Schub heimfahren. Sie brauchten auch keine Reverse unterschreiben, wie sie jedem, der frei geht, zur Unterschrift voraekcgt werden. Die Reverse beinhalten:„Daß sich der Unterfertigte freiwillig in Schutzhaft begab und keine Schadensansprüchc an den Staat stellen wird und daß er gut behandelt, wurde." Beim Verlassen des Gefängnisses wurde ihnen nur gedroht, daß man sie und Tlchuppik holen werde, wenn sie etwas von dem Erlebten,^Gehörten oder Gesehenen zu Hause erzählen wurden.'ES. sei ihnti» N.. und Prag nicht zu weit ouSderHond, um sie nicht zu erreichen. Mit einer Begleitung zur Bahn kamen sie endlich auS den Händen von Hitlers Scharfrichter. Wenn man von draußen hereinkommt, dann weiß man erst, was man in der Tschechoslowakei hat. Hier ist man wirklich Mensch, inan kann etwas sagen und braucht sich doch nicht zu fürchten. Früher hat man auch verschiedenes auSzu» sitzen gehabt, jetzt weiß man, was die Demokratie ist. Wir waren m einer Heilanstalt und sind wirklich geheilt vom Nationalsozialismus und FasciS- mus heimgekommen.(Anmerkung d. Red.: Alle Namen sind absichtlich weggelasscn, um die beteiligten Personen nicht weiter al» unumgänglich notwendig in Gefahr zu bringe». Einen Kom- mentar haben»vir dieser Schilderung nicht beizu- fügcn.) Roman von Felix Fechenbach Da erhob sich Dr. Baier, schilderte Haus als einen fleißigen, jungen Menschen, der itvch nie eine Getvalltätigkeit begangen habe. Die Affäre feiner Schsvester mit Rudolph Groß sei ihm besonders nahe gegange»»,»veil er seiue Schwester sehr gern habe. Seine friedlichen Absichten an jenem kritischen Abend»vürden ja jetzt wohl auch vom-Herrn Staatsanwalt nicht mehr bestritten werden können. Vor alletn aber müsse die anßer- oidentliche Erregung strafmildernd gewürdigt werden, in die HanS Eoruelius durcl; die alles Maß übersteigende Be'chimpfung seiner Schwester kominen mußte. Nur io wäre es zu verstehen, daß er die-Herrschaft über sich verloren und aus Groß eingeschlagen habe. Hätte Groß seinen Stock nicht bei sich geliabt, damt wäre eS Wohl bei«iit Paar Fausthieben verblieben. Aber unglücklichertvcise trug Groß seine»» Spazierstock »it der-Hand. Ihn benutzte Cornelius in seiner Ervogirng zum Zuschlägen. Es Iw adle sich aber, wie man sich ja überzeugen könne, um einen ganz gewöhnlichen Spazierstock, der ii» keiner Weise als gefährliches" Werkzeug angelyrochen werden könne. Ebenso liege auch keine schwere, sondern nur einfache Körperverletzung vor, denn vo»t einem dauernden Siechtum oder von einer dchrnrnden Lähmung könne bei dein Verletzten keine Rede sein. Auch das ärztliche Gutachten spreche nicht von einer dauernden Schädigung. Er beantrage deshalb die Freisprechung des Angeklagten. Das Gericht zog sich zur Urlellsberatung Zu- ■ rück, und dem HanS»vor nach der Rede seines Verteidigers schon wesentlich leichter zu Mule. Fetzt hatte plötzlich alles wieder ein ga»rz'andereS Gesicht bekommen. 9lach einer Viertelstunde betrat das Gericht wieder den Saal und der Vorsitzende verkündete, daß Haits Covnelius»vegen schwerer Körpcrver- ütznua unter Zubilligung mildernder Umstände zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt sei. Das war«in schwerer Schlag für Hans. Also doch ein halbes Jähr Gofäuchris! Aber Dr. Baier, der n»it ihn» auf de»t Gerichtsflur hinauS- giug, beruhigte ihn. Man könne ja Berusung oittlege», und er fei überzeugt, daß es nicht bei den sechs Monaten bleiben werde. Das ärztliche Gutachten sei»licht»mgünstig für-Haus, und bis zur BerufungSverhandlung könne sich auch der Zustand des-Herrn Groß weseittlich gebessert haben, so daß ein günstigeres Urteil zu erwarten sei. Tas leuchtete auch dem Vater Cornelius ein, und so entschloß man sich, Berufung gcgeu das Urteil eiuzulegen. Noch eilt Paar Wochen blieb Vater Cornelius mit dem Wohnwagen in Würzburg. Mutter Anna»>ar längst wieder auf den Beinen. Sie hatte den Winter über fleißig die vom Arzt verordneten Einreibungen vornehmen lassen und später, als sie wieder ausstehen konnte, im Iu- linsspital eine Anzahl Bäder genommen, die ihr recht gut bekominen waren. So konnte sic, als Hans Ende Februar den Wohnwagen auS Würzburg hinauskutschierte, wieder miffahren. Unterwegs wurde in den Dörfern versucht, die geschnitzten Kochlöffel und die anderen Holzgeräte zu verkaufen. DaS war ein gar mühseliges Geschäft. Mer etwas brachte eS immer, und was l)ettte nicht»»erkauft»vurde, fand am nächsten Tag einen Käufer. Die geschnitzten Kasperl- köpfe lagen säuberlich znsammengepackt im Wagen. Wenn man nach Nürnberg kam, sollten sie bei dem SpieNvaren-Ärößhändler abgeliefert werden. Da gab es dann auch Gelb dafür. Um seinen Prozeß machte sich Hans jetzt keine Sorgen mehr. Der Dr. Baier würde es schon fertig kriegen, daß er in der Berufungsverhandlung freiaesprochen»vürde. Davon»var -Hans felsenfest überzeugt. 7. Gretl.Hain hatte zu.Hanse böse Zeiten, seit HanS verurteilt»var. Alles was Gretl oder Franz auch dem Vater über die Sache sagen moch len, änderte daran nichts. Für Kilian Hein»var Hans Cornelius eil»»vegen Körperverletzung bc- Itraftcr Mensch. Es paßte ihm so in seine» Kran», Hans nach Strich und Faden herunter- zumachen. Dabei nahm er nicht die geringste Rücksicht auf Grctls Empfindungen. Ja, es schien ihn» gerade darauf anzukommen, in ÄretlS Owgenwart schlecht über Haus zu sprechen. Je mehr er sich aber gegen HanS ereiferte, desto Ici- Scnschaftlicher verteidigte ihn Grell, u»»d Franz stand ihr getreulich be>. Vater-Hein schiel» nicht zu merken, daß cr durch sei»» Verhalten gerade da? Gegenteil von dem erreichte, was er»volltc. Aber P'»)cholvgische Erwägungen»var«»» noch nie seine Stärke gewesen. Er war ein eigensinniger Dickkopf, und meinte,»venn er nur stur an einer Sache sostlpiltc, dann könne der Erfolg auch nicht ausbleiben. Aber er blieb aus. Franz hatte der Gretl vorgeschlagen, künftig kein Wort mehr zu verlieren, wenn der Vater wieder über-HanS loSziehe, oder irgendeine Anspielung ans ehn versuche. Er mochte nun eine spitze Bemerkung machen, oder laut draufloSbul- lerr», Gretl und Franz bissen die. Zähne zusam- men und schwiegen. Kilian Hein hielt daS bereits für einen halben Erfolg. Aber er täuschte sich. Seine Kinder setzten seinem Schimpfen und Räsonnieren nur keinen Widerstand mehr entgegen, ließen es sich ins Leer« verlaufen. Das wurde für Kilian Hein auf die Dauer langweilig, und schließlich gab er eS dann ganz auf, HanS zur Zielscheibe seiner Angriffe zu wachen. Gretl hatte zu Hause nun wieder Ruhe. Die Spaziergänge ain SamStaanachmittag, die Franz und Gretl während des Winters begonnen hotten, wurden auch im Frühjahr fortgesetzt, nur daß an di« Stell« von Hans dessen Schtvcster Len« getreten»var. Seit die ganze Familie Cornelius ihren Zustand kannte, um ihr niemand Bortvürfe gemacht hatte,»vor wieder die alle, heitere Sorglosigkeit über Lene gekommen. Sie»var wieder munter und frohsinnig, ja sie sprach jetzt sogar selbst häufig von den» bevor- telwnden Ereignis, das nun keinerlei Schrecken mehr für sie hatte. Bon de» Großmutter ließ sie sich erzählen, wie das sei, wenn man ein Kind bekomme, und Fran Berta Lechner l-atte ihr, was sie auS eigener Erfahrung wußte, getreulich übermittelt. Auf den SamStagnachmittagÄpazier- gängei» erzählte Lene dann ihre neue WeiÄ-eit brühwarm der Gretl, machte Zukunftspläne un-, baute Luftschlösser. Die Frage, ob's wohl: ein Junge oder ein Mädel»vetde. bewogt« sie stark. Wenn's«in Mädel sein würde, meint« sie, dann müsse Grell Taufpate werden, und daS Kind bekäme auch ihren Namen. „Wenn'S aber s Bub iS...?" fragt« Franz. „Dann wirst du Taufpate, und wir heißen ihn Franz", lachte Lene darauf. Und sie war voller Frohmut. Franz»var damit einverstanden. Er wäre ohnehin noch nie Taufpate gewesen, sagte er. So- waS müsse man auch einmal mitmachen. Und überdies wolle er versprechen, daß er sein feierlichstes Gesicht zu dem großen Ereignis aufsehen Iverde. Zudem wolle er sich bemühen, darauf zu verzichten, bei diesem Anlaß die Leute zu froz- zeln. ■„Das bringst du ja gar nit fertig!" sagte, seine Schwester, und Lene meinte,«in Taufschmaus wäre doch ein froheS Fest, da dürfe der Franz so lustig und ausgelassen dabei sein, wie eS ihm Spaß mache. (Fortsetzung fvigt^ Wt. 800 Gamstag, 28. ibezemtzer 198S Seit« 8. VinMdzoo gesell die AMIofennot Weihnachtsaktion für Arbeitslosenkinder— Vorläufig 700 Waggon Kohle für die Arbeitslosen, im Jänner weitere 1100 Waggons.— 3 Millionen Kc für die Ausspeisung armer Schulkinder— Ueber den Umfang der Brotaktion wird noch verhandelt. Nach lange» Bemühungen ist es dem Fürforgeministerium gelungen, auch unter den gegebenen schwierigen Verhältnissen wiederum em« zusätzliche Winterhilfe für die Arbeitslosen und ihr« Familien durch;,,setzen. Der Ministerrat hat 8 Mill. Xe für«ine WeihnachtSaktion bewilligt, welche al» Zubuße für die Kinder jener Arbeitslosen, dir im Bezüge der CrnährnngS- karten stehen, bestimmt ist. Di« Anweisungen an die einzelnen Bezirk«, vir auf Grund der gemeldeten ArbritSlosenzahl erfolgten, find bereits auf dem Wege. Am Zusammenhang damit erfolgt die Verteilung von 700 Waggon» K o h l e an die Arbeitslosen. Damit ist aber di« Koh- lrnaltion noch nicht abgrschlosfrn. Wie wir hören, wird«S nach Neujahr durch Spenden der privaten Kohlenunternehmungrn möglich sein, diese» HllsSwerk writerzuführrn und weitere 1100 Waggons zur Verteilung zu bringen. Eine weitere Aktion soll den Kindern der Arbeitslosen in der Form zugute kommen, das; 8 Millionen Xr im Wege der Organisation sür Kindrrschntz und Jugendfürsorge für die Auü- speifung armer Schulkinder zur Verfügung gestellt werden. Erweitert wird auch die Brotaktion für die Arbeitslosen Zu den 400 Waggon Korn, die Minister Dr. Czech bereits in seinem Expose vor dem SenatSauSschuß erwähnt«, soll noch ei» neue» größeres Quantum bewilligt werden. Blättermeldungen zufolge wurden weiter« 8 Mill. Xk für diesen Zweck bereitgestellt. Wie wir hören, sind die Verhandlungen darüber noch nicht abgeschlossen, doch dürste nach Neujahr eine Entscheidung im günstigen Sinne fallen. Weiter sind im Fürsorgeministerium Bemühungen im Gange, auch eine Bekleidungsaktion für die Kinder Arbeitsloser in Gang zu bringen. Darüber wird noch berichtet werden, sobald positiv« Resultat« borstigen. Ohne die Verdienste aller beteiligten Stellen schmälern zu wollen, ist im Anschluß an diese erfreulichen Meldungen wohl der Hinweis angebracht, daß dies« Hilfsaktionen nicht zuletzt der beispiellos zähen Anstrengung des FürsorgrministerS Dr. llzech zu danken sind. Noch vor dem Biidgetauöschutz des Abgeordnetenhauses mußt« er der Befürchtung Ausdruck geben, daß in diesem Winter die früheren dlaturalaktionen nicht fortgesetzt werden können. Daß dav Hilfswerk nun doch in dem geschilderten Umfange durchgeführt werden kann, daran gebührt das Hanptverdienst dem treuen Anwalt der Armen und der Jugend, unserem Dr. Ezech. Gegen die Pilsudski-Diktatur Ein Manifest der Oppositionsführer Konflikt Goerlng—Goebbels durch«ine Aussprach« angeblich beseitigt. Berlin, 22. Dezember.(Wolff.) Zwischen dem preußischen Ministerpräsidenten General G o e< ring und dem Rcichsministcr für Volksausklärung und Propaganda Dr._ Goebbels fand gestern abends eine mehrstündige Besprechung über Fragen der deutschen Kultur. Politik statt. Es wurde dabei im Wege freund- schaftlichen Meinungsaustausches volles Einvernehmen über die beiderseitigen Aufgabenkreise erzielt. Beide Reichsministrr werden in Zukunft in engstem Einvernehmen die sie berührenden Fragen lösen, um dadurch Reibungen innerhalb der RessortS von vornherein auszuschaltcn. Schlußsitzung des Senats Prag, 22. Dezember. In fast fünfstündiger Sitzung erledigte heute der Senat das restliche Borweihnachtsprogramm, das nicht weniger als sieben Vorlagen umfaßte. Der Aufschub des Steuerüberwälzung s v e r b o t e s, di« Verlängerung der K r i- senzuschläge zur Einkommensteuer und die Verlängerung des Abnahmezwanges für inländische Agrarprodukte wurden debattelos angenommen. 14.000 Bauerngüter in EieKutlons gelahrt Zur Verlängerung des Exckutions- ichutzes der Landwirtschaft forderte u. a. T i ch i(d. Gew. Part.), einen ähnlichen Schutz auch für Handel und Gewerbe. Scholz (B, d. L.) erklärte, daß heute 14.400 Bauerngründe exekutiv verkauft würden, wenn das Gesetz»richt verlängert würde. Der Tschechisch-Klerikale K r c j i i brachte eine ganze Reche von Bedenke,» vor: Nach Ablauf des Exekutionsschutzes tvürden so viele Liegenschaften zürn Berkaus stehen, daß dann nicht mehr ärgere Landwirte, sondern die Juden(!) alle zusanunenkauscn würden. Andererseits würden durch den Exckutionsauf- schub die Raiffeisenkassen und sonstige»» kleinen Bolksgeldinstitute immobil und die Landwirre würden auf lange Zeit hinaus überhaupt um jeden Kredit gebracht. Bei der künftigen Rege» lung werde man darauf achten müssen, daß ein Exckutionsschuh nur jenen Bauern gewährt werde, die wenigstens die Zinsen ihrer Hypothc- larschulden zahlen und nicht überschuldet sind. Wieviel Wohnungen stehen noch unter Mieterschutz t Zur Verlängerung der Wohnungs» gesetzt bis E»rde Feber 1934 führte die Referentin Plaminkova eine Statistik an, aus der hervorgeht, daß von den E i n z i m m e r» Wohnungen in Prag noch 73.5, in» sonstigen Böhmen 65 und in der ganzen Republik 68.0 Prozent unter dem Mieterschutz stehen. Do»» den Zweizimmerwohnungen sind in Prag noch 74 Prozent geschützt, im übrigen Böhmen 57 und im ganzen Staatsgebiet 62.4 Prozent! * Als der Initiativantrag der Koalition aus Kürzung der Bezüge der Parlamentarier um weitere vier Prozent zur Verhairdlung stand, machte K r o i h e r(Rep.) als Referent die Oeffentlichkeit darauf aufmerksam, was von den 5000 Kronen monatlich schon durch die Abzüge, die nunmehr 14 Prozent?r- reichen werden, durch die Eisenbahnkarle und durch die Einkommensteuer samt de»» Zuschlägen in Wegfall komm«. Dazu komnren noch hohe Klubbeiträge. Ausgaben sür Sitzungen und Verjan»mlungcn, Zeitungen und Zeitschriften, Korrespondenz, Telephon usw., obgrschn von den Kosten des Aufenthaltes»n Prag für die auswärtigen Parlamentarier. Auch bei allen Samtnlungen usw. wisse man dir Parlamentarier zu finden. Der Referent K o u k a l erklärte, daß bei einer weiteren Herabsetzung der Bezüge die G.'- fahr bestehe, daß überhaupt nur mehr reiche Leute eine parlamentarische Funktion ausübcn können. Nachdem noch ein deutscher uird ein tschechischer Gewerbepartorler zu dem Berbgt der Einheitspreisgeschäfte gesprochen lmtten, wurden alle Vorlagen in beiden Lesungen genehmigt. Dann erhielt noch Mi k u l i 6 e k ein« öffentliche Rüge, weil er im Budgetatisschuß deit Sena- tor K o u k a l ehrenrührige Dinge zu Unrecht vor. geworfen hatte, woraus der Vorsitzende Dr. Soukup nach einer längeren Ansprache mH einem öAuf Wiedersehen im Jänner" di« Sitzung schloß. ver Handelsvertrag mH Frankreich stößt ans Schwierigkeiten Paris, 22. Dezember. Die französisch-tsche- choslowakischcn.Handelsvertrags-Verhandlungen, di« zu Beginn der Woche»»nter der Leitung von Ministerialrat Dr. Kadcrnbek eröffnet wurden, sind aus einige Schwierigkeiten gestoßen. Mit Rücksicht auf die nahe»» WcihnachtSfeiertage wurden di« Verhandlungen unterbrochen, um nach den Feiertagen fortgesetzt zu werden. Die tlchechoslowakisck)« Delegation kehrt morgen nach Prag zurück. Vinzenz Witos, ehemaliger polnischer Ministerpräsident, Dr.-Hermann Liebermann, Srjmabgeordneter, Dr. Madislaw Kiernik, ehemaliger Innen» und Ackerbau»ninister, Kasimir B a g i n s k i, ehemaliger Abgeordneter, haben folgendes Manifest an das polnische Volk erlassen: Nach reiflicher Erwägung haben wir Abschied genommen vor» unserem Vaterland, von dem unterdrückten polnischen Volk, von unseren Familie» und den Freunde»». Wir zweifelten keinen Augenblick, daß daS Gerichtsurteil die Brester Schmach krönen»verd«, daß wir z»» schweren Strafen verurteilt werden würden, als Gegner der Diktatur Pilsudskis, die sich zum Schutz der Nation den Rechtsbrüchcn und der Gewalt widersetzten, die in Polen»ach dem Staatsstreich voin Mai IM herrschen. Das Urteil, das über uns vieljährige Kerker- straftn und Aberkennung ter Bürperrechie veibängr, uns die Möglichkeit der Arbeit in unserem Berus geraubt hat, ist die Vollstreckung eines Befehles der rachsüchtige» Machthaber, angeführt durch unwürdig« Richter, die aus Feigheit, Servilismus und SIrebcrei sich als Werkzeuge des Justizmordes gebrauchen ließen. Wir wollen uns diesem Urteil nicht unterwer- fcn, denn das würde feine und dcS vollzogenen RechtsbruchS Anerkennung bedeuten. Wir werden uns nicht zum zweiten Male in die Kasematten einer Festung bringen lasten, di« für unS mit d«m ganzen Raffinement der bekannten Grausamkrit vorbereitet wurden. Tas Land verlangt von uns nicht«in nutz-, loses Märtyrertum, denn es weiß, daß nur durch mannhaften und ausdauernden Kampf die Maffia gestürzt»»erden kann, die ihr«-Herrschaft durch Lüge, Unrecht und moralische Korruption begründet hat Tas Volk, das soviel gclittrn hat, würde uns gewiß die Absicht des vollständigen Verzicht aus den Kamps zumute«, wenn wir uns freiwillig in die Hand der lllrtsicier verurteilt Bochum, 22. Dezember. Im Hirtsiefer-Pro- zeß erklärte der Staatsanwalt, in seiner Anklagerede, Hirtsicser habe sich der einfachen passiven Bestechung schuldig gemacht. Er ersuchte das Gericht, gegen den früheren preußischen WohlsahrtSminister Hirtsiefer die Höch st- strafe zu verhängen. Der Staatsanwalt beantragt« gegen den Angeklagten Mock sechs Monate Gcsängnis, gegen Becker und B c r g m a n»» je vier Monate Gefängnis und gegen Hirtsicser sechs Monate Gefängnis, ferner bei Hirtsicser auch die Ab- crkenmlng der Fähigkeit zur Bekleidung eines öffentlichen Aintcs für die Dauer von drei Jahren. Di« Strafkaminer verurteilte den früheren Minister Hirtsieder wogen einfacher Bestechung zur H ö ch st st r a f c von sechs Monaten Gefängnis. Ihn» wurde für die Dauer von drei Jahren die Befähigung abgesprochen, em öffentliches Amt zu bekleiden. Auch wurden 900 RM aus leinet Bestechungsfache dem Staate für verfallen. erklärt. Der Angeklagte Mock wurde wegen harrdelsrechtlichcr Untreue zu zwei Mona- berüchtigten Brester Henker geben würden und so wiederum wie im Jahre 1930 die Geisel»» Pils»»dskis wären. Ebensowenig könnte uns di« Rücksichtnahme auf di« Grundsätze der Rechtsordnung uni gebieten, uni diesem Urteil zu unteriverfcn, das aus dein Brester Verbrechen hervorgegangen ist. Wie kann von einer solchen Unterwerfung die Rede sein gegenüber Leuten, di« durch Verschwörung- Meuterei, Blutvergießen und Verrat zur Macht gekommen sind, die daS Volk systematisch belügen und ihrer Behandlung der Staatsbürger Gewalt und Haß zugrunde legen! Wir haben das polnisch« Gebiet verlastrn, allein wir legen nicht unsere Waffen nieder und führen de«.Kampf gegen dir Diktatur weiter. Di« im Lande zurückgebliebenen mitverurteil- ten Abgeordneten mnsten nun hinter den Kerker- inauern Schweigen bewahren, die geknebelte Oppo- siüonspreste und da« u>r«or den» Stiefel des Dlklators niedergetretene Land mästen schweigen. Wir werden ohne Unterlaß Protest erheben gegen di« Enrirdrigung unserer Leidensgefährten durch brutal« Güvalt und gegen die Auslieferung des polnischen Volkes an die korrupt« Willkürherrschaft einer Handvoll geistloser Obersten und Aristokraten. Frei von jedem Terror werden wir auf freier fremder Erde nichts unterlasten, was dem Wohl der Bavohner dar panischen Städte und Dörfer dient, in der festen Ueberzeugung, daß unser« Arbeit den Tieg der Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit beschleunigen wird. Wir sind des festen Glaubens, daß das polnische Volk, das soviel ungebeugte Willenskraft, KamPfrSmut und Aufopferung für fein Recht und feine Menschenwürde eingesetzt hat, auS- harren und siegen wird. Wir hege»» den festen Glauben, daß wir den Heimatboden wiederbeircten werden, uin gcmeinsan» mit unsrem Volk auf neurr Grundlage ein neues Polen aufzubauen, dal Polen d«S arbeitenden Menschen. ten Gefängnis und 1000 RM Geldstrafe, der Angeklagte Bergmann wegen Beihilfe dazu zu einem Monat Gefängnis mrd 500 RM Gelv- strafe, der Anaeklogte Becker wegen Beihilfe z»i einem Monat Gefängnis und 500 RM Geldstrafe verurteilt. Horst Wcssel-ProzeO wird neu ausgrrollt. Berlin, 22. Dezember.(Wolff.) Der Pro^ß weg«,» der hinterlistigen Ernrordnng des nationalsozialistischen Vorkämpfers Horst Wessel wird in nächster Zeil teilweise noch ein in al vor dem Landgericht Berlin aufgerollt werden. Bekanntlich wurden seinerzeit gegen die Haupttäter außerordentlich niedrige Zuchthausstrafen bzw. Gefängnisstrafen verhängt. Durch di« unermüdliche.Erinittlungsarbeit der Strafvollstreckungsbehörden ist cs nunmehr gelungen, den 26jährigen Maler E P st e i n und den 31 Jahre alten Schiffer Peter Stoll zu verhaften. Rach Abschluß der zur Zeit noch schwebenden Borverhandlung wird dann dl« Staatsanwalt- lchaft gegen beide Anllage wegen gemeinschaftlichen Totschlages erheben. tiütsn Sie sich vor Erkältung! Erkältungskrankheiten vermeiden Sie am besten durch Abhärtung Ihres Körpers und Hebung seiner Widerstandsfähigkeit gegen Einwirkungen des sehr oft eintretenden, iähen Wetterwechsels. Abhärtung geschieht am besten durch tägliche Massage mit dem Menthol- Franzbranntwein A L P A Fragen Sie Ihren Arzt! Tagesneuigkeiten Wien schwimmt im Kot. Di« Folgen des plötzliche« TauwettrrS. Wien, 22. Dezember. DaS plötzliche Tauwetter hat heute früh in Wien katastrophale llcberfchwemmungcn zur Folge gehabt. Zahlreiche Straße, Plätze und wichtige Krcuzungspunkte in der inneren Stadt und an der Peripherie stand«»» unter Waster. In der inneren Stadt stand a»» einigen Stellen, z. B. in der Umgebung der Börse, das Wasser nnd der Kot mehrere Stunden lang einen halben Meter hoch. Der an- dauernde Regen, der auch in den Nachmittags stunden nicht a»»shörtc, hat die Bcrkehrskalamität zu einem Maße gesteigert, wie man cs seit viele»» Jahre»» in Wien nicht erlebt hat. Die Feuerwehr mußte etwa in 100 Fällen eingreifen, aus der» überschwemmten Wohnungen das Waster herauSpumpen, die geborstenen Röhren der Wasserleitung und der Gasleitung wieder instand setzen und die inr Kotmeer stecken gebliebenen Fuhrwerke wieder frei machen. 2m Gebirge meterhoch Schnee! Kritisch war die Lage auch in der Umgebung Wiens, aus der eine ganze Reihe von Ueber» schwemmungcn gemeldet wird. In den höheren Lagen, insbesondere am Semmering fiel Schn««. Mariazell u»»d sei»»« Un»gebung Ivorcn durch große Cchuecmassen von der übrigen Welt abgcschnitten. In diese Gegenden mirßtc Mili- t ä r dirigiert werden, um die Strecken und Straßen frei zu mache». Kritisch w»»rde die Situation auch in der Umgebung von Bruck an der Mur, Lien; und in Ost-Tirol. In diesem Gebiet liegt zwei bis drei Meter hoch Schnee. Puppenfabrik fliegt in die Lnft. Sieben Schwerverletzte bei einer rätselhaften Explosion. Neustadt bei Koburg, 22. Dezember. D»»rch eine schwere Explosiv»» wurde heute Nachmittag die zweigeschossige Puppeufabrik Ernst Lieber- »»» a n»» und das angrenzende dreistöckige Wohngebäude völlig zerstört. Bon der Fcilerwehr und dein freiwilligen Arbeitsdienst wurden nach mehrstündiger angestrengter Arbeit sieben chwerverletztc Personen aus den Trüinmcrn geborgen. Die übrigen in der Fabrik nnd dem Wohngebäude a»»»vcscnden Personen hatte,» sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Tie Wucht der Explosion war so stark, daß inchrerc an der Fabrik vorlnügehendc Personen auf den gegenüberliegenden Bürgersteig geschleudert wurden. Ein Mann erlitt hierbei mehrere Rippenbrüchc. Ueber die Ursache der Explosiv»» ist noch nichts bekannt. Drei Kinder verbrannt. Bukarest, 22. Dezember. In Großwardciu sind drei kleine Kinder eines Arbeiters beim Spielen mit Papierfackeln verbrannt. Als die Mutter mit WeihnachtsPaketen zurnckkohrt« und die verkohlten Leichen liege»» sah, verfiel sie'.n Wahnsinn. Ter Vater konnte nur mit Mühe vom Selbstmord abgehalten werden. Die letzten Einkauf« zu Weihnachten besorge womöglich wochentags, auf«inen Fall abey Sonntag nachmittags oder knapp vor Ladenschluß. Auch die Angestellten im kleine»» Verkauf habe» Anrecht auf den vereinbarte»» Ladenschluß. Die gctverksckzaftüichen Vereinbarungen dürfen namentlich von Angestellten nicht d>»rchbrochen werden! Tod im Sturm. Meldungen der„Politika" zufolge sind bei den Schnecstürmcn im Kreis« von Lika(Jugoslawien) einige Personen mns Lebe» gekommen. Beut 4 Sgenie sei und nicht weniger als 68 Sprachen und Dialekte beherrscht. „Petit Parisien" schreibt, es bestehe di« Ansicht, Fm Schneesturm non einer Lokomotive stbersahren — und heil davongekommen! Jglan, 22. Dezember. Int Böhmisch tnährt- sclwn Bergland in der Umgebung von Iglau ist in den lebten 2-1 Stunden bei einer Temperatur nahe Null Schneefall eingelreten. Bei starkem Schneestnrm ereignete sich heute ein ernstlicher Unfall: Auf der Gleisübcrsührung zwischen dein Zglaucr-Haupt« und dem städtischen Bahnhöfe war am Freitag vormittags der Bedienstete Ni. 'N o v a k mit der Beseitigung des Schnees be- daß die Berlmftcten weniger für ein bestimintes Land gearbeitet, sondern die Spionage wie ein Handelsunternehmen betrie- b e n hätten. Nationalsozialistisch« Hengstkörung. Das „Landwirtschaftliche Wochenblatt und Genvs- senschastliche Mitteilungen jür Schleswig Hol- stein" veröffentlicht in Nr. 45 6 im Wortlaut einen Bortrag, den der preußische Oberlandes- stallmeistcr im Auftrage der Deutsclstn Gesellschaft für Züchtungskunde über nationalsozia- iistischc.Heitgstkorung gehalten hat. Dieser Lortrag ist für den Nichtnazi so vergnüglich zu lesen, daß wir einige Blüten daranS einer weiteren Ocffentlichlcit zugänglich machen wollen. Der Herr Oderlandcsstallmcistcr sagte: „Die Pferdezucht kann nur im neuerstan- dcncn dritten Reiche cmvorgcfiihrt werden,— wenn geborene Zuchifüyrcr an der Spitze stehen. Das Führcrprinzip muß das erste Prinzip für jede LandcSzucht sein. Am höchsten steht die Pferdezucht in jenen Gebieten, wo Baurrngeschlechtcr unvernnschtcn Blutes seit Jahrhunderten auf den Hofen sitzen. Tort herrscht der Sinn für die Reinheit des BluteS in der Pferdezucht. Gemischt- stäinmige Bauern und solche, die ihre Scholle wechselten, sind nie di« Mtc der Pserdezüchter. Ich mochte in Zukunft, daß in jeder Provinz oder in jedem LaudcSteil nur ein Man» kört. Mein Ideal ist erreicht, wenn alle Hengst« in Preußen von einem Manne gekört werden." Da sage noch einer, das Tritte Reich beherberge keine Idealisten! Die Anhänger der Kreuzung zwischen Warmblut unt> Kaltblut mögen zittern! Auf- Rassenverrat steht die Strafe des Konzentrationslagers! Senator Joses Pettzik sechzig Jahre alt. Gestern ist der oer tschechischen sozialdemokratischen Partei angehorendc Senator Getwsse Josef Petrtk 60 Jahre alt geworden. Petkik stammt aus der Nahe von Pilsen, hat ursprünglich in Wien gearbeitet und ist seit 1905 in der sozialdemokratischen Bewegung deS Pilsener Gaues tätig. Er hat zusammen mit anderen tschechischen Sozialdemokraten den Verband der westbörnnischen Kleinbauern und Häusler ge- grütwet, eine Organisation, die heute 12.000 Mitglieder zählt und in der er mit Energie und Sachkunde die Interessen der tschechischen Kleinbauern vertritt. Mit unseren Genossen Kleinbauern steht Genosse Petrlk in enger Beziehung, er hat auch in der deutschen Arbciterbcwegnng dieses Landes gute Freunde, die ihm den herzlichste» Glückwunsch zu seinem sechzigsten Geburtstage darbringen. Ein Denkmal für den Arbeiterdichter Molker. Der Akademische Verein in Proßnitz, dessen Mitglied Jiki Molker war, hat beschlossen, Wol- i ker ein Denkmal zu setzen. Am 3. Jänner 1934,1 deut 10. Todestage des Dichters, wird eine diesbezügliche Aktion in Angriff gcnvmnten werden. Kindliche Torheit. Dieser Tage unternahm die elfjährige Eisenbahncrtochlcr Ludmilla Ba- liUikova aus Moravany den Versuch, ob ihr die Zunge an der Schiene bei der Barriere eines Ncbengeleiscs z u f r i e r en würde. In der Tat geschah dies auch. Auf ihre Hilseritfe hin eilte der Wächter I. Nömcc herbei, der mit Hilfe eines scharfen Messers die Zunge vorsichtig von der Eisenbahnschranke loszulösen begann. Der Eingriff gelang, nnd das Mävchcn brauchte nicht die Hilfe eines Arztes in Anspruch zu nehmen.— Am selben Tage fror einer achtjährigen Schülerin der Moravaner Schule ebenfalls die Zunge fest; das Kind hatte sie an ein Eisengitter gelegt. Zn diesem Falle müßte rin Arzt gerufen werden. Mozart in der SA. Ein junger SA.-Mann hat in Schöpscrgnalen und Gewissensnöten an die„Neue Literatur", eine im Av-narius-Ber- lag, Leipzig, erscheinende Zeitschrift, solgcndr Anfrage gerichtet: „Kann ein SA.-Mann Kammermusiker sein? Wäre es, um den Begriff zu verallgemeinern, ein Widerspruch, wenn rin SA.-Mann Musik wie Mozart, Gedicht« wie Storm oder Bilder wie Spitzweg machen würde? Könnte der vieles Genre bevorzugende Künstler SA.-Mann sein? Die„Neue Litctätur" tröstet den Frager: „Natürlich könnte er. Warum sollte er nicht? Je vollwertiger der Mensch, desto mannigfaltiger seine Kräfte, und: niemand kann so zart sein wie«in Mann..." Bor allem wie ein SA.-Mann, wenn cr wehrlose Menschen zu Tode prügelt. Wie dem auch sei— nachdem die schwierige Frage geklärt ist, darf der Bursche ruhig„Musik wie Mozart machen". Wenn er nicht dürste, ließe er's natur- sich, und dann wäre der Menschheit wiÄer ein Genie verloren! schästigt und bemerkte hiebei eine herankommende Lokomotive nicht, die ihn z» Boden stieß und über ihn h i n w c g f u h r. Novak blieb glücklicherweise zwischen den Schienen liegen, so daß cr nur leichtere Verletzungen und Abschürfungen erlitt, die aber doch eine lleberführung ins Krankenhaus notwendig machten. 250 französisch« Gelehrt« protestieren. Folgendes Telegramm wuvde von dem in London tagenden UntersuchnngSauSschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes an den 4. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig gesandt:„Dem Unter- suchnngSansschuß liegt Protesterklärnng 250 größter französischer Gelehrter, Professoren sämtlicher französischer Universitäten gegen Todesurteil vor. Namenverzeichnis folgt." Flugzeug überschlägt sich bei dcr Landung. Ein von Berlin kommendes belgisches Verkehrs flngzcttg berührte kurz vor dcr Landung a>n Freitag gegen 13 Uhr 45 aus dem Flughafen Dortmund mit der linken Tragfläche einen Baum und überschlug sich. Das Flugzeug wurde schwer beschädigt. Der belgische Flugzeugführer wurde getötet, der belgische Bordfunker mußte schtver verletzt inS Krankenhaus gebracht werden. Die drei Fluggäste verließen ohne fremde Hilfe das Flugzeug, von denen einer leicht verletzt wurde. Die Untersuchung über die Ursache ist sofort eingeleitet worden. Schiss beschädigt- Schiffskoch getötet. Ter Dampfer„D r e ch t d h k" dcr Holländ-Amcrika- Linie und der unter der Flagge von Panama fahrende holländische Dampfer„D e l i a" stießen M der Nacht ans Freitag im dichten Nebel ans der Maas bei Rotterdam zusammen. Der Anprall war so heftig, daß die„Delia" schwere Steuerbordschäden erlitt. Dabei wurde der 47jäh- rige deutsche Sch'ffskoch Schick getötet. Die neue Wektbühne(Prag 7, Melantri- chov» 1), Heft 51, ist soeben erschienen und enthält unter anderem folgende Beiträge: Ein Iuvist: Bor dem Urteil.— Jack London: Das Bombenattentat im Kongreß.— Gregor Bienstock: Bardamu und die vierte Republik. — Kurt Großman n: Dreißig Emigranten steifen sich selbst.— Fslicien Challahe: Die Peinigung der Kolomcn.— Justin Steinfeld: Onkel TvmS Hütte.— LoniS Fischer: Ein Ratschlag für Roosevelt.— Robert LaruS: Der Streik der Jugend. Der Blerabsatz in Wie n, der bereits im November gegen das Vorjahr um 30 Prozent zurückgegancpm ist, ist!m Dezember weiter gesunken, so daß in diesem Monat gegen das Jahr 1932 ent Rückgang von 40 Prozent zu verzeichnen ist. Damit sind auch di« bisher tiefsten Aus- stoßzissern erreichst worden, Polizisten, Diebe, Irrsinnig«, Goering und Goebbels. Die Moskauer„Prawda" schreibt in ihrem Artikel„Skandalöses Finale der Leipziger Gerichtsverhandlung":„.... Unter den A n- klagczeugen marschieren ans: 20 Schutzleute des Außendienstes der Kriminalpolizei, Polizeikomutissare und Inspektoren, sechs Lockspitzel, zwei Spitzel, zwei Diebe, acht Staatsbeamte, darunter der Verwalter des Präsiden- tenpalais, 3 Nazi-Abgeordnete, 7 Nazi-Funktionäre, ein Irrsinniger sowie Goering und Goebbels. Aus den Aussagen dieser„Zeugen" rnht das ganze Lügengebäude des Staatsanwalts.." Von unsern Ktndcrfrcimöcn Jedem Kinde eine Wellmaifüslreu del Die gewandten Bastkerhände regt der Rote Fall' geschwind, daß er Weihnachtsfreude spende Kindern, die noch ärmer sind. Lebt in feinem SchaffenStriebe, hilfsbereiten Sinn gesellt, Ahwmtg nicht dcr Bruderliebe, die dereinst das All erhellt? (Ella Graf) Die herrliche WeihnachtS-Solidaritätsakt'on unserer Falken nähert sich ihrem Ende. In den letzten Wochen herrschte in fast allen Ortsgruppen ein wahrer Hochbetrieb im Basteln für diese Aktion. Die Falle» hatten sich vorgenommen. 10.000 Spiellachen für die Kinder arbeitsloser Familien herzustellen und wollten unbedingt dieses Ziel erreichen. Jetzt, wo schon viel« Ausstellungen in allen Gaugebieten Zeugnis vott dieser Arbeit egben, können wir Wohl sagen, daß dieses Ziel erreicht tverden wird. Wer di« Ausstellungen dcr Kinderfrcunde besteckst hat, konnte selbst sehen, mit welcher Liebe und welchem Eifer unsere Falken bei dieser Aktion sind. Viel« tausend Freistunden haben sie gern nnd freudig für diese Arbeit geopfert, nm noch ärmeren Kindern, als sie selber sind, eine klein« Freude zu bereiten. Nun gehe» dies« vielen schönen Spielsachen, in Kisten verpackt, ihren Bestimnuntgsorten entgegen und in wenigen Tagen werden sic Kinderangen nnd Kinderherzen erfreuen. Eine gute Ehe. InS Gefängnis von Philadelphia kam Donnerstag eine Frau mit ihren: 18 Tage alten Kinde und ersucht«, die Weihnachten mit ihrem Manne im Gefängnisse zu verbringen. Ihr Mann, der Bankier Skwirui, war gemeinsam mit ihr wegen verschuldenden Fallissements verurteilt worden. Tie wurde aber vor der Niederkunft in Freiheit gesetzt und sollte erst am 2. Jänner 1934 mS Gefängnis zurückkehrcn. Sie erschien aber bereits gestern im Gefängnis, nm die Weihnachten bei ihrem Mann« zu verbringen. Glimpsl ch davongekommen. Ein französischer Hydroavion, an dessen Steuer der französische Flieger und Schriftsteller Saint-Cxöcntery saß, hatte unweit ron St. Raphael eine plötzlich« Motorstörung und stürzt« ins Meer. Die Reisenden retteten sich durch Schw'mmen: sie kamen mit einem kalten Bade davon. Bloß der Pilot selbst, Flieger Sainl-Ex6cnl«ry, wurde bei dem Unfall leicht verletzt. Staatsbegräbnis für Rasmussen. Dir Witwe des Grönlandforsrhers Knud Rasmussen hat das Anerbieten deS Ministerpräsidenten Stauning, das Begräbnis ihres Mannes auf Staatskosten vor sich gehen zu lassen, dankend angenommen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Sonntag: Prag: 648 Morgengymnastik 815 Weihnachtslieder. 1045 Harfenkonzert. 12.15 Mittagskonzert. 15.30 Kinder musizieren. 17.00 Deutsche Sendung: Vorschau aus das Musikprogramm. 22.05 Pros. Musil: In dcr Residenz des«ön'gs HerodiaS. — Briiun: 17.00 Deutsche Sendung: W«ih- nachlsstutüe— Wien: 12.00 Unterhaltungsloitzert. 15.00 Äugend bühn«. 18.50 Vortrag« eines Waldhorn- -tuinletts. 21.15 Christnacht der Völker,— tzcils- b-rg: 22.15 Europäische Völker singen ihr Weih- nachtslied.— L-Ipz g: 15.10 Das Spiel von den heiligen drei Königen. ” Nur keine Angst, meine Herren, ich habe den Stier fest in meiner Hand!" -rr. 800 Samstag, 98. St)CM*r M An die Mörder! Von(Hohn Hemrtz Mackay. Er ist geschehen!— Und schaudernd nxnWt sich Bon euch, bett Mördern, eine Menschheit ob: Nicht sei« Menschheit, di« in Nacht und Irrsinn Begraben liegt am Morgen eine« Tage», Der schon die Erde segnend überleuchtet— Nein, jene, weich« durstigen Herzen» schon Di« ersten seiner Strahlen in sich trank! Schaudernd von euch, den blutbefleckten Mördern. Vergebe»? waren all« jene Ruse, Die Menschlichkeit!— nicht? mehr— von euch verlangten. Nur Menschlichkeit!— Daß nie Gerechtigkeit Don euch uns werden würde, wußten wir. Nur Menschlichkeit!— Doch ihr— verlachret sie! E? ist gescheh»!— Don Furcht und Qual bedroh«, Bon de« Gewissens scharfem Biß gefoltert. Habt ihr— die feigen Knechte seiger Räuber— Durch eure Henker sie erwürgen lassen! ES ist gescheh»!—Hört unfern Fluch! den Fluch Bon Millionen, di« in dieser Stund« Sich schaudernd ad von euch den Mördern wandt«». Er breit« über jeden eurer Tage Der Schotten sich de- Sterbens, bi? der Lod — Derse.be Tod, den ihr zu meistern wogtet— Euch einzig noch Erlösung scheint vom Leben, Und dann—verlasse«uch der Tod! Dann— lebt! Euch rühr« jede Nacht:» jeder Stunde Die kalte Hand det Rächers an und reih« Euch aus vom Lager!— Dar sei euer Läen!— Und euer Sterben dies: verlassen, freundlo-. Gehaßt von euren Kindern, und verabscheut Bon allen, di« ihr liebt, verflucht, verachtet, Erhebe sich vor euren starren Blicken Än letzter Stund« einmal«roch dar Bild, Das eure Tage nie versöhnier Schatten Und eurer Nächte dräuend Schreckbich«vor! Dior unser Fluch! Vernehmt ihn! Lebt! und sterbet! Er ist geschehen!— Wohl starben unsre Brüder, Jedoch sie werden leben in und allen! Sie sind die ersten Opfer nicht der Zukunft. Und werden nicht di« letzten sein— uns all« Berührt der Fittich unsrer dunklen Tage. Wenn«inst di« Menschen nach unzähligen Kämpfen Gelernt was„Mensch sein" heißt, und „menschlich handeln". Dann werden sie— wi« wir in diesen Tagen— Mit Abscheu sich von jenen Mördern wenden Und«» verslehn, warum in unsern Herzen Di« Liebe starb und Haß erstehen mußt«. 18. November 1687. Kleidungsstücken, Wäsche Mit derartigen Waren dank der Krisenzeit im Wertsachen finden Dar Christkind ist im Jahre de» Unheil» l nicht minder in finanzieller Bedrängnis als alle Dell. ES kann also nicht wiindernchincn, daß die Prager Versatzämter in diesen Weihnachtstagen einen Rekordbesuch zu verzeichnen haben. Das maßgebend« Unternehmen aus dem Gebiete des PfandleihgeschästeS Ist in Prag die staatliche „Versatz' und Leihanstalt", deren Zentrale in der unteren Neustadt, unweit der Heinrichsgassr, untergebracht ist und dle in den Vor. llädlen mehrere Filialen unterhält. Man hat dieses Unternehmen nicht mit Unrecht als die „Bank der Armen" man schenkte ihm keinen Gkcmben. Die ganze Sach« war, wie man im BolkSmund sagt, rechtgewärmt". Die. Eiserne Ferse hatte oesch/os- und da gab eS kein Man sagt, daß die Wahrheit an den Tag wolle. Ich bin dazu gekommen, dran zu zwei- feln. Neunzehn Jahre sind verflossen, und trotz unseren unermüdlichen Anstrengungen haben wir nie herguSaesunden, wer die Bombe geworfen hat. Ohne Zweifel war es ein Sendling der Eisernen Ferse, aber er ist der Entdeckung entschlüpft. bkjcichnet. Cs trifft sich gerade, daß beim Betreten deS lüfteten unb unfreundlichen Gebäude» der Zentrale m der LeihamtSgasse eine Versteigerung .verfallener Pfänder stattfindet. Eine dicht geschlossene Kolonne von Altwarenhändlern und shvischenvcrkäufcrn umlagert den DerstelgerungStisch. Nebenbei:«in vorzüglich organisierter Trust, der keinem Außenstehenden erlaubt, ohne seine Geneh- inigung etwa» von den spottbillig angebolenen Ge> zenständen zu erwerben. Wer etwas derartige» ver- juchen sollte, kann sicher sein, so lange ü b e r st e i- fiert zu,werden, bis sich der Kauf nicht mehr lohnt. Derartige Regiekosten nimmt der Trust gern auf sich, tat» er wahrt dadurch seine Monopolstellung. „ChabruS" heißt diese durch jahrzehntelange Tradition aufS beste lingearbeitete Genossenschaft der Aufkäufer. Der »Chabrus" beherrscht souverän da» Angebot. Ein prachtvoller Winterrock wird für 70 Ke auSgeboten — kein Angebot erfolgt. Aehnlich geht eS viit anderen angebotenen aller Art, Schuhen n. dgl. sind die Altwarenhändler llebermaß versehen. Nur interessierte Abnehmer. Steigen wir ein Stockwerk höher, so gelangest tvir in die Räume, wo die Pfänder vcn Taxatoren vorgelegt werden. In langen Fronten stehen die Neldbedürsttgen entlang der den Zutritt zum Schalter regulierenden Barrieren angestellt. AIS„A r- menklassc" kann man die Abteilung für Kleider und Geräte bezeichnen. Hier wird das letzte Stück Wäsche, der letzte entbehrliche Anzug und selbst der in der Winterszeit keineswegs entbehrliche Mantel verpfän- tel. Eintönig klingt die Stimnie des Taxatore durch den Halbdunkeln, nach Stauböl stinkenden Raum: r.. Zehn Stück W ä s d> e— dreißig Kronen"— ein Mantel— sünsundzwanzig"—„eine Harmonika— vierzig". Ein Tienftmann bringt eine Nähmaschine geschleppt, ein junger Mensch schiebt ein Fahrrad vor sich her. To kommt einer, bepackt mit Musikinstrumenten, die zusam- men gerade ein Jazzguintett ergeben. Hun- zerude, arbeitslose Musiker tragen ihr Werkzeug hier zur Berpsäudung. Wer weiß, ob sie eS je wieder NtSlöscu können— Dazwischen klingen andere Töne:„Unmöglich, siebe Fran, opk diese Schuhe kann ich nichts leihen —".„Nein, Herr, dieser Anzug ist Vicht mehr zu belehnen—".„Wo denken Sic bin! Dreißig Kronen ist das äußerste."— Und siebende Bitten:„Herr Verwalter, seien Sie doch so gütig Aber das ist umsonst. Die Beamten sind human— dos ist mit streude sestzustcllen— aber Pflicht ilt Pflicht und diele Abteilung ist ohnedies schwer vassiv. Die Mehr, zahl der Pfänder verfällt, so erzählt ein Beamter, die Magazine sind überfüllt. In der Karolinenthaler Filiale erscheint eine kleine schwache Fran mit zwei schweren Koffern beladen. Kleider und Wäsche sollen verseht werden, um den Kindern eitie kleine Weih- nachtSsreude zu ermöglichen. Ter Beamte lehnt mit ausrichtigem Bedauern ab.„Wir haben für Koffer leinen Platz mehr im Magazin. Gehen Sie zur Zentrale. Dort vielleicht—". Seufzend schleppt die Frau ihr Gepäck davon. Sie ist von P r o s e k herge- lommen, zwei Stunden Wegs. AMMflMMMMMMAMMMMMWVMVmmWIWWmWWWWWWWI 2)00 Komplott ®on CouBon. „Lut mir leid, wertlose Imitation."— „Aber ei ist doch von meinem" sagt da» Mädel halblaut.„Der Nächste bitte!" beendet der Beamte sachlich die Debatte. Ein junger Mann will ein Gemälde versetzen.„Kommt gar nicht in Frage" entscheidet der sachkundige Prüfer.„Ich löse es niorgen wieder aus" versucht der Bedürftige sein Glück.—„Der Nächste, bitte..." Im Publikum sieht man Uniformen. Eisenbahner, Zollangestellte, ein Korporal mit den Tressen der läugerdieueude» Unteroffiziere am Arm. Man sieht Leute im Pelz, denen zum„heiligen Christ" eben momentan daS„Kleingeld" fehlt und verhungerte Physiognomien, die eben noch— wie lange noch— den Schein einer bürgerlichen„StandeSgemäßheit" halbwegs zu wahren suchen und durch zeitweise(?) Entäußerung von ihrem letzten LuxuSbesitz, dem bißchen billigen Schmucks, einige Kronen für«ine bescheidene Weih-. nachtSsreude zu ergattern suchen... Selige, fröhliche Weihnachtszeit! Up. sollte, man kann bai bequemer im Geschäft erledigen. Woche für Woche steht er so, ob Regen oder Sonnenschein, ob Kälte oder Wärm«, vom frühen Morgen bis zum späten Abend, unentivegt, nn- entmutigt, imiuer an der gleichen Stelle, immer mit dem bleichen Aussehen, mit den verbisienen Lippen und den harten Gesichtszügen. Nur, daß lein Zeng iinnier fadenscheiniger wird und ausfranst, und daß fein Schuhwerk plumpe Formen annimmt mit anfklaffenden Nähten, mit auf- gosprungenen Falten und Löchern und Löchern— genau so, als lveiin matt einen Stein an leine Stell; setzen würde; auch er würde langsam verwittern und abgenutzt werden— wie der Mann an der Mauer... Als längst d!« Sonn« sich;»trückgezoge»t hatte und elektrische Bogenlampen schon Stunden hindurch die Straßen halbNxgS erhellten, trat ein kleines Mädchen auf den Blinden zu. Da löst der recht« Arm sich endgültig von der Zigarrenkiste und tastete über den Kopf des KiwdeS.„Bist du eS?" sprachen lein« Lippen lonloS. Es lvaren die ersten Worte, dir«r nach stizndenlaizgem Schweigen sprach. ,^Ja!" antwortet« das Kind.„Komm, Baler!" Er leerle den Blcchdeckel, nahtn die wenigen Geldstücke an sich, klappte die Kiste zu und schob sie unter den Ann. Dann folgte er wortlos dem Kind« und ließ sich von ihm heimwärts leiten. Ein großes, hilfloses Kind, dqS sich dem Schuhe d«S eigen««, sehenden, noch nicht schulpflichtigen Kinder willig hingibt. Leopold Wembach. der Man« an der Maner... Tag kür Tag steht«r dort, der Blinde, steht an die Matter gelehnt und trägt eine offene Zigarrenkiste, darin ein Paar Schachteln Sireich- hölzer liegen, di« aber so viel Raum freilassen, daß ein kleiner Blechdeckel bequem Platz hat, nrn de» etwaigen Erlös anf.znnohmen. Slnmm und reglos steht er' so da, kaum, daß für AugeM-icke Bewsgnng in Arme u>id Beine kommt— wie eine Statu« mutet er an, die mit der grauen Mauer verwachsen scheint. Unaufhörlich gehen die Menschen an ihm herüber, junge und alte, arme und reiche. Hin und her. Niemand sieht ihn. Keiner beachtet ihn. Er ist so mit dem Straßenbild, verschmolzen, daß di« Vorübergehenden höchsten» einmal zur Seite blicken würden, falls er nicht mehr dort stände, und dann eben nur, nm mit dem Berstande zu r«istri«ren, daß da irgend etwas an der Mauer schle, weiter nicht». Hin und wieder schicht er di« blau« Schutzbrille in di« Höhe und laßt sie eine Weile über den Augenbrauen ruhen. Instinktmäßig tut er da», wie, um den Vorübergehenden zu zeigen, daß«s kein« Sonnenbrille oder gar eine bewußte Täuschung sei, sondern daß die Brille lediglich d«n Zweck erfüllt, die lichterloschenen, leeren Augenhöhlen zu verdecken. Seltsam, so oft sich die Blick« an diese toten Augenhöhlen Verlieren-7- eben weil«in« ganz kl«ine Veränderung am Straheubildc vorgenom-- wen wurde s-->--—---"— Platz und wartet« aus«ine Ruhepause. Und dann passierte eS. Ich konnte von meinem Platz aus der Galerie au« nicht» als das Aufblitzen der Explosion sehn. Das Donnern derselben erfüllte mein« Ohren, und ich sah, wie Ernst in einer dichten Rauchwolke schwankte und fiel und wie die Soldaten hereinstürzlcn. Seine Genossen sprangen auf, wütend vor Zorn und zu jeder Gewalttat fähig. Aber Ernst stützt« sich einen Augenblick fest und hob die Arme, um Ruh« zu erbitten. „Es ist ein Komplott," klang seine Stimme zur Warnung für seme Genossen.„Tut nichts, sonst seid Ihr verloren." Dann sank er langsam hin, und di« Soldaten waren bei ihm. Im nächsten Augenblick räumten die Soldaten die Galerien, und ich sah nicht» mehr. Obgleich er mein Gatt« war, wurde ich nicht zu ihm gelassen. Al- ich aussagte, wer ich sei, wurde ich sofort in Haft genommen. Und zur gleichen Zeit wurden sämtliche in Washing» ton anwesenden Kongreßlrute verhastet, sogar der unglückliche Simpson, der in seinem Hotel an Typhus krank lag. DaS gerichtliche Verfahren war kurz und bündig. Die Leute wurden verurteilt. Die Oligarchie war in jenen Tagen zuversichtlich. Sie war trunken von Erfolg, uns sie ließ es sich nicht träumen, daß dies« kleine Handvoll-Helden die Kraft in sich hatte, die Grundfesten der, Oligarchie zum Wanken zu bringen. Morgen, j wenn di« große Revolution auSbricht und alle j Welt widerhallt vom Tritt der Millionen, wird die Oligarchie, aber zu spot, erfahren, wie mächtig diese Heldenschar angewachsen ist. Selbst Revolutionärin, und zwar eine, die in alle Hoffnungen und Befürchtungen und geheimen Pläne der Revolutionäre eingeweihi war, bin ich wie wenige in der Lage, di« Anschuldigung zurückzuwcisen, daß wir, die Sozialisten, die Schuld an der Bomben Explosion im Kongreß«ragen würden. Und ich kann rundweg, ohne irgendwelche Einschränkungen oder iraeno- wrlchcn Zweifel erklärest, daß die Sozialisten ihre Hand nicht im Spiel hatten, weder inner- halb noch außerhalb des Kongresses. Wer die Bombe warf, wissen wir nicht, aber das e:ne wissen Wir ganz bestimmt, daß wir sic nicht geworfen haben. Andererseits liegt di« Wahrscheinlichkeit vor, daß die Eiserne Ferse für die Tat verantwortlich zu machen ist. Wir können eS allerdings nicht beweisen. Unser« Annahme beruht nur auf Mutmaßung. Aber Folgendes wijse» wir. Durch staatliche Geheimagenten war dem Sprecher deS-Hause- gemeldet worden, daß die sozialistischen Kongreßkeute ihre Zuflucht zu terroristischer Taktik nehmen wollte, und daß sie den Tag des Beginns bereits festgesetzt hätten. Und dieser Tag war gerade der Tag, an dem die Explosion stattsand. Deshalb waren im Kapitol im voraus Truppen zusammeng.-zogen werden. Da wir nichts von der Bombe wußten, und da eine solche wirklich explodiert war, und da die Behörden schon im Vorau» sich für die Explosion vorbereitet hatten, ist die Annahme, daß dl« Eiserne Ferse davon wußte, nur zu ge- rechtfertigt. Ferner behaupten wir, daß die Eiserne Ferse die Schuld an den Ausschreitungen trug, und daß sie die Ausschreitungen vorbrreltet und begangen hat, mit der Absicht, di« Schuld auf uns abzuwälzen und somit unfere Vernichtung z»t bewirken. Der Sprecher gab allen Kreaturen im Hause, d'e die scharlachrote Livree trugen, de» nötigen Wink. Sie wußten, daß wahrend Ernst sprach, ein(Gewaltakt grschehn würde. Und, um ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lasten, sic glaubten aufrichtig, daß die Sozialisten diesen Gewaltakt ausfuhren wurden. Bei der Verhandlung bezeugten mehrere ebenfalls in ehrlicher Ueberzeugung, acschn zu haben, daß Ernst sich anschickt«, die Bombe zu werken, und daß dtrse zu früh explodierte. Natürlich sahen sie gar nichts dergleichen. In ihrer Angst bildeten sie sich ein, eS gesehn zu Haven. DaS ist alles. Ernst sagte beim Verhör:„Kann ein vernünftiger Mensch annehnten, daß, wenn ich eine, Bombe Wersen wollte, ich dazu einen kleinen harmlosen Feuerschwärmcr wählen würde? Tarin war nicht genug Pulver. ES machte eine Menge Rauch, aber cs verwundete niemanden als mich. Es explodierte gerade vor mente» Füßen und tötete mich nicht. Glauben Tic: Wenn ich Bomber werfe, dann gibt es Schaden. In meinen Petarden wird noch etwas andres als Rauch sein." Von der Anklage wurde dagegen gefolgert, daß die Kraftlosigkeit der Bombe auf einen Mißgriff der Sozialisten zurückzuführen sei, genau wie auch ihre frühzeitige Explosion, die dadurch verursacht worden sei, daß Ernst keine Nerven verlor und die Bombe fallen ließ. Und zur Bekräftigung dieses Arguments bezeugten mehrere Kongreßkeute, daß sie gesehn hätten, wie Ernst mit der Bombe spielt« und sie fallen ließ. Bon u»zs selbst weiß niemand, wie die Bombe geworfen wurde. Ernst sagte mir, daß er sie einen Bruchteil eines Augenblicks, bevor sic explodierte, gebürt und vor seme Füße habe hin- fliege» sebn. Er erklärte das vor Gericht, ober man schenkt« ihm keinen Gkaitben. Z'„ ! Saüie war, wie man im BolkSmund sagt, > rechtgewärmt". Die Eiserne Ferse hatte des , sen, unS zu vernichten, Widerstreben. sich auch wieder ab davon, als vernröchte doch irgend etwas Unsichtbares, noch irgendwo Vorhandenes, daraus zu sprechen, vielleicht gar zu flehen und zu bitt««. Tote Augen... leere Augenhöhlen; sie führen eine eigene Sprache, sie greifen unbewußt in irgendeine Seit« der mensch- liehen Seele und bringen sie zum Schwingen. Die Menschen aber— ertragen«S nicht und ivollen eS nicht gerne ertragen, also weitden sie sich ab und mögen erst gar nicht daran erinnert iverdeu; es ist besser so, man behält seine GowisseiiSrulie und nian tut so, als ob gar niemand dort stände, als überseh« man eS voll- ständig vor lauter Geschäftigkeit und Hetzjagd. BiS die Brille wieder auf dem Nasenrücken sitzt, dies« alte Brill«, mit Nickeirändern und dicken blauen Gläser». deren Bügel mit schwarzem Zwirn uimvickelt sind,»veil sie infolge von Altcrs- 'chwächc sich auS den Einfassungen gelöst haben. Und— die Schritte der Borbrigeheuden werden wieder ruhiger, sicherer, langsanier. Man tveiß, der Vorhang ist wieder geschlossen, di« blau«n Gläser sperren ein« Welt ab und machen sie unsichtbar, daS Vorübergehen wird zum erträglichen. hannlosen Spiel— der Mann sieht e» ja nicht! Daß er blind ist, nun, da» ist eben sein Schicksal, aber w«n kümmert«8 sonst? Gewichtig schreitet man an ihm vorbei und macht sich seine einzig« Schwach«— seine Blindheit— zunutze, womit er gerade«ist wenig werben möchte. Er sieht di« Menschen ja nicht und kann sie durch keine» flehenden Blick aufrütteln, also rng am iBtrageuvtwe vorgenom-, brauchen sic auch nicht in di« Taschen zu greife», so ost und so schnell wenden pes selbst— wenn die Streichholzschachtel leer sein MWMW l« Den PkM WWW. Die„Bank der Arme»" hat Hochkonjunklur. Eine Stufe höher in der Rangordnung des Zeitelends rangiert die Abteilung für Wertsachen. Die, welche noch derartiges anzubieten haben, sind inkiicechiil noch nicht ganz verelendet. Nebst P r e- ti 0 sen werden hier Grammophone, Radioapparate, Schreibmaschinen, Vervielfältigungsapparate u. dgl. zur Berpfändilng vorgelegt. Ein eleganter Herr be- kommt für einen Brillantschmuck zwölf- hundert Kronen ausgezahlt, eine alte Schreibmaschine erzielt mit Mühe und Not zweihundert. Ein junge«, hübsche« Mädel be- kommt Tränen in die Augen und die Wangen werden glühend rot, da der Taxator nach flüchtiger Be- gutachtung einen angebotenen Ring zurückgibt: Di« nachstehend« fst in den Tagen des Final« im ReichStagObwnd- stistungs-Prozesse von furchtbarer Aktualität... Sie ist einem alten Buch entnommen: Jack London»„Die Eisern« Ferse", diesem erschütternd visionären Roman, der vor Jahrzehnten geschrieben und aus den Scheiterhaufen des Dritten Reichs verbrannt wurde. Nach der Zerstörung der Bauernstaaten verschwanden die Aogeordneten derselben au» dem Kongreß. Die wurden wegen Hochverrat« anacklagt und ihre Sitze von Kreaturen der Eisernen Ferse eingenommen. Die Sozialisten waren in einer bedauernswerten Lage, und sie wußten, daß ihr Ende nahe war. Kongreß und Senat waren leere Vorwände, Posten. Gemeinnützige Fragen wurden feierlich durchberaten und in Uebereinstimmung mit den alten Regeln verabschiedet, während in Wirklichkeit alles, wa» geschah, daraus hinauSlief, de» Befehlen der Oligarchie den Stempel des verfassungsmäßigen Verfahrens zu geben. ES wurde über da» Gesetz zur Unterstützung der Arbeitslosen beraten. Di« harten Zeiten de« vorhergcgangenen Jahres hatten groß« Massen des Proletariats gänzlich verelenden lassen, und die fortdauernde und ausgedehnt« Verwirrung ließ diese Mallen noch tiefer sinken. Millionen hungerten, während die Oligarchen und ihr Anhang vom Uebersluß übersättigt waren. Wir nannten diese Maste da» Volk de» Abgrund», und um ihre schrecklichen Qualen zu Undrrn, hatten die Sozialisten ein Gesetz zum Antrag gestellt, daS di« Unterstützung der Arbeitslosen betraf. Aber daS war nicht nach dem Sinn« der Eisernen Ferse. Deshalb hatte sie den Befehl erteilt, daß unser Antrag niedergestimmt werden sollte. Wir wußten all«, daß etwa» Furchtbare» drohte. ES lag in der Lust, und seine Gegenwart wurde durch bewaffnete Soldaten, di« in Zügen in den Gänge« aufgezogen waren, und durch Ossiziersgruppen, die an den Eingängen des KongreßgeoäudeS standen, augenscheinlich gemacht. In den Türeingängen gab es Bewegung. Unser Führer Ernst, der Sprecher uiib alle Abgeordneten sahen dorthin. „Warum rufen sie nicht Ihre Soldaten herein, Herr Sprecher, und befehlen ihnen, Ihre Arbeit zu tun?" fragte Ernst,„Sie würden Ihren Plan schnell zur Ausführung bringen." „Es sind andere Pläne im Gang" war die Antwort.„Deswegen sind di« Soldaten bier." „Unsere Pläne, vermute ich", höhnte Ernst. „Meilchelmord oder so was." Als da» Wort„Meuchelmord" fiel, brach der Lärm von neuem lo». Ernst konnte sich kein Gehör verschaffen, aber er blieb aus seinem Seit««. „Sozialdemokrat* «amStafc rs. 9tanOtt ttU8 Rr 300 SL^Wcto-CWend. Tonnta?-^^n&OLuZe/l IJÜ* ^.DeWÄ«<^A****r*2**' Der Ftfm Mitteilungen ans Dem Publikum Literatur Kunst und Wissen auf Geriditssaal I PRAGER ZEITUNG. 20 Uhr 50, Rückkehr am 8. Jänner 1034 ff Uhr früh. Schützen Sie sich vor Krankheiten, welche dal ungünstige Wetter mit sich bring». Durch regelmäßig« Massagen mit dem Menthol-Franzbranntwein Alpa Härten Sie Ihren Körper ad und machen ihn gegen die schädlichen Einwirkungen der rauhen Fahrrszeit widerstandsfähiger. Befragen Sie Ihren Arzt, 10g w e r k st ä t! e und töteten zwei dori beschäftigte Tapcziererge Hilfen. Nebst dein Apotheker P ü n s k y,-er diese De-» iiifiziernng übernommen hatte, waren noch seine Zwei Angestellten K o p l a und S v i t ä l angeklagt, nwlche die Desinfizierung unmittelbar durchgeführt und der» ebläumt hatten, für die ordentliche Ab'chließnng aller Der igen ver- dar nur *oi Prlt» Rosenfeld. Durch Alle Ortsgruppen der„Kinderfreunde“ um nur Ki 19.— (frflher 3 Mark) so belieben. Statistische- Jahrbuch der Tschechoslowak scheu Republik für da» Jahr 1984. In diesen Tagen ist eben eine benierkenSwert« Neuerscheinung, das Statistische Jahrbuch der Tschechoslowakischen Republik für daS Jahr 1084, herausgekommen. Mit dieser Veröffentlichung nimmt daS Statistische Staat-aut» die regelmäßige Herausgabe amtlicher statistischer Jahrbücher auf. DaS Ziel der Redakt'on war, di« Ergebnisse aller statistischen Arbeiten-er letzten Jahre, soweit diesen Daten eine gesamtstaatlich« Bedeutung zukommt, zu einer gedrängten Uebersicht zusammenzufassen. Daher wurden nicht nur-'« Ergebnisse der statistischen Erhebungen der Statistischen StaaisanrteS, dessen Daten da- Gerüst des ganzen Jahrbuche- 1981 bilden, benützt, folgern auch di« Mitteilungen anderer Aemter und öffentlichrechrl'chrr und privatrechtlicher Körperschaften. So erwuchs das Jahrbuch 1931 zu einem informativen Samnielnirk der verschiedensten, sonst schiocr zugänglichen Daten, di« ein verläßlicher Bild alher Gebiet« unseres öffentlichen Lebens geben. In 18 Kapiteln und 482 Tabellen sind neben den Daten über die Bevölkerung und das Gebiet der Tschechoslowakischen Republik di« wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aktualitäten zahlenmäßig erfaßt, so daß gesagt werden kann» daß mit dieser Veröffentlichung di« neueste tschechoslowakisch« statistische Enzyklopädie auf-en Büchermarkt kommt. Neben dem inhaltlichen Wert« der Jahrbuches 1984 muß noch auf sein« praktische Aufmachung aufmerksam gemacht werden, die durch pvrckmäßig« Hinweis« dem Leser di« Arbeit und den Ueberölick erleichtert, durch Retrospektiven den. Vergleich mit den' Vorjahren ermöglicht und durch sein umfangre'chrs Register zur raschen Orientierung beiträgt. DaS Jahrbuch 1934 ist für di« breiteste S«fsentlichk«it best'nimt, d. h. für all«, die objektive '.nformative Zahlen suchen und sich einen unverzerrten Ueberblick über di« gegenwärtig« Lage bilden und verläßliche Schätzungen für die weiter« Entwicklung vornehmen wollen Das Jahrbuch 1931 wird daher zu einem unentbehrlichen Behelf für all« ans volkswirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet« Tätigen werden. Zu den Borzügen bei Jahrbuches 1934 gehört auch sein Preis(lü 88.—), der Im Hinblick auf den Umfang de- Buches»346 Seiten) sicher sehr niedrig ist. ES ist durch jeden Buchhändler oder unmittelbar beim Verlag OrbiS, Prag XII., Fochova tk., zu beziehen. Der Dunne!. Als Bernhard Kellerman« vor Jahren seinen Sensationsroman vom Mm« l» Prauer LlffitsililHaseri bis einschließlich Donnerstag, den 38. Dezember. Bertnek:„Zi FSnix:„< Kong."- Juli« r — Kinema, B.-Th.: Journal«, Report., Lustspiel. i/>2—J48 ,— Kotva:„Di« sechs Frauen-Heinrichs i VIII"— Luerrna:„Die sechs Frauen Heinrich- Verlangen Ae gram Verzeichnis der empfehlenswerten Qualitätsbücher zu außergewöhnlich billigen Preisen. Antiquarische Exemplare, sehr gut erhalten. Bücher-Geschenk« in deutscher und tschechischer Sprach« liefert ZenlralarbeUerbnchliandlDDg L Snuof. Praha H„ Hhbrrnskt7. 2187 Alma:„Zum aufgeqessenen Laden. „King Koiy."— B«lv«d«r«: Carlton „Zwölf Sessel."— Illusion: Garnison.'— Kapitol:„Die „King Kong."— Louvre: ,^King Kong/ „Tie Spionin."— Rozh:„Zum aufgegessenen Laden." 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Neues Slavlnsty-Ufa-Lustspiel. vi«len Tunnel schrieb, hat niemand ahnen können, daß man aus seiner spannenden amerikanischen Geschichte im dunklen Jahr« 1938 einen hakenkreuzleri- schen Film machen tv-ürdc, daß man aus dem Phantasiebild vom menschenfresscnden und crddurch- löch« rüden Trustkapital«in Heldenlied der Katastrophen, aus dem Gigantcnmärchen von den unbegrenzten Möglichkeiten der Technik und der Spekulation einen Lobgesang aus di« Fronarbeit mache» würde. Man muß sagen, daß dieser hakenkrenzlerische Film keine schwache Dutzendleistung ist. Hier Hal ein unbcrbrauchtcr.Könner, Kurt Bernhardt, Regie geführt. Im senjalioncll-nlopischcn Stile Fritz Langs(des Richtaricrs) hat er einen umgekehrten Russcnfilm geschaffen: einen Phantasiege- schwollenen, grausamen. gegenrevolutionären F i l m von der Arbeit. Mit stampsenden Maschinen, mit dröhnenden Züge», mir berstenden Explosionen, mit flutenden und brennenden Katastrophen, mit lärmenden, fliehenden und marschierenden Masse» malt Kurt Bernhardt sein« Filmerzählung vom großen Tunnelbau. Ein ruhmsüchtiger Ingenieur hat ihn erdacht, ein Syndikat von spekulierenden Milliardären finanziert ihn, eine anonyme Masse zäher ArbeitSleuic verwirklicht ihn. Aber der Ingenieur ist kein gewöhnlicher Ingenieur, er ist ein fanatischer, heroischer, begeisternder Führer— er stellt sich an die Spitze, läßt Glück und Liebe hinter sich mrd opfert sich dem Werk(das er, unsterblich wie jeder echte Führer, trotz aller Katastrophen überlebt.) AIS das Meer in den Tunnel einbricht uuo Tausende von Menschenleben in Gefahr bringt, beginnen die Arbeiter zu murren. Aber warum? Weil der Syndikat-sches, ein schurkisches Zerrbild des UnternehmertiimS, der an eine Katastrophe glaubt und L la Baisse spekuliert hat, sie dazu anstiflet, wahrend di« feineren Milliardäre auf das Gelingen ihres Tunnels hoffen. Der Führer aber reist sie Masten zur Begeisterung hin und führt sie mutig durch Schreck«» und Tod.„Wenn wir den Tunnel verlassen": so ruft er,„dann liegt ihr arbeitslos auf der Straße". Und das wirkt. Taufende mästen ihr Leben lasten, mit vorgehaltenem Revolver zwingt der Adjutant des Führers die Ueberleben- den zur Disziplin,— und als immer neue Katastrophen geschehen und sogar di« Frau deS Führers ums Leben kommt, da wird der Fanatiker vor Gram nachdenklich und will nicht mehr weiter. „Mit allem, was ich tue, richt« ich Unherl an", sagt er zu seinem Freund. Woraus der Freund nlir grausamer Logik erwidert:„Du darfst nicht mehr zurück. Du darfst den Platz nicht verkästen, den Gott dich gestellt Hal". Und so wird das me:i- schenfrestende Werk zu Ende geführt. Kurt Bernhardt ist, wie man sicht, nicht»rur ein effektvoller Regisseur, er ist auch sonst rin echter Fafcist. Das unmenschlich« Schicksal der Masten, denen man nur die Wahl zwischen gualvollem Tod und avbeitSIosem Elend läßt, ist ihm Anlaß zu heroischer Begeisterung, Der unheimliche FanatiS- mus eines Ehrgeizigen wird als göttliches Führer- tum glorifiziert. Und di« spekulierenden Unt.'tneh- mer werden geschieden in einen Schurken, der das Werk verrät, und in die vielen Gcntlcme», die kaltblütig den Gewinn erwarten. Daß nur sie die Nutznießer von Fron und Tod sind, bleibt unerwähnt. Ob daS von ihnen finanziert« Werk nützlich ist, wird als ungehörige Frage beiseite gelassen. Wahrhaftig, ein echt faseiftischer Film. Er berauscht sich an Mühsal, Katastrophen und Opfern, ohne nach ihrem Sinn zu fragen! Der Kritiker Hal feslzustellen, daß diel er„Tun-' nel" von allen bisherigen hitlerdeuischen Filme» I der erst« eriiftzunehmende ist. Sein« Kunst besteht allerdings— was niemanden wundern sollt«— im Effekt, im Lärm, in der Sensation und im Spannungskampf. Auffallend, wie schwach di« darstellerische Charakteristik bleibt,(Nur GründgcnS als schurkischer Unternehmer ist halbwegS inte res. sank). Der Politiker hat festzustellen, daß dieser Film für den kritischen Betrachter sehr aufschlußreich sein kann, sür den unkritischen, von Bluff und Phrale geblendeten aber gefährliches Gift ist. Und er hat den entscheidenden Satz hinzuzufügen: dieser Mm ist nicht nur rin Propagandawerk faseiftischer Ideologie,— er ist vor allem ein G e w i n n o b j e 1 t der braunen'Mensch- h e i t S s«i n d«.— eis— VIII."— Metro:„Ihr Arzt."— Radio: ,Lum aus- gegessenen Laden." Täglich, X2, AuSftattungsmärchen „Häitsel und Gretel."— Staut:„King Kong."— ~‘'."— BaM: „Di« Spionin."— ,Zum ausgegessenen Laden."— Favorit: estel."— Illusion:„In einer kleinen Spionin."— Lido: ,*— Maeecka: kitniiikit eierftUb tob— Cbtlttbtltiat:«Bttbjlw*»• kw<«.— Beroimo-rMcher RebaRm: De. Mott 6»t•« k, Hro«.— D«»S: JMtf ttt Aütäao- Mb Vochvruck, Tut.— gsr b» Stad»«r-aiw«ri>tch: Ott» boin. •ul Sh Äei.jnu'mMlrnjMntahit»Ut»o"mt«ob-«. rA utt«Hab ttt U.8WVIÜW88 bttolUta».- 1•“ s»üm««a i««aali ofci M»-,u, durch ilt puk«--»Uich U 1B.-. bhrtetiitzrttch K« L-, ** müäbti« U WU-.- 3»l«uu MtMB hat Uxif dun«» bmftatt. M Htma«alMUaaua ,.«ID.°chl.».- aUfhlua« M UoaaRtlw« n\tht ast M CiaftabaM btt RbtMHMttM. Dem Kind des Arbeiters das sozialistische Kinderbuch! Tirllin reist um die Welt Todesopfer einer Blausäure- vesinsetilon. Verwendung unqualifiziert«» Kraft« für lebensgefährlich« Arbeit.— Aber der Herr Apotheker fühlt sich unschuldig., Prag, 22. DcMlber. Im Feber d I. wurde der Weinberger Apotheker Bohumil P ä n s k y wegen fahrlässiger Tötung zu vier Monaten str«ngen Arrestes veruneilt. Es handelte sich(wir haben seinerzeit ausführlich über diesen Fall bericht«») um einen Unglückssall anläßlich einer Woh- nungSdesinfizierung mittels eines Blau» säur«gas«S, daS bekanntlich zu den gefährlichsten Giften zählt, da besten Einatmung auch in kleinen Tosen tödlich wirken kann. Di« Ga!« gelangten in den Lichtschacht des Hauses und»«eiter durch ein ,uf diesen Ltchtschacht mündendes Fen st er hn«in« im Erdgeschoß gelegen« Tapezierer« anliegenden Näumlichleiien Sorge zu tragen. Apotheker wurde, wie erwähnt, bei der seiner;«: Verhandlung zu vier Monaten Arrest urteilt. K o p t a zu einem M o n a t> und dritte Angeklagte freigcsprockten, weil er untergeordnet« Handreichungen bei der Desinfektion grleistct hatte. Interessant ist, daß die beiden mit der Desinfektion Beaustragien überhaupt keine fach, liche Ausbildung besitzen, obwohl eine solche btt derart gefährlichen Arbeiten natürlich unbedingt erforderlich ist. K o p i a ist Schuster und Svitäk Schlosser. Man wird also den Herrn "... 7,1 T...” 1 ein Apotheker sicherlich nicht von einer wirklich grobe» Scherz und Laune einer Revue zu reiten. I Fahrlässigkeit bei Benvendung seiner Hilfskräfte sreifprechen können. Gleichwohl legt« der Apotheker Nichtigkeitsbeschwerde«in und daS Lbcrste Gericht erkannte auch wirklich auf Aufhebung des Urteile» und ordnete eine neu« Ber- ,„__ Handlung an, während cs daS Urteil gegen Kopta Nicht di« Niveaulosigkeit des s ohne weiteres bestätigte. Jufolgedesten befand sich der Apotheker PänfkF heute neuerlich vor dem hiesigen Strafgericht. Die Sachverständigannrteile lauteie-n für den Angeklagten derart ungünstig, daß auch der heutige Yler'chtshof zur Uebcrzengung seiner Schuld gelangte und ihn, in Uebereinstiinniung mit dem ersten Urteil, neuerlich zu vier Monaten strengen Arrestes(allerdings bedingt, wie auch das erstemal) verurteilt«. Der Angeklagte meldet« abermals Nichtigkeitsbeschwerde an, wäh- rcnd der Staatsanwalt di« verhängt« Strafe zu niedrig fand und daher Berufung wegen zu geringen Strafausmaßes und wegen Zuerkennung der unbedingten Verurteilung omneldete. rd. Eine Stimme aus dem Publikum I über di«„Illustriert« Zeitung". Wir erhalten folgende Zuschrift eines in Prag> lebenden Emigrainen: „Die breite Masse muß ein« erbärmlich schlecht« Kunsterziehung genossen Haden, daß sie den Schund nicht erkennt. Entschuldigend muß allerdings gesagt werden, daß j n d i s ch c r G e- schiftSgeist es ja glänzend verstanden hat, den Geschmack des Volkes in Grund und Boden zu verderben!" Diese Sätze stehen im Novemberheft der nazistischen„Musik". Man liest sie und ist als deuiicher (nichtjüdischer) Künstler über diese maßlosen Gehässigkeiten empört, denn man denkt an all di« vielen großen und menschlich wundervollen Künstler jüdischer Rasse. Abends aber besucht man die„Illustrierte Zeitung', um sich aus dem zeitweiligen Elend und der Einsamkeit der Emigration heraus< wenig in Man steht oben aus der Galerie, sieht da unten die ersten Bilder abrollen, wartet aus eine künstlerisch« Leistung, auf ein gutes, witziges Wort, aus ein befreiendes Lachen. Und man fleht und schaut und hört und erlebt in ohnmächtiger Wut ein« abgrundrief« Enttäuschung, l Gebotenen, die Witzlosigkeit der Klosrttpapirr- und Karlsbader Toiletten-Aiwkdolen, di« Geschmacklosigkeit der ersten Wiener KaffeehauShur«, di« unvorstellbar dumm« Schlagerparodie und schlcchte Marlenenkopie sittd das Schlimmst«; was diesen Abend gerade einem philosemitifch eingestellten Menschen zu einem so schmerzlichen Erlebnis werden läßt, dar ist der furchtbar« Gedanke, daß ein« einzige derartige Ausführung mehr zerstört/ als zehn kunsterfüllte, an ständig« Juden aufbaurn können. Haben denn die Herren R o b> t s ch e k(über besten Affären in Berkin und Wen an dieser Stelle ichon geschrieben wurde!), Wiesenthal und Ge- nassen jÄ«S Finqerspihengesühl verloren?(Haben sie überhaupt jemals«ineS besessen??) Wissen sie nicht, daß gerade heul« der an exponierter Stell« stehende Jude noch vorsichtiger, noch feinsühliger sein muß als je.'.' Bedenken sie nicht, daß viele, allzu diele wachsam und lauernd auf.jede Blöße achten!! Ich greife aus der Füll« der„Gebotenen" nur«ine einzige Entgleisung heraus, di« mich, als evangelischen Menschen, besonders verletzt«..Herr„Professor" Fritz Wiesenkhal erzählt den(nruralteu) Scherz von den immer kürzer werdenden Frauenröcken. Im November bedecken sie nur noch dir Schamgegend und— „da kann man sich denn ja auch auf Weihnachten freuen!"!! Die Heranziehung dieses wundervolle» und tiefen Festes in ein« so nieder« Geschichte wäre schon vor rein jüdischen Zuhörern«in« Geschmacklosigkeit; vor einem gemischten Publikum aber bedeutet das eine bodenlose Gemeinheit. Was würden di« Herrschaften, die solche Scherze belachen, sagen, wenn er ein christlicher Conferenzier vom Schlag Wiesenthals wagen wollt«, als Stichtag für diese Freude auf ein« gut ausgezogene Frau etiva den —- Jom KizPur(Bersöhniingstag!) onzugeben!!??? — Presse und Publikum würden einen solchen Gesellen zum Tempel hinauSjagen! Und mit Recht!! Sir witzelten darüber, Herr Wesenthak, daß sie zwar„einst' in Berlin sehr beliebt gewesen seien (traurig genug!), heute aber nicht mehr so sehr!! „Mit Recht, mein Herr!" möchte ich sagen, und„in unsere:« neuen Deutschlaich, an dem wir bauen, noch weniger'.!" Fritz Walter Nielsen. Jean Gilbert:„Die Lame mtt dem Regenbogen" Tschechoslowakisch« Erstaufführung lm Stadttheater Teplitz-Schönau. Der bei der Ausführung anwesende Komponist konnte sich persönlich für stürmische Ovationen eines begeisterten Publikums bedanken. DaS Buch zu Gilberts neuer Operette ist an dem Sensationserfolg unschuldig. Ein« süß verlogene Welt schenkt der sentimentalen Glückssehnsucht des armen Mädels auS dem Modehause Erfüllung. AilbcrtS Musik macht diesen widerlichen Unsinn gern vergessen; sie wiegt ein durch schmeichelnde Mclodicnführung und führt einige Bollschlager ins Treffen. Der volle Sieg aber gehört der musterhaften Inszenierung durch Otto Dcwald und seinen originellen Tanzschöpfungen. Ernst RufcrS Bühnenbilder sind prächtig in Farbe, Erfindnng und Lichtessekten. Und am Pult herrscht mit Temperament, Disziplin und musikalischer Zauberhand Emil Emanuel. An der vordersten Front eines ausgezeichnet studierten EnsevkbleS stehen Otto De Wald, Eva Mül- ler-West, Willy Scherdeck und Grete S c d l i tz. Sie geben den Ton an, der eine fröhliche, stimmungsvolle Musik macht und einen außergewöhnlichen Erfolg besiegelt. Ungezählte Male muß sich der Vorhang heben, es gibt Begeisterungsstürme von seltener Kraft. Die Dame mit dem Regenbogen darf sich dieses Empfanges auf dem Boden unserer Republik freuen und Teplih darf stolz daraus sein, dieses Enträe in so glanzvoller Weife vermittelt zu haben. E. Th. Dochenspielplan des Neuen Deutschen Theater». Samstag, 4 Uhr:„Pünktchen und Auton." — Sonntag geschlossen.— Montag, 2)4 Uhr: „Pünktchen und An ton." 7M Uhr:„Z w e> v«rz«n im Dr«ivi«r1eltakt."(B 2.)— D'enstag, 11 Uhr:„Pünktchen und Anton." 2% Uhr:„Ball im Savoy." 7>/, Uhr:„Don Carlos.' Gastspiel Durieux, Basserinann, Deutsch, Moissi, Martin.(A. A.)— Mittwoch, 8 Uhr: „Garten Ed« n." Ml,)— Donnerstag, 7-4 Uhr: „Zwei Herzen im Dreivierteltakt."— Freitag, VA Uhr:„Dir Wildente." Gastspiel Albert Basternraim und Elf« Baffcrmann, Durieux, Moissi, Deutsch.— SamStag, VA Uhr:„Die verkauft« Braut."(B 1.) Wochrnspielplan der Kleinen Bühne. SamStag, VA Uhr:„John Gabriel Borkmaun."— Sonntag geschlossen.— Montag, 3 Uhr:„Allez hopp.' 7)4 Uhr:„Die Regi me ntst och te r." Erstausführung.— DienStag, 3 Uhr:„Garten Eden." 7% Uhr:„2chönste Ehe." Uraufführung.— Mittwoch, 8 Uhr:„Schönste Ehe."— Donnerstag, 8 Uhr:„Schönst« Ehe."— Freitag, 8 Uhr:„R« gimrntstochter."— SamStag 8 Uhr:„Schönst« Ehe.'