Erscheint mit Ausnahme ves Montag täglich früh. Ä dowo»«. v«rwa>imn»! vro» a.0kkceionk> Ki«»v.i«>?»»»,««». Martten, daß die Marinekräste in der vertragsmäßig festgesetzten Höhe mtfrechterhaltcn tvcrden. Di« zweite Resolution wird eine Ermächtigung für die Regierung fordern, bei Bedarf veraltete Schi-ff« durch neue E'utlwitcn zu ersetzen. Jnl Rahmen des Programms des Marine- Ministers S w a n s o n, betreffend die Moderni. sievltng und den Ausbau der Kriegsmarine, wird der Kongreß uin die Sicherstellung des für den Ban von Schissen im Jahre 1934 bestimnttcn Betrages von 100 Miillonen Dollar ersucht werden. ES handelt sich hier nm den Bau von zwei schweren Torpedobootzerstörern, zwölf leichten Torpedobootzerstörern, sechs llntcrsccbvotcn und um die Deckung des BmianfwandcS für einen schweren und zwei leichte Kreuzer, deren Bau bereits betvilligt wurde. Dollfuß dekretiert das Budget und urteilt damit ollen die Verfassung Mussolini als Schrittmacher der dcutscDcn Aufrüstung Er will dafür die Völkerbundreform fallen lassen Paris, 28. Dezember. Testern traf, nach einer HavaS-Meldung, der britische Außenminister Sir John Simon auf Capri, wo er aus Weihnachtsurlaub weilt, mit dem neuen britischen Botschafter in Rom Sir Eric Drummond zusammen, der sich in Capri eingesunden hatte, um Simon über die Ansichten Musioliniö, betreffend die zwei Hauptgegenstände der künftigen Verhandlungen zu informieren: lieber die Frage der Reform des Völkerbundes und über die Abrüstung. Italien bestehe nicht mehr auf einer durchgreifenden Reform des Viilkevbunvrates, dagegen leg« Mussolini der Regelung der Abrüstungsfrage grofze Bedeutung bei. ES erscheint nunmehr als sicher— schreibt der SavaS-Berichterstatter—, dah das Meritum des KompromihvorschlageS, welchen Mussolini auSarbeiten und Simon vorlegen will, darin bestehe, dass Deutschland das Recht zu erkannt werde, aufzurüsten. Frankreich soll ersucht werden, einer ziemlich weitgehenden Abrüstung zuzustimmen. Sir Simon Mr Donnerstag nach Rom cingelodcn Sir Eric Drummond übermittelt« seinem Außenminister auch dir Neujahr-Wünsche des italienischen Ministerpräsidenten Mussolini und gleichzeitig desirn Einladung zu einem Besuch in Rom am Donnerstag, den 4. Jänner. Bei dieser Zusammenkunft Mussolinis mit Sir John Simon sollen all« aktuellen europäischen Probleme besprochen werde«. Vor der vedcrgiidc der Antwort Konferenzen in Paris Paris, 28. Dezember. Der französisch« j Botschafter in Berlin, FranroiS Poncet, ist wurde nachmittags vom Außenminister P a u l- i B o n c o n r empfangen, der ihm mündliche Jn- | strnktionen der französischen Regierung zu den ^wmer| deutschen Forderungen gab. Der Text des schriftlichen„Aide-Memoire", Wien, 28. Dezember. Der Ministerrat hat heut« nach ganztätigen Beratungen das Budget_ m n w.„„ |iht 1934 diktatorisch beschlossen und damit u n-! heute vormittags in Paris eingrtrofsen nnd 1 1A E. kfa^sur^g gie«S in der amtlichen.Bezeichnung genannt au, verzichtet, auch nur den Schein zu wahren.""""******">"*«“'•>«»- Ter Voranschlag soll am 31. Dezember durch eine Verordnung auf Grund des viel miß brauchten kriegswirtschaftlichen ErmiichtigungS grsetzes in Kraft gesetzt werden. wird, wurde bisher noch nicht definitiv redigiert. Rn amtlichen Stell«« wird bestätigt, daß di« Re» fternng diesen schriftlichen Text durch Vermittlung hrer diplomatischen Vertreter den Regierungen jer befreundeten Staaten mitteilen wird. Heute hatten Außenminister Paul-Bon- e o u r und der Staatssekretär deü Ministeriums für Auswärtiges Leger Unterredungen mit den Pariser diplomatischen Vertretern der befreundeten Staaten. Drrwkhdr nm die Abrüstungskonferenz lieber den Inhalt dieses schriftlichen Dokumentes wurde bisher keine amtliche Mitteilung gemacht. Zwischen der Linkspresse und der Reckus- presse ist eine ziemlich lebhafte Polemik darüber entbrannt, wie die angekündigten französischen Ab- I rüstiingsvovschläge, n>elct)e die s^auzosiscl-e Tele- gation— nach der gestrigen Miteilung des Mi- uiv^ui yi«| in|iv iuiii vi/uiHviiifv d— iil Propaganda- gegenüber, im Jänner 1984 dein Präsidium der itere Unter» Abrüstungskonferenz unlerbreiieu wird, beschaffen sein werden. Die Rechtsbläticr teilen mit, daß die sranzö- i fisch» Regierung bereits in der ersten Abrüstungs- I Periode ein« öOprozentige Einschränkung der Bom- l bardierungsflugzeuge durchziiführen beabsichtige, Megsle Hazf-Propaganaa Wien, 28. Dezember. Fn der Nähe der Ge-> mcinde Antiesenhosen bei Ried in Dberüsterrcich überraschte» Gendarmen zu de» Feiertagen ein Auto, das eine Menge von Druckschriften und eine größere Anzahl von Petarden und anderer Explosivkörpcr aus Deutschland über die Grenze s gebracht hatte. Die zwei Insassen dcS Autos wurden verhaftet und der Wagen beschlagnahmt.! In Klagenfurt wurde am Hl. Abend der junge Nationalsozialist Rudolf Kircher angehalten. Bei der vorgrnommenen Leibesdurch-.. juchung wurde bei ihm eine Menge illegal ge-! nisürpräsidenten Cl^iukempS— Pressevertretern druckten nationalsozialistischen Materials vorgesunden. Dir weitere suchung führte die Behörden auf die Spur einer geheimen nationalsozialistischen Druckerei m der Wohnung des Handelsangestellten Tischler. Tischler und einige seiner Mitarbeiter wurden gleichfalls verhaftet. Annäherung Rußlands an den Völkerbund 0 Stalin über die japanische Gefahr New Jork, 28. Dezember. sReuter.) Stalin erklärt« in einer Unterredung mit dem Vertreter der„New Port Times" Walter Duranlh:„Die Sowjetunion könnte den Bölter, wind unterstützen, wen» dieser sich gegen den Krieg stellen und den Frieden unterstützrn Stalin fügte hinzu:„Es besteht ernst» Gefahr durch die Kampfaktionen Japans und uns bleibt nichts anderes übrig, als uns vorzubereiten, um dieser Gefahr ent» g e g e n z u t r r t e n. Japan würde nicht klug handeln, wenn es uns überfallen würde. Seine wirtschaftliche Situation ist keine allzu gesund« und es hat viele schwache Punkt«, z. B. Korea, die Mandschurei und in China." und protestieren heftig gegen eine derartige Absicht. Tie sozialistische Presse fordert, daß'die sran- zösisckx Regierung entschieden einc Abrüstung durchführe und der Regierung Hitler die Verantwortung vor der Welt auserlege. Herriot verteidigt den Völkerbund Paris, 28. Dezember.(Havas.) Die Zeit, schrift„Les AnnaleS" veröffentlicht in der morgigen Freitagnummer eine» Artikel Hrrriols über die italienische Anregung zur Reorganisierung des Völkerbundes,.zxrriot sagt in diesem Artikel, daß sich die Lage allmählich kläre. „Wir Franzosen," fährt Herriot fort, „stellen uns absolut nnd entschieden gegen die italienisch« Anregung und wir halten rS für unser« Pflicht, dies offen und aufrichtig zu sagen, da der Welt gegrnwärti« wenigstens klare Gedanken not tun. Der Versuch zur Schaffung einer internationalen Demokratie zeitigte schon so viele günstige Ergebnisse und eS bestehen bereits so viele rechtlich« und vertragliche Verpflichtungen, dir aus dem Völkerbund gegründet sind, daß durch ihre Zerreißung di« Welt in ein völliges ChaoS und sehr rasch in einen Krieg gerissen würde." Herriot führt das Beispiel der östcrreichi- schon Republik an. die bereits zweimal vom Völkerbünde gerettet wurde, ohne daß ihr« politische Freiheit bedroht Warden wäre, und die sich jetzt aus dem internationalen Forum ihren Verteidigern anschlicßt. Weiter hebt-Herriot die vollkommene Uebereinstimmnng Frankreichs mit Lord Cecil hervor, daß oligarchische Absichten als Versuch zur Rückkehr de« Shstems der-Heiligen Alliance abgelehnt werden müssen. Wenn sich der Völkerbund ändern sollt«, so nur in dem Sinne, daß ihm rin noch demokratischeres Statut gegeben wird, nicht aber in dem Sinne, daß er durch einen- Rat der Großmächte erseht wird. In seiner aea-uuo'v tigen Form bringe der Völkerbund bereits den Grundsatz der Gleichberechtigung der Völker, der ein rein französischer Grundsatz ist, mit der wah- rrn Lage der Großmächte, die den Völkerbundrat beherrschen, in Einklang. „Wenn jemand," erklärt Herriot,„nnL Franzosen die Frage vorlegt, ob lvir zu einer Aenderung des Völkerbundes unser« Einwilli. gung geben würden, di« für di« Autorität der Großmacht« noch vorteilhafter wäre, dann darf niemand an nnserer Antwort zweifeln. Sie . Wirtz kurz abu llar laut«»: R e i n 1“ Bischöfliche Mahnung Der Erzbischof von Prag Karl K a g p a r hot zu Weihnachten an die katholischen Gläubigen einen-Hirtenbrief erlassen, der in eindringlichen und warmherzigen Worten zu den sozialen und moralischen Nebeln der Zeit Stellung nimmt, lherne sei zugegeben, daß sich der Inhalt des erzbischöflichen Schreibens von der-Haltung gar vieler christlichsozialer Politiker und den Entinziationen mancher-Hetzpsaf- srn wohltuend unterscheidet, daß aus ihm soziale Erkcnitlnisse sprechen und daß den Erzbischof Persönlich offenbar der gute Wille beseelt, in die Wirrnis und das Elend unserer Tage helfend einzugrcifen. Er müßte anch ein llnmcnsch sein, wenn er auf der hohen Stelle, auf die er von der katholischen Kirche gestellt ist, sich gegenüber der furchtbaren Notlage, in die Millionen verzweifelnder Menschen tut« schuldig geraten sind, blind stellen und nicht tvenigstens Worte des Trostes zu spenden sich bemühen wollte. Freilich fragt es sich, ob die Feststellung des erbarmungswürdigen Jammers dieser Millionen, die Spendung von Tröstungen und die Anrnfilng der Mildtätigkeit ausreichen, an den gegebencit Verhältnis« sen irgend etwas zu ändern und ob nicht darum die Mahnungen des erzbischöflichen -Hirtenbriefes ebenso wirkungslos verklingen werden, wie ähnliche Sendschreiben vorher. Es ist nicht das erstemal, daß katholische Oberhirten sich auf die Bergpredigt besannen und der Kirche eine soziale Mission sichern wollten. Auch einzelne Päpste haben dies getan, so Papst Leo Xlll., der in seiner En- zhklika„Nerum Novapüm" die soziale und wirtschaftliche Entwicklung u. a. richtig' mit den Worten gekennzeichnet hat:„Reich inner strömen ans einen kleinen Teil von Leuten zusammen. Die Menge verarmt," Worte, die stark an den von der Kirche und von allen christlichsozialen Wald- und Wiescnpolitikern verdammten Marxismus erinnern und an die auch Erzbischof Kaktpar in seinem-Hirtenbrief erinnert. Am tveitcstcn ist in der Brandmarkung der Schaden unseres Zeitalters der ehemalige Erzbischof von Prag K o r d n ö gegangen, der sich nicht ntir mit der Konstatierung der aus der kapitalistischen Produktionsweise hervorgehenden Nebel für die Mehrzahl aller Menschen lvgnügtc, der die Botschaft von der sozialen Mission der Kirche wörtlich zu nehmen sich unterfing und an die Wurzeln der kapitalistischen Ordnung, die in Wahrheit eine Anarchie ist,-Hand angelegt;>t sehen wünschte, weil er nur von solchen Eingriffen, nicht aber von allgemein gehaltenen Trost- und Per- dammnngssprücheit eine wirkliche Verbesserung des Loses der Menschheit erwartete— eine Einstellung, die dazu führte, daß Kordak- von Rom abgcsctzt und in die Verbannung geschickt wurde. Roch immer hat sich die soziale Mission der Kirche darin erschöpft, den Ausgebeuteten t>nd Unterdrückten znzuredrn, ihr Schicksal, das in der gottgewollten Ordnung begrütidet fei, geduldig»rnd demütig zn ertragen, die besitzenden Klassen dagegen zu gc- inahncn, die Grundsätze der christlichen Räch- stenliebc zu betätigen. Genützt haben diese Episteln nicht das mindeste. Die katholische Kirche, die sich in der Befolgung ihrer sozialen Missioit nicht einmal dazu verstehen wollte, daran mitznhelfen, daß dem Untier Kapitalismus die Krallen beschnitten werden, die'Bestie durch freundliche Mahnungen zu l>ekehren suchte und an den Fundamenten der heutigen Ordnung nichts geändert wissen will, . mußte sehen, daß das vom Kapitalismus verschuldete Unglück immer größer tverdendcr Masten weiter um sich griff und heute bis zu einein Zustande fortgeschritten ist, von dem Erzbischof Kaüvar selber sagen muß, daß er eine Gefahr für di« g e s a m t e menschliche Gesellschaft darstellt. Erzbischof Kaäpar erkennt die Lage der aroßen Masten, die in einer Zeit vollendetster technischer Einrichtungen und aufgehänfter Mengen von Nahrungsmitteln bis über die Seite Freitag, 28. Dezember 1888 Nr. 808 An alle Abonnenten und Verschleißer! Anlässlich vc» Staatsfeiertage- am Montag, ven l. Männer 1984, tvtrv im Vuchvru«tergeu»erbe nicht gearbeitet und entfällt daher unsere Ausgabe au« Dienstag, de« 2. Jänner t!M4. Unsere nächste Nummer erscheint erst ain Mittwoch» den 3. Männer 1034, zur gewohnten Stunde. Grenzen des Erträglichen weil hinaus hungern und darben, unzlveifclhaft richtig. Er, der berufen wäre, zu Weihnachten„Friede auf Erden und allen Menschen ei» Wohlgefallen" zu verkünden, muß sagen, daß„die Mensckien immer mehr von ihrer inneren und äußeren Not umklammert werden und der ersehnte Friede weiter denn je von uns entfernt sei". Doch tvas weiß der Herr Erzbischof für ein Mittel dagegen und worin erblickt er die Ursache dieser traurigen Zustände? Die Hauptursache sei, daß die Menschen die Gebote Gottes nicht gehalten hätten, der Hunger und die immer noch fortschreitende Berarinung der breitesten Volksschichten seien„eine Folge des herrschend gewordenen Unglaubens und der Mißachtung des göttlichen Rechts und der göttlichen Liebe". Wenn der Herr Erzbischof Umschau unter seinen Gläubigen halten wollte, er würde Ungezählte darunter finden, die trotz aller Befolgung der kirchlichen Gesche, trotz blindergebenen Glaubens sich in den schrecklichsten Elendszusländen befinden. Oder richtet sich die erzbischöfliche Mahnung, zur Anerkennung des göttlichen Recht- und der göttlichen Liebe zurückzukehren, etwa an die Besiscklas- sen? Was hier Berufungen auf die Gebote Gottes fruchten, darüber sollten auch schon einem Erzbischof etliche Erkenntnisse aufgc- stiegen sein. Es ist billig, kommt nur einer Geste gleich und einer kläglich wirkungslosen noch dazu, zu verkünden, die Welt brauche Frieden und soziale Gerechtigkeit. Angesichts des versagenden, wackeligen Räderwerkes der heutigen Weltorchnung, angesichts der erkalteten Schlot« und rostenden Maschinen, die Güter für Alle schaffen könnten und nicht betrieben werden können, weil daraus kein Profit erzeugt werden kann und weil, obwohl Millionen in Elendswinkeln ungenügend bekleidet und hungernd sich verkriechen, die Käufer fehlen, angesichts der verpfuschten' Dellmaschine deS Kapitalismus ist es nicht schtver, darauf zu kommen, daß hier etwas nicht in Ordnung sei und daß einiges fehle, um das Glück, den Frieden und die Sicherheit der Mensck)«n zu verbürgen. Wer nicht mehr tut, als den Menschen zu sagen, sie mögen nicht verzweifeln, als an di« Gutherzigkeit der Besitzenden zu appellieren»nb zu raten, mehr zu beien, im übrigen aber, wie es die katholische Kirche stets getan hat,«ine Ordnung zn stützen, welche ihre primitivst« Verpflichtung, die Menschen vor dem Hunger zu bewahren, nicht«in- zuhalten imstande ist, der hat damit nicht nur nichts getan, der seht sich auch der Gefahr aus, daß seine Worte alS leere Tiraden, ja als Ver- höhnuttg der leidenden Menschen empfunden werden. Wenn noch, wie dies in allen Län- 46 Roman von Felix Fechenbach Beim Tütenkleden wanderten seine Gedanken hinaus zwisck)«n die Gitterstäbc hindurch, zu Gretl. Ob sie ihn wohl bald besuck-en würde? Dann waren sie wieder bei Vater und Mutter Cornelius. Am 8. Juli ist Kilianimesie in Würzburg. Da würde der Vater kommen und seine Kakperlbudc am Krane»« anfschkage». Und besuchen würde er ihn mit der Mutter zusammen sicher auch. Immer wieder kreisten seine Gedanken um die Kasperlbnde, u»rd sein Liebiingsptan tauchte aus, daü Kaspcrlspiel auf eine andere Grundlage zu stellen. Tas bcsck)äftigtc ihn sortlväh- rcnd. Er fing an, in Gedanken neue Kasperlstückc zu gestalten. Das war gar nicht so schwer, wie er erst geglaubt lrattr. Zeit>var ia genug. Und während seine Hände Tuten klebte», Hundert um Hundert und Tausend um Tausend, ganz mechanisch, war er mit seinen Gedanken bereits mitten in einem neue» Kasperlstück, ließ die Figuren hcrumhopsen und ihre Spässe machen. Er batte sich eine sehr lustige Sache ausge- dacht:„Kasperl kernt Radfahren". Ta ließen sich die tollsten Streiche machen. Nur technisch war«s schwierig. Aber Hans wußte sich»u helfen. Unter der Spiclkeiste niußtc eine schmale Schierke ange- bvacht werden, in der ein Puppensahrrad lausen konnte. Er war so eifrig bei der Sache, daß er zuweile«« laut sprach,>ven>« er seinen Kasperl eine Karambolage mit dem Schutzmann erleben ließ. Vater Cornelius würde sich scho>« überzeugen lassen, daß so ei»« Kasperlstück den Kindern gefallen muhte. Vater mußte das Stück nur erst einmal vorgefpielt bekommen. Aber theoretisch, wenn dcrn der Fall ist, die politischen Parteien des KlerikaliSmuS entweder mit dem FasciSmuS, der über zahllose Ärbeiterkeichen schreitet, um die Oümuna deü Kapitalismus gegen die Arbeiter zu schützen, Frieden geschlossen haben, ihn heimlich oder oste«« fördern oder ihn gar, wie eS in Oesterreich geschieht, aus eigen« Faust betreiben» dann braucht sich die Kirche nicht zu wundern, wenn eine immer großer werdende Masie den Bankerott der sozialen Mission der Kirche erkennt und früher oder später daran gehen wird, auS eigener Kraft und auch gegen den Willen der Kir- chengewaltigcn ebenso wie der Häuptlinge und Nutznießer des Kapitalismus eine neue bessere Welt aufzubauen. Der Streit um die Gewerkschaitsbeute Fahrner-Gewertschaft gegen Ianausch-Gewerlschaft Um daS Erbe der Nazigcwerkschaften ist ein heftiger Streit im Gange. Die Chrlstlichsozialen, die Londbündler und die vor Jahren von den Nationalsozialisten abgesplittert« Fahrner- gruppe raufen um die herrenlos gewordene Mitgliedschaft. Bisher scheint bei dieser Konkurrenz der ehemalige Landbundsckretär Jan- n a u s ch mit seiner Gewerkschaftsaründung nicht besonders gut abgeschnitten zu Haven. Ein von der Fahrnergruppe versaiwteS Rundschreiben «««acht darüber folgende interessante Mitteilungen: „Sehr geehrter Herr Kollege! Wir Ihnen bereits au» Pressenachrichten bekannt sein dürfte, wurden in den letzten Tage» zwischen den Vertretern der Mitglieder der aus- gelösten Verbünd«, insbesondere d«S Aetverstchasts- verbandca deutscher Arbeiter, Sih Aussig, und der „Reich-Vereinigung der deutschen Newerstchasten" Verhandlungen zweck- Ueberuahm« der Mitglieder in die„Re chSvereinigung" geführt. Gleichzeitig wurde«— um alle gangbaren Mge zu benütze« — auch Verhandlungen mit der»«ugegründete« Aewerkschast mit dem Sitze in letschen geführt. Diese letztere» Verhandlungen mit der land» bündlcrisch«n Gewerlschoft in Titschen find als vollkommen gescheitert zu betrachten, we.l diese neue Organisation bisher nicht di« Bewilligung zur Auszahlung des Staatsbeitrages zur Arbeitslosenunterstützung erhalten hat, und wahrscheinlich Wochen oder Monate vergehe» dürsten, bis diese Bewilligung erreicht wird. Dies« Gewerkschaft de-„Bunde» der LandwirU" mit dem Sitz« in Titsche», Vünouer- strahe 1668, bietet allo de« Mitgliedern kein« Gewähr sür den Bezug der Arbeitslosenunterstützung mit StaatSzuschutz." Wahrscheinlich ist schm« ein Rundschreiben deS Herrn Jannausch unterwegs, worin er von der Konkurrenz ähnliches behauptet. Die Mitglieder der nationalsozialistischen Gewerkschaften wnnen daraus ersehen, daß sic, außerhalb deS großen Bundes der freien Gewerkschaften stehend, zum Schacherobjekt rein persönlicher Interessen herabsinken. Ergebnisse der BollszWung. Deutsche nehmen absolut zn, relativ Das Statistische Staatsamt hat soeben die Ergebnisse der Volkszählung von 1930 für die Slowakei und Karpathorußland veröffentlicht, so daß nun ein Gesamtüberblick über di« Ergebnisse der Volkszählung von 1930 fiir die gesamte Republik gegeben werden kann. Danach betrug: IM 1836 Die Anzahl der Bewohner. 13,612.424 14,729.536 Davon: tkchechosl. Staatsangchörig«. 13,373.463 14,479.665 Ausländer 238.961 249.971 Von der Gesamtzahl der Bewohner waren also 1930 tschechoslowakische Staatsangehörige 1921 98.24 Prozent, 1930 98.3 Prozent, AuSlan- der 1921 1.78 Prozent und 1930 1.7 Prozent. Die Zahl der Ausländer hat also um 0.06 Prozritt abge»«ounnen, trotzdem ihre Gesamtzahl um 11.000 stieg. Di« Zahl der tschechoslowakischen Staatsbürger verteilt sich «och Rationalitäten folgendermaßen: IM 1990 In Proz.: 1921 1930 Tschechoslowaken. 8,761.213 9,688.770 65.53 66.91 Ruthen«». 461.449 549.169 3.45 3.79 Deutsche. 3,123.624 3,231.888. 23.36 2232 Magyaren. 744.621 691.923 6.67 4.78 Juden.. 180.604 186.648 1.35 1.29 Polen.. 76.987 81.737 057 0.57 Rumänen. 11.174 13.001 0.08 0.09 Secbolroaten 2.167 3.113 0.02 0.02 Zigeuner. 8.478 32.209 0.06 0.22 Andere.. 1.306 1.810 0.01 0.01 ab. Daraus ist zn ersehe«, daß«in« absolute und relative Zunahme aufzuweiseo haben: Die Tschechoslowake«, die Ruthen««, di« Zigeuner (letzteres ist ans do» RegistrierungSgeseß zurück- zuführen). Abgenommen haben dagegen relativ die Deutschen bei absoluter Zunahme, absolut und relativ dagegen haben abgenommen die Magyaren. WaS da» Religionsbekenntnis betrifft, so ist dieses folgeirder llcbersicht zu entnahmen: 1921 1930 In Proz.: 1921 1930 Römisch-katho lisch.... 10383.963 10,831.696 7630 78.54 Gr-ech. und arnl«n«sch-kach. 532.355 585.041 3.91 8.97 Evangelisch.. 991.960 1,189.7« 739 7.67 Dschechofknvakisch 526.346 793.985 8.86 5.89 Rechtgläubige. 73.086 145308 054 0.99 Alttatholisch. 20.263 22.712 0.15 0.15 Israelitisch.. 353.978 356380 2.60 2.42 Ändere.... 4.935 9.878 0.03 0.07 Konfessionslos. 724.528 854.638 5.32 5.80 Den größten Zuwachs weist absolut und relativ die tschechoslowakisch« Kirche aus, und zwar um mehr al» 80 Prozent. Dem gegenüber hat die relativ« Anzahl der Römisch- katholische««ine Verminderung ersahren, wenn auch die absolut« Ziffer stieg. Einen bedeutenden Zuwachs haben auch di« Evangelischen und Rechtgläubigen zu verzeichnen und auch die Anzahl der Konfessionslose» ist beträchtlich gestiegen. Kommunisten, zerstört die Gewerkschaften! Daü Zentralkomitee der Kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei veröffentlicht eine Resolution, die Anweisungen für die kommunistischen Arbeiter enthält. Uns interessiert hier nur der Abschnitt: „Organisierung einer breiten Oppo- litionSbewegung in den reformisti- schen Gewerkschaften". Die Unzusricvcn- heit über den unerschutterten Stand der freien Gewerkschaften ist unverkennbar. DaS»ruß anders werden und darum wird die kommunistische Gefolgschaft zur Bildung von oppositionellen Gruppen in jeder resor- mistischen Gewerkschaft und in jede in Betrieb, wo eS Mitglieder der reformistischen Gewerkschaften gibt, aufgefordert. Es heißt wörtlich: „Die. in den reformistischen Organisationen organisierten Kommunisten bilden Irak, tioueu, mit deren Hilke sie die oppositionelle« Gruppen führen, au» denen sie die vorgeschrittensten Arbeiter für die Partei gewinnen. Innerhalb der reformistischen Organisationen führt dann die oppositionelle Gruppe de« Kampf um dl« Besetzung aller durch Wahle« zu besehenden Funktionen, um die tatsächliche Führung der gonzrn örtlichen, bzw. Bezirksorganisation, gegen die Politik der sozialfasei« stischen Führung der Verbände, für die Einheitsfront mit den Kommunist«»» und den rötest Gewerkschaften und für die Prinzipien der roten Gewerkschaftsinternationale. Sie i st, miteinem Wort gesagt,«in Bestandteil der roten Gewerkschaftsbewegung... Die Organisierung einer breite» Opposition^ bcweguiU in den reformistischen Gewerkschaften wird bei der täglichen Gewinnung unorganisierter Arbeiter für die roten Gewerkschaften als einer der wichtigsten organisatorischen Arbeiter bezeichnet. Ist schon damit die zu organisierende Oppositionsvewegunq der Kommnniston in den Gewerkschaften als ei»» Spaltungskeil gekennzeichnet, so wird dieser Charakter in den folgenden zwei Sätzen noch ausdrücklich unterstrichen: „Die in den reformistische« Gewerkfchaftei» organisierten Kommunisten müssen sich dessen bewußt sein, daß ihre Aufgabe in diesen Organisationen im Kampfe gegen den So. zialsascismno und für di« Prinzipien der roten Gewerkschaftsbewegung ist. Tun ste das nicht, so unterstützen sie damit objektiv die Politik der Sozialsaseisten." ES wird dann noch die Arbeit der Kommunisten in den rote»» Gewerkschaften und der entschiedene Kurs auf die Stärkung dieser, Gewerkschaften als nichtweniger»vichtig erklär. So läßt die Kenntisnahmc dieser' neuesten Proklamation der' Köiiimünlsteii' in unserer Republik leider keine andere als die schon frnber gemachte Feststellung zu, daß die Führung der. kommunistischen Partei aus den geschichtlich:»» Geschehen unserer Tage keine Lehren::i ,j I-ct vermag. Roch immer steht sür sie die Vei.ies:ng der Gegensätze in der sozialistischen Akbe'(ersch-'»st und di« Zerstörung der sozialdrnrskeaüsckicn Arbeiterparteien über allen anderen Äusaake:». Doch wird dafür gesorgt werden, daß sie.in dl-« Massen unserer Arbeiterschaft dafür keine Hel-, fer findet! Nichts lehrt die gegenwärtige Situation dringlicher, als daß dir orqa»»lsierten Arbeiter ihre Kräfte ziisammenfassen nnd sie geg-ij den einen gemeinsamen Feind, die Bourgeoise und ihren fascistiskhen Ltmjtruwi>, müßten. man chm das ouseinondersetzte, behielt er seine Abneigung gegen alles Neue. Bei den Kindern würde daü neue Stück sicher begeistert« Aufnahme finden. Fahrräder sahen sie jeden Tag auf der Straße, träumten vielleicht davon, daß sie später selbst einmal eines haben würden. Da-, WaS sie m dem Stück sahen, war alles aus ihrem eigenen Erlcbniskreise, interessierte sie deshalb stark. Und darauf kam es HanS überhaupt an. Die neuen Kasverlstücke mußten aus dem Erlcbniskreis der Kinder geboren sein. Dann würden sie auch sicher i Erfolg haben. Wenn Kasperl da mit feinem j Vehikel auf der Spiellatte hrrumfuhrlverkste, das mußte an sich schon ein köstliches Bild sein, und I »nenn er dann noch allerhand Abenteuer damit erlebte, da würde» die Kinder vor Vergnügen! quieken... 1 Hans hatte sich das ganze Stück genau auS- gedacht mit allen technischen Einzelheiten und in Gedanken spielte er«S ein paarmal durch. Wenn er wieder frei sein würde, wollte er cs dem Vater in der Kasperlbnde Vorspielen. Das war doch etwas anderes, als die überlieferten alte»» Stücke, die man bisher spielte... Nun war er ganz erfüllt von dem Gedanken, das Kasperlspiel von Grund aus nc>» zu ge-' halten. Das half ihm, die Einsamkeit z»r überwinden, gab den sonst so träge dahinschleichenden Stunden Leben und Inhalt. Eines Tages wurden die Riegel an der Zellentür zurückgeschoben, dir Tür ging auf, und ein Beamter sagte ihm, cs wäre Besuch für ihn da. Man führt« ihn durch lange Gänge in ein Zimmer, das in der Mitte durch ein großes. eng- maschiges Drahtgitter in zwei Hälften geteilt war. Dann ging eine Tür jenseits des Gitters auf, und die Eltern Cornelius' kamen herein. Der Mutter standen die Tränen in den Augen, al» sie Han» hinter dem Gitter sah. Er war ei», wenig bleich geworden von der dumpfen Zelleiüujt. „Sie haben ein« Viertelstunde Sprechzeit," erklärte der begleitende Gefängnisbcamte. Hans hatte sich sehr viel voracnommen, was er alle» seinen Eltern sagen wollte, und auch Vater Cornelius hatte sia) so mancherlei zurechtgelegt, was er.Hans Mitteilen wollt«. Er war letzt in Würzburg. Morgen begann die Kiliani- mrsse. Bon der Großmutter und der Gretl richtete«r Grüße aus. Man sprach noch ein paar Minuten, aber ehe sic sich's recht versahen, war die Viertelstunde um, und sie halten sich„daS Wichtigste" doch nicht gesagt... Die Elter Cornelius gingen wieder zur Tür hinaus, und.Hans stand allein in dem>urch das Gitter geteilter, Raum. Dam» wurde er in seine Zelle zurückgebracht. An diesem Tag dachte er immer an de», Besuch, an die armselige Viertelstunde, in der man nur so wenig zueinander gesagt hatte. Da»,n nahm er im Geiste alles noch einmal durch, was er eigentlich hatte sage» wollen und was doch unterbliebe»,»vor... In den nächsten Tagen fand er wieder zurück zu seinen neuen Kaspcrlspicle». Jetzt war er bei einem Spiel, das sollte„Kasperl als Lehrling" heißen. Er ließ Freund Kasperl bei einem Schuh- iilachermeister in die Lehre kommen. Die Frau Meisterin ist eine böse Sieben, die den Lehrling zum Kindcrwiegen und Gängc-Besorgen vertven- det, so daß er nicht viel zur Schuhmacherei kommt. Kasperl macht recht viel überzwerch, foppt die Meisterin, und in der Werkstatt geht's auch vcr- quer. Er soll Bergschuhe nageln und Tanzschuhe frisch weiß anstreichen. Da macht er's gerade umgekehrt, nagelt die leichten Tanzschuhe mit schweren Bergnögeln und streicht die Berakchuhe mit weißet Schuhpaste an. Ein toller Streich folgt dem andern, bis Kasperl schließlich dem Meister sagt, er wolle als Schuhmacher lernen und nichts als Kindermädchen. Wenn er immer für di« Meisterin arbeiten müsse, lerne«r sein Handwerk nicht, lind schließlich dreht er dem Meister eine Nase und sieht sich nach einer besseren.Lehrstelle um, wo er wirklich die Schuhmacherei lernen kann und nicht den ganzen Tag Kinder wiegen muß. Bei allem Ernst, der diesem Kasperlspiel zugrunde lag, war es doch durchwebt mit viel gesundem Kaspcrlhumvr,»vor knstig nuk> flott in der Handlung. Das Sck)affen an seinen Kasperft'inäen gab Hans viel innere Befriedigung. Er dachte sich noch zwei Stücke aus:„Kasperl und das Auw", das ihm Gelegenheit zu recht drolligen Abenteuern gab, und dann noch„.Kasperl und das Grammv- phon". Da bekommt der lustige Kauz mit der Narrenmütze zum erstenmal so einen Musikkaste», in die Finger, weiß nicht, ist das eine Mehlspeise zun, Umhängen oder ein Ding, das man mit den, Löffel ißt. Erst ganz allmählich, n»,d unter Nachhilfe durch die Kinder, auf deren Mitwirkung das Stuck aufgcbaut war, entdeckte Kasperl, daß man mit den» Kasten Musik machen kann, und dann gcht's natürlich erst richtig los mit de»n Vergnüge»,. Hans war sicher, daß auch dieses Stück die fröhlichste Begeisterung bei seinem kleinen Publikum auslösen»vürde. So war die Hälfte der Strafzeit für-Hans viel schneller vergangen, als er ae geglaubt hatte, daß es möglich wäre. Es war schon Mitte Juli, und I», acht Tagen würde die Kilianimesie zu Ende sein, und Vater Cornelius wird mit feinem Wohnwagen wieder weiterfahren.-Hans zählte die Tage, die er noch!m Gefängnis zu verbringen hatte und malte sich bereits au», wie da» fein wird, wenn er eines Tages wieher in der Kasperlbnde stehen und seine neuen'Stücke spielen würde. (Fortsetzung folgt.) Nr. 303 Freitag, SO. Dezember 1033 Seite 3. tt I I Dr. Emil Strauß Leopold Goldschmidt Franz Sitümmtl Mar! Kern Zdenko N« uwirth Josef Hofbauer Franz Krejöi Abg. Wenzel I o k s ch nonardilstlsdier Minister — spanischer Kammerpräsident. Madrid, 28. Dezenlbrr. Die Kammer wählte heut« definitiv Santiago Alva, der während der Monarchie Minister gewesen war, zu ihrem Vorsitzenden. Dir Sozialisten und Linksrepublikaner verlieben vor der Wahl den Sitzungssaal. Berta Blaha Josef H e l l m i ch Telephone: Administration 53076 Redaktion 53077 An folgende Stelle»« und Genossen zu richten: Sekretariat der deutschen sozialdemokratischen . Arbeiterpartei Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Zentralstelle für das Bildungswesen Abg. Siegsried Taub Ernst Paul, Dr. Emil F r a n z«l Die französischen Sozialisten verhandeln mtt der„Proletarischen Union". Paris, 28. Dezember. Der Vorstand der sozialistischen Partei hat gestern abends beschiessen, mit der kommunistisch-sozialistischen Pvr-tei der„Proletarischen Union" in Verhandlungen zu treten, die sich mit der Vereinigung dieser Partei mit der sozialistisrl-en Par- toi befassen sollen. Die Proletarische Union verfügt über zwölf Vertreter in der Kammer, größtenteils ehemalige Kommunisten. Chefredakteure des„Rude Pravo“ und„Vorwärts verlassen die Kommunistische Partei reier Radiobund !nseratei!büro der' Arbeiterpresse Gemeindeberatungsstell« * Chefredakteur Wilhelm Nießner Redakteur~ gegen 3 Uhr nachts zu weinen und weckte so die Familie ailf. Man fand di« kleine Wohnung von GaS erfüllt, in der schinalcn Küche lagen regungslos die beiden fungen Menschen. Wiederbelebungsversuche waren vergeblich. Die Papiere der Selbstmörder enthalten sehr wenig; Ausweise des Flüchtlingskomitees, Photographien, eine Brieftasche ganz ohne Geld und ein melancholisches Geoichtfragmcnt. Von Tiun- bowskh und Dubowskh ist bekannt, daß sie sich in besonders schwerer finanzieller Notlage befunden haben. Da sic NuHer ein noch aus wußten und die Hoffnung, rettende Arbeit zu finden, intnrcr mehr dahin schwand, griffen die beiden Hitleropfer zum letzten Mittel—. Eine Tot, di« die deutlichste Illustration zu jenen verlogenen Reportagen ge- wisser Hetzblätter bildet, in denen vom paradiesischen Leben der Emigrierten di« Rede ist! Me«S den Emigranten in Wirk, lichkeit geht, zeigt jette Tragödie in Horni KrS mit mörderischer Klarheit! Di« Mittel des Hilfskomitees sind erschöpft, der Zustrom der Hilfsbedürftige, der vor der Barbarei Fliehenden, ebb! nicht ao! Wann tritt endlich der vom Völto'bund ernannte FlüchtlingSkommisiar helfend und nicht nur redend in Aktion—?! Ab 1. Jänner 1034 befinden sich nachfolgende Kanzleien in pr«L XII., sicz8Uä ul. Nr. 15 < Telephon Nr. 53.019) diese Adresse sind daher Zuschriften für ein Interessanter Spionageprozeß in Wien Wien, 28. Dezember. Zn Wien wurde heute ein interessanter Spionagcprozeß gegen den tschechoslowakischen SlabskapUäu V a r t i k durchgc- sührt, der des Verbrechens der Spionage zugunsten einer ausländischen Macht angeklagt war. .In dem Prozeß wurde als Sachverständiger der Krodatln üesiorvea Wie«, 28. Dezember. Ter eheiualig« österreichisch-ungarische Kriegsminislcr Alexander Krobatin ist heute nachtS im Alter van über Ä Jahren infolge eines Schlaganfalles gestorben. Alexander Krobatin absolvierte die Artillcr'e- Akademie und wurde l87:i als Oberleutnant ins technische Militärkomitee berufen. IBM wurde er als Major Kommandant der Artillerie- Kadettenschule in Wien und avanziertc alluiählich bis zum Generalmajor. Im Oktober IMt ersotgle seine Ernennung zum Seklionsches im Kriegsministerium und am I. Mai 1906 seine Beförderung zum Feld- marschalleutnant. 1010 wurde er Geheimer Rat und im gleichen Jahre Fcldzeugmeister. Am 12. Dezember 1912 wurde Krobatin an-Stelle Aussen- l»ergs Kricgsministcr der österreichisch ungarischen Monarchie und behielt dieses Portefeuille bis zum 8. April 1917. Nach seinem Rücktritt als Kriegs- nitnister in den Freiherrnstand erhoben, wurde er Kommandant der IO. Armee in Kärnten und Tirol und blieb aus diesem Posten bis zum inneren Zusammenbruch der Tonamnonarchie. Die Tragödie ist uin so erschütternder, als di« beiden Emigranten den braunen Mördern(i U(. 1I( v mrr durch glückliche Zufälle entkommen konnten,^iihe"re" Bors,and"des"' Svwiwac'büroS“dc7" öfter- Kam MAfkUtM avXm«Ham Uh«'.'-—..’_.'- A. der Senat der Republik sich des eingcsperr. UCbCrSlCdlUIl^SdllZCl^C icu Kommunisten, den seine eigen« Partei I schnöd« verließ, angenommen hat. Man lese nur, was der„Vorwärts" jetzt über den frül-er vergötterten Gu:ttnann jagt; „Tos Auftreten des Genossen Gultmann Ist da»«ine« entlarvten Opportunisten, der zum offenen Renegaten geworden ist und in das Lager de» Klasirnfeindes überläuft, TaS PB. verurteilt restlos seine Plattform, di« ausgesprochen trotzki- stifch kontrrrevolutlonitr ist. Sein« Darlegung«» Uber die Taktik der Partei beinhalten das Be harren auf ikvrn,. schon vom 12. Plenum der Komintern verurtiilirn opportunistische» Ansichten, die er in der ganzen Partei durchsetzen wollte und di« zu seuen opportunistischen Fehlern>u den letzten Monat«» führte», welche di« Portri und de» redolutionSren Klassenkampf schwer schädigten und dir dl« Partei«brn korrigiert. Sein« Stellung zur deutsch«» Frag« ist ein« schändlich« Per- leuorduug der heldenhaft und aufopferungsvoll kämpfenden deutschen Bruder Partei, wie st« von den kooterrevoluilonären Trotzkisten und Soziol- faseistrn betriebe» wird. Anstatt sich vor dem höchsten Forum deS internationalen revolutio nären Proletariates vor der Komiuter», für seine begangenen opportunistischen Fehler wie«in Kom munist zu verantworten, ist Auttmanu in da» Lager oller schäbigen Antimodkauhetzer ein geschwenkt." In solcher Weise sprichtdaSkom- >u u n t ft i fdK Organ von einem Mann, der für die Partei in den Kerker ge gangen ist. Wie soll man di« kommunistischen Vertrauensmänner, die die Partei heut« führen, beurteilen, wenn man über diejenigen, di« noch bis vor kurzem das Vertrauen der KPTsch ge nossen haben, heute derart schreibt, und wie wer den di« Kommunisten über di« jetzigen Führer vielleicht schon in kürzester Zeit schreiben? Welches Verbrechen haben den» Guttmann und Reimann bcgaihzen? Sie waren der Ansicht, daß die Taktik der Kommunistischen Partei Deutschlands kata strophal war und daß d«r Kampf der Kommunist«« gegen die Sozialdemokratie und ihr« Ablehnung jedes EinheilSsrontangebotes gegen den FaseiS, muS die Niederlage des deutsche» Proleta riats verursacht haben. WaS wir immer wieder festgestellt haben, was auch ein solcher Revolutionär wie Trotzki be- hauptet, das lagen nun Guttmann und Reimann, die bis vor kurzem die Sozialdemokratie auf da§ schärfst« bekämpft haben und nun zu der Ansicht gelangt sind, daß sie auf falschem Wege waren. Di« Auffassung aller führender Kommunisten in Westeuropa über die verfehlte Taktik der Koni- munistischen Partei Deu'lchlands und ihr« Schuld an der Machtergreifung Hitlers hat zu einer Krise in der kommunistische» Partei aller Länder und nun auch i» der Tschechoslowakei geführt. Mit der Genauigkeit eines Uhrwerke» vollzieht sich der ideo logische Ztksammenbruch der kom- munistischen Parteien Westeuropas und der Kommunistischen Inter nationale. Ab l. Jänner 1934 befinden sich unsere Kanzleien und di« Druckerei in Prag xii., rodiova ir. or v An diese Adresse sind daher alle Zuschriften für folgend« Blätter, Bereinigungen und Genossen zu richten: Verciniguug sozialdemokratischer Presse Brrwaltunz u. Redaktion„Sozialdemokrat" ,ZolkSsr«unt>" „Zukunft" „Bollsslimmc" WarnSdorj „VolkSwille" Ariittn „Volksstimme" Prcßburz „Freigeist" „Tribüne" „Freie Gemeinde" „Gleichheit" „Kuckuck" „Unzufriedene" „Bunte Woche" „Rundfunk" reichischen Monarchie, General R o n g e, als Sachverständiger geführt. Der Verteidiger lehnte Rouge als Sachverständigen ab, weil dieser in feinem bekannten! Buch schwere Angriffe gegen Masaryk und Bencfi gerichtet habe und deshalb als voreingcnomnten werden müsse. Das Gericht' wies jedoch diesen Antrag ab und ließ Ronge zu.! Nach geheim durchgefsihrter Verhandlung wurde der Angeklagte zu 18 Monaten schweren Kerkers verurteilt. Gmforonten, die verzweifeln... Erschütternder Doppelselbstmord von zwei Hitleropfer». Zwei reichsdeutsche Emigranten, der 30jäh- rig« Iwan Tumbowsky und der 22jährige Heinz Du bow sty, haben in Prag ihrem Leben durch Leuchtgas rin Ende ge- «nacht. Dirbowsky war Zuckerbäcker, Tumbowsky Lauschlosser. Tumbowsky hatte im Konzentrationslager gesessen und cirttam im Oktober seinen Pemiyern m abenteuerlicher, verwegener Flucht. Dubowskn war schon vor längerer Zett vniyriert. Die_ beiden Opfer des Hitlerterrvrs lvobnten im jüdischen Flüchtlingskol- lertiv im Hotel Slatina in Z/ibäkliee bei Prag. Di« Tragödie ereignete sich m der Wohnung eines anderen Emgranwn, der in Horni Krö in einem der Häuserblocks der„U zelenä liiiky" wohnte. Tumbowsty und Dubowsky waren bei diesem Leideugefährten zu Besuch und blieben, in sich ihr Aufenthalt bis nach Mitternacht aus- dchnte, in Horni Krö. Sie übernachteten in der Küche auf Matratzen. In dar Nacht haben die beiden dann den Ga^ahn aufgedreht. Rur durch «ine« glücklichen Zufall ist die vierköpfige Familie des Gastgebers davor bewahrt worden, von den Lebensmüden mit in den Tod gerissen p» werden. Das zweijährige Töchterchen begann Noch ein Hirtenbrief In ehtotn Hirtenbrief haben die österreichischen Bischöfe der österreichischen Notierung Lob und Anerkennung auSgesprockten. ES ist die Regierung Dollfuß, di« mit VerfaffungSlwuch und Gewalttätigkeit regiert. Dollfuß hat einen Eid aus d'e österreichische Verfassung gefristet. Di« Bischöfe finden nichts daran, daß Dollfttß dtofeu Eidgebrocken h.zt. Aber abgesehen davon, tragen di« Notverordnungen de»Herrn Dollfuß parteipolitischen Charakter und richten sich eiitsett'g gognt d'e Arbeiter und ihre Vertreter. So wurden z. B. durch Notverordnung ter Arbo-itSsohn der Maurer gekürzt, ohne daß ein Lohnkonflikt bestanden bätte. Durch Notver- erdivung Kat man die sizialdemokratilch-n Arlet- Itt mtd Angestellten in dr» staatlülten Betrieben achtlos gemacht. Die österraichischeit Arbeiter «nd Angestellten sind ztt vier Fnnkleln Sozial, deniokraten. Dollfuß bat nun bestimmt, daß in tcn staatliche» Betrieben die Christlichsozioteii und die Hoimtvehrler genau soviel Betriebsräte haben sollen, al» die Soz-aldentokraten. Achtzig sozialdemokratische Arbeiter k»al«n somit nicht mehr Recht, al» ungefähr zehn ckwistlichtoziale Arbeiter. Es wttrd« künstlich di« lozialdemo- lvatische Majorität in eine Minorität verlvan- telt. Di« fronune Dollsußregierung hat den ilrbcitSlosen die Unterstützimg, den Arbeitern Md Beamten die Löbne wiederholt gekürzt. Tageae» hat Dollfuß für di« Kovila listen und Wohlhabenden ein besseres.Herz. Wer sickzS leisten tonnte, zwei Hausgehilfinnen zu beschäftigen, mußt« in Wien«ine Steuer vafür bezahlen. Dollfuß hat dies« Steuer aufgehoben. Eine besondere Unmoral entwickelt diese Dollfttßrogierung gegen Wien. Fede Gewalthcrr- ichast führt zur koirtrollosen Protektionswirt- schaft und zur Korruption und kostet viel Go'd. Dieses Defizit deckt Dollfuß auf einfache Art: Mt Hilfe von Rotverordmmgen nimmt er der roten Gemeinde Wim Einnahmen in der Höhe >on hundert und vier Millionen weg. Wohl- aemerkt, nur Wien, nickt auch anderen österreichischen Städten! Dien ist sozialdemokratisch imd wird dafür bestraft! Um Wien zu schädigen, verbietet man Wien, Steuern emzuhebm, die einzuheben man mckeven Städten erlaubt. Di« Nahrung-. und Genußmittelobgabe wurde in Wien aufgehoben. In Salzburg darf sie weiter bestellen. Dien darf die Kino nicht so hoch besteuern wie etwa Innsbruck oder Graz. Die anderen Städte dürfen ein« Gebäudestouer bi» zu 28 Prozent einbeben, Wien mrr ein« solche von 11 Prozent. 9hnt gibt d in der ganzen gesitteten Welt nur einerlei Recht, nicht zweierlei Recht. Wie stellen sich ober di« österreichischen Bischöfe zu der Regierung der Unmoral und des Verfassung-brucheS? Die Bischöfe sagen folgend«»: Der Umbau der Verfassung ist eine heikle Angelegenheit. Der Umbau, so wie ihn Dollfuß wünscht, kann näm- üch in Oesterreich nur mft Gewalt, Meineid und Verfassungsbruch vollp>,vn werden. Damit man aber nicht sagen kann, Priester hätten bei dieser unmoralischen Sache mftgewirkt, wurden alle geistlichen Würdenträger aufgefordert, ihre politischen Aemtcr und Funktionen bi» zum 15. De- zember niederzulgeen. Aber in ihrem Hirtenbrief, den die Bischöfe vorige Woche erlassen haben, sprechen sie der Tollfußregierring ihre Anerken- irung auS und erwarten, daß in der neuen Ständeverfassung die Priester den gebührenden Einfluß haben werden! Die österreichischen Klerikalen wollen besonder»«scheit sein. Der Umbau der Verfassung, diese Dollfußarbeit, ist ihnen zu unmoralisch.<2ie sagrn ,cheikel".) Also ziehen sie sich von der Politik zurück und waschen ihre Hände in Unschuld. Bon Dollfuß, der da» Nest für sich und di« klerikalen Fascisten bauen soll, erwarten sie, daß er auch für sie ein entsprechend warnres Platzchen reservieren wird. Tas ist echte Fesuiten- moval! Wenn diese Herrschaften nochmals über Verfolgung und Unrecht klagen sollten, die st« in Rußland angeblich erdulden müssen, daun wird man ihnen die defekte Moral deS österreichischen Klerus und der Ehrrstlichsozialen Vorhalten., Me HommnnlsNsMe SlrelkaMion findet keinen Widerhall. Briix, 28. Dezember.(6PB.) Auf den . Schächten der Brücher Kohlenwcrks-A.-G. war der heutige Tag infolge der Feierschichten jor- derfrci. Mit Rücksicht auf den zweitägigen Streik am Kohinoor-Schacht in Bruch wurde jedoch für diesen Tag ein Fördertog angescht. Von den: zur Frühschicht gestellten BelcgschaftSdrittel von 439 Mann erschienen 228 Bergleute zur Arbeit. Zur Nachmittagsschicht ist bereits die gesamte Belegschaft cingcsahren. Auf allen übrigen Schächten des Revierrs, di« heute Fördertag hatten, wurde normal gearbeitet. Tie eitrige kommunistischk Strcikagitation hat also bei den Belegschaften keine Sympathie gesunden. Nach dreimonatlicher Einstellung sind ge- ' stern der„Vorwärts" und sein« Kopsblätter wieder erschienen. Ein Blick in das Blatt lehrt, daß die Kommunisten diese Zeit nicht im geringsten zum Nachdenken über die bisherige Politik der KPTsch benützt haben. Mit all den allen Phrasen, mit denen die Soztaldeinokraten in der ge< , hastigsten Weise bekämpft werden, feiert der Leser ein langweiliges Wiedersehen. Ti« Kokinnunisten - haben noch immer nicht«ingesehen, daß der Fascismus der schärfste Feind des ProlrtarialcS ist, gegen den sich dessen gesamte Kraft iveuden muß. Sie glauben noch immer, Hanp feind sei di« Sozialdemokratie und werden so immer mehr und mehr zur linken Leibgarde der Bourgeoisie, welche deren gefährlichsten Feind, die Sozias, demokratie, in deren Rücken beschäftigen soll. Diele unsinnige und da» Proletariat schädigende Politik hat zum Zusammenbruch der kommunistischen Parteien in ganz Westeuropa geführt und die heutigen Macher der KPTsch scheinen keinen sehnlicheren Dunich zu haben, al» auch di« kommunistische Partei der Ttchechostowakei vollkommen auf den Hund zu bringen. Das Interessanteste aber, wa» man aus dem Reichenberger„Vorwär S" erfährt ist der Be. 'chtuß deS Politbüro» über das Auftreten de» bisherigen EheftcdakteurS de»„Rude Pravo" Iostf Gu t t m a n«, der di« Partei verlassen hat, wozu noch bekannt geworden ist, daß auch Paul Reimann, der bisherige Chefredakteur des ..Vorwärts", auS der Partei auSkchc'det. Die Ehefredak'eurc der beiden Hauptblätter der Kommunisten haben dem Politbüro mitgeteilt, daß sie all« Funktionen in der Partei niederlegen. Als Grund führen sie an. daß sie'politisch nicht mehr mit der Linie der Parteileituua übereinstimmen. Der Grund dieser Nichtübereinstim- muna sind die Austastungen der beiden Genannten über das Schicksal der kommumstischen Par- ei Deutschlands und die Frage der einheitliche« Kamvssroat mtt der Sozialdemokratie gegen de« FasciSmu». Ter Schritt der beiden kommunistischen Funktionär«, welch« auch einflußreich« Mitglieder des Politbüro-, also der eigentlichen Parteileitung waren, muß innerhalb der proletarischen Oesfen'lickkeit da» größte Aufsehen erregen. Paul Reimann war in den letzten Monaten der führende deutsch« Kommunist, der aristiqe Leiter der deutschen kommunistischen Presse und war auch jahrelang der Tbeor« iker der Partei. Er hat di« Geschichte der KPT'ck ge, schriebe» und sowohl in der theoretischen Zeit- schrist der Mutes als auck in ihrer Tägetzpress« zu den Politischen Geschehnissen Stellung genommen, l war«in häufiger DersammlunaStodner, gegen den untore Genossen oft rednerisch« Schlachten geschlagen haben. Iosek Guttmann war der Chefredakteur de»„Rude Pravo". asso de» Zentralorgans der Partei, der aus die Politik der Nartei den größten Einfluß nahm, und soeben den Kerker, in dem«r wegen ein«S politischen Per. achcn» monatelang dessen ist, verlassen hat. ES kann sein, daß die Behandluna, die die Kommunisten Guttmann in der Zeit keiner-Vas' haben angedeihen lassen, viel daru beiaetraarn hat, um Guttmann zum Bruck mit der Partoi zu veranlassen. Mau hat di« Art, wir die Kommunisten die Leut« behandeln, die sich für die knmmuni- ^'stb« Partei in den Kerker werfen lassen, im Falle de» Senators Lokota gesehen den die Partei lckamloS im Stich gelallen bat. Die Diäten kür diesen Senator hat sick die Kommunistische Vortei behalten, weder Lokota noch siin« Familie, die dem Hunger PreiSacgeben waren, haben -stnas bekommen. Die Folge davon war. dak- daS Senatspräsidium die Reverse, mit denen sich die kummunistiscken Parlamentarier einverstanden erklärten, daß die Diä'en an die Partei direkt nusgezahlt werden, nicht mehr anerkennt, daß also eeite 4. Freitag, 29. Dezember 1983 Nr. 893 Das Flugzeug als Lebensretter. Baltimore(Maryland), 28. Dezember. Der bekannte Flieger James Wedel unternahm unter ungünstigen WittrrnngSverhälinissen einen Flug von Houston nach Baltimore, dnS ist über «.ine Strecke von 1400 Meilen, um ein fünf Monate alte- Kind, das von einer gefährlichen Gehirnkrankheit befallen worden war, zu einen« SPezialarzt zn bringen. Der Fsug ging ohne Unfall von statten, und der Arzt hofft, das Kind zn retten. Eln 22l'äbrlger in Hamburg hingerichtet. Hamburg, 28. Dezember. Der zum Tode verurteilte Muttermörder Oczkowski wurde heute früh durch das Fallbeil hingcrichlel. Der Hingerichtete war kaum 22 Fahre alt. Telephongespräche mit dem„Sozialdemokrat". Mit Rücksicht aus di« U e b c r s i e d l u n g der Redaktion sind am Samstag, den 30. Dezember, Telephongespräche zwischen halb 4 und! 7 Uhr nachmittags und ab 9 Uhr abends an die Nu innrer 33858 a bzuge beu. In der Grube verschüttet. In der Grube „Polska" bei Kattowitz trat währeird der Arbeit ein Erdrutsch ein, wobei das Gerüst einstürzte. Bon fünf Arbeitern tonnte sich nur einer rette», die übrigen wurden verschüttet. Zwei von den! Bcrschüttekcn wurden mit erustlicheir Verletzungen geborgen, das Schicksal der übrigen ist noch ungewiß. Berghirten-Schicksal. Bor einigen Tagen wirr- den, wie die sizilianisck)«« Blätter melden, in den Bergen bei Tortoriei in Sizilien zwei Hirtcit vom Schneesturm ersaht und mit einer Iicgenhcrde vollkommen ringeschneit. Bis heute gelang c« nicht, di« Unglücklichen zu retten. ASA in Frost und Schneeftmm 12V Lote New A o r k, 28. Dezember. Während der feit dem Heiligen Abend in den Vereinigten Staate» herrschenden ungeheuren Kälte sind 129 Menschen umS Leben gekommen. Diese Zahl enthält jedoch nur die Fälle von Erfrierungen und die durch die Schneestürme hervorgerufenen Unfälle. Di« Kältewelle nahm ihre«« Anfang in Alaska, breitete sich dann nach Süden und Osten über Kanada und über das nordwestliche Gebiet des Stillen Ozeans aus, drehte sich hierauf gegen Osten nach New Aork und New England. Stürme wechseln mit starken Schneefällen ab. Nach den Voraussage«« der amerikanischen Wetterstationen wird die Kälte vorläufig noch weiter anholten. W>MWWlMWWM»^WM^lWll»WWlIl^^MWlWW»lWWW»WWMWMM»WWW»VWWWlM Der.Sdiönoeisl* der Revolution T agesneuigkeiten Zum lode LunaisdiarsKis In Mcutonc verstarb nach kurzer Krankheit der srühcre russische VolkSkom- misiär sür Unterricht A. W. Lunatscharski, der den rusiischen Botschasterposten in Madrid übernrhuren sollte. Anatol Lunatscharski war«lnter den führenden Männern des neuen Rußland der europäischste, in seinen« geistigen und politischen Charakter an« tvcltrstcn von dem Thp des nichts-als- radikalcn Bolschewiken entfernt. Es ist Lunatscharski natürlich nicht erspart geblieben, von seinen Partrifreniidcii in aller Welt als närrischer Aesthet und verlaufener Bourgeois verspottet zu werden. Weil er„nur" ein Knlturpolitiker und kein Machkorganisator Ivar, hat man ihn zwar sanfter behandelt als den gefährlicheren Trotzki— aber sein Gegensatz zn dem unrnropäischen und unliterarischen Stalin führte doch dazu, daß er 1929 seines Amtes entsetzt und in den diplomatischen Außendienst abgeschobcn wurde. Daß Lunatscharski aus dem russischen Bürgertum stammte,«var für Lenin kein Grund, aus seine Mitarbeit zu verzichten. Wenn es unter den Männern des Oktobers einen gab, der das wichtige Werk der ritfsischen Volksbildung, der Rettung und Rrnorientiernng von Wissenschaft, Kunst und Literatur in Angriff nehmen tonnte, dann war es dieser europäisch gebildete Schriftsteller, der aus freiheitlicher Gesinnung und sozialer Einsicht zum revolutionären Feind des Zarismus und der alten Gesellschaftsordnung gc- tvordcn war. Er eröffnete als Volksbildungskommissär den Kampf gegen das'Analphabetentum, er sorgte für die staatliche Organisation des wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens: der Universitäten, Museen, Theater, Bibliotheken und ForschnngSstättc». Die Bedeutung des„Außenseiters" Lunatscharski für den knltnrcllen Ausbau der Sowjetunion ist«vahrscheinlich größer als es die kommunistischen Historiker eingestche». lind vor allem darf man nicht vergessen, daß die Persönlichkeit des Verstorbenen für die Anerkennung Sowjetrußlands bei der europäischen Intelligenz entscheidend war. Denn dieser revolutionäre Literat hat im Gegensatz zn so vielen, die Anspruch ans diese Bezeichnung haben, sein künstlerisches Gewissen, seine historische Einsicht und seine» Respekt vor den Leistungen der vorrevolutionären Epoche und der nichtrcvolutionären Kultnr keineswegs zugunsten einer wild-radikalen Haltung über Bord geworfen. Er hat daraus bestanden,' daß auch die Revolution in ihrer Kulturpolitik aus die Anerkcnnntig traditioneller Werte nicht verzichten darf, daß sie die Werke der Vergangenheit nicht zu vernichten, sondern zu über- treffen hat.— e«ne These, dir sich auch Trotzki in seiner Schrift„Litcratnr und Revolution" zn eigen machte. Ans dieser Haltung Lunatscharskis erklärt es sich, daß er das Problem des religiösen Sozialismns zum Gegenstand einer Abhandlung und das der nationalen Traditio»« zum Gegenstand seiner kulturpolitischen Maßnahmen machte. Und darans erklärt sich auch der Rus des„Schöngeistes", der ihm anhastelc. Die Einheit: Revolutionär, Polkserzicher und Traditionsbewahrcr, die Lunatscharski immer angestrcbt hat, kommt auch in seinem literarischen Schaffen»zum Ausdruck. Er hat über Dostojewski ebenso verständnisvoll wie über Gottfried Keller geschrieben, und in feinem vor Jahren auch in Deutschland erfolgreichen Theaterstück„Der be- freite Don Quichotte" hat er die Wandlung vom Romantiker zum Revolutionär, vom Liberalen zum Organisator geistreich-satirisch, schticht-beleh- Wttib und beinahe anmutig- gestaltet. Das Parller Unglück- Paris, 28. Dezember. ES ist nunmehr gelungen, sämtliche Opfer zu identifizieren. 81 Särge hoben bereits di« Totenhalle des OftbahnhofeS verlassen, 88 Verletzte liegen noch in verschiedenen Pariser Krankenhäusern. Eine Reihe anderer wird in Lagny gepflegt. Prag, 28. Dezember. Der französische Ministerpräsident Camille C h a u t e m-p s hat auf die telegraphische BeileidSkundgebung des Vorsitzenden der tschechoslowakischen Regierung, Malypetr, anläßlich der Katastrophe bei Lagny mit folgender Depesche gcannvortct: ,Lm Rainen der Regierung der Republik dank« ich ergriffen Euerer Exzellenz für die ausgesprochene Teilnahme an unserer großen Trauer und bitte Sie, den innigen Tank der französischen Ration entgegennchmen zn wollen Camille ChautempS, Ministerpräsident und Minister de« Innern." Das Krematorium von Karlsbad-Fischern das nach einem mehr als zehn Zähre dauernden Kampfe ztvischen Anhängern und Gegnern der Feuerbestattung int Bezirk Karlsbad und den Gemeinden, in der Stadt Fischern mit einem Kostenaufwand vo>« 1,600.000 As erbaut und am 17. Dezember d. I. eröffnet wurde. Wieder ein Eisenbalmunsall in Frankreich. Lyon, 28. Dezember. Mitttvoch abend ereignete sich in der Nähe von Lyon ein Eisenbahnunglück, das glücklicherweise keine ernsten Folgen hatte. Die beiden letzten Würgen des D- Zuges Paris— Marseille sprangen aus den Schienen und stellten sich quer. ES gelang glücklicherweise, den Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen, ehe die beiden letzten Wagen nmkippten. Drei Zn fasse«t wurden durch Glasspliiter mehr oder weniger schwer verletzt. Lokomotivführer überfahren und getötet. Gestern wurde in Pilsen der 50jährige Lokomotivführer Cyrill K r ü l, der aus dem Dienste nach Hause gehen wollte, von einer Lokomotive erfaßt. Er erlitt schwere Bcrlehungcn am Kopfe, außerdem wurde ihm der Fuß oberhalb des Knöchels abgetrennt. Krul erlag noch vor Eintreffen des Arztes seinen Verletzungen. Der Führer der Lokomotive, die Krül ersaßt hatte, behauptet, seinen Kollegen erst im letzten Augenblick erblickt zu haben, so daß er die Maschine nicht mehr znm Stehen bringen konnte. Schrecklicher Selbstmordversuch vor den Augen des Gatten. Bor einigen Tagen wurde die 19jährige B o L e n a Müller mit schweren Brandwunden an« ganze» Körper ins Krankenhaus in Ung. H rad i sch cingeliescri. Ta der Fall nicht klar war, leitete die Polizei eine Untersuchung ein. Sie stellte fest, daß die Müller unter beson- deren Umständen einen Selbstmordvcr- s u ch verübt batte. Sie hatte vor kurzer Zeit Johann Müller geheiratet, der sich als Po st beamten auSsirgeben hatte und ihr erst nach der Hochzeit die Wahrheit sagte, daß er nämlich ein beschäftigungsloser A-r- beiter sei. Kurz nach der Hochzeit traten unter den Eheleuten Zwistigkeiten auf. Die Müller drohte mit Selbstmord. Der Mann glaubte ihr nicht und lachte sie a u S. Zn der Aufregung ergriff die Müller eine Flasche mit Petroleum, begoß sich die Kleider und wollte sie anzünden. Das Petroleum brannte aber nicht, weshalb di« Müller Spiritus dazu««ahm. Der Mann hinderte sie nicht daran. Erst als sic die Kleider a n z ü n d c t e. die Feuer fingen nnd auch den hölzernen Fußboden bedrohten, unter dem sich ein Benzinlaqer befand, sprang der Mann herbei und nach längeren Bemühungen gelang cS ihm, die Flawmcn zu löschen. Nach Feststell>«ng des ganzen Vorfalles er- stattete dir Polizei gegen Müller die Strafanzeige.. Antifascistijchcs Archiv. Das Sekretariat des Wcltkomitres für die Opfer des Hitlersaseismus hat auf seiner in Paris durck>g«führten Sitzung u. a. auch die Schaffung eines internationalen antifasristisck)cn Archivs beschlossen. An der Schaffung der Grundlagen für dieses Archiv ist bereits seil Monaten gearbeitet tvordcn. Unterstützt von hunderten von anlifaseistisck)en Gruppen und Personen wurde systematisch Material über den Hitler-Fascismus aus politisck)ein, sozialem, kultu- rellcin und wirtsck>astlichcni Gebiet zusammenge- tragen. Das Archiv verfügt heute schon über zahlreiche Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Toku- niente ustv., darunter besonders tvertvolleS Material, das lausend Morde in Hitler-Deulschlaus eitnvandsrei nachtveist. Tas Internationale anti- fascistischc Archiv richtet eine Aufforderung an di« antifa.scistisck)en Gruppen und an alle Antifascisten in Deutschland und allen außerdentschcn Ländern, seinen Ausbau z>t unterstützen und ihm Doku- «nente, Berichte, Photos, Zeitungen, Zeitschriften ustv. zu übermUleln, bezw. sich wegen dieses Materials mit der Leitung des Archivs in Verbtn- üung zu setzen. TaS Internationale antisaseistische Archiv benötigt besonders alle mit dem Fascismu» zusammenhängenden Materialien sür eine internationale anttfascistische Altsstellung, die von ihm vorbereitet wird. All« für daS Archiv bestimmten Semtwngon, Anfragen usw. gehen ausschlicßlity an dl« nachstehende Adresse: Internationales anir- fascistisches Archiv, Placard Nr. 18, Rue Dl. Augustin 22, Paris II. WteyttS für Touristen! Au de» Tagen der Gültigkeit der Sonntags- Rückfahrkarte braucht jeder organlsiert« Tourist nur die einfach ermäßigte„8" Fahrkarte lösen, kann somit die Rückfahrt von einer anderen Station antreten. Die Rückfahrt muß jedoch für den Fall, als der Einzrlfahrer die 33prozentige Ermäßigung in .Anspruch nehmen will, am letzten Gültigkeitttag« der SonntagS-Rücksahrtarten noch vor 12 Uhr vormittags angetrelen werden. Die Ausfahrt vom Wohnorte(laut Mitgliedskarte) darf nicht am letzten Tage der Gültigkeit der Sonntags-Rückfahrkarten angetreten werden. Die WeihnachtSperiodc für Eonn- lagS-Rncksahrkarlen endet mit 2. Jänner, Ti« neu« Periode beginnt Freitag, den 5. Jänner, mittags, und endet mit 8. Jänner mittag- Bel Fahrten über 2011 Kilometer in Gruppen von zumindest drei Personen(50 Prozent Ermäßigung, Jugendlich« von zehn Jahren im Verhältnis von 1:2) muß sich der Gruppenführer bei der Bahnkassa sowohl bei der AuSsahrt, al- auch bei der Rückfahrt mit einem AnSweiS krgltimirren. Erhältlich nur beim Verein. Geschäftsreisen und Bcrwandtenbesuche mit der Eisenbahn werden nicht als Touristenreisen anerkannt und im Falle der Feststellung zahlt der Betroffene den doppelten vollen Fahrpreis. Auf Autobussen der S2D. genießt der organisierte Tourist 25 Prozent Ermäßigung. Im NaturfreundehauS auf der König-, höh« im Jsergebirge und auch in einigen Natur- srrundehäusrrn im Erzgebirge sind noch einig« freie Zimmer für Winterurlaube zu vergeben. Nähere Auskünfte in allen Touristcnangelegen- heiten erteilt die Ortsgruppe d«S Touristenvereinet „Die Naturfreunde", Prag I!., Rarodni tf. S/llk., stets Freitag von 6 bis 8 Uhr. Berhauvluug gegen Sattrek Enste Jänner. Mähr.-Ostrau, 28. Dezember. Wie wir erfahren, wurden die Einwendungen des Verteidigers Dr. Zajiöeks gegen die Klage wegen des Verbrechens der betrügerischen Herauslocknit- von 7 Millionen Ke vom Obcrgcrichte verworfen. Die Verhandlung gegen Dr. Zajiöek wird etlva Ende Jänner ooder Anfang Feber 1934 vor dem Senat des KveiSgerichtrs in Mähr.-Ostrau stattfinden, da sie noch vor der Tchwurgerichtstagung, die bereits Mitte Feber beginnt, beendet werden soll. ■ Anläßlich der 40-Jahr-Feirrde« Omladina- Prozesse» hat das Justizministerium die Bewilligung erteilt, daß die Zelle für Einzelhaft in der Männer-Abteilung der Strafanstalt Pilsen Bory, in welcher Dr. R a»i n eine zweijährige schwere Kcrkcrstrafe verbüßte, in den ursprünglichen i Zustand gebracht und nicht mehr in Verwendung kommen tvcrdc. In der Zelle werden verschiedene auf den Prozeß bezugnehmende Ge- dcnkstücke, wie z. B. d:e Anklageschrift und das Urteil über die Omladina, eine Büste Dr. Raäins, die Portrats der Führer der fortschrittlichen Bewegung, die in Bory cingekerkert waren, sowie die Photographien der verurteilten Omladinisten aufbcwahrt werden. Die Zelle wird den Namen„Zelle der Omladina und Dr. Al. Raöins" tragen. Sic wird am Sonntag, den I I. Feber 1934 mit einer Rede Dr. Anton Hajns, eingcwciht werden. Drucksrhlerberichtitzung. In unserer gestrige« Notiz„Ein literarischer Freibeuter" finden sich einige Druckfehler. In der 13. Zeile der ersten Spalte hat cs statt„hinzuopsern" zu heißen:„hin- opfern", in der 21. Zeil« statt„beschwert" richtig „beschert", in der 13. Zeil« der dritten Spalte„der" statt„er". Ei« Nachfolger dr»„Timplirissimus". Im Verlag Neumann u. Comp., Prag- Karlin, wird Mitte Jänner in einer deutschen und einer tschechischen Ausgabe di« neue satirische Wochenschrift„Der S i m P l i cus" erscheinen. Der„Simplicus" will die große Tradition des Münchener„Simplicissimus" fortsetzcn, so wie sic vor der politischen Gleichschaltung bestand. nnd zeichnerisch und literarisch Beiträge der bekanntesten deutschen, tschechischen, österreichischen und französischen Zeichner und Schriftsteller veröffentlichen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programute«. Freitag:* Prag: 10.10 Orchestcrkonzert, 12.10 Schallplatten, 17.05 Ondriöek-Quartett, 18.30 Deutsche Sendung: Dr. Husty: Di« Wirtschaftskrise im Jahre 1933, 1010 Englische Konversation, 20.05 Trinklieder, 20.30 Sinfoniekonzert.— Brünn: 13.35 MittagSkonzcrt, 10.56 Training des Skiläufer-, 18.25 Deutsche Sendung; 20.05 Aufruhr der Musikinstrumente, 21.00 Cimbalvorträge.— Kaschau: 17.00 Orchesterkonzert.— Pi^ßburg: 18.99 Klavierkonzert.— Wien: 15.25 Jugendstunde, 15-50 Liederstunde, 17.25 Clara Schuhmann, 21.30 Orchesterkonzert. -tt. 808 ffttliag, 99.®qetnBet 1MB Seite•'»• ■i im Keller eines-HanseS in Neapel rwei Personen getötet und füns schwer verletzt. Tie Opfer des der kHaralteure de» und e r des IttN- kommt. Wer sich ist entweder cnt- Entlassnng, oder Minderzahl Demokratie dem sozialistischen Pilblizisten genug Selbstüberwindung kostet. Aber cs wird ein Prinzip achten, das bei allen Mängeln des heutigen Zustandes wertvolle Entwicklungsmög- lichkriten in sich trägt. Der Richter soll unangreifbar sein und bleiben, so lange er das Gesetz wahrt. Ist das Gesetz schlecht, so muß dessen Verbesserung angestrcbt, keinesfalls aber der Richter angefallcn werden, der nach diesem Gesetz urteilt. Und wie hat die Publizistik des„Dritten Reiches" auf das Leipziger Urteil reagiert? Die TintenkuliS— Journalisten gibt es ja im heutigen Deutschland nicht niehr— stimmen ein offenkundig kommandiertes Wutgeheul an. Der schlappschwänzige Gerichtspräsident B ü n g e r wird ungeachtet seiner jeder richtcr- lichen Würde hohnsprcchendcn Haltung im Vcr Herr KrauS, der zeilenträchtige Hitlcr- enthusiast, bemühte sich vor dem Umsturz eifrigst um Mitarbeit an sozialistischen Porteikorrespon- denzen. In den CafSs der Berliner Boheme galt er als Bügelfalten Kommnnist. Seinen rassischen Voraussetzungen wollen wir lieber Prag, 28. Dezember. Wer sich die bittere und sehr reale Kehrseite der kleinbürgerlich-sentimentalen W e i h n a ch t 8 r o m a n t i k zu Gcmüte führen will, braucht sich in diesen Tagen der Nachweih nachlSzcit nur zum Arbeitsgericht zu begeben, wo haufenweise Klagen von Angestellten gegen den Dienstgeber wegen Auszahlung der gesetzlich gewährleisteten und trotzdem verweigerten We ih n a ch I S re m u n e r a t i o n anhängig sind. Wobei zu bemerken ist, daß nur ein winziger Bruch teil derartiger voll berechtigter und nicht erfüllter Ansprüche überhaupt vor Gericht zu einer solchen Klage entschließt, lassen oder steht vor der sicheren aber(in einer verselnvindenden Fälle) in crner so sicheren Position, daß er es sich erlau-ben kann, sich am den R e ch t s st a n d p u n k t zu stellen und Siefen bis in alle Konsequenzen zu verfechten. Tie übrigen neunzig Prozent der verkürzten Angestellten beißen die Zähne zusammen unS nehmen lieber das kleinere U e b e l in Kauf, als das große und fnrchrbare Unheil der Dienstentlassung, des vollkomnienen BcrlnsteS ihrer Existenz. Wenn man all dieses soziale Unrecht, das nicht a>ls den Grund gehen. Bekannten gegenüber oll er einnial geänfzcrt haben, daß er„von Politik keine Ahnung habe, aber Gefühlslinker sei." Nichts weiter gegen den Armen, der sich in der Liliova Zimmcrmicte und Caf^geld zusammen weltanschanern milß! Aber alle» gegen! ein Blatt, das sich ihn als Leitartikler engagiert!! JI.. I Hans Albers, der nnwiderstehlichc Schmachtlyriker des Bizeps, hat soeben ein braunes Jntervicto gegeben, in dem er, unter Hinweis auf seine Nolle im Nazifilm„Flüchtlinge", die Knltnrmörder vom Hakenkreuz in unerträglicher Weise anhimmelt, wobei er sich, jeder Ge schmacklosigkeit gewachsen, als Parade Filmstar des Dritten Reiches selbst ofserirt—. Ausgerechnet Hans Albers! Sein„schwer strs" Geld hat er bei rassisch minderwertigen Produzenten verdient,„gemacht", wie der un- shmpathische filnitechnische Ausdruck lautet, haben ihn Juden, seine Frau ist Jüdin und ihm selbst waren noch vor zehn Monaten„die braunen Affen zum Kotzen." I. Herr R e n 6 Kraus, zur Zeit Berliner siolitischer Leitartikler der„B o h e in i a", schrieb in einem Leitartikel vom letzten Sonntag, daß Torglcr, der im braunen Reichstags- Schänd- Das Land ohne Rechtsprechung. Das Leipziger Urteil nnv die hnnnllche Journalistik. Tic war lauf des Prozesses„l i b e r a l i ft i sch e r Vorurteile" geziehen, das ganze Gericht in Grund und Boden verdammt. Der offizielle Rundfunk gröhlt das Gericht an. Hunderte Lohnschreiber füllen die Spalten ihrer gleichge- schaltetcn Blätter mit der Forderung einer „R e ch t S r e s o r m", die an Stelle des„st a r» reu Paragraphen" das„lebendige Rechtsgefuhl des Volkes" setzen soll. Mit anderen Worten: In Deutschland soll e S k e i n e R e ch t s o r d n u n g mehr geben! Entscheiden soll das„lebendige Rechts gefühl" des Volkes, daS heißt seiner Herren und Gebieter, seiner Diktatoren und Tyrannen, der Verbrecher und Irrsinnigen, die heute die Schicksale eines großen Volkes bestimmen. Es gibt keine Rechtspflege mehr in Deutschland, cs gibt keine unabhängigen Richter niehr: Die Gerechtigkeit ist tot. Und dies ist der?ln« fang v o m Ende eines bestialischen S Y st e m s, daS mit Naturnotwendigkeit an seinen eigenen Ungeheuerlichkeiten zugrunde gehen wird. Dr. Bg. in der seligen, fröhlichen Weihnachtszeit an den Angestellten begangen wird, summieren wollte— es wäre eine schwere 2 ch n l d p o st. Immerhin ist eS notwendig, die Angestellten auf die ihnen gesetzlich gewähr lei ft eien Rechte aufmerksam Z» machen. Als grravezu klassisches Beispiel mag man eine dieser Tage ergangene Entscheidung des hiesigen KreiSgcrichtes a-ls Berufungsinstanz in einem Stritt um die verweigerte W c i h- nachtsrcmuneration ansehen. Eine htesige Firma hatte zu Weihnachten 1982 ihren Angestellten durch Rundschreiben mitgrteilt, sie sei infolge schlechten Geschäftsganges nicht in der Lage, die Weihnachtsrentiinerativt! zur Auszahlung zu bringen. Tic Angestellten nahmen diese Mitteilung schweigend hin— denn was blieb ihnen übrig? Im heurigen Jahr wiederholte sich 0:cscr Vorgang, blieb aber diesmal nicht ohne Widerhall. Zwar fügte sich auch diesmal das Personal im allgemeinen, aber ein itizwischen entlassener Expedient brachte beim Arbeitsgericht die Klage ans Auszahlung zweier We i h na ch t s r e m n n e r a t i o» neu ini Betrage von 2200 Ke ei». Da ein Vergleich nicht zustande kam, wurde hie geklagte Dienst» geberfirma durch Urteil schuldig erkannt, die eingcklagicii Beträge auszilzahle». nicht zufrieden und legte Berufung ein. DaS Zivil kreis- als Berufungsgericht bestätigte vollinhaltlich das erste Urteil mit folgender bemerkenswerter Begründung: Ter Wortlaut der erwähnten Rundschreiben sei n n k l a r I und lasse nicht die Absicht erkennen, überhaupt keine Nemuneralionen auSznzahien, sondern beschränke sich ans die Feststellung der derzeitigen Unmöglichkeit dieser Auszahlung. Nur im Falle einer grundsätzlichen Ablehnung wäre die N i ch t e r h e b n n g eines Einspruches seitens des Angestellten als stillschweigende I u ft i m m u» g zu werten. Unklarheiten der Stilisierung habe aber im Sinne des§ 915 tzlVGB. der Veranlasser der in Frage stehenden Berein- bärung zu vertreten. Aber ganz abgesehen von dieser Frage sei eine Erklärung der Ange- st e l l t e il gar nicht nötig, da nach dem Handlungsgehilscngesetz der Anspruch des Angestellten aus die Wcihnachtsremuneration ein unver- ! äußerliches Recht des Angestellten danslelle, auf daS dieser nicht rechtsgültig v e r z ich t e n könne. ' Dem Klageanspruch wurde daher voll stattgegoben. ’ rb. Neue Ausgrabungen in Pompeji Links: Eine kürzlich freigelegte Straße, bie Dia Pomerialc.— Rechts: Künstlerische Ornamente aus einem ebenfalls kürzlich frei gelegten dorischen Tempel.— In Pompeji, der 79 n. Ehr. durch einen Ausbruch des Vesuvs völlig verschütteten altrömischcn Provinzstadt, finden die Archäologen noch immer ein reiches Betätigungsfeld. Immer wieder ergeben die Ausgrabungen eindrucksvolle Bilder von den« Hochstand der altrömischcn Kultur und Zivilisation. Weihkachlsremuneratron— ein unveräutzeriilhes Recht des Angestellten. Bemerkenswerte Entscheidung des Prager Preisgerichten als Arbeitsberufungsgerichtes. ■■IM Ein Unglück kommt selten allein... Der Stabswachtmeister Fr. PoSledni aus Hlnk, des. feit Mutter in Klattau gestorben war, erlitt auf der Fahrt zum Begräbnis einen Schlaganfall, der seinen augenblicklichen Tod hcrbcisührte. Warum? Zu Weihnachten befand sich der Soldat Rudolf Sttichlik auf Weihnachtsurlaub bei feinen Eltern in Polskü Lutynö. Dort erhielt er den Besuch seiner Geliebten Hermine Glacovü, die er am 26. d. M. abends nach Hause begleitete. Am Nachhausewege wollte der Soldat das Mädchen überreden, gemeinsam mit ihm Selbstmord zu verüben. Tie Glacovü wollte aber vorher von ihrer Mutter Abschied nehmen und verließ^ ihn dann unter irgend einem Vorwande. Stuchlik brachte sich hierauf einen tödlichen Kopfsch uß bei. Er wurde in sterbendem Zustand in das Neu-Odcrbcrger Krankenhaus geschafft. Revolte im Gefängnis. Im Gefängnis S a n t a Rosa brack eine Meuterei ans. Ten Häftlingen gelano cs. sich zu befreien, worauf sie ein militärisches Waffenloser überfielen und dann einen Angriff auf die Lokalbehörden unternahmen. Bei den Zusammenstößen mit der Polizei und Gendarmerie gab cs auf beiden Seiten viele Tote und Verwundete, doch gelang cs schließlich, die Meuterei zu unterdrücken und die Ordnung wieder hcrzustellcn. Flammentod einer vkerköpfigen Familie. In Tarloviste(Rumänien) verbrannte Mittwoch nachts eine aanze Familie dadurch, daß die Kleider eines Arbeiters, der offenkundig mit Benzin Flecken reinigen wollte, in Brand gerieten. Trine Frau, die ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde ebenfalls von den Flammen ergriffen, desgleichen die beiden Kinder, die dazu kamen, als die Eltern lichterloh brannten. Als später Nachbarn zu Hilfe eilten, sand man die vier Personen nur noch als halbverkohlte Leichen auf. Durch explodierend« Sprengkörper wurden Eine« der markantesten Kennzeichen modernen Kulturstaates ist die absolute restlose Unabhängigkeit sein Richter. Die Richter als jene Organe Staate-, die mit der Wahrung einer fest rissenen, für alle Menschen ohne Unterschied geltenden Rechtsordnung betraut sind, sollen keinen Herrn über sich ken nen, al» da» Gesetz, nach dem sie Recht zu spre- fen haben. Sie sollen allen Einflüssen entzogen sei», die diesem Sinn ihres hohen und verantwortungsvollen Berufes zuwidcrlaufcn. Auf der andern Seite soll der Bürger die Gewißheit baben, nach den Vorschriften einer unverbrüch- sich gesetzten Rechtsordnung gerichtet zu werden; ohne Ansehung seines Stande», seines gesellschaftlichen Ranges, seine» Politische», religiösen oder nationalen Bekenntnisses. So will es das gesellschaftliche Gewissen der Kulturmensch- h e i t. Jeder andere Zustand kann nicht anders empfunden werden, denn als Barbarei. Die Anerkennung dieser Grundsätze, die jedem Kulturmenschen heute in Fleisch und Blnt übergangen sind, ist eine Errungenschaft der großen Revolution, zu deren wichtigsten soziologischen Folgeerscheinungen die Abtrennung der Justiz von der obrigkeitlichen Bcrwaltung gehört, die Unabhängigmachuna der Richter und die Gleich heil aller vor dem Gesetz. ES war eine der grundlegenden Errungenschaften der mündig werdenden Böller. Der Sozialist wird nicht blind sein gegen die Mängel, die der demokratischen Justiz anhaften, besonder- wo sie aus-einem veralteten und überlebten Gesetz basiert. ES gibt genug Gelegenheit zn berechtigtester Kritik. Und dennoch: Selbst die schlechteste demokratische Justiz erscheint als leuchtender Gegenpol menschlicher Gesittung gegen das barbarische Wüten einer „autoritären" Scheinjuktiz, wie«S der Leipziger Prozeß gegen die„Reichstagsbrand- st i f t c r" der entsetzten und angcekelten Weltöffentlichkeit darbot. Man konnte diesem Prozeß irgendeinen der in unserer Republik verhandelten Hochverrat-Prozesse gegen unsere Hakenkreuzler gegenüberstellen. Etwa jenen denkwürdigen Prozeß vor dem Prager KrciSgcricht, wo ein zionistischer Jude al» ex offe-Derteidi» g e r sich seine- Klienten so aufopfernd annahm, daß nicht dieser allein, sondern auch die sechanderen Mitangeklagten diesem Anwalt ihren wärmsten Dank anSsvrachen. Es wäre verlockend, diesem Verteidiger seine Hakenkreuzkollegen aus Leipzig gegenüberzustellen, eS wäre verlockend, diese nach langer Untersuchungshaft frisch, unversehrt uno wohlgenährt vor Gericht erscheinenden Angeklagten mit den bestialisch zugerichteten Insassen der Konzentrationslager zu vergleichen, wenn sie nach langer Marterzeit end- lich vor ihrem„Richter" erscheinen. Es wäre verlockend, daS demokratische Gericht mit seiner freien und humanen Amtierung gegenüberzustellen den zitternden Sklaven dieses Leipziger „Reichsgerichtes", die eS nicht einmal wagten, im Gerichtssaal des höchsten Tribunals des Reiches den irrsinnigen Ausfällen und Drohungen dcS sadistischen Morphinisten G o e r i n g Einhalt zu tun. Es wäre verlockend, die Me-' thoden der„Rechtsfindung" dieses Hokenkreuzge- llnglücks konnten erst»ach mehrstündiger Arbeit«Jte» den Gerichtsmetho- geborgen werden, da das über dem Keller ge-‘ n TT»* n legen« Zimmer eingcstrzt war. Die Nachforschnn-1 felTO-® fc-H n*r tn$2 tew—V’ ut,® on^ c füllen, gen haben ergeben, daß in dem Hause Spreng- Bande hitlerdeutscher Schmach! körper zur Ranbf'scherei unerlaubter Weise her-„ Fassen wir deshalb nur eine Phase dieses gestellt worden waren. Prozesses ms Auge: den Abschluß, oder besser Ermäßigte Elsenbahnhakbjahreskarte«. Be« I S>* m^2»!?ur na list i sche Nachspiel. Neuregelung der Eisenbahn.arise ab 1. Jänner 1M4£ Or T sind auch verschiedene Bestimmungen für die«r-1 die Bulgaren fre,zusprechen. Der Freimäßigten tzalbjahreSkarten für organisierte E"BEicheugungen schäftsreisende und Vertreter geändert worden. In»-!^?5.^?"^^§ENden Gewalten. DaS höchste Ge- besondere wird den organisierten Geschäftsreisenden?^>chc? hat fern Urteil gesprochen. Ur> und Vertretern bei Besorgung der ermäßigten Halb-! sind m Kulturstaaten nur in gewissen Greil- jahreSkarten durch die Organisation ein Nachlaß bon p®”’ et zugänglich..luchdieser Grundsatz 5 Prozent bewilligt. Nähere AnSkünfte über die Zahlt mm Bereich der richterlichen Unabhängigneuen Preise und Bedingungen erteilt der Bundi bestem Wissen und Gewissen nach der Vertreter und Reisenden, Fach- Gesetz Recht sprechende Richter soll nicht von gruppe im Allgemeinen Angestellten- I Polemiken beeinflußt sein. Verband, Reichen berg, Tu rnerstraß e 27. Und wiederum ist zu betonen, daß die Bc- Billiger Tarif für«ratulationStelegramme. I nd’‘ unfl b,cfc8 Zündsatzes in der bürgerlichen Auch bei telegraphischen Neujahr Sglückwünschen kommen die Tarifnachlässe in Anwendung, die die Telegraphenverwaltung sür Glückwunschtelegramm« gewährt. Im Inland kostet«in Wort deü Glückwunschtelegramme» nur 10 Heller. Bei Auslandstelegrammen beträgt der Nachlaß bei Adressaten in Europa 50 Prozent und bei Ueber- sceadrcssaten zwei Drittel deS Normaltarifes. Falschmünzer. Seit einigen Tagen tauchten im I Prozeß soeben freigesprochene kommunistische Saargebiet in größerer Menge falsche Francs-1Führer, kein Gegner des Nationalsozialismus stücke auf. In Elversberg konnte nunmehr«in! mehr sei. Dieser ungeheuerlichen Beschimpfung junger Mann verhaftet werden, der mit FünksrancS-! eines wehrlosen OpfcrS einer zu allen Brutali stücken bezahlen loollt«, die sich sämtlich als falsch er-1 täten fähigen Diktatur fügt Herr KrauS eine wiesen. Die Vernehmung des Verhafteten belastet« I Bemerkung über die antideutsche Hetze gegen drei weitere junge Burschen im gleichen Ort. di«IDeutschland hinzu, die angeblich(Braunbuch!) ebenfalls verhaftet wurden. Im Haus« d«S einen I systematisch betrieben werde—. sand man eine vollständig eingerichtet« Falsch-1 Mit Herrn KrauS, dem wendigsten aller münzerwerkstatt mit allem Znbebör. I Konjunkturliteraten, zu rechten, wäre ein ver« Bapageienkrankbeit. Die Familie de» Gra- j gcblicheS Bemühen. «r OberkandeSaerich'SrateS Mehner, und zwar der Ehemann, die Gattin und zwei Kinder, er krankten vor.einigen Taaen an der Papageien krankheit, die von ihren fünf Papageien ans sie übertragen worden war. Der Landesgerichlsra' ist der Krankheit bereits erlegen. Seit« 8. Freitag, 99. Dezember 198b Nr. 808 Kljronit für Las erste Aalbjahc 1934. Wir entnehmen der englischen Zeit- schrist„New Staiesman" sie folgenden Teil« einer mit britischem Humor ver- sagten, witzigen und kuriosen Vorschau aus das erste Haltzzahr I!<ät: 1. bi- 7. Jänner. Forderung der„Deutschen «yristen" nach einer religiösen Volksabstimmung, mn«in für allemal festzuslellen, dah Jesus keinen «ichtarischen Vorsahtcn Hari«. In Anbetracht kritischer Bemerkungen in der Auslandpress« ist die Abstimmung voUkommcn frei: alle Wähler erhalten blaue Karten, um mit Ja zu stimmen; diejenigen. Sie mit Nein stimmen wollen, erhallen auf ihr Verlangen rosa Karten. Bei der Zählung gilt jede rosa Karte als blau, da dies wahrschciu- lich bei näher«: Ueberlegung Ser Wille der rosa Dahier wäre. Paul-Boncour erklärt in einer scurigen Rede, bah„Frankreich, der Soldat der Menschheit, unbeirrbar und unerschütterlich den Weg.. (Sturz der sranzösischen Regierung.) Macdonalh lorderr alle patriotischen Engländer auf, Grundlegendes auszubaucn und Ausbauender zugrunde zu legen und der nationalen Regierung zu vertrauen. Chamberlain bedauert den Ueberfluß an Nahrungsmitteln, deutel aber mir Befriedigung auf dir Steigerung des DpeLpreijcs. In wenigen Jahren, erklärt er, können wir auf wirklichen Mangel hofsen. 10. Jänner. Präsident Roosevelt erklärt, dah di« Ueberpcoduktion gedrosselt werden muß. Er gibt viel zu viele Schuhe. Mieder und Amos. Die Regierung wird all« diese Gegenstände(inklusive Kaugummi) zu einem Preis ankauscn, der fünf Prozent über dem Marktpreis liegt, bis die Urber- pruduktion gedrosselt ist. Großer Ausschwung des Wirtschaftslebens. Wachsendes Schwanken des Dollar-. 18. Jänner. Riesiger Erfolg der Volksabstimmung der„Deutschen Christen"— fünfzig Millionen gegen Null 20. Jänner. Hitler erklärt in einer lies- empfundenen Aussprache, daß das deutsche Volk nicht- anderes will als Frieden und Gleichberechtigung. Aber wie kann das deutsch« Volk ruhen, wenn es sieht, daß echt deutsche Städte wie Wien, Warschau, Kiew und Prag in den Klauen der Tschechen, Juden, Polen und Komnlunislrn schmachten? Henderson kehrt zur Abrüstungskonferenz zurück. 25. Jänner. Sir John Simon erklärt aus eine Anfrage, daß er Hitlers Rede gelesen habe, zwar nickt mit-vollkommener Zustiutmung, aber doch mir Interesse und Hochachtung. 28. Jänner. Eine T-eputatiou, geführt von, Erzbiichos von Canierbun) erscheint beim Premierminister, um ihn zu fragen, ob seine Rede richtig wicdergegcben werden sei und ob er nickt gemein: habe, man solle Grundlegendes zugrunde legen und Aufbauendes ausbauen. Ter Premicrminlstcr erklärt kategorisch, man dürfe sich nicht täuschen. Er welche nicht davor zurück, zu zögern, ohne Ehrlichkeit oder Umschweife bi« vollständige Bestätigung und Zurückweisung aller derjenigen Behauptungen zu verweigern, die er noch nicht vollkommen klar erläutert habe. T«r Erzbischof verspricht, über diese- Antwort nachzudenken 1. Februar. Deutsche Volksabstimmung entscheidet mir 51 Millionen gegen null Stimmen, dah Wien. Warichau, Kiew und Prag deutsches Gebier sind Ti«„Deuüchen Christen" verlangen di« Hinzmügung von„und Galiläa": Forderung bewilligt. 1. bis 14. Februar. Allgemeiner Aufschwung in der Schuh. Auto- und Miedererzeugung. Amerikaniiche Arbeitslose zur Erzeugung dieser Gegenstände in Dienst gestellt. Präsident Rooie- velt niacht aufmerksam, daß die Regierung alle (aber nur diejenigen) kaufen wird, di« zu hundert Prozent amerikanisches Erzeugnis sind All« noch übrigen amerikanischen Arbeitslosen werden za Spezialpolizisten ernannt, um das geietzwidrtge Etnjckmuggeln von Schuhen, Auios und Miedern aus Europa zu verhindern. 2V. Februar. Neue sranzöjisch« Regierung ge- bildet. Paul-Boncour setzt leine Rede fort: .. verfolgen wird, der Frankreich durch seine ganz« glorreiche Geschichte hindurch geleitet hat auf«in«m..."(Sturz der französischen Regierung.) Henderson kehrt zur Abrüstungskonferenz zurück. 1. Mörz. Die U niverürör Berlin verösseurlicht Ergebnisse einer kollektiven Untersuchung der biblischen Abstammungslehre. Es erscheint klar bewiesen, daß die südlichen Namen Fälschungen sind. Ter Name Joses ist zu ersetzen durch Germanus SanguinslenruS HorriduS. Ceniucio der damals in Galiläa stationierten. aus Germanen bestehenden Legion. S. März. Ergebnis der Volksabstimmung Galiläa als deutsches Gebier erklärt.»Ruhe in Galiläa.) kl). März. Ti« Masse der in amenkanischent Rrgtrrungsbejiy befindlichen Schuhe, Auws und Mieder wird zu einer nationalen Verlegenheit Sie überflutet dr« Grenzen des Kolumbiadisirtk:- Die Nachbarstaaten Maryland und Virginia klagen den-kkolumbiadistrikt i-eim BundeSgirichtshoi wegen Verkehrsstörung Tie Masse wächst. SS. März. Hitler erklärt bei einer Feier zu Ehren der Rathenau- Mörder, daß Deutschland sein« Seel« entdeckt hab«. Deutschland brauche «ur Frieden: dieser aber könn« nickt bestehen. solang« ein neidisches und haßerfülltes Frankreich daneben läge. Das deutsche Volk wolle ein« Volksabstimmung darüber, daß die Franzosen Europa zu räumen haben. Henderson kehrt zur Abrüstungskonferenz zurück. 1. April. Kühner Schritt Roosevelts. Do infolge des AufhärenL des Außenhandels die amerikanische Schiffahrt, daniederliegt, gleichzeitig aber der Schuhderg bereits zu groß ist, um tut Distrikt Kolumbia Platz zu finden, sollen die Arbeitslosen die Schuhe, Autos und Mieder einfammtlu, aut Schiffe verladen und in den Stillen Ozean verzen» ken. Großer Aufschwung des Transportgewerbes und der Schiffahrt. Schwanken des Dollar- wird unberechenbar. Professor Einstein wird angeslellt, um das Schwanken beiläufig abzuschätzen. 8. April. Ergebnis der Volksabstimmung: Frankreich wird verpflichtet, Europa zu räumen. Keine Veränderung in Frankreich, wo die Regierung wie gewöhnlich weiter stürz«. 4. April. Hitler verlangt Auskunft, warum di« andern Völker zwar ihren eigenen Volks- adftimmungen gehorchen, ober nicht denen Deutsch- kanbr. 5. April. Goering beißt seine Leil>garde. Diese läuft bellend davon. Panik in Europa. Tschechische und polnische Grenzen werden gesperrt. 8. April. Beunruhigung in England. Mac- donald sagt:„Ach, mein« Freunde.... Weisheit... GoduK»... Was ist der Mensch... 8. April. Der Schuhberg im Stillen Ozean erreicht die Oberfläche und bildet ein« Insel, die rapid wächst. 20. April. Paul-Boncour setzt seine Rede fort: . auf einem Piedestal, nicht d-c- Stolzes ob«r der Hoffart, sondern des Muics, der Großzügig, keil und der unerschüttrrlichcn Festigkeit...." (Sturz der französischen Regierung.) 1. Mai. Der Premierminister erklärt, cs sei ein« gemrin« Lüg«, daß di« national« Regierung irgend etwa- getan oder nicht getan habe, wa- sie hätte tun oder nicht tun sollen oder umgekehrt. Henderson lehrt zur Abrüstungskonferenz zurück. 2. Mai. Der Schuhberg, verstärkt durch Mieder, Kaugummi und andre von der amerikanischen Regierung gekauft« Artikel, wird„Dchuhgüt-Jnsel" gelaust uns soll als amerikanifches Gebiet erklärt werden, da... 8. Mai... annektiert die japanische Flott« die Schuhgut-Jnsel. 6. Mai. Macdonald erklärt(mit schottischem Akzent):„Schrrecklich, di« Errd« ist voller Sorrrgen!" 1. Mai. Der japanische Krieg-Minister General Araki erklärt. Japan habe lang genug gelitten, es verlange seinen Platz an der Sonne. Kriegserklärung gegen Rußland, Amerika, China und das Britische Reich. Einmarsch in Rußland. 12. Mai. Paul-Boncour beendet seinen Platz 12. Mai. Paul-Boncour beendet seinen Satz mit der Versicherung, Frankreich werde mit erhobenem Kopf in dir Zukunft marschieren.(Beifall.) Di« französische Regierung hört zu fallen auf. l4. Mai. Sir John Simon erklärt, die Lag« gebe Anlaß zu einiger Besorgnis. Di« Kriegserklärung Japans an England sei offenbar ein Mißverständnis(die Japaner erobern aus Versehen Hongkong), das von Seite eines so viel« beschäftigten Staatsmannes, Wit es unser Freund und ehemalige Bundesgenosse General Araki ist, verzeihlich erscheine,' im übrigen werde er erst in der Lage fein. Erklärungen obzugeben, bis dir Lage geprüft und geklärt sei. 16. Mai. Vernichtung der japanischen Floite durch sechs Millionen amerikanische Arbrit-lo)« bei der Schuhgur-Jniol, wo der Kaugummi und die Mieder in di« Maschinerie der Schiffe eingedrungen sind und die Maschinen und Kanonen verstopft haben. 1. Juni. Henderson teilt mit. daß die Abrüstungskonferenz sich geeinigt h>:t, die Abrüstung zu gegebener Zeit in einem späteren Zeitpunkt zu erwägen. AMMWVMMMMMMMWMMMMWMMimMIMimWVWWWWmvmi PRAGER ZEITUNG. Lessentliche Beratungsstelle sür Rheumatiker. In der Klinik des Professors P c l n& F im Allgemeinen Krankenha ns tritt am 2. Jänner 1934 die Ocsscnliiche Beratungsstelle für Rheumatiker(leitender Arzt Prof. Dr. C m u n t) in Tätigkeit. Regelmäßige Ordinationen mit Ausnahme der Feiertage an: Dienstag und Donnerstag von 15 bis 16 Uhr in der Ambulanz der Klinik Prof. Dr. Pelnür. Kunst und Wissen Prager Kouzrrtiaal. Di« ungewöhnliche Menge vorweihnachtlich«r Sinfoniemusik in den Prager Kon- zerisälen beweist neuerdings den erheblichen Stück- gang Ser Solistenlvtigerte. Tiefe lohnen offenbar »icht mehr; der einzeln« Konzerts«nstler vermag di« hohen Botansla-ltumgskostcn der Konzert« nicht mehr in Einklang zu bringen mit ihrcnr materiellen Erfolg, und so bleiben nur die Konzerte übrig, die größere Konzerlgesellschasten in eigener Regie bestreitet^ und die spärlichen Konzerte prominenter Künstler, für die sich ab und zu ein Konzerlunler- nehmer findet.— Unter den Tinsvniclonzertcn der Vonvcihnachtszcit verdient das Festkonzert des Prager Radiojournals anläßlich des zehn- jährigen Bestandes der Prager Rundfunk-Sende- station besondere Beachtung. Richt so sehr wegen des Programms, das durchaus der slawischen Musik (Smetana— Dvokak— Novak) gewidmet war, und seiner unter der musikalischen Leitung Ottokar Jeremias bewirkten vortrefflichen küirfüerischen Durchfühnuig, als tvcgen seiner gründ- löblichen Bedeutung fit® den Rnndsunk und die Konzertöffenllichkeir. Es ist näinlich zur Gepflogenheit der letzten Monat« geworden, dah der Prager Sender regelmäßig Konzert« der Tschechischen Phi!- ! Harmonie zur runLfnnkmäßtgcn Aussendung ver- lvendet. Ta liegt mm die Frag« nah«, ob es nicht möglich wäre, in diese Konzert« eine bestimm:« programmlcche Ordnung zu bringe», ihre Programm« nach einem bestimmten System zu gestalten. Es wäre nicht nu® den Rundfunkhörern bestens gedient, sondern auch dem eigentlichen und unmittelbarem Publikum dieser Konzerte, wenn diese im Laufe eines bestimmten Zeitabschnitts einen lieber- blick über die klassische und moderne Sinfonlemusik geben würden. Innerhalb eines Jahres wäre es auf dies« Weis« möglich, die Sinfonlemusik von Stamitz angefangen bis aus die Gegenwart in Musterbeispielen keimen zu lernen. berühmte Sinfoniker aber vielleicht sogar in erschöpfender Weise durch zyklische Aufführungen ihrer Hauptwerke.— In einem außerordentlichen Konzerte der Tschechischen Philharmonie wurde Gustav Mahlers gewaltige, abendfüllende Dritte Sinfonie mtsgeführt. Makler hat diese Sinfonie früher selbst einmal als einen„Sominermorgen- träum" bezoichnct und di« einzelnen Sätze der Sin- sonie mit programmatisch«» Erklärungen versehen: „Pan erwacht" hieß es bei der Einleitung,„Der Svntmer marschiert ein" beim ersten Satz,„Was mir die Dlmnen ans der Wiese erzählen" beim zweiten,-„Wae mir die Tiere im Walde erzählen" beim dritten,„Wo- mir der Mensch erzählt"(mit Alt- solo) beim vierten,„Was mir die Engel erzählen" (mit Chor und Solo) beim siinsten mü»„Was mir neben. Sehr schön sang das A-ltsolo Martha K rü sa, die Liebe erzählt" bciui sechsten Satz. Erst später, als der Komponist sich von der programmatischen Richtung abkehrte, hat Mahler dies« Erklärungen gestrichen.„Llatursinfouie" mit allen Zeichen und Merkmalen Diahlerscher Romantik und Natur- schwärmerei bleibt das großartige Werk aber auch ohne die erklärenden Titel seiner Teil«. K. B. Jiräk dirigiert« die Sinfonie klar mrd übersichtlich in deit musikalischen und geiisdtgen Znsammetchängett, vermochte es aber nicht immer, den tirsercn Gedanken Mahlers den richtigen Klang und Rhythmus zu sehr gut bewähr!«.sich der Knabenchor der Gcsangvereinigung der Prager Lehrerinnen, ausgezeichnet spielt« das klanglich ausgeglichene Orchester der Tschechischen Philharmonie.— Im letzten Festkonzert zu Ehren des 6 V. Geburtstags des tschechischen Tonsetzers Josef S u k brachte die Tschechische Philharmonie gemeinsam mit den vereinigten Prager tschechischen C h o r v c r c! n e n unter Wenzel T a l i ck s großzügig gestaltender und temperamentvoller Stabführung Joses Suks neueste- tondich- terisches Werk zur Uraufführung. Es nennt sich„E p i l o g", ist also schon dem Titel nach wieder ein durchaus persönlich zu wertendes toukünstlerisches Bekenntnis des tschechischen Meisters und stellt eine groß angelegt« sinfonische Dichtung für Orchester, gemischten Chor und drei Solostimmen dar. Die Texte hat Suk teilweise nach Worten der Bibel, teilweise nach einem Mysterium des tschechischen Dich- tars Zcycr zusammeugestellt. Sinfonische Sätze von außerordentlicher Ausdruckskraft und Stimmung-- schönheit, kantalenartige Chöre, Solls und Ztvie- gcfängc wechseln in wirksamster Gegenüberstellung in beut Werke atz. Ter Eindruck der Auffiihnmg, uni di« sich neben Tal ich und der hingebend spielenden Tschechisck'eu Philharmonie sowie den wohldifzipli» merten Chören noch die SaprailMu Spa Sek, der Tenor Thein und der Baritonist Konstantin verdient ntack)len, u>ar außerordentlich tief und nachhaltig nick gab Ai.laß zu begeisterten Huldigungen fiir den gefeierten Komponisten. E. I. Ein Abend des KünftlerpaareS Leopoldi— Milskaja findet am 8. Jänner statt. Wockenspirlplan de- Reuen deutschen Theaters. Freikag baVb 8 Mr:„Sie Wildente". Gastspiel Albert Basten,tann und Els« Bassermanu. Durteux, Moissi, Deutsch.— Samstag halb 8 Uhr:„Dt e verkauft« B r a u t"(D l). Wochensptelplan der Kleinen Bühn«. Freitag 8 Uhr:„Rr g im« n tt tochter."— SamStag 8 Uhr:„Schöuste Ehe." Der Film Ma Le er schreibt über den „rumiel"-Film. Zu unserer Feststellung, daß e- sich bei dem hitlerdeutschen Film„Ter Tunnel" um ein Propagandawerk fascistischer Ideologie handelt (waS ein Teil der bürgerlichen Presse mit dem BerlegenheitS-Argnment zu entkräften versucht, daß der Film mit französischem Kapital hergestellt und von eineni Juden inszeniert sei), schreibt unS ein Leser u. a.: Wenn wir zu einer gleichgcschalteten Zeitung greifen, erfahren wir Näheres über diesen Film. In 0raoHeni Oeaofftttnen I ön f tbCf Betrtedsverlammluna, etter Bewerkschafkttdersammluna, etter Genossenschaft-Versammlung. etter Wählerverkammlung, etter Frauenverfammluna. etter vollttsche« Versammlung, etter Verkammluna oder Sitzung einet vroletarischen Organisation sollt Jyr kür di« MtaMW Wkisliessk tntenstvlt« Werbearbeit IrlAeu der„Deutschen Metallarbeiter-Zeitung", dem Wochenblatt deS gleichgeschalteten DMB(Ausgabe Nr. 47 von, 25. November 1988), können wir lesen, daß ihn die Bavania-Bahrische-FilrwGescllschaft in München gedreht hat. Und in einer Kritik von etwa einer Spalte, versorgt ihn der Nationalsozialist C. Ring mit der im Dritten Reich sür den Vertrieb notwendigen Etikette:„ES ist hier zum er st en mal versucht worden, dem Film- geschehen etwas von der nationalsozialistischen Gedankenwelt zu vcr- Mitteln, und man kann sagen, dieser Versuch ist durchaus als gelungen zu betrachten." Weiter heißt es:„Das kommt besonder- stark in den Stelle» de- Films zum Ausdruck, wo das Werk/ die Idee, die Ausgabe, als gemeinnütziges Ziel vor jedem Eigennutz, vor alle persönlichen Verhältnisse gestellt wurde, Gemeinnutz'geht vor Eigennutz! Vor der großen Ausgabe, dem Tunnelbau, muß eben alles verblassen. Nicht Klastenkamps, nicht Standesdünkel werden in diesem Film gezeigt, sondern Gemeinschaftsgeist, wahre Verbundenheit der Hand- und Kopfarbeiter. Ta- Werk triumphiert über alle Niedertracht und wird gegen alle Sabotageversuch« zu einem glücklichen Ende geführt." Zum Schluß wird dann besonders hervorgchoben:„Es ist ein Film, wie man ihn sich wünscht, ein.Film, dem auch Nationalsozialisten vollste Anerkennung zollen." Klit^zt diese- natioualsozialislische Lob nicht den Stimitte»„der" Auslandspresse verdächtig ähnlich? Fehlen am Ende dort nur die speziell nationalsozialistischen Pointen? Warum schämt sich denn die Moldavia-Film, den Produzenten de-„Tunnel" an- zusühren? Daß bürgerlickw Blätter, die im politischen Teil öfter gegen Hitler wettern, den Lockungen des Annoncenteils nickt widerstehen und einen Film propagieren, dessen Herkunft au- Hitler-D-eutsch- land schamvoll verschwiegen wird, ist zwar nicht im geringsten syntpalhisch, aber dabei doch verständlich. Daß ein tschechische- Blatt, das einer sozialistischen Partei gehört und das auch vor der Machtüber- nahnu! Hitlers oft. den/„PangrrmaniSmuS" an- prangette, in seiner Abendausgabe vom 21. Tezent- ber diesen Film propagiert, ist um so erstaunlicher. Ist nicht schon oft und immer wieder auf die Notwendigkeit des Boykott- deutscher Waren hinge- wiescn worden? Laufen in den Prager Kinos nicht ständig unverhältnismäßig viele Filme deutscher Herkunft, die sich ein in der Mehrheit aus Tschechen und Juden zusaimnciigesetztes Publikum ausiehl, daS wirklich keinen Anlaß hat, da- Deutschland von heute irgendwie zu fördern? ES ist schon lange an der Zeit, auf die Prager Kinobesitzer den entsprechenden Truck au-zuiibcn, keine neudeutschen Filme zur Vorführting zu bringen. Auch dann nicht, wenn sie in tsckutchischer Fassung auftauchen. Ta kann cs nur heißen: Einfach fortbleiben und lieber nicht ins Kino gehen als deutsch« Filme anzusehen! F—ch. Das Phantom vo« Erestwood. Die Bereinigten Staaten von Amerika sind umsang- und zahlreich. Auch Texas und Arizona ge- hörcn zu ihnen. Tort sollen die Leute noch mit Messern und Lasios werfen und nur dann ins Kino gehen, wenn es da Leichen, Gespenster und Tetektive auf der Leinwand zu sehen gibt. In Prag geht es sür gewöhnlich gesitteter zu,—«ber die amerikanischen Film«, die uns hier noch vorge- führt werden, sind wohl ursprünglich für die Lasso- Werfer bestimmt gewesen. Das„Phantom von Crestwood" erfüllt die drei erwähnten Forderungen: Leichen im Uebcrsluß, Gespenst in Wiederholungen, Detektive in Massen,— dczu eine ErPresinngS- assäre, ein unterirdischer Gang, eine verrückte Tante, mehrer« Abstürze auS schwindelnder Höhe und am End« ein inniger Kuß. Der Regisseur Walter R u- ben hat di« Schauergeschichte verzwickt durchcii-on- dergcbracht und läßt sie mit männlicher Blasicr'he.t, mit weiblichem Gekreisch und mit gebildeten Shakespeare-Zitaten herunterspielen.—cis— Wran-Urania-Kino tlgillei«eatutie><»<»»ra-tv KllamtiM 4 An heiligen' wassern Die ausgezeichnete Premiere mir Karin Hardt, Schichow, Wlmerstein, Baihaus Zur Sllvetter.NaclilvontolIvni: Das lustigste ProgrammI Szölce Szakall In: Die schwebende Jungfrau Heiterste Sketche Im Mlttemacbuprogramm. Wo verkehren wir? CMt„ConUneniar, Pme. firaüen| Da t«•• a«b e v. CtetHneb leib—(tttrtiatttet:®i(b*l» 911•|— Verantwortlicher Aedakteurr Dr. Emil S t r« uh, Wag-•* E.-G. fßr ÄelhntQ* uub Buchdruck. Vraa.— Für hem Druck verautworMch: Vtto.Halils Vna, Dia üetluna»markrn|lrankatur»urd« von der Bost- U. relearophrndtrettfou mit Vrlak Rr ldSW/VIl 1^ d^llltat.-"Vezuasbedtnaubtaeu. Vet ZmteÜABa in» chaak oder h« Vezuck durch die Pott«ouatlich RE IR—, diorieljährttch ü» tzaLzatz«G RE ü 14^- gAjnaiH MMi teil Uitj Hilft derrchui. Voi-jwttH Vüi|chaÜuZE« PrelEuachlft.- MckMuu, do»«mmzru-te» or^lßt« dsi etulewdaNG dvz flilfinofTI,