ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA«2. TELEFON S3077. ADMINISTRATION TELEFON 5307«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Elnielprals 70 Hilter («InichlleBllch 5 Htlltr Pofte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 14. Jahrgang Mittwoch, S. Jänner 1934 Nr. 1 ■■■■■ DoNfrrtz vaut Vrütken zu den Razid Naziführer Frauenfeld aus der Haft entlaffeu W i e», 2. Jänner. Ter StaatSanivalt li nt den Antrag auf Einstellung des Verfahrens gegen den beim Wiener Landrrgrrichte in Hast befindlichen nationalsozialistischen Fükrrr und früheren Landtagoabgeordnrten grauen s e ld gestellt. DnS Landeogericht hat diesem Anträge F vlge gegeben, Frauenfeld wurde gestern ans freien Fuh gesellt. GteZdle-AttentLter begnadigt Ter im Zusammenhang mit dem Attentat auf Dr. Steilste in Innsbruck im Juli v. I. zu drei Jahren Kerker verurteilte W c r n e r v o» A l v c n ö l c b r n wurde aus ein Gnadengr- such srineS VatrrS hi» vom Vundespräsidenlen mit Rücksicht auf sein tiungruleidrn begnadigt und Sonntag abendS auf freien Inst grsrhl. E r hat gestern bereits Oesterreich verlassen. Anbiederung im Rundfunk Bundeskanzler Dollfuß sprach zu Silvester im österreichischcu Rundfunk. Er sagte u. der Angriff dcS Dritten Reiches aus die eine Lebensgefahr für das Deutschtum, eine Poli- itk der Isolierung und der Selbsteinkreisung zu betreiben. Eine Politik der reinen nationalen Autarkie betreiben zu wollen, bedeutet angesichts der gegnwärtigcn Weltlage eine Kutastrophcnpoli- til. Diese notwendige Zusammenarbeit sei aber nur auf Grundlage der G l e i ch b c r c ch t i- g n n g möglich und er müsse verlangen, daß diese Gleichberechtigung jeder, auch daS Deutsche Reich, anerkenne. Die Grundlage der österreichische» Po- Reue Bombenwürfe! Neue Brüskierung der Sozialdemokratie litik sei die Erhaltung der historischen Sendung Oesterreichs im deutschen, aber auch im mitteleuropäischen Raum. Daraus ergebe sich von selbst die energische Zurückweisung jeder Einmischung, in Oesterreich eigene LcbenSeutwicklung. Das fei und bleibe auch weiterhin das unabänderliche Ziel. Dollfuß schloß sodann: Jede damit verbundene vercinbarliche Entspann» ngS Möglichkeit wird, I wie ich wiederholt betonte, uns bereit finden. eine graste Menge von neuem nationalfozialisti- fcheir Propagandamaterial und verschiedenr neuer Thpe» von Petarden, sowie von GaS> und Stinl- bomben gcs:., nuggclt. Unter diesen neuen Waffen befindet sich a.ich eine neue Handgranate in der Gröstc eines Hühnereies, die bei der Ex» vlosion Gase von ansterordentlicher Schärfe verbreitet. ES handelt sich um SckimnggeltranSvorte grasten Formates, dir nicht nur über den Inn, sondern auch p r r P o st, p c r B a h u nnd in i t- telS Automobilen erfolgten. 26 Kisten Propagandamaterial Ein solcher AutokranSport wurde in diesen Tagen in Wien angehnlten und bestand auö 20 Kiste» und Paketen verbotenen Propagandama- terialS. Die Sendung führte der reichsdentsche Kaufmann Lothar Rieck e, der bereits einige ähnliche Transporte nach Wie» brachte und die Sachen in verschiedenen Geschäfte» ablirfrrte, von denen bereits einige ermittelt wurden. Agramer Konferenz wird nicht verschoben! Belgrad, 2.Jä»nrr. Die erste Programmgeniäste Zusammenkunft der Vertreter der Kleinen Entcntestaatr» im Jahre 1934 findet pro- grammästig in A g r a in vom 8. ziS 11. Aän- nrr statt. Völkerbundeintritt Rußlands „nicht ausgeschlossen" W a r s ch a u, 2. Nännrr. In Verbindung mit den in der lebten Zeit in der Weltpresse ausgetauchten Nachrichten über den angeblich bcvor- strhrndcil Ei ntrittdrrSowjet union in den Völkerbund wandte sich der Moskauer Vertreter der anUlichenPolnischen Tclc grnphcnagcntur an mastgebcnde sowjetrussische Faktoren mit einer Anfrage in dieser Angelegen- lieit. Dort wurde das Gerücht nicht nur nicht dementiert. Sondern diese Faktoren äusterten sich dahin, dast eine solche Eventualität nicht ausgeschlossen sei. Titulescu geht nicht ins neue Kabinett? Bukarest, 2. Jänner. Im Ausland kursieren Gerüchte, dass der rumänische Außenminister Titulescu seine Demission überreicht hat. In der Umgebung TituleScuS Ivird erklärt, daß von einer Demission keine Rede Sein kann, weil sich Minister Titulescu bisher noch nicht als Mitglied der neuen Regierung AnghelScu erachtet. Minister Titulescu wurde aufgesordert, in die neue Regierung cinzutrcten, er hat aber bisher noch keineAntwort erteilt. Titulescu hält sich, wie die Schweizer Depe- schen-Agcntur erfährt, immer noch in S t. M o- r i tz aus. Er wartet die Entwicklung der Verhältnisse in Rumänien ab und hält sich eine Stellungnahme noch vor. Die Folgen des Ministermordes Fortdauer dcö VrlagrruugSzustandeS in Rumänien.— Waffcnablicfrrung verordnet. Nach den letzten Nachrichten herrscht in Rumänien Ruhe. Der Minister für Propaganda und Presse hat zwar der ausländischen Presse die Gründe für die Verhängung dcS Belagerungszustandes auseinandergesetzt, doch lvird er für überflüssig gehalten. Tas Militärkommando ordnete an, daß alle im Besitze von rumänischen Staatsbürgern befindliche Waffen bis längstens 1. März abzuliefern sind. Mit dem Belagerungszustand sind außerdem verbunden: Uniform- und Abzeichenverbot. Ansammlungen auf öffentlichen Plätzen und Veranstaltungen von Manifestationen oder Umzügen. Thcatersäle und Gaststätten werden um Mitternacht geschlossen. Jnr ganzen Lande Ivurde die Pressezcnsur angeordnet. Budget«otverordnet Wien/ 31. Dezember. Unter den zahlreichen Notverordnungen in der heutigen amtlichen„Wiener Zeitung" befindet sich mich der Staatshaushalt für das Jahr 103-1, der diesmal im V er- ordnungölvege Gesetzeskraft erlangt. Das bedeutet angesichts der klaren Bestimmung der Verfassung über die parlamentarische Erledigung des Budgets einen offenen VcrfassungSbruch. Neuer Senatsprästdent beim Reichsgericht Berlin, 31. Dezember.(Jnpreß) Auf Vorschlag dcS Reichsrats ist der ReichsgerichiSrat Freiherr von Richthofen zmn SenatSpräsidenten beim Reichsgericht ernannt worden. Welchen Senat Richthofen übernehmen soll, kann daraus geschlossen tverden, daß die„Deutsche Allgemeine \ Zeitung" die Meldung vpn der Ernennung Nichthofen» einer Polens über das„Fehlurteil von Leipzig" anhängt. staatliche Selbckändigkcit Oesterreichs habe den Oesterreichern erst den Wert der Eigenckaat- lichkeit ins Bewußtsein gerufen; die Parole „O c st e r r e i ch erwach c" sei zur Tatsache geworden. Dollfuß verlangte dann für Oesterreich die politische und militärische Gleickiberechtigung. die ja prinzipiell bereits anerkannt sei; auch die Unterschiede zwischen Siegern nnd Besiegten müßten verschwinden. In allen Punkten liefen die deutsche und die österreichische Politik parallel. Sie unterscheiden sich aber durch die Ileberzeugung, daß eö das Wesen jeder deutschen Politik sein müsse, für deutsches Wesen und deutsche Kultur Shmpathicn und Freundschaft zu gewinnen. Er halte cs für Die Antwort r* Wien, 2. Jänner.(TNB) Die Amtliche Nachrichtenstelle berichtet ans Bregenz, dast dort in der Silvesternacht an der Frontseite des Lan- dkürrgirrungSgcbändes rin Sprcngtörver zur Explosion gebracht wurde. Durch die Explosion sind 80 Fensterscheiben am RegirrnngSgebäude nnd etwa 100 Fensterscheiben an den benachbarten Gebäuden eingedrückt worden. Im Zusnmnienhang damit wurden mehrere Verhaftungen vorgrnom»‘ Men. Nach der gleichen Ouelle soll in Leoben ein Arbeiter die Strastcnpaffanten mit dem Nrn- jahrsgrust:«Ein glückliches brannrö Jahr!" be- griistt haben. Als die städtische Polizei gegen den Mann einschritt, kam es zn A n sammln n- g e n, so dast die Gendarmerie zur Verstärlung bcrangrzogrn wurde. Sie wollte nach kürzerer Zeit den Hauptplnb säubern. Dabei wurde ein Passant, gegen den von der Waffe Gebrauch gemacht wurde, an« Oberschenkel leicht verlebt. Waffenschmuggel en gros Wie die„R e i ch S P o st" meldet, wurde in der letzte» Zeit anö Deutschland nach Oesterreich Wie», 31. Dezrniber. Die freie Organisation der Beamten des Sicherheitsdienstes, eine Gruppe der sozialdemokratjschkil Partei, tvurdr gestern aufgelöst. Bekanntlich beabsichtigt die Regierpng auch, bei den österreichischen Arbeiterkammern Ber- w a l t u n g S k o m m i s s i o» e» cinzuset- zen. Den sozialdemokratischen Gewerkschaften legte der BundeSininistcr Schmitz Borschläge vor, nach, welchen sie n u r e i n D r i t t e l der Mandate in den projektierten Brrwaltungskommtffio- ncn erhalte» sollte». Die sozialdemokratischen Gewerkschaften haben die Anträge deS Bundesmi- ntsters Schmitz abgrlehnt. Auch weitere Ber- handlungen Haven sich zerschlage». Schmitz hat daranfhin gestern unter Anoschlust der sozialdemotratischeiL Acwerkschaftoorgnnisatio- nen die Ernennungen in dir Brrwaltungstommis- sionrn vorgenommen. Die Ptandate wurden z» Zweidritteldurch christlichsoziale Funktionäre, der Rest durch Heiniwrhr- bzw. drutfchnationale Funktionäre besetzt. Zum Prsidcntcil der Wiener Arbeiterkanl- mer wurde der bekannte christlichsoziale Gewerkschaftler Stand ernannt. Stand und die übrige» Mitglieder der Berwaltmigskommissione» ha- be» bereits heute den Eid i» die Hände des Ae- gierungskommissarS der Wiener Arbriterkammer, des gleichfalls jetzt ernannten SrktionöchefS im Ministerium für Sozialfürsorge Dr. H o f f- man abgelegt. Mit gesammelter Kraft\ Die wirtschaftliche und soziale Bilanz des JahreS 1933 ist für die Arbeiterschaft katastrophal. Dio Weltarbeitslosigkcit hat sich kaum merklich gebessert nnd die Lohn-, Arbeitsbedingungen nnd die gesamte Sozialgesetzgebung sind daö Ziel konzentrischer Angriffe der Nntcrneh- mrrkiassc gewesen. Eine internationale llevcr. sicht fiihrt zn der Feststellung, daß sich die wirtschaftliche und soziale Lage der Arbeiterklasse in- folge der Fortdailer der Krise weiter verschlechtert hat. Die Gewerkschaften und die sozialde- mokratischen Parteien haben sich initcr Ausbietung ihrer Kräfte'für den Schutz der Arbeiter und der Arbeitskraft eingesetzt, aber nicht immer und nicht überall konnten sic die unter gün- stigcren Bedingungen erkämpften Errungen schäften halten. Diese AllSeinandcrschungen zwischen Arbeiterschaft und Unternehmertum ha- ben erneut Klarheit über die userlosen kapitalistischen Pläne zur Hcrabdrückung des Lebensstandards der Arbeiterschaft gebracht. Wie viel schlimmer aber würde es uni die Arbeiterschaft ! stehen, hafte sie in ihren starken wirtschaftlichen und politischen Organisationen nicht einen wirksamen Schutz zur Seftel Daö sollten alle diejenigen nicht vergessen, die mitunter den Wert der Gewerkschaften hcrabschen. lveil sic meinen — wohl in Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse— daß diese nicht genügend jür die Milderung der Kriscnwirkungeu dm. Welche Aussichten für die Arbeiter- und Angenelltenfchast nun eröffnet das begonnene Jahr? Nehmen mir die Antwort gleich mit der Feststellung vorweg, das; vorläufig keine wesentlichen Merkmale zu sehen sind, die ans eine Erleichterung der Kampfbedingungcu schließen las sen. So uneinheitlich auch sonst die Beurteilung der künftigen Entwicklung der Wirtschaft sein mag, beinahe geschlossen herrscht die Meinung vor, das; selbst bei einer llcbcrwindung der aku- tcn Krise, bei einer wesentlichen allgemeinen Steigerung der Produktion nnd des Absatzes, mit einem Verschwinden der Massenarbeitslosigkeit leider nicht gerechnet werden kann. Eine stärkere Ausnutzung der Produktionsmöglichkei- ten setzt bei der ununterbrochen weitergehenden Technisierung der Produktion nicht die Wiedereinstellung einer entsprechenden Anzahl menschlicher Arbeitskräfte voraus. Nnd so wertvoll zur Milderung der schweren Lage die unter dem Druck der Gewerkschaften und der parlamentarischen Arbeitervertretung durchgcsührtcn Ar- bcitöbeschassungSmaßnahmcn sind, eine dauernde Beseitigung der ungeheuren Arbeitslosigkeit können sie nicht bringen. Umsoweniger, als die von den Arbeiterorganisationen ausgestellten Forderungen durch den kapitalistischen Einfluß eingeschränkt und verwässert werden. Das, Fortbestehen der Massenarbeitslosigkeit bedeutet für Hunderttauscndc Arbeitslose mit ihren Familie», also für Millionen Menschen in unserer Republik Berlängerung deS Zustandes wachsender Verelendung, Verschärfung der Konkurrenz der Arbeiter gegeneinander. Die Unternehmer machen auü ihren Angriffen auf Löhne und soziale Positionen der Arbeiterklasse kein Hehl mehr und drohen bei Gegenwehr der noch in Arbeit Stehenden und der Gewerk, schäften mit denen, die seit Jahren ohne Arbeit sind und Tag für Tag erfolglos mu Arbeit nachfragen. Es ist eine teuflische Spekulation unserer Klassenfeinde, zwischen der geivalligcn Armee der Arbeitslosen und den Arbeitenden einen tiefen Keil zu treiben und daö sie einende Band der Klassensolidarität zu sprengen. Dieses Werk, mft hundertfältigen Mitteln betrieben, lvird nicht immer von denjenigen durchschaut, die seine Opfer werden sollen. Sonst konnte der Nationalsozialiöinus oder FaschiSuuis, der doch nichts anderes ist als eine Bewegung, bzw. ein Herrschaftssystem zur Rettung dcS Kapitalismus, nicht Zulauf aus der Angestellten. und Sette 2 9x. 1 Alittwoch, 3. Jänner 1934 Die Notlage der Texttlarbeiter Das Kapital richtet die Textilarbeiter zu Grunde, die Gewerkschaften sind ihre einzige Stütze „Moralische Wiederherstellung" Die Wünsche des Berliner diplomatischen ftirM Berlin, 1. Jänner. Die NeujahrSemp« pfängc beim Reichspräsidenten von Hin» d e n b u r g erfolgten in üblicher Weise im Bei, sein deü Kanzlers Adolf Hitler und des Außen- Ministers Freiherrn von Neurath. In seiner im Rainen des diplomatischen Korps an den Präsidenten voll Hindenburg gehaltenen Ansprache, erklärte der Apostolische Nuntius Msgr. Dr. O r« senigo u. a.r Unsere Herzen freuten sich besonders, als die Männer, denen Eure Exzellenz daü Schicksal Deutschlands anvertraut hat, feierlich erklärten, sie seien bereit, die Fragen zwischen Deutschland und den anderen Nationen auf friedlichem Wege und in freundschaftlicher Verständigung zu regeln. Zum Schluß sagte der Nuntius, rr wünsche, daß sich Deutschland schnell materiell und moralisch wie- Perherziistellen und so zur Festigung der Weltwirtschaft und deü internationalen Friedens bei- zutragrn vermöge. Arbeiterschaft erhalten. Je mehr die herrschende Klasse den Ausweg aus der Wirtschaftskrise zu Lasten der Arbeitenden z»l beschreiten gelvillt ist, je mehr durch eine Hinabdrnckung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft auf einen Stand, den sie schon vor Jahrzehnten überschritten hatte, die schroffste Ausbeutung sich wieder denr Zustand der Sklaverei nähert, weil der Faschismus die groben und jede Kampforganisation des werktä- tigen Volkes zu zerstören sucht, desto demagogi- scher und niederträchtiger werde» die Mittel, die ihm im Kampfe gegen die gewerkschaftliche und politische selbständige Arbeiterbewegung den Sieg bringen sollen. Aber auch nur so hat die herrschende Klasse Aussicht, daß der von ihr beschrittene Weg zum ersehnten Ziel führt: zur Rettung des kapitalistischen Wirtschaftssystems aus der Weltkrise.* Freilich wäre auch dieser Erfolg nur ein vorübergehender. Dennoch müßte ihn die Arbeiterklasse teuer bezahlen! Die Früchte eines jahrzehntelangen, opferreichen Kanwfcs würden verloren gehen, eine barbarische Knechtschaft würde alle Arbeitenden niederdrücken und die menschliche Gesellschaft in ciire nicht mehr für möglich gchallene Kulturlosigkeit versinken lassen. Die entsetzenerregenden Anfänge im Hitler- reich sollten die werktätige Bevölkerung in allen Ländern, darüber hinaus alle freiheitliebcnden und für den kulturellen Fortschritt arbeitenden Menschen ein mstrcißendeS Fanal der drohen- «den schwarzen Gefahren sein! Die Rettung der menschlichen Gesellschaft vor diesem Untergang must sie alle zusammenfinden lassen! Die im Kampfe groß und stark gewordenen freien Gewerkschaften und die so. zialdcmokratischen Parteien niülscn diese gewal- tigc Ausgabe übernehmen und sic mit den Massen des arbeitenden Volkes, mit allen seinen Schichten durchführen. E i n Mahnwort must sie alle am Anfang und im Verlauf des Jahres immer wieder anspornen: Kräfte gesam- m c l t für den entscheidenden Kampf! Der Karlsbader„Bolkswille" veröffentlichte eine Ileberjicht über die Textilindustrie im Karlsbader Kreis, welche die ganze Katastrophe erkennen läßt, in der gerade dieser Industriezweig ge- allem wird da festgestellt. irtenr?ea?J raten ist. Vor allem ivird da festgestellt, daß in den letzten zwei Jahren die Lödne der Textilarbeiter zurückgcgangen sind und zwar in der Kanun- garnspittnerei um rund 10 Prozent, in der Tüll- tvebcrei gleit'-allS um 10 Prozent.■?: der Färberei um 8 bis 13 Prozent, in der Wirkerei um 10 bis 40, in der Stoffhandschnbbranibe um 10 bis 30, in der Vauimvollspinnerei und Weberei um 10 bis 15, in der Stickerei um 4 bis 10 und in der Tcp- pichtvcberei um 12 Prozent. lieberdicS wurde sehr häufig außerdem in der Weise eine Reduktion deü LohmeileS an der Tertilivarc erzielt, daß an den 2'! a s cd i n c n eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl vorgenommen wurde, so dast dort, wo früher 6. 5. 4. 3 Arbeiter beschäftigt waren, jetzt nur noch 8, 4. 8 oder 2 Arbeiter tätig sind. Gleichzeitig stiege» auch die Anforderungen an die Arbeitsleistung. Der Jithaber einer wcsü'öhinischen Textilfirma sagte kürzlich unter Hinweis auf frühere Lohnvcrhandlungen einem Vertreter der Union der Textilarbeiter wörtlich folgendes: Als wir damals verlangten, dast die Leistung in dieser Abteilung von 90 auf 120 gesteigert werden solle, da haben sic u»S gesagt, dast dies unniög- lich sei. Heute können wir ihnen Mitteilen, dast diese Lci'mna aus über 800 gesteigert imirde. Bei gekiirzten Löhnen wurde also eine bedeutende Erhöhung der Arbeitsleistung erzielt. Bemerkenswert ist auch, dasz der Abbau von Akkord» >löhnen sofort durch Leistungssteigerungen weit- Tagung der sozialdemokratischen Lehrer Die sehr gut besuchte vierte Hauptversammlung der ReichSvcrcinignng deutscher sozialdemokratischer Lehrer in der Tschcchoslovakischen Republik sand am 80. Dezember 1988 in Prag statt. Aus dem ganzen Staatsgebiete hatten sich Mitglieder eingcjunden: ans Aussig, Eger, Frei- Waldau. Brünn. BudlveiS, Landskron, Karlsbad, Nentitschein, Trautcnau, Graslitz, Tcplitz usw. Der Obmann Gen. H u d l konnte als Gäste bc« grüßen: Min. Dr. C z e ch und Generalsekretär Abg. Ai a.zz b. sür den Paxteivaritand,.Redakteur Dr. Stxauß, Mitglied dcS LanöeöschulrajcS, Prof. Schweitzer für de» RcichSvcrein Kin- derfreundc, Abg. Schäfer, Fachlehrer EiSner für die tschechische Brudcrorganisation. Obmann H u d l erstattete den Tätigkeitsbericht, der ein erfreuliches Bild der AufwärtSbe- wegung unserer Bestrebungen zeigte und mit Beifall ausgenommen wurde; desgleichen der Kassa- bericht(Gen. Rudeck) und der Rcvisionöbc- rick't(Gen. Zosel). Ten Bericht über die schul- politischc Lage erstattete Abg. Gen. Schäfer. Wegen Nanmmangels seien nur einige Gedan- keusplitter aus dem reichen Elaborat hervorgchoben: Schwierigkeiten der gesauitcn össcutlichcn Verwalt»«»,' Ersparunfl-keimniskion, gemacht wird. So lvarcn in einem Unternehmen, in dem die Arbeitszeit von 6 auf 8 Tage herabgesetzt wurde, der Arbeitsertrag trotz Arbeitszeitverkürzung um ein Sechstel größer, als vorher. Auf jede Lohnkürzung und ArbeitSzeitlürzung nniworten die Arbeiter auö reinem Selbsterhaltungstrieb mit einer Steigerung ihrer Tätigkeit, die ihnen vorübergehend noch daü Stück Brot beläßt, sic aber andrerseits zum schnellsten Verbrauch aller Lebenskraft zwingt., Diesen Ausführungen des„Bolkswille" wol- lcn wir»och, nm die großen Leistungen der Gewerkschaft des Textilarbeiter angesichts der furchtbaren Notlage der Textilarbeiter ins rechte Licht zu fetze», einige Zahlenangaben hinzufiigen. die lvir dem Artikel des Kassiers der Union der Textilarbeiter des Genossen B u r i a n e k in der letz, ten Nummer dcS„Textilarbeiters" entnehmen. (In diesem Blatt, das dem fünfzehnjährigen Jubiläum der Union gewidmet ist, finden wir übrigens einen instruktiven Artikel des BerbandSvb- nianncS Genossen Roscher über die Tätigkeit der Union in den letzten 18 Jahren.) Danach betrugen die Arbcilsloseiifälle der Union in den Jahren 1927 9799, 1928 19.678, 1920 28.390, 1930 52.000, 1931 82.485, 1932 109.920 und 1938 bis 30. November 110.879. Die ausgczahlic Arbeitslosenunterstützung betrug im Jahre 1927 über 2 Millionen. 1928 4,1 Millionen, 192» 5,7 1930 16 Millionen, 1981 87,4 Millionen, 1032 84.8 Millionen und 11)33 bis 30. November 61,7 Millionen. Seit 1. Avril 1925» hat die Union nicht weniger als 200 Millionen US an Arbeitslosenunterstützung nuSgezahlt. Gebiet des Schulwesens, Reform der Mittelschule, des FortbildnngSschulwesen», Hochschule, Lehrerbildung, Kleine» Schulgesetz usw. lind die miS der ge- genlvüriigen Lage sich ergebenden Schlüffe.(Reicher Beifall). Gen. Dr. M ü h l b e r g e r(Trautenau) sprach über: Unsere pädagogischen Forderungen. Auch hier können nur die Grundlinie» deS gehaltvollen uird ethisch fundierten Referates ausge« zeigt tvcrden. DaS höchste Ziel ist der Gedanke der sozialen Gerechtigkeit und zur Verwirklichung diese» Zieles durch die Erziehung beizuiragcn, ist letzte Ausgabe der Schule. Dazu ist uottvcndig: innere Freiheit, soziale».Ätilempfindcn, internationale» Verständnis. Daher: Ablehnung der alten autoritativen- Form, de» saschistischcu Geiste». Notwendig: differenzierte Einheitsschule, Lvrengelbürgerschulge- setz, neunjährige Schulpflicht, Trennung von Schule und Kirche, Ausbau der materiellen Fürsorge, der Eltcrnvereiniguugen. Notwendig aber sind vor allem demokratische Lehrer mit entsprechender Vorbildung und Fortbildung und entsprechender Besoldung. Seine mit Begeisterung ausgenommenen Ausführungen schloß der Redner mit den Worten: Wie deutschen sozialdemokratischen Lehrer bekennen uns nochmals vor allein als Erzieher zu den großen Grundsätzen des Marxismus: zur Otlcichberechiignng nud Solidarität aller nnd in jeder Hinsicht, znm Gcdayken der Vülkcrversöhnung nnd de» Völkerfrieden», zur I lijtische Wcltordnung und den Faschismus. Unser ErziehuugSidcal Ist der sozial-ethische Mensch. Die sich anschließende Wcchselredc brachte Ivcrtvolle Ergänzungen: Dr. Strauß (Prag): Schulverwaltung; Dr. Kohler(Tcplitz): Mittelschullchrplänc; Dr. Bloch (Brünn); Mittelschullchrplänc, Rundfunk; Dir. Fritsch(Türmih): Bürgerschule und Lehrerbildung; O. N c n m a n n(Schönpriesen): Lehrbücher und Völkerversöhnung; Obmann Hu dl (Aussig): Lehrervereine und die Junglehrerfrage; Dir. Riedl(Graslitz): Faschismus und Lehrer; Pros. Lassika(Aussig): Sogenannte wissenschaftliche Zeitschriften und Faschismus; Lehrerin Anzcr(Karlsbad): Elternvereinigungen; Prof. Ncuwirth(Aussig): Schulgeldfragen; Lehrer Zosel(Ohren): Parteiarbeit.' Hierauf hielt Minister Gen. Dr. C.zech ein fast dreiviertclstündigcs Referat über Gegenwartsfragen, über das Jugcndproblcm im allgemeinen und der Junglehrer im besonderen, über Arbeiterrundfunk ustv. Seine Ausführungen er- Ivcckten die größte Aufmerksam leit. Die Neuwahlen ergaben im allgemeinen eine Wiederwahl der bctvährten bisherigen Funktionäre. Obmann H u d I besprach dann die für August 1034 angesehtc Sonunerschule, für die internationale Gäste aus Frankreich, Belgien, Holland, Schtvcden, Spanien ustv. angesagt sind. Aussig lvird sich bemühen, die Gäste würdig zu empfangen. Die Reichsvereinigung wird dieses Ziel mit aller Energie verfolgen. Dir. Fritsch tvürdigte noch die unermüdliche Tätigkeit dcS Obmannes Hudl, dessen Tätigkeit die einmütige Zustimmung der Mitglieder finde.(Stürmischer Beifall, die Anwesenden erheben sich von den Sitzen.) Gen. Hudl dankte für die Kundgebung und forderte zu weiterer Arbeit im Sinne unserer Parteigrund- sätze auf. Nach sechsstündiger Dauer wurde die überaus anregend verlaufene Hauptversammlung geschlossen. Schwere Schädigung unserer Exportindustrie durch Hitler-Deutschland Die Nazianhängcr hierzulande, die sich kurzsich- tigerweise für da» Tritte Reich begeistern, haben in der Regel keine Vorstellung, n>as da» praktisch, speziell in w i r t s ch a f t l i ch e r Beziehung bedeutet. Sie ahnen nicht, dast die Hitlcrpolitit die Wirtschaft der umliegenden Staaten, nicht zuletzt auch die der Tschechoslowakei aufs schwerste schädigt. ~ In den Wirtschaftöbcirachiunaen kapitalistischer Blätlex anläßlich der Jahreswende' wär die» anS- drücklich hervorgehoben. So z. B. schreibt die„Rei- chenbcrger Zeitung" vom 80. Dezember über die schwierige Lage der W o ll i ndnstrie u. a.r „Die englische Konkurrenz machte sich unangc- nehin fühlbar, weil die Pfundenttvcrlung, die die Produktionskosten der englischen Industrie um mehr al» ein Drittel verringerte, ein billige» Ausgebot ermöglichte. Der drutsihe'Wettbewerb nützte tzur Abwehr deS BevkoltS) die Scrips-Tumping- vorteile au», die italienische Konkurrenz nahm den Vorteil der starken staatlichen Judustriefördcrung in dieseni Lande toahr." Bei der Besprechung der schtveren Lage der Glasindustrie kouunt die plaiiiuästigc Unter- Sparinastnahnicn auf dem! wahren Demokratie, zum Kampfe gegen die kapita- Die Ausbildungszeit der jungen Rekruten tvurde auf das allernotwendigste zusammenge- drängt. Meist ivaren die Neueingezogenen nur acht bis zehn Wochen in der Ausbildung und kamen dann ins Feld. Auf allen Paradedrill wurde verzichtet. Es kam jetzt nur darauf an, die Fähigkeiten heranzubilden, die für den Krieg erforderlich waren. Biel Felddienst- und Schießübungen gab's, das Bauen der Schützengräben mußte gelernt werden, und vom Präsentiergriff und Paradeschritt war keine Rede. Im Januar sollt« eS schon ins Feld gehen, hieß cs im Re- lrntendcpoi. Ende November kam Vater Cornelius mit dem Wohntvagen zum Ueberwintern nach Würzburg. Ter Wagen wurde wieder auf seinen alten Platz beim Kranentor gestellt, aber Vater und Mutter Cornelius wohnten bei der Großmutter. Die Mutter half im Haushalt und im Laden, und Vater Cornelius beschäftige sich mit Schnitzarbeit Die Grohnmtter war recht froh darüber, daß ihre Tochter bei ihr war, denn ohne die Hilfe der Frau Anua hätte sie in diesem Winter kaum mehr den Milchladen versorgen können. Sie lvar nicht eigentlich trank. Aber die Siebzig hatte sie nun schon überschritten, und recht müde war sie geworden. Eines morgens, als Frau Anna zu ihr in« Zimnier kam, lag die Großniutter tot im Bett. ES lvar mit ihr so gekommen, wie sie vor einiger Zeit selbst zu Hanö gesagt hatte:„Wenn'S Ocl gar iS, geht'» Lämple halt aus..." Jetzt lvar es auögegangen. Frau Berta Lechner lvar über Nacht ohne Schmerz und Qual ins ewige Dunkel hinübergeschlafen... Der Tod der Großmutter war ja nicht überraschend gekommen. Man mußte seit einiger Zeit schon damit rechnen. Aber für Frau Cornelius lvar eü doch ein harter Schlag. Im Frühjahr hatte sie die Tochter so plötzlich verloren, und jetzt die Mutter... Das gab diesmal ein traurige» Weihnachsfest in der Stube hinterin Milchladen. Wie lange lvürdc eS dauern, dann geht HanS ins Feld, und Iver lveiß. ob und lvie er wiederkoinmen würde. Frau Anna machte sich gar trübe Gedanken. Im Januar bekam Hans fünf Tage llrlaub. Dann sollte er an die Front lomnien. Er lvar jetzt schon in seldgrauer Uniform und wohnte während der paar freien Tage bei den Eltern in der Kärrnergasse. Sie lvollten vorerst den Milchladen Iveiterführen, bis sie im März mit dem Wohnlvagen wieder losfahren tvürdcn. Dann sollte alles verkauft werden. In diesen Tagen lvar Hans viel mit Gretl zusammen. Franz lvar schon vor Weihnachten mit einer Feldbäckerei-Kolonne auSgerückt und hatte von draußen auch schon geschrieben. Gretl brachte seinen Feldpostbrief HanS zum Lesen. Franz war hinter der Kainpflinic, doch zutveilen hatte die Feldbäckerei schon Fliegerbesuch bekommen. Aber ihm passierte so leicht nichts, schrieb er, Iveil ja bekanntlich Unkraut nicht verderbe. Sein Brief war gespickt mit humorvollen Wendungen. Franz war auch draußen im Feld der heitere, stets zu Scherzen aufgelegte Mensch geblieben. Wie schnell doch jetzt in diesen Urlaubsiagen für HanS die Zeit verstrich! So ganz anders als in der Gefängniszelle. Dort ballten sich die Minuten zu Stunden, und die Stunden dehnten sich zu Tagen, lange, endlos. Jetzt huschte die Zeit hin wie ein leichtfüßiges Wiesel. Schnell, blitzschnell. HanS ging mit Gretl am Main spazieren. Es war Schnee gefallen, und die weiße Decke, die morgens noch über dem Boden lag, war von den Fußgängertritten zu einem graubraunen Matsch zertreten und zerquetscht worden. Auf dem Main triebe» Eisschollen, runde und ovale, große und kleine. Sie hatten alle einen Kranz um den Rand aus glitzernden Eis- und Schneelristallen. Wie große, garnierte Kuchen sahen sic auö. Hand in Hand gingen Gretl und Hans am Ufer entlang. Sie sprachen von der Zukunft, was wohl werden würde mit ihnen beiden, nnd ob der Krieg noch lange dauern lvürde. „Die ersten, die nauö sin", sagte Gretl,„ham g'sagt, Weihnachten lvär'n sie wieder daheim. Jetzt iS aber scho Januar..." „Ja. so schnell wie manche gemeint Ham, geht'ü halt doch nit. Fast die ganze Welt steht gegen Deutschland. DaS kann vielleicht noch lang dauern. „Und wenn'S noch so lang dauert mit dem Krieg, ich wart auf dich, HanS. DaS weißt ja." Seine Hand schloß sich enger nm die ihre zu festem Druck. Und sie ertviderte diesen Druck herzlich. „Ich weiß, Gretl. Wir ztvei g'hör'n z'samm, waö auch kommt. Aber, lvcnn dei Vatter dickköpfig bleibt.. „In zwei Jahren bin ich volljährig, Hans. Tann kann er niir nix mehr sagen. Und lvenn er dann immer noch nit will, dann heiraten wir halt so." „Und du kommst mit in unser» Wohnlvagen, llnd lvir zieh'» in der Welt rum, Gretl. Da freu ich mich jetzt.scho drauf!" „Vielleicht sagt mei Vatter doch noch ja? Wenn er sieht, daß er sein' Willen nit durchsetzen kann, lvird er scho nachgeben. Die Mutter hat ja so nix dagegen, und die hilft mir scho beim Vatter." Gretl malte sich besonders gerne Zukunftsbilder ans, recht schön und rosig. Und wenn'S dann auch anders kommt, meinte sie, die Freude, die man vorher hat, wenn man sich alle» so schön ausdenkt, die könnt einem doch niemand mehr nehmen. Nur zuiveilen kamen ihr zwischendurch. wie plötzlich ausflammende Blitze, trübe Gcdan- ten. Aber die verscheuchte sie schnell. Jetzt waren sic ivieder dabei, sich anüzumalen, Ivie sie später einmal als junges Paar im Wohnlvagen hausen würden. Gretl wollte Kasperl spielen lernen, nnd Hans teilte ihr lachend jchon die Nollen zu, die sic zu spielen haben würde, die Ainalie in den„Räubern", die Fürstin von Parma im„Faust", die Genovesa, die Großmutter vom Kasperl und noch manch andere. Eine große Sache hatte HanS noch vor. Recht sparsam müsse man die erste Zeit sein und im Winter fleißig Schnitzarbeit machen, dann lvürde sich das, was er vorhabe, bald vertvirklichen lassen. „Was iS denn da»? Du tust ja ganz geheimnisvoll." „Der Vatter weiß auch noch gar nix davon. Da brauch ick viel Geld dazu." „Du machst mich richtig neugierig, Hanö. Jetzt hast doch die neuen Käsperlspiele erst gemacht, und gleich fällt dir Ivieder loaS neues ein. WaS is eS denn? Sag's halt." „Ich Ivill nimmer mit'm Pferd kutschier'». Auto fahr'» woll'n wir! Unser Wohnlvagen wird verknust und e neuer ang'schast mit Benzinmotor. Da kommen wir schneller vortvärtö und können weitere Touren inachen. Bis nach Stuttgart und Karlsruhe kämen lvir dann auf die Jahrmärkte und Messen.. Gretl Ivar begeistert von diesem Plan. Aber sie meinte, so ei» Anto-Wohmvagen müßte doch furchtbar teuer sein. So viel Geld lvürde Hanö doch nie zusaimnenbringcn. Aber Hans ineinte, das wäre nit so schlintm. Sie hätten daö Geld für die große Kasperlbude aufgebracht und für die neue, große Drehorgel, und mit dem Auto- Wohnwagen lvürde eö auch gehen. Man bekäme I ihn ja auf Abzahlung,»nid die Anzahlung ließe sich mit dem Erlös vom Verlauf des alten Wagens bestreiten. ^Fortsetzung folgt.), «r. 1 Mittwoch, 3. Jänner 1034 Sette S **» Das Memorandum überreicht 1. bisher lisicrnng dcS Landes, bzw. daS quantitative Wachstum feiner Jnduß-.e au? Stuften der L-ua- litkt der erzeugten PruduUe geht und die Er« zeugungSkosten der russischen Industrie sehr hohe sind. Wenn in der amtlichen sowjrtrusstschen Meldung von der Erhöhung der Lebenshaltung der Arbeiter gesprochen wird, so muh doch darauf hingewiesen werden, daß die geineldeten Zif- kcr» nicht ganz verläßlich sind, weil die Arbeite» einen großen Teil der benötigten Konsumwaren nicht in de» ÄrnoffenschaftSlöden zu den amt« llg sestgesehteit Preisen, sondern im freien.Handel zu weit höheren Preisen kaufen müssen. Troy alledem kann aber gesagt werden, daß der erste Fünsjahresvlan mit einem bedeutenden Erfolg der Sowjetunion abschließt und daß auch dem zweiten Fünfjahrplan im Interesse deS russische» Proletariats Gelingen zu wünschen ist. Soll dies geschehen, dann braucht die Sowjetunion Frieden. Daß dieser dem Lande erhalten bleibt, ist im Jnteresie der Arbeiterschaft aller Länder. daß ab» Paris, 2. Jänner.(Tsch. P.-B.) Eine amtliche französische Note bestätigt, daß ReickiSkanzler Hitler und Außenminister Neurath gestern abends den französischen Botschafter FranqoiS Poncet empfangen haben, tvelcher ihnen die Mitteilung machte, mit welcher er betraut wordeit war, und Hitler gleichzeitig ein schriftliches Memorandum überreichte, welches die Hauptpunkte der mündlichen MUteilung enthält. Die Berliner Korrespondenten der Pariser Blätter melden, daß es zu dieser Beschleunigung der Zusammenkunft über direkten Wunsch der französischen Regierung gekommen ist, welche dem langem Warten eilt Ende machen wollte, und zugleich lvünscht, daß genügend Zeit übrig bleibe zur Beratung des im französischen Memorandum enthaltenen AbrüstungSantrageü vor der Tagung des BölkerbundrateS(am 18. Jänner) und insbesondere des Präsidiums der allgemeinen Abrüstung»» konferenz(21. Jänner). Die Unterredung des französischen Botschafters mit den deutschen Ministern dauerte etwa eine halbe Stunde. Der zweite FünsjahreSplan, wie er oben nach den Berichten auS Moskau dargestrllt wird, ist zweifellos ein bedeutsames Projekt, sowie rS der erste FünfjahreSplan gewesen ist. Sicherlich wird vieles davon auch Verwirklichung finden, wenn auch die wirtschaftliche Fortentwicklung Sowjetrußlands, insbesondere feine Jndustriali- siernng, eine Berlangsamung wird erfahren müsien, wie rS ja auch einzelne fowjetrusflsche BolkSwirtschaftler schon alS Notwendigkeit hinstellen. Gerade von sowjetrussischer Seite wurde in letzter Zeit betont, daß die schnelle Jndustria- bietung der Preise durch Deutschland noch deutlicher zum Ausdruck. Dort heißt eS:. „Am schlimmsten von allen Ziveigen der Glas- industrie war die Hohl« und PreßglaS- gruppe durch Arbeitslosigkeit helmgesucht, da die Ausfuhr stagnierte und sich die u n g e s u n d e Konkurrenz aus dein Jnlandmarkt verstärcht fiihlbar machte. Von den wichtigsten AuSlandS- echnehmern versagten vor allein England und die Nordstaaten, wenn sie auch, wie die Jnivald Kom- pensationSlieseruugen bewiesen, trotz Währungsentwertung noch ünmer die beste Kundschaft blieben. Gegenüber den Vorjahren ist auch der NSL.- Export wegen de» Dollarrückganges mächtig gesunken. Daß sich da» deutsche Dumping mittel» um 40 bi» 80 Prozent billigerer Preise gerade in die- seut Zweige stark auSwirkte, ist im Hinblick aus die hohe Exportquote ohne weitere» verständlich." Hier hat mmi e» wieder einmal schtvarz auf weiß, daß da» angeblich friedliebende Dritte Reich gegen seine Nachbarn durch Export-Verlustpreise swelche die Regierung deckt), einen verheerenden Wirtschaftskrieg führt Daß e» im Falle der Tfchr- chosiowakei dabei vorwiegend deutsche Industrielle, Angestellte und Arbeiter trifft, schert die Herrschaften um Hitler nicht im mindesten. Wenn die deutschen Textil- und Glasarbeiter Nordböhmen» unter dem Fluche der Krise auf» ärgste zu leiden haben, Ivissen sie e» neuerlich, Ivem sie e» mit zu verdanken haben: Den Machthabern de» Drit- ten Reiche»! Fall» unter diesen Umständen noch immer in den Kreisen der von Hitler-Deutschland wirtschaftlich so schwer Geschädigten gedankenlos Begeisterung herrschen sollte, so ist solchen politischen Dummköpfen wirklich nicht»nehr zu helfen. Gleichberechtigung nicht für daS Maximum der Rüstung, sondern für das Mini nt u m der Abrüstung verstanden. Die französische Regierung bringt die Bereitschaft zum Ausdruck, schon in der ersten Etappe auf eine bedeutende Beschränk»ng aller Arten, von AngriffSwaffen einzugehen, namentlich bezüglich der Bombardierungsflugzeuge und der schweren Artillerie In französischen RegierungSlreisen ist man der festen Erwartung, daß diese Vorschläge, die im gestern Hitler übergebenen fraitzösischen Memorandum enthalten sind, der deutschen Regierung nicht gleichgültig bleiben können und die deutsche Negierung sie nicht pauschalster lehnen werde Neujahrsempfang bei Masaryk Prag, 1. Jänner. Der Präsident der Republik traf aus Läny, tvo er die WeihnachtSivoche verbrachte, hetlte um 10 Uhr vormittags, zum Neujahr, in Prag auf der Burg«in und hielt fodantl die üblichen NeujahrSaudi. nzen ab. Für das Prager diplomatische Korps erschien der Stellvertreter des Doyens, der deutsche Gesandte Dr. Walter Koch. Für die Nationalversammlung der Tschechoslotvakischen Republik und für die tschechoslowakische Regierung überbrachten die NeujahrSglückwüilsche der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Dr. Fr. Stanik, der Vorsitzende des Senates Dr. Fr. Soukup und der Vorsitzende der Regierung I. Malypetr. Auch die Vertreter der tschechoslowakischen Armee hatten sich eingefunden. Offizielle Ansprachen wurden nicht gehalten und die Audienzen trugen den Charakter einer freundschaftlichen Unterhaltung. Auf den Burghöfen hatte sich während der Audienzen ein zahlreiches Publikum versammelt, welches das Kommen und Gehen der Würdenträger verfolgte. Bor den offiziellen Audiettzen überbrachten Kanzler Dr. Sämal, die SektionSchefS Dr. Wtbr und Dr. Schießl, sowie General Bläha dem Präsidenten der Republik ihre Neujahrsglückwünsche. In die auf der Burg aufliegenden Gratula- tionSbogen trugen sich zahlreiche Vertreter von Behörden und Korporationen und zahlreiche Privatpersonen ein. Wie in anderen Jahren erhielt der Präsident auch Heuer zu Weihnachten und zu Neujahr nach LäM) und nach Prag zahlreiche Geschenke, darunter viele Blumengaben. In den Nachmittagüstunden kehrte der Präsident der Republik von Prag nach Läny zurück. Haupteinnahme qiu Hc r Umsatzsteuer Moskau, 1. Jänner.(Tsch. P. B.) Nach einer Erklärung des Votkölomntissarö für die Staatsfinanzen Grinka werden im Budget für daS Jahr 1034 die Eiimahmen mit 48.7 Milliarden und die Ausgaben mit 47.2 Milliarde», Rubel veranschlagt. Gegenüber dem Budget für das Jahr 1083 weist dec diesjährige Audgetvoranschlag eine fast 80%i(jc Erhöhung auf. Die wichtigste Position im Einnahmenpräliminare für da» Jahr 1081 ist die ll m s a tz st e u e r, die mit 20 Milliar- den gegenüber bisher 23 Milliarden Rubel veranschlagt ist. Im Einnahmekapitel wird weiter mit 6i/_> Milliarden Rubel gerechnet, welche auS den Bargeldbeständen der Bevölkerung der Sowjetunion erzielt werden sollen. fache erhöht wird. Die vorgesehene Produktionssteigerung der Landtvirtschaft soll erreicht luer- den auf Grund der restlosen Vollendung der Kollellivisierung und der Verivirklichung der technischen Rekonstruktion der gesamten Landwirtschaft. Vorgesehen ist ferner die technische Rekonstruktion deS Transportes durch Legung zweiter und neuer Geleise, wodurch die Länge des Eisenbahnnetzes auf 04.000 gegenüber 88.000 Kilometern gebracht wird. Ferner sind ein gigantischer Bau künstlicher Wasserstraßen (neuer Kanäle, Flußschleusen) und die Schaffung eines einheitlichen Wasserstraßensystem» im europäischen Teil der Sowjetunion vorgesehen, welche» daü Weiße Meer, die Ostsee und das Kaspische Meer verbindet. Zu diesem Zwecke wird eine bedeutende Anzahl qualifizierter Arbeiter und Spezialisten ausgebildet werden. In einem weiteren Abschnitt der Thesen, betitelt„Daü Programm der Erhöhung de» materiellen und kulturellen Niveaus der Arbeiter und Bauern" werden eine Steigerung der Zahl der Arbeiter und Angestellten um 80%. eine Erhöhung der Reallöhne auf mehr al» da» Zweifache, eine Erhöhung de» Normall'edarfe» der NahrnngSmittelindustriewaren auf das Zwei- bis Dreifache und ein Steigen deü Lohnfonds der Arbeiter und Angestellten der Gefamiwirt- schäft nn» 30 und der Großindustrie um 7055 festgelegt. Ferner ist eine bedeutende Erhöhung der StaatSauSgaben für die Sozialversichentng für Volksgesundheit usw festgesetzt. Verwirklicht wird die allgemeine siebenjährige polytechnische Schitlpslicht. scheu Regierung geprüft. Sein Ton fei und entgegenkomniend. Die Aufzeichnung aber keinerlei Sensationen. Infolge der Kürze der Zett konnte von deutscher Seite noch nicht dazu Stellung genommen werden. Die Prüfung des Schriststük- keS dürfte noch einige Tage dauern. Eine Beantwortung stehe in den nächsten Tagen schott aus dem Grunde»och nicht bevor, weil erst ützwischen eine große natitmalsozialistijiche Führertagung stattsinden werde. Deutsche Stellungnahme erst nach einer Reichöführerkonferen» DaS Deutsche Nachrichtenbüro(daS mit Jänner an die Nelle des Wolffbvros getreten ist) meldet zu der Ueberreichung deü Aide-mtmolreS, daß es sich um eine sehr ausführliche Aufzeichnung Handl«. DaS Schriftstück werde gegenwärtig von den zuständigen Nellen der deuthöflich bringe Berta Josef.tzcllmich Telephone: Administration 83070 Redaktion 83077 ♦ Ab 1. Jänner 1034 befinden sich nachftrhendt Kanzleien in Prag XII., Slezfla 13 (Telephon Nr. 53010) An diese Adresse sind daher Zuschriften für folgende Stellen u»td Genossen zu richten: Sekretariat der deutschen sozialdemokratische,! Arbeiterpartei Parteivorstand der deutschen sozialdenwkra tischen Arbeiterpartei Zentralstelle für das Bildungswesen Abg. Siegfried Taub Ernst Paul Dr. Emil F r a n z e X Moskau, 81. Dezember.(Tsch. P. B.) Die Solvjetrussische Telegraphen-Agentur veröffentlicht die Thesen zum bevorstehenden 17. Parteitag der kommunistischen Partei der Sowjetunion über den zweiten FünfjahreSplan und die Entwicklung der sowjetrussischen Volkswirtschaft in den Jahren 1038—1037. Dec erste Abschnitt der verössentl. Thesen, der den Titel„Vollendung der technischen Rekonstruktion der Volkswirtschaft, Programm de» Wachstum» der Produktion in der zweiten Fünfjahrplanperiode" trägt, sieht für da» Ende der ziveiten Fünfsahrplanperiode einen Produktionü- untfang der Gesantttndustrie von 108 Milliarden Rubel gegeniiber 43 Milliarden zu Ende de» ersten Fünfjahrplaneö und verglichen mit dem BorkriegSniveau eilte Steigerung um da» Neunfache vor. Zur Erfüllung diese» Programm» ist die Durchführung der technische»» Neuausrüstung aller Zweige der Volkswirtschaft vorgesehen, mit dem Ziele, 1037»tngefähr 80 Prozent der gesamten Industrieproduktion auS den neuen Betrieben zu erhalte», die während de» ersten und ziveiten Fünfjahrplane» erbaut oder vollständig rekonstruiert wurden. ES ist eine Steigerung der Arbeitsproduktivität um 63%. eine Selbstkostensenkung um 26% und eine starke Verbesserung der Qualität der Produktion festgelegt. Die Produltionüsteigerung der Landwirtschaft wird mit ungefähr 27 Milliarden Rubel, d. i mit mehr al» den» Zweifachen gegenüber d.: Jahren de» ersten Fünsjahrplaneü, beziffert, wobei die Zunahme der Getreidekulturen mit 1108 Millionen Zentnern bestimmt und die Pro. dultion der Viehzucht um daü Zlveieinvieriel- Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen; Mittwoch. Prag 12.10: Schallplatte!!, 13.42: Schallplatten, 10: Nachinittagskonzert. 17.35: Liederkonzert. 18.40: Deutsche Sendung. Arbeiterftink: Gerhart Gleisbern: Der Haß gegen den Geist, Bericht vom Ar- beitSmarkt, 10.10: Französisch, 10.80: Uebertragung au» dem Nationaltheater, 22: Tagesereignisse.— Brünn 10.60: Kinderstunde, 18.80: Deutsche Sendung: Aktuelle» vom Fllm.— Kascha» 12.80: Orchesterkonzert, 10.30: Violincellokonzert.— Wien 12: MttagSkonzert, 16: Konzertsinnde. 10.25: Hoffmanns Erzählungen, Oper von Offenbach, 22.25: Tanzmusik.— HeilSberg 16: Nachmittagskonzert.— Breslau 18.80: Klavierkonzert, 22.86: Nachtmusik.— Berlin 17.80: Schuhmann. Donnerstag. Prag 11: Schallplatte», 15.80: Schgllplatten, 16: NachinittagSkonzert, 16.50: Musji für die Jugend, 17.25: Gesangökonzert, 17.45: Französisch, 18.80: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 22.26: Smetana: Die Moldau.— Brünn 17.85: Schallplatte», 18.25: Deutsche Sendung: Fahrt in» Blaue, Hörspiel.— Kascha« 12.80: Orchesterkonzert.— Wien 15.85: Kinderstunde, 17.80: Lieder und Arien, 10: Unterhaltungskonzert, 20.15: Großstadtluft, Schwank, 22.80: TanzmnsÜ.— Heils berg 17.20: Lieder und Klaviermusik.— Berlin 14.85: Franz Schubert, 15.35; Afrikanische» Abenteuer.— Leipzig 10: Konzert auf historischen Instrumenten.— Hamburg 14.85: Hestere Kammermusik. Königreich Mandschukuo Shanghai, 2. F:ber.(Reuter.) Eüter Meldung auS Tokio zufolge wird der Präsident deS Staates Mandschukuo P u y i in der allernäch- sten Zeit zum König von Mandschukuo gekrönt werden. Der Presse wurde es zwar nicht gestattet, über diese Angelegenheit zu schreiben, doch nimmt I man an, daß die Krönung am 1. März 1034 statt- I finden wird. Wettere französische Zugeständnisse? Paris, 2. Jänner. Bon amtlicher französischer Seite wird über den Inhalt deü französischen Memorandum» nicht» mitgeteilt. An informierten Stellen wird nur erklärt, daß die französische Regierung im Rahmen der gemachte» Zugeständnisse noch weiter ging, al» in ihren letzten Vorschlägen zur Organisierung der allgemeinen Abrüstung. Der französische Hauptgrundsatz bleche jedoch unverändert: In den Augen der französischen Regierung wird die Überfiedlungsanzeige Ab 1. Jänner 1034 befinden sich nnsere Kanzleien und die Druckerei in Prag XU., Fochova 62/V. Ai» diese Adresse sind daher alle Zuschrift«»» für folgende Blätter, Vereinigungen und Genossen zu richten: Vereinigung sozialdemokratischer Presse Verwaltung und Redaktion der Zeitungen: „Sozialdemokrat" „Volkösreund" „Zukunft" „Bolksstimme" Warnüdorf „VolkSiville" Brünn „Volküstimme" Prehburg „Freigeist" „Tribüne" „Freie Gemeinde" „Gleichheit" „Kuckuck" „Unzufriedene" „Bunte Woche" „Rundfunk" Freier Radiobund Jnseratenbüro der Arbeiterpresse Gemeindeberatungsstelle « Chefredakteur Wilhelm Nießner Redakteur Dr. Emil Strauß Leopold Goldschmidt Franz Krümmel Karl Kern Zdenko Neuwirth Josef Hofbauer Franz K r e j C t Abg. Wenzel Iaksch Blaha AnttflSmische Kundgebungen in Brüssel Brüssel, 1. Jänner. In Brüssel kam es gestern zu lebhaften antiflämischen Kundgebungen. Der Anlaß war der Beschluß der Regierung 71 Beamte neu zu ernennen, die nach dem Kriege wegen Beteiligung an der flämischen aktivistischen Bewegung ihrer Aemter enthoben worden waren. Gegen diese Maßnahme erhoben wallonische Frontkriegerverüände und einige Zeitungen Protest. Am SamStag sand eine öffentliche Versammlung statt, der am SamStag in Brüssel Stratzenkundgebungen folgten, an denen etwa 3000 Personen teilnahmen. Angesichts dieser Lage erklärte der flämische Minister Sap, daß er zurücktreten iverde, falls die Regierung der Agitation der wallonischen Streife weichen sollte. Der zweite Fünfjahresplan Die Abfichten Sowiet-Rutzlands Genf im Umbau Stteole greift durch Genf.—fp.— Der neue Genfer Regierungschef und Polizeidirektor Aon Nicole hat anläßlich der Amtseinsetzung des»reuen Polizeichefs Ernest Corboz eine Ansprache an daS gesamte versammelte Polizeicorps gerichtet, die in der Genfer Oeffentlichkeit starke Beachtung findet. Nicole erklärte unter anderem, daß fürderhin die Beziehtmgen zwischen der Polizei und der gesamten Bevölkerung vertrauliche, ja herzliche sein müßten, nicht feindselige, wie bisher. Die Polizei müsse im Dienste des Volles stehen. Nicole kritisierte scharf die bisherige Methode der Polizeirapporte. Im Gegensatz zur bisherigen Praxis müßten diese in Zukunft Tatsachen, nicht Geschwätz und persönlige Meinungen ent« hallen. Er zitierte als Beispiel einen Polizeirapport, wie er nicht mehr sein soll, worin eS hieß, der Mann(es handelte sich um«in Ein- bürgerungSgesttch) habe keine„umstürzlerischen Gedanken"! Nicole erinnerte die Polizisten daran, daß auch er vor k»»rzer Zeit noch wegen an» geblich„umstürzlerischer Gedanken" auf der Anklagebank sich.Was heute„Umsturz" heiße, sei morgen die neue Herrschaft. Die Tatsache, daß eine sozialistische Regierung in Genf an» Ruder gekommen sei, dürfe nicht ein Nachlassen der Äsziplin bedeuten. Anderseits tvürden dreinschlägerische Methoden, Ivie sie sich beispielsweise nm 6. Juni nach einer sozialistischen Bersamm- lung in PlainepalaiS ereigneten, mit aller Schärfe geahndet. Die Ansprache NieoleS wurde von den Polizisten mit großem Beifall ausgenommen. Der neu« Polizeichef Corboz antwortete dem Regierungspräsidenten, daß er dafür besorgt sein werde, daß nicht bedenkliche Affären, wie sie sich in der Vergangenheit ereignet haben, nicht mehr wiederholen. ». r SeHc 4 Mittwoch, 3. Jämwr 1V34 I (in»„Gänsemännchen"), spricht einer, der deS »». Mit der östlichen Luft-1 :n Karpnihengebiet deS> Soldatenselbstmord der be- i Die Stadt Der Sarg Litwinow, Deutsche Kaiserkrone aus„nichtarischen" Händen. Auf der Berliner Tagung des neuge- gründeten„Vereins deutscher christlicher Staats- bürger nichtarischer und nicht reinrassiger Ab- stammung" stellte sich heraus, das; die Mitglie- derzahl schon in kürzester Frist eine in die Hun- derttäüsclidc gehende Ziffer erreicht hat. Zu den Vcreinsmitgliedern gehören laut den bekannt- gegebenen Listen viele Mitglieder des höchsten Adels, so die Familien Wendel, Henckel-Don- ncrsmarck usw. Weiterhin gehören dazu, was bisher unbekannt'war, die RichthofenS(denen der berühmte jrmnpffliegcr Manfred von Richthofen entstammt, für dessen Gedenkbuch Göring das Vorwort geschrieben hat). Fernerhin die Barone von Huencfcld(ein Huenefeld war mit Koehl der erste deutsche O?eanfliegcr), die Generale des Weltkrieges von Linsingen und von Mostler(letzter Militärgoüverncür von Elsast- Eröffnungsspringen auf der Roten Schanze in Bärringen Am Ncujahrötag fand in B ä-t t i n(j em auf der Ski-Sprung-Schanze der Arbeiterturner das EröfsnungSspringen statt. Westböhmen' hatte an diesem Tage allgemein Täuwetter; aus, dem tiefer gelegenen Gebiet' fehlte daher, die Masse der Besucher. In Därringen gab eS ebenfalls nassen Schnee.. AuS acht Vereinen stellten- sich 16 Springer zur Konkurrenz; viele Springer nahmen nur als Ziisckauer teil. Die Verbesserungsarbeiten wirkten sich in den erzielten Weiten a»S.-Der-Sieger G'ö-r-t s ch- Pechbach zeigte Sprünge von Der Tod im Schacht Kattowitz, 2. Jänner. In ztvei polnisch-ober- schlesischen Kohlengruben ereigneten sich heute Einsturzkatastrophen, bei welchen zwei Bergarbeiter den Tod sanden. Auf der Kohlengrube„Wolfgang" in Ruda wurde durch eine herabgestürzte Kohlenwand eine Gruppe von Arbeitern verschüttet, ivobei ein Arbeiter getötet wurde und zwei andere VerlehllNgen erlitten. Bei einem ähnlichen Einsturz auf der'.Kohlengrube„Jacek" in KönigShütte wurde eine.Bergarbeiter getötet. London im Nebel London» 2. Jänner.(AR.) Gestern herrschte über London und Umgebung ein so dichter Nebel, Ivie er bereits seit einigen Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. Ter gesamte Stratzenverlehr mit Ausnahme der Untergrundbahn, tvar volllommen lahmgelegt. Die Wagen bewegten sich nur Schritt vor Schritt unter ständigen Warnungssignalen. Längs der Wagen gingen Fackelträger, die bestän- dig gezwungen waren,, die Nebelgestalten der Fustgänger vor der-ihnen drohenden Gefahr zu warnen. Tsie Polizeidirektion hielt Schutzbereitschaft und ständig trafen Meldungen über Unfälle ein, die nicht selten tödlich endeten. An vielen Orte»» der Stadt entstand eine direkte Verstopfung durch die an den Kreuzungen gehäuften Wage», lvodurch ein Chaos entstand. Die Wagenlenker lvustten nicht, wo sie sich finden. In den eirt- ! legenen Stadtvierteln von London begann sich der Niebel gegen 7 Uhr abends zu zerstreuen. Nach 10 Uhr hellte sich auch das Innere Londons anf. Bosnische Städte unter Wasser Sarajevo, 1. Jänner, lieber das Gebiet nordwestlichen Bosnien ging gestern ein orkanartiges Univetter nieder, durch welches grostcr Schaden angerichtet tvurde. Mehrere Städte sowie zahlreiche Dörfer dieses Gebietes wurden ü b e r s ch tv e m m t und sind teilweise u n z u- g ä n g! i ch. Der ganze Autobusverlehr mutzte eingestellt tverde». TagtsnculgkcNcn' Wetterkatastrophe in Kalifornien 175 Todesopfer . New Pork, 2. Jänner, säutzungstveise haben! etwa 17» Personen bei den Ueberschtvemmungen in Kalifornien(und bei Neujahrsfeiern) den.Tod grsimde». Einige hundert Person ein sind obdachlos. Einige Orte sind von der übrigen Welt abgeschnitten.— Der Schaden. der durch die starken, mehr als 21 Stunden währenden Regengüsse verursacht wurde, beläuft sich in Mittel- und Süd-Kalisorien anf mehr als eine Million Dollars. Seit dem Jahre 1877 lvnr- den keine derartigen Ueberschwemmnngen mehr verzeichnet. Aus den Wassermassen wurde»» bisher:ll Leichname geborgen. Tausende bon Personen jind. obdachlos, Hinrderte verletzt. Die Wassermassen habe»» etlva 20 Brücke»» fortgerissen und»veggeschwemmt. Tie Stadt Gleudake ist ohne Trinkivasser, die Umgebung der Stadt Mo»»t- »ose in ohne Licht. Ende der Woche Ivurden in Los Angeles 36 Zentimeter an Wasserwerk gemessen. In einigen Gassen erreicht das Wasser eine Höbe vor» l Meter»n»d 20 Zentimeter. Ein Teil des Zoologische»» Garrens wurde ver»»ichtet und zahlreiche Tiere sind geflüchtet; sie versetzten die Umgebung in Furcht und Angst. Ein Sturzbach, der acht Meter tief ist, har die Bereiuvloka- litätei» der ehemaligen Frontkämpfer in Mont- »ofe zerirümmert. wobei zwei Frariei» umS Leben kamen. Tie Umgebung von Beverl» Hills bei Filmstadt Hollywood ist ganz mit Trümmen» sä». Schändung von Kriegerdenkmälern durch Hakenrreuzler linier den deutschen Städten, die durch die Ha- kenkrenzler besonders zu leide»» haben, befindet sich auch die Stadt Trautenau. Dort haben die Kumpane des früheren Abgeordneten Kasper ihren Sitz, die auch nach dem Parteienverbot ihre verderbliche Tätigkeit meist in enge»» Zirkeln, die .glle erden tticken Nkamei» führen, Ivie.„Arawatte" usw„ weiter auSüben. In den letzten Tage»» Ivur- dei» durch die Burschen die AnSlagenfenster jüdischer Kaufleute, aber mich die den Opfern» des Krieges von 1866 errichteten Denkinäler im Stadtpark»nit dem.Abzeiche»» der Hunnen verunreinigt. Leider sind bis jetzt die Lausbuben»och nicht eingesperrt worden, ol'ztvar es sicher nicht schtver sein tann, sie ausfindig zn machen. Aber noch»»»acht ihnen das ganze Bürgertum bei ihren schändlichen Streichen die Dkauer, so datz sich ofrenbar die entscheidenden Stellen»richt getrauen zuzugreifen, weil-sie von Seite der deutschbürgerlichen Gclvalthaber. Schikanen befürchten. sich verfehml sühli, zu Unrecht verfehnrt, diese bit. leren Worte. Ter junge Juede, dem sie. sich am Grabe Anselm Fenerl>achS ans die Lippen drängen, sagt noch anderes:„Sie achte»» nur die Net- ternschaft, sie verkuppeln das Mikroskop mit dem Katechismus und die Philosophie mit der Polizei. Ohne Anstand, ohi»e üumane Uebereink.unft.. Einen jungen Juden liest Wassernrann schon vor vielen, vielen Jahren empfinden, was damals doch erst ein Beginn tvar, ein matter Borglanz einer Wirklichkeit, die alle bösesten Ahnungen über- trunipfte.„Es ist kein Platz in Deutschland mehr." Kein Platz mehr für d-»kende, für kultivierte, empfindsame Menschen. Auch für Wassermann war kein Platz»»ehr. Der deutsche Dichter, der Jude war, hat es oft genug schnrerzlich einpfunden, datz ihm gerade das verübelt tvurde. datz ihm gerade das nicht gestattet tverden sollte, datz gerade das Ziel mancher Angriffe war: datz er Deutscher sein Ivollte. als Deutscher sicl» fühlte im Innersten seines Wesens, ja das; er für seinen Teil mit beitrug zur Mehrung des deutschen Kulturgutes—„obgleich" er Jude tvar!• Wassermann ist nur wenig über sechzig Jahre alt getvorden und den Anbruch der deutschen Barbarei hat er nur um wenige Monate überlebt. Er tvar an» 10. März 1873 in Fürth bei Nürnberg als Sohn ei»»eS kleinen Kaufmannes geboren worden, hatte in einer Fabrik eines Onkels gearbeitet, tvar dann Lehrling in einem Expprtgeschäst und erst als Ztvanzigjähriger, nachdem er Sekretär Ernst von Wolzogen getvorden Ivar, fand er, von diesen» gefördert, wem» auch nicht ganz verstanden und ganz vollgenommen von seinem Mäzen, den Weg znr Dichtung. Zunächst als Mitarbeiter des „SimplizissiSmus", dann mit sehr feinen zarten Gedichten. Wirkliche Bedeutung aber erlangte Wassermann als Romanschriststeller. Er hat viel geschriebe»» und seine Bücher sind viel gelesen worden. ES gab Zeiten, ja, noch das Vorjahr gehörte zu ihnen!— da Wassermann„graste Mode" tvar. Doch tvar er nie blotzer Uilterhaltungöschriftsteller. sondern er tvar ein crnst riirgendec.Künstler, der sich in theoretischen Schriften selber immer wieder Rechenschaft gab über seine Fehler und Mängel, llnvcrkeunbar ist auch sei»» Aufstieg als Ergebnis eifriger Selbstkritik u»»d damit Selbstbesreiung von »nanchein Sprachballast und mancher Ueberfüklnng seiner Romane mit ejnander drängenden und bedrängenden Personen. „Die Jude»» voi» Zirndorf", ein Roman aus . seiner baherischen Heimat, in dem daö oft den Dichter quälende Problem der Verflochtenheit von j Deutschtum.nnd Judentum, des jüdischen Menschen in deutschem Land, zum ersten Male ausklingt.be- . gründete bett literarischen Ruf Wallern»annS. Auch ,„Die Geschichte der. jungen Renate Fuchs", der , Roman der Selbstbefreiung einer Frau, tvurde viel gelesen.„Das Gänsemännche.n" ist ein deutscher Künstlcrroman und zugleich Darstellung der ’ Lebenswirre»» eines zwischen zwei Frauen gestellten ManucS. Auch der Roman«Caspar Hauser", einer der vielen Versuche, die'Geschichte des selt- 1 samen Findlings dichterisch zu behandel», dann das c graste Werk„Christian Wahnsachaffe", Roman aus der modernen Welt, verdienten und ertvarbeu grötze Beachtung. Nach Ausflügen in die Vergangenheit —„Alexander in Babylon",„Das Gold von Caxamalca"— wandte sich der Dichter in seiner letzten SchaffenSpcriode immer tviedcr der Gegenwart zu. in bett Romanen„Laudin und die Trinen". und«Der Fall Mauritius" und.„Etzel. An- dergast".— Er hat keines der Propleme als Sozialist angepackt, auch dann nicht, wenn er scharf zupackte. Aber ep traf sich in seiner Kritik, traf sich auch itt seinem Wollen oft mst dem Sozialismus. Für den jüdischen Dichter Wassermann war im Deutschland der Hauptmänner, über denen als Generäle die Jvhste und die Göbbels stehen, natür- lich kein Platz mehr. Er mutzte gehen. Undder Dichter, der sich so sehr seiner deutschen Heimat verbunden fühlte, ging noch weiter fort, als sie ihn nicht mehr duldete— er ging aus der Welt. Jakob Wassernlam» starb am 1. Jännerin A l t- Au s s e e in Oesterreich. Zum 100. Geburtstag des Erfinders des Telefons Der Deutsche Philipp Reis bei seinen erslcn Versuchen. Er spricht von seinem Arbeitoraun» nus»nit seiner Wohnung. An» 7. Januar jährt sich zun» 100. Male der Tag, an den» itt Gelnhausen Philipp Reis gebore»» tvurde, der 1861 das Telephon erfand, und der damit eine der Grundlagen unseres Zeitalters schuf. 13, 46 nnd 40 Meter. Der Sieger im Jngend- spriilgei» Morbach- Bärringen hatte die beste.HaltungSnote»nit 70„Pulten und erzielte Weiten von 41 und 38 Metern, lieber 200 Zuschauer aus dem oberen Erzgebirge tvarei» anwesend. Vereister Anlauf und glatter Aussprnng bereitete»» de»» Springern Tchwierigkeitei». Trotz vieler Stürze gab es keinen Uniall. Fast alle Springer kanicn iir diesem Winter das erstemal anf die Schanze. I Jakob Waffermann gestorben „Es ist keii» Platz i»» Deutschland»ehr. Ich gehe." In einem der gelesenstei» Romane Wassermanns(‘ Brünn, 2. Jänner. Am Neiljahrötage hat sich gegen Mitternacht Franz MachcU von» Kavälle- rieregiment 7 TGM in Hodonin aus seinem Dienstgetvehc erschossen. Er verübte die Tat während deS Wachdienstes. Die Ursache dxs Selbstmordes sind(nach den Angaben des Kommandos der 0. Division in Brünn) unerfre»»liche Fami- lienverhält>»isie. Venedig im Glend Rom.(Insa)„Die wirtschaftliche Lage, in der sich Venedig befindet, komin! in einem stark verminderten Verbrauch der elektrischen.»»rast zu»» Ausdruck, itt der Tatsacke. datz 4000 Zimmer zu vermieten sind ttitb in der gewaltigen Anzahl jener, die ihre Stenern nicht bezahlen. Die durch- geführtei» Psändungen tvaren so zahlceicb, datz alle verfügbare»» Magazine nickt»nehr ansrei- ckeu, nm die Habe der ansgepfändeten armen Leute unterzubringen.'' Wenn ein Antifaist in Italien So eitvaS erzählen lvürde, tväre ihm die Deportation nach Lipari sicher. Das hat aber der saszisiische Senator Marcello au» Venedig gesagt, ankästlichs der letzten' Sitznng in» Senat, i Venedig'eine»» S''" Millionen Lire belvilligen innige. In Turin'ist die- älteste italienische Buchhandlung, die Libreria Aocca, die 1778 gegründet wurde, ii» Konkurs gerate»». Lothringen), sowie auch der General! von Sim so»», dessen Grostvater i Milhcl m dem Ersten in Versailles- tS70 i m A u f t r a g d e r d e u t s ch e n L ä n- der d i c Kaiserkrone an bot. Der Verein hält sich zlvar für„nichtarisch",. aber nicht für„jüdisch". I» seinem Aufruf heißt cs: „Die allSgebürgerten deiltschcn Juden sindcn wenigstens wo anders eine gewisse UntersÜ'lt- zung. Wer aber kümmert sich um die Hundert- tausende deutscher Christen, die plötzlich von ihren Mitbürgern jeder Zukunft beraubt und itt die Postguarantäuc gezwungen wurden?" Leichte Nacktfröste.! strvmung Hal sich über den Karpaihengebie. Staates eine leichte Ablühlung und teillveise Auiheiteruiig ausgeluettec. Nitra und Luienec hallen am Montag nachmittag noch 10 Grad C) NadUce+ 11 Gtav Celsius. In der Nacht hatte jedoch die ganze Tlovakei leichte»» Frost, das östliche Karpathorntzland, wo noch Schnee liegt, ziemlick strengen Frost.(Akua Szlattna -—7 Grad, Chust—12 Grad C.) Im Westen ! des Staates ist das Wetter noch unverändert, es dürfte sich jedoch- auck hier zeitweise Ausllärnng --...| einstellen, so datz die Nachitemperaturei» viel- l'lliunitei» von Null sinteil tverden.— Wahrschein- llct^ c 3 u’ unt I ttches Wetter Mittwoch in den böhmischen Ländern: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, ohne erheblichere Niederschläge, vielfach leichter Nachtfrost, Südostwind. Wilderer gegen Heger. Aus Ungarisch-Hra- disch tvird unö geschrieben: In den Wäldern von Klmovice in» Bezirk Ungarisch-Hradisch' wurde dieser Tage bei einer Waldstreise der Heger Pavias aus Popovice bon drei maskierte»» Wilderern überfallen. Die Wilderer stietzen den Heger zu Boden und prügelten ihn blutig, raubte»» ihm das ihnen beschlagnahmte Wilderergewehr und verschwanden. Die Gendarmerie konnte bei ihrer Fahndung bald vier Eintvohner ans Kuno- vice der Wilderei überführen. Ei»» Auto überschlägt sich. J>» der Nacht zum Sonntag gerieten auf der Stratze, Trebnitz— Breslau ein Personenkraftwagen ans der vereisten Fahrbahn ins Schleuder»» und stürzte eine sechs Meter hohe Böschung herunter. Der Wagen überschlug sich und begrub die Jnsasiei» unter sich. Erst drei Stunden später tvurde der Unfall voi» einem vorbeitommeudei» Kutscher bemerkt. Die Insassen des Kraftwagens, ztvei Polizeibeamte ans Breslau, tvaren bereits toi. Der Führer des Wagens, ein Meiereibesitzer ans Breslau, wurde schlver- verlctzl ins Krankenhaus gebracht. Tod durch Suff. In der Nähe von Lublin gerieten drei betrunkene Musikanten unter einen sahrciidei» Zug. Z»vei von ihnen tvurden getötet, der dritte erlitt schtvere Verletzungen. Letzte Ehren für Lunatscharski. Dir Leiche des in Frankreich verstorbenen ehemaligen Volks- lon»n»issarS' für Unterricht Lunatscharski traf Montag in Moskau ein. Aus dem Bahnhof hatten sich die Mitglieder der Regierung, sowie die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen cingefunden. Aus den» Bahnsteig hätte eine Ehrenwache Aufstellung genominen. ist mit Trauerfahnen geschmückt, tvurde von den Volkskommissaren Krestinski und Semaschenlo aus dem Eiseubahn- lvagen gehoben und ii» den Sänlensäal des Ge- werlschaflshauses überführt.. Ai» den» Sarge defilierten uiiunterbrochei» Arbeiter. Angestellte, Schauspieler, Schriftsteller und Literaten, um von dem Verstorbenen Abschied zu nehme»». Die Beisetzung erfolgt heute. ..-.*■ | M'’/ W--'M MH<4] *5» 1 1 v/a Nr. 1 Mittwoch, 3. Jänner 1934 Seite 6 Das Leipziger Urteil mrd die„Bohemia" BorwSrts 1934! Ein Jahr verfaick in Ounl und Leid, '' Ein Jahr ertrank in» Strom der Zeit, Sturm zerrt an nnseren Fahnen, ’ Der Hunger webt sein TotrnNeid, Und Opfcrstcine mahnen.... Ein Jahr zerfiel— cö war kein Fest, -Hier gellt die Slot, dort rast die Pest, Seht aus die deutschen Brüder— Tie Fahne flattert blutdurchnützt, Kein-Hitler holt sie nieder! Ein neues Jahr! Wir stoheuvor, Ter Zuknuft Flammenlied im Ohr, Dies Lied, das an» den Gräbern blüht, Und, hämmernd an der Menschheit Ohr, Jir den Millionen Hingt und glüht! Eiir neues Jahr— wir ziehen mit! Ei» neues Jahr— wir halten Schritt! Tie Fahnen fliegen dnrch dm Wind, Taö Rot ist Blut, das für uns litt, Ist Wissen, daß wir Zukunft sind! Bier Monate in den Klauen der Hitler-Schergen Einer der Spitzel, die Göring über die Grenze geschickt hat und den seither unsere Polizei wegen seiner Spionagedienste in das Untersuchungüge- sängniS nach JiLln gebracht hat, lockte am 11. August 1933 die Brüder Adolf und Otto Merbitz er aus KrinSdorf bei Schahlar über die nahe Grenze und lieg sie dort unter falschen Angaben verhaften. Neber Einschreiten unserer Partei griff das Außenministerium für die völlig ahnungslosen Brüder ein, um ihre Freilassung zu'erwirken. Bier Monate aber hat es gedauert, bevor man in Hitlerdcutschland die zwei Menschen auS dem Ge- fängniö entlieh, in dem sic so manche Bekannt schaft von unmenschlich gequälten Leidcnögenosscn machten. Bor den Weihnachtüfcicrtagen kehrten die. beiden Brüder, erfüllt von Uebcrzcugnng, dah in Deutschland kein Recht und keine Menschlichkeit mehr, existiert, in ihr Heimatdorf zurück. Die glcichgeschaltcte Presse aber lobt Hitler und Göring über den grüncn Klee ob ihrer gnadenreichen Amnestie anlählich der Weihnachtöfciertagc, die darin besieht, dah man Unschuldigen nach monate» langen Qualen über lviedcrholtc Interventionen ausländischer Behörden die Freiheit wiedergibt. DirSmal nicht der preußische Dtinisterpräsi- deut. In einem Hause in Zehlendorf gab eü am Montag gegen 6 Uhr morgens einen aufregenden Zwischenfall. Der Kunstmaler Waldemar Hanne- mann, der in der Wohnung seiner Verwandten übernachtet hatte, erlitt plötzlich einen Tobsuchtsanfall. Er.>epstr»ff. ein, Küchenmesscr, mit hem er wie rasend um sich chsug und seine Angehörigen bedrohte. Diese' zögen sich in ein Hintcrzimmer zurück. Inzwischen demolierte der Tobende die Wohnungseinrichtung, rih die Bilder von den Wänden und zertrümmerte Fensterscheiben. Der bedrängten Familie, die nach außen abgeschnitten war, blieb nichts anderes übrig, als den Sohn zum Fenster der im 2. Stockwerk gelegenen Wohnung an einem Strick auf die Straße hinterzulassen. Er benachrichtigte dann telephonisch das Uebcrfallkonunando. Auch der Polizei gegenüber setzte sich der Tobsüchtige heftig zur Wehr und brachte einem der Beamten mit dem Messer eine schwere Verletzung bei. Die Beamten alarmierten nunmehr die Feuerwehr, die mit einem Wasserstrahl gegen den Rasenden vorging. Nunmehr sprang der Kunstmaler aus dem Fenster auf den Hof hinab, stürzte dabei durch eine Glasveranda und zog sich erhebliche Schnittwunden"zu. Blut- überströmt lief er auf den nahen Wald zu, wo er spurlos verschwand. Die Polizei hat die Verfolgung aufgcnomincn, konnte seiner jedoch bisher nicht habhaft Ivcrdcn. Eine schreckliche Explosion. An Bord des spanischen FischereidainpferS„Tatito" erfolgte uiuvcit von San S e b a st i a n eine Kessel- Erinnerung am Flusse Von Dkanfred Wie mag sich das von unten her ansehen? Vielleicht sehen die Fische im Flußwasser die dicke Eisdecke über sich wie eine Oberlichtverglasung; cS schimmert grünlichgedämpfteS Licht in die Wassertiefe, traumhaft leuchtend dicht unter der Eisdecke, tvolkig getrübt, ztvischen Steinen, faulendem Holz und schleimigem Wassergewächs versinkend auf dem Grunde. Netzförmige Sprünge durchziehen das Eis. Manchmal nachts knallt ein Schuß von Ufer zu User. Daun hat ein neuer Sprung das EiS zerrissen. Die Fische stört eS nicht; hören sie es überhaupt? Hären sie die Tritte der Männer auf denrEise, das Krachen der langgestielten Acxte? Runde Löcher brechen auf. DaS Licht des HinunelS sinkt tvie Ampelschimmct ins Wasser. Und in jedem dieser sich öffneiidcii Lichtkegel schtvebt ein Wurm, eine niuviderstehliche Lockspeise, von einer Aureole um- lruchtet. . Ein Fisch schnellt drauf zu, ein silbern auf- blitzcrnder Schimmer im Wasser— da spießt sich ihm jäh der verborgene Haken in den Gaumen, in die Kiemen, ein Wölkchen Rot trübt daS Wasser, und im nächsten Augenblick flattert der Fisch hochgerisse» an der Angelschnur in i>r tödlichen Luft. Noch einige schnellende Schläge mst der ganzen Kraft deS silbernen Leibes— dann liegt der exploston. Drei Mann dec Besatzung wurden verbrüht und erlitten den Tod. Mn vierter Matrose wurde schwer verletzt. Andrö Gide und Andrk Makroux. Der berühmteste französische Schriftsteller, Andrs Gide, und der hervorragendste Romancier der französischen NachkriegSgeneration, Andri Malraux — Träger des Goncourt-Preise» von 1988— begeben sich im Flugzeug nach Berlin, um von der deutschen Regierung die unverzügliche Freilassung der im Reichstagsbrandprozeß Freigesprochenen: Dimitroff, Torgler, Popoff und Taneff zu fordern.. Ein französischer Hydroavion,„La croix du sud", der am 31. Dezember um 13 Uhr in M a r« seilleS startete, landete am 1. Jänner um 12 Uhr in St. LouiS in Senegal(Westafrika). Er legte in23Stunden4300 km zurück und stellte damit einen neuenStrek« k e n w e l t r e k o r d für Hhdroavione m direkter Linie auf. Der Nachfolger MaeiaS. Da» katalanische Parlament tvählte mit 8ü von 80 Stimmen zum Nachfolger des verswrbenen Präsidenten Macia dessen vertraulichen Mitarbeiter Luis C o m p a» n h s zum katalanischen Präsidenten. Companys ist 86 Jahre alt. Er war Bürgermeister von Barcelona und Vorsitzender des katalanischen Parlaments. Die Budapester Gattenmürdcrin. Die wegen des GattenmordcS ins Verhör genommene 38 Jahre alte Frau Stefani Bognarin Budapest hat eingestanden, ihren Mann, den Sel- chcrmeistcr Bognar, ermordet zu haben, al» sie Mittlvoch, den 27. Dezember, sich weigerte, ihn» ihre 30 Pengö, die sie sich aus Geschäften erwor- ben hatte, auszuliefern, worauf er sie mißhandelte. Als sie nachts erwachte, bemerkte sie, daß er in ihren Sachen nach dem Beide herumsuchte. Sie sprang aus dein Bett, wurde aber von ihm verprügelt und mit einem Revolver bedroht. Sie bekam den Revolver in die Hände und erschoß ihren Mann. Dann schlief sie bis früh, und als ihr dann einfiel, daß sie ihrem Sohn den schrecklichen Anblick verbergen müsse, zerstückelte sie die Leiche und verbarg die Leichenteile in der Umgebung von fünf Dörfern. Die Leichenteile wurden überall gefunden. Den Kopf und die Eingeweide warf Sie in dieDo» n a u. Diese konnten aber an der angegebenen Stelle noch nicht gefunden werden, da sich das Eis in Gang gesetzt hat. Eine Tragödie. In Belke Mezirtci erschoß sich in dec Wohnung seiner Ellern der 20 j ä h r i g e S t u d e n t der Medizin Vladimir P r u d i k. der Sohn eines Lehrers. Er wurde in der Nacht von seinen Eltern, die von einer Theater-Vorstellung zurückkehrten, mit durchschossenem Kopf aufgefunden. AuS einem hinterlassenen Briefe geht hctvor, daß er die Verzweiflungstat aus Gram über daü A b l e b e n seiner Gelieb- t e n beging. Prudstk war ein sehr gewissenhafter Student von erstem Charakter. Lier Sträflinge entflohen. Au» Ung.- Hra- d i s ch wird uns geschrieben: In den Weihnachtsfeiertagen gelang es vier Sträflingen, die aus dem Gefängnis von Jlava in der Slowakei in die LandeSzwangSarbellSanstalt eskortiert wurden, zu fliehen. Um die Aufmerksamkeit der Gendarmerie abzulenken, trennten sich die Sträflinge auf der Flucht. Einer derselben, Balentik, kam bis in seine Wohnung in Bäetuly bei Holesov, bekam jedoch GcivisscnSbiffe und meldete sich wiederum bei der Gendarmeriestation. Er entschuldigte sich damit, daß er durch Drohungen seiner Koniplizen zur Flucht gezwungen wurde. Valentik wurde in Gerichtshast eingeliefert. Nach seinen Komplizen wird angestrengt gefahndet. Die Eoropäisirruuz der Türkei. DaS türkisch« Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, durch da» ab 1. Jänner 1034 in der ganzen Türkei da» metrische uitb Dezimalsystem für Maße und Gewichte eingeführt wird. Besondere Kontrollinspekto- ren sind mit der Beschlagnahme aller Maße und Gctvichte betraut, di« dieser neuen Vorschrift nicht entsprechen tverden. Fisch, aufgeschlitzt und blutend, auf dem Eise. Flach und rund glotzen die Augen in daS maß- lose Licht. Sein Blut gefriert zu rosenfarbenem EiS. Die herauSgerissenen Eingeweide versinken langsam in der Gchattentiefe de» Wassers. Und Ivieder flitzt die Angelschnur mit Köder und Haken in daS Loch im Eise. In himmlischem Lichte schtvebt der Tod... Es hat gar n''ns miteinander zu tun, aber die Erinnerung drängt sich auf. Es war ein Tag an der"Front. Eine lok« kere, weißgraue Wolkenschicht schwebte unterm Himmel, schwebte langsam dahin. Wenn man auf dem Rücken lag und hinaufschaute, schienen die Wollen stille zu stehen und die Erde mit uns, mit allem schwebte langsam und feierlich durch den Tag. Ueberall, an- vielen Stellen waren Lücken in der Wolkendecke, durch die Ivie durch runde Fenster daS himmlische Blau darüber leuchtete. Wir hatten das feine helle Singen schon her« anklingen gehört, aber nicht weiter beachtet. Da erschienen die feindlichen Flieger, schimmernd tvie seidige Motten, über den blauen HimmelSfen- stern. Sie zogen mit singenden Motoren durch daS Blau. Einer nach dem andern erschien für Augenblicke über den Wolkenlücken, erschien und ver- sckwand. ES war ein großes breitgcstasfeltes Geschwader. Plötzlich explodierten ring» um unser Lager die Bomben. Vulkane von Rauch und Erde spran» „Die Prozeßführung blieb... völlig ungehindert, und damit blieb zugleich auch da» weltweue Ansehen de» höchsten deutschen Bericht» getvahrt." „Bohemia". 16. Dezember 1088. Die Justizposse in Leipzig ist zu Ende. DaS Urteil der braunen Richter ist so ausgefallen, wie eS angesichts der höchst prekären Situation, in die der hohe Reichssenat geraten war, und des doppelten Drucks, der auf ihn auSgeübt tvurde, ausfallen muhte. Einerseits müssen die Hitler—Göring—Goebbels an ihrer Legende festhallen, wonach nicht sie die Urheber und Nutznießer der Brandstiftung sind; wonach die Flammen um ReichStagSplatz das Fanal zum bewaffneten Umsturz bedeute, der von der angeblichen kommunistisch-sozialdemokratischen Einheitsfront angeblich vollzogen werden sollte. Die Well dagegen ist durch den Verlauf und die verschiedenen Einzelergebnisse deS Leipziger Prozesses in der festen Ueberzeugung bestärkt tvorden, daß auch das Verbrechen vom 27. Feber 1938 von den Nazis begangen worden ist, den Einzigen, die ein Interesse an dieser Provokation haben konnten; daß die betreßten und in Würden beamteten Ankläger auf die Anflagebank gehören und daß eine Verurtei» lung der Dimitroff, Torgler und Genossen nur als ein ungeheuerer Justizmord zu verdammen wäre. Die Welt verlangte den Freispruch der Angeklagten, sie spricht die Nazi» schuldig. DaS den Leipziger Richtern von der Hitler-Regierung vorgeschriebene Urteil stellt somit ein Kompromiß dar zwischen den demagogischen Belangen der Na- zia und der Rücksicht auf daü Ausland. Ein faules Kompromiß! Die Angeflagtcn mußten stcigesprochen werden, die Schuld am Verbrechen aber wurde nicht den Göring u. Co. zugesprochen, sondern auf den Kommunismus abgewälzt. Allerdings fehlt eS den Richtern nach wie vor an jeglicher auch nur halbtvegü ernst zu nehmender Begründung für die kühne Behauptung; während andererseits doch eine Unmenge von Indizien und Beweisen mit restloser UeberzeugungSkraft klipp und klar bestätigen, daß die Brandstifter nur im Lager der glorreichen„nationalen Erhebung" zu suchen und zu finden sind. Die ReichSsenatS-Justizher- ren haben sich natürlich an die Order gehalten: mit der gleichen äußeren Sicherheit und Gelassenheit, mit der sie alle unschuldig Angeklagten, ohne mit der Wimper zu zucken, zu Tode verurteilt hätten, haben sie daö Kompromißurteil verkündet. Selten hak sich die brutale Fratze der Klassen- und Gewaltjustiz so enthüllt, wie in diesem Leipziger Prozeß. Goebbels aber will, um zu retten, was nun doch nicht zu retten ist, aus der Not eine Tugend machen. DaS unter Druck der Wellnwinung zü- standegekommene Urteil soll— so will's der Propagandachef deS Dritten Reichs— als Beweis für die Unbefleckthell der braunen Justiz, gedeutet werden. „Wer den Glauben an die deutsche RechtS- lehre und damit an den deutschen Beniu» überhaupt auch über den Umsturz hinweg nicht verloren hat, wer alle LebenSwerte bewußt den Erfordernissen deS totalen Polizeistaates unterordnet, hat keinen anderen Spruch erwarten können." So zu lesen in der Prager„Bohemia" vom 24. Dezember 1033. Ein tolleö Stück diese skrupclfreie Schamlosigkeit der freiwilligen Gleich- schaltlingel Die Prozeßführung. würdig der grotesken Voruntersuchung, war bekannllich ein einziger, zum Himmel schreiender Skandal. Niemals je tvürdcn die elementarsten Rechte von Angeklagten in einer so gröblichsten Weise mißachtet und berlettzt, Ivie eS vor dem Nazitribnnal geschah. Niemals je dursten Zeugen, wie Göring. Goebbels, Heine», mit derartiger Frechheit auftreten und sich wie Berserker„benehmen"— unter de« gen brüllend auf. Feurige Sträucher schossen zwischen Wagen und Pferden empor. Wir ramüen durcheinander. Die Pferde risseir wie wahnsinnig an den Zügeln. Geschrei. Gellende Explosionen. Peitschendes Geprassel von Erde, Steinen und Splittern. Ein Baum sprang mllsamt dem Wur- zelballen hoch in die Lust. Pferde zappelten im Blut. Rach den: Fliegerüberfall trugen wir vier Kameraden weg. Einer war tot. Alü ein Sergeant den aufgerissenen Pferden den Revolver in die Stirnen abfeuerte, plärrten— nach dem Spektakel der Explosionen— die Schüsse lächerlich dünn. Die Wolkendecke schwebte tvie zuvor, Iveiß- grau mit blauen Fenstern in den Himmel. ES hat gar nicht» miteinander zu tun. ES ist nur eine Erinnerung. Die Angler auf dem Eise sind harmlose Männer. In den Gärtnereien haben sic die warm- dampfenden Komposthaufen nach Würmern durchwühlt. Nun stehen sie, dick angezogen, mit Ohrenschützern unter den Mützen, hacken Löcher ins EiS und hangen die Angel inv Wasser, einen scharfen Haken mit dem Köder für die dummen Fische. Wie mag sich daS von unten her mischen? Diese Löcher in der Eisdecke— Tvdcsfcnskcr unter Himmel. Nur diese Vorstellung erinnerte mich an jenen Tag... voter Billigung de» Gerichts. NibmalS je dursten Lockspitzel, kriminelle Verbrecher und andere Kronzeugen ähnlichen Kaliber» serienweise soviel Meineide schwören, ohne daß die Walter der Justiz dagegen aufmuckten. Niemals je haben die Richter sich bewußt jedem Versuch in der Richtung der Wahrheitsfindung so brutal in den Weg gestellt. Die Herren vom Reichssenat handelten von A bis Z in Ausübung deS Auftrags der Nazidrahtzieher. Und sie wußten, wa« sie taten. Da» hinderte jedoch die Prager„Bohemia" nicht, zu erzählen: „DaS Gericht hat sich die Mühe nicht verdrießen lassen, vielen Behauptungen des Braunbuche» einzeln nachzugehen. Diese Sorgfalt war im höchsten Maße vaterländisch und entsprach den beswerstandenen Interessen de» neuen Deutschlands und seines Rufe» in der Well." So rührend auch die Sorge der„Bohemia" um den guten Ruf des neuen Deutschland sein mag — allein diese Parteinahme, noch mehr aber die Dreistigkeit der aller Wahrheit ins Gesicht schlagenden Behauptung, ist ein Skandal. Im„Draunbuch über Reichstagsbrand und Hiflertcrror", dessen Lektüre und Verbreitung nicht genug empfohlen werden kann, ist eine Menge allerernstesten dokumentarischen Materials über die Brandstiftung veröffentlicht(so u. a. die Denkschrift de» von den Nazi daraufhin umge« brachten Führers der Deutschnationalen, Oberfohren), aus dem hervorgeht, daß das ReichStagS- komplott das Werk Görings und daü Fanal zur Zerschlagung der Orgmtisationen der deutschen Arbeiterschaft und zur Errichtung der Alleinherrschaft de» HitlerfaschiSmuS urar. Während Dimitroff immer wieder auf der gerichtlichen Nachprüfung der Anschuldigungen des BraunbucheS bestand, wurde diese Untersuchung seitens des RcichSscnatS permanent unterbunden aus der verständlichen Angst heraus, daß die verfolgte und unterdrückte Wahrheit dabei doch zutage treten könnte. WaS tut'S l „Bon den Behauptungen dieses BraunbucheS hat nicht eine einzige der Nachprüsimg durch da» höchste Deutsch« Gericht standgehallen; mit Ent- rüsumg wiesen Deutschlands führende Nationalsozialisten di« Unterstellung, als wären sie selbst Auftraggeber del Kapitalsverbrechens gewesen, zurück."(„Bohemia".) Die beschuldigten und schwer belasteten Nazi« Häuptlinge wiesen die gegen sie erhobene Anklage „mit Entrüstung"(!) zurück. Gibt» denn ein« noch überzeugendere Widerlegung deS Braun« büche»?! Trotz aller Regie, trotz allen Schikanen der Justizherren und trotz aller Entrüstung der Nazi» haben die Behauptungen deS BrauilbucheS, wonach die Nazi, nur die Nazi die Brandstifter sind, die Bestätigung erhallen. Die„Bohemia" läßt sich aber dadurch nicht stören: „Die internationale Agitation, die sich an di« Behauptungen des BraunbucheS knüpft«, hat im gesamtcn Prozeßverlauf selbst nicht die geringste Nahrung gefunden, sie hat an innerer Wahrscheinlichkeit nicht» gewonnen, und ganz Deutschland erklärt übereinstimmend, daß die Hetze zusammengebrochen Iväre." Die Göring u. Co. stehen also rein und unschuldsvoll da. Den Kommunisten aber „würde ein Att von Brandstiftung gewiß keine im« überwindlichen Gewissensbisse bereiten." Goebbels kann mit seiner„Bohemia" zu« stieben sein. Da» Prager Propagandaorgan des Dritten Reichs treibt» aber denn doch zu weit. Da kann man z. B. lesen: „Dian kann mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die Schutzhaft über die freigesprochenen Kommunisten Vox allem zu deren persönlichen Schuh verhängt worden ist." „Bohemia", 23. Dezember 1038. 1. Spalte. „Torgler wurde in Haft genommen. da auf Grund einer Erklärung de» Senaispräsidenten Dr. Dünger gegen ihn bisher ein Verdacht deS Hochverrat» vorliegt." „Bohentia", 23. Dczcniber 1083, 4. Spalte. So sieht es mit der objektiven Berichterstattung der„Deutschen Zeitung Bohemia" aus. Im Eifer des Gefechtes um die Verteidigung und Glorifizierung de»„Neuen Deutschlands" widerlegt da» Blatt seine eigenen Meldungen. Die willkürliche Verhaftung der Freigesprochenen erscheint einmal alü ritterlicherAkt de» Schuhes (vor wem??), dann aber als auf Grund des Hochvcrratsverdachts.notwendige Maßnahme... Der Verlauf und das Ergebnis des Leipziger Prozesses bedeutete eine arge, nie wieder gutzumachende Blamage des Naziregimcö. Gerichtet und verachtet sind die Ritter der freiwilligen Gleichschaltung innerhalb und außerhalb Deutschlands. Die SihiffSglocke dr» drntfchen Kreuzer»„Emden", die im vergangenen April zum- zivcitenmale ans dein australischen Kriegsnmscum g c st o h l e n worden war. ist jetzt bei Ltelbouru aufgesunden worden. Vorher hatte man behauptet, daß die Schiffsglocke nach Deutschland geschmuggelt worden lei- Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hans oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kö 48.—, halbjährig KC 06.—, ganzjährig Xi 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Reiourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphcn- * direkt«,»« mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1VÜl> bewilligt.— Druckerei:„OrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. Seite« Mittwoch, 3. gönnet 1934 9t. f PRAGER ZEITUNG Das i In der kleinen Bühne begann mm« in der NcujahrSnacht mit der Wiederaufnahme eines leicht angegrauten französischen C«hloai«keS„Theo macht alles", der von der Komik tollster Situationen und Bcrlvechsiungen lebt und im übrigen ausgezeichnet gespielt wird. Stärkste Wirkung erzielen die Herren Renner. Harprecht, Padlesak, Janisch und Fräulein Tilden. In der Haupi- rolle zeigt Herr Schmerzenreich sehr viel Beweglichkeit. Fräulein Carpentier spielt wieder einmal eine blonde Fran, diesmal inmierhin mit der Entschuldigung, das; sie dann ztvei Akte lang schwarz kommen muß. den Mit der der cr- Überall erhältlich l VOLKS ZUNDER fSOLO x« Erstausführung: Tovarisch In den Hauptrollen: Berndt. Götz. Hölzlin. Regie Götz Eugen Spiro Ausstellung im Kunstvereiu Eugen Spiro ist den Pragern kein Fremder, obtvohl er— bis vor kurzem— in Berlin verwurzelt war, in Berlin schuf und lebte. Am Sonntag nun eröffnete Spiro eine Ausstellung, die zumeist Porträts zeigt: Porträts von Bekannten und Unbekannten. Schöne Frauen neben dem markanten und gerade seht in uns wieder so lebendig gewordenen Gesicht Baisermanns, der Dirigent Stiedrh in Weltentrücknng am Dirigcntenpult neben dem etlvas ungewohnten Anblick eines heiteren Gerhart Hauptmann und viele andere noch, die, ob sie nun Prominenz zeigen oder nicht, alle mit Ehrlichkeit und Uebcrzeugung festgehalten sind. Dasselbe genaue Hinschauen und Sichvertiefcn fällt an Sviros Landschaften auf. die ebenfalls in einigen Stücken vcr« treten find. Es i st. sicher einsam um die«alte Kapelle" in Bonnes und es weht einen die Sehnsucht nach Einsamkeit auch aus SbiroS Gemälde zu. Dasselbe gefühlsmäßige Eintauchen in eine gegebene Atmosphäre atmen seine anderen Landschaftsbilder aus, von denen noch genannt seien: rin rosa Haus im Süden, ein Hafenbild und der Garten am Bodensee. Daneben noch eine werwolle Sammlung von Litogravhien und Radierungen, sotvie zwei kleine, persönliche und sehr richtig empfundene Porträts: ein Selbstporlrät und das Bildnis eines Sohnes. Alles in allein eine sehr schöne und sehr sehenswerte Ausstellung. R. F. Iahst sei, schrieb die Nazipresse, mit der Nazibewegung so eng verbunden, das; der„Führer" seinen letzten Geburtstag nur mit ihm verbracht habe. Jetzt erklärt das frühere anitliche Göring, blatt, die Essener„National-Zeitung", das; Iahst „auö seiner Thcaterfremdbeit nie ein Hehl gemacht hat" und das;„persönliche und sachliche Differenzen, die in den Wochen vor Weihnachten zum Ausbruch käme», die Arbeit im SchauspiclhaiiS zu gefährden drohten". Der Konflikt bezieht sich aus Iahst„Propheten". Er spitzte sich bekanntlich solchermaßen zu, das; der PreuUsck Minisier"-"''- dent Göring den Nazi-Dichter zlvang, einige Stellen auö seinem Stück für die Aufführung int Staatlichen Schauspielhaus zu streichen. Hanns Iahst entlasten Berlin,(Iuprcß): Hanno Iahst, der erste Dramaturg des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin, hat einen längeren Urlaub augetreten, aus deni er, sicherem Bernehme» nach, nicht wieder in sein Amt zurücklehrcn Ivird. Die Beurlaubung IohstS ist eine schlecht verhüllte Entlassung. Sie bedeutet einen Affront Görings gegen Hitler. Iahst ist ein persönlicher Freund Hitlers, und zuständig für die Personalpolitik am Staatlichen Schauspielhaus ist der Preußische Ministerpräsident. Als Iohst Anfang 1938 zum Dramaturgen bestellt wurde, galt für die Nazipresse als Legitimation auch ein persönliches Argument: HannS Einblick zu bieten. Fachleute aber, Scheidungsrichter und Anwälte, erklären den Mai für einen höchst kritischen Monat und wir haben leine Ursache, diesen Angaben keinen Glauben zu schenken. vcrcinsnadiridrtcn Allgemeiner Angestrlltenverband, Ortsgruppe Prag. Kuvschnßsibnng Mittwoch den 8 Jänner um 8 Uhr abends in der Kanzlei Aärodnt 4.— Nächste Versammlung am Mittwoch, den 10. Jänner, im Od- borovh düm, Pcrstyu. Es spricht Kirchhof über den Entlmirf zum Angcstelltengesctz Winterlager der Roten Falken Vorgestern abends lehrten 30 Rote Falken und ebensoviel sozialistische Studenten und Jugendliche ans ihrem Winterlager im Riesengebirge nach Prag zurück.— Die Schnccverhäll- nisse hätte» etwas besser sein können, das Lager kaum. ES tvar in jeder Beziehung gelungen und wer cs nicht glaubt, der frage einen beliebigen Lagerteilnchmcr. Was hätte auch schlecht sein sollen? Der Schnee>var nie so miserabel, daß man hätte überhaupt nicht Skilaufen können, das Essen so reichlich, daß man es hätte siehcnlassen, lvcnn cs nicht so gut gewesen wäre. Die Schlafräume waren gut durchhcizt und da bei den Falken bereits um halb 0 Uhr, bei den Jugendlichen und Studenten hingegen niemals absolute Nachtruhe herrschte, die Gespräche über Schußfahren und Faschismus, Stemmbogen und Demokratie, gebrochenen Bretteln und Parteitaktik erst vomLob des Frühstückskakaos unterbrochen wurden, lvaren alle zufrieden, selbst die Genossin Küchenzerberus, die bloß über die wirklich unerklärliche Neigung Aller klagte, die das Skifahren unbcgreif- licherweise dem Gcschirrlvaschen vorziehen wollten. Ernste Unfälle oder Krankheiten gab eS auch nicht, es haben also alle Falkeneltern umsonst gezittert, woraus sie die Lehre ziehen mögen, künftig nicht mehr zu zittern. Den Tagesablauf eines Winterlagers zu beschreiben, ist überflüssig: Skifahren. Singen, Essen. Die„Alten" benützten.die Abende zu politischen Diskussionen. Mit sieben reichsdeutschen Genossen, die wenigstens die Feiertage in freier Luft verbringen wollten, wurde Kontakt aufge- uonlmen, etliche Nazis, die die Gegend verunstalteten, wurden abgeblitzt. Wenn mal ctivaS lobend z» erwähnen ist, dann die Küchcnlcilung der Genossin T h e i n e r. 11928—1927 geben darüber interessanten Aufschluß. Die meisten Berbrechen im August wenigsten im Feber. DaS Minimum der verübten Straftaten fällt in die Zeit vom Dezember bis zum Feber, in welchem Monat das absolute Minimiun erreicht ist. Die FrühjahrSinonate zeigen ein ständiges Ansteigen der KriininalitätSziffcr, die bereits im Juli ihrem Höhepunkt znstrebt, um ihn im August zu erreiche». Mit der fortschreitenden Herbstzeit fällt dann die Zahl der Delikte ständig ab. Am deutlichsten zeigen dtese Entwicklung, bezeichnenderweise die Straftaten gegen daS Leben, die Gesundheit und körperliche Sicherheit(Mord, Totschlag. Raufhandcl u. dgl.) sowie gegen die sexuelle Sittlichkeit(Notzucht, Bigamie, öffentliches Aergernis). Bei den Eigentumsdelikten (Diebstahl, Betrug, Veruntreuung) sind die Gegensätze zwischen der Zeit deS Maximums und des Minimums weniger augenfällig. Diese Straftaten wurzeln ja mehr in den wirtschaftlichen und sozialen Mißständen alö in der menschlichen Natur selbst und sind daher mich weniger zeitbedingten Einflüssen ausgesetzt. Bg. daß, durch die Kunstmiltel der Groteske, Gewalt- anvetung, Verlogenheit und KriegSlvahn in Anklagezustand versetzt werden und so die tiefste Sehnsucht, die alle guten Geister gerade an diesen« Silvester er- fiilltc, Ausdruck sand auf den Brettern, die mis solche Weise Ivieder beginnen könnten, die Welt zn bedeuten. Die Fcslstellnng des Werls solchen Theaters soll durchmlS nicht eingeschränkt werden, wenn hier auch der kritischeren Erwägung Raum gegeben wird, daß nänilich, entgegen dein Gelvinn durch solch zeit- gcmäsva Theater, hie und da auch nianch kleines, leises Aergernis lvahrzunchmen war:«venu man eS zum Beispiel schon für gut und richtig hielt, sich nebenbei auch mit den Schönheitsfehler«« der Demokratie zu beschäftigen, sd wäre da doch etwas diskreter oder aber tiefer zu gehen gewesen; seichte Witze über das Parlament, über die ja doch nur die Trottel lachen, ivären ebenso zu venneiden wie eilva die Wiederholung alter Witze über die Steuern; lvcnn man da nicht Neues oder Besseres sagen kann, soll man schweigen; denn erstens hat das der alte Ncstroy schon besser besorgt und zweitens ist auch diese Angelegenheit viel zu ernst, als daß man sich ihrer oberflächlich entledigen könnte. Die Revue bitelet in« übrigen und unter anderem eine schr gelungene Szene i. Cafi„Continental", eine hinreißend komische Opern- und Operettenparodie, eine gelungene dramatisierte Anekdote über die Televhynmisere und«ine Prager Festwiese, an der sich Auge und Ohr entzücken, die froher Heiter- kcitf freie Bahn gibt uird in der schließlich auch Bernhard Grün, sowohl der Komponist als auch der Dirigent, seine Talente Nachweisen kann. Und nicht zuletzt der Regisseur, Herr Liebt, der mit der Inszenierung dieser Revue ein ausgezeichnetes Stück Arbeit geleistet hat. Bon den reproduktipen Leistungen, unter denen die tänzerischen, voi« Martha Äubrechtova veranttvorieicn. glänzend Figur machen(am über- zcugcndslen die Ada««- und Eva-"" enej verdient wiederuni höchstes Lob Walter Taub, der hier Gelcgeichcit hatte, seine darstellerische Vitalität, seine Bielseitsgkeit, sein komisches Talent, seine parodistische Fähigkeit lauch i«n Tänzerischen und Gesanglichen) voll zu entfalten; insbesondere sein Opern- nnd Opereitentenor sind zwerchfellerschütternd.— An der heiteren Wirkung hat weiter hervorragenden Anteil Herr Dudek. Gesanglich be.aühen sich Frau Walter, Fräulein d'Amara. ein wenig auch Herr L i b a l und, völlig falsch placiert. Herr M a- s ä k, der Mann mit den« einen Ton. Zu nennen noch die Herren Dörner und Hotter nnd nicht zn vergessen die größtenteils außerordentlich gut gelungenen Bühnenbilder und dmnit auch der Verdienste Leopold Kotulanö. Die Silvestervorstcllung verlief sehr vergnügt und in bester Stimmung— wir wünschen dem„Goldenen Prag", recht viele Wiederholungen. SamStag 8 Uhr von Jacanes Teval. U Dieller. Reiter, Frey, (C—1). Spielplan des Neuen Deutsche» Theaters. Mitt- Ivoch, 7ist llhr:„Da s D rci mä d e r lh aus" lBollötüml. Vorstellung, A. A.)— Donnerstag 7 Uhr:„P ü n k ich en un d Anton"(C 1).— Freitag, 7Vj Uhr: ,,Fideli o"(D 2).— Samstag, t',h Uhr:„Pünktchen und Anton" (A. A.). 8 Uhr: Erstaufführung:„Tovarisch" (C 1). Spielplan der Kleinen Bühne. Mittivoch, 8 Uhr: „Die schönste Ehe."— Donnerstag, 8 Uhr: „D i c R c g i m e n ts t o ch e r."(Kulturverbandsfr. und freier Verkauf.)— Freitcm 8 Uhr:„Die schönste Ehe."— Samstag, 8 Uhr:„Theo «nacht alles." Tie meisten Geburten in den ersten ztvei Quartalen. Entsvrechend dem vorstehend Erlvähnten weist die Gelniriensialistik in den ersten zivci Vierteljahren des Iahreöabschnittes eine starte Steigerung auf, uin in den Sonnncrmonatcn merklich nachzulassen, ein Beweis, daß ein sehr hoher Prozentsatz der Kinder— eheliche wie uneheliche— in den Sommermonaten, ettva von Mai ab, gezeugt wird. Daß der Einfluß der Jahreszeiten auf das Tun und Lasse«« der Menschen überhaupt sehr wesentlich ist, zeigt ein Blick in die Kriminalsta- tistik. Tie Kriminalität zeigt int Laufe des Jahres keineswegs eine gleichartige Enifaltnng. Die statistischen Feststellungen anS dein Jahrfünft Bom Einfluß der Jahreszeiten—Geburt und Tod, Liebe und Berbrechen— Allerlei Saisonen Warum beglückwünschen sich die Menschen i zum Anbruch dec- neuen Jahres? Wer. in dieser Sitte nur eine«« überlebter« seuiiuicnialen Brauch sieh«, vergißt das eine, daß daö Kalenderjahr ja kein bloßes Zcitschoina ist, keine bloße Aufeinanderfolge von 30» Tagen. Jedes Jahr ist eine abgeschlossene Zeit- und Entwicilungevoche, in der sich der einige LcbrnS- zhllus vollendet, vom Erivachcn des Lebens im Frühling bis zu seinen« herbstlichen Absterben. Seit Jabrmillionen ist auch der Mensch in diesen "ewigen Kreislauf des NaturgcschehenS eiugekügt nnd so ist der zur Konvention getvordcnc Neu- jahrswunsch letzten Endes nichts anderes, als eine Aeußcrnng des Wissens um dei« Eintrilt in einen neuen organischen Zeit- u««d EntwicklungS- abschnit«. Es ist nicht uninlereffant;«« verfolgen, wie sehr sich auch int Leben der modernen, vermcint- lich nainrferncn. Menschhei« die Einflüsse der Jahreszeiten geltend machen, welchen Einfluß sie aus das Werden, Sein und Vergehen Menschen anSüben. Die moderne Statistik möglich! hier bcincrkenswerte Einblicke. Tax' erste JahrrSviertrl— die Zeit der größten Sterblichcit Eine weitverbreitete Ansicht betrachtet November als den itzpischcn„Sterbemonat". Unrecht I Zlvar ist die SterblichkeitSzisfer Herbstmonate ettvas höher, als die der Sommer monate, aber eine sprunghafte Erhöhung der TodrSstaiistik stellt sich erst im ersten JahreSqnar- tal ein. Die Frühlingsmonaie sind cs, die weit» aus die meisten Todesfälle aufwciscn. Es scheint, daß die Zeit der Erneuerung«ind deS crtvachendcn Lebens gleichzeitig auch den nicht mehr lebens fähigen Organismus den Untergang bringt. Demgegenüber zeichnen sich die Sommer monate durch eine ganz niedrige Sterbeziffer aus. Das ztveite Vierteljahr, das die eigentlichen Früh- liugsinoilatc umfaß: und das Herbstguartal zei gen als typische UebcrgangSzcitcn Ziffern, wel che den mittleren Werten entsprechen. Ein Kapitel sür sich ist die sog.„Tonuner- srcrblichkeit" der Säuglinge. Eine solche existiert heute nur bei einer Bevölkerung von niedrigem Lebensstandard und primitiver Hygiene. Während in Knllnrländern diese erhöhte Säuglingssterb lichkeit in der lvarmcn Jahreszeit völlig ge schwunden ist, fordert sie in weniger zivilisierten Gebieten noch heute ihre Opfer. Bezeichnender« weile ist in den historischen Länden« der Tsche choslowakei dieses Schreckgespenst nahezu vollkom» men verschwunden, während in den östlichen Ge bieten noch immer eine erschreckende Anzahl von Kleinkindern am„Smnmcrficbcr" stirbt, mit an-— deren Worten der Unsauberkeit und Unhygiene zum Opfer fällt. Dir Wiuternionate— die Zeit der Ehe- schlietzungen Nimm: man die EheschlicßungSstatistik zur Hand, so zeigen die einzelnen Jahresguartale sehr beträchtliche Schlvankungen. Als ausgespro chene„Hciratszeit" ist das letzte Jahrcövicrtel anzusehen, ii« welchem die Zahl der Eheschließun gen eine«««nächtigen Aufschwung ninnnt. Hier nehmen allerdings praktisch« Motive einen sehr| breiten Raum ein. neben denen auch noch gefühlsmäßige Einflüsse zur Geltung kommen, wie z. A. die Einwirkung der Wcihnachlsstiminung u. dgl. Einen Tiefstand der Eheschlichungiziffer weisen die Sommermonate aus, wobei zutage «ritt, wie namentlich in den östlichen Ländern mit ihrer fast ausschließlich agrarischen Bcbölle- rnng die Erntcarbeitcn in den Sommerinonaten dem Abschluß von Ehen in« Wege stehen. Uebcr- haupt spielen in dieser Frage«virtschaftlichc Motive eine sehr wichtige Rolle. Unmittelbar Einblick in das Gefühlsleben des Menschen ge- >vnhrcu aber die Unter suchungin namhafter Sta tistiker und Sozialpolitikcr über die Gcburtensta- tistileu. Ter Mai ist«virklich der Monat der Liebe— und der Scheidungen. Das; der vielbesungene Licbesnionat Mai wirtlich eine sehr bedeutsame Rolle im Leben der Menschen ii« unseren Zonen spielt, ist durch die nüchternen statischen Ziffern eindeutig nachgcwic- scn. Es ist bemerkenswert, das; der Engländer Sanders und der Deutsche ÄochlcrtS zu den« übereiussimmenden Resultat gelai«gen, daß ein ganz unverhältnisntäßig hoher Prozentsatz der ehelichen Kinder(abgesehen von bett Erstgebore nen) int Mai gezeugt wurde. Die Erstgeburten scheiden ans dieser Betrachtung aus, weil deren Empfängnis meist mit den« Zeitpunkt der Ehe- schlicßunzi i>n Zusammenhang steht. Das; aü.r mich«inverhältuismäßig viele der unehelich Ge borene» diesem Monat ihre Eistenz verdanken, wird jeder Vorninndschaftsrichtcr bestätigen. Freilich ist der wunderschöne Monat Mai nicht nur die Zeit des vollendeten LiebeSglückS, sondern auch der ausgesprochene ScheidungSmo- nat. Hier versagen die Ehcscheidungsstatistiken, die den Zeitpunkt der Einbringung der Schei dungsklage enthalten ntüßten, um ei««c>« klaren Kunst und Wissen Goldenes Prag Diese Revue, mit der daS Prager deutsche Theater daS alte Jahr begrub und dar neue erösf- neie, läßt ein wenig hoffen, daß mai« für 1l>31 mit richtigerem Zeitgefühl auf unserer Bühne rechnen könne. Dem« mit der ad hoc geschriebenen Revue vom„Goldenen Prag" ist durch die Zusammenarbeit mehrerer Autorei« vor allen« der BelvelS erbracht, daß man dar Publikum mich nnd erst rechi ohne Abstieg in Niederungen unterhalte«« und anS Theater fesseln könne und daß dies durchaus möglich ist, ohne daß der Aufputz mit Gästen als wesentlich an- gcschen werden müßte. Zum zweiten aber konnte hier denen, die eS bisher nicht wahrhaben wollten, klar werden, daß man das Theater den Aktualitäten nicht nur uicht entrücken müsse, sondern daß eS vielmehr tiefere Berechtigung und Wirkung eben nur erzielen kann, lvcnn es sich aktualisiert; lvobei eS be- merkenStvcrt genug ist, daß der erste eigene Gehversuch in dieser Richtung an Hand der l e i ch t e n Mnse unternommen«vnrde. Den Rahmen für daS„Goldene Prag" hat mit Geschick i«nd guten« Blick Max B a r t««ch geschaffen, mit ihm hat Erich EiSner ein paar mehr oder«veniger gute Gesangstexte geschrieben, Bernhard Grün zeich««rt für die Musik, die freilich in der Hauptsache von etlichen älteren Kollege«« geborgt ist; Wagner, Strauß, Sn«etana sind mit besonderer Vorliebe heran gezogen; mit viel Fertigkeit und mit so ausgiebiger Tüchtigkeit' daß man daö Zivischendurchlaufendc, das vo>« Grün selber stammen mag, als liette Zugabe mit in Kauf««iinmt. Bon dein aber, tvas an dieser Revue, die uuö drei Stunden lang durch altes u««d neues Prag führt, ursprünglich ist, stammt der beste und größte Teil von W a l t e r T a u b, der wohl nicht nur der Autor der lvitzigen Prager Betrachtungen, sondern auch der zeitsatirisch ui Gedanken einzelner Szcneit ist; mm« kann nicht genug dafür danken, daß, wie etwa mit der Szene auf dem Barrandow, daß Theater hier e««dlich«viedcr zum Spiegel der Zeit geworden ist.