* 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova ir. telefon sxrn. Administration telefon sw». HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Efnieliirels 70 Heller einschließlich 5 Heller Porto) Praha II. Bybemaka ul.7. akadamiti 14. Jahrgang Donnerstag, 4. Jänner 1934 Nr. 2 Schlagwetterkatastrophe bei Dux 132 Bergleute im vergasten Nelson-Schacht in 300 Mete; Tiefe eingeschlossen Vier Eingeschlossene retten sich ♦ Vier Tote untettags geborgen ♦ Auch obertags zwei Tote Das Schlimmste iu befürchten fol- Uhr und ans nnrfi ver- 132 a I) d d d t r t t 3- v n u t n W c f i ili t c r ii n n d e r in crirfiiittcrnbci Schicksal ihrer tinii in dieser schanderhasten Welt: die u n t ii t i si,» U r- l t. ! L'- di S gen. sind gnt linden und gegen II Uhr nachts dir NettnngSarbriten sogar vorübrrgrhrnd eingestellt wer den mussten. Um Mitternacht erscheint die Lage sv kritisckp das; für die Eingrschlossrucn da» Schlimmste befürchtet werden»ins;. n en hunger n, sind c i ch g ü l t i g, haben keine it, keinen Platz in der W e andern arbeiten, sine ii Augenblick in Gefahr, Tag k o in in t, an dem der H a in in c r eines unerbittlichen Schicksals sic c r b a r in u n g s> s s u i e d e r s ch l ä g t. Wir haben nicht die Möglichkeit im gegenwärtigen Augenblick— unmittelbar nach Empfang der ersten Nachrichten van dem furchtbaren Geschehen— zu prüfen, inwieweit e§ sich hier um eine Naturkatastrophe oder um eine sträfliche Vernachlässigung der tut Bergbau notwendigen Sicherheit oder gar bestehender Vorschriften handelt. Die montanistische Wissenschaft ist heute soweit, das; BergwerkSkatasPa- phen, wie sic in früheren Zeiten so häufig waren, zu den grössten Seltenheiten zählen solltet«. Freilich schreitet nur allzu oft über die von der Wissenschaft geschaffenen SichrrhcitSdaekehru»- gcn der brutale Egoismus profitlüsterner Betriebsleitungen hinweg, die ihrem Verwaltung» rat Extratantiemeti und ihren Aktionäre»— trotz Krise— unverminderte Dirnd-^deu Pen» gen Wolle«, itt P die heinoenM^ WMM ße Die Grube Nelson, dir ans dem.Hanptförderschncht„Nelson III" und einigen Wet tcrschächten besteht, erstreckt sich von Ossck in der Nichtnng gegen Nendorf und Herrlich; ans ihr wird Kohle besonders guter Onalität gefordert, doch sind die Förd'erbrdingnngeo hin Der Förderschacht war zerschmettert, die wie ein Draht die Fenster der gan- siiritubnrcn Luftdruck Eisentraversrn und Niest M Ms LssSS.,. 01« Opfer Na«h der Ausgabe der Grubenlampen sind mit dem Nachmittngsdrittrl der Belegschaft in den Hanptschacht nngesähr hnndert, nm Nelson 7 etwa 3t> Bergleute u Nlir abends nur schnftsschncht bei tonnten. E i n r r kraftlos knappvor der ersehnten!>t e t t n n g wieder in den S ch a ri; l ,1 u r ii rf. Diese Leute dürften in »nmilrlbnrer Nähe des Förderschnchtrs gearbeitet haben nnd sind vielleicht einige Sekunden vor den schleichenden Gase» zu Tage grtoinmen. Durch dir Explosion beim Fördrrschacht la- mrn zwei Obertagbeschäftigte ninS Leben, und zwar Werkmeister Schmidt und die in der Sortierung beschäftigte FrauHavelka, die beide ans den Trümmern als L e i ch e n geborgen wurden. Dem BezirkskrankrnhauS in Dur wurden folgende Grubenarbeiter, die am Schachthof beschäftigt gewesen sein dürften nnd zum grössten Teil Bergistungr», Knochenbrüche und leichtere Verletzungen erlitten habe», ei»geliefert: Rudolf S» b o t k a, Herrlich; Bohumil K a r a- ringcfahren, von denen bis 5» Mann durch den Mann- Nelson 3 hcranogrlangrn von ihnen st ü r z t e D u x, 3. Jänner. Heute nm drei Viertel 5 Uhr nachmittag» ereignete sich auf dem Nelson Hl-Schacht bei Ossck eine furchtbare Schlagwettcrkatastrovhr, deren Tetona- tion im Umkreis von vielen Kilometern hörbar war. An>32 Mann wurden untertags eingeschlossen. Die Nettnngsarbeitrn stoßen ans die grössten Schwierigkritrn, da alle Z» fahrtsschächtc durch die Explosion demoliert wurden. Bis in die späten Nachtstunden gelang es nnr, ans der Grube vier Tote zn brr- Bier Bergleute haben sich durch einen cntserntrn Schacht retten können. Dir übrigen in dcr Grube eingeschlossen, die derart von Explosionsgasrn erfüllt ist, das; selbst die nnögcrüstetetcn Rettnngsmannschnsten mit den grössten Schwierigkeiten zn kämpfri: An einem der ersten Tage des neuen Jahres wird die gesamte Oesfentlichkeit und besonders die Arbeiterschaft von der SchrcckenSkunde einer schweren Bcrgwcrkskatastrophe heimgesncht. 132 Berglente sind, in der Stunde, da wir dies schreiben, von der Welt abgeschnitten, mehrere Tote sind bereits geborgen, nm das Leben der übrigen Verschütteteii must man bangen. Hunderte Frauen und Kinder harren in der fi'irch» terlichsten Äufregung der nächsten Stunden, begleiten die Arbeit der heldenmütigen Netfimgs- titännschaften, die alle Augeubli.se von den gis- ligen Gasen, die dem Bergwerk entsteigen, tze- ! tänbt werden, mit angstersüllter Anteilnahme. Hossmmgen und Befurchliingeu schütteln sic und drohen sie um allen Verstand zu bringen. Vor lein Paar Tagen mögen sie noch ein ärmliches, laber doch von ein wenig Freude und Familien- s c I, Osieaa; Anton H o l n n> a, Herrlich; Fer- dinand Linke, tltirsrnbcrg: Joses N r b o r a l, . Ossraa: Karl Hof in a n n, Okseaa; Johann a r o l i m e t, Herrlich: Anton Hvndrk, Cssegg. Zwei Bernnalücktc, nnd zwar S i b a s Herrlich nnd Berner ans Ossega konnten i her ersten Hilfeleistung das Kraute»haus ! lassen. Neber dns Schicksal der rinaeschtoskenen Beranrbriter kann zur Stunde noch n i ch l s B r- st i in in«e s gesagt werden. Wenn man aller dingS wrisi, das! alle Versuche, mit den einiae bnndert Meter tief rinaeschlviseiieu Menschen We nigstens Irlcvtwnisch in Bcibi^dnng zn treten, rrsulglos aeblicben sind, dann inusr man dir ! s ch w r r st r n Bef ü r ch t n n g e n hegen. > Die Nrllunasarbciten dürsten längere Zeit in i Anspruch nehinen. Fest steht irdcnfaltv, das; das Zentrum d r r K o h l e» st a n b e x P l o s i v n in der I glück ersülltes Weihnachtssest gefeiert haben und «nmttelbaren Nähr des Hanptschnchte». liegen Ijxht die entsetzliche Ungewisthcit. vielleicht schon must. Wenn nun bekannt ist, uns gerade in die-' ! srr Grube alle technischen Errungenschnstrn ans- gewertet wurden, mns> man dem„G l ii, ck n n f", dein Organ nnsrrcr Bergarbeiter, Recht geben, der bereit» in seiner Niinunrr vom Iß. Novem ber auf dns dort herrschende Antreibeshstcm nnd dir dadurch erhöhte ttnfallsgcfnhr nnsmerlsnm gemacht hat. Der Arbeiter bei dcr Seilbahn oder im Abbau, so schrieb damals dns Blatt, ist durch die ringrsührte Rntionnlisieruna Z»m Sllavcn der Maschine geworden. Infolge der nngrnügcndrn Sicherhritsvor- kehrungrn hat nun diese Warnung in der sürch- tcrlichrn Katastrophe ihre traurige Bestätigung gefunden. Seit dem grostrn Unglück nm„Frisch lNlück- Schacht" im September ll>00 hat dns Revier leine solche riitfct.ckichc Katastrophe erlebt. kvrmwsre rcrErunUn Amtlich liegen über das fnrchibaee llnglück gende Meldungen vor: Tie t'KPluiiuii ereignete sich kurz vor 17 in den Graben„Nelson III",„Nelson VII" „Nelson VIH", die dnrch eilte» schacht mitectagS iu Brrbindnng stehen. Tas 3 echr» gebiindr der Grube„Nelson III" wurde durch die Explosion demoliert. Bei den Schächten fanden sich sofort I Rettungsmannschaften, Fenerwrhr, Aerzte nnd Gen- f dnrmerir ein, doch war eü nicht miiglich, griisirre!>Ie>- timgonrbeitrn sofort in Angriff zu nehmen, da ans allen drei Gruben Gase entiuichcn. Nach weiteren Meldungen über die grosie l?x- plvsion aus der Grube„Nelson" befanden sich in I der lvriibe llß Personen, n. zw. 107 Arbeiter nnd !i Ansseher, es war dies die Nnchmittagsschicht. Dnrch die Explosion wurde obertags die Kohlensortieran- lnge demoliert, wobei vier Personen verletzt wurden. Auch der neben dem zertrümmerten Zechengebändc deS Relsonschachte» befindliche W a s s e r s ch n ch t wurde teilweise z e r st i> r t. Die beiden Tiluichte sind nicht brsahrsAhlg. Infolge der Lsxplosion versagten die Pcntilntore» ans den Wetterschächte»„Nelson VI, VII, VIII, und IX", dir nicht zur Förderung, sondern nur zur Entlüftung der Schächte dienen. Tie LüftnngSanlage» wurden aber bereit» wieder in Tätigkeit gesrht. Die erste» RettungSarbeiteu zielten darauf ab, der RettimgSmnnnschaft das(»infahren zu ermiigliche». Dnrch den Fürderschncht und durch den Wnsserschacht war dies nicht möglich, aber slicsckich gelang eü nach Ueberwindnng groher Schwie- rigkelte», dnrch den Luftschacht„Nelson VIII" un» tcrtagS zu gelangen nnd dir Berbindung zwischen den Schächte» VII! und ItX herzustellen. In der Nähe der Gruppe„Nelson VIH" wurden die Leichen von vier Bergarbeitern acsundrn. Dir RettungSarbritrn nehmen einen sehr lang- sameii Fortgang und sind mit ungeheure» Schwierigkeiten verbundm, da das ganze Grubrn- lSchlnsi ans Sette 8) der kalte-Tod. Man denke nur, welches Leben die eilige- schlösjeneii Bergarbeiter und ihre zitternden Frauen, ihre weinenden Kinder hinter sich haben. Jeden Tag mnst der Mann in den finsteren Schacht, jeden Tag ins Ungewisse, jeden Tag, da der Bergarbeiter in die Tiefe saust, iit er erfüllt von der Befürchtung, nie wieder ans Licht des Tages zu gelangen. Unten aber eine mühevolle, die Augen und Muskeln, den ganzen Körper schwer anstrengende Arbeit und dazu ein Lohn, der ties unter dem Eriitenzminimimi ist, schon deswegen, weil der Bergarbeiter mir drei Schichten in der Woche verfährt. 120 Kronen bringt er in der Woche nach Hause— und davon soll er Zins zahlen, kost er Fran und zwei, drei, vier oder gar noch mehr Kinder ernähren und bekleiden! Aber— das ist ja das Gräiieuhastc unserer Zeit, diese Menschen, die solcherart leben, sich plagen, ernähren müssen, werden von den anderen noch beneidet, denn ihr Leben ist noch immer, bei aller Gefahr, bei allem Mangel, bei allem Elend freudvoller als das Lebe» jener tausender Menschen, die nicht einmal das haben, die ein, zwei, drei Jahre arbeitslos sind, die ganz verzweifelt sind von einer jahrelangen vergeblichen Arbeitssuche, zerauält und zermürbt vom Hunger, den sic spüren, der ans den trüben Augen ihrer Frauen und den blassen Gesichtern, den mageren Gestalten ihrer Kinder spricht. Das ist daS Schicksal der Arbeiter c i l e i e c r etwn drei Kilometer vom Hnuplschncht entfernt ist, nrg milgruummen wurde. Dort vermochten dir Rettungsmannschaften mit der Förderschnle, nnr bis zur ersten Kluge vorzudeingen, da der von dort schräg abgehende Fördrrstnhl rbensalls. vollständig demoliert worden ist. D i e s ch w r> r e n Holzbalken sind wi e S t r r i ch-1 Hölzer z n s a m m r n g e d r ü ck t und d i e E i s e n s ch i r n e n mit n n e rhb r t e r Gewalt verborge n. Rettunssve such« Ans der sogenannten Alvisiu» höhe mitten im stille» Wa'.d stehen ii n g st l i ch h a r» r e n d Hund verweinten d r r t e Man n wihheit über dns Tenn nur dort erwarten dir Angehörigen eine Rettung ihrer Lieben. Hier nnlrrnniimen inner der Leitung des Ing. B n m b a s zwei Rrttnngs- mannschaflrn den Versuch, zn den ringischlvssriien Grubenarbeitern vorzndringrn. Ta sie aus den bereits geschilderten Ursachen nicht bis zur Sohle des Schachtes rinfahren konnten, mussten> erst Ersatzmotoren und Welterzngvorrichtnngen i beschafft werden,»m uorwärls zn kommen. Trlxli tz-S ch ö» a n, 3. Jänner.(Eigen-| bericht.) Am Nelson m-Schacht der Brüxrr Kohlenbergbaugrsrlischaft, welcher zwischen Ossel nnd Herrlich bei Dnx liegt und der gegenwärtig einen Belegschaftsstand von 500 Berglente aufweist, ereignete sich Henle nachmittags nm%5 Uhr ein entsetzliches Unglück. Bon cinei fürchlrr- lichrn Detonation begleitet, die in den eine Stunde entfernt liegenden Dnx die Fensterscheibe» erklirre» und dir Türen Zuschlägen liest, sch»s> eine r i es r n g r o s> e S 1 i ch f l a m m r aus dem Fördrrschacht hervor, die sür einen Augenblick den Himmel rötete und dir Menschen in der ganzen Umgebung in panische n Schrecken versetzte. Tie Sirenen heulten, die Lokomotiven pfiffen nnd die Signale der Feuer wehr riesen Alarm. Die ganze Gegend wurde von Schrecken ersaht, ahnten doch die Menschen, dasi sich hier etwas Furchtbares ereignet haben müße Sofort eilten Feuerwehren, Rellnngs- und Dichcrhritsmannschaften, sowie Polizei- nnd Gendarmerie-Abteilungen an dir Stätte des Grauens, die schon in weitem Umkreis durch dir emporziehenden Gasschwndrn getennzrichnet war. Die Wirkungen der Explosion I Am Hofe des Nelson-Schachtes zeigte sich! dem Beschauer ein s ii r ch t e r l i ch r» Bilds der Zerstörung. vollkommen grosten Eisenkonstrnitivnen grffecht verbogen, zen Umgebung durch den ringeschlagen Mauern, Holzpfriler umarlegl- Der Dachstuhl des Raumes, wo die Sortierung der Kohle erfolgt, war v o l l k v m m e» demoliert; Rauch- und Fruerzugrn guollrn an» seinen Innern. Die Förderschnle des Mann schastsschackstes wurde bis in die Seilscheiben hinansgeschlrndert nnd rbensalls unbrauchbar gemacht. Die Wetterführung des Schachtes ist unterbrochen, da überall dir gefährliche» Gase ansslrömrn. Der Eingang z n in Fürder- schacht wurde durch di« Explosion v oll« ständig verschütt e t, so das; rin Eindringen von dieser Sri»« unmöglich erschien. Welche Wirkung diese Explosion ausgelüst haben must» geht am besten daraus hervor, das/ der Nelson VH.I-Schacht, der- einen Teil der Mnnuschnftsfüitit'nwg H-ql«■ LüftUnie Cettt 2 Donnerstag, 4. Jänner 1VS4 Nr. 2 Braud au«, zu dessen Bekän.pfnna alle Masjnahmen7 Menschen; glücklicherweise le der Brrfteisung sestgr» in der Grube sind zer» Zchachlanlase in dichte schwarze Rauchwelten ge- lisillt. Auch daS Maschinenbaus ist stark in Mitleidenschaft gezvaen. In der TertierunftSanlane brach«in Wohl der lokalen Bergbehörde als auch deS Mi- nistcriuinS für öffentliche Arbeiten mit aller Ge- wisscnhaftigkcit und aller Strenge Klarheit zu schaffen und ohne Schonung für diejenigen vorzugehen. die jahrzehntelang auL all den Milben, dem Schweis;, dem Blut der Bergarbeiter, den Gefahren der Grubenproletarier Gewinn ge- zogen und die Annehmlichkeiten deS Lebens gewonnen haben, Glück und Sonne, Freude und Luft, während diejenigen, die der Erde den fcknvarzen Reichtum abgelvonnen, in Dunkel und Düster, Freudlosigkeit und Lebendarnuck ihr Dasein verbracht haben. Ist cö schon gröblich, in einer Welt zu leben, die Millionen Menschen zu Arbeitslosigkeit und elendem Leben verurteilt. die andere Millionen zwingt, bei der Ar- beit täglich und stündlich dem Tode ins Antlitz zu schallen, es wäre nicht zu ertragen, wenn nickt der Schrei des Entsetzens, der anläs;lich der Durer Katastrophe durch» Land geht, die Bcrantivortlichen zur Tat zwingt: daü Leben der Bergarbeiter unter allen Umstünden zu schüt- gen— und wenn dabei der ganze Profit der Bergherren verschwinden würde. D c r R e i ch- tum unter der Er de soll allen gehören u n d diejenigen, die uns diesen R e i ch t u in' bringen niüssen unter dem Schutz de G c s e l l sch a f t st c h c n. schaftbschachteS wurde durch die Gewalt der Expl»- üou aus der Tiefe ruiparneschteu» d e r t und blieb eben in klemmt Höngen. Tie Telepbonleitongeu start. Bier Bergleuten deS Vie ilnlsicrCcniQ Dostalchund Dr. Czcdi an der Unglttdisstattc Innenminister Ccrnh und Minister für öffentliche Arbeiten Dostälek begaben sich abends sofort nach Eintreffen der Nachricht über die Katastrophe auf der Nelson-Grube an di« Unglücksstelle. Bom Ministerium für öffentliche Arbeiten sind auhcrdem der Vorstand des Departements für Bergbau Ingenieur D u r y ch und Ober» fcktionSrat Dr.(lern i) von der Inspektionsabteilung nach Dux abgerrist. Minister für soziale Fürsorge Dr. C z e ch hat sich nach den» Ort des Unglücks begeben. .«» Im November des Jahres 1908 kamen auf ':„Radbod" bei Hamm in Westfalcnckurch eine Kohlenstaubexplosion 300 Bergleute um. Zwei Wochen später fordert der Bergmannöberuf infolge eines Brandes in der Kohlcnmine in iS Le« ........ 397 Manschen; glücklicherweise können acht Tage später noch 78 lebend eingescklossene gerettet werden,-t Jahre später, i. I. 1912 wer den bei einer Schlagweiterkaiastrophc auf Zeche »Lothringen" bei Bochum 117 Bergleute daS Opfer ihres Berufes. Die näckstgröhcre, opferreiche Grubenkata strophe ereignet sick 1921 durch eine Schlag wetterexplosion auf der Zeche„Mont CcuiS" bei Herne in Westfalen, wo es 78 Tote gibt; 75 Bergleute werden verletzt. Im Jänner 1828 kommen durch eine Kohlenstaubexplosion in der H c h- nitz- Grube bei Beuthen 112 Bergleute umS Leben. Im Jahre 1825 entsteht ans der gleichen Ursache eine Explosion in der Zeche„Dl i n i sie r Stein" bei Dortmund, wo 135"Menschenleben zu beklagen sind. Eine furchtbare Zahl von Opfern forderte daS Jahr 1980, in welchem Jahre im Juli durch Kohlensäurecinbruch in der W e n z e l ü l a u ü- grübe bei Ncurode 151 Bergleute, am 21. Oktober durch ein Explosion im„W i I h e l m- j ch a ch t" in Alsdorf bei Aachen 203 Tote und vier Tage später infolge einer Schlagwetter- und Kohlenstanbexplosion auf der Grube„Matz-,,,_ b a ch" im Saarrevier 99 Tote zu beklagen sind. I Soldaten mehr Katnstrophen-SchachteS ist«S n«lungen, sich zu dem benachbarten Revier drü „Nelson vn«.Schachte« zu flüchten und auS einer Tiefe von 320 Meter ans Leitern in« Freie zu reifen. Sie sind durch da« ciiiocatmete Grubengas und infolge Erschöpfung schwer erkrankt und wurden sofort in ärztliche Pflege übernommen. Tie waren bisher ansierstande, eine Schilderung ihrer gransi- gen Erlebnisse zu geben. Unter den Trümmer» de« Förderschachtvbjek- teS, In welchem sich eine Kanzlei befand, wurden ein Werkmeifter und ein Tchmied ve r s ch 8 t t e t. Während r« gelang, den Schmied verlebt, aber lebend zn bergen, konnte der Wrrk- meisier nur noch tot aufgefunden werden. Beim Schachte, der von den Angehörigen der eingeschlossenrn Bergleute umlagert ist, spielen sich herzzereißende Szenen ab. AuS ganz Nordwestböhmen sind Rettungswagen und Feuerwehr alarmiert wordrn. Frühere Grnben- katastrophen Ein lieberblick der grössten Grubcnkata- strophen des Auslandes seit der Jahrhundertwende bis einschliesslich des Jahres 1982 ergibt ei» erschütterndes Bild der furchtbaren Opfer des Berg» mannö-BerufcS. Der Zahl der Opfer nach war die grösste Katastrophe im März deS Jahres 1900, wo bei einem Brande in den Kohlengruben von Cour- riereS in Nordfrankreick 1219 Bergleute den Tod fanden und bei den Rcttungsarbciten noch lveitere 17 Bergleute ihr Leben lasten muhten. 16 Tage später konnte der Brand erst bewältigt werden. Eine Explosion und der darauf folgende Brand auf der Grube„Rede r" bei Saarbrük- ken im Jänner 1907 forderte 1-18 Tote. Im März deS gleichen Jahres entsteht auf der Grube Klein« rostcln bei Forbach in Lothringen eine Explosion schlagender Wetter, die 75 Bergleuten daS Leben Inr Grubenhalaslrophe: (Schluss von Seite 1) innere vcrga st ist. Die Rettungsmannschaft arbeitet unter sehr schweren und gefährlichen Umstünden und ihre Mitglieder fallen leben Augen- bliik in Ohnmacht. Durch die Olrubenexplosion wurde daS Städtchen Ossek wiedurchein Erdbeben schwer! tostet, erschüttert. Eine riesige Stichslamme schlug^ 1(1 au« dem Schachte rmpor und im Nu war die ganze Oester rcldil sdicr Ncujahrsnaditspah Steht denn daS alte Oesterreich noch und soll «s wirklich ewig stehn, jenes Oesterreich, das wir für tot und begraben hielten, das grossmannSsüch« tigc schwarzgelbe Oesterreich, in dem Hochmut und schlampige Herablassung gleichermassen zuhause waren und das stolz lvar aus beide, jenes Oesterreich des dumpfen, geistfernen, aber auf Fornien achtenden KlerikaliSmuS, jenes Oesterreich der Gemütlichkeit» das genau wusste, um wieviel es hinter anderen Staaten zurückgeblieben lvar, aber gerade aus dieser Zurückgebliebenheit den Anspruch auf besondere Eigenart und also auf Voll« und Gleichwertigkeit erhob? Steht dieses Oesterreich noch— oder ist es bloss in der Silvesternacht für eine kurze Weile aufcrstanden? In Dr. Dollfuss, dem kleinen Kanzler eines kleingewordenen Landes, scheint die Verkörperung Altösterreicks tatsächlich auferstanden zu sein: llebcrhcblichkcit, die bescheiden tut, Grohmeierei, die anknüpft an das traditionelle„Mir san mir", eine politische Hockstapelei, die nur möglich ist, weil„man" so und so zn einer Verlegenheit Euro» pas geivorden ist. Dieser Herr Dr. Dollfuss hat zum Erstaunen der Welt in einer Silvesterrede verkündet, es sei„ein Gebot der Selbstachtung, dass wir Oeftcrreickcr die politische und militärische Gleichberechtigung mst allen Staate» verlangen... Prinzipiell ist dieses unser Programm anerkannt, aber auch praktisch haben wir bereits Erfolge erzielen können... Ein freundschaftliches Verhältnis z» den anderen Staaten ist nur möglich, wenn die Unterschiede zwischen Siegern und Besiegten endlich verschwinden. In allen diesen Punkten laufen die deutsche und die österrei- !chische Politik parallel." Ja, da wird mancher gelacht haben, als er von der Forderung nach militärischer Gleichberechtigung laö— und gedacht haben: Andere Sorgen haben die Oesterreichec nicht? Sie haben natürlich andere Sorgen, ganz andere. Aber den Dr. Dollfuss haben die Politiker anderer Staaten deshalb, tveil er den Ehrgeiz hatte, dem Hitler-FasziSmuS einen bodenständigen entgegenzustellen, zu einem David der europäischen Demokratie und einem österreichischen Salomon rmporgelobt und jetzt hält er sich selber für einen Staatsmann grossen Formats. Jetzt will er„Politik macken", nickt mehr nach dem Willen des Volkes oder auch nur einer Partei regieren, sondern er wähnt ganz„selbständig", eigenwillig,„justament" regieren zu können. Ein grosser Staatsmann aber ist nicht vollständig, cs fehlt ihm etwa« zum richtigen Format, wenn er nicht auch auf ein Heer verweisen kann. Was, eine österreichische HecreSira- dition ohne Heer? Eingedenk der Lorbecrreiscr und ausgerüstet mit allen bewährten Militärmärschen— und kein Heer? Kein wirklich der Bedeutung Oesterreichs entsprechendes Heer? Ja, ist es nicht ein Gebot der Selbstachtung, dass man die militärische Gleichberechtigung verlangt? Warum sollte Dollfuss sic nickt bekommen? Die Diplomaten, die sorgfältig den neuen Krieg borbereiten, gar nicht absichtlich natürlich, o nein, ! nur weil sic nickt ander- können,— die werden schon, wenn sie dem Hitler nicht verweigern können. was des deutschen Volkes tiefste Sehnsucht ist: Tanks und schwere Geschütze, nm die ärgste Not zn lindern»— diese Diplomaten werden, I müde und ein wenig verlegen lächelnd, schliesslich | auch Herrn Tr. Dollfuss ein paar Tanks und ein ‘ paar schwere Geschütze geben und ein paar lausend . LJ. Sic geben sic auf einem Umwege 60! Der Puppenspieler Roman von Felix Fechenbach Es begann jetzt schon zu dunkeln und Grctl und Hans kehrten nm, schlenderten langsam der Kärrnergasse zn. „Kommst heut abend noch e bihle rüber zu mir?" fragte Hans beim Abschied.„ES iS mei letzter freier Abend. Und ich möcht dir noch waS zum Abschied geben." „Nach'm Essen komm ich..." Zu Hause wartete Gretl, bis Vater Hein zu Bett gegangen war. Er schlief meistens abends noch bis zehn Uhr, ehe die Nachtarbeit in der Backstube begann. Zur Mutter sagte die Gretl, sie wolle noch hinüber zum HanS, es wäre heute sein letzter Ur- laubStag. Hans hatte sich den ganzen Tage schon überlegt, was er wohl der Grell als Andenken geben könnte. Dann hatte er sich für einen Kasperlkopf entschieden, den er selbst geschnitzt hatte. Den wollte er heute abend noch auö dem Wohnwagen holen, und er liess sich deshalb vom Vater den Schlüssel zum Wagen geben. Als Gretl abends kain, stand HanS vor dem Milchladen und kvartete auf sie. ES war zlvar «in milder Januarabend, aber Winter war's doch, also nicht gerade behaglich zum Spazierengehen. Doch daran störten sich Hans und Gretl nicht. Sie gingen zum Kranentor. „Schau, Gretl, dort steht unser Wohntvagenl Da werden wir zkvei drin Ivohnen, wenn der Krieg erst vorbei is." „Ich hab ihn eigentlich noch nie richtig von innen ang'schaut. Musst mir enml erzählen, wie er eingerichtet iS." Und HanS schilderte ihr die Inneneinrichtung des Wagens. Zkvei Räume kvären drin, in dein einen kvürden dann die Eltern Cornelius schlafen und in dem andern er mit der Gretl. „E bissle eng wird's ja dann werden im Wagen. Aber vielleicht kvill die Mutter nimnicr mit rumzieh'n Ivegen ihr'rn Rheumatismus, und bleibt dann in Kitzingen bei der Tante. Dann kvär ja mehr Platz... Kannst dir'S ja enial anschau'n, wie'S im Wagen auüsicht. Ich nmss mir so noch kvas raushol'n..." Eie standen jetzt an dein kleinen Platz beim Kranentor vor dem Wohnwagen, und Hans schloss die Tür auf. Er hängte die kleine Treppe an, stieg in den Wagen und zündete die Petroleumlampe an. Dann kam auch Grctl herein. Neugierig sah sie sich im Wagen uni, ging durch den Verschlag in den Hinteren Raum, too bisher Vater und Mutter Cornelius geschlafen hatten. Also hier kvürden sic später einmal Hausen... „Wo hast denn du bisher g'schlafen, HanS? Sin ja nur zwei Betten da." Sie sah sich suchend um. „Mei Bett iS im vorderen Raum. Aber tagsüber hab ich's immer znsammcnklappt, kveil's im Weg steht und zuviel Platz wegnimmt. De» Raum benutzen wir doch als Wohnstube und Küche." Er zeigte an die Wand, wo ein zusammcnge- klapptes Feldbett stand.„Da steht'S!" Hans stellte jetzt das Bett auf. „Siehst', so wird's aufgeklappt." Mit ein paar Handgriffen kvar es geschehen. „Wenn die Mutter in Kitzingen bleiben will", meinte er,„dann zieh'» wir zwei in den andern Raum, wo die zwei Betten steh'n, und der Vater nimmt dann mei' Bett." Gretl kvollte der Mutter Cornelius zureden, dass sic daü Herumfahren aufgeben follc. Für ihren Rheumatismus iväre cs doch besser. Dann wollte sie hier in diesem engen Reich das Küchenzepter führen. HanS kramte in der Ecke in einer Kiste und suchte den Kasperlkopf, den er Gretl zum Abschied als Andenken geben wollte. Jetzt hatte er ihn gefunden. «Grell, da hab ick kvaS, das sollst du zum Andenken ham..." Er reichte ihr den Kasperlkopf hin. «Hast den selber gemacht?" fragte Gretl. „Ja. letzten Winter, wie wir in Würzburg Ivar'n, hab ich ihn g'scknitzt. Die Kleider dazu muht selber machen. Wenn d' später im Wohn- ivagen bist, muht noch viel Kasperlkleider nähen." Sic setzten sich auf den Dettrand und plauderten davon, wie Grctl alles einrichtcn wolle, wenn sie erst mal hier iin Wohnwagen Hausmütterchen wäre. Hans hatte feinen Ann um sic gelegt und sie nahe zu sich herangczogcn. Leise streichelte er ihr übcr'S Haar, und sie fchmicgte ihren Kopf eng an Hans. 2o blieben sie eine ganze Weile. „Das iS mir das liebste, wenn ich so still neben dir sitzen kann, HanS. Wenn du kiur bei mir bist..." HanS nahm ihren Kopf zwischen seine Hände, sah ihr in die blanken, frohen Augen, und dann küsste er sie. Leife kosend berührten seine Lippen ihre Augen und dann den Mund. Grctl schlang leidenschaftlich ihre Arnie HanS um den Hals: „Du bist doch der allerliebste Mensch, den ich auf der Welt kenn'....1" „Du...1" sagte HanS nur, und dann presste er Gretl an sich und küsste sie koieder und wieder, heiss und innig. Sie sanken umschlungen nieder, und HanS fühlte an seiner Brust GretlS Herzschlag. So lagen sie lange, Seite an Seite. ES Ivar sttll iin Wagen, und wenn beide auch kein Wort sagten, so rief doch das heisse Blut in ihnen... Grctl sprach zuerst wieder: „Hans, jetzt muht du bald fort. Und vielleicht trifft dich e Kugel..." Gretl stockte, und die Augen kvürden ihr feucht. Hern: Mussolinis, dem sie mit einer österreichischen Aufrüstung auch ein willkommenes Aufmarschgebiet geben. Denn: erst einmal Waffen und Armee— dann kommt dazu schon auch der Wahn, man müsse, ankniipfend an alte Traditionen, auch in der europäischen Politik mitreden, mitspielen im europäischen Konzert. Dr. Dollfuss verlangt Waffen— und bei dem derzeitigen Zustande der europäischen Politik scheint bei einer gewissen Geneigtheit zur Bewilligung dieses NcujahrSkmmschcs Oesterreich wirklich kviedcr vor völliger Renaissance zu stehen— cS schickt sich an, wieder einmal curopischer Störenfried zu werden. AuS einem Neujahrsspiel kann böse Wirklichkeit werden. Günstige Getreideernte In SowjetrnOIand Moskau, 3. Jänner. In dem Berichte im Zentralvollzugskomitee über die Ergebnisse des LandkvirtschastsjahreS kvies der Landwirtschaftskommissär I a k o w l e>v auf das wichtigste Ergebnis des Jahres 1933, d. i, die starkcStei- gerung der Ernteerträgnisse hin. Die Getrcideproduktion weist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 200 Millionen Doppelzentnern, d. i. um 28.5 Prozent auf. Bei Weizen allein betrug die Steigerung 36 Prozent. Bon Jndustriepflanzcn erbrachte Baumwolle über vier Millionen Zentner, womit die Baumwollproduk- tion der Vorkriegszeit um 8b Prozent übertroffen wurde. Der Flachsanbau erbrachte ein um 470.000 Zentner grösseres Ernteergebnis als im Vorjahr. Im Jahre 1933 wurden 30.000 neue Mehzuchtkollektivwirtschasten mit insgesamt 16 Millionen Stück Vieh geschaffen. Diese Erfolge wurden bei gleicher Anbaufläche erreicht. Kabinett Angheicscu zurüdtgetreien Bukarest, 3. Jänner. Die erst nach der Ermordung DueaS ernannte Regierung AngeheleSeu hat ihre Demission gegeben. Mit der Bildung des neuen liberalen Kabinett« wurde der bisherige Minister für Handel und Industrie Georg TatareSeu betraut. Generalleutnant van fritsdi der neue Chei der Heeresleitung Berlin, 3. Jänner lDRB). Generalleutnant Werner Freiherr von Fritsch ist znin Ehrs der Heeresleitung ernannt worden. Der neue Chef der Heeresleitung wurde 1880 geboren, trat 1898 als Fahnenjunker in den Heeresdienst ein und wurde 1913 als Hauptmann in den Grosin Generalstab versetzt. Auch während des Weltkrieges kvar er im Generalstab tätig. Nachdem Weltkriege wurde er in das Reichsheer übernom- nicn. Später wurde er Abieilungskeirer int ReickS- wehrministerium, dann Kommandeur eines Artille- riereginicnta und danach Artillerieführer ll in Stettin. Im Jab re 1931 Ivurde er als Generalmajor zum Kommandeur der 1. Kavalleriedivision in Frankfurt a. O. ernannt.?llü Generalleutnant übernahm er ani 1. Oktober 1032 daS Kommando der 3. Division als Befe h lS hab er im Wehrkreis 8 Berlin. Er kühle sie kviedcr. „Muht nit denken, dah jede Kugel trifft. Ich komm scho kviedcr. Ich lass dich nit allein, Gretl. Und dann heiraten kvir, kvenn der Krieg auS is, und kvir bleiben für immer zusanim.. „Wenn d' aber dock nimmer kommst, HanS? Mir iS manchmal so angst..." Sie kuschelte sich noch enger an ihn.„Darfst mich nit falsch versteh'», HanS... Wenn d' nimmer kommst, dann... dann... möcht ich wenigstens e Kind von dir..." Heiss zogen sich ihre Lippen aneinander fest. Und zwei junge Menschen betraten den heiligen Garten der Liebe... HanS lvar kvieder in der Kaserne. Das Regiment, daS znsammcngcstellt wurde, bekam seine kriegsmähige Ausrüstung. Noch ein paar Tage, dann sollte eS an die Front gehen. Nach Osten oder Westen, das kvnhtc niemand. Am Tage vor dem Abtransport gab es noch einen dienstfreien Nachmittag. HanS ging nach der Stadt, uni sich von Gretl und von seinen Eltern z» verabschieden. Er war scho» bis zur Brücke gekommen, da kvurde er plötzlich ange- rnfen: „HanS!" Er lvar ganz in Gedanken verloren gewesen und schaute jetzt auf. Drüben, auf der anderen Seite der Brücke stand sein Schulfreund Josef Berger. Der hatte ihm zugerufen und kam jetzt über den Fahrdamm herüber: „Kleine Leut übersieht man", lachte Josef. „Bist jetzt e stolzer Vaterlandöverteidiger, da sichst so en Krüppel gar nimmer» wie ich jetzt einer bin." „Mach doch keine Pflänz, Josef! Mir is nur so allerhand durch'n Kopf gangen, da hab ich gar nit aufg'schaut. Aber, kvas red'st denn von em Krüppel?" Josef zeigte seinen linken Arm. Die Hand fehlte daran. (Fortsetzung folgt.), «r. r Donner-ta-, 4. Jänner 1934 Seite 3 die daß einigen MÜlioncn Menschen wieder Arbeit gegeben, daß die Industrie reorganisiert wurde, das; die Jndustricuntcrnehmcr angemessene Gewinne und die Arbciterschast anständige Löhne und erträgliche Arbeitsbedingungen erhalten. I» nicht zu ferner Zukunft würden die laufenden Einnahmen das Jahrcöbudget der Ausgaben vollkommen decken. Auf dem Gebiete der Außenpolitik führte Roosevelt aus: Ich habe bereits deutlich gesagt, däß die Bereinigten Staaten an der politischen Regelung Europas nicht teilnehmen können, daß sie aber bereit sind, jeden Augenblick gemeinsam an den Maßnahmen zu arbeiten, die sich auf Weltgrundlage verwirklichen lassen und auf eine Verminderung der dem Handel gesetzten Schranken und auf eine Beschränkung der Rüstungen abzielen. gctoinn voir 120 Stimmens erhalten wir bei den Wahlen ein Jahr zuvor. Dagegen haben die Kommunisten ein Mandat und 130 Stimmen cingc- büßt, ivährcnd die Liste der Funktionäre und der Nichtorganisierte», die von der Direktion unter- stützt tvurde, 1 Mandat und 138.Stimmen gewonnen hat. Die Gelben h.t b c n also ebensoviel gewonnen a l ü die K o in m n n i ft c» verloren haben. Die Tätigkeit der Kommunisten hat dem Verband nicht eine Stimme gekostet, dagegen den Gelben ein Mandat und 138 Stimmen zugetricben. Die Gelben können sich also keinen anderen Helfershelfer wün- scheu als die Kommunisten und d a s R e s u l t a t der sogenannten Revolutionierung der Bankbeamten ist der II c b e r g a n g der Kommunisten ins LagerdcrGelbcn. Kommunisten n s Scluilfr mrhcr der Velden In der letzten Nunnner des»Banlbcanstcii" (Prag) finden wir eine interessante Betrachtung über die abgcführtcn Wahlen in die BetriebSauS- schüsse der Banken. Es wird da insbesondere aus das Wahlergebnis in der Böhmischen U n i o n b a n k hingewiesen, Ivo die Kommunisten ihre stärkste Position haben. Dort hat der Verband der Bankbeamten bei den Wahlen 1933 dieselbe Anzahl von Mandaten(bei einem Stimmen- bic del Roosevelts ßotsdiolt an den Kongreß Wührungss abiiislerung derzeit nidit möglich Washington, 3. Jänner.(Reuter.) Präsident Roosevelt behandelte in der Botschaft, die er bei Eröffnung der Kongrchtagung vortrug, allgemein das Programm der loirtschaftlichcn Rekonstruktion und die Ergebnisse, die auf diesem Gebiete im verflossenen Halbjahr erzielt wurden. Das Goldprogramm streifend, erklärte Roosevelt: Sorgfältige Untersuchungen und ein ständiges Studium zeigen, daß in Angelegenheit der anüländischen Wührungskursr einige unserer Brudervölker sich mit Rücksicht auf dir inneren und andere Bedingungen im Nachteil befinden und nicht imstande sind, gegenwärtig in Verhandlungen über eine Stabilisierung einzutreten, die sich aiif dauernd« Weltinteressen stützt. DaS Ergebnis seines neuen Programmes sei, in der Geschichte" einen Sah geprägt, der fiir viele Menschen zu einem stehenden Wort geworden ist.»Die Universalgeschichte, die Geschichte dessen, was der Mensch in dieser Welt vollbracht hat, ist im Grunde die Geschichte der großen Männer, welche darin gearbeitet haben." Dieser Auffassung, daß cL die großen Männer sind, die die Geschichte gemacht haben, kann man mit«fug und Recht den Sah entgegenstcllen, daß cs die Geschichte ist, die die großen Männer macht. Wer eine solche Auffassung, die die materiale Grundlage des Völkerlebenü zum Ausgangspunkt der Betrachtung nimmt,.materialistisch" in jenem Sinne schilt, die die zweite Bedeutung des Wortes ausmacht nnd besagen soll, daß nur das ideelose, mif den körperlichen Sinncngcnuh gerichtete Streben zum Angelpunkt des Weltgeschehens gemacht werden soll, der hat entweder nicht begriffen, um was es geht, oder sucht böswillige Entstellung zu treiben. Denn gerade die Geschichtsauffassung deü historischen Materialismus,, die in der Welt nicht ein blindes Spiel der Kräfte oder eine dunkle Folie für den Ruhm der großen Männer steht, sondern die um die weltbewegende Kraft der politischen Macht- känipfe weiß, die sich aus dem Streit um Grund nnd Boden, um Besitz, um Macht und um Einfluß ergeben, vermag erst die Fülle des Lebens einzufangen und an die Stelle eines göttlichen Marionettenspiels jenes unsagbar große Epos menschlichen Ringens zu setzen, als doch die Weltgeschichte sich jedem wahrhaft denkenden Geiste enthüllt. Daß diese Geschichte nicht nur sich erschöpft in dem Auf und Ab sozialer Machtkämpfe, sondern daß in ihr auch religiöse Ideen, kulturelle Anschauungen von entscheidender Bedeutung gewesen sind, wird kein Anhänger der materialistischen Geschichtsauffassung leugnen, ebenso wenig die Rolle, die in bestimmten Zeitpunkten und unter bestimmten Umständen einzelnen Menschen zugcfallcn ist. Je feudaler obendrein eine Zeit ist, mit anderen Worten: je kleiner die Zahl der Herrschenden, die auf dem Schauplatz der Geschichte als selbständig Handelnde auftreten, um so bedeutender gelviß die Beschäftigung mit ihrem Leben und Wirken. Aber einem Alexander, einem Cäsar, einem Attila oder ciitcjn Napoleon die ihm gebührende Rolle im Netz des Geschehens znzuurteilen, heißt nicht, das Gesteckt selbst zu übersehen und glauben, daß nur die Knotenpunkte wirklich real seien. Unter diesen Großen der Weltgeschichte steht Unzahl der kleinen„Helden". Wo sind sic? Daß gerade in Kriegen, wo cS so ost gilt, letzte Einsatzbereitschaft zu zeigen, der Stcm- deö Helden leicht diesem und jenen: aufge- drückt wird, der ihn nicht verdient, ist eine all- bilamite Tatsache. Spricht n:an nicht von Tausenden gefallenen Helden? Rennt man nicht jeden Angriff einer Truppe heldenmäßig, ohne sich vorher zu fragen, wie cS den«: eigentlich in dem Einzelnen abgesehen hat, der in dieses heldische Geschehen verwickelt wurde? Wie nmncher brave Soldat Schwejk hat Ruhm und Ehren hcimge- tragcn, ohne im Grunoc zu lviffcn warum I Der Krieg läßt der Entscheidung deü Einzelnen viel zu wenig freien Spielraum, als daß die Hera« kleische Entscheidung in ihm wirksan: werden könnte. Wo befohlen wird und wo blinder Gehorsam gilt, gibt eS kein Heldentum, denn die Furcht vor den Folgen der Strafe oder vor den Folgen der Verachtung ist, wie wir alle wissen, ost größer als die Angst vor dem Tode. Wäre eS wiederum nicht so sehr daS.Kriegerische. sondern lediglich daS Außergewöhnliche ihres Tuns, so müßte ein Dkann wie jener Hero. strat, der um des Ruhmes willen den Tempel von EphesoS anzündete, so nrüßte ein Nero, der der Mitwelt das grausige Schauspiel deS BrandeS von Rom bescherte, und so müßte mancher Andere, der vierschrötig und breitnackig vor die Schranken der Geschichte tritt, schon ein Held sein, während in Wahrheit diejenigen, die seine Grüße an seinen Taten messen, nur Untaten sehen, nur Roheit, Brutalität und Gclvinn. nicht aber jeneö wahre Menschentum, daS im Grunde dem eckten Helden zu eigen ist. Denn daS ist vor allem die Größe der Helden: sie sind nicht nur außergewöhnliche Naturen in einer außergelvöhnlichcn Situation, außergewöhnlich im Handeln und im Dulden, sie sind nicht nur allen Gefahren zum Trotz bereit, ihr Leben für etwas, was ihnen über dem Leben scheint, in die Schanze zu schlagen, sondem die großen Helden sind allemal auch die großen Befreier gewesen. Aus dem Dv"kel, in das der Rückschritt führt, steigt kein II....£ Heros empor, es sei denn, daß er der Befreier einer geknechteten und vcr- ängstiicken Mitwelt wird. Kein Volkslied, keine Sage kündet von jenen, die die Armut der Annen vermehrt und die Macht der Mächtigen gestärkt haben. Unterdrückte Völker und unterdrückte Klassen, di« Erniedrigten und die Beleidigten in der Geschichte haben ihre Helden, die alle Freiheitshelden sind. DaS Volk begreift mit seinem einfachen Sinn sehr Ivobl, wer mit ihm fühlt und wer für seine Reckte zu kämpfen bereit ist. Man nennt ztvar ehrkiirchtövoll die Namen der großen Herrscher und der großen Krieger; gelegentlich teilt ihnen nicht nur die offizielle Ge- schichtSsck'eibmig, ionder» auck der VolkSmnnd daS Prädikat deS Helden zu. Aber wirkliche.LmkS- KFepek gegen die grünen Nazifreunde: „Jede Ersatzformation der Nationalsozialisten und Nationalparteller muß verhindert werden I" Eine politische Rede bei der Konstituierung der Leitmeritzer Stadtveriretung Gnade seiner Richter Ivar, den Mut eines Mannes bewies, vor dem selbst der Gegner salutierte, weil er spürte, daß hier ein Mensch hinaufwuchs in die Erhabenheit heldischen Schicksalöl Die Periode, in der zwischen Heldentum und Sozialismus die Verbindung verwischt schien, ist vorbei. Das Hcldenzeitalter des Sozialismus, ganz anders in feinen Ausmaßen als cs in Deutschland das sogenm:nten Sozialistengesetzes war, steht erst an seinem Beginn. Aber dir Besten der Jugend werden spüren, daß dieses Heldentum getragen ist nicht nur von der Einsicht in einen ökonomischen Zwang, sondern von der hinreißenden Begeisterung für eine Heberwindung der Materie durch den Geist— denn nichts anderes ist sozialistische, planmäßige Wirtschaft— und für das alte MenschhcitSziel der Freiheit aller. Einst war cS die FrciheitSsehu« sucht der Bürger gegen die feudalen Herren, heute ist eS die Freiheitssehnsucht der arbeitenden Massen in Stadt und Land, die nach Erfüllung ruft. Ihre schärfste Waffe ist die innere Wahrheit ihres Wollens, dein: die Wahrheit ist immer bei den Unterdrückten. Nur in der lichten Luft der Wahrheit wächst aber auch echtes Heldentum. Kein Zweifel: Ritterglanz und blendendes Beiwerk fehlt diesem Heldentum. Rußig, schweißbedeckt und arm sind die Helden dieser Zeit. Aber kein Heldentum war noch so nahe seiner wirklichen Bestimmung, tvic es dieses Heldentum des Sozialismus sein wird, denn noch kein Heldentum Ivar so nahe der Frcihei!. Leitmrritz, 8. Jänner. Das politische Ereig-1 und jedem so weit als möglich entgegcnkommen. «iS von Lcitmeritz war die heute durchgcsührte Mit Dankesworten an die Behörden schloß er unvermittelt die Sitzung, wodurch den einzelnen Parteien die Abgabe von Erklärungen muiiLg- lich gemacht tvurde. An der Rede Ktepeks ist vor allem bemerkenswert. daß er sich mit lveit größerer Entschiedenheit als andere dcutschagrarische Politiker hinter die demokratischen Notivehrmaßnahmen stellt, welche gegen die Hakenkreuzler und Deutschnatio- nalcn ergriffen wurden. Die Herren Hodina, S t ö h r und K ö h l e r, welche die deutschen So- zialdemolratcn wegen ihrer entschiedenen anti- saszistiscken Haltung offen oder versteckt mit dein Vorwurf des„D e n u n z i a n t e n t u in s" bedachten, haben damit aus den eigenen Reihen eine Antwort erhalten, die schon einem Denkzettel gleichkommt! Auch die Warnung Kkepeks vor einer llcberbetonung des Ständegedankens sollte im deutschagrarischen Lager austnerlsameS Gehör finden. Jedenfalls haben die in letzter Zeit sich häufenden Anwürfe der Landständler gegen die i konsequent antihakenlrcuzlerische Politik der deutschen Sozialdemokratie mit diesen Erklärungen Ktepeks jeden Anschein deS Ernstes verloren. Jetzt ist an den Herrn Köhler, Stühr und Konsorten, offen zu sagen, ob sie in bezng auf die Behandlung der Hakenkreuzler auf dem Standpunkt ihreö Ehrenvorsitzenden stehen, oder ob sie die Tarnungeversuche der Raziö moralisch unterstützen wollen! Uberstedlungsanzeige Ab 1. Jänner 1834 befinden sich nufere Kanzleien und dir Druckerei in Prag XII., Fochova 62/V. Mit diese Adresse sind daher alle Zuschriften fiir folgende Blätter, Bereinigungen und Genossen zu richten: Vereinigung sozialdemokratischer Presse Verwaltung und Redaktion der Zeitungen: „Sozialdemokrat" „Volksfreund" „Zukunft" „Bolksstimme" Warnsdorf „Volküwille" Brünn „Bolksstimme" Preßburg „Freigeist" „Tribüne" „Freie Genieindc" „Gleichheit" „Kuckuck" „Unzufriedene" „Bunte Woche" „Rundfunk" Freier Radiobund Jnscratenbüro der Arbeiterpresse Gemcindeberatungöstclle ♦ Chefredakteur Wilhelm Nießner Redakteur Dr. Emil Strauß „ Leopold Goldschmidt ,, Franz Krümmel „ Karl Kern „ Zdenko N e n w i r t h „ Josef Hofbauer „ Franz K r e j L i „ Abg. Wenzel Falsch Berta Blaha Josef Hellmich Telephone: Administration 5307G Redaktion 53077 Ab 1. Jänner 1934 befinden sich nachstehende Kanzleien in Prag XII., Slezska 13 (Telephon Nr. 53919) An diese Adresse sind daher Zuschriften für folgende Stellen nnd Genossen zu richten:: Sekretariat der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Zentralstelle fiir daS Bildungswesen * Abg. Siegfried Taub Erttst Paul Dr. Emil F r a n z e l Heldentum und Sozialismus Von Dr. Otto Löwe amaSCarlyle, der englische Philo-! Helden" sind sie Iticht. VolkShclden in diesem soph und Historiker, hat in seinem Werke„Uebcr Sinne sind die Stifter der nroszen Erlöserrelistionen Helden, Heldenverehrung und das Hcldentümlichc! geworden. VolkShclden sind die Befreier von sozialem Joch. Seit den Tagen des Altertums klingt die Sage von den Männern, die die Thranncn stürz tcn und die Sache der Armen lind Ausgebeuteten zu der ihren machten.„An thrannos" schleuderte einer der größten deutschen Dichter seinen Fluck als er das Meisterwerk seiner Jugend schuf. Der Sozialismus, der heute sogar fiir seine tvahrhaftigen Gegner das Aushängeschild einer Heuchelei ist, nlit der nach einem guten Worte daS Laster seine Verbeugung vor der Tugend macht, ist die Verkörperung des Freiheitsstrebens einst nur der Arbeiter und Angestellten, heute schon auch der kleinen Dauern und all jener Menschen, in deren kleinbürgerliche Enge jetzt die antikapitalistische Sehnsucht cingetehrt ist. Deshalb wird auch der Frcihcitswillc des Sozialismus, wenn er wirklich echt und lebenskräftig zum Durchbruch kommt, der Wille, der Heldentum zeugt und über die Grenzen des Landes weit hinausträgt. Mit welcher Spannung find daher oft schon Prozesse verfolgt Ivorden, in denen der Angeklagte, wie Dimitross, sich zum Wortsührcr der Unterdrückten und Stumme» erhoben und, weil jedes seiner Worte ein Schlag gegen die Konstitution der durch die Ernennungen ergänzten Stadtvcrtrctung. Die städtischen Gebäude trugen reichen Flaggenschmuck und der Sitzungssaal war lange vor Beginn mit Zuhörern überfüllt. Di« Sitzung wurde nach 10 Uhr vormittag durch den tschechischen Bizebürgermeister Donek mit einer in deutscher und tschechischer Sprache gehaltenen Rede eröffnet, in der er den heutigen Tag als Beginn einer neuen Aera in der Leitmeritzer Stadtverwaltung bezeichnete. Bezirk-Hauptmann Dr. Svoboda teilte hierauf mit, daß für de» bereiternannten parteilosen Obcrgerichtörat Lessing Dr. Raser ernannt wurde. ObcrgerichtSrat Lessing hatte nämlich zum Protest dagegen, daß kein Christlichsozialer zum Vizebürgermeister bestellt wurde, gegen seine Ernennung zum bloßen Stadtverordneten Protest erhoben. Hierauf leisteten die vierzehn neu ernanMen Stadtverordneten das TreugelöbniS. Dann übernahm der 79jährige Bürgermei- stcr Stiepel, der vor einigen Jahren der erklärte Führer des Bundes der Landwirte war. den Vorsitz und hielt eine politische Rede. Krcpel erklärte u. a., daß er in schwerer Zeit das Aint des Bürgermeisters übernehme, er ertrage dainit einem Wunsch Rechnung und dies nur für höchstens ein Jahr. DaS Parteigcfctz bezeichnete er als eine Gewalttat, die aber von jenen hcraufbesckworcn wurde, die man jetzt beseitigt hat. Krepck bezeichnete cS als eine Pflicht jedes Staatsbürgers fürdicDcmokratic, für die Mitarbeit im Staate uird gegen jede» nationalen Chauvinismus cinzutretcn. Nationale Hetze auf beiden Seiten soll s unmöglich gemacht werden. Krepck verliest ein in diesem Sinne gehaltenes M e m o r a n d u m, das er am 24. September 1933 in Topolkantz dem Präsidenten Masartzk übergeben hatte. Er sprach ferner über die ungeheure Berichuldung der Gemeinden, über die Arbeitslosigkeit, über die Beamtenhypertrophie, über das Mißverhältnis zwi- schen Einnahmen und Ausgaben. Bei der Besprechung der einzelnen Parteien, die im neuen Kollegium sitzen, betonte er den Ständecharakter des Bundes der Landwirte, doch warnteervoreinerzust arten Betonung des Ständegedanke n ö, tvcil es schließlich dazu kommen müsse, daß ein Stand gegen den andern mobilisiert werde. Er zifierte den Ausspruch des Bürgermeisters Kostka aus Reichenberg:„D u r ch d e n k e nk" und erklärte, noch weitergehenzuwollen undbiSzuEndezuhandeln. Richt auf halbem Wege soll die Regierung stehen bleiben» sonder» den Kampf gegen den TtaatSfeind konsequent zu Ende führen. Er wandte sich besonders scharf gegen die Hakenkreuzler, dir auch jetzt noch daS Hakenkreuz unter dem Rocke tragen» und auf den Messias warten. Jede Ersahformation der Hakenkreuz- ler und Nationalparteilrr müsse verhindert werden. Jeder Staatsbürger müsse mit beiden Füßen auf dem Boden deS Staates stehen und daS„Schielen über die Grenze" müsse aufhöre«. Die Stadtveriretung bat er um sachliche Mitarbeit» er selbst wolle vollständig unparteilich sein I ®citc 4 Domier-tng, 4. Jünner 1S34 M. r i üiinlpeliiif hni (jcmn: i daS Die Tiere verbrannten bei lebendigem I Das Wetter. Bei abnehmendem, jedoch noch imnier iibernorinalem Lnftdruck dauert in der Republik das ruhige und in den Niederungen vortvie- gc»d trübe oder nebelige Wetter an. In den mittleren Gebieten der Slowakei tvar es Dienstag um des er er» von geriet durch voller Jährt in e r st eS ver- ..Wir sehen, das; durch die ü b e r s p a n n» sozialistischen Experimente auf Gebiete der sozialen Fürsorge, niit ;iir.i zur staatlichen Zentralisation, unsere NNl Aristokraten spezialisiert, der Ansprüche ungarischer sollen von der Bank ettva 200 Mil- Franken nach Ungarn gekoinmen tich, neun Monaten bewirkten in Großbritannien, daß die Quellen der Flüsse und Bäche auslrocknctcn und die Flüsse unter den normalen Wasserspiegeln zurückgingen, was lvicderum in einigen Teilen Englands einen bedeutenden Wassermangel nnd an einigen Stellen, besonders in den höher gelegenen Orten nnd Dörfern einen ernsten Mangel an Wasser verursachte. Diese nngetvöhnliche Trok- kenhcit hat zur Folge, daß der Fluß Are derart unter dem Rocmalstand sank, daß die geologischen und archäologischen Forscher glauben, daß cs ihnen möglich sein wird, die bis seht unzugängliche unter Wasser liegende Höhle zu durchforsten. Die Höhle lag einige Meter unter dem Wasserspiegel und wurde noch von teiuein Menschen betreten. Die Geologen glauben, lleberreste eines vor 3000 Jahren dort lebenden MenschcnstammeS zu finden und rechnen damit, daß sie Geschirrscherben und' Knochen finden locrdcii, die eine Rekonstruktion der Lebensart des Ureinwohners des JnselrcichcS ermöglichen dürften. Tagcsnculglfcttcii Wetterkataftrophe in Kalifornien: über hundert Tote LoS Angeles, 3.? soiien, die bei dem großen llnlvetter getötet den sind, als Leichen geborgen worden. 88 sollen werden noch vermißt. Oesterreich in diesem Jahre statt. Die Zählung soll Ende März durchgeführt lverdeu. Die Gesamtkosten werden sich auf etwa 750.000 Schilling belaufen. Zugsunfall. Die Staatsbahndirektion teilt mit: Am 2. Jänner um 17.25 Uhr entgleisten in der Haltestelle Schlag beim Verschieben de» Zuges Nr. 5888 sechs Waggons. Die Strecke war bis 8 Uhr früh verranimlt. Der Personenverkehr wurde durch Umstcigen aufrecht erhalten. Die Ursache des Unfalls wird untersucht. AnSgcbrocheu. Nenn Insassen des Straf- gesängnisscs in Coimbra(Portugals sind aus dem Gefängnis auSgebrvchen. Sie durchbrachen den Fußboden ihrer Zelle, ließen sich vier Meter herab und öfsiictcn die Schlösser von vier Türen gelvalt. sam. Nachdem sic dann noch eine Mauer durchbrochen halten, gelangten sic ins Freie. TaS Jahr 1034 ist rin Grmrinjahr. ES beginnt und endet mit einem Montag, denn Neujahr und Silvester fallen in einem solchen Jahr immer auf denselben Wochentag. Dasselbe gilt von allen Tagen in; Jänner nnd im' Oktobep, alsdann für den Feber, März und November, für April und Juli und schließlich für September und Dezember. So fallen der 18. Feber, 18. März und 18. November auf einen Sonntag. Für Abergläubische sei bemerkt, daß wir Freitag, den 13. in folgenden Monaten haben: April lind Juli.— Die Juden beginnen am 10. September 1034 ihr 5605. Jahr. Die g riech i» sche Kirche fängt am 14. September 1934 ihr 7443. Jahr an nnd die Mohammedaner beginnen am 16. April mit dem Monat Moharrein ihr 1353. Jahr.— Da wir 1934 ani 1. April O st e r n feiern, weist dieses Jahr 20 Sonntage nach Trinitatis auf. Die Länge der Faschingszeit beträgt 38 Tage; der Fasching beginnt>nit Epiphania am 6. Jänner und dauert bis znm Aschermittwoch am 14. Feber. P f i n g st e n feiern lvir am 20. Mai und Weihnachten mn Dienstag, den 25. Dezember. Bnß- nnd Dettag fällt auf Mittwoch, den 21. November und der erste Adventssonntag auf den 2. Dezember. Wie durch ein Wnnder ist ani Brüsseler Nord bahnhof eine Eiscnbahnkatastrophe vermieden tvorden. Ein Strcckenbcgcher stellte fest, daß ein bisher unbekannter Täter ein Metall st ück in diel Weiche gesteckt hatte, um so die autonia.tischc Wcichenstellnng unmöglich zu machen. Das Metalltück ist aber« von einem cinfahrenden Zuge beiseite geschoben worden. Die Nachforschungen nach dem Täter waren bis zur Stunde erfolglos. Einfluß Parteien in der Heller lvohl sagen will, an allcnl Elend schuld Signälwertstätten der C. S. D. für 1034 verfügt lverden. In der Sache des Akkordvcrd der W e r t st ä t t e n b e d i e n st e t sprach dec genannte Präsidialchef im deS EisenvahnnrinisterS, sofort mit allerr zuständigen Faktoren in Berührung zu treten und ihnen die Wünsche und Forderirngen der beteiligten Organisationen zu unterbreiten und diese Frage zum «Gegenstand ernstester Verhandlungen zu machen. Ungewöhnliche Trockenheit in England schafft Arbeit für Forscher. London, 8. Jänner.(AR.) Die ungewöhn- klcinen Niederschlagsmengen in den letzten Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Freitag. Prag, 10.10: Schallplatte», 10.30: Schulfunk für llmcrnufen, 17.05: Konzert des Ondircek- Ouartetts, 18.30:. Deutsche Sendung: Prof. Dr. Pollak: Die. Erforschung der höchsten atmosphärischen Schichten, 19.40: BlaSniusik, 20.35: Neue Schallplatte», 22.55: GcsangSkonzert, 22: TageL- Aordvölpnische Landheimat", ein Kopf- .'ntschen Landpost", veröffentlicht in Nummer unter dem Titel einen Leiiartilel. der vom Alt-Leipa verfasn wurde. Sterilisierung von Verbrechern und Irrsinnigen in USA Oklahoma, 3. Jänner. Die Leiter des Staatsgcfängnisseö und des Irrenhauses in Oklahoma sind angewiesen tvorden» entsprechend den Bestimmungen des StcrilisicrungSgesetzcS dreimal rückfällige Verbrecher und unheilbare Irrsinnige zur Sterilisierung anzumeldcn. Ein van Dyk-Btld verbrannt London, 3. Jänner. Bei einem Brande Hause deö KunstsannnlerS John Gleeson Ottalva wurde das Gemälde ,,C hör d Engel" von van Dhck zerstört. Der Wert deö Knnsttverkcs tvird auf 1 6 0.0 00 Dollar geschätzt. Mnner. Bisher sind 14 Per- wor- Per- Zur Frage des Akkordverdienstes und des Ausretzens der Werkstöttenbediensteten der öSD. Prag, 3. Jänner. Heute sprachen die sozialistischen Eiscnvaynerorganisationen„Verband", , Ilnie" und„Jednota" beim Präsidialchef des Eisenbahnministcriums in der Angelegenheit deS Atlordvcrdienstes der Werkstättcnbcdiensteten und wegen der weiteren Einstellung deS Aussehens aus der Arbeit der Hilfs- nnd Vertragöbedienste-! te» der Werkstätten und Signastoerkstättcn der C. S. D. vor.- Was die Einstellung des A usset- zen s a u s d e r A r b e i t in diesem Jahre be- llifft. erklärte Präsidialchcf Jng. N o s e k, daß mit Rücksicbt auf die gegenlvärtig vorhandene Ar« reit die sofortige Herausgabe eines diesbezügli- chen Erlasses angeordnet iverden tvird. Mit diesem Erlasse wird die sofortige Einstellung des Anssctzens aus der Arbeit der HilfS- und Ver- tragövedicnsteten in den Werkstätten und in den Jahr Ein rabiater Gauner. Die beschäftigungslosen Brüder H u n ö k ließen sich zusammen mit I. AchileS ans Jalubi bei Ung. Hradisch in betrügerischer Absicht bei der Kranlenkassa in Ung. Hiadisch versichern, wobei einer von ihnen den Arbeitgeber spielte. Als sie sich kurz darauf krank meldeten, kam dies dem RevisionSbeamten verdächtig vor; er besuchte die„Kranken" und entlarvte den Betrug. Als die Betrüger von dem Bezirksgericht in Ung. Hradisch verurteilt tmrrden nnd der Funktionär der Staatsanwaltschaft gegen das geringe Straf- ausmaß Berufung einlcgte, kam die Angelegenheit neuerdings vor daSBerufungSgericht, das auf Grund der Aussagen des Direktors der Krankenkassa, I a n o u s e k, die Strafe auf 14 Tage Gefängnis erhöhte. Dies setzte den Angeklagte» Stanislaus Hunök so in Erregung, daß er sich während der Verlesung der Begründung deö Urteils auf Direktor Jauousek stürzte, ihm einige Schläge auf den Kopf versetzte und an der Stirn blutig schlug. Ein Gerichtsangcstellter stürzte sich auf den Gelvalt- Inter und cs gelang nach längerer. Bemühung ihn aus dem Gerichtssaal zu stoßen. Der verletzte Direktor tvurde ins Krankenhaus einge- liefert. Himel tvurde verhaftet und in die Gerichtshaft eiitgcliefert. Dieser Tage hatte er sich vor dem Einzelrichter zu veranttvorten, dec ihn zit fünf Wochen Kerker unbedingt verurteilte. Die Schuldigen von Lagny Paris, 3. Jänner. Die mit der Untersuchung der Ursachen der Eiscnbahnkatastrophe bei Lagn» betrauten Untersuchungsrichter haben iil den letzten Tagen das gesanctc vcrantlvorUiche Personal des Pariser Ostbahnhofs sotvie das P—- sonal der Stationen, in deren Nähe sich das Unglück ereignete, zur Vernehmung vorgeladcn und gestern abends die Untersuchung abgeschlossen. Nach den Informationen der Blätter scheint es, daß die Richter.zu dem Schlüsse gelangten, daß für das Unglück mehrere hohe M i t g l i e- d c r der französischen O st ü u h»gesell- schait verattiioortlich seien. Gin Spinn-Demokrat^ Die vlatt der ihrer Ieinen neuen Jahr" Hell e r in Er sicht auch darnach auö! Zuerst wird in dieser famosen Neujahrsbetrachtung die Auflösung der zwei antidemokratischen Parteien geradezu bebauen. Den Sozialdemokraten tvird vorgewor» fe>>, daß sie sich nm die M a n d a t e der auf« gelosten Parteien raufen und behauptet, die Land* bündler hätten nur aus dem Grunde in diesen Kamp' eingegriffen,„um die s o z i a l e S t r u k» > n r der Selbstvcrwaltnugükürpcr nicht lvesent» lich m verändern". Die k a p i t a I i st i s ch e Slrullur gewisser Gemeindevertretungen soll also um jeden Preis erhalten bleiben. Jetzt ist es verständlich, ivarum die Landbündler gar so sehr nach«'lemeindeinandaten auch dort streben, wo sic kauni ein paar Wähler haben. Ihr diesbezüg« kicher„Besitzstand" tvird selbst in hochindustriellen Bezirte» nm hunderte Prozent ver« w c h r r! lind das alle», damit den Kapitalisten lein Leid geschehe! In irgend einem traumhaften Instand pole- niisiepi der Herr Abgeordnete Heller weiter gegen die Sozialisten in einer Art, daß jeder Wissende darob den Kopf schütteln muß. Er schreibt, man verspüre es!m eigenen Staate, tvohin— sozia» listische Wirtschaft l l I) führe und faselt ferner vom ü b e r>v i e g c n d e n d e r s o z i a l! st i s ch e n Regierung! Womit Abg. daß die verfluchten Sozi sind. Wichtig für Radiobesitser! 'Benützung des eigenen Apparates auch in fremder Wohnung zulässig Prag, 3. Immer. Unser Radiogesetz es aus die Schwarzhörer aller Art ganz sonders abgesehen. Belanmlich ist nicht allein hat be- ... ,,,....— der Da der Trafikant ein Besitz eines nicht ordentlich angemelderen A p p a- «jr. rares strafbar, sondern auch die bloße Per« tvahrnng aller Radiobestandteile durch Leute, die keine Lizenz besitzen. Durch diese Strenge ist der strafrechtliche Begriff deö „S ch w a r z h ö r e n 2" so weit geworden, daß sich„strafbare Tatbestände" auch dort ergeben, wo der Laienverstand vergeblich einen solchen suchen lvürde, daß die Zuweisung solcher„Delikte." an die überlasteten Preisgerichte vom rein administrativen Standpunkt eine ziemlich fragwürdige Maßnahme ist, darüber besteht kaum Meinungsverschiedenheit. Vor dem Senat T o m a n standen heute tvieder ! zwei Leute unter Anklage des„Schwarzhörens", oder, juristisch gesprochen, des Vergehens nach 8 24 deS Radiogesetzes. Der Fall ist von grundsätzlichem Interesse. Der arbeitslose Eisengießer Franz V a» a war Freund und Wohnungsnachbar des Pensionisten Karl E ernü, dem er verschiedene Gefälligkeiten erwies, und insbesondere durch Beaufsichtigung der fünf K i n de r Cer- I nhS nützlich machte. Dieser, der, Besitzer eines ordnungsgemäß angemeldeten Radioapparates ist, revanchierte sich dadurch, daß er in die Wohnung seines arbeitslosen Freundes eine D r a h t l e i- t n n g mit Kopfhörern montiert und so aus seinem Apparat die Sendungen in die Wohnung seines Nachbars vennittelt haben soll. Da dieser keine Konzession besitzt, erblickte die SiaatSantvaltschaft in diesem Vorgang einen, Verstoß gegen das Radiogesetz, weil der Arbeitslose sich unrechtmäßig den Genuß deS Hörens verschafft habe. Der Radiobesitzcr wurde der Mitschuld an diesem erschrecklichen Delikt angcklagt. Die Angeklagten bestritten die Darstellung der Anklage und behaupten übereinstimmend, daß der berechtigte Radiobesitzer nur gelegentlich seinen Apparat in die Wohnung seines Freundes gebracht und dieser nur in seinem Beisein die Sendungen gehört habe. Diese Verantlvortung war auch nicht zu widerlegen. Das Gericht sprach die Angeklagten frei und betonte in der Urteilsbegründung, daß es nach dem Gesetz vollkommen hinreicht, loenn der, Be- siher deS Apparates die Lizenz besitzt. ES sei im übrigen gleichgültig, ob er seinen Apparat in seiner eigenen Wohnung benütze, oder in einer fremden. Auch der letztere Fall begründe keineswegs eine strafbare Handlung. I teren vvevieren der i-oioivare» war es Lnensrag um I 2 bis 8 Grad Celsius, in den übrigen Gebieten deö Jahre alt zu sein. Er war in Dublin geboren und I creigniste.— Brünn 17.05: Wochcnaktualitäten, während des GoldficberS vor 80 Jahren nach Kali- 2"?: Neue Frauenrechte, Lustspiel.— Kascha» formen gekonnnen I l2-° 0: Orchesterkonzert.— Preßburg 20.55: Un- oi.rakacr,... terhaltungsmusik.— Wien 12: MittagSkonzert, Bolkszühlnng in Oestrmich. Gestern fand wi 1505: Ii.^ndstuiwe, 10.25: Frau-nstund-, 1715: BiindeSanit nir Statistik in Wien eine vorbereitende zj.„1,^4itunde, 10.05: Wiener Stimmungsbilder, Konferenz über den Plan einer Volkszählung in l 21,20: Mensch und Technik. der französischen Ostbahn-Gesellschaft, unter ihnen auch gegen den Vorstand der technischen Abteilung und seinen Stellvertreter» wurde das Strafverfahren eingeleitet, da ihnen zur Last gelegt wird, daß sie die Eisenbahnkatastrophc bei Lagny verursacht haben. Beim Schmuggeln erschossen. Am NeujahrS- tag bemerkte ein jugoslavischer Grenzsoldat in der Gemeinde Laufeld bei Radkeröbnrg zivei Schmuggler, die auf den Anruf des Postens nicht stehen blieben. Der Grenzsoldat machte hierauf von seiner Schußwaffe Gebrauch und tötete einen der Heiden Männer, u. zw. den Gutsbesitzer Marko Knzjan, während der andere Schmuggler einen Schenkelschuß erhielt. Bei den Schmugglern tvurde eine große Menge Sacharin gefunden, das sie von Oesterreich nach Jugoslavicn bringen tvolltcn. Vorgetäuschter Diebstahl? Der Kaufmann Gottfried M edel aus Lisnä, der auf der Polizei die Anzeige erstattet hatte, daß ihm ani 80. v. M. im Einheitspreisgeschäft„Aso" in Brünn 29.000 KC gestohlen tvorden seien, wurde ver- liaftet und in Gcrichtshaft eingcliefert. Die Polizei hat in der Untersuchung dieser Angelegenheit nämlich festgestcllt, daß Medel einige Häuser gebaut hat, die stark durch Schulden belastet tvaren. Es besteht der begründete Verdacht, daß Medel den Diebstahl vortänschtc, um die für den Bau dieser Häuser noch schuldenden Beträge nicht zahlen zu müssen. Erfolgreicher Sctzerstreik in Lemberg. Der 1 Dienstag anögelnochcne Setzcrstreil in den Lemberger Druckereien tvurde bereits am Mitttvoch dank der BermittlungSaktion des staatlichen Ar- I bcitsinspeltors beendet. Die Druckereibesitzcr haben auf ihre Forderung nach einer löprozentigcn Herabsetzung der Lohntarife verzichtet, woraus in allen Druckereien die normale Arbeit tvieder ausgenommen wurde. Verdorbener Speck— vier Tote. In einer Kellcrlvohnuug in Lemberg tvurde eine aus I vier Personen bestehende Familie tot alifgekundcii. ES tvird angenommen, daß sie infolge des Ge- I nusseö von verdorbenem Speck an Vergiftung ge. storben ist. Bei einem Steinbruch am Ohtrbnfce hat ! sich, wahrscheinlich infolge des TanwetterS, ein ettva 50 T o n n e n schwerer F e l S b l o ck losgelöst und bei seinem Absturz zwei in dem Steinbruch beschäftigte Arbeiter getütet. Der Vayonner Bankkrach spielt nach II n- g a r n über. Der Crödit Municipal hatte sich nämlich auch auf den Anlauf von Optantenscheinen ungarischer Zur Eökoniptierung Optanten l i o n e n sein. Fünf Elesanten verbrannt. Jin Zoologischen (Garten von Vincennes bei Paris, der von der Firma Hagenbcck zu der Pariser KoloniakauSstellung angelegt tvorden tvar, brach um Mitternacht Feuer aus. Der Brand konnte rasch gelöscht iverden, jedoch gelang cs»ächt, einen Schuppen mit fünf Elefanten zu retten. Leibe. Ein llbjähriger. In Placcrvillc(Kalifornien) starb Edmund Cvoper, der von sich behauptete, 115 Raubmord in Südmohren Gin 80jiihriger Trafikant das Opfer Brunn,:r. Jänner. In den heutigen frühen I Morgenstunden versuchte in Podivin in Süd- mührcn der 1V jährige in Bayern geborene Ar beitslose August G u m v i n g e r, ein Reichs, deutscher, der dort bei seiner Mutter weilte, eine»' Raubmord auf den ortsansässigen 50jährigen Trafikanten Otto S e l i ch a r anözüführen. Um seine Absicht auöjühren zu können, beobachtete er einige Tage die Gewohnheitcu des Trafikanten Heute früh um 8 llhr betvaffnetc er sich»nit einem Messer und einer Hacke nnd crivartcte hinter einem Baum in der Nähe der Trafik die Ankunft Selichars. Als der Trafikant wie ge- tvöhnlich Licht machte und da»m an der Vorder front die Fenster öffnete, schlüpfte Gumpinge» Staates um 1 bis 3 Grad Celsius kälter als mn Montag. Die höchsten Berggipfel ragen aus den Wolken heraus und haben vorwiegend heiteren Himmel. In Böhmen hat sich infolge andauernden Nebelreißens vielfach Glatteis gebildet. Eine tv e s e n t l ich c A c n d e r n n g des Wetters dürfte noch nicht eintreten. Eisenbnhnminister Rudolf Bechyni hat sich zur Kur begeben und wird im Monate Jänner weder Besuche einpfangcn, noch die Korrespondenzen erledigen. .Katastrophenserie in Frankreich. Ztvischcn St. Etienne und Firminy stießen- in der Nacht zwei Autobusse zusaimnen. Alle 15 Insassen lvur- den verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. I Ein iveitcres AutobuSunglück, bei dem acht Personell zum Teil sehr schwer verletzt ivurdcn, eignete sich Dienstag abends in der Nähe Auiun. Ein vollbesetzter Autobus Glatteis ins Rutschen nnd fuhr in gegen eine Mauer. (llegeu sechs technische Beanite in das Innere der Traft, überfiel Setichar mit' dem Messer und brachte ihm oberhalb des Her-! Zens einen Stich bei.— starker Mann tvar. entspann sich zwischen den I beiden ein K a in p f, tvobei der Trafikant Hilferufe auSstieß. Gumpinger lief dann aus Angst davon. Selichar wollte die Trafst verlassen, um die Gendarmerie zu verständigen, brach aber auf dem Wege z n s a m m e n und verschied. Der Mörder ging nach Hause und entfernte die Blutspuren an seinen Kleidern. Er wurde jedoch von der Gendarmerie ansgeforscht und verhaftet. Der Mörder hat seine Tat cinge» standen. r e ii dem ihrem W i r» schuf t Körper blutleer gemacht»vurden, einigen we.nige.il die Macht zu geben, über diese, dem WirischaftSkörper entzogenen Geldmittel nach Belieben z n verfügen. Wir sehen, daß eine solche soziale Fürsorge den sozial Schwachen nur belastet, aber nicht hilft...." Sv viel Worte, so viel Unrichtigkeiten und Widersprüche. Daß z. B. über die Mittel der sozialen Fürsorge nicht„nach Belieben" verfügt wer- dcn kann, sondern nach Vorschriften, die ganze Mini st errat erläßt, mühte doch gar der Abgeordnete Heller wissen. Nach diesen eigenartigen Kunststücke» Genannten ist es kein Wunder mehr. Wenn eine„libcralistrschc Formal-Demokratie" ablehiit und das Heil der Welt in den— Berufsständen erblickt. Herr Gesundhcitsminister Dr. Spina kann als Führer des„Sudetendeutschen Landstands" mir diesem„Demokraten" sehr zufrieden sein. Ur. 1 Donnerstag, 4. Jänner 1834 ÄsrpanS DoppeHseftGt Kampf des amerikanischen Tempos mit der Ueberlieferung Dis vor kaum sechzig Jahren wußte Japan noch nichts von Europa. Dann öffnete cS der westlichen Zivilisation seine Tore. Amerikaner kamen, überfluteten das Land, und heute steht Nippons technische Kultur im Zeichen des Amerikanismus. Doch nur die technische. Die Volksseele blieb von dieser Entwicklung fast unberührt. Ost und West, .zwei Welten, zwei Zivilisationen, rinnen im Lande der ausgehenden Sonne miteinander. Der.stampf des amerikanische» Tempos mit der jahrtausendealten lleberliesernnn, tobt mit unverminderter Heftigkeit. Und wenn auch dieser stampf nesittete Formen aunenommen hat, die Gegensätze bestehen weiter. Allerdiuns, in den»rosten Städten ist nur >veuin von ihnen zu verspüren. Auf dem flachest Laude aber und in den Städte» lebt und arbeitet das Volk im Zeichen dieses Kampfes. Japan hat ein Doppclncsicht. Asiatisch, immer zeremoniell, zustleich kindlich naiv, nnd völlin der Ueberlieserunn crncben, das ist das eine Gesicht. sein ewin lächelndes, uraltes Antlitz. Das andere, das moderne, ist durchaus amerikanisch. Nur eben, das eine beherrscht tief innerlich die Menschen, während das andere trotz aller errnn. neuen Erfolge nur aus der Oberfläche hastet.' Nie tvurde mir da« klarer, als im Jahre 1928 nach dem nrosten Tokioter Erdbeben. Ich traf damals in Paris einen alten Bekannten, einen japanischen Studenten. Er war Techniker. Ein kühler rechnender.stopf. Wir sprachen über daS Erdbeben. Nnd so beiläufin sagte mir mit lächelnder Miene der Student:»Nächste Woche reise ich heim. Meine Eltern sind bei dem Erdbeben tödlich verunglückt." Ich tvar tief erschüttert. Ich wußte ja, wie sehr er seine Eltern liebte, lind dabei das konventionell lächelnde Gesicht. Da fiel cS mir ein: das Doppelgesicht. Der Japaner liebt es nicht, einem Fremden in seine Gefühle Einblick zu gewähren. Ich schwieg also, sprach kein Wort des Beileids und mein„Freund" war einverstanden damit. DaS japanische Tempo findet in Japans Zeitungen seinen stärksten Ausdruck. Was in kurzen sechs Jahrzehnten auf diesem Gebiete geschaf- scn wurde, grenzt an Wunder. Nach einer Statistik von 1028 erschienen damals nicht weniger als 1100 Tageszeitungen und 8SS Wochenschriften. Zwei mächtige ZeitungSkonzerne gibt es dort, und die Auflagezahl ihrer Blätter besteht siegreich einen Vergleich mit den amerikanischen Auflageziffern. Die»Osqka-Asahi" und die„Osaka-Maiuichi" erscheinen tagtäglich in über zweieinhalb Millionen Exemplaren. Allerdings in der Reklame stehen sie noch nicht auf amerikanischer Höhe. Mer das wird sich auch noch ändern. Trotz allen Fortschritts ist aber im Nachrichtenwesen noch immer die Brieftaube anzutreffen. GtlldtebNder Japans Industrialisierung schreitet ununterbrochen fort. Die Stadt Osaka ist ja heute schon vollständig industrialistert. ES gibt dort Arbeiterviertel, lvie in einer jeden großen amerikanischen oder europäischen Stadt mit allen Merkmalen, Nachteilen und Leiden der kapitalistischen Wirtschaft. Und dabei,— eS ist etwas Gewöhnliches, ganz Alltägliches. Das graue, eintönige Bild der Straße wird plötzlich von einem bunten Farben, fleck unterbrochen. Eine japanische Frau, in alter Tracht gekleidet, kommt heran und bringt Leben, Bewegung und Frohsinn in daS schmale, verrauchte Gäßchen. Die Technik siegte in Osaka und die jahrtausendalte Ueberlieferung verkroch sich in daS Herz der Menschen. ES gibt aber in Japan auch solche Städte, denen der westliche Geist noch nichts anhaben konnte. Diese Städte genießen zwar auch die Segnungen der modernsten Technik, doch ihr Leben spielt sich im althergebrachten Rahmen ab. Ein japanisches Sprichlvort lautet:»Sage über nichts, die ist herrlich, bis du Nico gesehen." Und tatsächlich, Nico ist eine tounderbare Stadt. Seine buntgeschnitzicn, mit allerlei Goldzierarten versehenen Kirchen inmitten eines waldigen Hügels bieten einen bezaubernden Anblick. Das ganze wirkt wie eine farbige Vision, zusammengestellt aus lauter prachtvollen Mosaiksteinen. Es hat fast den Anschein als wäre es gekünstelt, theatralisch. Und dazu die sorgsamst abgegrcnzten Reisfelder und die kleinen, zierlichen, mit einer verschiebbaren Wand versehenen Häuser. Plötzlich wird diese idtzllische Ruhe gestört. Ein Eisenbahnzug braust heran, der Lärm eines AutomokorS wird hörbar. Da ist Nara. Rischka-KuliS befördern die Menschen in den berühmten Park der Stadt. Reiher stolzieren an den Ufern der Seen. Ein uralter Wächter bläst in sein Horn und plötzlich ist er yon Hunderten von Rehen umgeben. Heilige Rehe, so zahm, daß sie aus der Menschenhand freffen. lieberall in dem Park sieht man mit Mooö bedeckte Steinlampen, Stiftungen verschiedener Familien. An einem gewissen Tage im Jahre Iverden sie alle^augezündct und halten die Erinnerung an die Stifter tvach. In den: Park gibt es auch einen mächtigen, großen Baum, genannt „Die Post der Liebenden". Ein Priester gibt auf diesen Baum acht. Er dient demselben Zwecke, wie bei unS die Einrichtung des«postlagernd". Bor der Shintokirche, in der die Gebeine japanischer Kaiser ruhen, tanzen zu gewissen Seite ft Willi to„WWll" M W M gedenket bei allen Anlässen der Arbeitertürsorge! Zwitscher. LeoBarth. kcn? das seltene imstande ist, daß er gesehen habe, das; der Buddha aus Gold ist. Mit einem ungläubigen Kopfschütteln nahm dies das zweite, das amerikanische Gesicht, zur Kenntnis, ioährend das erste Gesicht seinem Priester zujubelte und ihm alles aufs Wort glaubte. Ob«S Erika gut geht? Ob— ob Jetzt sagt der Beamte, ich solle doch nicht mehr im Wege herumstehen, eS sei tvirllich leine Post für mich gekommen, er habe ganz grnnd'.lch nachgesehen, träumen könne ich mich aus der Straße.... Träume ich denn? Ich gehe ja schon. Die Straße führt zum Jaffa-Tor, der Lärm der Altstadt schlägt über die Stadtmauer, die Straße fällt, inö Kidrom-Tal, steigt auf Höhen wieder; da liegt nun zwischen Tempel, Turm und Tor, Berg und Burg Jerusalem, so schön, so bunt, so breit, Krone der Welt, Teppich deS Himmels— und alles im Kreis ist Palästina, mit großer Geschichte, mit spannender Gegenwart, mit Wüste und Meer, Wärme und Fülle der Frucht aber, Mutter, als tvir vor einem Jahr durch de» Schtvarzwald liefen, von Pforzheim bis Basel, durch leuchtendes Land, im Gewitter und Nebel— war nicht auch dieses herrlich? Wußten wir, daß tvir Fremde waren nnd Feinde des Bolles? Wußten wir cö denn? Morgen wird Post von dir da sein. der Weltpresse am Südende des Sees, der gleichfalls, ebenso wie der Dorftehrer, behauptet, mehrmals Tier gesehen zu haben, der aber nicht eS zi» beschreiben. Diesen Zeugen, von denen man Die Sensation Seit Wochen beschäftigt sich die öffentliche Dieinung Englands leidenschaftlich mit einem geheimnisvolle» Tier, das angeblich in den Wässern von Loch Neb in Ecosse gesehen wurde. Jeden Tag bringe»» die englischen Blätter ganze Spalten über dieses Fabelwesen und von Frankreich her nimmt um» auch der Kontinent immer lebhafteren Anteil ai» dieser seltsame»» Geschichte. Der Pariser„M a- t i n" hat bereit» einen Sonderbertchter- statter(l) an Ort und Stelle, der die Leser zu Jahre»schluß,mit folgenden Einzelheiten»nUerbielt: Unsere Untersuchung über die Erislenz jeire» seltsainei» Geschöpfe» von Loch Netz begann in Jver- neß und setzte sich an de»» Ufern des Sees selber fort. Ettva fünfzig Personen erklären, daß sie Augenzeugen des allerdings immer nur flüchtigen Auftauchens des„MonstrmnS" gewesen seiet». Mit einigen von diesen Augenzeugen, und zwar mit angeblich durchaus glaubwürdigen, will sich mm der Pariser Journalist unterhalten haben, linier anderem gibt er folgende Aussage eines Herrn Morrison wieder, de» Vertreters einer großen Petroleumgesellschaft in Jverneß und Vetters des Chefredakteur» vorn„Iller- neß Courier", der Ende Septeniber mit fünf Freunder» eine Luftfahrt entlang der Eeeufer machte und dein dabei das„Wunder" also erschienen sein soll: E» Ivar, so berichtet Herr Morrison, unge- Tagcöstunden drei Iveißgekleideie Mädchen religiöse Tänze. Alle» wie einst. Aber dann: der Tanz ist beendet, rmd die Mädchen holen Ansichtskarten hervor und verkaufen sie an das Publikum. Altes Japan Ganz japanisch mutet Kioto, die alte Kaiserstadt, an. Die Frauen und Mädchen verschmähen europäische Kleidung. Sie trippeln auf den schmalen und lebhaften Gassen, in hohen Holzsandalen umher. Ihre Füße stecken in wollenen Strümpfen. Die Frisur, der.Kimono, die Unterkleidung, der kurze Kaoriorock, alles wie es in uralten Zeiten war. Diese ihre Kleidung ist strengen Regeln unterworfen. Ein jedes Alter, ja ein jeder Monat, hat jein« eigenen Farben, seine eigene Form. Es gibt Erinnerungstage, an welchen man nur ein bestimmtes Kleid anziehen darf. Und diese» Kleid wird dann bis zum nächsten ErinnerungStagc sorgsamst aufbetvahrt. Selbst die Unterbringung der Blumen in den Zimmern geschieht nach den ältesten Bräuchen nnd hat ihren tiefen Sinn. In Kioto gibt es mich die vornehmste und älteste Geishaschule. Sie ist mit einem Theater verbunden, in dem jedes Jahr einmal der Kirsch, blütentanz aufgcführt tvird. Auch die Inneneinrichtung der Häuser entspricht den alten japanischen Sitten. Kommt ein Gast so sitzt er an einem kleinen, niederen Tischchen. In lvinzigen Täßchen tverden fortwährend allerlei rätselhafte Speisen hineingetragen und die zierliche Japanerin füllt in die kleinen Gläschen mit traditionellen Bewegungen den lvarmen„Sake" ein. Die Männer dieser Märchenstadt können sich aber von dem amerikanischen Tcinpo nicht gänzlich befreien. Auch in Kioto gibt eS durchaus moderne Betriebe, nur zum Geldverdiener» eingerichtet, in denen der Japaner acht und zehn Stunden nach amerikanischen Grundsätzen schuften muß, um seiner Gattin und Tochter das Leben nach altjapanischem Stil ermöglichen zu können. Und der westliche Einftuß wird noch nach einer anderen Richtung hin sichtbar. Kommt der Abend, bevölkern sich die Teehäuscr, so kann man immer auf der Straße betrunkene, herumtorkelnde Japaner antreffen. Neues Japan Ganz anders Kobe, Tokio, Yokohama. Diese Städte haben fast gar keine Tradition. Und eben darum.— Die Menschen, die in ihnen wohnen, nahmen am schnellsten das amerikanische Tempo an. Wie sich daS auswirkt, darüber hier eine kleine Geschichte. In der Tokioer Ktvaninktrche wird eine Buddhafigur aufbetvahrt, die angeblich aus reinem Gold hcrgestellt sein soll. Die Figur ist mehrfach umhüllt. Jahrhundertelang glaubte das Volk daran, daß sie tatsächlich auS Gold sei. Kürzlich aber kamen den Gläubigen berechtigte Zweifel. Schließlich blieb den Behörden nnd den Priestern der Kirche nichts anderes übrig, als Mittel und Wege zu suchen, um den Zweifelnden zu beweisen, daß ihre Annahme nicht richtig sei. Sie verfügten daher, daß mi einem bestimmten Tage alle Hüllen von der Buddhafigur abgenommen werden sollen. Und so geschah es auch. Als aber auch die letzte Hülle fallen sollte, forderte der Oberpriester die Menge auf, die Kirche zu vcr. lassen. Und dann nach einer Weile verkündete er, Nachher... Beim großen internationalen Bleigießen in der Silvesternacht gossen: Mussolini: einen Papagei, Marke Braunhcind. B. Shaw: ein C h a m a e l e o n. Marke Farbemvechsel. Dollfuß: eine M ü ck e, Marke Elefant. R L st u n g» i n d u st r i el l c r X: einen Bicl* raß, Marie Devisenschtucker. A t I v a t e r W o t a n: einen B u l l d o g g- F o x, Marke: garantiert rasscunrein. Adols Hitler: einen Wolf,Tarnmarlc: SchakSpelz.— Reichspräsident Hindenburg: ein Murmeltier, Marke Dauerschlaf. Präs ident Hoover: einen Strauß, Marke: Kopf in dci» Sand. F l L ch t l i n g S k o m m i s s ä r Mac Do n al d: eine Schnecke. Marke: Unser Tempo. Hermann Göring: einen Elefanten, Marke: Der Porzellanladen. Der FriedenScngel: einen Hund, Marke: nicht mehr hinter dem Ösen hervorzulocken. MMtsW MU SIMM Neue Daten über die Gewerkschaften DaS Statistische StaaiSamt hat eben in diesen Tagen ein umsangreiche» Hest seiner„Mitteilungen"(Jahrgang XIV. Nr. 181—185) herauSgcge- ben, da» die Ergebnisse der Statistischen Erhebung über die Arbeitnehmergewcrkschaften für da» Jahr 1982 umfaßt. Alle Gewerkschaften sind hier mit ihrer Benennung, der Zahl ihrer Mitglieder, ihrer Adresse, bzw. mit dem Namen ihrer Zeitschrift und mit der Angabe ihrer ErscheinungShäufigkeit angeführt, in besonderen Tabellen sind die Gewerkschaftszentralen zahlenmäßig charakterisiert und die Ent- Ivicklung ihrer Mitgliedslbaft seit dem Jahre 1921 erfaßt. Der zahlenmäßige Mitgliederstand ist einerseits nach der Nationalität, andererseits nach der Berufsstellung gegliedert. Eine besondere Tabelle ist den freien Bereinigungen und der Konfederace duSevulch pracovnikü v CSR. gewidmet, zu einer UeberstchtStabelle sind anch die Daten über dte von den Gewerkschaften herauSgegebenen Zeitschriften zusammengefaßt.— Den zahlenmäßigen Angaben entnehmen wir einige interessante Daten Ende 1982 gab«» bei unS im ganzen 664 Lrbeitnehmergewerk- schaften(davon waren 491 Organisationen in 16 Gewerkschaftszentralen zusanimengefaßt. 268 Organisationen, standen außerhalb GewerkschastSzcntra- len, die 1978.527 Mitglieder hatten. Gegenüber dem Jahrck 1981 kam eine Zentrale(StredoSkolskii svaz) hinzu. Wa» die örtliche Verteilung betrifft, entfallen von der Gesmntzahl der Organisationen auf Böhmen 498 Gewerkschaften mit 1,286.245 Mitgliedern, auf Mähren-Schlesien 129 mit 525.775 Mitgliedern, auf die Slowakei 86 mit 194.588 Mitgliedern, aus Karpathorußland 6 mit 21.919 Mitgliedern. Bon allen Mitgliedern waren 68.72% (i. I. 1981 69.50%) tschechoslovakischer Nationalität, 28.93%(28,81) deutscher 1.88(1.28) niagha- rischer, 0.68%(0.55) russischer, 0.57(0.88) polni- scher, 0.17(0.08) sonstiger Nationalität.Nach derBe» rufSstellung der organisierten Arbeitnehmer unterscheiden wir Arbeiter» und Bemnten-(Angestellten«) organisationen. Durchschnittlich entfielen Ende 1927 auf eine Arbeitergewerkschaft 6.42 Dkiiglieder, in folgendem Jahrfünft 1928—1932 beträgt die Durchschnittszahl fortlaufend 6108, 5507, 6082, 5724 und im Jahre 1982 6170 Mitglieder. Im vorigen Jahre Hai also die Durchschnittszahl der Mitglieder der Arbeiterorganisationen ihren Höchststand erreicht. Auf eine Beamtengewerkschast entfallen in diesen Jahren fortschreitend 1782, 1729, 1740, 1785, 1791, 1784 Mitglieder, so daß der zahlcnniäßige Mitgliederstand schon int Jahre 1981 seinen Höhepunkt erreicht hat. Alle Gewerkschaften gaben im Jahre 1982 im ganzen 888 Fachblätter heraus, die letzten Numtiiern dieses Jahrganges erschienen in einer Gesamtauflage voi» 1,952.822 Exeniplaren.Die Oeffentlichkeit wird gewiß diese Publikation mit Interesse aufnchmen. Der Preis der Veröffentlichung von 86 Seiten Umfang beträgt 5 Kö. In Konlinission bei der Firma Burslk und Kohout in Prag H., Bäclavskt näm. sich vorgenomme»» haben, dem großen Tier ans die Spur zu kommen. Aber jedenfalls stünde die Natur- wissenschaft am Vorabend einer großen Entdeckung. Ter Berichterstatter selber neige der Ansicht zu, daß daS Amphibium in Loch Neß zur Rasse der Sau- , r i e r gehört. Aber eine Art Krokodil, wie wir e» aus de» Tropen kennen, wäre unfähig, sich in den i nordischen Gcivässern zu akklimatisieren. Auch die Aren wollen ihre Angeheuer haben! Von der Irischen Insel Tarbert wird gemeldet, daß dort etliche. Bewohner erklärten, sie hätten seit mehreren Wochen wiederholt ein riesige» Tier gesehen, da» ihnen ein gigantischer Smirier zu sein schien. Beispielsweise sei eine» Tage» beobachtet worden, wie da» geheimnisvolle Ungeheuer sich gegen irgend etwa» zur Wehr setzte und die L»ift mit einem enormen Schlvcif peitschte, um dann in einer Wolke 1 von MecreSschanm wieder zu verschwinden. Die Poft in Jerusalem Bon Erich Gottgctreu. Man könnte Historisches erzählen: etwa, daß die Post in Jenisalcn» früher ein Hotel Ivar, das 1917, während der Zeit der englischen Besatzung, seiner heutigen Bestimmung zugeführt wurde— oder Politisches: etwa, daß Mister Heaven. der Postdireltor, nicht mehr zur Ruhe kommt, weil sie ihm Hitler nicht läßt, denn durch ihn wird Palästina von deutschen Juden, ungefähr dem schreiblustigsten Bolk der Welt, überschwemmt— oder Technisches: etwa daß di« Beamten eng- lisch. arabisch und hebräisch sprechen, viele auch deutsch und sranzösisch; oder daß an manchen Tagen weit über 20.000 Briefe ankommen und gehen, per Bahn, per Schiff und per Flugzeug. WaS kommt heute? Wer schreibt heute? Ich bin so ungeduldig, ich bin immer ungeduldig, wenn ich auf die Post komme— Sehen Sie, jetzt sucht der Beamte nach, ab nicht postlagernde Briefe für mich da sind, ich muß daran denken, daß ich al» Kind immer spielte:„Wir fahren nach Jerusalem—", und eS ist so merkwürdig, daß der Staat miS dem Kinderland nun plötzlich Wirklichkeit wurde Der Beamte sucht und sucht— und eS ist wieder nichts angckommen. ES ist schrecklich. Manchmal möchte ich einen Briefträger überfallen, bloß un» neue Nachrichten aus Deutschland zu erhalten. Oder nachts ins Postmnt einbrecheu, um Briefe zu stehlen. Oder mich bei Steimatzky einschließen lassen, der hat in seinem Zeituiigögeschäst vom„Völki- schcn, Beobachter" bis zum„Neuen Vorwärts" alles' Ich weiß, wir sind ja nur lumpige, ehrlose, jüdische Emigranten, die nichts anderes in der Welt zu tun haben, als Deutschland zu verleumden und sein Gesicht zur Fratze zu verzerren, denn wir haben unS ja in Deutschland nur gemästet, ohne ihm jemals dienen und helfen zu wollen, ich weiß, ich weiß aber ein bißchen neugierig sind wir doch. Ob auf dem Brocken sckwn Schnee liegt? Ob die Kirschen heuer süß gewesen sind? Ob jetzt die Wälder im Wiuterwind wan- _. wahrhaftig nicht behaupten könne, daß sie aus eine doch gar nicht vorteilhafte Weise in die Oesfentlichkeit kommen wollen, steht die Masse der Bauern und Arbeiter gegenüber, die fest dar»m glauben,, daß die Gewässer von Loch Neß ein Ungeheuer bergen, und die jedes Mal, wenn der Wind einen Zweig in Bewegung setzt, sich einbilden, daß sie ein Ileberbleib- sel an» prähistorischen Zeiten erblicken. Wir hatten, so schreibt der Berichterstatter de» „Matin", von» ersten Tag an folgenden Eindruck: 1. außer den Ignoranten und den Abergläubischen glaubt kein Mensch, daß der See ein Fabeltier berge; 2. man glaubt im Gegenteil, daß ein Ainphi- b i o»,- daS sich normalerweise bei den nördlichen britischen iiseln nicht borfindct, seit mehreren Jahre» in Loch Neß eingeschlossen ist. Der Journalist beschreibt dann die gewaltige Ausdehnung des Loch Neß, das tatsächlich die Dimensionen eines Binnensee» hat und länger ist al» der Kanal von Calais. Das Wasser ist au einige» Stellen bis zu 280 Meter tief. Diese Masse lassen fähr sechs llyr morgen»; bei völliger Windstille\ erkennen, wie schwierig die Aufgabe derer ist. die lag der Spiegel de» See» ganz rubig da. Plötzlich sahen wir in einer Entfeniung von etwa hundertfünfzig Metern eine dunkle, ungefähr zehn Meter lange Masse austauchcn. Es handelte sich wohl um ein Tier, dessen Kopf unS übrigen» im Verhältnis zun» Hals und zum Rumpf als sehr Nein erschien. Mindesten» vier Minuten lang sahen wir das Tier in den Wässern dahingleiten; es bewegte sich fort nicht horizontal wie ettva ein Aal, sondern vielmehr rnzfartig wie eine Raupe. Diese Beschreibung, so berichtet der französi sche Journalist, ist die genaueste von allen und stainnit übrigen» von einen» Mann in gehobener Stellung, dessen guten Glauben man taum anzwei feln kann. Dazu kommt, daß seine Darstellimg von jede»» seiner vier Gefährten bestätigt wird, unter denen sich zwei Leute mit IlniversitatSbildung be- ftnden... Als zweiter interessanter Zeug« wird ein Dr. Kenhan angegeben, der Arzt eines kleinen OrteS Stift ß DonnerStaa, 4 Jänner 1934 9tr. S PRAGER ZEITUNG I Gebäude, nun den Einflüsse O.-G.-R. Josef Hlouörk gestorben. Am Nen- jahrsiag iit einer der vekannteilen Riäner des Pra- ger SträfkreiSgerichteS, O.-tzl.-R. Dr. Josef H l o u- s e k an einem Krebsleiden gestorben. Es ist im Laufe eines Vierteljahres der dritte Todesfall in den Bclagraum von 240 auf 600 Betten erweitern sollte, ins Stocken geraten ist. Die bereits im Rohbau fertiggcstellt, find Gefahren schädlicher atmosphärischer ausgesetzt. Jänner 1032 Ver- bon 0770.30 Ke; der seit 1. ftttiii 1933 böhmische LandesfondS seit i. Oktober 1933 68.162,70 Kö schuldig. Der böhmische Landesfonds bereitet bei der, lieber» »ahme von VerpflcgSIostcn alle nur erdenklichen Schwierigkeifen. Verlangt die Prager Landesbehörde unter Austerachtlafsnng des Erlasses des GefundheitSministcriumS vom 28. April 1928, von der Anstalt, das; Krankcnvcrsichcrtc oder deren Angehörige zur Bezahlung der vierwöchigen Vcr- pflcgungszeit, die die Krankenkasse befahlt, hcr- angezogen werden, eine Massnahme, 5» der die Anstalt nicht verpflichtet ist. Auch das Karlsbader Krantenyaus klagt über mangelnde finanzielle linterstützung. Immerhin hat es ans der letzten Arbeitsanlcihe den Betrag von eine Million KC erhalten, ivährcnd ihm zwei Millionen Kö^»gesichert waren. Die Folge ist, das; der neue,-Von llnzähli- gcn gerade,;» herbcigesehntc Krankenhaiiöbau, der Bürokraten, Intriganten and ihre Opfer Ein Kapitel finanzieller Krankenhaus-Misere Die Schwierigkeiten dcS städtischen Kran« ‘‘"“( sehr gross.' I Tas Spital bedeutet für die Stadl eine ganz ausserordentliche finanzielle Belastung. So hat sic im Jahre 1032 ans eigenem als glatte» Betriebsverlust 89.004,5 l Ke zahlen müssen. Die Gemeinde erhält eine geradezu.lächerlich unzureichende Subvention in Höhe von, sage und schreibe, 5000 Kö. Diese Bcttelsummc bedeutet natürlich einen Tropfen auf den heissen Stein der finanzielle» Misere. Dem Zwittauer Krankenhaus ist das Ge- snndhcitöministerium seit pflegökosten in der Höhe mährische Landesfonds 320.091,05 Xö und der Ein besonders gelagerter Fall: Das Krankenhaus in Telsche», das bisher der Verwaltung des Bezirkes unterstand, ist von der bürgerlich-reaktionären Mehrheit tviedcr in städtische Regie übernomnicn tvorden. Diese aus pcrsonalspeknlativen Gründen inszenierte Aktion gegen die sozialdemolratischc Bezirksmehrheit hat sich bitter gerächt. Die Stadt ist katastrophal verschuldet. Da die zuständigen städtische» Stellen die in die Hnnderttauscnde gehenden Bezirkssubventionen der Jahre 1931 und 1932 nicht zweckentsprechend verwendet haben, sah sich der Bezirk gezwnngen. seine Zahlungen an die Stadt einzustellen. Durch reaktionäre Verbohrtheit ist Tcischcn in eine geradezu auSwcgölose Krise geraten. So steht cS mit den sudetendcutschen Krankenhäusern. Finanzielle Not überall, meist unverschuldet, manchmal aber auch durch eigene Schuld. Bürokratische Paragraphenstückchen zu tolerieren, tvcnn es um das Wohl unserer Arbeiter, unserer verarmten Kleinbürger geht, wäre unverzeihlich. Hier kann man nicht nachdrücklich genug auf die Verpflichtungen Hinweisen, die Staat und Land den Krankenhäusern gegenüber haben! ... Aber ebenso leidenschaftlich müssen wir gegen unfähige bürgerliche Cliquenpolitik ankämpfcn, die aus dem breiten, geduldigen Rücken des Volkes ihre kleinlichen Intrigen spinnen will. llm das Wohl der Massen geht es— und nur um dlrseö! Corpus. Wenn cs auf diesem so vernnnftloS diri gierten Planeten nackt Vernunft und Billigkeit I leuhauscS in Weipcrt sind ebenfalls gehen würde, so müsste den Armen, den Besitz-~ losen im Falle der Erkrankung eine iue.it pfleg lichere und sorgfältigere Behandlung ihres Kör pers garantiert fein, als denen, die durch ein Leben in Sorglosigkeit genügend Spielraum hat ten. fick' gegen Krankheiten nach Möglichkeit zu immunisieren, ihre tonstituiionelle Widerstands fähigkeit aiif einen möglichst hohen Nenner zu' bringen. Ein sinnvoll und ausreichend ernährter Kör per ist ungleich geeigneter, kritische Stadien zu überstehen als ein ausgemergelter und von Ent behrungen zermürbter. Der hart arbeitende und schlecht bezahlte Proletarier, der unterernährte Erwerbslose, den eine ernsthafte Krankheit ergreift, ist gezwungen. den Kambs gegen das mörderische liebel unter besonders niigünstigen Bedingungen ansznnehmc». Der veraniioortungsbetvnsste Arzt, der nicht nur routinierte Maschine, sondern mitfühlender Mensch ist, wird mit doppelter Sorge nm das Leben eines solchen, stets gefährdeten Paiienten ringen müssen. Deshalb betonen wir immer wieder: für das Krankenhaus der Massen, für die Heilstätte des Volles muss l'leld zur Verfügung ft c h e 11, mag auch an anderen Stellen mit mehr oder tveniger Reck» noch so nachdrücklich gespart werden. Wir zeigen Henle an verschiedenen Beispie len, wie scknvrr die Krantenhäuser unter bürokra tischen Henmnuigen behördlicher Knauserer zu leiden haben, die, am Grünen Tisch ihrer Vcr- ordnungSwiese sitzend, nicht ahnen, welche sürch- lerlickie Verheerung durch finanzielle Saum seligkeit angcrickitet werden kann. Tie hilflosen Kranken, die in stickigen Kellern oder auf Korridoren..notbehandclt" iverden müs sen, sind die Opfer dieser falschen engstirnigen Sparpolitik, die eigentlich krasseste Vcrschwen- dnngspolitil ist! Denn hier tvird wertvollstes Bolksvcrmögen verschleudert, das Vermögen der Volksgesundheit! Im Teplitzcr Krankenhaus fehli es am Not wendigsten. Dringend erforderlich ist Subventio nierung durch Land und Staat. Tas Gcsund- licitsniinisterium hat zivar eine Subvention sehr bestimmt in Aussicht gestellt, aber bis jetzt noch keinen Heller gegeben. Tas Bezirkskrankcnhaus in Böhmisch-Kam- nitz leidet scknvcr unter den langsamen Verrech nungen der Prager Landesbchördc. Die Forde rung der Anstalt gegenüber dem böhmischen Lan- desfonds betrug am 30. 9. 1933 z. D. 192.500 .Kronen. Würde die VcrpflegSkostenrechnnng regelmässig bezahlt, so hätte die Anstalt stets Bar mittel zur Vcrsügung. So aber treten häufig die unerträglichsten Zahlscbwicrigkeiten ein. Die Un» Möglichkeit, die Forderungen der Lieferanten zu befriedigen, kann jederzeit die geordnete Verkösti gung der Paiienten in Frage stellen. WaS das bedeutet, braucht im detail nicht ausgemalt zu werden. TaS Frcitvalder Krankenhaus ist völlig gehandikapt, tveil es seine Zuschüsse vom Land meist erst nach 10 bis 12 Monaten erhält I Die Irrsinnige im Fenster.. Prag, 3. Jänner. Passanten in der DomaZ- lickä ul. in ZiZlov bemerkten heute nm 11 Uhr vormittags eine Frau, die nur mit einem Nachthemd bekleidet, im Fenster einer Wohnung im dritten Stock stand und augenscheinlich auf die Strasse springen wollte. Die alarmierte Sicher« heitstvachc versuchte vergeblich, die WohnnngötLr zu sprengen und musste die Feuerwehr hcrbeiru- feu, die unter dem Fenster ein Sprungtuch auö- vrciiete, um die Irrsinnige aufzufangcn. Inzwischen liessen vier Feuerwehrleute vom vierten Stockwerk ans den Lbcrossizial R a d c ch 0 v s k 1; an einem Seil zu dem Fenster hinab, ans dein die Fran stand. Radechovskh gelang es, die Irrsinnige in die Wohnung znrückzndrängen und die Wohniingötiir zu öffnen, tvorauf die Kranke auf das Polizeikommissarin! und von dort auf die bin 1 chiatrische Station gebracht iverden konnte. Der Vorfall hatte eine grosse Menschenansamnilung zur Folge. der alten Richtergcncration des KreiSgerichteS. O.-G.-R. Hlonöek, der im übrigen nicht ganz mit Unrecht als„scharfer" Richter galt, zählte fachlich zu den fähigsten Strafrichtern. Er hat eine Reihe grosser Prozesse gelciket, insbesondere den ersten S t i i b r n h p r 0 z e ss, den grossen Mordprozess gegen die bestialische Gattenmördcrin Anna V ä l e t u. a. Die Hastung für das Gepäck der Autobus» reifenden. Beim Bezirkshandelsgericht in Prag Ivurde folgende Angelegenheit verhandelt: Ein Reisender verlmigtc von einer AutoverkehrSgcscllschaft Schadenersatz, tveil Ivährcnd der Fahrt sein auf der» Dach des Autobusses untcrgcbrachtes Gepäck ver- 1 lorcn gegangen tvar. Es ergab sich die Frage, ob hier ein Frachtvertrag(Paragraph 395 des Hcm- l.dclsgesctzes) oder ein Anfbcwahrungsvcrtrag(Paragraph 957 des bürgerlichen Gesetzbuches) vorliege. Ein Frachtvertrag kam nicht in Frage, da die Gesellschaft für die Beförderung des Gepäcks kein Entgelt erhalten hatte. Belm Aufbewahrungsvcrtrag hat der Aufbewahrer die Pflicht, eine Sache in seine Obhut zn nehmen, anzuerkcnnen,(Entscheidung N. T. Nr. 10.735 Slg.). Eine derartige Willenskundgebung von feiten eines Bediensteten war jedoch nicht erfolgt. Der Kläger wollte für das Gepäck nichts zahlen und es wurde ihm gestattet, das Gepäck unterhalb des Sitzes untcrzubringen. Da dort kein Halb 8 Uhr abends— Wenzelsplatz Von Kurt Hans Sind Sie schon einmal am Abend mit ossenen Hände» und Augen über den Wenzclsplatz geschlendert? Und haben Sie dann gezählt, wie viele Flugzcttel sich in Ihrem Besitz befanden? Nein! Gewiss haben Sic alles achtlos forigctvorsen, sicher haben Sie die Gestalten übersehen, die sich an Sic hcrangedrängi hatten, haben die kleinen Bilder, AnSschniitc einer Grossstadt, gar nicht beachtet. Wie werde ich reich? Sic haben viel versäumt. Sie tvissen nicht, wo Sic billig zu Abend essen können, wo die besten Zähne gemacht werden, welcke Lotterie Sie spielen sollen und in lvelchcm Vergnügungölokale Sic den Rest des Abends angenehm verbringen können. Und schliesslich haben Sic auch nicht erfahren, ans welche Weise sich Reichtum erwerben lässt. Da bietet zum Beispiel ein älterer kleiner Mann eine kleine Broschüre an:„Wie werde ich reich?" Sie sind Vorbeigelanfen, ich blieb stehen. Wen interessiert denn nicht, Ivie er reich werden kann? Als ich niich bei dem Verkäufer nach dem Verfasser der Broschüre erkundigte, erfuhr ich, das; er selbst es sei. Mcrkwürdigl Der Mann, der tvciss, tuie man reich wird, stellt sich an die Strassenecke und verkauft Broschüren? Ich machte deshalb auch den Verkäufer auf diese eigenartige Tatsache aufmerksam.„Wenn Sie wissen, Ivie man reich wird, warum stellen Sie sich dann..."—„Ja." schnitt er mir das Wort ab,„das ist einer meiner Wege, nm reich zu werden!" Der.Kavalier. Menschen drängen sich. Frauen und junge Aiädchcn, von Geschäften kommend, Männer, abgearbeitet und müde, Vertreter, die den ganzen Tag einem Auftrag und ihrer Provision nachrannten, Mütter, von Einkäufen nach Hause eilend, und Kavaliere, die irgendein hübsches Abenteuer I suchen. Ein älterer Mann, dem der Hunger aus den Augen sah, drängt sich ängstlich' durch die Menge, bleibt vor einem Absallkorv stehen, schaut noch einmal nach links und rechts, ob man ihn nickst beobachte und lässt dann seine Hände suchend in dem Korb verschwinden. Plötzlich zieht er ein kleines Päckchen heraus, langsam entfaltet er das weisse Papier und vor ihm lieok ein Stück' — Käserinde. Wirklich und tvahrhaftig schöne frische Käserinde, die irgend jemand, ohne zu ahnen, für tvas eS gut sein könnte, in den Abfallkorb geworfen batte. Ein Schmunzeln glitt über daS verhärmte Gesickst und vorsichtig liess der Mann, den kostbaren Fund in seine zerfranste Tasche gleiten. Noch jemand äusser mir hatte diesen Vgrgan•• beobachtet. ES war ein junges Mä."en mit bleichem Gesickst und entzündeten Angen, dem nian ansah, das; es Gott tvciss tvie lange nichts gegessen hatte. Sehnsüchtig lugten seine Anacn nach der Tasche, in der das Päckchen Käserinde eben vcr- schtvundcn tvar. Plötzlich schien es einen Entschluss gefasst zu haben. ES eilte dem glücklichen Finder, der tveitergegangen tvar, nach und sprach ihn an. Was sic ihm sagte, konnte ich nicht hör'cn. Aber auf einmal sah ich, tvic der Mann in seine Tasche langte, noch einen kurzen Blick auf seinen Fund warf und ihn dann dem Mädchen reichte, das vcr- schämt davoneiltc. Die„Sappho" vom Wenzclöplatz. Sie tvar keine mondäne Erscheinung, auch leine gütige Matrone. Aermlich und altmodisch mit stieren Augen im verbissenen, blassen Altjungferngesicht sprach sic mich an. Erst auf tschechisch und dann als sie bemerkte, dass ich sie nicht verstand, auf deutsch:„Der Herr haben gute Augen, der Herr leiden mit der Welt! Hören Sie..„I" Und schon hatte sie mich am Aermel aus dem dichten Gedränge gezogen. Ich war so überrascht, das; ich ihr betroffen folgte. Sie hatte eine Zigarrenkiste und ein in Zeitungen cingcschlagencS Bündel unter dem Arm. „Nun hören Sic aber gut zu, Sie werden jetzt der Welt grösste Dichterin hören...!" Erstaunt sah ich mir die Frau genauer aii. Hatte ich cs hier vielleicht mit einer armen Irren zu tun?„Sind Sic das selbst, der Welt grösste Dichterin?" Die Sache begann mich zu interessieren.„Na, das hätten Eie schon fühlen müssen," entgegnete sic mir eilt wenig vorwurfsvoll.„Doch hören Sie! llcbcr- schrift:„Wie sieht es auf dem Grunde des Meeres aus?" Durch reissende Wasserwogcn, in Schlamm und Morast Ta kommen die Fische aezogcn, ein Hai am Scgelmast Und unten im tiefsten Grunde Isis düster Metalle im Schlunde. Das Meer beruht auf eisernem Grunde. Es folgt sekundenlanges Schweigen. Dann wieder sie:„Ah sie fühlen die Weihe der Stunde. Und nun sollen Sie es auch wissen, ich bin— Helene Kock! Ich bin die Entdeckerin der göttlichen Weisheit des allmächtigen Schöpfers. Seit einem Jahr stehe ich hier, nm die Menschen zu erleuchten und zn beglücken."„Ich habe Sie aber ndch nie bemerkt"—„Die wenigsten bemerken mich, wie alles Schöne und Grosse im Leben. Aber wollen der Herr nicht meine Dichtungen haben? Ich berechne nnr die Druckkosten. Hier:„Geistige Wahrheit— Wie sicht es in der Sonnc ans?" für eine Krone. „Das Erwachen des Geistes in der frühen Morgenstunde" für eine Krone fünfzig ,.." Die Dichterin hatte den Deckel der Zigarrenkiste hochgeschlagen, ich lies; ein Fünfkronenstück hineinfallcn und im Nu lvar sic verschwunden. Im Strasscngewühl tauchte sie neben einem anderen Herrn auf:„Der Herr habe gute Augen, der He 1 leibtn mit der Welt..." Dem Herrn war so ctlvaö bestimmt nie in den Sinn gekommen. Aus seiner Tasche ragten Börsenblätter. Er hörte nichts von dem Geflüster der Alten, niemand hörte cs, niemand beobachtete sie. Sie hatte schon recht. Die wenigsten bemerken sic wie das Schöne und Grosse im Leben... Platz war, gestattete man die Unterbringung auf dem Dache des Wagens. Wenn das Gepäck sich unter dem Sitzplatz bcsindct, kann der Reisende es selbst beaufsichtigen. Es ist daher nicht anzunchmen, dass die Bediensteten das Gepäck in Gewahrsam geuom- men haben. Da die Unterbringung auf dem Wagendach mit Einwilligung des Eigcnttimers unter den gleichen rechtlichen Voraussetzungen erfolgte, kann nicht gefolgert tocrden, dass eine Willenskundgebung zur Betreuung der Sache von selten der Bediensteten vorlag. Es handelte sich demnach auch um keinen Anfbewahrungsvertrag, weshalb die Gesellschaft nicht für den Schaden haftet. Kunst und wissen SamStag 8 Uhr: Erstausführung: Tovarisch von Jacques Deval. In den Hauptrollen: Berndt. Meller, Reiter. Freh, Götz, Hölzlüi. Regie Götz (E— 1). Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Donnerstag 7 Uhr:„Pünktchen und Anton"(S 1).— Freitag, 7Z4 Uhr:„Fidelio"(D 2).— Samstag, 4% Uhr:„P ünktche n n n d Aut on" (A. A.). 8 Illlr: Erstaufführung:„Tovarisch" (C 1). Spielplan der Kleinen Bühne: Donnerstag, 8 Uhr:„Die Regimentst0chter."(Kultur- verbandsfr. und freier Verkauf.)— Freitag 8 Uhr: „Die schönste Ehe."— Samstag, 8 Uhr: „Theo m acht alle S." Zitate sehen dich an... P n u l B e l; c r, ein deutscher, gleichgeschal- tetcr Dichter, hat ein Stück geschrieben, eine Komödie. Sic heisst„Jan Wellm" und behandelt das Leben eines völlig unbedeutenden niederrheinischen Kurfürsten Johann Wilhelm so um 1700. Die Ortsgruppe Stettin des Kampsbundes für deutsche Kultur hat das Werk aufgeführt. „ES wurde" (sämtliche nachfolgenden Zitate sind dem November-Heft der„Musik" entnommen) „bei seiner Uraufführung mit spannungsvoller Laune, stürmischer Heiterkeit und jubelndem Beifall ausgenommen." Also so ganz ist denen da drüben das Lachen noch nicht vergangen. Da muss das Stück schon seine Meriten haben, denkt inan sich und ist auf den Inhalt der Komödie gespannt, um den Grund der stürmischen Heiterkeit zu erfahren. Hier ist er: „Jahn Wellm war ein Mensch von besonderer Prägung.—" (Dafür hat er cö auch bis zum Kurfürst gebracht!) „Er nahm eine reiche und schöne Medici zur Frau—" (Nanu, das ist ja Materialismus!) „— wehrte sich gegen überniütige französische Angriffe—" („Jubelnder Beifall!") „— brachte. Papiergeld zur Einführung—" (Deshalb nannte man ihn also einen Menschen von besonderer„Prägung"!?) „— legte einen zoologischen Garten an—" (Seine LicblingStierc waren braune S(alon)- A(ffen) I) „— arrangierte gern grosse Feste—■* (Mit Hilfe seines Hof- und Propagandaiuden Joseph, genannt„der Krumme"!) „— im Interesse des Volkes—" (Und auf Kosten des Volkes!) „— und liess dabei mit Vorlieb« blendende Feuerwerke steigen.—" (Alles schon einmal dagclvescnl", hat bereits der Nichtarier ben Akiba gesagt!) „Trotz seiner lebhaften Bemühungen um die Gunst des Volkes—" (Mit Arbciöbcschaffungprvgrammen und Arbeit?« dienstlagcrgründungcn I) „— konnte er eine gegen ihn gesponnene Intrige nicht vermeiden.—" (To was soll Vorkommen!) „Der grosse Herrscher sollte gestürzt werden.— . Er führte jedoch seine Feind« auf eigenartige Weise ab—" (Achtung! Die Pointe!) „—nämlich mit Hilfe eines uiächttg wirkenden Abführniittelsl" (Stürmische Heiterkeit!) Und damit ist dieser geniale Kurfürst mich der Schöpfer eines zur Zeit sehr beliebten Kon- zentrationsmittels gegen Miesmacher und Intriganten geworden, des Rizinusöls! Fritz Walter Nielse n. WU. üt tLk w ‘ScMn/i/Ce.\ Überall erhältlich/ 7 Bezu g s b e d c u g n n g c. n: Bei JusteNuna ins HauS oder bei Bezug durch die Poft monatlich!<ö 10.—, vierteljährig ttö 48.—, halbiährig ttö 90.—, ganzjährig Xe 192.—.— Inserate werden laut Tarif lnlngn'berechnet. Bei öfteren Einschältungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendmig der Retoiirniarken.— Die Zcitungsfrankalur wurde von der Post- nnd Telegraphendirektion mit Erlass Nr. I3.b00/VN/i»g0 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Truck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.