14. Jahrgang Nr. 3 Freitag, 5. Jänner 1934 lEHTRALoesAH vkk DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH. MO ACTION UNO VMWALTUNQ MAO XII., FOCNOVA«. flUFON 53077. ADMINISTRATION TELEFON 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHENH»AKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. II- k‘ i' i. a Dälnlcta aK» Elmif*Hl<70lMlw (sinKhllaSIkk 5 Hall.r Forto) Hundertvierzig Opfer Rettungsarbeiten eingestellt splitterte» Hölzern zeigten dasselbe schreckliche Bild der Berwüstnng wie obertago beim Fördrrschacht. Die Sitnntion grstastete sich infolge des immer mehr nm sich greisrndrn GrubcvbrandeS für die Rettungsmannschaften schließlich so gefahrvoll, das; von einer weiteren Fortführung der RettnngSvrrsnchc überhaupt Abstand genommen werden mußte. Rach menschlichem Ermeßen kann sich in der von Feuer und Ranch erfüllten Grube kein lebender Mensch mehr befinden. Fm Laufe der Rachmittagsstnnden wurde daher dir Absperrung und Brr manernng der Strecken in den Schachten II und III vorgenommen, nachdem man bereits vorher dir Schächte VII und VIII hatte abdeckrn müssen. Dir Maurer und RettuugSlente konnten diese traurige Aufgabe nur unter größter Lebensgefahr durchführen. Der Schacht, in dem noch 130 brave Bergleute begraben sind, wird nunmehr einige Tage ruhen müssen, bevor an die Fortsetzung der BrrgnngSarbeiten gedacht werden kann. Hundertzweiunddreißig Männer cingeschlossen kn einer Hölle I Hundert, zweiunddreißig Menschen, um die wir bangten und auf deren RÄtung wir, aller Skepsis der Fachleute zuni Trotz, zu hoffen wagten bis zum letzten Augenblicke — bis zur Schreckensnachricht von der Abmauerung des Schachtes, die uns sagte, daß die Eingeschlossenen verloren sind. Wir habe» ja mir noch gehofft wie auf ein Wunder! Menschenbrüder, Klassengenossen. ArbeitSheldcn dicht vor dem Tode— waS war da anderes möglich als das Anklammern an letzte HoffnungSmöglich. feiten I Heiße Segenswünsche, flehentliche Wünsche vieler, vieler begleiteten die letzten verzweifelten Rettungsversuche, die todesmutigen Bemühungen, den Eingeschlossenen vielleicht doch noch Hilfe bringen zu können. Die Segenswünsche hunderttauscndcr. ES gibt keinen Proletarier, der ruhig bljeb bei dem Empfang der Schreckensbotschaft von Ossegg, keinen, den nicht der Schreck faßte, dem nicht wehes Mitgefühl das Herz zusanimenpreßtc. Denn so mannigfach die Gefahren der Arbeit sind, so viele gcfahrcnreiche Berufe cs gibt und so sehr eS zehntausende» fast zur Selbswcrständlichkeit geworden ist, ihr karges Brot nicht nur im Schweiße ihres Angesichtes, sondern auch angesichts ständig drohender Gefahren zu verdienen,— jeder Proletarier weiß, daß der Beruf des Bergarbeiters der gefahrenreichftc ist, daß der Tod des Grubenarbeiters steter Gefährte ist. Jeder Proletarier weiß, daß Härte und Mühe und Gefahr ihrer Arbeit die Bergarbeiter zu einer Kameradschaft zusammengeschweißt haben, die trotz allen politischen Gegensätzen in Stunden der Entscheidung nie versagt, so daß die Grubenproletarier zu Vorbildern ihrer Klassengenossen werden mußten. So selbswerständlich es ist, da den Opfern der Ossegger Katastrophe sich die Teilnahme aller Menschen zuwendet, daß in diesen Stunden doch eine allmcnschliche Solidarität lebendig geworden ist und Bangen und Hoffen von Millionen den Nelson-Schacht umkreiste— niemand konnte doch so sehr, so mit ganzen: Herzen und ganzer Seele zittern um sie wie die Arbeiter! Wie rasch folgte der letzten bangen Hofstmng die Trauer! Schon sind Tote geborgen, schon liegen verstümmelte Leichen auf Bahren. Und verbrannt, verstümmelt, tot mich die Eingeschlossenen! Frauen klagen um den Geliebten, Kinder um den Vater l Tränen fließen, die kein Trosteöwort zu hemnien vermag, Leid, das nie mehr zu bannen ist, ist in nordwestböhmischc Arbeiterlvohnungcn einge- zogen. DaS Glück, das arme bescheidene Glück vieler Proletarierfamilicn ist für immer zerstört. Die nordwestböhmischc Arbeiterschaft, mit ihr die Arbeiterschaft des Staates, ist eine einzige große Trauergemcinde geworden. Die Grubenkatastrophe von Ossegg, das opferreichste Unglück seit dem Bestände des Staates, trifft deutsche und tschechische Proletarier. Denn neben- einander und miteinander arbesten tschechische und deutsche Grubenproleten, gleich schwer verdienen sie ihren Lebensunterhalt— und müssen in dieser Zeit der Massennot sich glücklich schätzen, diese schwere und gofahrenreiche Arbeit leisten zu dürfen!— und so wenig der Kapitalismus darnach fragt, in welcher Sprache Arbeiter über Lohnkürzungen fluchen oder über Arbeitslosigkeit. klagen, so wenig kümmert eS den Tod, ob letzte Schmerzcnsschreie in deutscher oder tschechischer Sprache ausgestoßen werden. Tragische Offenbarung der Schicksalüvcrbundcnheit deutscher und tschechischer Proletarier! Gleiche Trauer der deutsckjen und der tsche- chischcn Arbeiter, der deutschen und der tschechischen Bevölkerung an den Bahren der Opfer. Das Grubenunglück von Ossegg ist ein großes, ist das furchtbarste tschechoslowakische Nationalunglück seit dem Bestand der Republik. Jede Hoffnung geschwunden- 2 s s e g g, 4. Jänner. Die Genbenkatastrophe am Relsonschacht hat sich nach den letzten Meldungen zu einer menschlichen Tragödie gestaltet, wie sie im Augen- blick der verhängnisvollen Explosion niemand anch nur im entferntesten vorauSzu- ahnrn vermocht hatte. Die Rettnngsmannfchaften arbeiteten in sirberhaster Anstrengung die Rächt hindurch bis in die heutigen Nachmittagsstunden, um in die Tiefe vorzudriugeu, in der die Opfer der Katastrophe emgeschlossea sind. DaS auSgebrocheur Feuer, tvelcheS die Grube mit dichten Gasschwaden erfüllte, verwehrte den todrSnintigen Retter«, die unter Einsatz ihres Lebens vom Förderschacht bis zur etwa hundert Meter entfernt liegenden Kopfstatiou vorzudriugeu vermochten, schließlich jedes weitere Vordringen. Wie furchtbar die Wirkungen der Explosion geweseu sein müsse», geht daraus hervor, daß menschliche Glieder in den erreichbaren Schachtgäugeu zerstreut nmherlagen. Die Strecken mit ihren demolierten Schiene«, Hnutr» und zer Anne Opfer! Ihr armen Angehörigen! Kann euch das Mitgefühl von Millionen ein wenig Trost geben? Kann es euch Frauen, euch Eltern, euch Kindern helfen, das Schreckliche zu tragen, ohne unter der Leidenslast zusannnenzubrechcn, wenn alle, alle Klassengenossen, wenn alle ArbeitSbrudcr und-Schwestern mit euch trauern? Ihr müßt, in wehem Gedenken an die Verlorenen, in stummer Zwiesprache mit ihnen, ja doch allein eure» Schmerz tragen, euch aufrichten an den Pflichten, an den heiligen Pflichten gegen die, die euch verblieben, die eurer noch bedürfen, denen ihr nun auch die Toten ersetzen müßt. Was aber vermög.'» wir andere» zu tun? Die Ossegger Katastrophe ist ein Nationalunglück. Dann hat aber auch der Staat die Pflicht, die Ehrenpflicht, daß für die Hinterbliebenen der Opfer wirklich gesorgt wird. Wer wagt zu verlangen, daß schmcrzverwirrte, seelisch wunde Mütter allein die Sorge fiir Kinder tragen, denen die Väter so jäh, aus so grau sige Art entrissen wurden? Doch auch an andere Pflicht ist zu mahnen: so selbstverständlich es ist, daß bei jedem Unglück nach der Ursache geforscht wird^— hier ist die Pflicht gebieterischer denn je! Gibt es menschliche Schuld-— dann muß sie gesühnt werden! Und dafiir muß gesorgt werden, daß, soweit dies menschlicher Vorsorge möglich ist, soweit es dafür technische Voraussetzungen gibt, künftige Katastrophen solcher Art verhindert werden! Daß den Hinterbliebenen das Beileid ausgesprochen wird, daß cs ausge- sprachen wird von hohen Staatsfunktionären auf weithin sichtbarer Tribüne, daß den Hinterbliebenen StaatShilfc zuteil wird— das darf nicht alles sein! Man darf nicht, wenn die allgemeine Erregung sich gelegt hat und die Tränen der Witwen versiegt sind, sich der Ruhe der Gleichgültigkeit hingcben, bis wieder einmal die Detonationen einer Grubencxplosion sie stören! Das wollen wir geloben: daß wir auf der Erfüllung dieser Pflicht bestehen werden! Das ist Pflicht des Staates. Unsere Pflicht— die Pflicht der Arbeiter: eifriger, beharrlicher, drängender, leidenschaftlicher denn je zu arbeiten an der Umgestaltung der Gesellfchaftsorganisation und der Produktionsordnung. Wir wissen schon, daß nie die Naturkräfte so gebändigt werden können, daß Katastrophen unmöglich werden. Wohl aber wird eine nicht auf Profitcrzielung einzelner auf- gebaute Gemeinschaft, die bei keiner Schutzmaßnahme nach den Kosten fragen wird, in ganz anderer Art drohenden Gefahren cntgegenwirken, ArbestSnicnschen vor ihnen schützen können. Und cs werden in einer vernünftig organisierten Ge sellschaft nicht diejenigen, die gcfahrcnreichstc Arbeit zu leisten haben, zn den schlechtest entlohnten Menschen gehören. Aber— von allen Erwägungen über unsere Pflicht und die deS Staate: kehren unsere Gedanken, unsere trauernden Gedanken immer wieder zurück zu un- seren Brüdern, um deren Schicksal wir bangen. Und immer wieder— bis zum äußersten Augenblicke der Hoffnungsmöglichkeit— werden wir hoffen, werden unsere, werden aller Arbeiter flehentliche Rettungswünsche den Nelson-Schachi umkreisen! Aber— von allen Erwägungen über unsere Pflicht und die des Staates kehren unsere Gedanken, unsere trauernden Gedanken-immer wieder zurück zu unseren verlorenen Brüdern, zu den Eingeschlossenen im Nelson-Schacht. Jl>neu und ihren Angehörigen gelten alle unsere Gedanken. In tiefer Ehrfurcht grüßen Wir die Opfer der Arbeit, grüßen wir ihre Lieben. Auch von den Toten vom Nclson-Schqcht gilt daö Wort von Karl Marx— wir wissen kein schöneres und .ikin tröstcnderes: Sie sind eingcschreint im großen Herzen der Arbeiterklasse! Seite 2 Frei tag, k. Jänner 1884 «r.- 8 Die Rettungsarbeiten eingestellt Wer ist schuld? Auf dem UnglOcksschacht von brandgefährlichen Nach der Beratung mit den Vertrauensmännern besuchte Genosse Dr. Czech in Begleitung deS BezirlshauptinanneS die sechs Verletzten im Duxer Krankenhaus. BetvundernSwert ist vor allem die Sol i- d a r i t ä t der Arbeiter. Die Rettungsmannschaften haben sich zu den mit ungeheurer Lebensgefahr verbundenen Arbeiten geradezu gedrängt. Sie blieben stundenlang und bis zur vollständigen Erschöpfung auf ihren Poste». Auch die Bergbeamten haben Hervorragendes geleistet. Feuerwehren und Saniariter waren in grosser Zahl versammelt, unter den Sanmritern waren besonders viele aus den Reihen des Arbeiter- Turn- und Sporlverbandes. Von den Vertrauensmännern der Arbeiterschaft waren u. a. anwesend, der gesamte Vorstand der Union der Bergarbeiter mit den Se- t Der Stadtrai Reichenberg hat beschloffen, einen Betrag von 5000 Kc ans den Mitteln der Stadtgemeinde den Angehörigen der Opfer vom Nelsonschacht zur Verfügung zu stellen. Der Prager Erzbischof Dr. K a S p a r hat für die Opfer 10.000 Ke gespendet. Bon offizieller Seite wurde ein Verzeichnis der in der Grube eingeschlossenen Opfer angelegt, daS 181 Bergarbeiter und neun Aufsichtspersonen umfaßt. Der Nationalität nach sind 68 Tschechen, 71 Deutsche und 1 Pole. 114 Bergarbeiter und 8 Aufseher sind verheiratet, 88 von ihnen haben Kinder, 1 von ihnen sieben. Sie hinterlassen 132 fast durchwegs unversorgte Waisen. Die Liste der Opfer auö den Reihen der Mitglieder der Union der Bergarbeiter, die wir an anderer Stelle veröffentlichen, enthält 28 brave, treue Grubenproleten, die zweifellos durch schreckliche Weise umS Leben gekommen sind. Unter ihnen befinde» sich Familienväter mit reicher Kin- derzahl? allein der Familienstand unserer Mit- ohne über den wahren Umfang der Katastrophe etwas zu wissen. Hierauf verliessen alle sechs Bergarbeiter die Arbeitsstelle und begaben sich bei dem schwachen Schein der elektrischen Lampe durch die Kohlengänge auf den Weg. An einer Kreuzungsstelle wurden sie von Rauchschwaden und Kohlenstaub überrascht, so dass sie zur Umkehr gezwungen waren. Nach langer Zeit, wobei sie einen öfters rastenden und an Her-Schwäche leidenden Arbeitsgenossen stützen mussten, gelangten sie, fast betäubt von dem Rauch zu den eisernen Leitern auf der Gru', Nelson 7, auf denen sie mit übermenschlicher Anstrengung inmitten 1211 stickendem Dampf aus einer Tiefe von etlva 160 Metern emporstiegen. Oben angelangt sind aber nur Vitt Bergarbeiter: Vosählo, Perner, Shk-ra und Bali- Lek» Etwa in der Hälfte stürzte der Zünfte Bergmann, Keller, von der Leiter in die iefe, während , der sechste 5 gmann, Poes«, gleich am Fusse dtt Leiter zusammensank. kretären des Gebietes, die Genossen Senator Dr. Heller und Abg. Kremser, ferner der Genosse Abg., B r 0J i l, dann die Genossen Soukup und Dr. Winter. Der Betriebsrat des Nelsonschachtes hatte sich im Laufe des Vormittags unter Führung seines ObmmineS, des Genossen Willi K r a u p e, in den Wasserschacht begeben, um die Verhältnisse zu erkunden und die dort gefundenen Leichen zu agnoszieren.(Der Betriebsrat des Nelsonschach« teS besteht auö einem Sozialdemokraten, zwei Kommunisten, einem tschechischen und einem deutschen Nationalsozialisten und einem Angestelltenvertreter.) 192 Waisen trauern um Ihre Väter so die ganze Abdämmung nur sehr fragwürdige« Schutz bot. Ein weiterer Borwurf, der mit besonderer Erbitterung erhoben wurde, ist, dass der Kohlenstaub nur stellenweise und niaugclhaft mit Wasser berieselt wurde. Bor allem dort, wo die Schüttelrutschen, die Kohle in die Kohlrnbutten schütteten und der Staub angeblich 80—40 Zentimeter hoch lag, soll die Berieselung stark vernachlässigt worden fein. werkschasütchen Vertrauensleuten der Arbeiterschaft. Bei dieser Beratung erstattete der Fürsorgeminister nach einer kurzen Trauerkundgebung für die Opfer Bericht über den Umfang der Katastrophe. ES muss, sagte er, alles aufgeboten tverden, um-zu verhindern, dass sich ein solches Unglück noch einmal ereigne. Die Bergarbeiter haben genug blutiges Lehrgeld bezahlt. ES sind nicht nur die Schuldigen festzustellen, sondern auch Mahnahinen zu treffen, die das Leben der Bergarbeiter weitestgehend sichern. In Bezug auf die Grubeninspektion muss das Möglichste getan werden. Es ist ausserdem Aufgabe der Gewerkschaften, hinsichtlich der Sicherheit und Verantivortlichkeit in den Gruben entsprechende andere Massnahmen vorzuschlagen. Schliesslich teilte Genosse Dr. Czech den Vertrauensmännern der Arbeiterschaft mit, dass alles vorgekehrt ist, uni den Tatbestand zu klären. Es liegen auch schon Berechnungen über die Zahl der Hinterbliebenen vor, die der Regierung für die Organisierung der Hilfsmassnahmen unterbreitet werden. Der Betriebsrat hat vor kurzem Beschwerde geführt wegen dtt mangelhaften Bekämpfung des Standes. Die Berieselung und Bewässerung der Gruben waren äußerst mangelhaft. Gerade an den Orte» mit dtt größten Staubentwicklung hat eine Berieselung nicht stnttgefunden. Die Katastrophe >uäre in diesem Umfange zweifellos nicht möglich gewesen bei richtiger Staubbekämpfung Daö Sparshstem ans den Grübelt hat in diesem Falle wieder einmal entsetzliches Unheil anrichten helfen. Die Fachleute meinen, daß eine Viertel- stunde nach der Explosion die Tragödie aller unten befindliche» Mannschaften abgeschlossen war. des der Von alten Bergleuten, mit denen unser Berichterstatter sprach, wird eine Selbstent- Zündung des Kohlenstaubes für inöglich gehalten. Es entsteht erst eine Brühnng, die sich zu osfenem Feuer entwickelt. Die Grnbenleitung meldet allerdings, dass die Grube um die Mittagszeit nach den übereinstimmenden Berichten vollkommen feuerfrei gewesen sei. Es ist auch in diesem Zusammenhänge be- merkenSIvert, dass auf dem Nelsonschacht seit einigen Wochen voll gearbeitet Ivftd. Häuer und Regieleute verfuhren sechs Schichten, die Grube arbeitete sür Lieferungen nach Deutschland. an der Ungldclisstcllc Laufe deS Vormittags dem lluglücköfchacht ebenfalls einen Besuch abstattete und sich eingehend referieren liess. Genosse Dr. Czech forderte einen Bericht über daS Schicksal deS durch die Katastrophe arbeitslos gewordenen BelegschaftS-ResteS— etwa 400 Mann. Der Generaldirektor Lvcker versprach, die Einteilung aller Be- troffeneir auf andere Grnben und bei den Sicherungöarbeiten. ES ist zu wünschen, daß dieses Versprechen voll erfüllt werde» wird! Stack» dem ettva dreistündigen Besuche auf dem Unglücksschacht hatte Genosse Dr. Czech in Dux eine Beratung mit den politischen und ge- Die heute vormittags noch vorhanden gewesene Hoffnung, daß sich westlich vom Hauptschacht einige Lebende befinden, wurde am Nachmittag anfgegebrn. Strafweise Pensionierung des Vorstandes des Revier* bergamtes Einen eigenartigen Eindruck hat eS hervorgerufen, dass das Revierbergamt in B rüx, welches angeblich nur zivei- bis dreinial den Schacht inspiziert hat, einen der jüngsten Beamten mit der schivierigen und verantwortungsvollen Mission der Leitung und Ucberwachnng derRettnngS- arbeitet betraut hatte. Wie die„Prager Presse" meldet, hat der Minister für öffentliche Arbeiten auch den Vorstand dcö RevierbergamteS der nach Erhalt der Meldung nicht selbst an der Unglücksstelle erschien, wegen Versäumnis im Dienste sofort in den Ruhestand verseht und das Pensionsdekret nach seiner Rückkehr aus Offeg bereits unterfertigt. Vn'ct suchungsh ommlsslon in iaitthdi Leiter der Kommission ist der Bergrat Jng. Dr. B. V 0 l e j n t k. Für die Prager Derg-Haupt- mannschast beteiligen sich an der Kommission Bergrat Jng. K 0 u c k h. für das Ministerium für öffentliche Arbeiten die ObersettionSräte Jng. Dr. S ch 0 p p e t und Jng. Dr. Cern I),?As Berg» sachverständi-e ivurden seinerseits aus dem Revier Oberinsstektor Jng. H r u Sgka von der Böhmischen HHandelsgesellschaft und Oberinspektor Jng. Wür» d i g vou den Brücher Kohlengruben und andererseits ausserhalb des Reviers Jng. Dr. P a r m a, Professor der Montonhochschule in Pkibram und Regie» rungsrat Jng Bohumil H e v e r 0 ch von der Zentralstelle für die Berlvaltung der staatlichen Berg» und Hüttenbetriebe berufen. Die Kommission tritt noch bent- Zusammen und wird an dtt llnfallstelle die notwendigen Untersuchungen anfnehmen. 4 Bergarbeiter entrinnen dem Tod Ossek, 4. Jänner. Der Berichterstatter tschechoslowakischen PressbüroS besuchte einen geretteten vier Bergarbeiter, Adalbert Balikek, der sich in häuslicher Pflege befindet. Der Bergarbeiter schilderte, wie er und seine Genossen sich retteten. In der Zeit der beiden Explosionen, die kurz hintereinander erfolgten, arbeitete er zusammen mit fünf anderen Bergleuten in einer Entfernung von etwa 600 Metern vom Schacht unter kdcm Osseter Friedhof bei einer offene» Azethtzle'n- Lampe. Durch den heft Egen Luftstoss erlosch d'ie Lampe. Im Lichte einer eleftrischen Tm'-benlampc. die einer der Bergarbeiter nlit sich führte, stellte Balikek fest, dass es gerade halb fünf sei. Er stellte die Urzeit fest, um den Grubenorganen die gc. naue Zeit der Explosion bekanntgeben zu können, Verhängnisvolle Sparmaßnahmen Schlechte Hölzer, mangelnde Berieselung Wie unS mehrere, in der Grube beschäf tigte Arbeiter erzählten, wurde daS bereits ein mal zu Abdämmungen. Stellen untertags verwendete Holz, welches man früher auSfchied, in letzter Zeit, wo die Sparsamkeitsmaßnahmen auf die Spitze getrie ben wurden, wiederholt neuerdings verwendet. Und gerade darin liegt eine nicht zu unterschät zende Gefahr, weil die durch die Hitze verursach ten Riffe im Holze leicht Gase durchlaffen und Die ganze Nelsongrube gehört in die höchste Gefahrenklasse, denn die Staubentwicklung ist in keinem Schachte des ganzen Revieres so gross Ivie hier. Sie wird verursacht durch die eigenartige Gewinnung und Förderung der Kohle. Die Kohle tvird maschinell gewonnen und auf Schüttelrutschen in die Förderstrecken geleitet. Daö Revier ist bergig, weshalb sich die Schüttelrutschen zur Kohlensörderung in die tiefer gelegenen Transportstrecken am besten eignen. Die Tätigkeit der Rutschen verursacht aber eine ungeheure Staubentwicklung. glteder weist 48 Kinder auf, die nm ihren Vater trauern. Erschütternd ist der Umstand, daß in zwei Familien Vater und S 0 h» in dtt Grube sind und eine Familie a«S dem Verwand- tenfreife 6 Angehörige verloren hat. Hier versagt die Feder frstzuhaltrn, welches(strauen und welcher Schmerz die Herze» dieser Menschen beschlichen haben mag. Bon den 144 Eingeschlossenen konnten sich, wie bereits berichtet» 4 über den Wetterschacht inS Freie retten? 10 wurden gestern und heute tot geborgen, so daß noch immer 132 Bergleute in der Grube eingeschossen sind. Mit den 2 Opfern, die noch gestern obrrtags geborgen wurden, erhöht sich die Zahl der Toten bisher auf 12. Vie erbten Ullksmsünskmen ifiir die Angehörigen.'?»/ Die erste Geldaushilfe in der Höhe^Von 60.000 Kä wurde dem DiSpositionSfoüv des Ministerpräsidenten entnommen. Der Duxer Be- zirlShanptmann. RegierungSrat P l e ch a t h, erklärte in der Besprechung der Arbeiter-Vertrauensleute, dass das Eintreffen des Geldes nicht erst abgetvartet werden wird; der Bezirk wird den Betrag aus eigenen Mitteln vorstrecken uitd sofort verteile». Die Union der Bergarbeiter hat beschloffen, sür die Familien der Opfer einen Betrag von je 1000 Xtt zu widmen; auch diese Beträge tverden sofort ausbezahlt. Mit weiteren Hilfsmassnahmen beschäftigt sich die Regierung. 100.000 Kronen Spende nasargks Der Präsident der Republik hat für die durch die Grnbenkatastrophr in Ossek Betroffenen den Betrag von 100.000 Ai gewidmet. Per riirsorgemwter Nach halb 0 Uhr vormittags traf Genosse Tr. Czech auf dem Nelsonschacht ein. Er ver- "wisserte sich zunächst an Hand deS Lageplanes über die Grösse des NeviereS und die ArbeitSver- cihuffe in ihm und nahm den Bericht der Fachgute über den Umfang der Katastrophe zum .wecke der Berichterstattung an die Negierung > gegen. Insbesondere erkundigte sich Genosse . Czech nach den Angehörigen der Opfer, nach > ec Zahl und ihren Lebensverhältnissen. Dieser Bericht tvird die Grundlage fiir die '.nt beginnende Hilfsaktion sein. Sie wurde geleitet durch eine Spende von 60.000 Kronen uw den Mitteln des Ministerpräsidenten, bei im Der Hauptschacht, der durch das einge- stürzte Maschinenbaus und die Trümmer deö Förderturmeö verlegt ist, kam für die Rettungsarbeiten überhaupt nicht in Betracht. In den ersten Vormittagsstunden gelang eS, eine Förderschale des Wasserschachtes betriebsfähig zu machen; die ziveite Schale lvnrde bei der Explosion hochgeschlendert und zerquetscht, das Förderseil bangt vom Förderturm lose herab. Die Schachtsohle ist am Wasserschacht 238 Meter tief; um 10 IIhr vormittags waren die Rettungsmannschaften ans der gebrauchsfähige» Förderschale bis in 230 Meter Tiefe vorgedrungen und um 11.20 Uhr lvnrde der erste Tote vom Füllort geborgen. Die hier gefundenen Leichen weisen alle fürchte r- l i ch e B e r b r e n n u n g S s p n r e n auf. Der Schacht V1H auf dein West-Revier, der ausschliesslich der MannschaftSförderung dient, war die B a s i S s U t d i e ersten Ret- tun g S a r b e i t e n. Hier strömten frische Wetter ein, die daS Vordringen der Rettungsmannschaften überhaupt erst ermöglichten. ES tonnte eine Verbindung mit den zum Schacht IX auSströmenden Wettern hergestcllt werden, indem man einen Teil des Wetterstollens zu Schacht IX abmauerte. Der gewonnene Raum, der von frischer Lufl bestrichen war, sollte loeitere Vorstösse in das Schachtinnere ermöglichen. Tatsächlich wurden in dem Wetterstollen von Schacht VIII schon gestern abends die ersten Leichen geborgen. Ein Umschlagen der Wetterführung machte iedoch im Laufe deS heutigen Tages ein weiteres Vordringen unmöglich; durch die Vergasung auch dieses Raumes wurde der Schacht VIII unbefahrbar. Er ist mit gelben Rauchschwaden erfüllt, die auch den Aufenthalt mit!>Iettttnge»lnüken unmöglich machen. An den Toren zimi grossen Schachlhof stehen die Angehörigen der Begrabenen, Hunderte schluchzende Frauen und weinende Kinder. Sie nähren noch eine leise Hoffnung, ihre Lieben wiederzusehen. Auch die Belegschaft des Schachtes von den anderen zwei Schichten ist fast vollzählig versammelt. Schweigend, von Entsetzen ergriffen, stehen die Tausenden. Viele hatten die ganze Nacht gelvartet, sie lvarteten heute in den Abendstunden noch immer... Am Nachmittag mußten anch die Ret- tungsarbriten ans dem Wafferschachk eingestellt werden. Im Revier ist ein großer Abmauerung des Brandherdes Ossek, 4. Jänner. sEigenbericht) Schon heute vormittags bestand fast vollkommene.■ Gewißheit, daß die ans Nelson>H cingeschlosscncn Bergarbeiter nicht mehr lebend zn ber- k gen sein werden. Es handelt sich nm 126 Arbeiter nnd 9 Aufseher. Brandherd, dessen Ausbreitung verhindert werden mußte. Das konnte nur durch dir luftdichte Abmanttnug aller Zufahrtsschächte geschehen. Sie erfolgte am hcittigcu Nachmittag unter ungeheurer Gefährdung dtt beim Abmauern beschäftigten Arbeiter. Bis zur Erstickung des Brandes können zehn Tage vergehn. E« besteht kaum eine Aussicht, daß nach dieser Zeit auch nur einer der im Schachte Begrabenen lebend geborgen werden kann. Bier Arbeiter tonnten sich, wie tvir bereits kurz meldeten, gestern abends durch den Schacht VI retten, den sie unter unsäglichen Gefahren und nach längerem Umherirren erreichtet», verfolgt von den Giftschivaden der Explosion. Einer, der dei» Wettlauf mit dem Tode fast schon erfolgreich, bestanden hatte, stürzte von den Fahrten des Luft- schachtes wieder zurück. Er war von den Giftnebeln betäubt tvorden und mutz, da auch daö durch die eigentliche Explosion wenig in Mitleidenschaft gezogene Revier beim Schacht VI vollkommen v c r g a st ist, als verloren betrachtet werden. Aus dem ganzen Revier sind bis jetzt sieben Tote geborgen; vier Ivurden gestern bei den» Schacht Vlll gesunden, durch den Wasserschacht tvurden drei ans Tageslicht gebracht. Obertags wurden durch die Explosion ausserdem, wie schor» gestern gemeldet, noch zivei Meirschcn getötet. Sechs Verunglückte befinden sich iin Duxer Krankenhaus. Es gilt als sicher, dass es sich nicht nm eine Schlagwetter-, sondern um eine Kohlenstaubexplosion handelt. Fraglich ist nur, wodurch diese Explosion ausgelöst wurde. Die Annahme, dass das Sprengstofflager explodierte, ist nicht von der Hand zu wei- sen, dem» der Hauptherd der Explosion befindet sich in der Nähe dieses Lagers. Dies wird aber nnr festzustellen sein, wenn mm» bis zu dein Sprengstofflager vorgedrungen sein wird. ES wäre dann noch die Frage, wie der Sprengstoff zur Entzündung kam. Ein Teil des Nelsonschachtes, nämlich das SilesinS-Revier I, hat auch schlagende Wetter. Er hat jedoch eine eigene Wetterführung, so dass anzunehmen ist, dass die Kohlenstaubexplosion im Ostrevier der»nöglichen Schlagwetterexplosion im SilesiuSrevier vorausgegangen ist.- Frefta», B. Issnner 1034 SeHc3 Der Aussdilub Duttmanns aus der Kommunistischen Partei Well er die Einheitsfront mit der Sozialdemokratie wollte Neuer Vorstoß Japans In Chino? BandcnoHgrlll neuen Peking als Vorwand Shanghai(UN), 4. Jänner. Der amtliche Sowjetfunkdienst meidet, daß die Truppen des aufständischen chinesischen Generals L u h i d a n bereits in die entmilitarisierte Zone um Peking eingedrungen sind. Eine Borhut von 600 Mann soll bereits die Stadt Judsijavej, die vier Meilen von Peiping entfernt ist, erreicht haben. Gleichzeitig haben auch Banditenabteilungen in der Stärke von 3000 Mann militärische Operationen an der Grenze der Provinz Dschehol aüsgenommen. Heute kreist« über Peiping neuerdings ein japanisches Bombenflugzeug. Diese Ereignisse beweisen, das; die Situation im nördlichen China wieder sehr ernst wird. Es wird gemeldet, daß die Japaner sich jetzt anschicken, die militärische Aktion deü Generals Lu- hidan auSzunühen, ihren Plan einer eingehenden Festigung ihrer Situation in Nordchina zu vertvirllichen. Die japanischen Blätter drohen, daß im Falle als Marschall Tschangsue« liang jetzt in Nordchina erscheinen sollte, dort e r n st e Unruhen auübrechen würden, welche die bisherigen guten chinesisch-japanischen Beziehungen bedrohen könnten. Italiens Forderungen unannehmbar Paris, 4. Jänner. Die Unterredungen Sir John Simons mit Mussolini in Rom werden von der Pariser Presse mit lebhafter Aufmerksamkeit verfolgt. Fast einmütig verteidigt die Presse den Völkerbund und den Völkerbundpakt, und zwar auch solche Blätter, die früher mi skeptischen Kritiken der Genfer Institution nicht sparten. Der neue Versuch Mussolinis, die Vorherrschaft der Großmächte im Völkerbund wiederaufzurichten, tvird von der Presse einmütig abgelehnt.„Jn- lransicgeant" schreibt, eine solche Vorherrschaft der Großmächte und Diktatoren sei unzulässig und für die Freunde und Verbündeten Frankreichs, insbesondere für die Staaten der Kleinen Entente, Polen und Belgien unannehmbar. „TempS" schreibt, daß England, das im Mac- Donald-Plan und in seiner Politik ein grundsätzlicher Anhänger der Abrüstung sei, der Aufrüstung Deutschland«, wie sie Italien Vorschläge, nicht zustimmen könne.* indaneroufstand in Pera Lima, 4. Jänner. 8000 Indianer bestnden sich in Aufruhr. Sie haben die Kaserne von Cuaqui an der Grenze von Peru und Bolivien in Besitz genommen. Die Stationen der Eisenbahn Euaqui—La Pa« und Titicacasee wurden geplündert. Die Eisenbahn gehört einer britischen Gesellschaft. Die Eisenbahner setzten sich zur Behr. Auf beiden Seiten soll e« s ch w e r e B e r- l u st e gegeben haben. Die bolivianische Regierung hat Truppen in das Aufruhrgebiet entsandt. Daü Zentralorgan der Kommunistischen Partei»RudL Prävo", das nach dreimonatlicher Einstellung unter der Chefredaktion de« Abgeordneten K o p e c k h wieder erschienen ist, teilt offiziell mit, daß der ehemalige Chefredakteur de« Blattes, Josef Guttmann, aus der Kommn« nistischen Partei ausgeschlossen worden ist. Diese Nachricht begleitet der jetzige Führer der Kommunistischen Partei, Klemen« Gotttvald, mit einer Erläuterung, aus der man die näheren Gründe de« Ausschlusses GuttmannS erfährt. Gottwald sagt, daß der Ausschluß GuttmannS wegen dessen „antikommunistischer konterrevolutionären Auftreten«" erfolgte. Guttmann habe»schon längere Zeit in einer Reihe wichtiger taktischer und strategischer Fragen der revolutionären Dctvcgung «inen unbokschcwistischcn opportunistischen Stand-| punkt, eine opportunistische Deutung der Taktik i der Einheitsfront, des Verhältnisse« zu den sozialdemokratischen Arbeitern und andere«" vertreten. Guttmann habe die Kommunistische Partei Deutschlands einer unrichtigen Politik beschuldigt. In dem Briefe, den Guttmann KPC geschickt hat, schreibt er, daß e«»in Deutschland bei einer richtigen Politik der Kommunistischen Partei zur Aufrichtung der faszistischen Diktatur nicht hätte kommen müssen", mit anderen Aorten, er schiebt der Kommuni st ischen Partei Deutschland« einen Teil der Schuld an der Machtergreifung.durch Hitler zu. Die Kommunistische Partei Deutschlands hat. so führt Gutmann weiter aus,„das gemeinsame Vorgehen mit den sozialdemokratischen Arbeitern von vornherein abhängig gemacht von der kommunistischen Auffassung aller wichtigen Fragen" und dadurch die Einheitsfront unmöglich gemacht. Die Massenstreiks zezen soziale Reaktion In Polen Warschau, 4. Jänner. In Lodz fand heute eine Beratung der Vertreter des Zentralverban- de« der Arbcitergeiverlschastcn des Lodzer Jndu- stricreviereS statt, in welcher beschlossen wurde, zum Zeichen d«S Protestes gegen das Inkrafttreten de« neuen Gesetzes über die Regelung der Arbeitszeit in der Industrie, welche u. a. die Kürzung der Arbeiterurlaube und die Aufhebung de« sogenannten englischen Gamütag Vorsicht, am 10. Jänner d. I. einen eintägigen Demonstrationsstreik auf dem ganzen Gebiete deü Lodzer ndu- striereviereS zu proklamieren. Sehnliche Streikproklamationen werden auch in anderen Industrierevieren Polens erwartet. Dcrklerlk le Kurs In Spanien Madrid, 4. Jänner. Die Regierung bereitet einen weitgehenden Ainneslieentwurf vor. Sie plant u. a., in den Corte« einen Gesetzentwurf betreffend die Gclvährung materiellerUn- Taktik der Einheitsfront hätte .ein Kompromiß zwischen Kommuni st en und sozialdemokratischen Arbeitern" werden müssen. Auch die kommunstisch« Partei der Tschechoslowakei hat an Aktionsfähigkeit verloren und die ganze kommunistisch« Bewegung hat einen Verfall zu verzeichnen. Die man fleht, hat Guttmann vor allem di« Auftastung vertreten, daß in Deutschland die Kommunisten und Sozialdemokraten einen einheitlichen Kampf gegen Hitler hätten führen müssen. Er wollte also dir Einheitsfront in einem für dir deutsche sozialistische Bewegung entschei- drndcn historischen Augenblick verwirklichen. Da« ist seine Sünde und deswegen wird er auSgr- schlossrn. Leute, die die Einheitsfront wirklich wollen, kann die Kommunistische Partei nicht brauchen, denn sie ist eine Partei, die nur von der Spaltung und Zerreißung der Arbeiterbewegung lebt. Gleichzeitig teilt Reimann in der deutschen kommunistischen Presse in einem Brief au« Moskau mit, daß er durchaus nicht die Absicht habe, an« der Kommunistischen Partei auSzutreten. (Für die Beschimpfungen der sozialdemokratischen Presse, di« er sich dabei leistet, wird er un« nach seiner Rückkehr Red« und Antwort stehen.) Der Herr Reimann hat nämlich— ein Mann, ein Wort— alle seine früheren Auffassungen abgcschivoren und glatt über Bord geworfen und, die KPC hat ihm zur Wiederherstellung der richtigen geistigen Linie eine Kur in Moskau verordnet. Wohl bekomm« l terstützung für dieÄeistlichkeit vorzulegen, die seit der Revolution im April 1031 über keine materiellen Mittel verfügt. Drohende Kabinettskrise In neigten Brüssel, 4. Jänner. In der Rcgierungükoa- lition haben sich sehr ernste Schwierigkeiten ergeben, infolge der Wiedereinstellung von 72 ehemaligen Staatsangestellten, welche ihrer Posten enthoben worden tvaren, weil sie im Krieg den deutschen Behörden bei der Befctzung Belgien« Hilfe gewährt hatten. Die vlämische Partei und die katholische Rechte verharren auf der vollen Amnestie und der Wiederaufnahme dieser Beamten in den Staatsdienst, Ivährend die Liberalen prinzipiell dagegen sind. E« ist nicht ausgeschlossen, daß das Kabinett genötigt sein wird, zurückzutreten. Heute nachmittag ist ein Ministerrat zusammengetreten, der über da« Schicksal de« Kabinett« entscheiden lvird. Vie Grubenopier die der Union angehörten «eck Josef, Herrlich(1003); Bühn, Heinrich, Haan(1807); Birnert Franz, Ostek(1008); Dörr Anton, Ostek (1801); Graf Adolf, Riescnbcrg(1804); Glöckner Julius, LBcrhaan(1808); Hablik Franz, Ladung(1807); Knlb Emil, Ostek(1004);»last Karl, Ostek (1880); Löwe Franz, Haan(1807); Lischke Richard. Ostek(1880); MiUelbach Anton, Ostek(1804); Mittelbach Albin. Ostek(1001); Nrstmann Franz, Riesenberg(1888); Peter Franz. Ostek(1808); Pik, Ernst, Ostek(1888); Parth Rudolf, Haan(1808); Rudolf Josef, llnterhaan (1802); Sperling Andreas, Riesenberg (1887); Sperling Anton I, Riesenberg (1888); Sperling Anton II, Riesenberg 1007); Sperling Franz II. Riesenberg (1012); Schmidt Wilh.. Ossek,(1808); Schindler Ferdinand, Herrlich(1004); Lhborni Franz, Ham;(1882); Tenschcl Josef, Ladung(1880); Wild Hermann, Ostek(1000); Wabke Josef, Janegg 1801); Wallisch Adolf, Dux(1800). Ole»kläre stawiskg nncktrltt des Koioniaimlnisterst Pari«, 4. Jänner. Ministerpräsident Chaute m p s erklärte gestem abends bezüglich der Gerüchte, daß einige Parlamentsmitglied e r in B e z ic b n n g e n zu Str.''ki; verwickelt seien, folgende«: Die Gerechtigkeit wird unerbittlich ihren Lauf nehmen und vor keiner Person Halt machen. Minister D a l i m i c r, der von einigen Blättern beschuldigt wird, an private Versicherungsgesellschaften günstige Empfehlungen über die gefälschten Wertpapiere StawiskhS gegeben zu haben, erklärt, daß er mit dem Betrüger nicht« gemein hatte. Auch drei weitere beschuldigt« Deputierte veröffentlichen in den heutigen Zeitungsausgaben entsprechende Erklärungen. „Echo de Paris" meldet, daß Minister Dali m i e r. der im jetzigen Kabinette ChautcmpS Kolionalmini'"cr ist, die Al,"cht hat. zurückzutreten, damit eine eventuelle Untersuchung der Affäre Stawiskh keinen schädlichen Einfluß auf die Position der Regierung habe. Spanischer Polizei* Kommandant erschossen Madrid, 4. Jänner. Ter Konimandanl tl g a r t e der städtische» republikanischen lüarde in Bilbao lvurdc von fünf Mitgliedern der anarchistischen GewerlschaftLverbandcS erschossen. Drei Täter wurden verhaftet. Ugarte hatte vor einigen Tagen an den Haussuchungen, in den lokalen Bü. roS des S»>n ikates teilgenommen, um Waffen und Munition zu beschlagnahmen. Land In Trauer Am Abend, wenige Stunden nach der Katastrophe. Die Kohlenstadt Dux liegt dunkel und ruhig da wie sonst, auü den Fenstern klingt Radio« niusik, in den Gasthäusern spielen zufriedene Bürger Karten. Leer sind die Straßen und Plätze, nur hie und da flitzt ein Auto vorbei, das die Richtung zur Unglücksstätte hat. An den Toren den Krankenhauses drängen sich kurz nach der Explosion die Menschen, hoffend, über die Leute vom Nelsonschacht etwas zu erfahren oder die Verwundeten zu sehen. Sie toarteten vergeblich; dann gehen sie in ihre Proletarierstuben zurück, die von Entsetzen erfüllt sind oder sie gehen an die Stätte deü Unglücks, um vor den Toren des Schachtes die Nacht zu durchwachen. Sie Wachen, hoffen und tveinen. Es ist umsonst. Auch die nicht unmittelbar betroffenen Klassengenossen wissen, was geschehe»» ist; daü gleiche Schickst»! droht ihnen Dig nm Tag und sie drängen darnach, sich der Gefahr auszusetzen, die über dem Leben de« Bergarbeiter« schwebt. Denn diese Gefahr bedeutet Arbeit und Brot für die Kinder. Die meisten sind beim Schacht, viele lvollen helfen, viele helfen, so gut eS geht. Sie laufen von der Schicht direkt auf di« Unglücküstätte, um sich für die Rettungsarbeiten «Urteilen zu lasten. Einer wetteifert mit dem andern, seinen Heldenmut und seine Solidarität zu beweisen. Noch schlagen hie und da Flammen au« den Trümmern. An dem Rande des Schachthofe«, wo die Angehörigen gedrängt stehen, wird der Lärm der Motoren und Signale übertönt von dem Jammer der Frauen und Kinder, die auf ihre Lieben warten. Sie stehen und jammern, bis der Tag graut. Im fahlen Lichte des dämmernden Morgens stehen die kahlen Sträucher auf dem zerrissenen Geländer verschwommen und traurig. An Ei»- flecken und kleinen Pingen vorüber führt der Weg. Grauer Dunst liegt Mer dem stillen Land. In der Nähe sind Fördertünne, rnan hört von den Schächten die Signale. Dort sind Glücklichere; aber eS sind die Kameraden derer vom Nelsonschacht. Sie trauern. Die Belegschaft zweier Schächte fuhr heute nicht ein. Ein kommunistischer Maurer vom Nelsonschacht begleitet mich. Er ist von der Nachtschicht, war also während der Katastrophe nicht in der Grube. Dieser Zufall, der ihn rettete, stört fei» nur Gleichmut nicht, den Gleichmut, mit dem je- der Bergarbeiter der Gefahr ins Auge sieht. Man ist daran getvöhnt. Aber man hatte, gerade auf Nelson UI, in den letzten Monaten auch einige Freud«: eS wurde näinlich wieder einmal voll gearbeitet, da« heißt, die dort Beschäftigten konnten sechs Schichten in der Woche verfahren. So war e« denn möglich, daß diese„Börseaner der Arbeit", wie sie von der„Bohemia" einmal genannt wurden, 240 bis 260 ftö IvöchenUich verdienen konnten, wenn sie Häuer oder Professioni« sten und viel weniger, wenn sie sonstige Regiearbeiter waren. Die Frage drängt sich auf: waren die Sicherungsmaßnahmen zufriedenstellend? Nicht nur dieser Maurer, sondern mich seine Kcuneraden, denen wir begegnen, verneinen: die ungeheuere Staubentwicklun g.die durch die Schüttelrutschen hervorgerufen wurde, ward nicht entsprechend bekämpft. Die Grubenverwaltung, die überall sparte, hat auch hier gespart. Wir sprechen nur leise in dem traurigen Schweigen um un«; uns drückt das Geschehen nieder. Bor un« stehen die Gebäude eine« verlassenen Schachte». Darin wohnen Bergarbeiterfamilien. Schluchzen klingt auf, da« sich, je näher wir kommen, zu herzzerreißendem Schreien steigert. Frauen weinen um ihre Männer, Mütter um ihr« Söhne und die Kinder stehen fremd dabei. Manche weinen auch, die ganz Kleinen staunen nur und können nicht fasten, iva« geschehen ist. Ihre Väter kehren nicht wieder und sie selbst werden hungern. Später einmal wird das Leiden und Sterben ihrer Ernährer mahnend vor ihrem Geist« stehen, sie zum Schaffen und Kämpfen für sich und di* Genossen aufrufend. Düster ragen di« Fördertünne de« Unglücksschachte« in den bleiernen Himmel. Auf den Halden stehen tausende Menschen. Sie sprechen nur flüsternd miteinander. Bevor wir zum Schachte kommen, begegnen uns schluchzende Menschen, di« die ganze Nacht gewartet haben und nun vor MMigkeit kaum noch weinen können. Eine alte Frau stützt sich auf den tröstenden Sohn. Einer ist ihr geblieben. Der andere und ihr Mann sind in der Grube. Der Enkel steht dabei und streichelt der Großmutter über die heißen Hände. Der rote Fleck vor der graubraunen Halde ist ein« Feuerlvehrpumpe, die Wasser auü der Grube entfernt. Grau toie der Himmel sind di« Gesichter der Wartenden, Wachenden. Sie sind immer blaß von der Not und den dumpfen Selben; heute aber verbirgt sich auch die» traurige AlltagSgesicht hinter der Maske des Entsetzen«, die dieser Abend und diese Nacht vor das Antlitz dieser Armen gehängt haben. Jenseits der Halde steigen Schreie auf. Immer kleiner wird die Anzahl der Männer, immer größer di« der Frauen und Kinder. Die sind am dichtesten versammelt vor den vergitterten Toren, durch die sie schweigend oder leise schluchzend spähen. Dünn sind die Gewänder; aber die Leiber spüren die Kälte nicht. Sie haben auch die scharfe Kühle der Nacht ertragen. Der Schachthof ist bevölkert von Rettungsmannschaften, Gendarmen, Journalisten, Samaritern, Feuerwehrleuten und Grubenbeamten. Zwischen einem Bretterhaufen und einer Kette von Auto« rennt eine junge Frau schreie>»d hin und her. Sie lacht und weint abwechselnd. Sie spricht irre, sie ist wahnsinnig vor Schmerz. Sie schreit für die Schweigenden, die mit nassen Augen durch die Gitter sehn»md ist nicht zu beruhigen. Bergleute mit dem Rettung«tornister rennen wer den Hof. Dort dröhnt eine Pumpe, hier wird ein Dach abgedeckt, beim Maschinenbaus werden Trümmer beseitigt. Durch das Fenster de« Maschinenhauses beim Wasterschacht ruft ein Maschinist, daß die Lager heißgelaufen sind. Man läßt trotzdem die eine gebrauchsfähige Förderschale in die Ties« und das kühne Werk scheint von Erfolg gekrönt zu sein. Die Helden stoßen bi» auf den Grund deü Schachtes vor, und bergen nach unsäglichen Mühen drei Leichen. Bergbeamte fahren hinunter und auch der Betriebsrat hält tief unten Ausschau nach den Kameraden. Auf dem Schachthof hat sich«in Auto aufge« pflanzt, auf dem ein Filmmann hantiert. Er will aus dem Bergen der Tote»» eine Sensation für die Leinwand machen. Der anwesende Regie- rungöbcnmte verbietet energisch diese Barbarei, aber diese Geschäftsleute, die an dem anderer verdienen wollen, geben sich so leicht nicht geschlagen und erreichen auf Umwegen und dnrch Tricks ihr Ziel. Minister kommen— die Menge vor dem Schacht macht ihnen schweigend Platz. Sie vergrößert sich immer mehr und von Mund zu Mund geht die Frage: was geschieht mit uns, den Angehörigen, was geschieht mit den Kindern, waü geschieht»nit denen, die durch die Katastrophe arbeitslos werden? Der Fürsorgeininister ist da. Vertrauensvoll grüßen ihn die Vertreter der Bergarbeiter. Un- ermüdlich sammelt er Berichte ein, läßt sich Darstellungen über den Umfang der Katastrophe, über die Größe der Not geben, sucht Auswege, nimmt Aufträge und Wünsche entgegen, spricht Mut zu. Man will helfen und eS tvird geholfen werden. Die Vertrauensleute der deutschen und tschechischen Arbeiter des Bezirkes sind dann bei ihn»; er berät mit ihnen die Möglichkeiten der Hilfe und Maßnahmen zum Schutze der Bergarbeiter. Seine Aufmerksamkeit gilt den Berwundc- ten im Krankenhaus. Er geht fragend und tröstend von Bett zi» Bett. Dankbar folgen ihn» die Augen und die Griiße der Kranken. Die Vertreter der Partei sind hier. Sie erklären, daß die Partei helfen wird, soweit sie kann. ES ist keine Stunde zu verlieren. Noch immer stehen die Angehörigen draußen. Da tvird ihnen Kunde. daß die RettungSarbeiten eingestellt werden müsten. Der Schacht brermt. Das Feuer muß gelöscht werden, indem man die Grnbe abmaucrt. In ihr sind noch 131 Menschen Sie werden das Tageslicht nie Wiedersehen. Ra»ich und Flammen können ihnen ka»»m noch ettvaü anhaben, denn es ist anzunehmen, daß durch die Gewalt der Explosion alle getötet oder durch die Gifte erstickt wurden. Dunkelheit senkt sich über daü bleigraue Land. Die Menschen tveinen in den armen Stuben weiter. Trauert nicht allein mit ihnen. Sorgt dafür, daß sic morgen zu essen habenl K. K. Seit« 4 Sreitag, S. Winner 183» Nr. 8 Weifte Träume Bon Walter. „Deutsche“ Post eingestellt Das Landesaint in Brünn hat mit Erlas; vom 30. Dezember die dcntschnationale Zeitung „D rutsche Po st" in Troppau samt ihren Kopfblntlern„Tagblatt",„Deutsche Zeitung" und„Ostrauer deutsche Post" eingestellt. Dal Verbot, das bis auf Widerruf gilt, stübt sich auf den 8 6 des Gesetzes 201/83 über die Einstellung, bzw. Auflösung politischer Parteien; darin wird das Laudeöamt ohne zeitliche B e- schrank u n g zur Einstellung von Zeitungen er- tnächtigt, die den Zielen der eingestellten, bzw. aufgelösten Parteien dienten. Tagcsnculgkcltcn Kinder-Massensterben im Trantenauer Krankenhaus Eine traurige, aber treffende Illustration der Zustände in unfern Krankenhäusern wird durch eine Notiz in der bürgerlichen Presse über daü K Inder st erbe u in der Stadt Traute» n a u geliefert. Nach dieser Meldung, die, wie wir uns überzeugien, den Tatsachen entspricht, befinden sich in den letzten Wochen ständig an die dreißig bis vierzig diphtherieöder s ch a r l a ch k r a n l e Kinder im Jnfek« tioiiSpavillon— wie der die grausame Wirklichleit verschleiernde Ausdruck für die a r m s e l i- gen Baracken lautet, in der die infektiös Erkrankten untergebracht werden— die nur von zwei Schwestern gepflegt und den grössten Ge- sabren ausgesetzt sind. Die an ansteckenden Krankheiten leidenden Kinder liegen dicht nebeneinander in den Betten, so dass von einer Isolierung, Ivie das Gesetz es verlangt, nicht die Rede sein| kann. Die Folge dieser unerhörten Zustände ist cine Reihe von Todes» alle.» unter diesen Kindern. Allein in den letzten Tagen sind einige .Kinder gestorben, darunter zwei(st e s ch wist c r p a a r e, deren Tod unter der Bevölkerung graste Aufregung hervorgerufen hat. Vor Jahren schon hat unser Parleiblatt in Trantenau auf diese Zustände in diesem Krankenhaus hinge- wiesen. die Antwort auf diese Kritik waren Paragraph Ist Berichtigungen. Klagen, und das Aufgebot von(stcndarmerie gegen eine Funktionärin der Arbeiter-Fürsorge, von welcher man fälschlich annahm, dass sie die Berichte über die unhcimli- chen Verhältnisse deL Trautenauer Krankenhauses an das Parteiblatt weitergebe. Heute, da die tatastrophale» Zustände iin Trautenauer Kranke»Hause durch ein Massensterben von Kindern ousgedeckt werden, müssen die gleichen Zeitungen, die damals von einer sozialdemokratischen Hetze schrieben, angsterfüllt nach Abhilfe der geradezu fürchterlichen und unzulänglichen Einrichtungen list Trautenauer Krankcnhause rufen. Lod eines Dreijährige« durch Sttwowitz Die Sandsteintvände stehen nackt und kalt, schründig vom Schnee spärlich weist gefugt, über den schtvärzlichen Kiefern. Kein Menschenlaut, keine Bogelstimme belebt die Abgeschiedenheit. Auch im Sommer ist cö einsam um diese Wände, aber eS ist dann eine andere Stille, tvcnn lohende Hitze über den sandigen Wegen flirrt, und cS dunkelt eine andere, eine hcistc Schwärze in den starren Nadelbüscheln der Kiefern, lieber den Waldschlägen, auf denen der rote Fingerhut seine Dlütenschäfte reckt, dräut panische Verzauberung. Jetzt aber, im Winter, starrt die Einsamkeit tvie Verbannung. Schmale Schncebändcr längs der Wege, gerade hinreichend für das Gleiten der Skier, führen hinab in tvaldigc Gründe. Oben aber breitet sich die meiste Decke dick und flauschig. Der Hohe Schneeberg erstreckt sich, einer Festung ähnlich, über dem Schwarzwciss der Wälder. Bald fallen Schleier um Schleier, Tämnierung und Dunkelheit über ihn, schliesslich entschwindet er in der schneeblassen Nackt. Spät gehen wir noch einmal durch» Dorf. AuS kleinen Fcnstem fällt Licht in meiste Schneegärtchen.. Jenseits des raumlos scheinenden Tales reihen sich iin Zickzack die Lichter einer Ortschaft bergauf; ein stummes von nur ahnbarem Leben bcloegteö Flimmern irdischer Sterne. Am andern Morgen verhüllt Nebel die Nm« weit. Waldsäume ziehen als körperlos schwebende Schattenzüge durch milckigcs Weist. Dick vom Rauhreif bepelzte Sträucher tauchen als blasse Erscheinungen auf, gleiten heran und vorüber, verworrene Gebilde, ineinander geschlnngeneS Gestrick von nadeliger Schneewolle, und entgleiten den Fahrten des Wildes. Hasen im Lauf— zwei eins eins, zwei eins eins— die Meisten Flächen kreuz und quer perforiert. Im tiefen Schnee folgen sie gern den festen Spuren der Skiläufer. A» geschützten Waldrändern ist das Getrippel ihrer nächtlichen Spiele dicht in den Schnee getüpfelt. Einmal führt uns cine glatte Spur iumitteu eines dichten Verkehrsnetzes von Widspuren irre; an ihrem Ende stehen mir tief im Walde vor esncr Wildfuttcrstclle; um die Heuraufe und einen mit Kastanien gefüllten Futterkasten ist der Schnee festgctrappelt von Rehhufcn und hoppelnden Hafen; es war die Schnccfchuhspur eines Försters. Der Wald steht weist und schweigend. Wir streifen seine beschneiten Zweige, und läfsig rieselt der kristallene Staub, ohne dast die anderen Zweige sich regen. Der Wald ist uns nahe und doch fern in der wcisten Ruhe eines vcrtvandcltcn Seins. Wir stehen atmend und schauen den Wald an. Die Ztveige kahler Sträucher sind gesäumt von breiten, glasklaren Eisbändcrn, und jedes Band ist besetzt von tveisten Rauhrcifnadeln, sternförmig zusammengesetzt wie die Stachelbüsckel an Kakteen. Jede Fichtennadel ist kandiert. Bei der leisesten Berührung fällt der Schmuck mit feinem Klirren in den Schnee. Er ist von einer zarten Schönheit, die sich dem beschreibenden Worte ebenso entzieht Ivie der photographischen Platte. So steht der Wald, in geringer Tiefe schon leise vcrfchleiert voni Nebel, weist, weich, unwirklich, als träume er sich selber. Ein Weister Traum— das ist der Wald, durch den wir schweigend unsere leise rauschende Svnr ziehen, und es ist, als ob Ivir in den Iveistübcrhangene» Hängen uns von allem entfernten, ivas wir selber ins Wesenlose. Manchmal schreiten Skiläufer nahe und doch schemenhaft zwischen ihnen hin, Dörfer sind kurze Zwischenspiele menschlichen Lebens, aukh sie halb verhüllt im Ungewissen des Nebels. Nollen- dorf, Zinnwald, Flehh und andere Äammdörfer, die breiten Hänge um den Mückenbcrg und den Stürmer sind bevorzugte Wintersportplätze derer, die die bequeme Nähe des Standquartiers und den idealen Hang bevorzugen. Dazwischen liegen stundenweite Einsamkeiten, liegen die weiten Flächen der Kammhöhen und die verschneiten Wälder in Weister Stille, in der nur die Meisen wispern. Der Nebel ist weist wie Milch. Auf den Wald, freien Höhen gibt eS keinen Kammweg mehr; die Richtung ist durch Stecken markiert, an denen entlang man ins Naumlosc zu gleiten scheint. Nichts als die weistc Stille K* um uns, und der frische unvergleichliche Duft des Schnees. Das Zischen der Skier geht mit uns in» RhtzthmuS des Schreitens, und zurück bleibt die Spur, cine Dop- pcllinic im Schnee, tageweit über die Kammhöhen gezogen, begleitet von den runden Tapfen der Stockteller, hundertfältig geschnitten von den Spuren der Vorgänger, hundertfältig gekreuzt von sind. In der.Schneedämmerung des letzten Abends liegt das Jagdschloss Lichtcnwald in schncevcr- hangcner Waldkannncr, verlassen, einsam, still, wcistumschneit, entrückt, cine Erinnerung nur an die Menschen. Das Tor des Wildgatters klappt hinter uns zurück. Und in rauschender Fahrt durch sinkende Nacht gleiten wir hinab ins Tal, über glatte Bruchharschhänge, unter denen die Abendlichtcr des Dorfes funkeln. Am nächsten Morgen hat der Schnee das glasige Aussehen, das Tauwctter ankündigt. Ei» Berg steht weist, von fahler Sonne beschienen, über samtenen WaldHäugen. Und iin Tale schleift der Schnee schon nast um die Bretter. Wir warten im Gasthaus auf die Stunde der Heimfahrt. Da hängen Zeitungen, Spalte um Spalte gefüllt mit Unglück und Not, mit allem Wirrivarr dieser unseligen Zeit, und eine Verzauberung weicht von uns, entgleitet uns als ein Weister Traum, in allen Einzelheiten noch vorstellbar und doch entzogen in die Bereiche des sin- Wirllichen. Tkebii, 4. Jänner. In Mohelno nad Nä« nieste nad Oslavou trank in einem unbewachten Augenblick der dreijährige Sohn des Gastwirtes Miroslav Rüjikka ans einer Flasche bOprozen- tigen Sliwowitz und verschied den nächsten Tag darauf. Gegen die Eltern des Knaben wurde die Strafanzeige erstattet. Bürgermeister a. D. zu drei Monate» Kerker verurteilt Der gewesene Hakenkreuz bürgermeister von Marl t-E i s e n st e i n, Tr. P a s- s a u e r, wurde von; Kreiögericht in Klattau wegen der Verfassung eincj« gegen den Staat gerichteten Flugblattes zu drei, die Hakenkreuzler !>I ö h l e und Schaffhauser, ebenfalls miö Eisenstein, zu je einem Monat Kerker verurteilt, tliöhle und Schaffhauser sorgten für die Verbreitung des von Dr. Passauer verfassten Flugblattes. Das wird komplizierte Verwandtschaft geben l Warschau, 4. Jänner.(PTA) In dem Dorfe strnszina bei Posen hat sich eine seltsame Bc- gevcnheit ereignet. In der gleichen Nacht brachten drei Frauengenerationen, die 07jährige Groh- m u t t e r, die M u t t er und deren 17jährige Tochter Kinder zur Welt. SOS-Rufe eines havarierten Dampfer». Bei dichtem Nebel ist Donnerstag morgens anf der Nordsee vor'dem Eingang zum neuen Wasserweg bei Hoel Van Holland der deutsche Dampfer„C e r e s" mit dem aus Rotterdam lammenden englischen Dampfer„SagreS" zusam- mengestosten. Die„Ceres" scheint schwere Havarie erlitten zu haben. DaL Schiff hat dringende SOS-Rufe ausgesandt und ist wahrscheinlich im Sinken. Ein Rettungsboot ist von Hock Ban Holland abgcgangcn. Wiederum um den Gefrierpunkt. Bei Luftzufluss aus den; Nordosten dauert die langsame 'Abkühlung noch iinMer an. Seit Mittwoch nachSchnceloppe ragt noch immer aus den Wolken heraus und hatte heute früh heiteren Himmel bei minus 6 Grad Celsius.— Wahr- scheinlichesWetter heute: Vorwiegend bewölkt ohne erheblichere Niederschläge, im Westen der Republik Temperaturen nahe Null. Die Mutter erschießt ihren Sohn. Wie aus Buxtehude gemeldet wird, hat die Ehefrau deü Schlächtermeisters Tiedemann in Lühe bei Grünen Deich am Mittwoch abends in einem Anfall von Hysterie ihren 14jährigen Sohn durch einen Pistolenschuss in die Schläfe getötet und die Waffe dann gegen sich selbst gerichtet. Sie wurde jedoch an der Ausfiihrung des Selbstmordes gehindert. Die völlig zusannnengebrochene Frau wurde in das Vuxtehudcr Krankenhaus geschafft. Verlassener Dampfer im Eismeer geborgen. Der sowjetrussische Radiodicnst meldet, dass sowjetrussische Schlepper in den Hafen von Polar- naja den gescheiterten norwegischen Dampfer „H a u g l a n d" von.7000 Tonnen.eingebracht haben, der im Oktober 1983 an der Westküste von Murmansk mif Grund stiess und von der Besatzung verlassen wurde. Die Bergungsarbeiten tvurden unter aussergewöhnlich schwierigen Verhältnissen, im dichten Nebel und bei einer Kälte von 40 Grad Celsius dnrchgeführt. Die„Haugland" wird im Hafen von Polarnaja repariert werden. Ein neues gewerkschaftliches Organ. Mit 1. Jänner ist in A u s s i g die erste Nummer der Zeitschrift„Einigkeit" des neuen Organes des Verbandes der Transport- undLe- bensmittelarbeiter erschienen. Der FeirrtagSvrrkrhr auf der Strecke Prag— Komotau. Am 7. Jänner fährt der Zug Nr. 617, Abfahrt Prag, Masarykbahnhof, 83.60 Uhr bis nach Rakovnik, Ankunft dortselbst um 1.44 Uhr. Am gleichen Tage wird der Zug Nr. 634, Abfahrt ab Ko- motau um 13.10 Uhr direkt nach Bubna geführt. Abfahrt LuZna-L. 10.56, Ankunft Bubna 81.80 Uhr. Zwei Eisenschwellen auf dem Geleise. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. teilt mit, dast ein von Osferckach komniender Zug am Mittwoch uni 21.10 Uhr kurz hinter dem EinfahrtSsigiml in. den Frankfurter Lokalbahnhof halten musste, weil zwei Eisenschw'ellen quer über demGeleise lagen.Da der Zug schon langsam fuhr, schob die«Lokomotive di« Schivellen vor sich her und stiess sie dann zur Seite, so dass nichts geschah. Die Bahnpolizei hat die vorhandenen Spuren sofort mit Hunden verfolgt. Tausende tot» Krähen. In der englischen Grafschaft Darset,»örtlich von Dorchester, sind ia tausende von ES besteht der Verdacht, dass irgend ein Bauer auf seinem Felde Arsenik auSgestreut hat, Um die Vögel als Schädlinge zu vergiften. Eine amtliche Untersuchung ist«ingeleitet. Ein Wolkenkratzer in Gdingen. Die Baugesellschaft in Gdingen trifft Vorbereitungen für den Bau eines 17 stückigen Wolkenkratzers, der das höchste Gebäude Polens werden soll. Deutsches Flugzeug abgestürzt. Berlin 4. Jänner. Auf der Rückkehr von einem Ilcbungsflug stiess am Donncrsiag in unsichtigem Weiter ein Flugzeug der Deutschen VerkehrSflicgerschulc Braunschweig bei der Landung auf dem dortigen Flughafen gegen einen Funkmast und stürzte ab. Die beiden Insassen Flugzeugführer Schröder und Werkmeister Hnhndorf kamen dabei umS Leben. 3 Tote durch Explosion einer Sauerstoffflasche. In einer Fabrik in St. Jnery bei Albi in Süd-Frankreich explodierte am Donnerstag cine grosse Sauerstofflaschc. Durch die umhcrflicgcn- den Eisensplitter wurden drei Arbeiter getötet und drei weitere lebensgefährlich verletzt. Der durch die Explosion verursachte Luftdruck war so stark, dass sämtliche Fensterscheiben der umliegenden Häuser in Trümmer gingen. Deutscher Dampfer gesunken. Rotterdam, 4. Jänner. Der deutsche Dampfer„Ceres" ist nach dem Zusammenstoss mit einem britischen Dampfer gesunken. Die Besatzung konnte gerettet werden, bis auf den ersten Steuermann, der über Bord gespült wurde. Die„SagreS", ein englischer Bananendampfer, scheint nicht stark beschädigt worden zu sein.. Tas Schiff konnte die Reise fortsehen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Sa>uStag. Prag 7.30: Frühkonzert, 17: Konzert aus Mähr.-Ostrau, 17.80: Dr. Laviika: Der Geist des neuen Amerika, 18: Deutsche Sendung: The Splendid ArtistS, Heiteres Programm, 10.26: Hector Berlioz: Die Kindheit Christi.— Brünn 12.16: Blasmusik, 17.80: Deutsche Sendung: Konzertstunde.— Prehburg 17.80: Nachmittagskonzert, 21: Sinfoniekonzert.— Wien 16.80: Gitarremusik, 17: Nachmittagskonzert, 20.06: Populäre Oper und Operetten.— Heilöberg 16; Unterhaltungsmusich.— Berlin 17.30: Das Funkmelodram:„Die Sphinx".— Hamburg 20: Spaziergang durch Musikgeschichte. mittags stiegen die Temperaturen nur noch ver- rinzelt über den Gefrierpunkt. Am kältesten ist eS in der Nord- und Ostsiowakei. Strbskt Pleso meldete ein Minimum von minus 10 Grad. einen» Umkreise von 80 Kilometern Starr; Sinokovec von minus 0 Grad Celsius. Sonst ist die Wetterlage im allgemeinen unver ändert geblieben. Nur vereinzelt wird Schnee fall oder Ncbelrcitzen in unbedeutender Menge r......---.'.Z verzeichnet; vorwiegend jedoch ist«S trocken. Die'Krähen wt aufgesunden worden. Nlr die SPD-Emigranten findet int Januar ein vier Vortragsabende umfassender Kursus statt. Thema: Die Geschichte der tschechoslowakischen Republik. 1. A b e n d: Montag, den 8. Jänner, 8 Uhr. St. Emil Stra h ss spricht über:„Geschichte der böhmischen Länder bis 1848. 2. Abend: Montag, den 16. Jänner, 8 Uhr. D r. F r a n z e I spricht über:„Geschichte der politischen und nationalen Bewegung im aljen Oesterreich 1848—UU8." 3. Abend: Montag, den 22. Januar, 8 Uhr. D r. Emil Straus; referierte über:„Geschichte dec tschc'choslovakiscken Arbeiterbewegung." 4. A b e» d: Montag, den 20. Januar, 8 Uhr. Redakteur Karl Kern, referiert über: „Die Geschichte der deutschen Arbcitcrbclvegung in der Tsckechüslovakischcn Republik." Alle vier Vorträge lverdc» iin Heim der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Prag, Närodni irida 4, veranstaltet. Zutritt nur für S.P.D.-Flüchtlinge gegen Vorzeigung ihres AuL- IreiscS. SPD. Prag. Bombenanschlag gegen die Wohnung des jugoslnvischrn Grnc- rnlkonsnlS in Klagenfurt Wie», 4. Jänner.(Eigenbericht.) Donnerstag abends gegen zehn llhr wurden vor die Fenster der Wohnung des jugoslavischen Generalkonsuls Misorewitsch. Sprengkörper geworfen, die auf dem Dach cinesBorgebäudes explodierten und dieses durchschlugen. In der Wohnung des Konsuls wurden die Fensterscheiben zertrümmert und ein Teil der Wohnungseinrichtung demoliert, dock blieben die drei Kinder des Konsuls, die i» dem Zimmer schliefen, wie durch ein Wunder unverletzt. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur, doch schliesst man aus dem Verhalten der Polizei, das; die Attentäter aus den Kreisen der Heimtvehr stammen gegen die man nicht vorgehen will. Die Polizei hat jede Berichterstattung über den Anschlag verboten. Nazidemonstrationen werden fortgesetzt Wien, 4. Jänner.(Eigenbericht.) Die Hi. kenkreuzler setzten heute ihre Aktivität, die sie in den letzten Tagen begonnen haben/fött. In d§r Nähe des StefanSdomes und in der Kärtnerstras;«. wurden Ivicder fleissig Sprengkörper zur Explosion gebracht, ohne dass eö gelungen ist, auch nur einen der Burschen, die offenbar die Aufgabe haben, die AuöhöhlnngSpolitik zu erweitern, um Dollfuss zu einem etwas rascheren Frieden mit den Nazis zu bestimmen, zu fassen, sinter den Passanten brach infolge der andauernden Explosionen mehrere Male cine Panil ans. Protestaktion der Arbeiterschaft gegen Diktatur in de» Arbeitertammern Wien, 4. Jänner.(Eigenbericht.) Die Anö- schaltung des sozialdemokratischen Einflusses in den Arbeiterkammern hat zu einer ungeheueren Erregung der Arbeiterschaft geführt und fand heute ihren Ausdruck in einer Reihe von Betriebsversammlungen, in denen gegen die VorgangS- wcise der Negierung protestiert wurde. ES kam in einigen Betrieben zur Arbeitöniederleginig und im Laufe des TagcS ivurde von mehr als gwanzigtausend Arbeitern durch cine Resolution erklärt, dass sic die Zwangsverwaltung der Ar- beiterlannnern sabotieren werden, um jede Zusammenarbeit mit derselben unmöglich zu ma- chen. Austausch politischer Häftlinge Wien, 4. Jänner. Der Hauptmann misse; Dienst, Josef Leopold, früherer niedcröstcrrci- chischer nationalsozialistischer Landtagsabgeordneter und Landcörat, der bekanntlich vor einigen Wochen aus der Untersuchungshaft gegen Gelöbnis entlassen, jedoch in das Konzentrationslager Wollersdorf gebracht tvorden Ivar, ist nunmehr auch aus diesen; entlassen worden. Die gerichtliche Untersuchung gegen ihn wird weitergeführt. Offenbar a)ö Gegenleistung hiefür haben die deutschen Behörden den österreichischen Staatsbürger, Schriftsteller Kurt Strachwitz, der mehrere Monate verhaftet war, auf freien Fuss gesetzt. Strachwitz ist bereits in seinen; Wohnsitze Innsbruck eingetroffen. 14«eitere Todesur teile wegen der Ermordung Nadir ChanS Kabul, 4. Jänner(Reuter.) Ein Sonder- gcrichtSauSschuss, dem auch einige Kabinettsmit- gljedcr angchören, verurteilte 14 Personen, die in die Verschwörung, die zur Ermordung des Königs von Afghanistan Nadir Chan geführt hatte, verivickelt waren, zum Tode, sinter ihnen befinden sich der Vater, ein Onkel und Freunde des Mörders sowie ein Offizier der afghc-nistanischen Armee und der Aufseher der Schule, in welcher der Mörder Abdul Chaliq und seine Mittäter studierten. Der jetzige König hat das Todesurteil b e- stätigt. *r. T Wcbcrsdiidtsai im Sdrönhcngsüand Ge». Hermann König hat für das Sam- melwerk ,^He!inatku»dc der Schönhengster Sprachinsel" eine Abhandlung über„W cberei und Heimarbeit" geschrieben, die als Sonderheft IV/4 des genannten Werkes erschienen ist. Gen. König beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Wirtschaft-« und Kulturgeschichte seiner Heimat; er ist ausgewachsen unter den Menschen, von denen er erzählt; er kennt die Gegend und die Verhältnisse, in welchen diese Menschen leben. Diese innige Verbundenheit, mit dem Gegenstände gibt seiner Abhandlung Wert und Gepräge: Der'Lcser erfährt nicht bloß Tatsachen, e r erleb t s i e i m H e r z c n m i t. Wie die amerikanische Baumwolle den heimischen Flachs verdrängt, wie Fabrik und Maschine die Heim- und Landarbeit überwinden, wie diese Umwälzungen sich verhängnisvoll im Leben der Menschen auS- wirkcn— es ist eine Tragödie, die sich da vor uns abspielt. furchtbar und erschütternd, selbst im Vergleich der schweren Fest, in der wir leben. Und nickt etwa so, daß eS sich nur nm vergangene Schrecke» handelt. Es gibt heute noch Hunderte von Hcimwebcrn im Schönhengster Land, die noch immer konkurrenzfähig sind, weil sie bei unmäßig langer Arbeitszeit zum Leben fast gar nichts brauchen. „Kartoffeln in der Frühe, zu Mittag in der Brühe, der Abends mitsamt dem Klekv— Kartoffeln in Ewigkeit l" heißt cS in einem alten Weberlied und e« hat bis beute damit seine traurige Richtigkeit. König berichtet von einer Erhebung, welche Genossin Blatn y im Jahre 1925 in Langenlutsch bei Mährisch-Trübau veranstaltete. Er beschreibt eine Reihe von Einzclfällen, von denen einer— durchaus nicht der schlinimste— als Beispiel dienen möge: „Der HauSweber F. Sch. lebt mit Frau und sechs Kindern in einem Raum von vier Metern Länge und 4.5 Metern Breite. Der älteste Sohn ist Knecht bei einem Wirt, die übrigen Kinder sind 4 bis 14 Jahre alt. Das Ehepaar schläft in einem Bett, der kleine F. auf einem Ofenbänkchen von 120 Zentimeter Länge und 89 Zentimeter Breite, die übrigen Kinder auf Kotzen. Früh ißt die Faniilie Kiffer mit Erdäpfeln, auf Brot langt es nicht. D'ätt Zucker, der zu teuer ist, verwendet man Ciocdjatin. Mittags gibt er wieder Erdäpfel, abends Krmitsuppe. Als Fett dienen Leinöl und Rindstalg. Vater, Mutter und Kinder, arbeiten von zeitig früh bis spät in den Abend und verdienen— 60 Kä in der Woche. Davon geht noch der Juhrlohn von 4 bis 6 Kc für den Transport der Ware ab. Für feine Stube zahlt Sch. 80 KC Zins, außerdem muß er vierzig Tage jährlich auf dem Felde des Hausbesitzer» arbeiten." So leben diese Menschen! Oder genauer: So lebten sie im Jahre 1925. Die Wirtschaftskrise hat die Verhältnisse noch bedeutend verschlechtert. Da die Heimarbeiter nicht organisiert sind, erhalten sie keine Arbeitslosen- Unterstützung; für viele, sesonder» die älteren unter ihnen, bedeuten die viel verlästerten Lebensmittelkarten des Fürsorgeministeriums den letzten Schutz vor dem Verhungern. Interessant ist der Vergleich, den Gen. König zwischen seinen Landsleuten und den schlesischen Webern zieht, die sich 1844 in wildem Aufruhr gegen ihre Peiniger erhoben. Die Menschen im Schönhengstgau sind weicher, nachgiebiger, von «nglaublicher Genügsamkeit. Von einem Heimarbeiter in Worlitschka stammt folgender Gedicht: Venn ich ei mem Stüwla setz an bei dr Arbt gar ofte schwetz, so daß de Trepla fließ« ro, do ho ich meine Frede dro. Wenn ei dr Olmer a ke Brut, deSwecha leid i no ke Nut. Im Kahlr ho ich a Kiste stihn, drin Adeppel ganz wunderschihn. De Adappel sein gut geroht, dro eßt ma sich gor dreimol soht, wenn ei dr Meste Salz noch iS, do schmecka se erscht doppelt sitz. Und bin ich a, wies hest, sehr arm, wenn ok mei Stüwle immer warm, fühl' ich mich reich of Gottes Welt— zufriede is mehr wart wies Geld. Diese Bedürfnislosigkeit, die mit Salzkar- ioffeln und einer warmen Stube zufrieden ist und bet schwerster Arbeit keinerlei kulturelle Ansprüche an die menschliche Gesellschaft stellt, kennzeichnet einen Großteil der Heimarbeiter im Schönhengstgau. Die geistig Regsamen sind zumeist auöge» wandert oder in die Fabriken geflüchtet; die anderen sind geblieben»ind ertragen ihr hartes Los mtt dunrpfer Ergeö.ing. Aber so darf es nicht bleiben. Gen. König schließt seine Schrift mit dem Wunsch«:„Mögen die Nachkommen der dahingegangenen WeberFreitag, 5. Jänner 1834 Seite 8 geschlechter in einer besseren Welt- und Wirtschaftsordnung ein menschenwürdiges Dasein finden I" Wir unterstreichen diese Worte und wollen alle mithelfen, daß dieser Wunsch Wirklichkeit werde. Nicht nur für die Schönhengster HauSweber, sondern stir die Arbeitsmenschen der ganzen Welt. Wer die Gegenlvart verstehen, in ihr politisch wirken will, soll wissen, wie diese Gegenwart aus der Vergangenheit heraus gelvorden ist. Daher wünschen wir der verdienswollcn Arbeit des Gen. König weite st e Verbreitung. Besonders unsere Funktionär« im Schönhengst« gebiet solle» sie lese». Auf dem engen Raum von 38 Seiten finden sie darin eine Fülle wertvollen Materials für den politischen Alltag, aber auch für persönliche Weiterbildung.— Das Büchlein kann bei Gen. Hermann König in UndangS bei Mähr.-Trübau'bestellt werden. Der Preis von 10 KL ist mit Rücksicht auf den vorzüglichen Inhalt und die geschmackvolle Ausführung sicher nicht zu hoch. Schweitzer. Das braune ABC Au« braunen Affen wurden Arier, Braunhemde» morden Proletarier, Cohn ist ein Untermenschentitel, Der Deutsche kuscht vor seinem Büttel, Ein Esel muß die Prügel kosten, Für Fememörder gibt cs Posten, Gelogen hat wie Goebbels keiner, Herr Hittler schwindelt durchaus feiner, Antt-Hitter Demonstrationen in New-York Bor dem Deutschen Konsulat in dlew- Bork kam eS zu gewaltigen Demonstrationen gegen die Gefangenhaltung der Leipziger Angeklagten. Rot uns Hunger im Wlefifc^en WeverstüdUyen Mtgstad« Ein Genosse schreibt«nS aus Wigstadtl: Zwischen dem Altvatcrgcbirge nnd den Beskiden liegt im Hügelland in der Nähe des Mohrn flusscS das nahezu 5000 Einwohner zählende alte Wcbcrstädtchen Wigstadtl, umgeben von einer Anzahl Landgemeinden bäuerliche« Charakters. Durch eine Lokalbahn, tvelchc noch dazu eine Sackbah« ist, und eine Autobuslinie wird da» Städtchen mit der Außenwelt schlecht und recht verbunden. Bor Jahrzehnten horte man fast in allen Häusern die Handwebstühle, durch fleissige Hände bedient, ihre besondere Melodie klappern. Bescheidene, genügsame Menschen verdiente« bei de«„Faktoren", für die sie arbeiteten, ihr kümmerliche» Dasein. Alle in der Familie, auch die Kinder, maßten mit dnzuschen, daß Brot ins Hau» kommt, denn ans viel mehr reichte es gewöhnlich nicht. Das lvurdc auch dann nicht viel besser, al» die fabrikmäßige Erzeugung einsetzte und die Handwcber ans den Wohnungen heraus in die Fabriksäle kamen. Im Gegenteil, sie verloren ihre Freiheit, und eine harte Behandlung durch die Fabrikdirektoren setzte ein. Dazu kam eine 12- bis 14stiindigr Arbeitszeit sowie Sonntagsarbeit. Strafen, Schimpfworte, ja auch Prügelstrafe« waren auf der Tagesordnung. Der Liesrrweg sWarenüberaahme) war für die geplagten, hilflosen Menschen eia Martcrwcg. Trotz der lange« Arbeitszeit im Betriebe und der noch längere« bei den Hauo- webern, welche für den Betrieb arbeiteten,>var der Lohn gering«nd nnr die primitive, sparsame, gänzlich anspruchslose Hauswirtschaft ermöglichte daS notdürftigste Leben. Erst mit der Mrchanissernng, der Erweiterung der Betriebe gelang eS der immer stärker werdenden Arbeiterbewegung, eine» entsprechenden Einfluß zu nehmen, nm besseren Lohn «nd bessere Arbeitsbedingungen z« erkämpfen. Ständig wnchsen die Betriebe von dr» kleinen Handlvebcreien Stück um Stück aus dem Fleiß nnd Schweiß der bedürftigen Weber bis zu ansehnlichen leistungsfähige« Betrieben, Welche auch für den Export grosse Leistungen vollbrachten. Im größten Betrieb— Seidenwarenerzeugung— waren vor dem Kriege 1200 Arbeiter beschäftigt, in den kleinen Betrieben— Band- warrnrrzcugnug— insgesamt 350 Arbeiter. Der Weltkrieg»nd«och mehr die R a t i o-, nalisiernng der NachkriegSjahre brachte eine Reduzierung des Arbeiterstandes, doch die Weltkrise zerstörte fast vollständig die Ar- beitSmöglichkeit in den Betrieben. Schon im Jahre 1930 wurde dir Bandweberei mit Ausnahme einer kleinen Dochtabteilung vollständig stillgelegt und abgebrochen, Maschinen und Einrichtungsgegenstände als Altmaterial verkauft. In den anderen Betrieben sank die Zahl der Beschäftigten von Jahr zn Jahr, von Monat zu Monat immer tiefer. Hnnderte Arbeiter wurden entlassen— ohne Existenz brotlos. I« der Hoffnung, wieder zum Arbeitsplatz zurück- kehren zn können, fristen diese Opfer der kapitalistischen Mißwirtschaft ihr kärgliches Dasein durch die Arbeitslosenunterstützung nnd, wenn .sie ausgesteuert sind, mit den Lebensmittelkarten, ja-oft durch Bettelei. Diese arbeitslose bodenständige Arbeiterschicht sucht überall, auch auswärts, vergebens nm Arbeit. Die jüngeren männlichen Arbeiter konnten teilweise durch Notstandvarbcsten der Gemeinde, welche in lobenswerter Weise produktive ArbeftSlosenfür- sorge schuf, einige Woche« Arbeit erlangen. Doch nnn ist die Gemeinde mittellos nnd die noch zu leistende Notstandsarbeit, der Wasser- leitungsban, ist nicht genügend finanziert nnd konnte deshalb noch nicht begonnen werden. Zu de« arbeitslosen Fabrikarbeitern kommen noch hinzu die Bauarbeiter, die arbeitslosen Gewerbetreibenden nnd die notleidenden Äleinbaneru. Die Arbeitslosigkeit ist erschreckend, was die nachfolgenden Zahlen des ArbeitSvermittlnngSamteS erhärten. Zn Weihnachten waren in Wigstadtl znsnmmcn 1956 Arbeitslose, davon 1527 im Genter System nnd 438 Arbeitslose in der LebcnSmitlelaktion. Dazu kommen noch 200 Arbeitslose, welche nicht mehr den Nachweis erbringen, daß sie seit 1929 bis jetzt drei Monate ununterbrochen in einem der Krankenversicherungspflicht unterliegendem Lohnverhältnis gestanden haben, weil sie schon vor 1929 anS den Betrieben entlassen waren oder seitderKrisevomJahre 1923 b i S 1924 keinen ordentlichen Arbeitsplatz mehr finden konnten oder überhaupt nach SchulauS- tritt nirgends eine beständige Arbeit erlange« konnten. Es sind also mindestens 70 Prozent aller Arbeitende« arbeitslos, denn nnr gegen 700 Arbeiter find überhaupt«och beschäftigt. Wigstadtl ist ein sterbendes Städtchen geworden. Alle Schichten der Bevölkerung bekommen diesen furchtbare» Zustand zu spüre». Bor allem hat aber dieser Elendszustand die Arbeit»- menschen verarmt nnd Not, Sorge, Kammer und Bitternisse angehänft, welche bis zur Unerträglichkeit, vor allem in kinderreiche« Arbeiterfamilien, gesteigert sind. Die Hoffnung auf eine Besserung sinkt bei diesen gequälten Menschen von Tag zn Tag. Es ist also der harte Winter in unserem Gebirgsstädtchen zum Martyrium gelvorden, denn zum Hunger gesellt sich noch die bittere Kälte, welche die unterernährte«, auögemergel- Idioten inspizieren Rassen, Kultur muß jeder Nazi hassen, Lohnabbau heißt: nach unten treten, Leh schluckt die„Arbeitsfront"-Diäten, Millionen scheffeln die Magnaten, Nur Narren fühlen sich verraten, Prinzip istS, niemals aufzumucken, I Preßtuliv müssen sich bespucken, Osaf bedeutet Oberschas, Quatsch redet mancher Naziaraf, Rot ist im Hunnenland verhaßt, Schuft Streicher gut zu Hitler paßt, Terror und Tod, zwei lettische Worte, Umbruch-Rotwelsch für Massenmorde, Bon BolkSgemcinschast faselt Thyssen, I Wer Schlösser hat. muß eS ja wissen. Terxes war wohl ein Perserkönig, Bpsilan reimt sich leider wenig. Z. Schluhmotiv. Die Losung sei: Zerschlagt die Nazi-Tyrannei I Omega. te», schlecht gekleideten Körper doppelt ersaßt. I« den öden Arbeiterwohnungrn ist fast kein ordentlicher Hausrat anzntrcffrn. Wäsche, Kleider, Schuhe können nicht mehr gekauft werde», weil cs nicht einmal ordentlich zu Nahrungsmitteln reicht. Obwohl man barfuß läuft«ad äußerst sparsam nud schonend mit allem umgeht, wa» eben Arbeitslose»och besitzen, geht infolge der langnndanrrnden Arbeitslosigkeit alles zu Ende. Auch dir noch beschäftigten Menschen müssen unter diesem Notstand leiden. Ständiger Lohndruck, Kurzarbeit bringe« eine ständige Senkung dc» LohneinkommrnS, das nicht mehr auSrricht, die notwendigsten Bedürfnisse zu befriedigen. Kaum eine Arbeiteroder Angestelltrnfamilie gibt es, welche nicht ein oder mehrere Arbeitslose mitznschlrppen hat. Dabei, sind alle Auslage« nnd Magazine vollgestopft mit Waren. Es lvirkt dieser heutige Zustand geradezu aufreizend bei der Bcvölkernng, weil ev ihr Verstand nicht saßt, daß es weiter so bleiben mnß«nd keine Aenderung möglich ist. Zn alldem sei festgestellt, daß die Wig- stadtler Bevölkerung dank der gesunden, erprobten alten Arbeiterbewegung kulturell, moralisch nnd intellektuell auf einer hohen Stufe sich befindet! Ein Blick in die Verhältnisse unserer Arbeitslosen-, Arbeiter-, Angestellten- nnd Klein- banrrnfamilien mnß jeden denkenden nnd fühlenden Menschen schwer erschüttern. Uns Sozialisten drängt es, den Jammer, die Hilferufe, die Tränen nnd die Flüche zu einem einzige« Aufschrei zusammenzusaffrn, damit er in zwölfter Stunde gehört wird und damit vou den Verantwortliche« Faktoren eine euergischeAb- Hilfe eingeleitet wird. Dabei wollen wir nicht einen Augenblick vergessen, daß dauernde Hilfe für das leidende Proletariat, für das gesamte werktätige Bolk, für die Arbeitslosen nur möglich ist, wen« dir Unterdrückten, die Ausgebeuteten, dir Existenzlosen in einer Kampffront, in der Sozialdemokratie als revolutionäre Partei nnd als erprobte Jntcressengemeiuschast stehen werden, um für alle in Stadt nnd Laud eine bessere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, den Sozialismus, zu erkämpfeu. Überall erhältlich/ ät dk 9x. S Freitag, B. Jänner 1934 &Ht 6 PRAGER ZEITUNG I Kunst und Wissen tag, Urania-Kino. tag, 4’A 827 Bewohner. Ganz schlimm steht cS in Prag X, Whsotschan und den angrenzenden Gemeinden ans, wo 4-1 aller Wohnungen überfüllt sind. Ueberfüllt in dem menschenunwürdigen Sinne, das; mehr als zwei Personen i n einem Wohnraum vegetieren. Welch vielfache hygienische Gefahren diese Wohnhöllen bergen, braucht nicht näher auSge- führt zu Iverdc». Infektionen, Seuchcnübcrtra- gnngcn müssen die zlvangsläufige Folge derartiger Zustände sein. Wie kulturwidrig, datz 1800 Menschen zu sechst in einem Zimmer leben, das; viele hundert mit sieben und acht Leidensgefährten ihr klägliches Dach über dem Kopf teilen, während die Neubauten gähnend leer stehen, weil der Profit eher in Unehren krepiert, als in Ehren bei geringerem Zins zu existieren. Aber diese erschütternde Statistik des Prager Wohnelends stammt aus dem Jahre 1030... Wieviel schlimmer, Ivieviel elender Ivird es bei ständig ansteigender Krisenkurve in den letzten drei Jahren geworden sein! » Tinen Monat später las man im Lokalblatt von Meipures folgende Notiz: Tragisches Ende eine? Schatzsuchers.> Der anscheinend unausrottbare Unfug, an den lebensgefährlichsten Orten unseres Landes Inka- Schätze zu suchen, hat wieder ein blühendes Men- schenlebcn gefordert. Rüste Blake, ein in ganz Venezuela bekannter kalifornischer Abenteurer, ist von einer privaten Expedition in den Llanos nicht zu- ri'ukgekehrt. Wie die Brüder Dan und Andy Wil- inington, die Blake begleitet haben, vor Gericht anSsagen, ist der Kalifornier unter seltsamen Umständen im sogenannten Arimtna-See ertrunken. Nach dem reichlich konfusen Bericht der Brüder, soll der Ertrunkene ein Opfer des indianischen Gotte? Arimma sein, der einen angeblich in diesem Tee versenkten Inka-Schatz bewacht und jeden Räuber derselben mit Lähmung des Körpers bestraft.| In Wirklichkeit schrumpft..ese schaurige Dä- moncn-Gcschichte zu einer Farce finsteren Aberglaubens zusammen. Wäre der AuSgang nicht so tragisch, mütz'- sich in ganz Venezuela ein homeri« schcSGclächtcr erheben. Denn der angebliche»Gott, der die Bewegung lähmt", wird von Kennern als ganz getvöhnlicher— Templadores, also Zitteraal, bezeichnet. AücrdingS ist dieser elektrisch geladene Fisch in abgelegenen See» Südamerikas durch monatelange absolute Ruhe in der Lage, soviel elektrische Energie zu smnmeln, das; er selbst größere Tiere und auch Menschen, die in seine Nähe kommen, damit betäuben und läbmen kann. Wir hoffen, das; dieser Unglückssall allen denen eine Lehre gibt, die innncr noch glauben, durch sagenhafte Inka-Schätze mühelos Reichtümer erwerben zn können. angesehen und hätte keinen Heller hergegeben, wenn er nicht„Zug um Zug" die versprochenen Juwelen erhalten hätte, ertvieS sich die ganze Aktion BälekS als ein„B e r s u ch mit untauglichen Mitteln", der nach dem Strafgesetz nicht strafbar ist. Bälek wurde daher freigesprach e n. Vorläufig hat er allerdings die im Spätsommer v. I. verhängte zweijährige Kerkerstrafe avzusihen. rb. Große„Bunte FLm-Re.ue". Nabarett-kfllme mit den beiten und belleblelten Noml- kern: grtb gtrttubaum, Paul Moraan, Szöke SzakaU: Wetters: Lbeodor Loos, Hilde Hildebrand. tluSfiblleb« licke igremlere von greilaa an. 1040 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich K6 16.—, vierteljährig Kä 48.—, halbjährig KC 06.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuflripten erlogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Rr. 18.800/VH/1080 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. Lus der Partei Verein geistiger Arbeiter. Der nächste Diokus- sionsabcnd findet Mittwoch, den 10. Jänner, im kleinen Sitzungszimmer des EinhcitSvcrbandcs (Topz) statt. Thema:„Kapitalistische Versuche zur Ueberwindung der Krise." Um zahlreiches rmd rechtzeitiges Erscheinen lvird gebeten. Beginn Punkt 20 Uhr. Lortzlngs„Wildschütz" lvird neueinsindiert. Hauptpartien dte Damen Eisinger, Händler, Kindermann, Walter und die Herren Hagen, Hatlemer, Hey und Stadler. Dirigent: Rudolf. Regie: Mordo. SamStag 8 Uhr: Erstausführung: Tovarisch von Jacques Deval. In den Hauptrollen: Berndt. Meller, Reiter, Frey, Götz, Hölzlin. Regie Götz lC—1). Einmalige» Gastspiel der weltbekannten Kla- vicrhnmorislen am Montag. Hermann Leopold!—Betja Milskaja. Preise er» mäßigt, Sitzplätze schon von Xe 6.— an. Abomi. aufgeh. Vorverkauf täglich. Der Blaue Bogel Freitag, den 12. und Sonn- den 14. Jänner, in der Kleinen Bühne. Spielplan des Neuen Deutschen Theater». Freilor Uhr:„Fidelio"(D 2).— Samstag, -j Uhr:„Pünktchen und Anton"(A. A.)> 8 Uhr: Erstaufführung:„Tovarisch"(C 1). Spielplan der Kleinen Bühne: Freitag 8 Uhr: „Die schönste Ehe."— SamStag, 8 Uhr: „Theo macht alles." Wenn der Kapitalismus baut, so baut er nicht, um Wohnungen für Menschen zu schaffen, sondern, um Profite herauSzuschin- den. Aber Unvernunft und egoistische Willkür schlagen hier ihren eigenen Herrn, auch die asozialen Gclvinnspekulantcn haben sich verkalkuliert, lvenn, wie in Prag zum Beispiel, die viel zn teueren Wohnungen in den Neubau-Vierteln leer stehen, weil sie kein Mensch bezahlen kann. Der Lebensstandard fällt, nur die Häuserzaren thronen auf ihrem ehernen Preisniveau! Die Sinnlosigkeit dieser WohmmgSanarchie zeigt sich drastisch in den gar nicht„nüchternen" Ziffern der Statisti k, die eine sehr deutliche, sehr beredte Sprache sprechen. Das jetzt vorliegende statistische Material, das auf der Volkszählung von 1930 basiert, ergibt, das; 33.2 Prozent der Prager Bevölkerung in völlig überfüllte» Wohnungen Hausen. Auf 100 überfüllte, hygenisch scliandbar unzulängliche Wohnräume entfalle» iii^Durchschnitt Wo sind die inwclcn des Oberst noja? Einbrecher als unfairer Verhandlungspartner Prag, 4. Jänner. Der Berufseinbrecher Emanuel B ä l e k zählt zu den gefährlichsten Gestalten der Prager Unterwelt. Im Jahre 1020 erregte eine Aktion BälekS in Prag allgemeines Aufsehen. Da- mals trug er bei einem Einbruch in die Wohnung des Obersten R o j a, den er im Einverständnis mit dem ehemaligen Chauffeur dieses Stabsoffiziers durchgeführt hatte, eine Beute iin Werte vo» über 200.000 Kd davon. Diese Beute bestand in Wer t- fachen, größtenteils altem Familien- schmuck, an welchem dein Bestohlenen sehr viel gelegen war. Bälel leugnete nach seiner Verhaftung damals keinestvegS die verübte Tat. Aber er war auf keine Weise dazu zn bringen, daS B e r st e ck zu verraten, wo diese DiebSbeute verborgen tvar. Er machte sich : im Laufe der Voruntersuchung sogar den Spatz, sich von den Detektiven auf den Zijkaberg spazieren ■ führen zn lassen, unter der Vorspiegelung, das; die , Juwelen dort vergraben seien. Aber diese Spa« : ziergänge endeten durchaus negativ. Denn wenn : Bälek genügend Bewegung gemacht hatte, erklärte er i stets, er könne den Ort, Ivo der Schatz vergraben ' wurde, n i ch t w i e d e r f i n d e n. Er akzeptierte ! mit stoischer Ruhe das Urteil, das auf dreiJahre • schweren Kerkers lautete, ohne datz er 1 seinGeheimniS preiSgeaeben hätte. > Der hartgesottene Sünder hatte sein Planchen, i Als er nach Verbüßung der Strafe entlassen wurde, fetzte er sich mit dem bestohlenen Oberst Roja direkt ins Einvernehmen und erbot sich, die von der Polizei vergeblich gesuchten Juwelen ihrem Eigentümer freiwillig zurückzustellen. Gegen Entrichtung von 85.000 Ki. Der Oberst war gern einverstanden, aber eben diese Bereitschaft war für den alten Gauner da» Signal, seine Ansprüche auf 70.000 Kö zu erhöhen. Darauf zerschlugen sich allerdings die Verhandlungen und Oberst Roja, der in der ganzen Sache nur S ch w i n- del und Irreführung erblickte, erstattete die Strafanzeige wegen versuchten Betruges. Inzwischen war der kaum aus der Strafhaft entlassene Einbrecher wegen einer neuerlichen mitzlungenen Aktion vor Gericht gestellt worden. Er hatte einen verwegenen Einbruch in das Schlotz Binar versucht und wurde dabei geschnappt. Er bekam neuezweiJahre schwere n K' c r- kerö, welche Strafe er gegenwärtig verdutzt. Ursprünglich war mit diesem Prozeß, von dem wir seinerzeit ausführlich berichtet haben, auch die Anklage wegen des erwähnten versuchten Betruges an dem Oberst Roja vereinigt, doch wurde im Verlaufe des Prozesses diese Betrugsanklage a u S geschieden und erst heute vor dem Senat S i t t a zu Ende geführt. Emanuel Bälek, der aus der Strafhaft vorgeführt wurde, war in gemütlicher Stimmung und verteidigte sich überaus geschickt, wobei der alte Kriminalbruder eine respektvolle GesetzeSkenntniS zeigte. Er schnitt denn auch sehr gut ab. Da der Ham»t« zeuge Oberst ilioja selbst erklärte, er habe die Angebote des EiichrecherS nur als Schwindel Acht Mensche« in einer Kammer Prager Wohnhöllen in der Stattsttk. was vorgefallen war. Ahnungslos, wollte er, am Ufer knieend, Wasser schöpfen. Kaum habe aber seine Hand die Wasserfläche berührt, da hätte\ er, genau Ivie das Gerücht es vorauösagte, einen i furchtbaren Schlag erhalten. Fast besinnungslos vor Schmerz wäre er Ivie ein Sack in das zum Glück an dieser Stelle noch seichte Wafser zusammengebrochen. Doch nun sei geradezu ein ganzes Rudel unsichtbarer Höllenhunde auf ihn losgelassen Ivordcn. Schlag auf Schlag hätten sie gegen ihn geführt. Nur mit Ausbietung der letzten Kräfte wäre es ihm schließlich gelungen, sich auf das Trockene zu retten. Und dort hätten die Schlage sofort aufgehört. Mit der flehentlichen Bitte, noch heute Nacht diesen unheimlichen See' zu verlassen, schlotz er seinen von Fluchen und Stöhnen oft unterbrochenen Bericht. Obwohl die Untersuchung ergab, datz Andy» rechter Arn; vollkommen gelähmt war, wollte Rune Blake von einer Abreise nichts wissen. So nahe am Ziel und umkehren? Nimniermehri Wütend rief er dem Gelähmten zu:„Feigling'! Hast dich von der alten Nachteule ins Bockshorn jagen lassen! Kein anderer als der TamanacoS- Jndianer hat dich heimtückisch überfallen. ES gibt keine Geister und Inka-Götzen! Rusie Blake jedenfalls fällt aus solchen Schwindel nicht hinein." Er pfiff Bibi, zog den Revolver und ging entschlossen auf die Suche nach der„heimtückischen, alten Nachteule". Keiner der Freunde schlotz in dieser Nacht ein Auge. Andy stöhnte ununterbrochen. Der rechte Arm war unförmlich angeschwollen und brannte wie Höllenfeuer. Eine Wunde lietz sich jedoch nirgends entdecken. Dan versuchte mit seinem Hemd, das er in einem Sumpfloch natz gemackn und um den gelähniten Ann gewickelt hatte, dem Bruder Kühlung zu bringen. Vergebens... Bei Tagesgrauen kehrte Rüste von der Verfolgung des Indianers zurück. Nirgends hatte Bibi eine Spur von ihm entdecken können. Als wenn die Nackt den seltsamen Warner verschluckt hätte. Einen Fund brachte Rusie dennoch mit. Sorgfältig in; Gehölz versteckt, hatte er einige hundert Meter vom Lager entfernt, ein zwar uraltes, aber noch fahrbereites Indianer-Boot gefunden. Der mühseligen Arbeit des FlotzbauenS war man daniit überhoben. Rusie betrachtete diesen Glücksumstand als gutes Vorzeichen und drängte Dan Wilmington, mit ihm zusammen sofort die Schatzsuche zu beginnen. Andy füllte im Lager bleiben und so gut es mit dem gelähmten Arm ginge, die Expedition vom Lande her sichern. Als das Boot mit den beiden Freunden und Bibi vom Ufer abstietz, war cs Heller Tag geworden. Dan ruderte aus LeibcSktästen. Rusie stand vorn im Boot, den Revolver in der einen, die Snchleine mit dem eisernen Haken wie e.in Lasso in der andern Hand. Angestrengt starrte er in daS glasklare Wafser. „Donnerwetter, Dan!" rief er nach einigen Ruderschlägen erstaunt dem Freunde zu:„Dieser gottvcrlastcne Tümpel wimmelt aber von Aalen! Und was für Burschen!" Neugierig blickte nun Dan ebenfalls über den BootSrand in die Tiefe und stellte bald fest, datz RusieS Erstaunen berechtigt war. So viele Aale und solch riesige Exemplare— einige schienen fast zwei Meter Länge zu erreichen— waren ihm noch nie zu Gesicht gekommen. Doch als er gerade seiner Verwunderung Ausdruck geben wollte, flog dicht über ihre Köpfe eine Schar Wildenten auf. Sofort fing Bibi an zu kläflen und Rusie ritz in jäh erwachter Jagdleidenschaft den Revolver hoch, zielte kurz und drückte loS. Ohne Hoffnung, mit der Pistole einen Treffer zu erzielen, hatte er gc- schosten, aber infolge der geringen Entfernung auch getroffen. Schmunzelnd pfiff er Bibi, die Zufallsbeute einzuholen. Den Bruchteil einer Sekunde blickte der Hund seinen Herrn mit den klugen Augen an. Dann sprang er über Bord— um i einen Atemzug später, ein herzzerreitzendeö Jaulen ’ von sich zu geben. Im Nu überkam den Männern : im Boot wieder das Grausen der vergangenen Nacht. Selbst Andy, der am User mit ängstlicher . Spannung alles verfolgt hatte, vergast die Schmer« J zen und schrie im neuerwachtcn Entsetzen laut auf. Doch Rusie sah nur den treuen Hund in Lebensgefahr. Ohne sich zu besinnen, entritz er dem erstarrten Dan ein Ruder und steuerte damit da? Boot an seinem sichtlich niit dem Versinken kämpfenden Liebling heran. Als er endlich nahe genug war, beugte er sich weit über den Bootsrand und fatzte mit beiden Händen zu. Schon hatte er den ermatteten Tierkürper gepackt, da ging ein Zucken durch RusieS Körper. Er verlor daS Gleichgewicht und stürzte mit einem erstickten Schrei wie Blei in daS Wasser. Die heftige Erschütterung deS Bootes ritz Dan auS seiner Erstarrung. Ohne auch nur eine Sekunde an Rettung des Freundes zu denke», sprang er im Doot auf und stieß sich mit dem ihm verbliebenen Ruder in wahnsinnig schnellem Zickzack- kurS dem Ufer zu. In seiner grausigen Angst vor den unsichtbaren Dämonen, brachte er nicht einmal mehr den Mut mif, zurückzublicken, als Rusie, hochkommend, im TodeSkamPf gellend um Hilfe brüllte... Der J«ka-Schatz im Arimma-See Von Fritz Preuß Rusie Blate, ein nach Venezuela verschlagener, kalifornischer Goldgräber und Glücksritter, bekam beim Anblick ungeprägten Goldes regelmäßig das..gierige Zittern". Hätte jemand aus dem Jenseits berichtet. Rusie habe für einige lumpigen Unzen sein warmes Plätzchen im Himmel, verschachert, wäre es keinem Menschen in Meipures eingefallen, sich darüber zu wundern. Doch obgleich er in seinem Leben bereits ein ungeheures Vermögen aus der Erde gegraben oder aus dem Flutzsand gewaschen hätte, besaß er nie die iwtwendigen Centavos, um seine zerkaute Stummelpfeife unter. Dampf zu halten. Zu diesem..Goldstreuer", wie er auch wegen seine» beispiellosen Leichtsinns genannt würde, drang daö Gerücht von einem See, in dem seit der Zeit der spanischen Herrschaft in Südamerika ein von den Inkas versenkter Schatz ruhe. Alle Versuche, ihn zu beben, seien bisher llägiich gescheitert. Einmal, so wollte man wissen, läge der Seo schwer zugänglich in den Llanos, also in den Sümpfen des Orinoeo-FlutzgcbieteS und zum andern würde der Scbav von einem Gott be-1» wacht werden, der jeden, der das Wasser des SeeZ! berührte, mit Lähmung des ganzen Körpers' strafte. Für dieses„alberne Jndi-'v-Geschlvätz" hatte' Rusie natürlich nur ein Hohnlächeln übrig.„Den; Wassergeist werden wir schon das lähmende Handwerk legen", sagte er ermunternd zu den beiden Brüdern Dan und Andy Wilmington und betrieb mit Feuereifer die Porbcreitungen zu der Expedition. Eine Tages war es so weit. Begleitet von dem Brüderpaar und Bibi, dem tläff-sreudigen, kalifornischen Wachhund, ritt er mit ihnen von Meipures den Orinoco auswärts über das Hochland Guyana in die fieberbrütende Llanos, Fast drei Wochen brauchten die Abenteurer, um den geheimnisvollen See zu erreichen, den die Tnmnnncoö-Judinner, das„Heilige Arim- ma-Wasser" nennen. Viele Male sahen sie ihn in der Steppe fern am Horizont wie ein silberner Streifen lockend leuchten, bevor ihnen wilde Maultiere einen schmalen Steg durch den mei- kenbreiteu Sumpf zeigten. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten sie da» feste Usergelände. Trotz der allgenieinen Uebermiidnug begann Rusie sofort armdicke Stämnte aus dem niedrigen Gehölz herauszuschlagen, lvährend Dan und Andy sie geschickt zu einem primitiven Floß zusammenbanden. Wenn irgend möglich, wollte man bereits in der Frühe deö andern Tages ansangen, den Schatz zu suchen, der, nach dem Gerücht, genau in der Mitte der länglich-runden Wasserfläche versenkt sein svllte. Die in diesen Breiten schnell einsehende Dunkelheit machte ihre Arbeit bald unmög- lich. Sie hatten gerade noch Zeit, das mitgebrachte Zelt auszuschlagen und ein Lagerfeuer anzu- zÜnden. Unheimliche Stille senkte sich nun über den See, auö dem eine empfindliche Kälte auf- znsteigcn begann. Fröstelnd wickelten sich Rusie und Dan in ihre Decken. Andy bereitete das Abendbrot. Mit einem blechernen Topf in dec Hand, schickte er sich gerade an, Wasser zu holen, als der Hund unruhig wurde. Mit einem Griff zum Revolver richtete sich Rusie auf und horchte gespannt in die Dunkelheit, Jetzt knackte eS ein- zweimal in kurzer Entfernung. Mit wütendem Gebell sprang Bibi der nahenden Gefahr entgegen. Die drei Männer hoben schußbereit ihre Waffen. Da drang eine Stimnie zu ihren Ohren. Im gebrochenen Spanisch der Indianer rief jemand: „Hier, gut Freund! Rull den Hund zurück, Sen- norSI" Als Rusie mit einem kurzen Blick das Einverständnis der Freunde eingeholt und Bibi zu- rückgepfiffcn hatte, sprach die Stimme aus dem Dunkel:„Freunde, berührt nicht das Wasser deö heiligen Arimma Sees! Kehrt um, wenn ihr Meipures Wiedersehen wollt! Denn Arinima, der Gott, der die Bewegung lähmt, wird den Schatz unserer Vater zu beschützen wissen!" Dan und Andy blickten erwartungsvoll auf Rusie, die mit spöttischer, aber zugleich entschlossener" Miene das Näherkommen deS unsichtbaren Sprechers erwartete. Doch dieser kam nicht. Wütend rief Rusie daraus zurück:„Hierher, Nachteule! Erzähle uns am Lagerfeuer deine Märchen!" Keine Antwort. Achselzuckend beruhigte Rusie die Freunde!„Das war gewiß ein Tamana« cos. Der Bursche hat Angst um den Inka-Schatz." Darauf wickelte er sich wieder in die Decke ein unh rückte dem Feuer näher. Dann folgte seinem Beispiel. Andy wandte sich kopfschüttelnd zum See, um Wasser für Tee zu hole». Zwei Minuten herrschte nun vollkonimene Stille. Plötzlich rissen Andyö gellende Hilferufe vom Ufer her die Freunde jäh aus ihren Gedanken. Mit einem Sah sprangen sie auf. Doch Andy kam ihnen auf halbem Wege, heulend vor Angst und Schmerz entgegengetaumelt. Er triefte vor Nässe. Allen Anschein nach war er in den See gefallen. Besorgt zogen ihn die Freunde zum Feuer. In Andys Augen stand Todesschrecken. Er zitterte und bebte am ganzen Körper, der sich von Zeit zu Zeit wie im Kramp! zusammenzog. Unter Wimmern berichtete Andy,