Dienstag, 9. Jänner 1934 Nr. 6 14. Jahrgang BroWs 71 Mter («iMckllaSllch 5 Holtar Porto) 4 IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion un» Verwaltung frag XU., FQCHOVA m. teiefon non. Administration teiefon s»n. HERAUSGEBER■ SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMU STRAUSS, PRAG. Dor Abschied von den Toten Partei», Gewcrk- KnUurorganisatio- Diese Umstände an sich gaben Zeugnis dasür, daß die Verhältnisse in der Grube dt bezug auf die Die Untersuchunsskommlssion greift durch: Eindrucksvolles Begräbnis der geborgenen Opfer Riesenkundgebung der Solidarität und der Trauer isi. sondern zum Reudurchdenken aller der Strategie und der Taktik führte. Beweis der Ein Blumengarten umsäumt die Trauerstätte. Tannenbäumchen, Blattpflanzen, Rosenge- winde und Blüten in schiinmernder Fülle bekunden Liebe und Verehrung für die toten Freunde. Vor den Särgen ist ein großer, dunkler mit Kohlen- grieS bestreuter Platz, das grauenhafte Massengrab kennzeichnend, in dem die 142 Kameraden schlafen, deren sterbliche Ueberreste eingemauert sind. Unter den vielen Kränzen, die daS schmerzlich schöne Bild umsäumen, sehen Ivir zwei große mit roten Nelken und Schleifen geschmückte Gewinde, von denen daS eine vom Partcivorstand und Klub der Abgeordneten und Senatoren unserer Partei, daS andere vom Unionvorstand und den Angehörigen der Union der Bergarbeiter gewidmet ist. Ein Kranz der Ruhr-Bergarbeiter mit seinen schwarzen Schleife» fällt besonders auf. Nach 1 Uhr mittags beginnt der Zuzug der Trauergäste. Die"vielen Familienangehörigen, Verwandten und Bekannten der Toten, weinende Kiyoer, und schluchzende Frauen, starr blickende Mütter und gequält schauende Männer— ein unfaßbar fürchterliches Bild des Jammers I Den kleinen Platz füllen bald die schwarz umflorten Fahnen der Vereine und Organisationen, die Turner und Sänger, die Bergknappen mit ihren Lampen und die Vertreter der Aemter und Behörden. Ran sieht Abgesandte aller Parteien. Besonders Neid«nd der Steiger Kutina von der Für den Vorstand der Union der Bergarbeiter hielt unser Gen. S ch a s a r s ch die Trauerrede. Unvertöschbar wird in der Geschichte der Derg- arbeiterbclvegnng der 8. Jänner dieses JabreS bleiben. Mit den Bergarbeitern unseres Landes trauern heute die klassenbelvustten Arbeiter aller Länder. Seit der Stunde, da die grellen Feuergarben den friedlichen Winterabend Aordwestblihmens erleuchteten und das Dröhnen der Erde, die Menschen erschütterte, weilen unsere Gedanken bei jenen, die in auch Oberingknienr K n p k a verhaftet. Sicherheit bedenklich gefährlich waren. Als der für die technischen Sicherheitsvorkehrungen unmittelbar Verantwortliche Beamte wurde Sonntag, den 7. Jänner, auf Antrag des Staatsanwaltes Grubcningenicur Beisser verhaftet und die Voruntersuchung Ivegen Vergehens nach 8 337 des Strafgesetzes eingeleitet. Auf Grund seiner Aussagen beim Verhör über die Verteilung der Verantwortlichkeit für die Sicherheitseinrichtnngen auf den Gruben beantragte am Montag dee Staatsanlvalt die Einlei- tnng des Strafverfahrens wegen der gleichen Straftat und die Verhängung der UutersuchungS- hakt gegen die oben genannten Personen. Die Untersuchung wird nach 8 337 des Strafgesetzes geführt. Nach diesem Paragraphen wird derjenige mit Strafen bis zu drei Jahren strengen Arrestes bedroht, der durch eine Handlung oder Unterlassung, deren gefährliche Folgen nach den besonderen Verhältstissen kennen muhte oder erkennen konnte, eine Gefahr für das Leben, die Gesundheit oder Sicherheit von Menschen hervorruft. Anton K o v a r i k, Gustav T r o j e k, Ivan «olodij, JuliuS M a s s a k, Josef Fritsch 1, Emil Storm, Wenzel C h v a p i l, Marie Havelkovä, Albin ,4 e t n 4, Rudolf T r e n k e r, Karl Schmidt, Richard L i s ch k r, Wenzel Müller. Ar- "en- ■ sie hat Staaten interna lebhafte die sich die BertraueiKleute. unserer schafts-, Genossenschafts- und neu sind sehr zahlreich vertreten. Mitglieder des Betriebsrats der Kohlengrube in Klein-F' Witz bei Trautenau und eine Abordnung aus f Korporationen des Landes teil. Die Katastrophe von Lsfrk hat, wenigstens für Stunden alle Menschen gegen Mensche» errichtete» Schranken gesprengt, jede» Haupt senkt sich in Trauer in menschlicher Schicksalsgemeinschast. Tag nm Tag, Jahr nm Jahr hastete das Leben vorbei an dem ganze» Dasein der 154 Menschen. Niemand hat darnach gefragt, nicht viele haben em gutes Wort, eine hilfreiche Hand für sie gehabt. Nun ruhen ihre Sarge auf hohen Katafalken, nun verkohlen ihre Leichen in der brennenden Grube und das Mitgefühl der Menschen erwacht. Es bereitet den Toten einen Ehrentag. Tie Teilnahme nngezähltrr Millionen wendet sich den.Hinterbliebenen der Opfer zu. Diese Teilnahme ist schön und edel; morgen schon wird sie vielleicht verstummen. Ein Massengrab ist geschloffen. Ter nächste Tag schon kann ein anderes ansreissr». Das Leben eines Arbeiters ist ja so billig! Dn stirbst als r u ch" verspüren lvar. ^er^eziehun^^c^^^^l^E^^^L^ bestanden. Sic beruhten insbesondere in der Die Aufbahrung Ans dem Stiftshof vor dem Bürgermeisteramt in Ossel stehen 13 schlvarze Särge, über ihnen je eine kleine weiße Tafel, die Namen des Toten enthaltend:. Sozialismus, daß er schonungsloser anders als der Bolschc- .Heute ehrt man dich, Prolet nnd morgen— wer fragt nach dir? Opfer des Profits; aber unserer Leben nnd Kämpfen wird dich rächen! Ossek, 8. Jänner.(E i g c n b e r i ck> t.) I Nochmals flanijnte hundertfacher Schmerz in dem kleinen Städtchen auf, da es galt, Abschied zu nehmen von den 13 geborgenen Bergarbeitern und jenen 142 Kameraden, die in grausamer Tiefe ein schauerliches Grab gesunden haben. Schwarze Fahnen wehren überall, in allen Häusern sitzt die Trauer. Aus dem freundlichen Bau. der Bergarbei- tcrkolonie sehen schwarzgekleidete Frauen mit ver- lveinten Augen nnd geröteten Gesichtern; auch jene, die nicht unmittelbar betroffen sind, fühlen das Grauen. Seit den Vormittagsstunden wanden: die Menschen zu zchntausenden über das winterliche, von dichten Nebeln überzogene Land. Bergarbeiter, Kameraden der Verunglückten, Frauen nnd Mäd chen, Mütter, Greise und Kinder. Au6 Süd, Ost und West marschiere» die Kolonnen. Vereine, Or- gmnsationcn und Delegationen mit ihren Fah nen und Shmbolcn. Tausende Radfahrer, Hun derte AntoS und Autobusse und dicht gesüllte Eiscnbahnzüge bringen aus allen Teilen des Lan des mitfühlende Menschen. Es ist eine riesenhafte >tundgcbnng der Anklage und des Abschieds. Arbeiteroffensive in Belgien Die schwere Niederlage der deutschen' beiterklasse hat nicht nur die sascistischen T beugen in anderen Ländern gestärkt- auch die Arbeiterparteien anderer aktiviert. Sie hat zunächst im ganzen tionalen Sozialismus eine ungemein Diskussion entfesselt, eine Diskussion, nickst allein begnügt mit der Erörterung der Frage, wie der Fascisnius am besten abznweh» reu Fragen Es ist sebr erfreulich, eö ist ein Frische und ungebrochenen Kraft des demokra tischen Selbstkritik fähig ist wisninL, für den es keine eigenen Fehler, sondern nur den„Verrat" der Sozialdemokraten gibt— und daß der demokratische Sozialismus über diese.Kritik hinaus zu neuem vorstäßt. Das schönste, erhebendste Beispiel solcher schöpferischer kritischer Arbeit bietet der belgische Sozialismus. Auch in der belgischen Arbeiterpartei folgte der Niederschlagung der deutschen So- zialdeinokratie zunächst eine Periode der Do- 'prrsstcm/aber sie wurde bald abgelöst durch ernsteste theoretische Arbeit. Die belgischen Genossen begnügten sich nicht mit der Untersuchung der. Frage: Wieso war der Sieg des Fase--: inus in Deutschland möglich? Welche Fehler der Politik der italienischen und der deutschen Sozialisten haben die Niederlage der Arbeiter herbeigesührt? Sie haben sich nicht damit begnügt, die Vergangenheit zu durchforschen, um die Ursachen dieses furchtbaren Geschehens fest zustellen. Sie lvandten sich entschlossen dem Heute und dem Morgen zu: Was hat zu geschehen, welche Politik hat die Arbeiterpartei in Belgien zu machen, um sich nicht bloß in dieser Zeit der wirtschaftlichen und politischen Krisen zu behaupten, sondern Neuland zu erobern und dies nicht nur im Sinne der Ge winnmtg von Anhängern, sondern der wirf sainen Bekämpfung der Krise, der Verminderung und schließlichen Uebertvindting der Ar beitslosigkeit. Nicht um ein neues Parteipro gramm konnte es sich handeln— also nicht um eine Ueberprüflmg der Parteigrundsäve, ivohl aber um einen Plan siir die Politik der nächsten Zeit. Die belgische Arbeiterpartei hat auf ihrem Parteitag, der zu Weihnachten in Brüssel versammelt war, einen solchen Plan beraten und beschlossen. Er ist so bedeutungsvoll, das; man von einer Neuoricntiernng der Partei sprechen darf. Der Mann, dem das Wichtigste dieses Planes zll danken ist, ist der bekannte Genosse Hendrik de Man. Nach dem Sieg des deutschen Fascisurus mußte Genosse de Man seinen Lehrstuhl an der Frankfurter Universität verlassen. Er wurde frei für die Arbeit in seiner Mutterpartei, er kehrte zurück in die Reihen seiner belgischen(Genossen. Auf Ban- derveldes Veranlassung wurde eine„Soziale Forschungsstelle" geschaffen und zu deren Lei- ter Hendrik de Man bestellt. Das Ergebnis der Tätigkeit dieser neuen Institution war ein „Plan der Arbeit", der dem Parteitag vorge- legt und unter stürmischem Beifall fast einstimmig— es gab nur einige Stiinnicnenthaltun- gen— angenommen wurde. Der„Plan der Arbeit" ist das neue„Gc- i genwartsprogramm", das neue aktuelle Kampfprogramm der belgischen Arbeiterpartei, ist die Fahne, mit der sie nun inö Feld zieht. Was will dieser„Plan der Arbeit"? Er will die baldige Einrichtung einer ge- m i s ch t e n W i r t s ch a f t, in der eö neben sozialisierten Wirtschaftszweigen. auch noch Privatwirtschaft geben soll. Das Wichtigste, das Entscheidende des Planes ist die Perge- jsellschaftung des Kredits. Wohl soll Kladno sind herbeigeeilt. Fast sämtliche Städte Nord- u. Nordwest-Böhmen haben Abordnungen entsendet. So sind u. a. das Präsidium der Tcp- liber Tiadtgemcinde. sämtliche Stadtvcrtreter nnd ungefähr 50 Straßenbahner aus Aussig autvesend. Von dec ischechoslovalischeu sozialdemokratischen Arbeiterpartei nahmen die Abgordnctcn und Senatoren T o m ä§ e k, B i n o v e c, S t i v i n, Tr. Soukup und Dr. Winter nnd andere teil. Unser Partcivorstand und Klub sind durch den Minister Genossen Dr. C z e ch und die Genossen Abgeordneten K' r e m s c r, K a tz, I a k sch, G r ü u z n e r. Irene Kirpal, Schwei» ch a r t nnd die Senatoren Dr. Heller und H o I i l s ch e r Vertreten. Ferner nehmen Vizepräsident Spat n h für das ParlamentSpräsi« ... dünn, Minister D o st a l c k, Bürgermeister Schwado- sPöIzl und viele andere Abgesandte öffentlicher Anhäufung von Kohlenstaub, der, nicht genü- Eld^beriAclt^wurde^o^oas^üö^ schwaden bildeten, der den freien Ausblick verhinderte und der sogenannte„kalte G e- Die Direktoren Locker und Karlik sowie die Betriebsingenieure verhaftet Brüx, 8. Jänner, lieber Verfügung der Staalsantvaltschaft rrfolhgte hentr nachmittags die Berhaftnng aller für die Detriebsführung auf dem Nklsonschacht eine direkte Verantwortung tragenden Personen. In diesem Znsammrnhaug wurden Generaldirektor Ing. Dr. Locker, Betriebsdirektor Dr. Jag. Karlk, dir Ingenieure des Nelson Ill-Schachteö Bambas, Bläh- ni k und Krpata, weiters der Obersteiger Gendarmerie in Haft genommen. Nach einer späteren Meldung, wurde SeitchFreitag vormittags waren in Ossel der Staatsanlvalt und der Untersuchungsrichter von Brüx dauernd mit der energischen Prüfung der Schuld und mit der Suche nach eventuellen Schul digen au der Katastrophe beschäftigt. Durch daö Verhör der vier geretteten Berg arbeiter sotvie auch der Bergarbeiter der vorhergehenden Arbeitsschicht Ivurde festgcstellt, daß die TicherlieitSvorkehrungen in der Grube nichtentsprechendwarenund^a^doriimd^ Ilm 3 Uhr nachmittags klingt das Lied einer i alle die Kraft schöpfen, welche eine Wiederholung tschechischen Gesaugsvereiuiguug auf. Ihm folgt dieser Tragödie unmöglich macht. der deutsche Gesangschor von Schubert„Heilig*“•••*--•>»-&•«- ist der Herr". An den Choral„Scheine mir. Du goldene Sonne" der Bergkapelle aus Kladno schließen sich nach Absolvierung der kirchlichen Ze, remonien die Trauerreden an. Als erster verabschiedet sich BetriebSobmann D r a x l vom Nelsonschacht von den Verunglück ten. Hierauf spricht für den„Svaz hornikü" Ab geordneter Genosse B r o» kämpfen, bi« das Leben der Bergarbeiter geschützt ist, bis das System der Wirtschaftsordnung gefalle»», die anfgebaut ist auf den Prosit und eine Zeit anbricht, in der Blut vor Geld gewertet und die Arbeit zum Genüße wird. Dieser Schtvur muß dringen bi- zu jenen, die noch eingeschloffen im dunkle»» Schachte und zu denen wir bangen Herzens unsere tra»»er»»den Gedanken nochmals ziehen lassen. Wir grüßen sie z»»m letzt«»» Mal. Ihr seid gefallen auf dem Kauipffeld ums tägliche Brot. Euch danken wir für Eure Arbeit in ununseren Reihen. ES dankt Euch die Unioi» der Bergarbeiter für die jahrelange Gefolgschaft. ES dankt Enn» die gesamte ilasse»>benn»hte Arbeiterschaft dieses Staates. In tiefer Ehrftircht sepkei» wir unsere Fahnen. E»»er Andenken aber wird erhalten bleiben im großen Herzen der Arbeiterklasse. ES spreche»» noch für die tschechische nationalsozialistische Organisation Abgeordneten" Laue und ztvei Vertreter der kommunistischen Partei. Mttlerlvcilc hat sich der Trauerzug ü» Bewegung gesetzt. 4 Tote werden in» Brüxcr.Mematorium übergeführt, die übrige»» neun Leichenwagen fahren, von Derglnappcn in ihrer Tracht begleitet, auf den Ossekrr Friedhof. Gefolgt von Deputationen und Abordnungen und den vom Schicksal so grauenvoll getroffenen Familienangehörigen, nimmt der Zug durch ein gewaltiges Spalier, davon Bergarbeitern, Turnern, Feuerwehr. Eisenbahnern, Straßenbahnern und allen Angehörigen unserer Organisationen gebildet wird, seine Richtung zum Friedhof. Die Tcilnehmerzahl wird auf 60.000 bis 80.000 geschäht. Nochmals senken sich vor der Friedhofsmauer die Fahne»» der Organisationen, während die Toten dei» Gräbern übergeben werden. Der Abend legt sich auf da« Unglücksland, wie die Zchntau- sendc den Heimweg antreten. 58 Der Puppenspieler Roman von Felix Fechenbach „Aber, die Greil und ich, wir können doch dann leine Abendvorstellungen geben, wenn wir bloß zu zivcit sin", wandte HanS ein.„Da muh der Vater scho noch im Wagen bleiben." „Kannst ja den Josef behalten, wenn's ihm recht iS." „Da hab ich noch gar nit dran gedacht! DaS ging eigentlich! Aber'S hat ja noch Zeit. Erst muß ich cmal meine g'sunden Knochen wieder heimbringei», dann woll'n wir weiter seh'n." Abends traf sich HanS mit der Gretl. Während sie ihren LieblingSspaziergang unten am Mainufer entlang machten, erzählte HmiS» daß die Mutter den Milchladen behalten möchte, und daß die Eltern später ihm und der Gretl den Wohnwagen und die Kasperlbude allein überlassen wollten. Das war mm wieder tvaS für Gretl zum Plänemachei» und in die Zukunft träumen. „Dann könne»» wir»ins ja alles einrichten, wie wir woll'n!" Sie war ganz selig bei diesem Gedanken.„Und we»»n wir dann erst den neuen Auto-Wohnwagen Ham, dann machen wir'S uns noch viel gemütlicher." Sie meinte, der neue Wagen müßte viel größer sein, damit man sich auch ein wenig rühren könne. Ein richtiger Kochherd mühte hinein und ein kleines Sofa, und die Fenster mühten viel größer sein. damit'S recht hell im Wagen tvc re. Unzählige Einfälle hatte sie für die Einrichtung des neuen Wagens, und es machte ihr Freude, HanS zu erklären, wie das alles anders werden müsse und warum sie es ändern wolle. Hans hörte mtt stillem Vergnügen zu. GretlS Eifer machte ihm Spatz. Schließlich meinte er aber, es würde wohl doch noch eine ga»»ze Weile dauern, eh« man soviel sparen könne, daß zusammen mtt dem Erlös aus dem Verkauf des alten Wagens das Geld für die Ans»haffung des Auto-Wohnwagens reiche. „Hast ja selber g'sagt, das; du'S schaffen tvirst. Und auf einmal muh man ja auch nit alles bezahlen. Jetzt Ivillst wieder bremsen. DaS gibt'S fei nit! Wenn du dir'S ganz ernst vornimmst, dann bringst du'S scho fertig. DaS weih ich ganz bestimmt, HanS!" «Ja, da hast scho recht. Zu machen iS das alles. Nur nit von heut auf morgen. M»»ßt scho e bißle Geduld ham, ich glaub sogar, e bißle viel Geduld." „Wenn'S länger dauert, dann hab ich halt um so länger die Freud drauf, dah der neue Wagen emal kommt. Und einmal wird er ganz sicher kommen. DaS Iah ich mir nit nehmen." HanS schlug nun vor, Gretl solle noch mit zu den Eltern Cornelius kommen. Die wüßten ja jetzt, dah sie heiraten wollten. Die Gretl tväre doch sozusagen schon die Schwiegertochter und gehör« jetzt mit zur Familie. Dann Iväre zum Abschied die ganze Familie zusammen. Gretl Ivar einverstanden. So gingen sie wieder zur Kärrnergaffe. Gretl wurde von Mutter Anna mit warmer Herzlichkeit aufgeiwmmen, und auch Vater Cornelius begrüßte sie in seiner bieder-freundlichen Art: 1 «Na, Fraulein Gretl. Sie woll'n also mit un- ser'm Hans das Wanderleben im Wohnwagen riskier'»? Da wird er ja e tüchtige Kameradin ham. Er hat uns scho viel Gut'S von Ihnen erzählt." Gretl wurde ganz verlegen, als Vater Cornelius das sagt«. Dann meinte sie: »Sie brauchen doch nit Sie zu mir sagen, wo ich doch mit'm HanS so steh." «So is recht, Gretl", sagte Hans.„Du g'hörst jetzt dazu. Für'n Vatter und für die Mutter bist du jetzt einfach die Gretl. und du sagst jetzt auch nur Mutter und Vatter zu ihnen, wie ich."» ES gab ein allgemeines gegenseitiges Händeschütteln, und Gretl war damit in die Familie ausgenommen. „DaS muß aber bihle festlich begangen wer'n, so e wichtiges Ereignis", bemerkt« Mutter Anna in freudiger Aufregung.„Das is ja eigentlich so e Art Verlobung, llnd ich hat gar nix im Haus! Aber en Kaffee mach ich schnell." Sic rannte aufgeregt in die Küche, setzte das Kaffeewasser auf, und lief dann zwischendurch hinüber in die Bäckerei Hein. Die war schon zu. Aber Mutter Cornelius ging durch den HauS- eingang in die Wohn»»ng und holte noch Kuchen und anderes Backwerk. Sie wollten heut abend »»och Abschied feiern mit ihrem HanS, sagte sie. In dem Stübchen hinter'»»» Milchladen gab's dann eine gemütlich-frohe Kasfeestunde. Gretl gewöhnte sich schnell an daS„Du" gegenüber den Eltern Cornelius, zumal bei der Mutter, die besonders liebevoll zu ihr war.» Bis nach elf Uhr faßen sie noch beisammen und plauderten. Dann muhte HanS wieder in die Kaserne. Er machte e S kurz mit dem Abschied von dei» Eltern, weil er bei der Mutter eine rührselige Szene fürchtete. Davon war er kein Freund. Die Mutter hatte ihm noch allerhand Eßbares eingepackt, und dann ging HmiS mit Gretl fort, der jkaferne zu. „Komm wieder, HanS!" rief ihm die Mutter noch nach. Sie stand unter der Ladentür und folgte den beiden mit den Blicken, solange sie sie noch schen konnte. Dann ging sie wieder ljinein in die Stube: „Wenn er nur g'sund wiederkommt, der Hans", sagte sie zu Peter Cornelius. „Er kommt scho wieder", tröstete der. Und dann sagte er noch:„Die Gretl g'fallt mir. Das iS e gcmz prächtig'S Mädle..." Am andern Tag kam HanS inö Feld. Mit einem ganzen Regiment zog er aus, lauter junge Die Renten der ninterb’tebencn Der BerwaltungSauSschuß der Arbeitern»»» fallversicherungSanstalt trat am 4. d. M. unmittelbar nach der Osseker Katastrophe zusammen und nahm einen Bericht des Vorsitzenden der Ver- waltungSkommissio»» H o S e k entgegen. Die ArbeiterunfallversichcrunzSanstalt traf Vorkehrungen zur unverzüglichen Bemessung der gesetzlichen Leistungen an die Hinterbliebenen. Nach dem Gesetz betragt die Witwenrente, sofern das Arbeitseinkommen des Mannes 12.000 Kö jährlich erreichte, jährlich 2400 KC, die Rente für jedes Kind bis zum 16, Lebensjahr jährlich 1800 KL(wobei die Summe dieser Renten zwei Drittel des jährlichen Arbeitseinkommens des Mannes nicht überschreiten darf), die Aszendentenrente jährlich 2400 KL und das Begräbnisgeld 900 KL. In besonderen Fällen wird neben den gesetzliche»» Leistungen noch eine freiwillige Schenkung gewährt werden. vle neudieiel der nendiicr Nichts ist leichter beim Bürgertum zu haben als MUgefühl für das Unglück und Leid der Arbeiter. Besonders dann, wenn irgend ein grauenhaftes. Ereignis das Märthrerdasein der schaffenden Menschen in greller Beleuchtung, so wie jetzt das Grubenunglück von Ossek, zeigt. In diesem Augenblick gehen auch jene, die sonst immer bereit sind, über den Kampf der Arbeiterklasse um ihr Recht auf Arbeit. Brot und Sicherheit de« Lebens, zu höhnen und zu lästern, unter die Trauernden und sic bemühe» sich außerordeitt« lich. in ihrem Trauergewande und ihrem Tränenstrom aufzufallcn. So braucht es uns auch nickst zu wundern, daß di«„Bohcmia". das gleiche Blatt, das die Niederknüppelung der Arbeiterschaft in Deutschland mit Begeisterung begrüßt, daö gleiche Blatt, das vor einigen Jahren die Bergarbeiter alS,.Börscaner der Arbeit" bezeichnete, jetzt die Stirn hat, in einem Leitartikel— von Herrn PetcrS— festzustellen, daß der Beruf des Bergarbeiters unter allen Berufen am gefährlichsten sei, weil der Bergmmin bei der Einfahrt in die Grube nicht weiß, ob er wieder zutage steigen wird. Dr. PetcrS sagt in seinem Artikel Wetter, „die Traucrseier werde zu einem Bekenntnis der Allgemeinheit zu den Toten von Ossek. Ein Bekenntnis zu den Toten— das Wäre gleichbedeutend mit einem Bekenntnis zu dem Kampfe, den die Bcrgarbetter fett Jahrzehnten führen, damit ihre, das Leben täglich bedrohende Arbeit so entlohnt werde, daß sic und die ihre»» nicht Hunger leiden müssen, damit die Qual, die der Bergarbeiter tagtäglick» erleidet, verringert werde durch eine entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit, und vor allem, damit zu seinem Schutze jene Sicherui»gen geschaffen werden, die ihn bei der Grubenarbeit mit etwas mehr Gclviß- heit für daö Wiedersehen mit den Seinen erfüllen, als das heute der Fall ist. Kurzum, ein Bekenntnis zu den Toten von Ossek schließt in sich dei» Kampf gegen die Profstgier der Kohlenbarone, die nicht nur die Toten von Ossek, sondern alle« Blut, da« seit jeher in den Kohlengniben um der Dividenden willen vergossen wurde, cnn Gewissen haben. Dazu wird aber das jetzt im Trauerkleid erscheinende und Ergriffenheit heuchelnde Bürgertum, besonder« aber die„Bohemia", kaum z« haben sein. Menschen, Jahrgang 1894. Mit Musik wurden sie zur Bahn gebracht. Obwohl eS Winter war, sah man doch an vielen Helmen und Gewehr«»» Blumenschmuck, und rechts und links von der Marschkolonne gingen Angehi'.ige der jungen Soldaten mit. Bor den» Bahnhof gab's dann ein großes Abschiednehmen und Winken. Gretl»var auch mit zur Bahn gegangen. Sie hatte Hans noch Blumen mitgcbracht. Tapfer kämpfte sie gegen ihre Tränen, aber als sie Hans zum letztenmal küßte, rollten sie ihr doch heiß über die Wangen. „Nit weinen, Gretl!" sagte Hans.«Ich komm wieder!" Und dann war er fort, verschwand in der Menge der graue»» 1kniforn»en, und der Zug führte ihn mit den anderen hinaus an die Kampffront... Seit Hans fort»var, kam Gretl Hein, so ost sie sich frei machen konnte, hinüber i»» den Milchladen zu Mutter Cornelius. Sie sprachen von Hans. War ein Brief an die Eltern gekommen, dann bekam ihn Gretl stets zu lesen, und manch« mal lag auch ein besonders verschlossener Brief für Gretl bei. Vater Hein sollte nichts von dieser Korrespondenz wissen. Auch die Feldpostpäckchen, die Gretl an HanS schickte, wurden drüben bei den Eltern Cornelius gepackt, und Mutter Anna brachte sie zum Postamt. Dem Vater Cornelius sah Gretl zuweilen zu, wenn er Kaspcrlköpfe schnitzte. Dabei kamen sie auch auf das Schneidern der Kasperlkleider zu sprechen, weil Gretl gerne für den Kasperlkopf, den sie von HanS zum Abschied bekommen hatte, die Kleider nähen wollte. Und daS hätte sie gerne ganz kunstgerecht gemacht. Frau Cornelius gab der Gretl auf ihr Drängen Unterricht in dieser Kunst. Nähen konnte Gretl ja gut. Aber die Kasperlkleider erforderten doch eine besondere Technik, vor allem auch daS Festmachen der Arme und Beine an den kleinen Figuren. Wr. 8 Dienstag, S. Jänner 1934 Sette 2 Geistige und organisatorische Umgestal tungen im Landstand? Die Janne neuen die alle Generation Zu der bekannten Erklärung des Ehrenob- inanneS des Bundes der Landwirte, Franz K r e- p e k, als ernannter Bürgermeister von Leitmerih bemerkt die..Abwehr" in Warnsdorf, ein deutschnationales Blatt, verärgert folgendes in auffallendem Fettdruck: „Zum Schluß seiner programmatischen Darlegungen, aus denen mit aller Klarheit zum erstenmale offiziell der Anteil hervorgeht, den der deutsche Bauer Krepek gewiß ander Erlassung der umwälzenden Parteiengesetze gehabt zu haben scheint und für deren rücksichtslose Durchführung b,iS ans Ende er mit seiner bekannten Hartnäckigkeit sich auch jetzt noch der N eun- und siebzigjährige einsetzt, gab er mit Befriedigung eine Reihe von Glückwunschtelegrammen bekannt, die ihm anläßlich seiner Ernennung zugingen." Diese Feststellung mag angesichts der konsequenten aktivistischen Politik KrepekS vollkommen zutreffen; etwas anderes wäre vom Genannten auch dann nicht zu erwarten, wenn er jünger wäre, als wie die„Abwehr" in einer bestimmten Absicht durch Sperrsatz ostentativ hcr- vorhebt. Wer so wie der alte Krepek sich bewußt auf den Boden deü tschechoslowakischen Staates stellt, innerhalb dessen sich das deutsche Volk durchsetzen und mit der tschechischen Mehrheit verständigen muß, muß selbstverständlich gegen alle fascistischen und Halbfascistischen Pläne zugunsten HitlerdentschlandS mit großer Entschiedenheit kämpfen. DaS hat Krepek getan und wird es auch in Zukunft tun. ES liegt die Frage nahe, ob auch seine Partei restlos das gleiche tut? Die Wahrheit ist, daß dies nicht gleichmäßig geschah. Einige Parteiorgane des Bundes der Landwirte(z. B. das Saazer und Karlsbader Blatt) sind noch heute stark fascistisch infiziert; wie denn auch ein großer Teil der Parteimitgliedschaft durch Naziphrasen besoffen gemacht wurde. Speziell die Landjugend, die angeblich L8.000 junge Leute umfaßte, rebellierte. Einer ihrer Führer, Dr. Robert H e h in Lieboschan bei Saaz, ivurde sogar verhaftet. Nach seiner Freilassung veröffentlicht er nun in der„Deutschen Landpost" vom 6, Jänner eine„notwendige Klarstellung über die Einordnung des jungen Landvolkes in den Landstand". Aus seinen umfangreichen Darlegungen geht mit zwingender Beweiskraft hervor, daß zwischen der alten und jungen Generation des nunmehrigen Landstandes, trotz erfolgter Verständigung. Gegensätze klaffen, die zu heftigen Kämpfen führen müssen. Als ausdrückliche Aufgabe des jungen Landvolkes bezeichnet Dr. Hetz die„Neubildung des deutschen Landstandes im Rahmen der völligen geistigen und organisatorischen Neubildung unseres Volkes", tveil„die erfolgreiche Weitergestaltung des derzeitigen schwer krankenden öffentlichen Lebens" unmöglich sei. Dr. Hetz klagt, daß die befreundeten Kreise diese Absichten mißverstanden und die Führer der Landjugend unrealistischen, phantastischen Denkens beschuldigten. Feindliche Kreise (?) hätten die Sache böswillig bei den Behörden und zweifelnden Freunden angeschivärzt. Hier wird mit aller Deutlichkeit dargetan, daß zivifchen den politischen Führern deS Bundes der Landwirte und den Führern der Landjugend schwerste Differenzen bestanden. Richtiger: sie bestehen weite r I Dr. Hetz und seine Mannen wollen nämlich innerhalb deS„Sudetendeutschen Landstandes" die„völlige Neubildung" um jeden Preis durchsetzen. Wörtlich schreibt er unmißverständlich: „... Wir unterlagen, weil wir nicht mit dem BehauptungSwillen deS führenden Geschlechtes gerechnet hatten. Die Schaffung des Sudetendeutschen Landstandes hat uns nun in engere Berührung mit dem älteren Geschlecht gebracht. Dabei ist aber in gewissen Sinne die Lage für uni günstiger geworden. Denn nun ist der Landstand, dem wir zustrebten, gebildet worden. Den Namen haben wir durchgeseht. Die Gliederung ist ernst in Angriff genommen. Der Geist kann freilich nicht hervorgezaubert werden, sondern muß allgemach durchgesetzt werden. Und nun wird daS niemandwehren, sondern man wird es begrüßen, wenn wir ihn dringen. Wer könnte es denn sonst sein? UnS hiebei ernste Schwierigkeiten zu bereiten, hieße mit dem Landstand Humbug treiben. UnS hiebei zum allmäh- lichen Durchkämpfen zu zwingen, wird nicht schaden; wir werden in Idee und Persönlichkeit nur reifer werden dafür und daS wird dem Ganzen nur nützen." Herr Dr. Hetz hofft also mit zunehmender Reife in Idee und Persönlichkeit innerhalb deS LandstandeS über die älter« Generation(Kre- pek, Spina usw.) zu siegen I Ob der alte Krepek sich beugen wird, wollen wir sehr bezweifeln. An der Bahre der Opfer Konrad Henlein kneift statt zu sprechen! Prachtvolle sozialdemokratische Gegenkundgebung in Graslltz Graslitz, 8. Jänner.(Eigenbericht.) Konrad Henlein hatte für Sonntag vormittag um 10 Uhr in deni großen Saal des Hotels „Schwan" in G r a ü l i tz eine öffentliche, allgemein zugängliche Versammlung einbcrusen, in der ec über die Grundsätze der Hcimatfront sprechen wollte. Unzählige Plakate prangten überall in GraSlitz mit dem Satz:„K o n r a d H c n- l e i n s p r i ch t". An der Front dcö Hotels„zum Schwan" war ebenfalls ein großer Leinwandsteifen mit der Aufschrift„Konrad Henlein spricht!" angebracht— aber Konrad Henlein sprach nicht! Henlein war in Graslitz, aber er betrat den Versammlungsraum auch nicht mit einem Fuß! Die Ursache war, daß die S o z i a l d e m o k r a- t e n in die Versammlung gekommen tvaren und daß Abgeordneter Genosse de Witte als deren Sprecher eine Stunde Re dczeit beanspruchte. Er sagte den Vertretern Henleins, daß die Versammlung diese ohne jeden Zwischenruf anhören Ivürde, daß aber andererseits die Heimatfront sich bereit erklären müsse, auch de Witte eine Stunde Redezeit zu geben, und ihn dabei nicht zu stören. Schließlich meinten die von der Heimatfront, daß man Genossen de Witte zu einer Er- tlärung 30 Minuten Redezeit geben tvürde, ivo- mit wieder dieser sich unter dem Hinweis nicht einverstanden erklärte, daß er einmal vor allen diesen Menschen nicht nur Herrn Henlein entgegnen, sondern auch die Probleme der sudetendeutschen Politik aufrollcn müsse, wie sie sich dem deutschen Sozialdemokraten zeigen. Als die Leute von der Heimatfront sahen, daß die Sozialdemokraten auf der Abhaltung einer solchen Diskussion bestehen würden, ging der Einbernser der Versammlung, ein Herr Dr. Riedl, einen Augenblick weg und kam dann mit dem Befehl Henleins zurück. Er ging auf die Tribüne und-hielt eine Rede, die nur aus zwei Sätzen bestand „Ich erkläre die Versammlung für eröffnet. Gleichzeitig erkläre ich die Versammlung für geschlossen." Genosse de Witte sprang sofort auf das Podium und erklärte, der Versammlung, lvarum e§ zu diesem Schluß gekommen sei, was selbstverständlich eine ungeheuere Empörung der Ver- sammlungobesucher über diese- sudetcndeutschc Kneifen vor einer Aussprache auslöste. Hieraus hirllcit die Sozialdemokraten am Marktplätze eine öffentliche Kundgebung ab, bei der Genosse de Witte unter brausender Zustimmung der Massen Entstehung und Ziele der sude- tendentsche» Heimatfrout erklärte und mit dem Rufe schloß: Auch Konrad Henlein wird man eS unmöglich machen, hier rin Wegbereiter deS FafciSmuS zu werden. llntcr jubelnden Zurufen schloß Genosse Wunderlich die Kundgebung mit dem Gelöbnis, daß wir alle Kraft daran setzen werden, hier den FasciSmuS zu verhindern. Herr Henlein sprach dann am Nachmittag in Graslitz in einer Paragraph-2-Versamntlung vor seinen unentlvegten Anhängern. Sein Nicht- reden vor den von ihm selbst gerufenen Volksmassen in Graslitz hat jedenfalls über den Charakter seiner Belvegung mehr gesagt, alö alle Reden, die er bisher vom Stapel gelassen hat, darüber zu sagen vermochte. Ole Heimwehr schwankt 140 Sprengstoffattentate seit Neujahr I Wien, 8. Jänner(Eigenbericht). In Wien findet die morgen bereits angekündigte Führertagung der Heimlvchrcn statt, in der die Antwort der Regierung aus das bekannte Ultimatum erwartet wird, in dem die Heimwehren die Auflösung der Parteien und die Einsetzung eines Re- gierungSlommissärS für Wien verlangt hatten. Die Regierung fürchtet, daß die Hcim- wehr ihre Drohung, ausder Regierung auSzutreten und sich mit den Nazi zu vereinen, ernst machen wird, «mso mehr, alö heute daS offiziell« Hriinwehr- organ bereits drohend erklärte, man werde vor einer„Konzentration aller faszistifchen Kräfte inOester» reich" nicht zurückschrrcken.- Die Regierung hat daher heute nachmittag? einen außerordentlichen Ministerrat einberufe», der einen A u f r u f an das österreichische Volk beschlossen hat. AuS diesem Aufruf erfährt man, daß die Regierung in den letzten Tagen eine U n m e n g e von schlveren Terrorakten der Nationalsozialisten in Oesterreich verheimlicht hat. Die Negierung gibt darin zu, daß dir Verhängung deS Standrechtes sich als völlig wirkungslos erwiesen hat und daß seit dem l. Jänner nicht weniger alS 140 Sprengstoffanschläge in den verschiedensten Teile» Oesterreichs durch Nazi- verübt worden sind! Angesichts dieser Tatsachen sei die Regierung nunmehr entschlossen, nunmehr mit allen, auch den s ch ä r f st e n(?) Mitteln diesen Terrorakten entgegenzutreten und ihnen ein für allemal ein Ende zu setzen. Deshalb sollen neue Abteilungen des Heiin- wehrschutzkorpö— etwa 6000 Mann— aufgeboten werden. Dieser Schachzug der Regierung soll offenbar dazu dienen, um die Heinnvehrführertagung unter Druck zu setzen und den Helmwehren den Austritt aus der Negierung und die Einigung mit den Nazis zumindest zu erschweren. 776150 Arbeitslose am Jahresende Nach den Feststellungen des Ministeriums für soziale Fürsorge hat sich die Zahl der Arbeitslosen Ende Dezember auf 778.130 belaufen, waS gegen Ende November, da die Ziffer 601.07b betrug, ein Ansteigen der Arbeitslosen nm 87.075 bedeutet. Diese Zunahme ist etwa- geringer alS der Zuwachs der Arbeitslosen im Dezember 1032. Ende November 1032 betrug nämlich die Anzahl der Arbeitslosen 607.881, Ende Dezember 745.310, daS Wachstum betrug demnach 137.438. Immerhin übersteigt die Zahl der Arbeitslosen' zu Ende 1033 die Ziffer zu Ende 1032 um 32.831. ES ist anzunrhmen, daß anch im Jänner 1034 die Zahl der Arbritolosen wachsen wird, wenn auch nicht in dem Maße wie im Jänner 1033, da die Zunahme an Arbeitslosen nicht weniger alS 136.415 betrug. Tltulescu IdOt s di erweichen und bleibt Aussenminister Bukarest, 7. Jänner. Anßenminister Titu- lescn hat sich nunmehr nach einer zlveistündigen Audienz beim König bereit erklärt, das Außen- ministerium im Kabinett TartarcScu bcizubchal« ten. Damit ist die rumänische Regierungskrise. die durch die Ermordung DucaS ausgelösl ivurde, endgültig beigelegt. Drill iür acn Krieg Berlin, 8. Jänner. Die militärische Ausbildung der SA-Abteilungen tvird jetzt in großen Gruppen durchgeführl. Heute ivurde in der nächsten llmgebung von Berlin ein Ausdauer-Marsch mit einer Belastung von 25 Kilogramm veranstaltet, an dem 3500 SA-Männer beteiligt tvaren. Der drcicinhalbstündigc Marsch der SA-Männer, die von der Bevölkerung begrüßt wurden, fand im Berliner Vorort Pankow seinen Abschluß. Noch keine Rclciisreiorm Die ursprünglichen Pläne, zum 18. Jänner eine RcichSrrkorm zu verkünden, sind fallen gelassen oder wenigstens auf ein Minimum reduziert wor- dcn. ES scheint, daß dabei der Grgrnsab zwischen Hitler und Göring eine Rolle gespielt hat und bau Göring, der auf sein Amt als preußischer Ministerpräsident entscheidenden Wert legt, die Durchführung der Aktion sürü erste hintertrieben hat. Das würde rin Beweis dafür sein, daß seine Stellung Hitler gegenüber sich erneut gefestigt ha«. Unverbesserlich (DG) In einem Aufsatz des Zentralkomitees der KPD. am 24. Dezember nun Freispruch von Dimiiross und Genossen heißt eS: „Aber Timitrofs und die Juicrnalionakc, KommuniSn iS und Sozialdemokratie, das und zwei Welten, zwischen denen eS nichts gemein-- sanics gibt. Timitrofi-:- Anftretcn in Leipzig, das Hi der proletarische Weckruf der koininunistische» Internationale zum geistcigerlcn Kamps gegen die r bourgeoiüe. DaS heuchlerische Eintreten der Internationale für Dimiiross aber ist nick»: als der Vcrsnch, euren Willen für die prolera Einheits- und KampsessronI zu mißbrauchen, inn die Politik der Arbeitsgemeinschaft mit der Bour- geoisie gegen die wcltrcvolntionärc Bewegung fori- zuführen." Wären die Sozialisten nicht für Dimitreis cingctreten, tväre das falsch und unverständlich gc- wesen. So sind sie für Dimitroff eingctreten und werden dafür auch von den ZK. der KPD. abge- > kanzelt. Anstatt anuicrkenneu, daß hier erstmalig I in einer großen Sache die geschlossene Front der ganzen Arbeiterklasse gegen den gemcinsanicn Feind stand. Kardinal ran Haber bedroht Berlin. Die letzten Predigten des Kardinals Faulhaber, in denen dieser das alte Testament gegen nationalsozialistische Angrissc verteidigte, haben dem Kirchcnfürstcu die besondere Feindschast Münchener Hakenkreuztreisc eingetragen. Der.Kardinal soll deshalb, ivic verlautet, vom Papst zum Delegaten ernannt tverden, um ihm die Rechte der Exterritorialität zu sichern. Mau glaubt, so einen Schutz gegen citvaige Rachepläne der Nationalsozialisten zu schassen. Die ganze Stimmung, die heute in Batzcrn herrscht, erinnert an die Epoche des Kulturkampfes. Fritz Ebert freigelassen. Der älteste Sohu des früheren Reichspräsidenten, Fritz E b e r t, der seil Monaten unter schinipflichstcr Behandlung sich im Konzentrationslager lefand. ist auf Intervention des Reichspräsidenten von Hindenburg, an den seine Mutter sich in einem Bittschreibcn gewandt hatte, in diesen Tagen aus dem Lager in Wittenberge entlassen Ivorden. Schauspiel menschlicher Erniedrigung.„Manchester Guardian" veröffentlicht einen Brief des früheren englischen llntcrstaatssckrctärö Rennie Smith über die Zustände im Konzentrationslager Dachau. Smith beschreibt mit EI> heilen die schlechte Behandlung der Intern die er bei seinem Besuch festgcstcllt habe. Kein Mensch, erklärt er, könne sich ein Schauspiel menschlicher Ern'.'drigung v.rstellen, das mit dem Konzentrationslager Dachau vergleichbar sei. «Seift 1 Dienst«», 9. Wlnner 1034 Xr.« Bluttge Familientragödie in Brünn Ein Vater tötet seinen kranken Sohn und sich selbst Brün n, 8. Jänner. In Brünn liat sich in der Nacht ans gestern eine blutige Familicnlragö» dir abgesvielt. Te si e b z ig j ä l> r i g c Inhaber eines ParfümrricgcschäfteS in brr Nennergasse, Johann D N b a l, bat seinen a ch t u n d- zwanzigjährigen SohnFranz mit einem Hammer erschlagen und sich selbst erhängt. lieber diese fnrchtbare Tat liegen folgende Details vor: Ale der Mitinhaber dieses Parsümeriegr- schästeo, Aases Dybal, gestern Bormittag die Wohnung seines Baiers im Hause Reunergaffe 4, 6c- 1 treten wollte, fand er sie versverrt. Da sich auf wiederholtes Läuten niemand meldete, schöpfte er Verdacht und liess die Tür gewaltsam öffnen. | Beim(.Eintreten bot sich ihm ein furchtbarer An- | blick. An der PerbindnngStür vom Borzimmer in die Küche fand er seinen Bnter erhängt und im Schlafzimmer lag sein achlundzwanzigjährigcr Bruder Franz mit zertrümmertem Kopf. Beide waren bereits tot. Die herbeigerufene Polizei liess die beiden Leichen ins gerichtSmediziuische Institut bringen. Johan» Dybal hat einen AbschiedSbrief hinterlasse», worin er mitteilt, dass sein Sohn sehr schwer leidend war und in der Nacht auf gestern einen furchtbaren Anfall erlitten hat. DnS habe er nicht«lehr mitansehen können nnd deshalb habe er einen Hammer ergriffen und damit seinen Sohn erschlagen. Hierauf erhängte sich der unglückliche Vater an einem Türpfosten. 100 Kilometer erreichte er mit 16 Minuten 60 Sekunden, d. h. mit einem Stundendurchschnitt von 360 Kilometern. Der bisherige Rekord für 1000 Kilometer wurde von dem französischen Flieger Delmotte mit 334 Stundenlilo- meter gehalten. 1*5 Millionen Häringe Plymouth, 6. Jänner. Die Fischersloite von Plymouth landete Sonntag im Hafen eineinhalb Millionen Heringe. Dies ist der grösste Fang seit einem Jahr. 71 Japaner bei einer Panik getötet Totio, 8. Jänner.(Reuter.) In Kioto wur den infolge einer Panik, die sich der Menge aus unbekannter Ursache bemächtigte, 71 Personen getötet und 66 verleht. Ci Der Geneh- hat das Etienne unglücklich, am nächsten Türen führen und die Fenster vergittert sind. Die Einbrecher brachen die Decke durch und gelangten so in den Versteigerungüsaal. Die Kassa öffneten sie mit Hilfe von Reigern und entnahmen ihr die Wertsachen. Dann versuchten sie noch in vier andere Räumlichkeiten zu gelangen, was ihnen aber nicht gelang. Sie drangen nnr in das Büro eines Richters ein, von Ivo sie auf die Strasse flüchteten. Lars« Alexander Stavlsky, bet Mann, der 000 Millionen ergaunerte. a m p f e r, der am M a n n Besatzung verlassen hat, S t ll r»l g e s u n l Rack einigen wärmere» Tagen hat nunmehr in Bulgarien dichter Schileefall eingesetzt, die Temperatur ist stark zurückgegangen. An vielen Stellen sind Wölfe aufgetaucht. In der Nähe des südbulgarischen Weinzentrumö Karabunar überfielen Wölfe eine Viehherde im Walde und zerrissen fünf Stück Rindvieh, bevor die Hirten herbeieilten. Vom Hunger getrieben, sind die Wölfe sogar bis zur Peripherie von Sofia vorgedrungen. Meldungen auö Atheil zufolge, ist in G riech e n l a n d der Temperaturrückgang von E r d- e r s ch tt t t e r ii n g e n und Hebers ch w e m- m u n g e n begleitet. Das Erdbeben Ivurde auch in Athen verspürt, doch Ivurde lein Materialschade angerichtet..In Peloponnes und in Griechisch- Mazedonien regnet es ausgiebig, so dass die Saaten vielfach vernichtet wurden. An einigen Stellen, in Mazedonien mussten sich die Einwohner überschwemmter Wohnhäuser a u f die Dach errette n. Eine Frau und zwei Kinder sind in den Fluten ertrunken. Auö einigen Stellen Mazedoniens wird Hagelschlag gemeldet. Mit Mann und Maus... Shanghei, 7. Jänner. Ein chinesischer Jänner Tscknfn mit 28 ist in einen geraten und mit der ganzen Besatzung e n. Dieser Tage verunglückte beim Rodeln der 24fährige Arbeiter Josef N e s i p a aus Bud» lov bei Mor.-BudSjovice. Er stürzte während der Fahrt vom Schlitten und fiel mit dem Kopf ans eine» Strassenrandstein so dass er bewusstlos liegen blieb und Tage im Krankenhaus starb. In der Nähe von Saint (Frankreich) wurden zwei Gymnasiasten beim Skilauf von einer Lawine überrascht. Der eine fmid den Tod, dem anderen sind Hände und Füsse erfrören. 358 Stundenkilometer Paris, 7. Jänner. Der französische Flieger Mas sötte hat den Geschwindigkeitswelt- relord für den 1000-Kilometer-Flug auf einen Stundendurchschnitt von 358,168 Kilometern verbessert. Sein Flugzeug legte die 1000 K i l o- meter in zwei Stunden 47 Minuten 31 Sekunden zurück. Die beste Feit für alles tun werde, um in dem Skandalsalle der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen. Dalimier demissioniert' Der in die Affaire verwickelte Minister für die Kolonien D a l i m i e r gab heute um 22 Uhr dem Ministerpräsidenten EhautempS seine Demission. Der Ministerpräsident hat dir Demission angenommen. Minister für öffentliche Arbeiten empfängt am Mittwoch, den 10. Jänner, nicht die üblichen Besuche. Professor Anton Hanak, ein gebürtiger Brünne r, der zu den führenden Bildhauern Oesterreichs gehörte und durch seine Werke auch int AuSlande sehr bekannt geworden ist, ist gestern in Wien im Alter von 68 Jahren einem Herzleiden erlegen. Durch rin Eisenbahnunglück bei Donny- b r o o l(Natal) sind in der Nacht" zum Montag fünfEin geborene und ein Lokomotivführer getötet worden. Der mit 200 Reisenden besetzte, von Moritzburg kommende Nackitpostzug war in einer Kurve entgleist. Die Lokomotive und sechs Wagen stürzten einen Abhang hinunter. Ohne Benzin rückwärts. In den Strassen von Budapest erschienen als Folge der h o- hen Benzin preise nach vielsähriger Pause wieder die Einfpanner. Bisher ist nenn ehemaligen Einspännerbesthern die migung zur Inbetriebsetzung ihrer alten Wagen erteilt worden. Ein Schuhserum gegen Flecktyphus Allukrainische bakteriologische Metschnikow-Jnsti- tut in Charkow hergestellt. Die Wirkung des | Serums wurde erprobt nachgeprüft. Der Schwindler von Bayonne begeht Selbstmord Mord und Selbstmordversuch aus unglücklicher Liebe Gestern früh wurden aus der Strasse von Sobieschih nach A u t i e ck> a n bei Brünn in einem Autotari der zwanzigjährige Wäschereibe« sitzerssahn JohannS k a r o l e k und die achtzehnjährige Beamtin Irma P- a v l a L mit schweren Schusswunden aufgefunden. Der Mann dürfte zu» «erst auf das Mädchen geschossen nnd sodann die Waffe gegen sich gerichtet haben. Die Ursache der Tat soll unglückliche Liebe sein. Tie beiden Schwerverletzten wurden in die Landeökrankenanstalt gebracht, ihr Zustand ist ernst.— Das Mädchen ist inzwischen um 14 llhr im Krankenhaus gestorben. Der Zustand Skaroleks ist hoffnungslos. Einbruch im Ostrauer Bezirksgericht. Mähr. Ostrau, 8. Jänner. In der Nacht auf heute wurde die Kassa der Ber steigern ngsabteilung des Bezirksgerichtes in Mähr. Ostrau» die sich im Gerichtsgebäude befindet, auSgeraubt. Es wurden 20 goldene N h r e n. viele Brillantringe, sowie andere Wertsachen und 3600 KC bar entwendet. ES handelt sich um Sachen, die sich dort entweder in .Verwahrung befanden oder für die gerichtliche Versteigerung vorbereitet loaren. Die Täter liessen sich wahrscheinlich am Sonntag im GerichtSge- bäude einsperren oder öffneten die Haustür des GerichtSgebäudeö mit einem Nachschlüssel. Sie mussten mit den Ortsverhältnissen gut vertraut sein, denn sie drangen zunächst in die Uebertre- tungSabteilung im 1. Stock ein, die sich über dem Versteigerungssaal befindet, weil in diesen eiserne Opfer des Wintersports Beim Schlittenfahren auf der zugefrorenen Jglawa in Vladislav bei T r e b i t s ch fielen zwei Knaben, Emil Havel nnd Karl Maöek, in eine eisfreie Oeffnung. Der zu Hilfe herbeigeeilte Brauereiarbeiter I. Mrüa, konnte Maöek aus dem Wasser ziehen, während Havel ertrank. Erst nach einer Stunde gelang es, seine Leiche aus dem Flusse zu sischen. TagcsiKuigkclftn Mit der Hacke die Fra« erschlage«. llstwrod, 8. Jänner. Zwischen dem 30jähri- gen K r e tn e i e I und seiner 33jährigen Frau, die mit einem Soldaten ein Liebesverhältnis unterhielt, entstand ein Streit, wobei Kremckek seiner Frau zwei Schläge versetzte. Daraufhin stürzte sich diese mit einem K ü ch e n m eifer auf ihren Manii, er aber entwandte seiner Frau das Messer und brachte ihr dabei zwei Stiche in die Brust bei. Schliesslich z e r t r ü m m e r t e er ihr mit einer Hacke den Schädel. Kremecel Ivurde verhaftet. Er ist seiner Tat geständig. Paris, 8. Jänner. Auö Chamonix trifft soeben die Meldung ein, das« Alexander Sta- w i e k i, dir Hauptperson in den Bayoimer Unterschlagungen, die soeben in der französischen Oeffenttichkeit grosse Erregung Hervorrufen und. die Regierung ernstlich gefährden, einen Selbstmordversuch verübt hat. Dir Polizei ist Dtawirki auf der Spur. Sir drang in einer Billa ein, wo sie Stawirki mit durchschossener Schläfe in Bewusstlosigkeit vorfand. Der herbeigerufene Arzt konstatierte, dass die Ber» lehung Stawirkis tödlich ist. Der Bürgermeister von Bayonne verhaftet Im Zusammenhang mit diesem Finanzskan- dal ist der Bürgermeister von Bayonne, Abgeordneter G a r a t, verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte nach einem sechsstündigen dramatischen Verhör am Sonntag nachmittags. Garat ist Sonntag abends bereits ins städtische Gefängnis eingeliefert worden. Kabinett berät noch Allgemein hatte man erwartet, dass Ministerpräsident Chautemps heute abends nach der Sitzung des Kabinettörateö die Demission des gesamten Kabinetts überreichen werde. Die Entscheidung wird jedoch erst im morgigen Ministerrate fallen, der unter dem Vorsitz deö Präsidenten der Republik zusammentreten wird. In der über die heutige Sitzung deö Kabinettörateö ausgegebenen amtlichen Nachricht heisst es, dass die Negierung Soldaten-Selbstmord Prag, 8. Jänner. Am 7. d. M. nach 17 Uhr erschoss sich aus seinem Dienstgewehr der Soldat JaroslavSchor vom Fliegerregiment Nr. 6, als er im Dienste als Wache auf den« Standposten beim Hangar auf dem Flugplatz in Kl> elY stand. Der Genannte hinterliess drei Briefe, von denen der eine an die Mutter und die zwei anderen an die Schwester gerichtet waren. In den Briefen ist keine konkrete Ursache für den Selbstmord angeführt. Der Soldat teilt nur allgemein mit, er scheide aus dem Leben, da ihn das Schicksal Hindernisse in den Weg gelegt hat. Charakteristisch ist dass der Selbstmörder den Brief eines Freundes bei sich trug, welcher vor kurzer Zeit a u ch durchSelbstmordgeendet hat. Der eine an die Schwester adressierte Dries des Schob gleicht in Form und Inhalt vollkommen jenem, welchen er von dem Freunde, der durch Selbstmord geendet hat, erhalten hat. Die Ursache des Selbstmordes konnte demnach nicht sichergestellt werden. Eö handelt sich um einen Soldaten, welcher erst vor zwei Monaten den Präsenzdienst angetreteu hat. El war nie bestraft worden und es drohte ihn« auch keine Strafe. Bergarbeiter-Witwe Ich habe eine rote Schreckrnönacht Mit vielen andern vor dem Werk durchwacht. Frost bvg den Leib, verbrannte das Gesicht., Wir achteten der grimmen.stältc nicht. Wir harrten ans. Verzweifelt hielten fest Wir uns an einem kargen Hoffnnngsrcst. Wir standen starr— Ins In den Nachmittag, Da brach die schwache Hoffnung schwerer Schlag: Verloren! Abgemauert wird der Schacht! Mein Mann! Verloren in der Flammcnnacht! Mein Mann! Nie mehr drin Vlick, dein Mort, dein Kuss. Tein Lachen und dein froher Hcimkrhrgrnss! Erloschen deiner Auge» mildes Licht. Glulilbrrspriiht dein liebes Angesicht! Verkohlt die Hand, mir liebe Schmeichelhaud— Weisst d«, wir oft sie sich in meine fand? Du weisst nichts mehr! Weiss ich den», was geschah? Tein lieber Leib mir oft so zärtlich nah, Zerstört! Feuer dein letzter Bettgenoss! Verbrannt daö Herz, deS Liebe überfloss So oft in meines! In dein Flammengrab, Geliebter, stürzt mein Leben mit hinab! Ich habe eine lange SchreckenSnacht Mit vielen andern hoffnnngSbang durchwacht. Run folgen viele schwere Rächte nach, Tie ich allein mit meinem Schmerz durchwach... «. H. Mord im Auto. I» Steingaden(Oberbay ern) ist mau einer Bluttat auf die Spur gekom- I men. In der Gastwirtschaft Graf war Freitag vorinittagS ein Personenkraftwagen aus München eingestellt worden, dessen vermutlicher Besitzer sich wieder entfernt hatte. AIS er weder Freitag, noch ani Samstag znrückkehrte, schöpfte man Verdacht und untersuchte den Wagen. Man fand in einer Decke gehüllt und mit einer Schusswunde am Hinterlopf die Leiche einer 40jährigen Frau, deren Personalien auf den Namen Elisabeth R e i t i n g e r, Gattin eines Kaffeehauübesitzerü aus München, lauteten. Die Ermittlungen habe» ergeben, dass der Wagen aus G a r m i f ch-- P a r t e ii k i r ch e n gekommen ist. Als mutmasslicher Täter kommt dec verschwundene Begleiter der Frau, der 47jährige Täter Graf aus München in Frage. Graf soll die Barschaft seiner Begleiterin in Höhe von 5000 RM. an sich genommen haben. Im Wagen wurde ein Abschiedsbrief des Graf mi feine Dienstgeberin gefunden. Ob es sich u meine Liebestragödie, einen Selbstmord oder um einen Mord handelt, ist zur Stunde noch nicht geklärt. Die Tote ist Mutter von drei Kindern. Spione in Frankreich. In Nizza wurde ein in Frankreich naturalisierter Italiener verhaftet. Er arbeitete bei den französischen Befestigungsbauten und verfertigte dort insgeheim eine dokumentarische Photographie. Ferner wurde in Metz ein Saarländer wegen Spionage verhaftet. Flohr Sieger über Aljechin. Sämtliche Pariser Blätter verzeichnen aus Hastings den Sieg des tschechoslowakischen Schachmeisters Flohr und seine Placierung vor Aljechin. Nach dem„Jntransigeant" antworte Flohr auf eine Anfrage, ob er die Absicht habe, Aljechin zu einem Kanipf um den Weltmeistertitel herauSzu- fordern:„Bisher keinesfalls, erst in einigen Jahren. Ich muss noch vieles lernen." BerfcholleneS Flugzeug. Ein mit vier Personen besetztes Flugzeug ist in den Eisgebie- t e n von Nordkanada verschollen. Daö Flugzeug war am 2. Dezember von Moosone. dein nördlichsten kanadischen Eisenbahnpunkt an der JameS-Bucht, nach Fort Harrison gestartet. Ein Tonfilm-Anto der For- Film- Corpora- tion fuhr am Montag mit vollständiger Aufnahmeausrüstung auf den Staffelsee (Oberbayern), um den EiSlauf-OlympiakurS in Ton und Bild aufzunehmen. Dicht am Ufer brack das schwere Auto plötzlich ein. Dem Chauffeur' gelang es im allerletzten Augenblick, sich durch das Wagenfenster zu retten. Der Wagen versank innerhalb weniger Sekunden und liegt in einer Tiefe von 13 Metern. Der Wert, der mit dem Auto in die Tiefe versank, beträgt 16.000 RM.« da sich die gesamte Tonfilmapparatur im Wagen befindet. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Mittwoch: Prag 11: Konzert, 15.30: Schallplatte». 17.36: Violoncellokonzert, 18.80: Deutsche Sendung, Rrbeitersunk: Gespräch zwischen Redakteur Kögler und Chefarzt Dr. Neumann: Der Bezirk Tet- schen als Muster der Gesundheitspflege der Schuk- iiigvnd, Bericht vom Arbeitsmarkt, 16.10: Französischer Sprachkurs. 21.50: Radio-Feuillewn. 22: Tagesereignisse.— Brünn 15.40: Die Pfadfinder im Winter, 16: Nachmittagskonzert. 18.25: Deutsche Sendung: Dr. Wokurek: Die englische Krankheit, 21.25: Beethoven: Violinkonzert.— Kascha» 11.30; Orchesterkonzert, 21.05: Orchesterkonzert.— Pressburg 17.85: Kindergeschichten.— Wien 17.20: Klavierborträge. 20.05: SinkoniÄkon- zcrt.— Breslau 23.80: Nachtkonzert. «r.« Dienstag, 9. ISnner 1934 Seite S Das Schicksal dcö schiefen TurmS zu Pisa besiegelt? Der weltberühmte„Schiefe Turm" zu Pisa, der sieben Jahrhunderte hindurch die ganze Welt in Erstaunen versetzte, muß innerhalb von zwei Jahren abgerissen lverden, wenn nicht ein Einsturz des Bauwerkes riskiert lverden soll. Wer will unter die Gendarmen? Daü tfchechoslovakische Gendarmeriekorps wird mit 1. September l. I. durch die Aufnahme von Gendarmen auf Probe ergänzt lverden. Al» Gendarm auf Probe kann ausgenommen werden, wer a) tschechoslowakischer Staatsbürger ist, b) unbescholten, eigenberechtigt und geistig geeignet ist, e) das 21. Lebensjahr überschritten und das 35. Lebensjahr noch nicht erreicht hat, d) ledig oder kinderloser WItlver ist, e) körperlich kräftig und gesund und entsprechend grob ist; f) die tfchechoslovakische Sprache in Wort und Schrift beherrscht; g) sich mit edier der Volksschule entsprechenden Bildung au»- weist und schließlich lver h) militärische Ausbildung genoß, den militärischen Waffendienst mindestens für jene Jeit absolvierte, lvie sie vom Wehrgesetz al» normaler Präsenzdienst festgesetzt wird. Jeder Um- die Aufnahme in die Gendarmerie Anfuchende muh dem Gesuch eine von- zwei Zeugen mitgefertigte. Erklärung beifügen, derzufolge er sich für den Fall der Aufnahme verpflichtet, vier Jahre obligaten Dienst bei der Gendarmerie zu machen. Die Gesuchsteller au» den Reihen der Legionäre müssen überdies die Legionärsbestätigung beifügen. Ordentlich gestempelte und eigenhändig geschriebene AufnahmSgesuche sind bis 15. Feber 1934 bei jenen; LandeSgendarmeriekommando einzubringen, in dessen Sprengel der Gesuchsteller wohnt. In den Gesuchen haben die Einreicher anzusüh- ren, bei lvelchem LandeSgendarmeriekommando sie Die Frauen der Opfer Unglück int Schacht! In rasender Eile verbreitet sich die Schrek- kenSbotschaft in den Arbeitersiedlungen, dringt sie In die Stuben der Bergarbeiter, schlägt an die Ohren der entsetzt aufschreienden oder in jäher Qual erstarrenden Frauen. Dann löst sich die Ermattung, weicht ebenso plötzlichem Ivilden Wollen: zum Werk! Durch die Straßen rennen die Frauen,—7 so, wie sie ihre Hauvarbeit verließen. Die Gesichter verzerrt, die Haare flatternd, stoßweise atmend, manche ihr Kleinstes auf dem Arme, Größere Kinder laufen schreiend nach. Greise Väter humpeln hinterher, so rasch die müden steifest Deine sie zn tragen vermögen. Vor dem Schachteingang staut sich die Menge, zurückgehalten von der Wache. Verzweif- lungSschreie gellen, Verwünschungen steigen auf, geliebte Namen werden in heißer Sehnsucht gerufen, Tränen der Angst rollen über verstörte Gesichter, schmerzhafte Krämpfe erschüttern schwangere Leiber. E i n Gedanke in jeder Frau: Nur mein Lieber, nur meiner wenn gerettet würde! Nur mein Mann! Nur mein Sohn! Selbstverständlicher Egoismus der Liebel Gibt es in diesem Augenblick für die liebende Frau, siir die Mutter einen anderen Gedanken als den an den einen Geliebten, Einzigen, Unersetzliche»? Und doch faßt, da im Herzen jeder Frau die gleichen Saiten schmerzlich tönen, Gemeinschaft deö Leidens alle zusammen zu einer Gemeinde... Ist no<»' Hoffnung? Wer ist gerettet? Wer verloren? Wieviele sind eingeschlossen in der Tiefe? Gebete tvechseln mit Flüchen, Anklagen mit Bitten. Stundenlang! Stundenlange Qual der Hoffnung und zermalmender Angst! Stundenlange» Zerfleischen armer FrauenherzenI Stundenlange» hundertfältiges Sterben unglücklicher Proletarierinnen! Qualvoll, unvorstellbar qualvoll die letztet; Augenblicke der eingeschlossenen, dem Tode unentrinnbar geweihten Arbeiter. Wer, der da» furchtbare nicht selber erlebte, unmittelbar vor der Gefahr schmerzhaften Todes zu stehen, vermöchte auch nur ahnend die ungeheure Schauerlichkeit dieses Massensterben» zu erfassen? Aber nicht minder schwer, nicht minder schmerzerfüllt sind die Stunden, die die warteiweu, so unendlich lange auf die schlimmste Getvißheit wartenden Frauen der Opfer durchleben! Wer vermag einzutauchen in die Tiefen ihre» Schmerze»? Wer vermag wirklich ganz mit ihnen zu fühlen, mit ihnen zu leiden? Beileidsworte werden gesprochen;;nd mitleidsvoll schreiben die Zeitungen. lind denen, die nicht selber einen lieben Freund, einen Angehörigen verloren, mag die Welle des Mitgefühls, die über da» Land geht, wie eine Hoffnung sein: e» gibt, über allem menschlichen Streit, doch in der Menschheit tragischesten Stunden eine Gemeinschaft, die Mensch mit Mensch verbindet! Aber kein Wort de» Trostes dringt wirklich zu den Herzen der Frauen. Starret; Blicks, tiefivund im Herzen, wanken sie heimwärts, in» verödete ärm- liche Heim, da» Letzte verloren, was der Kapitalismus ihnen an Lebensfreude bisher nicht genommen hatte, da» Familienglück ,— vor sich ein srendeleereü, liebearmeü Leben. Und ein Leben— noch mühevoller, noch sorgenreicher, noch beschwerter als früher, denn reichlich fließen wohl die Trastesworte, aber wird wirklich so der Hinterbliebene;; gedacht werden, daß sie ohne allzu große Beschwerde ihr Leben werden fristen können? Arme Frauen! Und nicht ihr allein, Frauen der Opfer von Ossegg! In allen Städten, in allen Ländern, wo Menschen in der Fron de» Kapitalismus stehen, fallen Tag un; Tag und Stund um Stunde Opfer, werden Frauen der Männer und Söhne beraubt, fallen Frauen selber auf dem Schlachtfelde der Arbeit. Jnö gigantische wächst daü Schuldbuch des Kapitalismus. Frauen der Opfer! Wann werdet ihr nicht mehr nur Dulderinnen sein? Wann werdet ihr den Kap;ialiSinuö zur Rechenschaft ziehen, wann von;hm die Begleichung seiner Schuld fordern? Welltvog. eingereiht werden wollen. Da» Innenministerium behält sich jedoch das Recht vor, die Ausgeitommenen eventuell auch bei einem anderen LandeSkomumndo einzureihen. Forderungen der deutschen Lölkerbundliga zur Abrüstung. Die Deutsche Völkerbundliga in Prag hat der Regierung eine Kundgebung überreicht, in der die Meinung der Liga zur Frage der Abrüstung gesagt wird. Es wird u. a. verlangt:„1. Einrichtung einer wirksanien aus alle Staaten.gleichmäßig z;r,erstreckenden.KLutrottei 2. gegenseitige Verpflichtung aller BcrtragSstaa- ten, gegen jeden Staat, der die Abrüstungöbestim- inuugen verletzt, mit den gleichet; Zwangsmaßnahmen vorzugehen; 8. Organisation eine» Verfahrens, daü geeignet ist, etwaige Verstöße gegen die AbrüstungSbestimmungen verläßlich festzustel- len und alle anderen Mächte zu einer wirksamen Gegenaktion zu vereinigen." ES wird in dem Memorandum dann ersucht, daß die tschechoslowakischen Vertreter bei der Abrüstungskonferenz für diese Forderungen eintreten. Vom Friedhöfe des Kapitalismus. Ai;gaben aus den letzten drei Jahren ergeben, daß in diesem Zeitraum in der Tschechoslowakei 11.024 Firmen in Ausgleich gerieten; außerdem tvurden noch 2000 Konkurse registriert, ohne vorhergehenden Ausgleich. Bei den Ausgleichen betragen die Forderungen 15 Millionen und bei den Konkursen 200 Millionen KC. Nachdem jedoch beim Verkauf der Aktivbestände der Unter» mehmungeru-d».iau.AuSgleich und Kon lullt, sichen, nicht eine derartige Summe erzielt wird, wie man annimmt, so sind die Gläubigerverluste tveit höher und erreichten in diesen; Zeitraum von drei Jahren ungefähr drei Milliarden K£. Von den Ausgleichen und Konkurse;: sind vor allem kleine Unternehmungen, Betriebe und Einzelsirmei; betroffen. Soweit Aktiengesellschaftei; betroffen werden, so handelt eü sich einesteils um Reduzierung des Kapitals zur Deckung der Verluste, andererseits um Koiizentcation, bztv. Fusion mit anderen Unternehmungen. Auf heißem Boden Am ö. Jänner wurden, Ivie bereits gemeldet, die beiden Schachteingänge der Unglücksgrube Äelson III in Ossel zugemauert, weil wiederholte unhcilkündende kleinere Explosionen jede Möglichkeit Iveiterer Rettungsarbeiten auSschlos« sen. Den verhältnismäßig tvenigen Zivilpersonen, die sich an diesem Tage im Hofe deö Schachtes aushielten, Ivar ganz eigenartig, ja unheimlich zu llstüte. Sie konnten das Ungeheuerliche nicht fas« sen. daß mit der hern;etischen Abschließung der Schächte gleichsam endgültig der Sarg über mehr als 180 brave Bergleute geschlossen wurde, die da un- >,•>; in der Tiefe ruhte;;, wie der landläufig- gedanlenlosc Ausdruck lautet. Ach, vom Ruhe;: im vulgären Sinn, kann absolut nicht gesprochen werden. WaS sich in den zirka 80 Kilometer langen Gängen und Stollen da unten Grauenhaftes abspielte, hat kein Menschenauge gesehei;. Selbst die vier Geretteten wissen eigentlich nichts Näheres. Wie der gerettete Bergmann Perner, der am erwähnten Tage bereits wieder am Schachte erschien, auf Befragen erzählte, war die Explosion, die sie hörten, anscheinend gar nicht sehr heftig. Bald 1% Stunden irrten ihrer sechs Flüchtige herum, eilten über zusan;mengebrochene Stempel, solvic über eine Leiche hinweg, imn;er mehr verfolgt von den giftigen Rauchschtoaden, ehe sie durch den Wasserschächt 160 Meter hoch an die frische Luft kamen. Ein völlig erschöpfter Kamerad stürzte knapp vor dem Ziele ab, ein anderer asthmalcidcnder Bergmann mußte in der Tiefe gelassen werden, da er nicht mehr mitkonnte. Man gab ihm zum Abschied noch basch-ein Stück Brot; er hat eL nicht mehr gebraucht! Perner, selbst ein schtvacher, mit Asthma behafteter Mann, meint halb entschuldigend, es sei ganz unmöglich gewesen, dei; völlig erschöpften Kameraden in dem schmalen Schacht auf den Leitern mitzuschleppen und hochzubringen. Mit einem leisen„Glück auf" entfernte sich Perner, der wirklich einmal in seinem kargen Leben großes Glück chatte. Großes Glück hgten auch jene Bergleute, mit denen man sprechet; konnte. Da waren einige, welche die letzte Nachtschicht verfahren hatten. Einer unter ihnen namenS Seifert, ein ebenfalls schwächlicher Mensch, der einen Bruder im Schacht verloren hat, erzählt, wie spät er von der Katastrophe erfuhr. Der entfernt Wohnende hatte wohl voi; dem plötzlichen roten Lichtschein gehört, aber weiter darauf nichts gegeben, auch nichts erfahren. Al» er um 18.18 Uhr abends sein Radio auf Prag einstellte, hörte er in der tschechischen.Sendung zlvar ettvaS von einer schweren Explosion, ohne aber den näheren Zusammenhang zu vernehmen; Seifert stellte ohne böse Ahnung. deshalb den Apparat um. Man kann sich seinen Hellen Schrecken vorstellen, als er bald darauf erfuhr, daß doch auf„seinem" Schachte das Unglück geschah! Die Bergleute, mit denen man sich eingehender auüsprechen konnte, erklärten übereinstim- ntend, daß es sich ganz offenkundig um eine Kohlenstaubexplosion gehandelt habe, da alle zutage geförderten Leichen, oder Leichenteile schwarz gefärbt waren. Es ist tieferschütternd, wie ruhig und sozusagen sachlich die von der Katastrophe nicht Getroffenen über da» entsetzliche Schicksal ihrer Kanteraden berichten. Keinermehrist am Leben, erklären sie übereinstimmend, denn die riesige Gewalt der Explosion hat die schwachen Menschenleiber in Fetze;;, vielleicht in Atome zerrissen. Das Ganze muh das Werk eines einzigen Augenblicks gewesen sein. Ui;d was nicht sofort zerissen wurde, ist den Gistschwadet; und dem Feuer zum Opfer gefallet;. Die zuletzt heraufgebrachten Leichenjehen Ivaren sämtlich halb verkohlt. AIS ein Kumpel die Bemerkung hinwarf, alle Haare wären abgebrannt gewesen, widersprach Perner. Er behauptet, an einem Büschel roter Haare einen bestimmten Kameraden erkannt zu haben... So genau nehmen eS nur Menschen, die täglich dem unerbittlichen Gevatter Tod verfallen konnten... Unter den hunderten Neugierigen, welche den Schacht umlagern, lebte noch der leider falsche Glaube, daß wenigstens ein Teil der Verunglückten noch am Leben sei. Ein junger Ehemann, der mit Weib und Kind aus Teplitz gekommen war, erzählte allen Ernstes,.die Teplitzer Quelle gehe durch den Schacht und durch die durch die Hive erzeugten Wasserdäutpfe würden die giftigen Schwaden von den Bergleuten abgehalten... „W i r st e he n a u f h e i ß e n; B o d e n" sagt während des Gespräches ein Mann. Jawohl, ein heißer Boden im tvörtlichen und bildlichen Sinne deö Ausdruckes. In der Tiefe wütet der höllische Brand, verzehrt wertvolle Menschenleiber und materielles Gut— oben bietet; der zerstörte Förderturm, das total denwlierte Schachthaus, die beschädigten Gebäude mit den eingedrückten Fensterscheiben daü Bild einer vom Kriege aufs ärgste mitgenommenen Anlage. Krieg ist lvirklich gefiihrt ivorden: der Klassenkampf zwischen dem stärket; Bergbaukapital und den schwachen Kohlensklavcn. Die Opfer der Arbeit sind— wie Figura deutlich zeigt— gewaltig groß und schwer. WaS wohl nun jener verruchte bürgerliche Arbeiterhasscr denken mag, der seinerzeit das fluchwürdige Hohnwort von den Bergleuten als„Bürseaner der Arbeit" unter dein Beifallgegröhle aller Antimarxisten prägte? Dem Schuft oder Narren sollte die Zunge verdorren, wenn er die verweinten und vergrämten Gesichter der vor dem Schachthofe mis der Straße weinenden und jantmernden Mütter, Kinder und sonstigen Anvertoandten der Verunglückten beobachten sollte, loenn er an die bis zur Un- kenuilichkeit verkohltet; oder in tausend Stücke zerrissene» Menschenleiber da drunten denken würde, wenn er als ein schreckliches Detail deö Riesenunglücks hören müßte, daß der arme;; Aufivarte« frau, die obertagS iimS Leben kam, ein Brett vom Rücken durch deu ganzen Körper drang, so daß e§ vor«; an der Brust herauSkam. Die stieren, hervorquellenden Augen der Toten zeigen, daß. sie in höchster Todesnot den wahnsinnigsten Schmerz empfunden haben muh...So sterben die„Bör- seaner der Arbeit". Durch„höhere Gewalt", „vorausbestimmteö Schicksal"— wie grausam wären da die Götter— oder durch die Sckiuld des profitgierigeu Kapitals und stupide Gleichgültigkeit von behördlichen Aufsichtsorganen?? Die Weltöffentlichkeit fordert klareFeststcllungen seitens gerechter Rich ter. I. Sch. Überall erhältlich! Dom Präget Rundlunk Man kam; im Ernst kau»; erwarten, daß dies bunte Allerlei von Vorträgen, unter dem Smumel- namen„Prager deutsche Sendung", zu rein äußerlicher Einheit zusammengezwungett, bleibende Wir- knnget; hinterlassen könne. So flüchtig das Wort des unsichtbären Svrecher» verhallt, so rasch werdet; die Einzelheiten des Gesagte» vergessen; mir wenn eine besondere Idee einen Vortrag erfüllt, wenn er neue überraschende Anregungen zu geben vermag, wenn er auch in der Form gelungen ist. wirkt er nach, treibt den Hörer an, uachzudeukett. vielleicht sich anderswo näher zu unterrichten, und wird so. wenn auch niemals Vollendung, so doch Anstoß zur geistigen Wei- terentwickltmg de» Hörers. Die Schtvierigteit dabei ist, daß der Redner nie auf einen; festen Maß an Dorkenntnissen bei seiner Hörerschaft mifbauen kann, sondern immer möglichst einfach;md gemeinverständlich bleibe»»;uß, besonders wenn er wissenschaftliche Themen behandelt. Don diesem Gesichtspunkte aus war der Vortrag deö Iluiv.-Prof. Leo Wenzel-Pollak über die Erforschung der b ö ch st e n Schichten der Atmosphäre recht verunglückt. Er berichtete sehr gründlich und sehr gelehrt über Piccard und seine Vorläufer und Vorarbeiter, aber waö fängt der Laie an mit den vielen unverständlichen Fremdwörtern und unverstandenen Begriffen? Der Fachmann aber braucht wieder den Radiovortrag nicht, der muß das obnehin alles wisse». Schade um die Zeit und jantnierschade, daß die deutschen Gelehrten im Gegemav zn ihren westeuropäischen Kollegen so wenig begabt sind, ihr Wissen volkstümlich und in gutem Deutsch von sich zu geben. Sie sollten alle ei» wenig zn den Brüdern Grimm in die Lehre gehen und denen nacheifern in der Ktmst. gelehrte Dinge schön und einfach zn sagen, oder bei Bölkche oder bei Bürgel oder Mühlbach.— aber daö läßt sich wohl nicht lernen, wem; Jahrhunderte einer falschen Entwicklung die Gebildeten derart weit von; Volk entfernt haben, lvie das bei uns geschehen ist. Doch dürfen ttrir dankbar seststellen, daß uns drei Vorträge dieser Wockte jene nachwirkende Anregung gebracht habe», die wir als den Wert des Rundfunk« bezeichnetet» Dr. HqnS Feld ließ uvs einen Blick tun in das Arbeitsgebiet.cineö netten Bc rufS, des K a m e r a j o» r n a l i st c». des Reporters mit der Filmkamera. Tatsächlich scheint dieser, bei der durch dar raffgierige Filmkavital verschuldeten Verödung dcS Tonfilms, berufen, die kulturelle Ehre des Kinos zu retten, indem er die Ferne und die Nähe, die Erde und die Heimat diirchilreift und uns beide erst richtig sehen lehrt. Er kamt das Wesentliche vorleuchten, dar Nebensächliche verschwinden lassen, er darf mich, neben dem Ernst, den ein- gebornen Humor, die Konuk^der Erscheinung auszeigen. er kann im höchsten Sinne des Wortes in Anmut belehren, vergnüglich erzielten. Dann müssen nur guch die Filmverleihe und Kittobesiber dazu gebracht werden, solche Filme lausen zn lassen. Hier bat wieder die kttlturstrebende Arbeiterschait eine große Aufgabe. Gleich anregend war die Plauderei der geistvollen und wissenden Frau Alice Rüüle-Gerstel über die Frage, in welchem Alter die Frau alt wird. Da gabs eine Menge sein gesonnter Gedanken. wie z. B. den hübschen Ausspruch:„Ilm jumi bleiben zu können, mnß man jung geblieben sein!", von dem auS sich eine ganze Lebettspbilosophie aus- spinnet; ließe. Ilttd das Ergebnis ihrer Betrachiun- gen war die wundervoll richtige Erkenn»»». das natürliche; freie Aelterwerden der Fran sei erst ihr wahres Jungsein;— siir die Frauen freilich, die nichts anderes zu tun haben, al» an, ihr„Jum;- bleiben" zu denken, siir die bat auch sie vergebens gepredigt: nur erfüllende, befriedigende Täsigkeit schenkt dauernde Fugend. Ausgezeichnet endlich die Arbeiterseitdimg Gerhard Gleibergs: Der Haß wider den Geist. Er zeigte die geistige Seite der politischen Reaksiot; der Gegenwart: die Absage an den Geist, an Denken, Wissen, Fortschritt, an alles, wodurch das Bürgertum im 18. Jahrhundert sich befreite und im Ist. seine technische Herrschaft ansrichtete. Nun. um die Macht zu behalten, ruft eS die überwundenen Schwarmgeister deS Feudnlisnnis ivieder hervor Romantik, frommen. Glauben, Verzicht auf eigene Vernunft, Bergötlerimg des Führers, phantastisch- mvstische Geisterseherei ustv. bis zum krassesten Aberglauben.'Wie aber dürfen alles verlieren, nur den Verstand nicht, müssen jenen falschen Propheten die Klarheit des wissenschastlichen Sozialismus entgegenstellen,, die Tatsache, daß es kein Zurück gibt zur aeschlosseneu Hauswirtschaft, zum Tauschhandel der Vorzeit.— Ja, ko brauchen wir die Arbeitersendung■— so rein und bestimmt die Gedanken miSsprechend, unter deren Führung, für deren Vertvirklichung wir leben;md kämpfen! Auffallend schwach war, tvaö mir diese Woche an Ku tt st zu hören beschieden war: die lustigen Geschichten deS Herrn Oberlehrers A. Scholz, unter denen nur eine von Karl Eavek Niveau hielt, und Oesterreichs Heimatlprik, von einem Herrn Sans Marek so mtzureichend ausgesagt, daß mich Verse von Wildgans. Stefan Zweig. Czvkor, Ginzken und Grillparzer tot blieben. Dabei hat es die Kunst im Radio mn leichtesten: ziim Genuß des AugenbllckS bestimmt, kann sie hier" ihre Absicht ganz erfüllen.. Aber man muß eben wirkliche Künstler z;nn M'krc- phon führen! Diele Binsenwahrheit-sollte eine zehnjährig erprobte Sendeleitung wohl mich schon entdeckt haben. Für st.cn au,. Seite 6 Dienstag, 9. Jänner 1034 Ur,« PRAGER ZEITUNG Abenteuer am Lido son- ger Turnen und Sport 1. GEDENKET bei allen Anlässen n Der film den fast Bezugsbedingungen: billigst berechnet. Bei öfteren Er kann den grössten Unsinn schwatzen— Den Leuten scheint er tief— Sie lärmen staunend mit den Tasten Und gucken sich ganz schief. Tip gc« mit anderen gelungen wäre. Beruäöek" bewiesen, tvie vointcnreichcs Lustspiel« sein kann,— und das ne« sei. Er lässt sich keine freier nehmen Und geht stets ohne Frau; Er würde sich vor ihr nur schämen— Sie kennt ihn zu genau...* Max Randstein, auch ihre selbst wurde auf freiem Aust belasten. Das Ber« fahren wurde zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt. rb. Sowjetrußland und Polen beginnen mit dem sportlichen Verkehr, und. zwar nehmen russische Wintersportler an den Skiwettkämpfen in Zakopane und Eisläufer bei einer Veranstaltung in Warschau oder Krynica teil. Die polnischen Sportler werden kurze Zeit darauf in Rußland starten.—7 Die Aufnahme des sportlichen Verkehrs der Rusten gilt nur für den bürgerlichen Sport. Der Ar« beitersport in Polen existiert demnach für die russischen„Bourgeois" nicht. und 30. ist ein fcfiiucrftcr Trost, dass der Regisseur L a m a C das unlösbare Problem besser bc- hat, als es vielen mit dem„Tramp Straffache van Geldern Ein älterer reichsdeutscher Film,«in ungeschickt auf die Leinwand gebrachter Zeitungsroman, mit viel belangloser Kriminalistik und ein wenig Psychologie. Dass Fri Kämpers und der nun schon verstorbene I u l i u s F a l k e n st e i n bei solchen Anlässen dankbare Rollen fanden, ist nichts Neues. Die einzige Ueberraschung ist die Mitwirkung von L u c i e Höflich. Sie ist eine von den ganz grossen Darstellerinnen des deutschen Schauspiels, tvaö ne hier in einer Filuniebenrolle freilich nur andeutungsweise verrät. Frau von Grafenberg allein. Nicht wahr?" Und zum Ober:„Mir Kunst und Wissen Wohltätigkeitsvorträge für Oflek. Pünktchen und Anton Ta die beiden letzten Vorstellungen dieses Kinderstückes fast ausverkauft waren, setzt daS Deutsche Theater noch eine Wiederholung Sonntag vormittags, II Uhr, an, deren Einnahme den Hinterbliebenen der Osseker Bergarbeiter gewidmet ist. Tie Direktion bittet vor allem ihre Abonnenten, Karten zu dieser Aufführung zu nehmen. Die Preise sind von Ki 1.— bis 20.— angesebt, doch werden lleberzablungen oder Spenden dankbarst angenommen. Vorverkauf für Abonnenten Tienstag und Mittwoch. allgemeiner Vorverkauf ab Donnerstag. Weitere Vorstellungen von„Pünktchen und Anton" sind bisher nicht in Aussicht genommen. Die Direktion bittet, den wohltätigen Zweck, in dessen Dienst sich das Theater gestellt hat, durch lebhaften Besuch fördern zu wollen, um so mehr, als der volle Ertrag dent genannten Zwecke zufliesst. BlraarlKher Sport Tie gemischte Meisterschaft im Fussball wird ab . September in straft treten, so hat eine außerordentliche Tagung der EsAF. am Sonntag beschlossen. Amateure und Profi werden nun zusammen in einen Tops gesteckt und von jetzt ab als bezahlt« oder„u»bezahlte" Spieler geführt. Der ehrliche und reine AmateuriSmuS bat bei den Bürgerlichen aus dem letzten Loch gepfiffen und um ganz« System zu retten, glaubt man, daß die mischte Meisterschaft das geeignete Mittel dazu Wielange wohl? Ein Fassball-Städtespiel Prag—Berlin der bürgerliche tschechische Gin Opfer des Hasardspiels Verfehlungen eines Beamten der Finanzprokuratur. Prag, 8. Jänner. Unter Anklage der vier«' fachen schweren Amtsveruntreuung erschien heute der Oberkanzleioffiziant der Prager Finanzprokuratur Wenzel H r a b e vor dem Strafsenat Pazderskh. Er war als Beamter dieser Behörde mit der Zwangsverwaltung von vier Häusern betraut, in welcher Eigenschaft er die Mietzinse zu kassieren, die laufenden Zahlungen zu leisten und überhaupt die Geldangelegenheiten zu besorgen hatte. Als das Ex e k u- tionsgericht Abrechnung verlangte, stellte sich heraus, dass der Beamte sich Unterschlagungen in der Gesamthöhe von fast 80.000 KC hatte zuschulden kommen lassen. Zur Rechenschaft gezogen, bekannte der Oberoffiziant seine Verfehlungen und gestand auch, dass er den grössten Teil des unterschlagenen Betrages im Hasardspiel verloren habe. Er war ständiger Teilnehmer zweier Kartenvartien im lrafehaus„D e m i n k a" und dem„Feuerwehr- h a u s" auf den Weinbergen, wo er drei- bis viermal in der Woche seiner Leidenschaft zu frönen pflegte. Dem Spielteufel ist hier die Existenz eines alternden Menschen und seiner bedmiernswerten Familie zum Opfer gefallen. DaS Gericht veurteilie den haltlosen Mann zu der unbedingten Strafe von ei ne m I ah r sch w eren und verschärftenKerkerS.-» Misslingen erklären zu können, müsste _iner denen der Film ent- n Eindruck, dass er mit dürf- 'oS angefertigt worden die Schablone des s. Aber mich das bisschen Komik und ist ungenützt geblieben, das man aus berauskolen könnte, einen erfolgreichen sich mutwillig ins Privatleben zurückgc- ner eifrigen Dame„entdecken" zu r Regisseur RichardOswald, ct Manuskript vointen- und hat, einer der ältesten Praktiker Komiker .. hat der bürgerliche tschechisch«(II)) Mittelgau abgeschlossen, das am 2k. d. M. in Berlin stattfinden soll.— Wieviel Mark bekomme der Mittelgau für das Spiel mit den Nazis? Die Fußballsaison eröffnete mn Sonntag in Prag die Sparta mit einem Spiel gegen Olympia Pilsen. Die Leute aus der Bierstadt verloren 17:2(6:0) 1— Von den im Au8 land weilenden tschechischen Klubs schloss Slavia-Prag am Sonntag ibre Tournee mit einem Spiele in Frankreich ab, das sie mit V i e n n a-Wien in Ni- meS auStrug und 1:1(1:1) endete. Slavia ist der einzige Klub, der obne Niederlage heimkehrt.— Die Pilsener Viktoria verlor zum ersten Male und zwar mit 2:5(2:2) gegen FC. Hygerco.— In Wien gastierte SmnStag und Sonntag Haök- Agram und verlor gegen Rapid 1:15 und WAC. 0:8. Eishockey. Dec LTC. P r a g, der in der Schweiz bei den internationalen Spielen in Davos und St. Moritz als Favorit durchgefallen ist, hat noch schnell auf der Rückreise in Zürich und Bern gespielt und wenigstens dort gewonnen(5:2 und 11:1).— In N e u-S ch m e ck s in der Slowakei wurde ein internationales Turnier ausgetragen, das die Prager Slavia mit Ach und Krach vor den» Troppauer EB., ABTE. Budapest usw. gewann.— Gablonz: Hochschüler-Sv.-B. Prag g. EB. 3:1 (Samstag) und 0:2(Sonntag).— Brünn: EKE. Wien gegen Mor. Slavia 8:0(Sonntag).— Die Prager Sparta spielte Sanistag in^M ä b r.- Ostrau gegen Slovan 1:0 und gegen SSV. Wit- kowitz 2:2!— München: Ottawa ShamrockS gegen FC. Rieflersee 0:0.— Oxford: Amerika gigen England 2:0. Wenn er bei Sommerhitze hustet, Dann macht daS Ganze Halt, Bis irgend so ein Lecker pustet Und hauckt:„Fürwahr,'s ist kalt l" den der durch das ungeduldigeHupen nerven- lvinden sich Menschenschlangen, im« immer auf der Jagd nach den fluch« flüchtigen Tages. Lärm, Rufe, ingsang der Ausrufer... Gross- WaS an diesem Film der wehmütige Schluß, skrivtautoren sehr ungenial Tatsache, dass man diesen freundlichen Gefühlen aufnehmcn kann, ausserhalb! Mitwirkung er ist eine wirkende Arbeit. Um da man die Umstände kennen standen ist. Man hat d tigcn Mitteln hastig und lieb) ist. Dürftig ist freilich schon Sänge rfilmt Originalität dem Einiall Tenor, der zoaen bat, 1 lassen. Dabei isi der hier ein schwac) stimniungslos verfilm des Berliner Unterhalmngsfilms, der S z ö k e S»akall ein humorvoller Evisodensvieler und der Liebhaber Walter Rilla ein intelligenter Darsteller gelvesen. Der Tenor ist— zur Abtvechslung— Alfred Piccaver. Dass er ein tznier und geschmackvoller Sänger ist. brauchte er nicht erst im Film zu bc- ES ergab sich weiter, dass Marek eine Billa für 70.000 KC gekauft darauf Ferner soll Macek ein geführt haben, das mit. Einklang stand. Seiner Geliebten Marie H ach verehrte er ein Paar goldene Ohrringe, die zweifellos aus dem Postdiebstahl vom 21. März herrühren. Heute stand er wegen 23sachcu TiebstahlS vor dem Senat K a i s l e r. Der Angeklagte leugnete jede Schuld. Tie Villa will er aus seinen E r- sparnissen gekauft haben, worauf ihm der Vorsitzende freilich vorhielt, dass er von seinem bedeutend höheren Richtergcbalt derartige Rücklagen nicht fcrtiggcbracht hätic. Was das Hauptindiz anbelangt, nämlich die seiner Freundin geschenkten Ohrringe, die ganz sicher Diebsbeute sind, so behauptete der Angeklagte, sie im V e r s a tz a m t gekauft zu haben. Die in diesen« Punkt als Hauptzcugin vernommene Marie H a ch hatte vor dein Untersuchungsrichter seinerzeit mit Bestimmtheit ausgesagt, dass sic das Geschenk am 21. März erhalten habe— also eben am Tage des e rwäb nt c 11 Diebstahls. Bei der heutigen Verhandlung erklärte sie aber, dieses Datum fei unrichtig; sie habe die Ohrringe schon früher bekommen. Da sie auf dieser Aussage trotz allen Vorstellungen des Gerichts beharrte, beantragte Staatsanwalt Dr. T 0 m s a, die Zeugin unter dringendem Berdacht der falschen Zeugenaussage auf der Stelle in Haft zu nehmen. Der Gerichtshof gab diesem Antrag statt und sprach die Inhaftnahme der Zeugin aus. Der Angeklagte Großes Tier Sein Name wirkt auf diele magisch, Denn manchen gilt er als Genie. Er selber nimmt sich furchtbar tragisch Und sagt dem Herrgott„Sie". Zfi>n,l-uung ms«aus oder bei Bezug durch vie Po» monatlich KC 10.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig KC 06.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarik Einschaltungen Preisnachlaß,— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Vost- und Telearavbeu« direktioii mit Ei-Iob wr 1.1 ann/vn/in»o 1,-willini>* u|‘ un0^clcqrapyeu« für mich als Mutter doch furchtbar, wenn... na, Sie verstehen.. „Aber, Frau Rat, wer wird denn heute noch so altmodisch denken? Nein, nein, als moderne und gute Mutter müssen Sie doch so rechnen: solange Ihr Jünge i m H a u s e das findet, was die jungen Leute ja doch nicht lassen, ist es viel angenehmer... ist es doch viel gefahrloser, als wenn er beispielsweise in... hm... in gewisse Häuser geht oder dergleichen." „Hm... tja... aber..." „Sie meinen, wenn mal etwas anderes passiert? Ja?— Nun, dann machen Sie cs so, wie ich es kürzlich auch leider machen mußte... dann haben Sie doch einen triftigen Grund, daö Madel hinauszuwerfen." „Aber—" „Nein, nein Verehrteste, wir dürfen nicht altmodisch sein, nicht sentimental. Solche-' Mädels helfen sich schon irgendwie aus der Patsche ... Unkraut vergeht nicht." Und die Frau Rat nach einer Pause:„Sagen Sie, liebe Frau Direktor— welche Tele- phonnmnmer hat Frau von Grafenberg?" Erlauscht von Hedwig Erck. mstelluug in« Hau^oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig KC 96.—, ganzjährig KC 192.. dircktion mit Erlaß Nr. 13.8ÖÖ/vn/1080 bewilligt.— Druckerei-'"Ost'bis", Druck-" weisen, in dem er als Schauspieler«ine sehr unglückliche Figur macht.— eis— Wochcnspielplan des Reuen Deutsche« Theaters. Dienstag 7'A: Goldenes Prag. A 1. Mittwock 7^4: T 0 warisch. B 2.— Donnerstag 7*4: Der Wildschütz, neu cinstudiert, C 2.— Freitag 7>4: T 0 w arisch, D 1.— Samstag 7*4: Wallen- steins Tod. neu cinstudiert. A 2. Wochcnspielvlan der Kleinen Bühne. Dienstag 8: Theo macht alles.— Mittwoch 8: Theo »nach: alles.— Donnerstag 7J4: Les vetits rienr. Ter eingebildete Kranke, neu inszeniert.— Freitag 8: Gastspiel„Der blaue Vogel.— SmnStag S: Gastspiel Der blaue Vogel. Fiebernd, Wenzelsplatz. Strassenbahnen fressender Auto mer geben tigen Geschäften de der monotone stadtstraße von 193 Aber plötzlich ist, wie mit seltsamem Zauber- stab, das alles, der Trubel und die Geschäitigeit, der Lärni und das schrille Klingeln ausgclöscht. Feierliche Stille sinkt über den Platz, iäb verstummt der Lärm, während rings im Kreis di« Bogenlampen a n f f l a m me n. Jbr düst-r-verhalten«s Licht wirft seltsame Kontraste in di« heitere Unbekümmertheit deS nigen WintermittogS. Tort der Chauffeur bat die Hand genommen und sieht nachdenklich Ai« ein« Marnwrstatue » l i z i st, die Hand noch halb aus- . ibn mitten in seiner Tätigkeit der Still warten die Strassen« blicken die Menschen, festgebannt die Hüte senken sich von den Freundliches Mädchen gesucht An den runden Marmortischen mit goldbronzierten, verschnörkelten Beinen sitzen ausschliesslich ältere Damen der sogenannten besseren Kreise. An den Wänden hängen nachgedunkelte Oelgcmälde, in den Ecken stehen in bunten, verzierten Kübeln künstliche Palmen. „O, da kann ich Ihnen einen guten geben, Fran Rat", meint die überschlanke, schnürte Frau Direktor und fährt ordnend den peinlich exakt manikürten Fingerspitzen durch den nicht tvenigcr exakt ondulierten, schnce- tvcissen Bubikopf.„Wenden Sie sich doch vertrauensvoll an Frau von Grafenberg. Alle ihre Mädels sind erstklassig erzogen, stellen keine Ansprüche, sind ausserordentlich fleissig und willig." „Wie? Treibt sie denn die Vermittlung geschäftsmässig?" Die biedere Frau Rat hört vor Schreck aus, in ihrer Limonade herunizurühren. „Aber ich bitte Siel" rügt jic die andere, „wo deuten Sie hin? Daö ist reine Wohltätigkeit. es befriedigt uns wenig, wenn wir dieses Talent mm an kleinen Episoden innerhalb eines sentimentalen Biedermeier Romans wiedererkennen. Gewiß gelingen Lamc.l einzelne Szenen auch hier, gewiß beweist er in der Bewegung der Darsteller, im Szenenwechsel und in der Ausstattung erhebliche Routine, aber'.le Wahrheit bleibt, daß er sein Können einem falschen Ehrgeiz geopfert hat. Auch von seiner schauspielerischen Leistung in diesem Film gilt dasselbe: sie ist re'" ktabel, aber sie scheitert an der Rolle. Bon den Darstellern sind im übrigen nur zwei zu erwähnen: Karel Hasler, weil er den Film zugleich mit passenden Melodien versorgt hat, und JarmilaLhotovst, die zwar ihre Jindria nicht glaubhaft machen kann, die aber durch AusdruckSmöglichteiten, ihre Beweglichkeit und ihr Eigenart interessiert.— eis— Sie nimmt aus purer Menschenliebe, ganz uneigennützig, Waisen und verarmte Mittelstandskinder auf, bietet ihnen ein vornehmes Heim und bildet sie dort so weit aus, daß sie sich das Brot selbst verdienen können. Natürlich müssen die Mädels bei ihr arbeiten... natürlich... denn fd eine Pension, wie sie führt, läuft ja nicht von „Natürlich nicht." einen Kaffee, bitte." „Aber diese armen werden sie doch reichlich was sie dort lernen, llnd dann werden sie später auch wirklich nur in allererste Häuser weiter vermittelt." Die Frau Nat rümpft bedenklich die spitze Nase.„Ich fürchte nur, es sind ausschliesslich hübsche, junge Dinger?" „Ja, gewiß. Die sind doch viel leichter unterzubringen. Wirklich, ich kann ihnen nur aufrichtig dazu raten." „Wissen Sie, gerade da liegen meine Bedenken. Ich habe doch einen erivachsenen Sohn im Hause, und es könnte doch leicht... es wäre Punkt 2.88 Uhr Prag gedenkt Offet. ruhelos strömt das Leben über Durch daS schrill« Klingeln Iindra, Gräfin Ostrovin Soll man das alle Klagelied von der unglücklichen Liebe der tschechischen Filmleute zu alten Romanen aufs neue anstinnnen? Soll man sich die Mühe machen, ausführlich darzutun. daß diese umständliche Geschichte vom Hauslehrer und der Guts- berrnlvchter, die einander nicht heiraten können, ganz und gar inifilmisch ist? Vielleicht wirken Handlung und Gestalten in dem Nommi von Klicvcra wahr« iweinlicher und interessanter als auf der Leinwand, ivo der Gegensatz zwischen dem voltsfremden Grafen und dem brav-vöhmischen Erzieher plump erscheint, wo die iineingestandcnen Gefühle deS Töchterchens langweilig werden, lvo die Häufung der Ungliicksfälle nick: erschüttert, sondern befremdet, und wo am Ende Verzicht und Abschied, Hochzeit und Vermächtnis seniiinenial nebencianander getuvik werden müssen, um nicht aus der Stimmung und doch zum schleunigen Schluss Ei Karl wältigt Er hat wertvoll sein lebendiges, :alent für den tschechischen Prag, 8. Jänner. Wenn Ausplünderungen von Briefen und anderen Postsendungen periodisch a»f- treten, pflegt der Sicherheitsdienst der Bahn-, und Passbehörden die damit befaßten Dienstorgane unter unauffällige, aber strenge Kontrolle zu nehmen. Dies geschah auch, als man die Wahrnehmung machte, daß aus den P 0 st b e u t e l n der Relation Prag— Preßburg regelmäßig etwa alle vierzehn Tage Briefe und Wertsendungen verschwanden und alle SicherungSmaßnahmcn sich als wirkungslos erwiesen hatteir. Seit dem Jahre 1928 wiederholten sich derartige Diebstähle fortgesetzt und hörten auch nicht auf, als man die üblichen Siegel der Postbeutel durch Bleivlomben ersetzte. Ein aus- loärtiger Täter konnte unter diesen Umständen kaum in Betracht kommen. Heimgesucht wurde vor allem der Schnellzug 147. Tie Nachforschungen bliebe» lauge Zeit ergebnislos. Schließlich beobachtete der Polizeiinspcktor Augustinaut 21. März v. I.. wie der ZugSführer des soeben in Prag cingelaufencn Schnellzuges 147 in großer Hast einen Brief in den Postkasten beim Masaryibahnhof cinwarf. Der erst kurz vorher aus- gehobcne Briefkasten wurde geöffnet und man fand außer einer anderen Postsache einen aus Marburg in Südslawie» abgeschicktcn und nach T c p- l i tz adressierten Brief vor. der offenbar geöffnet und daun nach neuerlicher Verklebung neu ausgegcben .worden war. Aus dem gleichen Postbeuiel>var eine Wertsendung, bestehend aus einem Goldkett- chen und zweiPaarOhrringen, verschwunden. Eine bei dem erwähnten Zugsftihrer Oskar Macek sofort vorgenommene Hausdurch- ! f u ch u n g brachte verschiedene Wertsachen zutage, die mit einigen der früher verloren gegangenen über« > cinstimmen konnten. Lenkrad gerade ans. Verkehr gestreckt, als Schlag getroffen. bahnen, ernst auf der Stelle, Köpfen.. 2.58 Uln zeigt die ilbr... Und so wie hier standen sie in jeder Strasse, Tausende, Zehntausend«, Huuderttausende... Wie ein einziger, gewaltiger Herzschlag, so floß in diesen zwei Minuten das Gedenken der Hauvtstadt nach Ossek hinüber, bin zu den einfachen Särgen der.Kumpels, die auf dem Schlachtfelde der Arbeit gefallen waren, bür zil dem grausigen Massengrab auf Nelson HI, das di« grausame Erde selbst geschaufelt hat und nicht mehr frei geben will—. Wie eist fernes Schluchzen kommt«S über den Platz.... Da beginnt die Uhr ausznholcn... 3 Schläge erklingen, voll und dumpf wie Glockentüne... Und langsam erwacht die Stadt aus ihrer lähmenden Trauer... Pierre.