Einzelpreis 70 Mtef (einschließlich 5 Hsüsr Fori») ERSCHEIN* MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag XII., fochova«. TELEFON 53077. Administration TELEFON 5307t. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHER ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 14. Jahrgang Mittwoch, 10. Jänner 1834 Nr. 7 Maulkorbzwang Ueber Reichsreform darf nicht diskutiert werden Berlin, 0. Jänner. Ter Ttableitcr der PO., Dr. L e Y, gibt bekannt: In der leinen Seit laufen Meldungen ein, das? Parteigenossen, mir!) in führender Stellung, fich'öffentlich in Wort und Schrift mit der zukünftigen Reichs- r r f o r m beschäftigen. Der Stellvertreter vrv Führers, Rudolf! .Heb, hat mich gebeten, mitinteilen, das; jedem Harteigrnossri» in Zukunft bei strengster Strafe untersagt ist, sich in Wort und Schrift öffentlich mit Fragen der Reichvreform zu befassen. Engllsdi-iranzösisdie j Wlrtschaflsdifierenzen London, 9. Jänner.(AR) Die Prüfung her wahrscheinlichen Folgen der kürzlichen Aen-! derungcn in den französischen Einfuhrquoten für de» britischen Außenhandel ergab, daß die van der französichen Regierung getroffenen Maßnahmen eine sofortige 7öprozcntigc Verminderung der Ausfuhr aus dem Vereinigten Zlönig- reich nacti Frankreich bedeutenwird, u. zw. in einer ganzen Reihe von Produkten. „Tailp Telegraph" meldet, die britische Re-1 gicrung werde bei der französischen Regierung I im Laufe dieser Woche einen nachdrücklichen P r o t e st gegen diese Maßnahmen erheben. Das Blatt glaubt, daß sie dem Wunsche entspringen, bei den geplanten Wirtschaftsverhandlungen mit Großbritannien eine Waffe in der Hand zu haben.„Daily Telegraph" fügt hinzu, es sei aber möglich, daß die Verminderung der Kontingente die Abhaltung der Besprechungen überhaupt in Frage stellen werde. Nassenhinrlditnng In Kabul Kabul, 0. Jänner.(Reuter.) Heute wurden in Awvesenheit des Rriegsministers 1-l Verurteilte hingerichtet. Es handelt sich um Personen, die der Mitschuld an der Ermordung des afghanischen Königs Nadir Schah beschuldigt und, wie seinerzeit gemeldet, von einem aus einigen Regierungsmitgliedern zusammengesetzten Sondergericht abgeurteilt wurden. Anschlag gegen den Japanischen Ministerpräsidenten rechtzeitig entdeckt Tokio, 9. Jänner. Am Dienstag versuchte! ein Japaner, offenbar in der Absicht, den Mini-1 jterpräsidenten Saito zu ermorden, in die> Wohnung SaitoS einzudringen. Die Wache nahm jedoch rechtzeitig den Eindringling fest. Man fand bei ihm eine Waffe und einen Brief. Der Schreiber des Briefes führt aus, er wolle den japanischen Ministerpräsidenten t ö- t e n, da ein so alter Mann, lvie Saito, in den i heutigen Zeiten nicht die japanische Politik er-! folgreich leiten könne. Außerdem habe Saito den nationalen Willen des japanischen Volles geschwächt. Der Festgenommene, der inö Pvlizeipräsi-i dünn eingeliefert wurde, verweigerte bisher jede weitere Aussage. 18 Millionen Arbeitslose durch Roosevelt wieder beschatt gt Washing t o n, 8. Jänner. Reuter meldet, dast seit dem Versuch von Roosevelts Wirderaufbauvollzug nach einem Bericht der amerikanischen Gewerkschaften 1,800.000 Erwerbslose wieder Arbeit und Brot gefunden haben. Weitere 4,000.000 Erwerbslose werden vorübergehend mit öffentliche» Arbeite» und Aufforstungsarbsiten beschäftigt. Die Arbeitswoche wurde- im Durchschnitt nm viereinhalb Stunden gekürzt. Die Löhne erhöhten sich um L von. Hundert. Der Bericht der Gewerkschaften beurteilt die geschäftlichen Aussichten günstiger als im Borjahr«. Weiter wird festgestellt, das; alle bisher gemachten Fortschritte durch eine Inflation zunichte gemacht werde« Ihmin. Do Der Gendarm wurde schwer per« und s »er i Ta der e r be- w neben Noch keine Antwort auf das Heimwehr-yitimatum der bisherige ernannt. An (fflicbt der liebe liebenden letzt. Bisher Würde» sieben Nationalsozialisten aus Talaas und Umgebung in Haft gcnnmmen. Die Landgericht wurde erstattet. Paris, 9. Jänner.(Hnvas.) französische Kolonialininistcr T a l i m i lanntlich seine Temissivn gegeben hatte, nachfolgende handeln, nm icstzustellen, ob die Heimwehr noch weiter Anlass habe, den Rcgierniigoturs zn unter- stützen. TnS bedeutet nichts anderes als die Wie- drrholnng der Drohung ihres Ultimatums, die Regierung durch ihre» Austritt zu sprengen, wenn ihre Forderungen nach Auslösung der Par tri und Einsctznng eines Rcgiernngstommissärs nicht erfüllt werden. Ta die Hciuiiuehrlngnng erst Freitag fort- gesetzt werden tvird, ist die bereits unerträglich gewordene Spannung in Ccsterreich neuerdings nm einige Tage verlängert worden. heute im französischen Kabinette Arnderungen durchgcfiihrt: Sunt Koloninlmiiiistcr wurde Arbeitsministcr L n in o u r r u x seine Stelle wurde F r o t zum Arbeitsministcr bestellt. Ter Untcrstaatssckretär im Innenministerium, William Bertrand, wurde Nachfolger F r o t s im Ministcrinm für die Handelsmarine. Die übrigen RcssortS bleibet» unverändert. In dein Rücktritisschreiben, das Ziolonialmiiii- ster D a l i Ul i e r Montag an den Ministerpräsidenten Chantemps gerichtet hat, nimmt Dalimier auf die einmütige Bestätigung Bezug, die der Kabinettsrat der vollen Korrektheit seiner Haltung gezollt habe, und hebt hervor, daß ihni in der ganzen Augclcgcuheit kein Vorwurf gemacht werden könne. In dem Antwortschreiben des Ministerpräsidenten C h a u t e m P s heißt es, daß der KabinettSrat die Gutgläubigkeit Dalimiers anerkannt hat. Partelsericht der Radikalen Abends wird der Vollzugsausschuß der radikalen Partei zusammentreten. Es wird behauptet, daß er den verhafteten Deputierten G a r a t. welcher seit dem Jahre 1010 der Kanuncr als Mitglied«»gehört, Ehrenpräsident der Partei in In dieser gespannten Stimmung trat heute uachmittago die Führersitzuug der österreichischen Hrinnvehr zusammen, der mn» in voliiischcu Kreisen grosse Bedeutung bcimisst. Es ist bezeichnend, dass diese Sitzung ergebnislos abgebrochen auf Freitag vertag»»vcrden musste, da Bundeslau»Irr Tollfuss die Antivort ans das UI- timatum noch immer nicht erteilt bat und erst i Tonnerstaq oder Freiing Gelegenheit linde»» will, mit den Hcimwrhrsiihrer»» zu verhandeln. Tie Heiinwrhrsührcr habe» daher heute ein Kommnnigner veröffentlicht, in den» sie erklären, man müsse vorerst mit dem Bnndrstanzlcr der-! ■■■»■■■■aHBUMBaMBnmi W i r n, 9. Jänner, s Eigenbericht.) Ter gestrige Aufruf der österreichischen Regierung Hal unter der Bevölkerung große Bcnnrnhignng Hervorgernfen, da man daraus erfahren Hal, das» dir Regierung mit Hilfe der Knebelung der Pressefreiheit die Bevölkerung immer wieder»brr dns ungeheuere Anwachsen der nationalsozialistischen Umtriebe in Lester- reich getäuscht hat. Tic Auswirkung dieses Aufrufes hat aber gezeigt, daß alle angebliche» Versuche zur Bekämpfung des Nazi-Terrors z n f p ä t kommen. Tic crstr Wirkung war ci» nenrrlichcs Anwachsen dcr nativnalsozinlistischrn Gcwaltaktc. Seitdem gestern atzende- in» österreichischen Rnndsnnk dcr Aufruf der Regierung verlautbart wnrde, sind in Wien nicht wcnigrr als 14 Sprengkörper von Nationalsozialisten znr Explosion gebracht worden, zwei davon im Zentrum der Stadt vor dem Gebäude der Stantsvprr. Tie Explosion erregte dort unter den zahlreichen Passanten eine schwere Panik. In mehreren lokalen, Kinos und Kassechänscrn wurden Tränengasbombcn geworfen. In Bregenz, der Hauptstadt von Vorarlberg, haben Nationalsozialisten heute einen M o r d a n s ch l a g g c g e n r i n r n G e n d a r m e n unternommen, der mit schweren Vcrlrtznugcn ins Krankenhaus gebracht wurde. Einer der Täter lunrde verhaftet: wir man hört, soll er vor das Standgericht gestellt werden. Hiezu tvird später ergänzend gemeldet, daß warfen wurde, in dcr Nacht auf Dienstag dura» ein Fenster des Gcndarmeriepostcns Dalaaü im Bezirke Bludenz in einen ebenerdig gelegenen Rann», in dem ein Gendarm schlief, ein S p r e n g k ö r p c r gc» Anzeige au das In Salzburg haben dir Nationalsozialisten vor dem Gebäude der Polizcidirrk tion zwei Bomben znr Explosiv!» gebracht, die in weitem Umkreis schwere Schäden anrichteten. seinem Departement und Bürgermeister in Bayonne seit dem Jahre 1008 ist, a u s s ch l i e- s; c n wird. Ferner soll der Advokat und Deputierte B o u n a u r e ausgeschlossen werden, welcher seit dem Jahre 1002 das Mandat bekleidet. B o unaure begleitete Sta- w i s l i namentlich bei dessen Reisen nach Budapest, und befaßte sich in Gemeinschaft mit ihm an den Spekulationen mit den Bons der ungarischen Optanten. Stawiski gestorben (5 h a iit o n i x, 0. Jänner. Ter Betrüger Alexander Stawiski ist heute früh im Krankenhaus den Bcrlctznugcn, welche er sich bei seinem gestrigen Selbstmordversuch bcigebrncht hat, erlegen. Oll d iche Po Izel-Pciorm? An informierten Stellen wird bchanptet, daß die Negierung unter dem Eindruck der letzten Skandale die Absicht habe, eine radikale Reform dcr französischen Polizei und des Dciettiv-Jnfor- mationsdienstes vorzunehiiicn. Ein besonderer Beamter des Innenministeriums wird sich außerdem mit der Feststellung dcr Ursachen befassen, warum Stawiskys, der in» Jahre 1026 wegen Milliouen- Betrügereien verhaftet worden war, auf freiem Fuß gesetzt, warum das Gerichtsverfahren gegen ihn n c u n z e h n n» a l vertagt und warum dieses vis zum Jahre 1934 überhaupt nicht stattgefunden hat. 8. Jänner 1934. Dieser Tag wird unauslöschlich in die Erinncruug der arbeitenden Mas sen Nordböhmcns cingeprägt sein und wird ein Gedenktag bleiben in der Geschichte dieses Landes. Tas Begräbnis jener Opfer des Nelson schachtes, die geborgen werden konnten, ist weit über den Raluuen einer Trauerknudgebung bin ausgewachsen. Es war eine Manifestation menschlicher Solidarität, die— für Stunden wenigstens— allo politischen, nationalen und konfessionellen Schranken niedergerissen hat, welche in» Alltag die bunt zusainiuengewürselic Bevölkeruug de» uordwcstbvlunischen Koblcn- und Jndustriereviers abgrenzen. Schmerz und Mitgefühl einten fjchutausendc, die zusammen geströmt waren, den Toten des Nelson schnchtes die letzte Ehre zn erweisen. Eine einzige stumm trauernde Masse bc lebte Montag den zu tragischer Berühmtheit gelangten Bergarbciterort Ossck. Schweigend säumte sie den Weg zum Friedhof, schweigend ließ sic Sarg um Sarg vorüberzichen. N»»r das Ausschlnchzen der hinter den Leichenwagen mechanisch dahinschreitenden nächsten Angehörigen unterbrach sekundenweise die Trauerklänge der Knappjchastskapcllen. Da und dort sank eine ausgemergelte Arbcitergestalt bewußtlos in die Arme der Umstchciideil, Lin Zeichen', daß Körper und Seele den Erschütterungen dieses Tages nicht gewachsen waren. Biele, tausende der Trauergäste, waren ja stundenweit herbvigcivan- dert mit einem Stückchen trockenen Brotes in der Tasche. Schade, daß nicht mehr Regierungsper sönlichkeiten zur Stelle waren, um in dem düste reu Schein des WiuIernachmittagS den arbeitenden Massen NordivestböhmvnS in das Antlih zn sehen. Nicht nur das Bcrgarbeitcrschicksai, sondern die ganze soziale Totalität dieses RepiereS und der vom gleichen furchtbaren Krisenschicksale heimgesucktten Laudesteile ist durch die Katastrophe aus die Tagesordnung worden. IN den Toten von Osse t körpert sich das Arbeiterschicksal unserer Zeit. Mau vernimmt nun, daß sie hiugeopfert wurden, nicht nur dem Kumpfe mit tückischen Natnrgewattvn, sondern auch den Ra tionalisicrungSmaßnahmen. der Spar- und Prositwut deS kapitalistischen Systems. Vor der ll» tcrsuchungSkommissiou melden sich Arbeiter zum Wort und weisen auf die sträflichen Uutcrlas- sungen dcr vcranttvortlichen Betriebsleitung hin. Was sic heute sagen, wußten sic teilweise schon seit Jahren. Warum mußten sie schweigen? Weil in dcr heutigen Kriienperiode jeder noch bcschäs- tigte Mensch und schon gar jeder Bergarbeiter um sein Stückchen Brot und um das Schicksal seiner Familie zittert, weil an der gemerkschatt- lichen Abwehr solcher nicnscheniuördcrischer Gefahren seit Jahren das Bleigewicht des Hungerdaseins der Arbeitslosen hängt. Die ganze Ocf- fentlichkeit ist nicht freizusprechen von Mitschuld au dem Ossekcr Unglück, solange sie im Alltag den wichtigsten sozialen Forderungen der Arbeiterschaft mit laum verhüllter Gleichgültigkeit gegcnübcrsteht. llnermüdlich erheben die Gewerkschaften den Rus nach ausreichendem Schlitz dcr ineuschlichcn Arbcitskraft und damit des Arbci- tvrlebcns. Wo bleibt das Echo außerhalb der organisierten Arbeiterschaft? Hand aufs Herz ihr alle, die ihr mit ehrlichem Mitgefühl die Tragödie der im brennenden Nelsonschacht Bcgra», bcncn verfolgtet, ihr Trauernden aps allen Bc- bölkerungsschichtcu, Mittrauernde im ganzen Laude habt ihr vorher schon eine Stunde Nachdenkens den Gefahren des Bergarbeiterberufes gewidmet? Habt ihr euch jemals iutcrcssiert für die Fragen der Bruderladen und dcr Uufallver- sicherung? Heute greift euch das Schicksal dcr Osseter Witwen und Waisen ans Herz. Jeder fühlende Mensch tvünscht, daß nach allen Kräften vorgcsorgt werde, Hunger und Sorge von ihnen fernzuhaltcn. Aber dieser menschliche und vlmmMA Weitere Steigerung des Nazi-Terrors «Mte2 Mittwoch, 10. Männer 1934 »7 Bericht erstatten. Weitere Maßnahmen des Ministerr.ts soziale tief erschüttert vor wir gelobe», alte» iftrcr Mahnung an chen die fiiu Die endgültige Textierung der Berggesetz» Novelle, über die seit langem gewisse Differenzen bestehen, soll am Nachmittag im VerfassungSauS- sckuß vorgenommen werden. Voraussichtlich wird sich vorher noch ein ad hoc gebildeter Koalitions- auüschuß mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Für morgen vormittags find der sozialpoli» tische und der Ausschuß für Technik und Verkehr zu einer gemeinsamen Sitzung einberufcn. Hier Prag, 9. Jänner. In der heutigen Sitzung deS Parlament-Präsidiums wurde befchlos» srn, für Mittwoch, de« 17. d. M. um 11 llhr das Parlament zu einer Plenarsitzung einzube» rufen, auf deren Tagesordnung in erster Linie die vom Senat bereits im Juni 1932 beschlos» seine Novell« zum Berggesetz ge stellt wurde. Diese Sitzung und voraussichtlich noch ein bis zwei weitere werden ausschliesslich der Erörterung der Ärubenkatastrophe von Ossek und Massnahmen zur Verhinderung ähnlicher UnglückSfällc gewidmet sein. Anträge auf sofortige Einberufung des.Hauses lagen dem Präsidium von sozialdemokratischer, nationalsozialistischer und komnumistischer Seite vor. Ob die Aussprache im Plenum durch eine RegierungscrUärung eingeleitrt werden wird, steht noch nicht endgültig fest, ist aber als ziemlich sicher zu betrachten. Lethargie der erst dann einschreitet, soziale Grundsatz darf nicht nur für die Leid. I tragenden eines Massensterbens gelten! Feder Gefallene auf dem«chlachtselde der Arbeit ist rin unersetzlicher Verlust für die Seinen. Jedes Waisenkind, jede ihres Ernährers beraubte Witwe ist eine heilige Verpflichtung für die Gesellschaft. Wir rechnen nicht mit der menschlichen Einsicht der unaiittclbarcn Nutznießer der Rationalisierung und der kapitalistischen Ausbeutung überhaupt. Aber das menschliche Fühlen der breiten Volksmassen könnte ein entscheidender Faktor werden im Ringen zwischen Kapital und Arbeit. Dieses Fühlen kann aber nur segensvoll wirken, wenn es nicht nur den Toten, sondern auch den lebenden Helden der Arbeit güt und ihnen in ihrem schweren Daseinskämpfe tätigenBeistand leistet. Das ist daS ungeschriebene Vermächtnis der Gleichzeitig beriet der Ministerrät über Fortgang der VorbcrcitmigSarveiten, was autzerordentiichen Unterstützungen die Hinterbliebenen nach den Ovfcrn der Grubenkatastrophe anlangt. Die Minister für öffentliche Arveücn, für Inneres und soziale Fürsorge wurden damit betraut, dafür Sorge zu tragen, daß sämtliche durch Sammlungen und aus großen Beiträgen aufgebrachten Nittel nach Möglichkeit konzentriert und derart für die Verwendung vorbereitet werden, daß außer der dringend notwendigen Hilfe für die Betroffenen der übrige Ertrag der Sammlungen und Beiträge für die Witwen und Waisen zur Ausbesserung und zur Ergänzung dessen erhalten werden, was ihnen im Rahmen der gesetzlichen Sozialversicherungsmaßnahmc» zuteil werden wird. Verstand des Ostrauer Revlerbergamtcs noch Effet berufen. Mähr.-Ostrau, 8. Jänner. Der Vorstand des RevierbcrgamteS. Tr. Heinrich B a r v i k, wurde heute vormittags telegraphisch noch Ossel berufen, um dort die Arbeiten der Kommission zu leiten, die die Ursachen der dortigen Grubenlatastrophe untersuchen wird. Wie amtlich gemeldet wird, hat sich auch der heutige M i n i st e r r a t mit der Acnderung der Novelle besaßt. Die beteiligten Ministerien wurden angewiesen, mit vorbereitetem Material für die Zusammenstellung ergänzender Vorschriften hinsichtlich der Sicherheit im Bergbau zur Disposition zu stehen. Vorher hatte der Arbeitenminister D o st a» l e k im Ministerrat einen Bericht über daS bisherige Ergebnis der von der Sonderunterfuchungs- kommission durchgeführten Erhebungen, sowie einen Bericht über die Vorbereitung der Maßnahmen erstattet, die im Wege des Gesetzes auf eine Ergänzung der biSherigenVorschriüen zum Schutze der Bergarbeiter und zur Abwendung von Schäden bei Arbeiten in den Gruben abzielen. Genehmigt wurde ferner iin Prinzip eine Re- gierungsverordnung über die Abänderung der Tnich- fühnnigsverordnung zum Gesev aus den« Jahre IVLu über die Betriebs- und Revierräte irn Bergbau, tvas die Revisionen anlangt, welche die Vertreter der Revierräte im Einvernehmen mit dem Grubenleiier, eventuell in der Obertagseinrichtung I des Betriebes im Hinblick auf die Einhaltung der I Tichcrneitsoorslbriklen vornehmen. Mit der genauen Textierung tvurden im gegenseitigen Einvernehnren die Minister für öffentliche Arbeiten und Fürsorge betraut. Konzentrierung i aller Sammlungen Kameraden besser, lasst Menschenleben nicht mehr von der rationalisierten Knochenmühle deS Kapital im ns zermalmen! Tas ist der Mahnruf ihres furchtbaren Schicksals. Möge er nicht in kurzen Trauertagen verhallen. Dieses Vermächtnis zu erfüllen, das ist die heilige Verpflichtung der Lebenden, eine Verpflichtung, die nicht mit leeren Beileidsworten, sondern nur mit sozialen Tateil cingelöst werden kann. Deutsche und Tschechen, Geistliche und Konfessionslose, Menschen aller Parteirichtungcn folgten den Särgen von Ossek. Tie Größe des Unglücks und ihres Schmerzes verband sic zu einer riesengroßen Traucrgcmeinde. Was ver- ,nächte diese gewaltige Masse zu schassen, wenn sie nicht nur in der Trauer, sondern auch iin Kampfe vereint bliebe! Tie Größe der Aufgaben die in den Bergrevicren und in den Industriegebieten des Landes gestellt sind, erfordern eine gewaltige.'.rraftanspannung. Sie sind ein Prüf, stein des sozialen Wollens und des Grades echter Menschlichkeit, das in de» Massen des Bol- les vortzoiidcil in. Wir Sozialdemokraten und freien Gewerkschafter wollen die Toten von Ossek ehren, indem wir ihr Vermächtnis erfüllen und mit gesteigerter Leidenschaft weiterkämpfen für die Taseinsfordernngen der Bergarbeiter, ihrer Frauen nnd Kinder nnd der ganzen arbeitenden Bevölkerung. Worte des Gedenkens rar die Spier von ossek Gestern hielt der Parleivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiter partei in der Tschechoslowakinen Republik eine Sitzung ab, an deren Beginn der den Vorsitz führende Abg. Genosse de Witte den Opfern von Ossek folgenden Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde, widmete: Wir stehen alle unter dem furchtbaren Ein. druck der entsetzlichen Katastrophe von Ossek, die hundertzweiundvierzig Menschenleben auSgeläscht, hundertzweiundvierzig Arbeiter auf der Stätte ihres Schaffend grausam dahingerafft hat. Roch sind die'Untersuchungen über die Schuldfrage im Gange, soweit eS sich um eine Schuld unverant- wörtlicher Personen handelt; aber keine Frage ist eS mehr, dass der Prositwahil dir hauptsächlichste Ursache des gewaltigen Unglücks ist, und das schwere Mängel in der Aufsicht über die Bergbaubetriebe und die Unzulänglichkeit deS Arbeiter- schutzeS einen großen Anteil daran haben. Bor unS und vor der ganzen Gesellschaft steht die Aufgabe, den Hinterbliebenen der Opfer beizustehen, darüber hinaus aber die Pflicht, alles Erdenkliche dafür vorznkebrrn, daß die Gesundheit und das Leben der Arbeitenden nach allen menschlichen Möglichkeiten geschützt werde. Wir— unsere Partei nnd unsere Gewerkschaft— haben daS unausgesetzt gefordert, doch unsere Mahnungen sind leider bis jetzt verhallt. Angesicht- der Maffenopfer von Ossek darf eS aber kein Säumen mehr geben, darf niemand mehr unserem Begehren hindernd im Wege stehen, daS Leben der Schaffenden höher zu stellen als daS Gewimrintercffe des Dividendenjägers! Die Gewissen wachrütteln und alle Widerstände gegen eine zeitgemässe Reform der Berg, gefetzgebung zu brechen, wird unsere nächste Aufgabe sein. Ossek, das in diesem Augenblick der Welk eine Stätte des Massensterbens am Schlachtfelde der Arbeit vor Auge» stellt, soll und muss ein Markstein in der Geschichte des Arbeiterschuhes werden. To beugen»vir uns den toten.Kameraden, indem dnranznsetzen, um Vollstrecker die Lebenden zu werden. Parlament für nächsten Mittwoch einberufen Verschärfung des Berggesetzes Unter Leitung der genannten Minister werden der Lande-präsident und die Vorstände der Bezirksämter die Hilfsaktion durchführen und es Ivird auf diese Weise dafür gesorgt werden, daß die Spenden, die mich weiterhin daS MinisterratSpräsidiuin ent« gegennimmt, und die auch bei einer Reihe fachlichen nnd Humanitären öffentlichen Korporationen reichlich eingehen, somit möglich konzentriert in der wirksamsten Weise zugunsten der Betroffenen vertvendet werden. Weiter- beschäftigte sich der Ministerrät mit I der Beratung der Dispositionen für die Beratnn- I gen der einzelnen engeren MinisterkomiteeS zum Zwecke der Vorbereitung der gesamten weiteren dringenden Parlaments- und Regierungsarbeiten. I »aalt«n die Mikcront Ferner nahm, wie amtlich gemeldet wird,! der Ministerrät mit Anerkennung den Bericht zur Kenntnis, dar, die gesamte Bevölkerung am Tage des Begräbnisses der Opfer des Grubenunglücks in Ossel daS Andenken der mnS Leben Gekommenen in würdiger Weise geehrt und seine volle Teilnahme den Hinterbliebenen zugc- lvendet habe und daß sie die Ruhe und Ordnung in dem Bewußtsein aufrechierhalte, daß die staatliche Macht in obiektiver Weise für die Untersuchung der Ursachen des Unglücke- sorgt, daß sie entschlossen ist. solche Unglücks fälle in Hinkunft ' ans jede mögliche Weise durch di-: erfnrderlicheü , Maßnahmen hinianzuhalten und gemeinsam mit '. I der Bevölkerung bestrebt ist, die Hinterbliebenen f der umS Leben gekommenen Bergarbeiter sicher- , zustellen. 142 verunglückten Bergleute vom Nelsonfchacht: I Arbeitenminister D o st a l e k über die Ka- Helft unseren Frauen und Kindern, schützt imsere wstrovhe und die bisher getroffenen Maßnahmen nanSekkatte Berginspektion Zu den Verhaftungen in Nordböhnien. Zur Verhaftung des ZeniraldirektorS Locker und der anderen Betriebsleiter schreibt das„Prävo Lidu": „Tief Oeifeiitlichkeit wird Liefe- Einschreüen der Justiz als Abzahlung aus ihre Erwartung auf- nehmen, daß die Osseker Katastrophe nicht in Rauch aufgehen wird, daß etwa nicht auf de» Schächten die Verhältnisse tvieder so werden wie vorher und nicht tvieder zu neuen.Katastrophen führen. Die Bedeutung der Osseker Verhaftungen würden wir darin erblicken, daß die Dinge wirklich ernst ge- ! nommen werden, daß man in vollem Maße das ! gellende Reckt anwenden will und daß man die «Kohlenbarone fühlen läßt, unsere Re.l'tsverhält- uisse seien nicht zum Scherz da und dulden keine Sabotage. Aber ivir wollen ossen sagen, daß die Schuld an der Osseker Tragödie nicht nur auf einer Seite ist, auf Seiten der Kohlenbarone und des Shstems. Ls ist auch d i e Rechtsmacht, welche wenn sich daS Verbrechen in furchtbarem Maße Zahlungseinstellung Deutschlands? Berlin, 8. Jänner. Die deutschen Finanz- l reise sind über die Londoner Meldungen betreffend die Sckritre, die England atü Anttvort auf die neue Beimräntung der deutschen AuSkandSzahlun- gen unternehmen will, sehr beunruhigt. Heute verfaulet. die englische Regierung beabsichtige im Handel-Verkehr mit Deutschland den Clearing einzuführen. An hiesige» zuständigen Stellen glaubt inan, daß durch eine derartige Beschränkung des deutschen Exportes nach Englmrd die deutsche Zahlungsbilanz sich wesentlich verschliimnern würde und eS lvird ganz ernstlich erwogen, daß— falls England seine Drohung wahrmachen sollte— die Reichsvanl die deutschen lleberweisnngen ins Ausland überhaupt e i n st e l l e n werde. SS Var Puppenspieler lisWu' Roman von Felix Fechenbach Eines TageS brachte Gretl ihren Kasperllopf mit, den sie von Hans an jenem Abend im Wohnwagen belonnnen hatte. Er sollte ein besonders schöne- Kostüm haben. Sie sagte auch der Mutier Cornelius, was eü für eine Bewandtnis mit diesem von Hans geschnitzten Kopf habe. Da wurden nun besonders schöne und farlrenprächtige Flicken zusammengesucht. und Kasperl bekam ein Staatökleid und eine schöne, lange, zweifarbige Zipfelmütze mit kleinen Narrenschellen an der Spitze. Vater Cornelius hatte noch Hände und Füße für diese Kasperlsigur geschnitzt. Gretl hatte der Mutter Cornelius inzwischen schon abgelernt, wie man sie richtig anbringt. Dann versuchte sie, den Kasperl zu bewegen, wie sie eü zuweilen auf der Spiellatte gesehen hatte. Aber das mißlang ihr völlig. Da ließ sie dem Vater Cornelius keine Ruhe. bis er ihr zeigte, wie man den toten Puppen Leben gibt. Das sah viel leichter aus, als eS in Wirklichkeit war. Eü kam darauf an, die Puppen so vollständig zu beherrschen, daß sie mit Annen und Beinchen alle möglichen Bewegungen machen, Gegenstände in den Annen halten, mit den; Kopf nicken, sich sogar mit der Hand hinterm Ohr kratzen konnten, und was dergleichen drollige Dinge mehr sind, die bei diesen Puppen ganz besondere Wirkung haben. Vater Cornelius zeigte der Gretl geduldig, wie sie mit der Hand in die Puppe greifen und den Zeigefinger in den hohlen Kopf stecken mußte, während Mittelfinger und Daumen in je eine n der Arme kamen. Dann mußte Gretl Fingerübungen niachen, damit sie die nötige Gvlenligleil bekam. Die Kasperlköpfe waren ziemlich groß, und für die Mädchenfinger GretlS sogar ein wenig schwer. Aber sie übte fleißig— zuhause halte sie ja eine Kasperlsigur— und eines Tages sagte ihr Vater Cornelius voll Anerkennung, daß sie es jetzt recht gut könne. Gretl war damit aber noch nicht zufrieden. Sie wollte auch die Rolle lernen, die sie später einmal zu spielen haben würde. Da war aber nun die Schwierigkeit, daß Baier Cornelius kei» einzige« seiner Kasperlstücke ausgeschrieben hatte. Gretl bat nun darmn, daß er ihr die Rollen vorspreche, sie wollte sich dann alles aufschreiben. Wenn HanS aub dem Feld zurückkäme, möchte sie die Rollen schon können. Es sollte eine Ueberra- schung für ihn werden. Gretl bettelte so lange, bis Vater Cornelius sich schließlich der mühevollen Arbeit unterzog. Da gab's nun ein Borsprechen und Aufschreiben, Wiedervorlesen und Verbessern, bis Gretl drei Rollen für die Abendvorstellungen hatte: die Amalie aus den„Räubern", die Fürstin von Parma aus dem„Faust" und die Genovefa für daS Legendenspiel. Mittlerweile waren der Januar und der Februar verstrichen, und Vater Cornelius rüstete sich bereits wieder, mit seinem Wohnwagen aus Wanderfahrt zu ziehen. Josef Berger hatte schon wiederholt nachgefragt, wann es losgehen sollte. Und Anfang März war eS dann so weit. Mutter Anna blieb seht allein im Milchladen und Gretl besuchte sie recht oft. Wenn Gretl eine ihrer Rollen auswendig gelernt hatte, mußte Mutter Cornelius sie abhären, und Gretl war mit einem Eifer bei der Sache, als gelte es, sich auf ein Staatsexamen vorzubereiten. Daneben erzählte ihr Frau Cornelius mancherlei vom Leben im Wohnwagen, so daß Gretl über alles wesentliche aus ihrem künftigen Reich unterrichtet war. Einmal sprach Frau Anna den Wunsch aus, mit Gretl« Mutter zu sprechen. Ein paar Tage später kam die Gretl auch mit ihrer Mutter herüber. Bei einer Tasse Kaffee besprachen die beiden Mütter die Zukunft ihrer Kinder. Frau Hein war mit allem einverstanden. Die.Hauptsache war ihr, daß die Gretl den HanS gern habe, und daß die zwei sich gut verstehen. Aber Vater Hein wollte halt immer noch nichts von dieser Heirat wissen. Mutier Cornelius machte im» den Vorschlag, Frau Hein solle noch einmal mit ihrem Mann über die Sache reden. Vielleicht wäre er doch um- zustimmen. ES sei doch nicht das Richtige, wenn die Gretl gegen den Willen ihres VaierS den HanS heirate, und vielleicht könne inan noch allein Frieden und Eintracht abmachen. Frau Hein wollte das noch einmal versuchen, aber viel Hoffnung machte sie sich nicht. Nach ein paar Tagen brachte dann Gretl auch die Nachricht, daß der Vater nicht umzustimmen wäre. Man mußte also noch abwarten. Vielleicht gab er später seinen Widerstand doch auf. Fast jede Woche bekam jetzt Gretl einen Brief von Hans, und sie schrieb ihm auch regelmäßig wieder und schickte ihm jede Woche ei» Feldpostpäckchen. Das Geld dazu bekam sie von ihrer Mutter. Hans hatte draußen schon schwere-kämpfe mitgemacht, manches furchtbare Trommelfeuer und und nianch kühnen Sturmangriff. Wenn einmal ein Brief von ihm länger als sonst ausblieb, dann wartete Gretl in ängstlicher BangniS, und sie kam ein paarmal im Tag in den Milchladen herüber, uni zu fragen, ob kein Brief von HanS gekommen sei. Wenn auch die Briefe infolge von Truppenverschiebungen oder Postsperre zuweilen etwas länger ausblieben, sie kamen doch immer tvieder. War's auch nur eine Postkarte, auf der Hans schrieb, daß er gesund sei, dann war Gretl wieder zufrieden und ruhig. Schon feit vier Woche» wußte Gretl. daß ihr Zusammensein mit HanS iin Wohnwagen nicht ohne Folgen geblieben war. DaS Wissen darum machte sie froh. Freilich wäre eS ja schöner gewe- sen. Iveiin sie noch hätten heiraten können, ehe HaiiS ins Feld kam. Aber sie fühlte sich auch so mit HanS auf'ö engste verbunden, besonder- jetzt, da sie wußte, daß ein neue-, junges Leben in ihr heranlvuchs, da- ihrem gcnieinsamen Wollen entsprungen tvar. Sie sagte eü jetzt auch der Mutier, daß sie schwanger sei. Die nahm die Nachricht aber gar- nichi freudig auf. Erschrocken schlug Frau Hein die Hände Lber'm Kopf zusammen: „Ja, Gretl. daß d' aber auch sowao machst! Wenn das der Vatter erfährt...!" Sie verstand gar nicht, wie Gretl noch froh darüber sein konnte. Dem Vater Hein sollte vorerst nichts gesagt werden. Dazu wäre ja noch immer Zeit, wenn rS sich gar nicht mehr verheimlichen ließe. An Hans schrieb Gretl einen langen Brief. Darin teilte sic ihm mit. daß sic ein Kind erwarte und wie sehr sie sich darüber freue. Jetzt könnte sie überhaupt nickt- mehr von ihm trennen, und der Later müsse nun Ivohl auch zu allem ja und Amen sagen. Aus diesen Brief bekam Gretl aber keine Antwort. Vierzehn Tage war schon keine Nachricht mehr von HanS gekonunen. Gretl machte sich ernste Sorgen. Mutter Cornelius beruhigte sie zwar immer tvieder, eS sei schon öfter eine Postsperre getvesen. Immer, wenn HanS in eine andere Stellung gekommen sei, wären Briefe so lange auSgeblieben. Wenn ihm lvaS passiert wäre, hätte doch der Kompagnieführer sicher geschrieben. Aber, wenn Frau Anna allein war, dann glaubte sie selbst nicht so ganz fest an das, was sie der Gretl zur Beruhigung gesagt hatte, und sie machte sich selbst schwere Sorget, eS könnte ihrem HanS etwas zugestoßen sein. (Fortsetzung folgt.) Nr. 7 Seite 3 Mittwoch, 10. Jänner 11)3-1 naltbcsdiwcrdc abgclchnt Generaldirektor lecker und seine Beam en weiter In Haft Brüx, 9. Jänner. Die verhafteten Beamten der Brüxcr Kohlenbergbau-Gefells/, st ha- ben gegen die Hastverhängung bei der Ratökammer des Brüxcr KrciSgerichteü Beschwerde eingelegt. Die RatSkammer hat heute, DienStag, den 9. Jänner, ihre Beschwerde a b g e l c h n 1, so daß alle Dcrhaftrten auch weiterhin in Hast behalten werden. aufhäust, welche vorher die systematische und tag-1 siche Mißachtung der SicherheitSvorschriften Übersicht, nicht kontrolliert und beim ersten, lvenn auch kleinstem, Vergehen nicht bestraft. Vielleicht herrscht nirgends eine solche Unverschämtheit in der Ueber- trctung bezlv. in der Nichterfüllung der Gesetze, wie gerade im Bergbau, wo die gesetzliche Strenge am notwendigsten tväre. Wir haben eine Be r g- inspektion, ihre Untätigkeit und Unfruchtbarkeit ist allgemeinanerkannt. Ihre Beeinflussung durch die mächtigen Bergverwaltungen ist kein Geheimnis seitdem diese Inspektion begeht. Wenn da seit Anbeginn und mit ungebrochencin Ernst und mit Strenge der Geist des Gesetzes erfüllt worden wäre, möglich, daß es auf den nordböhmischen Friedhöfen weniger Massengräber gäbe. In ähnlicher Weise äußert sich„N ä r o d n i O s v o b o g e n i": „Die ungeheuere Zahl der Toten, welche unter großer Teilnahme aller Schichten auf dem schlichten Bergarbeiter«Zriedhof in Ossel begraben und welche verbrannt und vergiftet worden sind in den Tiefen der Erde, ruft endlich auch die Gerechtigkeit herbei, die sicherlich vor niemanden halt machen wird. Wir sind überzeugt, daß nicht nur schuld sind die rücksichtslosen und zynischen Untergebenen, sondern alle diejenigen, welche mit dem System Locker übereinstimmen oder cS gar an ordnen. ES muß ohne Rücksicht auf jeden, der Schuld trägt, abgerechnet werden. FalsA geblasen! Der kommunistische Stabstrompeter in der „Internationale" hat selten ein so armseliges Konzert veranstaltet wie gestern. Seine Leser im nordböhmischen Braunkohlenrevier wer- den sich nicht lvenig gewundert haben, wenn sie den Titel seines Leitartikels.„Hört die Signale" gesehen und dann gelesen haben, welcher Regimentsbefehl ihnen vorgesetzt lvurdc. Nachdem die„Internationale" schon am Sonntag die Schuld an der Osscker Katastrophe dem Prager Pakt zugemessen hatte, den die Kommunisten im Vorjahr als herrlichen Erfolg ihrer Taktil ausgegeben haben, setzt sie am DienStag die Hetze gegen die„reformistischen Führer" fort. Die Blamage bleibt nicht auS: Aus einer Erklärung des Zentraldirektors L ö ck c r, von dessen Verhaftung die„Internationale" als vielleicht einziges Blatt gestern noch nichts wußte, schließt sie: „Aber mindest so interessant und wichtig ist seine Feststellung, daß der Betriebsrat, d. h. als» die Reformisten, van der Senkung der BetriebS- regie, als» van allen jenen brutale« Ratianalisie- ningSmatznahmen gewußt und ihnen zugrstimmt haben, die die rmmittelbare Ursache der Ossrker Katastrophe find." Der Betriebsrat ist diesen Behauptungen Löckcrü entgegengetrcten. Aber splbst wenn sie richtig wären, hätte die„Internationale" nicht die„Reformisten", sondern im Gegenteil ihre eigenen Leute getroffen: Im Betriebsrat der Nelson-Grube fitzt nämlich ein Sozialdemokrat neben zwei Kommunisten und der Borsitzende des Betriebsrates ist ein Kommunist! Ist diese Probe der Unkenntnis und Leichtfertigkeit nicht der klarste Beweis für die ge« Iviffcnlose Hetze der Kommunisten? Glauben kann man der„Internationale" nur dort, wo sie erklärt, daß die Roten Gewerkschaften die größten Anstrengungen machen, um einen Revier streik zu entfesseln. Weim die BergarbeUer die Kosten tragen, ist den Revolu« lionSstrategen, die bedenkenlos in die eigenen Reihen feuern, kein Preis zu teuer. Wenn die freien Gewerkschaften, um die Arbeiter in der jetzigen Notzeit für die schon ausgefallene Schicht zu entschädigen, dafür eintreten, daß an dem sonst arbeitsfreien heutigen DienStag Schichten eingelegt werden, so ist das für die„Internationale" Verrat. Sie hat andere Sorgen. Sie bläst zum Alarm und befiehlt„Feuer!" Die Folgen tragen andere! Anerkennung für Masarhk und Benet. Die „Deutsche Freiheit"(Saarbrücken) vom 8. Jänner veröffentlicht an leitender Stelle einen Situationsbericht aus Paris, in dem daS Zurückweichen Italiens vor den einmütigen Forderungen Frankreichs und der Kleinen Entente geschildert wird.„Daü Hauptverdienst an diesem Zurückweichen Italiens— heißt eS in dem Bericht— kommt Frankreich und dem tschechoslowakischen Außenminister Benes zu, der sich in den letzten Wochen wieder als eine der großen Figuren europäischer Politik erwiesen hat, obwohl er keine Großmacht vertritt. Beneä hat gegenüber dem fascisti- schen Ultimatum auf Revision der Völkerbundssatzung zum Schaden der lleinen Mächte ruhig erklärt:„Solange ich Mitglied des Böl- kerbundrateS bin, wird eine Revision des Paktes in wesentlichen Punkten nicht erfolgen, da ich sie nichtratifizieren würde." Dieser Mann, der wohl der dienstälteste Außemninister Europas ist— er regiert seit der Gründung deS tschechoslowakischen Staate»—, ist einer der Beweise dafür, daß in der Demokratie bedeutende Führergestalten nicht nur einporsteigen, sondern sich auf der Höhe auch behaupten können. Die Tschechoslowakei mit ihrem greisen Präsidenten Masarhk und ihrem Außenminister B e n e S, der noch im besten ManneS« alter steht, sind neben Frcuckreich die Garanten demokratischer Enttvicklung in Europa und die Retter und Protektoren des Völkerbundes." Die Lase Im Revier und auf dem Schacht Auf allen Gruben des Brüx-Durer Braun- kohleiirevirrö, auf denen gestern anläßlich der Beisetzung der 13 Opfer der Offeker Katastrophe die Arbeit eingestellt war, sind heute früh die Belegschaften normal eingesahren. Auf der Barbara- Grube in Jauegg bei Dux wurde ein Streikversuch unternommen, doch trat im Laufe des Vormittags der größte Teil der Bergleute feine Arbeit an. Auch auf allen Grube» der Brüxcr Kohlen- bergbaugesrllschaft mit Ausnahme der durch die Katastrophe betroffenen Grube wird gearbeitet. Die Untersuchung über die Ursachen der Katastrophe nimmt ihren Fortgang. Die Lage auf dem„Nelson"-Schacht ist unverändert. Die Schachtabschlüsse haben gehalten. Die fromme Regierung mit Cer deichten Meral Die vom Napst gesegnete und von der österreichischen Bischosökonferenz gelobte Regierung Dollfuß will auS Oesterreich einen„christlichen" St.-- E u-.'.chen. Wi: dieses Christentum auSschaut, davon hat die Regierung Dollfuß vorige Woche wieder einmal ein Beispiel geliefert.' In Oesterreich entsenden die Selbständigen, Unternehmer und Landwirte ihre Vertreter in die HandclSkam- m.r und die Landwirtschaftskammer. Die Arl>eiter wählten und entsandten ihre Vertreter in die Arbeiterkammer. Di: Sozialdemokraten hatten in der Arbeiterkammer eine Vicrlünstelmehrheit. Von 516.000 abgegebenen Stimmen erhielten sie zuletzt-180.000, die Christlichsozialen nur 56.000, die Deutschnationalen 42.000 Stimmen. Mit den Deutschnationalen hatten die Sozialdemokraten eine Neunzehntelmehrheit. Mit Hilfe der auf Ver- fassungSbruch basierenden Notverordnung hat Dollfuß nun diese Neunzehntelmehrheit in eine Minderheit verwandelt. Die Christlichsozialen haben mit den Hahnenschwänzlern(die früher in der Arbeiterkammer gar nicht vertreten lvaren) die Majorität. Die Arbeiter müflen die Beiträge für die Arbeiterkannner, die davon erhalten wird, bezahlen. Das Recht aber, Leute ihres Vertrauens in die Arbeiterkammer zu entsenden, wurde ihnen von der frommen Regierung geraubt. Den Arbeitern werden die Besträge für die Arbcsterkammer von: Lohn abgezogen. Erhalten und bezahlt werden von diesen Arbeiter- kreuzern Leute, die ihre wirtschaftlichen und politischen Gegner sind. ES ist dies der Gipfel der Gemeinheit. So wie man in Deutschland den Mord alS nationale Tat feiert, so nennt in Oesterreich die Dollfuß-Regierung Unrecht, Gewalt und Raub„christliche Erneuerung". ver oberste Kriegsherr... Bundeskanzler Dr. Dollfuß richtete an den Minister Dr. S ch u s ch n i g g ein Schreiben, in dem er ihm mitteilt, daß er das Oberkommando über die Ostmärkischen Sturmscharen übernehme mrd deren bisherigen Kommandanten, den Minister Dr. Schuschnigg, zu seinem Stellvertreter bestimm«. Anzeichen einer Tätigkeit der unterirdischen Gewalten siird nicht inehr wahrzunehinell. Die Betriebsleitung führt niUer dem Vorsitz des Bergverwaltungs-Jngen.urö Barto» die eingesetzte Konrmiffivn, der auch der frühere Betriebsleiter Ingenieur B o k ä t angchört. Die Aufräumungsarbeiten und die Beseitigung der durch die Katastrophe obcrtago angerichteten Schäden nehmen ihren Fortgang. CS kann uiit der Bewahrung der ergriffenen Maßnahmen gerechnet werden. Vie Hilfsaktion des Revierrates Für die Hilfsaktion, die vom Revicrbcrgrat in Brüx veranstaltet ivird, gingen bis heute vormittags im ganzen Kö 74.173,10 ein. Heute bereits kann gesagt werden, daß diese Sammlung einem regen Interesse begegnet. Auch vollkommen mittellose Personen beteiligen sich an den Wohnungssammlungen. ! Standgericht nur für unpolitische Verbrechen? Morgen mittags trifft das Wiener Standgericht in Graz ein. Es Ivird nachmittags gegen den Hilfsarbeiter Peter Strauß, der vor einigen Tagen in Asling im Bezirke Leilmitz bei einem Bauern auö Rache dafür, weil er ein zu geringes Alnwscn erhalten hatte, eine Scheune «».zündete, das standrechtliche Verfahren durchführen. Keine Einstellung der Alpine Wien, 9. Jänner. Zwischen dem Handelsminister S t o ck i n g e r und dem Generaldirektor der Alpinc-Montangesellschaft A p o l d sand gestern eine längere Unterredung statt. Sie zeitigte daS Ergebnis, daß die von der Alpine-Mon- tangesellschaft von Mitte Jänner bis Mitte Feber geplante Einstellung der Eisenerzer- und Dona- witzer Berg- und Hüttenwerke nicht durch- geführt werden wird. Antrittsaudienz Troja nowskis Washington, 9. Jänner. Der erste Botschafter der Sowjetunion in Washington, Troja- n o w s k i, wurde am Montag vom Präsidenten Roosevelt zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreiben empfangen. Während Roosevelt hiebei von den gemeinsame» Ausgaben sprach, erklärte T r o j a n o w s l i u. a., in einer Welt, die triftige Gründe zur Unzufriedenheit mit den endlosen und bisher vollkommen ergebnislosen Redereien über Frieden und Abrüstung habe, müsse allein die Tatsache der Zusammenarbeit zwischen den Bereinigten Staaten und Rußland unbedingt eine weitgehende Wirkung in der Sache deö Weltfriedens haben. Die Frage der Liquidierung der russischen Schulden an Amerika wird demnächst in Washington zwischen dem Auswärtigen Amt und Botschafter T r o j a n o w s k i geregelt werden. Spnn'scher Innenminister will demissionieren Madrid, 9. Jänner. Minister des Innern RoeaAvello erklärte gegenüber Journalisten, daß erzurück^reten werde. wir.'sdiaiisrat der Kleinen Ententestaaten Heuer sagt der Kleinen Entente eine große wirtscholtllche Zuhnnlt voraus Gestern, kurz vor Mittag, wurde im Konferenzsaal des Außenministeriums auf der Prager Burg die erste Sitzung des Wirtschaftsrates der Kleinen Entente-Staaten eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Minister Dr. Beneä, der die Tagung als ein bedeutungvolles Ereignis feierte. Er wies darauf hin, daß die Kleine Entente im Jahre 1920 geschaffen wurde unh daß trotz aller Prophezeiungen der Gegner, die mit dem baldigen Ende dieses Bundes rechneten, sie durch den Organisationspakt vom 16. Feber 1938 ein dauerhafteres Gebilde geworden ist. Es muß nun auch ein Weg zur Bildung eines neuen internationalen W i r t s ch a f t§ or g a n i s m u s in Mittel- Europa gefunden werden und dem dient die Sitzung des Wirtschaftsrates. Es muß folgendes erreicht werden: 1. Die wirtschaftliche und finanzielle Krise hat den wirtschaftlichen Reichtum unseres Staates sehr geschwächt und den Umfang unseres gegenseitigen Handels furchtbar vermindert. Unsere erste Pflicht in unseren Verhandlungen ist es also, diesen gleich von jetzt an zu vergrößern und so gleich jetzt die Grundlagen zu einer Befferung unserer gegenseitige» Handelsbeziehungen im Jahre 1984 in: Verhältnisse zum Vorjahre zu regeln. 2. Diese Besserung für das Jahr 1984 muß der Anfang einer allgemeinen Vertiefung der jetzigen Wirtschaftsbeziehungen unserer drei Staaten sein. Das Jahr 1935, muß gegenüber dem Jahr 1981 wiederum eine Besserung bringen. 8. Um dieses Ergebnis zu erzielen, wird ein ganzes Süßem von Maßnahmen, Institutionen und neuen O r g a u i s a t i o n e n in unseren Wirtschaftsbeziehungen vorbereitet. Diese Organisation wird eine Besserung der Eisenbahn-. Post-, Wasser- und Lustverkehrswege, eine Unifizierung der wirischaftlichen, Handels- und Rcchtoinstilulio- nen, die Errichtung neuer Organismen iür die Zusammenarbeit auf statistischem und touristischem Gebiete, für die Zusammenarbeit der Zetielban- ken usw. usw. betreffen. 4. Durch diese Arbeit wollen wir n i ch t etlva ein Werk schassen, das irgendein anderes Land ausschließt. Dao gerade Gegenteil. Wir haben alle ein Interesse daran, auf diesem Felde mit alle» Nachvorn zusainmenzuarbeiteu. Die Hauptsache ist. eine Grundlage zu diesem großen und vielversprechenden Werk zn schaffen, dem eine große Zukunft bevorsteht. ES sprachen sodann der Ches der rumänischen Delegation, Teodoreseu und namens der jugoslawischen Delegation Dr. Pclivanovik. worauf die Eröffnungssitzung des WirtschaflSralcs geschlossen ivurde. Ciriaci versetzt Das italienische Korrespondenzbüro Ztefani meldet, daß der bisherige Prager Nuntius, Peter Ciriaci, in gleicher Eigenschaft noch Lissabon verseht wurde. Ciriaci weilte vom Mai 1928 bis zum September 1033 in Prag. Mit dieser Versetzung deS Prager Nuntius wird die Affäre endgültig erledigt, die um ihn im Zusammenhang mit deu durch Hlinla gestörten P r r i b i n a f e i e r n entstanden war. Ciriaei halte dem Hlinla einen Bries geschickt, in dem er zum Ausdruck brachte, daß er von der Regierung schlecht behandelt>vor- den sei. Die entscheidende Stelle dieses Brieses lautete: „Während man in Prag den Heiligen Vater entweder unmittelbar oder aber in der Person seines Vertreters in einer derartigen Weife beleidig!, daß nicht einmal die Vorschriften der internationalen Höflichkeit, die für alle zivilisierten Voller gellen, beachte! werden, habt Ihr Slowaken gegenüber einer solchen Autorität die notwendige Achtung bewiesen. Ich beeile, mich. Dir und den Deine» den Dank dafür auszusprechen, daß Ihr dem apostolischen Nuntius,-der aus Gehorsam gegen den Heiligen Vater gezwungen ist, in Prag zn leben, in seinen: bitteren Leid au- der Slowakei ein wenig Trost gespendet habt." Tie Regierung legte gegen diese Einmischung deö Nuntius in die innerstaatlichen Verhältnisse der Tschechoslowakei in der Weise Vcrivahrung ein, daß sie verlangte, Ciriaci möge zur B e- r i ch t e r st a t t n» g nach Rom berufen werden. Der Vatikan hat nun eingesehen, daß dieser Herr Ciriaci in Prag tatsächlich nicht mehr erlvünscht ist und daraus die Konseguenzen gezogen, die zu ziehen er sich ganz offensichtlich lange gesträubt hat. Dieses Ergebnis darf man mit Genugtuung begrüßen. vle ersten Entmannungs- Uitel.e Dessau, 9. Jänner. Auf Grund der neuen Reichsgesetze. die unter den Sicherungsmaßnahmen gegen gefährliche Sittlichkeitsverbrecher auch die Entmannung vorschreiben, sind am DienStag in Anhalt die ersten diesbezüglichen Urteile ergangen. Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Dessau ordnete die Entmannung deS Hilfsaufsehers Friedrich K r o i t f ch aus Neundorf und des Arbeiters Bruno Riegel auS Dessau an. Das Begräbnis in Ossek «Serie 4 Nr. 7 Mittwoch, 10. Jänner 1034 Dimitrow noch nicht befreit Torgier noch im Konzentrationslager lagcsnculglfcltcn Der Führer einer Räuberbande entspringt aus der Hast Am 2. Jänner 1934 wurde auf dem Wege zwischen den Gemeinden Svlolöc und Flavier der Landwirt Johann Fehcrpatal» von zivei jungen Leuten überfallen und um 870 Xd bc- raubt. Die Gendarmerie nahm sofort die lluier- luchung auf. Ter Tat ivurden Joses Touisit, Johann Almau, und Johann Probier alo Anstifter, überführt. Bei den vorgenounncnen Haus- j stichuugeu wurden verschiedene Gegenstände, die von Diebstählen verrühren und die auf zwei Jahre znriickreichcn, gesunden. Führer der Diebsbandc Ivar I o h a n n P r o b i c r, der als sehr raffinierter Verbrecher bekannt ist. Er arbeitete u u r in i t H a n d s ch u beit; jeder Tatort wurde voll ihm selbst genau besichtigt, tvoraus er erst seine Gehilfen hinfiihrtc. Am l. Jänner Ivurden die oben erwähnten Verbrecher in die Haft des Kreisgerickitcs in Liptovske Miknlas cingelic- serl. Als um 21 llhr abends der Gcfangencnauf- fcher die Zelle des Johann Probier betrat, sprang dieser plötzlich auf, packte den Aufseher b c i in H a l S und tvarf ihn auf den Boden, in der Absicht, ihn in der Zelle einzusperren. Der Aufseher verlor jedoch seine Geistesgegenwart nicht und setzte ikh zur Wehr; Johann Probier gelang es. aus der Zelle auf den Gang und von hier ans in den Hof zu. gelangen, lvv er eine zivei Meter h o h e M a u c r ü b c r f p r a n g und in die Felder flüchtete. Die sofort alarmierte Gendarmerie hat die Nachforschungen nach Probier eingeleitet. Er ist mittlerer Statur und hat ein mageres Gesicht und lichtes Haar. Die Gendar- inerie ist ibin bereits auf der Spur. 20 Verwundete im Kampf gegen Streikbrecher Bombay, 9. Jänner. Streikende Svin- nereiardeiter unternahmen einen Angriff auf die Spinnereien, in denen Streikbrecher unter dem Schnur der Polizei arbeiten. Tie Polizei gab einige Salven ab, wobei 20 Personen verlebt wurden. Auch fünf Polizisten erlitten Verletzungen. 77 Tote in Kyoto Tokio, 0. Jänner, tlltrutrr.l Den letzten Meldungen zufolge forderte die Panik, welche gr- slrrn aus dem Bahnhöfe in Kyoto auogrbrochrn iü, 77 Tote und 04 Verletzte. Eine Lawine von Totenschädeln London, 0. Jänner. In L o n d o n d e r r y iNordirland) ereignete sich gestern ein unheimlicher Vorfall. Die seitliche Stützmauer eines an die katholische Kirche Lang Tower grenzenden Friedhofes, der sich nenn Meter über dem Niveau einer anliegenden Straße befindet, brach plötzlich in einer Breite von 16 Metern ein. Dabei stürzten mit lautem Getose große Mengen von Erbmassen wie eine Lawine herab, vermischt mit inenschlickvn Schädeln und Gebeinen und zerbrochenen Grabsteinen. Ein Passant wurde durch einen herabstürzenden Grabstein am Kopf verletzt. Auf dem Friedhof sind mehrere iri- iche Heilige bestattet. Zwei rumänische Bauern von Wölfen zerrissen B u k a r t ft, U. Jänner. Bei Klaufenburg wurden vierBaurrn auf dem Heimwege von Wölfen überfallen. Zwei wurden von den Wöl- sen zerrissen» die beide» anderen konnten .sich retten. „Ich". Welches„Ich"? In der sudeton» dentschen Politik gibt es, seit Herr Jung nicht mehr der Führer des sudetendcutschen BolkeS sein kann, nur einen, der als das ganz große „Ich" austritt; den Lbcrturnlchrcr Konrad H e n l c i n. Ter sich selber dazu ernannt hat. Und den die führerlos Gclvordenen, die bisher kleinecc» JchS, die keine Turnlehrer waren, wenn sie'auch für den„Volkssport" begeistert waren, uachgclaufcn sind, willig anerkennen. Zu ihnen sprach in der„Folge l" der seit 1. Jänner in Asch erscheinenden„Rundschau, Sudetendeutsche Wochenzcitung", das große„Ich" also: „In einer Zeit politischer Hochspannung habe i ch zur Einigkeit ausgerufen. Ihr habt euch in treuer Gefolgschaft sofort und vorbehaltlos hinter in i ch gestellt, in Tagen und Zeiten, wo andere feig und verantwortungslos jede Mitarbeit au der sudetendcutschen Politik und damit an der Zukunft unseres Stammes ausschlugcn. Für diese persönliche Gefolgschaftstrcue und für die- fes selbstlose Einstchen für Volk und Heiniat danke i ch euch."— Oester konnte das„ich" in den paar Sätzen nicht leickit untergebracht wer- den. Hoffentlich genügt es, wenigstens vorläufig, den treuen Gefolgsleuten. Andere werden an ein ausländisches großes„Ich" denkend, von unserem cinheinlischen„Ich"-Mann spottend sagen:„Wie er sich räuspert und wie er spuckt, das hat er ihm glücklich abgeguckt." Aber gerade das imponiert den Gefolgsmannen. Paris, 6. Jänner. Entgegen der Meldung über eine Frcilasiung Dimitrows und seiner Kameraden am Samstag, erfährt das Vertci- dignugskomitce für den Reichstagsbrand-Prozeß, daß die drei sreigcsprochencn Bulgaren sich immer noch im Leipziger PolizcigcfäugniS in Haft befinden. Alle Interventionen der englischen und amerikanischen Advokaten und Journalisten sind bisher ohne Erfolg geblieben. Der große französische Schriftsteller Andrö Gide, der gestern int Rcichsinnenininisterium empfangen wurdc, erhielt ebenfalls keine bestimmte Auskunft. ES wur'e lediglich erklärt, daß die Entscheidung über di Freilassung von Dimitrow, Popow und Taner in der nächsten Kabinettssitzung der deutsche' ReichSrcgicrung gefällt werden solle. Ta Hitler sich mit unbestimmter Frist auf llrlaub befindet, ist ein Termin für die Freilassung der Freigc- sprochenen nokd nicht abznschcu. Die deutschen Behörden versuchen sogar, die Verzögerung der Freilassung mit dem fadenscheinigen Argument zu erklären, daß Verhandlungen mit ausländischen Regierungen über die Einreise Dimitrows und seinerKameraden geführt wurden, die noch nicht beendet seien. Demgegenüber stellt das VerteidigungSkomitec fest, daß sowohl die sran- Kalt und schön. Das Wetter ist seit Montag in Böhmen und in der mittleren Slo- lvatci vorwiegend heiter. Unter dem Einflüsse eines Ausläufers der skandinavischen Depression siel an vielen Stellen der Republik etwas Schnee. Daü binuenländischc Hochdruckgebiet erfährt nun vom Westen her eine vorübergehende Verstärkung, so daß eine leichte Besserung des Wetters zu erwarten ist. Im Karpathengebietc dürften weiterhin stärkere Fröste enthalten. Die allgemeine Wetterlage weist rasche A c n d c r n n g e n aus; der Westküste des Erdteils nähern sich neue atlantische Störungen.— Wahrscheinliches Wetter heut e: Wechselnd bewölkt, ohne wesentliche Niederschläge, in den Niederungen vielfach nebelig. Im Westen der Republik Nachtfröste, im Osten Ganz- iagofrost. Zwei Kmdcrsrlbstmordc. Vermutlich aus Furcht vor Strafe ließen sich am Montag abends d»c beiden 13 und 14 Jahre alten Brüder Martin und Johann Tullal aus Niederau bei Dresden in der Nähe des dortigen Bahnhofes von dem D-Zug Dresden—Leipzig überfahren. Beide Knalieu wurden auf der Stelle getötet. Den: einen wurde der Kopf abgetrennt, dem anderen wurdc der Schädel zertrümmert. Mord in Südböhmen. Sonntag wurdc im Walde bei K a m e n i c e n. Lipou in Südböhmen der 73jährige Ausgedinger Adalbert ll r b a n e l aus Rodinov mit zwei Stichwunden sowie zahlreichen Verletzungen ausgcsundcn, die ihm mit einem stuinpscn Gegenstand, wahrscheinlich mit einem Knüppel beigebracht worden waren. Wegen des Verdachtes der Ermordung wurde der Viehhändler Mitas aus Zirovnice verhaftet, denn bei einer Haussuchung ivurden an seine» Kleidern Blutspuren sestgcstcllt. Im Zusammenhang mit diesen« Vorfall wurde auch noch eine weitere Verhaftung vorgcuommcn. Es wird behauptet, daß llrbanck vor der Ermordung den Betrag von 800 Xö in barem bei sich hatte. Der Vorfall wird untersucht. Schmuggler in Nächod. Die GcsällSkontrvlle in Nächod wurde aufmerksam gemacht, daß zwei Bürger aus Eestä Eermnä, der Fleischer Anton Zelcnh und sein Neffe Jaroslav Zclenh, eine größere Menge von S ch u l-R eißzcugen verkauften, die wahrscheinlich a u S Deuts ch- l a n d e i n g e sch in u g g e l t worden waren. Die Nachforschungen ergaben, daß den Schmuggel der ehemalige Hotelier aus Nächod, Josef M a r s i l, und Josef K o s i n k a, Sohn eines Gewerbetreibenden aus Nächod, besorgten. Kosinka wurde heute angehalten und zum Verhör geführt, daS jedoch für kurze Zeit unterbrochen wurdc, da Kosinla gerade Hochzeit feierte. Sogleich nach der Hochzeits-Zeremonie wurde das Verhör fortgesetzt. Kosinka und Marsik hatten in der letzten Zeit etwa 10.000 l l c i n e Schul- Re i ß z e n g c int Gesamtgewicht von zwei Zentner» in die Tschechoslvwalei eingeschmuggelt. Die Reißzeuge, für die sie in Deutschland eine Krone pro Stück bezahlten, verkauften sie hier um drei Kronen weiter. Es scheint, daß in die Schmuggcl- Afjkire, die in Nächod großes Aufsehen erregt hat, noch andere Personen verwickelt find. Selbstmord eines Karlsbader Fabrikanten. Dienstag morgens wurde der bekannte Karlsbader Fabrikant Karl Bähe r, Erzeuger der weltberühmten Karlsbader Bavcr-Oblatcn, von seinen Angehörigen im Bette erschossen aufgesunden. Karl Bayer hat sich da er ncrvenlcidcnd war, durch einen Schuß ins Herz getötet. Er verwendete eine kleinkalibrige Pistole und deckte die Zudecke des Bettes über die Waffe, so daß 'n der Wohnung der Schuß von nicinandem gehört wurdc. Der Grund des Selbstmordes ist nur in dein zerrütteten Ncrvcnzustand des Fabrikanten zu suchen denn cs liegen keine finanziellen Motive für eine solche Verzweiflungstat vor. Bayer, der im öl Lebensjahr jtand, hinterläßt drei erwachsene Kinder. Die neue Meltbühne.(Prag I., Mclantri- chova 1.) Heft 1 des neuen Jahrganges ist soeben erschienen und enthält unter anderem folgende Beiträge: Willi Schlamm: Die Zuchtlosen.— Heinrich M a n n: Ei» Emigrant an I Frankreich.— Karl Berndt: Japan wartet zösische wie die tschechische Regierung eine Durchreisegenehmigung gegeben haben. Das ganze Verhallen der Hitler-Regierung ist nichts weiter als ein bewußtes VerzögeruugSmanövcr, mit dem die bereits wieder verstärkte Erregung der Weltöffentlichkeit beschwichtigt werden soll. Die Freilassung, erklärt das Verteidigungskomitee. kann und wird nur erreicht werden durch den gleichen Druck, der den Freispruch von Leipzig erzwang. Darum.fordert das Komitee alle Persönlichkeiten dcü kulturellen, wissenfckxtftlichcn. poli- tischenLebenö und alleOrganisatioucu auf, Protesttelegramme an daS Innenministerium zu richten und Delegationen ans die deutschen Botschaften und Konsulate zu entsenden mit der Forderung, daß den frcigesprochcnen Bulgaren die sofortige Ausreise aus Deutschland und freie Grenzwah! gestattet wird. Beunruhigend für das Ausland sind auch die Nachrichten über Torgler, der nach Pressemeldungen bereits in ein Konzentrationslager i'werführt worden sein soll. Eö besteht die Gefahr, daß Gocring, wenn er seine Drohung gegen Dimitrow nicht verwirklichen kann, sich mindestens an Torgler zu rächen beabsichtigt. auf Europa.— Rudolf Olden: Der Typ orga- ni fiert sich.— Ludwig Marcuse: Deutsche Literatur, amtlich.— Friedrich von Logan: Sinnspriichc.— Heinrich Fischer: Der Tunnel. Drei Selbstmörder. In Berlin fanden am Montag abends Hausbewohner den 66 Jahre alten Apotheker Martin Stern, dessen 65 Jahre alte Ehefrau und deren 68 Jahre alte S ch w c stj e r E. Müller in ihrer Wohnung tot auf. Wie aus hinterlassenen Briefen hervorgeht, find alle drei Personen in gegenseitigem Einverständnis durch Eiunchmen von Blausäure auS dem Leben geschieden. Maffcntod von Arbeitern im Lastauto. In der Gemeinde S e g n i in der römischen Provinz stürzte ein mit 26 Arbeitern besetzter Lastkraftwagen in einen 50 Meter tiefen Abgrund. Sechs Arbeiter fanden den Tod, vier wnrdcu tödlich, die übrigen mehr oder minder schwer verwundet. Der Mord im Auto. Ter Kraftwagenführer Alfons Graf aus München, der. wie berichtet, seine Geliebte, eine 40 Jahre alte Gastwirtsfrau aus München, im Kraftwagen erschösse n und.dann den Wagen mit der Leiche im Hofe einer Gastwirtschaft in Steingaden stehen gelassen hatte, konnte am Montag abends einer Meldung der„Münchner Neuesten Nachrichten" zufolge in Steingaden bei Einbruch der Dunkelheit f e st g c n o m m c n werden. Graf gestand, die Frau am Etaller Berg erschossen zu haben. Sic hätten ursprünglich den Plan gehabt, gemeinsam in den Tod zu gehen, jedoch habe ihn d c r M u t v c r l a s s e n. Gras hat sich nach der Tat, wie er angibt, zwei Tage in einem Heustadel bei Steingaden aufgehalten und war dann in den Ort gckoinmcn, wo er erkannt und verhaftet wurde. Zuuchmende Trunkenheitöverhafiungen in U. S. A.-Seit Lockerung des Alloholvcrbois durch Zulassung von 3.2prozeutigcm Bier, ist die Zahl der Verhaftungen wegen Trunkenheit im Distrikt von Columbia in stetem Ansteigen begriffen. Im September 1033 wurden 2026 Betrunkene verhaftet, d. i; 67 in einein Tag. Im Staate New 8)ort ist eine Zunahme von 10 Prozent zu verzeichnen, bei Frauen von 27 Prozent. Selbst die Gegner der Prohibition verlangen strenge Maßnahmen vor der Zulassung von gebrannten Getränken. Die Verhaftungen wegen Trunkenheit in Prag betrugen in den letzten zehn Jahren etwa 20 Prozent aller Verhaftungen, im letzten Jahre 3957. Uralte Münzen. In der Nähe eines kleinen Torfes im Kanton St. Gallen wurde, in der Erde eine ausgezeichnet erhaltene Kiste mit etwa 1000 Silber- und Kupfermünze n aus dem 2 u n d 3. Jahrhundert des römische» Reiches gesunden. Diese Kiste ist offenbar die Kasse mit dem Sold, die von der damaligen römischen Regierung an die Abteilung der römischen Legionen geschickt wurde, welche-die Besatzung dieser Gegend bildete. Der Wert der Münzen, die sehr gut erhalten sind, beträgt etwa 200.000 italienische Lire. Immer noch„Nicht-Wähler". Die Essener! „Naiional-Zeitung berichtet, daß in weiten Kroi- sen der Bevölkerung, insbesondere auch unter den Essener SA- und SS-Männern daö Gerücht verbreitet sei, daß 98 Polizcibeamte am 12. November sich der Wahl enthalten oder mit Nein gestimmt hätten. Das Gerücht, erklärt das Blatt, entbehre der Grundlage.„In jedem Falle hat eine Nachprüfung stattgcfunden", heißt cs ganz offenherzig, und cü habe sich herausgestellt, daß alle Polizcibeamte gewählt hätten! nur ent Fall sei zweifelhaft. Er sei d c m M i n i st e r z u r E n t s ch c i d u n g v o r g c l e g t w o r d e n. Eintopfgericht— Gewohnheitsrecht. Di' „Vossischc Zeitung" ist auf folgende Justizkriti gekommen: ,.... Neben den Gesetzen gibt es Gewohnheitsrecht. Das Eintopfgericht ist... nicht durch Gesetz oder Nechlsvcrordnung vorgeschrieben und doch Inhalt einer durch allgemeine Ileber- zeugung begründete RechtSPflicht..." Der Raffen-Humbug Der r e i n c A r i c rl Dieser Begriff hat im Dritten Reich und auch bei unseren Nazis eine so ausschlaggebende Bedeutung gewonnen, daß die Frage Antwort erheischt: Was ist eigentlich ein reiner Arier? Im Sinne des Regimes muß uns darüber ivohl am besten die anerkannteste lvissen- schasilickie Arbeit belehren können, die„Rassenkunde des Deutschen Volles" jenes Haus G ü tt t h'e r, der unbestritten als der erste aller Rassenexperten gilt. Aber wie wird uns? Auf Seite 318 f. dieser Rasscnlunde findet sich, schreibt das„Tagebuch", folgende Anmerkung: „Die Sprachwissenschaft hat früher die indo- germanischcn öfters als arische Sprachen bezeichnet, heute wendet sie die Bezeichnung arisch meist nur auf den indisch-persischen Zweig der iiwogcr- nianischcn Sprachen an. Die Rassenforschung hat in ihren Anfängen die(nicht vorhandene) weiße oder kaukasische Raffe ab und an als arisch bezeichnet, später auch ab und an die Völker indogermanischer Sprache als arische Völker und schließlich auch die nordische Rasse als arische Rasse. Heute i st die Bezeichnung arisch wissenschaftlich unbrauchbar geworden n n d i h r e A n w e n d u n g i st d r i n g e n d z u widerraten, zumal sich in nicht-tvisscnschaft- lichen Kreisen das Wort arisch in noch mehr Bc- dcntnngcn hcrumlreibt, meist in einer ganz ver- schwonuncnen Anwendung auf die Völker, die nicht fcmitischc Sprachen sprechen. Den„Ariern" werden dann die„Semiten" entgegengesetzt. Die Bezeichnung„Semiten" ist aber von der Rassenkunde ebenfalls ansgcgebcn worden, da Menschen und Völker verschiedenster Rassen semitische Sprachen sprechen." Hier wird also bewiesen, daß der Begriff des „Ariers" von dem führenden Rasse-Theoretiker des Nationalsozialismus verworfen wird, und daß demnach die Gesetzgeber und Lehrer, die ihn dcuuvch zum Kern ihrer Gesetze und Evangelien machen, bewußt eine Erfindung, eine Vorspiegelung, einen von ihrem eigenen Wissenschaftler„widerratenen" Humbug in den Mittelpunkt ihres neuen Weltalls fetzen. Der Begriff„Arier" ist nach Günther Ivissenschaftlich „unbrauchbar". Trotzdem brauchen ihn die Herren des Dritten Reiches Tag für Tag zur„wissenschaftliche»" Bemäntelung ihres Beutezuges und zur Erweckung einer Maffenpsychologic des nationalen Selbstbetrugs. Das Denunziantentum in Deutschland. Das Breslauer Soudergcricht hat einen Bericht über seine Tätigkeit seit dem 1. April erstattet. Danach hatte sich das Soudergcricht mit 2116 Fällen zu beschäftigen.' In 155 Fällen wurde das Gerichtsverfahren duhchgesührl, in 195 Fällen muhte das verfahren durchgefuhrt, in 195 Fällen mußte das wurden auf Grund von Anzeigen durchgcführt, von denen nicht weniger als 90 Prozent nicht stichhältig ivarcn. Wie viele aber der 1950 zu lln- rcchl Angeschuldigten, deren Unschuld selbst Hitlers Standgerichte seststellcn mußten, werden vorher durch die ncudeutsclien Foltcrhüllcn geschleift worden sein, und bei wie vielen wird das Ergebnis dieser Denunziation die Vernichtung ihrer Existenz gewesen sein. Das Denunziantentum steht in Deutschland in höchster Blüte, jede Verdächtigung führt zu einem peinlichen Verfahren. Frcmdcnlegionär zum Tode verurteilt. Nach siebcnstündiger Verhandlung verurteilte das Kriegsgericht in Fez den aus Markes in Polen stammenden Fremdenlcgionär Del B/iran zum Tode. Del Baran hatte am 1. Juli 1933 die Gattin seines Hauptmannes Bousques und ihr 12jäh- rigcs Töchterchen ermordet. Spielzeug unterm Glassturz? Da haben sic sich wochenlang bemüht, unsere Genossen und Genossinnen, um ihren Kindern bescheidene Wcih- nachtSfrcudc zu schaffen. Mutter nähte in den Abendstunden Pnppcnklcidcr'aus alten Stoffresten und Vater baute Möbel oder gar einen KausmanitSladcn oder ein Puppentheater und was cs noch alles gibt, durch Fleiß und Geschick bareL Geld zu ersparen und Kinder zu erfreuen. Wenn eS irgendwie noch ging, wurde auch an Geldausgaben nicht gespart. Nun stehen sic da die kleinen und großen Freuden und die Kinder spielen, d. h. sic wollen spielen, denn— und da beginnt die Tragik des Spielzeugs— sie dürfen nicht, weil di' Eltern cS nicht erlauben. Da hat Liesl eine neue Puppe mit schönem Kleid bekommen. Sic darf, sie nicht ausziehcn, weil sonst das Kleid zerreißen konnte. Franzl will voll Arbeitseifer den neuen Malkasten erproben, aber er darf eö nicht, denn die Farben könnten verschmiert werden. Jedesmal, wenn Pepcrl ein Stäbchen seines Matadorbau- lastens bricht, gibt es so viel Krach, daß ihm das schöne Spiel mit der Zeit sehr lästig wird. Das Plastilin im ArbcitSkasten hat verschiedene Farben. ES klebt so gut, daß es im Eifer dcS Spieles ost nicht mehr möglich ist, die Farben genau zu sondern. Ta heißt es oft:„Wenn du das nicht ordentlich wieder hineingibst, so wie es war, darfst du überhaupt nicht mehr damit spielen". Der Laubsägekasten kann auch nur geöffnet werden, wenn niemand zuhause Ist, denn Vater versteht nicht, daß Laubsägen reißen können, außer, wenn er felbft eine abreißt und Mtitter wehrt sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln gegen die große Wirtschaft. An Spielzeug schulen unsere Kinder alle ihre Fähigkeiten, Spielen bedeutet Arbeit für das Kind. Alle die Ereignisse nach Weihnachten, in denen Kinder verhindert werden, das Spielzeug richtig zu gebrauchen, sollen unterbleiben. Spielzeug gehört zum Spielen in die Hand des Kindes und nicht unter den Glassturz. * Xr.7 Mittwoch, 10. Jänner 1934 Dreihundert Meter über dem Tod Man braucht nicht nach dem Weg zu fragen. In stundenweiter Entfernung von der Unglücks» Hätte sieht man auf den sonst so einsamen Feldwegen und Landstraßen Hunderte Heiner Trupps Arbeiter dahinziehen. Radfahrerlolonnen überholen sie, Privat« und RettungSautoS flitzen vorüber und verfchlvindett hinter einer aufgetvirbel- lcn Wolle trockenen, gefrorenen Staubes, der sich beengend auf die Lungen legt. Die schneelose, lahh: Winterlandschaft wirkt unsagbar öde und traurig. DaS Kohlengebiet ist auch an leben- sprühendenSommertagen keine romantische Landschaft. heute schreiten die Proletarier noch dazu mit der drückenden Gewißheit über diese Erde, daß da uirtcl» in hundert, ztveihundert Meter Tiefe allenthalben der Tod lauert. Einmal beißt die Unglücksstätte Humpoldschacht, einmal Dlariahilfzeche. dann ist eS der„Kohinoor" oder der„Nelson zwei". Ueberall da unten werden Arbeiter zerfetzt, verschüttet, verbrannt. Wofür? Für einen Wochenlohn von hundert oder hundert- zwanzig Kronen; für ein bißchen Margarine und Brot; für einen Dreck! Und dann- ist eS plötzlich aus. DaS ge- Ivohnte Weltbild ist zu Ende, das Grauen beginnt. Irgendwo stoßen die Luftschächte gelbe Schwaden aus, die erst noch schwer über den gefrorenen Feldern liegen, bevor sie der Wind verjagt. DaS Tor zum Schachthof ist verschloffen, durch die Latten schauen di« Frauen und Kinder und warten, warten... ES ist am Bormittag nach einer furchtbaren Nacht. Die Straßen der Umgebung sind mit Fußgängern und AutoS überfüllt, um den Mörder als Ankläger Schwarzer See Im DOhmerwowe bedroht Durch den Bau des Elektrizitätswerkes bei Eisenstraß, für welches das nötige Wasser aus dem See geschöpft wird, wurde der Dmnm, in dem sich die Schleuss befindet, beschädigt, so daß sie Wasser durch ließ. Der Damm wurde durch Beton verstärkt, jedoch auch diese Maßnahme half nicht. Der Wasserstand in den» See ist um 1H. Meter gesunken.— Ansicht ans den See mit dem Hydro-ElektrizitätStvcrk. Uebcr ein tolles Stück der parteiischen Justiz im Dritten Reich berichtet die„S o p a d e- Info rm a ti o n": Am 24. Feber 1933 ist in Neisse ein Reichsbannermann Georg Arbeiter getötet worden. Der Schuß wurde von eiitem SA.-Mann abgegeben, der ivenigc Monate vorher noch Kommunist Ivar und beschuldigt wurde, einen Fahnenträger der SA., Edgar Müller, ermordet zu haben. Die„Neisier Zeitung", ein ZentruniSblatt, berichtete damals: „Der Vorfall ist um so empörender, als nach allem, was man hört, der Schütze weder in Notwehr gehandelt hat, noch überhaupt eine Prügelei vorauSging. Wenn der Schütze oder die Schützen Leute gewesen sind, die früher bei den Kommunisten mitgelaufen und dann bei den Nationalsozialisten ausgenommen und in die SA. enigereiht wurden, so ist die Leitung der hiesigen NSDAP., bzw. der SA. von schlvercr Schuld nicht freizusprechen." Bor dem Sondcrgericht in Neisse standen aber am 17. November als Angeklagte nicht die beiden Nationalsozialisten Jüttner und Schröter, die den Mord begangen haben, sondern sechs R e i ch s b a n n e r l e u t e, die bei der Ermordung von Georg Arbeiter Zeugen waren. Die Ansiage lautete auf Landfriedenübruch mit tödlichem AuSgang. Unter den 17 Zeugen befanden sich 14 Nationalsozialisten als Belastungszeugen. Die von dem Offizialvertreter beantragte Der- nehmung von drei weiteren unparteiischen Augenzeugen wurde vom Gericht abgelehnt. Die Verhandlung ergab keinerlei Anhalt, daß die RcichSbannerlcutc zuerst geschossen haben. Keiner von ihnen hatte eine Schnßwaffc bei sich. Trotzdem verurteilte das Gericht den Bruder des Ermordeten zu 2i/, Jahren Gefängnis. Ein Angeklagter erhielt 4 Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, einer 2 Jahre Zuchthaus, zwei Angeklagte je 1 Jahr Gefängnis und einer 9 Monate. Die Mörder stellten die Anklage, die Uebcr- sallcnen saßen auf der Anklagebank und wurden verurteilt. Und daL alles auf Grund von Aussagen einiger Halunken, die als frühere Kommunisten begeisterte Aufnahme in der SA. gefunden hatten... Roosevelt, der Bezwinger des Alkoholvrr- beiß— abstinent. Eine kalifornische Zeitung bringt folgende vom Präsidenten Roosevelt stammende Aeußeruug: Ich selbst trinke nichts, was Alkohol enthält; aber das ist eine rein persönliche Sache. Mir wird es nicht im Traum einfallen, meine eigene Ueberzeugüng andern.Leuten aufzwingen zu wollen, so lange sie den Gesetzen des Landes entsprechend leben." „DaS Recht der ersten Rächt." In dem kürzlich erschienenen 700 Seiten starken Buch „Hoch-Zeit der Menschheit" propagiert der Pg. Rudolf John Gorsleben ein Mittel zur„Aufzucht des Deutschen Volkes".„Eine Frau", schreibt dieser Arier,„Ivird wesentlich durch den Mann bestimmt, dem sie sich in jungfräulichem Zustande hingibt— man nennt diese Tatsache Fernzeugung: die dauernde Beeinflussung aller späteren Geburten durch den ersten Mann, dem sie sich jungfräulich hingab... Auf der Kenntnis dieser Dinge beruht ja auch der uralte Brauch des„JuS primae noctiS", daö Recht auf di« erste Nacht durch den Grundherrn oder Priester, das eine Art der Aufzucht der Bevölkerung zun» Ziele hatte... Infolge dieser Maßnahine ist in vielen Gegenden der Menschenschlag durch die rassisch und geistig höherstehende Standeühcrrschaft veredelt worden." Der Leipziger Dudihandei stirbt! Daß nach der Feststellung des deutschen Instituts für Zeituugötundc die Anzahl der reichsdeutschen Tageszeitungen unter dem Hitler- Regime von 2700 auf 1200 zurückgcgaugen ist, wurde schon vor einiger Zeit berichtet. Wieviel geistige Verarmung diese Verzichte eines Volkes auf die tägliche Juforination bedeutet, braucht nicht besonders betont zu werden. Das Bild wird aber erst abgerundet durch die Statistik des deutschen Buchhandels, von der jetzt ein wesentlicher Teil, nämlich der Jahresbericht de-5 Leipziger Vcr- lagSgetverbes vorlicgt, das gerade für die wissenschaftliche Literatur iu Deutschland überragende Bedeutung hat. Dieser Jahresbericht meldet nüchtern den Zusammenbruch an. Er stellt fest, daß im letzten Jahre 200 Fachzeitschriften eingegangen sind und daß außerdem 2000 dringend sanirrungsbedürstig sind und vordem Ende stehen. Zahlreiche BerlagSfir- m e n, darunter die ältesten' und angesehensten, befinden sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. DaS deutsche Buch Ivar vor Hitlers Machtergreifung ein bedeutender Ausfuhrartikel. Im Jahre 1932 betrugen die Auslandseinnahmen der Leipziger Verleger 283 Millionen Mark. Im Jahre 1933 sind sie auf 125 Millionen gesunken. Don den JnlandSeinnahmen werden keine Zahlen gemeldet. Aber es genügt zu erfahren, daß die Zahl der Arbeitslosen int Leipziger graphischen Gewerbe sich im vergangenen Jahre um 15.000 erhöht hat. Einen Trost freilich kann man mich an- diesen düsteren Zahlen schöpfen: sie beweisen zlvar, daß dem Hitler-Terror die Zerstörung im Dritten Reich gelingt, sie beweisen aber auch, daß die gleichgcschaltcte Lüge und der sklavische Stumpfsinn, den man an die Stelle der Kultnr setzen will, im deutschen Volke keine Aufnahme findet. Der Niedergang der nord- böhmischenStahlwarenindustrie So betitelte sich ein Aussatz in der„Reichenberger Zeitung" von, 24. Dezember 1033. Biel, sehr viel von ieser Schilderung wird von bei, Industriellen wie. auch von den in dieser Industrie beschäftigten Arbeitern als Wahrbeit ancrlannt, leider wurde aber, wie immer, auch biec versteckt der Sozialismus als eine Ursache des Niederganges hingestellt. Die Jahrzehnte hier beschäftigten Arbeiter haben ein gutes, wenn nicht gar das beste Stück Geschichte für Industrie und Industriellen mit erlebt und aus diesen» Grunde vielleicht auch ein Recht, ihre Meinung über die Zustände zu sagen. Die alte Firma Ignaz RöSIerS Nachfolger beschäftigte zirka 200 Arbeiter und eS wird für deren gänzlichen Niedergang„der Sozialismus in der heutigen Form" wahrscheinlich nicht zur Aerantwor- tung gezogen werden können. Dies dürste anch für die Firma.Knoth gellen. In der ganzen Industrie gibt eS heute nicht eine.n einzigen Lehr« k n a b e n u nd Gesellen mehr, denn auch dies« gehören der Geschichte an. Zeine 12-, 20- und mchr- I teilige Messer konnten damals nur von Gehilfen mit 3- bis Ijühriger Lehrzeit hergcslellt weiden, denn eS war QnaliiätS- und Kopfarbeit zugleich. Was war da für Werkzeug erforderlich! Heine ist jeder ungelernte Arbeiter, mitunter auch feine Frau, ein Messerschmied. DaS Werkzeug bitdeir ei n e Zange und ein H a m in e r. Früher sanden unsere Ltes- ser wahrscheinlich der Qualität halber in aller Welt willige Käufer; leider ist seit geraumer Zeit das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, das Messer nicht niehr so fein, aber dafür um so farbenprächtiger in der Beschalung her»»stellen. Außerdem sind von den heutigen Unternehmern nur l oder 2 wirklich gelernte Fachmänner, wahrend vor zirka 30 Jahren jeder infolge seiner Arbeit und seines Unternehmungsgeistes ein Lehrmeister in feiner Werkstätte Isar, wie z. B. Ignaz Röslers Löhne, Josef Drasch«, Meintschel, Hugo Knoth, Julius Pilz nnd andere. Von den heutigen FabrikSbesitzern haben fast alle, eine hohe oder die höchste Schule hinter sich, doch einem Arbeiter zu zeigen, wie irgend etwas bei dem Arbeitsprozeß oder von dcni verwendeten Material zu Schacht herum selbst sind tausende Menschen, die von allen höher gelegenen Punkten der Umgebung aus den Trümmerhaufen hinabschaucn. Auf den, Bahndamm stehen sie in langen Reihen, auf den Halden drängt sich Kopf an Kopf. Alle Schachteingänge sind abgesperrt, überall sind Gcndarmerieposten, die aber keine Veranlasiung haben, gegen eine die öffentliche Ruhe und Ordnung störende Menge vorzugehcn, wie eS schon so oft in diesem Gebiet geschah. Die unerhörte Katastrophe lastet wie ein drückender Alb über der Landschaft und den Menschen und läßt sie alle auf die kleinen Schikanen vergeßen, mit denen man sonst immer den lieben Nächsten beglückt. Da steht eine dichtgedrängte Menge und versperrt den Fahrzeugen den Weg; ein Gendarm versucht Luft zu machen und eS gelingt ihm ohne Viele Worte. Dort laufen einige Leute über den Bahndamm: der Posten vergißt für einen Moment, daß eS irgendeinen Paragraphen gibt, der dies streng verbietet. Der Tod hat uns für einige Augenblicke menschlicher gemacht! Was geht im Schacht vor? Keiner von den Tausenden weiß eS. Nur wenige Tote sind geborgen, eS ist möglich, daß der Großteil der Eingeschloffenen noch lebend heraus kommt, obwohl den unermüdlichen Rettern immer mehr das Gegenteil zur Gewißheit wird. Man hört fast kein lautes Wort. Alles schweigt und wartet. Plötzlich reißt eS alle Köpfe in die Höhe. DaS Förde rr ad bewegt sicht Erst langsam, unregelmäßig, dann immer schneller und schneller. Ein F ö r d e r stuh I tst im Betrieb! In den nächsten Stunden hängen die Augen der Menge immer wieder an dem sich drehenden Rad. Dieses Rad ist die einzige Ver- bindung von der schweigenden Menge zu den schweigenden Toten. Es sind Momente stärkster Spannung, wenn daö Rad auzcigt. daß der Förderstuhl aus der Tiefe wieder emportaucht. Was hat er geladen?! Von einer südlich gelegenen Halde vermag man einen schmalen Spalt der Tür zum Waffer- schacht zu erspähen. Wenn das Rad die letzte Umdrehung macht, sieht man von dort die schwachen Länipchen der Auffahrenden glinuncn. In den Hunderten, die diese Lämpchen zu sehen vermögen, zittert die bange Frage:„W a S haben sie geladen?" In der dunklen Fül lung dikr achtzig Meter entfernten Schachttür blitzt ein greller Lichtschein auf, die harrenden Beamten und Hilfömannschaften drängen sich um die Ocsfuung, noch einmal blitzt der Lichtschein auf und ein Drittesmal— Blitzlicht!— auf der Halde wiffen einige Hundert Menschen, ohne daß ihnen jemand ein Wort sagte, daß im Zechenraum ein zerfetztes Fleischbündel liegt. Eilig saust der Korb in die Tiefe, als könnte er cs nicht erwarten, neue blutige Fracht heraufzuholen. Und zu alldem diese beängstigende Stille, lvkan ist dem Tod plötzlich so furchtbar nahe gekommen, man begreift, wie sinnlos eS wäre, diese Atniosphäre deS Todes mit alltäglichen Redensarten hurchbrechen zu wollen. Gegenüber dem Tor steht ein einfaches alteS Holzkrcuz. Nachbild jenes Marterholzes, an das man denMenschensohn schlug, weil er derWelt den Frieden bringen Ivollte. WaS rief man ihm höhnend zu?:„Bist du Sohn GotteS, dann hilf dir selbst!" Dreihundert Meter tiefer rast der Tod und verschlingt hundert arme, ohnmächtige Menschen. Oben stehen Tausende und starren ans daS rauchende Grab. Sic schweigen und schweigen... Martin Grill. GEDENKET bei allen Anlässen der Arbeitertürsorgel verwenden oder zu beseitigen ist, d a s i st v o n d e n Unternehmern keiner i m st and c. Ob es ihre Wersineister immer können, ist bei manchen auch noch fraglich.- Die Arbeiterschaft von heute, auch die sozialistische, hat und muß ein JMeresse für Gedeih' und Verderb der hiesigen Industrie bekunden und hat bei mancher Aussprache mit den Unternehmern dieses Jniereffe auch bewiesen. Wir entsinnen unS noch der Zeit, wo die Betriebe noch Zwerge waren oder»roch gar nicht bestanden. So wurde z. B. bei der Firma Frenze! um daS Jahr 1887 der erste Anbau mit einen» kleinen Dampfkessel errichtet, währe»»d heute die ganze Nachbarschaft und einige Bauerngüter ihr Eigentum sind. Die Arbeiterschaft steht dagegen trotz der im Artikel der„Reichenbcrger Zeitung" angeführten Genügsamkeit vor einem Nichts. Die in dieser Industrie beschäftigte sozialistische Arbeiterschaft verlangt doch nicht mehr, als für ihre gesundheitsschädliche und dabei körperlich anstrengende Arbeit ihren gerechten, wohlverdienten und z n n» Leben auskömmlichen Lohn. Dadurch kann und wird die Mefferindustrie dem Untergänge nicht ent« gegengehen. Oder glaubt der Artikclschreiber infolge seiner Behauptung,„WaS gäbe nicht jeder organisierte. und Nichtorganisierte Arbeiter darum, um zu den gleichen Bedingungen wie damals arbeiten zu können", daß vielleicht heute alle Arbeiter unter diesen Bedingungen beschäftigt werden könnten? Nun, die Bedingungen von damals toaren für«inen Arbeiter nach dreijähriger Lehrzeit 7 Kronen Wochenlob»». Man brachte eS nach vielem Bettel»» ii» einer Menge von Jahre»» anf höchstens 10 bis 14 Kronen und musst« damit ein« Familie erhalte». DaS Ende vom Lied war, wie die Aerzte bestätige»» können. eine. Ivabre Lungentnberkulose-Epideinie. (Tchleiferkraukhcit.) Niemand' anders als die hiesige Arbeiterschaft wünscht eine Besserung der Ar- beitsmöglichkeiten und man fragt sich umsonst, warum ein Jurist, wie Herr Dr. Rosche, auch keinen A»>Sweg findet oder schnell herbeiführen kann. Mit forNväbrenden 15- und 20prozentigeu Lohnreduzierungen wird in Nirdors wahrscheinlich kein Messerpaket web»' verkaufl, wohl aber mehr Elend bei den Messerarbeitern erzeugt werden.' Die Fachschule für Metall! ii du- st r i e, die zum Nutzet» dec Meiscrerzeugung in Nixdorf errichtet wurde, hat wohl gegen früher an Lchülerzahl zugenoinmen, doch ist eS mindestens zwecklos, unsere Sühne dort äuSbilden zu lassen, den»» die Graveure und Schlosser, die vor dem Kriege diese Schul« verlaffen haben, Ware» gezwungen, sich in Deutschland eine Existenz zu suche»>n»d die nach dem Kriege AuStrctenden sind fast zur Gänze arbeitslos, weil die Messerindustrie die Absolventen höchstens als Hilfsarbeiter ausnimmt.'■ „Im Zeitalter der Maschine und des technischen Fortschrittes, der Arbeit und des Wohlstandes nahm der Absatz ständig zu," heißt eS in dem Artikel weiter. Warum ist e.S denn heute gerade umgekehrt? We»»n,i»n Jahre 1800 8532 Fabriksarbeiter gezählt wurden, so wird«S nicht»nebr lange Hauern und wir können diese Anzahl an einem Siempeltage auf dem Stadtamt« antreffen. Messer werden aber trobde»»» so viel erzeugt wie im Jahre 1890.„Die Arbeiter waren äußerst genügsame Menschen, die für den Sozialismus in der heuiigen Form nichts übrig hatten" wird tveiter gesagt. Wer aber zn jener Zeit in einem Fabriköbe- rrieb, z. B. als Schleifer, Putzer oder dgl. beschäftigt wurde, mußte sich das ganze Werkzeug(Scheiben, Leder, Antriebriemen und vieles anderes mitbrin- gen, die allwöchentlichen Behelfe, selbst kaufen, ja er nnißte noch dazu den Platz von 00 Ztin. Breite und daS Licht wöchentlich bezahlen(Siandpacht). Die Arbeiterschaft hat nach jahrzehntelangen Bemühungen diese schreiende»» llngearechtigkeiten endlich beseitigt und deshalb schreibt das Bürgertum vom „Sozialismus in der heutigen Form"! Durch die geschilderte»» Tatsachen, wofür wir die derzeitige»» lknternehmer nicht berantivortlich mache»» wollen, ist den Messerarbeitcrn die Erkenntnis gekominen, daß nicht ein einzelner, wohl aber die„geschlossene Masse für ihre Obliegenheit«»» auch persönliches Jniereffe" aufbringt. Und deshalb entstand die Organisation. Rührselig wird ii» dem Artikel voi» den selbständigen Messerschmieden gesagt:„Wer kennt sie nicht, wie sie mit ihren zweirädrige»» Handwagen zur Fabrik fuhren". DaS war damals. Und wer kennt sie nicht beut«, die in i t ihre»» Lux n S- autoö durch den Ort rasen? Betrachtet mai» die Betriebe von heute, so fragt man sich un- willkürlich, wieviel Kapital wohl in dieser J»»dustrie i,»vestiert sein mag. Haben das alles die Untemeh- »ner geschasfen nnd habe»» da vielleicht keine Arbeiter mitgewirkt? Nun, die in der Messerindustrie beschäftigten Arbeiter braucht num vor Taschendiebe»» nicht zu Warpen, denn zum Vorschein fäme doch nur eine Unterstiitzungs» oder Le- bensmitielkarte. DaS ne»»nen wir Arbeiter den Kapitalismus iz» der heutigen For»n, denn eine Gemeinschaft der Arbeit und Wirtschaft, welche schönen Worte auch ii» Nirdorf geprägt wurden. kann daS wohl nicht sein. AuS der Erkenntnis der hier geschilderten Tatsachen heraus ist die Arbeiterschaft der Mefferindustrie z»> dem Bewußtsein gelangt, daß sie sich als Mais« füblen muß, uu» ihre Interessen, nach Möglichkeit im Vertragswege mit den Unternehmern, zn vertreten. 6tHt 8 Mittwoch, 10. Hanner 1934, «r. 7 Freuden des KennerverufeS ÄeMvreUender 6tammgaft aM gefräntte flnftOuM Prag, 9. Jänner. Vor einigen Tagen hat in Prag ein Oberkellner Selbstmord verübt. Er batte einen vielbencideten Posten inne; er war Oberkellner eines hochvornehmenNa cht lokal s, in dem sich die sogenannte Creme der Gesellschaft Stelldichein gibt. Motiv der BerzweiflungS- tat: Finanzieller Ruin. Das vornehme Gesindel, das diese Bar mit seinem Besuche beehrt, Ivar ihm derart schuldig geblieben, das; der Rückstand bei seinem Dienstgeber allmählich zu vie- len Tausenden angewachsen war. Der Proletarier im Kellnerfrack sah keine Möglichkeit, von seinen Gästen, den Kavalieren im Abendanzug, auch nur einen Bruchteil des Schuldbetrages einzutreiben. Er hatte zum Unterschied von jenen. E h r g e- f ü ü l und machte seinem Leben freiwillig ein Ende.... In Weniger„erhabenen", aber immerhin„gut- büruerlichem" Milieu spielt dieser Fall, der beute vor den; Strafbezirksgericht zur Verhandlung kani. Ein Stammgast eines jener Lokale, wo sich der „bessere Mitelstaud" zu treffen pflegt, hat den Oberkellner wegen Ehrenbeleidi- g u n g geklagt. Der Herr Kläger hatte sich für die heutige Verhandlung entschuldigt,so das; die Sache vertagt werden musste. Nach der eingcbrachten Klage hat ihn der Oberkellner als„H o ch st a p l e r" und„B e t r ü g e r" bezeichnet. Da die Sachlage nicht offiziell geklärt ist. müssen wir aus prestgese» lichen Gründen, die Anonymität des beleidigten Herrn vorläufig wahren. Interessant ist aber der vom Oberkellner mitgeteilte Sachverhalt. Der beklagte„Ober" hatte den Kläger, der, wie gesagt, Stammgast in,diesem Lokal war. vielfach dabei beobachtet, das; dieser im Laufe des eifrigen Stainmtischgespräches nrit angeseuchtetem Finger, den er mit dem linken Arm geschickt maskierte, stets e t l i ch e S t r i ch e auf seinem Untersatz auslöschte. Das ging lange Zeit so und der Ober getraute sich nicht, dem Herrn Disponenten etwas zu sagen., Leider versäumte er auch, sich für das Weitere dieses famosen Stammgastes Zeugen zu beschaffen. I» diesem Fall läge die Sache natürlich ganz anders. Schließlich aber ris; ihm die Geduld und er nahm sich eines Abends, als der HerrDiSponent wieder einmal einige getrunkene Viere geschickt lvcgge- zaichert hatte, die Freiheit, diskret und unauffällig deren Bezahlung zu verlangen. Der Herr Disponent geriet in mastlose Aufregung., Wa? dem„Kerl"«infalle? usw. usw. Schließlich lief an^ dem Kellner die Galle, über und er sagte dem ehrenwerten Gast seine. Meinung. Dabei gebrauchte er auch die beiden erwähnten Ausdrücke, die der emp- findliche und seiner Ehre offenbar sehr bewusste Stammgast, sofort e i n k l a g t e. Er will„A e- n u g t u u n g" haben. Zur Verhandlung kant die Sache, wie gesagt nicht. Die Aussichten für den geklagten Kellner sind schlecht genug Er hat keine Zeugen, um de» Wahrheitsbeweis zu führen. Er wird also Wohl seine Strafe zahlen müssen, wenn er eS nicht vorzieht, den; feinen Stammgast zu allem anderen auch noch Abbitte zu leisten. Hätte er durch nnanffällige Beiziehung von Augenzeugen sich den Wahrheitsbeweis für die gebrauchten„beleiditzenden" Ausdrücke gesichert, so hätte eS sich der Herr Kläger zehnmal überlegt, zum Gericht zu laufen. Ilnd solche Leute zählen, wie jeder Kellner weist, keineswegs zu den Seltenheiten, rb. » Emigranten? chicksal als Betrugsspekulation Prag, 9. Jänner. Dieser heute vor dem Senat Kaplan verhandelte Betrugöprozest ist ein trauriges Zeitbild. Hitlerdeutschland hat Zehutausende deutscher Menschen erschlagen, erschossen, zu Tode gemartert, zum Selbstmord oder in Wahnsinn getrieben, oder über d i e G r e n z e n ge j a g t. Diese armen Flüchtlinge mussten anster der materiellen Not auch noch vielfache Verunglimpfung der internationalen Reaktion erdulden. Tmnit nicht genug— das Emigrantenschicksal bat hihi auch die k r i m i n ell e n E l e m e n t e mobilisiert. B e- rufSbetrüger haben bereits mehrfach in Ermangelung eines besseren Geschäftes die kargen Zuwendungen der Hilfsorganisationen oder privater Hilfsbereitschaft auSzunützcn verstanden. So dieser Josef Spitzer, ein alter, vielfach vorbesrrafterBetrüger. Er hatte sich einen AuSweisnngSbefehl auS Hitlerdeutschland fabriziert, desgleichen eine Bescheinigung der P o l i z e. i d i r e k t i o n Apolda, nach der er zu einer längeren G el d- u n d F r e i h e i t S st r a f e(natürlich aus politischen Gründen) verurteilt worden sei. Schließlich wies er sogar ein Falsifikat vor, daS ihm die Anhaltung imKonzentrationSlager Jüterbog bestätigte. Mit diesen gefälschten Dokumenten ausgerüstet, machte sich Spitzer an die Ausbeutung vertrauensvoller Mitmenschen. Die Dokumente lauteten freilich nicht auf seinen Namen, sondenr auf den des Schauspielers Franz M u n c- l i n g e r. Sein betrügerisches Aettelgeschäft betrieb Spitzer vor allem bei den Dilettantenvereinen. Vor- tragSzirkeli; u. dgl. Als er eininal einen Smichower Dilettontenvcrein heimsnchte, wurde er durch Leute, die den echten M u n c l i n g e r kannten, des Schwindels überführt. Mit seiner Verteidigung gab sich der heute vor dem Senat K«plan Angeklagte nicht viel Mühe. Er wurde schuldig erkannt und zu sechs M o- naten schweren und verschärften Kerkers verurteilt. rb.' PRAfiEK ZEITUMG Zu Elend, Not und Tod spielen die anderen hoch und falsch... Das ,.P r a g e r M o n i a g s b l a t t" verzeichnete in seiner letzten Nummer die Tatsache, das; in etlichen„führenden Prager Hotels" von „Damen und Herren bester bürgerlicher Kreise" nicht nur nm hohes Geld, sondern zuweilen auch falsch gespielt wirb. Kürzlich sei man zwei angeblichen Wiener Grostkauflcuten auf die Spur ge« kommen, die allabendlich große, durch Falschspiel erworbene Summen davontrngen. Es handelt sich da nm eine Rominn-Gesellsämfi, bei der jeder Partner p r o S p i c l h u n d c r t Kö E i n s a tz leistet; natürlich kommen da in die Tausende gehende llmsätze zustande. Dem Bericht des„Prager Montagsblati" in einiges hinzuzufügen, einiges cnigegcnzuhaltcn. Bor allem kann nicht genug scharf der Ilmstand hervorgehoben Iverden, daß die«besten bürgerlichen Kreise" ihre Langeweile mit Hunderten und Tausenden Kronen erschlagen, während Millionen Proleten von der Arbeitslosigkeit, dein Elend und dem Hunger, Hunderte von jenen Naturelementen erschlagen werden, gegen die die Arbeiter entsprechend zu sichern, eben jene„besten bürgerlichen Kreise" nicht genug Geld zu besitzen vorgcbcn möchten— sie brauchen eben ihre Banknoten fürs Hasardspiel. Nun, wir sind wahrhaftig wenig davon gerührt, lvcnn ihnen irgendwelche gescilsämstssäbige Glücksritter ettvaS von dem Mamnwn abnchmen, indem sic„das Glück korrigieren". Und in diesem Zusammenhang must man sich schon über die Selbstverständlichkeit tvnndern. mit der das„Prager Montagsblatt" die„R ü ck s i ck t aus die Persönlichkeiten der mitspielen» den Partner" zur Kenntnis nimmt, jene Rücksicht, die die Herrschaften von einer Anzeige Abstand nehmen liest. Das„Prager MontagS- blatt ist ja sonst nicht so empfindlich! Es hätte sich also schon das Verdienst crtverben sollen, ein paar solcher„Persönlichkeiten" aus der„besten Gesellschaft" zu nenne n, die Ivahrschcinlich bei jeder Gelegenheit auf die Krise schimpfen und sie ihren Angestellten und Arbeitern fi'ihlen lassen, aber doch genug in(oder ans der Krise verdienen, um a l l a b c n d l i ch ein p a a r D u tz e n d A r beiter-Wo chenlöh ne zu riskieren und sic allenfalls einigen Lumpen, die zur besten Eiescllscbafi zugelassen sind, in den Rachen zu schieben. Natürlich, lvcnn mm; Arbeitern oder Angestellten auf irgendetlvas kommt, dann kennt man die Rückficht auf Ruf und Persönlichkeit nicht I Aber wenn„die Gattin eines Prager Fabrikanten, der Direktor einer hiesigen Bank, sowie ztvei Prager Kaufleute" mit im Spiele sind, da wird man so zart, das; man sogar zwei Falschspieler laufen lässt. Wer weist, wo die Kerle morgen sind und tvaS sie treiben. Vielleicht suchen sic setzt einen anderen unsauberen Erloerb, vielleicht bringen sie morgen ein paar Proleten um ihre sauer verdienten Groschen oder um die letzte Barschaft. Kann man halt nichts machen— deswegen wird man doch nicht dec Ocfscntlichkeit die Fabrikantensgat- tin prciSgeben, sic gar vor Gericht laden! Wocklenfpiclplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 6: Theo macht alles.— Donnerstag 7’-j: Leö PetitS rienS. Der eingebildete Kranke, neu inszeniert.— Freitag 8: Gastspiel Der blaue Bogel.— SamStag 8: Gastspiel Der blaue B o g e l. Vorträge und Veranstaltungen Geschichte als Beispiel Die SPD. Prag veranstaltet zur Zeil im Heim der Deutsckicn sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Närodni irtda l, einen Kursus für die aus Hitler Deutschland emigrierten Sozialisten, der den Gästen der Republik ein Bild der so wechsclrcichcn, I>eivcgtcn I Geschichte der Dsckiechoslowakci vermitteln soll. Genosse Dr. Emil Straus;, der Referent der I. Abends, sprach am Montag über die Geschichte der böhmischen Länder bis 1848. In lebendiger, instruktiver Weise führte er die aufmerksamen Hörer über die Höhen und Tiefen einer geschichtlichen Entwick- lung hinlveg, die in geradezu schulbeispiclhastcr Weise zeigt, tvie sehr Vertrauen in die Güte der eigenen Sache und rähes Ausharren in der Zukunft fruchtbar werden uiust. Hier zeigten sich intereffante Parallelen, die der ideologischen Fundierung der I Emigration nur zugute kommen können. Die Geschichte Böhmens von den expansionssüchtigen Königen über die Hussitenkriege, die Habsburger Herrschaft bis zur Wiedergeburt des tfchccho- 'slotoakistben Staates, ist gleichsam ein Extrakt geschichtlicher Nköglichkcitcn und Enttvicklungöstufen Überhaupt. Der Referent verstand es besonders glücklich, die sozialen Momente dieser Entwicklungsstufen hcraus- zuarbeiten; so schilderte er HuS, nicht den schwärme- risckten Reformator, sondern HuS, den Klassenkämpfer; den Manu, der als Wortführer des niederen Klerus und der Baucrumassen in Front gegen die reaktionäre orthodoxe Klcrikalaristokratie stand. Sein Flannnentod war Märtyrcrtod, Opfersterben im Dienste der Zukunft. Immer wieder waren cö die Masten, das unterdrückie und geknebelte Volk, die im Kamps gegen die herrschende fremde Oberschicht am Gedanken der nationalen Wiedererweckung sesthiclten und ihn vertieften. Auf den Fahnen der tschecho- slowaki'-bcn Neuschöpfcr standen die Gedanken der Hnnianität eingeschrieben, das Gesicht des»'erdenden Staates lvar, wie cs Dr. Stranst sehr klag formulierte,„der Zukunft zugetvandt". Für die reichsdeutschen Hörer war cs tvobl besonders interessant zu erfahren, wie sehr sich in diesem jahrhundertelangen Kampf nationale und sozial-klasscnkämpserische Ge- dankengänge miteinander vermengt hatten und zu einem Gust geworden waren. Die volköbildende Kraft der breiten Massen, ihre innere Treuebercitschaft zu deni, was heute oberflächliche Modcphraseure„Art und Boden" zu nennen pflegen, zeigt sich nirgens sinnfälliger, als in der an Bedauerlich ist aber auch, dast das„Prager MontagSblatt" diese Spieler- und Falschspielergeschichte in einem sehr konstruierten und seh: überflüssigen Zusammenhang mit den Emigranten bringt. Wohl schreibt daS Blatt ausdrücklich. dast Prag in der letzte;; Zeit neben den politischen Flüchtlingen Zustron) auch von kriminellen Existenzen erhalten hat; aber dcnno/ dann vom„Deckmantel bcdaucrnStverten Emigrantentums" zu sprechen,;inicr dem sich„sehr oft" unlautere und unlvillkommcne Elemente verbergen, erscheint nnS doch als etwas leichtfertig oder ungeschickt. Wenn die Prager Bourgeois in Luxuslokalen Hasard spielen und wenn sic dort zntvcilen.cin paar Gaunern in die Hände fallen, so hat das mit den; En;igrantcnt;;n; nicht nur nichts zu tun, sondern eS wird auch niemanden' einfallcn— hoffentlich auch jetzt nicht, nach der Entgleisung deS„Prager MontagSblatt"— unter irgendwelchem politischen Flüchtling einen geriebenen Partner grostborgeoiser Kartcnspieler zu vermuten! Blut, Tränen, Not und schliestlichen Erfolge» überreiche» Geschichte Böhmens. Nun Iverden die Reichs- dentschen verstehen, wie verständlich diesem Volk die soziale Demokratie als Ausdruck nationaler Willensbildung sein must und mit wieviel ablehnender Skepsis cs allen Diktaturexperten gcgenübertritt. Der nächste Kursusabcnd findet am Montag, den lv. Jänner, statt. AiS. Aktives Hören Professor Leo Kestenberg stricht in der„Urania"« Professor Leo K e st e n b e r g, einer von den Feinen, Stillen, Geistigen, die das Dritte Reich vertrieb, begann an; Montag in der„Urania" einen Vor» tragszhklns, der fünf Abende umfassen wird, über das Thema Musik und aktives Hören. Wer Kestcnbcrgö Wirken aus der Weimarer Republik kennt, wer von seinen Verdiensten weist die er sich als Ministerialdirigent in; Prcuhischcn Kultusministerium nm daS musikalische Leben Deutschlands, insbesondere um die Musikhochschule in Berlin erwarb, freute sich in; voraus auf diesen Abend. Denn er war gcwist, ethischen und ästhetischen Genust zu haben und dabei— schlißt nebenher— etlvas zu lernen. Wahrhaft musikalische Eindrücke bedeuten seelisches Nackiempfindcn des Schöpfers. Als Zuschauer, so führte Kestenberg aus, als Teilnehmer und— er fügte cs init schmerzlichem Lächeln hinzu— als Leidtragender kann der Mensch den Geschehnissen deS Lebens folgen. Durch die Kunst, das Kunstwerk lernen wir unsere Sinne brauchen. Mit den Augen eines van Goghs, eines Cezanneö lernen wir scheu. Der Maler gibt uns die Möglichkeit, das Wesentliche einer Landschaft zu erfassen. In der Musik reagiert der Mensch auf Klang und Rhythmus. Die Chinesen gingen so weit. aus reiner Lust am Theoretisieren, auf halben Tönen Staaten aufzubauen und sie dann mit der Astronomie in Verbindung zu hringen. Uns alle interessiert der RhpthmuS, die Foloe von Tönen, das aroste Gebilde der Harmonie, das Gesetz von Spannung und Lösung. Der Rhythmus im Kosmos ist auch entscheidend in der Musik. Kestenberg erinnerte an des prosten Dirigenten Bülows klastisches Wort: In; Ansan- lvar der Rhythmus". An Beispielen aus Beethovens C-Moll-Symphonie, ans der wechsel« vollen Flut ihrer Variationen, die Kestenberg beseelt stielte, versuchte der Vortragende, sein Misten und Wollen um das„aktive Hören" sozusagen praktisch zu erläutern. Eine kleine, aber andächtige Gemeinde folgte den Ausführungen mit grohcn; Jntercste. ItiO dankte Kestenberg zuletzt mit spontanem, herzlichem Beifall. lat. Verclnsnadirlditcn Allgemeiner Angrftelltenverband, Prag. Heute Mittwoch 8 Uhr abends Versannnlung im Gclverk- schaftshauS an; Peröthn. Kollege Kirchhoff spricht über den neuen Eiltlmrrf zum HandlungS- gehilfcngesetz.— Amtsstunden heute von 18 bis 19.89 Uhr im VereinSlokkal Närodni 4, 8. Stock. Warnung vor Betrügern. Der Verband der tfchechoslolvakischen Kriegsbeschädigten, Prag-.Karlin, JnbalidenhnuS, macht die. Oesfentlich- kekit darauf aufmerksam, das; er keine Reisenden bat, welche zu seinen Gunsten Seife, Kalender, Briefpapiere;islv. verkaufen würden, und bittet jeden, welcher in; Namen des BerbandeS auftritt, anzuhalten und der Wache zu übergeben. Mimst und Wissen Vorstellung zugunsten der Hinterbliebenen beb Osseter Grubenunglücks. Sonntag, 11 Uhr vormittags:„P ü n k t ch e n u n d A n t o n". Der volle Ertrag dieser Vorstellung fliestt dem genannten Zwecke zu. Ucderzahlungen und Spenden Iverden dankend entgcgengenommen. Preise Kä 1.— bis 20.—. Wochenfpirlplan des Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch 7: T o w a r i s ch. B. 2.— Donnerstag 7: Der Wildschütz, neu cinstudiert, C 2. — Freitag 714: Towarisch, D 1.— Samstag 7%: Wallensteins Tod, neu einstudiert A 2. »er film Großfürstin Alexandra. Die Mode der Singstarsilme ist schon keine Mode mehr, sondern eine hartnäckige Epidemie. Die tückische Seuche verhindert die Stimmenbcsitzer, ihre Arie einfach heranszuschmetteru,— sie müssen statt dessen erst anderthalb Stunden lang konvulsivische Belvegnngen machen(die nicht einmal als Parodie auf die Schauspielerei der Opernbühne gelungen wären), sie müssen sich durch irgendwelche komischen. tragischen oder tragikomischen Liebeskonflikte zu einem lächerlich-traurigen Zustand arger Verblödung treiben lasten, bevor sie endlich ticfatmend z» ihrem„Schlager" ausholen. Aber dem Zuschauer ist inzwischen der Atem und die Lust längst ausgegan- gen. Er gewahrt mit Grausen, wie durch das ideenlose Festhalten der Filmindustrie an; Ausschlachten von prominenten Opernkrästen der Film nnd die Oper einander kompromittieren. In diesem wienerischen Fall von Säugerfilm- cpidemie zeigen sich die hochdramatische I e r i tz a und der rüstige S l e z a k angesteckt. Wir wünschen ihnen gute Besserung— und dem spassigen S z ö k e. S z a k a l l recht bald eine lveniger schäbige Rolle. (Wävrend der Fall P a n l H a r t;n a n», der sich zum bstndei; Winnetou entwickelt hat, hoffnungslos erscheint). Von dem Inhalt dieser großfürstlichen Ebctra- gödie wollen wir schweige«; lvie voi; einem peinlichen Zwischenfall. Wer heute, in der Zeit des große«; deutschen E»;igrante«;elendö, das Schicksal russischer Hoheiten, die sich nach geschehener Revolution auf ihr litauisches Gut zurückziehen, als„Einigrantcn- los" rührselig und pathetisch dramatisieren will, verdient nicht, einmal, daß mau sein Produkt mit einen; Schiinpflvort charakterisiert.—eis— Die Welt«Ul betrogen werden Das Schlechte bricht sich Bahn: die Idee der Tenorverfilnulng, in Berlin auögcbrütet, in Oesterreich, Italic«; und jetzt auch in Amerika begeistert aufgcnommsn, hat«;un glücklich auch den Weg nack« Frankreich gefunden. Man hat dort allerdings ein bißchen mehr Instinkt und hat n;it diesen„D r e. i Herren im Frack"(wie der ursprüngliche Titel lautet) so eltvaS lvie einen ffch selbst verulkenden Stimmathletenfiln; versucht,— aber da die Lampenficber«, Hochstapler- und Hemvagenwitze dieses WerkchenS nicht wie eine ehrliche Parodie, sondern nur lvie. ein verlegenes und krampfhaftes Ent- schuldigungSmanöver lvirkcn, bleibt uns daS Lachen in der Stehle stecken, in der den Tenorgewaltigen, lvcnn sie ein wenig mehr Einpfindlichkkeit nnd weniger Gagengier hätten, der schmelzende Wohllaut stecken bleiben müßte,— angestchtS des NnsugS, den man mit ihnen treibt. Nun habe«; sie sich schon so ziemlich alle vor der Kamera zum Narren gemacht: die Herren Tauber;n;d Kiepura, Volpi, Joseph Schmidt und Piccaver,— und in diesen; französischen Film hat sich der lyrisch-geschlneidige Tito Schipa hinzugesellt. Nur noch der göttliche Gigli fehlt auf der List«,-— aber da' er sich bereits in Sporthallen produziert hat, düxsten- wir Filni- kesucher auch vor ihm nicht sicher sei«;.(Bon Tmiber kommt übrigens die Kunde, dast er setzt in London einen selbstkonwoniertenSchubertsiln; ins Werk setzen will. Ein Beethovenfilm lväre bester:„Ihr Freunde, nicht diese Töne!...")—eis—. Spml• Spiel• Körperpflege Tagung der Jugcndleiter im Saargebiet. Die durch die Machtvcrschiebung in Deutschland notlvendig gelvordcnc Neuorganisation des Landesverbandes Saar kann atü abgeschlossen gelten. Neue Arbeiten aber harren ihrer Erledigung, nnd da ist eS bedeutsam, dast gerade die Frage der Jugendlichen den Vorrang hat. Sie ist für die Vereine des Saargcbicles um so bcdentsamcr, als gerade die Schuljugend und Jugendlickic«; der nichlglcichgcschaltc- te>; Arbeitervereine bis in die Amtsstellen hinein unter starken Druck gesetzt werden, und den Terror und Voykottmastualnncu in einen; starke«; Maste erliegen. ?lcchtung der Kinder in der Schule, Nichtanuahmc für eine Lehrstelle und Verlust der ArbeitSinöglickiteit sind neben Saalabtreibungen und Einziehung der llcbungshatlen und llcbungsstätten die Hauptmerk- «nale der heutigen gespannten Lage im Saargebiet. Dieser Terror soll mit allen den Arbeiicrsporilern zur Verfiigung stehenden Mitteln gebrochen werden. Des lveiteren soll nach den Beschlüssen der Jugend- leilcrtagung der engere Zusaminenschlust mit der Ge- wcrkschastsjugcud, der Jugend des sozialistischen Schutzbundes und der Sozialistischen Arbciterjugeiktz ermöglicht, im Winterhalbjahr geineinsame Saalver- anstaltungcn und Lehr» und liebungskurse getätigt werden, die in dein Sommersemester ihre Fortsetzung finden in größeren Jugendveranstaltungen. Die stärkste und aktivste Unterstützung seitens des Landcs- verbandsvorstandes wurde zugesagt in dem Bewustt- sein, dast für die Jugend nicht genug getan werde» kann. Die Tagung lvar getragen von; Geiste de» K'aiupfeö gegen den FascisniuS und der Zuversicht, dast der Sache der Arbeiterschaft und damit auch der Arbeiter- Sportbewegung in; Endziel der Sieg sicher ist. Mrnrr Arbeitersußball. An beiden Feiertagen gab es wieder mehrere Fußballspiele. Hclfost spielte gegen'ein Auswahlteam der Liga 1:1(9:0). Ncn- kcttcnhof verlor gegen Donaufeld 1:4(1:0) und scheidet aus dem Cup aus. Weitere Cupspiele trugen aus: Red Star gegen Dianabad S:1(1:1), Ostbahn- HumanitaS gegen Lcrchcnfeld 2:9(9:0).— Sonstige Spiele: Viktoria 10 gegen Strastenbahn 4:3 (2:2), Phönix gegen Neutral 2:2(1:1), E-Wcrk gegen Fav. AC. 3:0(2:0). Phönix Schwechat gegen Eisenbahner Schwechat 6:1, Hclfost gegen Zentral- verein 7:0(1:0), Rudolsshügel gegen Ostbahn-Sim- mering 7:0(8:0). In der Wiener Arbeiter-Eishockcymeisterschost führt derzeit Strastenbahn. welche an; SamStag Mödling mit 6:1 schlugen. Brigittenau und Strastenbah«; habe«; die gleiche Punktcanzahl. die Strastenbahn aber das bestere Torverhältnis. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 10.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 06.—, ganzjährig KL 102.—.— Inserate we'den lm;t Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachlatz.— Rückstellung von Manuskripten crfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zcitungsfrankatur lvurde von der Bost- und Telearavben- direktion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1Ü3Ü bewilligt.—Druckerei:„OrbiS", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag. u 1