Samstag, 13. Jänner 1934 Nr. 10 14. Jahrgang Ehuslirtls 70 IMar (elnschlleffllch 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEIN. MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xn„ fochova u. tiufon sm. Administration trefon sm. HERAUSGEBER■ SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Ildmwchr im Kunde mit Nazis Hauptführer der Heimwehr verhaftet Dollfuss ohne Jeden Anhang Wien, 12. Jänner.(E i g e n b e r i ch 1.) Der ZerfetzungSprozeß in der österreichischen Negierung wurde heute wieder in einem sensationellen Ereignis sichtbar. Dir Polizei drang in den frühen Morgenstunde» in die Wohnung dcö Führers der österreichischen Nazipartei Frauenfeld, ein und traf dort zu ihrer Urbrrraschung nebst einer Reihe von Naziführeni, auch promi- nrnteFührer der Heimwehren. Dir Anwesenden waren bei der A u S a r b e i t n n g eines nationalsozialistischen PntschplaneS für den 30. Jänner. Dir Polizei verhaftete alle und brachte sie zur TtaatS- polizei. Unter den verhafteten Heinnochrführern befindet sich der niedrröstcrreichische LandcSführer A l- br-rti, der engste Mitarbeiter Starhembrrgö. Alberti war noch gestern abends von den Heimwehren zuni Jnstizminister auSersrhcn worden. Auch der frühere Chefredakteur deS offiziellen österreichischen RaziblatteS, der Hakenkreuz» lerische BundrSrat S chattenfroh, wurde bei der Putschberatung verhaftet. Schon die erste Untersuchung ergab, daß zwischen den Heimwehren und den RaziS außrror- dentlich weitverzweigte und offizielle Berbin- düngen bestehen und rS wurde notwendig, fast alle maßgebenden niederösterreichischen Heimwehr- führcr zur Polizei zu bringen. Der Heimwehrführer Alberti wurde biS zu»? späten Abend auf der Polizei zurüikbehallrn, dann wurde rranf freien Fu st gesetzt und begab sich, gemeinsam mit Starheniberg, zu einer Führersitzung. Dort wurde ein Referat über die Vorfälle erstattet, nach wrlchpm Alberti vorläufig seine Jührerstrlle zurüikirgte und diese mit Zn- stimmung StarhembergS einem gewisse» U u b a- eek übergab. Rubaert ist jener Mann, der vor vier Tagen erst eine sensationelle Rede gegen die Vaterländische Front gehalten hat. In dieser Red» hat er dir RaziS deutlich seiner Svinpathien versichert. Seine Ernennung zum Nachfolger Albertis bedeutet daher nicht weniger als eine kaum verhüllte Rebellion der Heimwehre» im RegiernngSlager. Die Heimwehr fetzt jetzt ganz offiziell ihre nationalsozialistischen Verbindungsleute an ihre ersten Führerstrllen. Im Regirrungslager herrscht über diesen v ö l l ig r n A u f l ö s u n g S p r o z r h furchtbare Bestürzung. In den Abendstunden trat der Klub der llbristlichsozialrn Partei zu einer Sitzung zusanunrn In der, wie ntan hört, frstgelcgt wurde, dasi unter solchen Umständen von einer Selbstauflösung der Christlichfozialen Partei vorläufig nicht dir Rede sein könne, da dir Vaterländische Front, für deren Zlrrntrnppen man dir Hrimwehrrn hielt, nun eine durchaus unsichere Einrichtung wurde. Riederlrgung seines FührerniandateS partrioffi- zirll zugegeben wird. Daö politische Ergebnis aller dieser Ereignisse bedeutet die Klarstellung, dasi n n n h i n t c r Dollfuß offenbar überhaupt kein Teil deS östrrreichifchenVol- I e S m e h r st r h t. Daß zwischen ihm und de» Christlichfozialen seit langem schon schwere Spannungen bestanden, ist bekannt. AlS seine treuesten Anhänger hat er die Helmwehre» auögcgeben, dir sich nun als getarnte RaziS entpuppt haben. Oesterrelchlsche Nazi wollen In die Tschechoslowakei Wieder abgefchobrn Im Laufe des Donnerstag ist Ivicderum eine aus 3O Personen bestehende Kruppe österreichischer Nationalsozialisten nach Ungarn gekommen. Von den in Pmka-Mindszcnt internierten Nationalsozialisten haben einige daö Ersuchen gestellt, nach Oesterreich zurücktransportiert zu Iver- den. Sie wurden gestern vormittags freigelasscn und von Grenzorganen bis zur österreichischen Grenze znrückgeleitet. AuS B r a t i s l av a wird unter dem 12. Jänner amtlich mitgeteilt: Freitag, den 12. Jänner. nach 7 1lljr früh, trafen" in PetrZalka neun Mitglieder deS Strenicr freiwilligen Arbeitslagers ein, die, Donnerstag, den 11. Jänner, nach Ungarn gefluchtet tvaren. Um 10 Uhr vormiUagö träfen weitere fünf Mann aus dem gleichen Lager ein. Alle 14 wurden auf dem Bahnhof perlu- striert und cö wurde ihnen mitgcteilt, das; sie wieder nach Ungarn zurücktransportiert werden, von wo sie gekommen waren. Drei von ihnen forderten selbst den Rücktransport nach Oesterreich, die II anderen, darunter auch der Architekt Mater- Dir Negierung hat ausdrücklich verboten, über die Vorfälle des heutigen Tages irgendetwas zu berichte» und hat auch die Ausländskorrespondenten gewarnt, einen Bericht an ihre Blätter zu geben. Bezeichnenderweise.hat aber die Hcimwehr selbst auch diesen Plan der Regierung bereits durchkreuzt, indem sie am späten Abend ein offizielles Partri-Kommunigiie auS- sandte, in welchem dir Verhaftung Albertis we-. gen der Zusammenarbeit mit Frauenfeld und dir> n a, wurden nach llnaarn zurückgekchafft. {Henleins Mitarbeiter verhaftet Haussuchung bei Henlein AbrQsluntskonlcrcnz nächsten frei: aß Simon unterrichtet Henderson London, 12. Jänner.(AR.) Der britische Außenminister Sir John Simon staitete gestern dem Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz Henderson in dessen Wohnung einen Besuch ab und informierte ihn über die gegenwärtige Lage, die sich aus den nunmehr auf diplomatischem Wege im Zuge befindlichen„gleichzeitigen und ergänzenden Bestrebungen" ergibt. An dem Besuch beteiligte sich auch der Direktor der Abrüstungsabtei- lung beim Völkerbund A g h n i d c s. Im Laufe der Besprechungen informierte Henderson den britischen Außenminister über die Nachrichten, die er in der Frage angemessener Garantien kür die lohalc Durchführung der Abrüstungskonvention erhielt, worüber er auf der Konferenz referieren wird. Henderson deutete an, dast er ivahrsckcinlich am Dienstag nächster Woche auS London abrciscn werde. Er wird seine Reise in Paris unterbrechen und dann am Mittwoch die Weiterreise nach Genf antrcten. Henderson hofft, dast das Büro der Ab- rüstungökonferenz am Freitag wird zu einer Sitzung zusammentreton können. Sie fürchten die Leiche des zeugen! Der Leichnam van der LubbeS muß in Deutschland bleiben. ES wird bekannt, daß die deutschen Behörden die Auslieferung der Leiche van der LubbeS nach Holland verweigert haben. Man will den Leichnam ohne Zeremonie in Leipzig begraben. DirS bedeutet, daß die RrichStagSbrandftifter selbst den toten van der Lubbe noch fürchten. Er selbst koimte nicht sprechen, tveil man. ihn vergiftet hat? aber sein toter Körper könnte noch reden: er enthält Spuren des Giftes. Und darum darf er nicht über die Grenze. Tie holländische Negierung hat allerdings durch ihren Berliner Gesandten die Auslieferung deS Leichnams verlangt. Es ist aber nicht zu erwarten, daß die NeichtstagSbrandstiftrr diesem Begehre» nachkouuv«werden. Sie setzten allzuviel auf- Spiel. Prag, 12. Jänner. Fast alle engeren Mitarbeiter Henleins wurden verhaftet und dew KreiSstrafgericht in Prag rtngrlirfert. Der Verhaftung gingen Haussuchungen iv der Wohnung des Herrn Henlein in Asch un? in der Zentralstelle der Sudetendeutschen Heimatfront in Eger voraus. Es wurde viel Materick, beschlagnahmt. Darunter war die Einladung z- euer Sitzung aller engeren Mitarbeiter Henleins in einem Holleschowiyer Gasthaus. Einige Mitarbeiter Henleins fanden sich am vergangene'/ Mittwoch dort ein und Ivurdcn verhastet. Es Han, di.lt sich um Oskar K u h n, Dr. K ö l l n e r und um Henleinö Pressechef Dr. Sebekowski aus Eger. Auster diesen drei Leuten wurde im Zusammenhang mit der Strafsache gegen Dr. Walter Brand der Direktor des Deutschpolitischen Arbeitsamtes, Herr Ernst Kund t. verhaftet Kundt war mit dem verhafteten W. Brand eng be- neichshischoi hei der Oestepo Berlin, 11. Jänner(Jnprest). Der Reichsbischof Müller hat in Hannover den> ersten! ReichSbischof, von Bodelschwingh, getroffen, der! bekanntlich auf Nazidruck Mitte des vorigen! Jahres zurücktrat. Die Aussprache hat kein positives Resultat ergeben. Man erfährt, dast Müller seit einigen Tagen Besprechungen mit den: Inspektor der Geheimen Staatspolizei, Dr. Diehls, führt. ES ist wahrscheinlich, daö der ReichSbischof versucht hat, eine staatliche Intervention im Kirchenstreit durchzudrücken, die auf das Verbot deS Pfarrnotbundes und damit auf die Erstickung der Opposition abzielt. Für den Augenblick hat er mit seinem Vorhaben einen Erfolg nicht" gehabt; die 1600 Pfarrer,' die von der Kanzel den Protest gegen den Reicksbischof verkündet haben und die entsprechend eines früheren Erlasses hätten suspendiert werden müssen, zeigen sich nicht im mindesten beunruhigt. Die Zahl der Pfarrer,'die die Autorität deS ReichSbischof- nicht anerkennen, wird gegenwärtig !(udiibc'. and ist als einer der geistigen Urheber der Hcnlcinbetvcgung zu bezeichnen. Beide waren Mitglieder des KameradschaftSbundeS. Die amtliche Meldung besagt: „Im Zusammenhang mit der Untersuchung der Strafsache Dr. Walter Brand und Genossen, die I strafbarer Handlungen nach Paragra>-hen 2 und 17 Sebekowsku, Wohnhast in Eger, als verdächtig ! and, wurden verhaftet und in die Hast des KreiS- ! ,rafgcrichteS in Prag eingeliefert: der NOjährig- ! JUDr. K ö l l n e r Friedrich, wonhaft in Prag VH, NK. 1 115 u Smallovnh, d/r Lstjnhrige Kuhn Oskar, wohnhaft in Prag 91,. 2.283 Peruckä, der !87jährige Ernst Kundt, wohnhaft in Prag-Podoli !>kl. 2.250 und der 28jährige JUDr. Wilhelm SebekovskU, wohnhaft in Eger, als verdächtig strafbarer Handlungen nach Paragraphen 2 und 17 des Gesetzes zum Schutze der Republik. DaS be- ! schlagnahmte Material wird geprüft und die Unter- ! nachung fortgesetzt." auf rund 0000 geschätzt. Ihre gesamte Entsetzung dürfte einige Schwierigkeiten bereiten; es wird schwierig sein. 3000 Pfarrer zu finden, die dem Bischof genehm sind. Verhaftete Plärrer Pfarrer Rzadtki aus Schneideniühl ist im Einvernehmen mit dem Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin ani Donnerstag in Schutzhaft genommen worden, tveil er sich„verantwortungslose Angriffe" gegen einen hohen Staatsbeaniten bat zuschulden kommen lassen.— Der evangelische Pfarrer Bueltc meier wurde von bet*' Geheimen Staatspolizei verhaftet. Er hatte seinen Konfirmanden untersagt, den Hitlcrgruh anzn- tvenden und Acustcrungen über den KultuSmini- ster Rust getan, die als Beleidigung äufgefastt lvnrden: Der Domherr H e stier ans Stein ach bei Schweinfurt wurde verhaftet und einem Konzentrationslager zugeführt.— Der Vikar Joseph S t e l z l e aus Traunstein- in Oberbayern ist auf Grund einer Predigt verhaftet worden. Der Kampf um die Waffe Vor der Antwort Berlins Der Kampf um die Waffe ist noch nicht an: Ende, aber er ist bereits in seine Endphase cin- gctreten. Die entnervenden, ermüdenden, verworrenen Verhandlungen von letzten Monaten und Wochen nähern sich ihrer letzten Etappe. Noch der Jänner kann die Entscheidung bringen. vielleicht sogar die endgültige Entscheidung. Wiederum wird die Aussprache direkt zwilchen Berlin und Paris geführt, aber, diesmal anders als vor sechs Wochen, als Berlin durch die direkten deutsch.französischen Verhaud- lunaen das Versailler Ttaatensystcm auslockerr ..ao die Verhandlungen in- Gens verhindere wollte. Die jetzigen Verhandlungen sind durch die Initiative Berlins zustande gekommen, heute, vor ihrem Abschluss, hat Frankreich die Initiative an sich gerissen. Frankreich stellt Fragen und legt Bedingungen vor. Berlin muss Antwort geben. Die französische Initiative beruht auf drei wichtigen Faktoren: dem Bündnissystem, der starken diplomatischen Position, der günstigen innenpolitischen Lage. Der Kampf um die Waffe ist ein ganz besonderer Kampf. Er enthüllt auf die gröbste Weise die gewaltsamen Konsegucnzen und Hintergründe der sascistischen Aussenpolitik. Die Waffen sind die letzten Mittel der Aussen- pdlikik, aber wir sind bereits-so tveit, dass der Kampf um die Waffen zur Voraussetzung und treibenden Kraft der sascistischen Austenpolitik geworden ist. Der Fascismus braucht die Masse, zunäcksst um den aussenpoli tischen Druck, den er ausüben kann, zu Steigern. dann, wenn das nicht genügt, direkt sic anzuwenden. Aber ob ihm die Waffe gestattet wird, ist wiederum eine aussenpolitische Frage, die Frage nach der Unterstützung durch Vor bündele und Gönner. Die Frage steht brutal und offen: wer isoliert wen? Hitler will Frank reich durch die direkten Verhandlungen mit Polen, durch die Fühlungnahme mit Italien und England isolieren. Frankreich will die Kräftelagerung vom 1». Oktober einen Tag nach Hit lers Bruch in Gens herstellen, als, allerdings nur wenige Tage, gegen deutsche Ausrüstungsforderung und aussenpolitische Methoden die geschlossene Front stand. Die Bestätigung der Unterstützung durch Belgien und die Kleine Entente liegt bereits vor. Inzwischen haben auch Roosevelt und Litwinow gesprochen. Roosevelt bat unmissverständlich von kriegslüsternen Störungsfrieden gesprochen und von den durrli die„Führer" verführten Nationen. Litwinow war noch deutlicher. Er hat Hitler und Neu rath das ungarische Verhalten vorgeworsen und Stellung gegen die Revision der Verträge ge nominen: „Es sind auch solche Entwürfe einer„gerechten" Revision bekannt. die die Befriedigung der territorialen Appetite der besiegten Staaten auf Kosten solcher Länder vorauöschen. die wie z. B. die Baltischen Länder oder die Sowjetunion mit dem Versailler Vertrag mctits zu tun haben und niemanden lingerechtigleiten angetan haben. Ick tveist nicht ob diese Vorstellung von Gerechtigkeit und Moral nicht vielleicht:>.«! Hottentotten stammt, arischer Herkunft ist sie jedenfalls nicht." Der„Petit Parisien", der dem Avssenmini- sterium sehr nahe steht, berichtete in diesen Tagen, dass die Bedingungen, die Frankreich in der Abrüstungssragc Hitler vorschlägt, im Einvernehmen mit der Stellungnahme nicht allein der Tschechoslowakei, Belgiens und Polens, sondern auch der Sowjetunion formuliert wur den. Nach der Rede Roosevelts und Litwinows sckriev das führende radikale Blatt das „Oeuvre":„Wir werdens gegen Deutschland durch die Sowjetunion und Amerika unterstützt." Inzwischen ist ein grosser Erfolg der französischen Diploinatie auch aus dem Balkan zu erwarten, wo Her Beitritt Bulgariens zum Balkanpakt bcvorsteht, wodurch sein Austritt aus Geile 2 SamStag, 13. Jänner 1034 9t. 10 Wichtige Aendermigcii des Berggesetzes Erhöhung der Sicherheit der Gruben Heranziehung der Betriebsräte zur Ueberwachung dem revisionistischen Block besiegelt wird. Ungarn und Italien verlieren dann den eventuellen Verbündeten int Rücken dcS jugoslawischen Gegners, und dein Herrn Rosenberg, der noch vor kurzem an die Treue der bulgarischen Was- fcnbrüdcr appellierte, wird der niit deutschem Blut getränkte Weg nach Stambul und Bagdad versperrt bleiben. Das große Ungewisse für die französische Politik bleibt England. Aber Englands Haltung wird nicht zuletzt durch den Standpunkt der französischen Diplomatie be- stinunt werden.~_ Die Position der französischen Diplomatie ist sehr vorteilhaft. Sie wird durch die Parole bcstimnit: Genf und Slbrüstung! Da§ heißt: Verständigung im Rahmen der AbrüstungSkonfc- renz und des Völkerbundes auf Gnind der Nichtzulassung der deutschen Aufrüstung. Indem Frankreich sich mit den Friedensinstitutio- ncn von Genf gleichsctzt, diese in Bewegung bringen will und sie gegen den deutsch-italienischen Sturig und die englische Lauheit verteidigt. gewinnt es fiir sich die entscheidenden Faktoren der öffentlichen Meinung. Noch günstiger ist die Position Frankreichs in der Frage der Nichtzulassung der deutschen N u f r ü st n n g. Ter deutsche FasciSmnS versuchte zunächst die Sache so vorzustellen, das; er- für die Abrüstung und Frankreich für die Auf- rüstung auftritt. Indessen hat der Ausrüstungsvorschlag Hitlers gezeigt, das; das Dritte Reich sich mit der schweren Rüstung Frankreichs abzufinden bereit ist, wenn cs selbst zusätzliche Auf- rüstung erhält. Damit hat cS sich durch diese Selbstcntlarvung in eine sehr peinliche Lage versetzt. Frankreichs Gegenschlag war ebenso geschickt wie wirksam: Bereitschaft zur zusätzlichen Abrüstung bei der Garantie der Nichtaufrüstung Deutschlands. In den französischen Bedingungen, die Francois Poncet Hitler überbrachte, erscheint wiederum die A u f l ö s u n g d e r SA im Bordergrilnde und daneben die Jnlernatio- nalisicrung der Lnftsahrt. Hier liegt der springende Punkt. Die große militärische Hoffnung und Chance des deutschen FascismuS ist die Luftwaffe. Nach Goerings Auffassung liegt Deutschlands Zukunft in der Luft. Frankreich will dagegen die Luft entmilitarisieren und ist bereit, wie die gut informierten Quellen der-1 sichern, die Hälfte seiner Luftflotte abzubaucn, falls Deutschland die Internationalisierung der Luftfahrt akzeptiert. Diese Abrüstungspolitik bietet Frankreich drei wichtige Vorteile: sie ist am besten geeignet, als Prüfstein der wahren Absichten des deutschen Fascismüs zu dienen; sie bietet die besten Chancen auf die breiteste inter- nationale Unterstützung. Gegen einen bewaffneten und präventiven Frieden,>vic ihn Hitler vorschlägt, den befristeten Frieden in Waffen, der nur so lange dauert, bis man mit der Auf- rüstung fertig wird, wird sich Frankreich mit allen Mitteln wehren. Wie gesagt: noch im Jänner kann die Entscheidung fallen. Wird es zu keinem Kompromiß kommen, dann bleiben imr zwei Wege möglich: entweder Sanktionen gegen Deutschland, wenn England mitniacht; oder allgemeiner Kurs auf die Aufrüstung, mit allen sich daraus ergebenden Folgen. A. Sch. Prag, 12. Jänner. Wir offtziell gemeldet wird, hat der KoalitionS-SicbenerauSschuß deS VerfassiiiigoanSschussk- in den beiden letzten Tagen dir Rovellrzum Berggesetz, die bereits ini Juni 1032 vom Senat angenommen worden war, einer nennt Durchberatung unterzogen»nd darin wichtige re Aenderungen vorgrnommen. Im KoalttionSausschutz, dem sowohl Antrüge der zustündigen Ministerien, wie einzelner Auoschusimitglirder Vorlagen, wurde riu U e v e r e i n k o ni m e n über diegrund- s ü tz li ch r n B e st i m m ii n g e n erzielt, das vor allem bezwecken soll, die größtmögliche Sicherheit der in den Gruben Beschüstigtrn zu erreichen. Die Ergebnisse dieses Uebrrcinkommrns werden alS Antrag der Koalition Gegenstand der Verhandlungen des Lnblomitero und drv Plenums des verfassungsrechtlichen Ausfchnssro am Höchsten Montag sein. * Heute nachinitagS trat ein RedaltionSkomi» tee, bestehend aus den Abgeordneten Brojik und P a t e j d l und Vertretern der Ministerien zusannncn, um den endgültigen Text der Vorlage fcslzulcgen, der morgen erst noch dem Müiistcrrat vorgelegt werden muß. Die Novelle in ihrer voraussichtlichen Form sieht außer der Erhöh» u g derSichcr» h e i t durch Verschärfung der Aufsicht über die Gruben vor allem auch eine st ä r l c r c H e ran» ziehungderBetricbS« undRevier- r ä t e zur llebprivachung der Sicherheit auf den Grube» vor. Neu stilisiert wird u. a. der 8 171 deS Berggesetzes, der die Pflicht der llnternehmer statuiert, alle technisch m ö g l i ch e n Berfügun- g e n zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten und zur Sicherstellung der ersten Hilfe zu treffen: Herr Löcker Im Gefängnis Beschwerde» über die Haft unbegründet. Brüx, 12. Jänner. Zu den Meldungen einiger Tageszeitungen über angebliche Mängel bei Durchführung der Hast der im Zusammenhang mit der Katastrophe auf der Nelsongrube in Untersuchung stehenden Personen, gibt das Präsidium des Kreisgerichtes in Brüx u. a. bekannt: „Bon den in Haft befindlichen führenden Be- awten des Verwaltung der Nelsön-Grube'ist Ge- neraldittltor Dr. Löcker allein untcrgebracht; Jng. Karlkk mit Rücksicht auf seine Krankheit befindet sich in der GefängniS-Krankenabtei- lung zusammen mit zwei andere» kranken Häftlingen. Von den übrigen ist jeder bloß mit zwei anderen Häftlingen untergebracht, u. zw. mit politischen Delinquenten und ferner mit einer Person, die sich-einer Strafhandlung kleineren Ausmaßes schuldig geniacht hat. Niemand von diesen in llntersuchung befindlichen Personen hat eine Beschwerde über irgendwelche Mängel bei Ausübung der Hast vorgc« bracht. In der GefängniSanstalt des Kreiögerich- tev von Brüx ist Zentralheizung eingesührt und die Temperatur in den Gefängnisräumlichleiten wird auf angemcsiener Höhe gehalten. Der§ 221, der die Kompetenz der Bergbehörden regelt, wird dahin ergänzt, daß a u f b e g r ü n- deteS Ansuchen deSBetriebSrates die Bergbehörde ohne Verzug eine Untersuchung der Grube durchzuführen hat. Wurde dem Gnibeneigentünier zur Behebung eines Mangels in den Eicherheitsmatznahmen eine Frist gestellt, so hat sich die Bergbehörde nach Ablaus der Frist sofort zu ü b e r z e u g e n, ob der Mangel tatsächlich behoben wurde. Zu jeder Untersuchung der Grube hat die Bergbehörde auch einMitglied deS Betriebs» rat es beizuziehcn; ebenso hat die Bergbehörde in einem solchen Falle dem Betriebsrat ohne Verzug die getroffenen Verfügungen mitzutcllen. In einer Ergänzung zu 8 224 werden die politischen Behörden verpflichtet, auf Ersuchen der Bergbehörden Zwangsmittel zur Vollziehung der Verfiigimgen und Anordnungen der Bergbehörden anzuwenden. Sine Reibe weiterer Befttuunungen erhöht dieStrafsätz« des Berggesetzes noch über das in dem erwähnten SenatSbeschlnß vorgesehene Maß hinaus. Die in dem Senatsbeschluß für gewisse Fälle vorgesehene Einsetzung eines Zwangsverwalters soll auch auf den Fall ausgedehnt Iverden, daß der Berglverkübesitzer trotz Aufforderung Mängel an denSicherheitSvor» kehrungen nicht beseitigt, oblvohl diese daS Leben oder die Gesundheit der Beschädigten gefährden. Ferner soll die Regierung in einer Resolution aufgefordert werden, daS Betriebsrätegesetz so zu ändern, daß diejenigen Mitglieder des Betriebsrates, die zur Mitwirkung bei der Grubeninspcktion bestellt sind, in ihrer wirtschaftlichen Existenz lvor allem gegen Entlassung; gesichert werden sollen. Wie bereits mitgeteilt, hat die RatSkam- mer deS Brüxer KrciSgcrichteS die Haftbeschwerde der im Zusammenhang mit der Nelson-Katastrophe verhafteten Personen abgcwiescn. Gegen diese Entscheidung der Ratökammer wurde nun von den Verhafteten die Beschwerde an daö Obergericht I in Prag eingebracht. Der Landespräs dent in Drill Dux, 12. Jänner. Landespräsident Dc. So- hotlg, SektümSchef dcS Ministeriums des Jn- ncrn N u c und..der. Vorstand der Abteilung 7. deS LändeSamteS, Rat Dr. Kukera, trafen Freitag 1» Angelegenheit der Unterstützungen der Familien, die durch die Katastrophe auf der Nelsongrube betroffen wurden, in Brüx ein, einerseits nm sich zu informieren, andererseits zum Zwecke von Beratungen mit dem Dezirkshanpt- mann über den bisherigen Stand der Untcrstüt- züngsaktion sowie über deren weitere Ausgestaltung.>.,. Der„Beier" teilt mit sichtlichem Vergnügen mit, das; in Sonneberg bei Böhm.- Leipa der Gemeindevorsteher Haase und zwei Mitglieder der Gemeindevertretung, die Brüder I G ö t t l i ch, lvegen Malversationen bei der Er- I nährungSallion verhaftet lvurdcn. Hinzugefügt wird noch, daß die beiden Göttlich sozialdemokratisch organisiert waren. Der„Bcöer" hat er sich serh leicht gemacht. Er unterließ ganz einfach die Mitteilung, daß der Vorsteher H a a r c Mitglied dcS B un des der Landwirte, also ein Agrarier war und elcnsowenig glaubt er sagen zu müssen, daß die Unterschlagungen zu einer Zeit erfolgten, lvo eS-in Sonneberg noch keine sozialdemokratische Organisation gab und eine Kontrolle der Vorgänge für die Partei unmöglich tvar. Bon den Unregelmäßigkeiten wußte man damals noch gar nichts. Nach Bckanntwerden der Verfehlungen hat die Lokalorganisation Sonneberg die beiden Göttlich, sclbswcrständlich sofort ausgeschlossen. Es wäre'also besser gewesen, wenn sich der„VeLer" an«ine andere Adrxsse.gewandt hätte, naaiMBnHaManaaBMMBa« rr r Milliarden wc Passtvum des britischen Außenhandels. London, 11. Jänner.(AR) Der britische Außenhandel im Jahre 1983 schließt mit einem Pafsivum von 260,354.000 Pfund Sterling (285,625.000 Pfund im Jahre 1932). Der Gesamtumsatz betrug 1.092,849.000 Pfund Sterling(1.117,715.000 im Jahre 1932). Französisch-russischer Handels vertrag perfekt Paris, 11. Jänner.(HavaS) Das franzö- sisch-russifche Handelsabkommen Ivurde Don- ncrötag mittag im Außenministerium von dem Sowjetbotschafter Dowgalewfli und dem Leiser der russischen Handelsvertretung Ostrowski einerseits, sonne dem frauzösisckien Außenminister Paul-Boüconr, dem WirtschaftSministcr und dem UnterstaatSsekretär für Volkswirtschaft Ratzmond Patenotrc anderseits unterzeichnet. Außenminister Paul-Bouncour erklärte an- «fchließend Pressevertretern, daß dieses Abkom- men den Abschluß zweijähriger Verhandlungen darstellc. Die Unterzeichnung deS Abkommens sei nicht nur für die WirtschaftSinteressen der beiden Länder, sondern auch für die allgemeine Politik von Bedeutung. 476 2ahre Zuchthaus. 117 Jahre Gefängnis Paris.(Jnprcß): Nach einer Zusammenstellung des BerteidigungSkomiteeS sind allein im Monat Dezember 1933 von deutschen Gerichten Urteile über insgesamt 476 Jahre Zuchthaus und 117 Jahre Gefängnis gefällt worden. Die Arbeiter Sender und Lindau in Hamburg, sowie der Arbeiter Pischon in KottbuS wurden, ebenfalls im Dezember. zum Tode verurteilt. Die Zahl der politischen Prozesse in diesem einen Monat beliefst^ auf 30, die Zahl der Angeklagten auf 300. Am häufigsten erscheint daS Delikt der Borbereitung des Hochverrats. Es bezieht sich nicht nur auf jede illegale politische Tätigkeit nach der Machtergreifung Hitlers, sondern auch auf frühere, damals legale politische Arbeit im antifasci» stischen Sinne. Hinzu kommen LandfriedenSbruch, Verbreitung von„Greuelmärchcn",„Totschlag" und selbst„Mord" an SA-Mitgliedern, die jahrelang zurückliegen. Zeugen mit phantastischem Erinnerungsvermögen belasten die Angeklagten. Finden sich aber doch noch Zeugen, die entlastende Aussagen machen, so tverden sie im Gerichtssaal selbst wegen Verdachts der Mittäterschaft verhaftet. Die GcrichtSröume werden von SA. bewacht und herrscht. Roman von Felix Fechenbach 56 Der Puppenspieler i«i Auch für die Gründung eines selbständigen Gewerbes tvar die Abfindung möglich. In solchen Fällen mußten aber Garantien gegeben sein, daß der Abgefundene später dem Staat nicht zur Last falle., Das tvar nun wieder ein Ivichtiges Problem, das Hans mit Gretl eingehend erörterte. Wenn er sich avfiuden ließe, dann könnte er gleich den Auto- Wvhuwagcn bauen lassen. Dazu tvürde die Abfindung sicherlich reichen, und sie brauchten dann nicht jahrelang warten und sparen. „Das tvär sein," jubelte die Gretl, die den Auto-Wohiitvagon schon im Geiste vor sich sah. Sie sprachen nun eingehend darüber, wie der neue Wagen tverden solle, und tvie ihn Gretl ausstatten tvürde. Aber o einfach tvar das alles nicht. Das Bcr- sorgungsamt mackNe noch Schlvierigkeiten. Schließlich gelang cö aber.doch, das Abfindundungsver- fahren einzulciten. Jetzt fuhr Hans nach Frankfurt am Main und suchte dort eine Autofabrik auf. Einem Ingenieur deS Werkes, an den er getvjesen ivurde, setzte er seinen Plan auseinander, sagte ihm genau, wie er sich den Wohnwagen denke und verlangte einen Kostenanschlag und eine Zeichnung, auS der zu ersehen sei, wie der Wagen auSsehen würde Aber, da tvar noch ein Punkt. Man wollte wissen, ob HanS denn auch in der Lage wäre, einen solchen Wagen zu bezahlen. Sein Hinweis auf das eingeleitete AbfindiingSverfahren für seine KriegS- rente beseitigte alle Bedenken, und man erklärte fick bereit, ihm Zeichnungen und Kostenanschlag nach Würzburg zu schicken. Mit dem Dan des Wagens köniic man aber erst beginnen, wenn die Rentenabfindung genehmigt sei und Hans Sicherheit leisten könne. Mit diesem Bescheid fuhr er nach Würzburg zurück. Als HanS die Gretl tvieder traf, erfuhr er von ihr, daß ihr Bruder Franz verivundet worden sei. Bei einem Fliegerangriff tvar ihm die linke Hand verletzt tvordcn, er liege in Köln in eineni Lazarett und habe von dort geschrieben. «IS er schwer verwundet?" ivollte HanS tvissen. „DaS hat er nit g'schricben." „Wird scho nit so arg sein, Gretl. Ich will ihm schreiben, er soll schau'n, daß er nach Würzburg ins Lazarett kommst" Daö tat HanS dann auch gleich. Franz hatte Glück und kam bald nach Würzburg in ein Rescvelazarett. Seine linke Hand sah böS aus. Bier Finger hatte er verloren, nur der Daumen war noch da. Bater und Mutter Hein hatten ihn zuerst besucht und zu Hanse der Gretl erzählt, tvie cS mit seiner Berwuildung sei. Am nächsten Besuchstag wollte Gretl ins Lazarett gehen. Sie tagte ihrer Mutter, daß sie mit HanS zusaminen ihren Bruder aufsuchen wolle. Die Mutter solle doch dafür sorgen, daß der Vater nicht dazu komme. DaS besorgte die Mutter Hein dann auch, so daß Gretl und HanS ganz ungestört mit Franz sprechen konnten. Franz trug den Arm noch in der Binde, tvar aber fidel und munter wie immer. „Dir ham sie ja einen Haren abg'sägt," sagte er zu Hans.„Da hab ich schon mehr Glück g'habt. Bier Finger hat'ö mir weggerissen. Die Hand iS aber sonst ganz leidlich in Ordnung." «Wir^ denn dein Beruf noch auSüben können?" fragte ihn HanS. „Wird mich njt viel hindern, die Hand ohne Finger. Und dann, cS gibt ja Teiglneimaschinen. Da lann man sich scho. helfen. Und'S Brötle» schleifen geht, auch ohne Finger." „Bist ja noch gut davonkoinmen. Mit mei'm Fuß gcht'S auch. Ich kann scho ganz gut laufen damit." „Ich hab'S ja immer g'sagt, mir passiert nit viel. Gute Ware hält sich," lachte er. Dann wandte er sich an seine Schwester:„No, Gretl, wie geht's dir? Du sagst ja gar nix" „Wir woll'n bald keimten." «Da bin ich ja grad zurecht koninien. E Hochzeit mach ich gern mit. Aber, Ivie is denn mit'» Vatter? Hat der jetzt nix mehr dagegen?" «DeStvegen tvollt'n wir grad mit dir reden, Franz. Die Mutter hat nix erreicht beim Vatter. Aber lang woll'n wir nimmer warten, weil..." Gretl wurde verlegen, fand nicht weiter und sah HanS hilfesuchend an. Der sprang ihr auch gleich bei. „Weißt, Franz, die Gretl kriegt tvas Kleinö, und da tvärS halt doch besser, tvenn wir bald heiraten könnten." „Ja, freilich, KindStauf vor der Hochzeit, daö hat man nit gern. Weiß denn der Batter tvas davon?" „Del Mutter hat'ü ihm g'sagt. Er will aber trotzdem nix vom Heiraten tvissen." Franz überlegte, tvie er anzustellen wäre, die Zustimmung dcS BaterS zu erreichen. Leicht tvürde das sicher nicht sein. Wenn sich Kilian Hein einmal in etwas verbissen hatte, dann war'S schwer, ihn umzustimnien. Franz versprach aber dann, bei nächster Gelegenheit mit dem Vater zu sprechen. .Hans erzählte nun von seinen großen Plänen, seinem Nciitcnabfindungsantrag. dem Auto,Wohnwagen, und daß er im Frühjahr mit der Gretl zu« sammmi allein im Wohnwagen wäre, tvenn sie heiraten könnten. „Willst dir Ivohl gar einen fahrenden Palast bauen lassen? Da krieg ich ja ordentlich Lust mitzinnachcn," scherzte Franz. „Bleib du nur bei dci'm Sauerteig! Und jetzt schau zu, daß d' mit dci'm Batter bald alles in Ordnung bringst wegen der Gretl und mir." „Hast mir doch scho so oft g'holfcn. HanS," fiel die Gretl ein. Wird dir scho wieder was einfallen, paß d' den Batter rumkciegst." Sobald Franz Ausgang bekäme, wollte er mit dem Vater reden. „Ich lverd ihm scho zusctzcn, bis er nachgibt". sagte er beim Abschied zuversichtlich. Und Gretl meinte auf dem Heimwege zu Haus: „Wenn sich der Franz tvaS vornimmt, dann bringt er's auch fertig. Wirst sch'nl" Boni BersorgungSamt bekam Hans die Mitteilung, daß sein Renten-Abfindungsantrag genehmigt sei. Er schrieb sosort nach Frankfurt an die Autofabrik, und bald darauf kamen Zeichnungen und Kostenanschlag. Die Abfindung reichte auS, den neuen Wagen auf einmal zu bezahlen, und cs blieb sogar noch etwas übrig. Damit sollte die Inneneinrichtung besorgt werden. Die Geldangelegenheit mit der Frankfurter Fabrik tvar im Benehmen mit dem BersorgungSamt bald geregelt, und der Wagen wurde nun endlich bestellt. Aber die Fabrik schob den Liefertermin hinaus, tveil sie mit wichtigen und eiligen Militäraufträgcn überhäuft war. Bor Dezember tvürde sie den Wagen kaum liefern können. Dagegen hatte Hans nichts einzuwenden, tveil er ja doch erst Ende Feber tvegfahren wollte. Er schrieb nur noch, daß die Maße, die auf der Zeichnung nun angegeben sind, genau eingehaltcn tverden müßten, tveil inzivischen auch die Jnnen- einrichtung bestellt würde, und dabei tvollc er sich genauestens an die vorgesehenen Maße halten. Franz hatte inzwischen Ausgang bekommen und diese erste Gelegenheit benutzt, mit seinem Vater tvegcn AretlS Heiratsabsichten zu sprechen. Vater Hein war durch die Verwundung seines Sohnes in eine weiche, sentimentale Stimmung gekommen. Das machte sich Franz zunutze. Er fiel gleich mit der Tür ins Haus und fragte, wann die Gretl denn jetzt Hochzeit mache. ..(Fortsetzung folgt.). Nr. 10 SamStaq, 13. Jänn« 1934 Srtte 8 Christen morden einen Halbirren Ole Schmach der Dollfuss-Rasterung Daü war der grauenvollste Mord in Oesterreich seit dem Kriege: die standeSrechtliche Hinrichtung des schtvachsinnigcn Knechtes Peter Strauß, der grauenvollste deshalb, weil er vom amtSwegen geschah! Hinrichtung wegen einer Brandstiftung! Eine alte Scheune mutz mit einem Menschenleben bezahlt werden! Für die täglichen Verbrechen der Nationalsozialisten mutz, weil man die halenlreuzlerischcn Attentäter nicht fangen will und die Gefangenen, weil sie doch auch zur „besseren Gesellschaft" gehören, wieder auSlätzt — da lver'n ma wirklich kan Richter brauchen! — ein völlig unpolitischer, ganz und gar nicht revolutionärer Mensch sein Leben hergeben! Die österreichische Regierung hat sich angeblich zu einem energischeren Vorgehen gegen die brauneir Attetätcr entschlossen und läßt in Konsequenz dieser Ermannung zur Energie gegen die Feinde der Republik einen Halbidioten hängen! Wollte die Negierung Dollfuß damit den Beweis erbringen, daß ihr bodenständiger FasciSmuS dem preußischen nicht nachsteht, daß man, nachdem Hitler und Goering einen Abnormalen köpfen ließen, auch in der Donaurepublik einen Geistesschwachen hinzurichten vermag? Man hat weniger„G'schichten gemacht" in Oesterreich, den Prozeh nicht übermäßig ausgedehnt, und der Gerichtövorsihcnde entwickelte weniger Schneid als sein reichsdeutscher Kollege, er versuchte eS mehr auf„gemütlichem" Wege: er redete dem Angeklagten zu, doch die Wahrheit zu sagen.„ES ist daS Be ste für Siel"— Da brach der Angeklagte in konvulsivisches Schluchzen aus, hob hilflos die Hände vor das Gesicht und nickte bejahend mit dem Kopfe. Worauf der Herr Vorsitzende freundlich sagte:„Sehen Sie, die Wahrheit ist doch immer am besten!"— Am besten war sie für den Herrn Vorsitzenden, er brauchte sich nach dem Geständnis des Angeklagten nicht mehr viel plagen und konnte das hohen Ortes erwartete Todesurteil liefern. Für den Angeklagten freilich war die Sache anders: Hätte er nicht gestanden, hätte ein kompliziertes VelveiSverfahren einsetzen müssen, die Sache wäre an ein ordentliches Gericht abgetreten und der Angeklagte Iväre mit ein paar Fahren Kerker bestraft worden. Wie scheußlich diese Biederkeit des Vorsitzenden, wie grausam eine Freundlichkeit, die den Angeklagtenwissend in denTodlockt! Und wie werbend Ivirkt doch die Tat deS Richters für — die Wahrheit! Wenn es so klar ist, daß die Wahrheit zum Galgen führt! Die P s y ch i a t r i e r u n g deS Angeklag- ien wurde abgelehnt, weil„die Zurechnung des Angeklagten nicht zweifelhaft war." Nicht für daü Gericht, daS ein Todesurteil brauchte. Ach, wie zurechnungsfähig muß ein Mensch sein, der nicht daS Lesen erlernt hat, von der Kunst deS Schreibens nur soviel, daß er seinen Namen malen konnte I Ein Mensch, der von seiner Mutter sagte:„Sie war a bissel plem-plaml Und ich h a b z u v i e lu S ch l ä g k r i a g t." Dafür, daß seine Mutter geistig minderwertig war, eine Alkoholikerin, dafiir, daß er als Kind maßlos verprügelt wurde, dafür, daß er nach allen Gesetzen der Logik der bürgerlichen Gesellschaft zum Kriminellen werden mußte, wird er von einer christlich» Regierung umgebracht l Umgebracht, um„abschreckend" auf die Nazi zu Wirkenil Nicht einmal die letzte mögliche Wohltat, den Zusainmengebrochenen ohnmächtig zu lassen, hat man dem armen Kerl gewährt! Man gab ihm I n j e k t i o n e n, die ihn ins Bewußtsein zurückriefen. Dann erst wurde er gehängt! DaS ist vielleicht eine besonders feine^ Nuance der gerühmten österreichisch-dentschen „Eigenart"! Daß man den Hakenkreuzlern nicht ernstlich wehtut, ist nicht erstaunlich. Der Kampf zwischen der Dollfntz-Heimwehrfront und den Nazi ist ja kein Kamps zwischen grundsätzlichen Gegnern, sondern ein Konkurrenzkampf Zweier F a s c i s m e n, also Gleichgcartcter, Gleichdenkender, auf gleicher gesellschaftlicher Basis Stehender. Wie grauenvoll wahr wird das Wort, daß die Kleinen eS büßen müssen, wenn die Großen sich streiten! Sie büßen eS sogar mit deni Leben. Mit der amtlichen Ermordung eines armen Halbirren wegen Anziin- denS einer alten Scheune, mit dieser zwar nicht abschreckenden, aber menschlich Fühlenden zutiefst erschreckenden Tat hat die Regierung Dollfuß Oe st er reich freiwillig mit der Hitler-Barbarei gleichgeschaltet. Neue Arbeit für das Standgericht Wie», 12. Jänner. Vorgestern brannte das Wirtschaftsgebäude des Bachlinger in Salchau bei Obcr-Wölz nieder. Der Brand wurde von dem 19jährigen Knecht des Nachbarn Florian Kreis gelegt, der sich um. die Tochter des Bachlinger vergebens beworben hatte. Der Fall wurde dem Standgerichte in Wien angezeigt. Erweiterung der deutschen Sendung Verdoppelung der Sendeselten Prag, 12. Jänner. Das Radiojournal gibt folgende Aenderungen der Funksendungen bekannt, die am 14. Jänner eintreten werden. An diesem Tage Ivird begonnen ivcrden, im Sinne der vorjährigen Vereinbarung in Luzern auf neuen Wellen zu senden und mit der Station L i b- l i tz wird auch die Station in S t r a s ch n i tz senden. Die Erweiterung des Programms, insbesondere seines deutschen Teiles, Ivar der direkte Anlaß dazu, auch die Station in Strasch- nitz zur Sendung heranznzieben. Von der gesamten tägliche» Sendungödauer von 775 Minuten werden beide Stationen gemeinsam bloß 40 Minuten senden, u. zw. in einer Zeit, ivo nickt so intensiv gehört wird, d. i. vnn 18.50 bis 19.80 Uhr. Die Aussendung von der Station in Strasch- nitz wird in der Zeit von 14.80 bis 14.50 Uhr konzentriert sein, in wclcker Zeit die Station in Liblitz nicht senden wird. Aus dem Angeführten ist zu ersehen, daß das Radiojournal alles tun wird, daß die gemeinsamen Sendungen beider Stationen auf das tatsächlich mindeste Ausmaß eingeschränkt Ivcrden. Das tschechische Programm wird tvöchentlich insgesamt 350 Minuten profitieren. Diese Erweiterung kommt allen Programmrelationen zugute. So Ivird z. B. das Schauspielprogramm wöchentlich um 30, die Musikrelation um 170 und der Schulrundfunk um 40 Minuten mehr zugcteilt erhalten. DaS deutsche Programm wird hauptsächlich in der politischen Berichterstattung erweitert werde», der bisher 35 Minuten wöchentlich Vor behalten waren. Künftig wird sic über 160 Minuten wöchentlich verfügen. DaS Radiojournal wurde von dem Bestreben geleitet, daß den deutschen Staatsbürgern unsere Republik Informationen in ihrer Sprache zuteil werden und daß sic hauptsächlich im Grenzgebiet, nicht gezwungen sind, ausländische Stationen zu hören. Die eigene deutsckeBerickterstattungdcS Radiojournals wird statt der bisherigen 80, 150 Minuten umfassen. Dem deutschen landwirtschaftlichen und Arbeiterrundfunk werden wöchentlich statt der bisherigen 45, künftighin 90 Minuten zur Verfügung stehen. Den Vorträgen wird statt den bisherigen 45 Minuten künftig 90 Minuten wöchentlich Vorbehalten sein. Auch der ungarische Rundfunk wird in seiner BcrichtcrstattungS- und VortragSrclation erweitert werden. Im Post- und Telegraphcnministerium wird an dem Projekt einer slowakischenSende- Kation gearbeitet, die vollkommen ausgestattet und derart eingerichtet Iväre, daß sie bis in die Ostslowakei reichen würde. An dem Ausbau der deutschen Sendung wird auch die deutsche A r b e i t e r s e n d u n g und der A r b c i t S m a r k t b e r i ch t entsprechend teilhaben, lieber das Programm für die nächste Woche siehe auch die Rubrik„Rundfunk". A L P A verspürt allgemeine Schwäche und Ermüdung. Die Muskeln sind schlaff, die Nerven abgespannt. Massieren Sie, über Ärztliche Vorschrift, mit Menthol-Franzbranntwein Diese Massage erhöht den Blutkreislauf, stärkt die Muskeln, erfrischt die Nerven und hebt die Tatkraft. Zerstäuben Sie Alpa in Wohn- u. Gesellschaftsrfiumen! Hiedurch gründliche Luftdesinfektion. Der Grippe rekonvaleszent Die Arbeitsdienstlager durchwegs Hakenkreuznester Die Kirchenrevolte gegen Hitler Trutzversammlunsen des Pfa. rernotbundes Im Anschluß an unsere gestrige Meldung über die Rebellion der deutschen Protestanten gegen die Gleichschaltung der Kirche, sei ein Bericht zitiert, den die e n g l i s ch c Presse über die Vorgänge vom 8. Jänner in Berlin übereinstimmend wiedergibt. Danach hat am Montagabend der Kampf der Evangelischen Kirche gegen den Versuch, sic zwangsweise mit dem totalen Nazistaate gleichzuschalten, einen gewissen Höhepunkt erreicht. Der Pfarrernotbund hat an diesem Tage in Berlin, in der Form von Gottesdiensten neun Brrsammlungrn einberufen, die erste im Dom(!) die zweite in der Philharmonien e r n begraben. Bisher ist rS gelungen, eine schwerver- l e 1« t r Frau zu bergen und inS Krankenhaus zu bringen. Die drei übrigen Personen befinden sich n o ch u» t r r d e n T r ü m m e r n. Die Eplosio» dürfte, soweit sich bisher übersehen läßt, ans daS Undichtwrrden der in unmittelbarer Nähe an dem Hanse vorbeisührrndrn Ferngasleitung zurückzusührrn sein. DaS Gas scheint durch dir Erde in daS HauS grdrun-. gen zu sein und sich dann entzündet zu haben. Eine Explosion der Ferngasleitung selbst ist nicht erfolgt und, wie versichert lvird, auch technisch unmöglich. DaS furchtbare ExplosionSnnglück hat bisher vier Todesopfer gefordert. Die 45 Jahre alte Ehefrau Hoyer, die durch die Stichflamme schlvere Brandwunden erlitten hatte. ist heute nachmittags im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Au gleicher Zeit wurde die 21jährige Tochter der Getöteten, Frau Selle, tot unter den Trümmern hervorgezogcn. Während Beauftragt^ der Arnsdorfer Regierung und der Staatsanwaltschaft an der UnglLcküstellc den bisher erfolglosen Versuch unternahmen, der Ursache der Katastrophe nachzugehen, ereignete sich an der gleichen Stelle gegen 15i/>»hx eine zweite Gasexplosion. Ein dem eingcstürztcn Halise gegenüberliegendes Wohngebäude wurde beschädigt. Durch die umherflie- gendcn Mauersteine lvurde ein Mann getroffen. Er erlitt einen Beinbruch. Sechs Todesopfer einer italienische» Militärflugzeug- Katastrophe Rom, 13. Jänner. Ei» Militärflugzeug auö Tripolis stürzte infolge cinr» heftigen Wind st o tz e s in der Nähe des Flugplatzes Bungcm aus einer Höhe von 50 Metern ab. Der Pilot Likntrimnt Papi, der Beobachter Offizier Mrlodia, vcr z w c i t c P i l o t, rin M o t o r i st. ein P h o t o g r a v h und ein Soldat, welche sich in dem Flugzeuge befanden, fanden hiebei den Tod. Gin Ehepaar zum Tode verurteilt L a n d S b e r g, a. d. Warte, 12. Jänner. Das Schwurgericht verurteilte de» 33jährigen Landarbeiter Franz 2 t ö h r und drffrn 21 jährige Ehefrau Margarethe, geborene Hoffmann, aus Berlin, wegen KindeS mordcs zum Tode durch den Strang. Beide haben ihr etlva fünf M o- natealteSKindin einer Schonung getötet und verscharrt, und zwar hat die Ehefrau daS Grab hrrgestellt, während der Ehemann daS Kind erschlug und verscharrte. Der Grund zur Tat war, daß Stöhr seine Stellung bet einem Landwirt verloren hatte und nach Berlin znrück- kehrcn wollte. Bankskandal in Karlsbad Zwei Verhaftungen Karlsbad, 12. Jänner.(Eigenbericht.) Die beiden Prokuristen des Karlsbader Bankhauses Mayer. Gustav S ch a p i r a und D u b s k y, sind unter dem Verdacht von Veruntreuungen und betrügerischen Handlungen verhaftet wortzen. Bei der Staatsanwaltschaft in Eger läuft seit längerer Zeit ein Srafverfahren gegen die nunmehr Verhafteten, da ihnen vorgeworfen wird, daß sie anvertraute Depots für eigene Rechnung verkauft, weiters mit Effektendepots der Kommnitenten für eigene Rechnung spekuliert und daß sie vor allein das Einlagekapital des Bankhauses zum großen Teil für sich verbraucht habe». Insgesamt sollen rund 4 Millionen XL in ihre Taschen geflossen sein. Eö muß damit gerechnet werden, daß nicht nur ein großer Teil der Einlagen, sondern auch Bucht von San Francisco. Den bisherige» Relord auf der Strecke Kalifornien—Jalvas hatte bisher der Flieger Ernst S"iith inne, der im Vorjahr 25 Stunden 86 Minuten für diese Strecke brauchte. In der letzten Zeit versuchten zehn Flugzeuge diesen Weg über den Stillen Ozcan zurück- znlegcn. Fünf von ihnen stürzten ins Meer ab, wobei sieben ivagemutige Flieger den Tod in den Wellen fanden. Den amerikanischen Fliegern wurde ein stürmischer Empfang bereitet. Zllr Begrüßung heulten die Sirenen sämtlicher Tamvser und Boote. Als die Flugboote die Wasserfläche berührten, brach die ungeheure Meuschcnmenge in begeisterte Ruse aus. Die Besatzung wurde von Seeleuten sowie den Militär- und Zivilbehörden begrüßt. der EsfeltendepotS verlaren ist. Durch den lvahr- scheiulich unvermeidlichen Zusammenbruch dcS Bankhauses werden weite Kreise des Karlsbader Bürgertums, aber auch auSlvärtige Einleger betroffen. Die Lpeta-Affäre wachst Pilsen, 12. Jänner. Der Fall des Pilsner Bauunternehmers Josef Epeta, der in den letzten Tagen tvegcn betrügerischer Herauölockung von Millloncnkrediten bei verschiedenen Gcldanstalten und wegen Fälschung von amtlichen Dokumenten verhaftet lvurde, nimmt immer größere Formen an. Immer wieder stellen sich neue betrügerische Manipulationen Epctaö und seiner ebenfalls bereitsinhaftierten Buchhalterin Mathilde Ccrvcukovä heraus, so daß der ganze Pilsner Sicherheitsnpparat der Polizei durch einige Tage hindurch bis in die Nacht hinein mit der Untersuchung der Angelegenheit beschäftigt ist, die dadurch kompliziert ist, da es sich um die betrügerische Tätigkeit einer Gesellschaft handelt, die auf viele Jahre znrückreicht. Kürzlich kam eü zur Verhaftung einer dritten beteiligten Person aus Kollnstongriinden. In die Gerichtshaft wurde die Gattin SpeiaS, die 49 Jahre alte Magdalena, cingcliefcrt, die verdächtig ist, daß sic die Tätigkeit ihres Mannes deckte. Bon einer Lokomotive getötet Mühr.-Oftrau, 12. Jänner. Als der 64jäh- rige Straßenmeister Hubert Brück heute auf dem Dicnstgang die Stellung der Weichen prüfte, wurde er von einer Verschubslolonwtive erfaßt und ihnr der Schädel zertrümniert. Brück hinterläßt eine Witive und eine Tochter. Für die Hilfsaktion des RevirrratcS in Brüx für die Hinterbliebenen nach den Opfern der Grubenkatastrophe auf der Grube„Nelson" sind bis zum 12. Jänner insgesamt 275.327.85 XL eingegangen. Herabsetzung der Eisenbahntranspvrtgcbühr zu Gunsten von Arbeitslose» gespeudctcr Kohle. Das Eisenbahnministerium hat zur Unterstützung der Aktion des Ministeriums für soziale Fürsorge zu Gunsten der Arbeitslosen eine 35prozentige Ermäßigung der Transportgebühr für Ko''le bewilligt, die von den staatlichen und privaten Gruben zu Gunsten der Arbeitölvsen gewidmet lvird. Die Kohle tvird nn die Gemeinden entsprechend der Zuteilung versendet ivcrden, über die die entsprechenden Bezirksbehörden benachrichtigt tvurden. Unglück beim Schwimmen. Als Freitag im Städtischen Schtvimmbade in Brüx der 30 Jahre alte Magister der Pharmacie Otto Z c p v e- t i u i aus Brüx nach einem Kopfsprung tviedcr auö dem Wasser cmportauchte, stieß er so unglücklich an einen anderen Schivimmer an, daß er sich einen Bruch der Haiölvirbclsäulc zuzog. Es lvurde vom Badcnicistcr aus dem Wasser geborgen und ins Krankenhaus überführt. Sein Zustand ist ernst. Mord und Selbstmord. Der gclvesene Bergbeamte Potoicl in Poruba bei Orlovä erschoß Donnerstag abends seine ztveite Gattin, die ihn verlassen hatte, und jetzt tviedcr zu ihm zurückgelehrt war. Nach dem Morde schrieb er einen Abschledsbrief und erschoß sich selbst. Durch das Weinen und Klagen der Kinder, die im Nebenzimmer schliefen, wurden die Nachbarn gclveckt und machten die Gendarmerie auf die Tragödie aufmerksam. Zu den: Familienzwist kam es deshalb, weil die Frau Potokek, die zehn Jahre jünger war als ihr Mann, Liebesverhältnisse init anderen Männern unterhielt. Mordversuch und Selbstmord. In Star«! Mksto bei Frydek schoß am Freitag L. SvrLck seine Gattin, die geschiedene G. Liskovä zunächst in die Hand und dann in den Kopf. Schließlich brachte er sich eine Schußwunde in die Schläfe bei. Er war sofort tot. Seine Frau, die schlver verletzt ist, lvurde ins Krankenhaus gebracht. Es besteht Hoffnung, daß sie mit dem Leben davonkommt. Verboten. Der in Dresden erscheinende „Volksstaat", der als Organ der Altsoziälistischen Partei begründet wurde, ist„bis auf weiteres" verboten lvordcn. „Dimitroff kontra Göring".„Dimitroff kontra Göring" ist der Titel des zlveiten Braun- buch-Bandeö, der Mitte Feber bei Edition dn Carrefour, Paris, erscheint. Dies Buch ist keine Wiederholung deö ersten Brannbuchcs, es bringt nur ; neues dokumentarisches Material über den Lcip- II. Gau-Winter-Touristen-Treffen nut 14. Jänner beim Naturfreundehau» in Noklendors. Programm: 10.00 Uhr Mnunschaftölauf. 11,30 Uhr Manifestation, Redner Gen. Ernst Str n a d; Prag. 12.00 Uhr Allgemeiner Mitlagslisch. 14.00 Uhr Fuchsjagd. Gleichzeitig beginnt nm 14 Uhr die Konferenz des Gau-Referates für Winter-Touristik„Rord- lvestböhmc»". Das Treffe» ist gleichzeitig eine Sympathie- tundgebttgg für die heurige Wintersport-Llhmpiade. Meldungen znin Start werden»och«ine Stunde vor Beginn im Naturfrcnndehans entgegengenommen. Startberechtigt ist jedes Mitglied jener Organisation, die dem Verband ftir Arbeiter- | Aintertouristik eingeboren. Ein Slarigcld lvird nicht eingchobcn, doch ist bei Entgegennahme der Start- mmnner» ei» mit laufender Marie versehenes Mit« gliedbmh einer proletarischen Organisation zu hin- ierlegen. ziger Reichstagsbrandprozeß mit einer großen Biographie des Helden von Leipzig: Georg Dimi« troff. Ein besonderer Teil des Buches behandelt den Mord in Hitler-Deutschland. In diesem Teil lvird der Nachweis Uber 800 Morde an Wehrlosen in Deutschland erbracht. Das gesamte Braunbuch II: Dimitroff kontra Göring, lvird 300 Seiten stark sein und enthält ungefähr 100 unbekannte Photos. Nazibonzcn sind Ehrenmänner. Wie die Korrespondenz Insa meldet, ist der Kassier der NSDAP., Ortsgruppe Herzogenrath, der gleichzeitig die Gelder der„Winterhilfe" verwaltete, geflüchtet und hat das gesamte Sammlungsergebnis— 10.000 Mark— mitgenommen. Zu gleicher Zeit lvird bekannt, daß der Kassier der NSDAP, in Bracht ebenfalls mit 12.000 Mk. „Winterhilfe"-Gelder verschwunden ist. Es wird angcnoinmen, daß beide Geflüchteten über die holländische Grenze gegangen sind. Der SA-Dolch. Es lvird gemeldet:„Durch eine Verfügung der obersten SA-Führung lvird für die SA, SS und SAR I zum Dienstanzug ein SA-Dolch eingeführt. Die Ausgabe an die SA- Einheiten erfolgt nach Maßgabe der Fertigstellung gegen Bezahlung durch die SA-Gruppen. Im freien Handel ist der Dolch nicht erhältlich." Dolchstiche werden hingegen allgemein und umsonst verabreicht. Um die Verfolgung der Danziger Sozialdemokratie. Der Danziger Senatspräsident Dr. Rauschning ist zur Teilnahme an der bevorstehenden Ratstagung nach Genf abgereist. Der Rat lvird über die Beschwerde der sozialdemokratischen „Danziger Boltsstimmc" gegen das im November erlassenen Verbot zu entscheiden haben. Ein eigenartiges Nnglück ereignete sich in DahnSdorf(Fläming).'Dort spielte der jüngere Sohn des Kriegsbeschädigten Heese in der Wohnstube mit einem G c lv e h r seines älteren Bruders, daS sich plötzlich entlud. Der Schuß ging durch d c n' F u ß b o d e n und traf die im unteren Zimmer sitzende alte Großmutter, die auf der Stelle getötet lvurde. Verbrechen in Deutschland. Der 74jährigc Invalide Dietrich Gouröhop lvurde in seiner Wohnung in Dort m und ermordet aufgefunden. Gourshov ist durch Schläge auf den Kopf und durch einen Hcrzstich getötet lvordcn. ES handelt sich um einen Raub m o r d. Der Getötete hatte am 9. d. M. seine Invalidenrente in Höhe von rund 100 M a r k empfangen, welcher Betrag nebst anderen Gegensiänden vom Täter mit- genommen lvurde. Der Täler konnte noch nicht ermittelt lverden.— In Ptzritz lvurde der P ol i- z e i lv a ch t m e i st e r Gakow bei einem Pa- irvuillengang durch vier Schüsse niedcrgestrcckt. Eine Kugel drang ihm inS Herz und führte seinen sofortigen Tod herbei. Der Tat lvurde der Pan- toffclmachcr Suh überführt. Suh hat kurz vor der Verhaftung Selbst m o r d verübt. Sein Bruder, der verhaftet lverden lonnte, soll der Mittäterschaft verdächtig sein.— In der Nähe der Reichöbank in Köln wurde der Kasscnbote der Rheinischen Vulkan- und Dinaöwerkc am Freitag vormittag von zwei Männern niedergeschlagen und der Geldtasche mit 1800 RM Silbergeld beraubt. Die Täter, von denen einer die hinzueilendcn Straße>.ipaffanicn mit dem Revolver in Schach hielt, sprangen in einem bc- reitstehenden Kraftwagen und konnten unerkannt entkommen. Vom Rundfunk Empfehlenswerte« au» den Programm«»» Sonntag. Prag, 0.45 Uhr: Wechruf. 7.30 Uhr: Karlsbader Frühkonzert. 8.30 Uhr: Schallplatte». 9.15 Uhr Klavierkonzert. 9.35 Uhr: Arbeitcrsendnng. 11.00 Uhr: Konzert. 12.15 Uhr: Mittagskonzert. 20.00 Uhr: Tschechoslowakisches Europa-Konzert. 22.85 Uhr: Schramnielkonzert.— Brünn: 9.15 Uhr: Liederkonzert. 12.15 Uhr: MittagSkoiizcrt. 17.80 Uhr: Schallplatten.— Kaschau: 10.00 Uhr: Waldhornquartett: 18.55 Uhr: Schallplatten.— Preßburg: 9.55 Uhr: Konzert, Straußwalzer. 18.20 Uhr: Liederkonzert. — Wien: 8.80 Uhr: Frühkonzert. 11.20 Uhr: Sinfoniekonzert. 12.85 Uhr: Unterhaltungskonzert. 19.00 Uhr: Wiener Musik. 22.80 Uhr: Abendkonzert.— Leipzig: 18,00 Uhr: Volkstümliches Konzert. 18.85 llhr: Schwedische Volkslieder.— Berlin: 20.00 Uhr: 1 Uebertragung aus der Oper Charlottenburg: Fidelio, Vx. 10 GamStag, 13. Jidmer 1934 Seite 9 Sdiidisalsshindcn iOr die nordböhmischen Tcitllarbcitcr. Die Unternehmer fordern 19 Ms 25 Prozent Lohnabbau.—Soll die Teitil- arbeitersdialt vollständig verelenden? GEDENKET bei affen Anflsinn der Arbeiterinr sorge! Die Lohn« und Arbeitsbedingungen für die Arbeiterschaft in den nordböhmischen Textilbetne den sind bis seht durch drei Gebietsverträge ge- regelt, die Zwischen der llnternehmerorganisation und den Gewertschaften für die Gebiete Tannwald, Reiche»berg und F r i e d^I a n d abgeschlossen wurden. Seit dem Einsehen der großen Wirtschaftskrise, die inöbesonders für die Textilindustrie ver- beerende Wirlungen mit sich gebracht hat, find dir Löhne der nordböhmischen Textilarbeiterschaft mehrmals gesenkt worden.< Im Jahre 1980 mußte die Arbeiterschaft auf eine TeueningSznlage in der Höhe von 64 Stundenlohnen verzichten und In den Jahren 1981 und 1982 wurde die sogenannte Hellerzulage abgebaut. Die VertragSlöhne in der Textilindustrie wurde» in den lehte» wahren um 18 Prozent, in einzelnen Fällen um 18 Prozent gelürzt. Durch den Kampk der VertragSgewerkschasten der Textilarbeiter wurde erreicht, daß viel weitergehende Forderungen der nordböhmischen Textilindustriellep zurückgetviesen wurden und der Abbau der Löhne trob der besonderen Krise in der Textilindustrie, im allgemeinen nicht größer war, als in den anderen Industriezweigen unseres Staates. Neben diesen Herabsehmigen der Löhne ist in den lebten Jahren dauernd rin ununterbrochener Abba» sogenannter lieber- Verdienste einhergegaivgen, so daß die Textilarbeiterlöhne durchschnittlich um 30 Prozent seit dem Jahre 1920 gesunken sind. Diese Lohiiverlufte der Arbeiterschaft in der Textilindustrie zeigen aber noch lange nicht, wieviel von dem Gesamteinkom.- men der Tertilarbeiterschast verloren gegangen ist. Durch die dauernde Kurzarbeit und Massen« arbeilslosigkeit in den Textilbetrieben verlieren die T«lilarbeiter anhaltend weiter beträchtliche Teile ihre- Einkommens, so daß mit Einschluß dieses llmstandeö ruhig eine üOprozentigc Senkung deS Einlommens der Textilarbeiterschaft festgestellt Mord in Prag Wer hat die alte Frau Lachnmnn mit dem Beil erschlagen en dem Wohnraum einer hölzernen Notba- ralte an der Peripherie von N u s t e wurde die 69jährige Witwe M a r i e L a ch m a n n mit einem Beil erschlagen aufgefunden. Das Mordin- strument tag blutbefleckt im Vorzimmer. Die sofort eingetroffene Gerichtslommission tonnte daS Motiv der Tat bisher nicht eruieren. Dec Verdacht richtet sich gegen einen Mann, besten Name nicht bekannt ist und von dem nur ein besonderes Kennzeichen der Polizei einen Anhaltspunkt gibt: daß er auffallend dicke, geradezu „doppelte" Lippen hat. Dieser Mann wurde Mittwoch nachmittag bei der Greisin gesehen. Um drei Uhr war die Tochter der Lachmann, Anna Sedla- kek, zum Mutter gekommen, nm ihr beim Aufräumen zu helfen. Sie sah iit der Küche den Mann mit den doppelten Lippen sitzen. Dies fiel ihr aber nicht weiter auf, da derselbe Mann mit noch vier anderen vor drei Jahren bei der Lachmann gewohnt halte. Frau Lachmann, die Witwe eines Kohlenhändlers, war vermögenslos. Falls ein Raubmord vorliegt, so können nur wenige Kronen den Anreiz zu dem Verbrechen dargestellt haben. Die Polizei sucht gegentvärtig nach allen Schlafgehern, die im Laufe der letzten Jahre bei Frau Lachmanii gewohnt haben. Gestern vormittag wurden bereits siebzehn Arbeiter einvernommen und wieder entlassen, da keüier von ihnen einen Verdacht erweckte. Opfer der Arbeit Lod». 12. Jänner.(PAT) In der Frabrik für Kautschukprodukte explodierte ein Kestel, wobei drei Arbeiter getötet und acht schwer verletzt wurden. Hochwasser in Argentinien Paris, 12. Jänner. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, ist die Provinz Menoza von einer Hochwasser-Katastrophe bedroht. Bisher sollen 60 Personen ertrunken sein. Dreadnought ans Grund gelaufen London, 12. Jänner.(Reuter.) Eines der mächtigsten Kriegsschiffe der Welt, der größte Dreadnought der englischen Kriegsflotte,„A d- miralNelso n", ist heute früh, als es den Kriegshafen von Portsmouth verlassen wollte, auf Grund gelaufen, und steckt so fest, daß es wohl in den nächsten 24 Stunden nicht wird flott gemacht werden können. Sobald die Flut eintritt, wird das Schiff einer erheblichenGefahr ausgesetzt sein. Da aber der„Admiral Nelson" als ein Wunder der britischen Marine angesehen werden kann. In Anbetracht dieser bedeutenden 1 Senkung des Einkommens der Textilarbeiter, die sich in ihrer Lebenshaltung katastrophal auSgewirkt haben, wurde allgemein erlvartet, daß die Arbeitgeber in der Textilindustrie von einem weiteren Abbau der Löhne Abstand nehmen werden. Trotzdem stellen die Textikindustriellen der nordböhmischen Vertragsgebiete neue Forderungen an ihre A:beitcrsckaft. M'.' der Begründung, daß die wirtschaftliche Situation in der Textilindustrie in den letzten Monaten immer schlechter geworden ist und daß insbesondere die Exportmöglichkeiten nahezu ganz unterbunden wurden, verlangen die Arbeitgeber der nordböhmischen Textilindustrie eine generelle Senkung der Löhne aller in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter um 19 biS 21» Prozent. Im wesentlichen beinhalten die Forderungen folgendes: Reichenverger BertragSgebiet: Herabsetzung der 85prozentigen Teuerungszulage um 38 Prozent; Angleichung der Löhne in den Kunstseide verarbeitenden Betrieben an die in der Baum» Wollindustrie(Abbau 6 Prozent); Beseitigung der Vertragsbestimmungen, nach welchen die Fahl der Stühle und Maschinen festgesetzt wird, die einem Arbeiter zugeteilt werden. BertragSgebiet Friedland: Herabsetzung der SOprozeiitigen TeneriingSznlage auf 50 Prozent. BertragSgebiet Tnnnwald: Herabsetzung der Tenernngö,zutage von 85 auf 50 Prozent. Für alle drei VertrogSnebiete wird außerdem noch verlangt, daß eine Vereinbarung abgeschlossen wird, die auch Nntertarifentlohnung bei Exportaufträgen znläßt. Diese neuen Abbauforderungen dec Unternehmer in der Textilindustrie waren der Gegenstand einer große» Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Arbeiterschaft in der Texiil- wird, sprechen die Fachmänner die Hoffnung aus, daß das Schiff selbst bei einer großen Beschädigung nicht recht untergehen kann. Der Erfinder deS TaocheranzugeS, mit dem bis zu einer Tiefe von 200 Metern getaucht werden kann, unternimmt jetzt in der Umgebung von Spe« z i a Versuche, um eine Beobachtung de/ Meerbo- denS in einer Tiefe bis zu 6 0 0 M e t e r n zu ermöglichen. Bier kleine Meldungen i. Im griechischen Dorfe Kosana wollte der oppositionelle Abgeordnete Vannotiz eine politisck»e Kundgebung veranstalten. Kam» hatte er die ersten Sätze gesprochen, in denen er die Politik des Mimsterpräsi- denten HaldariS kritisierte, alS sich die im Saal anwesenden Anhänger der Regierung erhoben und den oppositionellen Redner buch st üblich tätschln- g en. Dem grausigen AnSbruch folgt« ein groteskes Nachspiel: Die Mörder zogen vor das Versammlungslokal und schrien im Chor: Wir lassen unSnichtterrorisieren l n. Die chinesische Regierung verbandelt zur Zeit mit der amerikanischen Gesellschaft Wright-Corporation über die Liefenntg von 20 Bombenflugzeugen für die Armee. Ein chinesisches Blatt begleitet die Meldung mit dem bezeichnenden Kommentar:„Dieser Ankauf ist zu begrüßen. Der Frieden muß auf jeden Fall gesichert werden I" in. Wie von amerikanisch-offiziöser Seite mitgeteilt wird, ist mit Sicherheit damit zu rechnen, daß die mnerikanische Marine bis zum Jahre 1085 1000 mit allem technischen Raffinement ausgestattete Kriegsflugzeuge haben wird. Amerika hofft dann, mit seinen Luftstreitkräften an der Spitze aller Staaten zu stehen.— Ein„Rekord" von ganz besonderer Prägung, der selbswerständlich einzig und allein der Befriedung der Welt dient. IV. Meldung, ganz ohne Kommentar: Die Abrü» stungs konferenz wird bestimmt am 18. Jänner in Genf zusammentreten. Vier kleine Meldungen, die die ganze jämmerliche Situation dieses Erdballes klarer umreitzen, als «S 100„Friedensreden" führender Staatsmänner zu tun vermöchten. Ais. Bergwerksunglück in Japan. In den Kohlengruben des MJZUJ-Konzern auf der Insel Jeso (Hokaido) ereignete sich eine Explosion. Vier Bergarbeiter wurden getötet, sechs werdeit noch vermißt. industrie und den Unternehmen' in den nordböhmischen VertragSgebieten, die am Montag, den 8. Jänner, im großen Saale der Reichenberger Handelskammer staügcfunden hat. Eine mehr als hundertköpfige Delegation der Textilarbeiterschaft aus den Betrieben, die sich ans den erfahrensten Funktionären der Vertragsgewerkschaftcn zusam- mensetzte, hat an dieser Aussprache teilgenommen und die Interessen der Textilarbeiter vertreten. Nachdem die Unternehmer neuerlich mit größtem Nachdruck auf die verschlechterte Lage in der Textilindustrie hingewiesen hatten, wobei sie ganz besonders die verschärfte Konkurrenz einiger AuS- landsstaatc»(Englands. Japans, Deutschlands. AeghptenS usw.) anführten, teilte der bevollmächtigte Vertreter der Unternehmer der Verhandlungödelegation der Arbeiterschaft den Standpunkt der Industrie mit. Dem außerordentlichen Ernst und der furchtbaren Notlage der Arbeiterschaft entsprechend, haben dann die Vertreter der Vertragsorganisationen den Standpunkt der Arbeiterschaft bekanntgegeben. In vollster Uebereinstimmnng mit der VerhandlungSdelegation haben die Sprecher der VertragSorganisationen mit Recht darauf verwiesen, daß die Arbeiterschaft in der Textilindustrie im Berlaufe der letzten Jahre so große Opfer gebracht hat. daß bei dem geringen Einkom- inen, welches der Textilarbeiterschaft verblieben ist» rin weiterer Abbau der Löhne unerträglich wäre. Die Bereitschaft der Organisationen der Textil« arbeiterschast. an den zuständigen Stellen für die Veseitiguiig der.handelspolitischen Erschwerungen.»nie- welchen die Textilindustrie leidet, einzutretcn, wurde ebenfalls ausgesprochen, und unter dem Hinweis auf die Zurückziehung der Abbauforderungen in dem ostböhmischen tschechi- schcn Vertragsgebiete wurde zum Schluß verlangt, die Verträge für alle drei Bcrtragsgebite unverändert auf rin Jahr zu verlängern. Majestät Puji Vor sechsundzlvanzig Jahren Ivar der chiue- kiische Exkaiser Hsuan Tung, heute unter dem Namen Henry Puji bekannt, erst zwei Jahre alt und hieß noch Prinz Pu Di. Zu jener Zeit ließ die Kaiserin Witwe Tzu Hsi den Kaiser Kuangsü vergiften, und das zweijährige Kind, aus einer Nebenlinie der Mandschudtmastie stammend, wurde zum Nachfolger erklärt. Der Zweijährige wurde zum„souveränen" Herrscher über vierhundert Millionen Seelen. Ein Jahr später wurde er Oberkommandierender der chinesischen Armee und der Flotte und als Fünfjähriger, im Jahre 1911, wurde er gezwungen, in einem Dekret die Einführung der Republik anzuordnen. Der fünfjährige Herrscher unterzeichnete ein Schriftstück, in welchem er die Sünden seiner und der früheren Regierungen ans das schärfste vernrtelt und die Aus- rnfung der Republik befiehlt. Die Abdankungsurkunde. In dieser ganz eigenartigen Abdankungsurkunde befanden sich u. a. folgende Stellen:„Ich sehe ein, daß ich dem Adel des Landes zu viele wichtige Aemtcr gegeben habe. Ich sehe auch ein, daß ick zu viele Eisenbahnlinien bauen ließ und dadurch die Jahreömärkte an den verschiedenen Landstraßen zugrunde richtete. Ich duldete cS auch, daß die von mir eingesetzten Beamten als wahre Despoten über das Volk herrschen sollen und duldete mich ihre Grausamkeit... Ich bedauere aufrichtig all daS Schlechte, das Ick getan habe»nd bin fest davon überzeugt, daß daS Volk in der neuen Republik wieder alles gut machen wird..." Einsame Jugend. Der heute 28jährige Hsuan Tung hat eine harte Jugend hinter sich. AIS zweijähriges Kind mußte er nach deiuTode seines kaiserlichen Onkels gewaltsam seinen Eltern fortgenommen und in die verbotene Stadt(daS kaiserliche Viertel) von Peking gebracht. Hier wurde er von dem bedeutendsten Gelehrten seines Landes in die Geheimnisse der chinesische und mandschurische Schriftkunst und klassischen Weisheit elngeweiht. Nach der Revolution deS Jahres 1911 blieb er weiterhin im kaiserlichen Viertel. Er war zwar schon nicht mehr Kaiser, besaß auch nicht mehr die große Macht, aber au seiner Lebensführung änderte sich nichts. Als Siebzehnjähriger heiratete er dann eine Mandschu-Prinzessin. Diese war ihm schon in der Wiege bestimmt. Kurz nach seiner Heirat setzten die verschiedenen materiellen Schwierigkeiten ein. Die Regiening hatte ihm zwar eine sehr hohe Rente ausgesetzt. Diese lvurde aber nicht pünktlich, sehr oft sogar überhaupt nicht bezahlt, und Hsuan Tung geriet in immer größere materielle Schwierigkeiten. Dem jungen Exkaiser und seiner kleinen Frau blieb nichts anderes übrig, als ihre verschiedenen Schmuckstücke zu verkaufen, um leben zu können. Mister Henry Puji. Die zweite chinesische Revolution im Jahre 1924 vertrieb ihn aus seinem Palast. Er mußte mit seiner Gattin und mit der Nebensrau, die er inzwischen geheiratet hatte, die verbotene Stadt verlassen. Er stellte sich unter den Schutz Japans und slüchtete in die japanische Botscbast. Durch diese» Schritt verlor er viele Sympathien. Später übersiedelte er nach Tientsin, nannte sich dort Mister Henry Puji und führte ein recht bescheidenes Leben. Der Exkaiser ist ein schlanker, kleiner, unscheinbarer junger Mann mit einer Hornbrille. Das größte Vergnügen des ehemaligen Herrschers des chinesischen Reiches Ivar nun. in einer„dan- eing" zu sitzen und Limonade zu irinkeii. Seine beiden Frauen uyb die schöne Russin, Maria Emilianovna. die jetzt in Tientsin einen Modesalon besitzt, saßen bei ihm. Mister Henry Puji war mit seinem Schicksal zufrieden. Immer und immer wieder erklärte er seinen Freunden:„Ich erwarie von dem Leben keine lleberraschungen mehr. Ich bin zufrieden damit, was es mir bisher gab. Iw kann täglich meine Limonade triiiken, habe, seitdem ich mit der chinesischen Regiening einen neuen Mfindungs- vertrag geschlossen habe, auch genügend Geld, icb bin also mit meinem Leben zufrieden." Tientsin. Diese Lebensauffassung tvar durchaus ver- ständliä', wenn man die Stadt Tientiin, die für den reiche» Fremden allerlei Bergnügmige» bietet, kennt. In den Tanzlokalen der europäischen Konzessionen herrscht ein reges Leben. Die Fremden und die vornehmen Chinesen besuchen diese Lokale. Mister Henry Puji und seine beiden Gattinnen tvaren hier ständige Gäste. Die Jazzkapellen bestehen und bestanden zumeist ans russische» Emigranten. Eine HauptanziehuiigSIraft dieser„dan- eingS" bildet mich»och heute die Garde der„russischen Witwen". Diese sind die Gattinnen russischer Offiziere, deren Männer von irgendeinem chinesischen General erschossen wurden. Die„russischen Wittven" sind die Freudenspender von Tientsin. Auch Mister Henry Puji suchte und sand bei ihnen sehr oft kleinere und größere Freuden. Die schönen Russinnen hatten den blasierten jungen Mann, der einst als Kind Kaiser war, sehr gern. Sie nannten ihn immer„Majestäi". Doch Hsuan Tung protestierie gegen diese Anrede. „Nennt mich nicht Majestät, ich bin ja nur euer Henryk" In Tieiitsin wird aber auch Politik getrieben. Die Stadt, die nur 150 Meilen von Peking entfernt liegt, isr berühmt dasür, daß die Soldaten der verschiedenen geschlagenen Heere sich dort wieder in einfache Bürger verwandeln. Unter diesen ehemaligen Soldaten hat mm Hsna» Tung viele An- bniwer, die iederzeit geneigt sind, seinem Ruse Folge zu leisten. Plötzliche Sinnesändrnmg. Nach AnSbruch des mandschurische» Koujlitiee änderte Mister Henry Puji' plötzlich seine Lebensweise. Aus dem lebenslustigen jungen Mann wurde ein verschlossener Diplomat. Es siel ihm ein, daß seine Borsabreu, die Mandschus, vor säst 300 Jahren, am 6. Juni 1644,»ach der Er- obening von China in Peking einzogen. Nun wollte er diese Eroberung wiederholen, nur diesmal in verkehrter Reihenfolge. Er wollte in Mulden einziehen tind die Mandschurei erobern. Diese plötzliche SinneSänderimg geschah natürlich unter dem Einfluß von Japan. Japan erinu-rte den Füilfundzwanzigjährige», daß eS auf der Welt nicht nur schöne Frauen und„daneingö" nibk. sondern auch eine Mandschu-Dynastie, deren Vertreter er. Mister Henry Pnji. ist. Nun ist der Kreislauf beendet. Mister Pu'/ hat aufgehört zu sein. Seine Maiesiät der Kaiser von Mandschukno tritt an seine Stelle. Leo Barth. VolMdiall und WM Geringe Bevölkerungsvermehrnng und Sozialversicherung. Wie das BDZ-Büro berichtet, haben die amtlichen Erhebungen ergeben, doß 40 Prozent sämtlicher Ehe» in Deutschland im Durchschnitt der letzten 5 Jahre kinderlos tvaren. 85 Prozent hatten ein Kind oder höchstens ztvei Kinder, tvährend nur 2 Prozent aller Ehen mehr als drei Kinder hatten. Der reichsdentsche Gebur- tengberschuß war bereits im letzten Jahre um 200.000 geringer als z. B. der des polnischen Staates, obwohl Polen nur die Hälfte der deutschen Einwohner zählt. Das habe zur Folge, daß der Anteil der Greise in Deutschland immer stärker lvcrde und daß also die Belastung der Soziql« Versicherung immer erheblicher werden müsse, ohne daß genügend junger Nachwuchs im Arbeitsprozeß als Beitragszahler vorhanden ist Oettr- Gam-iag, 13. Jänner 1831 Nr. 1V „Sazialdemvkrat" vrsser reiwnL Störung bei der Towarisch-Aussührung.! Während der gestrigen— dritten— Ausführung des hier bereits charakterisierten„Lustspieles" Tvivarisch im Neuen Deutschen Theater kam es abermals.zu Kundgebungen des Mißfallen« ein* gelncr Besucher. Drei Besucher— einer ans dem Parterre und zwei auf der Galerie— wurden sichcrgcstellt und zur Polizeitvachstube in der Hcinrichsgasse gebracht. Sonderpersonenzug für Sportler. Sonntag, den 14. Jänner, wird ein Sonderpersonenzug von Prag Wilsonbahnhof nach der Umgebung von S t n p- k i c e—TudomLriee für Sportler abgefertigt wer» den. Abfahrt Prag-Wilsonbahnhof 7.55 Uhr, Ankunft Stupiice 18.08, Ankunft SudomLkicc 18.20, Rückkehr von Sudomikice 17.85, von Stupiice 17.20, Ankunft Wilsonbahnhof 10.28 Ulir. Ermäßigte Fahrpreise für Reiourtarten von Prag nach Sudomikice 31.28 Xd, nach Stupiice 28 XL und nach Milikin 20.68 XL. Skifähre sehr gut, 20 Zentimeter Schnee. Ifnnst und Wissen Klassischer Abend in der Kleinen Bühne Sieh da, cs geht auch anders, besser, künstlerischer und wirkungsvoller! Und ohne das; man die Herren Deval oder Kurt Robitschek strapaziert! Ein fast ausverkaustes, mit Recht begeistertes Haus, vb- wohl in aller Bescheidenheit nur die Herren M o- z a r t und Moliire zum Besuche geladen hatten. Allein schon für die kleinen Nichtigkeiten, für „Les vetits Nie«s", gäbe man mit Wonne alle möglichen Etlvas dahin,.mit denen sonst die Kleine Bühne ihr hauptsächliches Dasein bestreitet. Ballettmeister 2 ch o r k hatte einmal Gelegenheit,. zu beweisen, da» er nicht nur die Beine, sondern auch Herz und Gehirn auf dem rechten Fleck hat. Boll Anmut und Liebenswürdigkeit lvar der Rahme» des kleinen Balletts, selbstverständlich alle tänzerische und mimische Lösung in der spielerischen Handlung, mit der Schork für eine ausgezeichnete Illustration der göttlich heiteren Musik des jungen Mozart gesorgt hatte. Fra n k Pollak am Pult gab mit der stilvollen Nachzeichnung des Schwungs und der Grazie dieser Musik eine sehr beachtliche Probe seine» Talents, die einzelnen Gruppen dcS Orchesters waren auf das sauberste geführt und die jungen Tänzerinnen wussten das Entzücken aller wachznrufen. Fast überraschend organisch schlag sich an Mozart"Moliöre, in einer prachwoll geschlossenen, geistvollen und wihigen Aufführung, für die vor allein dem Regisseur. Herrn G e l l n e r zu danken ist. Hatte man die Sorglosigkeit. des Mozartschen Geistes als Bild einer versunkenen Welt hingenommen und die Harmonie darin als das Versprechen für eine bessere Zukunft, so offenbarte sich im„E i n g e- bildeten Kranken" die Unsterblichkeit eines Dichters, der Menschliches, Allzumenschliches für ewige Zeiten gestaltet zu haben scheint und besten Satire, miö reinem Herzen und gesundem Verstände stammend, zweieinhalb Jahrhunderte zurückliegend, offener, wahrhaft» und überzeugender ist alü alle die Eindeutigkeiten oder Ztvicschlächtigkciten, durch die das Theater von heute sich meistenteils zu aktualisieren versucht. Unsere Schauspiclerschäft arbeitete. und agierte sichtlich, befreit und beglückt, da man endlich für sic Gerichtssaal M SIMM- Mtigkk öllMitt!" Zeitgemäße Bitte Verurteilter Prag, 12. Jänner. In der Reget pflegen die vor dem Strafgericht zu einer längeren Kerkcrsträfe Verurteilten uni einen S t r a f a u f s ch u b zu bitten, zum mindesien solche, die Familie haben und die FrciheitSeiuziebung nicht als willkommenes Freiquartier betrachten. Aber die unermeßliche Rot, die heute über breiteste Schichten der Bevölkerung her« eingevrochen ist, spiegelt sich auch im Gerichtssaal wider. Heute wurden in einer an sich belanglosen Dieb- stahlssache drei Angeklagte zu zwei- und dreimonatiger Kerkerstrafe verurteilt. ES sind thpische Notdelikte, die Täter biSber ivohlverbaltene, arbeitslos gewordene Menschen. Sie baten nicht uni Strafaufschub, sondern im Gegenteil um unverzüglichen Strasantritt, da ihnen die bedingte Verurteilung wegen mehrfacher Wiederholung der Straftat nicht zuerkannt werden konnte. Sie baten nur um die Vergünstigung, ibre Strafe bei den heiniischen Bezirksgerichten in Kladno und Schlau verbüßen zu dürfen. Sie wollen die Strafe in der Zeit der ärgsten Arbeitslosigkeit absitzen, um bei den im Frühjahr sich ergebenden Saisonarbeiten rechtzeitig ihre Arbeitskraft anbieten zu können. Das Gericht bewies soziales Verständnis und gab der Bite der Verurteilten statt. rb. Gewaltsame Delogierung Brutalitäten gegen eine arme Mieterin Prag, 12. Jänner. Das alte traurige Thema vom zahlungsunfähigen Mieter und dem brutalen Hausherrn, der daü Faustrecht als geeignetes Argument gegen, das Elend betrachtet, kam heute in besonders empörender Gestalt vor dem"Senat Toman lvieder. einmal zur. strafgertchtlichen Abhandlung. Vier Angeklagte saßen auf her Anklagebank, lauter Vertvandte und Versippte der HauSbefitzerin Albine Gregor aus Schlau. Hauptangcklagter war deren SohnKarlGrcgor, ferner stehen unter Anklage der 88jährige Vinzenz V l k, der 20jährige Franz Jikik und die 85jährige Mari« PoZärek— alle wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit, begangen durch Haus» friedenSoruch. Eine der Mietsparteien, eine völlig, verarmw ArbeiterSwitwe, hatte zum Mietsquartal nicht den Mietzins auftrriben'können und war daher der HauS- besillerfamilie ein Dorn im Auge. Deren Sippe entschloß sich zu einer gewaltsamen Delogierung und führte diese denn auch mit der größten Brutalität durch.Die Angeklagten paßten einen Augenblick ab als sich die Mieterin auf den Abort begab, drangen dann in deren Wohnung ein und begannen, deren änn- liche Einrichtung kurzerhand aus den Wohnräumen zu werfen. Alle flehenden Bitten der Frau, wenigstens bis znm nächsten Sonntag zu warten, fruchtc- tcu nichts. Als das Kinderbettchen vor die Tür fliegen sollte..klammerte sich dfe Delogierte mit.aller Kraft daran. Man entriß eS' ihr aber, gewaltsam, wobei sie noch übel zerkratzt wurde. Vor Gericht wären die Angeklagten natürlich sehr kleinlaut und versuchten ihre brutale Tat aus jede Weise zu beschönigen. Die Verhandlung mußte schließlich, da neue Zeugen beantragt wurden, vertagt'werden. rb. lvieder einmal ein Stück entdeckt hatte, in dem selbst eine kleine Rolle zu spielen sich lohnt. Und da fast alle in Auffaffung, Wort und Belvegnng den Stil trafen und so trafen, wie er beute als der einzig mögliche erscheint, soll eS der Aufführung nicht weiter angelastet werden, daß gerade im Sprachlichen hie und da manches daneben geriet; cs würde sich bester und richtiger vollziehen, tvcnn alle das Bewußtsein hätten und die Kunst besäßen, die Sprache Moliireü als ein Stück seiner Kritik am Schwulst, an der Hohlheit und Aufgeblasenheit,. an dem ganzen Sammelsurium menschlicher Irrtümer lebendig zu machen. Ten„eingebildeten.Kranken" spielte Herr H a r p r c ch t; er spielte ihn sehr treffend als kraftstrotzenden Hnpochonder, dem man schon beim"ersten Anblick ansieht, daß ihm nichts fehlt als eben jene Krankheiten, mit denen er sich und seine Umwelt thrannisiert: eine ausgezeichnete Mischung übrigens von Pfiffikus und borniertem Spießer, übcrtvältigend komisch in den tzmchiszenen.und mit allen Details schauspielerischer Nebenkünste versehen. Und bei alldem«in im Grunde warmfiih- lrnder Blensch— und ein zeitloser Metisch. Um diese Zentralfigur gruppierten sich Frau Ondra als eine blendend schöne Gattin, Frau Carpen- t i c r als eine der klassischen Aufgabe erstaunlich sich anpastcndc Tochter, Frau Lord als sehr viveS, nur zu schauspielerischen Uebcrtreibungen neigendes Stubenmädchen und ein uns bisher unbekanntes Fräulein Caprivi als ein blutjunges Ding, über besten Begabung nach diesem Debüt nur vorsichtig ausgesagt werden kann: vielleicht ein Talent. Unter den Herren war Demel mit lapidarer Charakteristik der überhebliche Diimmling, Herr Taub der Fanatiker unter den Aerzien, außerordentlich stark im Affekt, aber— gewollt oder ungewollt?—; zu kantoral al« Promotor. Der Schwank- oder schon Poffencharakter des Lustspiels kam mu vergnüglichsten durch Herrn Schmerzenreich als angehenden vertrottelten Doktor zum Ausdruck, die groteske Satire mn deutlichsten durch Herrn I a n t s ch. Toe klassische Liebe verkörperte als tadelloser Sprecher Herr P a d l e s a k, die klassische Kabale sehr gut Herr S t r ö h I i n, für die Vernunft gegen die nicnschlichen Schtvächen plädierte Herr H ö l z l i n. Das Stück wurde Ivie eine Premiere, die Auf- fvhrung als eine der besten dieser Spielzeit aufgc- nomnien. Wir wünschen ihr nicht nur viele Wiederholungen, sondern mich die Kraft, das Niedere und Gemeine wegfegen zu helfen, daö sich sonst breit macht. L. K. „Der Wildschütz" Die Oper, T er W i l d s ch ü tz" von Albert L o r tz i n g heißt mit ihrem Untertitel„Die Stimme der Natur"; denn die angÄiliche Stimme der Natur dient als EntschuldigungSgrund dafür, daß sich der Graf in'die eigene, alS Dauern- niüdchen verkleidete Schwester verliebt und daß sich die Gräfin zu dem als Stallineister verkleideten eigenen Bruder hingczogen fühlt„Wildschütz" nennt sich die Oper, weil sich der Schulmeister al« Hochzeitsbraten«inen gräflichen Rehbock zu holen gedenkt, dann aber einen kapitalen„Bock" schießt, nämlich seinen eigenen Esel. Eine VerNeidnngö- und Ber- tpechslungSge.schichte also mit. köstlichen Situationen stellt da« Opernbuch zum„Wildschiitz"' dar, daS Lortzing, der ja die meisten Textbücher zu seinen Opern selbst schrieb, nach einem Lustspiel von Kotzebue,„Ter Rehbock" mit Namen verfaßt hat. DaS befondere Verdienst deS TextdichterS L o r tz I n g ist e«, daß sein Libretto imnier fein und dezent gehalten ist, derben und frivolen Spässen auS dem Wege geht, aber dennoch voll von. köstlicheni Humor ist. Der erfahrene Schauspieler, Sänger und Regisseur, der Lortzing in einer Person war," kommt darin zur Geltung, der den richtigen Blick für wirksame Nummern und szenische Effekte hat. Die M u- sikLorving« zum„Wildschiitz" ist von abgeklärter Meisterschaft in der Form; sie zeichnet sich durch schlichte Volkstümlichkeit, eingängliche Melodik, unbeschwerte Leichtigkeit der Instrumentation und einfachen, natürlichen Humor auS. Einzelne Nummern der„Wildschütz"-Partitur,—■ wie die große Arie deS Schulmeisters'„Fünftausend Taler" oder die Billärdszene,— gehören zum Besten, daS die neuere Buffo-Oper zu geben"hat. Wenn ich über die N e u e i n st u d i e r u.n g deS„Wildschütz" amPrager Deutschen Theater kritisch beuchten soll, muß ich an dadenken, loaS Lortzing selbst über den Erfolg oder Mißerfolg seiner Opern gesagt hat, als er einem Freunde schrieb.„Warum haben meine Opern an einigen Bühnen keinen richtigen Erfolg?— Ich mnß wiederholt daö alte Lied singen: unseren deutschen Sängern mangelt dnrchschnjttlich die Leichtigkeit des Spieles, des Vortrags, mit. einem Worte die zU dieser Operngattung erforderliche Salongewandtheit." Der Mängel der letzteren.zeigte sich bei unserer vorgestrigen„Wildschütz^-Aufführung namentlich in deni lllstlo« gespielten ersten Akt der Oper. Später wurde die Stimmung bester. Der Mangel wohllautender Singstimmen machte sich aber wäbrend des ganzen Opernabends geltend; sogar Herr.Hagen war djeLgial matt.im Tön. Außer diesem wirkten bei der Auffuhrnng'folistisch mit: die Dmnen Walter, K i n d e r m a n n, E i s i n g e r und Händler, spwie die Herren Hey, Hattemer und Stadler. Renato MordoSRegie sorgte für heitere Stimmung auf der Szene, müßte aber den Volksszenen des ersten und letzten Bilde« mehr lebendige Bewegung geben. MusikalischerLeiter und Erneuerer der Oper war Kapellmeister Max Rudolf, besten Interpretation Sorgfalt nachzurühmen ist, besten Rhythmus aber noch, straffer und besten Dynamik noch differenzierter sein könnte.■ Sehr geschmackvoll repräsentierten sich die B ü h n e n b i l- d e r Leopold K o t u l a n S, ausgezeichnet diszipliniert klangen die durch Chordirektor S ch m i d I geschulten Chöre. DaS Interesse deS Publikums an der Oper war leider nur gering gewesen. E. I. Mozart-Bethoven-Ayklus. 17. Jänner: D o n G i o v a n n i"(B 1)— 25. Jänner: DieZauberflöte(C 2)— 80. Jänner: Fidelio lA 2)— 0. Feber: Figaros Hochzeit(D 1). ZykluS-Preise 24 biö 160 XL. Abonnenten." die eine Vorstellung in ihr Abonnement bekonimcn, erhalten die drei anderen Vorstellungen zu ZykluS-Preisen. Vorverkauf ab heute. Wallensteins Lod nach langer Pause heute neu- eiustudiert(D 2). Beginn 7,44 Uhr.. Wohltätigkeitsvorstellung für Offek. Sonntag il Uhr vormittag:W»hltä- tigkeitSvorftellung" für Ostek:„Pünktchen und A n t o n". Der Gesamtertrag dieser Boxstellung wird \ den Hinterbliebenen bet Osseter Opfer gewidmet. Preise von 1 bis 20 XL. ■ S a mStag: ErstanffÜhrung„Tango nm Mitternacht.".(C 2).".... Weißer. Flieder, Erstaufführung am F r e i t a g in der Kleinen Bühne. StellenvermUtlung für Bühnenangehörige. Der Bühnenbnnd in der Tschechoslowakischen Republik, hat ein.«.vorläufig ünintgeltliche Stellenvcrnüttlung für di« Mitglieder eingerichtet. Sämtliche Bühnenange- hörigen werden auf diese neue Einrichtung aufmerksam gemacht und dringend ersucht, ihre" Adressen dem Bühnenbnnd in der Tschechoslowakischen Republik, Brünn, Janäkckplatz 2a/4, Abi. Stellenvermittlung, sofort bekanntzugehen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dqß bei'Engagementbeiverbungen in erster Linie die bei.dem genannten Verband in. Evidenz. geführten Bühnenangehörigen in Rücksicht gezogen werden, so daß es im Interesse.eines jeden Bühnenangehörigen gelegen ist, sich mit. dem Bühnenbnnd in Verbindung zu setzen. Mit deni Verband deutscher Bühnenleiter in der Tschcchostolvakei wurde bezüglich der Stellenvermittlung"eine Vereinbarung getroffen." ' DaS erste tschechoslowakische Kammeruiustkfrst findet in der Zeit vom 28. Juni bis 2. Juli 1084 in B ätz Li e.bw.erda(Jsergxbirge) statt, DaS Mittellungen aus dem Publikum. Die Grippcinfektion beruht stets auf einer verminderten Widerstandsfähigkeit des Organismus. Starken Sie daher Ihren Körper durch gleichmäßig andauernde Massage mit Alpa-Mcntholfrmrzbrannt« wein. Sie schützen sich dadurch verläßlich vor der Grippe. Eine Desinfektion des Munde«, der Nasenhöhle und aller sonstigen Atmnngsorgane durch Alpa macht Sie widerstandsfähig gegen Infektion. 100 Festprogramm mit internationalem Charakter besteht auö drei Konzerten mit zeitgenössifchen Werken und einem Konzert von selten aufgeführter alter Musik in der alten Haindorfer Kirche. Ferner finden im Festrahmen noch andere künstlerische Veranstaltungen statt, tvie ein Hauskonzert alter Musik auf Schloß» Friedland, Gartenmusiken und ähnliche«. Spirkplan de« Reuen Deutschen Theaters. Sonntag, 11 Ilhr: WohltätigkeitSveranstaltung für Ostek:„Pünktchen und Anton". 2VH llhr: Arbeiter-Vorstellung:„Die verkaufte Braut". 744 llhr:„Zwei Herzen im Dreivierteltakt".(D 1.)— Montag, 7’,4 llhr: Volkstümliche Vorstellung:„Ball im Sa- v o y".— Dienstag, 7 sh llhr:„T o v a r i s ch". lA 2.)— Mittwoch, Zyklus I, 744 Ilhr:„Don Giovani".(B 1.1— Donnerstag, 7sh llhr: Giovanni".(Bl.)— Donnerstag, 714 Uhr: llhr:„W a l l e n st e i n s T o d". lD 2.)— Samstag, Erstaufführung, 7sh Uhr:„Tango um Mi t t e r n a ch t". Spielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 244 Uhr:„T h e o. m a ch t a l l e ö". 8 llhr: Gastspiel: „D e r b l a u e B o g e. l"."— Montag, 8 llhr: Gastspiel„D e r b l a u e B o g e l".— Dienstag, 8 Uhr: „D« r eingebildete Kranke". Le« petitS rlenS.— Mittwoch. 8 Uhr:„Ser eingebildet e K r a n k e". LeS Petit« rienS.— Donnerstag. 8 Uhr: Volkstümliche Vorstellung:.Schönste Ebe".— Freitag, 744 llhr: Erstaufführung: „Weißer Flieder".— SamStag, 8 Uhr: „Weißer Flieder". Dorträge u. Deranstalfinigen Neber Theodor Lessing spricht Otakar Fischer in einem Vortrag am 10. Jänner 1084 um 8 Ubr abends im Kleinen Saale der Städtischen Bücherei. „Fort mit der veralteten Sexualität"— ein aktueller Vortrag, den Dr. Arnold Hahn am Mittwoch, den 24. Jänner, abends 8 Uhr im Großen Saal des Handwerkervereins, Smekkagaste 22, halten wird. Karten XL 8.—, 4.— und 6.— nur an der Abendkasse. Neber Produktion nnd die Verkürzung der Arbeitszeit spricht Donnerstag, den 18. Jänner 1084, um halb 8 Uhr abends, im Vortragssaal deS Ministeriums für soziale Fürsorge, Palacköho näm. 4, Genosse Dr. Ev.sen Stern, Generalsekretär der ZentralsozialvcrsichcrungSanstalt. Ans der Partei Der Bildungvanöschnft der Prager Bezirksorganisation wird bicmit für Montag, den 15. d. M., abends, um halb 8 Uhr zu einer wichtigen Sitzung in die Redaktion des„Sozialdemokrat" einberufen. Persönliche Einladungen ergeben nicht. Vcrelnsnadirlditen Freie Bereinigung soz. Akademiker. Donners tag, den 18. Jänner, wichtige Mitgliederversammlung. Um 8 Uhr im Heim. filme ln Prager Lldifwlelltäusern bis einschließlich Donnerstag, den 18. Jänner: Adria:„Großfürstin Alexandra".— Alfa: „Liebelei".— Avion:„Abenteuer am Lido".— Be- ränct:„Herr Saval, der Millionär".— Fenix: „Die Welt will betrogen werden".— Hvizda:„Die Sintflut".— Julis:„Ihr Arzt".— Kittema: Journale, Groteske, Lustspiel(442—4h8).— Koruna: „Tie Sintflut".— Radio:„Herr Saval, der Millionär".— Staut:„Bruder und Schwester".— Svi- tozor:„Jindra, Gräfin Ostrovina".— Aeademia: „Die Abenteuer deS Königs Pausole".— Alma: „Herr Saval, der Millionär".— Baikal:..2 e r g u t e"T r a m v B e r n ä s e k".— Belvedere:„So ein Hundeleben".— Besrda:„So ein Hundeleben". Lido:„Fliegender Teufel".— Louvre:„Herr Saval, der Millionär".— Olympie:„In einer kleinen G a r n i s o n".—. sttoxy:„Herr Saval, der Millionär".— Sport:„Der gute Tramp Bernäöek". Literatur Die neue Weltbühne(Prag I., Melantrichova 1), Heft 2, de« neuen Jahrganges ist soeben erschienen und enthält u. a. folgende Beiträge: Leo Trotzki: Anatol Wassiljewitsch Lunatscharski..— Louis Fischer: Roosevelt, Litwinow und Araki.— Willi Schlamm: Entsteht ein Völkerbund?— Max Beigner: Wieder in Berlin.— Fritz Krell: Warum die Rohstofflager wachsen.— Heinrich Fischer: Reise ans Ende der Nacht»— Hermann Kesten: Eine Jugend in Deutschland. Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag II., Prfkopy, Palais Koruna. Bez>, gSbedr"Lungen: Bei Zustellung in« Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—; vierteljährig. XL 48.-—. halbjährig XL 06.—. ganzjährig XL 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung,det Retourmarken.— Die ZeitungSfraickatur wurde von der Post- uiw Telearavben- direktion mit Erlaß Nr. 18.800/VN/1030 bewilligt.—Druckerei: ,jDtbi«"„ Druck-, Verlag«- und Zeitnngs-A.-G., Prag.