Mittwoch, 17. Jänner 1934 14. Jahrgang Nr. 13 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEIN( MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag»I., fochova u. teiefon$3077. Administration teufon 5307«. HERAUS GERERt SIEGFRIED TAU». CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. A rZ—■<—.- CMcvipVvtS fW EHNES» elucMMHok MMtarlUlM der Gr- lyiu. zu ergänzen. nnf der cs ohne Rechten und Garantien, dir ihr bisher zustande», nicht einverstnnden sein wird. Wah'slct der LinKshoaiition in Katalanien. Barcelona, 16. Jänner. Den lichen Meldungen zufolge siegten Sonntag erfolgten katalanischen koalierten Linksparteien und die Provinzpartei. Die extrenie Linke erhielt nur eine kleine Anzahl von Stimmen. öffentlicht wurde, in beträchtlichem Matze geschwunden. Die Presse, dir noch vor wenigen Tagen dav nrne ArbeitSgrsctz als die„modernste Errungenschaft auf dem Gebiete der Sozialpolitik" und als einen„Fortschritt" pries, um wel» chrn„die Arbeiterschaft der ganzen Welt den deutschen Arbeiter" beneiden wird, bringt heute die Inhaltsangabe de- Gesetzes, ohne länger dabei zu verweilen. Selbst das Organ der Arbeitsfront „Der Deutsche" bringt das Gesetz erst zweiten Seite seiner Ausgabe und druckt die üblichen fetten Titel ab. In der Tat werden gleichzeitig mit lassnng deü neuen Gesetzes elf Gesetze aufgehoben, die lange Zeit dir Grundlage der fortgeschrittenen sozialen Gesetzgebung Deutschlands bildeten und dass daher die deutsche Arbeiter», schäft mit der Besrttigunjf einer Reihe von Herr S u ö t ch, der rührige Agent eines rührigen Diktators, befindet sich ans dem Wege nach Wien, um dem Bundeskanzler Dollfuss, der verzweifelt mit der nationalsozialistischen Flut ringt, einen rettenden Strohhalm zuzuwerfen. Was über die Pläne Mussolinis bekannt geworden ist, liegt in der alten Linie italienischer Aussenpolitik. Mussolini, dem ebensoviel an der fascistischen Gleichschaltung Oesterreichs wie an der Verhinderung des formellen, staatsrechtlichen ZusamnienschlusscS Oesterreichs und Deutschlands liegt, will Oesterreich und Ungarn unter italienischer Patronanz zu einem engeren Bunde vereinigen. Als Köder dienen gewisse wirtschaftliche Zugeständnisse, die sich bei näherer Betrachtung als ein Schmarrn darstcllen. Denn weder die österreichische noch die ungarische Ausfuhr kann durch Präferenzen auf dein italienischen Markt nennenswert gehoben werden. Italien, ein wirtschaftlich völlig ruinierter Staat, hat den beiden mitteleuropäischen Schützlingen Mussolinis nichts zu bieten. Die Versprechungen, die man In der Frage deL Triester Häsens gibt, verschleiern nur schlecht das wahre Bild, dast nämlich eine stärkere Fre. qucnz des Hafens von Triest lediglich Italien nützen würde. In der bedrängten Lage, in der sich die Regierung Dollfust befindet, die schon nicht mehr auf cineni Vulkan, sondern auf einer ganzen Batterie von Vulkanen sitzt, wird sie aber nur zu gern bcreft sein, sich Mussolini vor Hitler retten zu lassen. Ob Ungarn auf die gleiche Lockspeise fliegt, ist eine andere Frage. Einen ernstlichen Widerstand wird eS aber den Plänen Mussolinis schon deshalb nicht entgegensetzen, weil Ungarn daran interessiert ist, das; Oesterreich zwar dem FasciSmuS, nicht aber der Souveränität Hitler-PreustcnS auSgclicfcrt wird und weil auch in der Habsburgcrfrage eine weit- gehende Interessengemeinschaft zwischen Horthp- Gömbös, dem österreichischen Fascisnms und Mussolini besteht. Mir alle drei ist Otto Habsburg eine Verlegenheit. Sic möchten ihn immer bei der Hand und als letzten Trumpf bereit haben, keinesfalls aber zu seinen Gunsten etwas von ihrer usurpierten Macht preiLgcben. So findet Herr Suvich alles so vor, wie cS fiir das Gelingen seiner Aufgabe günstig ist und die Lösung der mitteleuropäischen Fragen wird, waS die innere Politik Oesterreichs und Ungarns, aber auch, was die Kräfteverteilung in allen Gebieten der Austenpolitik betrifft, in» Sinne Mussolinis erfolgen, der damit, nach zehnjährigen konsequenten Bemühungen, zum Schiedsrichter Mittclouropas» zun; Herrn über die politisch strategisch Schlüsselstellung wird, die im grasten Plan dcö fascistischen Imperialismus eine entscheidende Rolle spielt. Was bedeutet das für die übrigen mitteleuropäischen Staaten? Jugoslawien wird bei dieser Koinbination von seinen Verbündeten so gut wie abgeschnitten und vom italienischen Fascisnms flankiert. Die T s ch e ch o s l o w a- l c i gerät in die Zange, die das deutsch-italienische Bündnis durch die Einverleibung Oesterreichs und Ungarns in die Machtsphäre Mussolinis imnmchr von Oderberg bis Komorn nm ' den tschechoslowakischen Staatskörper legt, jederzeit bereit, sie zu schlichen und die Tschechosto- wak.i zu zerreissen. Was die Gefährdüng seiner 1 beiden Bundesgenossen für Rumänien be- \ deutet, braucht nicht erst betont zu werden. t Polens Situation verschlechtert sich l'ibstvcr- . ständlich in dem Augenblick, in den; der ionische f Fascisnms im Südosten eine so wirkungsvolle ! Flankendeckung erhält, wie sic Mussolinis Plan Vorsicht. Ein Beispiel genügt, um die mariauten Reurrunqeu. die durch da» jetzt crlnssene ArbeitS- gesrtz ringrführt wurden, zu illustrieren. Dir A r- briterschaft und die Beamtenschaft der einzelnen Unternehmungen wird von jetzt ab zur„Gefolgschaft" und untersteht nlS solche dem„Führer", d. i. dem Eigentümer drS Unternehmens. Die Betriebsräte, die bisher von der Arbeiterschaft frei gewählt wurden, werden aufgehoben. An ihre Stesse tritt der Beirat der BertrauenSmänner, die im wesentlichen vonl Eigentümer deS Unternehmens ernannt werden. Aufgehoben wird auch das der Arbeiterschaft bisher zugestandene Recht, mit dem Eigentümer dro Unternehmens Tarifverträge abzuschlicssen. Den Nnter- nrhnicrn werden vielfach umfangreiche Befugnisse wirdergegrden, die sie in der Zeit vor dem Weltkrieg befassen, so z. B. rin ausgedehntes K L n- dignngSrecht, dav Recht, Strafen zu verhängen usw. Hnlgung Uber die Novelle zum Berggesetz Sprachrcclilliclie Bestimmungen eingeschränkt— Mcherung gegen Verlas! des Arbeitsplatzes ans nationalen Gründen Mussolini Schiedsrichter Mitteleuropas? Das österreichische Problem und die Kleine Entente messene" Sprachlenntnissc„n amcntlich für den Verkehr mit der Belegschaft" verlangt tverden. Der Artikel V hat nunmehr folgenden Wortlaut:„Die Negierung erlässt nuS Gründen der öffentlichen Ordnung, der Sicherheit drS Staates und des Betriebes, sowie deS zweckmässigen Bergbaubetriebes und namentlich für den Verkehr mit der Belegschaft durch Berordnung Vorschriften über die angemessene sprachliche Eignung der verantwortlichen BrriebSleitrr, Be- trirbsingenieure und Aufseher, sowie auch Vorschriften zum Schutze der Angrstelllt» gegen den Verlust der Arbeitsplatzes wegen der nationalen Zugehörigkeit." In dieser Fassung wurde die Vorlage am Abend vom Verfassungsausschuss angenommen. Ferner wurden vom BerfassungSauSschust zwei KoalitionSresolutioncn beschlossen, in denen die Regierung aufgefordert wird, mit Beschleunigung einen Entwurf auf Abänderung deö Paragraphen 12 dcö Gesetzes 144/20 zum Zwecke der Sicherheit der Existenz jener Mitglieder der Betriebsräte einzubringen, die zur Ueberwa- chung der Gruben(Paragraph 2, Punkt 1) berufen sind, sowie die Regierungsverordnung 41)4/20 zum Zwecke der Ermöglichung einer wirksamen Ersiissung der in dem zitierten Paragraphen fcstgelegten Aufgaben der Betriebsräte abzuändern. Das neue deutsche Arbeitssesetz ein Faustschlas gegen Belegschaft wird zur„Gefolgschaft 1* Betriebsräte aufgehoben I Ludwig Renn- 21, Jahre Gefängnis Leipzig, 16. Jänner. Unter der Anklage deS Hochverrates wurde dem Reichsgericht am DienStag, den 16. Jänner, der 46 Jahre alte Schriftsteller Anrold Friedrich Birth von Golssen (Pseudonym Ludwig R e n n) aus Berlin-Stralau zur Aburteilung vorgeführt. Der Angeklagte entstammt einer alten sächsischen Adelsfamilie. Er war aktiver Offizier und machic den Weltkrieg als Bataillonskommandeur mit. linier dem Pseudonym„Ludwig Renn" gab er die bekannten Bücher„Der Krieg" und„Nachkrieg" heraus. Er tvurde später Mitglied des sogenannten„Aufbruchkreises", der von 10 Offizieren im März 11)31 anlässlich deö Uebcrtritteö dcö Ulmer RcichSwehrleutnantö Scheringer aus der NSDAP, in die KPD. gegründet Ivnrdc. Die Anklage Ivirft Renn vor, in der Zeitschrift„Der Aufbruch"„hochverräterische Artikel" geschrieben und in komniunistischen Versammlungen durch Vorträge„staatLzersctzendc Propaganda" getrieben zu haben. Ludwig Renn, dem zwei Wahlverteidiger zur Seite stehen, bekannte sich zu Beginn der Verhandlung offen und rückhaltöloS zu seiner Gesinnung. DaS Reichsgericht verurteilte Ludwig Renn wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 2% Jahren Gefängnis unter Anrechnung von elf Monaten und eine Woche der Untersuchungshaft auf die Strafe. ne'mwehrbewegung in voller Zersetzung Wien, 16. Jänner.(Eigenbericht.) Fürs. SM„e.g yiit Yente einen Aufruf erlassen, der die Hcimwehrbewegnng in vosser Zersetzung zeigt. SMrhcmberg sagt in diesem Aufruf, die Beobachtung habe in den letztr» Tagen ergeben, dass der gewesene LandrSführrr Alberti rin Doppel- spiel spiele. Daher habe er, Starhemberg, sich entschlossen, den T r e» n n n g S st r i ch zu ziehen Vorbelgelnngen Wien, 16. Jänner.(Eigenbericht.) Heute vormittags fanden in den Lokalitäten deS Berban- des für Arbeitersport und Körperkultur, nachmittags in den Redaktionsräumen deS„K l eine n B l a t t e S", der„B u n t e n W o ch e" und deS„it u ck u ck", die sich im ParteihauS befinden, Hausdurchsuchungen statt, auf Grund einer Anzeige, dass sich in diesen Lokalen Waffen und Munition befänden. Die.Haussuchungen verliefen völlig ergebnislos. Dr. Löcker Ingenieure Prag, 16. Januar. Der Strafsenat des Obergerichtes in Prag befasste sich heute mit der Be- schivcrde, die der Generaldirektor der Brüxer sioh- lcnbergbaugesellschast Dr. Jng. Löcker und die Betriebsingenieure der Zeche Nelson 3 gegen den Befchlust der Brüxer RatS- kammcr cingebraitzt haben, lvelckw die Verhängung der Ilntersuchuugs'aft bestätigt hat. Der Strafsenat hat die Beschwerde verworfen. Die Nnter- uchungShaft bleibt infolgedessen aufrecht. Das Obergericht begründete die Notwendigkeit der Fortdauer der Haft mit dem Hinweis sotvohl auf die Gefahr der K o l l u s i o ii als auch auf die Fluchtzefahr. letzten amt- bei den am Wahlen die katalanische Prag, 16. Jänner. Die Verhandlungen über die Stilisierung der Novelle zum Bergbaugesetz nahmen auch heute noch den ganzen Tag in Anspruch rind beschäftigten nochmals die politischen Minister. Die beiden strittigen Punkte waren, lvie wir bereits gestern berichteten, die Frage der Entscheidung für den Fall deö Entzuges der Bergbercchtigung und schlicstlich die sprachgesehlichen Bestimmungen, auf denen namentlich die Rationaldemokraten verharrte». Schliesslich wurde die Frage der E n t s ch ä- d i g u» g für eine aberkannte Bergberechiigung.' die der Staat in jedem Stadium des Verfahrens! an sich ziehen kann, einem eigenen Gesetz Vorbehalten. Grötzere Schwierigkeiten ergaben sich hinsichtlich der sprach rechtliche n De- st i m m u n g e n. Noch gestern abend war von den politischen Ministern eine Forniel konstruiert worden, die den ursprünglichen Referentenantrag abänderte. Rach deni ursprünglichen Referentenentwurs sollte der Verantwortliche Betriebsleiter, die Betriebsingenieure und die Aufsel>-r der Staatssprache kundig sein und diese Kenntnio binnen einer gewissen Frist nachweisen. Für Gruben mit sprachlich gemischter Belegschacht soll der Umfang der sprachlichen Eignung der genannten Personen durch Regic- rungsverordmmg sestgesteht werden. Ausserdem wur- den für den BergwerkSbesitzer Strafsanktioneir von 460 bis 50.000 Üö festgesetzt für den Fall, dass er solche Angestellte ohne die vorgeschriebenen Sprachkenntnisse beschäftigt. Die politischen Minister hatten diesen Artikel schon gestern völlig umstilisiert. Vor allem lvurde die Regelung dieser Materie einer Regierungsverordnung Vorbehalten. Die Strafsanktionen kamen in Wegfall und die Vorschriften über die Sprachenntnille des Aufsichtöpersonalö wurden den tatsächlichen Bedürfnissen mehr ange- paht. Ausserdem wurde als ein Novum— unserem Antrag entsprechend— auch eine Schutz- b c st i in in u n g gegen Entlassungen aus nationalen Gründen, d. h. wegen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nationalität, getroffen. Heute lvurde in neun Koalitionüverhand- lungen an dieser Fassung neuerdings die Einschränkung vorgenommen, dast nur„a n g c- Berlin, 16. Jänner.(Tsch. P.-B.) Die * r__ Begeisterung, mit der dir Presse das neue und die Oeffentlichkeit über dir"letzten Vorgänge zu! ArbeitSgrsrtz noch vor dem Brkanntwerdrn seines unterrichten. Er erklärt,' dass er weder mit dem wesentlichen Inhaltes brgrüsst hat, ist heute, wo Grafen Alberti noch mit dessen Nachfolger,«u-1»««»ftizieller Auszug an» dem nrurn^Gesrtz vrr- hätschel, Zusammenarbeiten wolle und sich ent schlossen habe, s c l b st d i e F ü h r u n g deS Hei- matschutzeS zu übernehmen und innerhalb der nächste» 48 Stunden eine» neue» geschäftSführrn- de» Stellvertreter z» ernennen. Starhemberg be hauptet weiter in dem Aufruf, dass Alberti sich ohne sein Wissen in Lrrhandlungen mit Frauenfeld eingelassen habe. Der Aufruf schliesst mit der Erklärung: Unerbittlich wollen wir den ttanipf gegen daS«demokratische Bonzentum" und gegen den„landesverräterischen Marxismus" führen, aber ebenso scharf gegen die Bombenwcrser, auch wenn sie sich nationale Fascisten nennen. mit ihnen gibt eS keine Verhandlungen. Es bedeutet Verrat, wenn hinter dem Rücken der Hrimwehr und ihrer Führer mit den Rational sozialisten verhandelt wird. und die Betriebsbleiben In Haftl ' Sette 2 Mittwoch, 17. Jänner 1034 «r. 18 Der EnglB-Plan Einfuhrabgaben und Ausfuhrsubventionen 1 So taucht dic selbstverständliche Frage auf, waZ die Staaten der kleinen Entente und was F r a n l r e i ch z u n n t c r n e h m e n gedenken, ui» Mussolinis gefährliche Pläne zu durchkreuzen und dic mitteleuropäische Frage einer Lösung zuzuführen, die eine Garantie deS Friedens und ein Schritt zur w irisch a f t l i ch e n Gesundung sein könnte. Für Frankreich könnte noch dic Er- Wägung maßgebend sein, daß die Schnhhcrrschast Italiens über Oesterreich und das Ueberwiegcn der italienischen Richtung im österreichischen FasciSinus(die vermutlich sehr bald in einer größeren Aktivität R i n t e l e n s zum Aus- druck kommen dürfte) geeignet sind, zwischen Rum und Berlin Zwietracht zu säen und das Zusammenspiel beider Mächte in der Abrü- stungSfrage zu durchkreuzen. So falsch auch diese Philosophie sein mag, weil sie nicht damit rech- net. das; innerhalb der sascistischcn Welt andere Gesche herrschen als innerhalb des alten Europa, so mag sie zulässig erscheinen, solange Frank- reich, wie es mehr und inchr den Anschein hat, das mitteleuropäische Schachbrett räumt, um sich hinter den Rhein zurückzuzichen. Anders die Klei neEntentel Sie hat keine Wahl. Sic kann sich nicht hinter eine Demarkationslinie zurückzichcn, jenseits derer sie dem FasciSinus erlauben könnte, sich auözu- toben. Wenn Mussolini seine Hand auf Wien legt, wenn der Semmering und die Donaubrücken, wenn das Drautal und die Wege aus Kärnten und Stcierinark nach Ungarn in den Händen des italienischen Generalstabs sind, dann sind Jugoslawien und die Tschechoslowakei faktisch belagerte Staaten. Dabei lassen wir noch außeracht, welche innerpolitischen Folgen die Liquidierung der demokratischen Republik in Oesterreich fiir die Tschechoslowakei haben wiirdc. Tic Staaten der Kleinen Entente beraten eben über eine weitgehende wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der Blick auf dic Karte lehrt, daß eine Wirtschastskombination Prag-Bukarest Belgrad ein Loch hat. Ohne den Anschluß Ungarns und Oesterreichs an den Wirtschaftsbund der Kleinen Entente bleibt dieser immer eilt unfertiges Runtpfgebilde. Die ganze Konzeption einer engeren mitteleuropäischen Grup- Vierung, die wir wohl als Idee und Plan Dr. Bencs's anfprecheu dürfen, verlöre ihren Sinn in dem Augenblick, da im Herzen Mitteleuropas eine fascistische Großmacht das erste Wort spricht und auf unabsehbare Zeit hinaus eine selbständige Politik der beiden Staaten Oesterreich und Ungarn verhindert. In Oe st erreich fällt tatsächlich in nächster Zeit eine Entscheidung von weltgeschichtlicher Bedeutung. Gewinnen kann dabei nur, wer Mut zuni Handeln hat, wer den Entschluß aufbringt, als erster das Chaos zu meistern, das sich seit Jahr und Tag als österreichische Politik ausgibt. Die Kleine Entente könnte und müßte zweierlei tun. Sie niüßtc so rasch und so energisch als niäglich ihren Einspruch gegen eine Lösung annielden, die den Todesstoß für die kleinen mitteleuropäischen Staaten bedeuten würde, und sic nüißte ihrerseits den Weg einer positiven wirtschaftlichen und politischen Zusamnienarbeit mit einem Oesterreich beschreiten, das bei entschiedener Sprache auch des deniokratischen Auslands nicht wagen wird, fascistische Experimente im Innen» und kriegögefährliche Abenteuer in der Außenpolitik anzustiften I Vie Mandatsverteilung im Friedländer Bezirk Das alte Spiel wiederholt sich Wir lesen im„Freigeist": Wiederholt wurde schon aufgezcigt, wie im Jahre 1828 nach den Wahlen in die BczirkSvertretungcn die Sozialdemokraten bei den Ernennungen übergangen worden sind. Die Landbündler wurden damals in der unglaublichsten Weise mit Mandaten betcflt. Heute, nach dem Gesetze über die Aberkennung der Mandate der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten wiederholt sich im Bezirke Friedland dasselbe Spiel. Die bürgerliche Presse berichtet, daß in elf Gemeinden des Friedländer Bezirkes die Mandatszuteilung an dic Landbündlcr, Christlichsozialcn, Gewer- beparteiler und Sozialdcmvlraten durchgcführt ist, und zwar lvurdcn 112 Mandate besetzt. Von diesen 112 Mandaten entfallen auf die Sozialdemokraten 12, auf die drei bürgerlichen Parteien 100 Mandate. Die Sozialdeinokraten erhielten 10 Prozent, die Bürgerlichen 80 Prozent der Mandate von den aufgelösten Parteien. In diesen elf Gemeinden hatten bei den letzten Parlainentslvahlcn die drei bürgerlichen Parteien zusammen 3870 Stimmen, die Sozialdemokraten 1388 Stimmen. Der Vergleich ist demnach so: Die drei bürgerlichen Parteien hatten bei der Parlameniswahl 71 Prozent der Stimmen, erhalten jetzt 80 Prozent der Mandate, die Sozialdemokraten hatten 26 Prozent ' dec Stimmen und erhalten jetzt 10 Prozent der Mandate. Diese Gegenüberstellung zeigt klar und deutlich auf, welcher Geist bei der Bezirkübehörde Friedland herrscht. Im Mittelpunkt der Verhandlungen der politischen Parteien und der Regierung, über die sich auch der Präsident der Republik informieren läßt, steht ein Plan des ehemaligen Finanzministers Dr. Karl E n g l i*, von dem sein Urheber erwartet, daß er eine der brennendsten Fragen der tschcchosiowakischcn Volkswirtschaft lösen, nämlich den Export beleben soll. Worin besteht der Plan de- Dr. Engliö? Englis geht davon aus, daß die tschechoslowakische Krone im Inland und Ausland eine verschiedene Kaufkraft, d. h. einen verschiedenen Wert habe, da man nämlich für eine Krone im AuS- lande mehr Waren erhält als im Inland. Wenn nun der Importeur, so nimmt Engliö an, für dic im Ausland höherwertige Krone Waren kauft und sie im Inland verkauft» verdient er an dieser verschiedenen Kmifkraft der Krone im In» und Ausland, während der Exporteur durch dieselbe Erscheinung leidet. Er muß Rohstoffe und Arbeitskräfte im Jnlande für die geringwertige Krone kaufen und muß also dakür mehr bezahlen als dem Erlös seiner Waren im Ausland entspricht. Daraus folgert EngliS, daß die tschechoslowakische Industrie in« Ausland konkurrenzunfähig ist und diese Konkurrenzunfähigkeit will er nun beheben. Dies geschieht dadurch, daß die Importeure bei der Einfuhr von Waren einen Devisenzuschlag entrichten müssen» woraus ein Fonds geschaffen wird, auS dem die Exportindustrie subventioniert wird. Nun tvürde eS sich bei einem solchen Devisenzuschlag um außerordentlich hohe Summen handeln. In dem Entlvurf deS Finanzministers, der den Plan EnglisS übernommen hat, wird dieser Devisenzuschlag mit 15 Prozent festgesetzt. DaS wären also von einer Einfuhr von 6 Milliarden etwa 900 Millionen KC oder rund eine Milliarde. Um diese eine Milliarde müßten naturgemäß die importierten Waren in» Preise steigen. ES Ivür- den also die Preise aller eingeführten Waren nm durchschnittlich 15 Prozent erhöht werden. Wer das bezahlen müßte, ist ganz klar: Die Konsumenten dieser eingeftihrten Waren. ES toürden also sowohl alle Nahrungsmittel, die wir aus dem Ausland beziehen, als auch alle industriellen Rohstoffe verteuert werden, damit aber auch alle Waren, die man m>S diesen aus dem Ausland. eingeführten Rohstoffen erzeugt.. Dazu gehören vor allem Kleider. Wäsche und Schuhe, so daß nicht nur dis Lebensmittel, sondern auch die wichtigsten Gebrauchsartikel für die Masse des Volke- verteuert würden. Alle Argumente bürgerlicher Blätter— so setzt sich u. a. besonder» das„Prager Tagblatt" für den Engliö-Plan ein— vermögen die Tatsache nicht auS der Welt zu schaffen, daß die erhöhte» Kosten der Einfuhr von d e n I m Porteuren auf dieBerbrancher über- DaS sonntägige„Rudk Prävo" bringt einen Artikel, in dem es darlegt, daß die Ossekcr Gru- benkatastrovhe die Macht und den Einkluß der Kommunisten im nordwcstböh- mfl-*>en Braunkohlcnrcvier besonders deutlich auf- gczeigt habe. Daö Blatt schreibt: Der Generalstreik im Brüxcr Gebiet und die Riesendemonstrationen der Brüxer Bergarbeiter haben endlich die Stärke des Kommunismus, die Stärke der kommunistischen Ideen in den Arbeitermassen gezeigt. Durch einer Reihe von Monate» haben die Bürgerlichen und Sozialfascisten in lächerlich machender Weise davon geschrieben, daß „die Kommunisten von der Oberfläche verschwunden find". Nun in diesen Augenblicken, die jeden Arbei. ter tief ergriffen haben, haben die Arbeitermassen auf Weisung der Partei die Arbeit eingestellt und sind auf die Straße gegangen. Auf den Straßen Kommunisten— nichts als Kornmunistenl Sie redeten, begrüßt von den Arbeitermassen. Rur der Kommunismus bedeutet Ausgangspunkt, Rettung, Zukunft! DaS Iväre alles ganz schön, wenn nicht in derselben Nummer und in demselben Artikel das „Rude Prävo" nicht das gerade Gegenteil schriebe, ck> c d egrD etaoin Shrdlu ctaoi shreldymöä etaoin daß nämlich die Ossekcr Katastrophe d i e S tv'ä ch e der Kommunisten im Revier aufgezcigt habe. ES heißt da: Aber die stürmischen Augenblicke zeigen unS auch die großen Mängel und Schtvächen in der Partei und in den roten Getverkschasten. ES hat sich ein großer Mangel an Initiative bei einer Reihe unserer Organisatwnen gezeigt. In Hunderten von Betrieben blieb die Erbitterung der Arbeiter ohne Echo, in Hunderten von Betrieben blieb die Arbeiterschaft ohne Führer, der ihnen flar den Weg zur Freiheit gezeigt hätte. Und das einzig deswegen, weil die Kommunisten und unsere Organisationen Sie Bedeutung dieses AuSbruchS von Arbeitererbitterung nicht begriffen haben. Cs hat sich von wälzt würden. Während man bisher die Deflation-Politik vor allem in der Herabsetzung der Löhne und Gehälter erblickt hat, soll zu dieser Herabsetzung de- Einkommen- der Masten der Bevöl« kcrung noch die Erhöhung der Preise treten, mit anderen Worten: Man will den Export dadurch beleben, daß man die Lebenshaltung der arveUende« Maste»»och tiefer herabdrückt, al- sie ohnehin ist. Dabei denke man nur an dic Arbeitslofen, die auf ihre Ernährungskarten, die sie bekommen, weniger Waren erhalten würden als bisher. Es entsteht aber auch die Frage, ob ein solches Projekt tatsächlich der tschechoflolvakischen Ausfuhr helfe» tvird. Es ist möglich, daß die anderen Staaten. mit denen wir in wirtschaftlichen Beziehungen stehen, sich gegen ein solches Valutadumping schützen werden. Wenn wir den Exporteuren ein Geschenk von einer Milliarde AL machen, damit diese billiger verkaufe» können, werden zwei« fefloS dic fremden Staaten darin ein Währungsdumping sehen und sich gegen die tschechoslowakische Ausfuhr noch mehr absperren al- bisher.' Der Engliö-Plan tvird,also da- gerade Gegenteil von dem erzielen, was er beabsichtigt. Er wird »richt zur Hebung, son dcrri zur Einschränk ungdertsch echoslowakischen Ausfuhr führen. Dazu kommt noch, daß dic tschechoslowakische Ausfuhr vielfach auf Kompensationsverträgen mit anderen Staaten beruht, d. h. die Menge und der Wert der a u s geführten Waren ssnd ebenso wie der Wert und die Menge der e i n geführten Waren mit dem betreffenden Staat vereinbart und damn kann auch durch die Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit der tschechoflolvakischen Industrie auf dein Auslandsmarkt nichtgeändert tverdcn. Wir können solchen Staaten gegenüber,»nit denen wir Kompensationsverträge haben, die Ausfuhr nur heben, wenn wir die Einfuhr vergrößern, d. h. den anderen Staaten entgegenkommen. Schließlich darf man auch nicht vergestcn, daß wir gegenwärtig in eine Reihe von Staaten nicht exportieren können, tvcil diese Staaten infolge der Passivität ihrer Zahlungsbilanzen nicht bezahlen können. Auch diesen Mangel tverdcn wir durch die Verwirklichung des Engliö-Planeö nicht überwinden. Oder glaubt ettva Engliö, daß die Moratorien in Oesterreich, Ungarn,.Rumänien, Deutschland usw> durch die Subventionierung deL tschechoflolvakischen Exportes beseitigt werden können? So sieht inan, daß der Engliö-Plan an den entscheidenden Gründen des Rückganges . unseres Exportes vorübergeht und daß er in seinen Wirtungen auf nicht» anderes heranS- kommt» als auf die Subventionierung von ein paar Exportindustriellen durch die Erhöhung der Preise der wichtigsten Gebranchswaren im Jnlande, d. h. durch eine erhöhte Ausbeutung der arbeiteirden Plasten, die ohnehin aufs schwerste mit dem Leben ringen. neuem daS opportunistische Schwanken in unseren Reihen gezeigt. In einer ganzen Reihe von Orten und Betrieben schloffen unsere Genossen und Organisationen faule Koinpromitze mit sozialfascistischen Agenten ab, einigten sich über„pietätvolle Erinnerungen" und über Sammlungen für die Hinterbliebenen. Unsere große organisatorische Schloäch« hat sie da gezeigt. In einer ganzen Reihe von Orte»» und Betrieben schloffen unsere Genosse:» und unsere Organisationen faule Kompromisse mit sozialdemokratischen Agenten ab, einigten sich über „Pietäwolle Erinnerungen" und über Sammlungen fiir die Hinterbliebenen. Unsere große organisatorische Schwäche hat sich da gezeigt. Ganz Brüx stand am Rande des Generalstreiks. Die organisatorischen Schwächen der Partei— und insbesondere der roten Verbände— haben sich als Bremse de» Klaffenkampfe» in Brüx und anderwärts erwiesen. Für die Leser deö..Rude Prävo" und damit für die gläubigen Anhänger der kommunistischen Partei kain» also daö Rätselraten beginnen. Welche der beiden zitierten Stellen entspricht der Wahrheit? Sind die Kommunisten stark oder sind sie schwach? Die Leser können da eine Auswahl treffen! Oder kann etwa nach der kommunistischen Dialektik eine Sache zu gleich lvahr und nicht wahr sein? Die Unbefangenen „Vorwärts", und„Internationale" geben eine Erklärung wieder,die der kommunistische Vorsitzende des Betriebsrates des Nelson Hl-Schachtes bürgerlichen Journalisten vorgelegt hat. Die kom- »nunistischen Blätter nehinen nicht den geringsten Anstoß daran, daß ihr Parteigenosse anscheinend zur biirgcrlichen Presse näher hat als zu ihnen. Daß ist schließlich eine Sache, die die kommunistische Parteiöffentlichkeit»nehr interessieren wird als uns. Aus dieser Erklärung über die Schuld an der Osseter Katastrophe, die das von»ms längst schon Gesagte bestätigt, leiten die kommnnist. Blätter mit Recht eine Anklage gegen die Grubenleitung und die zur Aufsicht verpflichteten Stellen ab. Aber so, als ob nichts geschehen wäre, gehen sie dar- ,Rud» Prävo* gegen ,Rudä Prävo* BCSCSES!li meseSB linset neuer Roman: „Oendilungene Pfade“ Ein wahrhafter Eroberer ist A. M. de I) n fl, der Verfasser unseres iienoii Romans. Im katholischen Süden Hollands als Sohn eines arme» Fabriksarbeiters geboren und mit vielen Geschwist.cn in bitterer Not ausgewachsen, erarbeitet:r sich das Lehrerdiplom. Unendlich groß sind die Widerstände, dic sich vor ihm auf. türmen; er überwindet sie all.. Schon früh empfindet A. N. de Jong das Leid seiner Klasse. Und er wird ihr Wortführer, wird der große Dichter ihre.: Entbehrens und Kämpfens. Als Jüngling in den Drill des Kafernenhofs ein- gespannt, schäumt sein Rebcllenblut über. Unter einen: Decknamen veröffentlicht er im Zentral, or^an d..‘„ialdcmokratischen Partei Hollands das„Tagebuch„incS Landsturmmannes". Es »>cht ganz Holland aufhorche» und den unbe- kannten Schreiber so berühmt, das; sich die Militärbehörden zuin Einschreiten veranlaßt sehen. Sie entdecken ihn, aber da er in den Kerker wandert, ist sei»: Name schon iir aller Munde — es ist der Nanre eines der größten Dichter Hollands, eines der größten Dichter des Prolc- tariatü. In einer Auflage von mehr als 200.000 erscheint der vielbändige Roman„Mereyntje Geysen", die Geschichte eines armen Proletarier, jungen. Und zu den 200.000 holländischen Lesern gesellen sich in kurzer Zeit viele zehn» tausende Leser anderer Zungen. Fieberhaft war- tet die holländische Lefcrwelt auf die neuen Arbeiten deS Dichters, der, aus dem Staats- dienst entlassen, in dic Redaktion der sozialdemo- kratischen Zeitung„Het Volk" cingetreten ist. Sein zweiter großer Roman„Ein Verirrter", der Roinan eines jungen Proletariers, der in die„besseren" Kreise„aufsteigt" und so die Welt der Reiche»» aus der Nähe sieht und sie entlarvt, ist wenige Tage nach seinem Erscheinen vergriffen. Der Roman„Verschlungene Pfa- d e", mit dessen Veröffentlichung»vir- beginnen, ist in» deutschen Buchhandel noch nicht erschienen. In ihn»»vird die Freundschaft eines ProletarierkindeL»nit dem Kronprinze»» eines großen Landes behandcll, die durch eine»» fest, sanicn Zufall er»tstcht und sowohl in» Leben da beiden, wie in der Geschichte deö Landes eine große Rolle spielt. Denn dec Prolctarierjunge wird der Führer der Revolution und der Kronprinz wird König. J'nuner wieder begegnen sich die zwei, bekälnpfe»» einander als die Vertreter entgegengesetzter Pri»»zipie»» und gehen schließlich im Wirbel des revolutionären Geschehens aneinander zu Grunde. Wunderbar ist die künstlerische Lösung der Aufgabe, die Verbindung der beiden Lebcnsschicksale glaubhaft zu schildern; dein Dichter ist diese Schilderung auch eine Ge- legenheit, in die Dialoge der beide»» Helden des Romans dic Philosophie des autokratischen Kö- nigtumS und dic Philosophie der Revolution zu verweben und so daS Werk zu einen» tiefen Er- kcnnt»»iSbuch zu gestalten, dessen Lesen erhebt »»nd bereichert. über hinweg, daß sie noch vor wenigen Tagen in ihrer beispiellosen Unwissenheit über den Betriebsrat des Nelson-Schachtes, dessen Vorsitze»»dcr ein Kommunist ist. folgendes schreiben: „Aber mindest so intcreffant und wichtig ist seine Feststellung(gemeint war eine Erklärung Löckerü. D. Red.) daß der Betriebsrat also die R ef o r n» i st e n, von der Senkung der Betriebsregie, also von allen jenen brutale»» Rationaliste- rungSmaßnahmen gewußt und ihnen zugestimmt haben, die die unmittelbare Ursache der Offekcr Katastrophe sind." Aus eine»« Kommuniste»» einen Sozial» faschiften zu machen, uin die Sozialdemokratie für daö Grubenunglück verantwortlich zu machen, ist selbst für die konnnnnistische Presse eine Blamage von besonderem Rang. Wie groß muß eine Blamage sein, um de»»„Vorwärts" und die„Internationale" aus dem Gleichgewicht deö mit sich selbst Zufriedene»» zu bringen- Geschweige dem», sie zu einer Berichtigung der Angriffe auf die Sozialdemokraten z»» veranlassen. » 4«a ameriitanisdic Bergleute streiken New Nork, 16. Jänner. 15.400 Bergarbeiter der Anthrazitgruben in Wilkesbarre(Pennsylva- nicn) sind in den Ausstand getreten. Der Streik umfaßt 20 Gruben. Der Ausstand steht ün Zu« samincnhang mit einem anderen großen Streik in den pennsylvanischen Gruben,»velchc infolge von Lohn- und Organisationskonflikteil auSgcbrochen sind. Nr. 18 Mittwoch, 17. Jünner 1934 «eite 3 Währungsdiktator Roosevelt Alles Geld In USA wird aus dem Umlauf serösen Washington, IS. Jänner. lReuter.) Präsident R o o s e v e l t ist der Ansicht, daß die Regierung an der von ihin geplanten Dollar-Entwertung 3400 bis 4200 Millionen Dollar gewinnt. Der Roosevelts WährungSprojekte enthaltende Ge- seheutwurf sicht mit Genehinigung des Präsidenten der Ermächtigung des Finanzministers zum Anlauf jedwcderGoldmcnge in den Vereinigten Staaten oder im Auslände vor. Der Finanzminister kann auch das Gold in den Vereinigten Staate» oder im Auslande verlaufen und zwecks Stabilisierung des Währungükur- ses Schecks, Schuldverschreibungen oder andere Wertpapiere des Handels kaufen, verlaufen oder eSkontieren. Der erwähnte Entlvurf enthält auch die Bestimmung, dass alles Gold in den Vereinigten Staaten derRcgierung abzutre» t e n ist und alles Gold aus dem Umlauf gezogen wird. Der Vorsitzende des BankcnauSschusseö deü Repräsentantenhauses, F l e t ch e r, hat den Gesetzentwurf über die Währungöpläne Roosevelts, der ihin vom Weissen Hause übermittelt worden Ivar, bereits dem Repräsentantenhaus vorgelegt. Der Gesetzentwurf wurde gleichzeitig auch dem Senat vorgelegt. Finanzministcr Marge nthau vertritt die Ansicht, das; ein Ucbereinlommen zwischen den Vereinigten Staatcit von Anrerila, Grossbritan- nien und Frankreich auöreichcn würde, um ein« internationale Stabilisierung hcrbeizuführen. Er fügte hinzu, das; die Goldbestände der Vereinigten Staaten auf die anderen Länder in Form von HandelSkrcdilen verteilt werden könnten. „Mitteleuropas Ruhe durch Deutschland bedroht" Rede des französischen Aussenministers Paris, 16. Jänner. Der Senat hat heute abends die Beratungen über die Interpellationen betreffend die Aussenpolitik beendet. Der nationale Senator General Bourgeois sprach hauptsächlich über die offenen und geheimen Rüstungen Deutschlands. Er erklärte, das; Deutschland im Jähre 1035 eine gleichstarke, wenn nicht stärkere und schlagfertigere Armee besitzen werde, alü Frankreich. Der General forderte die Regierung auf, ihre gan-e Aufmerksamkeit den deutschen Rü- swngen zu widinen. Gegen Abend ergriff AuBenmlnister Paul-Boncour das Wort, um aus die Interpellationen zu antworten, wobei er ein Exposee iiber die französischc Autzenpolitil erstattete: „Verhehlen wir uns nicht die Schwierigkeiten" sagte der Außenminister u. a.„behalten wir aber unsere Ruhe." Eine gewisse Beunruhigung ist vorhanden, inan in ns- sie ausdrücklich nennen: vor allem hat die Bewegung, von der das jetzige Deutschland erschüttert wird, Europa vor eine ernste Situation gestellt. Wenn wir jedwede Einmischung fremder Staate» in unsere innere Politik verbieten, dann müssen wir dir gleiche Linie verfolgen auch gegenüber den anderen Äaaten, also auch gegenüber Deutschland. Andererseits ist eö jedoch sicher, dass die R a s s e n» ider, die Hitlrrdrntschland verkündet, im grundlegende» Widerspruch zu unseren Ansichten steht. Diese Hitlersche Rassrnidre überwuchert in letzter Zeit die Grenzen Deutschlands und ruft wirkliche Beunruhigung bei den Nachbarn hervor. Beweise dafür sind einerseits das Saar» Problem, andererseits O e st e r r e i ch. Wir verzichten nicht auf das Plebiszit. Die Saarbevölkerung mutz selbst frei über ihre Zukunft entscheide». Der zweite Fall, wo sich der H i t l e r s ch e Druck in Gewalttätigkeit entlädt, ist Oesterreich. Frankreich hat dir N n a b h ü n- gigkeit Oesterreichs imnirr als 2 t ü tz- Pfeiler deö Gleichgewichtes nicht nur in Mitteleuropa, sondern in ganz Europa betrachtet. Frankreich und Italien sind sich darin einig, dass die Unabhängigkeit Oesterreichs respektiert werden mutz(Beifall, Rufe: „Sehr g u t"). Wir dürfen nicht vergessen, sagte Paul-Boncour, datz Italien eines Tages fürchte» könnte, daß sich der gerinanische Druck in erhöhtem Matze an seinen eigenen Grenzen äußert. Die französische Autzenpolitil beschränkt sich jedoch nicht nur auf diese negativen Prinzipien, im Gegenteil Frankreich sehnt sich damach, ruhig daü Werk des Wiederaufbaues Mitteleuropas zu verlvirklichen und es wünscht, diese Polllik im vollen Einvernehmen mit allen Staaten und auck' gemeinsam mit Italien führen zu können. Der Autzcruninifter sprach dann über das Berhältnis zu Deutschland. Frankreich verfolgt keine Politik der Einkreisung Deutschlands. Dieses Wort„Einkreisung" kann manchmal kriegerisch klingen, sagte Paul-Boncour. Frankreich ist von irgendwelchen KriegSziclen weit entfernt. Es bemüht sich aufrichtig um ein« Vie Antwort an die „Deutsche Landpost“ In der letzten Zeit ist die„Deutsche Landpost" sehr neugierig geworden und hat schrecklich viel zu fragen.„Warum die grotze Schweine« und Fetteinfuhr"? war eine dieser Fragen in ganz grotzer Aufmachung. Dazu bemerken wir vorerst, datz die Einfuhr im vergangenen Jahre wesentlich geringer war, als vorher. Die„Deutsche Landpost" meint aber, datz die Hälfte der vorjährigen Einfuhren vollauf genügen würde, uni zu einer rentablen Schweinewirtschaft zu gelangen. Sollte eS der Landpost wirklich nicht bekannt sein, datz zu den allergrötzten Importeuren gerade die agrarischen Organisationen gehören? Die Syndikats-Einfuhrquote der Agrarier beträgt 25 Prozent vom Gesamtquantum. Ein Viertel aller Importe wird von den Agrariern durchgeführt. Die Konsumentenzentralen importieren nur was sie für ihre eigene Organisation benötigen. Für wen aber iuiportieren denn die Großagrarier? Etwa für die Landwirte? Wenn es wahr ist, daß die großen Importe Schuld sind an den„schlechten" Schweinepreisrn, dann dürfte» doch die Agrarier dir ihnen zustehendrn 2b Prozent der EinsuhrSauote nicht realisieren! Ist der Import vom Standpunkte der Agrarier zu verdammen, dann ist es ein doppeltes Vergehen, wenn dies von den Agrarier«» selbst geschieht. Den privaten Schweineimport zu bekämpfen, weil er angeblich:,schädlich" und selbst zu importieren, ist das nicht unaufrichtig, ist daS nicht stark demagogisch? PolitÜ dcS Friedens und des Einventehmens mit allen Staaten, also auch mit Deutschland, auf dem Gebiete internationaler Politik und wünscht, datz sich Deutschland diesen Bestrebungen anschlietze. Die Art, mit welcher Frankreich daü Angebot Deutschlands für einen N i ch t a n- griffüp„kt angenommen hat, beweist die Wahrhaftigkeit der Bestrebungen der französischen Rcgiermlg für ein Einvernehmen mit Deutschland. Frankreich bleibt seinen Freunden treu. Der Autzenminister gab hierauf eine ausführliche Darlegung über die Verhandlungen betreffend den Vicrmächtepakt. Er betonte, datz die kleinen Entente st aaten nach reiflicher Erwägung diesen: Pakt beigctretei« seien. Die französische Regierung habe mit den kleinen Ententestaaten Noten getauscht, in welchen sie diesen Staate«« die Unantastbarkeit ihrer Rechte voll bestätigte. Alle Bestrebungen der französischen Autzenpolitil sind auf die Erweiterung des Eiiwernehmens gerichtet, namenllich jener Ab- koinmcn, die das Netz der Sicherheit erweitern. Die Ergebnisse dieser Politik in den letzten Mo- nateit seien wirklich erfreulich. Die Beziehungen Frankreichs zur Kleinen Entente und vor Nazi-Terror Im Saargebiet Aufsehenerregende Erklärung der Regierungskommission an den Völkerbund Genf, 10. Jänner.(Havas), Das Gene» ralsekretariat des Völkerbundes hat heute de» Text der Petition veröffentlicht» die dem Völker, bund von der Fraktion der Deutschen Front im Landesrat für das Saargebiet zu- gekommen ist und die Antwort ans diese Petition, die der Vorsitzende der Regie- rungskommissio» des Saargebietes, Knox, dem Völkerbund sandte. In ihrer Petition bestreitet die Deutsche Front dir Richtigkeit der Schilderung der Lage im Saargebiet, wie sie im letzte«« Referat der RegirrungSkommission, das an den Völkerbund erstattet wurde, enthalten ist. Die Rrgierungskommission erklärt in ihrer Antwort auf diese Petition, datz sie über die umstürzlerische Tätigkeit einer politischen Partei nicht gleichgültig bleiben konnte, die sich den Namen einer Organisation beilegt, welche außerhalb des Saargebie- tes eziftiert und ein« mibeschräickte Macht beanspruche. Die Regierimgükommission konsta- tiert, datz sich die Nationalsozialisten im Saargebiet terroristische Handtun g e n zuschulden kommen ließen, äußersten Boykott und die Verfolgung der Juden und aller politischen an den Saarverbandlungen Berlin,!«. Jänner.(DNB) Die Reichs- regierung hat noch keine Entscheidung über die Einladung des Bölkerbundratrs zur Teilnahme a«r den Saar-Beratungen in Ge«lf getroffen, Wir die Berliner Morgenblätter aber übereinstimmend Mitteilen, dürfte die Antwort negativ ausfallen, da feit dem Austritt Deutschlands ans dem Bölkerbnitde eine grundsätzliche Aenderung in dessen Haltung nicht eingetreten sei. Durch eine etwaige deutsche Teilnahme würde eilt„gefährlicher Präzedenzfall geschaffen«erden. Die ReichS- regierung habe keinen Anlaß, dem Völkrrbrmde die Verantwortung für die Regelung der Saarfrage abzunehmen. Ein französischer Kommentar Paris, 16. Jänner. Derm Malin" zufolge wird nurgen keine Sitzung deü BölkerbmidrateS stattfinden, um Deutschland Gelegenheit zur Antwort auf die Einladung zu den Saar-Berhandlun- gen zu geben. Demselben Blatte zufolge sind die Türei« geöffnet, doch könne man sich nicht irgendwelchen besonderen Illusionen über das Ergebnis der höflichen französischen Aktion hingeben. Bei der Lösung der im grotzen Interesse Deutschlands gelegenen Saarfrage werde die Mehrheit der Stimmen entscheiden, was bedeute, datz die Stimme Deutschlands auf daü Ergebnis der Abstimmung vo«« sehr grosser Wirkung seil« könnte. Schliesslich handle es sich bei den Verhandlungen Wer die Saarfrage nicht bloss um die Einzelheiten bei der Durchführung der Plebiszitabstimmung oder um irgendwelche äusseren Borberellungen. Der Bölkerbundrat ivird darüber entscheiden, ob die Plebiszitabstimmung nach Kantonen und Bezirken, oder auf dem gesamten Saargebiete vor sich gehen wird. Polen habe«« sich namentlich durch die persönlichen Besuche der Minister dieser Staaten gefestigt. Gefestigt habe sich auch das Verhältnis zu Italien, der Türkei und S o iv j et- ruh l a n d. Autzenminister. Boncour sprach hierauf über die Beziehungen zu Italic«« und brachte seine Freude darüber znm Ausdruck, datz die Spannung zwischen Italien und Ingo s I a lv i c n in letzter Zeit gcschivunden sei. Weiters besprach der Minislar das Verhältnis zu Oe st e r r e i ch. Er konstatierte, dass diese Annäh«rui«g ein Vorteil nicht mir für die französische Politik, sondern auch für die alleuropäische Politik sei. Zun« Schluss sprach Boncour die Hoffnung aus, dass der Abgang Deutschlands aus dem Völkerbund und der Allgemeinen Abrüstungskonferenz nur ein vorübergehender fei und dass cs wieder zur internationale«« Zusmnmcnarbcit zurückkehren«verde. In der Frage der allgemeinen Abrüstung sagte Minister Boncour: Wenn die allgemeine Abrüstungskonferenz scheiten««vürde, dann würde ein neuerliches wahnsinniges Wettrüsten beginnen. Dann müßte man definitiv auf jedwede internationale Sicherheit verzichten und daS will Frankreich uin keinen Preis. Fra««kreich hat in bei« letzten Wochen einen neue«« Beweis seiner Versöhnlichkeit gegenüber Deutschland in dein letzte«« für die deutsche Regierung bestimmten Me- nloraudun« gegeben. ES erwarte nun, daß Deutschland diese frcnndschaftliche Aufforderung begreift und zur internafionalen Zusammenarbeit zurückkehrt. Zweck haben, alü den, die Auflösung dieser Logen möglichst zu erleichtern. Schon wenn ein Mitglied es fordert, muss eine Mitgliederversammlung znm Zwecke der Beratung dcS Auflösungsantrages einberufci« werden. In der A««ordnung heisst es ausdrücklich, dein vielfach in den örtlichen Logen hervorgetxes tcnen Bestreben, im Hinblick auf die gesamte politische Entlvicklung in Deutschland die Auflösung zu vollziehen, müsse Rechnung getragen werden. Er— Goering— selbst könne jedenfalls keinerlei Bedürfnis mehr für die Erhaltung dieser Logen erkennen. Goering verhöhnt die Emigranten Berlin, 18. Jänner, kdnb.) Minister« ! Präsident Goering hat als Ehef der Geheimen Staatspolizei zu den Fragen der Rückwände» rung deutscher Emigranten auü dem AuSlande an die Oberpräsidenten» Rrgirrnngsprästdenten und sämtliche Staatspolizeistrllen einen Erlaß gerichtet, in dem u. a. gesagt wird, daß sich infolge der ollmählichri« Verschlechterung der wirtschaft kichrn Lage der Mehrzahl der Emigranten schon jetzt eine zunächst noch langsame Rückwanderung nach Drutchland bemerkbar«nacht. Zur Gewährleistung einer einheitlichru Behandlung dieser zurückkehrenden Emigranten ersucht der preußische Ministerpräsident nm sorgfältige Beachtung besonderer Richtlinien, die er hiefür aufgeftellt hat. In dei« Richtlinien Iverdcn die Emigranten in verschiedene Klassen eingetcilt und entsprechend eine unterschiedliche Behandlung anempsohlen. Darnach besteht an der Rücklehr lriminellcr Elemente, ,,derc>« Zahl die der«virllichen politischen Flüchtlinge bei«vciten« übertrifft", keinerlei Interesse. Auch die Rückkehr der vielen Tausende von Flüchtlingen nichtdcutscher Staatsangehörigkeit— ihre Zahl beläuft sich nach Mitteilungen dcS Lausanner FlüchtlingShilfSwerkeS auf l 0.000 von insgesamt 60.000 Flüchtlingen— ist int „neuen Deutschland" nicht erwünscht. Falls diese „nieist auS dem Osten eingelvanderten Personen" wieder in Deutschland auftanchci« sollten, sind sic in polizeiliche Haft zu nehinen und bis zur endgültige«« Ausweisung in ein Konzentrationslager zu bringen.„Die m a r x i st i- schenZersetzer«n«d Verbrecher"— so heisst cS im Amtlichen Preutzischen Pressedienst— „die sich früher in fiihrende«« Stellungen befunden haben, müssen gewärtig sein, dass aus jede ihrer Niederträchtigkeiten hii« alle mögliche«« Repressalie«« persönlicher u««d vermögcnsrechtlicher Art ergriffen werden." Dagegen soll den„grundlos verängstigten" Volksgenossen, die auf Grund gewissenloser Propaganda ins Ausland geflohen sind, die Heimkehr nicht verwehrt werden, wen«« sie vertrauensvoll zurückkehren und beweisen können, das; sie schon vor ihrer Rückkehr bemüht gewesc«« sind, gegen die Greuel- und Hetzpropaganda im AuSlande Front zu machen. Das Ganze ist, wie man sieht, eine freche Verhöhmmg der Emigration. Die Zahl der kriminellen Elemente in der Emigratioi« kann i«äm- lich schon deshalb nicht jene der wirklichen politischen Flüchtlinge übertreffen, weil alle in« deutschen Volke vorhandene«« kriminellen Elemc««te im Lande geblieben und restlos in der SA und in den deutschen Regierungsstellen untergebracht sind. Wer vo>« de«« Emigrante«« bliel>e aber, wenn sichs tatsächlich in der Mehrheit um„kriminelle Elemente" handelte, der Gnade des ReichötagSbrand- stifters würdig? Die Flüchtlinge ohne deutsche Staatsangehörigkeit koinmen von vornherein nicht in Frage, die Marxisten scheiden auü und übrig bleibe«« nur die„Kleinen", die„durch eine gewissenlose Propaganda" grundlos verängstigt wurden.— Aber diese Propaganda Ivar bekanntlich nach den« Einsehen dcS Terrors nicht mehr möglich und all die„Kleinen", die über die Grenze ginge«« und mehr über die deutsche Wirklichkeit erfuhren, als»nm« in« Deutschlands Goc- rings zu hören verinag, habe«« erkannt, dass sie recht taten, dem Hnnnenlande dc>« Rücken zu «kehren. Der Erlass deö Bluthundes Goering ist««ichts anders als ein Appell an die Emigration, Verrat zugunsten der Gocringschcn Barbarei zu üben. Sie werde«« sich hüten, nach seiner freundschaftlichen Hand zu greife««. ES könnte ihnen so gehen, wie dem armen Lubbr. Keine OSS Gegner verkündeten, datz diese Hetze so grotze Ausmaße erreicht habe, daß die RegierungS- kommission täglich mit Beschwerden auS den verschiedensten BrvölkrrungSkreisen und-schichte» des Saargebietes überschüttet worden sei. Die nationalsozialistische Partei habe eine geheime B e r«o a l t n n g organisiert und habe sich dadurch RrgirrnngSsnnktio- uen angcmaßt, datz sie den Grmeindeäintern verschiedene Befehle erteilte. Dir nationalsozialistischen Organisationen,«vrlche militärischen llharakter tragen, bestünden— trotzdem sie verboten«vurdcn— it» geheimen immer noch weiter und veranstaltete«« stzsteniatisch militärische Hebungen. I» einem de« einem nationalsozialistischen Funktionär beschlagnahmten Dok««ment erklärt dieser Funktionär, daß er im Falle der „Gefahr" in einigen wenigen Stunden 1500 bewaffnete Männer mit Automobilen und Motorrädern zur Verfügung haben könne. Diese militärischen Organisationen, die im Plebiszitgebiet ganz besonders gefährlich seien, existieren aber nicht nur im Saargebiet, was a»«s rillen« ain v. November 11)33 von München gesandten Briefe Habichts hervorgehc. In diesen« Briefe schreibt Habicht, daß„die Deutschen deS SaargebieteS eventuell nach Oester- reich eindringrn können". Unter solchen Umstünden mußte die Nrgierungskom- mission deS Saargebietes zu der Ueberzeuguug kommen, datz sic die ergriffenen Maßnahme«« nicht im n«indeste>« mildern dürfe und daß sie ihre Pflicht versäumen«vürde.«vrnn sie die Situation im Saargebiet dem Völkerbundrot anders schilderte, alü sie in Wirklichkeit ist. Deutschlands Die deutsche Antwort angegangen Berlin, 10. Jänner, sdnb.) Heute abends ist die Antwort hinsichtlich der Beteiligung der ReichSregierung au den Beratungen des Völker- bundrateS über die Saarfrage abgegangen. Sic wird über den deutschen Konsul ii« Genf an den Generalsekretär des Völkerbundes geleitet. Goering gegen die Freimaurerlogen Berlin, 10. Jänner. Der preussische Ministerpräsident Goering hat an die drei grosse«« Freimaurerlogen in Preusse«« eine„Anordmmg" gerichtet, worin er ihnen verschiedene Satzungsänderungen aufzwingt, welche keinen anderen 4 Nr. 18 Mitwsck, 17. Jänner 1934 I i zur Unkenntlichkeit verbrannt, bi» I i I •I« Warenhan» verbrannt Lille, 16. Jänner. In der Nacht auf heute brach in,einein großen Geschäftshause ein Brand aus, durch welchen es vollständig vernichtet wurde. Zn der deutschen Arbeitersendnng beim Prager Radiolournal spricht heut e. Mitt- ivoch abends um 17.85 Uhr Genosse E in i l Haas e. der Zcntralsckrctär der Union der Bergarbeiter über: „Die Osseter Katastrophe und die Forderungen der Bergarbeiter"— Anschließend ArbeitS markt- Bericht. » Achtung! Michtin! Für die in- und ausländischen Wettkäinpfer wurde zur Fahrt nach Grostbaminer eine außerordentliche Fahrpreisermäßigung durch das Eisenbahn-Ministerium bewilligt. Die Ermäßigung beträgt beiläufig 50 Prozent nach den« Personcntarif 4 auf einzelne Aus- ioeise, toelche die Staatsbahndirektion Prag durch de» Verband der DTJC. herausgibt, llnt diese Erinäßigung zu erreichen, müssen alle gemeldeten Wettkämpfer unverzüg- lich an die Adresse Svaz DTJC., Praha II-, Havliäkovo 5a, folgende Angaben senden: Bornich Zuname, Name und Sitz des Verbandes, dem sie angehören, Name der Antritts-Station und die Strecke, die sie zur Fahrt nach Großhammer ''enützen wollen. Die notwendigen Ausweise für >ie Fahrpreiserniästigung tverden ihnen dann nach Eintragung bei der Staatsbahndirektion zuge- 'andt. Die Wettkänipfer müssen sich bei der Fahrkarten-Ansgabe und dem Zugspersonal gegenüber sowohl mit dem ertvähnten Ausweis, als auch mit der Berbandslcgitimation ausweisen. Katastrophe beim Straßenbau Jnnobrnck, 16. Jänner. Am Dienstag vormittags ging bei cineni Straßenbau in GerloS im Zillertal ein Holz st n r z nieder. Die GcsteinSinassen begruben niehrcre Arbeiter. Drei von ihnen wurden auf der Stelle getö- t e t, einige lonnten schivcr verletzt geborgen werden. Die Verletzten tvurdcn ins Krankenhaus nach Schtvarz übergcsührt. Ta die Möglichkeit fremden Verschuldens besteht, ist eine Gerichiskommission aus Innsbruck nach der Stätte des Unfalles gesandt lvordcn. Gemeindewachuumn erschießt zwei Personen Unbesonnenheit oder Mißbrauch der Waffe? Prag, 16. Jänner. In der Gemeinde.st h j c an der Prager Stadtgrcnze- kam eö gestern abends zu einem blutigen Ereignis, dein bisher ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der Gemcindewach- mann Karl H l i ü ä k forderte in einem Gasthaus zwei Männer, die ihm verdächtig schienen, zur Auöwcislcistnng auf. Da die beiden Schwierigkeiten«nachten, ging der Wachinann mit ihnen auf die menschenleere Straße. Dort sollen sie ihn— wie er angibt— überfallen und gewürgt haben. In Notwehr will H l i n ä l geschoßen und beide Männer verletzt haben. Dann holte er die Gendarmerie, die die Verwundeten in daö Kranken- lprnL auf der Bulovla überführen ließ. Dort st a r b der eine wenige Stunden nach der Einlieferung, während der zweite operiert tvurde und vielleicht am Leben erhalten werden kann. Es handelt sich um zwei Maurer, die verheiratet und Väter sind. Die Gendarmerie untersucht den Fall, um aufzullären, ob tatsächlich Notwehr vorlag. Drei Reichenberger Soldaten als Räuber Rricheuterg, 16. Jänner. Nach längerem Bc- mühungen der Reicbenberger Polizeidirektion ist es durch einen glücklichen Zufall gelungen, mehrere s ch iv e r e R a u b ü b e r f ä l l e der letzten Zeit in Reichenberg und Umgebung auszuklären und die Täler in den Personen dreier Soldaten zu ermitteln und festznnehmcn. Ta die Soldaten bei der Verübung der RaubübersLUe in ihrer Unifonn zu bald erkannt worden tvären, besorgten sie sich Z i v i l k l e i d e r, einen R e- volver und schwarze Masken. In den Räubern wurden die Soldaten Josef Plcchy, Josef Kyry und JosefKlapka sichergestcllt, die dem zuständigen Militärgericht cingclicfcrt tvurden. Die drei Soldaten hatten in zahlreichen Fällen Leute überfallen, mit dem Revolver bedroht, dabei auch geschossen und den Ucberfallcncn ihr Bargeld abgcnemmen. Die Unterschlagungen in der BBA Marienbad Nazibcamtrr veruntreut 200.000 KC. Ter Beamte der BczirkSkrankenversicherungö- anstalt in Marienbad. ein in nationalen Kreisen sehr bekannter Herr namens.st a ch l e r, Ivie wir schon berichtet haben, hat einen Teil der Gelder, die in Form von Mitgliedöbeitrügen bei der Anstalt einliefen, nicht verbucht, sondern für sich behalten und verbraucht. Die Kriminalpolizei, die mit der Untersuchung der Verbrechen des Kachler betraut wurde, hat bis jetzt herauSgefun- dcn. daß gegen 200.000 Ke unterschlagen wurden. Außerdem hat.stachler, der gleichzeitig Verwalter des Krankenheimes in Marienbad tvar, in dieser Eigenschaft ebenfalls 30.000 Kü unter- siblagcn. Er hat ztvar den Betrag, als eine Revision die Unterschlagung beim Krankenheim sesi- stellle. erlegt, doch geschah dies mit Geld, das er der Kaste der BVA. entnahm. Die Gemeinde Marienbad lvird nun der Kranteniassa die 510.000 Kc zurückzahlen und den Schaden, der ihr durch das Protektionölind verursacht tvurde, selbst tragen inüsten. stachler tvurde verhaftet, doch soll er schon wieder freigelasscn tvorden sein, nachdem seine nationalen Freunder!» eine staution von 50.000 Kc für ihn erlegten. TagcsnculghcMcn Der schwarze Tod In der Rächt vom Montag auf Dienstag wurde auf der Grube Alexander in Herrlich der Bergmann Anion P o L t a aus Bruch, durch Trckrneinsturz getötet. Sein Arbeitskollege konnte rechtzeitig flüchten. Der auf drm Schlachtselde der Arbeit gefallene Bergarbeiter war lnnm 29 Jahre alt nnd hinterläßt Fran«nd.st i n d. Genosie Josef Schmidt, Freudenthal, begeht am 18. Jänner seinen s e ch z i g ft e n Geburtstag. Wenn wir bei dieser Gelegenheit seiner gedenken und ihm die lvärmsten Grüße der Parteiöffentlichteit übermitteln, dann geschieht dies in Anerkennung der großen Verdienste, die er sich in jahrzehntelanger Arbeit um den Aufstieg der Arbeiterbewegung deö Frcudenthalcr Gebiets erlvorben hat. In der Partei, der Gewerkschaft, der Genossenschaft, den Kulturorga- nisationen, besonders aber als Kommunalpolitiker, hat Gen. Schmidt Hervorragendes geleistet. Wir lvünfchen dem Jubilar die lange Erhaltung seiner Arbeitskraft für die Arbeiterbewegung. Dieser Wunsch entspricht lvohl auch den innersten Gefühlen des Genossen Schniidt. Verhaftete Sacharinschmuggler. Organe der Gcfällökontrolle forschten bereits fest längerer Zeit nach den Verbreitern geschnuiggcltcn Sacharins deutschen Ursprungs, lvelcher unter verschiedenen Namen aus Mährisch-Ostrau nach UZHorod gesandt wurde. Nun gelang es, den Ujhoroder Schuhwarenhändler Jenoe Neu- Wirth in deni Augenblicke zu ertappen, als er eine auö Mährisch Ostrau abgegangcne Sendung von 60 Kilogramm Sacharin übernahm. Neu- Wirth, solvie der Schuster Alexander Roth, lvelcher die Sendung verbarg, lvurdcn verhaftet und dem Gerichte eingelicsert. Oie deulHhe Hcbeiteramdung beim Prager Radloioumal Der„Freie Radiobund" teilt mit: Die Prager deutsche Arbeitersendung wird gemäß einer am Montag beschlossenen Regelung von nun an allwöchentlich über folgende Sendezeiten verfügen: Mittwoch 18.35 bis 18.55(Liblitz) Freitag 18.50 bis 19.00(Liblitz) Sonntag 14.45 bis 15.00(Straschnitz) Dank deir Bemühungen der Partei und deS Genossen Dr. C z c ch hat also die Sendung für i die deutschen Arbeiter eine wesentliche Berlän» ! grrung der Bortragszeit nnd damit auch die Mög- ' lichkeit einer programmatischen Ausgestaltung z« > verzeichnen. Außerdem werden im Anschluß an dir Bor- ' träge am Mittwoch von 18.55 bis 19.00 rcgel- • mäßig„Soziale I n f o r in a t i o n r n" ge- i sendet werden. Tie deutschen Arbritsinarktbe» «richte werden nunmehr über den L i b l i tz er « Sender nm Mittwoch von 14.05 bis 14.15, über die Sender Brün n nnd M ä h r.- O st r a n am Donnerstag von 14.05 bis 14.15 gesendet wer- «den. Auch diese Berichte sind also bedeutend er- | weitert worden. Kleiderroaschen in Benzin— vier Schwerverletzte in Brünn Brünn, 16. Jänner. In einem Hause auf der Spitalöwiese in Brünn ereignete sich heute um 19 Uhr 30 Min. eine Explosion, bei der vier Personen verletzt wurden. Die 20jährige Schneiderin Vlasta K Vito n o v ä lmisch in der.stäche in etwa einem Liter Benzin in der Nähe deS Svarhcrdcs, in dem ein Feuer brannte, Kleider. Plötzlich explodierten die entweichenden Dämpfe. Die Explosion Ivar so stark, daß sogar die Decke der Küche und des Nebenzimmers ein loenig gehoben tvurden. Der 56- jährige Fr. st viton und seine 55jährige Frau Josefa, ihre Tochter Vlasta und ihr Sohn Franz erlitten am ganzen Körper sehr schwere Brandwunden. Sie wurden von der Rettungsstation in das.Krankenhaus ge- \ bracht. An dem Auflommen des 25jährigen Soh- !»cs lvird gezweifelt. Die Wohnung wurde gcräuint und bis zum Eintreffen der städtischen Vaukommission, die morgen die llnglucksstätte besichtigen wird, gc- ! sperrt. Die wintersportlichen wett* kämpfe in Großhammer im Nahmen des 3. BundeS-Turn- und Sportfestes des Verbandes der DTJE.(Dritte Tsche choslowakische Arbeiter-Olympiade) iverden eine reiche internationale Konkurrenz, besonders in Skilauf und Sprung, aufweisen. Ans Finnland sind bereits zwei, Ungarn sieben, aus O e st e r r e ich drei Wettkämpfer gemeldet, es lvird noch die Meldung mis Polen erwartet. Aus der Tschechoslowakei beteiligen sich an den Wettkämpfen der Verband der DTJE., der Aussiger Arbeiter-Turn» und Sportverband, der Verband der tschechischen Arbeiter-Touristen sowie der Touristenverein„Die Naturfreunde". Die Wettkämpfe beginnen am 27. Jänner um 9 Uhr vormirtagS und werden am 28. Jänner nach- niittags mit dem Skispringen von der Schanze in Blavv solvie abends mit der Sieger-Verkündigung abgeschlossen.. Am 21. Jänner finden in Großhainmer die Wettkänipfe der Kinder im Skilaufen und Springen statt. Selbststellung eines Mörders Ein abgrwirsrner Freier erschießt die Tochter eines Großbauern. Am Montag meldete sich bei der Prager Gendarmerie der Bauernsohn Franz D o st ä l und bekannte,daß er in der Nacht vorher die Tochter des reichen Bauern st h t 1 i c in einem Wald bei Ni i- rovice in der Hanä erschossen hatte. Das Mädchen hatte ihren Bräutigani zur Bahn be- l gleitet und traf unterwegs den D o st ä l, der sich um sie beworben hatte, jedoch zurückgelviesen lvordcn war. D o st00 Angestellten des Warenhauses sind' durch den Brand brotlos geworden. Wirbelstürme über Madagaskar Paris, 15. Jänner. Nach e«ncr Mitteilung deS Kolonialminijterimus wütete im Nordwesten von Madagaskar in der Nähe von Mananjary ein Wirbelsturm, der ungehcurcn Schaden angerichtet hat und mehrere Menschenleben forderte. Der Wasserstand des Flusses Mananjary hat 15 Meter erreicht und dainit deir Hochs«stand von 1928 noch uni 2 Meter übertroffen. Die in der Nähe des Flusses gelegenen Besitzungen stehen unter Wasser nnd zahlreiche Gebäude sind eingcstürzt. Man hat bisher die Leichen von sieben Eingeborenen gefunden; 15 andere werden noch vermißt und man befürchtet, daß sie entweder von de«r Wassermassen fortgeschwemmt tvurden oder unter den Trümmern der eingestürzten Häuser begraben liegen. Europäische Opfer sind nicht zu beklagen. i Der„Smaragd' als Rekordflieger Paris, 16. Jänner.(Havaö.) Der„Smaragd", welcher vollständig zertrümmert wurde, hatte viele Flüge absolviert, bei denen er mit voller Belastung eine durchschnittliche Schnelligkeit von 300 Kilometern erreichte. Er erzielte auch einen Rekord auf einer 1000- und 2000-Kilo- «netcr-Sirccke mit 500 Kilogrannn Belastung mit einer Stundcugeschivindigkcir von 256 Kilometern per Stunde. Auf dem„Smaragd" hatte seinerzeit der Lustsckissahrtsminister Pierre C o t seine Reise i nach Sowjetrußland unternommen. Streit der Buchdrucker in der„Deutschen Presse". Das Personal der Druckerei„Vita", in der die„Deutsche Presse" hergestellt lvird und die dein Preßverein„Egcrland" gehört, ist in den Streit getreten. Der Grund liegt in der Kürzung gewisser Einkünfte des Personals. Als die Herausgeber der steitung gegen zwei Setzer niit der Kündigung vorgingen, erklärte sich das Setzereipersonal mit den Gekündigten solidarisch und verließ die Betriebsställe. Wer weiß etwas? Durch strafbare Manipu- laiioiren, welche in der S t a t i o n s l a s s e in T s ck e ch i s ch- T e s ch e n. vom ehemaligen Kassier Karl Lamick«, Franz Bucht« und Genossen, i bis zum 29. April 1932 begangen lvurdcn, ist der Tschechoslolvakischc Staat(Eiscnbahnvcrwaltungl geschädigt worden, da shm bisher etwa 730.000 Kronen nicht zn rü ck e rsta t t e t tvurden. 1 ! Da der begründete Verdacht besteht, daß ein Teil > dieser Geldsumme irgendwo vcrlvahrt ist, sichert die Staatsbahndirektily« in Olmütz demjenigen, | auf dessen konkrete Angaben die verborgenen Gelder ansgcsorscht und der Bahn rückerstattet werden. eine Belohnung von den der Bahn zu- riickgestellten Geldern, und zlvar 10 Prozent von dem Gckde bis Kö 2000.— und 5 Prozent von einem höheren Betrage zu. Falls die Geldsumme ! der Dahn auf Grund mehrerer Angaben zurück- I erstattet wird, behält sich die Staatsbahndircktion ,| in Olmütz vor, die Belohnung unter den hiezu Berechtigten zu teilen. Die Angaben können bei der Staatsbahndirektion in Olmütz oder bei jeder Sicherheitsbehörde gemacht lverdcn. Wetter veränderlich. Bei lebhaftem Luftzu- fluß aus dem Südtvestcn stieg Montag die Tcm- | peratur in den Niederungen Böhmens allgemein i 1 auf plus 5 bis Plus 6 Grad Celsius. . Böhmisch-Budweiö meldet ein Maximum von j i plus 10 Grad Celsius. In den mittleren und ' j westlichen Teilen der Republik dauert dagegen .• der leichte G a n z ta g 8 f ro st an. Ilcbcrall kam ' i cS zu Schauern, in den höheren Lagen Böhmens und in den östlichen Teilen des Staates überwic- .' gend in Schneeform. Spindlcrinühle meldet \ 18 Zentimeter Neuschnee. Bo«n Westen her nimmt nunmehr der Luftdruck, rasch zu; glcich- , zeitig bildet sich jedoch über dem Mittelmcere i eine Teilstörung, welche weitere Niederschläge, , namentlich in deir mittleren und östlichen Teilen ' des Staatsgebietes, Hervorrufen kann.— Wahr- ' scheinliches Wetter heute: Westen der ; Republik: Veränderlich, jedoch vorwiegend bc- ' wölkt, Schauer, etwas kühler, besonders in ' t den höheren Lagen, West- bis Nordtvesttvind. Mittlere und östliche Tcile des Staates: Vor- ' wiegend trübe, NiedcrschlagSneigung, allmähliche ' Erwärmung. , Autounfall. Auf der Prag—Reichenberger Straße geriet gestern vormittags daö vollbesetzte Personenauto des Trautenauer Fabrikanten Josef , Hybncr ins Gleiten, und fuhr von einer Böschung in ein an der Straße liegendes HauS.Dabei . stürzte der Wagen«un. Die sechs Insassen des AutoS wurden ziemlich schwer verletzt. Bo» einem Holzbalken erschlagen. In Rado- stln bei Velkä Mezikiii beförderte der Landwirt I. Veöeta aus einer Fuhre Holzbalken. Auf dem Dorfplatz lockerte sich plötzlich ein Balken auf der Fuhre und fiel herab. Dem Landwirt gelang cs, noch rechtzeitig beiseite zi« springen und sich unter dem Wagen zu bergen. Als dmm Veöera sah, daß der Balken«nit dem Ende bereits mn Boden liegt, Sk. 18 Mttwoch, 17. Jänner 1834 Das Erdbeben in Indien Kalkutta, 18. Jänner. Die Zahl der Todesopfer beim Erdbeben in Indien ist auf 33 gestiegen; anherdein sind 48 Berlehte zu beklagen. In Jamalpur, wo dnS Erdbeben besonders grosse Schäden angerichtet hat, sind zehn Personen getötet und fünfzehn verwundet. In Patna sind wiederum leichte Erdstöße wahrgrnoinmrn worden. Tao Nord- OiaugeSgebiet(nördlicher Teil des Flusses(Langes) ist vom Erdbeben am meisten in Mitleidenschaft gezogen worden.) Bo» der Katastrophe sind besonders die Städte Benares, Lncknow, Fatrhpur, Jamalpur und Patna heimgcfucht. In Patna sind 00 Personen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Zahlreiche Tote liegen noch unter de.» Trümmern. 200 Menschen in einer winzigen Dschunke 28 erstickt— 156 unbekannten Schicksals. Loudon, 16. Jänner. Ein schreckliches Ende nahm, Ivie Renier aus Singaporc meldet, der Versuch von 200 Chinesen, in einer winzigen Dschunke Singaporc zu erreichen. Die Chinesen, die in ihrer Nußschale von den» siidchinesischen Hasen Hainan aufgebrochen waren, gerieten auf der Fahrt nach Singaporc in einen fürchterlichen S t u r»n, so das; sie sich in dem für ihre Zahl viel zu engen Räumen unter Deck zusammendrän- gcn muhten. Dabei wurden 28 Fahrgäste in einem kleinen Raum derart zusammen- gepsercht, das; sie erstickten. Die Leichen wurden sodann einfach über Bord geschleudert. Schließlich lief dann die Dschunke den Hafen von Grvß-Scheribon an,>vo 16 Fahrgäste zurückblieben. Was mit den übrigen 156 Passagieren geschehen ist, konnte bisher noch nicht iti Erfahrung gebracht werden. Hunderte falscher Gutachten... Prozeß gegen den Berliner Restaurator Hauser. Berlin, 16. Jänner. Das DNB meldet: Bor der vierten Strafkammer des Landgerichtes Berlin begann am Dienstag der Prozeß gegen den früheren ersten Restaurator der Staatlichen Ge- nmldegalerie, Professor Alois Hauser, lvegen Betruges und schwerer llrlundc>»fälschung. Geivisse Kreise des Kunsthandclö hatten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Professor HauscrS ausgcnützt, und sich von ihm gegen ganz geringe Bezahlung Gutachten nach ihren Wünschen auö- siellen lassen. Nach dem Ergebnis der Borunüir- suchung hat Hauser in dem letzten Jahr hunderte von bewußt unrichtigen Gutachten erstattet, wobei er sich häufig noch als Restaurator der Staatlichen Museen bezeichnete, obwohl er bereits im Jahre 1028 aus dieser Stellung ausgeschiedcn war. Die K u n st h a n d» l e r, für die Professor Hauser arbeitete, haben durch dessen Gutachten phantastischeSum- m e n v e r d i e n t. ■ Neben Hauser haben sich heute noch zwei Händler, Willy Borchardt und Alfred Joseph, wegen gemeinschaftlichen Betruges, schwerer Urkundenfälschung, llntrene und Unterschlagung zu veranttvorten. Weiße Stöcke— Schutzkennzeichen der Blinden Im Herbst des Jahres 1831 wurden in Prag weiße Stöcke als Kennzeichen für Blinde zur Er» Höhung ihrer Sicherheit auf frequentierten Straßen eingefnhrt. Diese Neuerung hat sich vollkommen bewährt. Das LandcSamt in Prag hat nunmehr ein Rundschreiben bezüglich der weißen Stöcke an alle Bezirks- und Staats-Polizeiämter in» Lande Böh- mcn gerichtet, in welchem sie die Sicherheitsorgane antveist, gemäß den örtlichen Verhältnissen die ge- eigneten Maßnahmen nach dem Muster der Prager Polizeidirektion zu treffen und die Lenker aller Fahrzeuge, sotvie die übrige Bevölkerung aufzufordern, Personen mit weißer» Stöcken besondere Aufmerksam keit zu widmen und ihnen soweit als möglich beim lleberschreiten der Fahrbahn behilflich zu sein. Um dem Mißbrauche des Schutzkennzeichens durch sehende Personen, insbesondere zwecks Bettelei» vorznbeugen, sind die Stöcke»nit einem Schild mit der Evidenzmimmer und der Aufschrift„Eft. üstredni peke o slept v Praze", sowie der Legitimation ihrer Inhaber samt Photographie versehen. Die weißen Stöcke werde»» von der Esl. üstkedni pkke o slepk" in Prag IV., Loretanskö niini. 2, auSgcfolgr. Blinde, welche bisher weiße Stöcke nicht besitzen, erhalten sie»i n e n t g e l t l i ch, wenn sie ein Zeugnis betreffend ihrer Mittellosigkeit, eine ärztliche Bestätigung über den Sehverlust und eine Photographie in Bisitkartenform«insenden.. Die Gattin PadarewskiS gestorben. In MorgeS (bei Lausanne) ist die Gattin des weltbekannten Klaviervirtuosen und ehemaligen Präsidenten der Polnischen Republik Ignaz Paderewski im Alter von 74 Jahren gestorben. Im Coluinbia-HauS ist ein VernehmungS- ziuuncr, in dem bestimmte Fälle erledigt tverden. NachiS hört man öfter Mensche» den Gang langrennen. Da,' ist das Spießrutenlaufen, das die SS mit verschiedenen anstellt, die nicht genug aussagen können. Häufig kommen Häftlinge in einen eigens zum Prügeln hergcstclltcn Keller. Ich schildere dies nach eigenem Erleben. Oft hörte ich das Schreien vom Keller her. ES gingen über den Keller verschiedene Gerüchte in der Kaserne herum, von denen ich miwnter, ernsthaft nach dem Tatbesta»»d forschend, nicht viel hielt. Run sollte ich Gelegenheit bekommen, diese Folterprozedur selbst mitmachrn zu muffen. Unten angekominen, sehe sch etwa 8 SS-Leute im Keller stehen. Teilweise hatten sie aufgekrämpclte Aermel, so daß bei verschiedenen Tätowierungen sichtbar Ivaren. Im Prügel- raun» stand ein Tisch, die SS-Leute hielten Artilleriepeitschen mit Stahleinlage und Gummiknüppel sowie andere von mir nicht erkannte Schlaggeräte bereit. Außerdem'hingen noch ivelchc an der Wand, wie die Messe: des MehgerS. Die Prügelei vollzieht sich nach einem Cchcnia, wie es scheint. Man legt sich über den Tisch, bekommt ein Handtuch um den Mund ge- bundcn,»nuß das Hcind ausziehen, die Arme werden von ztvei Leuten festgehalten, die Unterhosen werden h'ruiitergclaffen, die anderen Hosen anbehalten, aber naß gemacht, damit e» bester zieht und auch nicht so- viele sichtbare Bcrlctzungen zurückbleiben. Je zwei — stehen z:. rechten und zur linken Seite, diese haben die eigentliche Prügel zu verteilen. Hinte»» stehen»»och zwei Mmin mit je einem Eimer Wasser. Im Biereriakt schlagen die vier Sadistei» auf den wehrlose»» Gefangene»» ein. Nichtbrüllcn verletzt ihre Männlichkeit, wird anscheinend als Geringschätzung ihre. Kräfte empfunden. Also schlagen sie wütender ein. Bis— man bewußtlos ist. Wie ein gestürzter Gaul wird man hochgcbrüllt und gezerrt— und dann saust ein Eimer kalte»» Wassers über den Körper. Triefend steht man da, nur mit halbem Ohr die Frage hörend, ob man wisse, wofür man das bekommen hat. Für das Nein gibt es die zweite Prügel. Völlig zerschlagen, bla»» angclaufcn, nicht tvissend, wie man sich hinlegen soll, kehrt man aus dem Keller zurück, Haß in» Herzen und Mitleid zugleich. Der Saniariter kommt in die Zelle, überall fragend, ob alles gesund ist. Man hält sich den Hintern, reißt die Haken zusammen, wobei nian vor Schmerz aufschreien möchte, steht stramm und heuchelt wie befohlen: Jawohl! Das Schikanieren beim Exerzieren ist die Freude aller. Besonders gerne nehmen sie die.alten Bonzen" heran. SPD.«Stadtrat Frank m»S Berlin m»ißle Furchtbares über sich ergehen lassen, Hiller nmßte zusammen mit Frank und anderen Intellektuellen und ehemaligen Führer der Arbeiterbewegung »nit der bloße»» Hand teiüveise einen Baumswmpen ausgraben. Andere mußten Parademärsche mit DU fekMuitätenXrzte empfehlen Kaffee, denn er ist nahrungssparend und zuträglich. Der Genuß von Milchkaffee stillt angenehm»edes Hungergefühl und trägt zum Wohlbefinden viel bei. Julius Meint Kaffee-Import Gegr. 1802 Baumstämmen aufführen. Wie ZirluSpserde mußten Frank und andere ältere Leute, stöhnc»»d und nach Luft ringend, immer um den Hof herumlaufen. Einmal stand eine gairze Gruppe dabei, die cs sah. Die Gruppe bckan» das Kehrtkommando, um»»icht zu sehen, lvas los ist. Beim AuSireien wurde daraus obacht gegeben, daß die"esangencn sich gegenseitig nicht so genau mustern. Am blauen Hintern kann man nämlich die Taten' er braunen Helden erkennen, also»var eines der berühmten Kommandos im Stile der Kulturbringer des Dritten Reiches:„Kickt euch nicht alle so die Aersche an, da werd ihr ja alle schwul." Wenn jemand einen zerschlagenen Rücken oder gar ein zerschlagenes Gesicht hatte, war an seiner Zelle ein Vermerk:„Wäscht sich oben, kommt nicht heru»»ier." Keiner soll vom andern wisse»», was nnt ihm geschah. Drei bis vierhundert Menschen sitzen im Columbia-Haus und machen diese geschilderten Leiden durch, die ja nur zum Bruchteil lind nur ganz oberflächlich wiedergegcben tverden könnten. Drinnen brüllen Menschen— und draußen fahren friedlich die Mütter »nit ihren Kinderwagen vorüber. Dkanchmal hat man zum Fenster hinuntcrgcschant, so ganz hastig, beim Vorüber,»eben,»ind hat dann selbst»»icht begreifen können, daß alles ist so. Aber wenn man dann wieder eiircn Tritt bekam, wußte man wieder, ja es ist so eS ist»virklich sol lind wenn diese' Sadisten dort, die sich stolz „Nationalsozialisten" nennen, am Abend in ihrer Horde seutimc»»tale,'iuid vcrlogepe, Lieder- singen, wenn sie blöken...;„Liebe zur Heimat, Treue zum Führer, der soll uns führen, lvir folge»» ihm...", wenn man trotz aller Foltereien diese verlorenen Hanfe»» noch zu verstehen trachtet, wen»» man das Primitive, das Kindliche, das unendlich Alberne ai» diese»»„ausgewachsenen Dkenschen" erkennt, sicht man nicht nur in den Gefangenen eine Tragödie, so»»der>» auch in deren Wächter»». Laut schreien sie gegen die Verderber der deutschen Kultur und haben diese nie besessen. An eigener Kultur haben diese Mensche»» nichts, gar nichts entwickelt. Nicht einmal die deutschen Volkslieder kennen sic. Ein verhafteter Chor, der dort»vocheulaug»»»brachte und zum großen Teil aus J»»dci» bestand, hat ihnen diese Lieder erst nahebringen müssen. Jedes Stück Kultur,»vaS im Coluiu- bia-Haus herrscht, Kultur hier auch im Sinne produktiver Arbeit verstanden, stammt von den lssesan- gencn. Sie»nüsscn die Auto und die gestohlenen Motorräder der SS reparieren, sic bessern daö Haus a»»s, sie leisten die Arbeit, Und wenn acht Mann arbeiten, sind acht SS-Leute als Bewacher dabei. Die Zwanzigjährigen lassen sich von alten Leute»» ihre Schaftstiefeln putzen. Nichts tun sie selbst. Nicht einmal die Befehle tverden ordnungsgemäß gegeben. Ein Befehl widerspricht dem anderen, alles hebt sich gegenseitig auf. Führcrprinzipl Das Chaos ist unglaublich, und der Streit untereinander zeitweilig sehr groß. Eifersüchtig behütet jeder seinen Herrschaftsbereich, jeder ein kleiner Hitler. Es gibt nichts, gar nichts, das ihnen wirklich innere Hochachtung ab ringt, das-sie tief verehren und achten. Ucbcr Frauen und Mädchen reden sie, als seien diese»mr Aborte, über große Gesinnungen gehen sie gesimmngSloS hin- ZUS MM-WS"- W Mk W M (Schluß.) Bon Rudolf Werner. Die„Bernchmung" der Gefangene»» erfolgt viel fach erst nach Wochen. Es ist sogar schon vorgekom men, daß Leute, die wocheulaug dort leiden»nußten, plötzlich entlassen lvurden, ohne auch nur einmal vcr- nomnien zu tverden. Mord Mit dem Tode van der Lubbe hat die Welt nicht viel verloren. Er war außerhalb der menschlichen Gesellschaft gestellt worden, ein Deklassierter, er war gebrochen an Geist und Körper, sich seines Lebens noch kaum bewußt, teilt formell gesehen, rechtskräftig von» Gericht zum Tode verurteilt. Für das Weltgeschehen und für die Menschheit, mag man sein Schicksal menschlich»och so sehr bedauern, ist seine Person von wenig Interesse. Und doch ist der Tod gerade dieses seltsamen, rätselhafte»» Menschen mehr wie alle anderen Hunnenstreiche der heutigen Machthaber Deutschlands geeignet, alle gesittete»» Menschen mit Abscheu und Ekel gegen die Exponenten des Hitler» faseismus zu erfüllen. Sie haben ihre Gegner gemeuchelt,»auf der Flucht erschossen", in den Kerkern und Konzentrationslagern geschunden und gequält, ihr Gut und Eigentum gestohlei» und ihre Blut- und Greuel« taten sind solcher Art und solchen Umfanges, daß keiner jener Deutschen, die sich zu dem heutigen Deutschland bekennen, das Reckst hat, sich Kulturmensch zu nennen. Dennoch aber werden ihre Blut- und Mordtaten in den Schatten gestellt von dein, loaS sie an van der Lubbe taten. Hier handelt eS sich nicht um eine Tat im Affekt, hier liegt kein Mord aus Rache vor, hier lvurde auch nicht trotz dem Urteil von Leipzig ein Urteil vollstreckt. Hier liegt eine Handlung vor, die gemeiner ist und abscheulicher als je ein Verbrechen jemals bega»»gen>v»»rde. Und hinter die- sein Verbrechen stehe»» Staatsmänner, steht die Regierung eines Staates mitten im Herzen Europas»nit seiner tausendjährigen Kultur, eines Staates»nit 60 Millionen Einwohnern. Vai» der Lubbe Ivar ein Brandstifter, wurde auf Grund seines Geständnisses und der Aussage von Zeugen schuldig gesprochen, zum Tode verurteilt. Ob und vom wem er z»» der Brandstiftung mißbraucht wurde, weih heute außer Göring viel- leicht niemmid. Aber— und darin liegt das Ungeheuerliche— ein jeder Strafvollzug setzt voraus, daß dem Verurteilten bei Abbüßung derStrafebewußtist, daß ereinBergehenodereinBerbrechen lühnt, wobei eS gleichgültig ist, ob ercSbegangenhatoderoberzulln« r e ch t v e r u r t e i l t w n r d c. Dieses entscheidende Moment aber fehlt bei van der Lubbe vollvollständig. Schon während der Gerichtsverhandlung Ivar es klar, daß der unglückliche Bursche nur noch ein lebender Leichnan» Ivar, daß er nicht mehr wußte, um was eS ging. Man hat davon gesprochen, das; er mit Usobolamin vergiftet sei. Sein Zustand, als ihm mitgeteilt wurde, daß er auf daö Schafott müsse, war derselbe. Mit der gleichen Teilnahmslosigkeit, mit der er im GerichtSsaal saß, hat er seinen letzten Gang angetrcten. legte er seinen Kopf unter das Fallbeil. Dieses fiel und beendete das Leben eines Menschen, der den Verstand längst verloren hatte. Das ist das Unfaßbare, das unendlich Schändliche, daß hier ein Wesen abgeschlachtet wurde, daS in tiefster geistiger Umnachtung von seinen Henkern zur Schlachtbank geführt wurde, wie man ein verstand- und vernunftloscS Stück Vieh dahin führt und tötet. Seit den Tagen des tiefsten Aberglaubens, der blindwütigen Inquisition ist solches nicht mehr, in keii»em Lande, geschehen. Nicht einnial von dei» ss^lden. von Kannibalen ist ein Fall bekannt, daß sie einen Irren an den Marierpfahl gebunden hätten. Die Jlistiz keines Landes hat sich jemals mit solcher Schmach belastet, als cs hier nach berj Mllen von— mit Respekt zu sagen— Staatsmännern geschehen ist, d am it e r s ch w e ig e. Seite- S löC(j. Im Grunde können sie den» Lebe» nicht» abgewinnen, verachten alle«— und.werfen sich selber Weg. Wie anders will mm» diese Geschmacklosigkeit begreifen, die'Ich eines Tages teilweise mit ansehen konnte: Der jüngste Sohn von Ebert,' der auch ins Coluuibia-HauS eingeliefert war, mußte auf einen etlva drei Meter hohen Jan»» klettern,»meine dort oben mifgestellte Büste zu küssen. Eine Büste, die- tagelang, in der Latrine lag und auf dem Hof hin und hcrgeschoben wurde. Und toaS war eS für»eine Büste? Es war die Düste des Reichspräsidenten- Friedrich Ebert, welche sein jüngster Sohn küssen »nußte. Unter Johlen und Gebrüll, unter Drohungen und psychischen Terrorisierungen ging dieses wider-- liche Spiel vor sich. Das sind die Mittel und Methode» des verlorenen Haufens, das ist die Äampfweise von Gesell« schastrschichten, die geschichtlich ohne'Zukunft sind. kleine Erlebnisse im Dnlien Deich In einer hcmmnngSloscn Agitation hat der Nationalsozialismus bei seiner Machtübernahme sich ganz besonders bemüht, die Gewerbetreibenden und Kaufleute dadurch zu gewinnen, daß er ihnen die sofortige Schließung der Warenhäuser versprach. Es muß zugcstandci» werden, daß die Nazis mit ihrer Agitation in den Kreisen der Gewerbetreibenden gewaltige Erfolge erzielten und die Gewerbetreibenden zählten zu den verläßlichsten Stützen des'.Nationalsozialismus. Ihre Söhne bildeten die Kerntruppe der SA. und SS. und sie haben zweifellos in hohem Maße mit dazu beigetragen, daß der Nationalsozialisinuö gesiegt hat. Was von den Versprechungen nach der Machtergreifung übrig geblieben ist. geht aus folgenden» Erlebnis hervor, daö einige tschechische Staatsbürger hatten, die vor einiger Zeit inW a I- dcnburg in Schlesien weilten und dabei auch das große Warenhaus besuchten. Dieses große Un« tcrnehincn hat der Winterhilfe einen Betrag vm» 15.000 Mark gestiftet und sich dadurch das Recht erwirkt, sein Kaufhaus an dei» Sonntagen vor Weihnachten länger offen zu halten, als die übrigen Geschäfte. Als an einem dieser Sonntage alle Geschäftshäuser um 5 llhr nachmittags schließen mußten, konnte das Kaufhaus Schocken seine Räume offcnhaltcn und weiter Geschäfte machen. Darüber bemächtigte sich nun der übrige»» Geschäftsinhaber der Stadt eine ungeheuere Erbitterung und sic zogen mit ihrem Personal und ihren Familienmitgliedern in das Kaufhaus Schocken und versuchten, die Verkäuferinnen hinter den Ladentischen hcrvorzuholcn. Die Direktion des Kaufhauses, die sich der llntcrstützung der Behörden des Dritten Reiches sicher war, risf jedoch das Uoberfallkomniando herbei und die gieichgcschalte» ten Polizeileuie haben Ivacker mit dem Gummi* knüppel dreingeschlagen und die empörten Gewerbetreibenden mit Brachialgewalt aus dein Kaufhaus gejagt. Auf die Nazigeschästsleute. die an dieser Dcinonslration teilnahmen, hat diese Abreibung außerordentlich ernüchternd gewirkt. Ei»» anderer Fall wird aus einem reichsdcuk- schcn Städtchen an dec ostbühmischen Grenze berichtet: Tort hat in einem Kolonialwarengcschäft eine Hausfrau plötzlich laut auf das Hitlerregimc zu schimpfe»» begonnen. Im Laden, der voller Leute war, regte sich nicht eine einzige Stimme, die dagegen Stellung nahm, einige Frauen Haven sogar lebhaft zugcstimmt. Der Gcsckiäftsinhaber war ganz verdattert und versuchte, die Frauen zu beruhigen. Er sagte, daß man die Segnungen des Dritten Reiches täglich überall spürt und daß man sehr»»zufrieden sei, vorläufig sei es aber immer noch daö Beste, dei» Mund zu halten, denn sonst kann man unangenehinc Dinge erleben. Diese kleine»» Alltagserlebnisse haben sympio- ma fische Bedeutung, sic geben davon Zeugnis, das; die Ernüchterung in» Dritten Reich imnicr größere Scharen von Menschei» erfaßt. Ein Perkonrnzug fiel ins Meer. Ein Küstcnzug stürzte bei Kashiwazak» in Japan von den Geleisen ins Meer; 25 Menschen ertranken. «Ute« Mittwech, 17. Minner 1934 Nr. 13 — PRAGER ZEITUNG Der„Hl. Wenzel" auf-er Baborka Deserteur— Einsiedler— Sittenprediger— Knecht Und als armer Rarr in den slowakischen Wäldern erfroren Auö Ung. Hradisch wird folgende seltsame Geschichte gemeldet: Auf dem Berge„Barborka" in der Nähe der Burg Buchlov befindet sich neben der St. Darbarakapelle auch die Gruft der Familie B e r ch t o l d, in der sich nach dem Umstur- ein Einsiedler niedergelassen hatte. Ganz plötzlich verbreitete sich mit einem Male unter der Bevölkerung daS Gerücht, daß in.der Kapelle ein Einsiedler Gebete für das Wohl der Gegend und der Eigentümer der Wälder verrichtete, Zahlreiche Frauen pilgerten auf die„Parborka", um den Einsiedler zu sehen. Dieser kümmerte sich anfangs um die Erschienenen überhaupt nicht, sondern war vor dem Altar in Andacht versunken. Da begann sich auch die Gendarmerie für den Einsiedler z» interessieren und stellte fest, daß der„heilige Mann" R u» dolf Srom heiße, aus Wien stammt und seine Herkunft ebenso geheimnisvoll sei, wie sein plötzliches Auftauchen auf der Barborka. Srom war während deü Krieges von der Front desertiert und wanderte als Deserteur durch die Wälder, bis er sich in Buchlov änsiedelte. Die Gendarmerie war der Ansicht, daß eS sich um einen von religiösen Wahnsinn befallenen- Mann handle und ließ ihn deshalb frei gewähre»». Srom sammelte»n»d trocknete verschiedene Kräutör und schenkte sie den ibn begegnenden slowakischen Frauen, denen er Predigten über Sittsamkeit hielt. Für den rätselhaften. Mann. interessiertL'.sich. schließlich auch die Eigentümerin der Herrschaft Buchlov und teilte ihm ein D e p u t a t in verschiedenen'Na turalien zu. AIS sich Srom auch die M i t t a g in ä h- l e r iin Belehrader Kloster erwirkt hatte, Ivar seine Existenz als Einsiedler gesichert. Die Dorffrauen brachten ihm auch verschiedenes Essen nnd flickten ihm sein zerrissenes Gewand. Srom war erbittert über die kurzen Röcke der Frauen, die zu der malerischen Tracht der dortigen slowakischen Gegend gehören. Nnd als die Frm»en seinen Sittenpredigten nicht gehorchten, begann er in den Wälder»» Jagd auf sie z»» machen und sie am Leben zu bedrohen. Auch schien es ihm, daß die Herrschaftöbesitzer ihm e i>» a u kleines Deputat gewährte»» und erbittert forderte er dessen Erhöhung. Das versetzte die Herr« schaftLeigentümerin in Form, sie stellte jede Zuteilung ein und ließ ihn aus der Gruft a u s»v e i s e n. Srom wollte jedoch sein Einsiedlerleben nicht aufgeben und errichtete sich bei der Kapelle eine H ü t t e. Es dauerte nicht lange und die Hütte brannte ab. Als Srom auch noch Unannehmlichkeiten mit der Gendarmerie wegei» Mißhandlung einer Frau haue, gab er daö Einsiedlerleben auf und suchte in Ungarisch-Hradisch die Stelle eines Knechts. Sei»» Irresein hatte jedoch jetzt seinen Höhepunkt erreicht. Fede»» Sonntag bestieg Srom einen Schimmel und ritt auf ihn durch die Stadt, indem er sich als den Äl. Wenzel auSgab. Schließlich verschwand der Sonderling. Dieser Tage kam nach Ung. Hradisch die Meldung, daß er irgendwo in den slowakischen Wäldern erfroren auf- gefnnden wurde. Für die Opfer von Ossekl Donnerstag, den 18. Jänner 1934, um 20 Ubr in» großen Saal der Lurerna Bergarbeiter Abend j wirken mit die Mitglieder des Ratio- naltheatrrs: Otn Horakovä, Eva Brch- lictä, Eduard Kohont, Vladimir Tome,, st. Valling. Weiters: Der Gesangöchor„T y p o g r a p h i a" «Dir.: A. V. Ain»), dir Musikkapelle der Bergarbeiter vo»» Kladno, der„R c c i d ä k"»Dir.: I. Trojän). Eintritt 5 K2. Karten bei Trudliit „Zdrnvä Generace" ll., Hybrrnskä 7 nnd Abendkaisa. II] Hermann Bahr ist, 70 Jahre alt, in München gestorben. Was er schrieb, ivird in kürzester Zeit nur den Knltnrhisto- riker, nicht mehr das lesende Publik»»»»» beschäftig gen,»vcni» auch manche seiner Lustspiele und Volksstücke, so schwach sic lvaren, geniessen au dein großen Vorhaben ihres Autors, in den» Repertoire des heutigen Theaters noch als Perlen gelten könnten. In Hermann Bahr, einem Einzelfall besonderer Prägnng, wird das Schicksal einer ganzen geistig-sozialen Schichte offenbar. Er bedeutet daö Unvermögen des talentierten, aber gesinnungs- schlvackcn Literaten, den ungeheure»» Stoff dieser Zeit zu betvältigen. Was noch Balzac vermochte und in gewissem Sinne auch noch Zola, eine ganze Zeit zu richten, indem sie ihr Gestalt gaben, der eine freilich als phantastischer Schöpfer eines Bildes der Zeit, der andere nur als ihr photographischer Kopist, daran scheiterte Bahr wie viele andere. Bei ihn» aber war eS sinnfällig, tocil ec bis in seine späte»» Tage den Versuch nicht aufgab. seine Zeit dichterisch kritisch zu meistern. Dalle wurde er von dem Strom, den er bändigen wollte, mitgcrissen und statt ihin ein neues Bett zu weise», machte er alle Winduugen und Wendungen der ziellose»» Reise ins Ungetvisse kliit. BahrS Lebe»» und Schreibe»» ist eine einzige Fahrt ins Blaue oder, locnn wir AüSgang und Ziel crtvägen, eher eine Fahrt ins Graue der Geschichte. Bahr, der 1863 in Linz geboren wurde (aber de»' Herkunst nach Schlesier war)»vandie sich zunächst wie säst alle Literaten der 80er Jahre dein MarpiSmuS zu. Bald schwenkte er ab und nach»nancher Irrfahrt landete er im Lager des K a t h o l i z i s n» u S, den er zum bösen Ende als Mitarbeiter des übel belcuindelei» „Neuen Wiener Journal" des Heimtvehrjuden Lippowitz vertrat. Auch literarisch hat Bahr alle Moden mitgcinacht. In einer Reihe von Bänden liegt sein zeitkritisches Werl vor, von der„Itritik der Moderne" und der„Ilcberivindung des Naturalismus" bis zu den„Rezensionen" und „Glossen". Er iai»nte in» Grunde wirklich nur daS e i n e Prinzip„i n» mer modern zu bleiben", IvaS immer auch gerade modern war. Daher hat er mich von Z o l a bis Oscar Wilde, von Stendhal bis Barbeh d'Aure- v i l l h, von Verlaine bis H u tj S m a n s immer»vicder einen Autor als den„größten" entdeckt. Jedes neue Buck» war das bedeutendste des Jahrhunderts, jede Richtung Ivies zum Heil, solange als die Welle des Zeitstroms nicht daS nächste Buch, den nächsten Mode-Autor hcrantru- Mphn««sfuche in Prag Zwei Menschen suchen eine Wohnung. So «Uvas kann eine sehr'nette Angelegenheit sein. Wenn man jung ist, sich gern hat und über Geldmittel verfügt. In Prag gibt eS viele Wohnungen. Große, kleine, einfache, komfortable. Alte Häuser, neuere Häuser und ganz moderne Häuser. Solche, die mit ihrer kühnen und schlichten Fassade wahre Wunder an Helle, Licht und Hygiene darstcllcn. Fast scheint es erstaunlich, daß in einer so großen Stadt, in der, wie hier erst kürzlich berichtet wurde, oft mehr als sechs, sieben Mensche»» einen Raum teilen, geradezu WohnungSübcrflnß herrscht. Zwei Menschen suchen eine Wohnung. Sie sind relativ jung, sic haben einander gern, sic haben nur sehr, sehr lvenig Geld. Ach, eS kann eine' ganz, ganz kleine Wohnung sein, ein Zimmer, eine Küche oder ein Atelier im 6. Stock oder eine Mansarde im Souterrain. Sic suchen, sie süssen. Nnd sie sehen dieses und jenes, es ist hübsch, manchmal liegt so ein Atelier ganz nah am Himinel, vor dem HauS ist freies Feld, die Luft kühl und frisch. Aber der Hauswirt verlangt dafür 3000 KL im Jahr, 600 KL Einlage, nnd dann kommt noch dies und das hinzu, Warinwaffcr, Heizung. Zum Schluß ist es mit den 3000 KL Miete nnd den 600 KL Einlage nock» lange nicht getan. Ilnd die Beiden ziehen betrübt weiter. Da gibt eS eine ivunderschöne Ztvri-Zimmer- Wohnnng an der Peripherie. Mit ga»»z gemütlichem Badezimmer und großer freundlicher Küche. Man fragt den Hausverwalter. Er sagt 5000 KL Miete im Jahr. Die Beiden überlegen, ob sie sich vielleicht mit einem anderen jungen Ehepaar das Tuskulum teilen könnte. Sie rufen das Büro des Architekten an. Die Sekretärin erklärt, der HauS- vertvalker habe sich cgirrt. Die zwei Zimmer nebst Bad und Küche kosteten 6800 jährlich, lind am»läckistcn Vormittag erklärt der Herr Hausbesitzer in einer persönlichen Unterredung, die Sekretärin habe sich ebenfalls geirrt, der endgültige Preis betrage 6400 KL. Der Hausbesitzer ist ein charmanter älterer Herr mit jungem Gesicht und weißem Haar. Er sitzt in seiner behaglichen Wohnung nnd raucht Ivährend der Unterredung heiter Zigaretten. Er fühlt sich anscheinend sehr wohl in seiner Haut und macht nicht im geringsten den Eindruck, als ob ihm a>» der Vermietung der Zwci- Zimmer-Wohnung irgendcitvas liege. Die Beiden ziehen betrübt von dannen. .. Zwei Menschen suchen noch immer tfro Wohnung..Sie haben nun ganz Prag durckwc>»'»,.und. cS ist ihnen bis zu diesem Augenblick nickt gelungen, etwas zu finden, wobei nicht, wie der Berliner zu sagen pflegt,»ein Haken ist". Entweder ist da also der Haken mit der Einlage oder— der Mietpreis erhöht sich vom Hausverwalter bis zum Hauswirt stets phantastisch. Ungefähr je nach dem Maße, wie der Suchende Interesse zeigt. Zwei Menschen wundern sich jedoch jetzt gar nicht mehr, daß in der großen Stadt Prag trotz schlimmster Wohnungsmisere geradezu Woh- nungSüberfluß herrscht. Sie wissen jetzt— warum. Katja. Tragischer Tod eines Arbeiters. Der 34 Jahre alle Schlößer Lohovskh auö Prag-Smichov tvurde Montag nachmittags zur Durchführung einiger Arbeiten in ein.Haus in der Französischen Straße in Prag 12. Dez. geschickt. Als er lange nicht zuruckkehrte. schickte ihm sein Arbeitgeber einen andere»» Arbeiter nach. Dieser fand Lohov- sky tot im Borzimmer der Wohnung liegen. Die Gcrichtökommission, welche sofort an Ort und gen. Stelle eintraf, kam zu der Ansicht, daß Lohovsku während der Arbeit die elektrische Leitung berührte und dadurch getötet lvurde. In der geschloffenen Hand hielt der Tote ein Stück der Isolierung der Stromlcitung, wodurch die Annahme der.Kommission unterstützt wird. Zur restlosen Klärung des Unglücks lvurde die Obduktion angeordnet. Berlängerung der Straßenbahn nach Zavch- lit«. Der VcrwaltnngSrat der Straßenbahn beschloß, mit den in Frage kommenden Grundstückeigentümern in Verhandlungen zu treten, um eine Verlängerung der Straßenbahn von Straschnitz in die Kolonie in Zabehlitz zu ermöglichen. Der Ausbau der Strecke, welcher einen Aufwand von ungefähr zlveincinhalb Millionen KL erfordern würde, könnte dann in verhältnismäßig kurzer Zeit durchgeführt»verden. Gcrichtssaal Ein Pater, der seine 13jährige Tochter zur Prostitution treibt Prag, 16. Jänner. Der Kansinann Karl S Pate n k a, der heute aus der Untersuchungshaft dem Senat des OGR H r»» s k a vorgeführt tvurde, stand unter dreifacher schwerer Anklage. Er ist von seiner Frau, mit der er drei Töchter hat, kürzlich geschieden lvorden, dachte aber nicht daran, die Häuslichkeit seiner Familie zu rä»uuen. Er pochte auf den Umstand, daß das von ihm betriebene Geschäft mit gemeinsamem Kapital geführt lvurde. und leitete daraus das Recht ab, auch die gemeinsa»ue Wohnung aufrechtzuerhalten. So lebte er denn auch nach erfolgter Scheidung mit der Familie weiter; in welcher Art freilich, dafür legen die ZeugenanSsagei» beredtes Zeugnis ab. ES verging nach Schilderung der Zeuginnen kein Tag, ohne daß sie das eheinalige Familienoberhaupt nicht mit den ordinärsten Schimpfworten bedacht hätte. ES fehlte auch nicht an h a n d g r e i f- lichen Gelvalttateu, wobei seine Fran von ihm ei»»mal derart verprügelt wurde, daß sie ernstlich erkrankte. Allerlei Drohungen waren an der Tagesordnung. Der Angeklagte stellte seiner Familie tagtäglich in Aussicht, daß er sie erschlagen,, e r st e ch e n, ihnen den Bauch aufschlitzen werden, dgl. Schließlich tvurde die Strafanzeige gegen ihn erstattet und diese Anzeige enthielt noch ganz andere und weit ärgere Beschuldigungen. So lvurde dem Angeklagten zur Last gelegt, daß er sene 13jährge Tochter Ladislav« zur Abendzeit in den Baumgarten geschickt habe mit der A»»ffordenmg, sich dort mit„H e r r e n eins n.t.tt f s e n", die etwa den Wunsch haben sollten„sj e s u.lZ e b k o s e n". So war Karl S p a t e n k a angeklagt der g e- fährlichen Drohung, der schweren Körperverletzung an der Ehefrau und der Verleitung zur gelverbsmäßigen Unzucht, begangen an der eigenen minderjährigen Tochter. Die Zeuginnen— Gattin und Töchter— machten trotz eindringlicher Belehrung des Vorsitzenden von ihrein Recht, sich der A»»Ssage gegen den Ehc- n»ann, bzw. Vater zu entschlagcn, keinen Gebrauch, sondern belasteten den Angeklagten nach abgelegten» Zeugeneid aufS schwerste im Sin»»e der Anklage. Seine. Verteidigung in» Punkte der gefährlichen Drohung bewegte, sich in dem Snne, daß er eS nicht so böS gemeint habe.„Die Rede wird gesprochen, der Wein wird getrunken" zitierte er heiter eil» alteü Volkssprichwort. Aber die 4k ö r P e r verletz»»n g war nicht wegzndiskutieren. Gegenüber der Zengenschaft seiner Tochter Ladisiava die er selbst auf dri» Strich geschickt haben soll, erklärte er, er habe sie nur znm Spazierengehen aufgefordcrt, damit sie sich von den anstre»»gende>» Schul» und HauSarbeitei» erhole»» könne. Aber die Aussagen der Zeuginnen lauteten allzu bcstimmt. Er wurde nach durchgeführler Ber- Sein episches und dramatisches Schaffen ging dem kritischen parallel, war eigentlich nur Auswertung des kritisch oder unkritisch aufge- liommencn fremden Materials. Gewandtheit und Erfahrung, ein gewisser Jiistinkt für das Schauspielerische l>abcn ihm dabei ermöglicht, dann und wann einen guten Zug zu tun. Als reine llntcrhaltungSstückc sind seine Komödien„DaS Konzert",„Die.Kinder",„Wienerinnen", die Vollsstücke„Daö Tschaperl" oder„Der Star" bühnenwirksam nnd amüsant. Wo er sich inS Tragische versticg, lvurde er völlig ungenießbar z. B. in dem von Strindbcrg beeinflußten Stück „Die Mutter." Jnnncr»nieder begann er große Romanse- ricn, die sein Weltbild umfaffcn sollten. Immer »vicder ließ er das Begonnene im Stich, um sich neuen Idealen zuzuwenden, bis er am Ende im Solde eines Mistbauers der Publizistik und als katholischer Weltbrudcr von Gnaden eines jüdische»» Schiebers seine Sprüchlein zu einem Zeitgeschehen bcitrng, das ihn längst verschlungen hatte. Er war—in vielen Punkten übrigens ein Heine-Epigone und wie Heine von Paris bezaubert, verführt, früh verdorben—„einTaleni dochkeinEhar alter", aber er bleibt ein zeitgeschichtlicher ThpuS, der als solcher Format hat und Jntereffe verdient. E. F.' Handlung zwar von der Anklage der gefährlichen Drohung f r e i g e s p r o ch e u, aber die Kör. p e r v e. r l e tz u u g, Ivie auch der Anleitung z u r P r o st i t u t i o n s ch»»ld i g erkannt und zu s e ch S M o n a t e n Kerker bedingt verurteilt. Er nahu» das Urteil mit Rücksicht auf den bedingten Strafaufschub befriedigt hin. rb. Vorfrage Der Untergang des alten Oesterrechi Im Nahmen der Vortragsreihe, die die S. P. D.- Prag für die aus Deutschiand einigrierten Sozialisten im Heim der D. S. A. P. in der Rarodni tt. veranstaltet und die der Einführung der reichrdeut- lchcu Flüchtlinge in die Geschichte der Tschechoslowakischen Rcvnblik dient, sprach am Montag abend Genosse Dr. Frunzel, der Leitender sozialdemokratischen BildnugSaüteit, über das Thema:„Geschichte der politische»» und natio»mlen Bewegung im alten Oesterreich 1848—1018." In einem umfassenden, knapp zweislündigen Referat zeichnete der Redner, eindrucksvoll i»nd prägnant, die Ivechselvolle und an verlvirrenden llcberschneidunge»» so reiche Geschichte dcS allen Oesterreich. Jinmer»nieder ergaben sich intcresiante Parallelen, die den Gästen auS den» Lande des Terrors zeigten,»vie wenig tie spekulative Deinago- gie nationalsozialistischer Prägung, diese raffinierte Mischung voi» kleinbürgerlich- antimarxiftischem Egoismus»md pscudosozialistischcr Phrase, neu und schöpferisch ist. Für die diese»» Dinge»» Fernstehenden ergaben sich sehr überraschende Perspektiven, die geeignet waren, alte ClickL-llrteile völlig umzuwerfen. Die Enttvicklinig des alten Oesterreich, vom Absolutismus der Hofclique über dei» Wirrwarr ablastender Verfassungsexpcrimcnte.(„Prügelpatent") bis zur Diktatur der liberalen Bourgeoisie, diespäter der Klerikaliömuö ablöst, weist einen so mannigfachei» Wechsel der Rcgieruugöprinzipien auf, daß sich die Tragikomödie der überalterte» Monarchie schon Jahrzehnte vor ihrem zermalmenden Finale in untrüglichen S»)inptoinen anzeigt. Im kraffen Gegensatz zu dem mächtigen Einfluß der Krone auf die österreichisch-böhmischen Gebiete stand die tl»ranuische Unabhängigkeit der rassestolzen ungarischen Gentry, der Adelskaste, die nach der Devise der alipreußischen Junker overierte: „Unser Joseph absolut,»venn er uns den Wille»» tut." So geht der Weg weiter, über den Aufstieg der Arbeiterklasse, die Wahlrechtskämpfe, in denen— eine seltsame, aber zwangsläufige Koalition— die Arbeiterschaft in einer Front mit der Krone stand, in die SckicksalSjahre des Weltkrieges hinein. Au? den Notzeiten des Krieges lvnchs die antt- habsburgische Gesinnung, auS slawischen Autonomisten»vurden Revolutionäre u»»d auS dem Chaos dü K. u. k.-ZnsammenbruchS IvuchS die selbständige Republik. Reicher Beifall der aufmerksamen Hörer dankte den». Vortragende»», der. in».Verlauf. einer kurzen Diskussion noch auf einige aktuell-tschechoslowakische Parteiprobleme einging. A i S. Seminar über die nationale Frage. Die tschechoslowakische Gesellschaft zum Studium nationaler Fragen veranstaltet ein Seminar über, die Nationa- iitätenprobleine in der Tschechoslowakei. Dieses Seminar besteht aus vier Vorträgen welche stets am Donnerstag um 20 Uhr in der Handels- und Ge- werbekannner in Prag 1. Bez., u obecniho domu, abgehalten werden. Es spreche» Minister Doktor K r o s t a am 18. Jänner über die geschichtliche Ent- Ivickluug des Verhältnisses der Nationaltäten in der Tschcchosloivakischci» Republik, der Rat des Statistischen StaatSaintcS, Dozent Dr. B o h a i am 25. Jänner über die statistischen Grundlagen der einzelnen Nationen in» Laude, ObersektionSrat Ch»ne- lar des A»»ßen»ninisteri»uns a»n 1. Feber über die Nationalitätenpolitik der Tschechosioivakei in 15 Jahren und ObersektionSrat der Kanzlei deö Präsidenten Dr. S o b o t a, ain 8. Feber über das Nationalitäten-Rechl. An jeden Vortrag schließt sich eine Diskussion au. „Ueber Sezualproblcmc der jungen Intelligenz" svricht innerhalb der Masarykschci» Soziologischen Gesellschaft Mittwoch, den 16. Jänner, um halb 8 Uhr im Saale deö Ministeriums für soziale Fürsorge Herr Jaroslav Sima. Kunst und Wissen Zweites Philharmonisches Konzert, Montag, 22. Jänner. Dirigent: Georg Szell; Solist: S. D»»s h kin. Der russische Geiger bringt Stratvinsk»)S neues Violinkonzert zur Prager Erstausfvhrnng. llebriges Progrmnm: Schubert: C-Dur-Symphonie Nr. 7 und IosefSu k:„Dramatische Ouvertüre".(Philharm. Extra-Abonue- inent). Sonstige Einzelkarten von 8 KL bis 85 KL. Kartcnvorverkauf täglich. Heute Zyklus 1.„Don Giovanni". Dirigent: Szill, Regie Mordo.(B 1.) Beginn halb 8 Uhr.. Ferner im Zyklus„ZauberflLte".„Fidel i o",„F i g a r o". ZhklnSkarten(für vier Borstellungen) 24 bis 160 KL. Heute noch ZyklnSkarten! Einzelverkauf täglich. Freitag Erstaufführung«Weißer Flieder" in der Kleinen Bühne. Regie: Taub. Wiederholung SaniStag. Spielplan de» Reuen Deutschen Theater». Mittwoch, Zyklus l, halb 8 Uhr:„D o n Giovanni".(B 1.)— Donnerstag 7% Uhr: „W a ll e n st e i n s T o d".(D 2.)— SamStag: Erstausführung, 7% Uhr:„Tango um Mitte r n a ch t". Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„Der eingebildete Kranke". LespetitrienS.— Donnerstag, 8 Uhr: Volkstümliche Vorstellung:.Schönst« Ehe".— Freitag, 7% Uhr: Erstaufführung: „Weißer Flieder",— Sinnstag, 8 Uhr': „W eißerFlieder". Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inö HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 06.—, ganzjährig KL 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten ersogt nur bei Einsendung der Retonrmarken.— Die ZeitungSfraukalur tvurde von der Post- und Telearavhen- direktion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1V80 bewilligt.— Druckerei:„Orbiv", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.