ERSCHEIN« MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion UND Verwaltung frag xii.,fochova»r. Telefon swt. Administration telefon sw«. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURt WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, FRAG. IENTRALORGAN OER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Hmefuraf* 70 IM*ff (•hHchllEBIkh 5 Heller Forti) 14. Jahrgang Donnerstag, 18. Jänner 1934 Nr. 14 Lins seins Stütze des Dollfuß-Regims: Starhemberg entlarvt! Er hat von den Verhandlungen Albertis mit den Nasis gewusst Wien, 17. Jänner.((Eigenbericht.) Während die Regierung Tollfnß immer noch bestrebt ist, den österreichischen Heimatschuh als eine Stütze ihrer Politik hinzustellen, häufen sich die(Ereignisse, die beweisen, dass die Heimwehr in voller Auslösung begriffen ist. Als eS im Zusammenhang mit der Verhaftung Albertis klar war» das« die ganze niederösterreichische Heimwehr nichts anderes als eine getarnte RaziKuppe ist, machte noch gestern Star» heniberg einen letzten Versuch, die Situation zu retten, indem er in einem Aufruf behauptete, dass die Berhandlnngen Albertis und seines, Stellvertreters ohne daö Wissen der Heimwehrftihning erfolgt seien. Vaum 24 Stunden später ist diese Behauptung StarhrmbcrgS bereits durch einen Gegenanf- ruf Albertis w i d e r l e g t, in dem der ausgeschlossene Hrimwrhrführer sensationelle Mitteilungen über die internen Vorgänge in der Heimwehr macht. Alberti erklärt, eS könne nicht davon dir Rede sein, dass er hinter dem Rücken StarhrmbrrgS mit den NaziS verhandelt habe, schon deshalb nicht, weil seit vielen Monaten er beauftragt gewesen sei, mit den Nazi- zn verhandeln, und er diese Verhandlungen mit Wissen«ndBil- ligung'StarhrntbrrgS geführt habe. Er habe Starhemberg auch fortlanfend über den Stand dieser Verhandlungen informiert. Bon der ominösen Sitzung gemeinsam mit Frauenfeld und dem deutschen Regicnmgs- vertreter Prinzen W a l d e ck» P h r m o n t habe Alberti Starhemberg durch einen Bries Mitteilung gemacht. Alberti erklärt dann, das? er nicht gesonnen sei, sich eine Absetzung gefallen zn lassen, und das? er gemeinsam mU Kubaczrk dir Führung des österreichischen Hcimatschutzes behalten werde und diese Truppe der Regierung Dollfus?„zum Zwecke der Erkämpfung eines faseistischen Oesterreich" nach wie vor zur Verfügung stelle. Die Enthüllung der Tatsache, das? Starhcm- berg selbst von den Verhandlungen mit den NnziS gemutzt hat, hat in der österreichischen Ocfsrntlich- kcit große Bestürzung hrrvorgrrnfen, da es nun klar ist, das? der Stellvertreter des Bundeskanzlers in der Führung der Vaterländischen Front, der immer behauptet, die Unabliängigtrit Oesterreichs zu verteidigen, im Bunde mit den Nationalsozialisten stand! Schiesserei in der Mariahilferstrasse? Ei» Nazi- Bombenwrrfcr vom Rad geschossen I In Wien ist es heute abends zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall gekommen. In der Marinhilferstrasse warfen zwei Nationalsozialisten, die auf Nädern fuhren, zwei Sprenglörper. deren Explosion großen Schaden anrichtcte. Wachleute verfolgten die beiden RadfahrerI und gaben in der belebten Straße mehrere «Schüsse ab, durch die einer der Nationalsoziali- ! sten getroffen wurde. Er stürzte schwer verletzt < voist Rad. i Sprengstoffanschläge in Oberösterreich In Haslach in Oberösterreich ereigneten sich Dienstag nachts drei schwere Explosionen. Die erste Explosion fand im katholischen Verein s h a u s statt, wo die explodierenden Bomben die Bciontrcppen demolierten, die zinn Haupteingang führen, die große Eichcnholztürc heraus- rissen, zahlreiche Fenster zertrümmerten und daS Mauerwerk beschädigten. Die zweite Explosion fand in einer Garage statt, in der sich ein Automobil befand. Ein Teil der Garage wurde abgerissen. Die dritte Explosion fand in einem Geschäfte statt. Der angerichtctc Schaden wird auf 8000 Schilling geschätzt. Massenkundgebung in Reichenberg gegen den Lohnabbau in der nordböhmischen Textilindustrie suvidi unterwegs Keine Vermittlung zwischen Deutschland und Oesterreich R o m, 17. Jänner. Ilnterstaalssrtretär S u v i ch ist heute um 7 Uhr nach Wir» abgcrcist.! Gestern hat er eine Reihe von Besprechungen mit! den Botschafter» mit England und Frankreich geführt. Im römischen Autzcnniinistcrinni wird, wie die Blätter erklären, Wert darauf gelegt, festzn- strllcn, das? D u v i ch keine Pläne bezüglich des BkrhältnisseS zwischen Deutschland und Oesterreich in Wie» z» unterbreiten gedenkt. Sein Besuch ist vielmehr eine Erwiderung des Besuches des Bnn- deslanzlers Dr. Dollfuß in Italien. Gesandter Tr. Rintelrn wird den Nnterstaatsselretär nicht legleitrit. Ein Sozialdemokrat Präsident des norwegischen Parlaments Oslo, 17. Jänner. Bei der Wahl des Präsidiums des StortingS ist dessen bisheriger Präsident, der.Uoirservativr Hainbro, nicht wieder gewählt worden« weil er von der Agrarpartei nicht unterstützt wurde. Zum Präsidenten wurde das Mitglied der Arbeiterpartei, H y g a a r d S- v o l d mit 71 gegen 57 Stimmen bei Stimmenthaltung der Agrarpartei, gewählt. Die Arbeiterpartei ist im neuen Storting mit 6lt Abgeordneten die grösste Fraktion. Hambro wurde-um Vizepräsidenten gewählt. Schikanen gegen österreichische Staatsbürger München, 16. Jänner. Die bayrische Presse verössentlicht folgende Anordnung des Kommandeurs der Politischen Polizei: »Sämtliche österreichische Staatsangehörige haben sich bis spätestens Sambtag, den 20. hönner 103-1- mittags 12 Uhr bei den zuständigen Bezirksverwaltungsbrhörden, bzw. nnmit- »eltarrn Stadträten und Polizeidirektionen, Abteilung Politische Polizei unter Vorlage ihres PasseS zu melden. Anzngeben sind Namen und Vorname, Wohnung, Geburtsdatum und-Ort. M o« f e f• f t n n und A b st a m m u n g, Beruf und Besitz, Ort und Art der Beschäftigung, seit wann in Deutschland, Mitglied welcher österreichischen Partei. Nichtanmeldung oder unwahre Angaben haben für österreichische Staatsangehörige AnS- weisung innerhalb 24 Stunden zur Folge." 0er Kopf Lübbes wird ausgestellt Leipzig. Die Famikienniitglieder van der Lübbes, die gestern zum Begräbnis in Leipzig eintrafeu. haben zu ihrem Entsetzen festgestellt, daß der Kopf van der LubbeS in der Anatomie ausgestellt tvar. Besucher der Anatomie äußerten ihren heftigsten Nnlvillen über diesen Ro- heitSakt der Hitler-Regierung. Lin feiner Hitler-Diplomat Wer ist Waldeck-Pyrmout? lieber den bei der nächtlichen Heimwehrver- schwörung in Wien erwischten reichsdeutschen Legationsrat Waldeck-Pyrmont erhalte» wir von unterrichteter Seite folgendes Charakterbild: ES handelt sich um den Erbprinzen (nicht Grafen) Waldeck-Pyrmont, ein schmächtiges, degeneriertes und homosexuelles Bürschchen, welches früher gemeinsam mit dem Grafen Du Moulin-Eckhardt in München eine S pionage- gentrale der NSDAP leitete, Der Herr „Erbprinz" ging dabei höchst stümperhaft zu Werke, indem er seine Spitzel mit teuren Leicaapparaten ausrüstete und sie überall hin postierte, wo Sozialisten ein- und ausgingen. Die„Glanzleistung" dieser Truppe war eine Ausraubung des Redaktions-Briefkastens der„Münchner Post", wobei aber nur unbedeutende Einsendungen erbeutet werden konnten. Nach der aufgrflogenen Affäre mit der „Münchner Post" verlegte Waldeck-Pyrmont mit seinem unzertrennlichen„Freund" Du Moulin- Eckhardt den Schauplatz dec Bcrschwörertätigkelt nach Wien,>vo sie kürzlich ein überraschendes Ende fand. Reichenberg, 17. Männer.(Eigenbericht.) teilte nachmitt...,s nach Betriebsschluss fand im Reichenberger Schützenhause eine Äiaffenvr- sannnlung der Reichenberger Textilarbeiter statt, die von s cn Vertragsgewerkschaften«unberufen war. Für diese Versammlung entfalteten die Kommunisten eine lebhafte Agitation unter ihren Anhängern. Auö dem Verhalten der Kommunisten in dieser Kundgebung ist deutli*> erkennbar, dass sie von vornherein beabsichtigten, die Versamin- luiig zu einem pari.'ipolitischen Manöver zu missbrauchen. Den Au'takt^iczu bildete ein Artikel im „Vorwärts" von heute, in welchem unwahre Anwürfe gegen die VertragSgcwerkschaften erhoben wurden, um das für die kommunistische^ Pläne notwendige M"-trauen gegen die Funktionäre der die Lohnbewegung führenden Organisationen zu erreichen. Der„Vorwärts" behauptete, dass die Rollenverteilung bereits vollständig klar sei und dass die Vcrtragsgcwerk- schaftcn alles daransctzen werden, um den Anspruch de' Kampfes zu verhindern und ihn,-feilte er doch ausbrecheu sollte, zu sabotieren und abzu- würgen. Nachdem die Vertrauensleute der Bertrags- !,ewerkschafteu in der Versammlung einen Situationsbericht erstattet hatten, kam der kommunistische Sekretär Wendcrlich zu Wort, der sich dagegen wend.tc, dass diese Lohnbewegu ig nur als wirtschaftlicher Kampf geführt werde. Er verlangte, dass''er Lohnbewegung-"auch politische Ziele gesetzt loerden. Jnsbcso'-- dere schlug er vor, die Lohnbewegung von den Vcriragsgetverkschaiien loözulösen und den von den Kommunisten beherrschten K ampfauS- s ch ii s s c n a u s z u l i e f c r u. Er hob zwar die Notwendigkeit eines einheitlichen Vorgehens hervor, doch ließ er keinen Zweifel darüber, dass ein solches Vorgehen nur möglich sei, wenn der lonmmnistischen Forderungen Rechnung getragen tvird. In der Versanunlung stiess diese Auffassung auf entschiedenen Widerstand deö grössten Teiles der Teilnehmer, die sich gegen die Politisierung des AblvchrkamPfcS lvandten. W'ederholt kam zu heftigen Auseinandersetzungen, die sich, als der kommunistis.. Sekretär die aus der Luft gegriffenen Bchauptiiugeu des „Vorwärts" billigte, so steigerten, dass die Versammlung nach einem kurzen? Schlusslvort des Referenten der BcriragSgewerlschaficn geschlossen werden musste. Trotz den kommunistischen Störungen gestaltete sich diese Versammlung zu einer m ä ch- t i g e n K u» d g r b u n g g c g r» d c n Lohnabbau. Sir bewies aber auch die Notwendigkeit, das? schon von Anfang an alle parteipolitischen Manöver der Kommunistei? entschiede» zurückgrwiesrit werden müssen, wenn dieser Abwehrkampf nicht so enden soll wie die früheren, vry den Kommunisten geführten Lohnbewegungen. Die Massenversammlung war eine eindringliche Warnung an die Unternehmer, die durch ihre Forderungen die Erbitterung der nordböhmischeir Textilarbeiter auf das äußerste entfacht habe«. Reform— zu weldicm zwedte? In einigen Blättern, wie der„Reichenberger Zeitung" und dein Brünner„Tagesbote", die solange es noch ungefährlich war, un- verhüllt für den Hitler-FascismuS Stimmung machten und die sich seht widerwillig daraus beschränken, dies etwas weniger ofsen zn tun, hat— wer denn sonst!— ein Universität-Pro fcfsoc eine langatmige Reihe von Artikeln ver- öfsentlicht, in denen er sich mit der nach seiner Meinung notwendigen„Reform der parlamentarischen Demokratie" beschäftigt, die aber in Wirklichkeit das Bemühen darstellt, eine snr die tschechoslowakischen Verhältnisse geeignete Form des Fascismns zti suchen und sie durch dialektische Geislrcichelcien schmackhaft erscheinen zu lassen. Der Professor— cs ist ein Herr Dr. Fritz ander von der Deutschen Universität in Prag — und die betreffenden Zeitungen haben sick> i nicht durch Zufall gefimdcn. Immer noch war ein Professor zur Stelle, wenn eS galt, für irgend eine reaktionäre, volksfeindliche oder volt'sansbeuterijchc Maßnahme den„ideologi. schcn,, Unterbau zu liefern. Alan weiss bcispielS weise noch aus dem Kriege, wie überzeugend gewisse Professoren bewiesen haben, dass nicht nur der Massenmord durch den Krieg, sondern auch der Genuß von Brot mit Sägespäne», von Dörrgemüse. wie überhaupt der Hunger der idealste Zustmid sei, der für die Menschbeit erstrebenswert wäre. Genau so beweist Dr. Sander— man kann sich vorstcllcn, wie er seine Univcr- sitätöhörer über StaatsrechtSsragcn unterrichtet!— daß das Voll nichts weiseres und Hesse res tun könnte, als sich der Einflußnahme ans den Staat und auf seine eigenen Geschicke zu entäußern nnd sich einer allmächtigen Bürokra tie willig und lammsfromm zu unterstellen. Tie Zeitungen aber, welche dem Herrn Professor die Gelegenheit gaben, seine samosen Theorien zu verbreiten, sympathisieren mit der deutsch-„sort schrittlichen" ArbeitS- nnd Wirtschafts- Gemein, schast der Herren Dr. Peters, Dr. Bacher und Dr. Rosche. Auch das erscheint als kein Zufall, wenn man weiß, daß dieser neueste Theoretiker fascistischcr Bestrebungen das Ziel dieser Theorien darin erblickt, die„Allmacht der politischen Parteien" zu brechen. Der dcutschbürgcrliche Liberalismus, der durch jahrzehntelangen Verrat an sich selbst aus ein Nichts zusammcngc- schmolzcn ist, dessen Vertreter längst schon nur mehr ans den Krücken der Wahlhilfe anderer Parteien ins Parlament gelangen können und der seist auch die Aussicht auf diese Wahlhilse schwinden sieht, so daß der letzte Rest seiner Mandate bedroht erscheint, ist, da er selber keine Partei mehr hinter sich hat, auf das Parteiwesen schlecht zu sprechen. Er hat bei der Ein- flusslosmachnng der politischen Parteien nichts zn verlieren, irgendwie hofft er dagegen bei der Aufrichtung der Herrschaft der Bürokratie zu gewinnen und so kommt ihm dieser Herr Professor Sander gerade recht. Der Prager„Bildungsausschuß" der Deutschen Arbeite- und Wirtschaftsgemeinschaft hat nun seinem faseistischen Theoretiker auch noch Gelegenheit gegeben, in einem Vortrag seine „Resorm"-Dorschlägc zu propagieren. Selbst verständlich hat Herr Sander eingangs seines Vortrages die Demokratie„grundsätzlich bejaht", was kein neuartiger Trick mehr ist. Das haben auch die Jung und.strebs getan und erst recht der Henlein, dessen fast sänstlichc Mitarbeiter so grundsätzliche Bcjahcr der Demokratie sind, daß cs die Staatsgewalt für angemessen hielt, sie wegen deS Verdachtes, sich gegen das Schutzgesctz vergangen zu haben, in Untersuchungshaft zu versetzen. Nach der„Bejahung" der Demokratie erzählte dann Herr Dr. Sander, wie er sich die Reform der Demokratie vorstclle und den jedenfalls auch die Demokratie grundsätzlich„bejahenden" dentschdemokratischcn Zuhörer blieb cs überlassen, sich zu fragen, was nach der Durch- l führung der Sanderschm„Reform'Pläne uoch Stift 2 Donnerstag, 18. Jänner 1921 «r. 14 keineswegs zum FasciSmüL in die Schule zu ! gehen»nd Volksrechte zu beschneiden, um»voll- ! konimener" zu erscheinen. Daß irgendwo ein Re- gierungSsystem existiert, daS besser und erfolgreicher arbeitet als selbst dieses nach Sander antiquierte heutige Systeni der Parlamentarischen Demokratie, dast'ir fehlt jeder Beweis. Auch Herr Sander hat nicht den Stein der Weisen gefunden. Er inag sich als Reformer sehr bedeutend Vorkommen, in seiner Geschäftigkeit wird man doch nur den Eifer erblicken können, die Konjunktur, das ist die infolge der Wirtschaftökata- strohhe gegebene Verdrossenheft weiter Volks- kreise auSzuniihcn zur Diskreditierung der poli- ■ tischen Parteien und zum Angriff auf die I VolkSrcchtc. Die Osseker Katastrophe in der Kammer Arbeitenminister verhandelt zwecks Verlängerung des Prager Abkommens von der Demokratie, das ist von jener Teilnahme des Volkes an der Gesetzgebung und Verwaltung iibrigbleiben würde. Ihre geeichte demokratische Gesinnung wird sic aber wahrscheinlich von dieser Fragestellung abgehalten haben. Die Reform der parlamentarischen Demokratie also, wie sich sie Sander vorstcllt, sei geboten. wenn ihre Anhänger nicht vom Ansturm der Anhänger der Diktatur über den Haufen gerannt werden wolle», denn die heutige Staats- form sei vor 160 Jahren ersonnen worden und könne nur„durch eine kraftvolle Entwicklung unter Anpassung an die gegenwärtigen Verhältnisse" gerettet werden. DaS Vorbild der„gegenwärtigen Verhältnisse" erblickt dieser angeblich um die Demokratie besorgte Professor nicht im englischen oder französischen Parlamentarismus, sonder» offenkundig im deutschen und italienischen Fascisiuus, denn nach seiner„Reform" wären nicht nur die politischen Parteien, die doch der Ausdruck der soziale» Gliederung der Gesellschaft sind, restlos entmachtet, auch das Parla- »iciit wäre zu einem armseligen Schattendasein verurteilt. Wie dieser Auch-Demokrat iiber daS Parlament, in dem der wenn auch mannigfach gegliederte Volkswille zum Ausdruck kommt und um seine Geltung zu ringen vermag, denkt, drückt er damit auS. das; er sagt, eS sei ein vcr- hängniövollcr Irrtum, zu meinen, die Wahl von Parlamenten sei die einzig mögliche oder beste Methode. Um seine Auffassung zu stützen verweist er darauf, c§ sei ein Aberglaube, das; daS vor hundert Jähren Erdachte noch zweckmäßig sei, denn cs falle auch keinem Menschen ein, Maschinen, die vor hundert Jahren zweckmäßig waren, zu verwenden. Der Vergleich paßt wie die Faust aufs Auge. Maschinen, die gegenüber den ProdliktionSmethoden vor hundert Jahren rascher und billiger Waren erzeugen, kann man als Fortschritt und als notwendige Entwicklung werten, doch das Stinnnrecht verschlechtern und das Parlament in seiner Einflußsphäre auf ein Miniinum beschränken zu wollen, das ist wohl geschmeidige Anpassung an gewisse aus der Wirt- schastskrise fließende Zeitströmungcn, nicht aber Fortschritt. Man kann es auch keinen Ausbau der parlamentarischen Demokratie nennen, viel eher den Versuch, die politischen Verhältnisse jenen vor hundertundfünfzig Jahren anzuglei- chcn. Wenn Sander empfiehlt, Acmtcr zu errich- ten, denen die Verwaltung anzuvertrauen wäre und die justizförmig zu organisieren seien, so bedeutet dies, daß Sander die Etablicnmg einer unkontrollierbaren Bürokratie wünscht, denn ihin zufolge, soll sich auch die Regierring auf die „eigentlichen Negierungsgeschäfte" beschränken und Gcsetzcövollzug wie Verwaltung vollständig den erwähnten Aemtcrn überlassen, die mit richterlicher Unabhängigkeit auszustattcn wären. Es ivird genug Staatsbürger geben, die der Meinung sind, daß schon jetzt die Bürokratie mächtiger ist, als der Gesamtheit zuträglich erscheint, allerdings iverden cs Staatsbürger sein, die nicht die«Dcinokratie bejahen", damit sie besser getarnt air ihrer Demolierung arbeiten können. Wie cs nichts Vollkommenes auf dieser Welt gibt, so hat gewiß auch das bestehende Systeni der parlamentarischen Demokratie seine Unvoll, konlmcnheften. Darum aber braucht diese noch Prag, 17. Jänner.(Eigenbericht.) In hei- dtn Ennsern der Nationalversammlung kam eS beute zu Beginn der Sitzung zu Traucrkundgebnn- gen für die Opfer der Osseter Katastrophe. Im Abgeordnetenhaus wurden zunächst die Berichte über die im Ausschuss ganz»mgenrbeitctr Novelle zum Berggesetz erstattet. Erst im Laufe der Debatte meldete sich Arbeitenminister D o si a l e k zu Wort,, um eine Erklärung über dir Katastrophe und die getroffenen Massnahmen ab» zugrbrn. Auch dieses lfposee konnte noch nicht vollständig sein, da die NnttrsuchnngSkomniiflion ihre Arbeit erst in etwa 14 Tagen beenden wird. Immerhin kündigte der Minister an konkreten Maßnahmen bereits eine neuerliche strenge Revision der Gruben, sowie eine writergrhrnde Reform drS Berggesetzes und der bergpolizeilichrn Vorschriften an. Ausserdem gab er die bedeutungsvolle Erklärung ab, daß die Regierung bereits mit den Unternehmern verhandle, um dir B r r l ä n- gerung d«S Abkommens über die Unterlassung v o» K ü n d i g u» g e n, daS Ende April abläust, biS zu m Jahresende zu erreichen. Ebenso wurde vom Minister endlich auch die Regelung der Bergarbritcrversi- cherung in baldige Aussicht gestellt. Vas Exposee des Ministers In seiner Erklärung verwies der Minister auf sein Exvosee in den Ausschüssen, ans dem er die Schilderung deS Unglücks, das Eingreifen der Ret- iungSmannschasten und die Einsetzung der Unters»- chungSkommission fast wörtlich tviederholte. Er betonte n. a., das; die Einstellung der Rettungsarbeiten und die Absperrung der Grube höchst notlvendig war, da sonst lveitere 3V Menschenleben ernst bedroht gewesen wären. Die UntersuchungSkormnission überprüft den Verlauf der Katastrophe und der Rettungsarbeiten, stellt die cheniische Zusammensetzung der Rmichgase sowie deS Kohlenstaubes fest, und führt ein umfassendes Zeugenverhör durch. Auch Sachverständigengutachten wurden angefordert und die JnsPektiouSbe» snnde des RevierbergamteS überprüft. Der Minister führt dann ein ausführliches Gutachten deS Generaldirektors der staatlichen Berg- und Hüttenwerke Jng. Stauch an, daS sich auS- führlich mit den Möglichkeiten der Explosion von Kohlenstaub befaßt. Außerdem können sich in der Grube auch explosiveGaSge mische bilden, und zwar entweder auü dem Grubengas «Methan), daS aus dem Gestein austritt, oder bei kleineren Bränden durch trockene Destillation ans der! Kohle. Im gegebenen Fall könnte eS sich auch um unerwartetes Ausströmen von Merhait handeln, das| bisher in einem.Kohlenflötz in stark komprimierter Form eingeschloffcn war; das AnSströmen derartigen Gases hätte sich allerdings schon in den Vormittagsstunden bemerkbar machen müssen. DaS Methan hätte sich an einer oftenen Karbidlampe, durch einen Kurzschluß, schließlich auch durch eine Zigarette oder Pfeife entzünden können, obwohl daS Rauchen in der Grube streng verboten ivar. Schließlich kommt die Gasentwicklung aus der Kohleudestillation infolge von Grnbenbränden in Betracht. Wenn sich die Kohle bis zu einer gewissen Teinperatur erhitzt und Lust hinzutritt, so kommt eS zur Selbstentzündung, die dann ivieder eine Explosion Hervorrufen kann. Nicht ausgeschlossen ist eS endlich, daß durch eine tektonische Störung, die der srischen Luft Zutritt verschafft, ein Brand entstehen kann, der die durch Destillation der Kohle angesannnelten Gase zur Explosion bringt. In dieser Hinsicht werden die Meldungen überprüft, die in den NachmittagSstunden deS Katastrophentages leichte Beben in Kuttenberg und Eger anzeigten. Der Minister bat bereits angeordnet, daß die Vorschriften deS Berggesetzes aus dem Jahre 1884, das heute noch als ein in jeder Richtung vollkommenes Werk aufgefaßt werden könne und nur hinsichtlich einzelner Bestimmungen Aenderun- gen erfordert, einer Revision unterzogen werde. Wenigstens die Reform der wichtigsten Kapitel soll so rasch wie möglich vorbereitet werden. Mit dieser Aufgabe wurde eine besondere Kommission betrmit; auch die bergpolizeilichen Vorschriften sollen nach den neuesten Erfahrungen revidiert werden. Die Iln- tersuchungLkommission hat bereits sehr auSftihrlich den Schutz vor Kohlenstaubexplosionen behandelt und Vorschriften fiir daö Brüxer Revierbergamt ausge- arbeitet, das diese Vorschriften bereits in den nächsten Tagen heran-geben wird. Außerdem tvurde angeordnet, daß namentlich die gefährlichen Gruben einer neuen strengen Untersuchung unterworfen werden. Alle durch Sammlungen aufgebrachten Mittel für die Hinterbliebenen sollen möglichst konzentriert werden; toenn die dringendsten ersten Bedürfnisse ge- deckr sind, soll der Rest zu einer systematischen Aufbesserung und Ergänzung der gesetzlichen Versor- gnngSgenLsse verwendet werden. Ter Minister kündigte ferner an, dah daS Ministerium mit den Vertretern der Grubenbesitzer verhandle," um den Bertrag über die Richtentlas- sung von Bergarbeitern, der mit 30. April abläuft, 6iS Ende des Jahres zu verlängern. In beschleunigtem Tempo werden auch die Vor- ! bereitungoarbeite» für die«nerlählich notwendige 1 H.IÜ. de Jong: (in- Moman in vier tpteoden- Autorisierte Uobcrsetzung aus dem Holländischen von L. R. Fuchs, Erste Episode I. Die dunllen Augen zugcknifscn, die roten Lippen fest auseinander gepreßt, starrte der kleine, zerlumpte Strolch in gespannter Ausmcrlsainkeit auf da» abgebrannte Zündhölzchen, daS ihm als Schimmer diente. ES bewegte sich merklich und so mußte lvohl unter dem Entengrün ein Stichling an seinem Würmchen knabbern. Aber dies geschah so entmutigend träge und ganz und gar nicht gierig und heftig genug, llngeduldig ermunterte der kleine Fischer murmelnd den allzu Bedachtsamen im Wasser: „Nur zu, verdammt... beiß dock) an, fauler Sallemandcrl... Sei doch nicht so bangl..." Verführerisch hob und senkte er den schlvarzen Draht, an dessen Ende sich der Wurm ringelte: daS half lvohl nach, tvenn so ein Angsthase nicht anbeißen wollte; da würde er sicherlich fürchten, daß der leckere Bissen ihm vor der Nase davonschwimmen könnte, und er schnappte dann gewiß hastig und hcil'bnn^rig danach. Aber diesmal stimmte die Rechnung deS schlauen Fischers nicht, denn er fühlte nicht das aufgeregte Zittern der zuhaschendcn Beute, und als er hierauf vorsichtig das tanzende Zündhölzchen lvieder auf daS Enten- grün sinken ließ, blieb eS vollkonuucn bewegungslos liegen. „Das Aaö hat sich gedrückt", stellte der kleine Angler enttäuscht fest. Er lvartet noch cttvaS, ob das Luder sich nicht eines besseren besinnen wollte, aber daS rote Hölzchen blieb tot auf dem glänzend saftigen Entenkraut liegen und gar nichts ließ darauf schließen, daß noch andere genäschige Stichlinge auf daS leckere, rosige, verführerische Würmchen Lust bekämen. Der Knabe verschnaufte und Ivischte mit dem Rücken der schmutzigen Hand den Schweiß von der Stirne. „Tann eben nich", sagte er ärgerlich und schwang den Draht mit Wurm und Zündhölzchen an das Ufer.„Hab auch genug für heut." Er warf einen Blick in die rostige Blechbüchie, die neben ihm im Grase stand und zu drei Vierteln mit schmutzigem Grabenwasser angesüllt war. Zwischen den tvenigen Entengrünblättchen wim- melte es von kleinen, nach Lust schnappenden Mäulern. Ein Stichlingsmännchcn hatte sein schönes rot und blau leuchtendes Brüstchen nach oben gedreht und schlug nur mehr matt mit sejnem zierlichen Schtvanz, Raum und Frische suchend, denn eS war schon betäubt von der Wärme des lauen, sauerstoffarmen Wassers in der Büchse. „Der krepiert", konstatierte der Junge, und verdrießlich setzte er hinzu:„Schad... so'S schönes Rotbäuchlein. Er schnellte daS ohnmächtige Fischchen mit seinem Zeigefinger aus der Blechdose, hob eS dann auS dem Grase auf und hielt es betrachtend in der offenen.Hand. Träge öffnten und schlossen sich die Kiemen, aber das schlaffe, klebrige Körperchen bewegte sich nicht; die golden glitzernden Augenringe leuchteten feurig rot. Der steine Angler hielt den Fall für hoffnungslos und schleuderte gleichgültig den Fisch in den breiten Graben zurück. Einen Augenblick lag er wie tot auf dem Entenkraut. Dann aber durchzuckte ihn Plötzliche Bewegung. Eilig schlug daS kleine Schwänzchen hin und her. der spitze Kckpf bohrte sich leidenschaftlich hinein in daS dicht« Entengrün und lllitz- schncll schoß der Fisch in die rettende kühle Tiefe hinab. „Der hat mich sauber an der Nase geführt". lächelte verständnisvoll der Junge.„So'n Scknvindlcr... Ich dachte fest, daß er am Abkratzen Ivär..." Noch einmal sah er nach der Stelle, Ivo der schlimme, kleine Betrüger ver- schtvundcn war. Dann ließ er sich rücklings ins GraS fallen, kreuzte die Anne unter dem Kopf und grunzte tief vor Wohlbehagen... Hier lag er fein am Rand des breiten Wassergrabens. Weit tveg von zu Hause; wohl eine Stunde Wegs. So weit Ivar er noch nie gekommen... Zart und kühl liebloste daö Gras seine Hand. Ter linde Sommerwind umfächelte ihm sanft das Gesicht und durch die sumpfige Luft deS Grabens strich hin und wieder süßer Heuduft von den Feldern weiter rückwärts. Sanft sich neigend im Hauche des Windes schauleltcn über ihm die silbrigen Ripsen deS blühenden Grases. Hoch in der Luft schwirrten Schlvalben, flüchtige schwarze Striche im glänzenden Blau. Wenn man lange hinaufschaute, begannen ganze Regimenter weißer Tierchen durcheinander zu wirbeln... Ein schöner Tagl... Fei», daß er auSgerissen war vom Erbsenstauben, wozu er mit seinen drei Brüdern und zwei Schwestern von der ewig scheltenden und keifenden Mutter angestellt worden war... Auch ein Geschäft an einem so heißen Tag und noch dazu in den Ferien! ... Was ging'S ihn an, ob eS viel oder wenig schlechte Erbsen gab in dieser Welt!... lind noch dazu für die paar lausigen Groschen, die so ein Geizhals von einen! Graupner dafür blechte! Warum klaubte der nicht selbst seine schäbigen Erbsen aus'... Ihm warS gleich, ob der deshalb zersprang, der Saukerl mit seinem Geschwätz und seinen armseligen paar Netsch... Hier war eS besser als in der Stadt!... Ein schöner Tag!... O, natürlich bekam er abends feine Portion auf den Buckel, wenn er nach Hause kam... Nun. auch eine Sorge!... Das war's ihn: wert... War es ja schon gewöhnt. Mutter hatte immer etwas zu quengeln und zu stagen und Vater wurde dmm böse und schlug zu und lief fluchend zur Tür hinan? nach der Schenke... den Staub von der Novellierung der Bergarbeiterversicherung beendet. Unlallstatisfllf im Bergbau AuS dem Referat Dr. Jvankav(Nat.-Dem.)s sind insbesondere statistische Daten über die Unfälle im Bergbau hervorzuheben, die dartun, daß die Unfallziffern der Tschechoslowakei sich auf dem Niveau der fortgeschrittenen Weststaaten halten. Im Jahrzehnt 1922 bis 1931 betrug die Zahl der tödlichen Unfälle im Bergbau auf je 19.999 Arbeiter: In der Tschechoslowakei 11, In Preußen 21, in Sachsen 14, in Bayern 21, in Oesterreich fast 18, in Frankreich 9.4, in Belgien 11 und in England 19.4. Innerhalb der Tschechoflowakei gibt es eine ganze Anzahl von Berufen, die noch gefährlicher sind als der Bergbau. Nach der Unfallstatistik für 1929 gab es im Bergbau auf je 19,990 Unfallversicherte an tödlichen Unfällen 13.6, bei der Sprengstoff-Fabrikation dagegen 33.6, in Steinbrüchen 22.8, im Verkehr(mit Ausnahme der Eisenbahnen) 16.2, im Baugewerbe 16.2, in Elektrizitätswerken 16.1; sogar in den Mühlen gab es noch 12.4 tödliche Unfälle. Der Referent B i ü o v o c(tsch. Sozdem.)> verlangt die AuSarbeittlng eines ProgramnieS, wie daS gesamte Wirtschafts- und ProduktiouSproblem zu lösen wäre. Für die Bergarbeiter verlangt er u. a. eine zufriedenstellende definitive Regelung der Bru« derladenversicherung; zur Beruhigung der Reviere müsse durch NegicrungSverordnung die Gültigkest der Kollektivverträge verlängert werden. In der Debatte kamen u. a. auch die Bergarbeiterführer B r o 3 i t(tsch. Soz.-Dem.) und Lane(tsch. Nat.-Soz.) zu Wort. Außer gelegentlichen Zwischenrufen der Kommunisten verlief die Satzung ruhig. Morgen kommt als erster Redner Genosse Kremser zu Wort. Im Senat erstattete nach einer Trauerkundgebung Dr. Soukups Arbeitcnminister Dostalek dasselbe Referat wie ün Abgeordnetenhaus, lieber die^ Ausführungen des Ministers entspann sich eine längere Debatte, die morgen früh ihre Fortsetzung biÄet. Wiederwahl der Saar-Regierung Genf, 17. Jänner. Der Völkerbnuddrat trat heute Bormittag um 10 Uhr 30 Mm. wieder zu einer geheimen Sitzung zusammen. Als wichtigster Punkt stand die Wahl der Saar- Negierung auf der Tagesordnung, die trrmia- mäßig fällig ist. Wie allgemein erwartet, wurde die bisherige Regierung einstimmig wiederge- wählt. Die Saar-Regierung besteht also weiter aus folgenden Mitgliedern: Knox, England, Ehrurooth, Finnland, 51 o st in a n n, Saarland, M o r i z e Frankreich, Z o r i c i c, Jugo- flawien. (Diese BcrtrauenSkuudgebung für die bisherige Saar-Regierung nimmt die Entscheidung dcö PölkerbundSratcs über die Beschwerde der Saar-Nazis vorweg. Sie ist als Niederlage Hitlers zu werten. D. Red.) Weberei aus der Kehle spülen, wie er sagte... Jawohl!.... Staub oder nicht Staub.... saufen mutzte der auf jeden Fall!... Der Junge seufzte: er hatte es nicht gut getroffen mit seinen Eltern, daS stand fest... ES gab viele, die eS mächtig besser hatten!... Nicht daß sic reicher waren, aber Vater und Mutter waren netter zu den Kindern und untereinander ... Bei Franz zu Hause... nun ja, die Mutter küßte etivas viel und daö war Franz nicht recht, aber eö war doch ein Riesenschwein, so'ne Mutter zu haben!... Und daS Küssen?... Nun, er brauchte es ja nicht gerade den Jungen zu erzählen, aber manchmal konnte einen auch das Verlangen überkommen, etwas verhätschelt und geknutscht zu werden...'S war flau und natürlich kindisch, doch ab und zu sehnte cs sich danach und da er niemand hatte, der ihm darin cntgegenkam, stellte er sich dann imnicr besonders roh und frech, dieser gleichgültige LauSbub, berüchtigt in der ganzen Nachbarschaft. Gewiß, kein Mensch sollte ahnen, daß er solch weichliche Anwandlungen hatte!... Er riß einen Grashalm ab, entfernte die scharfen Blätter und steckte den saftigen Stiel in den Mund. Das schniccktc einfach herrlich, wenn man daran kaute... CS wunderte ihn, daß die Menschen wohl den stinkigen Kohl kochten und aufaßen und daS saftige Gras nicht... Vielleicht konnte nianS nicht gar kriegen oder so... Und vielleicht konnte es der menschliche Magen nicht vertragen?... Sonst würde eS Wohl sehr bequem sein und von Vorteil, wenn man GraS essen könnte... Er mutzte plötzlich lachen: er sah die Menschen auf Händen und Füßen durch die Wiesen und längs den Wassergräben kriechen, eifrig grasend... eine komische Welt wäre das?... Nun, da gabs diese seltsamen Käuze, die nichts haben wollten, was von Tieren kam... nur Pflanzen... Sie hatten einen verrückten, fremden Namen, aber die Leiste nannten sie Grasfresser... Hehehc! Grasfresser! (Fortsetzung folgt.) ftt.lt Somierttag, 18. Jänner 1984 Leit« 3 der Saarbrückener auch Heillein, der- seinr» der Die abbaue- zu beweisen. Was die Textilarbeiter verdienen, sind Geldc neuen »Vo bis 8.42 . 2.87 „ 2.78 das Rei» Im Furchtbar lastet die Wirtschaftskrise auf den Textilarbeitern Nordböl»nens. Tas Gespenst der Not pocht laut und vernehmlich an die Türen der Textil- Mit dem kümmerlichen Dasein unserer Textil, arbeiter, das durch den Lohnabbau vollständig unter, graben wird, schwindet der letzte Rest ihrer Kauf, kraft, mit ihnen werden tausende anderer Existenzen in die Tiefe gerissen und Handel und Wandel still, gelegt.. Bei der Aßtvehr der Textilarbeiter geht cs um Sein oder Nichtsein unserer ganzen Botschaft. Textilarbeiter NordbShmenS! In dieser Schicksalsstunde wenden wir uns auch an Euch mit der dringenden Mahnung, den Euch ausgezwungenen Ablvehrkampf in mustergiilti ger Disziplin und Geschlossenheit zu führen. In diesem Kampfe geht es nicht um die Sache einer Partei, sondern um Euere Existenz, um die Zukunst Euerer Kinder und Familie. Es ist k e i n e P a r t c i s a ch e. zu der Euch die unterzeichneten Organisationen rufen. Duldet es nicht, das; daraus von unberufener Seite eine politische Aktion gemacht wirdi Es wird an Versuchen dazu nicht fehlen; Bolschewiken und andere vom Staate wegen itaatsseind- licher politischer Betätigung eingestellte Parteien und Organisationen werden versuchen, in Euere Reihen Verwirrung undZwietracht zu tragen. Sie werden bestrebt sein. Euer Vertrauen zu den Vcrtragsgcwerkschasten zu zerstören, Euere Krast in Sonder- und Gegenaktionen zu zersplittern und zu lähmen. Euch zu sinnlosen Taten zu verleiten und durch unwahre Behauptungen irrezuführen. Lasst Euch nicht täuschen! Labt Euch nicht irre- führen l Beachtet und befolgt nur die Weisungen der VertragSgewerkschaften! Nur sie, die unterzeichneten Organisationen, sind zur Führung dieses Kamp- fcs berufen. Me anderen, die sich scheinheilig und heuchlerisch an Euch wenden, verfolgen parteipolitische Ein fürchterlicher Reinfall Henleins Kostgänger des Millionenbetrügers Stawisky als Kronzeugen der„Heimatfront“ Union der Textilarbeiter b. G. für daS eil. Staatsgebiet, Sitz Reichenberg. Verband der christliche Arbeiter und Arbeiterinnen an» der Textil., Putz- und Beklridung»induftrie mit dem Sitze in Zwittan. Snc trxtllntho dölnictvn v C. 8. R. m»Idlem v Bro». Cr*koMovcruiky nvnz dAloletv* textlloibo m stdlem v NAchod». Jcdnota textllnlho dtlnlctva v repnbUce v Pme II. arbeitersamilien. Die Verdienstmöglichkeiten in Textilindustrie sind spärlich und trotzdem sollen die Textilmlieiterlühne neuerlich abgrbont werden. Ende Dezember v. I. wurden die Vertrag»- gcwcrkschasten in der iwrdbohmischen Textilindustrie von der Uickernchmerorganisation verständigt, dab die Industrie einen weiteren Abbau der jetzigen Vertrags« löhne für alle drei VcriragSgcbicte Reichenberg, Tann toald und Friesland um 19 Prozent und für die Kunstseide verarbeitenden Betriebe u m 2 5 Prozent vornehmen tvill. Die Unternehmer begrüben diese Forderung so- toohl mit den Schwierigkeiten auf dem ZnlandSmarkt als auch mit den Hindernissen, die dem Export unserer Textilüidustrie auf den AuslaiidSmärkten gemacht werden. Am 8. Jänner sand in Reichenberg eine Aus« spräche zwisckwn den Vertretern der Gelverkschasten und der Industrie statt. Bei dieser Aussprache verwiesen die Vertreter der VertragSgewerkschaften aus die ungeheuere Notlage, in der sich die Textilarbeiter NordböhmenS mit ihren Familien derzeit befinden. Sie erklärten, das; mit Rücksicht mif die derzeitigen Lebensverhältnisse für die Textilarbeiter weitere Opfer untragbar und gleichbedeutend mit der Vernichtung der letzten Exislenzmöglichkeiten loärcn. Sie verwiesen eindringlich darauf, dab der Lohnabbau ein ungeeignetes Mittel ist, um die Lage unserer Textilindustrie zu erleichtern und den Arbeitslosen wieder Arbeit zu schaffen. Schon heute sind die Textilarbeiter nicht mehr imstande, ihr Kleidungsbedürfnis auch nur primitiv zu befriedigen. Was sie verdienen, reicht nicht einmal mehr hin, um jene Nahrungsmittel in genügender lvienge zu kmifen, die sie für ihre Erhaltung und die ihrer Familien unbedingt benötigen. Mit Rücksicht darmif sahen sich die Vertragsgewerkschaften veranlasst, die Forderungen der Industrie a b z u le h n e n und den Vorschlag zu machen, u n ve r ä n d e r t a n f e i n I a h r z u verlängern. Die eindringlichen Worte der Vertreter der VertragSgewerkschaften der Textilarbeiter fanden bei den Industrielle» kein Gehör. Als Antwort darauf hat die Industrie die Verträge gekündigt, um auf diesem Wege den Lohnabbau durchzusehen. Wenn die Unternehmer von ihren Forderungen nicht abgehen. so werden sie einen sozialen Kampf groben Ausmasse» und größter Bedeutung nicht nur für die Textilarbeiter, sondern für die gesamte Wirtschaft unseres Staates heraufbeschwören. Notgedrungen, um ihre Existenz zu erhalten, werden die Textilarbeiter zur Abwehr gezwungen. Ihnen handelt eS sich nur darum, die völlige Zerstörung ihrer Existenz, den Verfall ihrer Familien mck» die Gefährdung der Gesundheit ihrer Kinder zu verhindern. Opfern i.dimmerwiederOpf er wurden in den letzten Jahren von den Textilarbeitern grsordect^ Niemand kann den nordböhmischen Textil- eckmtern Verständnis für die schwierige Lage der Textilindustrie absprcchcn. Sie haben in den vergangenen Jahren schwere Einbuben in ik>ren Löhnen auf sich genommen. Die Vertragslöhne wurden bereits zweimal, in manche Branchen sogar dreimal ab- gebmit. Die Vertragslöhne allein wurden in den vergangenen drei Jahren um 18 bis 18 Prozent herabgesetzt. Nicht genug damit, wurden auch die Akkochsätze wiederholt reduziertl Der Lohnabbau bei unseren Textilarbeitern beträgt unter Berücksichtigung der Verminderung der Akkordsätze durchschnittlich 3N Prozent! Aber dazu kommt, datz diele tausende Textilarbeiter ihren Arbeitsplatz überhaupt verloren haben und zur Arbeitslosigkeit verurteilt sind. Es gibt nur wenige Textilarbeiterfaun- Tictt, in denen nicht daS eine oder andere Mitglied seit längerer Zeit arbeitslos ist. Aber auch jene, welche noch beschäftigt find, leiden unter Kurzarbeit und Feierschichten, die in den meisten Betrieben NordböhmenS eine regelmäbige Erscheinung geworden sind. Alles das zusammen hat den Lebensstandard der nordböhmischen Textilarbeitersamilien mif ein Niveau be—ntergedrückt, das nicht einmal mehr die bescheidenste Lebenshaltung gestattet. Selbst dort, wo einstmals noch Spargroschen vorhanden waren, sind sie längst aufgczehrt. Selbst führende Männer der Textilindustrie haben biederholt auf den Hunger und das Elend unserer nordböhmtschrn Textilarbeiter hingewirse«. Der Präsident der Reichenberger Handelskammer, Herr Theodor Liebieg, erklärte in einer Rede am v. November 1088: .In unseren nordböhmischen Industriezentren gibt es vielfach Hungersnot! Tausende und abertausend« sind es. in dem in seinem Lebensnerv betroffenen Haidaer, Steinschönauer und Gablonzer Glasindustriegebiet, in unseren Tälern des nördlichen Böhmens, wo einst die blühende Textilindustrie arbeitete und sich heute ost keine Spindel mehr dreht, im Jser- und Riesengebirge sowie im Adlergebirge usw.. die stch nicht einmal Kaffee. Brot und Kartoffeln in ausreichender Menge beschaffen können. Es ist meine Pflicht, von dieser Stelle aus' so nachdrücklich als möglich auf diese himmelschreienden Zustände hinzuweisen und die Regierung zu ersuchen, von dem unüberbietbarem Elend, das hier herrscht, Kenntnis zu nchm-.n und Abhilfe zu schaffen." Trotzdem gehen die nordböhmischen Textilindu» striellen daran, diese Hungersnot zu verallgemeinern, indmr sie S0.999 Textilarbeiter um ihre letzten LrbenSmöglich- keiten bringen! Es bedarf nicht vieler Worte, um die Unerträg- Lchkeü de» von der Textilindustrie geforderten Lohn- P r a g, 17. Jänner. Die dritte Plrnar- und gleichzeitige Schlusssitzung der Prager Konferenz des WirtschaftSratrö der Kleinen Entente fand heute abends unter dem Vorsitz deS Aussenmini» strrS Dr. B e n e ö statt. Nach eingehendem Studium der ihm vorgc- legten Fragen hat der Wirtschaftsrat in dem Bestreben, die Hauptrichtlinicn der künftigen Zusammenarbeit dec drei Länder festzusetzen, folgende Resolutionen angenommen: über die Bcreinbanmg von Abtoininen betreffend die definitive Gestaltung der gegenseitigen WirtschaftSbrziehnngen und ihrer Ent- Wicklung, über die Zusammenarbeit der in den Ländern der Kleinen Entente bestehenden wirtschaftlichen Institutionen zur Schaffung neuer derartiger Institutionen und zur Organisierung der wirtschaftlichen Propaganda; über die Zusammenarbeit der Kleinen Entente-Staate» auf dem Gebiete der Eisenbahnverbindung, der Donauschiffahrt und der Flug- »erbindung; I Erfolgreicher Abschluss der Prager Konferenz Genaue Richtlinien Ober die Zusammenarbeit Um das Schicksal von Hunderttausenden Ein Notruf der nordböhmischen Textilarbeiter! über dir Organisierung einer Post-, Telegraphen- und Trlepftonnnion; über die Zusammenarbeit ans dem Gebiete der Normung, sowie zum Zwecke der Vereinheitlichung drö Handelsrechte» und der Wrchsel- und Scheckgesrtze. Dr. Beneö schloss die Plenarsitzung mit einer tvarmen Würdigung der grasten Arbeit, die der Wirtschaftörat während seiner Prager Tagung geleistet hat. Die grösttcn Ausgaben erwarten die Staaten der Kleinen Entente auf handelspolitischem Gebiete. ES handelt sich vorläufig darum, eine Besserstellung zu erzielen, die im Jahre 1986 wieder ausgebaut würde. Wenn Heuer gegen das Vorjahr eine Besserung um 50 Prozent und vielleicht um mehr erreicht wird, wie rS in dem Plmi vorausgesetzt ist, dann wird auch dieser Anfang gewiss eine sehr wertvolle Besserung gegenüber dem bisherigen Zustande der wirtfchaftlichm Depression MfrWnt. Absichten. Ihnen geht es nicht nm die Erhaltung Euerer Existenz, sondern um das Prestige ihr« Partei., Darum ruscu wir Euch in der Stunde, die Euere ganze Kraft, Entschlossenheit und Disziplin erfordert, zu: Bewahrt Besonnenheit u n d D i s z i« plinl Befolgt n u rdie Weisungen der VertragSgewerkschaften! Wendet euch gegen jene, die euch verwirren w o l le n 1 Nur dann, wenn dieser Abwchrkampf einheitlich, geschlossen und diszipliniert geführt wird, ist der Erfolg gesichert! Dir Entschcidimg liegt nun bei den Unter, nehmrrn. Bleibt die Industrie auf ihren Forde- nmgen bestehen, so bleibt der Textilarbriterschast keine andere Wahl, als den Kamps gegen ihre völlige Verelendung aufznnehmrn. Hungettöhne. Menschen, die den Rus unsere« Textilindustrie dank ihrem Fleiss und ih«r Geschicklichkeit in die ganze Welt getragen haben, erhalten gegenwärtig folgende Stundenlöhne: Vor- und Spezialarbeiter. flc 2.71 Qualifizierte Arbeiter...1.48 Alle übrigen Arbeiter...„ 1.88 Aber diese Stundenlöhne gelten nur sür chenberger und Tannioalder BertragSgcbiet. Friedländer Gebiet sind die derzeitigen Stundenlöhne noch um 7 bis 10 Prozent niedriger. Zu diesen dürftigen Stundenlöhnen sind aber die Arbeiter nur selten 48 Stunden in der Woche beschäftigt, die meisten arbeiten nur 8 9 bis 4 9 S t u n d e n w ö ch e n t l i ch! Arbeiter, die Familien zu erhalten haben, Kinder ernähren und zu tüchtigen Menschen erziehen sollen, verdienen heute bei Kurzarbeit nicht selten 60 biü 70 Kl in der Woche! Das Leben der nordböhmischen Textilarbeiter ist schwer bedroht. Mit ihrer Existenz steht ihre Arbeits- und Leistungs«ähigkeit auf dem Spiele, ohne die sich unsere Textilindustrie aus den Auslandsmärkten nicht behaupten kann. In seiner Rede in der Reichenberger HandelSkamm« führte Herr Theodor Liebieg selbst aus: .Die phhsische und psychische Leistungsfähigkeit der auf Jahre zur Untätigkeit und zum Hunger verurteilten Menschen ist im Schwinden. Damit schwindet aber unser wertvollster Besitz, denn Men- schcnarbeit ist es, die Werte und Wohlstand schasst. Und eben diese Menschenarbeit lvar es gerade auch in unserem nordböhmischen Industriegebiet, die uns trotz des Fehlens günstiger natürlicher Standortsfaktoren seinerzeit zu der stolzen Höhe unserer industriellen Leistungsfähigkeit emporgebrocht hat." Der Untergang unserer Textil- arbeiteristauchdaSEndeunsererTex- t i l i ii d u st r i c. Tschechische und deutsch« Textil industrielle! Auch in der tschechischen Textilindustrie Ost- und DkittelböhmenS wurde Anfang November 1988 der Lohnvertrag gekündigt. Auch dort drohte ein schlverer Konflikt auSzubrechen. Aber es kam nicht dazu. Dir tschechischen Textilinduftriellen haben nach mehrmaliger Aussprache mst den Arbeiterorganisationen die Vertragskündigung zurückgezogen und von jedem Lohnabbau Abstand genommen. Schw«e soziale Kämpfe und Erschütterungen blieben damit der Wirtschaft unseres Staates erspart, de«n Folgen für die Oesfentlichkeit, für Staat und Gesellschaft unabsehbar gewesen wären. Von diesen Rücksichten auf Staat und Wirtschaft haben sich die deutschen Textilindustriellen NordböhmenS nicht leiten lassen, als sie die Lrbeiterschast zur Abwehr zwangen. D« Untergang vonHandelund Gewerbe ist unausweichlich, wenn es den Unterneh- mern gelingt, ihre Forderungen durchzusetzen. Längst i ist die Zeit vorüber, in d« die Textilarbeiter Ersparnisse zusetzen konnten. Heute leben sie von der Hand in den Mund. Ihren ganzen Verdienst tragen di» Textilarbeiter zum Kaufmann und Gewerbetreibenden. Unzählige Existenzen in Handel und Gewerbe, die heute schon ein kümmerliche» Dasein führen, würden in den Konkurs und Ausgleich getrieben, wenn die Löhne von 29.999 Textilarbeitern noch weiter gekürzt werden sollten. Die heute schon vorhandenen Warenschulden bei den Kaufleuten sind rin bedenkliches Zeichen. Allein in den drei Vertragsgebieten Reichenberg, Tannwald und Friedland würde bei Verwirflichung der Forderungen der Unternehmer der jährliche Lohnverlust 16 Millionen K£ betragen. Der Abwehrkampf der nordböhmischen Textilarbeiter richtet sich gegen die Verelendung weiter« Kreise unserer Bevölkerung, gegen den Niedergang unserer Wirtschast und gegen Anfall in Hun- g« und Not. Die Entscheidung, die in Nordböhmen fällt, wird die Wirtschast unsere» ganzen Staate» treffen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gelehrt, datz dem Lohnabbau in Nordböhmen schon in kurzer Zeit Lohnherabsctzungen in allen Trxtilindustriegebieten folgen. Noch immer beschäftigt unsere Textilindustrie fast 299.999 Menschen. Für die heute schon schwer gefährdete Wirtschaft mnserer Republik ist e» nicht gleichgülstg, wie 299.999 TextUarbeiter mit ihren Frauen und Kindern leben. Ueber da» Schicksal dieser 299.999 Textilarbeiter, üb« die Zukunftvou HandelundGewerbe und über die w e i t e r e Entwicklung der Wirtschaft unseres Staates wird in Nordböhmen entschieden. Der Lohnabbau wird unserer Textilindustrie nicht helfen. Trotzdem die Löhne schon durchschnittlich um 89 Prozent abgebaut wurden, ist e» mit dem Export unserer Textilindustrie ununterbrochen bergab gegangen. Auch eine neuerliche Senkung der Löhne wird unseren Export nicht heben. Ab« Lohnabbau wird»um vollständigen Zusammen, bruch de» JnlandSmarktr» führen. Industrie schaufelt sich damit ihr eigenes Grab. ->n dieser Stunde schwerwiegender Entscheidunwenden sich die Textilarbeiter an die Sie appellieren an alle, die Poriefeuillc deS grossen Betrügers. Darius sihi bereits seit Tagen hinter schwedischen Gardinen, lieber Dubarry schivebt ein Hastbcsehi. DariuS und Dubarry,„Midi" und„Volonte" sind Hitler» Freunde und Verbündete in Frankreich. Welche Summen nötig lvaren, um beide zu lausen, ist noch nicht auSgeplaudert Ivordcn. Seit Monaten werden dem harmlosen deutschen Michel in Hitlerien und an der Saar die Artikel dieser Blätter als die öffentliche französische Meinung serviert. Diese Blätter zeigten sich als enthusiastische Propagandisten des„Dritten Reiches". Diese seilen Kurruptionisten des groszen Betrügers von Bayonne, Darin» entstammt einer Negerin. Als Mulatie ist er gewürdigt worden, für das „Dritte Reich" zu kämpfen. Wir wisieii nicht, lote er durch die Aricrparagraphen geschlüpft ist. Außerhalb derHakenkreiizgrenzpsähle nimmt man scheinbar daS Rasscprinzip nicht so genau. Leidenschaftlich bewegt und mit heißem Bemühen hat deS Mulatten„Midi" sür Hitler und um das Vertrauen zu dessen Friedensliebe gekämpft. Im„Midi" tauchte plötzlich der sattsam belanntc Louis Thomas auf, der den verderblichen Einfluss der Emigranten gcisseln zu müssen glaubte und in der geschickten Drapierung eines französischen„Frontkämpfers" sich fiir Hitler» Friedensliebe verbürgte. Ein Mann, der autonoinistisch und nationalsozialistisch, klerikal und radikal schreiben kann, wie es gerade verlangt wird, und von dem Herriot einmal sagte:„C'est le plus grand salaud. auc j'ai rencontrö".(ES ist der grösste Lump, dem icki je begegnet bin.) Von niemanden in Frankreich ist er ernst genommen tvorden. In allen deutschen Zeitungen prangte sein Appell sür Hitler. Als eine bemerkenswerte Stimme au» Frankreich wurde vom GoebbclSschen(und Henleinschen. Dir Red.) Propagmidaapparat auSgerusen, was nicht» war al» eine gekaufte Stimme in einem gekauften Blatt, dem Blatt de» Mulatten DariuS. Und der war d« Spiessgeselle de» Räuber» von Bayonne." Durch den KorruPtionSslandal deS französischen Millionenbctrüger» Stawisky sind auch zwei Pariser Zeitungen heillos kompromittiert worden, die in letzter Zeit öfter» in hitlersreund« sichern Sinne geschrieben haben. Eine davon, die „Volonte", wurde auch von dem Organ der Heimatfront deS Herrn Henlein, dem„Volkswart", al» Beispiel für daS„Erwachen" Frankreichs bei- fällig zitiert. In einem Artikel„Frankreichs Politik" berief sich der„Volkswart" auf folgende Lobhudelei der„Volontö": „Heute bemühe man sich, Hitler aus alle Fälle nach Genf zurückzusühren, übersehe aber dabei, dass man eS mit Menschen von Ehrgefühl zn tun habe." Diesmal hatten die sudctendeuischen Lobred- ner der Hitlerei aber fürchterliches Pech. Der folgende aufschlussreiche Artikel „VolkSstimmc" schildert, wie Stawisky und Goebbels und mit ihnen gleichen fragwürdige Gesellen für ihre propagandistischen Ziele bedient haben. Die„Volksstimme" schreibt: „Nach dem sich der Mund de» Betrügers von Bayonne für immer geschloffen hat, wird man- nicht leicht sagen lönneii, ob unmittelbare Beziehungen zwischen den grossen Betrügern: Sta- wisky einerseits und Hitler und Goebbels andererseits bestanden haben. Fest steht ein»: Der grosse Betrüger von Bayonne bediente sich bei seinen immensen Raubzügen derselben fraiizösischen Zeitungen, die von der Hitlerpropaganda in Frankreich benutzt werden. Der Jude Stawifly und der Edelarier Gorbbel» hoben mit den gleichen käuflichen Objekten gearbeitet, jedn zur Erreichung anrüchigen Ziele». Stalvisky hat sich mit ergaunertem zlvei Zeitungen dienstbar gemacht: Den „Midi" und die pseudoradikale Zeitung lentö". Zwei Millionen Franken hat Direktor Dubarry von der„Volonte" in die Hand gespielt bekommen. Der Eigentümer des„Midi", DariuS,«hielt fortlaufende Summen ans dem gen..... Oeffentlichkeift sich für die Not der Zeit Verständnis bewahrt habe», an alle, denen die Zukunft von lausenden Arbeiterfamilien nicht gleichgültig ist, an Handel und Gewerbe, deren Bestand hiemit auf dem Spiele sieht, an die Faktoren de» öffentlichen Lebens, denen das Interesse des Staaie» und der Wirtschaft anvertraut ist, sie in diesem Abwehrkampfe gegen ihre völlige! Verelendung zu unterstützen. Nr. U DounerStag, 18. Jänner 1931 Sette 4 Tagcsnculgkcitcn t I >, als nurii die Seilbahn- £ uicr fielen. Ter Brand feinen Ausgang und in sich hartnäckig das Wc- möglichrrwcisc gelegt I Grad Grad bleibt t'iCrt- Für die voin R e v i e r r a t in Brüx veranstaltete Hilfsaktion zugunsten der von der Ossekcr Katastrophe Betroffenen sind biö 16. Jänner insgesamt 106.50-1.05 KL cingcgangen. der der Armee Major W. Stevens sein, bekannte Aerostat- William Kcpner und im Maricnhauö, dem mehr und ^Der Betrieb stillgelegt— Briix, 17. Jänner. Gestern nachtö gegen Ubr brach ans dem Trupschihrr Anna-Schacht rin Jener and, das sehr rasch nm sich griff,»nd dem sowohl die Sortier anlagr»ollständig zum nahm vom Förderturm der Bevölkerung erhält rächt, das« das Jener worden sei. Dir Untersuchung deswegen ist bereits im Gange. Tie in der Grnbc arbeitenden 19 Schachtleute konnten äch durch den Luftschacht rechtzeitig in Sicherheit bringe», so das; zum Glück kein Menschenleben zu beklagen ist. Der Betrieb muhte infolge des Brandes stillgelegt werden. Dadurch sind 118 Bergarbeiter arbeitslos geworden. Ein schwerer Antonnfall, der den Tod von vier iungen Leuten znr Jolnc halte, ereignete sich am Dienstag abends auf der Landstraße von Aix nach Marseille. Ein mit fünf Personen bc- seytcS Automobil fuhr gegen Mitternacht in voller Fahrt auf einen in Fahrt befindlichen Lastlrast- tvagen auf. Bier Insassen kamen und Leben. Die fünf jungen Leute kamen von einem Abendessen, zu den» sic ein gemeinsamer Freund, ein Irrenarzt in Air,«ingeladen hatte. Es kamen bei dem llnglück umö Leben: Ter Sohnund die Tochter eine Medizinstudentin Eigentümer des Wagens, mit 2« die Stratosphäre Washington, 17. Jänner. Gestern lvurde bckanntgegebcn, daß sich die Luftfahrtgruppc im Luftfahrlministerium und die staatliche geographische Gesellschaft mit einem viel größeren R c- k o r d f l u g in die Stratosphäre in einem Ballon befassen, als die bisherigen stratosphärischen Acrostatc waren. In dem Programm ist ein Aufstieg bis zu einer Höhe von 15 M eilen vorgesehen, tvo lie Flieger die Absicht haben, ein großes Reservoir mit Luft zu füllen, die sie nach ihrer Rückkehr einer Analhsc unterziehen werden. Beobachter tvird Kapitän A. Den Niesenballon tvird fachmann steuern. Ein Mord im Bezirk Tachau Eger, 16. Jänner. In dem Ort II schau bei Alt-Zedlisch wurde am vergangenen Sonntag der 52jährige Zimmermann und Häusler Josef -ZchmoIa erwürgt ausgefundcn. Bor der Erdrosselung war Schmola durch einen Schlag auf den Kops betäubt worden. Im Zuge der Erhebungen wurden von der Gendarmerie uncr dem Verdachte der Täterschaft ein Nachbar des Ermordeten. mit dein dieser in Feindschaft lebte, und dessen Sohn verhaftet. Beide leugne n die Tat. Das Bezirks-Gendarincriekommando Tachau und die Fahndungsabteilung der Egerer Gendarmerie find mit der Aufklärung des Falles noch beschäftigt. dcS Staates sind znrl'nkgcgangcu. Ilzhorod melden EelsiuS, Spisslä, Celsius. Großfeuer in Preßburg Prrstburg, 17. Jänner. Heute nach 9 Vom Rundfunk Empfehlenswerte» an« den Programmen: Donnerstag: Prag. 10.10 Sender Libtitz: Deutsche Nachrichten, Sender Straschnitz 15.10: Deutsche Sendung: Carlyle: Vorlesung aus „Arbeiten und nicht verzweifeln", Sender L, 16.50: Kinderfunk, 17.25: Klavierkonzert, 17.45: Französischer Sprachkurs, 18. D e u t s ch e 2 e n d u n g: Jugendstunde: Kasperl auf Reisen, 10.80: Beethoven: Sextet Es-Dur, 20.10: Die Welt in Umgestaltung, 22.45 Smetana: Konzert.— Brünn: 12.85: Jazzmusik, 15.45: Frauenfunk, 18.25: Deutsche Sendung: Heitere Rezitationen, 20.80: Kleiner Mann, was nun? Hörspiel.— Kaschan: 12.80: Or- chcstcrkonzert.— Press bürg: 17.15 Klavierkonzert. —- Wien: 12: Mittagökonzert, 17.10: Cello-Borträge, 20.80: Konzert der Wiener Philharmoniker. — Frankfurt: 16.80: Musik auf alten Instrumenten. — Heilsberg: 16 Nachmittagskonzert.— Freitag: Prag: 10.15 Selcher L: Deutsch ePressc« n a ch r i ch t e n, 11: Schallplatten, Sender St: 14.45: Volksliederstundc, 15.10: DeutscheSen- d u n g: Pressenachrichten, 18.25: Deutsche Sendung: Dr. Starkenstein: Die Erforschung der Hei- lungsvorgänge, Sender L: 20: Branivktj: Oberon, der Elfenkönig, Oper aus dem Jahre 1700.— Brünn 16: Nachmittagskonzert, 18.25: Deutsche S e n d.. n g: Meixner: Gutes und schlechtes Seutf* 20.55: Balalaika vereinigte russ. Hoch« schiMudenten.— Kaschan: 16.80: Opernarien 10.85: Orchesterkonzert.— Wien: 16.55: Gitarrenmusik. 17.80: Liederstunde. 10.20: Im Fasching, 21.20: Musikalische Neuerscheinungen.— HeilSberg 16: Orchesterkonzert.— Berlin 21.85: Chorgesänge.— Sin Augsführer tödlich ver- unglLekt Brünn, 17. Jänner. Heute um 5.10 Uhr entgleisten bei der Verschiebung des Lastzuges Nr. 755 in'der Station S l a t i n a bei der Weiche aus bisher noch nicht sichergestclltcr Ursache drei Waggons. Zwei von ihnen stürzten uni. Der ZugS- sührer Alois D i d i c aus Brünn erlitt eine tödliche Verletzung, tvelcher er erlag. Das Einfahrtsgeleise lvar auf der Brünner Seite bis 7.45 Uhr verrammelt und die Vlara-Zügc lvurden auf dem Hilfswegc über Blajovice-Holnbicc geführt, wodurch fic eine Verspätung erlitten. Franziskanerheim in Flammen Neuwied, 17. Jänner. Seit Mitttvoch früh steht das St. Joseph-Haus bei Waldbreitbach im Wiedtal, das Mutterhaus der Genossenschaft der Franziskaner, in hellen Flammen. Das Feuer lvar im Dachstuhl des BertvaltungS- gebäudcs auf dem linken Flügel des großen Ge- väudekomplcxes in einer Kleiderkammer ausgebrochen. Etwa fünfzehn Räume sind bereits vom Feuer vernichtet. Die Neuwicder Berufsfeuerwehr war schon einige Minuten nach dem Alarm an der Brandstelle, außerdem sind zehn Wehren der Umgebung und die Bevölkcrnng der umliegenden Orte mit der Bekämpfung des Dampfer i« Francisco, 17. eines Gymuasialprofcssorö in Marseille, aus Marseille und der Der fünfte Insasse kam verhältnismäßig leichten Verletzungen davm i FcuerS beschäftigt. Die größte Gefahr bestand i zunächst für die neben den brennenden Gebäude- I flügclu liegende Kirche und die Krankenanstalt. Die Kranken mußten in aller Eile nach dem Hauptslügel gebracht werden. Trotz nichrstündi- ! gcr Löscharbeiten wütet der Brand lveiter. Man | hoffte aber, das Krankenhaus und die Kirche zu «retten. Menschenleben sind nicht in Gefahr. Im St. Josephs.- \ Mutterhaus der Franziskanerinnen, sind ! als 1200 geistesschwache Männer Frauen nntergebracht. San Die radiotclrgraphische Schisfahrlsstalion in San Francisco erhält fortgesetzt Allarmmeldnngen des britischen Dampfers„Cape Cornwall", der 5000 Tonnen zählt und 40 Mann Besatzung hat. In den ausgesandten SOS- Rufen meldet der Dampfer, daß das Wasser in vollem Strome in sein Inneres dringe und er rascher Hilfe bedürfe. Der Dampfer befindet sich aus offenem Meere. Hunderte Todesopfer de» Erdbebens in Indien Kalkutta, 17. Jänner.(Reuter.) Aus Patna wird beöichlct, daß die Stadl Muzaffarp ur in Nord-Bahar durch das Erdbeben volllommen verwüstet wurde. Bei der Katastrophe find mehrere Hundert Personen ums Leben gekommen. Die S t raße n sind mit Toten bedeckt. Die Verbindung mit der Stadt ist unterbrochen. Vie Arbeitslosigkeit in Nordböhmen In den 47 Bezirlsanstaltcn für allgemeine unentgeltliche Arbeit»- und Tienswcrmitttung in Nordböhmen war.n im Dezember mit Einrechnung der vom November übriagebtiebcnen Stellen und Stellcnsu hcnden 7278 Arbeiis- und Dienststellen und 174.277 Bclverbcr und Bewerberinnen ange- mcldcl. lvobci 5920 Vermittlungen erzielt wurden. Tic Anzahl der Arbeitslosen bleibt ständig groß und zevst im Dezember eine neuerliche Steigung, lvas als natürtichc Folge der Beendigung der Bauarbeitcn, der ilntcrbrcchuug der im Freien durchacführtcn Jnvestitions- in Notstandsarbeiten, der Arbeüsruhe in der Landwirtschaft und in den Gärtnereien und dem saisonmäßigcn Rückgang in de» niit diesen Gruppen zusammenhän- gcndcn Berufen sowie der Aussetzung der Industriearbeiter in der Weihnacht»-'und Ncujahrszcii, die auch Heuer vorgcnommcn lvurde, anzusehcn ist. Ganz allßcvgclvöhnlich stieg die Anzahl der Arbeitslosen im Bereiche der Anstalt in Bodenbach, u. zlv. um 8257, d. i. um 120 Prozent aus 5959, Es handelt sich hauptsächlich um Metallarbeiter. Bei der außerordentlichen Verschlechterung der Lage bei Bodenbach steht mit der Anzahl dec Arbeitslosen der Bezirk Te t scheu mit 12.821 an erster Stelle in Nordböhmcn. dann lommt Rei- chenbcrg mit 12.858, Tcplitz-Schönau mit 11.221, B.-Lcipa— hauptsächlich zufolge der Lage dec Glasindustrie bei Haida— mit 10.852, Gablonz a. R. 10.456, Komotau 9585, Aussig a. E. 8918, Brüx 8810, Dux 8142, Friedland 7616, uslv. Ten BernfSgruppcn nach handelte cs fick um 25.825 Textil«, 20.788 Hilfs-, 20.429 GlaS- und l6.709 Bauarbeiter(um 22.7 Prozent mehr), um 18.640 Metallarbeiter(mehr um 15.2 Prozent), 12.117 Tagarbeitcr(mehr um 11.8 Prozent). Bon den anderen Bcrufsgruppen, in denen die ziffernmäßige Erhöhung kleiner ist. zeigt iich prozentuell eine noch größere Erhöhung der Anzahl der angemcldctcn Arbeitslosen, so z. B. bei Transportarbeitern nm 80 Prozent, bei den Gärtnern und bei Arbeitern der chemischen Industrie um 45 Prozent, in der Tonindustric« um 34 Prozent, in den graphischen Fächern nm 21 Prozent und bei der Landwirtschaft um 19 Prozent: in der Lebensmittelindustrie um 15 Prozent, bei der HolzbcarbcitungSindu'kric um 12 Prozent. Die große, lange dauernde und in der letzten Zeit wieder steigende Arbeitslosigkeit sowie die mit der Arbcitslosenfürsorge verbundenen Auslagen haben wiederholt die Notwendigkeit der Zentralisierung dcS ArbcitSmarktcs und der daraus folgenden besseren ticbersicht der Arbeitslosigkeit bewiesen. Dcstvegcn tvird wiederholt die Frage der einheitlichen gesetzlichen Regelung dec Arbeit!- Vermittlung in der Tschechoslowakischen Rcpubli! besprochen. Tic im Jahre 1933 erfolgte Ergänzung dcS Netzes der ÄrbcitSvcrnnttlungSanstalten in der Slowakei ermöglicht bereits auch dort eine bedeutend bessere Erfassung der Arbeitslosen. Schnee in den Bergen, warm in den Tälrrn 3» den nordböhmischen Bergen ist am Dienstag neuerdings anSgicbig Schnee gefallen; die Schneedecke hat sich dort vielfach nm 10 bis 20 Zentimeter erhöht. In den Niederungen herrschte fast überall Tauivctter.— Am w ä r m st e n Ivar cs noch immer in B ö h m c n, tvo die Maxima plus 4 bis 5 Grad Celsius betrugen. In einem Keile höheren Drucks hat eö sich in der letzten Nacht teilweise aufgcheitcrt, und namentlich im Osten die Temperaturen dabei kräftig SliaL, Rimavskä, Sobota und Minima von minus 10 Nova Ves von minus 11 Der allgemeine Wcttcrcharaktcr noch immer u n b e st ä n d i g. Eine neue Nische Truckstörung veranlaßte gestern in England und an der Westküste Frankreichs eine neue Er- Wärmung auf plus 9 bis plus 18 Grad Celsius. — Wahrscheinliches Wetter heute: In der Westhälfte deö Staates unbeständig, zeitweise Niederschläge, milde, frischer biö starker Südwestwind. Der Wettkampf der Prager Schachtlnbö nm die Meisterschaft von Groß-Prag im Jahre 1934 ist dieSnml von einer Rekordzahl von Mannschaften beschickt, so daß an dem Wettkampf mehr als 1000 Prager Schachspieler aktiv beteiligt sind. In der ersten Klasse wurde diese Konkurrenz mit einem Wettkampf zwischen dem Rnssifs.en Schachklub und dem Schachtlub Marshall eröffnet. Ter Kampf steht vorläufig unbe- cndct 3%: 2'S für den Marshall. Das Turnier um die Meisterschaft von Brünn hat soeben begonnen. Noch Wirrwarr im Arther. Der größte Teil der europäischen Sendcslationcn hat aus der ihnen auf Grund des Luzerner Abkommens zugcicilten neuen Wellenlänge zu senden begonnen. In den mittleren Wellen wurde die Aenderung glatt durchgcführt. Bei den langet. Wellen ist jedoch eine große Vcrlvirrung cingetrctcn, lveil einige Stationen es abgclchnt haben, den Luzerner Plan anzuerkcnnen. Viele Länder haben nämlich das Abkommen in Luzern nicht unterschrieben. ES sind das hauptsächlich Holland, Schweden nnd Finnland. Die Regulierung der langen Wellen wird also noch einige Maßnahmen erfordern, damit der Verkehr der einzelnen Stationen nicht gestört sei. Ein ärztliches Meisterstück. Ter italienische Arzt am Buffaloer Krankenhaus, Antonio C c s o l a, unternahm an einer hochschwangeren Frau, der Italienerin de Pasguale, die sich im Krankenhaus auf die Geburt ihres Kindes vorbereitet hatte nnd dort vor dessen Geburt starb, mehr als eine halbe Stunde nach dem Tod der Frau eine Operation, durch die er daö Kind dem toten Leib cntnahni. Es gelang dem Arzte, das K i n d zum Leben zu bringen nnd cs a m L e b e n zu erhalten. Ein Riesenbctrug in Wien. Dienstag wurden in Wien zwei ehemalige höhere Beamte der Zentralbank der deutschen Sparkassen in Wien, u. zw. Sigmund Winkler und Wilhelm Rokotnitz verhaftet. Als Bankiers gewannen sie die Aktienmehrheit der Pianofabrik Hoffmann und Zeuch nnd der Wiener Aktien« Ziegeleien. In der Verwaltung dieser beiden Unternehmungen ließen sie sich verschiedene Ilnznkömmlich- keitcn zn schulden kommen. Dies gab den Anlaß zu den Strafaiuieigen, die Heinere Aktionäre erstatteten. Der durch die Manipulationen angcrichtcte Schaden beläuft sich auf 800.000 Schilling. Gestank im Dritte» Reich. Die„Pvmmcrsche Zeitung" meldet, daß ans Veranlassung des Gauleiters der Direktor des Stettiner Arbeitsamtes Dr. Gerbc.r u. sein Stellvertreter Zahn mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden seien, weil sich in dem vom ArbeitSamtc Stettin eingerichteten NotstandSlager ungeheuerliche Mißstände herausgestellt hätten. Eine Poftma-.r mit dem Bilde Smetanas. Das Post- und Telegraphenministeriuni beschloß, im heurigen Jubiläumsjahre Smetanas eine Postmarke mit dem Bilde des großen Musikers auszügeben. Die Sme'°-"»Marke wird mit besonderer Sorgfalt vorbereitet werden. Sie wird in Tiefdruck-Gravüre hergestellt und etlva einen Monat vor Beginn der Feierlichkeiten auogegcben werden. Awei Hinrichtungen in Dessau . Die ersten feit 1888... Tessa», 17. Jänner. Heule um Imlb 8 Uhr tvnrde» im Hose des Gcrichlsgefängnisses i» Dessau tAnbalt) der Böttcher Karl H ans»nd der Korbmacher Wilhelm B i e s r r, die durch Urteil des Trnanrr Schwurgerichtes vom 13. Inti 1933 wegen Ermordnng des SA-Mannes Eicslick in Hecklingen> Anhalt) zum Tode verurteilt wor- den waren, mit Handbeil durch den Scharfrichter Engettmrdt knngrrichiet. Tieir Hinrichtung ist dir erste in Anhalt seit 1886. Rot Jänner, lReuter.) Beruntreurmse« im Dtadtbade Bodenbach Dieser Tage wurde der Kassier des Bodenbacher StadtbadeS, Jng. Karl Iah n, lvegcn Veruntreuung cinkassicrter Gelder in der Höhe von 21.986 KL verhaftet und dem Bezirksgerichte Tet- schcn eingcliefcrt. Die Anstellung JohnS erfolgte seinerzeit ohne Beschluß des StadtratcS oder der Sladtvertrctung. Gegenwärtig finden umfassende Kontrollen in der Verwaltung der Stadtgcmcindc statt. Auch die Anstellrmgcn solcher Art, gegen die unsere Genossen seit Jahren ankänipfen, gehören überprüft, zumal da bekannt ist, daß in manchen Fällen nicht die Qualifikation der Bewerber, sondern ganz andere Gründe,(z. B. Zegehörigkeii zum„Volkssport") maßgebend waren. ArbeltslosentragSdle Der erst in den Dreißigerjahren stehende Arbeitslose Hampel aus Lbcraltstadt bei Trau- tcnau luatf sich Montag vormittag, der Oual seines Lebens und der durch die dauernde Arbeitslosigkeit hcrvorgerusencn mißlichen Familienvcrhältnissc überdrüssig, vor einen fahrenden Pcrsoncnzug, von dem ihm der Kopf abgetrennt wurde. So lvurde einer von den 800.000 seine Sorgen los. Prestburg, 17. Jänner. Heute narh 9 Uhr abends brach in dem Einheitspreisgeschäfte„Aso" auf dem Platz der Republik ein Großfcuer aus, das sich rasend schnell verbreitete. Trotz dem Eingreifen der Feuerlvchr griff der Brand aus das „Adlon" befindet. Das Verlassen des Kino- „A(d(l(o(u" befindet. Tas Verlassen des Kinosaals durch das Publikum erfolgte ohne Zwischen- fall und in voller Ruhe, llm Mitternacht. Ivar cs noch nicht gelungen, daö Feuer zu lokalisieren, noch nicht gelungen, daö Feuer zu lolalisiicren. Das Land Böhmen für die Osseter Opfer. In der Sitzung-dcS böhmischen LandeSauoschusscS vom 17. Jänner gedachte der Vorsitzende LandcS- präsident Dr. Sobotka der Grnbenkatastrophe in Ossek bei Dux, lvorauf der LandeSanSschuß den Beschluß faßte zu Gunsten der Hinterbliebenen nach den bei dieser Katastrophe umS Leben gekommenen Bergarbeitern aus Landcömittcln einen Betrag von KL 50.000 zu lvidmcn, der beim Mi- »istcrpräsidium hinterlegt tvird. Außer einer Reihe von laufenden Angelegenheiten erledigte sodann der LandeSanSschuß 226 Gemeindcvoranschlägc und bclvilligtc 86 Gemeinden die Einhcbung verschiedener Aligaben und Steuern, verteilte unter alle öffentlichen Krankenhäuser, die der Aussicht des LandcsauöschusscS unterliegen, aus dem Ertrage eines SonderzuschlagcS für daS zlvcite Halbjahr 1932 fünf Millionen KL. 2$ran& auf dein TrupfGitzer Aluna-Grhaeht Liegt Brandstiftung vor? An der Löfchaktion beteiligte» sich die Fener- wehre» von Trnpschiti, Wurzmeö, Klcittpriescn, lltker», Görlau, Kopist nnd Brüx. Zwei Stunden nach den: Ansbrnch des Feuers erschien der Komo- tanrr Brzirtslmuptmann Dr. Wagner persönlich an der Brandstätte. Herr Dr. Wagner begab sich sodann mit dem Anlo nach Prag, wo er de» zuständigen Stellen Bericht erstattete. Von der Direktion der Firma„linion Kohlengruben A.-G in Prag" erfährt das Tsch. P.- B., daß der Brand aus der.Grube„Andrea L" in P v h l e d anSbrack, die administrativ der Direktion der Grube„Anna" in Trupschitz unterliegt. Die Grube„Andreas" gehört der Böhm. Kohleniirdustricgcscllschaft in Tcplitz-Schönau und die Förderung hat die Firma StcjSkal u. Co., gepachtet. Diese Grube hat schwache Flöze, die keine Gase enthalten und daher besteht auch keine Explo- sionögefahr. Wieder Fliegerkatastrophe in Frankreich Paris, 17. Jänncr. Unweit von Ehaute auroux stieücn gestern zwei französische Militärflugzeuge zusammen. Ein Unteroffizier versuchte, sich mittels Fallschirm zu retten, doch versagte dieser nnd ver Unteroffizier wurde getötet. Auch die z w e i Flieger des anderen Flugzeuges kamen« m s L e b r n. * Paris, 17. Jänncr. Die llnicrsuchung über die Ursache des schtvcren Flugzeugunglücks bei Corbign» Hal ergeben, daß die Katastrophe ans den h c s t i g c n S t u r m znrückzusühren ist. Tas Flugzeug hatte einen Teil seiner SIcucrung verloren und gehorchte seinem Führer nickst mehr. Teile des Apparates wurden eitva eineinhalb Kilometer von der eigentlichen Unglücksstcllc entfernt aufgeiunden. Donnerstag, 18. Jänner 1934 Seite 8 Im Mährischen Karstgebiet«erden »»bekannte neue Höhlenkomplexe entdeckt Llansko, den 16. Jätincr. In den letzten 18 stunden Ivurde mit Erfolg der VergasungS» und Vcrncbclungövcrsuch der„Katharina- hoble" und der unbelanntcn Höhlenräume hinter dieser, bezw. hinter dem„Dom der Verwüstung" durchgeführt, welche die entfernteste Stelle der Höhlenräume bilden, die dem Komplex der Katbarinahühlen angehörcn. Da§ unaugenehm wirkende Gas Amilthiocter, tvelchcs austerordentlich auf den menschlichen Geruchsinn Ivirkt, lvurde gleichzeitig mit farbigem Zlelul mittel« Sigmundschec SchädlingSbckämp- stmgSspritzen abgeblasen. Gas, Nebel und Rauch blies man abwechselnd ganze Tage und Nächte hindurch in die unbekannten Höhlenräume, wohin sie durch den unterirdischen Luftzug heftig angcsaugt wurden. Die ersten Nachrichten brachten die Bewohner der Gemeinde Ostro v, die die Beobachtungsposten im Revier„Wüster Trog"(Suchh Zlcb) einnahmcn. Diese Meldung lvurde durch die Forscher Professor Absolon, Jng. Brandstätter, On- droutcl und Jng. Sigmund kontrolliert und für richtig befunden. Obwohl ein starker Frost herrschte, war an den AuSströmungSstcllen der Gase der Schnee vollkoninicn vcrschlvunden. Diese Stellen wurden geographisch und kartographisch einwandfrei festgestellt und dadurch eine lvichtige Basis für den Gang der Forschungen der nächsten Zukunft geschaffen. Verhaftet«„schadenersatzpflichtig". Eine neue Verfügung, die soeben veröffentlicht wird, bestimmt, dast Arbeitnehmer, die verhaftet werden, keine Lohn- oder GchaltSansprücke mehr haben. Sie gelten init dem Tage ihrer Verhaftung als fristlos entlassen. In gewissen Fällen steht sogar dem Arbeitgeber das Recht zu, Entschädigung von dem Verhafteten zu verlangen. Nur bei Kriegsbeschädigten bedarf die„Entschädigung" der Genehmigung des Wohlfahrtsamtes. Justinian,„Der Reichstagsbrand. Wer ist ver- nrteilt?" BerlagSanstalt„Grafia", Karlsbad, 84 Seiten Text. Die Schrift Justinians gibt eine klassische Darstellung de» Reichstagsbrandprozesses. Der Verfasser hat sich das Geothewort, dast sich erst in der Beschränkung der Meister zeigt, zur Richtschnur ge- nomnien. Ueber den Reichstagsbrand und seine Hintergründe ist leider— nicht nur vom OberrcichSanwalt — zuviel behauptet worden. Aus den verschiedensten Seiten ist di« Neigung hervorgetreten, jede Behauptung oder Aussage, die eine schon gefaßte Meinung zu bekräftigen geeignet scheint, als bare Münze zu nehmen. Bon solchen bedenklichen Methoden hält sich der Verfasser absichtlich und bewußt fern. Er verzichtet dar- auf, auS zweifelhaften Indizien brüchige Btlveise zu konstruieren,«r benützt nur feststehende unbestreitbare Tatsachen und hält sich an die selbstverständlichen Regeln der Logik. Dadurch wird seine Beweisführung absolut zwingend. ES ergibt sich: Selbst wenn der Reichstagsbrand nicht von Nationalsozialisten gelegt worden wäre, so würde doch die Art seiner Ausnutzung surch die Regierung Hitler eines der schändlichsten Verbrechen der Weltgeschichte bleiben. Aber ist eS denkbar, daß die Dummheit der Gegner oder ein blöder ßvsall der NSDAP dar Gottesgeschenk dieses Vor- wmdes zum Staatsstreich in die Hände spielte? Schritt für Schritt in das Labhrinth der verworrenen Tatbestände eindringend, stellt die Schrift fest, dast dies ganz undenkbar ist und daß die Schuldigen am Reichstagsbrand unter den Nationalsozialisten zu suchen sind. Die NSDAP die wirkliche Brandstifterin. Dies« Behauptung wird hier zum ersten Mal« nicht nur aufgestellt, sondern bewiesen. Mt jeder Zeile verrät dies« Schrift nicht nur den kundigen Juristen, sondern mich den hervorragenden Schriftsteller. Als furchtbarste Anklageschrift gegen das hent« Deutschland beherrschende System wird sie sich durchsetzen— und die Wahrheit mit ihrl Der Nabob am Postschalter In der Hauptpost steht ein Mann am Schalter und nimmt Geld in Empfang. Tausend Kronen, zehntausend Kronen, hunderttausend Kronen.... Kleine Häufchen wachsen zu kleinen Bergen, doch der Mann am Schalter bleibt ungerührt. Er zählt seine Schätze, indem er mit angefeuchteten Fingern die Scheine umblättert, um sie dann mit gleichgültig-nachlässiger Miene in seine schwarze Aktentasche hineinzuschicbcn... Neben dem Gleichgültigen und seiner vollgepfropften Aktentasche steht ein jüngerer Mensch, abgerissen, schmutzig, ausgehungert... Mit einem wahren Heißhunger in den Augen folgt er den Bewegungen des Glücklichen mit den Kronenscheinen. Ein gefährliches Flimmern liegt in den Augen, ein Flimmern, in dem sich tausend geheime, gefährliche, böse Gedanken spiegeln... Aber plötzlich werden diese Augen matt, die Gestalt scheint zusammenzusinken, und als der Mann mit den Banknoten geht, fällt der Jüngere wie ausgepumpt auf eine Bank. Der reiche Mann hatte das Drama nicht wahrgenommen, das sich neben ihm abgespielt hatte. Er ging mit gleichgültiger Miene fort, in langsamen, gemächlichen Schritten. Ich sqh ihn mir erst näher an, als er um die Eingangstüre ins Freie bog. Er trug einen grünlichen, dünnen, sehr abgeschabten Lodenmantel und tvar GeschäftSbotc. Mit 650 XL Monatsgehalt. Pierre. Die Saarfrage vor dem Völkerbund Im Jahre 1085 soll int Saargebiet darüber abgcslimmt werden, ob die Saarbcvölkerung nach Deutschland zurück oder sich Frankreich anschtießcn will. Aus der jetzigen Tagung des Genfer Bölkerbundrales steht die Frage dieser Abstimmung zur Verhandlung. Es liegt ein Bericht des Präsidenten der Saarkommission, Knox, über die Umtriebe der Nationalsozialisten im Saargcbiet vor, die die Abstimmung ernstlich gefährden. Seit Monaten herrscht an der Saar ein wüster Terror der Nazis, gegett den sich die RegierungSkomntission mit mtzulänglichcn Mitteln gewährt hat. ES ist sehr sraglich, ob die Abstimmung im Jahre 1038 statt finden wird, wenn der Naziterror an der Saar weiter andauern sollte. Seit dem FriedcnSschlnß steht das Saarland unter Aufsicht des Völkerbundes. Oben links: Der Engländer G. G. Knox, der Präsident der Sanr-RegierungSkommissiou. Daneben: Blick ans das Zentrum von Saarbrücken, die Hauptstadt des Saargrbietes.— iln« ten links: Das Hotel„Nationale" in Genf, in detn in dieser Woche der Völkcrbnndrat tagt. Daneben: Karte des Saargebietes Zur Krise der Viehproduktion Fallender Umsatz— fallende Preise zcntI Die Verluste der Viehzüchter sind also nn- Dic Landlvirtschaft klagt nicht nur über tiefgesunkene Gctrcideprcise, sondern auch darüber, daß die Vichproduktion sich kaum mehr rentiere. Uebrigcns eine Erscheinung, die sich nicht nur hierzulande vorsindet, sondern z. B. auch im fascistischen Italien, wie cö die„Deutsche Landpost" ausdrücklich feststellt. Die Ursachen des Preisrückganges für Vieh sind einerseits die wach scndcProduttion, andererseits der sinkende Kons» m. Am stärksten erhöhte sich die Zahl der Schweine: um über 190.000 Stück auf fast 3,3 Millionen, wie cs der Stand zum 1. Juli v. I. auswies. Die vermiirderte Konsumkraft wirkt sich gerade für die Vichproduktion verhängnisvoll aus. Im Jahre 1932 betrug der durchschnittliche jährliche Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung, nach den Angaben der„P. P."> bei Rindfleisch 12,04, bei Schweinefleisch 11,85, bei Fett 5,69, insgesamt 27,2 Kilogramm. Nach den vorläufigen Ergebnisse für das Jahr 1933 ergeben sich folgende' Durchschnittsziffern: bei Rindfleisch 11,09, bei Schweinefleisch 9,87 und bei Fett 5,17, insgesamt 28,97 Kilogramm. Schon diese Verminderung des Konsums repräsentiert einen Absatzausfall von 420.000 Schweinen und 70.000 Rindern. Unter solchcit Umständen ist die sinkende Tendenz der Viehpreisc nur allzu erklärlich. Im Jahresdurchschnitt ergaben sich im Vergleich mit dem Jahre 1932 im abgelaufenen Jahr folgende Preise: Schweine 0,90(im Jahre 1932 7,45), Ochsen 4.03(5,06), Stiere 3,68(3,92), Kühe 3,16(3,56), Kalben 4,12(4,16). Die tatsächlich von den Produzenten erzielten Preise dürften im allgemeinen um 1 KL pro Kilogrmnm(Frachtkosten, Händlergewinn usw.) niedriger sein. Gegen daL Jahr 1920 ergibt sich für die Bichprodu- zcnten gar ein Ausfall von beinahe50Pro- Zemand stirbt versehentlich... Tragödie in Indien Große Erregtmg herrscht in der indischen Presse über einen jener„I u st i z i r r t L m« r", die mir zu ost ein blutiges Finale haben. In Lahore lvurde ein zum Tode verurteilter Inder hingerichtct, obwohl die Behörden einen vorläusigcn Aufschub angeordnet hatten. Der Inder hatte gegen das Urteil Berustmg eingelegt und die zuständige Behörde hatte daraufhin die Verschiebung der Hinrichtung, verfügt. Der Ge- fäugniüdirektor hatte aber den Brief, in dem die Verschiebung der Hinrichtung mtSgesprochen worden tvar, übersehen.... Ein kleiner Korrespondcnzirrwm bedeutete die Auslöschung eines Menschenlebens... die Behörden haben eine eingehende Untersuchung eingeleitet und ihr sehr lebhaftes Bedauern zum Ausdruck gebracht—— geheuer! Die schlackt reisen Tiere pnd heute schlvcr anznbringcn und die Preise bleiben niedrig, obwohl die Einfuhr ausländischen BichcS«licht' mehr ins Gewicht fällt. Verschärft wurde der Preisverfall durch starken Futtermangel. Iveshalb die LandwirtschaftSakademie empfiehlt, an Stelle des überschüssigen Getreides(53.000 Waggons) Futtermittel anzubancn. In Verbindung mit der vlanloS gesteigerten Vichproduktion und des Rückganges des Konsums will man seitens der Agrarier bekanntlich den B u t t e r verbrauch durch künstliche Verteuerung der Margarine heben; eine Maßregel, die den Widerstand der Konsumen.len Hervorrufen must. Ebensowenig werden diese der V e r t e u e r u n g d c r M i l ch im Wege dec zwangsweisen Bevorzugung der Molkereien zustimmen. Eine Besserung für die Landwirtschaft kann weder durch weitere Zollmatz- nahmcn noch durch Preissteigerungen im Wege der Gesetzgebung erzielt werden. Neben einer s y st e m a t i s ch e n R c g e l u n g der Produktion, die sich dem durchschnittlichen Bedarf möglichst anpasttc, must ziclbewustt die Absatzsteigerung dtirch Hebung der Konsumkraft betrieben werden. Es mühte aber auch konsequent der Zwischenhandel bekämpft werden, der weit mehr verdient als der Produzent, und der d i r e k t c W a- renverkehr vom Erzeuger zum Verbraucher planmäßig anögcbaut werden. Während die Fleischcrgenosscn schäft en setzt daran gehen, den Fleischgenuß durch erhöhte Reklame zu fördern, spürt man itichts davon, dast die Agrarier die noitvcitdigc organisatorische Zusammenarbeit mit den Konsumenten aufnehmcn. Dafür reden ihre Führer desto mehr von Ständepolitik und AntünarxiSmuS. IInS deucht, mchrfozialcLDenken und kollektiv i st i f ch e s H a n d c l n tvärc für die Landwirtschaft tausendmal bester... Der gcheitkte Inder ist allerdings mit dieser behördlichen Höflichkeit nicht mehr zunt Leben zu erwecken und der GefängniSdircktor ringt achselzuckend die Hände.... Arbeitsüberlastung... Es scheint also imntcrhin riskant, Entscheide über Leben und Tod der Gemächlichkeit des postalischen Alltags anzuvertranen... Die Presse nennt die Hinrichtung wider Willen einen„eiifigartigen Fall" und polemisiert heftig gegen diesen Menschcnmord aus Versehen... Mag der Fall für Indien„einzigartig" sein, wir, im Herzen Europa«, sind leider schon viel abgebrühter.... Gibt cS doch, int Jahre 1934, in diesem Herzstück der Kultur ein Land, in dem zweifellos U n- schuldigenicht aus Versehen, sondern milvol- leut Bewußtsein umgebracht werden. „Nordöstliches Kaiserreich* Am 15. Jänner haben die ntoitarchischcn Länder ZutvachS erhalten: auf dem tveitcn asiatischen Kontineitt wurde das„Nordöstliche Kaiserreich" proklamiert. ES besteht auö Mandschukuo, dem auf von den japanischcit Generalen auf der Spitze der Bajonette ihrer Truppen gegründeten„unabhängigen" Staate und Teile» von nordchinesischen Provinzen. Kaiser ist Pu-Ji, eilt mittelmäßig beschränkter Nichtstuer, dem die Japaner, seit er vor 13 Jahren als Exkaiser von China Peking ver» lasten mutzt«, ein fatilenzendcs Rcntncrlebcn aus Staatsmitteln reichlich finanziert haben. Jetzt muß er ihneit, als diktatorischer Herrscher eines großen Reiches, Kapital, Zinsen und Zinseszinsen zurückgeben. So wie die Aufrichtung des Staates Mandschukuo für die japanischen Imperialisten nur ein Mittel war, den Raub chincsischett Landes und seine Eingliederung in den Herrschaftsbereich Japans zu verschleiern, ist jetzt die Erhcbting zum Kaiserreich mit einem neuen Raub an China verbunden. Gebiete, die nickt zur früheren Mandschurei und nicht zu dem Pseudostaat Mandschu- kuo gehört habe», werden lange gehegten und vorbereiteten Plätten entsprechend, dem neuen Kaiserreich und damit dem japanischen Herrschaftsgebiet angegkicdcrt. Denn auch als Kaiser ist Pu-Ji nichts mehr als eine Kreatur in den Händen seiner Herren. Die Imperialisten deö Fernen Ostens führen den Kampf für dir Durchsetzung ihrer Interessen mit allen Intrigen und aller Grausamkeit, die vor. ihnen ihresgleichen aus Ettropa und Amerika an« gewendet haben. Der Raub und die Ilnterwerfung der Mandschurei durch Japan wird ein warneitdes Schulbeispiel dafür, daß es keinen„heiligen" Vertrag— nieder Völkerbund- noch Kellogg-Pakt— gibt, den citt? herrschende kapitalistische Klasse zu brechen nicht bereit ist, wenn ec der Verwirklichung ihrer wirtschaftlichen und machlpolitischen Pläne ein Hindernis ist. Und weiter dafür, daß dadurch die imperialistischen Reibungen tveder geringer nock gefahrloser werden. Mit einer ungeheuren Intensität sind die japanischen Kapitalisten daran gegangen, nack der militärischen Unterwerfung und politischen Beherrschung der Mandschurei— int Apparat de« Maudsckukuo-StaateS sind mt allen höchsten Stellen japanische„Sachverständige" und „Berater" tätig— die Eingliederung in die wirtschaftlichen Interessen ihres Reiches zu betreiben. Beträchtliche Summen japanischen Kapitals sind investiert tvorden in industriellen Neugründun- gcn, Hafen- und Dahnbautcn. •• Die Pläne Japans gehen auf R o r d ch i n a. Seine Truppen hatten ja im vorigen Jahre schttit einmal Peking besetzt. Wenn sie dann die Stadt— bei weitem nicht Nordchina— wieder räumten, so in dem ruhigen Gefühl der Sicherheit, daß sie sic jederzeit Iviedcr haben können. In den letzten Wochen ist dafiir mit den üblichen Mitteln der imperialistischen Räuber vorgearbcitet worden: dunkle chiitcsische Generale, begannen Aktionen mtf eigene Faust und chinesische„Banditen" haben den japanischen Machthabern Anlaß zu Warnungen und Ankündigungen von SänbeningS- und Siche rungöaktionen. gegeben. Dieser Räubertrick ist zv wenig originell, um nicht durchschaut zu werden. Und wenn in der nächsten Zeit die Truppen des neuen Kaisers die Grenzen des„Nordöstlichen Kaiserreiches" in den chinesischen Riesenleib vorschieben und sichern werden, so lveitz die Welt, daß die javanischen Imperialisten ihre Machtposition auSbaucn und stärken. Diese Erkenntnis läßt auch immer wieder die ernsten Gefahren für den Frieden im Fernen Osten signalisieren. Sic heben sich in der Zuspitzung dcü Konfliktes Japan-Sowjetrutzland besonders scharf ab. Die Beherrscher Japans suchen auch nach Westen zu Raum für Betätigung, uüd eS ist ihnen gelungen, mit Hilfe der Fürsten in der Innenmongolei eine„Ilnabhängigkeitöbeweguna" lebendig lvcrden zu lasten, die den japanischen imperialistischen Ziele» dienstbar gemacht wird. Ein mongolisches Reich von Japans Gnaden, wäre eine De- drohtmg der folvjctischctt mongolischen Volksrepublik, die dir äußere Mongolei umfaßt und zugleich Ausfallstor gegett Sowjetrutzland ist. Das Tempo, mit dem die japanischen Generale den Imperialisten ihres Landes die Bahn freimachen, ist unheimlich. Kein Protest hält sie auf. Ihr Mandschukuo-Staat war von keiner Macht an« erkannt— nur Sowjclrußlaud halte seine Bereitschaft dazu ausgesprochen. Jetzt kommen sie mit dem größeren„Nordöstlichen Kaiserreich". Ob eS anerkannt wird oder nicht, die japanischcit Gewaltpolitiker und ihre Anftmggeber haben einen neuen Sieg in den Händen. In dem Streit um die Eroberung von Teilen deö 450-Millionen-Menschen« Reiches als Absatzmärkte, sichern sie sich einen Vorsprung nach dem mtdcrn. Mit und ohne Krieg; schon daü Werden dieses Kaiserreiches hat einigen zchntausenden chinesischen Männern, Frauen und Kindern das Leben gekostet und täglich gibt es Tote als Opfer der imperialistischen AuScinandcr- setzuttgen in China. Die Begründung deS„Nordöstlichen Kaiserreiches" treibt sie mit vor zu gewalt« sanier Entladung, zur.Katastrophe eines neuen Weltkrieges. Ist er dann da, werden die Pu-Jis auf den Kaiscrthronen und KönigSstühlcn, auf oen Diktatorsesseln beteuern: wir haben«S nicht gewollt. Seite 8 Donnerstag, 18. Winner 1034 Nr. 14 Gerichtssaal Unternehmertaktik in Arbeitsgerichtsprozeffen »Hungerblockade* durch raffinierte Verschleppung der Verhandlung Prüft, 17. Jänner. Treffend bezeichnete nnlängsl der Anwalt eines vor dein Arbeitsgericht klagenden Anaestellten die Prozcßtaklik vieler beklagter Dienst' geber als„Hungerblo", der für den Unternehmer ein glänzendes Geschäft bedeutet. Denn auch in Fällen, die mit einem vollkommenen Sieg deS Angestellten endet» müßten, begnügt sich dieser sehr häufig mit einem armseligen Bruch- teil deö ihm vm» rechtotvegen znstehenden Betrages Diese humane Unteniehmertaktik findet unterschiedslos allen Kategorien der Dienstnehmer gegenüber Anlvendung. Wir haben Direktoren, Disponenten und Bürobeamte ebensogut in dieser peinlichen Situation gesehen, wie aualifizierte und nichtqnäli- fizierte Arbeiter jeder Art. Heute wurde indessen vor den» Arbeitsgericht in Prag(G.-R. Släoe- tet) ein Fall dieser Art urteilsmäßig erledigt, in welchem der klagende Arbeitnehm' r erfreulicherweise die Mittel und die Nerven hatte, durchzuhalten und seinen völligen Sieg erleben konnte. Für die Art, in der solche Prozesse von feiten der Unternehme» geführt lverden, ist dieser Fall so charakteristisch, daß er eine eingehendere Erwähnung verdient. An» 13. März v. I. luurde der vorzüglich quali- fizierte Arbeiter R. S»i k o v s k ls bei der Holzver- arbeitungsfirnia Iirät in L i e b e n mit eineu» Woche»»loh>» vm» 350 KC angestellt. Acht Wochen später wurde der Arbeiterschaft durch dei» Betriebsingenieur C e j p»niigeleilt, daß die Firma infolge schlechten Geschäftsganges die Löhne vorübergehend kürzen müffe. Lukavfkh erkannte die unerfreuliche Situation, iu der sich die Firma befand,»>arf man ihi» ausS Pflaster. Die Folge war eine Klage beim Arbeitsgericht mif Bezahlung von 8358 KL, die ihn» in so unsauberer Art vorenthalten tvorden waren. Der findige. Anwalt der Firnia I i r ä t verlegte sich a»»f die eingangs erwähnte Taktik de» „Hungerblockade". Er erzwang durch immer erneuerte BelveiSanträge eine achtmalige Vertagung der Verhandlung. Bei der heutigen Verhandlung erklärte de» Richter dem Advokaten schließlich, daß seine Geduld z»» Ende sei. Die neuerlich gebrachten BelveiSanträge verlangten z. B. die Vernehmung voi» Zeugen, die schon längst gehört worden sind, verlangten die Einvernahme der Finnainhaberin, die. nach eigenen» früheren Vorbringen diese« Anwaltes gar nichts von der Sache wußte. Das Gericht verwarf alle diese Anträge und fällte das Urteil, tvelcheS dem Anklagebegehren voll stattgab (bis auf einen Betrag von 25,50 KL) und dei» Dienstgeber zur Bezahlung dieses Betrages binnen vierzehi» Tagen bei sonstiger ZtoangSvollstreckung verurteilte. Zur Charakterisierung der Denkart gewisser Dienstgeber mag die Erlvägnna dienen, daß die Advokatenkostei» in diesem Falle weit mehr aiiSmacheu dürsten, als die eingeklagte Sumine beträgt. Ein grimmiger Humor liegt in der Tatsache, daß die Firnia, offenbar von der Absicht geleitet, die ii» diesein Fall aussichtslose Hungerblockade weiter durch-,»»führen, auch noch Berufung anmelden ließ. Lieber 10.000 KL Gerichtskosten, als 8000 KL dem Arbeiter! rb. PKAGBB ZMTIJMG Ein merkwürdiger Selbstmordversuch. Gestern vormittag beging in Prag ein Mann ans nicht alltägliche Weise einen Selbstmordversuch. Um halb 10 Uhr vormittags Ian» ins Karls-Bad der I ffjah- rige Beamte der Gasanstalt Otokar Procbazka ans Stkcschowitz. Prochazka erhielt die Badelabine Nr. 6 im fünften Stockwerk. Hier zog er sich ans und stieß fick» in selbstmörderischer Absicht mehr« »nalö ein Messer in die Brust, riß das Sicherheilsgitter ans dem Fenster und stürzte sich auf die Straße, fiel jedoch ans das Dach des NebenbanseS. Bon hier aus sprang er aus die Gasse. Er fiel auf den„Novotny-Sieg" zu Boden. Der Schlvcrvcr- lcdte lvnrde in beivußtlosem Zustande mit gebrochenen Beinen ins Kraillenhans geschasst. In der Badekabine batte er mehrere Abschiedsbriefe hinterlasse», die noch nicht geöffnet sind, so daß daS Motiv der Tat bisher unbekannt ist. Adolf Dobrovolnij gestorben. Gestern starb der beka»»nte tschechische Schauspieler Adels D o b r o- v o l n l>. Der Verstorbene tvar als Opernregis- s e u r im Städtische»» Tbealer in Weinberge, solvie als Charalterdarsteller tätig, begründete auch die Organisation der tschechischen Bühnenkünstler, deren Dorsibender und Ehrenmitglied er später tvurde. Im Jahre 1014 verließ er da» Theater und wandte sich der Vortragskunst zu. Während des Weltkrieges begründete er zusammen mit Eduard Vojan die „Scharisvielerselbstbilfe". Sodann ging er als Rezitator zu Karel Hasler in die„Luccrna",>vo er bis zum Jabre 11*23 verblieb. Seit dem Jahre>024 war Dobrovolnl» besonders beim Rundfunkpublikum als Ansager beliebt. Die im Sprengel der deutschen Volksschule in Weinberge wohnenden Genossen, deren Kinder diese Schule besuchen, werden gebeten, am Freitag, den 10. Jänner, abends 7 Uhr zu einer kurzen Besprechung in der Redaktion des„Sozialdemokrat" zu erscheinen. Zu dem Schulsprengel gehören die Stadtteile Weinberge, A i,f- l o v, B rö o v i e c, Nu sle. Die Besprechung ist sehr wichtig. „Die deutsche Liga säe Menschenrechte bittet ihre Mitglieder, soweit sie ihr am l.März 1038 angehört haben und sich heute, im Gebiet der Tschechoslo- tvakei aulhal ten, ihre. Adreffe an»»geben an die: Liga für Menschenrechte in der Tschechoslowakei, Prag I I., PaelnvskL näm. 7". Kunst und Wissen Bom Stadttheater Teplitz-Schönau P« der Direktion Scheeler zur Arbeitsgemeinschaft Wir haben abstchtlich zu den jüngsten Umgestaltungen in der Führung deS Teplitzer Stadtthea- terS bisher nicht Stellung genommen, weil wir es einerseits nicht für richtig halten, die Berichterstattung auf Kombinationen, Gerüchten und Erfindungen aufzubauei» und weil loir andererseits es nicht für angebracht hielten, in den Gang voi» Ereignissen einzugreifen, an deren Entwicklung nicht allein die Illotwendigkeiten der»in» Eristenz ringenden Be- triebsfübrnng beteiligt wäre»». Jevt, da die chronische.llrise wieder einmal iibertvnnden zu sein scheint, kani» mm» Ursachen und Wirkungei» sicherer beurteile»». Jin Oktober hatte Gerhart Sch e r l e r, bis dahin Dramaturg bei Sierck in Leipzig, die Direktion des Tepliver Stadttheaters übernoinnien. Als Stellvertreter und geschäftlichen Leiter brachte er Rudolf Bing, als Opernchef Hans Oppenheim lBreslau) mit. Ein Betriebskapital von 240.000 KL sollte die Spielzeit sichern. Drei Monate ivirkte Gerhart Scheeler; während dieser Zeit konnte der Ruf„Theater in Not" nicht verstummen. Alles Mögliche geschah, um dery Theater mehr Abonnenten und mehr Besucher»uzu- führen. Es gelang mich den Verschiedenei« Werbeaktionen, die Zahl der Platzmieier wesentlich zu erhöhen. Und dennoch— Mitte Dezember war Dir. Scherler mit seinen Barmiteln fertig, die Kautionsmittel mußten zur Gagenzahlung freigegeben werden und jeder Eingeweihte tvußte, daß der Betrieb in dieser Forrn nicht niebr zu halten war. Die Ursachen zu diesen» jähen Zusammenbruche solle» diesmal hier niir übersichtlich skizziert werden. Selbstverständlich spielen dabei die trostlosen Wirt- schaftsverhältniffe eine große Rolle. Daß die Stadt keine. Barsubve.ntion mehr leistet, daß die neuen G e. I» a l t S a b b a u e bei den öffentlichen Angestellte»» gerade, die, geistig an» Theater interessierten Kreise von« Besuche miSschalteten, daß die A vb e i t e r mich bei niedrigen Preisen als Theater- besiicher fast gar nicht mehr in Betracht kommen, daß bei der katastrophale» Geschäftslage. auch ein großer Teil der Gelverbetreibenden auf die Teilnahine an dem k»»lturellei» Leben verzichten muß— das alles trug wesentlich dazu bei, den Theaterbetrieb an dei» Ruin zu bringen. Daß weder Direktor Sckierler noch sein finanzieller Berater Bing im Laufe ihrer Wirksamkeit diese Situation erfaßten; daß sie den Betrieb von vornherein lv i r t s ch a f t l i ch ü b e. r l a st e t hatten; vor allem aber ihr Jrrtiim, die kleine Provinzbühne Tcplitz müffe erst mal durch„richtige Kunst" erlöst werde»» und die mit dieser Selbstüberschäbung verbundene»» überspannten Erwartungei» bezüglich des Kaffaerfol- geS einiger Neuinszenierungen, die. m» sich gelviß künstlerisch sehr bedeutungsvoll waren, aber daS hier gewohnte Niveau keineswegs turmhoch überragten•— daS waren die Fehlerquellen, die dnrck»- anS nicht als Vorwurf dem Direktor Scherler nachgeworfen, sonder»» vielmehr seinem jugendlichen Op- timismus gntgeschrieben werden sollen, der da vermeinte, die Welt mit der Begeisterung deS eigenen Kunstenthusiasmus erobern zu können. AlS Ende Dezember die letzten Barmittel aufgezehrt ivaren, stand ziir Entscheidung: Betriebsreform oder Schließung des Theaters. Direktor Scherler schlug vor die S a n i e. r u n g des Betri e- b c S durch Gag en abbau. Das Ensemble er- llärte»nit guten« Recht, daß es Einfluß auf die Be- triebsführnng verlange, tvem» dieser ganz zu seinen Lasten geordnet werden soll. Diese Forderung nach demokratischer Theaterleitung beantwortete Direktor Scherler riiil den Rücktritt. Mit ihm legten auch Geschäftsleiter Bing und Opernchef Oppenheim ihr Amt nieder. Das einstlveilige Ergebnis der Verhandlungen zwischen Bühnenbund und Stadtgemeinde war eine Arbeitsgemeinschaft der Biihnenangestellten unter der provisorischen Leitung des Vizepräsidenten des Vüh- nenbundeS, des Schauspielers Karl Nanninger. Der Stadtrat beschloß in seiner Sitzung am 8. Jänner, mit der Leitung der Arbeitsgemeinschaft den srühereii Leiter der Teplitzer Bühnen, Herrn Frist Kennemann, zu betrauen. Der Stadtrat bedachte dabei natürlich nicht, daß der Leiter der Ar- sondern nur von« Ensenible. gewählt werden kann und daß dabei ein wesentliches M i t b e st i m- mungs recht dem Bühn en Kunde einge- räumt lverden muß, da dieser die Haftung für jene Schnldenbeträge übernahm, die ans früherer Zeit stammen und mit denen die Stadt kurzer Hand die Arbeitsgemeinschaft belastete. Die administrative und sinaiizielle Gebarung der Arbeitsgenieinschaft lvnrde durch die Stadt dem Rentamt« übertragen. Der Weisbeit lestter Schluß lautete demnach also: Die Stadt übernimint keine Krone von den alten, dem Theater nachlausenden Schulden; sie haftet auch für keine etwa aus der neue«» Arbeitsgemeinschaft auflaufenden Lasten; sie stellt den Betrieb finanziell und verlvallungStechnisch unter Vor- unmdschast— aber sie will den Leiter l> e st i ii» m e n! Die Bühnenangestellten dürfen dafür die. Reslschulden schlucken und auch jedes später kommende Defizit aus eigener Tasche bezahle»« und müssen auf insgesamt 55.000 KL rückständiger Gagen einfach verzichten! Der Bühnenbund hat im Einverständnis niit dei» Angestellten dieser etwas seltsamen Auffajsnng zugestiimnt, um den Arbeitsplatz für 110 Menschen zir erhalten. Die Geschäfte wurden ohne Unterbrechung weitergesührt und schon in der ersten Woche nach dem„llnisturz" brachte der Spielplan drei Premieren in ganz vorzüglichen Aufführungen. Da sich einer Berufung KennemannS verschiedene Schwierigkeiten in den Weg stellten, blieb bisher Herr Nanninger Leiter des Betriebes. Der Bühnenbund wurde aufgefordert, dem Stadtraie einen Ter- uovorschlag bezüglich deS Repräsentanten der Nr- beitSgemeinschast zu erstatten und daS Kollegium ermächtigte den Siadtrat. aus diesem Dreiervorschlage den der Stadt an» meisten zusagenden Mann auszusuchen. Diese langwierigen, von Verhandlung zu Verhandlung flüchtenden»md mit der Hochwichlig- keit einer ThronbesetznngSwahl geführten Versteckspiele haben natürlich ihre mehr oder weniger, diSkre- teil politischen.Hintergründe— sind aber wahrlich recht'kindlich' der unerbittlichen Tatsache gegenüber: SeinoderNichtsein deSTHeaterS. Am aufgeblähten Geltungsbedürfnis und dem politischen .Selbstgefühl irgendeines der Bühne sonst herzlich teilnahmslos gegenüberstehenden Spießbürgers hängt das Schicksal eines Theaters und die Existenz von 110 Menschen. Um das Bild noch zu vervollständigen, muß hinzugefügt lverden, daß auch der ehemalige Leiter des Theaters, der jetzige Versicherungsdirektor Karl Ettinger bestrebt war, an die Leitung der ArbeitS- gemeiuschaft zu gelangen. Er hat natiirlich auch seine treue Gefolgschaft, die für ein Theater mit und gegen ein Theater ohne Ettinger Stimmung«nacht. Herr Kenneinann, dem sich die Stadt wegen der von ihm seinerzeit gebrachten Opfer verpflichtet fühlt lauch die Einlösung dieser Verpflichtung geht an die Arbeitsgemeinschaft über), wird als Saisonyast in daS Ensemble eintreten. In der Stadtratösitzung vom 16. Jänner wurde aus dem Ternovorschlage deö BühnenbundeS Herr R a n n i n g er— gegen bürgerliche Stimmen— gewählt. Er wird also weiterhin die Arbeitsgemeinschaft leiten. Diese im Zeitraum von 12 Tagen sich abspielenden Ereiguiffe haben natürlich die Gemüter in Erregung gehalten. Aber unser von Sensation zu Sensation treibendes Leben wird bei der Frage, wer die Theatergemeinschaft leitet, bestimmt nicht stehen bleiben. Und daö ist gut so; denn erstens ist diese rein fornielle Personenfrage wirklich nicht Ivichtig und zweitens braucht das Theater vor allem Ruhe! ES bat n«it vollem Aufgebot tibernienschlicher Kraft um seine Eristenz zu ringen; n»an gönne ihm dock» IvenigstenS den Frieden, der zur Ausnützung dieser Kräste dringend nötig ist! Um den künstlerischen Erfolg braucht niemandem bange zu sein; und an dem wirtschaftlichen hat sich die Stadt ja ohnehin als desinteressiert erklärt! Ernst Thöner. Spielplan des Neuen deutschen TheaterS. Donnerstag halb 8 Uhr:„Wallensteins Tod". (D 2.)— Samstag: Erstaufführung, ball» 8 Uhr: „Tango um Mitternacht". Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr:»Volkstümliche. Vorstellung:„Schönste Ehe".— Freitag, halb 8 Uhr: Erstaufführung: „SB ei fier Flieder".— Samstag, 8 Uhr: „SB ei feer Fliede r". Vorträge „Neber die heutige Produktion und Verkürzung der Arbeitszeit" spricht im Sozialen Institut der Tschechoslowakischen Republik, Donnerstag, den 18. Jänner 1034 um halb 8 Uhr abends im Vortragssaal des Ministeriums für soziale Fürsorae, Prag I I, Palacköho näm. 4, Herr Dr. Evzcn Stern, Generalsekretär der ZentralsozialversicherungS-Anstalt. Eintritt frei. Neber Theodor Leffing spricht Otakar Fischer in einem Vortrag am Freitag, 10. Jänner 1034 nm 8 Uh abends im Kleinen Saale der Städtischen Bibliothek. Duk-AuSftellnng, Die Ausstellung von Andenken, Ivelche sich auf die Person und daö Werk des Komponisten Dr. Josef Suk beziehen, wird am 17. Jänner im AnSstellungSsaale der Zentral- b i b l i o t h e k der Hauptstadt Prag, MarianskL näm.(Neues RathapS) eröffnet. Sie tvird einen Monat andauern. Besuchszeit: Täglich von 0 bis 17 Uhr, am Montag von 18 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 0 bis 13 Uhr. Eintrittspreis 2 KL, für Schulen und Maffenexkurfionen wird ein 50prozentiger Nachlaß bewilligt. niniiiiiiiiiiiiiiiiii FUr die Opfer von Ossekl Heute, um Uhr, in der Lueerna: Bergarbeiter-Abend unter dem Protektorat des Fürsorgeministers Dr. Ludwig Czech. Aus dem Programm: Petr Bez ml, J i f i Volker, Jar. Haick, Josef Hora, J. B. Foerster, K. Balling, K r i zk o vsky, vorgetragen durch die Mitglieder des Na- lionaltheaters Fr. VrchlickA, Frl. Horakovft und die Herren Tomi und Kohout, den Sängerchor der Prager„Typographie" (Dir.: A. B. Alm) und den„Reci- d&te“(Dir.: Trojan). Die Kapelle der Kladnoer Bergarbeiter bringt Bergarbeiterlieder. Ansprache des Bergmannes Wenzl Suchopfira aus Herrlich bei Dux. Karten(Einheitspreis KL 8.—) an der Abendkassa. Aus der Partei Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker- S. I. II. Heute, halb 8 Uhr, im Helm: Wichtig» Mitgliederversammlung. Nachher Gen. Dr. Hoffmann: Sozialisierung. Das Drama von Santa Cruz Die„blinden" Emigranten vom Dampfer„Alpherat" Emigrmiten-Tragödici» sind in dieser Zeit zahllos lute Sand am Meer, überall spielen sie sich ab, überall in der Welt, Ivo die Opfer mörderischer Thrannen Ashl und und Hilfe suchen. Nicht alle Emigrantcn-Tragödien sind aufrüttelndc Fanfaren, wie der Fall jener zlvei in Prag lebenden Hitler-Opfer, die jüngst beit Gaöhahn öffneten, weil ihnen das einzig mögliche Asyl nur noch in der Flucht ins clvige Schweigen zu bestehen schien. Es gibt Tragödien, deren schicksalhafte Schlverc sich lautlos, locrlrampft, unter der Oberfläche des stumpf gewordenen Alltags dieser noterfüllten Zeit vollzieht, es gibt Tragödien, die lvir nur ahnen, aber iliemalö in ihrer vollen Schrecklichkeit übersehen können. Doch manchmal gibt cs Fanfaren... Jlvei Jungsozialisten aus Hoostlvar in Hitler- Deutschland, ein Achtzehn- und ein Zwciundzwan- zigjähriger, waren. Ivie so viele ihrer Kameraden, die gequälten Objekte deö braunen Konzcntrationö- lagcr-Sadismuö gclvcscn. ES gelang ihnen, ihren Peinigern zu entkommen. Sic schmuggelicn sich, ohne Paß und ohne Papiere, blind auf dem holländischen Dampfer „Alphcrat" ein, der nach Santa Cruz gehe»» sollte. Die blinlen Passagiere wurden nicht entdeckt, sic lebten unsäglich kümmerlich ini Frachtraum, zwischen Geröll, Kisten und Lumpen versteckt, halb verhungert bereits, aber dock» unendlich froh, den Klanen der Barbaren entronnen zu sein. Aber 13 Kilometer vor Santa Cruz packte sie die Singst, das Gespenst der Behörde, der Alp der Hafenpolizei wuchs riesengroß vor ihnen aus.. Kein Paß, keine Papiere... Sic sahen nur einen AnSlveg, nur eine vage Hoffnung, den Versuch, vom Schiff abzuspringen und schwimmend eine nnkontrollierte Stelle des Users zu erreichen. Die Emigranten verschafften sich RcttnngS- gürtcl, sprangen ab und— ertranken, nach langem, qualvollem Kampf mit den Wellen. Der holländische Dampfer funkte dieser Tage die Nachricht vom tragischen Sterben der beiden jungen Menschen, die auf fernem Meeresgründe auSruhen—, unsichtbare, aber uns stets gewärtige Ankläger der Mörder, die sie in den Tod gehetzt haben. Wir wollen die beiden nicht vergeffen— auch ihr offenes Konto wird von den Barbaren beglichen werden müssen! Bis zum letzten—! Sooo'n Bart Im Zug.„Hat vielleicht einer der Herren etwa? Kognak bei sich? Da vorn ist eine Dame ohnmächtig gcloorden." Sechs elegante Weltreisende zückei» ihre Reiseflaschen. Sechsmal nimmt der Herr einen kräftigen Schluck und erläutert dann:„Ich danke sehr. Niir tvird nämlich immer ganz mies, wem» ich ohnmächtige Damen sehe." Im Dunkeln. Im Autobus Ivar das Licht aus- gegangen. Ehe es lvieder funktionierte, konnte man folgendes Gespräch belauschen:„Halten Sie sich dock bitte, nicht an ineinem Griff fest."„Danke, ich habe schon einen."„Würden Sie dann so gut sein und meinen Schlips loslassen?" Umgekehrte Wirkung. Die Lehrerin hatte fick alle Mühe gegeben, den Kleinen klar zu machen, daß es Gefahren birgt, wenn nian sich von Tieren lecken läßt oder sie gar selbst küßt. Zum Schluß fragt sie: „Hat eine von euch schon mal so cilvas erlebt, woran man sieht, wie gefährlich eS ist, Tiere zu küssen?"— .Ja, ich. Meine Tante hat ihren kleinen Schoßhund immer geküßt."—„Na. und was ist da passiert?" —„Daö arme Tier ist gestorben." Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kü 16.—, vierteljährig Kö 48.—, halbjährig Kö.06.—, ganzjährig KL 1I>2.—.— Inserate werden lau« Taris' billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manustriptcn erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Bost- und Telearavben- direktion mit Erlaß Nr. 18.800/VH/1030 bewilligt.— Drnckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag.