IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEIN. MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii., fochova«2. Telefon 5X/7. Administration teiefon 5X76. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Einzelpnrtc jVlMItor (•ImchlltMIck 5 Hallar FmFo) 14. Jahrgang Freitag, 19. Jänner 1934 Nr. 15 Ulldtgang der deutschen Ausfuhr 1933 Heilen 1932 um 13 Prozent Berlin, IS. Jänner.(Tsch. P. B.) Im Jahre 1933 hat die deutsche Ausfuhr von 6789.2 Millionen NM im Vorjahr auf 4871.4 Millionen NM aügenommen(d. i. um 15 Prozent). Der Rückgang ist teils auf gcsuuleue Preise, teils auf niedrigere Mengenumsätze zn- riickzusühren. Die Einfuhr verminderte sich von 4606.5 Millionen NM, im Vorjahre auf 4203.6 Millionen NM. Mengemnäfzig hat die Einfuhr Len Vorjahresstand nur wenig unterschritten. Der Ausfuhrüberschuß Ivar mit 608 Millionen AM um mehr als ein Drittel niedriger als im Boriahr nnd um drei Viericl niedriger als im Jahre 1931, dem Jahre des größten Ausfuhr- iiberschuffeS. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt I» der Entwicklung der„A.bcitsschlacht" des Dritten Reichs ist, wie die ,,«opade>Information" feststellt, eine bemerkenswerte Wendung eingetreten. Erst türzlich bezeichnete der Leiter der Kommission für WirtschaftSpolitkl der NSDAP, die Unterdrückung des jahreszeitlichen Anstiegs der Arbcit.ttosigtrit als„strategische Musterleistnng". Staunt war daS gedruckt, als die NcichSanstalt für Arbeitoverniitttung mittrilte, das? die ArbeitSlosig- ieit im Dezember nm 343.000 gestiegen fei. In Wirklichkeit ist die Arbeitslosigkeit noch stärker gewachsen. Tos ist anö den Zahlen der Rrichoanstalt deutlich zu erkennen. Wie sic mitteilt, ist auch dir Zahl der Notstandsarbeiter um 123.000 gesunken. Seit einigen Monate» sind die RolstandSarbritrr in der allgemrinrn Arbeitslosenstatistik nicht mehr enthalten. Tie 123.000 Not- standSarbriter, die im Dezember arbritslos gcwor- dcn sind, müssrit also den 343.000 gewöhnlichen Arteiwlosen hinzugrrcchnct werden. Das ergibt timZunah m e von insgesamt 466.000. Sir ift h S h e r als im Dezember 1932, w o f i e» u r 418.000 betrug. Bon Bedeutung ist, das? nach der Angabe der Rcichsanftalt in der Landwirtschaft nrnnrnowerte lstulassnitgen von Arbeitskräften nicht stattgefnn- den haben. In einzelnen Gegenden hat die Landwirtschaft sogar neue Arbritokräsw ausgenommen. Tie gewaltige Znnahinr der Arbeitslosigkeit ist also allein auf das Baugewerbe nnd die Industrie znriickzufiiliren. Sir ist weit weniger die Folge des«aussergewöhnlichen.ltältcrinfallS", wie man amtlich angibt, als der zunehmenden Schwierigkeiten konjunktureller Art. Wieder drei Todesurteile Hamburg, 18. Jänner. Am Donnerstag nachiniitag wurde unter starkem Andrang der Oesfentlichkcit und in Anwesenheit des Reichsstatthalters im Prozeß wegen der Ermordung des Hamburger Hitler-Jungen Otto Dloeckcr das Urteil gefällt. Ter Hanptangeklagte Fischer wurde wegen gemeinschaftlichen Mordes, wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes nnd wegen versuchten Totschlages zum Tode und zu einer Gesamtstrafe von 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ferner wurden die Angeklagten Dettmec und Hclbig wegen gemeinschaftlich vollendeten Mordes zum Tode und zu einer Zuchthausstrafe von je acht Jahren verurteilt. Drei Angeklagte wurden freigcsprochen. Zwei Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von drei, bzw. zwei Jahreit. Die übrigen 20 Angeklagten bekamen Zuchthausstrafen von 4 bis 12 Jahren. Frankreich kündigt Handels* vertrag mit Deutschland Paris, 18. Jänner. HandelSminister Lau- «nt-Eynac gab heute in der Versammlung des Verbandes der französischen AuSfuhrindustric bekannt, daß Frankreich morgen den Handelsvertrag mit Deutschland kündigen werde. Der Handelsminister erklärte, daß Frankreich eine Politik der Tariffreiheit beginne und mit den fremden Stockten Handelsverträge auf. neuen Grundlagen abschließen werde, weil dies das einzige Mittel zur Besserung der Lage der französischen Industrie sei. Vorläufig bleibe Frankreich bei dem Kontingcni- shstem, aber nicht als Agrcssiv-, sondern als Descn- sivmittel. I die Innere Stadl ohne Licht. In der Tunkelheit Nation ihre Ehre zurückzugeben. Die deutsche war es den Hakcnkreuzlern möglich, ihre Revolution ist eine Revolution des Volkes gcwe. „Streitkräfte" anfS neue vor dem Hotel„Jmpe-, b b(lg zzoll soll auch nun in den Genuß ri°l"-insusel!-». de» Skandal fortznfiihren.' bicfcr Revolution kom. zu l Ankunft Suvichs mit einem einznscticn,.gegen den die machtlos war. Gleichzeitig geworfen, welche die Stra- Parias Die neue Sklaverei > der Früchte dieser Revolution kom- ! men." An ihren Früchten sollt ihr sie ^erkennen! Wahrlich, Herr Dr. Goebbels hat i Recht! Elf nrbeitsrcchtliche Geseire, darunter daS Betriebst: ätcgcsetz, die Tarifvertrag s o r d n u n g, die SchlichtungS- Verordnung und die StillegungS- Verordnung werden aufgehoben. Alles, abgesehen von dein nur in einem wahrhaften Volks, staate tragbaren Schlichtungswesen, das trotz sei- ner zumeist arbciterfreundlichen Entscheidungen 1. Frankreich würde, namentlich für die ersten Jahre, der Durchführung des allgemeinen Abrü- stungsabkommens, dem nwdisizierlr» englischen Plan zuftimmen, der bekanntlich vorsieht, eine Herabset- znng des französischen Essekliv-RüstungsslnndeS, eine Aendrrnng der deutschen Reichswehr in eine einlieilliche BerteidigungSarmee mit kurzfristiger Dienstzeit und allmäblichrr Annitbernitg der Effek- livbesländr beider Armer» an die Parität, sowie eine gleiche militärische Streitmacht sür Frankreich und Deutschland die Zukunft nur für die tinrrläst- liche Londesverleidtgung bestimmt ist. 2. Frankreich würde auch der lsinstelltutg der gesamten Rüstung auf(Urund des lebigen Dlandes zustinttnrn.('S wäre bereit, jede Preduktien von Kriegsmaterial schwere» Kalibers»der bester T»n< nage zu verbieten, allerdings unler der Bedingung, das? auch die übrigen Ztaaten gleiche Mastnnlimen treffen würden, vlleichzeitig würde aber Frankreich für diese erste Periode eine nllgemrinr Kontrolle an Lrt und Zielte, eine autonialische, veriodische und für alle Staaten gleiche Kontrolle fordern. Diese Kontrolle würde auch den Trupvensiand, die Produktion der Waffen und istre eventuelle Einfuhr betreffen. Erst in der zweiten Periode der Durchführung deS geplanten allgemeinen Abrüstungsabkom- mens würde Frankreich der Zerstörung eines bestimmten Materials z» Lande oder in der Lnft beipflichten» und zwar vor allem der schwere» Ge> schütze und der Bombardirrungsslugzenge bis zu 50 Prozent, allerdings auch unter der Bedingung, das- alle übrigen Staate» in gleicher Weise Vorgehen würden. Zmn Schluß erklärt das französische Memorandum, daß Frankreich sehr wünscht, daß Deutschland wiederum zur allgemeinen Abrüstungskonferenz in Genf znrückkchrc, da die Durchberatungen dieser Angelegenheiten nicht bloß Frankreich und Deutschland bcirisst, sondern eine Angelegenheit internationaler Zusammenarbeii isl. Oesterreichs Flnanrminlster nach Prag Wien, 18. Jänner. Wie die„Reichspost" erfährt, lvird Bundessinanzmiitister Dr. Buresch am 80. Jänner nach Prag reisen. Der Finanzmi- nistcr leistet einer Einladung des Industriellenklubs Folge. Finanzminister Dr. Buresch lvird dieser Einladung zufolge einen Vortrag über die österreichischen Wirtschaftsbeziehungen zu den Nachfolgestaaten mit besonderer Berücksichtigung der Tschechoslowakei halten. Die Polizei versuchte zwar, die Nazis vom Hotel abzudrängen, doch dauerte der Kampf zwischen ihr und den Demonstrantrn von halb 6 bis halb 10 Nhr, erst dann trat einigermassen Ruhe ein. Die Hakenkrenzler wollen aber Freiing den Radau fortsel?en. Dr. Alberti verhaftet Wien, 17. Jänner.(Eigenbericht.) Heule abendö lvurdc der gleiche„Graf" Dr. Alberti, den Dollfuß noch vor acht Tagen als Jusiizmi- nister haben lvollte, verhaftet und in das Konzen- trationölager WöllerSdorf gebracht. Den Zei tungen wurde noch gestern Nacht mitgctcilt, das; allzusehr nach der längst verstaubten und zerbro- die sensationelle Meldung über die Zusammen»°— 1—v-n-w»-~«— arbeit Dr. Albertis mit Starhemberg nicht ver öffentlicht I. eben dürfe. Die Provinzblättcr, die von der Meldung Notiz genommen hatlcii, wur- dcit beschlagnahmt. So versucht die Regierung Dollfuß, Starhemberg und seine Freunde decken. ! chenen„Zeiitralarbeitögeineiitschaft" der ersten ! Nachkriegdwochen und nach dem halbfascistischeu Solidaritätsgedankeu schmeckte, Ansätze einer, wenn auch bescheidenen Mitbestimmung und Sichernug der Arbeiter im Betrieb und im sozialen Leben. An Stelle der Spenglerschen Devise: „Preußentum und Sozialismus", könnte über dem neuen Gesetz mit Fug und Recht stehen: „P r e u s; e n t u m st a t t S o z i a l i s m u ö!" Der übelste Gamaschenknopsdrill hält unter die- sein nenfeudalistischen Staate, dec von Volksge- mcinschast spricht, wenn er an Hcercsdisziplin denkt, in das Wirtschaftsleben seinen'Einzug. „Führer" deö Betriebes soll, so wie cs bereits „Führer" in den Jnteresscnverbänden der Bet- tenhnndlcr, der Dosenwürstchenfabrikanten und Fünf Millionen Sklaven soll ev bisher noch, einem Bericht der„Anti- Slavery Society" in London zufolge in de» dunkelsten Gegenden unseres Erdteils geben. Ihre Zahl wirk sich mit dem Inkrafttreten des neuen„Gesetze zur Ordnung der nationalen Arbeit" um d befindet, deren Zweck es im Gegenteil ist, eine alltnählichr und allgrtnrine Abrüstung dnrchzufülirrn. Der britische Plan bnbe für Deutschland nur ein Heer von 200.000 Mann vorgesehen, die deutsche Forderung repräsentiere aber bei wriiein nicht die Gesamtheit der militärischen Kräfte Deutschlands, dir rS in jedem Augenblick ohne Mobilisierung zur Verfügung hat. Hierauf wird auf die militärisch organisierte deutsche Polizei und ans dirWehrvrrbände vrrwie- scn, die nach dem Muster der Reichswehr aufge- baut sind. Diese Wchrvcebände haben sich unter dem gcgrnwärligen Regime in beunruhigendem Mas?c vermehrt. Jedes Abkomtnen über die Einschränkung der Rüstungen iniiffe diese militärischen Formationen brriicksichtigeit. Daö französische Memorandum zählt hierauf die verschiedenen Herabsetzungen und Ein- schränliingett der Nüsitingcn auf, welchen Frankreich beizupflichten geneigt ist. Suvich mit Gasbomben empfangen Nazikrawalle In Wien W i r n, 17. Jänner.(Eigenbericht.) Seit dem frühen Morgen sind in den Straßen Wienö Tumulte zu verzeichnen, wie sie seit Jah ren nicht zn beobachten waren. Trotzdem die Po lizei ganze SlFvtvirrtel abgrsperrt hatte, gelang re tausende» Hakentrenzlern, zum Bahnhof zu ziehen, nm bei der unerhörten Krawall Polizei vollständig wurden Gasbombeit s>en vernebelten nnd so den Nazis ermöglichten, Papierhakrnkreuze zn strenen nnd Verwirrung beim Empfange dco italienischen Staatssekretärs anzurichten. Ans dem Wege zum Hotel«Jinpe- rial" musste Suvich rin dichtes Spalier von Hakenkrenzler» pasiirren, die ihn mit„Heil Hit ler!" und„Es lebe der Anschluss Oesterreichs an Hitlcrdentschland" begriisrten. Die Polizei ging mit Säbel gegen die Demonstranten vor, doch setttc sich der Krawall bis zur Ringstrasse fort. Er steigerte sich abends gegen halb 6 Nhr, als der Empfang Dollfuss'S bei Suvich im Hotel „Imperial" stattsand. Während dieses Empfan ges zerstörten die Nazis die Sicherungen der Hanptlichtlcitmig und mehr als eine Stunde blieb Sette 2 Ur. 16 Freitag, 19. Jänner 193-1 Scharfmacher von Rhein mid Ruhr verwirklicht, sie werden stärker noch als im wilhelminischen Deutschland„Herren im eigenen Hanse". Mit einer Einschränkung: es bleibt noch offen, ob nicht eine AussührungSbestiinmung Nichtaricrn und Ausländern das Führungsrecht aberkennt und einen besonderen„Führer" für alle Be- trieböangclegenheiten ihnen an die Seite stellt. Die Arbeiter werden nichts anderes in Zukunft fein als die Gefolgschaft dieser Ritter und Raubritter des Kapitals. Sie dürfen in Mannentreue kuschen. Wenn sie brav und„national zuverläßlich" sind, dürfen sie. mit ähnlicher Machtvollkommenheit wie die Vervsle- gungskonnnissionen des alten Heeres, sich vom Unternehmer zu Vertrauensleuten ernennen las- sen. Sie hoben die Betriebsordnung init zu be- raten, aber der Unternehmer als„Führer" wird sie verfassen und verkünden. In ihrer Mehrheit können sie zwar an den„Treuhänder der Arbeit" appellieren, aber dieser oberste, sozialpo- litische Fron Vogt der nationalkapi- i a l i st i sch e n Despotie hat in Gestalt sogenannter„Ehrengerichte" eine Instanz an sei- ner Seite, die wiederholte ungerechtfertigte Be- schwerden„als Verstösse gegen die soziale Ehre" aburteilen wird. Aus denr gleichen Grunde ist auch der sogenannte Ausbmt des Kündigungsschubes rein illusorisch, denn der Gekündigte kann auf Wider- n»f der Kündigung nur klagen, wenn sie„unbillig. hart und durch die Verhältnisse des Betriebes nicht bedingt ist". Das soll aber erst einmal einer von den armen Arbeitssklaven nachweisen können! Für daS Unternehmertum, daS heute bereits triumphierend„die freiere Hand des Be- triebsführerS" rühmt, stellt, abgesehen vom Streikverbot, eine besondere Liebesgabe die völlige Vernichtung des kollekti- ven ArbeitSvertragcS und die Schaf- fung von WerlStarifen dar, die sogar die Mög- lichkcit geben werden, Einzelarbeitsverträge mit den Arbeitern im Betriebe abzuschließen. So wird die Niederlage der Arbeiterklasse bald auS denr Inhalt der Lohntüten mit grau- samer Deutlichkeit abzulesen sein! In der neu geschaffenen Feierabendorganisation„Kraft durch Freude" ist auch ein„Amt für Würde und Schönheit der Arbeit" vorgesehen. Wir schlagen vor, in allen Räunren deS Amtes, eingerahmt an weithin sichtbarer Stelle, den Wortlaut dieses neuen Gesebeö auszuhän gen. Fürwahr, Würde und Schönheit der Arbeit sind durch dieses GesetzgebuugSwerk trefflich gefördert worden. Nach einem Worte Dr. Leys bringt es die Gründgedankeit der Weltanschauung des neuen Reiches zum Ausdruck! Die Ausdruckskraft deS Gesetzes dürste tatsächlich gros; genug sein, um selbst die Blindesten und Leichtgläubigsten zu belehren, wohin der„Attfbruch der Nation" die deutsche Arbeiterschaft führt. Alle Gegner deS Dritten Reiches lverden deshalb in diesem Gesetz niit Reckst einen Auf- klärungsunterricht sehen dürfen, wie sie ihn sich besser nicht wünschen können. DaS Gesetz'd-or neuen Sklave- kamst f sein. Dieses„Gesetz der soziale» rei wird ein mächtiger Wegber ei- Ehre" appelliert wie kein zweites an die soziale ter f ü r d e n k o m in e n d e n F r e i h e i t S-1 Ehre der deutschen Arbeiterschaft! Abschluß der Bergarbeiter-Debatte: Die Osseker Katastrophe - eine eindringliche Warnung! In den beiden Häusern der Nationalver» i snninilluig wurde heute die durch die gestrige Er- i tlüriiiig des Arbeitsininisters cingeleitete Debatte über die Osseker Katastrophe zu Ende geführt. Hier wie dort iinhinen Vertreter unserer Partei, I die Genossen Dr. Heller und Kremser .-,nr Katastrophe ausführlich Stellung. Genosse Dr. Heller zeigte insbesondere die Znsammen- häuge zwischen fortschreitender Rationalisierung und erhöhter lknfallgesnhr auf und verlangte für die Bergarbeiter als geringstes Aegnivalent für die ständige Todesgefahr, in der sie schweben, die Sicherung ihrer kargen Existenz nnd eine Verbesserung ihrer Arbeite- und Lohnbedingungen. Jin konkreten Fall forderte er ein Eingreifen der Regierung gegen die Nnternehiner in der nordböbinischen Textilindustrie, aber auch überhaupt ein Eingreifen des Staates in die Wirtschaft, nänilich in die Lohnpolitik. Genosse Kremser dagegen befasste sich mehr niit der konkrete» Feststellung über daS augenblickliche Sparsiistein ans der Nnglückkzeche, über verschiedene Mängel in den Sicherheitsvorkehrungen sei» Genosse Dr. Heller: I lens der Gruvenleitung, aber auch mit gewissen Unterlassungen der Bergbehörden, die sich in ihrer Gesamtheit so unheilvoll anSgewirkt haben. Auch der Brand auf dem Anna-Schacht, der wieder die ! unglaubliche Sorglosigkeit der Grubenverwnl- I tung bewies, wurde von beiden Rednern anS- \ führlich behandelt. Beide Sprecher unserer Partei stellten sich auch gegen die Ausnützung des Unglücks zu spra- chenrechtkichen Vorstössen und verwiesen darauf, das« noch bei keinem Unglück die Unlenntnis der Staatssprache als Grund angeführt wurde nnd bah auch national einheitliche Länder von grossen Grubenkalnstrophe» nicht verschont geblieben sind. Auch die deutschbürgerlichen Sprecher K r n»i P e und Dr. Bacher befassten sich mit diesem Thema, während andererseits D u b i e t h ttsch. Agrarier) gegen die Ausländer auf den! Gruben wetlerte nnd erklärte, dass man eilte| Ignorierung her Staatssprache durch die verantwortlichen hohen Beamten nicht dulden sollte. Seine Partei werde darauf beharren, dass die Sprnchenbestimmnngen auch eingehnlten werden. > Ossck mim ein McnAMM sein! Genosse Dr. Heller gab seiner Vefürchlniig Ausdruck, das; sich das durch die Katastrophe ansge- rüiielte öffentliche Gewissen nur allzurasch wieder beruhigen wird. Unsere Sache ist es, aus dieser Katastrophe alle jene K o n s e an e n z e n zu ziehen, die notwendig sind, um mir neue Katastrophen nach Möglichleit zu verhindern. Auch dürfen wir über dieser Massentatastrophe nicht übersehen, datz tagtäglich in den Bergwerken und in den Jndustrie- I betrieben Arbeiter zugrunde gehen oder schwer ver- l letzt werden! Die Zahl der Unfälle im Bergbau ist seit 1920 mn mehr als das Doppelte, gestiegen; ähnliche Resultate zeigt die llnsalljtatistit auch in den Industriebetrieben. lind dies trau allen Fortschritten der Technik, trotz allen behördlichen Vorschriften! Parallel mit der steigenden Zahl der Unfälle gehen namentlich im Bergbau die Gewinne*cv Unternehmer; bis zum Ausbruch der Krise war es in den Industriebetrieben ebenso. ES ist klar, dass die fortschreitende Rationalisiening in den Bergwerken eine erhöhte Gefahr für Leben und Gesundheit der Arbeiter I bedeutet. Vinn hat ruhig zugesvhen, dass alle Errun I genschaften der Technik zur Rationalisierung nnd»ft ! genug zur lleberrationalisierung der Betriebe aus- geniibl werden, aber es ist kaum etwas geschehen, um die nnchteilige» und verberblichen Folgen dieser Rationalisierung für die Arbeiter zu verhindern»der auch nur einzuschrnuken. Zwei llmstände machen in der Hauptsache allo behördlichen Sicherheitsvorschriften in de» Gruben illusorisch: In erster Lil Wirkung der im Betriebe ' ter und Angestellten. Es gibt feine wirkungsvollen Vorkehrungen gegen Betriebsunfälle, wenn nicht die Arbeiter selbst an der möglichsten Verhinderung der Unfälle ntitarbeiten. sSebr richtig!) Wie kommt es, das; jetzt erst nach der Katastrophe ein Arbeiter und ein Betriebsrat nach dem andere» aufsteht nnd von den Mängeln in der Grube berichtet? EinersetlS deshalb, weil die Arbeiter zu den Aufsichtsbehörden das denkbar gering st e Vertrauen haben, andererseits deshalb, weil jeder, der sich beschwerte, gewärtig sein musste, bei der nächsten Gelegnheit seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Und das mangelnde Vertrauen der Arbeiter zu den Behörden? Tas resultiert ans der sehr innigen gesellschaftlichen Verbindung zwischen den staatlichen Bergbeainte» nlid den- Beamten der Bergwerks- bctricbc. Wann innner-die Arbeiter mit ihren Beamten einen Konslikt haben, haben sie, stets das Gefühl, das; der staatliche Beamte den Dingen nicht so n» v o r e i n g e n o in ni e n gegenüberstebt wie er sollte. Genährt wird dieses Gefühl durch die Tatsache, das; sehr häusia U e br I r i t t e von staatlichen Bergbeamien in den viel besser bezahlten Privatdienjt Vorkommen. Diese Möglichkeit übt naturgemäs; ihre Wirkung aus die Handlungsweise des Beamten aus, und deshalb müsste man die Möglichkeit solcher Ueber- iritte unterbinden. In zweiter Linie wirkt das Prämienstistem allen Sicherheitsvorsainkten zuwider. Diese Prämie», die die Gewerke allen ihren Beamten vom Generaldirektor bis zum kehlen Aufseher zahlen, sind nichts als Antreibeprämien, Prämien auf Spanuassnnhinen, die sich immer auf dem Rücken der Arbeiter auüwirken. ic das Fehle» der Mit. I selbst beschäftigte» Axbei- n. m. de Jong: 'Uer&cAlungm JfcwU Cin Xomon in vier tpiewten Autorisierte Uebersetzung aus dem Holländischen von E. R. Fuchs. ... Gab es die>vahrhastig?... llun, was die blöden Schlafmützen konnten, lonnte er sicherlich auch!... Und er begann energisch, den Grashalm zwischen seine» starken Knavenzähnen zu zermalmen, versuchte ihn zu schlucken, aber rS blieben immer Fasern am Gaumen und in der Gurgel hasten und er sprang verängstigt auf, hustete und i'vuckte unter unwilligen und lästerlichen Flüchen daS grüne Zeug in weitem Vogen in den Wassergraben... Pfui! War das ein Fressen!... Daö mußte man nun auch gern haben!... Rein, ihn kriegten sie nicht zu den Grasfressern!... Auf einmal entstand ein Geräusch jenseits des breiten Grabens. Argwöhnisch blickte er auf ... Was war da loS?... Ter Wipfel eines Apfelbaumes, der hinter der Gartenmauer am anderen Ufer stand, bewegte sich heftig... Dann erschien zwischen den Blättern ein Jungengesicht... Achtung... der kroch vom Baum auf die Mauer, gerade an einer von Glasscherben freien Stelle... WaS wollte der?... Pas; auf, Junge!... So hurtig mußt du die Mauer herunter!... Du wirfst deine Beine viel zu schnell herum!.... Jesus! Da hast es schon! Trottel!... Plumps! Der Knabe war kopfüber in den Graben gestürzt. Entengrün, trübes Wasser und Schlamm spritzten hoch auf... Der kleine Strolch hatte laut aufgeschrien und war emporgesprungen. Ratlos lief er am Ufer auf und ab, blickte mit schreckgeweiteten Augen nach dem schtvarzen Fleck in der Entengründecke, die sich langsam toicder zu schließen begann... Allmächtiger Gott!.... Der Bursche steckte natürlich mit seinem Kopf tief im festen Bodeuschlamm... Solle er eö lvagen, ihm nachzuspringen und ihn zu suchen?... Aber hier in denr schmtttzig-sckilammigen Wasser lonnte man nicht schwimmen, es ivimmelte von heimtückischen Wasserpflanzen, die Arme nnd Beine behinderten und einen hofsnungolos in die' Tiefe zogen... Was sollte er tun?... Aengsilich blickte er um sich ... Nirgends ein Lebewesen zu entdecken... Gott, wie tvar die Welt auf einmal still geworden!... Dann plötzlich tauchte aus dem Entengrün mitten im Graben eine ungeheure schwarze Kugel auf, umsponnen von langen Fäden halb verfaulter Wasserpest... Dumpfes Gegurgel erklang und die Kugxl spie schlvarze Strahlen sumpfigen Wassers über das Entengrün... Ein paar schwarze Hände erschienen nnd schlugen ztvecklos um sich, so daß Entengrün nnd Wasser nach allen Richtungen spritzten... Ein heiserer Schrei... dann drohte der Ertrinkende wieder unter die dicke Schichte des EntengriinS zuriickzusinken. Todesbleich schaute der kleine Vagabund zu.. Aber nun zögerte er nicht länger. Ohne zu wissen, lvaS er tat, oder zu bedenken, was er wagte, sprang er pardautz dem sinkenden Knaben nach. Wieder spritzte daS Wasser hoch auf. Blättchen deS Entengrüns tlcbten ihm überall am Gesicht, doch er spürte Grund, glitschigen, eiskalten Schlammgrund, auf dem er stehen konnte; da? Wasser reichte.ihm nur bis unter die Arme... Schnell lvischte er die Wasserpflanzen auS den Augen, hielt scharfe Ausschau und ergriff eine Hand, die ganz in der,Nähe zum Vorschein kam. Tann begann er zu gehen, schleifte den Ertrinkenden zu sich heran, packte ihn um den Hals und arbeitete sich dem Ufer zu... DaS fiel schtver!.. Der Bursche mußte wohl lausend Pfund tviegen! ... Und manchmal versanken ihm die Beine in dem kalten, fettigen Schlamm... Das Ufer tvar nicht fern, aber einen Augenblick durchblitzte ihn tödliche Angst, das; er es doch nicht erreichen könnte... Tas Blut hämmerte in seinen Schläfen und sauste in seinen Ohren... „Lieber Herrgott, laß uns nicht so ersaufen in dem stinkigen Graben!" betete er inständig, verzweifelt, strauchelnd im Kampfe mit den Wasserpflanzen, die sich um seine Beine tvickelten. Ein paar Schritte noch... Ta konnte er mit der freien Hand ein Weidengestrüpp fassen und gewaltige Freude durchströmte ihn, befreite seine Brust von der eben noch beklemmenden Angst; rasch kletterte er nun dem Ufer zu, schleifte den Ertrinkenden schräg auf die grasbewachsene Böschung und zog ihn dann mitMnspannung all seiner Kräfte ganz aus dem Wasser. Der fremde Knabe begann langsam mitzuarbeiten und sobald er am User lag, setzte er sich auf, schleuderte wütend mit seinen Händen den Schlamm ans den Augen, hustete dumpf, prustete, bog sich zur Seite und spuckte auf's Neue dicke Strahlen sumpfigen Wassers aus. Der kleine Landstreicher stand über ihn gebeugt und schaute ihm teilnahmsvoll zu. Ein Gefühl noch nie gekannter Freude durchzuckte schwindelerregend seinen Kopf: gerettet!... Alle beide waren sie gerettet!... lind der Fremde war keinen Augenblick in Ohnmacht gefallen... Hier saß er und spie Schlamm!... Spie immerfort Schlamm und wischte mit ekelverzerrtem Gesicht den schtvarzen Unrat von seinen Lippen und da kamen auch einige grmie Blasen mis seinen Nasenlöchern zum Vorschein... Noch nie halte er etwas so Komisches gesehen und die Anspannung seiner Nerven lüste sich plötzlich in einem hohen, schrillen Gelächter. Er schlug sich klatschend auf die nackten Schenkel, wieherte langgezogen, konnte sich nicht beruhigen und mußte sich atemlos neben dem Geretteten niederlassen, der mit einem nassen, schlammigen Taschentuch über sein schmutziges Gesicht wischte in der Hoffnung, es doch sauber zu machen. „Hör doch auf, Dämling", schrie der kleine Strolch.„Dein Sacktuch ist um und mn voll Dreck! ... Jesus, lvaS für'» Maul!.. Ich lach mir s ne» Bruch!..." Vor allem in den staatlichen Gruben müßte dieser System verschwinden, und die Bergbehörden müßten darauf dringen, daß es auch ln der Privatindustrie abgeschasst wird. Redner geht dann ans die vom Minister angeführten I n s p e k t i o n S b e r i ch t e über die Grube Nelson näher ein. Bei der letzten angesagten Inspektion im Jänner 1932 wurden eine Reihe von Mängeln gefunden, aber bis zum Unglück hat keine weitere Inspektion stattgesunden; in der Zwischenzeit konnte die Betriebsleitung tun oder lassen, was sie wollte. Hier sehen wir schon einen Mangel in der Durchführung der Inspektion. Offenbar haben die in den letzten Jahren durchgefühclen Sparmaßnahmen aus diese Dinge einen unheilvollen Einfluß auSgeübt. Seit der Katastrophe von Ossek ist in einem benachbarten Schacht wieder ein Arbeiter tödlich verunglückt: heute lesen wir von dem Brand auf dem A n n a s ch a ch t in Truppschttz. Sicher ist, daß auch hier die staatliche Aussicht versagt hat, obwohl sie doch gerade diesem Schacht ihre besondere Anfmerksamkeit hätte-»wenden müssen, weil man seit Jahren iveiß. daß er von verantwortungslosen Bienscken geführt wird, von der Faniilie S t e j s k a l und Konsorten! Selbst wenn alle erdenklichen Sicherheitsmaß' nähme» vorgeschrieben und auch durchgesührt wären, so bleibt dennoch die Gefahr für die Bergarbeiter noch immer ungeheuer groß. Dafür müßte zumindest ein Aegnivalent in einer gewissen Sicherheit ihrer Existenz, in einer Versorgung nach einem Unfall, bzw- iii einer entsprechenden Versorgung der Hinterbliebenen im Todesfälle geschaffen Ivetten. Da gibt cs Renten von 120 bis 180 Ki monatlich. Ist dies ein Arguivalent für die furcht, bare Gefahr? Und doch waren seinerzeit unter Eng- lis noch Bestrebungen im Gange, auch diese kargen Renten noch nm ein Drittel zu kürzrnl ltnd was hat man ansgcsührt, al» einige Bcrg- arbeiter-Provisionisten, als sie im Gefolge der Krise jede Nebenbeschäfiigimg verloren, in einer Reihe von ! Gemeinden die sogenannten Czecki-Knrten erhielten! Da tvnrde über Korruption" gewettert, weil so ein armer Teufet zu seinen 120 oder 1-10 Kö monatlicher Rente noch eine Ernährnngskarte dazu bekommen Hal. So sehen die Dinge in Wirklichkeit ausl Zur Herabsetzung der tkufallSgefabr ist u. a. auch die Bcrkürzung der ArbertSzeit ersor- derlich. Es ist statistisch erwiesen, das; die größte Zahl der Unfälle sich in der letzten Arbeitsstunde ereignen, also zn jener Zeit, da der Arbeiter bereits erschöpft und ermüdet ist. tzlcrade für die Bergarbeiter müssen wir eine ausgiebige Kürzung der Arbeitszeit und die Fest- kehnng von Miiiimnllöhnen durch den Staat verlangen. ES darf nickt kein, dass die Unternehmer fortgcfe t die Löhne noch weit'? zu drücken suchen. Bon den Unternehmern ist da allerdings kein Entgegenkommen zu erwarten. Wir sehen dies auch in der Textilindustrie. Dort waaen es die Unternehmer, unmittelbar nach der Osseker Katastrophe, die unsere Arbeiterschaft in die größte Aufregung versetzt hat, mit weiteren Kürzungen der ohnedies elenden Löhne zn kommen. Das ma^ in Deut sck land möglich sein, wo es keine Arbeiter mehr gibt, sondern nur noch„Gefolge" nnd Unternehmer als„Füh- r e r". In unserem Staate, der auf seine Demokratie stolz ist, ist es Sache des Staates, die Schwächeren gegen die Stärkeren zu fckützen nnd zu verhindern, daß die Unternehmer die Krise zur Rechilosmachmig und Verelendung ihrer Arbeiter ausinitzen. Wir verlangen daher mit aller Entschiedenheit, dass die Regierung in den Lohnkonflikt in der nordböhmischen Textilindustrie eingreift nnd den Unternehmern ttar macht, dass Lohnkürzungen in dieser Zeit unter gar keinen Umständen zugelasien werden können. Wir verlangen weiter nickt nur die V e r länge r u n g d e s P r a a e r A b k o m m e n s. das vorsieht, dgß bis zum llv. April die Bergbauunteriieh- mer die Löhne nicht kürzen dürfen, tvir fordern aber auch seine Verbesserung, die AnSmcrzung der Bestim- llnd wieder brach er in schallendes Gelächter ans. Der andere holte tief Atem, schaute erschrol- len und scheu nach seinem scklaminbedeckten Retter, steckte dann einen Finger in den Mund und fisckte Schmutzklumpen hinter seinen Zähnen hervor. „Pfui!" stammelte er schließlich.„Ich stecke bis in meine Kehle hinunter voll widerlichen Schlamm!" „Vis in deine Därme, Bursche", gröhlle der andere.„Du bist voll Schlamm!..." Dann tvnrde er nach und nach ruhiger, besann sich und fragte: „Wieso warst eigentlich so verrückt dämlick und bist von der Mauer in den Graben getaucht?" „Das war nicht meine Absicht", stotterte der andere, mit scheuem Blick nach der Stelle, von der er in das Wasser gepurzelt Ivar. „Was hast denn dann wollen?" beharrte der kleine Landstreicher. „Hier lag immer eine Planke... und ick wollte mich von der Mauer auf das Ufer fallen lassen und dann über das Brett hier herüber laufen... Aber ich sah kein Brett... deshalb bog ich mich zu weit vornüber und dann..." Er hustete heiser und spuckte mit elelverzerr- tem Gesicht eine Portion Entengrün ins Gras. Sein Retter zog lakonisch den Schluß: „Und dann bist in den Graben geplumpst... Gut. das; ich da tvar, Mann, sonst wärst wohl ersoffen wie ne Katz!.. Er atmete tief auf und sagte: „Gottverflucht!... Bin jämmerlich erschrok- ken, weilst so lang unten geblieben bist.., Hab fest geglaubt, das; du mit dem Kopf im Schlamm steckst... Keine Spur tvar von dir mehr zu sehen!" „Ja", erwiderte der fremde Junge kleinlaut. „Tu hast mich gerettet-... Ich danke dir sehr, hörst du." (Fortsetzung folgt.) Freitag, 19. Jänner 1934 Nr. 15 Seite 8 Schwerwiegende Mängel und Unterlassungen Auf der Andreaszeche war bisher die Hälfte Schächten wurden bisher in Zwei Dritteln drei Zehntausend« abgehärmten dern. Hier offenbarte sich eine Not, der zu steuern unsere verdammte Bflicht und Schuldigkeit, ist! Wenn also die Katastrophe für uni alle eine Lehre sein soll, dann nur dir, daß wir Mittel und Wege finden müssen, um dem Elend der Massen zu struem und den Folgen der Krise und der Massenarbeitslosigkeit nach Möglichkeit zu begegnen! Die Zeit der libcralistischen Wirischaftsauf- fafsung, der These vom freien Spiel der Kräfte, von der Nichteinmischung des Staates in das Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter ist vorbei! Das zeigt»ns Ruhland, das zeigen jetzt auch die Vereinigten Staaten. Von der freien Wirtschaft müssen wir zur plimmSstiqen Wirtschaft kommen, zum Eingreifen des Staates in die Wirtschaft ans allen Gebieten, bl» in dir Lohnpolitik hinein. Bon dieser Offcker Katastrophe muh der Anstoß ausgehen zu einer neuen sozial-, wirtschaft», und handelspolitischen Orientieruna diese« Staates. Nur daun werden die Opfer von Ossek einst nicht mehr al« die Opfer eine» vcrdammenbwerten AuS- beutungSspstemS erscheinen, fanden« die Woqberri- ter, die Märtprrr einer neuen und besseren Ordnung!(Beifall.) Genosse K r e in s e r erklärt, die Verabschiedung der Novelle stelle keineswegs die vollständige Lösung der Probleme dar, die mit der Katastrophe in Ossek Zusammenhängen. Die 194 Waise» und die I2S Witwen rufet« nach mehr, als in dem Gesetz enthalten ist. ES miiffcn schärfere Massnahmen getrofse«« werden, um in Hinkunft die Menschen zu schützen. Vor allen« muß jener Geist auSgerottet werden, der heute in den Unternehmen herrscht, de« wegen des Gewinne«, wegen der Bikanzüber- schüsse Schuymaftnahmen entfallen läßt, jede ordentliche Kontrolle streicht und de» unerläßlichen Sicherheitsdienst restringiert, jener Geist, der mit Menschenleben Hasard spielt! Unmittelbar nach dem Unglück lvaren alle söge» nannten Fachmänner eingcschüchtert. Jetzt rühren sie sich schon tviedcr. So verwahrt sich der Verband de« Berg- und Hütteningenieure dagegen, das; sich auch andere als sie mit dem Unglück beschäftigen und ihr Urteil darüber abgcben wollen. Es ist die« eine unerhörte Anmassung de« Verbandes, denn die Oes- fentlichkeit hat da« Recht und die Pflicht, an den« Zhstein, das in den Schächten toaltet, an dem rücksichtslosen Spiel mit Menschenleben Kritik zu üben! Redner stellt fest, dass der Minister in seinem Expose air einer Reihe von Fragen, die für die Beurteilung de« Unglück« entscheidend sind, vollständig an« dem Wege gegangen ist. Nach deir Mitteilungen der Grubenvcrlvaltung Ware«« Karbidlampen verboten. Der Herr Minister hat sich vorsichtig ausgedrückt: Die Arbeiterschaft sollte durchweg» elektrische Akkumulatoren- lampen verwenden. Wir wissen aber, dass die vier geretteten Bergarbeiter, die abseits arbeiteten, offene Karbidlampen hatten, die durch die Explosion anSgelöscht lvurden In einer Grube, in der Kohlenstaub-Explosionsgefahr nnd Feuersgefahr überhaupt in erhühlein Masse bestand, wäre«« mit Zu- siiumiung der Grubenleitung Karbidlampen in Verwendung l Der Steiger G a u e r sagt auS, er sei ein« Viertelstunde. vor der Katastrophe anagefahren und habe der Betriebsleitung gemeldet, dass sich stellen- weise Gase zeigen, die Betriebsleitung habe eS je- dech abgelehnt, die Mannschaft auSfahren z>« lassen. Venn diese AitSsage auch nur zum Teil auf Wahrheit beruht, so ist hier eine nngeheuerlich« Verantwortungslosigkeit der Gru- benverwaliung einwandfrei festgestellt. Der Grubensteiger Helmer hat vor der tln- tersuchuiigSkonlmiffion angeführt, dass die Grubenverwaltung die primitivsten Schutzinassnahmen äusser acht liess und auf den« Schacht Vlkl überhaupt kein Wasser ivar. Der Kohlenstaub wurde nicht beseitigt und nicht bespritzt, auch bei der Vermauerung der alte«« Abbaue wurde gespart. DaS ist nach fachmännischen Gutachten absolut unznlässig! DaS gestern verlesene Gutachten deS Generaldirektors Stauch bringt für die Katastrophe keine entscheidenden Moinente; es ist lediglich eine Jusannnenstellung von Erfahrungen u««d Meinungen, wie man sie in jeden« Bcrgban-Bnch findet. Biel wichtiger«väre eö gewesen, wen«« unS gesagt worden wäre, wie der Kohlenstaub auf der Grube behandelt wurde, ob er befeuchtet oder beseitigt wurde, ob viel Feuerbrände waren«sw. Aber diesen Fragen geht man au« den« Wege! Genosse Kremser polemisiert dann gegen die Behauptung deS Ministers, dass den Heilquellen von Teplitz durch das Bergunglück keine Gefahr drohe. Ter Bergbau bildet vielmehr eine nnunterbrochcne Gefahr«richt nur für Teplitz, sondern auch für Karlsbad, Marienbad nnd FranzenSbad AuS einem abweiSlichen Bescheid der Bergbehörde von« Dezeinber 1983 in dieser Angelegenheit, geht einlvandfrei hervor, dass in dein umstrittenen Revier grössere Feuer anSbrechen. Die Bergbehörde«nusste auch wissen, dass grosse Mengen von Kohlenstaub angesmnmelt sind, nnd doch ist n i ch t S geschehen l Auch bei der letzten Befahrung deS Schachte» durch die Quelleninspektion an« 19. Dezember 1938 wurden regelmässige Feuer und ungenügende Vorsorge hinsichtlich des Kohlenstaubes festgestellt. AuS all den Mitteilungen von Leuten, di« die Grube kennen, geht hervor, dass viele notwendige Massnahmen der Rtzgie» und Materialer» «parniS halber unterlassen wurden. Ohne rin abschließendes Urteil zu fällen, kann die Betriebsleitung nicht völlig freigesprochen werden. Ebenso muß den Bergbehörden immer wieder der Vorwurf gemacht werden, daß sie viel versäumt und ihre Ausgabe nicht voll erfüllt haben! Genosse Kremser weydet sich dann ausführlich der erwähnten Streitfrage zwischen Stadtgemetnde und Grubenverwaltung wegen der Gefährdung der Tepliher Heilquelle«; zu und verlangt, dass über den Schutz der Heilquellen«richt die Bergbehörden, sondern die Verwaltungsbehörden das letzte Nur keine Experimente Unter diesem Titel veröffentlicht die„Novä Doba" einen Leitartilel, in dem sie darauf hin- mung, dass monatlich ein Prozent der Belegschaft ge- kündigt werden kann. Heute ist es ausgeschlossen, dass mau In der Entlassung der Bergarbeiter noch fortschreiten könnte; tveitercn Entlassungen muss unter allen Umständen Einhalt geboten werden. Genosse Heller prangert dann die Tatsache an, dass die furchtbare Katastrophe noch zu einer unfass- baren demagogischen Agitatioi« ausge- nützt wurde, wie gewisse Vorgänge beim Begräbnisse zeigte««, aber auch zn getvissei« nationale«« Vorsüssen. Ist etwa In einem einzigen der vielen tausend Nngliickofällc ii« den Bergwerken behauptet worden, dass dir Unkenntnis der Staatssprache schuld«vnr? Die Ausnübung diese« Unglücks zu sprachlichen Vorstösse«« ist genau so eine Teinagogie und genau so zu verivrrs«« wie die Demagogie aiftischrr Seite! Bei dem Begräbnis, den« viele Menschen beiwohnten, sprach aus den Gesichtern dieser Tausende e i«« s n l.■*> c o Elen d, eine solche furchtbare Not, wie sie in ihrer Tragig kaum seniala wieder so deutlich zum Ausdruck konnnen Ivird. Da» waren nicht nur Arbeiter, da« waren auch M i t t e l st ä n d l c r. die genau so heruntergekommen waren Physisch wie in ihrer Kleidung, wie alle an- 6snv5!8s Kremser: BeneS in Genf Prag, 18. Jänner. Minister dcö Aeusseren Dr. Bcnes ist in Begleitung deS LegaiionSratcs Dr. Kukera heute zur Tagung des Bölkerbundra- tes nach Genf abgereist. Mustkprofefsor Zevkll gestorben Pisck, 18. Jänner. In seiner Wohnung in Pisck, Na Pkcvorce, starb heute um 19 Uhr der hervorragende Violinpädagog Prof. Otalar Sevkik im Mter von 82 Jahren. Brandstiftung auf dem Anna-Schacht! Die Arbeiter werden weiter beschäftigt Partei immer stärkere Bestrebungen nach einer "?’”,'. DaS ist schon zu Lebzeiten Svchlas geschehen, aber damals hat Svehla durch seine Autorität die Jnflationisten zum Schweige«« gebracht. Bei seinem letzte«« Aufenthalt in Karlsbad soll Svehla die Bestrebungen nach Senkmig des Wertes der tschechoslowakischen Krone als Hochstapelei bezeichnet haben. Nun nach dem Tode Svehlaö versuchen die Anhänger der Inflation innerhalb der Agrarpartei Ivieder Oberwasser zu gewinnen. Es sind darunter Leute, welche um einen Spottpreis grosse Restgüter erworben, da«««« sichGeld auSgeborgt, mit dem ge,- borgten Geld Skoda-Aktien gekauft und an diesen Aktien ihr Bermägen verloren haben, so dass sie nun grosse Schulde«« besitzen. Diese Schulden der ! die fahren tverdcn. Der übrig bleibende Teil der Belegschaft Ivird bei den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Herr Zcntralinspcltor Vavra sicherte zu, dass mit diesen Arbeiten sofort begonnen Ivird. Die Wiederherstellung der Anlage dürste in fünf bis sechs Woche«« wieder beendet sein. In der nachmittägigen BelegschaftSversanim- lung erschien der kommunistische Parteisekretär R e s e k, der zmiächst einige Forderungen vorlas «nid dann zum Streit aufrief. Auch in der Versammlung. die gestern Donnerstag statlfand, propagierte Rcsel den Bergarbeiter-Revierstreik. Er hatte damit aber keinen Erfolg» den«« die Bergarbeiter denken nicht daran, sich von den Kommunisten neuerlich in ein Abenteuer locke«« zu lassen. Gestern sprach der Betriebsrat des Anna- Schachtes auch in« Eisenbahnminiftcriun« in Prag vor, wo er verlangte, dass das Ministeriun« die Beioiltigung zur Verladung der auf dem AndreaS- schacht geförderten Kohle am Trupschitzer Bahnhoj erteile nnd dass die Eisenbahnverwaltung diese Kohlen, die infolge der veraltete«« SortieningS» anlagc auf dieser Zeche mangelhaft sortiert ist. auch abniinmt. ES ist sehr wahrscheinlich, dass das Eiscnbahnmiilisteriun« dieser Forderung Rechnung trage«« wird. Die äilssere Schachianlage der Anna-Grube bietet ein trostloses Bild der Verwüstung. De« Förderschacht und alle Luftschächte sind zur Sicherung der Grube«« luftdicht abgeschlossen worden. Auf der Andrcaszcchc wird vorläufig auf Depot gefördert, da die Frage des Abtransportes dieser Kohlen nicht definitiv entschieden wurde. Die Stinuiulng der Bevölkerung hat sich, weil die Beschäftigung der Belegschaft gesichert «st, wieder beruhigt. Der Annaschacht gehört der bekannten Firnta Stejskal, welche diese Gruben im Jahre 1982 von den Brüdern Döhler und Komp., Wien, käuflich erwarb. Damals pachtete Stejskal vom Nordböhmischcn Kohlen- und Jndustrieverein auck« die benachbarte Andreaszeche. Die Firnta schloss seinerzeit, als der Herr Sttibrm; Ciscnbahnmini- stcr ivar, mit der Bahnvcrwaltung einen äusserst günstigen KohlenliefcrnngSvertrag ab, der am 8t. Dezember 1988 ablief. Dieser Vertrag sicherte der Familie Stejskal nainhafte Gewinne, die niit durchschnittlich zwei Millionen pro'Jahr veranschlagt werden. Die Stcjskals blieben jedoch Jahre hindurch die Steuern schuldig. Die Rinkstände betrugen bald über neun Millionen. Sie änderten,«nn nicht gefasst werden zu können, wiederholt die Firmenbezeichnungen. Die Finna führte zuerst den Namen Union-KohlcnwerH- A.-G., dann scvcrokcske doly a clcltricke centralh, später wieder Union, von welcher die Gruben schliesslich an die Firma Stejskal spoleönost verpachtet wurden. Aber iinnier hatte die Familie Stejskal in den Firmen die A-icnmehrheit. Durch die Steuerhinterziehung wurde insbesondere die Gemeinde Trupschih schwer geschädigt, weil sie jahrelang keine Umlagen erhielt. Die Gemeinde verlangte daher schon im Jahre 1981 in einem Mentorandum, dass gegen Stejskal endlich eingeschritten werde. Stcjs!... aber blieb lange ungeschoren, weil er wahrscheinlich einflussreiche Freunde besah. Bemerkenswert ist, dass sogar die Steuerbehörde sich bemühte, den Main« zu entlasten, indem sie z. B. erklärte, d..ss die Steuer- schuldcn statt neun Millionen nur eineinhalb Millionen betragen, weil inzwischen angeblich grosse Abschreibungen erfolgt seien. Erft vor wenigen Monaten entschloss sich endlich die Finanzprokuratur durchzugreifcn. Stejskal seu. wurde verhaftet— er sitzt gegenwärtig in Pan- lrac— und die zwangsweise Versteigerung des Anna-Schachtes wurde angeordnet. Die Versteigerung sollte ain 80. Dezeinber 1938 stattfinden, wurde aber dann wegen eines Einspruches auf den 11. Feber 1934 verschoben. Sie wird bei den gegebenen Verhältnissen voraussichtlich aber auch an diesem Tage nicht zur Durchführung gelangen. deren Falles konnte stn Jahre 1982 auch einwand frei festgestcllt werden, dass die Grubenkarten gerade der Brüxer Bergbaugesellschaft nicht in Ord nung sind. Ain 16. Feber dieses Jahres läuft eint dreijährige Frist zur Richtigstellung dieser Gruben karten ab. Hat das Ministerin«» auch dafür gesorgt. dass diese Bestimmung mich wirklich eingehaltcn und die Unrichtigkeiten der Karten, die ost bei Schaden« ersatzprozessei« ein grosse Rolle spielen, beseitigt wer den? Bezüglich des gestrigen Brande» aus dem Anna-Schacht ii« Trupschitz. der durch seinen Besitzer Stejskal und dessen Staatsliefernngen be rühmt ist, spricht Genosse Kretnser die Vern«utt«ng aus, dass es wahrscheinlich eil« angelegtes Feuer war. Un» interessiert vor allem aber die Tatsache. daß die 20 Bergleute untertags ab 10 Uhr abend» ohne jede Verbindung mit der Oberwelt blieben, weil der Maschinist nach Hause geht und das Ma schinenbaus absprrrt. DaS ist rin unerhörter, un glaublicher Zustand! Ist es möglich, daß die Berg behörden solche Zustände duldeten? Da müssen wir eine strenge Untersuchung fordern! Auch Genosse Kr«n«ser streift und verurteilt da««n die Tendenzen, daS Unglück zu einem Vorstoss! in sprach rechtlicher Hinsicht zu missbrauchen,| und erklärt, in einem Gebiet, wo so viele Mischehen bestehen und die Nationalität in den.Familien oft nicht mehr festzustcllen ist, spielt daS nationale Pro- blein keine Rolle. Man muss vielmehr den Gruben besitzen« die starke Hand zeigen, dmnit sie nicht ma chen können, wa» sie wollen. Die Vorschriften über daS RettnngSwesen, die Brandordnung, die Gruben- instnlktionen müssen verschärft und ihre Anwendung mich kontrolliert werden. Bor allem muss man auch den Betriebsräten grössere Rechte einräu- men, um allen Gefahrei« wirkungsvoll entgegentre ten zu können. Bom Minister verlangen wir nach Abschluß der Untersuchung einen abschließenden Bericht, da mit auch daS Parlament stch ein abschließendes Urteil über diese Untersuchung bilden kann.(Bei fall.) Im Parlament ging die Debatte von 10 Uhr früh bis 6 Uhr abends weiter, Bon Seiten der tschechischen Genossen griff T a y e r l e in die Debatte ein. Auch viele bürgerliche Redner be schäftigten sich«nit der Katastrophe, bedauerten die Opfer und machten allerhand Vorschläge. Ob sie ernst gewillt sind, der Uebcrmacht des Gruben- j’ii'er^n\»nb'börHer&i7öetiäbciii kapitalü entgegenzutreten, muss wohl stark bc--—■- l. u«. rtsi** t i«4U| uci SiiiUCl'nOAuaii' um lhuijul um»vuific zweifelt werden. Di- Kommunist«« sandten einen' b gesamten Belegschaft beschäftigt. Auf beiden Redner nach dem anderen m dre Debatte, um daS'--•-----• traurige Unglück möglichst ausgiebig und Partei- Schichten' prö'^oche" verfahrendW&ffr demagogisch auswerten zu können.| gung der gesamten Belegschaft soN nun. da aus Die Vorlage wurde schliesslich in der Ausschuss- der Andreaszeche nickst genügend Arbeitsplätze srci fassung«nit einer Aenderung im Artikel IV sind, so geregelt werden, dass in drei Dritteln in beiden Lesungen angenominen, ebenso die Rcso-! gearbeitet wird, statt drei werden also jetzt aus lution, betreffend die materielle Sicherstellung der! der Andreaszeche wöchentlich sechs Schichten ver- mit der GrubenübeNvachung betrauten BetriebS- auSschussmitglieder. Die Aenderung betrifft den Artikel IV; dort wird für jene Angestellte eines Dergwerkunter- nehinenS, die als Zeugen vor Gericht, einer Behörde oder einem anderen öffentlichen Orgm« in einem Professor der Physik oder Chemie in seinem Kabinett«nacht. Der Artikel schliesst folgendermassen:„Dr. EngliS war nicht nur einmal Finanzminister. Es war es mehrere Male und hat nichts Besonderes gezeigt. Im Gegenteil, zum Schluss ging er aus der Regierung rühmlos, denn alle Voraussetzungen, mit welchen er seine zwei „ruhmvollsten" Taten, die Verkrüppelung der Selbstverwaltung und die Finaiizrcform gestützt hat, haben vollkommen enttäuscht. Schon diese Tatsache könnte vielen Herrschaften eine Lehre sein, in ihrer Begeisterung vorsichtiger zu sein. Wie wir schm« gestern kurz berichteten, ist a«n ! Mittwoch gegen 1 Uhr morgens auf dem Fördrr- I türm des Anna-Schachtes ii« Trupschih rin Feuer ! auügrbrochrn, das dir Sortierung»- und Seilbahn- ! anlag«« diese» Betriebe» vollständig zerstörte. Dir ! Vermutung, daß Brand st iftung vorlag, dürfte sich al» richtig erweisen, doch tappt die Un- tersuchitngSkoinmission bezüglich der Täterschaft \ noch immer im Dunkeln. Ei>« wahre» Glück ist es, daß bei den« Brand kein Menschenopfer zu beklagen war. Die in der Grube arbeitenden zwanzig Bergleute war«« durch de» einziehendrn Rauch außerordentlich gefährdet und e» ist»nr ihrer Gei- ! steSgegriiwart zu danken, daß sie sich rechtzeitig in Sicherheit brachten. Durch den Förderschacht, der für MannschastSförderung gar nicht eingerichtet ist, konnte» sie nicht auSfahren, weil ihre Signale nicht gehört«rmrden, so daß die Benützung der Förderschalen nicht niöglich war. Zwei Berg- 1 leutc stiegen daher dein« nächst«« Wetterschachl au», dir übrigen 17 und der Oberhäuer P o b r l beim Luflschacht III. Wort zu sprechen haben. Er verweist auch darauf, Der Brand wurde zuerst vom Trupschitzer dass daS Gesetz 57/1928 über die Errichtung und\ Nachtwächter wahrgenommen, der sofort dir den Wirkungskreis der Bergbehörden noch g a r> Feuerwehr alarinierte. ES gelang den Wehre» >«icht i n K r a f t ist, weit die RegicrungSverord-«nit grösster Anstrengung, wenigsten» die Elektro- »ung n?ch^nicht erkchiEi^ist. Anlässlich eine» heson- zentrale des Schachtes und die in nächster Nähe ".»-—*■- j sich befindliche Wohnbaracke, in denen 35 Berg- arbeiicrsamilicn wohnen, vor den Flammen zu reiten. Infolge des Brande» stürzten auch 19 mit Kohle beladene und anf der Seilbahn hängende. Hunte, luobiir* ein solch«» Getöse verursacht winde, dass man zuerst eine Explosion(von Kohlenstaub) vermutete. Für eine Brandlegung spricht— äusser der Tatsache, dass da» Feuer über dem Förderiurm ausbrach— vor allem die Aussage des Kesselwärter» F l o h r l, der kurz vor Ausbruch des i Feuers zwei verdächtige Gestalten bei der Grube I bemerkt haben will. Der Kcffcllvärter konnte sich I leider vom Kesselhaus, wo er Dienst hatte, nicht allzu weit entfernen. Seit geraumer Zeit gab es auf dem Schacht keinen eigentlichen Nachtdienst mehr. Die sogenannten„Nachtwächter" wurden ' nur tagsüber bis gegen 10 Uhr Abend beschäftigt und da meist mit Botengängen—, während Nacht hatte der Kesselwärter, in der Zeit, ihm gerade übrig blieb, zu kontrollieren. Der Brand, durch den die gesamte Förderung fUllgclcgt wurde, hat selbstverständlich die Frage der Arbeitseinstellung auf dieser Grube wieder in den Vordergrund der Erörterungen gerückt. Mittwoch fanden Versammlungen der Belegschaft de» I abgebrannten Schachtes statt, die sich vornehmlich mit der Frage der Wetterführung der Arbeit bc- \ fassten. In der Vormittagsversammlung wurde beschlossen, an die Betriebsleitung die Forderung zu ! richten, die aus-120 Mann bestehende Belegschaft I weiterhin zu beschäftigen. Am Nachmittag sand ! dann die Verhandlung mit den Vertretern der Firma, Zcntralinspektor Vavra ui«d Herrn j S t e j s k a l jun., die von der Prager Polizei zu j diesem Zwecke nach Trupschitz gebracht worden | waren, statt. Herr Zcntralinspektor Vavra stimmte i zu, dass die gesamte Förderung auf die vom Brand verschont gebliebene Andreaszeche verlegt I wird. Da die dortige Sortieranlage schon seit dem Jahre 1938 äusser Betrieb gesetzt ist, wird vor allem zunächst an deren Herrichtung geschritten. Die dort geförderte Kohle soll, weil dnrch daS Feuer die als Verbindung zwischen den beiden Gruben bestchendc Seilschwebebahn vernichtet , wurde, mit Autoö auf den Trupschitzer Bahnhof Verfahren über die Sicherheit-Verhältnisse in den!'»«st, dass innerhalb der tschechische» Agrar- Gruben wayryeüSgemab aussagen, der Schuh vor L„....• v.. Kündigung auf die Dauer von zwei Jahre«« aus«! gesprochen; innerhalb dieser Zeit darf eine Kündigung nur mit Zustimmung deS Berg- bauschiedögerichteö vorgenommen werden. Die nächste Sitzung wird schriftlich einberufen werden, voraussichtlich erst gegei« Ende deS Monats. Im Senat sprachen äusser Genossen Dr. Heller auf der tschechischen Seite Genosse Jng. W i n t e r, der u. a. bemängelte, dass man immer erst nach grossen Unglücksfällen über den Schutz der Bergarbeiter spreche. Der Nationaldemokrat Bergmann polemisierte gegen Dr. Heller, weil er die nationaldemokratischen Sprachforde» rungen ablehnte. Auch im Senat wurde schliess lich die Erklär» g des Ministers zur'wollen sie los werden und dazu will ihnen der Kenntnis genommen. Die nächste Sitzung wurde ehemalige Finanzminister Dr. Engliä verhelfen, für Dienstag, den 28. Jänner, um 15 Uhr an« Wenn heute Engliö an die Stelle von Trapl träte, beraumt. In dieser Sitzung erhält der Senat die, würde er ein agrarischer Minister sein und vollgeänderte Novelle vom Berggesetz, die voraus-' kommen die Geschäfte der Agrarier besorgen. ES sichtlich dann in den darauf folgenden Tagen er- i ist unn«öglich, mit unserer Währung u««d Wirt» ledigt wird.'schäft Experimente zu machen, so wie daS ein von komm»- Seite 4 Freitag, 19. Jänner 1931 Nr. 15 Tagcsncuighcilcn r t der östlich die daß der erhalte» 104.24t, 220.609, 115.600, 158.762, 227.762, I Polizei untersucht den Full, der allem Anschein nach zur Aufdeckung eines Kindcsmordcs führen wird. Wieder eine Leichenzerstückelung? Teile einer Kinderleicht in Pra gefunden In der Müllahfuhrstellc in Vrag-Bubcntsch wurde Mittwoch abends der rechte Fuss eines uu- gesähr zehn Monate alten Kindes gesunden. Die lieber Mißstände In einem Krankenhaus dar! nicht gesprochen werden! Bezirkshauptmann In Trautenau verbietet eine Versammlung über das Kindermassensterben Die Elieruvercinigung von Trautenau berief für Freitag, den 10. Jänner, eine öffentliche Versannnlung ein, in welcher über die Todesfälle im Jnfektionspavillon des Trantcnauer Kranken hauses und die Zustände dieses Spitales überhaupt gesprochen und Abhilfe der untvürdigcn Ver hältnisse gefordert werden sollte. Der Bezirls- hauptmann, als Verantwortlicher Bczirksfunktio- när, der auch die entscheidende Gewalt über das Krankenhaus inne hat, glaubte offenbar salomo nisch zu handeln, wenn er eine Diskussion über das Krankenhaus in Trautenau umnöglich mache und so verbot er ganz einfach die Versammlung, obzwar der Vorsitzende der Eltcrnvereinigung, ein christlichsoziales BczirkSauöschusgnitglied, selbst am meisten daran interessiert lvar, eine allzu aggressive Auseinandersetzung zu verhindern, weil sie letzten Endes auf seine Partei zurückgefallcn wäre, die an den fürchterlichen Zuständen im Traute- naucr Kraulcuhause mitverantwortlich ist. Uhr 50 bis Kern u weiteren Treffer zu 50, 20 und 10 KL werden mit den übrigen Gclvinsten in der amtlichen Ziehungsliste veröffentlicht. Fundamente des Fasclsmus ist das: ft 0 r t: 17 Personen fanden hiebei den Tod, 48 wurde» schwer verletzt. Ter Bazar von Dschanial- vnr wurde beinahe vollstitndig zerslilrt;»vier seinen Trümmern wurden zahlreiche Menschen begraben, doch konnte die genaue Ziffer der Opfer noch nicht ermitelt werden. Wie der 2uperintendent bengalischen Eisenbahn meldet, befindet Batznstrelke in einem derartigen Zustand, 'Verkehr unter keinen Umständen aufrecht werden kann. Tie von der indischen Negierung auS- gesandtcn Aeroplane kehrten nach einem Nundflug über den verwüsteten Gegenden zurück und brachten die Nachricht, daß in den Gegenden von Nirhut, Orissa und Bihor, die vollständig vom Verkehr ab- geschnitten sind, an vielen Stellen die Geleise anS dem Bahnkörper gerissen und eine Neide von Brücke» zerstört wurden. Auch die Straßen sind durch zahlreiche Nisse beschädigt und größere Teile deö Bodens stnd von Hochwasser überschwemmt. An manchen 2teilen wälzt stch über die Wege und weithin über die Oiegrnd ein dichter grauer Schlammsteom. An P»sa stürzte eine Zuckerfabrik und eine ganze Neide von Gebäuden eines landwirtschaftlichen Forschungsinstitutes ein. Flugzeuge kreisen weiterhin über dem Uatastropdengebiet und bringen Nachrichten nach Kalkutta. Ter StaatSkommissär telegraphiert aus Tardschilling, daß dort daö RegierunnS- gebäudc und das Gefängnis stark beschädigt wurden. Auch die Privatgebäude stnd durch das Beben stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Tie Stadt Kat- kn t> n selbst ist von der große» Elementarkata- stropde nahezu vollständig verschont geblieben. In der deutsche» Arbritrrsendung beim Pra ger Rundfunk hält Freitag abends um 18 10 Uhr Redakteur Genosse Karl eine„A u ss e n P ol i t i s ch e Z ring s s ch a u". London, schauspieler unter ganz Probe starben. Wahrend der Probe kam »er Kollegen auf die Bühne und begrützte ihn kamaradschaftkich, indem er ihm freundschaftlich auf den R ü ck e n k l o p f t e. Clarke stürzte darauf zu Boden und lvurde im bewusstlosen Zustande in ein Krankenhaus gebracht, wo er, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben, st a r b. DaS Vorkommnis ist besonders deshalb unerklärlich, tveil Clarke durch seine ungewöhnliche körperliche Kraft bekannt. ein Schwerathlet lvar und unter seinen Kameraden den Beinamen„S t a h l- m e n s ch" führte. Ueberfall auf den transstbrischen Expreß Chardin, 18. Jänner.(Rcuier) Banditen machten in Mands ch n l u o einen Uebcrall auf einen in westlicher Richtung fahrenden Er- preßzug der Transsibirischen Bahn. Der Zug wurde von ihnen zum Entgleise» gebracht und geriet in Brand. Bier Personen fanden den Tod in den Flammen, 29 erlitten Verletzungen. Unter den Verletzten befinden sich ein Deutscher namens K r a m a r ans Tientsin, der einen Beinbruch erlitt, sotvic der Vertreter der Pariser Zeitung„Paris Midi", der ein Ange cinbüsstc. Die Wagen deö ZugeS Ivurden durch daö Feuer vollständig zerstört; nur der Postwagen blieb unbeschädigt. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmenr SnmStag: Prag, Sender L.: 10.15: T e» t f ch e R a ch- ichten, Sender St. 1l.H0: Flötenkonzert, 15.10: Deutsche Sendung: Regerlieder,.Kulturrelief, Deutsche P r e s s e n a ch r i ch t e n, Sender L. 16.00: Kvnzert-Tapzuuiiik. 16.50: Tie Frau in Kunst und Leben, 17.35: Tschechischer Sprachkurs, 19.00: Deutsche P r e s s e n a ch- richten, 20.15: Klavierkonzert, 20.40: Dnrch die FaschingSwelt.— Brünn: 11.00: VormittagSkonzert, 18.15: Schallpkaien, 18.25: Deutsche Sendung: Josef-Marr-Liederstundc, 20.15: Alte Hausmusik.— Kaschau: 12.30: Orchesterkonzert, 16.50: Waldhornquartctt, 17.25: Äindcrccke.— Preßbnrg: 22.15: Nachtlonzert.— Wien: 11.30: Stunde der Fran, 16.85: Chorvorträge, 17.45: Schallplattenkonzert, 18.55: Ginditta, Musikalische Komödie von Lehar, 22.10: Abendkonzert. Parteilokal der Kommunisten. llcbrigcnS sind die wirtschaftlichen Verhältnisse derzeit nicht darnach angetan, Vereinshäuser zu schafen, deren Erhaltung nur möglich ist, wenn Zutvcndungcn aus Kreisen der Brudcrvercinc diesem Zwecke zufliessen. ES bedeutet aber eine llebcrspannung der Lasten der einzelnen Vereine, die ohnehin mit schlvercn materiellen Sorgen zu kämpfen haben. Wie wir erfahren, ist vom Vorstände dcS Deutschen ArbcitersängerbundrS in Teplitz-Schönau eine Znstimmnng zur Durchführung einer solchen Sammelaktion bisher nicht gegeben tvorden, so dass schon aus diesem Grunde die Genossen aus diese Sammelbögen, welche von dem Nixdorfcr Vereine ausgesandl Ivurden. nicht zu reagieren brauchen. Es empfiehlt sich überhaupt, wenn Vereine Sam- mclbogcn anssenden, stets bei der zuständige» Spitzenorganisaiion anzusragen, ol eine Bewilligung zu einer Sammlung vorliegt, damit jeder Missbrauch in Zukunft hintangchalten wird. Vorsicht bei Sammlungen! ES kommt des öfiern vor, dass Vereine, ohne vorher eine Bewilligung ihrer Spihcnorganisation einzuholen und ohne dass eine Zustimmung der Partei vorliegt, für Zwecke der Errichtung oder Erhaltung von Arbciterheimcn und dergleichen bei ihren befreundeten Organisationen Beiträge für dfc genannten Zwecke ansprechcn. Neuestens Hai der Verein Arbeitcrsängcrbund„Freiheit" in N ixd o r s an die Vcrl>andsvereinc des ArbeitersängerbundeS in der C. S. R. solche Sanunclanfrnfe ergehen lassen, und zwar znm Zwecke der Erhaltung des Waldtheatcrö. Dieses Vcreinölvkal wird von unseren Genossen nicht besucht, und ist eigentlich ein ausgesprochenes Ein flammender Protest gegen Muckertum gegen Spießergeslnnung gegen Barbarei also gegen die geistigen Grundübel der Zeit und die Taufende Todesopfer des Grdveven-S von Zindßen London, 18. Jänner.«AR.) Zatzlrriche Mel- dungen, die jetzt aus den verwüsteten Gegenden Nord-und NordoftindienS, insdefonderr ans de» Provinzen Biliar nnd Orissan und aus den bengalischen Provinzen eintreffen, lassen erkennen, welchen un- getzeueren Umfang diese große Katastrovbc angenom men bat. In den Ortschaften Manghpr nnd Muzza- farpur, im Tale dev Gange», hat der Tod fürchterliche t»rnte gehalten nnd die blühenden Ortschaften wurden durch da» Beben dem Erdboden g l e i ch g e m a ch t. Jede Verbindung mit diesen Gebieten ist abgeschniten. In Mnzzafarpur allein wurden etwa 300 Tote gezählt. Unter den Trümmern der eingrftürzten Häuser suchen Mütter nnter lautem Wehklagen ihre Kinder nnd im Orts- krankenhanS liegt ein Verletzter buchstäblich ans dem anderen. Tie Lust ist von den Jammerlanten der Sterbenden erfüll». In B i h a r nnd Ossian wird die Zahl der Toten ans 21)00 geschätzt. Rach amtlichen Feststellungen bat daS Beben in der Stadt Patna 61 und in der Stadt Gapa 10 Todesopfer gefordert. In den Städten Bbagalpur, Monghpr und Tkchamalpnr stnd, wie gemeldet wird, alle-fünfer beschädigt worden. Aerztliche nnd polizeiliche Hilfe wurde unverzüglich in diese Städte beordert. Auö Kalkutta wurden Flugzeuge in die IKegenden nördlich de» Gange» entsandt, da die Verbindung mit diesen Landstrichen durch andere Verkehrsmittel unmöglich geworden ist. Tie Beamten der indischen Bahnen melden namhafte Schäden auf de» Bahn strecken. In der E i s e n b a h n e r k»l o n i e von Tschamalpur wurden 180 H ä» s» r z e r- DaS Begräbnis der Opfer der Katastrophe deö Flugzeuges„Smaragd" wird SamSiag früh in Anwesenheit der Familien und der Regierung stattfindcn. Hiebei werden der LustschisfahrtS- ministcr und der Kolonialmiuister Lamoureux die Trauerreden halten. Die Ikeberrcsie der Opfer der Flugzeuglatastrophe wurden gestern abends nach Paris gebracht, wo sie in der.Kapelle der Militärschule auf dem MarSfelde aufgebahrt und der Bevölkerung am Freitag zugänglich sein werden. Der Streik in der„Deutschen Presse" ist am Mittlvoch beendet worden, so dass am Donnerstag daö Blatt wieder erscheinen konnte. Das warme Wetter. Die am Mittwoch im ganze» Staatsgebiete ausgetretene Besserung dcS Wetters war nicht von Dauer. Eine neue Reihe sehr tiefer atlantischer Störungen veranlasste Donnerstag einen verstärkten Zufluss milder Luft aus dem Südwestcn. In den Gebirgsgegenden Böhmens nnd im Osten des Staates hat eö wieder geschneit. In Böhmen hat sich am Morgen die Frostgrenze bis auf 1000 Meter Seehöhe gehoben. Prag hatte mit 0.3 Grad Celsius um 7 iihr die h ö ch st e M o r g e n t e m p e r a t u r seit dem 10, November v. I. Die mittleren und östlichen Teile der Republik hatten Nachtfröste. In der Ostslowakei nnd in Karpa- ihorussland sank dcS Thermometer stellenweise auf minus 12 bis minus 13 Grad Celsius. Der Zufluss milder ozeanischer Luft dürfte anhaltcn. In Frankreich sank die Temperatur in der letzten Nacht nirgends unter plus 8 Grad- Celsius, stellenweise nicht einmal unter pluS 11 Grad Celsius.—- Wahrscheinliches Wetter heute im Westteil der Republik: Unruhig, milde, zeitweise Schauer, stärkere Niederschäge, jedoch nur in den Bergen, frischer bis starker Wind a.’ südwestlichen Nichiunoen. Verhaftung auf den» Standesamt. Der 26jährigc O. Lengler ist iu Prag ein polizeibekannter Gewohnheitsdieb. Vor wenigen Tagen erwischte ihn ein Detektiv ausgerechnet in dem Der städtische Wohnungsbau in Auffig Anlässlich der Fertigstellung und Uebergabe der städtischen Wohngebäude der vierten Bau- atlion in Aussig gibt das Stadtamt eine Uebersicht über die gesamte städtische Bauakiion von Wohn- liäusern auf ihren eigenen Grundstücken. In den Jahren 1010 bis 1038 wurden im ganzen 54 Häuser mit 055 Wohnungen mit einem Kostenaufwand von 57.07 M illioncn Ke erbaut. Fast die Hülste(22 Häuser mit 432 Wohnungen) nehmen die Hänser mit sehr kleinen Woh- n n n g c n ein, welche aber trotzdem allen Forderungen der Bequemlichkeit und der Hhgicne Rechnung tragen. Die Häuser sind ein architektonischer Schmuck der Stadt. Deutscher Sender in Belgien Ter Luzerner Wellenlängenplan hat Belgien äusser den Wellenlängen für die beiden Brüsseler Sender noch eine dritte bewilligt. Auö französischer Duelle wird nun berichtet, Belgien wolle diese Wellenlänge für einen Rundfunksender mit Programmen in deutscher Sprache ini Gebiet von Eupeu-Malmedh benutzen. Kurze Zeit noch zu beziehen durch die Zentralstelle für«tat Bildunaiwesen Prag XII.« llettk* 1* Nur KC 10.— Seltsamer Tod eines Schauspielers auf der Bühne 18. Jänner. Der bekannte englische Gilding C l a r k e ist gestern besonderen Umständen bei einer zur Aufführung deö„Orphenö" ge- Währcnd der Probe kani einer fei- DerWarenhaus- und Kinobrand in Preßburg Preßbnrg, 18. Jänner. Zn dem gestrigen Brande werden noch folgende Einzelheiten gc- nieldct: Die Firma„A s o" ist in Räninlichkeiten des Komplexes des Klostcrgcbäudcö der Barmherzigen Brüder neben der Kirche dieses Ordens, der Apotheke nnd dem Krankenhause untcrgebracht. Im rückwärtigen Trakt hinter den Lokalen der„Aso" befindet sich daS St i n o„A d I o n". Der Ausbruch des Brandes wurde nm 21 Uhr 10 Minuten bemerkt und sofort gemeldet. Drei Minuten später trafen die Berufs- und Freiwillige Feucrwchl mit ihren Motorspritzen ein und begannen sofort mit der Bekämpfung des Feuers, obwohl das Vordringen znm Brandherd infolge der mit Rauch gefüllten Räume des alten Gclmudcs sehr schwierig war. Anfangs schien die Löschung und Lokalisierung deö Brandes leicht zu sein, doch war daS Feuer aus den Räumen der Firma„Aso", wahrscheinlich durch die LüftuugScinrichtung, unter daS Dach und von dort in den rückwärtigen Trakt, wo sich das Kino befindet, gelangt. Dort war eben eine Vorstellung im Gang, die glücklicherweise aber wenig besucht war. Die Vorstellung wurde abgebrochen, ohne dass den Besuchern der wahre Grund hiesür angegeben wurde, und dieses verliess in Ruhe den Vorführungsraum. 2k~ Löschuugsarbciten im Kino waren sehr schwierig,! da eS sich in einem abgcschlosseneii Hof befindet I nnd von der Strasse direkt nicht zugänglich ist. Grosse Mühe kostete cS den Feuerwehrleute», daö, Ilcbergrcifen des Brandes auf die Kirche uns» die- übrigen Klosterbaulichkeitcn zu verhindern. Um i etwa 22.30 Uhr brannte das Dach im Hofgebäudc< lichterloh, und die Jlanimcn wüteten auf der Licht«, spielbühne und im Zuschaucrraum. Glücklicher- i weise war es rechtzeitig gelungen, auS dem Kino i etwa 3000 Meter Filme zu entfernen. Die Ein»- dämmung des Brandes gelang gegen drei Uhr früh. Die volllommenc Löschung ist aber weder morgenö noch In den Vormittagsstunden gelungen, da die Kinocinrichtung immer noch wciterschwelte, so dass eine Feucrwchrbercitschast am Brandort bleiben musste. Aus der über dcni„Aso"-Gc- sckäftc befindlichen Wohnung wtirdcn einige Kinder während dcS Brandes übcrdieLei- iern in Sicherheitgebracht. Zwei Feuerwehrleute wurden bei den Löscharbeiten verletzt und einer von den Rauchgasen betäubt.— Die Brandursache wird von einer behördlichen Konnnission untersucht. I Augenblick, wo er auf dem Standesamt in Zi,j-| kow in den Stand der heiligen Ehe trat. Vom Standesamt weg wurde er ins Gefängnis ein- geliefert und Mittwoch zu sieben Monaten unbedingt verurteilt. Lengler. der mit seiner jungen Frau bereits ein dreijähriges uneheliches Kind hat, erhielt einen Strafaufschub von 2 Monaten, um sich davon zu überzeugen, wie es ist, wenn man nicht nur vor Gott, sondern auch vor der Behörde richtig verheiratet ist. Bon der lüjiihrigen Tochter erschossen. Vor dem Gericht in St. Johns(Arizona) verteidigte sich Mittwoch ein löjährigeS Mädchen (namens Mattic Turrley), daö seinen Vater kaltblütig mit dem Revolver erschossen hatte.„Ich habe meinen Vater über Befehl unseres Geheimbundes erschossen", erklärte die Angeklagte;„jetzt kann meine Mutter wenigstens einen hübschen Cowboh heiraten". Ter Oberlichter verurteilte das Mädchen znm sechsjährigen ZlvangLbesuch der staatliche» Schule für unbotmässige Mädchen. Dank des Vaterlandes,(h. b.) Der in Flensburg bekannte und beliebte Augenarzt Dr. Thieme hat vor einigen Tagen Selbstmord verübt. Er »lachte den Krieg als Oberstabsarzt mit. wurde aber trotzdem auf Grund des Arierparagraphen aus der Acrztcschaft ausgeschlossen, weil seine Mutter jüdischer Abstammung war. Als jetzt auch noch seine Tochter, die als Fürsorgerin bei der Stadt Flensburg tätig war, aus dem gleichen Grunde entlassen wurde, machte er seinem Leben ein Ende. Ziehung der V. Jugendfiirsorge-Sachlotterir. Am 10. Jänner d. I. fand die Ziehung der V. In, gcndfiirsorge-Sachlotterie der Deutschen Landeskom- mission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böh- nicil im Zentralhause in Reichenbcrg statt, bei welcher folgende Gewinste gezogen wurden: I. Haupttreffer im Werte von 100.000 K«!: Ein Personenauto oder ein Lastkraftwagen oder Brillantschmuck oder landwirtschastliche Maschinen oder Geräte nach freier Wahl oder Barauszahlung mif Wunsch des Gewinners nach Abzug der gesetzlichen Gebühren— Los Nr. 122.528. H. Haupttreffer im Werte oon 20.000 11t!: Eine Braut-Wäscheausstattung oder ein Konzertflügel oder eine. Wohnungseinrichtung oder landwirtschaftliche Maschinen und Geräte nach freier Wahl oder Barauszahlung auf Wunsch des Gc- winners nach Abzug der gesetzlichen Gebühren— Loo Rr. 47.301. III. Haupttreffer int Werte von 10.000 Kd: Ein Klavier oder eine Wäsche« oder KlcideranSstattung oder eine Wohnungseinrichtung oder landwirtschaftliche Maschinen nnd Geräte nach freier Wahl— Loo Nr. 231.032. Treffer im Werte von 1000 Kd entfielen auf die Losnmnmcrn: 3.431, 0.260, 17.401, 22.550, 20.624, 40.180, 40.383, 46.267, 40.288' 64.068, 75.681, 77.828, 81.884, 83.651, 88.200, 88.520, 02.087, 123.741, 137.828, 143.552, 118.028, 148.018, 161.554, 170.182, 185.223, 100.630, 106.074, 107.226, 232.557, 240.181. Treffer im Werte von 500 Kd entfielen auf die Losmunmern: 4,027, 7.472„Pü.818,.88.088, 03.708, 00.170, 101.100,“ 117.037, 138.023, 141.087, r 176.727, 182.545, 187.020, 238.807. Treffer im Werte von 100 Kd entfielen anf die Losnmnmcrn: 514, 1.624, 2.588, 6.880, 7.108, 7.680, 8.210, 0.306, 13.531, 20.805, 22.658, 22.824, 26.044, 27.806, 28.547 31.582 22.658. 22.824. 26.044, 27.806, 28.547, 31.582, 32.807, 35.814, 38.014, 38.2 87. 30.201, 80.082, 40.467, 48.030, 46.807, 48.810, 50.658, 54.787, 55.288, 55.068. 58.200. 61.888, 61.1100, 62.185, 66.670, 70.182. 71.647. 74.4 25, 80.740, 85.063, 86.084, 01.647, 02.657, 03.371, 04.561, 07.720, 104.412, 107.107, 110.080, 110.802, 118.478 114.424, 115.834, 118.800, 121.377, 125.203, 125.480, 131.580, 183.553, 183.020, 135.139, 141.024, 143.027, 148.580, 100.118, 108.021, 148.801, 157.846, 158.024, 163.074, 108.704, 165.164, 165.454, 165.701, 100.201, 178.086, 184.404, 185.072, 186.638, 188.022, 107.102, 202.120, 206.076, 200.510, 206.815, 214.016, 214.525, 215.244, 218.008, 220.022, 224 201 224.806, 227.115, 227.002, 233.756, 284^85* 287.166, 241.404, 248.885 248.020. — Die Mr. 16 Freitag, 18. Jänner 1934 Seite 6 Was bei uns alles veröffentlicht werden kann! Billigung des Mordes an Rosa Luxemburg— Gedruckt in einer Negierungsdruckerei In der„Elbe-Zeitung" veröffentlicht der Teplitz-Schönaner Advokat Dr. Karl Heinrich S t r a d a i einen Artikel über Rosa Luxemburg, der wohl zu dem Schimpflichste» gehört, IvaS in den lohten Jahren i» der Tfchcchoflovalci veröffentlicht wurde: Zum Glück für Deutschland wurde diese Politische Amokläuferin am 12. Jänner 1919 erschlagen. Wie die danialigen Geföiignitverhältuiffv waren, wäre sie sonst aller Wahrscheinlichkeit nach a»S dem Gefängnis entkommen und hätte wiederum blutigen Ausstand herbcigerusen. Ihr Tod ersparte vielen dentschon Frontsoldaten neuerliche opfeeische Kämpfe. Ihre Tötung war nicht Mord, sondern eine durchaus gerechtfertigte juristisch formlose Hinrichtung, die brave Männer vornahmen in gerechtfertigter Verteidigung ihres eigenen Lebend und deS Wohles ihres Vaterlandes. Tom Herrn Dr. Stradal gebührt das Verdienst, ein neues Wort für Mord erfunden zu haben» nämlich„formlose Hinrichtung". Das ist einem Advolatcn, einem Wahrer des Rechts Vorbehalten geblieben, lind diese Verherrlichung eines gemeinen Mordes an einer hochgeistigen Frau, die ihr ganzes Leben eine glühende Idealistin war, darf bei uns geschrieben und vcrös- scntlich! werden. Die Druckerei, in der diese Lnm- pcrci gedruckt tvird, gehört obendrein der Regierung l Das Ministerratöpräsidium kann daraus stolz sein! Berliner Theater-Greuel Ein Berliner Hugenbergblatt, der„Montag", eat in seiner lohten Nummer dem gleichgeschaltctcn Nest seiner Leserschaft erzählt, daß die„Emigranteu- preffe" über den Zustand der Berliner Theater „Ärcuelmeldungeii" verbreite. In Wirklichkeit aber erlebe das Berliner Theater gerade seht einen grossen Aufschwung und sei auf dem Wege zum„Nationaltheater". Ein Blick aus den Berliner Theaterspielplan genügt, um die Art des ThcateraufschwungS im Dritten Reich uikd den von Goebbels diktierten Weg zum Ratioualtheater zu erkennen. Ein Blick genügt, »m fcstzustellc», dast v o n d e n 28 T h e a t e r n, die Ende 1932 in Berlin noch existierten, elf geschlossen sind. Eie haben nicht etwa durch einen sonderbaren Zufall auf dem Höhepunkt der Saison spielfreie Tage,— sie stehen alle elf seit einem halben Jahre, leer! Unter diesen verödeten Bühnen bc- sindct sich das räumlich grösste Theater Berlins, das „Grosse Schausprelhauö" und die künstlerisch seit Jahrzehnten bedeutsamste Bühne der Reichshauptstadt, das„Deutsche Theater", bestell langjähriger Leiter Max Reinhardt ins Ausland ging. Auch die anderen Reinhardtbühnen, die „Kammerspicle" und die„Komödie" sind geschloffen — und mit ihnen das„Berliner Theater", die„Tribüne", das„Theater am Schiffbauerdamm", das .Theater am Zoo", das„Theater int AdmiralSpalast" und das„Kleine Theater", Trotz aller Erschütterungen der Wirtschaftskrise bat sich Berlin bis zu Hitlers Machtantritt den itiuf bewahrt, die erste Theaterstadt der Welt zll sein. Jetzt ist eS aus damit, die grotzcn Autoren, Regisseure und Darsteller sind verbannt, und an die Stelle des führenden internationalen Theaters soll das„Ratio- naltheater" treten. Wie steht der Weg zum Nationaltheatcr auS? Wo früher Hauptmann und Shalv, Georg Kaiser OReill, Zuckmayer und Horvath, Toller und Brecht, i Bruckner und Billingcr gespielt lvnrden, spielt man ictzt Schlagcrlcxtdichter und Schtvänkeschreiber aus Grotzvatcrs Zeit(nachdem die paar Nazi-Drama« tikcr, mit denen man es versucht hatte, hoffnungslos durchgcfallcn sind). Die einzigen Theater, die sich einen anständigen Spielplan leisten können, sind die Staatstheater, die von Subventionen und kommandierter Besucherschaft leben. Die beiden Opernhäuser spielen abwechselnd Wagner und Richard Strautz— und das„Staatliche Schauspielhaus" hat nach den mitzglückten„Propheten" des abgesagten Herrn Johst den betvährten Schiller auf den Spiclplan gesetzt, | vorsichtshalber mit der„Braut von Messina", um I nicht freiheitlicher Tenden-cn verdächtigt zu werden. Der braune Weg zirm Rationaltheater ist mit s Kitsch, Schund und Ruinen gepflastert. In dec i„Volksbühne" spielt man„Die Kaiserin" (das ist die hakclikreuzlerische Erfüllung der Devise !„Die Kunst dem Volke", die am Giebel dieser denk« ! würdigen Volksbühne prangt!). Im„Deutschen ■ Künstlerthcater" gibt man„Bezauberndes Fräulein" — und die deutschen Künstler kommen dabei ohne den verlästerten Richlarier Max Hansen in der Haupt- ! rolle nicht ans. Ten ebenso arischen Otto Wallburg benützt da»„Komödie,'m»»" als Kaffenmagneten ldas Stück, in dem er„blubbert", trägt den geistvollen Titel Lieber reich als glücklich"). In der „Komischen Oper" wird der schon im Ruhestand befindliche Borkriegskomiker Guido Thielschcr als „müder Theodor" wieder auf die Beine gebracht. Und noch tiefer geht die Ausgrabung im„Theater in der s Strcscmannstratze". Dort spielt man einen uralten > Schwank von Moser und^'^öntban„Krieg im Fric« > den". Die seichte Harnilosigkeit feiert Triumphe. Im „Knrfürstendammtbealer", im Theater am Nollcn- dorsplatz" und im„Theater des Westens" spielt mau Operetten, im„Theater in der BehrcnSstratze" heitzt das Zugstück„Hau-ruckl", und noch fröhlicher geht es im„Lessiugthcater" zu. wo man Krach um Jolanthe"(angeblich Hitlers Liebliirgcstiick) spielt. DaS also nennt die gleichgeschaltete Journaille „Nationaltheatcr" I llnd wo bleibt das Theater der nationalen£' volntion? Vielleicht im Lustspielhaus, wo man ein Stück vom Segelslug(„Am Himmel f Europas") in Szene gesetzt hat, das aber nicht ein« mal die gleichgeschaltctcn Kritiker begeistern konnte, llnd daS Schillcrthcatcr nennt sich jetzt zwar„Preu- tzischcs Theater der Jugend",— aber gegen daS findet„Greucllügcn". Dabei setzt der nun zum dritten und letzten Male crtvähntc„Montag" die ärgste Grcuelmcldung selbst in die Welt. Er berichtet näni- lich, datz eS in Dcrlin 1909 arbeitslose Schauspieler gibt! Man hat viele Hunderte jüdischer und marxistischer Schauspieler entfernt, man hat fast alle Prominenten mich die gleichgeschaltetrn, durch die Verkitschung des SpielvlanS von den Berliner Bühnen verscheucht(nur Klöpfer und Dorsch spielen noch— in Operetten l, aber da man aus dein Wege zum Rationaltheater lei» Publikum findet, ist daS erhebende Resultat: mitten in der Saison sind 1009 Schauspieler arbeitslos, fast die Hälfte der Berliner Bühnen geschloffen und der Spielplan eine Wüste der Geist-, Wert- und Geschmacklosigkeit. —eiö Ein Rkefendiamant gefunden Kapstadt, 18. Jänner. AuS der Stadt Elandöfontein kommt die Meldung, dast dort auf dem Grundstück einer Farm ein groster. vollkommen fehlerloser Diamant im Gewichte von 726 Karat, d. s. beiläufig fünf llnzcn, gefunden wurde. Der Finder vcrnnitet, dast dem Diamanten die vierte Stelle unter den gröstten Diamanten der Welt zuzuerkenncn ist. Die Fundstelle des neuen Diainanten ist blost drei Meilen von jener des berühmten Culinan entfernt, welcher im Jahre 1909 gefunden Ivurde. Gestern wurden dem Finder des neuen Diammiten I. I. I o n- k e r bereits 75.000 Pfund Sterling angeboten, welche er aber ablehnte. LawinenKatastropye in den vayrrflyen Alpen Derauna unter ungeheuren Gc&toierigVeiten München, 18. Jänner. Als sich an» Mittwoch vormittags gegen.11 Uhr ein Trupp von sechs Maun der Konstanzer ReichSwrhrjäger oberhalb des Giebelhauses bei der G r Ü n d l e r« Hütte befand, wurden sie von einer Plötzlich einfallenden Staublawine erfaßt. Alle sechs Mann wurden vom Schnee verschüttet. Als erstem gelang eS dem Truppführer Unteroffizier O h l m s e n, sich auS den Schnccmaffrn zu befrei«. Bald hatten sich auch drei weitere Kameraden, teils durch eigene Kraft, teils durch gegenseitige Hilfe auS dem Schnee befreit. Während diese drei sofort die Suche nach den beiden noch ine Schnee vergrabene» Kameraden auf- uahmcn, fuhr Unteroffizier Ohlmsen in großer Eile nach Hinterstein ab, um dort Hilfe zu holen. Schon kurz vor 14 Uhr traf aus Hinterstein eine R e t- tungvexpedition von etwa 15 bis 20 Mann am Unsallorte ein, die mit unerhörter Anstrengung bis spät In die Rächt hinein unaufhörlich nach den Verschütteten suchten. Gcgm 24 Uhr mußte die Sucharbeit eingestellt werden, da ein gewaltiger Schnee- stumt und die eigene Lebensgefahr die Rettungsarbeiten unmöglich machten. Während Unteroffizier Ohlmsen Hilfe aufor- derte, wurde ein Trupp w ü r t t e m b e r g i s ch e r Wintersportler, dir sich unter der Führung des Bergführers Adolf BeSler aus Hinterstein ans der bekannten Daumenabsahrt am Koblat im Nebcl- homgcbiet befanden, ebenfalls von einer Staublawine überrascht. Den unermüdlichen Anstrengungen der Verschütteten gelang eS, sich auS den Schnvcmaffen zu hefrricn, aber noch ehe dir Gerettrtrn sich von ihrem Schrecken erholten, sauste wenige Sekunden später eine zlvritegroße Lawine herab, die den Führer sowie einen Skitouristen verschüttete. Der vom Unalück verschont gebliebene dritte Teilnehmer fuhr sofort zum Giebelhaus, um dort Meldung zu machen. Al« man auf dem Nebelhorn von den beiden Unglücksfällen erfuhr, organisierte der H ü t t e n>v i r t sofort eine R et- tun g S e r p e d i t i o n, die kurz darauf aufbrach. Unter unerhörten Schwierigkeit« arbeitete sich die Expedition bis an den Engratsgründer-See vor, mußte aber infolge des furchtbaren Schnee« st u r m e s, der tief in dir Nacht hinein mit unverminderter Heftigkeit anhielt, z u r ü ck k e h r e n. Bollständig im Dunkeln traf diese Expedition um 23 Uhr auf die zweite H i l f e x p e d i t i o n von Oberstdorf, die sich in daS Dauniengebiet vorgearieitet hatte. Auch diese Expedition mußte gegen Mitternacht wegen des tobenden Unwetters die Rückkehr auf das RebelhomhauS antreten. Am Donnerstag früh haben sich die RettuugSexpedition« aus Winterstein und Oberstdorf i» der Stärke von etwa 50 Mann erneut an den UnfallSort bearbm. Bis mittag konnten zwei Personen tot geborgen werden. ES handelt sich um den Bergführer und Skilehrer Adolf BeSler aus Hinterstein und um den Touristen Karl Felix aus Karlsruhe. Tie zwei noch verschütteten R e i ch S>v e h r l e u t e, die Oberfchützen Ackermann und Wutschke, befinden sich noch untre de« Schneemass«. Cafe„Continental" zusammengebrochen! Kampf zwischen Zwangsverwaltung und G. m. b. H. Bleiben die Angestellten auf dem Schlachtfeld Die Prager„Bohkmc" ist exmittiert! Jnü Cast„Continental", den Treffpunkt der Dis« kussiouSfanatiker und unermüdlichen Projektemacher ist am frühen DonnerLtagmorgen gegen %7 Uhr das strenge Regiment des Exekutorü eingezogen. Gewichtige Männer erschienen und machten sich ohne viel Sentimentalität daran, Tische, Stühle und SosaS fortzuschaffcn. Die wenigen Gäste, die um diese Zeit daS Lokal besiedelten, flohen panikartig, noch die Morgenblätter in der Hand, obdachlos geworden, ins Freie. Die Kellner waren völlig ahmingSlos, als die Räumungskolonne eintraf, die, im Schutze eines auf- und abpatrouilliercnden Polizeipostens, selbst die Billardtische fortschlcpptc und die Tische so ungestüm von den Wänden cntscrnt, dast ganze Tapetenstücke mitgingcn. Gegen 9 llhr sah das Cask lvic ein Schlachtfeld aus, ans dem Boden lagen bnntverstaut die Morgenblätter und in einer Ecke stand, melan- cholisch und vereinsamt, eine nur zur Hälfte ausgetrunkene Schale„Schwarzen"... Ein dürftiges Erinnerungsstück an einstige Gemütlichkeit... Der Besitzer des„Continental", Herr Josef W u r in, ist zugleich auch Inhaber des Hotels „R e g i n a" in Marienbad. Dieses Hotel geht überaus schlecht, von Monat zu Monat wachsen die Schulden, und die Gläubiger, darunter die Anglo-Bank, entschlossen sich, die Zwangöverwal- tung deS gutgehenden„Continental" durchzusetzen, um so ivcnigstcnS einen Teil der Gelder langsam zurückzuerhalten. Da aber inzwischen die Familie Wurm eine„Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Cask Continental" gegründet hatte, kam man dem Zwangsverwalter zuvor, zu dem der Cafötier Schmerzenreich vom Hotel „Wilson" bestinimt lvorden war. Der alte Besitzer kündigte feinen Mietkontrakt und die G. m. b. H. schlug einen neuen Vertrag. Die Zwangs« vcrlvaltung erkannte die Berechtigung dieser Aktion nicht an und weigerte sich, das Lokal zu vcrlaffen. Run schic der Hauswirt überraschend die Räumung deS Lokales an und lieh das gc»' samte Mobilar des Cafes auf die Straffe setzen. DaS Mobilar ist gepfändet und gehört den Gläubigern. Auch die Wohnung deS Ehepaares Sturm lvurde von dem aufs Ganze gehenden Hauswirt geräumt. Wie uns der Vertreter der Familie erklärt, betragen die Schulden gegenüber der Anglobank 1,2 Millionen KL. Dazu kommen noch 2,5 Millionen Ke Hypothekenschulden bei einer anderen Bank, die sich aber bisher paffiv verhalten und dem Vorgehen der Gläubiger nicht angeschlossen hat. 200.000 KC schliesslich hat der Egerer Advokat Zentner zu bekommen. Die neuen Besitzer haben uns ausdrücklich zugefi« ch e r t, dah sämtliche früheren Angestellten wieder eingestellt werden. Sie hoffen, das Cask in einigen Tagen loieder eröffnen zu können. Der Bevollmächtigte des Hauswirts versichert, daff er nicht Partei ergreifen wolle. Es sei aber notwendig gewesen, die Räumung deS CafkS durchzusehen, um etwaige Schadenersatzansprüche der neuen Mieter illnsorisch zu machen. Wie immer bei solchen Zusammenbrüchen sind die Angestellten die Leidtragenden. Sie, die bei täglich zwölfstündiger Arbeitszeit nur 147 KL in der Woche verdienen und auf die Trinkgelder nngclvicscn sind, die sich im Durchschnitt auf 25 KL täglich belaufen, sind über Nacht in ihrer Existenz aufs schwerste gefährdet. Der wirklich dürftige Pauschalznschlag für Ucberstunden in Hohe van wöchentlich 17 KL wurde ihnen im Laufe der letzten Wochen nm etwa 50 Prozent gekürzt. Von ihrem Gehalt gingen noch 5 KL für Bluscnwaschen ab, sie mufften auffer dem Hause effen und erhielten den höchst unzulänglichen Verpslegnngösnh von 8 KL täglich. Diese Unzu- lräglichkeitcn waren Ivohl auch eine Folge dec bedauerlichen Tatsache, daff man im„Conti" keinen Betriebsrat kennt. Da die Gehaltszahlungen am Samstag zu erfolgen pflegten, ist der Arbeitgeber, d. h. der ZivangSverwalter, mit dec Bezahlung von 5 Lohntagen im Rückstand; die Kellner sind nicht gekündigt, haben also auf jeden Fall Anspruch auf Lohn und auch ein Anrecht auf Zahlung einer Entschädigung für den Trink» geldauSsall ab Donnerstag früh, lieber die Regelung dieser Dinge ist noch keine Entscheidung getroffen worden. ES muff dringend verlangt werden, datz die Känipfe zwischen Gläubigern und Schuldner, in die uns zu mischen tvir keinen Anlatz haben, nicht auf dem Rücken der Angestellten auSgetragcn loerden! Am Donnerstag Nachmittag fand eine Versammlung der betroffenen Kellner statt, die zu der Situation Stelluiig imhm.Es hat im Augenblick den Anschein, als ob die Wiedereröffnung .deS CafkS auf erhebliche Schwierigkeiten stoffen wird. Schilda in Prag. Wir berichteten schon einmal über die skandalösen Vertehröverhältniffe in dem Wohnviertel„Rad Jezcrkon" auf dem Pan- kräc. Nach dcni Erscheinen unserer Notiz hat man sich darangemacht, den VerbindungSivrg von Rad Jezerko» in daö Michlcr Tal hcrzurichten, dann'! die Bewohner wenigstens eine brauchbare Verbindung bei schlechten Wittcrungsvcrhältniffcn haben sollten. Der Weg ivurde aber nur zur Hälfte gepflastert, dann schaffte man daS schon vorbereitete Material wieder fort. Wenn eS regnet, ist der obere Teil deS Verbindungsweges nach wie vor ungangbar, um so mehr, als keine Kanalisation eingerichtet wurde. DaS Waffer rinnt in der Mitte deö Steiges zu Tal und rcifft tiefe Gräben auf. Mit groffcm Kostcnauftvand tourde in den letzten Wochen der Ha n g hergerichtet, den der genannte Weg umgibt. Einige Dutzend Arbeiter wurden dabei beschäftigt. Der Weg wurde durch den MaterialtranSport nicht bester, solidem schlechter. Nun wurde, offenbar nm ein lieberlaufen des WaffcrS auf den Steig z» Verbindern, dessen Niveau gehoben— durch Aufschütt» iz von Lehmmateriali Hätte man seinerz.it. den Weg bis hinauf gepflastert, so wären alle diese Flickarbeiten, die schon eiuigemalc erfolglos durch- gefiihrt wurden, nicht nötig gewesen. Die Verschönerung deö HangeS konnte noch anfgcschobcn werden, bis zu dem noch immer tvachsenden und schon von Tausenden Menschen betvohnten neuen Viertel ein brauchbarer Verkehrsweg hergestellt gewesen wäre.— Warum werden diese Arbeiten nicht planmässiger durchgcfnhrt? Warum nimnit man keinerlei Rücksicht auf die berechtigte» Wünsch« der Betvohncr? Warum macht man nur halbe Arbeit, und wirft so daS Geld tatsächlich zum Fenster hinaus? An alle Genoss«, deren Kinder dir Weinberger Volksschule besuchen, ergeht nochmals die dringende Aufforderung, heute, Freitag, abends um 7.llhr, zu einer änfferst Ivichtigcn Besprechung in der Redaktion deö„Sozialdemokrat", Prag XIl., Fochova ttida 02, zu erscheinen. Die Besprechung betrifst die am kommenden Sonntag stattfindenden Ergänzungöivahlen in den Ortö- schulrat. Gcrichtssaal Dirigent 8ak unter Betrugsanklage Sonderbare Sammlungen für ein Jiräsek« Denkmal Prag, 18. Jänner. Wladislaw B. S a k, der llniernehmrr der bekannten Sak-Philharmo- nie stand heute unter Anklage des Betruges vor dem Senat M a r e i e k. Die Anklage betrifft eine vorläufig noch recht dunkle Angelegenheit. Sak hatte als Begründer und Präsident des „ll m kl ec kh K l» b" lKünstlerklub) nach dem Tode des Nationalschriftstellers I i r ä s e k eine» eigenen F o n d s im Rahmen dieses Klubs ins Leben gerufen, dessen Zweck die Errichtung eines Jlräsekdenkmals sein sollte. Zu dem genannten Zweck besteht eine offiziell anerkannte „I i r ä s e k- G e s ell sch a f t", der solche Spenden zuzuführen sind. Mit der Sammeltätigkeit des Künstlcrklubs war ein gewisser Franz H o r ä k e k betraut, deni eine Provision von 90 Prozent des SannnelergebnisseS zugesichert wurde. Gesammelt ivurde«, 90.000 KL, von denen die Hälfte, also 45.000 KL dem als„S e k r e t ä r" eingestellten tüchtigen Sammler H o r ä c e k zu- slossen. Aber auch von dem Rest bekam die offiziell befugte Smnmelstelle, nämlich die„Jiräsek- Gesellschaft" bis heute nichts zu sehen. Zunächst hieff es so allgemein, daff die gesammelten Gelder„f ü r R e g i e z w e ck e" verbraucht wor- deu seien. Nun Ivar freilich die Frage aufzuwerfen, wozu denn eigentlich solche groffangelegte Sammlungen durchgeführt werden, ivenn f ü n f i g Prozent auf Provision und die andere Hälfte auf„Regiekosten" aufgehcn sollen. Znr Klärung dieser Frage wurde Strafanzeige jgegen den Initiator dieser Sammelaktion, Herrn ! S a k, u n d den„S e k r e t ä r" H o r ü 111 erstattet. Herr Sak erklärte bei der heutigen Berhand- lnng, er habe bloff als Klnbpräsident einen Beschluss der Gcneralvcrsanunlung deö„Künstler- kl u b s" dnrchgeführt. Der„S e k r e t ä r" H o r ä- k ek, der auf die Frage des Vorsitzenden allerdings bekennen musste, dass er„e i g e n t l i ch nicht v" •,it tun gehabt habe, cklö eben nur diese sonderbare Sammlung zu betreiben, betonte wieder, er habe nur ausgesührt, wozu er kommandiert lvorden sei. Das Gericht beschloss schliesslich, unter Berücksichtigung der B e z n g S b«. d t n n n ng e n: Bei Zustellnug ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 06,— gamlähria KL 102«niernfe werden laut Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Pre-snachlass.— RücksteUung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendling der Retourmarken.— Die Zeitunaöfrankatur wurde'von der Polt- und Tclcaravbcn. direktton mit Erlass Rr. 13.800/Vll/10S0b«willigt.— Druckerei:.^OrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitunaS.A-G. Prag* unD^legrapyen. Seite 6 Freitag, 10. Jänner 1034 Sozialdemokrat Nr. 15 Dem Andenken der Ofseker Opfer war ein künstlerischer„Bcrgarbeiterabend" gewidmet, der von der Zdrave Gcuerazc, der Mir« sorgeorganisatio» unserer tschechischen Genossen, DonnerSil" abend unter dem Protektorate des FHrso rgem in isters Genossen Dr. Czech, im Lu- zernasaale veranstaltet nnirdc. Das reiche, künstlerisch hervorragende Programm enthielt Motive ans dein Leven, Kampf und Tod der Bergarbeiter. Die Veranstaltung wurde ton der Bcrg- arbciterlavelle Kladuo mit dem»Liede der Arbeit" eiugeleitct. ES folgten GesangSvorirage der„Th- pographia", der Opernsängerin Horak, des Säugers vom Aationallheaier Toms, drei Rezita- tivnen von Eva BrchliLla(Hasel, Hora), des Schausniesers Kohot^Jiti Wolter), Sprechchöre, der auch nnsern Genossen bela.ntcn Gruppe ReZi- dak-Resvojs. Besonders Bezrucs lvundervolles Gedicht Bergleute-Bergleute I erzielte eine ergreifende Wirkung. Im grosten und ganzen, ein schöner und tvürdiger Abend, von dem zu hoffen ist, das; er auch in materieller Beziehung den Erlvar- tnugcn, die mit demselben verbunden wurden,, im Interesse der Wiilve» und Waisen der auf der Grube Nelson gefallenen Bergarbeiter entsprechen tvcrde. Verteidigung 2 a k S, das;„immerhin" ein ganzes Drittel der gesammelten Gelder noch irgendtvo vorhanden sei, eine gründliche ll e b e. r p r ü- f u ii o der Geschäfts b ü ch e r des Künstlerklubs vorzunelimcn und vertagte zu diesem Zweck die Verhandlung auf unbestimmte Zeit. rt>. Günstigste Belehnung von Versatzscheinen Von der SchandprariS der Winkelbankirrö. Prag, 18. Jänner. Die Winkelbank- geschäs«c haben sich beute zn einer regelrechten Landplage ausgewachsen. Schlag aus Schlag platze«« Skandale um solche„F i n a n z i n st i t u t c" und hinterlassen einen derart durchdringenden Gestank, das; der Ruf nach einem drakonisch durchgreifenden Wirtschaftsstrafrecht immer lauter und eindringlicher ertönt. Mit dem armseligen Betrugsparagraphen eines auf längst überholte Wirt- scha,.svcrhälnisic zngeschnilienen greisenhaften Siras- gesctzes ist diesem Nebel kcincslvegs beizukommcir. Die zwei Henle vor dem Senat Pazdersky angcllagten Lämpchen halten natürlich keinen Vergleich mit ihren grosvn Kollegen von« Schlage der Seb e st y c n s, L a u s ch c r und Konsorten aus. Der 70jährige Wenzel Sedniihradskv und der 23jährigc ZdenLk Nirä-ck, haben immerhin im kleinen das Beispiel dieser grosten Vorbilder nachgeahmt. Es ist ein und derselbe Thpus— nur im Format verschieden. ' Die beiden Kumpane errichteten mangels anderer Beschäftigung ein„B a n k g c s ch ä ft" und rückten also in die Kategorie der„privaiwirischaftlich schöpferische» Persönlichkeiten" auf. Die schöpferische Tätigkeit dieser Unternehmer bestand, ganz ähnlich, wie die ihrer»grosten" Kollegen in s ch a m l o s e st e r A u S w u ch e r n n g und gewissenloser Prellung ihrer notleidenden Mitmenschen. Dieses famose„B a n k- haus" gclvährte Kredite auf Versatz- scheine. Welcher Art diese„Lombard- geschäfte" waren, gehl zur Genüge daraus hervor, das ste 5. B. auf Versatzscheine über Wertsachen im W e r t e von 12.000 AL ganze 00 AL(sechzig AL) Darlehen gaben. Tie Versatzscheine verkauften sic unverzüglich, obwohl natürlich deren Verpfänder das Eigcn- tnnisrccht bis znr Versastsfrist^atlcn. Dast sie für ein Darlehen von»00 AL monatlich 70 AL Zinsen verlangten, ist nur eine weitere Illustration für die Methoden dieses feinen Konsortiums. Einer annen alten Frau gaben sie einen„Kredit" von 10 AL, für den sie monatlich k> AL Zinsen berechneten, was einem ZinSfust von 600 Prozent entspricht. Und dies sind nur einige wenige Beispiele! Daö Gelungenste m« der Sa^' ist, dast dieses saubere„BankhauS" überhaupt kein Betriebskapital hatte und sich im Falle solcher Darlehensgeschäfte selbst die paar Krone» ansleihcn musttc, um sie zu Wucherzinsen anzulegen. Natürlich machten die feinen„Vanlhcrren" noch groste Schlvie- rigkeiien, ehe sie sich zn einer Kreditunvcisung überhaupt hcrbeilicstcn. Sie tvarcn heute wegen K r e d i t w n ch e r S angeklagi und luustteu durch Nominierung von allerlei Zeugen die Vertagung des Verfahrens zu erreichen. Wahrhaftig— es ist Hobe Zeit zur Schaffung eines radikal durchgreifenden Wirts chaftsrechteSl rb. Sport• Spiel• Körperpflege Zu den Hauptfrfttage» des 3. BundrS-Turn- und Sportfestes des Verbandes der D. T. I. 6, (3. Tschechoslowakische Arbeiter-Olympiade) kommen aus Anierika zwei groste Expedition e u nach Prag. Veranstalter der Expeditionen sind die in Cleveland und Chicago lvirkeuden tschecho-amerikanischen Arbeiter- Turnvereine genieinsam mit dem amerikanischen Arbeiter-Sokol, welche die Olyinpiade mit einer Männer- und Frauenrirge zu den turnerischen Wettkämpfen beschicken. Wiener Arbeiterfussball Phönix Schwechat gegen Hclfort 4:1(1:1), Rag gegen E-Werk im Cup 7.8(3:0), Fall. Al. gegen RudolsShügcl 4:8(1:1), Floridsdorf gegen Donaufeld 4:8(2:1), Zentralverein gegen Delka 6:1(6:0), Liesing gegen Neu- Kettenhof 4:8(1:2). Die Arbeiter-Eishockey-Meisterschaftsspiele in Wien scheinen Heuer in der 1. Klasse sehr interessant zu tverden. Strasten bahn gewann gegen Favoriten mit 4:0 und führt nun schon mit sechs Punkten vor Altmannsdorf, während der Meister Brigittenau das Pech hat, nochmals mit Mödling zu kämpfen.— Stadlau blieb gegen Wieden mit 2:1 siegreich. aus Ganzgummi wasserundurch Warme Schneeschuhe mit lässiger Gummisohle. Ganzgummischuhe iede Witterung.— Für Hausfrauen: daheim und auf dem Hofe, auch bei feuchter Witterung: diese Schuhe mit wasserdichter Gummisohle. „GENERALSTIEFEL" Bei Frost und nasskalter Witterung: diese warmen Meltonschuhe mit Gummi-Besatz und -Sohle, die wasserundurchlässig ist. Hausschuhe zum Knöp- fein, mit wasserdichter Gummisohle.— Für Frauen: warme, bequeme Meltonschuhe mit Besatz und Sohle aus Leder. Bei schlechter Witterung: diese warm gefütterten Ganzgummi-Oberschuhe, die Ihre Schuhe schonen und Ihre Gesundheit schützen. Neuheit— Gummi-Oberschuhe In Kroko-Imitation*— Warm- bequem und praktisch. Oberteil aus warmem Melton, Lederbesatz und kräftige Doppel-Ledersohle. B.-7 Bei Arbeiten in Frost und bei feuchter Witterung: warme Meltonschuhe mit wasserundurchlässiger Gummisohle. 2Z° t Kunst und Wissen Alexander Zemlinsky der ehemalige Opernchcf des Prager denlschcn Theaters und bekannte Dirigent, dessen neue Oper„D e r Kreidekrei ö" am Mittwoch in Stettin, wo an diesen« Abend die reichsdentsche Erstaufführung stattgesnnden halte, zu weiteren Ausführungen verboten tvurde, trotz des künstlerischet« Erfolges, den das Werk, so wie in Zürich der Uraufführung, so nui« auch in Stettin gefunden hatte. Als Grund des Verbotes tvird angegeben, dast der Inhalt des Stückes(der Text ist von K l a b u n d)„dem sittlichen Denken des deutsche«, Volkes w i d e r s p r e ch e". Mai« kann nun neugierig sein, ob die Berliner Aufführung, die für eine«« dec nächsten Tage angesetzt ist, stattfinden lvird oder nicht. Suk-Ausstellung Josef Suk, der bedeutende tschechische Komponist. war a««lästlich seines 60. Geburtstages am 4. Jänner Gegenstand zahlreicher Ehrmigen. Eine ganze Reihe von Sul-Konzerten tvurde veranstaltet, die das künstlerische Lebenstverk des Meisters in nahezu erschöpfender Weise zum Erklinge«« brachten. ' Vorträge über dcst Komponisten und seine Werk» tvurde» gehakte«« und Ehrungen aller Art wurden ihn« zuteil, deren gröstte wohl die Verleihung des reich dotierten Smetana-PreiseS Ivar. Nun habet« die Freunde Suks auch ein« Siik-AuSstellung zustande gebracht, die an« Mitttvoch nachmittags ii« der Zentralbücherei der Stadt Prag in feierlicher Weise eröffnet wurde. Fast aste groste» tschechischen Musik- und Musikcrvcreinigungcn Prags haben sich mit anderen Korporationen zusammengetan, um diese letzt« groste Sul-Feier zu ermöglichen: Die Tschechische Philharnwnie, das Böhmische Streichquartett, der Tschechische Kammermusikverein, die Musiksektion de« IlmLlcckä Beseda, der Klub der Orchesterkünstler, das Radiojournal, das Nationaltheater, das Tschechisch« Staatskonservatorium und andere. Mit alle»« diesen Musikkörperschaften war Suk bisher künstlerisch meh« oder lveniger verbunden, und seine Beziehungen zu ihnen kommen in der nun eröffneten Sul-Ausstel- lung auch deutlich zum Ausdruck. Diese vielfachen künstlerischen Beziehungen Suks zu den führenden j tschechische«« Musikkörperschaften offenbaren in der Fülle des in der Ausstellung zusmnmengctragenen Materials auch die künstlerische Bedeutung Suks für das Prager und tschechische Musikleben überhaupt. Wie aste derartigen, einem Künstlerlebei« und jkünst- lerschassci« gewidmeten Ausstellungen enthält auch diese Snk-Aiiüstestuug in erster Linie Handschriften, Briefe, Drucke, Photographien, Bilder, Karikaturen, Faniilienandcnken und intime Dokumente aus des Meisters Leben und Schaffen. ll««gcwöhnlich reich- \ haltig ist das ausgestellte und übersichtlich geordnete I AiisstellungSmaterial, das nicht nur von den« austerordentlichen Fielst und der Mühe der Veranstalte, der Ausstellung zeugt, sondern auch von der Liebe I und Wertschätzung, deren sich Suk bei seinen tschechischen Zeitgenossen erfreut. Aber auch der Nicht- !«scheche, der diese Ausstellung besucht, lvird den tschechischen Meister Suk schäven lernen. Ivenn er seines reichen und bedeutende«» künstlerischen Schaffens an Hand der ausgestxlllen Schriften und Dokument« im»e lvird. Ausgestellt sid auch auf Suk bezugbabend? od-: ihm gewidmete Originallverk« bedeutender tschechischer bildender Künstler^ von Böttinger, KviLala, O. Nejedlh, Spaniel und Svabinskh. Wer Sinn für Musik und für'Hinblicke in die künstlerische Werkstatt eines schaffenden Tonkünstlers hat/ dec versäume nicht, diese Ausstellung zn besuchen. Der eigentlichen Ausstellungserüffnung ging eine kleine Feier im festlich geschmückten kleinen Büchercisaale voraus, die durch Bläserfanfaren eingeleitet und abgeschlossen wurde, linier den zahlreichen an- lvcsenden Festgästen befand sich auch der Präsiden« des Abgeordnetenhauses Dr. S t a»»L k und Schulminister Dr. D L r e r. Dieser gehörte auch zu den Suk ehrende«« Festrednern. Zum Schlust sprach Suk selbst warme DankcSworte. E. I. Spielplan des Neuen dentschc» Theater. Samstag: Erstaufführung, halb 8 llhr:„Tango um Mitternach t". Spielplan der Älrine» Bühne. Freitag, halb 8 Uhr: Erstaufführung„W ei st er Fliede r". — Samstag, 8 Uhr„WeisterFlieder". Mitteilungen aus dem Publikum Am 18. d. M. verschied hier Fra«« Klara Taussiq, AdvokatenSgattin. 100 Urania K no, UllmenIM 4, Das Konzert Hermann Vahr.)* In den Hauptrollen: Olaa Tschechowa, vrsuia glradlev, Walter Janssen, Karltoels, äitllnaer.